Literaturgefluester

2016-10-18

Die Annäherung

Nach der Vergabe des deutschen Buchpreises an Bodo Kirchhoff geht es mit der österreichischen Liste und dem dritten Longlistbuch, sowie dem ersten, das auf der Shortlist steht, weiter.

Aus Anna Mitgutschs „Annäherung“ habe ich schon in der „Alten Schmiede“ ein Stückchen gehört und die 1948 geborene war mir schon in den Neunzehnhundertsiebziger Jahren, als ich zu schreiben begonnen habe und mich auch im Arbeitskreis schreibender Frauen literarisch sozialisierte, ein Begriff. Sie war oder ist auch Vizepräsidentin der IG Autoren und ich habe einige ihrer Bücher, auch die literaurwisschenschaftlichen gelesen.

„Die Annäherung“ ist ein interessantes Buch, über vierhunderseiten dick, könnte man so sagen, auch wenn auf dem ersten Blick vielleicht nicht so viel passiert und es auch keine sprachlichen Experimente gibt.

Es gibt auch nicht so viel Neues, was hier beschrieben wird, sondern eine Familiengeschichte, die wahrscheinlich jeder in irgendeiner Form erlebt und die über Sechzigjährigen werden auch, wie ich, Väter haben, die ihnen ihre Kriegstagebücher, sowie ihre Fotoalben mit lachenden jungen Wehrmachtssoldaten hinterlassen haben.

Das Buch wird in zwei Perspektiven aus der, des siebenundneunzigjährigen Theos, in „Er- Form“ und dann aus der in „Ich Form“ seiner Tochter Frieda erzählt.

Die beiden hatten es nicht leicht miteinander und sie nähern sich auch nicht wirklich an, da gibt es zuviel was sie hindert, hemmt, sprachlos macht, etcetera.

Es wird in einem Jahr erzählt, beginnt mit dem Winter, wo der Sechundneunzigjährige einen Schlagerfall erleidet und endet dann im nächsten Winter mit seinem Tod.

Inzwischen wird viel, ein ganzes Leben einer ganzen Famalie, Kinder, Enkelkinder, Cousinen, geschiedene Ehemänner, gestorbene Frauen, erzählt.

Theo ist und das unterscheidet ihn von anderen Protagonisten anderer Romane, kein intellektueller, sondern ein Gärtner, ein sprachloser Bauernsohn, der in den Krieg geschickt wurde.

Die erste Frau Wilma ist gestorben, ein Jahr später freundet er sich sehr zum Mißfallen seiner pubertierenden Tochter mit Berta an, heiratet sie und schickt Frieda, um seine Ehe zu retten noch vor ihrem achtzehnten Geburtstag aus dem Haus.

Denn Theo ist ein passiver Typ, ordnet sich Berta unter. Frieda studiert Geschichte und fragt den Vater, wenn sie ihn heimlich trifft, öfter, die berühmte Frage, die ich meinem, glaube ich gar nicht so sehr stellte, „Was hast du im Krieg getan?“ und es kommt nicht sehr viel heraus, als Scham, Schweigen, Reue.

Friedas Sohn Fabian ist Theo näher gestanden, der hatte aber mit dreißig seinen Unfall, der Enkel bzw. Urenkel verschwindet mit seiner Mutter, so ist Frieda, die noch eine Tochter hat, allein und im ersten Winter, als Theo gehbehindert aus dem Spital zurückkommt, hat auch Berta, die zwar siebzehn Jahre jünger ist, einen Schwächeanfall, muß ins Spital und es bleibt ihr nichts anderes über, als die Tochter anhzurufen, damit sie sich, um den Vater kümmert.

Später kommt Ludmila aus der Ukraine, als illegale vierundzwanzig Stunden Betreuerin, in die sich der alte Theo verliebt, das erscheint mir ein wenig kitschig, kann aber vielleicht so sein. Beim siebenundneunzigjährigen Geburtstagsfest wird Berta jedenfallls auf sie eifersüchtig und schmeißt sie hinaus, so daß Theo, die Stunde abwarten muß, bis Berta mit der neuen Pflegerin in der Stadt ist, um die Tochter zu sich zu rufen, ihr ein Sparbuch, ein Päckchen und sein Kriegstagebuch mit der Bitte zu übergeben, zu Ludmila zu fahren und ihr das zu bringen.

Das Tagebuch ist für Frieda, als Belohnung sozusagen und sie fährt damit mit einem jüdischen Freund zu dem sie eine Fernbeziehung hat, auch los, nach Krakau, Lemberg Czernowitz, an den erstern zwei Orten war ich auch schon mal, sucht nach jüdischen Spuren, die sie nicht findet, liest das Tagebuch, stößt dort auch auf Lücken und die letzten Fragen werden nicht, können das vielleicht gar nicht mehr, beantwortet.

Ludmila ist ebenfalls schweigsam und abweisend, als sie sie endlich erreichen. Sie heiratet gerade, kommt also nicht zurück und Frieda kann ohnehin nur mehr einem schwerhörigen alten Mann, der sie kaum erkennt, diese Nachricht überbringen.

Ein interessantes Buch über die Geschichte der letzten hundert Jahre, nicht das erste zu diesem Thema, ich erinnere an den Film „Sibirien“ von Felix Mitterer mit Fritz Muliar.

Beeindruckender, als das mit den Kriegstagebüchern war deshalb für mich auch das Seniler- und Schwächerwerden des alten Mannes, etwas was mich naturgemäß sehr interessiert und ich es sehr interessant und vielleicht auch neu fand, wie sich Anna Mitgutsch diesem Thema was ja auch sehr schmerzliches ist, was gerne verdrängt wird, annähert.

Ein interessantes Buch also und sehr zum Lesen zu empfehlen und daran schließt sich  wahrscheinlich fast nahtlos ein weiteres öst. Shortlist-Buch, nämlich Peter Henischs „Suchbild mit Katze“, das glaube ich. in das zerbomte Nachkriegswien führt. Aber das müßte ich erst bekommen, so daß ich mit Peter Waterhouse „Auswandernden“ weitermachen werde.

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2016-03-30

Anna Mitgutschs neues Buch

Nachdem mein sechs Uhr Klient heute etwas früher gekommen ist, ist es sich doch für dien Besuch in der „Alten Schmiede“ ausgegangen, wo es wieder eine “ Lesart – beziehungsweise das zweiundachtzigste Autorinnenprojekt“ gab und  Angelika Reitzer Anna Mitgutschs zehnten Roman „Die Annäherung“ vorstellte und dabei auf die zwei zuletzt erschienenen Essaybände der Autorin hinwies, die ich beide gelesen habe.

Die 1948 in Linz geborene Autorin, die glaube ich auch Vizepräsidentin der IG-Autoren ist, kenne ich seit den Siebzigerjahren und dem Erscheinen ihrer frühen Bücher die „Ausgrenzung“ und die „Züchtigung“.

Hilde Schmölzer hat von ihr auch ein Portrait in ihrem „Frau sein und Schreiben Buch“, das ich ja im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ kennenlernte.

Einige ihrer Romane habe ich gelesen und ihren „Mobby Dick-Roman“ mir auch auf unserer vorjährigen Donauradreise beim „Thalia Ausverkauf“ in Ulm gekauft.

Eine interessante Autorin, die „Das Haus der Kindheit“, das glaube ich, mal bei den Grundbüchern war und „Familienfest“ geschrieben hat und jetzt einen Roman wie Angelika Reitzer in ihrer Einleitung erwähnte, wo es, irgendwie auch naheliegend, bei einer 1948 geborenen, um das Älterwerden, Schuld und auch wieder  um Familiengeschichten geht.

Da gibt es den sechsundneunzigjährigen Theo, in auktorialer Perspektive geschrieben und seine Tochter Frieda, die in  Ich-Form erzählt.

Der Sechsundneunzigjährige, der sich von seiner Tochter als sie achtzehn wurde, trennte, weil sie mit seiner zweiten Frau nicht zurechtgekommen ist, erleidet einen Schlaganfall.

Da begegnen sich Tochter und Vater im Krankenhaus wieder und versuchen sich vorsichtig anzunähern.

