Literaturgefluester

2013-02-15

Gut gegen Nordwind

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:11

„Gut gegen Nordwind“ ist der 2006 bei Deuticke erschienene Bestsellerroman des 1960 in Wien geborenenen Daniel Glattauer, der beim „Standard“ durch seine Kolumnen und Gerichtsreportagen Karriere machte und dann zu schreiben begann. Nein, das stimmt, glaube ich nicht ganz, denn wenn ich mich nicht irre, gibt es von ihm frühe Texte in den beim Bundesverlag erschienenen Anthologien, die es in den Siebziger-oder Achtzigerjahren gab, in denen Jugendliche ihre Texte einschicken konnten und in denen es auch welche von Daniela Strigl gibt.
Es erschien dann ein Kriminalroman namens „Darum“, wo einer einen erschießt und man weiß nicht aus welchen Motiv. „Der Weihnachtshund“ ist schon vorher erschienen.
„Die Ameisenzählung“ ist eine Sammlung der Texte aus dem „Standard“ und dann eben 2006, einer der ersten E-Mailromane höchstwahrscheinlich „Gut gegen Nordwind“, den ich im November 2011 im Bücherkasten fand, als ich von der Preisverleihung an Klaus Nüchtern in die Hauptbücherei zu einer Lesefestwochenveranstaltung ging und das Büchlein quasi als mein Geburtstagsbuch betrachtete und auf die 2013 Leseliste setzte.
Die lange Wartezeit war okay, war ich doch noch in Vorgeflüsterzeiten, bei einer Lesung in der Buchhandlung Thalia auf der Landstraße und habe da auch meine Schulfreundin Trude Kloiber in dem Durchgang des Hauses, wo sie wohnt getroffen und mitgenommen. Und im Hörspielstudio war es auch einmal.
Also wußte ich so ungefähr, was mich erwartete und Denis Scheck hat es zu Ostern 2009, wahrscheinlich die TB Ausgabe von 2008 oder war das schon der Fortsetzungsband?, das Laufband hinuntergeschmissen, worüber ich mich ein bißchen wunderte. Jetzt wunderte ich mich nicht mehr, denn erstens ist es Chick Lit, wenn auch von einem Mann geschrieben und wahrscheinlich kommt es gerade dadurch zu dem Sarkasmus, der mir nicht gefällt.
Da ist also Emmi Rothner und die hat ein Magazin namens „Like“ abonniert und will es abbestellen. Leider kommt sie damit zu Leo Leike und der Briefwechsel zwischen den beiden beginnt. Emmi wünscht Leo in einer Massenmail „Alles Gute zu Weihnachten“, Leo mokiert sich darüber, die beiden stimmen Mutmaßungen darüber an, wie sie sind?
Leo ist Sprachpsychologie und studiert die Veränderung der Emotionen durch den E-Mailwechsel, gibt es sowas überhaupt? Emmi gestaltet Homepages und Leo vermutet, daß sie älter ist, als sie sich gibt, nämlich zweiundvierzig, daß sie Schuhgröße 37 hat, verrät sie ihm und, daß sie verheiratet ist mit einem Bernhard, der zwei Kinder hat und ihr dadurch „freundlicherweise ersparte eigene zu bekommen.“
Die Beiden beginnen also einander zu beleidigen, sich wieder zu versöhnen, um Mitternacht ein Glas Wein miteinander, räumlich natürlich entfernt, vor ihren PCs zu trinken. Leo betrinkt sich meistens dabei, denn er hat eigentlich Liebeskummer, hat er sich ja gerade von seiner Marlene getrennt, als Emmis Weihnachtswünsche kamen. Die beiden erwägen ein Treffen und trauen sich dann nicht, bzw. behaupte ich, ist das die Konstruktion des Romans, denn ich habe auch schon Leute getroffen, die ich vorher nur durch Mails bzw. das Literaturgeflüster kannte und ich habe auch einen Mailwechsel mit einem Freund, den ich als Studentin kennenlernte und jetzt nicht mehr treffen kann, weil das seine Frau nicht will, das würde ich auch als neurotisch betrachten und so schiffern auch die beiden dahin.
An Courths-Mahler etwas verstaubte Liebesmoral, hat mich das Ganze zeitweise erinnert, aber die bricht sie gelegentlich selber auf. Leo und Emmi vereinbaren ein Treffen im Messecafe, um sich unerkannt kennenzulernen, sie gehen beide hin und schauen dann, ob sie sich erkennen?
Das mißlingt natürlich, bzw. nimmt Leo seine Schwester mit und flirtet mit ihr auffällig, so daß Emmi nur ein paar ungute Typen erkennen kann, von denen sie nicht hofft, daß einer ihr Leo ist. Und Leo läßt sich von seiner Schwester drei Wunsch-Emmies beschreiben. Eine von ihnen ist sie auch offensichtlich. Dann gibt es vergebliche Kontaktanbahnungen, die einmal von ihm, einmal von ihr kommen, erotische Phantasien und Vorschläge sich mit Masken zu treffen etc.
Dazwischen verreist Leo öfter, trifft auch seine Ex wieder und Emmi schlägt ihm, wie aus einem Courths-Mahler Roman vor, ihre Freundin Mia zu treffen und ist eifersüchtig, als er prompt mit ihr schläft.
Aber in Wahrheit geht ihm nur seine Emmi durch den Kopf herum und dann bekommt er einen Brief vom Bernhard, Emmis Mann und ehemaligen Klavierlehrer. Der hatte einen Autounfall, wo seine Gatti starb, er verletzt, die Kinder traumatisiert wurden, so daß ihn die junge Studentin, wie ein rettender Engel heiratete und dann offensichtlich, wie auch öfter bei Courths-Mahler, durch eine platonische Ehe begleitet.
Bernhard hält den E-Mail-Verkehr seiner Frau aber nicht mehr aus, liest die Mails und schreibt Leo, „Bitte, bitte, triff sie endlich, damit wir wieder normal weiterleben können!“
Der wirft ihm einen Vertrauensbruch vor, geht dann nach Boston, bevor er das aber tut, wird noch ein Treffen vereinbart, das Emmi dann nicht einhält, weil Bernhard, als sie gehen wollte „Amüsier dich gut, Emmi!“, zu ihr sagte, obwohl er sie doch immer Emma nannte. Das hält sie davon ab, sie beichtet das Leo, es kommt aber nur mehr „Achtung, geänderte E-Mail Adresse. Für Rückfragen steht der Systemmanager gerne zur Verfügung!“ zurück.
Damit endet das Buch und ist ein so großer Erfolg geworden, daß es mit „Alle sieben Wellen“ eine Fortsetzung gab, wo sich die zwei, dann, wie ich gerade ergooglet habe, endlich treffen und dadurch in weitere Turbulenzen geraten.
Wie das geht, hat ja Sophie Kinsella mit ihrer Shopping- Serie vorgeführt. Die „Schnäppchenjägerin“ war großartig, die Fortsetzungen immer gewollter und Martina Gercke hatte mit ihren „Küßchen“ ja auch so etwas vor, bevor sie der Twitterer Sven Schroder „Plagiatsküßen“ nannte.
Daniel Glattauer ist aber kein Plagiat und auch keine Serie, hat er jetzt ja mit „Ewig Dein“ einen anderen Liebesroman geschrieben und seinen Neffen Theo auch in allen Lebensjahren vermessen und das Buch ist ja ein großer Erfolg geworden, so daß Volker Hage, im Spiegel „einer der zauberhaftestens und klügsten Liebesdialoge der Gegenwartsliteratur“, schrieb. Ich habe sie dagegen, wie schon erwähnt, als eher aufgesetzt, künstlich und manchmal auch ganz schön arrogant, überheblich und nicht ethisch korrekt empfunden.
Und das das Buch so endet, ist ja eigentlich eine Enttäuschung der Leserin oder auch nicht, weil es ja die Fortsetzung gibt, die ich allerdings erst finden muß.

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2018-08-25

Deutscher Buchpreis

Filed under: — nagl @ 16:14

Gelesene und vorhandene Bücher:

2005

1. Arno Geiger „Es geht uns gut“

2.Friederike Mayröcker „Und ich schüttelte einen Liebling“

3. Daniel Kehlmannn „Die Vermessung der Welt“

4.Wilhelm Genazino „Die Liebesblödigkeit“

5.Matthias Politycki „Herr Der Hörner“

 

2006

  1. Katharina Hacker „Die Habenichtse“
  2. Sasa Stanisic „Wie der Soldat das Grammafon reparierte“
  3. Ilija Trojanow „Der Weltensammler“
  4. Daniel Glattauer „Gut gegen Nordwind“
  5. Ingo Schulze „Neue Leben“?
  6. Sibylle Lewitscharoff „Consummatus“
  7. Heinrich Steinfest „Ein dickes Fell“
  8. Felizitas Hoppe „Johanna“
  9. Wolf Haas „Das Wetter vor fünfzehn Jahren“
  10. Paulus Hochgatterer „Die Süße des Lebens“
  11. Ferdidun Zaimoglu „Leyla“

 

2007

1.Julia Frank „Die Mittagsfrau“

2.Thomas Glavinic „Das bin doch ich“

3.Katja Lange-Müller „Böse Schafe“

4. Peter Henisch „Eine sehr kleine Frau“

5.Robert Menasse „Don Juan de la Mancha“?

6. Michael Köhlmeier „Abendland“

 

2008

  1. Uwe Tellkamp „Der Turm“
  2. Iris Hanika „Treffen sich zwei“
  3. Ingo Schulze „Adam und Evelyn“
  4. Martin Walser „Ein liebender Mann“
  5. Karen Duve „Taxi“

 

2009

  1. Herta Müller „Atemschaukel“
  2. Thomas Glavinic „Das Leben der Wünsche“
  3. Peter Stamm „Sieben Jahre“
  4. Thomas Stangl „Was kommt“
  5. Terezia Mora „Der einzige Mann auf dem Kontinent“
  6. Kathrin Schmidt „Du stirbst nicht“
  7. Wolf Haas „Der Brenner und der liebe Gott“
  8. Stephan Thome „Grenzgang“

 

2010

  1. Melina Nadj Abonji „Tauben fliegen auf“
  2. Judith Zander „Dinge, die wir heute sagen“
  3. Alina Bronsky „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“
  4. Olga Martynova „Sogar Papageien überleben uns“
  5. Kristof Magnusson „Das war ich nicht“
  6. Michael Köhlmeier „Madalyn“

 

2011

  1. Eugen Ruge „In Zeiten des abnehmenden Lichts“
  2. Sibylle Lewitscharow „Blumenberg“
  3. Marlene Streeruwitz „Die Schmerzmacherin“
  4. Ludwig Laher „Verfahren“
  5. Klaus Modick „Sunset“
  6. Judith Scharlansky „Der Hals der Giraffe“
  7. Thomas Melle „Sickster“
  8. Astrid Rosenfeld „Adams Erbe“

 

2012.

  1. Olga Grjasnowa „Der Russe ist einer der Birken liebt“

 

2013.

1.Marion Poschmann „Die Sonnenposition“

2.Daniel Kehlmann „F“

3.Nella Verremej „Berlin liegt im Osten“

4.Ralph Dutli „Soutines letzte Fahrt“

5. Clemens Meyer „Im Stein“

6. Mirko Bonne „Nie mehr Nacht“

7.Jonas Lüscher „Frühling der Barbaren“

 

2014.

