Literaturgefluester

2012-06-30

Sprachkunstabschluss und Fest für Robert Schindel

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:39

Daß am Freitag im Literaturhaus etwas über die Lesarten der Sprachkunst ist, hatte ich in meinem Kalender notiert. Es ist bei uns, weil der Alfred seinen Vater in der Rehab besuchen, in St. Pölten einkaufen und Rasen mähen muß, momentan aber ein wenig hektisch, so daß wir eigentlich am Abend nach Harland fahren wollten, dann hörte ich am Donnerstag aber das Morgenjournal und erfuhr dort einige sehr interessante Sachen.
Nämlich Robert Schindel zieht sich als Professor vom Institut für Sprachkunst zurück, um sich endlich wieder seiner Literatur zu widmen oder in Pension zu gehen, beide Versionen habe ich gehört. Ferdinand Schmatz wird sein Nachfolger werden und die ersten Absolventen schließen ihr Studium mit dem Bachelor ab. Grund genug ein großes Fest zu feiern. Meistens gibts zu Saisonschluß und zu Saisonbeginn ein solches im Literaturhaus n und da ich diesen Hochschullehrgang vom Beginn, seit Cornelia Travnicek im August oder September 2009 bloggte, daß man sie dort wegen Überqualifizierung nicht genommen hat, verfolge, bei den Studentenlesungen, dem Symposium für Sprachkunst und auch bei einigen der Lesartveranstaltungen war, wo bekannte Dichter eingeladen wurden, intensiv verfolgte und auch für das Literaturgeflüster darüber berichten wollte, habe ich umdisponiert und dem Alfred überredet, daß wir erst fahren, wenn ich das Buffet halbwegs „leergegessen“ habe. So war es dann auch und so bin ich seit längerem wieder einmal im Literaturhaus gewesen und war auch noch so früh daran, daß außer Robert Huez noch nicht viele Leute anwesend waren.
„Ich werde wieder bloggen!“, habe ich ihm gesagt und er hat mir „Freut mich!“, geantwortet, was mich wieder freute, weil ich ja am Mittwoch etwas anderes hören konnte, wurde da mein Blog sehr aggressiv gefunden, was mich einigermaßen verwirrte, denn das ist er, glaube ich zumindestens, nicht.
Nach und nach sind die Besucher eingetroffen, darunter eine Schweizer Autorin, die auch am Montag bei den Reitzer Textvorstellungen in der Alten Schmiede war und mich nach der Friederike Mayröcker Lesung fragte, die am Donnerstag war und die ich leider versäumte, weil ich Donnerstags einen Abendklienten habe.
Die Prominenz, die Lehrer und Lehrerinnen der Sprachkunst sind ebenfalls eingetroffen und ein mir unbekannter sehr würdevoll aussehender älterer Herr.
Robert Huez begrüßte, dann kam der Rektor der Angewandten und der ehemalige Bundesminister Scholten, der mir, als ich einmal bei einer Preisverleihung von Robert Menasse, im Literatur war, die Hand gab, in meinem Text, den ich nicht bei dem gleichnamigen GAV-Symposium „Was schreiben was tun!“, vorgetragen habe, habe ich darüber geschrieben.
Rudolf Scholten bekannte sich als Freund von Robert Schindel, verriet seine Leidenschaft fürs Pilzesammeln und fürs Gorgonzolaessen und der alte Herr entpuppte sich als ein Sektionschef Roul Kneucker und der enthüllte die Geschichte des Lehrgangs für Sprachkunst. Robert Schindel hat sich seit 2000, glaube ich, sehr dafür eingesetzt. Ab 2005 gab es dann Arbeitsgruppe und Pläne, das in Heidenreichstein anzusiedeln, denn dort ist ja die „Literatur im Nebel“, die offenbar auch von Robert Schindel gegründet wurde. Dann kam der neue Institutsvorstand, der experimentelle Dichter Ferdinand Schmatz und der gab ein paar Punkte an, die für Robert Schindel wichtig sind und dokumentierte das in seinen und auch in einem Schindel Gedicht.
Gustav Ernst hatte zwei Dialoge, die, wie er meinte, für das Institut passend seien. Einer ging um das Singen in der U-Bahn, das der eine will und der andere nicht. Barbara Hundegger, die Lyrikerin las zwei frühe Gedichte, die ein sehr geduldiger Lektor Schindel betreute und zwei letzte, eines ging über Berge. Barbara Hundegger ist ja eine Tirolerin. Dagmar Leupold hatte eine Fußballgeschichte und Lydia Mischkulnig erinnerte an die seligen Bachmannzeiten 1996, wo sie las und auch einen der Preise gewonnen hat. Robert Schindel damals noch nicht Juror, verfolgte das Geschehen in der Kantine und gratulierte ihr zu ihrem Preis und Doron Rabinovici erinnerte an die Waldheim-Zeiten, wo er sich mit Schindel im Cafe Alt-Wien getroffen hat. Dann kam Angelika Reitzer und die Studierenden überreichten ihren Lehrer eine Abschlußmappe mit ihren Texten. Blumen wurden auch überreicht und das Buffet eröffnet. Da habe ich mich, angesichts der mangelnden Zeit, getraut mich als erste zu bedienen, mich ein wenig mit Ludwig Laher unterhalten, der auch ein neues Buch hat und bin dann noch vor der Orhan Kipcak Band gegangen. Habe im Wortschatz am Margaretenplatz wieder einiges gefunden, was ich zum Teil schon hatte, so Peter Henischs „Eine sehr kleine Frau“ z.B. oder Roths „Hotel Savoy“, aber auch Adolf Haslingers Buch über den „Jungen Peter Handke“. Das wird den Peter Handke Spezialisten unter meinen Lesern höchstwahrscheinlich freuen. Apropos offener Bücherschrank, da gibts am Samstag ja die Abschlußlesung in der Grundsteingasse und da habe ich, als ich am Donnerstag zum Klinischen Mittag ging, zufällig Frank Gassner getroffen, der mir sagte, daß Dagmar Fischer, eine der Gewinnerinnen ist, die länger lesen darf und noch etwas Erfreuliches habe ich für die Sprachkunstinteressierten meiner Leserschaft, zu berichten, was zum Thema passt. Thomas Wollinger bietet eine kleine Online-Schreibwerkstatt an. Da habe ich mich sowohl, als Schreibende als auch als Kommentierende beteiligt und dabei prompt etwas über meine Schreibweise erfahren, obwohl ich mir, da ich am Freitag meine Abrechnung machen mußte, gar nicht die erforderlichen fünfundvierzig Minuten Zeit genommen habe. Das Bild hat mich in seiner „Unwirklichkeit“, eine Frau mit Hut und einem Stäbchen in einer Baugruppe sehr gehemmt, so daß mir das einsteigen und das losgfabulieren gar nicht leicht gefallen und ein halb theoretischer Text daraus geworden ist, was auch viel über mein Schreiben sagt und jetzt hätte ich fast das Wichtigste vergessen. Robert Schindel hat nämlich auch gelesen und zwar aus seinem neuen noch unveröffentlichten Roman und das ist auch sehr interessant, geht es da nämlich, um das Mahnmahl bei der Albertin, um den Bürgermeister und einen rabiaten Bildhauer, der natürlich nicht Hrdlicka heißt, eine Kulturstadträtin etc und ich dachte mir, das ist genauso geschrieben, wie ich es gerne tue und immer höre, daß man so auf gar keinen Fall schreiben kann. Es wurde aber sehr geklatscht. Robert Schindels Kultroman „Gebürtig“ habe ich übrigens auch einmal im Wortschatz gefunden und freu mich auf das Lesen.