Das ist eine Stelle, die Anna Mitgutsch gelesen hat, dann kommt Ludmilla, eine ukrainische Pflegerin, im Enkeltochteralter ins Haus, die sich dem alten Mann, während sie ihnm wäscht und pflegt, auch vorsichtig annähert und eine solche Annäherung zu seiner Tochter ist auch, daß Theo ihr sein Kriegstagebuch, er war bei der Wehrmacht und die Tochter weiß nun nicht, hat er im Krieg Schuld auf sich geladen oder nicht, schenkt, das sie mißtrauisch und auf der Suche nach seiner Schuld oder Unschuld durchforstet und mit ihrem Freund dann auch in die Ukraine fährt, um der Vergangenheit ihrers Vaters auf die Spur zu kommen.

Der Roman spielt hat Angelika noch erzählt, in  den verschiednenen Jahreszeiten, von Frühling bis Frühling wenn ich mich nicht irre, weil Theo auch ein leidenschaftlicher Gärtner war und nun dem Ende seines Lebens entgegengeht.

In der Diskussion hat Angelika Reitzer, die Autorin  gefragt, ob sie Kriegstagebücher hat, die sie dafür verwendete, Anna Mitgutsch hat, glaube ich, geantwortet, daß es ja schon inzwischen sehr viele Bücher gibt, die sich mit diesen Thema beschäftigen und, daß die Achtundsechzigergeneration, der sie auch entstammt, damals nur Schuld und Unschuld kannte und keine Differenzierungen zuließ.

Da ist mir eingefallen, die ich  auch zwei Fotoalben meines Vater von seiner Wehrmachtzeit, er wurde, wie alle Männer damals, eingezogen, besitze,  mir eigentlich nicht einfallen würde, diese Alben mißtrauisch zu durchsuchen.

Aber mein Vater war ein aktiver Sozialist, obwohl auch er damals nicht sehr viel erzählte und fragen kann ich ihn nicht mehr, ist er ja schon gestorben und das wurde  auch in der Diskussion thematisiert, daß die Leute damals nicht sehr viel aus ihrer Schuld oder auch aus ihrer Traumatisierung heraus über ihre Erlebnisse gesprochen haben, so daß man heute nur mehr rätseln, wie damals gewesen ist oder sich verteidigen, beziehungsweise rechtfertigen kann.

Schade, daß sich die Anna Mitgutsch, vielleicht aus schlechter Erfahrung, auf eine diesbezügliche Diskussion nicht einlassen wollte und sich auf die Literatur zurückzog.

Es ist aber natürlich ein heikles Thema, wie sie sagte, weil es eine ganze Generation betrifft, die sich fragen mußte, ob sie die Kinder von Mördern sind und sicher auch ein interessantes Buch vom Älterwerden eines Mannes und seiner Pflegebedürftigkeit, das uns  auch alle irgendwie betrifft.

2013-03-19

Anna Mitgutschs Grundbuch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:53

Von Anna Mitgutsch habe ich ja kürzlich, wie es Klaus Kastberger in der Alten Schmiede nannte, die „Poetik des Horizonts“, gelesen und nicht viel davon verstanden, bin ich ja eine psycholisch realistisch schreibende und denkende Frau und war am Montag in der Alten Schmiede, als das 48. Grundbuch „Das Haus der Kindheit“ vorgestellt wurde, das auch in meinen Regalen steht.
Gelesen habe ich das „Familienfest“ und die „Grenzen der Sprache“ und kenne Anna Migutsch seit meinen eigenen Schreibanfängen in den Siebzigerjahren, damals war die „Züchtigung“ und die „Ausgrenzung“ von der 1948 in Linz geborenen Autorin, erschienen.
„Abschied von Jerusalem“, 1995 erschienen, behandelte dann ein anderes Thema, ich hörte, glaube ich im Radio davon, als ich im Auto fuhr.
„Zwei Leben und ein Tag“, der Roman über den Mobby Dick Erfinder Melville, war 2007, glaube ich, österreichischer Bestseller.
An das Lesen vom „Haus der Kindheit“, 2000 erschienen, kann ich mich nicht mehr so erinnern, mich aber und das ist interessant, offenbar ziemlich zeitgleich mit einer nicht so unähnlichen Thematik, in meinem ersten Digi-Buch, den „Wiener Verhältnissen“ beschäftigt und da, in Anleitung an ein Buch Ruth Aspöck, auch eine jüdische Biografie erfunden und ihr eine Einleitung über das erfolglose Schreiben vorangestellt.
Die Literaturagentin Diana Vogt wußte damit nicht viel anzufangen, ich finde es trotzdem ein gelungenes Buch und Anna Mitgutschs Grundbuch, erzählt in vier Büchern, das Schicksal Max, der als Kind nach New York kommt, dort einen sozialen Abstieg bis in die Bronx erlebt. Die alleinerziehende Mutter hat aber immer das Bild von dem Haus in H., die Stadt Linz ist damit gemeint, erklärte die Professorin Konstanze Fliedl später in ihrer Erläuterung, im Zimmer stehen und erzählt Max, daß sie einmal dorthin zurückkommen werden.
Sie will das aber später nicht und verweigert auch die deutsche Sprache, was wieder interessant, mein Jacob Mandelbaum ebenfalls so tat, der will zwar mit seinem Enkel Henry zurück, erlebt den Flug aber nicht mehr und Max kommt in Uniform das erste Mal nach H. und zu dem Haus, wo die füllige junge Frau flüchtet, als er bei ihr anklopfen will.
Die Familie ist in den Vernichtungslagern umgekommen, Max lernt eine viel jüngere Fotografin kennen, wird Architekt und Restaurator, kommt dann 1972 zurück, will das Haus und bekommt es nicht. So sammelt er jüdische Kultgegenstände von den Flohmärkten, nach der Pensionierung und dem Tod der Mutter bekommt er es, erlebt die Wiedereröffnung der Synagoge und kehrt, weil die Restutionierung scheiterte, wieder in die USA zurück.
Als den ersten Restutionsroman erklärte Klaus Kastberger, glaube ich, das Buch. Jetzt gibt es davon schon sehr viele und Konstanze Fliedl hatte ihren Text in drei Teile gegliedert und erklärte die Topographien so gut, daß sich Anna Mitgutsch wunderte, was die Germanisten so alles in den naiv geschriebenen Autorentexten finden, dabei ist sie selber Literaturwissenschaftlerin und hat Poetik-Vorlesungen gehalten.
Konstanze Fliedl hat aber die Stadt erkannt und herausgefunden, daß es dort keine restaurierte historische Synagoge gibt und die Stelle, wo der junge Max im Zug zwei ehemaligen BDM-Mädchen begegnet, hat sie zu dick aufgetragen gefunden, bis sie dann selber im Zug, das Gespräch von zwei ehemaligen Nazis hörte, so weit zum Realismus, von dem sich Anna Mitgutsch, wie es offenbar sein muß, distanzierte. Wenn sie könnte, würde sie wie Celan schreiben und so einfach ist es nicht. Der Roman wurde offenbar schon komponiert und hat einige Fassungen, der Urtitel hätte „Die Enteignung“ lauten sollen, aber das hat der Verlag für unverkäuflich gehalten.
Klaus Kastberger stellte dann noch die Frage, ob der Max unsympathisch wäre und Anna Mitgutsch meinte, die Leserinnen würden ihn dafür halten, weil der bindungsunfähig ist, aber wenn man seine Familie in den Lagern verloren hat und einen Bruder hat, der dan Schizophrenie leidet, wird man das vielleicht ein bißchen.
Nun Eva Rossmann hat in „Freudsches Verbrechen“, 2001, ein ähnliches Thema in realistischer Krimiform behandelt, das ich mehrmals während eines Italienaufenthaltes gelesen habe und Klaus Kastberger forderte nach der Diskussion die Zuhörer zum Lesen des Buches auf.
Eine junge Frau, die hinter mir saß und auch sehr eifrig mitgeschrieben hat, kam dann mit einem ganzen Bücherstoß zum Signieren und erklärte mir auf meine Frage, daß sie bis auf das letzte Buch alle gelesen hätte und der Lehrer aus Retz, mit dem ich mich vor Beginn unterhielt, der auch seine Bücher immer signieren läßt, war schon beim Lesen der „Grenzen der Sprache“ und hat mir das von Peter Esterhazy siginierte „Esti“ gezeigt, obwohl er nicht bei der Veranstaltung war.

2019-06-12

Maja Haderlaps Grundbuch

Die 1961 in Bad Eisenkappel geborene Dramaturgin und Lyrikerin Maja Haderlap war mir als GAV-Mitglied vom Namen her bekannt, als sie 2011 beim „Bachmann-Preis“ gelesen und für mich  und vielleicht auch für andere überraschend, mit einem Textausschnitt ihres Romans „Engel des Vergessens“ gewonnen hat.

