Literaturgefluester

2022-01-31

Feuerland

Hurrah, hurrah, ich bin fertig mit dem vorjährigen Buchpreislesen, ist iMchael Hugentoblers „Feuerland“ doch das letzte Buch der Schweizer Buchpreisliste, das etwas verspätet zu mir gekommen ist, so daß ich es jetzt erst lese, weil mir ja auch die Bloggerdebutshortlist vorziehen mußte.

Es ist aber interessant, daß ich es nach Michal Hvoreckys „Tahiti Utopia“ gelesen habe. Denn es gibt Parallelen zwischen den Büchern, die von einem slowakischen und einem schweizer Autor geschrieben wurden. Haben sich beide doch, was jetzt sehr modern zu sein scheint, historische Persönlichkeiten ausgesucht und sich mit diesen auf eine Art utopische Reise begeben oder einen etwas skurril scheinenden Schelmenroman daraus gemacht.

Der Stil des Buches, das mich teilweise an E. T. Hoffmann erinnert hat und der sehr skurril ist, hat mir im Großen und Ganzen gefallen. Manchmal war es mir ein bißchen zu skurril. Aber eigentlich mag ich den den etwas altmodisch wirkenden Stil und es war auch relativ leicht zu lesen.

Es geht um ein Wörterbuch. Da könnte ich auch eine Verbindung zu „Wolkenkuckucksland“ ziehen, das ja auch ein Lobpreis auf Bücher ist, aber das ist eher ein literarischer Abenteuerroman. So würde ich den 1975 in Zürich geborenen Thomas Hugentobler nach oder neben dem Buch der Martina Cavaldetscher reihen, das mir, obwohl viel moderner im Stil auch sehr gut gefallen hat.

Es geht um ein Wörterbuch, nämlich um das der Yamala, das es wahrschein ebenso gibt oder gab, wie den britisch-argentinischen Missionar Thomas Bridges 1842-1898 und den deutschen Ethnoglogen Ferdinand Hestermann 1878-1959.

Dann gibt es noch eine Art Nachwort, wo Michael Hugentobler, der Vielreisende, schreibt, daß er vor einigen Jahren in Argentinien war und da von einem alten Mmann „Vom Geist des Missionars“ hörte, der „nach seinem Buch sucht“ und dieses hat er dann tatsächlich in einer britischen Bibliothek gefunden und dann beginnt der Roman mit einer Szene auf einer Bank, wo ein Buch vergeßen wird. Ein Buch mit einem blau-rot marmorierten Rand, das der Finder, dem Davoneilenden nicht zurückgeben kann.

Dann sind wir im Jahr 1938 in Münster. Ein paar Tage vor dem Anschluß Österreichs und da lernen wir den als etwas seltsam beschriebenen Ferdinand Hestermann kennen. Er ißt fast nur Zwieback, raucht ständig „Lux“ und hat im Hörsaal Schwierigkeiten mit einem Nazistudenten, der ihm sagt, daß sie bald alle Bücher holen werden und er auch auf den Index steht. Das bringt Hestermann auf die Idee das gefundene Wörterbuch der Yalmala, seinen großen Schatz, nicht den Nazis zu überlassen, sondern in die Schweiz zu bringen.

Das ist der erste Teil. Im zweiten gehen wir nach Patagonien und zu Thomas Bridges zurück, der auch ein wenig seltsam ist. Ziehsohn eines Missionars, der mit einem einheimischen Freund, den Wortschatz der Yamana-Indianer erforscht und dem das Buch dann gestohlen wird.

Teil drei spielt wieder 1938, Hestermann ist in der Schweiz, wird dort von einem „Mann mit dem bösen Mund“ verfolgt, das gibt einige sehr sehr skurrile Szenen, baut dort eine Bibliothek auf und das Buch das er schließlich unter seiner Hose versteckt, wird ihm auch gestohlen und nach London gebracht, wo sich der Kreis schließt.

Wie schon beschrieben, ein sehr phantastisches Buch und ich habe als Studentin sehr gern E. T. Hoffmann gelesen. Man kann es vielleicht auch ein bißchen mit Elias Canettis „Blendung“ vergleichen, das mich vor zig Jahren auch sehr beeindruckt hat.

Wenn man darüber nachdenkt oder sich in die Biografien der beiden Protagonisten einliest, denkt man wahrscheinlich, „Das waren wahrscheinlich keine so skurrile Figuren und darf man sie verhunzen?“

Eine Frage, die ich an meine Leser weitergebe und wie auch schon geschrieben, es wäre bei mir an zweiter Stelle des „Schweizer Buchpreises“ gekommen.

Dann kann ich vielleicht noch anfügen, daß ich gerade ebenfalls versuche aus der „Effi Briest“, dem „Gretchen“ und der „Frommen Helene“ einen modernen Roman zu machen, der wahrscheinlich auch einen etwas altmodischen Diktus hat und bisher eine eher kurze Novelle geworden ist.

2022-01-30

Nur sehr kurzes Frauenleiden?

Filed under: Schreibbericht — jancak @ 00:35
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Es ist ja immer dasselbe, da nehme ich mir vor, aber diesmal wirds wirklich ein langer Roman und wenn ich es nicht gleich hinbekomme, werde ich es solange umschreiben, bis es klappt und dann klappt es nicht. Die Korrigierphasen bestehen hauptsächlich aus Recht- und Inhaltsfehler. Aber was Wesentliches kommt selten hinzu. Höchstens Mal eine Szene, wie beim „Arbeitstitel“ das bisher mein kürztestes Werk ist und ich schreibe ja sehr viel, habe ich ja im Vorjahr drei Corona-Texte geschrieben und die diesbezüglichen „Literaturgeflüster-Artikel“ als Buch herausgebracht, das lasse ich jetzt weg und wenn es „Nanowrimos“ , wären müßte ich viel anstückeln und das habe ich bei denen, die ich geschrieben habe, auch öfter gemacht beim „Fräulein No“ habe ich ein paar Szenen angefügt, die ich später weggelassen habe und dafür dem Buch die Schreibberichte anfügte, damit es in der Rohfassung fünfzigtausend waren. Beim Korrigieren ist dann ohnehin noch viel weggekommen. Die „Liiteraturgeflüster-Bücher“ sind sehr dick, aber das sind ja Blogartikel. Die „Radiosonate“ war das auch, dafür ist das „Haus“ dann wieder kürzer geworden und den „Arbeitstitel“ habe ich ja auch sehr schnell geschrieben und er ist sehr kurz geworden. Macht ja nichts, aber das Nächste wird dann lang, versprochen, denke ich dann und das stimmt ja auch, vor allem wenn ichs selbst verlege, kanns so kurz sein, wie es will und der „Arbeitstitel“ ist nach der ersten Umschreibphase, ja, da habe ich es dann um vierzig Jahre nach vor verlegt, sehr flüßig geworden und dann kam mir noch in dem „Plan dein Romanjahr-Webinar“, das „Frauenleben“, konzipiert, habe wie immer flott losgeschrieben oder doch nicht so ganz, denn ich habe, bevor ich damit angefangen habe, sogar die Arbeitsblätter nochmals ausgefüllt und dann natürlich nicht zwei Jahre meinen Roman vorausgeplant und auch nicht jede Szene vorher, sondern habe da immer einige im Voraus. Aber wenn ich anfange, weiß ich eigentlich, wo ich hinkomme und denke wirklich, das wird jetzt ein Monsterroman, dann habe ich irgendwann das Konzept. Vorher kann ich meistens nicht sagen, ob ich jetzt im ersten Drittel oder schon über der Mitte bin und dann weiß ich, ich bin bald fertig und in letzter Zeit denke ich dann, uje erst dreißigtausend Worte.

