Literaturgefluester

2010-02-13

Textmontieren, Abschreiben, Schreibwettcamp

Filed under: Uncategorized — jancak @ 13:11

Auch von mir ein Beitrag zu „Helene Hegemann“, denn mit den Themen plagiatieren, Jungstars, gehypte und übersehene Literatur habe ich mich schon lang beschäftigt und meine Erfahrungen damit gemacht.
So kann ich mich an drei Plagiate erinnern. In diesen Fällen waren es direkte Abschreibungen, das erste ist bei einem Limes-Literaturwettbewerb 1988 passiert. Ich habe auch einen Text hingeschickt, bin nicht in die engere Auswahl gekommen, einen der Anerkennungspreise hat Manfred Wieninger bekommen, der damals in aller Munde war. Von der NÖN hochgelobt, mehrere Stipendien gleichzeitig, daß das Schreibblockaden auslösen kann, ist vorstellbar.
Internet, wo man das Plagiat auf einen Blick erkennen kann, hat es damals noch nicht so gegeben, trotzdem ist man draufgekommen. Das Heft mit den Siegertexten war schon gedruckt, Alois Eder hat sehr gut reagiert, eine Stellungnahme, sowie einen Brief an Norbert Tefelski geschrieben und einen seiner Texte im Limes Nummer zwölf abgedruckt.
Manfred Wieningers Reaktion war sehr heftig, er hat alles hinschmeißen wollen und auch eine Lesung, die ich mit ihm in St. Pölten haben sollte, abgesagt. Da habe ich dann allein vor sehr wenigen Zuhörern gelesen. Inzwischen ist das berühmte Gras über die Geschichte gewachsen. Manfred Wieninger schreibt wieder, es gibt die Harland Krimis mit Marek Miert, die eigentlich in St. Pölten spielen, ein Lexikon der St. Pöltner Straßennamen, er hat auch das Nazi Lager bei den Viehofener Seen aufgedeckt und eine große Aktion geplant, wo demnächst alle St. Pöltner Haushalte eine Postkarte mit der Nachricht „Ich bin gesund, es geht mir gut!“, das, was die Häftlinge schreiben durften, bekommen werden.
Die zweite Plagiatsgeschichte habe ich selbst entdeckt und zwar in der Schreibwerkstatt der Gewerkschaft, die ich einige Jahre besucht habe. Da gab es ein Ehepaar, deren Texte mir eigentlich positiv aufgefallen sind, das sehr bewundert wurde, weil es im „Augustin“ publizierte. Jetzt habe ich die Schreibwerkstatttexte des Augustins gar nicht so oft gelesen. Den Text der Frau H. aber schon, aus Interesse, wie sie schreibt und bin auf Bekanntes gestoßen. Beim zweiten, dritten Satz hatte ich gewußt, woher das ist. Wie weit es Wort für Wort von Christa Stippingers „Kress“ abgeschrieben war, wußte ich nicht, war aber doch so sicher, daß ich dem Augustin eine Karte schrieb, danach sind wir nach Frankfurt zur Messe gefahren und auf dem Rückweg habe ich in Harland, in dem Wespennest, in dem der Text abgeduckt war, nachgeschaut. Er war fast Wort für Wort abgeschrieben, der Anfang fehlte und das Wort Schnitzel wurde einmal durch Fleischleibchen oder so ersetzt. Es gab auch einen anderen Titel. Die Helden der Geschichte waren bei Frau H. ein türkisches Ehepaar und das ist lustig, denn der Kress ist ein österreichischer Arbeiter und seine Frau eine Serbin, so hat er Dialekt geredet, sie gebrochenes serbisches Gastarbeiterdeutsch. Frau H.s Türken taten das auch. Ich habe sie bei der nächsten Schreibwerkstatt darauf angesprochen, ihre Reaktion war sehr verwundert und ich habe mich gewundert, daß die Texte Wort für Wort übernommen und daher sehr leicht nachweisbar waren.
