Literaturgefluester

2017-11-24

Immer ist alles schön

Filed under: Bücher — jancak @ 00:17
Tags: , , ,

Jetzt kommt noch ein Debut, nämlich der Roman, der 1983 in Tansia geborenen und in Zürich lebenden Julia Weber, die damit den „Franz-Tumler-Literaturpreis“ gewonnen hat. Ein sehr poetisches Buch, das auf eine sehr poetische Art und Weise, wie man sagen könnte, das Leben von zwei Kindern und ihrer alleinerziehenenden Mutter erzählt, das eigentlich gar nicht so schön ist. Ganz und gar nicht ist das Leben solcher vom Jugendamt betreuten Kinder, die nicht zur Schule gehen, deren Müutter Bartänzerinnen sind, in der Realität höchstwahrscheinlich.

Julia Weber macht ein Poem daraus und es gibt im Anhang oder im letzten Teil des Buches auch Zeichnungen, die das Ganze noch einmal auf eine ganz andere Art und Weise sehr poetisch erklären.

Im Interview erklärte Julia Weber, die  am Literaturinstitu von Biel studierte und Daniil Charms, Aglaia Veterany und Nathalia Ginzburg, also auch sehr poetische Autoren, als ihre Vorbilder angibt, daß sie für das Buch länger keinen Verlag gefunden hat, weil es denen zu unfertig schien.

Jetzt ist es fertig und in dem wahrscheinlich eher kleinen „Limmat-Verlag“ erschienen, der mir auch die „unbekümmerten Anarchistinnen“ zugeschickt hat und es ist wirklich ein sehr beeindruckendes Buch und eines, wie man es vielleicht noch nicht sehr oft gelesen hat und es beginnt auch sehr beeindruckend.

Ich wünsche mir einen Urlaub voller Feuer und Fernweh und Bruno wünscht sich einen Alkohol!“, ist der Beginn und dann ziehen Anais, die Ich-Erzählerin, ihr jüngerer Bruder Bruno, der weise und intellektuelle mit der Mutter Maria los und sie landen auf einen Campingplatz.

Die Mutter nennt die Kinder „Meine Tierchen“ und das könnte auf der einen Seite abwertend klingen. Tiere spielen in dem Buch aber eine große Rolle und man merkt es gleich oder auch nicht, diese Mutter liebt ihre Kinder, auch wenn in dieser Beziehung, alles sehr ungewöhnlich ist.

Denn der kritische Bruno will  keinen Alkohol, die Mutter aber liebt einen Becher Wein, den sie auch trinkt und dann kommt noch ein Mann und führt die Mutter zum Tanzen aus. Sie wehrt sich zuerst, einigt sich dann auf einen Tanz und kommt nicht zurück, so daß die Kinder sie erst holen müßen.

Die Mutter ist, erfährt man etwas später, Bartänzerin und der Besitzer der Bar, Fred ist ihr Freund. Es kommen dann auch Kapitel, in denen die Mutter von ihren Schwangerschaften und wieder sehr poetisch von ihrer Lebe zu den Kindern spricht.

Aber ganz scheint sie das nicht zu schaffen, denn es kommt zu einem Besuch von einem Riesen, das ist, stellt sich heraus oder man kann es sich so deuten, ein Sozialarbeiter vom Jugendamt auf Hausbesuch, weil die Kinder nicht zur Schule gehen. Die Wohnung scheint auch vermüllt. So ganz einfach ist das durch die poetische Sprache nicht zu erkennen und gerade diesen Kontrast finde ich, die ich ja heuer schon einige Debuts gelesen und gehört habe, sehr ungewöhnlich und neu.

Die Mutter verschwindet dann auch, läßt die Kinder mit einem Brief zurück, daß sie zur Nachbarin gehen sollen, wenn sie was brauchen. Es kommt der Riese wieder, um die Kinder zu betreuen oder sie aus der Wohnung zu locken. Er bringt ihnen auch Essen und erzählt ihnen von seinen Kindern, was ein Sozialarbeiter wahrscheinlich normalerweise auch nicht so einfach tut und in dem Teil „Zeichnungen“ wird die Geschichte dann noch einmal in der Bildersprache nacherzählt.

Spannend, spannend dieses ungewöhnliche Debut und fast eine wenig an Michelle Steinbecks „Mein Vater war im Land ein Mann und ein Wasser ein Walfisch“ erinnernd, aber eigentlich viel weniger verstörend, obwohl das, was hier erzählt wird, auch nicht gerade lustig ist und bei „Amazon“ gibt es, und das ist auch sehr interessant, derzeit sowohl eine Einstern als auch eine Fünfstern Rezension, die Fünfsternrezension ist sehr genau und erzählt von den Unterschieden der beiden Kinder und dem Sinn des Buches, das ein Leben erzählt, in dem eigentlich gar nicht so viel Schönes passiert.

Die Einstern Rezension meint, das Buch wäre langweilig geschrieben, stimmt so ganz leicht zu verstehen ist es nicht und man muß sich wohl auch auf die poetische Sprache einlassen und die Realistin in mir schreit auch gleich, ganz so einfach ist es nicht.