Bei den „Nanos“ konnte ich es immer darüber bringen, beim „Fräulein No“ wars schwieriger. Da hatte ich am Ende, glaube ich, auch soviel und diesmal hatte ich eigentlich die Handlung und dachte, uje, das müßte ich um die geplanten 60000 Worte, die ich mir ja diesmal fest vorgenommen habe, verdoppeln, aber dann wird es nicht. Denn es ist ja eigentlich schon dicht und das ist es, glaube ich, auch und flüssig geschrieben und so kann ich wieder schreiben:

Rohtext fertig 30 337 Worte, neunundzwanzig Szenen, sechzig Seiten, in der Rohform. Das heißt, jede Szene einmal korrigiert. Also wenn ichs durchkorrigiere habe ich wahrscheinlich fünftausend Worte weniger und schließe wahrscheinlich dicht an mein bisher kürzestes Geschichterl an. Aber es ist dicht und ich habe die drei geplanten Handlungsstränge und die auch in die Rahmenhandlung verwoben. Das ist mir, glaube ich, ganz gut gelungen und bekannte Elemente sind natürlich auch wieder drin. Der alte Onkel, der achtzigjährige Lektor, der eigentlich der Ausgangspunkt war, der täglich zum Grinzinger Friedhof fährt und dort seiner Rosi, das Geschehen erzählt.

Das gibts schom im „Fräulein No“ und in der „Radiosonate“ trauert auch einer um seine Frau. Aber die ist erstaunlicherweise sehr lang geworden, wohl weil ich mich an die Jahresstruktur hielt.

Und als ich damals den Lektor hatte, dachte ich noch während ich die „Show not tell-Szene“ geschrieben habe, an die Emma, die Sprachkunststudentin werden will und eine Romanausschreibung über „Frauenleiden“ findet. Dann geht sie zu ihrem Onkel und der gibt ihr den „Faust“ zu lesen, die „Effi Briest“ und die „Fromme Helene“, wohl um sie abzuschrecken und daraus entwickle ich den Roman.

Das hat sich dann sehr flüssig entwickelt. Es gibt wieder die Nachbarin und die Beobachtungen, die sich daraus entwickeln. Die der Emma heißt Helene Hofer und hat eine Flasche Eierlikör, als sie vom Einkaufen kommt und die ist natürlich eine Impfverweigerin wie die Mathilde oder die Alberta Wassermann, da konnte ich nicht anders und in der „Magdalena Kirchberg“, habe ich ja auch eine Dreiecksbeziehung. Da sieht die Magdalena drei Personen in einem Auto und will über sie eine Geschichte schreiben. Jetzt findet die Emma die fromme Helene in ihrer Nachbarin, das Gretchen ist ihre Freundin Greta, eine Jusstudentin und Umweltaktivistin und wurde einmal von ihrem Prof gestalkt. Jetzt trifft sie ihn wieder und verliebt sich in ihn und die Effi ist die Freundin der Helene, eine Krankenschwester, die Ehe ist ein wenig fad geworden, der Oberarzt verführerisch und während sie sich das läßt, geht der Mann zur Freundin und bringt Orangenlikör und das ganze erzählt, die Emma ihrem Onkel, dem sie Kolatschen oder Sachertorte bringt, damit er nicht versumpert und der erzählt es dann seiner Frau am Grab.

Eigentlich ganz schön viel für knapp sechzig Seiten oder dreißigtausend Worte. Zumindest kommt mir das vor und jetzt werde ich mir natürlich wieder die Romanplanung vornehmen und versuchen das Ganze vielleicht doch noch aufzupäppeln, verdoppeln oder neuzuschreiben. Mal sehen, ob es mir gelingt?

Bisher ist es das nie und muß wahrscheinlich auch nicht wirklich und die Effi Briest habe ich mir in Harland auch aus dem Regal holen wollen, um sie zu lesen. Der Bernhard liest sie seiner Rosi vor. Die „Fromme Helene“ habe ich mir aus dem Internet geholt. Das sechzehnte Kapitel „Es ist ein Brauch seit altersher: Wer Sorgen hat, hat auch Likör!“ ausgedruckt. Auf die „Effie“ mußte ich warten, weil erst jetzt wieder in Harland und ich werde auch schauen, ob ich das Buch finde und vielleicht kann ich auch noch was verändern oder einzubeziehen, in der „Dora Faust““ habe ich mich übrigens auch schon mit dem „Gretchen“ beschäftigt und dieses ist, glaube ich, sehr modern geworden, obwohl ich ja wahrscheinlich doch eine eher konventionelle Schreibern bin.

Neugierig geworden? Nach der Bearbeitungsphase kann man dann in der Vorschau darüber lesen oder diskutieren bzw. die Gewinnspielfragen beantworten. Über mein Schreiben und die Verknüpfungen bei fast sechzig Büchern gibt es sicher automatisch viele Überschneidungen. Darüber kann man im „Literaturgeflüsterbuch II“ lesen und jetzt überarbeiten und sagen, macht ja nichts, habe ich halt kürzere Bücher. Erzählungen statt Romane. Novellen sage ich meistens dazu. Was vielleicht auch ganz gut ist, weil die Leute, wie ich immer höre, auch eher Kürzeres lesen wollen.

2022-01-29

Schizophren erscheinende Widersprüche?

Filed under: Alltagsgeplauder — jancak @ 17:04
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Da würde der Sozialpsychiater Heinz Katschnig wohl aufschreien und das stimmt so auch nicht. Denn die Widersprüche, die derzeit in der Corona-Politik passieren, haben nichts mit dem Krankheitsbild der Scizophrenie zu tun, obwohl man das denken könnte, wenn jetzt in der Zeit, wo es cirka vierzigausend positive Testungen am Tag gibt, weil das Omikron Virus durchrauscht, werden von Lockerungen gesprochen.

Ich bin, um nicht mitßverstanden zu werden, dafür und denke auch, daß man gar nichts anderes machen kann, als das Virus durchrauschen zu lassen.