Dann gibt es noch den vorigen Ohrenschmaus, wo das Siegergedicht, zum Glück, noch bevor es auf die Zotter-Schokolade-Schleife kam, als von Astrid Lindgren erkannt wurde.
Bei „Axolotl Roadkill“ ist das anders. Das ist ja, wenn ich es richtig verstanden habe, kein echtes Plagiat, sondern die sehr junge Autorin hat, wie sie auch angab, im Stil der Nullerjahre, in denen sie aufgewachsen ist, kopiert und übernommen, „weil es ja keine wirkliche Originalität, nur Echtheit gibt…“
Dabei hat sie, wie sie angab, eine Seite Zitate aus dem Buch „Strobo“ des Bloggers Airen verwendet. Deef Pirmasens von Gefühlskonserve.de, der das Ganze vor einer Woche aufgedeckt hat, hat inzwischen mit dem Autor, noch viel mehr Zitate gefunden, es wurde auch von anderen übernommen, was die Autorin ebenfalls nicht bestritten, sondern in das Buch geschrieben hat, daß alles Lüge sei oder so.
Da stellt sich natürlich die Frage, wieso das Lektorat, das nicht vorher mit der Autorin Satz für Satz durchgegangen ist, um alle Rechte einzuholen. In der Erstauflage fehlt der Hinweis auf den Blogger Airen, in der zweiten, die noch vor der Aufdeckung erschienen ist, wird er erwähnt, inzwischen häufen sich die Entdeckungen. Ein jeder will einen bekannten Satz erkennen und auch ein Filmemacher hat sich inzwischen gemeldet und behauptet, daß der Film, der vorher erschienen ist, von ihm ist.
Vor der Entdeckung haben die älteren Männer, wie Maxim Biller, die Aussagekraft und das Talent der jungen Frau gelobt und waren begeistert und der Blogger Deef Pirmasens ist auf das Ganze gekommen, weil er sich sagte, daß eine Sechzehnjährige gar nicht an den Türstehern des Szenelokals Berghain, das in dem Buch geschildert wird, vorbeigekommen wäre. Es geht um Gewalt, Drogen und Sexerfahrungen einer Minderjährigen. Ein umgekehrter Kindesmißbrauch also, denn eigentlich sollte eine Sechzehnjährige keine solchen Erfahrungen haben. Hat sie auch nicht, denn sie hat montiert. Wer den Vertrag unterschrieben hat, scheint auch nicht so klar zu sein, denn es gibt ja einen berümten Vater, der die junge Frau in die Szene hineingebracht hat und eine schwere Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter, die bei anderen der Grundstein einer Persönlichkeitsstörung ist…
Die interessanteste und eigentlich unerträglichste Frage ist auch, wieso wollen wir das lesen?
Wenn eine Sechzehn, siebzehn oder jetzt schon fast achtzehnjährige Sätze schreibt oder übernimmt, bei denen es von Gewalt, Blut, Orgien, ect. nur so wimmelt, daß die FAZ, die beide Textstellen gegenüberreiht, die Warnung gibt: „Achtung, die Sätze sind teilweise sexuell sehr explizit und können Gefühle der Leser verletzten!“, müßte sich doch eigentlich das Jugendamt einschalten, statt, daß es zu einem sogenannten Kultroman hochgepusht wird, der die Auflagenzahl ins Unermessliche springen läßt und Frau Hegemann so und so mißbraucht überbleibt und sowohl durch den Negativ- als auch den Positiv-Hype überfordert ist. Da müßten wir uns eigentlich selber an der Nase nehmen und uns fragen, was ist los, daß wir nur noch sowas lesen wollen?