Trotzdem bin ich von Julia Webers Bildern und Poetik sehr beeindruckt, denn einen Sozialarbeiter mit einem Riesen zu vergleichen, muß einer erst einmal einfallen und so würde ich sagen, daß manche Stellen, wie beispielsweise, der erste Satz oder die Riesenmetapher sehr beeindruckend sind, während manches vielleicht nicht so ganz einfach zu verstehen ist und, ob die schöne Sprache über eine triste Wirklichkeit hinwegtäuschen kann, ist wohl immer die Frage, obwohl ich zugeben muß, daß das Julia Weber beeindruckend gelungen ist.

 

Werbeanzeigen

2015-07-24

Sogar Papageien überleben uns

Weiter geht es mit dem Longlistenlesen, mit der russischen Literatur und um den Bachmannpreis geht es auch.

Die Longlist von 2010 war offenbar ein interessanter Jahrgang mit einigen sehr interessanten Neuentdeckungen und Namen, die ich dort das erste Mal hörte.

So ging es mir mit der 1962 bei Krasnojarsk geborenen Olga Martynova, die 1991 nach Deutschland zog und mit ihrem Mann, dem Lyriker Oleg Jurew in Frankfurt lebt.

Als ihr erster Roman 2010 bei „Droschl“ erschien, sagte mir der Name nichts, aber ich hatte mir damals ein Presseexemplar des Longlistenbüchleins bestellt, so hat er sich mir eingeprägt, dann habe ich die Autorin in der „Alten Schmiede“ gehört,als dort die „Manuskripte“, glaube ich, vorgestellt wurden, 2012 habe ich das Buch mit anderen Leseexemplare, beispielsweise das der Alina Bronsky, der anderen Russin, aber auch den ersten Langenegger, Sudabeh Mohafez „brennt“ und Lisa-Marie Dickreiters „Vom Atmen unterm Wasser“ bei diesen „Augustin Flohmarkt“ gekauft.

Leseexemplare aus der Buchhandlung Jeller höchstwahrscheinlich, zumindest war das beim Lorenz Langenegger so und bei den „Papageien“ ist es das auch, „Leseexemplar Erstverkaufstag 29. Jänner 2010“, steht vorne eingeklebt und hinten klebte ein Pickerl, das auf Anna Jellers Buchhandlung verwies.

2012 hat Olga Martynowa dann den Bachmannpreis gewonnen, ihr zweiter Roman heißt „Mörikes Schlüsselbein“ und den Gedichtband „Von Tschwiirk und Tschwirka“, habe ich einmal bei einem „Morawa-Abverkauf“ gefunden, als ich durch das Geschäft, wie ich das meistens mache, in die „Alte Schmiede“ ging und dort hat sie ein halbes Jahres früher auch den Gedichtband bei der „Poliversale“ vorgestellt.

Eine interessante und sehr sympathisch lächelnde Autorin und ein interessantes Buch, das deutlich zeigt, wie unterschiedlich russisches Schreiben sein kann. Denn Olga Martynova ist sicherlich die lyrischte der drei Autorinnen, die ich in den letzten Wochen gelesen habe.

Das Zitat stammt und das ist auch interessant oder auch nicht, denn Olga Martynova ist ja Germanistin von Joseph Roth und die Handlung des Buchs, Roman steht unter dem Titel und wahrscheinlich ist es auch ein sehr lyrischer, wird im Klappentext in einigen Sätzen, was dann das ganze Buch ausnimmt, so beschrieben:

„Marina stammt aus Petersburg und ist zu Besuch in Deutschland, wo sie bei einem Kongress über Daniil Charms und seinen Freundeskreis spricht. Außerdem ist da ein Mann, der in Leningrad Russisch studierte und mit dem sie damals, vor 20 Jahren, eine Liebesgeschichte erlebte.“

Das wird dann in sieben Teilen mit jeweils mehreren Kapiteln, die interessante Überschriften, wie „Der Zeifluss, das Zeitweib, die Bergvogelfrauen“ „Schuhschnabel in den Ruinen von Berlin“ oder „Deutsche Kaffeemaschine“ sehr lyrisch erzählt.

Dabei geht es in die Vergangenheit. Von Petersbrug nach Leningrad, beispielsweise oder sogar ins 5. Jhd vor Chr. Jedenfalls stehen vor den Kapitel jeweils immer die gleichen Jahreszahlen, bis ins Jahr 2006, wo das Buch wahrscheinlich geschrieben wurde und die Zahl in dem das Kapitel spielt ist dann fettumrandet.

Das habe ich nicht gleich begriffen, mir später aber so gedeutet und nun geht es zu den Kongreß über Daniil Charms, geht zu den Hotelfrühstücken, geht aber auch, in die jüdische Vergangenheit oder zur Verfolgung der Juden unter Stalin. Mit dem Geliebten geht die Ich-Erzählerin in den Zoo von Leningrad aber auch in den von Berlin und erzählt schöne Geschichten und die läßt sie sich auch von ihren Studenten, denen sie beispielsweise eine Textstelle von Wilhelm Genanzino gibt und darauf vertrauend, daß die studenten den Originaltext nicht kennen, die Geschichte weiterschreiben und nach dem originellsten Einfall forscht.

Es geht aber auch um den „Weihnachtsschmuck zu  Silvester“, um den deutschen Kaffee, um Singer Nähmaschinen und um viele schöne Bilder und Metapher mit denen wie im Klappentext und im Nachwort steht, das „zwanzigste Jahrhundert in einem ungewöhnlichen Bilderbogen erzählt wird.

