Literaturgefluester

2022-05-08

Atemhaut

Jetzt kommt das dritte Buch der „Kremayr&Scheriau“ – Literaturschiene der heurigen Frühlingssaison und das zweite Buch das ich von der1986 in Wien geborenen Autorin und Filmemacherin Iris Blauensteiner und es hat wieder das ästhetisch schöne „Kremayr- Cover“ mit Zeichnungen im Inneren. Es gibt einen Soundtrack von Rojin Sharafi, den man mit den beigefügten IQ-Codes abhören kann, obwohl das Buch zur Jahrtausendwende spielt, wo es das noch nicht gegeben hat.

Dafür kommt die berühmte Sonnenwende vor und der Jugoslawienkrieg, denn von dort ist Edin mit seinen Eltern geflohen. Jetzt ist er um die Zwanzig und Logistikfacharbeiter, wo er sich schon den Rücken kaputt gemacht hat, Panikattacken hat er auch und obwohl er sich in den Job hineinsteigert und für unentbehrlich hält, zu Beginn des Buches den Job verliert, während seine Freundin Vanessa, mit der er die Lehre gemacht hat und mit ihr in einer Einzimmerwohnung lebt, zur Abteilungsleiterin aufsteigt.

Nun beginnt der Gang in den Abgrund könnte man meinen und etwas, was man wohl schon gelesen hat. Edin geht zum AMS, wird zur Umschulung angemeldet. Eines Tages kommt aus dem Bankomaten kein Geld und die Beraterin, die ihm nach einem Bausparvertrag fragen muß, schaut ihn mitleidig an, weil nur mehr hundertfünfzig Schilling auf dem Konto sind. Er geht zur Mutter, pumpt sie an und gerät natürlich in Streit mit Vanessa, die ihm anbietet ihren Mietanteil für ihn zu übernehmen und ihm Geldscheine auf den Tisch legt, dafür aber will, daß er sich nichts Uninniges kauft. Ansonsten versinkt Edin langsam in der Computerwelt in der er mit Vanessa Ego-Shooter-Spiele spielt und baut sich auch eine Maschine mit der er seinen Atem kontrollieren kann.

Das ist wahrscheinlich das Ungewöhnliche mit dem Buch, wo die Außenwelt mit der Innenwelt verschwimmt oder in ihr verschwindet. Einerseits die Schwierigkeiten, die man bekommt, wenn man seinen Job verliert, obwohl das für einen Zwanzigjährigen eher ungewöhnlich ist und das poetische Versinken in die Maschinenwelt, das Surreale an dem Buch, wozu dann auch der elektronische Soundtrack passt, der zu diesem Thema, Arbeitslosigkeit und Arbeitswelt eigentlich ungewöhnlich ist.

Den habe ich als Handylose, die nicht so sehr mit der digitalen Welt verknüpft ist, nicht gehört. Dafür aber eine Lesung und ein Gespräch mit Anton Thuswaldner, das im Salzburger Literaturhaus stattfand, so daß ich verstehen konnte, worum es in dem Buch geht und was Iris Blauensteiners Absicht beim Schreiben war und bei der „Rund um die Burg“, die demnächst stattfindet, wird das Buch, glaube ich, auch vorgestellt.

Ungewöhnlich ist vielleicht auch, daß das Buch in der „Du-Form“ geschrieben ist, wohl wie Iris Blauensteiner im Gespräch meinte, die „Ich-Perspektive“, denn der Held soll ja zu seinem „Ich“ finden, zu unterstreichen.

Ein interessantes widersprüchliches, Buch das in einer sehr ästhetisch schönen Sprache geschrieben ist, die, wieder ungewöhnlich, auch ein paar ungewöhnlich erscheinende Worte dabei verwendet.

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