Der andere interessante Aspekt ist, daß das Buch „Strobo“, in dem der Blogger Airen, der 1981 geboren wurde und anonym bleiben will, seine eigenen Erfahrungen beschreibt, im Sommer bei einem kleinen Untergrundverlag erschienen ist und damit längst nicht so berühmt geworden ist, sondern nur seine kleine Fangemeinde hatte. Der profitiert sicherlich davon. Helene Hegemann bleibt für Leipzig nominiert, ob sie den Preis gewinnt, wird spannend sein.
Und im literaturcafe ist inzwischen eine Fälschung des Sternaufmachers von 1971, „374 Schriftsteller erklären öffentlich, wir haben abgeschrieben“, wo die Portraits von Günther Grass ect zu sehen sind, erschienen. Literaturcafe.de hat dazu geschrieben, daß das die Leute für echt gehalten und sich nur empört haben, daß Goethe darauf zu sehen ist.
Noch etwas ist interessant, es gibt inzwischen einen neuen Artikel bei literaturcafe und da geht es, um ein anderes Buch und zwar um „Möchtegern“ von Milena Moser. Da wird ein Thema aufgegriffen, mit dem ich mich auch schon lang beschäftige und zwar auf eine sehr explosive Art, nämlich mit einer Casting Show für Möchtegernautoren, wo eine ältere Autorin, die zufällig ein Buch namens „Road Kill,“ die Zufälle häufen sich, wie man sieht, geschrieben hat, in eine solche Show gehen und das beste Talent unter den hoffnungsvollen Kanditaten herausfiltern soll. In dem Roman scheint sich die Heldin Mimosa Mein, wie ich der Leseprobe entnommen habe, anders zu entscheiden, der Verlag und das Literaturcafe haben aber eine eigene Schreibshow daraus gemacht. Man bekommt eine Aufgabe, kann seinen Text dazu hinschicken und einer gewinnt ein Seminar bei Milena Moser in der Schweiz und bekommt die Reise dazu bezahlt. Bei Face book und bei Twitter kann man das Ganze auch verfolgen. Die Aufgabe dieser Woche ist: „Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht!“
Ich machs vielleicht für meinen nächsten Text, hinschicken werde ichs, gaube ich, nicht, denn da habe ich sicher keine Chance und über das erfolglose Schreiben und über Verwechslungen habe ich schon viel geschrieben. Da das jetzt schon lang ist, nur zwei Beispiele. In der Volksstimmeanthologie 1998, gibt es die Erzählung „Die Verwechslung“, die ich geschrieben habe, nachdem es damals so ein Marktgeheimnis, um einen Peter Handke Roman gab. Da geht die erfolglose Autorin in eine Buchhandlung und findet dort ihr Manuskript in dem Buch eines berühmten Autors. In „Wilden Rosenwuchs“ kommt das in längerer Form nochmals vor.
Das Thema Schreiben hat viele Aspekte und ist sehr interessant. Der Urheberschutz ist einer davon, ein anderer, wie muß man heißen, aussehen, alt sein, schreiben, um Erfolg zu haben, der Dritte natürlich, wie geht es der jungen Frau und für mich sehr interessant, warum ist nur das (gute) Literatur, das sehr gewalttätig ist???