Sie hat ihre Lyrik bisher und vielleicht immer noch auf Slowenisch geschrieben, den Roman über ihren Vater und ihre Großmutter, die in das KZ-Ravensbrück verschleppt worden ist, auf Deutsch und es ist ihr damit der Durchbruch gelungen, beziehungsweise ist sie, wie der Germanistikprofessor Karl Wagner in seinem Referat betonte, zu einer öffentlichen Person geworden.

Das Buch wurde inzwischen in viele Sprache übersetzt und ist in mehreren Auflagen hunderttausend Mal erschienen. Maja Haderlap hat unzählige Lesungen daraus gehalten, 2014 die Klagenfurter Rede und 2018 auch die Rede zur „Hundertjahrfeier der Republik Österreich“  und heute wurde das Buch in der Grundbuchreihe  der „AS“ besprochen, die Kurt Neumann, der sich jetzt schon in Pension befindet, die Reihe aber offenbar weiterführt, vor einigen Jahren gegründet hat.

Bei einigen dieser Veranstaltungen, bei weiten nicht bei alllen, bin ich gewesen, kann mich aber an die „Tante Jolesch“, an die von Veza Canetti und  Anna Migutsch erinnern.

Da gibt es immer eine Lesung aus dem Buch, dann wird ein Referat dazu gehalten und am Schluß gibt es eine Diskussion, die von Klaus Kastberger moderiert wird und am nächsten oder übernächsten Tag wird das Ganze  in Linz im Stifterhaus wiederholt.

Ich bin ziemlich zuspät gekommen, da eine sechs Uhr Stunde und dann ist die U-Bahn zehn Minuten wegen eines Polizeieinsatzen in der Braunsschweiggasse nicht gekommen, was mindestens dreimal durchgesagt wurde.

Aber ich habe das Buch ohnehin gelesen und auch Maja Haderlap inzwischen, glaube ich, auch mit ihren Gedichten einige Male gehört.

Die Diskussion darüber war sehr interessant und auch, daß die Kärntner Slowenin, damit den Nerv der Zeit getroffen hat und mit diesem Buch so berühmt geworden ist und eigentlich hätte ich, weil ich ja nicht so gerne zu Veranstaltungen gehe, wo ich schon das Buch gelesen habe, nicht hingehen wollen, aber sonst hätte es nur eine Lesung aus dem „Kloimstein-Buch“ gegeben und das habe ich auch schon gelesen.

Es war aber trotzdem ganz spannend, daß ich hingegangen bin, gab es ja im „Literaturcafe“ heute schon den ersten Podcast über den heurigen „Bachmann-Preis“, der diesmal wieder eine Woche früher, nämlich schon ende Juni stattfindet und da hat Wolfgang Tischer sehr bedauert, daß die Festlegung der Shortlist nicht für alle öffentlich und einsichtbar ist, weil er da voriges Jahr, glaube ich, eine Schiebung vermutete, weil Anna Stern, die in der Diskussion nicht so gut weggekommen ist, plötzlich in der Shortlist war.

Das möchte er gerne verändern, mal sehen, ob es ihm oder einen der sechs österrreichischen Autoren die heuer antreten, auch ein solcher Durchbruch gelingt?

2016-09-06

Die österreichische Debut- und Buchpreislonglist

Hurrah, sie ist da die lange Liste des österreichischen Buchpreises und einen Debutpreis haben wir trotz „Alpha“, der seine Liste jetzt auch schon bekannt gegeben hat auch und ich kann mich auch hier ans Lesen machen, beziehungsweise mein Longlistenlesen fortsetzen und erweitern und dabei nicht hoffentlich in zu großen Streß geraten, denn in meinen Badezimmer häufen sich ja schon die deutschen Longlistbücher, wo auch ein paar österreichische dabei sind, es aber nur eine einzige Überschneidung gibt und ausgerechnet die, liegt nicht dabei.

Daß es neben dem „Alpha“ auch einen österreichischen Buchpreis gibt, das haben sich, glaube ich, die Autoren gewünscht, die schon mehr als drei Bücher haben und vielleicht nicht auf der deutschen Liste stehen.

Der „Hauptverband“ hat zuerst  abgewinkt, dann hat es plötzlich doch einen „doppelten Buchpreis“ gegeben, der genau, wie der deutsche bei der Frankfurter, bei der „Buch-Wien“, also ein Monat später verliehen werden wird.

Das bringt mich in Lesestreß, was aber nicht sehr viel macht, denn ich bin ja eine schnelle Leserin und so denke ich, daß ich im November mit allen fertig sein werde. Und jetzt mal sehen was überhaupt auf dieser Liste steht?

Bei der Deutschen, wo ich mir ja schon ein paar Wochen vorher meine Gedanken machte, was darauf stehen könnte und es  auch einige Blogs gab, die ihre Vorschläge veröffentlichten, bin ich ja komplett reingefallen, denn kaum eine Übereinstimmung, absolute Überraschung, wenn ich auch mit dem Ergebnis inzwischen sehr zufrieden bin.

Bei der österreichischen war es anders, da haben meine Prognosen so ziemlich zugetroffen und es gibt  nur ein paar Überraschungen und mir gänzlich unbekannte Bücher eigentlich überhaupt nicht.

Ich habe im Sommer, wenn ich das so sagen darf, durch Alfreds Altersteilzeit, aber ein intensives Buch- und Debutpreistraining genossen, in dem ich ziemlich regelmäßig zu den O-Tönen ging und einiges was ich da hörte, steht auch darauf.

Ich hätte mir ja und würde sie da auch für den Preis vorschlagen, die Friederike Mayröcker sehr gewünscht, dann habe ich wieder Glavinic, Köhlmeier, Gstrein gesagt und auch Sabine Gruber und, daß Anna Migutschs „Annäherung“ daraufstehen könnte, darauf hat mich ja Günter Kaindlsdorfer in einer seiner literarischen Soireen gebracht.

Dann hätte ich persönlich mir noch Julya Rabinowichs „Krötenliebe“ gewünscht und weilt der östBp kein reiner Romanpreis ist, habe ich auf Ann Cottens Versepos getippt.

Habe ich schon zehn Vorschläge? Nein, zwei fehlen noch, da hätte ich mir schon Andre Hellers „Süden“ vorstellen können oder  Friederike Gössweiners „Traurige Freiheit“, weil ich das Buch im Harland ja über den Bett liegen habe. Oder ist das ein Fall für den Debutpreis? Ja, ich hätte eher daran gedacht und dann noch an Petra Piuks „Lucy fliegt  und natürlich auch an Katharina Winklers „Blauschmuck“, die auch auf der „Alpha Liste“ steht und bei der ich mir vorstellen kann, daß sie den Debutpreis gewinnt.

Wieviel Treffer habe ich, werden meine Leser fragen? Sechs, Freunde, so unbedarft bin ich also  doch nicht, auch wenn ich ein paar Fall und Beistrichfehler mache und angeblich zu wenige Absätze setze.

Eine Überschneidung gibt es auch, Reihard Kaiser Mühlecker steht auf beiden Listen, und Gstrein und Glavinic sind nicht darauf gekommen un,d um jetzt nicht unverständlich zu werden,

Michael Köhlmeiers „Das Mädchen mit den Fingerhut“ steht darauf.

Dann Kathrin Rögglas „Nachtsendung“

Peter Waterhouse „Die Auswandernden“

Daniela Emmingers „Gemischter Satz“

Sabine Grubers „Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“

Peter Henisch „Suchbild mit Katze“

Anna Mitgutsch „Die Annäherung

Anne Cotten „Verbannt“

Friederike Mayröckers „fleurs“

und bei den Debutbüchern:

Sacha Batthyany „Und was hat das mit mir zu tun?“

Das ist bisher eher an mir vorbei gegangen, obwohl der Alfred ihn, glaube, ich in Leipzig fotografierte.

Dann Friederike Gösweiner und Katharina Winkler.

Eine schöne Mischung denke ich, die Verlage habe ich angefragt und werde, während ich darauf warte, ob der Reinhard  Kaiser Mühlecker doch noch zu mir kommt, mit dem Lesen des neuen Buchs der Anna Weidenholzer, die es nicht auf die Öst geschafft hat beginnen, Hans Platzgummers am Rand und Eva Schmidts „Ein langes Jahr habe ich schon gelesen“ und nun zum deutschen, auch das österreichische Buchpreislesen dazunehmen und darüber bloggen.