  1. Thomas Melle „3000 Euro“
  2. Lukas Bärfuss „Koala“
  3. Michael Köhlmeier „Zwei Herren am Strand“
  4. Martin Lechner „Kleine Kassa“
  5. Charles Lewinsky „Kastelau“
  6. Marlene Streeruwitz „Nachkommen“
  7. Lutz Seiler „Kruso“
  8. Antonio Fian „Das Polykrates-Syndrom“
  9. Mathias Nawrat „Unternehmer“
  10. Christoph Poschenrieder „Das Sandkorn“
  11. Sasa Stanisic „Vor dem Fest“

 

2015.

  1. Frank Witzel „Die Erfindung der roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969
  2. Jenny Erpenbeck „Gehen ging gegangen“
  3. Rolf Lapert „Über den Winter“
  4. Inger-Maria Mahlke „Wie ihr wollt“
  5. Ulrich Petzer „Das bessere Leben“
  6. Monique Schwiter „Eins im Andern“
  7. Alina Bronksy „Baba Dunjas letzte Liebe“
  8. Ralf Dutli „Die Liebenden von Mantua“
  9. Valerie Fritsch „Winters Garten“
  10. Heinz Helle „Eigentlich müßten wir tanzen“
  11. Gertraud Klemm „Aberland“
  12. Steffen Kopetzky „Risiko“
  13. Peter Richter „89/90“
  14. Clemens J. Setz „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“
  15. Anke Stelling „Bodentiefe Fenster“
  16. Ilija Trojanow „Macht und Widerstand“
  17. Vladimir Vertlib „Lucia Binar und die russische Seele“
  18. Kay Weyand „Applaus für Bronikowski“
  19. Christine Wunnike „Der Fuchs und Dr. Shamura“
  20. Feridun Zaimoglu „Siebentürmeviertel“

 

2016.

  1. Bodo Kirchhoff „Widerfahrnis“
  2. Reinhard Kaiser-Mühlecker „Fremde Seele dunkler Wald“
  3. Andre Kubicek „Skizze eines Sommers“
  4. Thomas Melle „Die Welt im Rücken“
  5. Eva Schmidt „Ein langes Jahr“
  6. Philip Winkler „Hool“
  7. Akos Doma „Der Weg der Wünsche“
  8. Gerhard Falkner „Apollokalypse“
  9. Michael Kumpfmüller „Die Erziehung des Mannes“
  10. Katja Langen-Müller „Drehtür“
  11. Dagmar Leupold „Die Witwen“
  12. Sibylle Lewitscharoff „Das Pfingstwunder“
  13. Joachim Meyerhoff „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“
  14. Hans Platzgummer „Am Rand“
  15. Arnold Stadler „Rauschzeit“
  16. Peter Stamm „Weit über das Land“
  17. Michelle Steinbeck „Mein Vater war am Land ein Mann und im Wasser ein Walfisch“
  18. Thomas von Steinaecker „Die Verteidigung des Paradieses“
  19. Anna Weidenholzer „Weshalb die Herren Seesterne trugen“

 

2017.

  1. Marion Poschmann „Die Kieferninsel“
  2. Robert Menasse „Die Hauptstadt
  3. Sven Regener „Wiener Straße“
  4. Ingo Schulze „Peter Holtz“
  5. Monika Helfer „Schau mich an, wenn du mit mir redest“
  6. Feridun Zaimoglu „Evangelio“
  7. Christoph Höhtker „Das Jahr der Frauen“
  8. Michael Waidenhain „Das Singen der Sirenen“
  9. Christine Wunnike „Katie“
  10. Kerstin Preiwuß „Nach Onkalo“
  11. Robert Prosser „Phantome“
  12. Julia Wolf „Walter Nowak bleibt liegen“
  13. Franzobel „Das Floß der Medusa“
  14. Sasha Marianna Salzmann „Außer sich“
  15. Jonas Lüscher „Kraft“
  16. Mirco Bonne „Lichter als der Tag“
  17. Gerhard Falkner „Romeo oder Julia“
  18. Jakob Nolte „Schreckliche Gewalten“
  19. Thomas Lehr „Schlafende Sonne“
  20. Birgit Müller-Wieland „Flugschnee“

 

2018.

  1. Arno Geiger „Unter der Drachenwand“
  2. Josef Oberhollenzer „Sültzrather
  3. Inger Maria Mahlke „Archipel“
  4. Maxim Biller „Sechs Koffer“
  5. Carmen Francescas Banciu „Lebt wohl ihr Genossen und Geliebten“
  6. Susanne Röckel „Der Vogelgott“
  7. Franziska Hauser „Die Gewitterschwimmerin“
  8. Nino Haratischwili „Die Katze und der General“
  9. Stephan Thome „Gott der Barbaren“
  10. Gert Loschütz „Ein schönes Paar“
  11. Adolf Muschg „Heimkehr nach Fukushima“
  12. Gianna Molinari „Hier ist noch alles möglich“
  13. Angelika Klüssendorf „Jahre später“
  14. Eckelhart Nickel „Hysteria“
  15. Helene Hegemann „Bungalow“
  16. Anja Kampmann „Wie hoch die Wasser steigen“
  17. Susanne Fritz „Wie kommt der Krieg ins Kind“
  18. Maria Cecilia Barbetta „Nachtleuchten“

2018-02-02

Während der Weltmeisterschaft

Filed under: Bücher — jancak @ 00:52
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Nun kommt der neue Roman des 1964 in Esslingen geborenen Helmut Kraussers, den ich, glaube ich, einmal bei „Rund um die Burg“ hörte und von der Darstellung der Sexgeräusche aus dem Hotelnebenzimmer sehr beeindruckt war.

Eines seiner Tagebücher „Juli, August, September“ habe ich gelesen und „Die letzten schönen Tage“ im Schrank gefunden.

Jetzt ist eine Dystopie herausgekommen. Kopenhagen im Jahr 2028, wo die Welt wieder ein bißchen diktatorischer geworden ist. Die Überwachungssysteme haben zugenommen, die Islamisierung auch, genau das also, was im Augenblick wahrscheinlich sehr viele beschäftig. Die Schriftsteller drücken es aus und und das ist auch sehr interessant, vor allem wenn man sich Wolfgang Tischers Bewertungskriterien für den „Blogbuster“ anschaut, ist es doch ein Genreroman oder eine Genereübergreifung, denn ein Krimi ist es auch, wenn auch einer, der eigentlich sehr langweilig ist, wenn auch spannend geschrieben.

Ein Widerspruch>? Damit meine ich, flott hinuntergeschrieben, wie das die guten Schriftsteller eben routiniert beherrschen, denkt man dann über die Geschehnisse nach, erscheinen sie eher banal und ein bißchen unlogisch ist das Ganze wohl auch.

Obwohl es einen durchaus reißerischen Inhalt hat. Geht es doch um die Austragung der „11 Weltmeisterschaft für Leistungssex“.

„Wui!“, könnte man jetzt sagen und gleich auf die „Amazon“ Bestellseite gehen. Für die die sich das noch überlegen, sei gesagt, so weit ist es damit dann auch nicht, denn der Sex, der in dem dystopen Kopenhagen, von sämtlichen Überwwachungskameras gefilmt, ausgetragen wird, ist so genormt und geregelt, daß er wahrscheinlich gar nicht mehr lustig ist. Aber eine gute Idee ist das allemal und die müßte man erst haben.

Der Klappentext verrät es schon. Es geht um Sally und Leon. Das sind zwei der Leitstungssportler und Leon ist in Sally verliebt, aber, wir ahnen es schon, in einer Dystopie von 2028 darf man keine Gefühle mehr haben und dann kann man noch etwas von „besorgten Bürgern, Hakenkreuzlern, Islamisten und anderen extremen Gruppen“ lesen, die vor dem Hotel stehen, in dem das Ganze stattfindet und dagegen demonstrieren,

Das klingt auch spannend, so daß man vielleicht deshalb zum Buch greifen könnte und so fängt es auch an.

Leon beginnt sich nämlich aus der Szene zu entfernen. Setzt eine Sonnenbrille auf, hat eine Perücke, mietet sich ein Auto und zieht sich damit, es ist Winter, in den Wald, in eine gemietete <hüte zurück, wo es Konserven und Brennholz gibt und man denkt „Aaha, er ist aus der Dystopie entflohen und jetzt fängt es an und er erzählt die Geschichte, wie das mit der Weltmeisterschaft war, die den vierten Weltkrieg oder etwas anderes auslöste, dem er gerade noch entkommen ist.

Es ist aber und das kann man wahrscheinlich auch nachgoolgen, auch ein satirischer Roman. Das heißt Helmut Krausser nimmt seine Leser oder auch die Gesellschaft auf die Schaufel und beginnt die Regeln zu sprengen.

Denn Leoon harrt in der Hütte den Winter aus, erschießt zwischendurch noch einen Wolf und er ist, das könnte man vielleicht noch erwähnen, ein sehr selbstbewußter grobklotziger Kerl.

So hagelt es zumindestens am Anfang von Phrasen, wie „Jetzt gehen Sie mal für zwanzig Minuten ins Zimmer mit der besten Akustik und hören sich den letzten Satz von Bruckners Neunter an. Die Fingerspitzen von Mensch und Gott berühren sich. Michelangelo hat es gemalt. Bruckner hats komponieriert. Danach machen wir mit Alta weiter. Los, gehen, Sie, verpissen Sie sich!“

Damit ist der Lleser gemeint, den er auch rät mal nachzugooglen, wenn er etwas nicht versteht. Man sieht Leon ist sehr gebildet und zu seinen Lieblingsautoren, er liest in der Hütte dicke Bücher, gehört Dostojewski, den er fort an in Dosto und Jewski teilt und sie jeweils unterschiedliche Weisheiten zitieren läßt.

Jeckyl und Hyde ist hier nicht weit entfernt und der Winter zieht sich vorm Frühjahr zurück.Leon verläßt sein Asyl, geht nach Berlin, glaube ich, er spielt im Team Berlin, zurück, wo sich alles eben zur elften Weltmeisterschaft rüstet und man fragt sich „Hey was soll das, was hatte im Wald verloren, was soll dieser Trick?“

Sally heißt eigentlich Sabrina Klein-Keller, nennt sich Sally Celler. Er nennt sie Sasha und darf ihr nicht sagen, daß er sie liebt.

Sie fahren dann mit der Mannschaft nach Kopenhagen, weil nur noch dort diese Weltmeisterschaften möglich sind. Ziehen sich zuerst zum Trainin,g dann zum Austragen der Kämpfe in ein Hotel zurück und das ist total überwacht. Den Sportlern ist es auch verboten, das Hotel zu verlassen. Das heißt sie können es. Das wird aber gemeldet und sie bekommen einenRüffel von Helen der Trainerin.

Sally bekommt nun einen Fanbrief von einem körperbehinderten namens Noel, das ist laut seiner Auskunft ein Kopenhagener und sie darf ihm eigentlich nicht antworten. Tut es aber doch und es beginnt sich ein reger platonischer Liebesverkehr zwischen den beiden zu entwickeln, der fast ein wenig, wie der aus Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ ist.