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2017-04-24

Lyrikfestival dichterloh

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:38
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Dichterloh, das Lyrikkurzfestival in der „Alten Schmiede“, von Michael Hammerschmid kuratiert, das sich mit der „Polyversale“ abwechselt, gibt es jetzt zum zweiten Mal.

Dann gibt es ja noch die „DichtFeste“ im literarischen Quartier, die von Christine Huber kuratiert werden und so kann man in Wien eigentlich ganz schön in Sachen Lyrik auftanken, Neues kennenlernen und das Festival, das heute  begonnen hat und sich über die ganze Woche hinüberziehen wird, war auch gut besucht.

Margit Heumann, Petra Ganglbauer, saßen hinter mir und wollten von mir wissen, wie es mir den ginge. Christl Greller, die unermüdliche, ist weiter hinten gesessen und und und…

Michael Hammerschmid hat dann auch eingeleitet von der Bedeutung der Lyrik gesprochen, welchen Wert sie habe und wie sehr, die Sprache einen oder eine über die Mittelmäßigkeit erheben kann und hat dann Ferdinand Schmatz den Sprachkunstleiter vorgestellt, der mit einem Essay begonnen hat.

„Weiter bauen“ hat der geheißen und mit Ernst Jandl begonnen.

„Um ein Gedicht zu beginnen habe ich…., habe ich nicht“, hat der einmal gesagt oder geschrieben und Gottfried Benn meinte, daß „das Gedicht oft fertig wäre, ehe der Dichter das weiß.“

Schöne Sätze und sehr lyrisch ausgedrückt, oftmals wiederholt und ein eigenes, ein Schmatz Zitat ist auch vorgekommen, dann wurden noch einige andere Dichter zitiert, bevor es mit dem ersten bei „Droschl“ erschienenen Lyrikband „Impressum langsames Licht“, der 1946 in der slowakei geborenen und in Zürich lebenden Ilma Rakusa weiterging, der wie Michael Hammerschmid einleitete, in den verschiedensten Städten Prag, Odessa, Berlin und in der persischen Wüste spielt und in sieben Teilen untergegliedert ist und sehr poetisch füge ich hinzu, nicht experimentell, sondern ein angenehm sanftes Sprachbad mit sehr schönen Wendungen und dann kamen die beiden Oberösterreicher Hans Echhorn und Erwin Einzinger, die zusammen ein Langgedicht geschrieben haben, das „Herbstsonate“ heißt und in der „Edition Sommerfrische“ erschienen ist, was ein wirklich schöner Name, für einen Verlag ist, wie ich gleich anmerken möchte.

Sie haben es auch zusammen vorgelesen und dazu erwähnt, daß sie oft gar nicht mehr wüßten, welche Zeilen von wem geschrieben worden wären und, daß das Dichten sehr viel Spaß gemacht hätte.

Das Resultat war dann sehr prosaisch und gar nicht so poetisch, aber Michael Hammerschmid merkte in seiner Verabschiedung auch an, daß man sehen könne, wie unterschiedlich und vielfältig Lyrik sei.

Am Mittwoch, Donnerstag und Freitag geht es weiter, an den ersten beiden Tagen in der „Alten Schmiede“, dann im „Institut für sprachkunst“, weil das auch ein paar Studenten zu Wort kommen werden und Michael Hammerschmid forderte zum Wiederkommen und auch zum Bücherkaufen und Selberlesen auf.