Dazwischen werde ich mir auch die hundertfünfzig „Ohrenschmaus-Einreichungen“, die gestern gekommen sind, durchschauen, denn die „Ohrenschmaus-Preisverleihung“ gibt es ja heuer im Rahmen der „Buch-Wien“, wo am Freitag auch eine Diskussion stattfindet, wo ich mehr oder weniger unbedarft mitdiskutieren darf.

Bezüglich des dBp gibt es ja die offiziellen und die inoffiziellen und dann noch einige andere Blogger, die mitlesen und über die Bücher berichten, in Österreich dürfte ich ziemlich alleine sein.

Ich habe zwar vor einigen Monaten den Hauptverband angeschrieben und ihm von meinen Vorhaben informiert, aber keine Rückmeldung bekommen.

Aber die Verlage habe ich jetzt angeschrieben. Mal sehen, was da an Rückmeldung kommt? Sonst werde ich auf jeden Fall, wenn ich wieder nach Harland komme, das Buch der Friederike Gösweiner holen und heute werde ich  zu zur Erstpräsentation von  Sandra Schöthals Satire über das Älterwerden „Shades of  Fifty – Wenn kein Hahn mehr nach dir kräht“ zum „Thalia“ auf die Mariahilferstraße gehen.

Mal sehen, ob ich da das österreichische Longlisten Probeheftchen bekomme, denn das kann ich ja auch versuchen extra zu besprechen, da ich da ja schon ein etwaiges Vorwissen habe, wird mir das vielleicht auch gelingen und zum Geburtstag kann ich mir, wenn mich jemand fragen sollte, die fehlenden Exemplare wünschen.

Also, lesen, lesen, Freunde und über eine Diskussion und einen Austausch bezüglich meines österreichischen und auch deutschen Buchpreisbloggen wäre ich sehr interessiert  und wenn wir schon bei den fehlenden aber angedachten Büchern sind. Karin Peschkas „FanniPold“, das auch nicht darauf steht, habe ich bei „Otto Müller“ inzwischen auch angefragt.

Und die Shortlist, auf der dann fünf Bücher stehen wird, wird am elften Oktober bekanntgegeben. Mal sehen, was ich  dann schon gelesen habe und wieviel Aufmerksamkeit der österreichische Buchpreis bekommt?

 

2015-09-17

Hundert Bücher und gute Literatur

Am Mittwoch, die richtige Eröffnung der einundvierzigsten literarischen Saison in der alten Schmiede und ein sehr großes Konkurrenzprogramm, nämlich das Come together nach dem Fest im Amtshaus Margareten, Meg Wollitzer von der die Litblogger so begeistert sind, in der Hauptbücherei, Sabine Gruber, Thomas Havlik moderiert von Robert Schindel im Literaturmuseum und dann noch eine achtzehn Uhr Klientin, die allerdings nicht gekommen ist.

Die  Literatin in mir hat sich für die „Alte Schmiede“ entschieden und das dann eine Zeitlang bereut, denn dort im Zeitschriftensaal standen die Assistenten mit ihren Mappen und Kurt Neumann begrüßte die geladenenen Gäste, wahrscheinlich die hundert Literataten, die die hundert Büchern zu den Projekten der „Alten Schmiede“ geschrieben haben und ich bin nicht dabei.

Naürlich nicht, denn ich stehe ja mit meinen selbstgemachten Büchern außerhalb und bin froh einen Termin bei den „Textvorstellungen“ zu bekommen, also neben den Begrüßungsküsschen stehen und trotzdem mitbekommen, daß unten im Keller die Plätze für die geladenenen Literaten, Marie Therese Kerschbaumer, Barbara Frischmuth, Ferdinand Schmatz, Ann CottenAnna Migutsch, Markus Köhle und und und reserviert waren und im Schmiedesaal nahm eine Schulklasse Platz, ein paar Mädchen mit Kopftüchern und eine Lehrerin, die ihren Schülern draußen vor dem Tor die Fragen einprägte, die sie stellen sollten, denn das wird wahrscheinlich für die Matura relebvant.

Ich weiß gar nicht, wann Gelegenheit dazu war, denn zuerst gab es die Ausstellungseröffnung im Galeriesaal, das heißt, damit nicht so ein Gedränge wäre, wurde das in den Schmiedesaal übertragen.

Ich bin ganz hinten zwischen Friedrich Achleitner und Renata Zuniga gesessen, in der Seitenloge  Ilse Kilic und Fritz Widhalm und Kurt Neumann eröffnete  die einundvierzigste Saison mit einem Hinweis auf die katastrophale aktuelle Lage, der Flüchtlingsstrom von Syrien durch Österreich und kam dann zurück zu den hundert Büchern, die auf Grund von Veranstaltungen der vorangegangenen vierzig Saisonen entstanden sind.

Denn da gab es ja einige , den Club Poetique, die Autorenlabors, die Grundbücher, die Vorlesungen zu Literatur, die Assistenten von denen es inzwischen auch schon viele gibt, haben die in Folge dessen entstandenen Büchern mit fünf Farben markiert, damit man sich auskennt und außerdem  im aufgelegten Handout nachschauen kann.

Kurt Neumann zählte einiges auf und erzählte Anekdoten, nannte Namen von den Veranstaltungen und den Reihen, Angelika Reitzer hat eine neue, wo sie sich mit den literarischen Neuerscheinungen beschäftigen, Michael Hammerschmid kuratierte die „Poliversale“ beziehungsweise im vorigen Juni das Kurzfestival „Dichterloh“ und und und dann konnte man sich die Ausstellung eine viertel Stunde ansehen, bevor es im reservierten Kellersaal weiterging.

Trotzdem habe ich einen Platz gefunden, neben Cornelius Hell und hinter Petra Ganglbauer, für Bernhard Fetz war auch ein Platz reserviert, aber der eröffnete oder moderierte wahrscheinlich im Literaturmuseum und die Frage was gute Literatur ausmacht wurde von der „Alten Schmiede“ vor einiger Zeit vierzig Autoren, Literaturwissenschaftlern, Verlagsmenschen etcetera gestellt, mich hat keiner gefragt, aber ich gehöre ja nicht zum experimentellen Insiderteam, obwohl zehn gar nicht geantwortet haben, die nächsten zehn sind dann in weiterer Folge verschwunden und der Rest wurde zu Paaren zusammengestellt um diese Frage zu beantworten, daraus ergab sich dann ein dreihundertfünfzig Seiten Briefwechsel.

Spannend die Frage, wieviele Bücher daraus entstehen könnten?

Es wurden aber auch vier Kuratoren bestimmt, Anna Kim, die Schriftstellerin, Thomas Eder der Literaturwissenschaftler,  Florian Neuner der Philosoph und Verlagslektor, der einmal den Rimbaud-Preis für Menschen unter neuenzehn gewonnen hat und Helmut Neundlinger ebenfalls Literaturwissenschaftler, Publizist und Autor, die erstellten einen fünf Fragenkatalog und stellten dazu die Antwort der Autorenkorrespondenz zusammen, von der sie dann kurze Beispiele gaben.

Jeder der Kuratoren hat sich mit zwei Tandempaaren beschäftigt, die da Ann cotten und Ferdinan Schmatz, Leopold Federmayr und Retro Ziegler, Karin Fleischanderl und Markus Köhle, Lydia Mischkulnig und Vladimir Vertlib, Anna Migutsch und Christian Steinbacher, Samuel Moser und Andrea Winkler, S.J. Schmidt und Hermann Wallmann, sowie Thomas Stangl und Anne Weber waren.

Da sich darunter ja auch einige experimentelle Autoren befanden, waren die Ausführungen dann auch sehr theoretisch, aber ich habe derzeit durch mein Buchpreisbloggen und mein LLlesen ja eher praktische Erfahrungen und zum fünften Punkt, dem schlechten Schreiben, etwas was ja ich angeblich betreibe, sind wir  gar nicht mehr gekommen, denn das Publikum drängte zum Wein, den Trauben und den Traubensaft, es gab auch  noch Gespräche über die Veranstaltung, von der ich mir, da ich derzeit ja sehr viel lese und darüber bücherblogge, vielleicht mehr Praktischeres erwartet habe.

Es kam zwar das Bonmot, daß Literatur aufrühren und verstören müße, Kafka hat da auch etwas von einer „Axt“ gesagt, während Karin Fleischanderl, mit der ich mich unterhalten habe, meinte, daß sie auch trösten könne.