Es läßt sich durch die strengsten Lockdownbestimmungen, wie man sieht, nicht verhindert und, daß die ersehnte Null Covid-Stratiegie nicht wirkt, hat man jetzt wahrscheinlich auch in Australien und China gemerkt, aber es kommt in Österreich ab nächster Woche als erstes europäisches Land die Impfpflicht für alle ab achtzehn Jahren und die medizinischen Befreiungszertikikate werden, wie zu befürchten ist, vielleicht nur schwer zu bekommen sein und ab dem fünzehnten November waren alle Ungeimpften im Lockdown, das heißt, sie dürfen, jubelten die Medien auf, ihr Haus oder Wohnung nur zum Arbeiten, spazieren gehen oder einkaufen verlassen. Zu ihrem Schutz hat damals Gesundheitsminister Mückstein verkündet. Denn es gibt die Pandemie der Ungeimpften! Daß es die nicht gibt, hat soätesten Omikron bewiesen, denn seit dieser Zeit oder noch ein bißchen länger gilt überall 2G also keine Friseurbesuche,, kein Restaurant kein Kino aber auch kein Einkauf in einem Schuhgeschäft für Ungeimpfte und vor dem Geschäft reihen sich die Polizisten auf, denen man seine Ausweise zeigen muß! Was man vor allem was den Friseurbesuch betrifft auch ein bißchen gegen die Menschenrechte interpretieren könnte, wenn alle ungepflegt herumlaufen müßen. Denn wenn man schon Maßnahmen braucht, mit einem PCR ist man sicher weniger ansteckender, als der nicht getestete Geimpfte. Das sieht man ja ia m jetztigen Bundeskanzler, der trotz dreifacher Impfung Omikron bekam, aber nicht schwer krank wurde.

„Das ist wegen der Impfung!“, sagte der dann. Aber vielleicht ist das Omikron-Virus wirklich nicht viel anstreckender, als eine Grippe und wenn vierzigtausend Menschen täglich positiv getestet werden und dann alle, um sie rum vierzehn Tage in Quarantäne gehen müßen, bricht die infrastruktur zusammen. Deshalb wurden schon vor einigen Wochen die Quarantäneregeln gelockert, was man als ein Hinzielen auf die sogenannte Herdenimmunität interpretieren könnte. Da schreien die Schüler aber auf, die in den letzten zwei Jahren wirklich sehr traumatisiert wurden, was man wahrscheinlich lange noch bemerken wird, denn die wollen natürlich keine Versuchskaninschen sein und einer Longcovid-Gefahr ausgesetzt werden, wobei ich mir denken daß sie vielleicht auch ein Longmassnahmensyndrom bekommen, denn wenn sie den ganzen Tag lang Maske tragen müßen hat das vielleicht Auswirkungen bezüglich Konzentration, etcetera, was man wahrscheinlich erst später merken wird.

Also Impflicht ab vierten Februar. Exekutiert wird das dann ab fünfzehnten März von der Polizei, wenn man beispielsweise ohne Maske bei einer Demo in ein Planquadrat gerät, weil Elga das vorher nicht schafft, jeden Ungeimpften den Strafbescheid zuzuschicken. 2G, Lockdown für Ungeimpften, Sperrstunde um zweiundzwanzig Uhr und strenge Kontrollen, wenn man in ein Buchgeschäft oder bei der „Aida“ Kaffee trinken will. Lichtbildausweis und Impfnachweis zeigen, klingt ein wenig pervers, denke ich und das werden wohl auch andere denken und so stöhnten die Handelsvertreter „Die Geschäfte sind leer und der Lockdown muß beendet werden, denn wir sind sicher und wenn der Ungeimpfte im „Spar“ Mlch und Butter kaufen kann, wieso darf er dann nicht Schuhe kaufen?“

Virologisch ist das nicht erklärbar, nur als Strafmaßnahme, damit sie sich endlich impfen lassen! Aber das müssen sie ab Februar sowieso und außerdem gab es ja im Oktober einen Stufenplan. Da hieß es, ab sechshundert belegte Intensivbetten Lockdown für Ungeimpfte und jetzt haben wir unter zweihundert. Also wieso 2G, etcetera? Das hörte man in der letzte Zeit von den Handelsvertretern und den Gastronomen öfter: Der Lockdown muß weg!

Das ist er jetzt oder wird es ab Montag sein. Da wird er dann nicht mehr verlängert werden. Das heißt, jetzt kann ich auf der Straße gehen und muß dem Polizisten nicht erklären, daß ich einkaufen oder auf die Bank gehe! Ich kann sogar zum Schuhgeschäft gehen, aber nicht hinein und „Das ist ja pervers!“, wurde da dann aufgeschrieen und so wurde wieder gelockert, was eigentlich ohnehin selbstverständlich wäre, Sperrstunde ab nächster Woche vierundzwanzig Uhr!

Aber wenn das Omikron so ansteckend ist, dann steckt es die maskenlosen in den Restaurants oder in den Schihütten an. Das hat man ja jetzt gesehen, wenn die meisten dann zwar in Quarantäne sind, aber nicht krank werden, ist das wahrscheinlich egal und eine Woche später darf man dann nur mit Maske zur Anna Jeller gehen, ist für mich egal, denn ich setze ja keine Maske auf. So ist mir die ganze Aufregung ohnehin egal und ab neunzehnten Februar darf man dann auch mit 3G in die Restaurant und ins Hotel und vielleicht sogar in die „Alte Schmiede“!

Das ist mir auch egal, ich warte auf die kontrolllosen Zeiten, aber die Hotels werden trotzdem aufschreien, denn dann sind die Ferien in den meisten Bundesländern schon vorbei. Aber Lockerungen müßen her, obwohl die Zahlen steigen, weil das auch in den meisten anderen Länder, wo das Virus vielleicht schon durchgerauscht ist, so passierten.

Finde ich gut, ich wiederhole es wieder, warte bis ich maskenlos wieder in „Alte Schmiede“ und in die Geschäfte gehen kann, denke aber, das ist ja genau das, was vor zwei Jahren State of the art war:

„Das Virus ist sehr ansteckend, aber es trifft nur alte und kranke Menschen, die meisten anderen werden es vielleicht gar nicht merken, wenn man sich nicht täglich testen lassen müßte!“

,Jetzt sagt man „Omikron ist vielleicht nur eine schwerere Grippe und die Impfung hilft, nicht schwer krank zu werden!“

Aber sie hilft nicht oder nur sehr wenig bei Omikron und hält nicht lange an und vor allem verhindert sie keine Ansteckung, was für mich ein Beweis gegen die Impfpflicht wäre und dann denke ich noch, das Omikron-Virus ist viel viel ansteckender und das merkt man jetzt auch, als das ohnehin sehr ansteckende Delta-Virus, das habe ich lange nicht gemerkt und das war schon viel ansteckender als das Alpha-Virus . Da frage ich mich schon, wie ansteckend war dann das Ursprungsvirus, wo wir alle schockstarr in den ersten Lockdown getaumelt sind?