Sally verspricht Noel, was ein Anagramm von Leon, ein kleiner Hinweis für die Auflösung, die man bei „Amazon“ findet, ich aber nicht ganz nachvollziehen konnte, Freikarten, will sich mit ihm auch außerhalb des Hotels treffen und benützt Leon als Strohmann beziehungsweise Alibi dazu. Sie  bekommt einen Rüffel von Helen, allein der Weihnachtsmann kommt nicht, schreibt nur Mails, daß er sich genieren würde, weil er nach Urin stinkt und zieht sich an einen einsamen Strand zurück, wo er ihr aber weiterschreibt.

Indessen beginnen die Kämpfe. Es beginnt auch eine Wahl der Sportfunktionäre und da gibt es einen Gegenkanditaten. Der wird tot in seinem Zimmer aufgefunden. Ein Selbstmord, weil er sich vorher lächerlich machte? Ganz klar. Aber sein Handy ist verschwunden und das findet sich dann unter der Matrazze des Vereinspräsidenten, worauf der verhaftet wird.

Es gibt auch eine Erimttlerin, die die Spiele überwachen soll, namens Carolyn Holm, man könnte sich eine Anspielung deuten, die ist mit einem arbeitslosen Tommy verheirat. Die Ehe ist schlecht, es gibt keinen Sex mehr, so daß er seine arbeitslosen Tage, wenn er nicht für Carolyn kocht, vor dem Fenster verbringt und in die Wohnung gegenüber hineinsieht, in der eine schöne Muslima, die nie ohne Kopftuch aus dem Haus geht, sich ihre Zehennägel rot lackiert und ihn manchmal ein Stückchen ihrer Haut sehen läßt.

Gibt es in dem Überwachungsstaat keine Vorhänge?, könnte man fragen oder liest weiter bis zum bitteren Ende, wo noch ein paar Leichen dazukommen, die ich jetzt aber nicht spolern will, noch ein bißchen an den Unklarheiten knabbere.

Aber vielleicht habe ich nicht alles verstanden und nun gespannt bin, ob ich vielleicht in Leipzig auf dem blauen Sofa, ich habe mich schon akkreditiert, mehr von Buch und Autor erfahre und wenn es auf die Longlist des dBps kommt, hätte ich im Herbst weniger zu lesen.

2018-02-01

Therapiesitzung im Kino

Erwin Steinhauer, Daniel Glattauer, Aglaia Szyszkowitz, Michael Kreihsl, Christoph Wagner (Cinema Paradiso)

Erwin Steinhauer, Daniel Glattauer, Aglaia Szyszkowitz, Michael Kreihsl, Christoph Wagner (Cinema Paradiso)

Diesmal hat das verlängerte Harland-Wochenende mit einem Besuch im Cinema Paradiso begonnen und die Literatur hat sich, wie ja auch in meinem Leben mit der Psychotherapie vermischt.

Hat mich der Alfred doch schon vor einigen Tagen auf  die Filmpremiere der „Wunderübung“ nach dem Erfolgsstück von Daniel Glattauer aufmerksam gemacht.

„Magst gehen?“, hat er mich gefragt und ich habe zugesagt, obwohl ich  von Daniel Glattauers Erfolgstück keine Ahnung hatte und zuerst auch dachte, daß es eine Lesung wäre.

Ich bin ja kein besonderer Glattauer Experte. Habe aber „Gut gegen Nordwind“,   gelesen, sowie den „Weihnachtshund“ und von der Anna einmal zu Weihnachten das Hörbuch von „Geschenkt“ geschenkt bekommen.

Es ist dann auch noch meine sechs Uhr Stunde ausgefallen, so daß es sich bequem ausgegangen ist und wir auch noch zuerst nach <Harland fahren und die Anna abholen konnten, die mitgegangen ist.

Wie gesagt keine Ahnung von dem Stück und keine, daß ich nach meinen heutigen  Stunden noch eine extra Therapiesitzung erleben werde. Obwohl da handelte es sich, um eine Paartherapie und habe von systemischer Familientherapie auch nicht viel Ahnung, obwohl ich einmal zwei diesbezügliche Grundseminare machte.

Und dann kam ich gleich in eine solche, denn der ganze Film stellte eine dar. Das heißt, zuerst sieht man ein Paar, sich gegenseitig giftige Blicke zuwerfen, dann mit der U-Bahn fahren und dann getrennt die therapeutische Praxis aufsuchen. Die Frau nimmt die Stiegen, der Mann den Lift. Der Therapeut war Erwin Steinhauer mit Bärtchen und die Therapiesitzung hatte eine Pause. Bis dahin zerstritt das Paar sich nur, absolvierte zwar die therapeutischen Übungen, wo es sich spüren und  die gegenseitigen Ziele vereinbaren sollte.

Nach der Pause kam es dann zu einer Wendung. Der Therapeut bekam ein SMS, wirkte zerstört, trank dann fast eine Flasche Whisky oder Cognac und gestand der fragenden Frau, seine Frau hätte ihn verlassen.

Die Leute im Publikum lachten wieder an Stellen, die so überhaupt nicht lustig waren, das zu therapierende Paar verließ nicht einsichtsvoll die Praxis, sondern begann den Therapeuten auszufragen und sich im Laufe der Sitzung zu versöhnen und die Faustübung, die zu Beginn so gar nicht klappte, mit Bravour zu absolvieren.

Zwei Deutungen habe ich mir während des Schauens gedacht, entweder die Pointe ist die Schwäche des Therapeuten ein Schwächling oder er hat sie bewußt eingeplant?

So war es dann auch „Wieder einmal paradoxe Intevention!“, sagte er am Telefon zu seiner Annika, nach dem das Paar versöhnt die Praxis verlassen hatte. Er hat allerdings vorher auf sein Honorar verzichtet und den Cognac auch dem Mann angeboten und der wäre, wenn er zum Therapieplan gehört hätte, nicht echt gewesen.

Ein paar andere interessanten Pointen, um den  Menschen im Therapeuten zu zeigen, hat es auch noch gegeben. So ißt er während seine Klienten üben schnell ein Joghurt und patzt sich damit an und am Schluß beginnt er sich mit seiner Frau zu streiten und mit ihr herumzukeppeln.

Nachher gab es eine Diskussion mit den Hauptdarstellern, wo Daniel Glattauer erzählte, daß er bevor er zum Schriftsteller wurde, eine Ausbildung zum Sozialberater machte und da diesbezügliche Seminare absolvierte und einen Umtrunk mit Bier und Saft gesponsert von der Firma Ottakringer gab es auch und interessante News zu Daniel Glattauers Schaffen.

So wurde zufälligerweise gerade „Geschenkt“ in St. Pölten verfilmt. Deshalb gibts vielleicht noch die Weihnachtsbeleuchtung auf den Straßen und „Gut gegen Nordwind“, soll das, wie der Autor erklärte, auch werden.

Wir haben die Ingrid und den Herbert von Alfreds Wandergruppe getroffen und für die nächste Filmpremiere mit Josef Hader haben wir schon Karten gekauft.

2017-08-11

Archivnachtrag und Listenschätzung

Filed under: Buchpreisbloggen — jancak @ 00:33
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Am Dienstag ist es wieder soweit, da wird die neue Longlist des dBp bekanntgegeben, den es ja seit 2005 gibt und den ich seit 2008, glaube ich, mehr oder weniger intensiv verfolge.

Seit 2015 tue ich das eher intensiv, denn da habe ich mich ja auch zum „Longlistenlesen“ entschlossen, vorher habe ich mir manchmal ein oder zwei der Bücher zum Geburtstag oder Weihnachten schenken lassen und dann nach den Büchern gegriffen, wenn ich sie beispielsweise in einer Abverkaufskiste fand.

2015 habe ich mich im Sommer durch das Buchpreisarchiv gewühlt und die Bücher aufgezählt, die ich damals gelesen oder noch ungelesen zu Hause hatte. Dann habe ich 2015 komplett gelesen und im Vorjahr habe ich bis auf „München“ auch alle Bücher von den Verlagen zugestellt bekommen.

Heuer werde ich, glaube ich, wieder anfragen und lesen was kommt und weil ich zwischendurch auch schon was gelesen habe und immer wieder was Betreffendes finde, ergänze ich die Liste der gelesenen Longlist-Shortlist und Buchpreisbücher, die ungelesenen lasse ich aus, da ich sie ja nicht verlinken kann und was die Schätzung für 2017 begtrifft, da bin ich ja nie sehr gut, weil ich nur wenig oder kaum Vorschauen lese, habe, was ich hoffe, aber diesmal  einiges gelesen.

So würde ich mir, jetzt rein nach meinem Bauch, das heißt, was ich schon zu Hause habe oder auf den Messen, bei Veranstaltungen oder bei den  Bloggern so hörte, folgendes wünschen und nächste Woche kann man wieder schauen, wie gut ich im Schätzen oder besser Wünschen bin:

  1. Olga Grjasnowa „Gott ist nicht schüchtern“
  2. Feridun Zaimoglu „Evangelio“
  3. Tiljan Sila „Tierchen „Unlimited“
  4. Juliana Kalnay „Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens“
  5. Simon Strauß „Sieben Nächte“
  6. Uwe Timm „Ikarien“
  7. Hannes Stein nach uns die Pinguine“ (Da weiß ich aber nicht ob der als deutscher Autor gilt)
  8. Julia Wolf „Walter Nowak bleibt liegen“
  9. Tim Krohn „Herr Brechbühl sucht eine Katze“ (oder auch der Folgeband)
  10. und dann noch: Jonas Lüscher „Kraft“
  11. Christoph Hein „Trutz“
  12. John von Düffel „Klassenbuch“
  13. Anna Kim „Die große Heimkehr“
  14. Franzobel „Das Floß der Medusa“
  15. Karin Peschka „Autolyse Wien“
  16. Olga Flor „Klartraum“
  17. Paulus Hochgatterer „Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war“
  18. Doron Rabinovici „Die Außerirdischen“
  19. Mariana Leky „Was man von hier sehen kann“
  20. Lukas Bärfuß „Hagard“

 

Und jetzt die Rückschau:

2005

1. Arno Geiger „Es geht uns gut“

2.Friederike Mayröcker „Und ich schüttelte einen Liebling“

 

2006

  1. Katharina Hacker „Die Habenichtse“
  2. Sasa Stanisic „Wie der Soldat das Grammafon reparierte“
  3. Ilija Trojanow „Der Weltensammler“
  4. Daniel Glattauer „Gut gegen Nordwind“
  5. Ingo Schulze „Neue Leben“?

 

2007

1.Julia Frank „Die Mittagsfrau“

2.Thomas Glavinic „Das bin doch ich“

3.Katja Lange-Müller „Böse Schafe“

4. Peter Henisch „Eine sehr kleine Frau“

5.Robert Menasse „Don Juan  de la Mancha“?

 

2008

  1. Uwe Tellkamp „Der Turm“
  2. Iris Hanika „Treffen sich zwei“
  3. Ingo Schulze „Adam und Evelyn“
  4. Martin Walser „Ein liebender Mann“

 

2009

  1. Herta Müller „Atemschaukel“
  2. Thomas Glavinic „Das Leben der Wünsche“
  3. Peter Stamm „Sieben Jahre“
  4. Thomas Stangl „Was kommt“

 

2010

  1. Melina Nadj Abonji „Tauben fliegen auf“
  2. Judith Zander „Dinge, die wir heute sagen“
  3. Alina Bronsky „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“
  4. Olga Martynova „Sogar Papageien überleben uns“

 

2011

  1. Eugen Ruge „In Zeiten des abnehmenden Lichts“
  2. Sibylle Lewitscharow „Blumenberg“
  3. Marlene Streeruwitz „Die Schmerzmacherin“
  4. Ludwig Laher „Verfahren“
  5. Klaus Modick „Sunset“
  6. Judith Scharlansky „Der Hals der Giraffe“

 

2012.