So kommt die Belagerung Leningrads an Hand der Katzenfelle von Antonias Großmutter vor, ebenso wird die Geschichte der Potemkinischen Dörfer neu erzählt und während man bei der Tagung über die Bachmann Juroren schimpft, der Dichter Fodor, der schon fünf Jahre keine Gedichte mehr geschrieben hat, eine Rolle spielt und Marina von ihren Reisen nach Sibirien und Rom erzählt, geht es immer wieder in die Literatur in die von Joseph Roth und auch in die von Thomas Bernhard.

„In der Joseph Roth Diele in der Potsdamerstraße, zitiert Marina aus einem der Roth Bücher das titelgebende Zitat  und beginnt Hand zu lesen „im bräunlichen Licht der Joseph Roth Diele, das antiquarisch schien, als hätte man die geräucherte und von Kaffeedünsten getränkte Luft des alten Wien in Plastiktüten hierher gebracht und über den Schachbrettboden gestreut, kakanische Luft,wie sie in der Literatur beschrieben wurde, wer weiß wie und ob sie tatsächlich so war“, wunderschöne lyrische Prosa Skizzen, die dieses Jahrhundert und den Sprung von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück nacherzählen.

Sprachräusche, die auch die Geschichte erfassen, die Realität der Leningrader Belagerung, das Entsetzen der wenigen überlebenden Juden aus der Ukraine und das, was die Realistin in der Literatur sucht und selber vielleicht doch nicht so gut kann.

„In einem Roman“, so lauten auch die letzten Sätze „wird das Leben beschrieben, da läuft angeblich die Zeit, aber sie hat nichts gemeines mit der wirklichen Zeit, da gibt es keine Ablösung des Tages durch die Nacht, da entsinnt man sich spielerisch beinah des ganzen Lebens, während du dich in der Wirklichkeit kaum an den gestrigen Tag erinnern kannst.

Der einzige seinem Prinzip nach richtige Roman ist von mir. Aber er ist schlecht geschrieben.“

Das glaube ich nun nicht und bin auf auf den zweiten Roman, den ich erst finden muß und den Gedichtband sehr gespannt.

2015-06-25

Vom Mandelbaum-Verlag in die Alte Schmiede

Heute hat es ja einen ganzen Veranstaltungsreigen zur Auswahl gegeben und dann hat mich gestern noch der Alfred darauf aufmerksam gemacht, daß es beim „Mandelbaum-Verlag“ in der Wipplingerstraße, einen Abverkauf mit Schmankerln und was zu trinken gibt und so bin ich vom „Rundum gsund – Vernetzungstreffen“ in der Wiener Gebietskrankenkassa in die Wipplingerstraße aufgebrochen, wo ich fast den Eingang nicht gefunden habe, denn das Haus Nummer dreiundzwanzig, ist ja bei der Brücke mit der Stiege und als ich die letzten Male dort war, bin ich glaube ich, unten hineingegangen.

Diesmal ging es durch den Hausflur und einer mit einer Bierflasche in der Hand, hat mir auch den Weg gewiesen, drinnen war es dann ein wenig verwirrend, zumindestest sagte mir die Dame, ich sonst beim „Perutz-Preis“ treffe, man würde hier sehr allein gelassen.

Es gab einen Tisch mit Büchern, dann die in den Regalen und um einen anderen Tisch, wo es Brot, Aufstrich, Kuchen etc gab, saßen ein paar Leute.

Der Verlagsleiter Michael Baiculescu, Elfi Resch, etc, Bier und Weißwein hat es auch gegeben, die Rotweinflasche war noch zu und Eva Geber, die ja auch ein paar Bücher im Verlag hat, ist später gekommen.

So habe ich mich bei den Büchern umgesehen, der Verlag weist sich auf seiner Seite als Sachbuchverlag aus und will keine Romanmanuskripte, meine „Wiener Verhältnisse“ habe ich ihm mal hingeschickt und die Ruth hat mir erzählt, Michael Baiculescu hätte sie in Leipzig darauf angesprochen und gemeint, daß es sich überlegt, es zu machen.

Es ist aber nichts daraus geworden und ich habe auf meine schüchterne Anfrage keine Antwort bekommen, so wurde es mein erstes „Digi-Buch“, das mir der Alfred 2000 zum Geburtstag „schenkte“ und ein paar literarische Sachen habe ich in den Regalen schon gesehen, so gab es ein Büchlein mit Mayröcker-Texten und eines mit denen von H.C.Artmann und die Rede der Marlene Streeruwitz auf Bertha von Suttner gab es auch, etc.

Es waren aber keine Preise auf den Büchern angeschrieben, so habe ich ein paar Brotscheiben und zwei Stück Kuchen gegessen, mich mit den Leuten, die ich kannte, unterhalten, einem Sachbuchautor zugehört und bin dann in Richtung „Alte Schmiede“ aufgebrochen, wo ja Friedrich Achleitner, die Veranstaltung vom 9. 3., die offensichtlich ausgefallen ist, nachholte.