Vielleicht war das Ganze gar nicht so gefährlich und wir sind nur deshalb so verwirrt, weil wir die Krise herbeigetestet haben und wenn wir nicht damit aufhören, kommen wir nie aus der Situation heraus, denn Viren wird es immer geben und ich denke, es gab sie auch immer. Aber niemand ist auf die Idee gekommen, daß man sich täglich testen lassen muß.

Ich denke manchmal immer noch, ich bin in einen Film und sehr gespannt, wie es weitergeht und ob das durchgerauschte Omikron-Virus wirklich die Chance ist eine Trendwende einzuleiten, aber das werden und das ist vielleicht das Problem die Traumatisierten vielleicht nicht zulassen, sondern aufscheien, die Impfpflicht muß her, denn wir haben Angst und es wird vielleicht ein wenig schwierig loszulassen und neu anzufangen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht und eigentlich nicht sehr optimistisch, daß das auf gute Art und Weise passieren wird.

Tahiti Utopia

Am Cover ist eine Südeeinsulanerin mit Hawaikranz in den Haaren vor einer etwas kitschigen Meer- Bergkulisse zu sehen und der 1976 geborene Michal Hvorecky ist, glaube ich, ein sehr origineller Autor, den ich während meiner Bratislava-Wien Schifffahrt im Jahre 2011, die die „Alte Schmiede“ organisierte, kennenlernte.

„Tod auf der Donau“, hat das Buch geheißen, das da vorgestellt wurde und hat mich auf den Autor aufmerksam gemacht, ihn dann ein paar Mal, glaube ich, in Leipzig oder auch auf der „Buch Wien“ gehört und im Centrope Workshop das ich ja bis der Lockdown kam mit Stephan Teichgräber machte, hat der ein weiteres Buch von ihm gesprochen, das irgendwie untergegangen oder noch nicht auf Deutsch erschienen ist.

Auf Deutsch, glaube ich, schon, denn seit damals ist mir der Name des Übersetzers Mirko Kraetsch bekannt. Dann kam „Troll“ heraus.

„Klingt gut!“, habe ich gedacht, den Autor auch auf der „Buch Wien“ gesehen, wo es im Literaturcafe vorgestellt wurde, hat mir aber nicht so gut gefallen und bei meinem letztjährigen Frankfurt Surfing gab es ein Video vom Goethe Institut aus Bratislava, glaube ich, wo Micha Hvoretzky sein „Tahiti Utopia“ vorstellte. Da habe ich mir das Buch bestellt, mir aber keine großen Erwartungen gemacht, wahrscheinlich sogar „Seltsam!“, gedacht und wurde wieder einmal, wie so oft überrascht. Obwohl manchmal etwas schwer zu lesen, da Michal Hvorecky mit der Vermischung zwischen Fantasie und Realität sehr spielt.

Den ersten Weltkrieg gab es wirklich und auch den slowakischen General Milan Rastislav Stefanik, der offensichtlich oder tatsächlich ein slowakischer nationalheld ist, der war offenbar auch in Tahiti, isjt aber nicht dort, sondern 1919 in der Slowakei gestorben, der war Astronom, Politiker und Militärpilot und das Buch switscht zwischen 1911 und 2020 hin und her. Aber keine Angst, die Pandemie, kommt darin nicht vor nur Michal Hvorecky bedauert in einem Video, das ich gesehen habe, daß er wegen Corona keine Lesereise machen konnten, es wurde aber, glaube ich, auf der letzten „Buch-Wien“ vorgestellt und wenn man das Buch aufschlägt, gerät man vielleicht in Versuchung, es gleich wegzulegen. Sieht man da doch zuerst einen halbnackten Mann unter eine Palme. Dann kann man den „Traditinellen hymnischen Nationalgesang“ lesen und es beginnt auch gleich mit „Der Himmel ist eine Schale. Auch der Mann ist eine Schale“.

Nun ja, nun ja, habe ich gedacht und ursprüglich geglaubt Michal Hvorvecky ist ein origineller Dichter, der die Literatur auf den Kopf stellt. Ist er auch, man muß nur weiterlesen, denn eigentlich ist es ja sehr interessant, wie da die Wirklichkeit mit der Fiktion vermischt wird und man lernt auch viel dabei.

Also zuerst beginnt es 1923. Da sind die Slowaken in Tahiti, haben dort eine nationale Minderheit gebildet und streiten sich mit den Franzosen und den Einheimischen herum. Denn die Ungarn, die sie in der Slowakei unterdrückten, haben sie vertrieben. So vögeln sie sich dort herum, das heißt das tut hauptsächlich der General und dann sind wir schon im Jahr 2020 und da schreibt die Ururenkeltochter einen Roman über den Opa. Dann wieder zurück in die Neunzehnzwanzigerjahre.

Also wieder ein Buch, das die 1920 beleuchtet. Da gibt es in Paris die Friedensverhandlungen, wo Stefanik mitmischt und dann erfahren wir, wie die Slowaken von den Ungarn unterdrückt werden. Ihre Sprache wurde ihnen weggenommen, etcetera, so daß ihnen nichts anderes überblieb, als geführt von dem General, auszuwandern.

Das heißt, sie marschieren wochen- oder monatelang unter erbärmlichen Umständen herum, bevor sie in München gepflegt und behandelt werden, dann kommen sie nach Tahiti und vermischen sich. Die Urenkeltochter reist später nach Ungarn, um dort ihr Buch vorzustellen und erlebt den unagarischen Nationalismus, ist aber von der Landschaft begeistert, obwoh Tahiti ihr Heimatland bleibt.

„In Ungarn hat mir trotz des Erlebnisses auf der Konferenz außerordentlich gut gefallen. Doch als ich auf der Anhöhe beim Strand die vier Obelisken des Grabmals erblickte, begriff ich, wo ich Hause war.“

So sehen wir am Schluß eine nackte Frau, offenbar die Uroma an einem Baumstamm lehnen und die „Pflichtlektüre, 4. Klass Grundschule, slowakische Sprache und Literatur in französich Polynesien“ kann man auch finden.

2022-01-28

Wieder per Stream juriert

Filed under: Literaturpreise — jancak @ 19:16
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Den „Ohrenschmaus-Literatrupreis von und für Menschen mit Lernschwierigkeiten“ gibt es seit 2007, wurde von Franz Josef Huainigg gegründet, Felix Mitterer hat den Ehrenschutz und ich bin seit dieser Zeit in der Jury.

Die Jurymitglieder haben inzwischen auch gewechelt, derzeit sind neben Felix Mitterer und mir, Vea Kaiser, Günter Kaindlsdorfer, Ludwig Laher und immer noch Heinz Janisch der mit von Anfang an dabei war, dabei.