  1. Olga Grjasnowa „Der Russe ist einer der Birken liebt“

 

2013.

1.Marion Poschmann „Die Sonnenposition“

2.Daniel Kehlmann „F“

3.Nella Verremej „Berlin liegt im Osten“

 

2014.

  1. Thomas Melle „3000 Euro“
  2. Lukas Bärfuss „Koala“
  3. Michael Köhlmeier „Zwei Herren am Strand“
  4. Martin Lechner „Kleine Kassa“
  5. Charles Lewinsky „Kastelau“
  6. Marlene Streeruwitz „Nachkommen“

 

2015.

  1. Frank Witzel „Die Erfindung der roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969
  2. Jenny Erpenbeck „Gehen ging gegangen“
  3. Rolf Lapert „Über den Winter“
  4. Inger-Maria Mahlke „Wie ihr wollt“
  5. Ulrich Petzer „Das bessere Leben“
  6. Monique Schwiter „Eins im Andern“
  7. Alina Bronksy „Baba Dunjas letzte Liebe“
  8. Ralf Dutli „Die Liebenden von Mantua“
  9. Valerie Fritsch „Winters Garten“
  10. Heinz Helle „Eigentlich müßten wir tanzen“
  11. Gertraud Klemm „Aberland“
  12. Steffen Kopetzky „Risiko“
  13. Peter Richter „89/90“
  14. Clemens J. Setz „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“
  15. Anke Stelling „Bodentiefe Fenster“
  16. Ilija Trojanow „Macht und Widerstand“
  17. Vladimir Vertlib „Lucia Binar und die russische Seele“
  18. Kay Weyand „Applaus für Bronikowski“
  19. Christine Wunnike „Der Fuchs und Dr. Shamura“
  20. Feridun Zaimoglu „Siebentürmeviertel“

 

2016

  1. Bodo Kirchhoff „Widerfahrnis“
  2. Reinhard Kaiser-Mühlecker „Fremde Seele dunkler Wald“
  3. Andre Kubicek „Skizze eines Sommers“
  4. Thomas Melle „Die Welt im Rücken“
  5. Eva Schmidt „Ein langes Jahr“
  6. Philip Winkler „Hool“
  7. Akos Doma „Der Weg der Wünsche“
  8. Gerhard Falkner „Apollokalypse“
  9. Michael Kumpfmüller „Die Erziehung des Mannes“
  10. Katja Langen-Müller „Drehtür“
  11. Dagmar Leupold „Die Witwen“
  12. Sibylle Lewitscharoff „Das Pfingstwunder“
  13. Joachim Meyerhoff „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“
  14. Hans Platzgummer „Am Rand“
  15. Arnold Stadler „Rauschzeit“
  16. Peter Stamm „Weit über das Land“
  17. Michelle Steinbeck „Mein Vater war am Land ein Mann und im Wasser ein Walfisch“
  18. Thomas von Steinaecker „Die Verteidigung des Paradieses“
  19. Anna Weidenholzer „Weshalb die Herren Seesterne trugen“

2015-12-24

Der Weihnachtshund

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:47
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Als Daniel Glattauers „Weihnachtshund“ 2000 bei „Deuticke“  erschienen ist, waren wir auf der Buchmesse in Frankfurt und da habe ich das Buch gesehen und mir auch ein paar entsprechende Werbeweihnachtskarten mitgenommen.

Gekauft habe ich es natürlich nicht und Daniel Glattauer war damals glaube ich, noch eher als „Standard-Journalist“ als als Autor bekannt.

Trotzdem hat mich das Buch die ganze Zeit interessiert und so habe ich mich sehr gefreut, als ich es, im letzten Jahr wahrscheinlich, in einem der Schränke entdeckt habe.

Im Vorjahr habe ich auch eine „Weihnachtsfilm-Manie“ gehabt, die jetzt viel milder wieder vorhanden ist und die hat am fünften Dezember, glaube ich, mit dem verfilmten Weihnachtshund begonnen und heuer kam dann das Buch auf meiner Leseliste an die Reihe und so habe ich es am sechsten Dezember als wir aus Ungarn zurück waren mit dem Lesen begonnen und habe da entdeckt, es ist, wie die „Nika, Weihnachtsfrau“, ein Adventkalender.

Also vom ersten bis zum vierundzwanzigsten Dezember ein Kapitel und so habe ich umdisponiert, am sechsten Dezember bis zum sechsten gelesen und ab dann jeden Tag eines.

Nur beim letzten habe ich wieder ein bißchen geschwindelt, damit ich meinen Eintrag machen konnte und den Film habe ich mir am Dienstag auch noch einmal angeschaut und da bin ich, fürchte ich, ein bißchen durcheinander gekommen, denn Buch und Film unterscheiden sich vom Inhalt ziemlich und der Film hat mir nicht einmal so gefallen und jetzt schreibe ich gleich, das Buch auch nicht, denn da sind einige Sachen, die mich ziemlich stören.

Es war aber auch, das gebe ich zu, für mich ein bißchen schwierig an dem Buch drei Wochen zu lesen, weil ich ja dazwischen einiges anderes gelesen habe und so bin ich jetzt auch nicht sicher, ob ich alles richtig wiedergebe und nichts verwechsle.

Da ist also Max, der Journalist, vierunddreißig mit seinem Drahthaardackel Kurt, ein ziemlich träger Hund und der ist ein Weihnachtshasser, deshalb will er auch zu Weihnachten auf die Malediven reisen und sucht dazu eine Person, die auf den Hund aufpasst.

Das ist Kathrin, die am vierundzwanzigsten Dezember dreißig wird und weil sie das Geburts- und Weihnachtsfest nicht bei ihren Eltern, die sie unbedingt unter die Haube bringen wollen, verbringen will und ihr Vater eine Hundephobie oder Allergie hat, meldet sie sich auf das Inserat und so beginnt die Geschichte in den vierundzwanzig Kapitel in denen sich Max und Katrin unsterblich ineinander verlieben und am vierundzwanzigsten auch zusammenkommen.

Es gibt  dabei aber Hindernisse und die sind es auch, die mich ziemlich stören, so daß ich das Buch fast, obwohl ich das ja sonst nicht tue, in eine Ecke schmeissen könnte.

Aber hallo, kann das sein, daß so eine große Liebe wirklich geht?

Am Buchrücken steht etwas  von: „Der Roman ist ein Antidepressivum gegeg den vorweihnachtlichen Frust, bei dessen Lektüre man mindestens einmal pro Seite lacht. Eine Liebesgeschichte, wie sie schöner nicht sein könnte.“

Beispiele dazu gefällig: Max hat, wie auch im Film hervorgeht, ein Kußproblem, als Jugendlicher sollte er, angeheuert von Freunden, die fette Sissi küssen, seither graust ihm davor und er speibt sich jedesmal an. Im Film fällt er in Ohnmacht und das hat natürlich  Auswirkungen auf seine Liebesleben.

Das finde ich ja noch ganz lustig, aber das richtig Widerliche an dem Buch, sind Max Freundinnen oder Frauengeschichte, denn da kommt Katrin auf Besuch, sie essen Birnenkuchen oder lieben sich, dann muß Katrin aber weg, weil Max, natürlich ganz harmlos und „Es ist ganz anders als du glaubst!“, Besuch von seiner Freundin Paula bekommt, die ihm das Küßen beibringen soll.

Die versucht es auch mit der systematischen Desensibilisierung. Auch noch ganz lustig, dieser Einfall und besorgt ihm dazu ein Lippenfoto. Katrin erwischt ihn dabei, ist wieder mal beleidigt, aber die gute Freundin klärt auf und so besorgt Katrin dann noch das Original der Lippen und Max küsst mit verbundenen Augen diese.

Geht es noch besser? Das ist etwas, was ich nicht nur zu Weihnachten nicht lustig finde.

Ansonsten gibt es noch einige Unlogischheiten. So ist  Kurt ein sehr träger Hund und macht den ganzen Tag nichts anderes als schlafen. Bei Katrin verändert er sich aber gänzlich,  wird rabiatt und versetzt die ganzen Patienten, im Buch ist Katrin medizinische Assistentin  der Augenheilkunde und schmeisst für ihren Chef, dem Arzt, die ganze Praxis. Würde mich interessieren was die Ärztekammer dazu sagt? Aber auch noch ganz lustig.

Max und Katrin bekommen sich also nach vielen Hindernissen und vielleicht weil ich das Buch nicht auf einmal, sondern in drei Wochen gelesen habe, erscheinen die mir auch nicht immer ganz logisch, sondern an den Haaren herbeigezogen und wenn man zu „Amazon“ geht, findet man sehr viele Einsternrezensionen, denen es ähnlich geht.

Ich habe inzwischen  einige Glattauer-Bücher elesen mit denen ich dieses Problem nicht habe. Das ist ein früherGlattauer  und es stimmt wahrscheinlich, daß man hier schon ein bißchen die Mailkontakte von „Gut gegen Nordwind“ finden kann.

Das Buch scheint übrigens noch aktuell zu sein, so habe ich es vorige Woche in derselben „Goldmann-Ausgabe“ bei „Thalia“ liegen gesehen und eine Fortsetzung von dem Film, gibt es auch und ich habe diesmal einen Adventkalender gelesen, sowie einen geschrieben und der „Weihnachtshund“ ist  heuer mein einziges Weihnachtsbuch, wenn man von der „Nika“ absieht, die auch eines ist.

Und jetzt kann ich „Frohe Weihnachten!“, wünschen und meinen Lesern für den fünfundzwanzigsten Dezember ein weiteres Nika-Kapitel in Aussicht stellen.

2015-07-09

Deutscher Buchpreis

Filed under: Büchergeschichten — jancak @ 00:00
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Der deutsche Buchpreis ist ja, wie der Bachmannpreis, eine wichtige Institution, der die deutsche Buchlandschaft seit einigen Jahren belebt und beide waren, zu Beginn, glaube ich, etwas umstritten und haben sich inzwischen etabliert.

Die „tddl“ gibt es seit 1977, damals war neben  Ernst Willner und  Humbert Fink, MRR in der Jury und die IG- Autoren und GAv stöhnten, daß da die Autoren öffentlich abgeschlachtet wurden, den dBp gibt es seit 2005 und ich meine, der deutsche Börsenverein hat ihn eingeführt, um das Weihnachtsgeschäft zu beleben.

Kritik gab es auch, denn es ist ja eigentlich unmöglich unter den Neuerscheinungen des letzten Jahres, das angeblich beste Buch auszuwählen.

Trotzdem kann ich nicht leugnen, daß ich das Geschehen um diese Long und Shortlist sehr faszinierend finde und begeistert mitmische.