Wieder sehr viele Leute in der „Alten Schmiede“ und fast alle Plätze besetzt, es wurde auch nach oben in den anderen Raum übertragen und interessant ist, bei der letzten Veranstaltung, wo es so voll war, bei der „Weltbefragung“, wo es um die Wahrheit ging, sagte Konrad Paul Liessmann, man müßte sich darauf verlassen können, daß die Leute die Wahrheit an und führte als Beispiel an, daß Kurt Neumann nicht einfach sagen könne, heute findet eine Veranstatlung statt und dann steht man vor der verschlossenen Tür, weil er weiß, daß, wenn er das dreimal macht, keine Leute mehr kommen.

Nun das ist mir schon passiert, bei Paul Nizon und dann bei Peter Henisch und Albert Drach, das letzte Mal bei Helmuth Schönauer, bei der Achleitner-Veranstaltung bin ich im März aber nicht gewesen und jetzt habe ich noch einen Platz in der dritten Reihe bekommen, Peter Rosei und Gerhard Jaschke die Hand gegeben, Bernhard Fetz der Leiter des Literaturmuseums ist ein paar Plätze neben mir gesessen, Herbert J. Wimmer war, da Brigitta Falkner und und viele Leute, die ich gar nicht oder nicht mit Namen kannte und Kurt Neumann leitete ein, daß es jetzt schon der fünft Kurzprosaband des 1930 geborenen Architekten und Mitglied der „Wiener Gruppe“ sei.

2003 sind die „einschlafgeschichten“ erschienen, 2004 die „wiener linien“ 2006 „und oder oder und“, 2009 „der springende punkt“, alles bei Zsolnay und jetzt der füfte Band das „wortgesindel“ und meinte, daß das eine besondere Leistung sei, obwohl Friedrich Achleitner wahrscheinlich sagen würde, daß ihm das einfach passiert sei und daß es sich so ergeben hätte.

Es wären Sprachspiele mit der Form und dem Inhalt und ganz kurze Texte, die alle hintergründig sind, Märchen, Fabeln, Briefe, Bewerbungen, etc und dann kamen auch schon die Textbeispiele der experimentellen Achleitner- Kurzprosa.

„Grenzen des Denkens“, ein Gespräch, war der erste Text, dann ging es um die Bewerbung eines Steines, der sich wünschte irgendwo, aber nicht irgendwo, schon an einem besonderen Ort aufgestellt zu werden und eine Fliege und eine Mücken huschen über einen Fernsehschirm und machen sich Gedanken über die Menschen.  Ein Mann wird von einem anderen in der U-Bahn Station angesprochen und für einen Raucher gehalten, obwohl er das gar nicht ist.

In der“ Hospitalisierung“ ging es um das Gespräch zweier Patienten in einem Krankenhaus, die als „Niere“ und „Schenkelhalsbruch“ von den Ärzten und den Schwestern angesprochen werden, im Gasthaus heißen sie dann  „Kalbsgulasch“ oder „Putenschnitzel“.

Ganz schön hintergründig, die Achleitnerischen Sprachbasteleien, die von Kurt Neumann zwischen Daniil Charms und Karl Valentin eingeordnet wurden.

Bei den „Träumen“ hat er sich  einige Male versprochen, was auf die Freudschen Abwehrmechanismen hindeuten konnte und dann gab es noch zwei Gespräche nach der Lesung, eine deutsche und eine österreichische Variante, wo das Publikum den Autor nach seinen Einfällen fragt.

„Und wie ist das nun mit den wortgesindel?“

„Dazu ist mir nichts eingefallen!“, las der Autor und es gab einen tobenden nicht endenwollenden Applaus.

„Buch kaufen und signieren lassen!“, forderte Kurz Neumann auf, was auch einige Leute taten, so daß sich beim Ausgang eine lange Schlange bildete, aber ich bin vorher wieder beim „Morawa-Abverkauf“ fündig geworden.

Clemens Meyer „Im Stein“, Alina Bronsky „Spiegelkind“, Alfred Paul Schmidt „Das andere Gestern“, Christoph W. Bauer „In einer Bar unter dem Meer“, eine sehr schöne Mischung, um  zehn Euro, wie ich finde, jetzt muß ich das alles lesen, von Friedrich Achleitner, habe ich, glaube ich, keinen der erwähnten Bände, war aber wahrscheinlich bei einigen Lesungen und  Elisabeth Reicharts „Das vergessene Lächeln der Amaterasu“ gab es in dem Bücherregal, im Twin Tower, neben der WGKK am Wiener Berg auch zu finden, so daß ich bestimmt keinen Lesenotstand habe, weil ich wegen meiner elendslangen Leseliste von „Deuticke“ und „Zsolnay“ keine Rezensionsexemplare bekomme, aber manchmal bei den „Hanser“ Gewinnspielen etwas gewinne.

2015-01-26

Barockes in der Alten Schmiede

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:07

Alexander Nitzberg kenne ich seit zwei Jahren, Christel Fallenstein hat ihn mir im „Wien Museum“ beim „Fest für Ernst Jandl“ als begabten jungen Russen vorgestellt, dann habe ich ihn in der „Alten Schmiede“ Daniil Charms rezitieren gehört und „Den Meister und Margarita“ hat er auch neu übersetzt und bei einer der „Buch-Wien“ vorgestellt, da habe ich zwar die alte Fassung im Schrank gefunden und gelesen, den Dichter aber zu seiner Neuübersetzung befragt und ihn auch sonst immer wieder bei Lesungen im Publikums gesehen.