Vom Literaturhaus als Austrageort von 2007, wurde der Preis dann lange im Museumsquartier vergeben, voriges Jahr fand es dann, glaube ich, im Studio 44, wo auch der „Alpha“ bis 2019 vergeben wurde, aber da gab es schon Corona und da war ich dabei und die Jurysitzung fand, wie auch die heurige per Zoom statt.

Durch die Corona-Zeiten hat sich auch das Preisverleihungsdatum, das bisher immer Anfang Dezember war, verschoben und weil sich im Vorjahr weniger Leute eingereicht haben, gab es dann noch einen zusätzlichen Schokopreis zu einem Thema und das wurde auch heuer fortgeführt. Diesmal war das Thema, wo die Texte dann auf die „Zotter-Schokolade“ kommen, „Luftsprung“. Vorher ist der Lyrik-Preisträger in die Schokolade gekommen.

Es gab diesmal bei der Hauptpreisschiene cirka 90 Einreichungen, früher hat es, glaube ich, schon ein paar hundert gegeben und die Juroren haben gestöhnt. Jetzt also weniger und wieder für mich interessant, daß sich relativ viele Texte mit dem Thema Corona, das mir ja auch sehr wichtig ist beschäftigten und das Thema „Luftsprung“, wo es eine extra Einreichung gab, klingt ja auch sehr interessant, und lustig. Und das war, glaube ich, ja auch die Absicht, ein bißchen Optimismus in die Sache hineinzubringen.

Es gab vierundzwanzig Einreichungen und mehrere Texte können in die Schokolade kommen und heute um fünf also Jurysitzung.

Außer Franz Joseph Huainigg und Lea Siegl, waren noch Ludwig Laher und Günter Kaindlsdorfer im Stream, die anderen hatten ihre Vorschläge hingeschickt und interessant bei den Hauptpreisvorschlägen war ich diesmal ziemlich allein,bei den „Luftsprung-Texten“ gab es einige Übereinstimmungen und einen meiner Favoriten habe ich auch auf die Ehrenliste gebracht.

Bis Corona habe ich mich immer bemüht eine Laudatio zu halten, zwei zum Beispiel auf Peter Gstöttmeier . Mit 2G und Maske

geht das ja nicht und mit den Videos kenne ich mich nicht so aus. Die Preisverleihung wird jedenfalls am 21. März in der Nationalbibliothek stattfinden.

Wahrscheinlich kann man streamen, so daß ich darüber berichten kann und jetzt kann ich schon verraten, es sind wieder spannende Texte von sowohl bekannten als auch unbekannten Preisträgern dabei, die dann wahrscheinlich ihre Luftsprünge machen werden und es ist ja sicher spannend zu erfahren, welche Texte Menschen mit Lernschwierigkeiten schrieben, wie interessant, lehrreich, lustig, etcetera sie sind.

2022-01-27

Sandseele

Filed under: Bücher — jancak @ 00:34
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Jetzt kommt ein Buch über Afghanistan, oder die Erfahrungen die ein deutscher Oberstleutnant 2008 dort machte. „Buch Contakt“ machts möglich und da habe ich schon ein Buch über Albanien und eines über den Kosovo gelesen, die in kleinen oder wie bei diesen bei BoD erschienen ist. Geschrieben wurde esvon einem Wolf Gregis, der eine Offiziersausbildung machte und im Auslandseinsatz in Afghanistan war. Dann hat er Germanistik und Geschichte studiert und für den Roman „Sandseele“, das jetzt erschienen ist, ein Stipendium erhalten. Außerdem engagiert er sich in Verteranenverbänden und das Buch handelt von einem Martin Küfer, der eben vor zehn Jahren im Einsatz in Afghanistan war. Jetzt sitzt er in seiner schönen Wohnung, von seiner Frau Greta liebevoll mit IKEA-Dekorationen versehen, was ihm auf die Nerven geht.

Es geht ihm, seit er aus Afghanistan zurückgekommen ist, nicht sehr gut. Hat die Geschehnisse von damals verdrängt und die Erinnerungsstücke daran in eine Schachtel verbannt. Seine Frau Greta ist mit den Kindern in einem Spa-Hotel, endlich allein, sagt sich, er will arbeiten. Aber da holt ihn, als er sich mit den Nudeln, die Tagesschau ansieht, die Vergangenheit ein. Denn da ist ein Abdul Rahman, jetzt, Mahor, zu sehen, den er von damals kannte, was bei ihm Angstvorstellungen auslöst und er wieder zu rauchen beginnt. Er holt die Schachtel und packt nach und nach die Erinnerungsstücke aus. Da gibt es ein Bild von Abdul, seinen Freund, einen Schlüßelbund, einen Shemag, das ist eine Kopfbedeckung der Beduinen gegen den Sandsturm, der offenbar ins Afghanistan herrscht, etcetera.

Stück für Stück nimmt er sie aus der Schachtel auf der „Afghanistan“ steht, heraus und geht dabei seinen bisher verdrängten Afghanistaneinsatz durch. Dazwischen wird, er, was für mich ein bißchen unverständlich ist, von seiner Greta immer wieder angerufen. Er geht aber nicht ran und man denkt, die Ehe ist offenbar nicht gut. So war es aber schon früher. Greta ist Krankenschwester und sehr häuslich, siehe die IKEA-Dekorationen, die er haßt. Er will in das Leben hinaus, will nach Afghanistan, sie will das nicht und man erfährt nun, wie er idealistisch nach Kabul gekommen ist. Da sitzt eine Bettlerin mit Burka, die sie Maria nennen. Er will zu ihr hin, wird aber vom Fahrer abgehalten, weil sie dann überfallen werden könnten. Als Nächstes sieht er, wie ein Soldat mißhandelt wird. Er will auch da helfen. Dann kommt es zu einer Aktion „Maiwand“, eine deutsch-afghanische Operation, wo er Abdul und seinen Onkel kennenlernt und es zu den Erlebnissen, kommt, die er zehn Jahre lange verdrängte und dabei auch einen Freund verlor.

Am Schluß schickt Greta Videos von den Kindern und er meldet sich bei ihr.

„Der Karton stand offen auf dem Boden, leer. Es war noch ein guter Karton, die Ecken nicht abgestoßen, sondern fest und gradlinig. Greta würde ihn noch gebrauchen können. Für die zu klein gewordenen Kindersachen, die sie auf dem Dachboden sammelte. Für das aussortierte Spielzeug, Bilderrahmen und Osterdekoration. Die Aufschrift „Afghanistan“ würde ich wegradieren, dann fiel er unter all den anderen Kartons mit all dem anderen Krams auf dem Dachboden gar nicht auf.“, lauten die letzten Sätze.

„Man konnte dem Sand nicht entkommen. Nicht am Hindukusch. Man konnte auch den Erinnerungen nicht entkommen. Nirgends.“, steht am Buchrücken.