Denn ich bin ja eine Leseratte oder eine bibliophile Frau, obwohl die ersten Jahre der dBp, den ersten hat 2005 Arno Geiger mit „Uns geht es gut“ gewonnen, obwohl er bei seinem zweiten Bachmannlesen daraus, nicht sehr aufgefallen ist, das erste Mal hat er 1996 in Klagenfurt gelesen, da war er jung und vollkommen unbekannt und ich bin im Publikum gesessen, weil einmal habe ich mir ges Preisgeschehen live gesehen, an mir vorübergegangen ist.

Wann ich auf den dBp so richtig aufmerksam geworden bin, weiß ich gar nicht so genau, aber wahrscheinlich, war es 2008, als ich schon bloggte und da hat ihn Christiane Zintzen auf ihrem Blog vorgestellt und auch auf das Leseprobenheftchen hingewiesen, das dann, wie sie meinte, vergriffen war.

2009 habe ich das dann versucht in Österreich zu bekommen, was nicht gelungen ist und das Feuilleton hat sich 2008 oder 2009 auf den Preis gestürzt und seither habe ich ihn auch auf meinen Blog ein bißchen verfolgt und darüber geschrieben.

Auf die Idee mir die Bücher zu kaufen und zu lesen, bin ich aber nicht gekommen, jedenfalls nicht zum Normalpreis, aber ein paar davon habe ich mir immer zu Weihnachten und zum Geburtstag gewünscht und bei den „Thalia Abverkäufen“ waren sie dann ein paar Jahre später zu finden, beim „Augustin Flohmarkt“ habe ich danach gegriffen und als Alfreds bibliophile WU-Kollegin ihre Bücher abverkaufte, waren auch einige dabei.

Vor zwei Jahren hat dann „Buzzaldrin“ begonnen, gemeinsam mit drei anderen, die zwanzig Bücher zu lesen und zu besprechen, ich habe einfrig mitkommentiert, die Longlistenproben, die ich mir inzwischen als Presseexemplar bestellte, gelesen und voriges Jahr hat es dann das Longlistenlesen gegeben, dem ich mich auch anschloß.

„Kastelau“ habe ich dabei gewonnen, „Koala“ schon auf meiner Leseliste gehabt, „Nachkommen“ mir zu Weihnachten gewünscht und in den letzten Wochen bin ich beim „Morawa-Flohmarkt“ auch über einige dBp-Bücher um zwei oder drei Euro gestolpert.

Es ist ja auch die Frage, wieviel von den gehypten Büchern hängenleibt, im Oktober sprechen alle davon, aber ein oder zwei Jahre später, weiß keiner mehr, wer auf diesen Listen stand?

Irrtum, ich weiß es, denn ich bin ja eine begnadete Abverkaufsleserin, die „Zwei Herren am Strand“, wahrscheinlich als Leseexemplar, habe ich vor kurzem im Schrank gefunden und so habe ich mich auch heuer schon vor einigen Wochen oder Monaten für die hundertsechzig Bücher interessiert, die da gerade von der dBp-Jury gelesen und auf zwanzig hinuntergevotet werden.

Aber nicht nur ich, die Blogger, um die vier taten das auch und Catherina von den „Schönen Seiten“ betreute ja ab vorigen Jahr die „dBp-Facebook-Seite“.

Sie tut das heuer wieder und so wurde diese Woche dort bekannt gegeben, daß heuer sieben Blogs als offizielle Buchpreisblogger ausgewählt wurden, die dann über den dBp berichten dürfen.

Aber das darf ja jeder, inoffiziell, wild, für sich, allein etc und das hat dann mein ohnehin  latent vorhandenes Interesse angestachelt, das auch zu tun und mir, notfalls ab zwanzigsten August, wenn die Longlist bekannt gegeben wird, die zwanzig Bücher zu kaufen, zu lesen, mir meine eigene Shortlist zu erstellen und zu schauen, wie sie mit der Meinung der Jury zusammenhängt, abweicht, etc?

Der Otto tut das  auch seit einigen Jahren, ich habe mich bisher eher geweigert, das zu tun, denn erstens bin ich keine Käuferin, zweites würde es meine Leseliste total umhauen, die zwanzig Bücher anzufragen, aber vorvorige Weihnachten habe ich mich auch mit den Gedanken getragen, den Hunderter, den ich zu Weihnachten von der Schwiegermutter bekommen habe, zu „Thalia“ zu tragen und mir vier oder fünf brandneue Bücher auszusuchen, um nicht nur immer das Alte und das Gefundene zu besprechen.

Ich habe es dann nicht getan und ich weiß auch nicht, ob ich am zwanzigsten August wirklich vier oder fünfhundert Euro ausgeben will, nur um zu beweisen, daß ich das auch so gut, wie die „offiziellen Bücherblogger“ kann.

Bei den Verlagen anfragen kann ich aber, ein paar Bücher werden wahrscheinlich zu bekommen sein und darüber bloggen, wie ich das schon bisher tat, natürlich und eigentlich bin ich auch schon beim Longlistenlesen, nämlich der Bücher, die 2010 darauf standen, denn da waren ja einige bei dem „Augustin Flohmarkt“ 2013 dabei, den ich gerade von meiner Leseliste herunterlese und Marlene Streeuwitz „Nachkommen“, Longlist 2014, habe ich mir  in meine Sommerfrische mitgenommen, denn ich will ja ein bißchen was über die Griechenland Krise schreiben.

Grund genug, mich ein bißchen im dBp Archiv umzusehen und zu schauen, was ich davon gelesen bzw. auf meiner Leseliste habe und ganz egal, wie ich mich in sieben Wochen entscheiden werde, ein bißchen kann ich jetzt schon darüber berichten, welche Bücher ich von den vergangenen Listen kenne.

2005 hat, wie  erwähnt Arno Geiger gewonnen, und sein „Es geht uns gut“ habe ich inzwischen im Schrank gefunden und noch nicht gelesen. Von den Longlistbüchern habe ich Friederike Mayröckers „Und ich schüttelte einen Liebling“ gelesen. Bei Thomas Lehr „42“ bin ich mir nicht so sicher, beziehungsweise kann ich die entsprechende Besprechung jetzt nicht finden.

2006 haben Katharina Hackers „Habenichtse“ gewonnen und das stand auf der Flohmarktliste von Alfred bibliophiler WU-Kollegin. Ebenso wie Sasa Stanisic „Wie der Soldat das Grammaphon reapariert“.

Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ habe ich im Schrank gefunden. Ebenso Wolf Haas „Das Wetter vor fünfzehn Jahren“, das ich noch lesen muß. Das muß ich auch noch bei Felizitas Hoppes „Johanna“, das der „Morawa“ voriges Jahr abverkaufte.

Ingo Schulzes „Neues Leben“ habe ich gelesen, Ilija Trojanow „Weltensammler“ auch und Matthias Zschokkes „Huhn mit Maurice“ steht auf der Leseliste. Vier gelesene und vier noch nicht gelesene von zwanzig, eigentlich nicht schlecht.

2007 hat Julia Frankes „Mittagsfrau“ gewonnen  und das gab es Originalverpackt, um zwei Euro am Stattersdorfer Flohmarkt und dann noch vier andere gelesene Bücher, nämlich  Glavinic „Ich bin ich“, Peter Henisch „Eine sehr kleine Frau“, Katja Lange-Müllers „Böse Schafe“, Robert Menasses „Don Juan“ .

2008 hat Uwe Tellkamps Turm gewonnen, da habe ich die Diskussion schon verfolgt und das Buch, wie im Vorjahr das der Marlene Streeruwitz gleich zweimal zum Geburtstag bekommen.  Gefunden habe ich „Treffen sich zwei“, Ingo Schulzes „Adam und Evelyn“ lag in der „Thalia-Abverkaufskiste“, ebenso wie Martin Walsers „ein liebender Mann“ und Karin Duves „Taxi“ muß ich noch lesen.

2009, da hat das muß ich mir noch vergegenwertigen Kathrin Schmidt mit „Du stirbst nicht“ gewonnen und nicht Herta Müllers „Atmemschaukel„, das Preisbuch lag bei „Thalia“ und muß noch gelesen werden. „Das Leben der Wünsche“ habe ich gelesen und es hat mir, glaube ich, nicht so gefallen, ich bin kein Glavinic-Fan, Thomas Stangl „Was kommt“ war der erste „Alpha-Preis“. Peter Stamms „Sieben Jahre“ vom „Thalia“ habe ich gelesen und Stephan Thome „Grenzgang“ mir vor kurzem um einen Euro gekauft. Ebenso wie Terezia Moras „Der einzige Mann auf dem Kontinent“, das gab es beim „Morawa“ und hat glaube ich drei Euro gekostet.

2010 hat Melinda Nadj Abonji mit „Tauben fliegen auf“ gewonnen, das Buch muß ich erst finden. Dafür lese ich gerade Alina Bronskis „Die schäftsten Gerichte der tatarischen Küche“ vom „Augustin Flohmarkt“. Dort habe ich auch Olga Martynovas „Sogar Papageien überleben uns“, gefunden, das auf meiner Leseliste wartet, während ich Judith Zanders „Dinge die wir uns heute sagen“ schon gelesen habe. Hat mir auch nicht so gefallen.

2011 hat Eugen Ruge mit „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ gewonnen, das habe ich mir zu Weihnachten oder zum Geburtstag gewünscht, ebenso wie Judith Schalanskys „Der Hals der Giraffe“. Marlene Streeruwitz „Schmerzmacherin“ habe ich bei einer literarischen Soiree gewonnen, Thomas Melles „Sixters“ mir vor kurzem um einen Euro gekauft und Sybille Lewitscharoffs „Blumenberg“ habe ich gefunden und sollte ich noch heuer lesen.

2012 hat Ursula Krechel mit „Landgericht“ gewonnen. Weder gelesen noch gefunden oder gekauft. Der Jahrgang ist bei mir überhaupt sehr schwach vertreten, habe ich da ja nur Olga Grjasnovas „Der Russe ist einer der Birken liebt“ mir gewünscht und gelesen.

2013 ist es besser, denn da habe ich mich intensiv mit den Proben beschäftigt, mir Nellja Veremejs „Berlin liegt im Osten“ bestellt, Marion Poschmanns „Die Sonnenposition“ zum Geburtstag gewünscht, Daniel Kehlmanns „F“ von der Anna ausgeborgt, auch das kann man tun, mir im Vorjahr Ralph Dulis „Soutines letztes Fahrt“ bei einem Abverkauf gekauft, heuer Mirco Bonnes „Nie mehr Nacht“ gefunden und Clemens Meyer  „Im Stein“ gab es um drei Euro beim „Morawa“.

2014 hatte ich schon Martin Lechners „Kleine Kassa“ gelesen, als die Liste veröffentlicht wurde, Lukas Bärfuß „Koala“ habe ich mir vom Alfred kaufen lassen und werde es demnächst lesen, „Kastelau“ bei diesem Longlistenlesen gewonnen, Thomas Melles „Dreitausend Euro“ und Marlene Streeruwitz „Nachkommen“ mir zu Weihnachten gewünscht und die „Zwei Herren am Starand“ vor kurzem im Schrank gefunden.

Interessant, interessant, dieser Gang durch das Archiv, für mich jedenfalls, da ich ja öfter die Frage höre, wer noch weiß wer im letzten Jahr auf dieser Liste stand?