Das trifft zwar vielleicht den Kitschvorwurf, die Leser wünschen sich das, wie man an der Buchpreisdebatte sehen kann, aber und die Buchhändler natürlich, die ihre Bücher an die Leute verkaufen wollen und die interessieren sich wahrscheinlich mehr für Krimis oder für die Alina Bronsky als für die hundert in der „Alten Schmiede“ ausgestellten Bücher.

Die berühmten Bücherblogger reagierten auch irritiert und verärgert, daß Ulrich Peltzer auf die Liste kam und vor zwei Jahren Reinhard Jirgl, den hat Tobias Nazemi  abgebrochen, weil er ihm zu sperrig zu lesen war. Da stellt sich natürlich die Frage, schreibt der Autor für sich oder für den Leser?

Arno Schmidt, die Autoren der hundert Bücher in der „Alten Schmiede“ und wahrscheinlich auch die „Büchner-Preisträger“ tun wahrscheinlich Ersteres.

Die Krimiautoren sehen das wahrscheinlich anders und betrachten sich eher als Dienstleister für die Leser und ich würde gute Literatur hauptsächlich über die Authentizität definieren.

Wenn sie ehrlich ist, dann ist sie für mich wahrscheinlich gut, auch wenn sie realistisch und eine Handlung hat oder sagen wir gerade deshalb, obwohl ich ja auch zu Andrea Winkler Lesungen gehe und Richard Obermayr lese, dessen erster Roman, wie Kurt Neumann erklärte, ja auch durch seine Mitwirkungen bei den „Textvorstellungen“ entstanden ist.

Bei Valerie Fritsch, die ich ja auch gelesen habe, ist es mir jetzt passiert, daß mich „Winters Garten“ etwas enttäuschte und ich das Buch eher kitschig als poetisch fand.

Sonst bin ich ich ja wahrscheinlich nicht sehr kritisch, verreiße eher nicht, sondern lese mich, wie ich vermuten würde wertschätzend durch den literarischen Gemüsegarten und für die, die es wissen wollen, ich halte mich und mein Schreiben auch für gut, obwohl es ja Stimmen gibt, die etwas anderes behaupten.

2015-05-19

Deutsches Lesen

Filed under: Bücher,Glosse — jancak @ 01:36
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Vor einiger Zeit bin ich ja auf die Idee gekommen, auf meine jeweiligen Reisen immer die Bücher einzupacken, die in dem Land, in das ich fahre, spielen oder  von dortigen Autoren geschrieben wurden. Also nach Polen Bücher polnischer Autoren, nach Ungarn ungarische, und so weiter und so fort. Da liegt es  auf der Hand nach Deutschland, die von Deutschen mitzunehmen, was ja ein Sonderfall ist, da ich meistens Deutsch lesen, obwohl ich sehr davon überzeugt bin, daß man in Österreich österreichisch spricht und ich auch von der österreichischen Literatur viel halte, sie von der deutschen unterscheide, aber zufällig auf meiner Leseliste bald einige Bücher von Bachmannpreisträgern oder Lesern oder solchen, die auf der dBp Liste standen, an die Reihe kommen, die ich mir  vor einiger Zeit bei diesem „Augustin-Flohmarkt“ kaufte. Also habe ich mir, als wir mit dem Zug und dem Klapprad nach Ulm gefahren sind, Bernhard Schlinks „Vorleser“ und einen Erzählband von der 1932 geborenenen Gabriele Wohmann eingepackt, dazu dann auch die „Picus-Lesereise-Donau“, obwohl die ja viel mehr in Bulgarien, Ungarn, Rumänien etc, als in Deutschland spielen. Auf meiner Leseliste kommt bald Lisa-Marie Dickmeisters „Vom Atmen unter Wasser“,  Sudabeh Mohafez „brennt“, Alina Bronskys „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ und Sabrina Janesch „Katzenberge“ an die Reihe, aber soviele Bücher kann man ja in zwei kleine Radtaschen nicht packen und so typisch Deutsch sind die Bücher wahrscheinlich auch nicht, obwohl die Autorinnen ja beim Bachmannpreis gelesen haben. Damit also losgefahren und im Zug schon mit der „Lesereise Donau“ begonnen, in Ulm sind wir dann spazierengegangen, haben herausbekommen, daß dort Susanne Heinrich, die auch schon beim Bachmannpreis gelesen hat, einen Poetry Slam veranstaltet und sind dann in fünf Buchhandlungen gelandet, die sehr viele Buchjournale liegen hatten und in der ersten, die auch sehr viele Schulbücher bzw. religiöse Literatur liegen hatte, aber auch Vea Kaisers neuen Roman,  hat es dann auch das Kinderbuch zum „Welttag des Buches“ „Ich schenk dir eine Geschichte“ gegebeben, das ich mir in Wien gar nicht mehr nehme, da ich aber mit dem „Donaubuch“ schon weit gekommen bin, hatte ich Angst mit meinen drei dünnen Büchern, in der Urlaubswoche vielleicht gar nicht auszukommen. Das könnte ich dann lesen habe ich gedacht und dann die zweite Buchhandlung besichtigt, die eine Mischung zwischen Antiquariat und Museum war, weil immer wieder auch Bücher in Glaskästen ausgestellt waren und es auch sehr viel antiquarisches gegeben hat und sich das Geschäft auch interessanterweise im „Unseld-Haus“ befunden hat. Die dritte Buchhandlung gehörte auch zu einer Kette bzw. einem Buchclub, dann kamen wir aber zum „Thalia“ und der verkaufte in großen Kisten, das, was es sonst um 3. 99 um einen euro ab, weil er offenbar geschlossen wird. dazu belauschte ich später ein Gespräch zwischen einer Kundin und einer Verkäuferin, die das sehr bedauerte, aber erst wühlte ich mich durch die Kisten, die schon ziemlich ausgesucht schienen, aber schließlich habe ich achtzehn Bücher zur Kasse getragen und einige von deutschen Autoren, die beim Bachmannpreis gelesen haben, bzw. auf der dBp-Liste standen waren auch dabei. Daniel Kehlmanns „Leo Richters Portrait“, beispielsweise, der zählt wahrscheinlich schon zu den österreichischen Autoren, lebt in Wien und Berlin und vielleicht New York, wurde aber in München geboren, dann gab es „verschwunden“ von Silvia Bovenschen,  „Gewalten“ von dem Leipziger Clemens Meyer, „Mit der Geschwindigkeit des Sommers“ von Julia Schoch, „Vier Äpfel“ von Davon Wagner, „Unter Paaren“ von Thomas Lang, Michael Lentz „Liebeserklärung“ und Jakob Heins „Liebe ist ein hormonell bedingter Zustand“, also geographisch alles ziemlich durch- und auseinander, aber Deutschland ist ja sehr groß und wenn man auf meine elendslange Leseliste sieht, wird man merken, daß ich sobald ohnehin nicht zum lesen kommen werde, höchstens wenn ich früher fertig bin, habe ich gedacht, könnte ich ja mit dem dünnen Kehlmann Büchlein oder mit der Silvia Bovenschen etc, beginnen. So weit kam es dann nicht und am nächsten Tag in Gundelfingen, bin ich aus dem Gasthaus Sonne, wo wir übernachteten gegangen und gleich auf die Bücherkiste vor der Stadtbücherei gestoßen. „Zum Verschenken“ stand darauf und das waren auch Bücher über Witze und zur Schwangerschaft, es lag aber auch Canettis „Fackel im Ohr“ darin und für mich besonders interessant das „Weißbuch – Verführung zum Lesen“ eine Sammlung der schönsten Geschichten aus dem „Dtv-Verlag“ und da bin ich schon darauf gekommen, daß zu Ingoldstadt die Marie Luise Fleißer mit ihren „Pionieren aus Ingoldstadt“ etct passt. Vielleicht finde ich da was darin habe ich gedacht, war nicht so, aber Erzählungen der Gabriele Wohmann gab es zu finden und die sechzehn Erzählungen zur „Einsamkeit“ habe ich ja nach dem Donaubuch begonnen. In Ingoldstadt gab es , wie in Würzburg auch, einen Bücherfrühling und da lesen die bekannten Autoren wie Robert Seethaler, Michael Köhlmeier, Vea Kaiser, etc, man kommt den Österreichern in Deutschland also nicht aus und Vea Kaisers neuer Roman war auch in den meisten Buchhandlungen zu finden und dort bin ich dann auch in Regensburg viel herummarschiert, da gibt es auch die „Dombrowski-Buchhandlung“ der Büchergilde und die hatten auch sehr schöne Buchjournale, sogar eines über das „Reisen“ mit Texten unter anderen von Martin Pollack, also wieder kein Deutscher, aber es gab auch ein Heftchen mit Lyrik Empfehlungen, wo zwar Daniela Strigl Andrea Grill empfahl aber auch die „Regentonnenvariationen“ von Jan Wagner und „manual numurale“ von Judith Zander vorkamen. Vielleicht ist das Österreichische vom Deutschen doch nicht so leicht zu trennen.Ich habe aber jetzt wieder sehr viel Lesestoff und wenn wir demnächst wieder nach Leipzig zu Utes sechzigen Geburtstag fahren, werde ich mir wieder etwas entsprechendes mitnehmen, da könnte dann auch der Clemens Mayer passen und während ich jetzt wieder zwanzig neue Bücher habe, mit denen ich von Ulm nach Regensburg geradelt bin, was wahrscheinlich ziemlich einzigartig ist, lesen sich deutsche österreichische und schweizer Autoren durch über hundertsechzig deutschsprachige Neuerscheinungen um im August die Longlist für den neuen dBP bekanntzugeben und die Liste der vierzehn Autoren, die heuer in Klagenfurt lesen dürfen, da werden wahrscheinlich wieder mehr deutsche als österreichische dabei sein, wird es auch bald geben. So einfach ist das eine vom anderen doch nicht zu trennen, obwohl ich nach Leipzig nichts österreichisches mitnehmen werden, höchstens das, was ich der Ute als Geschenk mitbringe und das ist wahrscheinlich das „Miranda Schutzengelchen“, ich hatte aber auch Anna Migutschs „Zwei Leben und ein Tag“ im Gepäck, Christine Gräns „Helden sterben“, einen „irren Wien-Roman“, wie am Cover steht und Margit Schreiners „Eskimorolle“. Swpannend spannend und wahrscheinlich hätte ich auch noch genauer auf die byerische Literatur schauen sollen, also den Herbert Rosendorfer einpacken, wenn ich schon nichts von der Marie Louise Fleißer habe, aber vielleicht läßt sich das einmal im Wortschatz am Margaretenplatz oder in einem der offenen Wiener Bücherschränke finden.