Nach der Danksagung gibt es einen Anhang, wo man erfahren kann, welche Musik Wolf Gregis beim Schreiben hörte. Man erfährt etwas über die Vereranenvereine und die Dienstgrade der Bundeswehr, was mich nicht so unbedingt interessante, aber sonst ein spannendes Buch gelesen habe.

2022-01-26

Großartiger Leseclub mit Grete Scheuers Kriegsroman

Der großartige Leseclub, den die 1981 in Eisenstadt geborene Barbara Zeman, bei der ich einmal im Literaturhaus bei einer ebenso großartigen Lesung,war und die ich glaube ich, auch bei den O-Tönen hörte, während der „finsteren Coronawelle von 2020“ gründete, findet ja in, regelmäßigen Abständen Literaturhaus statt und ist, glaube ich, eine interessante Kombination, nämlich eine Buchpräsentation von einem meist unbekannten Buch einer vergessenen Exilautorin, Brigitte Schwaiger war auch einmal dabei. Dann stellte ein Künstler seine Bilder aus und ein Musiker spielt seine modernen Lieder. Barbara Zemann moderiert und eine Schauspielerin liest die Texte vor. Eine interessante Kombination und auch die Moderation ist sehr interessant und das diesmal ausgewählte Buch stammt von einer Grete Scheuer, die 1900 bei Aflenz geboren wurde, adelig war, 1933 bei „Rohwohlt“ einen Kolportageroman wahrscheinlich im Stil der Vicki Baum schrieb und 1946 „Die lange Nacht“, die Erfahrungen in einen Luftschutzkeller im Jahre 1945. Barbara Zeman erwähnte in ihrer Einleitung den berühmten „Philipphof“, der an der Stelle stand, wo sich heute das Hrdlicka-Denkmal befindet, der sicherste Luftschutzkellern wie es damals hieß, dann gingen dreihundert Leute hin, nicht alle wurden geborgen und man hörte im Augustinerkeller noch sieben Tage lang klopfen.

Die Protagonisten der Grete Scheuer befanden sich statt dessen in einem Luftschutzkeller beim Stephansplatz, hatten Whisky, Kekse und Sardinen mit. Die Schauspielerin Clara Liepsch hat mehrere Stellen daraus gelesen, sowie ein Gedicht, das in den Sechzigerjahren erschienen, wo die inzwischen in Graz lebende Journalistin , die auch mehrere Literaturpreise bekommen hat, das „Forum Stadtpark“ mitbegündete und 1988 gestorben ist. NSDAP-Mitglied war sie einmal auch, wollte später aber nichts mehr davon wissen.

Der junge Musiker Oskar Haag spielte einige Lieder und Barbara Zemann erzählte welche Strafen man zu zahlen hatte, wenn man nach Abschaffung der Monarchie seinen Adelstitel noch verwendet. Heute muß man angeblich dreihundert Euro dafür zahlen. Das hat die Familie Habsburg wohl noch nicht gehört, aber vielleicht verwenden eher die anderen ihre Titel.

Was es für Bombenarten es gibt, hat Barbara Zeman auch recherchiert und dann die Biografie, der mir unbekannten Autorin erzählt. Interessant, denn ich interessiere mich ja sehr für die unbekannten Autoren der Zwischenkriegszeit und glaube, daß auch Paula von Preradovic über das Wien 1945 beschrieben hat. Zumindestens habe ich mir da einmal einen Text kopiert, in den frühen Achtzigerjahren, glaube ich, als ich ich einen Text darüber schrieb, mit dem ich ein Stipendium bekommen wollte.

2022-01-25

Street-speech-Perspektiven

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:05
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Die „Perspektive“ ist eine Grazer Literaturzeitschrift, die inzwischen auch in Berlin verortet ist und in der ich, glaube ich, auch schon einmal, vor langer langer Zeit einen Text drinnen hatte.

Jetzt wurde im Literaturhaus das Heft 108/109 vorgestellt, das das Thema „street-speech“ hatte. Der 1979 in Graz geborene Stefan Schmitzer, der sich seit kurzem oder auch schon länger in der Redaktion befindet, so genau habe ich das nicht verstanden, hat moderiert und die beitragenden Autoren vorgestellt. Zwei waren live anwesend, zwei wurden, ich glaube Corona bedingt, zugeschaltet und der 1963 geborene Ralf B. Korte, der das Heft zumindestens teilweise herausgegeben hat, hat sein Vorwort gelesen.

Street speech, die Sprache und die Straße, das große Thema und die 1992 geborene Katharina Pressl, eine Sprachkunststudentin, die aus beim Projekt „Prosa für Prosa“ beteiligt war, begann mit einem Sprachtext, wo ich lange nicht wußte, was das jetzt mit Straße zu tun hatte, aber sehr lustig war, die Autorin hat jedenfalls sehr gelacht beim Lesen u nd um Paranoia ging es auch.

Die Straße kam dann aber in dem Videobeitrag der 1985 in Graz geborene Bettina Landl. Hat die nämlich ein paar Grazer Straßen mit ihren Häusern und Verkehrszeichen abgefilmt und dazu einenText gesprochen und wieder etwas schwierig war die Videolesung von Ariane Hassan Pour-Razavi, die 1974 in Berlin geboren wurde. Sie saß in ihrem Zimmer, las den Text und hatte dabei auch einige performative Elemente eingebaut.

Bei der 1978 in Wien geborenen Natalie Deewan wurde es dann wieder konkreter, denn die hat mit Jugendlichen ein Straßenprojekt gemacht, wo sie im fünften Bezirk beim Matzleinsdorferplatz, Graffitis gesammelt hat und daraus eine Schrift formte aus der dann texte standen, die eine Zeitlang bei den haltestellen der Wiener Linien zu finden waren, aber auch im Literaturhaus von Schriftrollen verlesen wurden.

Daran folgte eine Diskussion mit den anwesenden Autoren was Street art oder überhaupt die Straße ist? Der öffentliche Raum was ist das? Die Corona-Demos wurden da natlürlich thematisiert und die sind jetzt wahrscheinlich ein Feinbild, während das bei den Widerstandslesungen gegen schwarz blau. Ich sehe es nicht so ganz, aber der öffentliche Raum ist jetzt auch, wie Nathalie Deewan thematisierte, die auch während der Lesung Maske, trug durch den Mund-Nasenschutz oder die FFP2 Maske dominiert, weil ja derzeit auch im Freien Maskenpflicht.

Dann gibt es noch die offenen Bücherschränke, die Kunst im öffentlichen Raum, wo ich ja einmal mit der Ruth ein Projekt machte und vieles anderes mehr. Die Jugendlichen besetzen die Straße, die Obdachlosen leben dort, die Demonsranten nehmen sie in Anspruch und die Graffitkunst. Da meldete sich ein Herr im Publikum der offensichtlich schon ein bißchen älter war und sagte, daß er mit dem Hund seines Sohnes öfter spazieren geht und dadurch in Kommunikation mit Menschen kommt und meinte dann, daß er bei den Graffits Neid und Aggression merken würde, weil sie oft zerstört und übersprüht und eigentlich wie, ich glaube, überhaupt verboten sind.