Ich weiß es oder habe jetzt nachgeschaut und auf die neue Liste bin ich auch neugierig, ganz egal wie ich ich mich  entscheiden werde, zu lesen habe ich  genug und, daß es auch noch andere Bücher jenseits diíeser Liste gibt, daran habe ich auch nie gezweifelt, wie zum Beispiels Peter Stamms „Nacht ist der Tag“, das ich auch kürzlich fand und eigentlich sicher war, es steht darauf oder Köhlmeiers „Joel Spazierer“.

2014-11-28

Geschenkt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:33

Ich bin ja keine Freundin der „Hörbücher“, obwohl ich einmal einen „Hörbuchpreis“ und damit eine Handvoll solcher „Bücher“ gewonnen habe und mir die Anna einmal eines zu Weihnachten schenkte. Denn wenn ich sie in der Küche höre und dann läutet das Telefon,  entgeht mir etwas, wenn der Klient läutet ebenso. Dann kann ich mir auch keine Notizen machen, weiß nicht, wie sich die Namen schreiben, etc. Also kaufe ich mir keine Hörbücher, bin ich ja auch keine Joggerin oder Autofahrerin, habe aber eine Tochter, die mir aus welchen Gründen auch immer, keine Bücher schenkt und da habe ich dann Daniel Glattauers „Geschenkt“ den neue Bestseller des Herbstes von ihr zum Geburtstag bekommen. Sie hat die Printform nach Ungarn mitgenommen. Ich habe in der Woche zwischen dem Geburtstag und der „Buch-Wien“ auch den Versuch gemacht, mir das Buch, während des Mittagsnickerchen mir anzuhören und war auch begeistert. Ein tolles Buch, das „Gut gegen Nordwind“, das bei der „Buch-Wien“ Diskussion, als so großartig gefunden wurde, hat mich nicht so begeistert, hier hat der ironische Ton it der die Geschichte des Losers Gerold Plassek sofort begeistert, nur leider war das Hören  der acht CDs  etwas schwierig, denn die zweite fing bei der Hälfte an zurückzulaufen und ich konnte das Ende nicht mehr hören und bei der dritten kam der Klient und danach die Buch-Wien, wo ich das Buch während des „Bücher Quiz“ gewinnen hätte können, wenn ich das Standard Kürzels von Daniel Glattauer als Ersts hinausgeschrieen hätte und auch sonst einges darüber hörte. Danach habe ich die CDs wieder  aufgelegt und begann  gleich zu besprechen, damit ich, wenn ich beim Ende bin, denn Anfang nicht schon wieder vergessen habe.

Es geht also um einen etwa vierzigjährigen Journalisten einer Gratiszeitung, einen sogenannten Loser, der geschieden ist, zuviel trinkt, nicht recht auf sich schaut und alle seine Illusionen schon verloren hat und so sein Geld mit Randnotizen bei dieser Gratiszeitung verdient. Dann erfährt er plötzlich von seinem vierzehnjährigen Sohn Manuel, den ihn dessen Mutter übergibt, weil sie ein halbes Jahr als Ärztin ohne Greznen nach Afrika muß und ihn daher zur Nachmittagsbetreuung in seine Reaktion setzt. Die Beiden öden sich eine Zeitlang an, dann passiert etwas Außergewöhnliches.  Gerold  Plassek hat eine Randnotiz über eine Odachloseneinrichtung geschrieben, die Geld braucht und die Geldspende trifft bei der Einrichtung mit beigelegten Artikel ein. Das beginnt sich nun zu wiederholen, der Chefredakteur übergibt zwar einer anderen Journalistin die Berichterstattung darüber.  Gerold ist das zunächst egal. Kommt seinem Sohn aber etwas näher, begleitet ihn zur Zahnärztin und verliebt sich in sie. Dann habe ich eine Lücke, er wird offenbar von seiner Redaktion entlassen oder kündigt und geht stattdessen zu einer besseren Alternativzeitung, wo er größere Artikel schreiben darf und die Geldspenden kommen nun nach solchen Artikeln. Dann bringt ihm Manuel mit einem tschetschenischen Schulkollegen, der abgeschoben werden soll, in Kontakt, das Spiel wiederholt sich und Gerold beginnt darüber nachzudenken, ob die Geldspenden mit ihm etwas zu tun haben könnten.

Als dann die zweite Geldspende eintrifft, beginnen auch die Medien diesen Verdacht aufzunehmen, Gery wird groß in allen Zeitungen interviewt, wird eine Berühmtheit, mit der sich alle fotografieren lassen wollen und die auch viele Anfrage bezüglich Spendenmöglichkeiten, wie beispielsweise von der schönen Zahnärztin, in die er sich verliebt hat, ihr ihre Liebe aber nicht zu gestehen traut,  bekommt. Die arbeitet auch im „Zehnerhaus“ in der Schleifmühlgasse, das ist eine Zahnarztpraxis für Obdachlose, man sieht, wie Daniel Glattauer mit den Wiener Orten jongliert, dicht an der Realität  bleibt, aber auch immer ein bißchen verfremdet,  so daß man sich nicht beschweren oder klagen kann und diese Praxis muß  revnoviert werden und braucht Geld.

Gery und Manuel versuchen dem Spender auf die Spur zu kommen und finden in den Mails zwei Hinweise. Da ist einmal einer auf seine Mutter und dann hetzt die zweite Gratiszeitung, die sich schon mit Gerys früheren Arbeitsgeber angelegt hat und in einen Prozeß verwickelt ist und vermutet in dem zweiten Mann von Gerys Exfrau, Gudrun, einem Banker oder Lobbyisten, der ein Konto in Lichtenstein hat, den Spender, bzw. Geldwäscher, der sein Schwarzgeld mit Hilfe seines Ex-Schwagers, oder wie immer sich das Verwandtschaftsverhältniss nennt, reinwaschen wollte.

Gery Plassek betrinkt sich und beginnt dann wieder zu recherchieren, wobei sich Manuel in ein autistisches Mädchen verliebt und viele Verwicklungen und Verwirrungen auftreten, die  manchmal ein bißchen überzogen und vielleicht auch leicht kitschig wirken.

Man kann auch sicher überlegen, ob das viele Geldspenden, beispielsweise, was die Inselbegabung des autistischen Mädchen betrifft, wirklich so nötig ist?  Denn die ist ja sehr begabt und für ein Studium an der künstlischerischen Volkshochschule oder an der Akademie für angewandte Kunst braucht man eigentlich keine zehntausend Euro.

Es geht aber weiter, eine Tänzerin wird als erste Geldspenderin geoutet, der Nachfolger meldet sich bei Gery und schickt ihm zur letzten Reportage in eine Alkoholentzugseinrichtung, namens „00 Promille“, das ist Gery, dem Gelegenheitstrinker ein wenig peinlich, denn er ist ja nicht betroffen, alle anderen spielen darauf an, sein Vater war es aber und die Einrichtung liegt auch zufällig in Simmering, wo er seine Jugend verbrachte.

Dann kommt es stilecht am Weihnachtsabend, haben da schon wirklich alle Wirtshäuser offen, zu einem Treffen zwischen Gery und dem Spender bzw. Geldgeber, der aber ganz, wie im „Nordwind“ nicht erscheint, vielleicht hat der Trinker ihn auch übersehen.

Es bleibt also alles offen, wir können raten, wer es jetzt nun war, die Spuren verwischen sich aber alle oder gehen ineinander über.

Es ist aber ohnehin ganz egal, nur die gute Tat ist wichtig, schließlich haben wir bald Weihnachten und da wird das im August erschienene Buch wahrscheinlich bevorzugt verkauft.

Dem etwas heruntergekommenen Journalisten haben die Geldspenden auf jeden Fall geholfen, er wird in der Alternativzeitung fix angestellt und fliegt im Feburar mit seinen zwei Kindern nach Kuba, obwohl er, daß er Manuels  Vater ist, wenn ich es nicht überhörte, zwar dem Wirten Zoltan und seiner Tochter Florentina, aber nicht ihm selbst verrät und das Buch hat mir, ob seiner brisanten Themen, mich interessieren ja die Losergeschichten, anfangs sehr gefallen, später wird die Routine merklich, es kommen Widersprüche auf und es bleibt sehr viel im Unklaren, aber über das Gute im Menschen läßt sich zu Weihnachten bevorzugt diskutieren und da fällt mir  ein, von Daniel Glattauer gibt es noch den „Weihnachtshund“ und der steht auch auf meiner Leseliste.

Daniel Glattauer hat den Roman nach einem realen Vorbild geschrieben und um wieder auf die Frage Printform oder Hörbuch zurückzukommen, der Vorteil des Hörbuchs ist ohne jeden Zweifel, daß ich den Roman jetzt kenne, während ich das Buch auf eine spätere Leseliste gesetzt hätte und spannend ist es sicherlich geschrieben, weil man sehr neugierig wird und wissen möchte, wer jetzt der geheimnisvolle Geldspender ist und daher nicht zu lesen aufhören kann, so daß ich ein paar weitere Hörrunden eingelegt habe.

2014-11-15

Buch-Wien und rundherum

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:00
Eva Nagl-Jancak

Eva Jancak

Roland Girtler

Roland Girtler

Am Mittwoch gab es im Rathaus die Fachkonferenz bzw. Festveranstaltung zu „15 Jahre Frauengesundheit – gestern-heute-morgen, die von der Frauenbeauftragten Beate Wimmer-Buchinger und ihrem Team organisert wurde, das  mich immer zu ihren Veranstaltungen lädt. Beim zehn Jahrestag vor fünf Jahren war ich auch, da gab es ähnlich wie heute, den ganzen Tag Essen, dazwischen bin ich noch zum Ehrenkreuzverleihung von Konstantin Kaiser auf die andere Seite des Rathauses gegangen und am Abend in Literaturhaus, wie es eine Rolf Schwendter Festveranstaltung gab, die gab es diesmal leider nicht mehr, dafür wurde die Buch-Wien eröffnet, so habe ich den Sekt Empfang und die Rounder Girls versäumt, aber auf der Buch-Wien war, wahrscheinlich weil Benedikt Föger Präsendent des Hauptverbandes ist, diesmal ohnehin alles anderes und das auch im räumlichen Sinn. Die Messebuchhandlung ist gleich beim Eingang, das Publikum muß also durchgehen, „wenn sich“, wie er in seiner Eröffnung betonte,  „der Buchhandel, die größte Halle des größten Messegeländes der Stadt mietet und dafür noch Eintritt zahlt. Das glaube ich zwar immer noch nicht, daß das sehr viele Leute tun und der Herr vom „Amalthea-Verlag“, den ich am Montag beim „Alpha-Preis“ getroffen habe, sagte mir auch, das Ausstellungsgelände wäre diesmal kleiner, die ORF Bühne hat aber auch ein neues Out Fit mit  einer Bücherwand im Rücken. Es gab außer Jury Andruchowytsch Eröffnungsrede und Bedendikt Fögers Einleitung auch keine Eröffnungsreden von Politikern und auch das Buffet war diesmal anders, kein Gulasch und kein Kaiserschmarrn, sondern ein paar Brötchen und gefüllte Semmerln und um acht begann „Die lange Nacht der Bücher“, wo man um drei Euro schon auf die Messe konnte. Die Aussteller sollten also zu ihren Ständen und die Leute betreuen und bekamen vom Verband eine Flasche Sekt dafür. Juri Andruchowytschs Eröffnungsrede „Der Preis der Werte“ war sehr politisch und handelte von den Zuständen in der Ukraine, was zu erwarten war,  Christl Greller, die ich  beim Buffet im Literaturcafe traf, meinte sie wäre sehr lang gewesen, aber insgesamt war die Eröffnung diesmal, glaube ich, sehr knapp. Denn ab acht gab es ein Programm und zwar zuerst ein Konzert von Atwenger auf der ORF Bühne. Martina Lessing kochte auf einer Kochbühne, die diesmal auch woanders ist, Daniel Glattauer las wahrscheinlich aus „Geschenkt“, ein Buch das ich von der Anna in der Hörbuch Form zum Geburtstag bekommen habe, das ich gerade am Hören bin und das ich sehr toll finde.