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2014-09-26

Tod des Autors und FM4-Preis

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:49

Derzeit findet der KulturHerbstNeubau statt, offenbar ein Pendant des Siebenten zu den Wiener Festwochen und da hat mich Andrea Stift schon seit längeren zu einer Lesung am morgigen Samstag ins Amerlinghaus eingeladen und im Literaturhaus gibt es Freitag und Samstag ein Symposium der Schule für Dichtung „Der Tod des Autors – reloaded, denn das hat in den Sechzigerjahren im Original Roland Barthes gesagt und jetzt ist der Autor wieder anders, nämlich im Netz im verschwinden und die „Schule der Dichtung“ ist etwas, weil ich ja nicht sehr konkret oder experimentell schreibe, etwas was meinem Gedächtnis fast entschwunden wäre.
Obwohl mich Christian Ide Hintze, der Gründer vor Jahrzenten einmal angerufen hat um etwas von meinen Arbeitskreis schreibender Frauen zu erfahren.
Christian Ide Hintze ist vor einiger Zeit gestorben, der jetzige Leiter heißt Fritz Ostermayer, der das Festival auch kuratierte, mir war der Name völlig unbekannt, weil ich ja an den Klassen der Schule im Internet oder in der Mariahilferstraße nicht teilnehme, aber Julian Schutting engagiert sich, glaube ich, dort sehr und als es „Rund um die Burg“ alt noch gab, trat dort immer zu Mittag die Schule für Dichtung auf und brachte mir bei, wie das experimentelle Dichten gehen könnte, beziehungsweise gab es immer spannende Performances und jetzt ein Festival im Literaturhaus und weil soetwas subventioniert sein muß, gab es zuerst Begrüßungsreden, der Bezirksvorsteher Blimlinger trat auf, die Kulturbeauftragte der Stadt Wien Julia Danielczyk von der ich ja gerne die Einladungen zu den Preisverleihungen der Stadt Wien bekäme und Robert Stocker in Vertretung des Bundesministers, der auch Ostermayer heißt und hielten Zusatzreferate.
Fritz Ostermayer erklärte dann, wie das mit den toten Autor zu verstehen sei, in den Sechzigerjahren glaubte man diesen nicht mehr nötig zu haben und jetzt im Netz scheint man ihn nicht mehr zu brauchen, beziehungsweise gibt es neue Inhalte und neue Publikationsformen, Fritz Ostermayer erzählte von einem Roman, der in zwanzig Sprachen übersetzt wurde, von Englisch auf Deutsch, auf… bis er wieder Englisch wurde und dann fragt man sich, ob der Autor seinen Roman wiedererkennt oder ob die Übersetzer nicht längst etwas anderes daraus gemacht haben und es ist interessant, die Mona Lisa ist für jeden auf der Welt gleich, die Symphonien sind es auch, bei der Literatur ist das aber anders, denn da kann es sein, daß „Schuld und Sühne“ auf einmal anders heißt, während im Original, der Titel gleichbleiben wird und wir lesen auch etwas anderes, wenn die Bücher alle paar Jahrzehnte neu übersetzt werden. Ein interessanter Aspekt, der mich beschäftigt, seit ich Übersetzerveranstaltungen besuche.
Im Literaturhaus kam dann das Einleitungsreferat, die sogenannte Grundsatz Lecture vom Literaturwissenschaftler und Musiknarr Johannes Ullmaier aus Mainz und das war sehr interessant und brillant vorgetragen, bzw. auch optisch aufbereitet, denn auf der Bühne hing ein Weihnachtsmann, das war der Autor, über ihn die göttliche Distanz, auf der anderen Seite ein paar Pappteller, das waren die Leser und die Kritiker und dazwischen gab es Tafeln wie Plagiat, etc.
Das war vielleicht ein wenig kitschig dargestellt, das Grundsatzreferat war das weniger, denn es gab erstens einen Schlagabtausch mit Fritz Ostermayer „Der Autor lebt – der Autor ist tot“, zweitens viele interessante Aspekte und eine Graphik gab, die das menschliche Leben und seine Verbesserungen durch Prothesen schilderte, das Internet ist eine solche, der Buchdruck auch und während Autoren, wie Peter Handke immer mit der Hand schreiben werden, gibt es im Netz die E-Books und die Massenware, Historienkitsch etc nannte es, glaube ich, Johannes Ullmaier, während die Schulde für Dichtung das experimentelle Dichten lehrt, etc.
