Literaturgefluester

2022-08-18

Drei Premieren bei den O-Tönen

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:27
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Klaus Kastberger, Marcus Fischer

Zwei betreffen die Bücher, die heute bei den O-Tönen vorgestellt wurden, die dritte, wie die Veranstalter betonten, daß die Lesungen zum ersten Mal in diesem Sommer in der ARENA 21 stattfanden, denn es gab an diesen Donnerstag, wo es in Wien bis 37° Grad hatte, am Nachmittag eine Sturmwarnung in NÖ, wo sogar die Frequency in St. Pölten kurzfristig geräumt wurde und es sah auch in Wien am Abend nach Regen aus. Geregnet hat es dann nicht, aber als wir das Museumsquartier erreichten, wurden die Sessel im Haupthof gerade weggeräumt und in der ARENA waren ein paar Leute mit Maske zu sehen. Ein zwei Hände voll, denke ich. Cornelia Stahl war da, Gustav Ernst und Karin Fleischanderl habe ich gesehen und beim Eingang ist Susanne Toth gestanden und hat uns zu ihrer Lesung nächste Woche eingeladen, beziehungsweise diesbezügliche Flyer verteilt.

Klaus Kastberger hat wieder moderiert und erzählt, daß sein Zug wegen des Sturmes schneller gefahren ist. Er hat in der letzten Zeit eine eher witzige Art der Moderation, die ich nicht ganz nachvollziehen kann und stellte dann den 1965 geborenen Marcus Fischer vor, den ich als ich in das Programm schaute zuerst mit dem Leander verwechselte und dachte „Der ist doch schon auf der Debutliste des Öst gestanden und dann dachte, diesen Autor kenne ich nicht, was auch ein Irrtum war, denn das ist der Schreibtrainer den ich bei den Schnupperseminaren im „Writerstudio“ kennenlernte und der mich auch lieb getröstet hat, als ich beim „Marathonschreiben“ früher als erwartet heimgegangen bin. Er hat den „Wortlaut-Wettbewerb“ gewonnen und jetzt sein Debut „Die Rotte“ herausgebracht und eine Rotte ist eine Ansammlung von ein paar Häusern. Ich kannte da nur das Wort „zusammenrotten“ und hätte eher an ein paar Weglagerer gedacht. Aber die „Rotte“ ist eben diese Hausansammlung, in dem eine alte Frau lebt, die irgendwann nicht mehr aus dem Haus gegangen ist. Davon handelt der Roman vom Leben dieser Bäuerin namens Elfi, deren Vater tot aufgefunden wurde. Dann heiratet sie einen Franz, erfährt, daß er sie betrügt und am Schluß zieht sie sich offenbar aus dem Leben zurück, was, wie Marcus Fischer im Gespräch erwähnte, eine autobiografische Erfahrung war, weil es in der Rotte, in der er aufgewachsen ist, offenbar eine solche Frau lebte, mit deren Kindern er auch in die Schule gegangen ist.

Klaus Kastberger,, Thomas Stangl

Der zweite Autor, der 1966 in Wien geborene Thomas Stangl war mir dagegen von Anfang an bekannt, beziehungsweise habe ich von seinem neuen Roman, der auch, ähnlich wie das Fischer Buch gestern oder heute erschienen ist „Quecksilberlicht“ schon in der „AS“ gehört und Thomas Stangl, der erste „Alpha- Preisträger,“, ist ein Autor den ich ein wenig verwirrend oder schwer zu verstehen finde und so ist es auch bei diesem Buch, wo Thomas Stangl, drei Stränge oder Räume, beziehungsweise auch verschiedene Zeiten miteinander verband.

Der erste Raum war ein Kaiser von China, der nicht sterben wollte und auch recht grusam war, der zweite die Familie Bronte, das sind die drei Töchter des Pfarrers aus Yorkshire, die im neunzehnten Jahrhundert durch ihr Schreiben berühmt geworden sind, Emily, Charlotte, Anne und einen Bruder gab es auch und, um den nahm sich Thomas Stangl an und dann geht es auch um seine Großmutter, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in Wien Simmering lebte und das verwirrende dabei war, daß Thomas Stangl in einem Kapitel von der einen zur anderen Ebenen sprang und sich dann auch noch mit dem Schreiben, der Unsterblichkeit, etcetera beschäftigte.

Franz Kafka kam vor, der Novemberprogrom etcetera. Verwirrend aber auch interessant. Deshalb wunderte es mich auch ein bißchen, daß sehr viele Leute während der Lesung weggegangen sind, während Marcus Fischer recht stürmischen Applaus bekam und als ich die ARENA verließ, war es draußen warm und schön. Also hätte die Veranstaltung im Freien stattfinden können. Auf der Fahrt nach St. Pölten hat es aber ziemlich abgekühlt.