Und jetzt gab es wieder etwas von dem 1969 in Moskau geborenen, der seit 2010 in Wien lebt in der „Alten Schmiede“, sogar zwei Abende mit je zwei Veranstaltungen bzw. zwei Themenschwerpunkten, nämlich sowohl  Vorlesungen zu Literatur als auch Stunden der literarischen Erleuchtung, beziehungsweise ein Großgedicht von Daniel Caspar von Lohenstein  1635-1683 „Venus“ und weil das offenbar ein Barockdichter war, gab es in der „Alten Schmiede“ auch die entsprechende Ausstattung von Raja Schwahn-Reichmann, nämlich Engerln, Putten, nackte Frauen mit puren Busen und purer Lebenslust und Raja Schwahn-Reichmann habe ich auch kürzlich in einem Film gesehen, bzw. einen Film über sie, in dem es über die Augarten-Besetzung ging und da ist sie auch in barocker Ausstattung und winkend am ersten Mail über den Rathausplatz gezogen und hat den entsetzt dreinschauenden Bürgermeister Häupl fröhlich zugewinkt.

Jetzt hat sie die auf den ersten Blick vielleicht ein wenig kitschig wirkenden Dekorationen, sie macht Ausstattungen für das Wiener Stadt Fest oder den Life Ball und beschäftigt sich mit barocker Ausstattung, in der „Alten Schmiede“ aufgereiht und das ist für das literarische Quartier vielleicht genauso ungewöhnlich, wie die barocke Dichtkunst überhaupt und ich habe, ich gebe es zu von Daniel Caspar von Lohenstein noch nie etwas gehört und denn ersten Abend überhaupt versäumt, denn da wurde die „Jenny“ im Literaturhaus vorgestellt, Alexander Nitzberg versicherte aber in der Einleitung, daß das nichts machte, weil er erstens den Inhalt des ersten Teiles kurz wiedergab und zweitens meinte, daß man das ohnehin am Anfang, in der Mitte, am Ende oder je nach Belieben hören konnte.

Am ersten Abend hat er zuerst eine Einleitung über den Dichter gegeben und dann mit dem ersten Teil begonnen, jetzt gab es den zweiten und den dritten und dazwischen eine Pause mit einem barocken Buffet, das wahrscheinlich ebenfalls so liebevoll und sinnlich von Raja Schwahn-Reichmann hergestellt wurde, nämlich Etageren mit bestrichenen Salzstangerlschnitten und dann noch Krapfen und Schokotorte, Käse, Kartottensticks und Tomaten für die Vegetarier gab es auch.

Es gab auch, das ist ebenfalls interessant eine von Ralph Klever herausgegebene Neuauflage des Langgedichtes und das, das über die Liebe, von den schönen Frauen, von der Venus, Mars, aber auch von Geschlechtkrankheiten und dem Blut das bei der Entjungferung fließt und den Kindern die dann nach neun Monden kommen, war durchaus interessant, denn ich hätte mir nicht gedacht, daß in einem Barockgedicht über die Liebe, Geschlechtskrankheiten thematisiert würden „als ob die Gräuel vorher nicht gewesen“, im Beschreibungstext steht etwas, das Lohenberg inzwischen wegen seiner „schwülstigen Metaphern, falschen Gedanken, gezwungene Künsteleyen, erzwungene Spitzfindigkeiten,etc, in Vergessenheit geraten ist und man nun nur mehr Andreas Gryphius kennen würde.“

Nun mir hat es gefallen und ich habe es durchaus frisch und interessant empfunden und wenn das so weiter geht, wird sich die an sich prüde Eva in eine Erotik-Expertin verwandeln, habe ich doch erst vorigen Donnerstag, eine Dichterin mit ebenfalls russischer Abstammung in die erotischen Chaträume folgen können und einen erotischen Liebesroman aus dem „Cupido-Verlag“ habe ich dazwischen auch gelesen.

Es ist aber interessant und man lernt nie aus, obwohl man ja schon ein wenig weiß, daß nackte Brüste und heiße Künste die Männer sehr entzücken können, im Barock und auch heute.

Alexander Nitzberg hat das entsprechend rezitiert und sehr viel Applaus bekommen und die „Alte Schmiede“ war auch recht voll mit bekannten und unbekannten Gesichtern. So war wieder Christel Fallenstein da und die Stammbesucherin, die ich auch damals bei dem ÖVP-Sommerfest, wo mit dem Buffet nicht so freizügig umgegangen wurde, getroffen habe.