Aber da habe ich schon andere Programmpunkte in meinen Terminkalender vorgemerkt, die vielleicht ein wenig weniger lyrischer sind, was aber insofern nicht viel macht, da mir heute Bernd Schuchter, den neuen Lyrikband von Cornelia Travnicek „Parablüh“ geschickt hat, in dem sie sich mit Sylvia Plath beschäftigt, beziehungsweise mit ihr Monologe führt.

2016-10-03

Von Marlene Streeruwitz-Vorlesung zum Dicht-Fest-Fragment

Mit dem Veranstaltungsdilemma geht es lustig weiter, denn am Wochenende hat mir E.A.Richter ein Mail geschickt und mich zu seiner „Dicht-Fest-Lesung“ in der“Alten Schmiede“ eingeladen, die hatte ich im Programm zwar dick angestrichen, aber doch geplant ins „Literaturmuseum“ zu gehen um mir Marlene Streeruwitz Vorlesung zur österreichischen Literatur mit dem schönen Titel „Frozen“ anzuhören.

Ich bin ja kein wirklicher Streeruwitz-Fan und verstehe auch nicht alle ihrer komplizierten Schlußfolgerungen, habe aber, dem „Wortschatz“ am Margaretenplatz sei Dank schon einige ihrer Bücher gelesen, war bei einigen ihrer Veranstaltungen, im vorigen Sommer gab es zwei Geburtstagsbücher von ihr und jetzt zu der sehr komplizierten politischen Situation in der wir momentatn Leben, wieder einen „Wahlroman“ auf ihrer Seite, wo man jeden Donnerstag ein Kapitel lesen kann.

Sie hat auch ein neues Buch geschrieben, diesmal eines, das nicht auf der LL steht, weder auf der deutschen noch auf der österreichischen, das also fast an mir vorbei gegangen wäre, wenn es nicht gestern in „Ex Libris“ vorgestellt worden wäre und bei der „Vorlesung“ hat sie auch ein Kapitel daraus gelesen.

Der heutige Tag war bezüglich meiner Praxis sehr intensiv und dann bin ich auch noch aufgestanden und habe gedacht, ich muß jetzt die Lesung für mein literarisches Geburtstagsfest, es ist der dreiundsechzigste, organisieren und die Lesenden einladen.

Lidio Mosca Bustamente hat mich ja schon vor ein paar Wochen in der „Alten Schmiede“ deshalb angesprochen und gesagt, daß er gerne lesen will, er fährt allerdings Anfang Oktober zu einer Lesung nach New York, was mich ein wenig berunruhigt hat, daß ich ihn dann während meiner Planungs-und Aussendungsphase nicht erreichen kann.

Ich konnte aber, denn er fliegt erst übermorgen und die Ruth habe ich schon bei der „Poet Night“ angefragt, sie kann aber am 11. 11. nicht, denn da hat ihre Enkeltochter in Linz Maturaball und die Hilde Schmölzer, die auch sehr gerne bei mir liest, hat eine „Lesetheaterprobe“.

Also blieben noch Doris Kloimstein, die schon sehr lange nicht mehr bei mir gelesen hat, Gloria G.und der liebe Rudi übrig und den habe ich am Abend dann auch in der „Alten Schmiede“ gesehen, aber langsam und schön der Reihe nach, damit meine Kritiker nicht wieder mahnen, ich würde nur „unverständliches Zeug“ bloggen.

Die 1950 in Baden geborene Marlene Streeruwitz ist aber auch sehr kompliziert und nicht besonders leicht zu verstehen und sie erwähnte in ihre Einleitung auch, sie würde mit dem Alter immer radikaler werden.

Ihr Vortrag bezog sich dann auf die katholische Kirche und ihre stregen Riten, sowie auf den Eventcharakter, den beispielsweise die Disney Filme haben und einer heißt „Frozen“ und bezieht sich auf Andersen „Eiskönigin“ und Marlene Streeruwitz bezog das auf das österreichische Klima, das ja auch schon sehr durchfroren ist.

Das politische ist es allenthalben, beim literarischen weiß ich nicht so recht, Marlene Streeruwitz forderte jedenfalls einen demokratischen Roman und das finde ich ein wenig schwierig, diese Kriterien bei der momentanten Gegenwartsliterautur zu überpüfen.

Der Vortrag war jedenfalls sehr interessant, dann gab es noch eine längere Diskussion, wo diesmal jeder Fragen stellen konnte und dann ein Kapitel aus dem neuen Roman „Yseut“, den ich auch sehr interessant finde und gerne lesen würde, wenn ich nicht schon eine so elendlange Leseliste haben würde. Aber vielleicht kommt er einmal zu mir.

Yseut heißt jedenfalls Isolde und die Heldin wurde von ihrem Vater so genannt, die Mutter hätte ja lieber eine kleine Eleonore gehabt und die kleine Yseut scheint auch eine sehr selbstbewußte Person zu sein, die einen interessanten Vater hat, der ihr ein rotgoldenes Buch zu lesen gibt und der Roman spielt, habe ich gestern in „Ex Libris“ gerade noch gehört, bevor wir bei der Sophienalpe aus dem Auto ausstiegen, um zur Mostalm zu wandern, in einer Zukunft, wo es kein Geld mehr gibt und alle überwacht werden.

Yseut reist aber trotzdem nach Italien, allerdings nicht in dem vorgelesenen Kapitel und, als die Veranstaltung aus war, hatte ich schon beschlossen, zum „Dicht Fest“ in die „Alte Schmiede“ ein Glas Wein trinken zu gehen, denn das gibt es ja dort nach dieser Veranstaltung und wer sich jetzt darüber aufregt, dem weise ich darauf hin, daß ich bei der letzten „Dicht -Fest -Veranstaltung“, Anfang des Jahres nur am Anfang, sozusagen zum Aufwärmen war, weil ich mich nachher mit dem Alfred, der Anna und dem Anna in einem Restaurant getroffen habe und das Glas Wein versäumte.