Interessant interessant und sehr vielfältig dieses Thema viel umfassender, als in eine Literaturzeitschrift zu fassen und wie man die Videobeiträge darin unterbringt, ist auch die Frage.

Da müßte man sich das Heft ansehen und durchblättern. Barbara Zwiefelhofer hielt es in der Hand und empfahl das Erwerben.

Also interessant und eigentlich wollte ich mich in die Gesellschaft streamen, wo Daniela Strigl mit Eva Menasse „Tacheles“ sprechen wollte, aber diese Veranstaltung wurde verschoben.

2022-01-24

Sprachkunstfluchen

Den Hochschullehrgang des „Instituts für Sprachkunst“ an der „Angewandten“ gibt es, glaube ich, seit 2009. Von Gustav Ernst und Robert Schindel wurde es gegründet und seither gibt es immer zu Semesterende Sprachkunstlesungen. Das erste Mal war ich beim „Tag der offenen Tür“ der „Angewandten“ dabei, Marietta Böning hat mich herumgeführt, ich habe Rhea Krcmarovan kennengelernt. Sandra Gugic habe ich schon früher gekannt und Cornelia Travnicek, die sich beworben hat, haben sie nicht aufgenommen, weil sie, da schon veröffentlicht, zu überqalifizert war. Darüber habe ich in der „Heimsuchung“, geschrieben und Robert Schindel hat glaube ich, immer gesagt, daß die Aufnahme, da gibt es immer viel Bewerbungen und eine strenge Auswahl, nicht den literarischen Erfolg garantiert. Aber Irmgard Fuchs, die, glaube ich, im ersten Jahrgang war und inzwischen einige Bücherbei „Kremayr & Scheriau“herausgebracht hat.

Es gab 2011 schon eine Studentenlesung im Literaturhaus, da habe ich mich mit Yusophie, die mich damals kommentierte, verabredet, die auf meinen Artikel zuerst sehr freundlich und dann sehr abweisend antwortete, keine Ahnung warum und hat mit der Studentenlesung, die dann nochmals wiederholt wurde auch nichts zu tun. Es gab in dieser Zeit Lesungen, wo berühmte Autoren eingeladen wurden, wo die Studenten dann zuhörten, ein Symposium gab es einmal auch, Robert Schindel hat sich zurückgezogen, Ferdinand Schmatz übernommen und ab dann hatten die Studentenlesungen Namen oder Motti, in der „Alten Schmiede“ gab es auch gelegentlich Veranstaltungenund ich habe mich auch bemüht so regelmäßig wie möglich hinzugehen

Fieda Paris ist eine Absolventin und fast alle bekannten österreichschen Autoren unterrichten, ich natürlich nicht und Corona hat mich auch ein bißchen davon entfernt, obwohl es neulich erst in der „Schmiede“ eine Sprachkunststudentin gab. Diek „Jenny“ gibt es auch, jetzt wahrscheinlich schon in x Bänden, ronald Greinl hat mich auf die erste aufmersam gemacht und sie mir zugeschickt und diesmal war das Motto „Dir beim fluchen zuhören“.

Da hatte ich immer Schwierigkeiten die Texte dem Motto zuzuorden, weil keinen Zusammenhang gefunden. Aber als ich fragte, haben sie mir, glaube ich erklärt, daß es den nicht gibt. Natürlich die Studenten tragen ihre Semesterarbeiten vor und seit einigen Jahren werden die Lesungen auch von den Studenten selbstorganisert und von einer die dort Arbeitet moderiert und die Professoren kommen, glaube ich, auch nicht mehr und da sagte die Literaturhausmoderatorin, daß es interessant im Literaturhaus junge Autoren vorzustellen. Das, glaube ich, auch, deshalb habe ich mich wieder hingestreamt und dreizehn Studierende haben gelesen.

Das Motto hieß „Dir beim Fluchen zuzuhören“ und der Gag war offenbar, daß die Studenten ihr Lieblingsschimpfwort preisgeben sollten

Der Erste war ein Jonathan Fei, der einen eher altmodisch klingenden Tonfall hatte. Der Titel war sein „Schimpfwort“ und es ging um einen „zwielichtigen Herrn“ mit einem Brotkorb, der sich in seine Wohnung einschlecht und ihm die Brote, die er dann verkauft überäßt. Klang fast kafkaesk und kann man sich merken.

Katharina Klein hatte, glaube ich, einen Romanausschnitt und das Schimpfwort, die oft eher kunstvoll klangen, war hier „patschert“ oder die Voralbergische Form von „Patschen“.

Dann kamen Gedichte von Elisa Lehmann. Emil Alicia Huppenkothen folgte mit den Schimpfwort „Pflaumenschuß“. Und der Text der Pauline Tagwerker, die „Eierberg“ schimpfte, die „Nachtkatze“, hat mich sehr beeindruckt. Die ist ihr zugelaufen, um eine Trennung schien es auch zu gehen. Sie erkundigte sich, was sie mit ihr anfangen sollte und am Schlu lief die Katze davon.

Katharina Heubner folgte und Leonie Ziem, die den „Idioten“ als Schimpfwort hatte und dazu erklärte, daß das aus dem Griechischen kommt und den meint, der sich nicht am öffentlichen Leben beteiligt, während Leon Locher performte , sich auszog und Liegestütze aufführte, was seine Nachleser sehr beeindruckte. Sean Pfeiffer hatte „Schwuchtel“ als Schimpfwort und Grace Oberholzer die aus der Schweiz zu stammen scheint, las aus einen Text der von ihrer Großmutter handelte.

Theresa Metzinger, die endlich das Wort „Arsch“ brachte, weil das ihr Kind verwenden würde. Ich hätte „Scheiße“ gesagt, hatte Gedichte, die von Schwänen aber auch von reisen in die DDR handelte.

Als nächstes kam Sophie Eisenhut und die las aus ihren 2021 bei „Schöffling &Co“ erschienen Band, 92 Seiten, 10 Euro, erklärte sie gleich „Excercitia S. Catharinae de Manresa Anorexie und Eisenhut“ und richtig Marie Luise Lehner, die vor Jahren auch aus einem Buch gelesen hat und später den „Alpha“ gewonnen hat, hätte ich jetzt vergessen und der Text aus dem Buch der jungen Frau klang auch sehr interessant, hatte einen religiösen Bezug und ich bin gespannt, was ich noch von ihr hören werde.

Zuletzt las Leonie Pürmayr , die auch das Wort „Arschloch“ hatte, das in ihrem Text eingebunden und „Wien darf nicht Chicago werden“ und das Wort „Schnappatmung“ kam in der „Hymne der Kontrolle“ auch vor.

