Literaturgefluester

2022-02-26

Die Übung

Jetzt wieder ein „Wagenbach-Quartbuch“, das ich als E-Book gelesen habe und das, wie ich ebenfalls glaube sehr ungewöhnliche Debut, der 1990 in Mailand geborenen Claudia Petrucci, die Literaturwissenschaft studierte und in Australien lebt.

Ungewöhnlich und vielleicht doch nicht so neu, manchmal an die Psychiatrie der Sechzigerjahre erinnernd, dann wieder an die künstliche Intelligenz, die ja jetzt en vogue ist, dann die Frage ist das jetzt frauenfeinlich oder nicht und am Schluß hat sich die gegen die Manipualiton der Männer vielleicht doch durchgesetzt. Die Olympa aus „Hofmanns Erzählungen“ ist mir eingefallen, aber auch die „Frauen von Stepford“ und dann geht e wahrscheinlich doch gut aus.

Viele Vorbilder für das Debut einer sehr jungen Autorin, die auch einen sehr ungewöhnlichen Sprachstil hat. Es beginnt mit einem Vorspann und der Erzähler ist Filippo, der Literatur studiert hat. Aber jetzt die immer leere Bar seiner Eltern weiterführt und Giorgia, seine Freundin jobbt in einem Supermarkt. Sie tut das sehr roboterhaft, hat Zwangsstörungen und Halluziationen, klammert sich an Rituale. Das Geld ist knapp. Filippos Mutter ruft an und erzählt von ihren Nöten und dann trifft Giorgia in ihrem Supermarkt ihren Schauspiellehrer Mauro, der ihr wieder eine Rolle anbietet. Giorgia hat vor einigen Jahren bei ihm gespielt, ist dann aber ausgestiegen und zu Filippo gegangen. Jetzt holt er sie zurück. Filippo wohnt den Proben bei und lernt Amelia, Mauros Schwester kennen und der Regisseur und Lehrer ist sehr autoritär und hat auch unkonventionelle Idee, wie vielleicht auch manche Regisseure.

Dann geht der Roman los. Gigorgia ist bei der Premiere zusammengebrochen und in d er Psychiatrie gelandet. Einer Privatklinik, liegt dort schon ein Jahr reglos da und wird mit Medikamenten vollgestopft. Paronoide Schizophrenie ist die Diagnose, aber die wird sowohl vom Chefarzt, als auch von Claudia Petrucci bezeweifelt.

„Paranoide Schizophrenie“, antoworte ich. „Aber der Arzt hat schon wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass diese Diagnose wenig aussagt. Sie dient nur dazu, etwas zu benennen, über das man nicht wirklich etwas weiß.“

Das ist das Altmodische an dem Buch und auch, daß Georgia entmündigt ist, der Vormund ist eine Tante, die sehr wohlhabend ist, währen Fiippo und seine Eltern aus eher ärmlichen Verhältnissen kommen. Sie wohnt in einem vornehmen Teil Mailand mit einer Haushälterin und erzählt Filippo, daß Gigorgias Eltern nicht, wie sie ihm erzählte bei einem Unfall verstarben, sonder die Mutter Suzid begangen hat, als Giogia fünf war. Die Tante zahlt die Privatklinik und in der taucht nun Mauro auf und liest Gigorga ununderbrochen aus Schakespeares „Was ihr wollt“ vor. Die erwacht dann und rezitiert die Rolle der Hauptperson, was Mauro auf die Idee bringt mit Flippo ein Skript zu schreiben, um sie wieder ins Leben zu holen. Der Chefarzt ist einverstanden und spricht von Pychodrama und nach dem Skript von Mauro reagiert Gigoria sehr unterwürfig und hat keine eigene Meinung. Weiß nicht, was ihr gefällt und sie anziehen soll putzt bei dem Besuch bei Filippos Eltern, die ganze Zeit manisch herum, weil sie liebenswürdig sein will.

Das Skript wird umgeschrieben. Filipo tut das, auf Mauros Veranlassung. Giorgia wird entlassen und reagiert nun aber erstaunlich selbstbewußt, was Filippo, der ja das Skript geschrieben hat, auch nicht recht ist. Sie will wieder Theaterspielen statt in den Supermarkt, läßt ihre Entmündigung aufheben und will, daß Filippo auch etwas anderes macht, als in der Bar zu jobben und immt auch Amelia, Mauros Schwester ihre Rolle weg, weil sie glaubt, sie besser spielen zu können.

Das ist Filippo auch nicht recht. So wird das Skript wieder umgeschrieben und Giorgia soll in den Supermarkt zurück. Dann tritt <mauro als Retter auf und bringt sie ans Theater zurück und Filippo, der als Figur eher blaß bleibt, scheint sich mit Amelia zu verbinden.

Wirklich interessant könnte ich diesmal schreiben. Eine erstaunliche Interpretation eines altbekannten Themas neu geschrieben, wobei mir nicht so klar war, wie weit sich nun Giorgia wirklich emanzipiert oder weiter den Launen der Männer, die mit ihr spielen, widerspruchslos ausgesetzt ist. Nicht ganz leicht zu lesen, aber empfehlenswert sich in das Debüt von Claudia Petrucchi einzlassen, das, glaube ich, auch auf Englisch und Französisch erschienen ist, einzulassen.

Und interessant ist auch, daß die Umprogrammierung oder wieder ins Leben zurückrufen der Figur der Giorgia als „Übung“ bezeichnet wird. Und die Verbinung der psychischen Krankheit zum Theater ist auch sehr spannend.

Interessant ist auch das Buch mit Martina Cavaldetschers „Erfindung des Ungehorsams“ zu vergleichen.

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