Dann gabs eine Pause, mit Büchertisch, Wein und Gespräche, Ruth Aspöck war da, Wolfgang Helmhart und der Lehrer aus Retz, aber auch Nika Pfeifer und einige Studenten der Sprachkunst habe ich im Publikum gesehen. Dann kam „Traumawien“ und es ging mit einer literarischen Performance los, bzw. einer Vorstellung eines Verlags, den es im Netz gäbe und da nimmt sich die Gruppe Texte von Daniel Kehlmann beispielsweise, schickt sie durch einen Allgorithmus und macht einen neuen Text daraus, daran spannte sich eine Diskussion, die vor allem ich initierte, denn meines Wissen gelten die Urheberrechtsbestimmungen auch im Netz, obwohl die Autoren auf dem Podium meinte, daß sich die jungen User nicht darum kümmern würden.
Die Anwälte von Daniel Kehlmann würde ich vermuten, werden das wahrscheinlich tun. Helene Hegemann hat sich nicht darum gekümmert, ihr Verlag mußte es schon tun und den Leipziger Buchpreis hat sie dann auch nicht bekommen.
Eine interessante Diskussion und schade, daß Gerhard Ruiss, der da ja eine ganz andere Meinung hat, nicht mitdiskutierte.
Dann ging es weiter bis nach neun, aber ich habe die Veranstaltung mit dem Lehrer verlassen, um ins „Phil“ in die Gumpendorferstraße hinunterzugehen, denn da wurde wieder einmal der „FM4-Preis“ vergeben, eine Veranstaltung die ich ja, seit Cornelia Travnicek darüber bloggte mehr oder weniger verfolge.
2009, wo sie ihn zum zweiten Mal gewonnen hat, traute ich mich zu den vielen jungen Leuten ins „Phil“ nicht hinein, ließ mir aber von Jürgen Lagger, die „Wortlaut-Anthologie“ geben, dann war ich ein paar Mal nicht bei der Preisverleihung, voriges Jahr bin ich, glaube ich, auch vom Literaturhaus, wo Angelika Reitzer den „Stößl-Preis“ bekommen hat, ins „Phil“ gegangen und der „FM4-Preis“ ist sehr interessant, weil da sehr viele, meist sehr junge Autoren teilnehmen, diesmal gab es glaube ich an die achthundert Einsendungen, eine Vorjury wählt die besten zwanzig, die werden dann auf zehn reduziert und die kommen in die „Anthologie“, die ersten drei Preisträger bekommen ein bißchen Geld und dürfen ihre Texte lesen, der beste Text kommt in den Standard und, ich glaube, auch in den „Volltext“, Goodie-Taschen und Buchgutscheine gibt es auch.
So habe ich Anna Weidenholzer, Valerie Fritsch, Martin Fritz und noch viele andere kennengelernt, ein paar der Autoren trifft man dann später beim Bachmannpreis wieder.
Voriges Jahr war Katharina Tiwald bei den Gewinnern, heuer habe ich von den zwanzig niemanden gekannt und, ich glaube, es waren auch keine Profis bei den Preisträgern.
Das heißt, das weiß ich doch nicht so genau, denn der dritte Preisträger, Paul Klammbauer, 1986 in Linz geboren, unterichtet kreatives Schreiben in Hildesheim und er beschäftigte sich in seinem Text mit dem Literturbetriebszirkus“.
Sehr spannend und der FM4-Preis kam darin vor, das Thema war diesmal „Haarig“, das habe ich bei dem Text gar nicht sosehr mitbekommen, der zweite Preisträger Lukas Lengersdorff, 1990 in St. Pölten geboren, der jetzt Psychologie studiert und laut seiner Angabe seit seiner Matura zum ersten Mal einen Text fertig schrieb, beschäftigte sich da in „Samson“ mit einem Paul, der sich für seine Matura die langen Haare abschneiden mußte, weil ihn sonst sein Vater das Studium in Amerika nicht bezahlt hätte.
Nach diesen zwei Texten wurden die sieben anderen Preisträger vorgestellt und konnten sich ihre „Goodie-Taschen“ abholen und am Schluß kam der Sieger, wieder ein Mann, im letzten Jahr gab es, glaube ich, drei Siegerinnen, Christoph Strolz 1979 in Tirol geboren, der seine Familie bis zur Oma zur Preisverleihung mitbrachte und seinen Text „Meine Schwester“, wo sich plötzlich alles pelzig anfühlt und die Haare wachsen, sehr gekürzt hat.
Dann wurde noch die Anthologie präsentiert und eine Party mit Musik gab es auch und es war wieder sehr voll im Phil, Berührungsängste hatte ich diesmal nicht, aber auch keine Bekannten getroffen, mich aber mit einem der Vorjuroren sehr gut unterhalten, der mir ein bißchen etwas über die Texte und das Durchschnittsalter der Einreichenden erzählte.