2011-02-08

Zauberkunst

Filed under: Uncategorized — jancak @ 12:41

Zauberkunststücke in der Alte Schmiede und die Wiener Experimentellen Szene sitzt im Publikum.
Als ich am 15. Jänner im Wien Museum beim Fest für Ernst Jandl war, hat mir Christel Fallenstein einen rundlichen schwarzgekleideten russischen Dichter gezeigt „Das ist Alexander Nitzberg!“und mich gefragt, ob ich bei seiner Lesung in der Alten Schmiede war?
War ich nicht und ich hatte diesen Namen auch noch nicht gehört, da ich aber eine eifrige Literaturliebhaberin bin, ist mir der Name im Februarprogramm der Alten Schmiede aufgefallen: Alexander Nitzberg rezitiert zweisprachig aus dem von ihm neu übersetzten Gedichtband „Sieben Zehntel eines Kopfes“ von Daniil Charms und kommentiert den zeitgleich erschienen Prosaband „Trinken Sie Essig, meine Herren“ und ich beschloß in die Alte Schmiede zu fahren, da ich um sechs noch eine Stunde hatte.
So erreichte ich das literarische Quartier wiedermal sehr spät, huschte an Brigitta Falkner vorbei, setzte mich auf eine der Stufen und sah den schwarzgekleideten Dichter von einem beigen Mantel umhüllt im Saal stehen und etwas rezitieren, das mich zuerst an Goethes „Faust“ erinnerte.
Denn ich muß es gestehen, ich habe noch nie etwas von Daniil Charms gehört, inzwischen aber nachgegooglet, daß Daniil Ivanovitsch Juvantschov 1905 in St. Petersburg geboren, 1942 in einer Leningrader Gefängnispsychiatrie verhungert, ein unter verschiedenen Pseudonymen, darunter Charms, schreibender dadaistischer Dichter war, der zu seinen Lebzeiten nur zwei Gedichte für Erwachsene veröffentlichen konnte.
Jetzt gibt es eine von Vladimir Glozer und Alexander Nitzberg herausgegebene Werkausgabe in vier Bänden im Galiani Verlag und der 1969 in Moskau geborene Alexander Nitzberg, der in Deutschland Klavier, Germanistik und Philosophie studierte, ist auch ein großartiger Rezitator und machte aus den Kinder- Wissenschafts- Liebes- und Akolyptischen Gedichten eine Zaubershow mit einem roten Tüchlein, das seinen Händen entschwand, in seinem Mund auftauchte u.s.w.u.s.f.
Die in der Sowetunion verbotenenen Gedichte haben einen absurden Charme, scheinen, wie ich Wikipedia entnehme, lustig, wo sie traurig sind und viele Wortwiederholungen, die eindrucksvoll dargeboten wurden.
„Ich schloß den Band voll hoher Kunst
und saß den ganzen Tag mit offenen Mund
von fünfzehn Versen las ich drei
schon war die Leselust vorbei
Dazwischen schlug der Rezitator ein Buch auf, zauberte die Buchstaben weg und wieder her und die Wiener Experimentellen Szene, Lisa Fritsch, Herbert J. Wimmer, Liesl Ujvary, Briigitte Falkner, Margret Kreidl etc saß auf den Bänken oder am Boden und hörte andächtig zu.
Ein bißchen russisch war dabei, das als Orignaltext angekündigte Gedicht war aber auf Deutsch, denn das hat Daniil Charms, erklärte Alexander Nitzberg mit Berliner Akzent fließend gesprochen, es fallen bei den Kindergedichten auch immer wieder deutsche Namen auf.
Ich kenne mich in der Dada-Szene ja nicht so aus, die Gedichte, die mich zuerst an Goethes Faust denken ließen, haben mich später an Ringelnatz und Morgenstern erinnert und sie waren wirklich hervorragend vorgetragen.
Mit Christel Fallenberg, die auch anwesend war, habe ich beim Büchertisch, als ich die beiden schon erschienenen Bände durchblätterte, die zwei weiteren werden noch 2011 erscheinen, gesprochen und heute auch ein Mail von ihr bekommen, habe ich sie ja gefragt, ob sie den Text zur „Absturzgefahr“ schreiben will. Daraus wird wohl nichts, aber es war ein interessanter Abend und eine Begegnung mit zwei interessanten Dichtern, über die ich mir jetzt ein bißchen was ergooglet habe.
Alexander Nitzberg wird ab April auch, wie Kurt Neumann in seinem Schlußwort erklärte, eine eigene Lesereihe in der Alten Schmiede haben, die Einleitung habe ich leider versäumt, aber trotzdem einiges erfahren, was ich noch nicht wußte.