Stefan Gmünder

Stefan Gmünder

Dominik Kamalzadeh

Dominik Kamalzadeh

Ich war aber bei der Forum-Bühne, denn da gab es  ab neun das Bücherquiz, auch erstmals und dafür konnte man sich im Internet schon seit Wochen bei vier oder fünf Fragerunden beteiligen. Ich habe es gemacht und Wolf Haas, einem der Moderatoren, auch dreimal mehr oder weniger originelle Fragen gestellt. Eine war, was er mit dem Hut von Elfriede Gerstl machte, den er einmal bei einer IG-Benefizveranstaltung im Jahr 2000 ersteigert hat, wurde aber nicht ausgewählt. Frau Führer, bei der ich das bedauerte, sagte mir, ich hätte noch eine Joker-Chance, das heißt. es gab zuerst eine Runde mit zwei der Auserwählten. Günter Kaindlsdorfer moderierte und die Fragen hatten nur teilweise mit Literatur zu tun, die habe ich fast alle gewußt,  die anderen, wo man zum Beispiel auch Berge und Hymnen erraten mußte, eher nicht. Dann kam eine Publikumsfrage. Wer war der Regisseur von Elfriede Jelineks „Sportstück“? Das wußte ich nicht, hatte also meine Chance mitzuspielen vertan, dafür konnte aber das Publikum Bücher gewinnen und da ich wußte, daß Nadine Kegele aus Vorarlberg kommt, habe ich jetzt ihr „Eidechsenbuch“ und brauche Benedikt Föger nicht nocheinmal darum angehen und wie Franzobel wirklich heißt, wußte ich auch, also habe ich jetzt seinen neuen Krimi. Mehr meinte Günter Kaindlsdorfer dürfte ich nicht herauaschreien, so hielt ich das mit Otto Brusatti und Marlene Streeuwitz zurück, was ich erfahren habe, als ich bei der literarischen Soiree die „Schmerzmacherin“ gewann, aber die „Nachkommen“ habe ich  schon zweimal bekommen und brauche sie kein drittes Mal. Der Quiz war also spannend und die literarischen Fragen gar nicht so leicht, er hat auch fast zwei Stunden gedauert. Der erste Preis war ein Buchgutschein für tausend Euro, was würde ich mit soviel Büchern machen und wann würde ich sie lesen? Der zweite Preis einer um dreihundert. Gewonnen haben zwei Damen, darunter auch die Stundentin, die das mit Einar Schleef wußte. Die beiden Herren, die in den beiden Runden verloren, gewannen je drei Flaschen Vetliner, auch nichts für mich, denn ich trinke ja keinen weißen Wein und ab Donnerstag ging es, wie gewohnt ab neun Uhr los. Das heißt, da startete das Programm für Schulklassen mit exclusiven Veranstaltungen.

Eva Menasse

Eva Menasse

Die Erwachsenen, beispielsweise die Pensionisten, die freien Eintritt hatten, konnten ab zehn Uhr Gerhard Loibelsberger von dem ich  schon ein Buch gelesen haben, mit einem seiner historischen Krimis, bzw. Geschichtenband „Kaiser, Kraut, und Kieberer“ hören, vorher oder dazwischen gab es die Möglichkeit sich im Weleda-Zelt Cremeproben für die reife Haut zu holen, beziehungsweise sich an den Ständen umzusehen. Um elf gabs auf der FM4 Bühne ein Autorinnengespräch mit Saskia Jungnickl, die ein Buch über den Selbstmord, bzw. Suizid ihres Vaters geschrieben hat und auf der ORF-Bühne stellte der Reiseschriftsteller Martin Ammanshauser eines seiner Reisebücher vor und erzählte davon, wie es einem solchen auf seinen Reisen geht. Dann traf ich mich zum Mittagessen mit dem Alfred in der „Grünen Hütte“, die Kochbühne, die „Lebensart“ heißt und sich an anderer Stelle befindet, habe ich den ganzen Tag leer gesehen, also werde ich mir am Freitag etwas zu Essen mitnehmen müßen, weil der Alfred da nach St. Pölten, um sein Auto von der Werkstatt abzuholen, fährt. Am Nachmittag ging es auf den vier fünf oder sechs Bühnen munter mit Parallelprogrammen, die sich teilweise wiederholten, weiter, die Schüler waren schon verschwunden und auf der Donau Lounge stellte der Rumäne Mircea Catarescu den dritten Teil einer Trologie  „Die Flügel“ vor, wo es um den Fall des eisernen Vorhanges geht. Es wurden  hauptsächlich Stellen gelesen, wo es um den kleine Mircea ging, der seine Erfahrungen mit dem Leben und den Mädchen machte. Da habe ich dann auch erfahren, daß es am Abend wieder eine Bank Austria Literaris Veranstaltung mit den Bank Austria Literaris Preisträgern gab, um vier hat eine davon, die bosnische Lyrikerin Adisa Basic, die ausgezeichnet Deutsch spricht, gelesen, vorher war ich aber noch auf der ORF Bühne, wo es Poetry Slam mit Stefan Abermann, ein Buch aus dem „Milena-Verlag“ und dann Marlene Streeuwitz mit ihrer „Reise einer jungen Anarchistin“ in Griechenland gab. Um fünf trat dort dann Kristina Pfoser auf und machte das Kultur-Journal, das live in Ö1 gesendet wurde, ein Gespräch mit Jochen Jung, Daniel Glattauer und Daniela Striegl, was ein Bestseller ist und was den Unterschied zwischen der Besten und der Bestsellerliste ausmacht? Daniel Glattauer freute sich mit „Gut gegen Nordwind“ auf eine solche gekommen zu sein und wurde dann von Kritiker in Residence Volker Hage interviewt. Das war sehr interessant und damit war der erste Messetag zu Ende, an den Ständen wurde Sekt serviert und ich disponierte um, denn eigentlich habe ich wieder in Literaturhaus zu Heinrich Steinfest gehen wollen. Die „Bank Austria Literaris Lesereise“ fand aber im „Haus der Musik“ statt, was näher war, ein Buffet gab es auch, die Preise an solche scheint es nicht mehr zu geben, traten doch lauter Bekannte auf und außer dem Buch von Adisa Basic habe ich alle anderen Bücher schon gelesen.

Reinhardt Badegruber

Reinhardt Badegruber

Edith Kneifl

Edith Kneifl

Nämlich Palmi Ranchev „Ein bißchen Glück für später“, Florin  Lazarescu, der ebenfalls lesen sollte, ließ sich entschuldigen, aber Boris Cheronskij aus der Ukraine war da, der weil man in Odessa eher Russisch spricht, als Russe angekündigt wurde. Weiter gab es ein Interview mit Gyorgy Dalos, der in der Jury des Preises war. Katja Gasser moderierte, der Schauspieler Nikolaus Kinsky hat gelesen und beim Buffet habe ich mich außer mit der Autogrammsammlerin und dem Stammbesucher, der auch zu meinem Geburtstagsfest gekommen ist, mit Palmi Ranchev auf Englsch über die österreichische Literatur unterhalten. Er mag Thomas Bernhard, scheint aber sonst ein großer Lyrikfan zu sein. Am Freitag ging es zuerst ein bißchen weiter mit einem bei „Milena“ wideraufgelegten Ersten Weltkriegbuch und dazu, zum Thema passend auf der Forum Bühne Texte von Josef Roth. Dann gings wieder zur Donau-Louge, wo für mich interessant, weil wir bald nach Ungarn fahren, Szilard Borbely, der sich Anfang des Jahres umgebracht haben dürfte, Roman „Die Mittellosen“ vorgestellt wurde. Leider bin ich zur der Einleitung von Cornelius Hell ein bißchen zu spät gekommen, so daß ich von der Biografie des Autors nicht viel mitbekommen habe. Vorher war ich noch bei der Hauptbühne,  da stellte der israelische Autor Meir Shalev, von dem ich ein Buch auf meiner Leseliste habe, seinen neuen Roman vor und zur Donau Lounge kam um eins Eröffnungsredner Jjuri Andruchowytsch mit seinem Beitrag in der Anthologie „Euromaidan“, den ich, glaube ich, schon im April in Göttweig oder Krems hörte, so daß ich nicht ganz geblieben bin, sondern ein bißchen herumwanderte. Die Kochbühne war inzwischen in Betrieb genommen,  es gab ein Hendl mit Safranreis, eine ziemlich große Portion, danach hörte ich mich in einiges hinein, wanderte hin und her, blieb dann bei Nadine Kegeles neuen Roman, den ich ja inzwischen habe, hängen und folgte ihrer blumigen und ziemlich extravertierten Beschreibung über das Leben nach dem Klagenfurter Publikumspreis und der Frage, ob ihr Roman jetzt ein Frauenroman ist oder nicht, sie plant jedenfalls noch vier Fortsetzungen, ich bin gespannt, ob auch dann die Bücher zu mir kommen werden.