2012-07-03

Vier Jahre Literaturgeflüster

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:48

Jetzt gibts wieder eine Jubelmeldung, denn das Literaturgeflüster gibt es seit vier Jahren. Am dritten Juli 2008 habe ich sehr zögernd ein paar Sätze hingeschrieben. Habe mich inzwischen verlängert und auch ausgebreitet. Es zwar nicht ganz bis zum 1111. Artikel geschafft, sondern nur zum 1109. bzw. 1105., aber die sind, wie ich Katharina Riese vor ein paar Tagen geschrieben habe, mit Herzblut verfaßt und meiner Meinung nach nicht aggressiv. Die anderen sehen das vielleicht anders und denen geht möglicherweise mein ständiges Jammern, daß ich es nicht und nicht in diesen Literaturbetrieb schaffe, obwohl ich doch so fleißig bin, so viel und manisch schreibe und mich so sehr bemühe, auf die Nerven, mag sein.
Das Literaturgeflüster ist sehr wichtig für mich geworden und ich denke auch, daß es ein ziemlich einzigartiges Archiv über den Wiener und auch anderen Literaturbetrieb geworden ist, in dem man manches nur bei mir finden kann. Denn wer schreibt so viel über die Poet-Nächte, Frankfurt, Leipzig, die Buch-Wien, das Rund um die Burg-Festival, etc.
Als ich vor vier Jahren am frühen Vormittag, bevor sich der Alfred in die WU aufmachte, ein paar rasche Sätze hingeworfen habe, habe ich nicht ahnen können, was daraus entsteht und, wie genau und konsequent ich Tag für Tag mein literarisches Leben beschreiben werde. Das zwar ein bißchen anders ist, als das der „richtigen“ Literaten, denn ich stehe ja am Rande und komme, soviel ich mich auch bemühe nicht hinein. Weiß aber trotzdem viel davon, besuche ich ja schon fast vierzig Jahre regelmäßig literarische Veranstaltungen und beschäftige mich auch sonst viel mit Literatur.
„Literatur ist eine Lebensform!“, habe ich einmal gehört und das gilt, auch wenn Ilse Kilic mir da widersprochen hat, für mich. Meine Lebensform ist sie. Ich habe zwar einen Brotberuf von dem ich lebe und den ich auch sehr bemüht und intensiv betreibe, aber sonst habe ich seit dem ersten Artikel vor vier Jahren über zehn Bücher geschrieben und acht, glaube ich, herausgebracht, alle selbstgemacht. Habe seit dem die Bücherschränke, wie die Schwammerln aus dem Boden sprießen, mein Leseverhalten eindeutig gesteigert. Auf meiner Bücherliste, die es, seit einem Jahr gibt, kann man mein Leseverhalten öffentlich nachvollziehen und die Veranstaltungen, die ich seither besucht und besprochen habe, kann man gar nicht zählen. Für mich ist es sehr wichtig, es ist meine Form, mich in diesem Literaturbetrieb, der mich ja sehr links liegen läßt, zu behaupten. Ich schreibe viel und merke mit Erstaunen, daß man auch im World wide net nicht bemerkt werden kann und so bin ich im letzten Jahr auch in eine ziemliche Krise gekommen, die zu soetwas wie Resignation führte. Eine Lesung, wo außer dem Alfred und dem Veranstalter keine Zuhörer waren, eine Literaturgala, wo sie mich trotz Literaturgeflüster und öffentlicher Ausschreibung in der Zeitschrift Buchkultur nicht hineinließen, ein paar Kritikerinnen, die mich auf meine Fehler hinweisen und vor allem die Erkenntnis, daß es mir trotz Literaturgeflüster und manischen Schreibens einfach nicht gelingt, aufzufallen und wahrgenommen zu werden. Inzwischen denke ich mir, das gehört halt zu mir und ist das Besondere meines