2014-07-07

Ins Sommerloch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:14

Eigentlich habe ich den Sonntagnachmittag wieder der Normalität, sprich dem Korrigieren von „Brüderschaft“, damit es endlich an die Druckerei gehen kann, widmen wollen, dann twitterte Nadine Kegele von einem „Sound und Literaturfestival“ im Museumsquartier, wo auch ihre Texte gelesen werden würden und ich habe umdisponiert.
Im Museumsquartier gibt es nämlich nicht nur die „O-Töne“, die am Donnerstag beginnen und den „Ohrenschmaus“ sondern auch die „Textlichtreihe“, das sind die kleinen Büchlein von meist jungen meist experimentellen Autoren aus dem „Atelierverlag“ und die kann man sich in der Literaturpassage aus einem Automaten ziehen, was inzwischen die deutsche Bloggerszene ein bißchen bewegt und die verbanden am Sonntagnachmittag Literatur und Musik und begannen um drei Uhr mit „Pom Pom Pommergranate“, das sind drei Junge Frauen, im Klosterhof, die sangen und performten und dazu in der ersten Staffel einen Nadine Kegele Text, sie dürfte ja in Klagenfurt sein, mitlaufen ließen, den sie zuerst fast vergessen hatten.
„Kennst du das Wetter im wilden Westen, frage ich, das Wetter im wilden Westen ist immer der Tod.“
Dann folgte eine junge Amerikanerin, die erklärte einen Deutschkurs besucht zu haben, Texte von Flo Staffelmayr performierte, sich wunderte, daß in Deutschland nach dem Krieg alles so friedlich sei, Kaugummis verteilte und erklärte, daß man sein Glück selbst in der Hand hätte und nicht so negativ schauen solle.
Auch sehr interessant, in der dritten Staffel kam der „Dreisatz“, das heißt jeder konnte auf die Bühne, drei Sätze aufsagen und die jungen Frauen sangen und spielten dazu.
Eva Schörkhuber, die im „Testlicht“ einen Band herausgegeben hat und später an die Reihe kam, tat das und noch ein paar andere.
Es war sehr heiß im Klosterhof, so daß die aufgestellten rosa Stühle ziemlich leer blieben und die Leute in den Schatten flüchteten
Elena Meisner wurde von Birgit Michlmayer am Schlagzeug begleitet und las aus ihrem in der „Edition Atelier“ erschienenen Roman, in dem es um die Direktorin des heeresgeschichtlichen Museums geht.
Eva Schörkhuber, die ich vom Volksstimmefest kenne stellte ihren Band „Die Blickfängerin“ vor.
Dann kam die mir unbekannte Natalie Deewaan mit einer Textperformance und Thomas Ballhausen wurde von einem Grammphon mit großen Trichter und alten Schellakplatten begleitet, die ihn ein bißchen zu irritieren schienen.
Interessant in der Sommerhitze, die Musik mit dem Sound zu verbinden, es gab einen Büchertisch, wo man die Werke der „Edition Atelier“ kaufen konnte und Claudia Tondls Erzählung „Fensterfummeln“, die wie der Moderator erklärte aus dem Theater kommt, war besonders interessant.
Eine Erzählung in achtundreißig Bildern, wo ein Mann im Liegestuhl sich ausziehen und mit Sonnencreme einreiben will, er wird aber von einem Bautrupp gestört, der ihn in ein Schaufenster stellt, es kommt eine Stripperin und noch einiges anderes und am Schluß ist es dann wieder fast so wie es war.
Antonia Rahofer die von Bernhard Geigl begleitet wurde, hatte Gedichte und dann folgte Richard Schubert mit seinem Lexikon des Bösen“ das im „Standard“ exclusiv besporochen wurde, aber, glaube ich, nicht bei Atelier erschienen ist und wo er interessante Erklärungen der Begriffe Rassismus, Ketschup, etc gab. Ketschap ist die Tomatenform des Daniel Glattauer und so und der „Lebensabschnittpartner“, der der einen anderen auffrißt oder von ihm aufgefressen wird.
Dann folgten noch eine Interpreation von Daniils Charms Texten und Ulrike Schmitzer, die ich schon in der „Gesellschaft für Literatur“ hörte, ich ging aber auf den Karlsplatz zum „Kino unter Sternen“ und dort war es im Vorprogramm auch sehr literarisch, stellte doch Olaf Möller die Lesevorlieben von Michael Glawogger vor, er hat Stifter sehr gern gelesen und las einige seiner Texte, die im nächsten Jahr in einem Buch erscheinen werden.
Dann kam der Film „Die Ameisenstraße“ aus dem Jahr 1995 mit Robert Meyer und Bibiane Zeller, den ich, glaube ich, schon gesehen habe und irgendwie vielleicht auch zu Claudia Tondls Erzählung passt, ging es darum ja um ein Haus, in dem auch sehr bizarre und verrückte Dinge passierten.

