Literaturgefluester

2022-10-16

Nachhallendes Nachhaltiges

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:39
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Unter diesen sperrigen Titel verbirgt sich die heurige „Literatur im Herbst“, die es ja seit einigen Jahren, von Walter Famler veranstaltet, im Odeon gibt.

Da waren ja zuerst einzelne Länder, Jugoslawien und dann die Donau dran, jetzt ist es offenbar themenübergreifender geworden, die letzten zwei Jahre habe ich gestreamt und heuer habe ich mich sehr geärgert, daß die Veranstaltung mit der GAV-GV kollidierte.

Als ob man das nicht vorher absprechen könnte und dann wurde noch bei der GAV darüber diskutiert, was man gegen den Publikumsschwund bei den literarischen Veranstaltungen machen kann? Das wäre eine Idee dazu und so habe ich die Freitägige Eröffnung und einen großen Teil des Samstagprogramm versäumt, bin aber, weil die GAV früher als geplant fertig war, noch in den letzten Block zurechtgekommen und hatte eigentlich keine Ahung, um was es diesmal gehen wird?

Um die Ukraine vielleicht und den Krieg dort, der immer ärger wird, könnte man denken, denn um fünf, als ich noch im Cafe Prückl auf mein Schnitzel wartete, hat doch Oksana Sabuschko über ihre „Längste Buchtour“ berichtet.

Ich bin aber erst um halb acht eingetroffen und da hat die mir bisher unbekannte Ines Geipel in „Schöner Neuer Himmel“ offenbar über die Weltraumprogramme der DDR berichtet. Cornelia Stahl und später Thomas Northoff, der auch auf der GAV-GV war, habe ich gesehen, sonst war es eher leer und nach einer kurzen Pause hat die 1953 in Dale geborene Wencke Mühlausen über ihre Erfahrungen mit ihren Nazivater und dann die, die sie in der Mühl-Kommune, der sie von 1976-1985 angehörte, berichtet und das wäre schon die Klammer zu der nächsten Buchpräsentation, denn da hat die Historikerin Karin Harasser ein Buch über den Nazi-Fotografen Hans Ertl, der nach dem Krieg nach Bolivien auswanderte und seine Tochter Monika, die sich der dortigen Guerilla angeschlossen hat und 1973 ermordet wurde, geschrieben. Also, wie geht es den in den Fünzigerjahren geborenen mit ihren Nazi-Vätern und was haben sie dann in den Siebzigerjahren, wo ich als 1953 geborene Psychologie studierte, gemacht?

Am Sonntag ging es zu einer Matinee in die „Alte Schmiede“, denn da wurde an den hundertsten Geburtstag von Pier Paolo Pasolini gedacht und zwar wurde da ein Film aus dem Jahr 1963 „La Ricotta“, zum ersten Mal unzensiert gezeigt und der war erstaunlich gut gemacht. Ein Film über die Kreuzigung Christi wurde gedreht und man sah wie die Schauspieler zwischendurch lachten und das Leben genossen und das ganze war sehr skurril komisch. Drei neue Bücher sind über P. P. Pasolini erschienen. Eines über die Jugend im Faschismus, einen über seinen Bachmann-Briefwechsel und eines über seine Beziehung zum Fußball, das zu besprechen dann keine Zeit war und nach der Mittagspause ging es im Odeon mit dem spanischen Comic „Sonnenseiten“, der von Erich Hackl präsentiert wurde weiter, der zeigte, wie Spanien seine Strände mit riesigen Hotelbauten verschandelt hat.

Dann wurde die Nachhaltigkeit bei der Lyrik mit der 1969 in Essen geborenen Marion Poschmann von der ich schon zwei Bücher gelesen habe und den 1957 ebenfalls in Essen geborenen Jürgen Nenzda gezeigt, beziehungsweise mit dem Historiker Milo <probst diskutiert, ob man mit Lyrik, die Umwelt retten kann? Das halte ich zwar für sehr übertrieben, es war aber interessant die Naturlyrik zu hören, die sich mit Bäumen und mit Bergwerken beschäftigten.

Miha Mazzinis „Du existiert nicht“, das von Walter Famler moderiert anschließend folgte, war auch sehr interessan und wieder ein ganz anderes Thema. Denn da wurden 1992 in Slowenien, die Daten von nicht in Slowenien Geboren wurden, gelöscht und der 1961 geborene slowenische Autor schildert in seinem Roman, eine junge Frau, die zur Geburt ins Krankenhaus geht und dort verhaftet wird und ihr Kind zur Adoption freigegeben werden soll. Das finde ich sehr eigenartig und das ist es wahrscheinlich auch, daß man in den österreichischen und deutschen Medien nichts davon hörte.

Dann ging es mit Angelika Reitzer wieder zu einer anderen Nachhaltigkeit, nämlich zu der Vater-Tochter Beziehung der Marie Gamilscheg, die mit ihren „Aufruhr der Meerestiere“ ja auf der deutschen Longlist steht, ein Buch das ich noch lesen muß und auch den letzten Autor, den 1967 in Temeswar geborenen und in Zürichl ebenden Catalin D. Florescu kannte ich schon und habe das vorgestellte Buch, den „Feuerturm“ das die letzten hundert Jahre in Bukarest bis zur Revolution an Hand einer Feuerwerksfamilie schildert, schon gelesen und so bin ich diesmal sehr verkürzt von einer Nachhaltigkeit zur anderen gewandert, habe wieder einiges gelernt und auch Bekanntes aufgefrischt..

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