Schreibens. Ich schreibe sehr ehrlich und ziemlich unbemerkt und habe meine Leserzahl nicht wirklich steigern können. Aber das ist eigentlich egal. Ein paar neue Followers habe ich gefunden. Siebenundzwanzig sind eigentlich sehr wenig. Es sind aber immer interessante Bekanntschaften, die sich da ergeben und mich eine Zeit begleiten. Dann ziehen sie sich wieder zurück, denn eine wirkliche literarische Diskussion scheine ich nicht zustande zu bringen. Bin aber vielleicht auch ein bißchen autistisch, bzw eigensinnig und schreibe für mich hin, wie ich es will.
So bin ich aus der Resignation, wie ich hoffe, wieder hinausgekommen und werde weiterschreiben für mich und für die, die mich lesen wollen. Es gibt auch den Plan zu einem Literaturgeflüsterbuch mit einer kleinen Auswahl aus den tausendeinhundert Artikeln. Facebook und Twitter sind für mich fremd. Ich blogge lang, umständlich und genau, habe einige Artikel, die immer wieder angeschaut werden, wie die Rezension zu „Scherbenpark“ oder „Abschreiben, Textmontieren, Schreibwerkcamp“. Ein paar Autoren verlinken mich auf ihren Seiten oder schicken Kommentare, wenn ich auf ihren Veranstaltungen war. Andere wollen wieder nicht, daß ich zuviel über sie schreibe.
Ich bin aber auch ein bißchen stolz so viel über Literatur zu wissen und mich im Literaturbetrieb gut auszukennen, auch wenn ich meistens auf der Publikumsseite sitze. Daß die offenen Bücherschränke vor zweieinhalb Jahren, wie die Schwammerln aus dem Boden sprossen, betrachte ich als besonderes Geschenk und auch, daß es jetzt, pünktlich zum Sommerbeginn, bei Thomas Wollinger eine Online Schreibwerkstatt gibt, bei der ich mich begeistert beteilige. Ich bin auch da ziemlich allein unterwegs, kann mich aber noch gut erinnern, daß es so zwischen 2003 und 2006, wird es gewesen sein, bei einem Standard Gewinnspiel mitmachte und natürlich nicht die Teilnahme zu seiner solchen gewonnen habe. Ich hätte nur mit zehn Prozent Ermäßigung daran teilnehmen können. Dann mache ich sie mir eben in der Sommerfrische allein, habe ich gedacht und bin dann in Harland herumgesessen und habe nicht gewußt, wie das geht. Dabei wäre es doch ganz einfach. Einfach auf die Straße gehen und dann mit Einbeziehung aller Sinne ein paar kleine Texte schreiben.
Jetzt habe ich das gemacht, obwohl ich eigentlich schon drüberstehe und sehr sehr viel geschrieben habe. Also auf ins fünfte Jahr, obwohl mein Speicherplatz vielleicht bald zu Ende geht, nicht alle das Literaturgeflüster so, wie ich zu goutieren scheinen, ich aber so selbstbewußt, wie möglich und so gut wie ich es kann, meinen literarischen Weg weitergehen will.
Am Mittwoch wird das Bachmannlesen in Klagenfurt beginnen, an dem ich auch ganz gern teilgenommen hätte und die Sommerfrische, wo ich viel zu schreiben bzw. korrigieren haben werde und da denke ich inzwischen, nehme ich das Lektorat, von dem ich manchmal höre, das es mir fehlt, ohnehin vorweg, nur die „s“, die „Fälle“ und die „Beistriche“ korrigiert mir der Alfred, bin also eigentlich auch ziemlich professionell.
Also selbstbewußt ins fünfte Literaturgeflüsterjahr mit vielen neuen Literatureindrücken, Veranstaltungen und Büchern, die ich sowohl lesen als auch selber schreiben werde und für alle Interessierte gibt es hier das Archiv.

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