Das holte ich also hiermit nach und Konstantin Kaiser, der mich auch schon vor längerer Zeit zu dieser Veranstaltung eingeladen hat, habe ich auch noch gehört, einen Teil seiner Kindheitserinnerungen jedenfalls, die mich in ihrer Intensität, sie handeltn von toten Katzen, die eingefrogen bei den Mistkübeln liegen, sehr beeindruckt haben.

E.. A. Richter hat zufälligerweise, als letzter gelesen, also habe ich sein Manuskript „Dating Project“ auch noch gehört und dann gab es das Glas Wein und Knabbereien und ein Gespräch mit dem lieben Rudi,  Sonja Frank war da und hat mir eine Einladung zu ihren Veranstaltungen gegeben, Ilse Kilic, die neue Verza Canetti Preisträgerin, Gustav Ernst, Robert Schindel und Ralph Klever, der mir freundlicherweise die Anthologie zur Literaturvermittlungsenquette „Zwischen Schreiben und Lesen“ zur Verfügung stellte.

Die Lesungen von  Birgit Müller-Wieland, Waltraud Haas, Monika Vasik und Richard Wall habe ich zwar versäumt, aber letzteren habe ich ja vor kurzem in der „Gesellschaft für Literatur“ gehört und man kann ja auch nicht überall gleichzeitig sein und für morgen, das kann ich gleich anmerken, gibt es auch Terminkollisissionen, nämlich Evelyn Grill in der „Gesellschaft“ und Peter Henisch in der „Alten Schmiede.

2011-06-30

Dicht-Fest in der Alten Schmiede

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:49

Wieder einmal gab es in der Alten Schmiede, die von Chrstine Huber moderierte „Dicht-Fest“ – Veranstaltung und diesmal wurden unter anderen Dietmar Füssel, Stephan Eibel Erzberg und Jani Oswald vorgestellt, Grund genug hinzugehen, noch dazu da mir Dietmar Füssel, an dessen monatlichen Gewinnspielen ich mich ja immer eifrig beteilige, seinen neuen Gedichtband bringen wollte, da ich beim letzten Mal eine Literaturzeitschrift doppelt gewonnen habe. Also habe ich Dietmar Füssel zugesagt und bin erst dann daraufgekommen, daß am 30. 6. das ÖAAG-Supervisionstreffen ist, zu dem ich hingehen sollte. Dann wurde das Treffen aber abgesagt, worüber sich die Kollegen freuten und zum Heurigen etc gehen wollten und ich nur bedauerte, daß es gleichzeitig im Literaturhaus eine Lesart der Sprachkunst mit Gustav Ernst, Barbara Hundegger, Lydia Mischkulnig, Doron Rabinovici, Robert Schindel, Franz Schuh und Sabine Scholl, gab, in der Kettenbrückengasse ein Straßenfest, im Museumsquartier das zehnjährige Jubiläum gefeiert und außerdem eine Plakatausstellung der Wienbibliothek eröffnet wurde, habe Dietmar Füssel aber wieder zugesagt, die beiden Log-Hefte eingepackt und ging, nachdem ich mit meiner Abrechnung schon früher fertig war, um fünf aus dem Haus, um ein bißchen in der Kettenbrückengasse und im Museumsquartier schnuppern zu können. Da war das Wetter allerdings nicht mehr so für den lauen Heurigenabend geeignet, sondern recht windig und im Museumsquartier wurden gelbe Regenpelerinen ausgeteilt, es spielte aber schon die erste Band. Bei den Getränkeplakaten der Sechzigerjahre habe ich auch kurz hineingeschaut. Das Sinalco aber versäumt, weil ich pünktlich in die Alte Schmiede kommen wollen und das war eine sehr interessante Lesung, hat Christine Huber da ja sechs unterschiedliche Texte ausgesucht, so daß das gesamte Spektrum des zeitgenössischen Lyrikschaffens abgedeckt war. Zwar fehlten die Lyrikerinnen, war es doch eine reine Männerlesung, ich habe aber zwei mir bisher unbekannte Dichter kennengelernt. So hat der 1937 geborene Südtiroler Autor Luis Stefan Stecher mit seinen Gedichten in Vintschger Mundart „Korrnrlieder“ begonnen und die waren gar nicht so schwer verständlich. Dann folgte der 1968 geborene Peter Enzinger mit seinen noch unveröffentlichen „Unikaten“ und das war ein moderner flotter Lyrikton, der von Paris erzählte und davon dichtete, daß er „Elke Erb unter dem Kopfpolster“ haben würde. Der Dritte vor der Pause war der 1958 geborene Oberösterreicher Dietmar Füssel und der stellte seine lateinamerikanischen Liebesgedichte „Leidenschaft“ vor, die er dem lateinamerikanischen Ton nachempfunden hat und dafür sogar nach Kuba gefahren ist. Er spielte dazwischen auch Musik damit „der Stolz, die Anmut und die Leidenschaftlichkeit lateinamerikanischer Liebeslieder“ so richtig herauskommen konnte. Nach der Pause trat der Kärntner Slowene Jani Oswald mit seinen bei Drava erschienen „Andante Mizzi“ auf, das zweisprachig geschrieben und wie eine Symphonie komponiert ist und im vorigen Jahr in Ex Libris vorgestellt wurde. Jani Oswald habe ich einmal bei einer „Freiheit des Wortes“-Veranstaltung, die Gösta Maier in Villach organisierte gehört und da war, kann ich mich erinnern, der Alfred so begeistert, daß er sich gleich ein Buch von ihm bestellte. Und Stephan Eibel Erzberg kenne ich natürlich auch sehr gut und habe von ihm, wie auch von Dietmar Füssel die meisten seiner Bücher. Den vorgestellten Gedichtband aber nicht, da „Licht aus“ zwar im April bei styriabooks erscheinen hätte sollen. Stefan Eibel Erzberg erzählte in seiner speziellen Art aber launig, wieso es dazu noch nicht gekommen ist. Denn da gab es offenbar eine Lesung, bei der zwei wichtige Männer anwesend waren, ein Presseredakteur, der ihm eine tägliche Gedichtkolumne anbot, aber zurückzog, als Stefan Eibel Erzberg in etwa „Mach auf die Beine, denn ich will zu dir eine“, dichtete und dann noch politisch wurde und der styriabook Verleger wollte einen Krimi, als Stefan Eibel Erzberg aber große Penise auf Kreuze, die dann gestohlen werden sollte, als Handlung anbot, entschied er sich doch für die Gedichte. Aber jetzt gibt es zu wenig Vorbestellungen, so daß ich auf das Buch noch warten muß. Alfred Gulden aus dem Saarland, kannte ich ebenfalls noch nicht. Er ist 1944 geboren, wollte aber zu seiner Biografie nichts sagen und stellte Balladen vor, die sehr konventionell geschrieben waren, aber trotzdem aktuelle Inhalte hatten und am Schluß kam noch ein Stückchen aus einem älteren Buch, das er 1980 in der Alten Schmiede vorgestellt hatte, in dem es in einem Kreuzgang gegen die Atomkraft ging. Also alles sehr spannend, es gab auch ein paar interessante Begegnungen und zum Abschluß für Interessierte das Dicht-FestArchiv.