Interessant dazu sind auch die „Gedanken für den Tag“, die Cornelius Hell diese Woche dem bayrischen Schriftsteller und Umweltaktivisten Carl Amery zum zehnten Todestag widmet, von dem ich mir einmal bei „Thalia“ in der Wienerstraße „Das Geheimnis der Krypta“ gekauft und gelesen habe, weil ich ihm natürlich mit dem Jean verwechselte.

2014-12-13

Die Welt, die Rätsel bleibt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:43

Nach den vielen verlangten und unverlangten Rezensionsexemplare, die meine 2014 Leseliste gehörig ins Wanken bringt, kommt es jetzt wieder zu einem Geburtstagsbuch von 2013, ein Geschenk, der lieben Trude Kloiber, die in der Nebengasse wohnt und mit mir in die Straßergasse ging und die mein literarisches Interesse, immer sehr trifft. Ein Stück Literaturgeschichte von Anna Migutsch, das zum anderen Geburtstagsbuch über die „Gruppe 47“ passt und sehr interessant ist.

Den Namen Anna Mitgutsch oder auch die Dichterin selber, kenne ich schon sehr lange, seit den Siebzigerjahren  oder Achtzigerjahren wahrscheinlich, wo ihre drei ersten Romane erschienen sind, sie hatte, glaube ich, auch ein Portrait in dem Frauenbuch der Hilde Schmölzer, war bei den Grundbüchern, einiges habe ich von ihr gelesen, etwas steht vielleicht noch auf meiner Liste. Die Literaturwissenschaftlerin hat der „Residenz-Verlag“ in seiner Essayreihe mir nahegebracht, als ihr Buch über „Melville“ vor ein paar Jahren erschienen ist, war sie in aller Munde und und und…

Jetzt also „Die Welt, die Rätsel bleibt“, bei „Luchterhand“ erschienen und wieder Essays über den Literaturbetrieb beziehungsweise Portraits von berühmten Literaten.

Anna Mitgutsch, die glaube ich, zeitweise in Amerika lebt und lehrt, ist wahrscheinlich eine Expertin der amerikanischen Literaturgeschichte und so beginnt es auch mit einem Brief an Sylvia Plath, die als Name und berühmte Ikone in meiner autodidaktischen Literaturgeschichte schon länger Platz hatte, die „Glasglocke“ habe ich erst im letzten Jahr im Schrank gefunden und vor ein paar Wochen gelesen.

Ein sehr berührender Brief, in dem die 1948 in Linz geborene Fragen an die 1932 bei Boston geborene Dichterin, Wunderkind und Musterschülerin, die sich 1963 in London das Leben nahm, stellte und dabei ihr Leben, das mir durch die „Glasglocke“ ein wenig präsent war, aufrollt und beleuchtet.

Dann geht es mit Herman Melville, dem Schöpfer von „Mobby Dick“ weiter und da komme ich nicht umhin, meine literarische Unbedarftheit zu erwähnen, denn ich weiß sehr wenig über ihn, „Mobby Dick“ steht aber auf der Leseliste und vielleicht kommt auch noch Anna Migutschs Roman über ihn dazu.

Jetzt also die „Melville-Monoeloge“ literarisch sehr geschickt und raffiniert, die ein bißchen Einblick in das Leben des 1819 geborenen und 1891 in New York Verstorbenen geben, der früh seinen Vater verlor, der Tod scheint bei vielen Schriftstellern und daher auch in vielen Portraits eine große Rolle zu spielen, jedenfalls dürfte sie die Schulausbildung des Knaben unterbrochen haben, der dann zum Matrosen wurde, sein berühmtes Buch schrieb und sich auf diese Art und Weise durch das Leben kämpfte.

Dann kommt Elias Canetti, der Nobelpreisträger an die Reihe und auch in seinem Portrait spielt der Tod eine große Rolle.

Laut Anna Mitgutsch scheint er ihn nicht als natürliches Ende des Lebens, sondern als große Bedrohung erlebt haben und prägte die interessante These, daß er unverzeihlicher ist, je älter man schon geworden ist, etwas, was man sonst eher andersrum hört.

Er hat aber auch seinen Vater früh verloren, mußte seine Erfahrungen mit dem zweiten Weltkrieg machen, hat in der „Blendung“ einen sehr beeindruckenden Roman geschrieben, den ich, glaube ich, zweimal gelesen habe und in „Masse und Macht“, etc sehr beeindruckende Essays, es gibt auch einige Biografienbände, wie die „Gerettete Zunge“, die ich gelesen habe und noch lesen werde.

Interessant ist auch sein Verhältnis zu seiner Frau Veza, gibt es ja jetzt einen „Veza Canetti Preis“ und verschiedene Frauen, wie beispielsweise Judith Gruber-Rizy, die meinen, daß er sie und ihr Werk immer eher in den Schatten stellte.

Dann geht es zu den Kibbuz-Romanen „Der perfekte Frieden“ und „Ein anderer Ort“ von Amos Oz, der einige Zeit in einem solchen lebte und eine „Frau am Fenster“ gibt es auch. Marlen Haushofer und ihre Frauengestalten, der Fünfzigerjahre, die als Hausfrauenliteratur abgeschmettert wurden, sind damit gemeint. Anna Migutsch erwähnt die frühen Romane, aber auch die anderen, die berühmten.

„Die Wand“ habe ich inzwischen gelesen und war bei der Grundbuch-Veranstaltung. „Die Tapetentür“ habe ich mir in den Siebzigerjahren, ich glaube, in der berühmten Buchhandlung Herzog gekauft, „Wir töten Stella“ steht mit einigen Erzählungen auf meiner Leseliste. „Die Mansarde“ müßte noch zu mir kommen.

Dann kommt ein weiterer oberösterreichischer Lokalautor, der mir auch seit den Siebzigerjahren und wahrscheinlich durch die Zeitschrift „Rampe“ ein Begriff ist, das „Ullstein-Büchlein“, der „Kalfaktor“ habe ich mir auch in den Siebziger oder Achtizerjahren gekauft, vielleicht steht es aber auch auf meiner Leseliste, nämlich der 1923 geborene und 2005 verstorbene Franz  Rieger, den Anna Mitgutsch als einen vom Literaturbetrieb Ausgespiebenen, inzwischen Vergessenen schildert.