2013-05-26

Der Meister und Margarita

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:47

Nun kommt ein weiteres Schmankerl bzw. Bildungslücke aus dem offenen Bücherschrank, nämlich Michail Bulgakows „Der Meister und Margarita“ in der Übersetzung von Thomas Reschke, mit literaturgeschichtlichen Anmerkungen von Ralf Schröder. Der russische Lyriker Alexander Nitzberg hat es im vorigen Jahr neuübersetzt und wurde damit für den Leipziger Buchpreis nominiert. Ich habe im Ex Libris gehört, daß die Neuübersetzung lyrischer sein soll, Alexander Nitzberg hat auch auf der Buch-Wien daraus gelesen.
Mir gefällt das Buch und auch die Übersetzung und denke, daß ich, wenn Russisch meine Muttersprache wäre, auch die Originalausgabe lesen würde, aber sei es darum, das Buch wurde damit wieder in das öffentliche Bewußtsein gebracht und es ist sicher ein Klassiker, den man, egal in welcher Ausgabe, gelesen haben sollte.
Vielleicht finde ich einmal das Nitzberg-Buch, dann kann ichs vergleichen und ein Stück aus dem „Meister“ habe ich ja schon im Vorjahr während unserer Sechsländerreise in einer der Hauptverbandgeschenkausgaben gelesen.
Michail Bulgakov, 1891 im russischen Kaiserreich geboren, 1940 in Moskau SU gestorben, gilt als großer Satiriker, hat den Meister ab 1928 geschrieben, 1940 seiner Frau die letzte Fassung kurz vor seinem Tod diktiert.Erschienen ist es erst 1966 in zensurierter Form und ein Klassiker geworden.
Das Haus in dem Bulgakow wohnte, kommt in dem Roman vor und ich kann das Lesen, egal in welcher Fassung, sehr empfehlen, denn es ist ein wahrhaft köstliches Buch.
Da gehen zwei Literaten in Moskau spazieren, wollen sich bei einer Bude ein Bier kaufen, es gibt aber nur Aprikosensprudel und begegnen dem Teufel, sprich einem Ausländer, der fragt sie nach Gott und der Welt aus, erzählt von einem Gespräch mit Pilatus und sagt dem einen, daß ihm von einer Frau der Kopf abgetrennt werden, dem anderen eine Schizophrenie voraus.
Er hat auch einen Begleiter, Sekretär oder Dolmetscher und eine Katze, die selbständig Straßenbahn fährt und als sie der eine dann die Polizei oder Rettung holen will, passiert das Vorausgesagte, die Straßenbahn rollt über ihn hinweg und ich dachte Doderer hätte den ersten Straßenbahnunfall der Literaturgeschichte beschrieben, aber vielleicht war er mit seiner „Strudelhofstiege“ früher dran.
Der andere nimmt eine Kerze und eine Ikone und jagt in Unterhosen zur Schriftstellerversammlung, wird auf die Psychiatrie gebracht und der Teufel quartiert sich in Berliozs, das ist der mit dem abgetrennten Kopf, Wohnung ein, die er mit einem Varietedirektor teilt, der am Morgen betrunken aufwacht, sich an nichts erinnern kann und vom Teufel einen Imbiß samt Wodka serviert bekommt, der erzählt ihm von einer schwarzen Show, die er mit ihm abgemacht hat, die Plakate sind schon gedruckt und versetzt ihn dann nach Jalta und als der Vorsitzende der Wohngenossenschaft in die versiegelte Wohnung kommt, wird ihm vom Sekretär ein Schmiergeld, sowie ein Vertrag zugesteckt, verhaftet wegen Valuta im Spülkasten wird er kurz später ebenfalls und der Teufel läßt nicht nach auch den Vorstand des Varietes zu ärgern, in der am Abend die schwarze Magie des Ausländers Voland gezeigt werden soll.
Während in der äußerst komfortablen Psychiatrie Prof Strawinskis, in der Nachts blaue statt der weißen Lämpchen brennen, der Lyriker Iwan Besdomny von einem Mitpatienten, dem Meister, der einen Roman über Pilatus geschrieben hat und darob den Verstand verlor, Besuch bekam, spielt sich im Varietetheater das wahre Leben ab, sprich eine Vorstellung von schwarzer Magie, wo den Besucher zehn Rubelscheine in die Taschen gezaubert werden, die Damen ihre Kleider gegen französische Couture tauschen und später im Unterhöschen auf der Straße stehen, dem Conferencier Bengalski von der Katze der Kopf abgebissen wird und der darob, obwohl er ihm wieder aufgesetzt wurde, den Verstand verlor, so daß er genauso zu Prof Strawinski kommt, wie vorher schon der Leiter der Wohngenossenschaft mit den Devisen in der Klomuschel.
Am nächsten Tag verschwindet sämtliches Personal des Varietetheaters, die Leute denen die zehn Rubelscheine gegeben wurden, finden statt ihnen nur wertloses Papier vor und um die Wohnung Nummer fünfzig, in der der Magier mit seinem Assistenten und seiner Katze eingezogen ist, ist auch ein großes Geriß.
Im zweiten Teil lernen wir Margarita kennen, das ist eine dreißigjährige verheiratete Frau mit einer fünf Zimmer Luxuswohnung, die in der Nacht von ihrem verlorenen Geliebten träumt, dann schenkt sie ihrem Hausmädchen Natascha Strümpfe und Parfum und mahnt sie nicht so abergläubisch zu sein und den Erzählungen der anderen Dienstmädchen über die Varieteevorstellung zu glauben und geht spazieren, trifft einen der teuflischen Assistenten, der ihr ein Döschen gibt, mit dessen Inhalt sie sich um zehn Uhr abends nackt einreiben soll. Sie tut es, wird zur Hexe und fliegt über die Dächer Moskaus, zertrümmert die Wohnung des Kritikers, der den Roman ihres Liebsten, dem Meister, verrissen hat und Natascha, die sich ebenfalls an der Creme bediente und die den Nachbarn zum Eber verwandelt hat, trifft sie auch.
Der Teufel macht Margarita zu seiner Königin und lädt sie zu einem Ball, wo sie drei Stunden im Stiegenhaus des Hauses Nummer fünfzig zu stehen und alle Mörder, Betrüger und sonstig hingerichtet und verstorbenen Gauner freudig zu begrüßen hat. Dafür darf sie sich als Belohnung ihren Meister wünschen und fliegt mit ihm, dem Teufel und seinem Gefolge davon. Kapitel aus dem Roman des Meisters gibt es zwischendurch auch immer zu lesen und im Schlußkapitel das Resultat des Untersuchungsergebnisses, um den Spuk der die aufgeklärte Stadt Moskau überfallen hat, aufzuklären. Es waren Hypnotiseure, die die Moskauer hineinlegten. Am Ende geht das Haus Nummer fünfzig und noch einiges andere in Flammen auf und die Protagonisten leben mehr oder weniger munter weiter.
Ein herrlich satirischer Roman, der mir bisher entgangen ist. Alexander Nitzberg hat, wie ich hörte, inzwischen noch ein anderes Bulgakovschen Werk übersetzt und eine Satire, die Andrej Kurkow, viel später über das stalinistische Moskau geschrieben hat, habe ich vor einem Jahr auch gelesen.

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.