2010-07-12

Froschfest und Schwitzkasten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:55

Heute wars am Karlsplatz literarisch, ging es doch um den von dem Canadier John Cook, 1978 gedrehten Film „Schwitzkasten“ nach der Romanvorlage „Das Froschfest“, von Helmut Zenker, die, wie Gustav Ernst, der im Vorprogramm auftrat aus dem Roman las und etwas über den Film erzählte, parallel entstanden ist.
Gustav Ernst hat nämlich in dem Film mitgespielt, gemeinsam mit Helmut Zenker je einen Polizisten, die die Hauptfigur Hermann Holub verhaften. Er hat auch sonst schon in drei Filmen einen Polizisten gespielt, hat er verraten und das ist eine klasse Sache, denn dann wird man von wirklichen Polizisten gegrüßt, wenn man in Uniform über die Straße geht. Der Canadier John Cook, der wie Helmut Zenker auch schon verstorben ist, hat den Blick auf Wien von außen auf den Film gebracht, der wie Gustav Ernst meinte, dem Film sehr gut tat.
Ansonsten scheinen Buch und Film sehr verschieden zu sein. Die Hauptdarsteller haben verschiedene Namen, Gustav Ernst hat aus dem Buch auch einige Stellen vorgelesen, die im Film nicht vorkommen und es gibt auch noch eine andere Buchvorlage, nämlich die 1974 erschienene Ezählung „Für einen wie dich“, gemeinsam mit Friedemann Bayer und dieser Friedemann Bayer scheint die Vorlage für Buch und Film zu sein. Nämlich der Paradeprolet, den sich die realistischen Schreiber der Siebzigerjahre für ihre Romanvorlagen wünschten und den sie auch gehörig ausnützten, um ihm aufs Maul zu schauen und natürlich umgekehrt. Geht es ja, glaube ich, auch in Peter Henischs „Der Mai ist vorbei“, um einen Proleten, der in die Dichter WG zieht und die Dichter mit seiner schwierigen Persönlichkeit überfordert. In dem Buch geht es auch um Psychiatrieerfahrungen und vorgetäuschte Selbstmordversuche. Im Film nicht, da schmeißt ein junger Mann seine Arbeit im Stadtgartenamt hin, wird daraufhin von seinen Eltern aus der Wohnung geworfen, gerät in eine Schlägerei, kommt zu einer Vorstrafe und geht zu seiner Freundin zurück, vor der er vorher flüchtete, die inzwischen von ihrem Chef schwanger ist, am Schluß heiraten sie und sitzen mit ihren beiden Trauzeugen allein am Standesamt.
Helmut Zenker und Gustav Ernst treten, wie erwähnt, als Polizisten auf und ein sehr schlanker Franz Schuh spielt den Dichter aus dem sozialistischen Gemeindebau, der dem Volk aufs Maul schauen will und den Helden zuerst auffordert, doch ruhig seine Freundin zu vögeln und das dann doch nicht will.
1978 habe ich studiert und sowohl meine ersten Steinhofbesuche, als auch Literaturerfahrungen gemacht, Gustav Ernst und Franz Schuh habe ich, glaube ich, noch nicht sehr gekannt, höchstens als Redakteure der Zeitschrift „Wespennest“. Den Roman „Einsame Klasse“ habe ich aber gelesen und 1980 hatte ich, glaube ich, die Literaturecklesung in der alten Schmiede, da waren Gustav Ernst und Marie Therese Kerschbaumer eingeladen zu meinen Texten was zu sagen und ich habe aus einer inzwischen verschollenen Erzählung gelesen, die ich geschrieben habe, als ich wahrscheinlich 1979, mit meiner damaligen Freundin Elfi in ihre Klagenfuter Wohnung gefahren bin. Ein paar Jahre später bin ich mit meiner anderen Freundin Monika Jensen, die voriges Jahr gestorben ist, in ihre Salzburger Wohnung gefahren. Wir haben autogestoppt und am Rückweg hat uns Helmut Zenker mitgenommen. Ich habe ihn erkannt und er hat uns erzählt, daß jetzt Lukas Resetatits den Kottan spielen wird.
2003 ist Helmut Zenker überraschend gestorben. Vorher haben wir einmal gemeinsam am Volksstimmefest gelesen und am Karlsplatz waren, wie immer sehr viele junge Leute, die 1978 noch nicht geboren waren.
Heute ist der realistische Wespennest Redakteur der Siebzigerjahre Gustav Ernst Lehrer bei der Leondinger Akademie für Literatur und dem Hochschullehrgang für Sprachkunst und hat gemeinsam mit Robert Schindel die Sprachkünstlerin Andrea Winkler für den nächsten Priessnitzpreis vorgeschlagen.