Richard Schuberth

Richard Schuberth

Erwin Riess

Erwin Riess

Dann gings wieder zur ORF Bühne, da war gerade der Herr Bundespräsident angetreten und stellte die bei „Wieser“ erschienene oder geplante Jirsi Grusa Gesamtausgabe vor. Die Familie des verstorbenen Autors war da und sehr viel Prominenz. Dann ging es weiter mit der Politik bzw. Juri Andruchowytsch nämlich mit einer Diskussion über fünfundzwanzig Jahre Mauerfall bzw. Ende des eisernen Vorhang, der Direktor des Collegium Hunarium, bzw. der Donau Lounge war noch da und die Slowakin Etela Farkasova, die ich, glaube ich, schon beim PEN-Frauentag kennengelernt habe. Günter Kaindsdirfer moderierte. Zdenka Becker, die vorige Woche einen Preis des Landes NÖ bekommen hat, saß im Publikum. Den Rest des Messetages verbrachte ich  vor der Kochbühne, wo zuerst ein ebenfalls sehr extroviertierter Burgenländer „Kaufs Leute, mein neues Buch, ich hab ein kleines Kind!“,Rote Rüben Risotto kochte, dann kam ein Runmäne und kochte Spezialitäten aus dem Donau Delta, ein Dolmetscher erklärte, Erdäpfelfrikadellen mit Lachseiern, Fisch und Polenta und dann noch eine Flade mit Feigen, ein bißchen rumänischen Weißwein gab es dazu auch, dann war es schon Zeit für die Wiener Vorlesung mit Herta Müller im Rathaus, die ich ja 2009 bei der Literatur im Herbst versäumte. Jetzt war sie da und Hubert  Christian Ehalt erklärte, daß dem Ganzen ein Gespräch mit Angelika Klammer  Mein Vaterland war ein Apfelkern“, das jetzt in Buchform erschienen ist, vorausging. Die ehemalige „Residenz“ bzw.“ Jung und Jung“ Lektorin Angelika Klammer leitete ein, dann kam ein Gespräch mit Christian Ehalt, der die Nobelpreisträgerin wieder zu ihrer Lesebiografie befragte. Sie ist vom Dorf  mit den deutschen Minderheit weg nach Bukarest zum Studium gegangen, war dort viel im Goethe Institut, wo sie Canetti gelesen hat und erzähltewieder viel von ihren Traumatisierungen. Was sie noch schreiben wird, erkundigte sich Christian Ehalt am Schluß. „Über NSA und Social Media? „Nein, die Securitate beschäftigt mich noch genug!“ Als ich nach Hause kam, wartete ein neues Buch auf mich, nämlich das „Graphic-Novel“ „Irmina“ und da hat mich der Verlag ja an den Stand und zum gestrigen Sektempfang eingeladen, was ich leider in der Hektik ein wenig versäumte, mir den Stand aber noch am Samstag anschauen will. Der begann mit einigen Besorgungen bezüglich meines Geburtstagsfestes. Gab es da ja noch einen Leiner-Gutschein für ein Frühstück, das ich dann doch nicht einlösen konnte und die Ingrid hatte mir das Margareten-Buch nochmals geschenkt, das tauschte ich dann bei „Freytag und Berndt“ um, hätte, da das ja eine Reisebuchhandlung ist und wir morgen nach Ungarn fahren, mir eigentlich ein Ungarn-Buch vorgestellt, aber den Szilard Borbely hatten sie nicht, die Cornelius Hell Ungarn Bücher hätten preislich nicht gepasst, so ist es Juij Wynnytschuks „Im Schatten der Mohnblüte“ geworden. Das ist zwar ein Ukrainer, wurde aber auch auf der Donau-Lounge vorgestellt. Auf der war ich Samstags nur kurz, bin ichwegen der Gutscheineinlös- und Umtauschaktionen erst um elf auf der Messe eingetroffen und um halb eins habe ich mich  wieder mit dem Alfred in der „Grünen Hütte“ getroffen, ein Gansl gegessen und dann mit ihm den Nachmittag in der Messehalle verbracht. Zuerst sehr lange in der Buchhandlung, dann sind wir ein bißchen herumgelaufen, wurde vom  Herrn Wieser ein bißchen lächerlich gemacht, als ich auch ein Stück vom Schinken haben wollte, in dem er  verlangte, daß ich laut „bitte“ sagte, was ein bißchen kindergartenmäßig ist und er mich, als er meine Rezension in seinem Programm abdruckte, vorher auch nicht fragte, was er eigentlich sollte. Aber ich habe manchmal Probleme mit autoritären Männern, die mich übersehen oder nicht so ernst nehmen.

Dann landeten wir im Literaturcafe, wo der „Alpha-Preis“ beziehungsweise Eva Menasse von Stefan Gmünder präsentiert wurde, Erich Riess aus seinem Herrn Groll las, Edith Kneifl  mit Reinhard Badegruber zwei neue Bände ihrer „Tatort-Serie“vorstellte und auch Richard Schuberth zu hören war. Dann entschwand der Alfred zu einem Fußballmatsch, von dem schon Günter Kaindlsdorfer schwärmte und ich ging zuerst zur Weinverkostung zur Lebensart-Bühne, da gab es aber nur mehr die Weißen, die ich nicht so mag und so verbrachte ich die letzte halbe Stunde wieder bei der „Exil-Preis-Verleihung“, wo ich ja schon wußte, daß Ljuba Arnautovic den ersten Preis gewonnen hat und ich auch die Preistexte neben mir liegen habe. Damit ist die Buch-Wien 2014 für mich beendet, da es morgen zwar nicht mit dem Zug, aber nach Ungarn geht, da liegen schon ein paar Broschüren in meinem „Donau Lounge Leinensack“, außerdem nehme ich mir einen Sandor Marai und einen Imre Kertez zum Lesen mit und um die Eindrücke abzurunden, verlinke ich noch mit Neyashas  Bericht von der „Langen Nacht der Bücher“ und dem von Wolfgang Tischer zu den Stuttgartner Buchwochen, wo Österreich Gastland ist.

Zu Neyashas Bericht sollte ich vielleicht noch ergänzen, daß man sehr wohl einen oder mehr Tage auf der Buch-Wien verbringen kann, auch wenn ich Donnerstag Morgens meistens denke, was mache ich da bis Sonntag? Es wird immer interessant und Studenten hatten bei der Bücher-Nacht und am Donnerstag ohnehin freien Eintritt und mit dem „Bücherspaß“ kostete es den ganzen Tag auch nur vier Euro fünfzig, was eigentlich erschwinglich ist und denn man darüber bloggt, wird man wahrscheinlich auch eine Gratiskarte bekommen.

2014-02-21

Punk Pygmalion

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Vor cirka zwei Wochen habe ich von einer Melusine Barby alias Jutta Pivecka ein Mail bekommen, das mich auf das Romandebut „Punk Pygmalion,“ in der Schweizer „edition taberna kritika“ erschienen, der auch Texte von James Joyce, Hartmut Abendschein, Elisabeth Wandler-Deck und Sudabeh Mohafez, verlegt, das im Blog „Gleisbauarbeiten“ entstanden ist, aufmerksam machte.
Nun denkt man bei Melusine Barby wahrscheinlich an Fantasy für Girls.
Der Blog „Gleisbauarbeiten“ gehört aber zu dem Lit.Net.Blogs-Projekt, über das Christiane Zintzen immer berichtet, zu dem auch die „Dschungl-Anderswelt“, E.A.Richter und einige der genannten Autoren gehören und Blogromane interessieren mich sehr und so habe ich mich, während ich auf das Buch gewartet habe, auch ein bißchen eingelesen und herausbekommen, daß Jutta Pivecka 1965 geboren wurde, in der Nähe von Frankfurt am Main lebt und Kunstgeschichte, Literatur- und Politikwissenschaft studiert hat.
Es gibt einen zweiten Blogroman von ihr, der von einer Melusine handelt und „Punk Pygmalion – Roman in Briefen“, was genau genommen eigentlich „mit Briefen“ heißen sollte, entstand zwischen 2010 und 2012.
Das Buch besteht aus drei Teilen, die die Namen Ansgar, Lars und Emmi tragen, drei Zeichnungen von der Autorin gibt es auch, Helmut Abendschein, den ich auch von Christiane Zintzens Blog kenne, hat das Lektorat übernommen.
Und Pygmalion, bekannt durch Bernhard Shaw, ist die Geschichte von dem Bildhauer, der sich in seine Skulptur verliebt, die dann lebendig wird.
Hier beginnt es anders. Die Ich-Erzählerin M. genannt, Kunstgeschichtlerin, verheiratet, zwei Kinder und nicht sehr glücklich, fährt 2010 nach Berlin um ihrer frisch geschiedenen Freundin Emmi, beim Umzug zu helfen. Dabei finden sich Briefe, die in den Achtzigerjahren von den in Dänemark lebenden Hamburger Ansgar geschrieben wurde, den Emmi 1983 am Wannsee kennenlernte. Sie haben dabei auch eine Leiche gefunden.
Ansgar fährt nach Dänemark zurück, wo er bei seinen Vater lebt, BWL studiert, obwohl er Bildhauer werden will, er wird als grober Mann mit groben Händen geschildert und schreibt nun Briefe an die siebzehnjährige Emmi, er selbst ist zweiundzwanzig, wo er sie zu seinem Ebenbild formen will. Er drängt ihr seinen Musikgeschmack auf, Emmi läßt sich eine schwarze Punkfrisur schneiden und dreißig Jahre später, entsteht bei den beiden Frauen der Plan, daß M. die Briefe in ihren Blog veröffentlichen soll. Sie tut das auch und Emmi gesteht ihr, daß sie Ansgar wiedergesehen hat, eine Beziehung mit ihm eingegangen ist und verschwindet dann nach Frankreich in das Ferienhaus. Es kommen nur Ansichtskarten, bzw. Mails von ihr, in denen sie M. bittet, dem Blogroman eine positive Wende zu geben.
M. googlet nach und bekommt heraus, daß Ansgar ein berühmter Bildhauer geworden, aber inzwischen verschwunden ist, so suchen seine Frau Maya und sein Sohn Lars nach ihm.
Emmis Mutter ruft an und sagt, auch Emmi ist verschwunden, sie wurde nur im Juni in dem Haus gesehen und da war sie in Beleitung eines jungen Mannes, der wie Ansgar vor dreißig Jahren ausgesehen hat.
Ein Leser macht M. auf die Möglichkeit aufmerksam, daß man im Internet fälschen kann und Emmi meldet sich wieder um, M. die Adresse von einer Frau zu geben, die ein Kind von Ansgar hat, ihn aber nach der Geburt nicht mehr oft gesehen hat. Nur einmal kam Ansgar, der schon 1983 während einer Europareise verschwunden ist, um seinen Sohn Lars, der inzwischen in Berlin an der Kunstakademie studiert, seinen Skizzenblock zu überlassen.
Im zweiten Teil „Lars“, reist M. nach Berlin um Lars zu treffen, der inzwischen in einer Galerie seine „Fatherhood-Skulpturen“, er hat die Skizzen fertiggemacht, ausstellt, er führt M. durch sein Atelier und zeigt ihr die Zeichnungen der nackten Emmi mit der er sich offenbar sein Ebendbild erschaffen hat.
Dann kommt er noch einmal zu M. und bringt ihr schließlich einen USB-Stick, wo Emmi die Geschichte aus ihrer Perspektive schildert, wo sich die Identitäten noch einmal vermischen, M. zu Emmi wird oder umgekehrt und es ist sehr interessant zu erleben, wie sich die Fiktion mit der Wirklichkeit, der Blogroman mit der Realität vermengt.
Statt eines Nachwortes gibt es noch die Erklärung, daß im Jahr 1983 vier Wasserleichen angetrieben wurden und, daß in Deutschland derzeit etwa siebentausend Personen als vermißt gelten und sich die Polizei nur einschalten würde, wenn sie minderjährig, selbstmordgefährdet oder Opfer eines Verbrechens wären.
Ich finde Blogromane, wie erwähnt, sehr spannend. 2009 habe ich ein bißchen bei Karen Wiborgs „Sechzig Grad“ mitgelesen. Auf Christian Dörings Seite gibt es einen, an dem eine christliche Autorengruppe schreibt, aber Jutta Piveckas Projekt ist experimenteller, verwirrender, vielschichtiger und für alle Interessierten, die wissen wollen, was im Netz alles möglich ist, das dann zu Papier wird, sehr empfehlenswert.
Einen berühmten Mailroman mit einer Emmi gibt es auch.
Ich blogge ja nicht gerade Literatur, sondern meine literarische Befindlichkeit, meine Veranstaltungsberichte, die Bücher, die ich lese und seit ein paar Jahren, auch regelmäßig meine Schreibberichte.
Auf die Idee einen Text direkt im Netz entstehen zu lassen, bin ich noch nicht gekommen, wäre aber interessant. Und ich habe ja auch ein Buch, das aus meinen Blog entstanden ist.

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