Der Portraitteil wird durch zwei Figuren von Melville und dem jiddischen Autor Jizchok Lejb Perez und einer amerikanischen Sammlerin namens Isabella Stewart Gardner, die offenbar etwas exzentrisch war, abgerundet.

Im „Literarischen Teil“ geht es zuerst um Fragen Autobiografie, bzw. um das Erfinden oder Erinnern, Fragen mit denen ich mich auch des öfteren beschäftige und hier auch beispielsweise mit JuSophie diskutiert wurden.

Früher hat es mich manchesmal verwirrt, wenn ich einen Text gelesen habe und  gefragt wurde, ob ich das bin und ob ich das so erlebt hätte? So fragte mich zum Beispiel beim Fest in Margareten, wo ich aus der „Anna“ las, ob ich Buchhändlerin wäre, bin ich nicht und die „Lesetheateraufführung“, die im „Novembernebel“ beschrieben wird, hat es so auch nicht gegeben.

Ich antworte jetzt meistens auf diese Frage „Alles ist autobiografisch und alles gleichzeitig nicht!“ und bin überhaupt der Meinung, daß in den meisten Romanen, die ich lese, mehr autobiografisch ist, als die Autoren zugeben. Die sagen immer „Alles erfunden!“ und dann finde ich in der Biografie Parallele um Parallele.

Geht mir auch so, aber ich gebe das zu und Anna Mitgutsch erwähnt auch, was zum Beispiel in der Ju Sophie- Diskussion deutlich wurde, daß das Erfundene und die Ich-Erzähler oft als nicht so literarisch gelten.

Natürlich ist nicht jede Ich-Erzählung gleich ein Memoir und nicht nicht alles, was ich schreibe ist autobiografisch. Ich glaube aber auch, das ich nur schreiben kann und werde, was ich in irgendeiner Form kenne, alles andere macht auch nicht, wie Anna Migutsch ebenfalls erwähnt, wirklich Sinn.

Dann geht es zu „Grenzen der Integrität“ bzw. zu „Überlegungen zur Situation der Künstler und Schriftsteller in totalitären Diktaturen“, ein Thema, das mich, wie das, was zwischen 1933 und 1945 geschrieben wurde, sehr interessiert.

Anna Mitgutsch, wie die Germanistin Karin Gradewohl-Schlacher, die dazu forschte, unterscheiden da zwischen den „Aktiven Nazis“, wie Richard Billinger, Bruno Brehm, Friedrich Schreyvogel, Karl Heinrich Waggerl, Mirko Jelusisch, den „Gutgläubigen“, wie Arnolt Bronnen, den Indifferenten und Hilflosen, die ihres Berufs und ihrer Existenz wegen dableiben und das Maul halten mußten“, wie Erich Kästner, Hans Fallada, Ernst Jünger und die „Indifferenten, Undurchsichtigen“, wie Ina Seidel oder Agnes Miegel, Autoren von denen ich Bücher auf meiner Liste habe und interessiert lesen werde oder schon gelesen habe. Ein Beispiels aus dem Kommunismus ist Imre Kertesz, der Nobelpreisträger von 2002, der heute in Berlin lebt und von dem ich kürzlich drei sehr interessante Geschichten gelesen habe, die wie Anna Migutsch schreibt, sogar zur Nobelpreisvergabe von seinen Landleuten, als ein „Fremder“ gesehen wurde.

Dann wird es „Transzendend“ in den Kapiteln „Die Welt, die Rätsel bleibt“ , ein Zitat aus einem Emily Dickson Gedicht, „Weltinnenraum“ und „Der Abgrund“ wird an vielen literarischen Beispiele, die Geheimnisse, dieses Lebens erklärt und noch einmal Imre Kertesz zitiert, für den „Auschwitz und Gott nicht zu trennen“ sind.

Im vierten und letzten Teil beschäftigt sich Anna Mitgutsch mit dem „Fremdsein“, stellt traszendente Überlegungen an, ob auch Gott ein Fremder ist, denn auch die „Patriarchengeschichte beginnt mit einer Emigration“ und fragt, wie man „In zwei Sprachen leben“, kann, eine Erfahrung, die nicht nur die jüdischen Emigranten vor siebzig Jahren, sondern auch bei uns jede Menge Kinde und Erwachsene machen müßen und wenn man schon die erste Sprache vielleicht nicht elaboriert genug gelernt hat, hat man es auch in der neuen schwer, wie Anna Mitgutsch höchstwahrscheinlich sehr richtig erkennt.

Dann kehrt sie aber wieder die Literaturwissenschaftlerin hervor und kommt zum Übersetzen, was sie vielleicht aus und ins Englische macht und kommt mit Silvia Plaths Gedichten auch wieder an den Beginn.

Die wurden von Erich Fried übersetzt, Anna Mitgutsch gibt aber ein eigenes Beispiel und so habe ich von dem Buch, das ich anfangs gar nicht so gern gelesen habe, weil es mir zu abstrakt erschien, wieder einmal sehr viel gelernt.

Denn Anna Mitgutsch hat  viele Themen, die sie mal gut verständlich, mal ein wenig abgehobener, sie ist aber eine Dichterin, behandelt und so geht es von der Literatur, in die jüdische Geschichte, in die Philosophie, an die Grenzen des Lebens, der Sprache, der Welt und noch viel viel mehr.

2014-04-04

Kontaminierte Landschaften

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:28

„Kontaminierte Landschaften“, ein Begriff, den Martin Pollack in seinem neuen Essyyband, der bei „Residenz“ in der Reihe „Unruhe bewahren“ erschienen ist, wo ich auch die Bücher von Ilija Trojanow und Anna Migutsch gelesen habe, sind nach dem 1944 in Bad Hall geborenen die, wo Tote, Massengräber aus dem ersten und zweiten oder vielleicht auch aus anderen Kriegen, liegen, die von Hitler, Stalin oder anderen Diktaturen verursacht wurden.
Gräber mit Roma, Sinti, Juden, etc, etwas das Martin Pollack, wie auch Karl Markus Gauß sehr beschäftigt, war doch sein Vater und sein Großvater Nazi, über den Vater hat er im „Der Tote im Bunker“ geschrieben, dann gibt es noch „Anklage Vatermord“, beide Bücher habe ich im Rahmen der Büchertürme der „Literatur im März“ bekommen und gelesen. Leider gab es damals noch kein „Literaturgeflüster“, so daß ich nicht darauf verlinken kann.
Das Buch erinnert zu Beginn ein wenig an den „Toten im Bunker“, schreibt Martin Pollak da ja über die Landschaft seiner Kindheit, beziehungsweise an die Erinnerung an die glücklichen Tage, an das Spiel im Wald mit den Kameraden und den Hahn der ihm, weil er ihn wohl ärgerte, kratzte.
An den Vater, der als Naziverbrecher gesucht wurde und sich in der Gegend versteckte, erinnert er sich nicht oder erst später oder an die Mutter, die damals kurz verhaftet wurde und ein paar Tage lang im Gefängnis mit Prostituierten saß.
So täuschen die Erinnerungen, meint Martin Pollack. Die Kindheitserinnerungen, sind meist schön und idyllisch, der Hunger, der Nachkriegsjahre, den es sicher auch gegeben wird, wird meist verdrängt.So wie auch seine Eltern, seine Nachbarn, etc, sehr viel zu verdrängen hatten, was erst jetzt langsam aufgearbeitet wird und Martin Pollack ist einer, der sich, wie Karl Markus Gauss ganz besonders darum bemüht, weil es ja sehr wichtig ist, nichts unter dem Teppich zu lassen.
Die Toten nicht in ihren Massengräbern, weil man ihnen dann, wenn man keine Namen weiß, nicht gedenken und ihnen auch keine Kerze entzünden kann.
In jedem kleinen Dorf gibt es die Heldengräber, mit den Namen der im ersten und zweiten Weltkrieg für Gott, Kaiser und Vaterland Gefallenen. Die Namen der Juden, Roma, Sinti, Partisanen, Kommunisten, die gleichfalls starben, gibt es nicht und Väterchen Stalin haben wir ja auch einige Massengräber zu verdanken und die gibt es überall. Auch im schönen Burgenland in dem Örtchen Rechnitz, wo es so guten Wein gibt, den sich der Autor manchmal kauft, gibt es die, denn da sind ja auch einige hunderte Juden verschwunden, an die man sich nicht so gern erinnern will.
Es kommt die Erinnerung an den Großvater, auch ein Nazi und ein Jäger, der den Enkel sehr liebte und ihn von zwei schönen Kindheitsorten erzählt, die Martin Pollack später dann auch mit Grauen und mit Entsetzen gleichsetzen wird.
Es gibt die Massengräber in der Ukrainie, in Weißrußland, in Slowenien, wo der Vater mitverantwortlich war und und….
In drei Kaptel mit einigen Literaturhinweisen führt uns Martin Pollack durch die kontaminierten Landschaften, erzählt von den Straßen, an deren Rändern er Obstbäume fand. Ein Hinweis, daß sich da früher ein Dorf befunden haben muß, daß die Nazis zugeschüttet haben und von dem Ehering, den einer der Toten im Mund verbarg, damit ihn seine Schergen nicht finden können.
Im dritten Kapitel reist er in die Ukraine und stößt dort in der Nähe von Lemberg auf eine Gruppe alter Leute, aus Amerika und Canada, die zurückgekommen sind, wo sie oder ihre Eltern einst flüchten mußten. Ein alter Mann begibt sich auf die Suche nach einem der Gräber, weil er als Kind dabei war und irgendwo versteckt zusehen mußte.
Er erzählt dann auch, daß er nicht will, daß man die Gräber findet, weil dann kommen die Bauern und suchen nach dem Gold der Juden, wie die Goldgräber in Amerika.
Martin Pollack erzählt auch von den Fotoaufnahmen der Fundstellen, die im Internet gehandelt werden und, ich glaube, er hat vor kurzem auch einen Artikel im „Standard“ geschrieben, wo er Fotos zeigte, die die Frontsoldaten schoßen und in ihre Heimat zurückbrachten.
Ein paar von so alten Fotos, die meinen Vater in der Wehrmachtsuniform zeigen, habe ich auch, Massengräber sind nicht dabei und Martin Pollack habe ich zuletzt in Leipzig gesehen und gehört, wo er am „Blauen Sofa“ sein neues Buch vorstellte und über seine Eindrücke über die aktuellen Ereignisse in der Ukraine befragt wurde und kenne den Autor als sehr engagierten kritischen Menschen.
Vorige Woche hat er sein Buch, glaube ich, auch in der Hauptbücherei vorgestellt, da war ich auf Badeurlaub in Ungarn oder vielleicht schon für ein verlängertes Wochenende in Harland.
Jetzt habe ich das Buch gelesen, das sehr eindringlich zeigt, daß die Menschen offenbar nicht anders können, als zu morden und zu erschlagen und, daß es überall Gräber gibt. Wir alle unsere Toten und unsere Ahnen haben und, daß man sich dagegen wohl, wie Martin Pollack engagieren und aufklären, aber wahrscheinlich nicht wirklich etwas dagegen machen kann, das weitergemordet und erschlagen wird.