2018-06-22

Die Calamari warten

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:34
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Ich bin ja eine begierige Verfolgerin der Sprachkunstlesungen. Vom Anfang an und vielleicht schon vorher in der Entstehungsphase habe ich die Entwicklungen des Hochschulllehrganges für Sprachkunst verfolgt. War bei den Studentenlesungen, wie die ersten Jahresabschlußlesungen noch hießen, beim „Symposium für Sprachkunst“, beim Fest für Robert Schindel, dann ging der Lehrgang in die „Alte Schmiede“ und im Literaturhaus gibts jetzt jeweil zum Semesterende, je eine Veranstaltung mit einem speziellen Titel. Ich war, glaube ich, bei fast allen und einmal auch im Republikanischen Club, wo die Zwischenwelt ihre Sprachkunstlesung mit ihremLehrer Vladimir Vertlib hatte.

Heute hieß es also die „Calamari warten“, einmal habe ich einen Studenten nach der Bewandtheit der Titel gefragt, inzwischen lasse ich mich überraschen und es war der Jahrgang 2015/2016 dran, wo ich gerade Frieda Paris kannte, weil sie ja eine der Betreuerinnen von Christel Fallenstein ist und sie mich einmal auch bei den OTönen angesprochen hatte.

Das Literaturhaus sehr voll mit  Sprachkunststudenten und wahrscheinlich ganz wenig anderen Zuhörern, auch den Lehrkörper habe ich diesmal nicht gesehen.

Barbara Zwfelhofer leitete ein und wies auf die Sprachkunststudentin Anna Draxl hin, die sonst immer beim Ausschank ist, die die Veranstaltung organisierte.

Die las auch als erstes, zwei Texte mit kurzen schönen Sätzen, die ein bißćhen auf den Titel hindeuten könnten. Ging es beim Ersten doch um jemanden, der sowohl eine Fabrik, als auch das Geschehen in einem Schiff beobachtet und im anderen, um jemanden der Schiffe verleiht.

Die Calamari warten, denke ich also unterm Wasser und fangen die Körper ein, die sich dort nähern. Sie können aber auch auf den Tellern warten, in den Vierteln vielleicht, wo viele türken wohnen und wo auch Zitronen über die Straßen rollen, denn Muhamed Ali Bas, den ich, glaube ich,  schon mal gehört habe, hatte genau einen solchen Text.

Es ging um das „Heimatrecht, Alter!“ und um den Opa, der sich vielleicht ein solches in Anspruch nehmen könnte, aber sowohl keinen Parkschein, als auch keinen Behindertenausweis hat.

Dann folgte Katharina Pressl mit kurzen Textsequenzen und Stephan Langer mit zwei Strängen aus einem Theaterstück, wo es sowohl um die Protokollierung, als auch um Hunde ging und nach der Pause betrat Frieda Paris mit einem Sackerl die Bühne. Vorher hat sie einen Föhn aus ihm herausgenommen und nachher noch einige Sachen, wie einen Kamm, eine Kaffeemaschine etcetera auf den Tisch gestellt und immer wieder zwischen ihren Gedichtzeilen mit den Gegenständen hantiert.

Antonio Schachinger hatte auch einen sehr interessant über Ecuadorianer, die in Mexiko ihr Leben fristen und Stephan Manuel Eggenweber brachte, wie Antonio Schachinger ankündete einen autobiographischen Text, der war dann natürlich sehr verschlüßelt und handelte, wie Charlotte Roche Texte von vielen Körperflüßigkeiten. Es ging um Sprache und den Mund dabei. Zuerst war vomKörper die Rede, dann ging es zu einem Festbanquette, wo sechs Studenten oder Cateringkräfte, die Gäste einschloßen, während sie ihnen das Festmahl, die Süppchen und anderen Köstlichkeiten servieren und am Ende kotzen alle vor sich hin und waren fröhlich und wenn ich es recht verstanden habe, hat die neue Sprache dabei gesiegt.

2015-01-20

Westhang, schattig, herb im Abgang

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:45

Die Aktivitätren des „Instituts für Sprachkunst“ verfolge ich schon seit seinem Entstehen, im Herbst 2009, bzw. seit ich auf Cornelia Travniceks Blog gelesen habe, daß sie wegen Überqualifizierung nicht genommen wurde.

Damals habe ich mir die Teilnehmer des ersten Lehrgangs ausgedruckt, das konnte man damals noch, Sandra Gugic war dabei und Rhea Krcrlmarova und im Jänner darauf bin ich zum „Tag der offenen Tür“ der Angewandten gegangen, das heißt Marietta Böning, die die Pressearbeit macht, hat mich ein bißchen herumgeführt, habe Reha Krcmarova und einige andere lesen gehört.

