Literaturgefluester

2022-08-19

Die Welt

Jetzt kommt ein Reiseroman, zumindest steht Roman unter dem Titel. Dann geht es aber, um die Reisen, die der 1978 geborene Schweizer Schriftsteller Arno Camenisch, der auf Deutsch und Rätoromanisch schreibt und der mit seinen „Goldenen Jahren“ schon auf der Longlist des dBps stand, in seinem Leben unternommen hat. Und er hat, wie schon der Titel sagt, so ziemlich die ganze Welt bereist und ich würde das eher dünne „Diogenes-Büchlein“ als poetischen Reisebericht verstehen in dem es noch philosophische Betrachtungen des Lebens gibt.

Und das Poetische ist, der Ich-Erzähler oder Autor steht Vierundvierzigjährig eines Morgens auf der Terrasse, schaut auf den See und denkt über sein Leben und seine Reisen nach.

Denn als er Zwanzig war, so um die Jahrtausendwende, das Militär war absolviert, ein Job gefunden, wo er aufsteigen hätte können, was er aber nicht wollte. Also verkaufte er seine Güter und brach mit ein bißchen Geld und einem Gepäckstück auf die große Reise, das heißt nach Hongkong, Australien und Südamerika auf.

Später hat er auch einige Jahre in Spanien gelebt und Spanisch hat er in Südamerka gerlernt, als er dort den Menschen zuhörte und sich mit Taxifahrern anfreundet. Eine Maria gab es auch, mit der er sich einige Monate seines Lebens teilte und mit ihr im Taxi Studenhotels besuchte.

Als er nach einem Jahr zurückkam, hatte seine Mutter eine Psychose, verbrachte einige Zeit in der Klinik. Er unterrichtete inzwischen als Sprachenlehrer in Chur und fühlte sich durch seine Reisen sehr verändert. Da bringt er das Beispiel eines Mantels, den man ein Jahr im Kasten hängen hat und der, wenn man ihn herausnimmt, nicht mehr passt. Das passiert aber wahrscheinlich jeden Wintermantel denke ich und das Leben ist auch für den Erzähler weitergegangen.

Der Sommer 2003 wird von Arno Camenisch als sehr heiß beschrieben, die Klimaveränderung zeigt sich an und er beginnt eine unverbindliche Beziehung zu einer Amelie. Denn Freiheit und Unverbindlichkeit ist ihm sehr wichtig, so fliegt er Ende des Jahres, im Sommer hat er viel Zeit mit seiner Mutter verbracht und hat mit ihr Ausflüge unternommen, wieder nach Südamerika und beschließt dann im nächsten Sommer für drei Jahre nach Madrid zu ziehen. Amelie sieht er sieben Jahre später in einem Cafe in Zürich wieder und zwanzig Jahre später steht er auf der Terrasse seines Hauses, blickt auf den See und denkt über sein Leben nach.

Wieso das Buch Roman genannt wird, ist mir immer noch unklar, obwohl es sehr poetisch geschrieben ist und ein roter Faden durch die Kapitel zieht.

Memoir würde ich es nennen, aber als in einem Interview das ich hörte, die Moderatorin den Literaturkritiker fragte, ob das vielleicht Autobiografisch sei, reagierte der sehr empört und erklärte man dürfe keine Schlüsse von Text auf den Autor ziehen!

Worauf sich die Moderatorin fast entschuldigte. Wieso man das nicht darf, ist mir auch nicht so klar. Das scheint fast wie das Spoilern zu sein, das ja angeblich out ist. Dann habe ich aber auf den Buchrücken gesehen und dort steht „Arno Camenisch erzählt von den Jahren, als er in seinen Zwanzigern war, sein Leben auf den Kopf stellte und über die Kontinente zog, die Sorgen fern waren und das Leben um die Liebe kreiste.“

Also darf man es vielleicht doch. Geht es in dem Buch doch um die Freiheit und die Unabhängikeit die man sich in seinen Zwanzigern wünscht und die viele dann genauso wenig schaffen, wie die südamerikanischen Kindern, die in den Slums Fußball spielen und von der großen Karriere träumen. Arno Camenisch oder der Ich-Erzähler hat das auch getan und aufgegeben. Am Buchcover ist ein Auto zu sehen. Ein solches hat sich der Erzähler im Sommer 2003 auch gekauft und ist mit seiner Mutter durch das Land gefahren.

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