Literaturgefluester

2022-01-11

Wien-Reihe mit Daniela Chana und Christa Nebenführ

Wieder einmal Wien-Reihe in der „AS“, wieder zwei Stipendiaten, diesmal mit Daniela Chana und Christa Nebenführ. Eine alte und eine jüngere Dichterin könnte man sagen und ich glaube, daß ich Christa Nebenführ in den frühen Achtzigerjahre in dem Literaturcafe in der Berggase, der ÖH, das es nicht mehr gibt, kennengelernt habe, später hatte ich mit ihrer resoluten Art meine Schwierigkeiten oder sie mit mir, weil ihr meine Texte, da vor allem den „Letzten Versuch“ wo es ja einmal einen Filmausschnitt in der „AS“ von August Bisinger gab, als der „Augustin-Tag“ der Ruth vorgestellt wurde und ich ein- oder zweimal in der „Podium- Sommerlese-Reihe“ lesen wollte.

Das ist jetzt vorbei und Christa Nebenführ ist sehr engagiert, in der GAV, beim „Podium“ beim ORF etcetera, hat 2006 die „Blutsbrüderinnen“ geschrieben und jetzt schreibt sie an einem Text der im nächsten Jahr bei „Klever“ erscheinen wird.

„Den König spielen die anderen“, heißt der Text mit dem Christa Nebenführ schon in den Achtzigerjahren begonnen hat und richtig, das habe ich vergessen, Christa Nebenführ war oder ist auch Schauspielerin und der Text scheint wieder sehr theoretisch. Gibt es doch einen Prolog und einen Epilog, der sehr lang ist. Christa Nebenführ hat da nur einen Teil gelesen und dazwischen gab es ein narratives Stück und das Ganze ist eine Famiiengeschichte oder Gewalt an Frauen. Schließlich gab es schon den ersten Femizid und im letzten Jahr, glaube ich, über dreißig und Christa Nebenführ stellte die Fragen, wie weit die Frauen mitbeteiigt sind?

Die Frau Fritzl vielleicht, als der Herr Fritzl seine Tochter in den Keller sperrte und mißbrauchte, was Thema des ersten Teiles war und naiv betrachtet, könnte man den Text, als eine Auseinandersetzung mit dem Vater verstehen. Eine Familie in den Sechzigerjahren, wo der erste Fernseher auftauchte und der tyrannische Vater seiner Familie erklärte, das ist der Knopf zum Aufdrehen, der es dann gar nicht war und als die Tochter ihre Tochter zur Firmung führte, tauchte der Vater erst verspätet auf, weil er sich mit einem Türken zerstritten hat und mit dem Messer herumwackelte. Die Mutter war depressiv, machte SVs und brachte sich, wenn ich den Text richtig verstanden habe, im Epilog um und der Bruder sagte einmal über den Vater, daß der nur ein armes Würstel ist, also ganz schön widersprüchig, aber wahrscheinlich wahr und eine interessante Diskussion danach, denn die Familie ist ja die Keimzelle in der wir aufwachsen und unsere Traumen erleben, die uns dann vielleicht zum Schreiben bringen und vorher war die 1985 geborene Daniela Chana, also die nächste Generation, an der Reihe, die mich mit ihrem Erztählband oder österreichisches Shortlistbuch sehr beeindruckt hat und die ich schon zweimal in der AS hörte.

Jetzt schreibt sie an einen Roman, der viel narrativer, aber vielleicht ähnlich zu interpretieren ist. Nämlich die Geschichte einer Reporterin einer Regionalzeitung, die ins Weinviertel zu einem Ehepaar fährt, das einen Ökohof betreibt, wo der der Eiskasten wegen der mangelnden Nachhaltigkeit verkauft werden soll, es nur zweimal in der Woche Fleisch gibt und man ankreuzen muß, wenn man dieses essen will. Das erzählt die Frau stolz der Reporterin, während der Mann von seinen Steaks träumt, aber einen Melanzaniaufstrich präsentieren muß.

Auch da gab es eine interessante Diskussion und ich kann mich an die Ökowelle oder das alternative Essen in den Achtzigerjahren, als die Anna klein war, erinnern, die mich damals sehr prägte. Das erste Vollkornbrot oder die Getreidemühle und das jetzt vielleicht ganz anders ist und sich auch die Klimakrise weiterentwickelt hat.

Zwei interessante Texte von einer älteren und einer jüngeren Frau, beides Familiengeschichten, einmal eher narrativ erzählend, das andere eher theoretisch, die sich sehr ähneln, obwohl sie sehr verschieden sind.

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