Gustav Ernst hat mir das neueste „Wespennest“ geschenkt und Robert Schindel, glaube ich, mir einen Platz angeboten, 2011 gab es dann die erste „Studentenlesung“ im Literaturhaus, 2012 die zweite, dann hießen sie, glaube ich nicht mehr so oder ich hätte es übersehen?

2010 gab es auch Lesungen von berühmten Autoren wie Katja Langen Müller und Wilheilm Genanzino oder Terzia Mora, die sozusagen für die Studenten eingeaden wurden, ein „Symposium der Sprachkunst“ gab es auch und ein „Fest für Robert Schindel“ im Literaturhaus, als der sozusagen in Pension ging und das Institut Ferdinand Schmatz übergab.

Im Sommer gab es sowohl Veranstaltungen im Literaturhaus als auch in der „Alten Schmiede“, im Jahr davor, veranstaltete Esther Dischereit etwas mit ihren Studenten in der AS. Die Jenny I und II gibt es auch und wahrscheinlich eine Unzahl von anderen Veranstaltungen, bei denen ich nicht gewesen bin.

Kann man ja nicht überall sein, so ist mir die Reihe im „Buch und Beisl“, glaube ich, so ziemlich an mir vorbeigegangen und heuer präsentoierte sich der Jahrgang 2012 mit dem Titel „Westgang schattig, herb im Abgang“, um den Vergleich mit den Wein zu nehmen, wie ich mich bei dem Organisator erkundigte.

Vier Lesende, drei junge Frauen, ein junger Mann, nicht mehr der ganze Jahrgang also, dafür habe ich Christa Stippinger gleich beim Kommen gesehen, denn die Gewinner oder die Teilnehmer des „Exil-Literaturpreises“, studieren öfter Sprachkunst.

Ekatharina Haider hat das neben Sandra Gugic getan, von der jetzt ein Roman erschienen ist, der demnächst in der „Gesellschaft für Literatur“ vorgestellt werden wird und Didi Drobna, 1988 in Bratislava geboren, eine Teilnehmerin und Lesende des Jahrganges tat das ebenso, sie hat 2010 den „Exil Literaturpreis“ bekommen,  2012 hat sie den dritten Platz beim „Wortlaut“ gemacht und ihr Debutroman „Zwischen Schaumstoff“ ist Ende 2014 in der „Edition Exil“ erschienen.

Aus dem hat sie auch zwei Kapitel gelesen, deann kam Rhea Fenzl, 1992 geboren, die nicht gern Fenzl, sondern lieber Möbe heißen und es „sich und ihren Texten nicht leicht machen“ möchte.

Sie war vielleicht auch ein wenig aufgeregt, verbot sich das Fotografieren und las ein paar Gedichte und einige Prosastücke, dann folgte der einzige Mann, des Abends auf dem Podium, der 1992 in Klagenfurt geborene Mathias  Kropfitsch, der auch in der „Jenny“ einen Text hat, er las im stehen, einen sehr technischen Text, wo es in wahrscheinlich abgehackten Sätzen vom Einsatz von Facebook, Computer und anderer neuer Technik in das heutige Leben gang, fast ein bißchen Poetry Slam aber äußerst spannend und so fragte die vierte in der Runde, die 1990 in Amstetten geborene  Anna Stiegler, die außer Sprachkunst auch noch Jus studiert, wie sie nach alle den Vorlesern, krönender Abschluß sein könne?

Ihr Text, wo sich zwei in einem Cafe treffen, die Frau ein Online Ticket nach Lissabonn gebucht hat und ein alter Mann am Nebentisch mit seinem Zeitungsständer eine Vase umschmeißt, war aber auch sehr spannend und sehr artificel und während die jungen Leute, in den Ferien nach Berlin oder anderswohin gehen, kann ich noch vermelden, daß beim „Wartholz-Literaturpreis“, der jetzt ja  bald naht, diesmal Rhea  Krcmarova, die auch schon einen Roman veröffentlich hat, Katharina Luger, die ich von der Studentenlesung II kenne und dann noch Robert Prosser, der letzte Priessnitzpreisträger und Marlen Schachinger, die ich von ihrer Publikation bei Ruth Aspöck bzw. von der „Frauen lesen Frauen-Gruppen“ kenne und die es über ihre eigene Akademie und zwei Veröffentlichungen in den letzten Jahren, in den Literaturbetrieb geschafft hat, lesen werden.

Die anderen Ausgewählten kenne ich nicht und sollte Sandra Gugic Roman „Astronauten“ einmal zu mir kommen wird mich das freuen, denn sie kenne ich auch schon sehr lang und habe ihren Werdegang vom Exil-Literaturpreis aufwärts, ein bißchen verfolgt.

Es waren diesmal nicht so viele Leute im Publikum und von den Professoren nur Ferdinand Schmatz, aber interessant und zu empfehlen ist der akademische Werdegang der jungen Leute und die Frage, ob man schreiben jetzt lernen kann oder doch nicht, wahrscheinlich immer noch.

Interessant  ist vielleicht auch noch zu erwähnen, daß die Lesung unserer Schrebegruppe am 6. März im „Amerlinghaus“ den Titel „Westbahn spontan“ hat, weil wir uns ja immer im Cafe Ludwig in der Westbahnstraße getroffen haben und einige der Teilnehmer mit der Westbahn von St. Pölten angereist sind und ich manchmal nicht dorthin kommen konnte, weil ich mit dem Auto dorthin fuhr.