Felix Senzenberger hat auch noch moderiert und die Texte ausgewählt, die Studenten traten, wie jetzt üblich mit Maske auf und desinfizierten. Dann kam das Schimpfwort und dann die Texte, die alle sehr kunstvoll waren und unterschiedliche Stilarten hatten, was mir in dieser Zusammenstellung wieder sowohl unwirklich als aufgesetzt erscheint und interessant auch, sich vorzustellen, daß sie von Leuten stammen, die wahrscheinlich um die zwanzig sind.

2022-01-23

Bananenangst

Filed under: Bücher — jancak @ 00:02
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Jetzt kommt ein Debut, das, glaube ich, nicht auf der Bloggerdebutlonglist steht, der in Stuttgart lebenden Patricia Modispacher, die Germanistik, Philosophie und deutsche Literatur studierte, das als Jugendroman definiert wird.

Ich denke es ist ein erzählender Therapiebericht einer Eßstörung, wie weit er autobiografisch ist, weiß ich nicht, war mir die Autorin doch bisher unbekannt, im Buch ist kein Hinweis darauf zu finden und es erscheint mir einiges darin auch widersrpüchig und an die Grenzen gehend, obwohl sich das Buch sehr spannend liest , einen interessanten Einblick in die Störung und die Therapiemöglichkeiten gibt und glaube ich, Leuten, die Probleme mit dem Essen haben, zu empfehlen ist.

Es geht um die dreiundzwanzigjährige Soziologiestudentin Scarlett Schweighart, die die die Geschichte erzählt. Ja die Namen sind, glaube ich, auch ein Problem in dem Buch, gibt da doch eine Frau Kleist, eine Frau Samt, eine Frau Holz, eine Frau Best, etcetera und der Therapiebericht in zehn Kapitel beginnt mit einer Art Vorwort:

„Du weißt, daß es schlimm ist, wenn du vor Bananen Angst hast. Wenn du nicht mehr dazu fähig bist, eine Banane in dein Frühstückmüsli zu schneiden oder gar einfach als Zwischenmahlzeit in eine Banane zu beißen.“

Das klingt schon sehr eindrucksvoll und dann geht es in den Therapiebericht hinein, der in jeden Kapitel zuerst etwas aus dem Leben der Protagnostin, die sich zu einer Therapie entschlossen hat, erzählt.

Sie war immer dick, wurde von ihren Freundinnen gemobbt, als „Fetti“ beschimpft und ausgegrenzt. Die Eltern haben immer gestritten. Der Vater hat die Mutter herunter gemacht. Die Beziehung zu ihrem Bruder Robin war sehr gut, aber als die Ehe geschieden wurde, ist der Bruder mit dem Vater fortgezogen. Die Beziehung zur Mutter ist sehr problematisch und offenbar scheint die Muutter mit dem Essen auch ein Problem gehabt zu haben.

Der Freund hat Scarlett verlassen und der Bruder hat die Schwester gezwungen, sich in eine psychosomatische Klinik zu begeben, weil er sie sonst einweisen lassen würde, weil er nicht zusehen, wollte, wie sie verhungert.

Das erste Kapitel beginnt mit dem Ersten Tag in der Kinik. Wir lernen die Theraupeuten, eben die Frau Best und die Frau Kleist kennen. Die Frau Best die Bezugspflegerin, wird von Scarlett oder „sexy Scar,“ wie sie auch beschimpft wurde, „Arielle“ wegen ihrer grünen Augen genannt und da stoßen wir im Lauf des Buches, das bis zum glücklichen Ausgang erzählt, vielleicht an eine Grenze, denn Scarleltt verliebt sich in sie, was nicht so unüblich sein dürfte, aber es passiert auch ein bißchen umgekehrt.

In der Klinik sind auch Patienten mit anderen Problemen, die Eßgestörten müßen aber mit „Eßbegleitung“ essen und da finde ich einiges an den Therapiemethoden ein bißchen ungewöhnlich und bin nicht ganz sicher, ob das wirklich so passiert.

Man darf keinen Sport betreiben, Scarlett hat sich nämlich mit Sport und „gesunden Essen“ zum Skelett hinuntergehungert. Jetzt darf sie keine Stiegen steigen und keinen Salat essen, sondern muß sich Butter auf ihr Brötchen streichen. Da bekommen die Patienten Magenkrämpfe, die auch genau beschrieben werden. Es gibt viele Therapien, wie ich es mir vorstellen kann. Die Frau Kleist ist die Psychotherapeuten, einen etwas seltsam scheinenden Ernährungsberater und eine Kunsttherapeutin, da malt Scarlett immer Fahrräder und Pinguine, was mit der Beziehung zum Bruder in Zusammenhang steht, gibt es auch und dann natürlich die Patienten.

Scarlett hat Schwierigkeiten mit einer Lisa, freundet sich aber sonst mit den Meisten an, kümmert sich auch als Patin oder Ersatztherapeutin, um sie und arbeitet das alles mit ihrer Therapeutin auf.

Das erscheint mir alles sehr authentisch und selbst erlebt. Ein wenig klingt das ganze Buch vielleicht zu therapeutisch, so berichtet Scarlett machmal so von sich, wie sie am ersten Tag der Therapie noch nicht gefühlt haben kann.

Manches kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Zum Beispiel die „Bananenangst“, denn als es Scarlett schon ein bißchen besser geht, darf oder muß sie Zwischenmahlzeiten einnehmen und kann da zwischen Studentenfutter einen großen und zwei kleinen Schokoriegel wählen. Einmal sucht sie sich eine Banane aus und besteht da Todeskämpfe bevor sie sich sie zu essen überwinden kann. Aber Bananen haben viel weniger Kalorien als fette Schokoriegeln oder Brötchen mit Käse und Butter, was Scarlett zu dieser Zeit schon ißt.

Scarlett hat sich ihr eigenes Abnehmprogramm zusammengestellt, Unmengen von Salat und Wasser, klar, aber im Therapieplan würde ich als Therapeutin, die Bananen vor den Schokoriegeln setzten.

Trotzdem ein gutes Buch, das die ganze Therapie bis zur Entlassung schildert und mit dem Satz „Wenn du dich liebst und akzeptierst, so wie du bist und Essen schmecken darf und kein Zeichen für Charakterschwäche mehr ist, dann weißt du, dass es gut ist“, endet, das jeden zu empfehlen ist, der abnehmen will oder vielleicht an einer Magersucht oder Anorexie, Wörter, die Scarlett nicht leiden kann, leidet.

Ich habe ja schon einiges über Eßstörungen gelesen, finde das Buch, wie schon geschrieben sehr interessant und denke darüber, ob die Widersprüche so passierten, Absicht waren oder vielleicht als ein wenig provokant zu verstehen sind, noch nach.

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