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8 Kommentare »

  1. Vielleicht nur zur Ergänzung oder Info: Als „Rotte“ wird – zumindest hierzulande – eine Wildschweingruppe bezeichnet. Davon abgeleitet und eher despektierlich angewandt wird die Bezeichnung „zusammenrotten“ im Hinblick auf friedliche Demonstranten.

    Wohingegen Linksextreme natürlich „Aktivisten“ genannt werden, aber das nur am Rande 🙂

    Kommentar von Ulrich Lucas — 2022-08-19 @ 08:04 | Antworten

  2. Sie kommentieren weiter, wie erwartet und diesmal, was mich sehr freut ,sogar mit einem konstruktiven Kommentar!
    Ja, das Wort „Rotte“ für eine Häuseransammlung war mir völlig unbekannt, steht aber, wie ich hörte in „Wikipedia“. Das mit den „Wildschweinen“ auch und ich denke, daß es wahrscheinlich Unterschiede zwischen dem „Deutschen“ und den „Österreichischen“ gibt!
    Ganz können sie es naütrlich doch nicht lassen und da bin ich der Meinung, daß es sowohl linke als rechte Extremaktivisten geben wird und extrem und Gewalt ist nie gut!
    Darüber haben wir ja schon beim vorvorigen Kommentar diskutiert!
    Sein Land und seine Ansichten nicht mit der Waffe, sondern mit Worte und im gewaltfreien Widerstand verteidigen und was den Salam Rushdie betrifft!, wird es da am Heldenplatz eine Lesung der „Satanischen Verse“ geben, wo ich mich beteiligen werden und Sie können das Buch ja zu Hause lesen, wenn Sie nicht selber eine Llesung veranstalten wollen und Wien zum Zuhören zu weit ist! Obwohl es da am Wochenende vorher wieder das Volksstimmefest gibt. Aber da weiß ich nicht einmal, ob da auch gelesen wird! Ich wurde jedenfalls nicht mehr eingeladen!

    Kommentar von jancak — 2022-08-19 @ 08:19 | Antworten

    • ja, am volksstimmefest wird heuer wieder gelesen. ich wurde ebenfalls nicht mehr eingeladen (wohl aus ähnlichen gründen – allzu coronamaßnahmenkritisches denken). aber ich mache mir auch nichts daraus. habe für september/oktober bereits drei lese-einladungen an orten, an denen kritisches denken sehr wohl erwünscht ist.

      Kommentar von andi pianka — 2022-08-19 @ 19:00 | Antworten

  3. Gratuliere, aber, ich glaube, das liegt nicht nur an der Corona-Kritik, sondern, daß die neuen Organisatoren neue Lesende wollen! So war es wahrscheinlich ein Zufall, daß Sie mich im Vorjahr einladen wollten, denn die Ruth Aspöck und die Elfi Resch wußten im Vorjahr nichts von einer Lesung und auch heuer nicht!
    Voriges Jahr war ich nur am Sonntag dort und da haben weniger Leute als sonst glesen und außer Eva Scörkhuber waren eigentlich alle neu, soweit ich mich erinnern kann!
    Wo liest du? Komme gern hin, wenn das möglich ist!
    Ich habe im September und Oktober auch zwei Lesungstermine!
    Machst du bei Rushdie-Lesung mit?

    Kommentar von jancak — 2022-08-19 @ 19:24 | Antworten

    • von der rushdie-solidaritätslesung hab ich ehrlich gesagt erst durch deinen blog erfahren und bis dato sonst nirgends. kann mir aber gut vorstellen, als publikum zu kommen.
      und meine nächsten termine (werden allesamt so ca. 15-minütige auftritte sein) gerne demnächst per mail. allerdings nur einer davon in wien. hoffe, dann mitsamt meinem dann wohl frisch gedruckten corona-buch.

      Kommentar von andi pianka — 2022-08-19 @ 21:48 | Antworten

      • Dann sehen wir uns wahrscheinlich! Bist du nicht in der GAV?

        Kommentar von jancak — 2022-08-21 @ 09:07

  4. nein, bin kein GAV-mitglied und habe auch eher nicht vor, eines zu werden.

    Kommentar von andi pianka — 2022-08-21 @ 21:04 | Antworten

    • Warum nicht? Das ist doch immer noch die größte österreichische Autorenvereinigung, links und gesellschaftskritisch, wenn auch vielleicht ein wenig Corona ängstlich, ist sie auch!

      Kommentar von jancak — 2022-08-21 @ 21:34 | Antworten


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