2013-11-08

Sechzig Minuten aus dreißig Büchern

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:16

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Unter diesem Motto stand ja heuer mein literarisches Geburtstagsfest und das habe ich mir ein bißchen von Friedrich Hahn abgeschaut, der zu seinem Sechziger, glaube ich, etwas Ähnliches machte.
Zum fünfzigsten Geburtstag habe ich auch alleine gelesen, ob es fünfzig Minuten waren, weiß ich nicht mehr, aber so genau läßt sich das ohnehin nicht abchecken.
„Wie wirst du das machen?“, hat mich die Ruth Aspöck im Vorfeld gefragt, eine Idee wäre ja zwei Minuten pro Buch, aber das ist sicher zu verwirrend und da gab es ja auch noch mein
„Dreißig Fragen – Gewinnspiel“ und so suchte ich mir vor ein paar Wochen ein paar Lieblingsstellen aus, stellte dann meinen Bücherstapel vor den Lesesessel und wartete der Dinge, die kommen würden.
Ich bin bei meinen literarischen Geburtstagsfesten, die ich schon seit 1987 mache, immer aufgeregt, ob genügend Leute kommen, etc und leide bei den Absagen in letzter Minute entsprechend mit.
Am Anfang habe ich Salzstangerln gekauft, Aufstriche und Käsewürfeln. Dann hat der Alfred das Buffet gemacht, das schon ein ziemliches Ritual hatte und sehr begehrt war.
Zuerst Roastbeefbrötchen, Lungenbraten in Blätterteig, Lachs, Käse und dann Topfenstrudel. Aber diesmal war der Alfred wegen den WU-Umzug sehr im Streß und hat das Buffet an eine Christiane Wilfling vom „Basilicum“ ausgelagert, die Kürbissuppe, Lachscrepes, franz. Berglinsen im Porzellanlöffel, Mini Quiche, faschierte Bällchen und Schweinsbraten auf Bauernbrot, sowie Apfelkuchen und Mousse au Chocolat vorschlug und dann um sechs mit ihrer Tochter gekommen ist und im Spieltherapiezimmer das Buffet aufbaute.
Um halb sieben erschien Herr Blaha als erster und dann trudelten nach und nach die Gäste ein. Der Alfred hat für dreißig Leute bestellt. Soviel Leute fasst das Zimmer gar nicht. Es war aber sehr voll. Hat ja auch der Alfred ein paar Leute eingeladen und es sind auch von mir einige neue und einige alte Gäste gekommen. Die Lindners, die Maria und der Günther Heisler, Klaus Khittl, Ruth und Robert, die Iris, Anna Bartunek, Elfriede Haslehner mit ihrem Franz, die Trude Kloiber und und und.

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Die Anna hat selbstgemachte Cup Cakes mitgebracht und sie dann auch noch in sehr schönen Geschenksäckchen zum Mitnehmen hergerichtet.
Als Geschenke gab es viele Blumen und viele süße Sachen, aber auch ein paar Bücher, was ich ja besonders liebe. So Rentsiks „Mittelstadtrauschen“ von der Anna, Anna Migutsch „Die Welt, die Rätsel bleibt“, von Trude Kloiber und von dem Chemiker, den ich immer in der Wien-Bibliothek treffe, Yasushi Inoues „Das Jagdgewehr“.
Um dreiviertel acht habe ich alle ins Zimmer gerufen und zu Lesen angefangen, bzw. die Bücher hergezeigt, ein bißchen was dazu gesagt und auch ein paar der Gewinnspielfragen gestellt. Bei richtiger Antwort gab es dann ein Buch und dann die Szene, wo die Lena in die Sprechstunde ihrer Mutter aus „Lore und Lena“geht, die, wo der Krysztof Janocz vor der Oper die Arie des Cavaradossi aus der „Begrenzten Frau“ singt, die mit dem Johannes Schwarzinger aus „Tauben füttern“ und dann noch die Tanzstundenszene aus der „Frau aus der Bank“, gelesen.
„Kerstins Achterl“ habe ich weggelassen, ich habe ja seit dem damals die Kinder bei diesem Panaschgassen-Fest „Wann hört die endlich auf?“ fragten, bzw. der Bezirksvorsteher bei der „Margareten Art“ ungeduldig wurde, ein Trauma zu lang zu lesen und es war dann schon dreiviertel neun.
Robert Eglhofer hielt aber, während der Alfred das Buffet vom Kinderzimmer herneinholte, eine Laudatio, wo er den Vorworf vom zu viel, zu banal und zu wenig literarisch schreiben, den manche hegen sollen, zu widerlegen suchte und es gab dann noch sehr lange Gespräche, bei Wein und Sturm, so daß es wieder einmal, was ich nachher eigentlich immer sage, es war ein schönes Fest und weil es ja auch der achte Nanowrimotag gewesen ist, die erste Hanno Steiner Szene habe ich, nach dem ich die Sesseln für die Lesung hergeräumt hatte und bevor ich ins Literaturhaus zu den Fried-Tagen ging, korrigiert, es war die, die noch nicht passte. Jetzt habe ich sie um etwa fünfhundert Worte aufgepäppelt, so daß es doch einen kleinen Schreibfortschritt gibt und auch die Impression von den beiden betrunkenen Leuten hineingefügt, die ich hatte, als ich im September zu den Schnuppertag des Writersstudios ging und dann in einer der Übungen darüber schrieb.
Morgen gehe ich mit dem Alfred und der Anna zum „Umar“ Geburtstagsessen und dann zu den Erich Friedtagen ins Literaturhaus. Aam Montag ist das die „Alpha“-Festgala, für die ich mich in mein kleines Graues schmeißen werde und am Dienstag gehts dann zum Geburtstagsurlaub mit der Anna und der Oma nach Ungarn, es sind also rauschende Aktivitäten.

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