Bei dem gewaltigen Archiv, das man bei mir wahrscheinlich zielich einzigartig über den Hochschullehrgang finden kann, habe ich jetzt noch die „Zwischenweltlesung“ im Republikanischen Club vergessen, weil Vladimir Vertlib, ja auch, wie sehr viele andere österreichische Gegenwartsautoren zu den Lehrern des Instituts zählt und einige der Studenten eingeladen hat, in der „Zwischenwelt“ zu publizieren und ihre Texte bei einer eigenen Veranstaltung vorzulesen. Ja und im MUSa haben auch schon einige Studenten gelesen, bzw. von der Stadt Wien ein Stipendium bekommen.

2014-06-30

Ein eigenes Zimmer (mit Ausblick)

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:27

Und schon wieder Sprachkunst, die Veranstaltungen im Künstlerhaus habe ich zwar versäumt, hatte ich doch am Freitag meine eigene Lesung im „Werkl im Goethehof“ und am Samstag bin ich mit dem Alfred auf den Karlsplatz gegangen und habe mir den Dokumentarfilm zur Reihe „Willkommen in der Wirklichkeit“ mit Titel „Abendland“, Europa bei Nacht, wo man sehen konnte, wie Leichen verbrannt wurde, Reden gehalten und die Polizei sowohl trainiert als auch Demonstranten wegträgt, mit dem Alfred angesehen, aber heute gab der Dritte Jahrgang des Instituts seine Abschlußlesung und die Lesungen, beziehungsweise das Studium dort, interessiert mich ja, ich habe es schon geschrieben, obwohl ich sowohl Luis Stabauer als auch Judith Gruber-Rizy versprochen hatte, zu ihren „Textvorstellungen“ in die „Alten Schmiede“ zu gehen.
Ich bin an sich sehr konsequent im Einhalten meiner Versprechen, wenn sich mein Bauch aber meldet und sagt „Das war nicht das Richtige!“, reagiere ich darauf und entschuldige mich und das „Institut für Sprachkunst“ an der „Angewandten“ gibt es 2009.
Damals hat sich Cornelia Travnicek um die Aufnahme beworben, wurde als überqualifiziert abgelehnt, Sandra Gugic. wurde genommen, im Internet konnte man die Namen der Studenten finden, die gab es dann noch im zweiten Jahr, nachher nicht mehr.
Beim „Tag der offenen Tür“ Anfang 2010 bin ich dann hingegangen und habe Rhea Krcmarova lesen gehört, die jetzt, wie ich in einer Buchhandlung entdeckte, ein Buch herausgebracht hat.
Es gab das Symposium für Sprachkunst, die eingeladenen Gäste, die Studentenlesungen, wo ich, ich schreibe es nochmals JuSophie kennenlernte und mich mit ihr überwarf.
Es gab dann vor zwei Jahren auch das „Fest für Robert Schindel“, der sich als Professor verabschiedete, es gibt die „Jenny“ die mir Roland Grenl schickte und die einen Preis gewonnen hat und jetzt eine Menge von Abschlußveranstaltungen und da ich um sechs eine Stunde hatte und die Klientin sich auch verspätete, huschte ich gerade in das Literaturhaus hinein, als Barbara Zwiefelhofer mit ihrer Einleitung zu Ende kam. So habe ich nicht ganz mitbekommen, wie das mit dem Zimmer zu verstehen ist, sie erwähnte aber Virginia Woolf und das bei dieser Lesung die Frauenquote übererfüllt ist und im Text steht etwas von „Möbel umgestellt, aussortiert und den neuen Märkten“.
Ich interpretiere mir das als Abschlußveranstaltung und zum Glück wurden diesmal die Namen auch erwähnt und einige wie Ekatharina Heider kenne ich auch schon, nur hat die nicht gelesen, aber Sophie Zehetmaier und Ina Ricarda Kolck-Thudt habe ich schon gehört und der Special Guest Rick Reuther, der neben mir saß, hat am Donnerstag gelesen.
Es begann dann gleich Ricarda Kolck-Thudt mit Gedichten, Alina Sarkissian folgte mit einem Familientreffen nach einem Begräbnis, wo sich die Protoagonistin wundert, daß es alle beim Leichenschmaus gierig zugreifen, dieses Aha-Erlebnis habe ich auch einmal gehabt und über Begräbnisse schreibe ich auch ganz gern und es hat mich auch gefreut, einen sehr realistischen Text, den man vielleicht ein wenig mit einem Schulaufsatz vergleichen könnte, zu hören. Dann kam Thassilio Hazold mit zwei Stellen aus einem Roman oder vielleicht seiner Abschlußarbeit, „Wenn das gut geht lese ich noch drei Gedichte!“, sagte er etwas flapsig. Es ist gut gegangen und in einer Stelle, kommt eine „Ursulahafte Frau“ vor, keine Ahnung was das ist, die etwas suchte und den Protagnonisten dabei um Hilfe bat.
Sophie Zehetmayer hatte durchnumerierte Gedichte zum Thema „Reibung und Rauheit“ und Afima Al-Dayaa „Dreizehn Phantasmen“ aus wahrscheinlich ebensovielen Nächten, wo sie durch mir durch ihre Sprachschöpfungen auffiel.
„Weil die Straßenbahnen, es ist gepfeffert, von unter Wasser betrachtet sind alle Vögel blau, wenn die Hoffnung baden geht, muß der Handschuh groß sein!“
Und so weiter und so fort, ein wahrscheinlich genauso großes Talent, wie die abwesende Ekatharina Heider, dann gabs eine Pause, wo sich die Studenten über ihre Abschlußarbeiten unterhielten und sich darüber wunderten, daß die Leute nur so kurz gelesen haben.
Es waren wieder fast ausschließend, bis auf eine alte Stammbesucherin, Studenten und Studentinnen da und nach der Pause kam Dominic Ivancic mit den zwei speziellen Gästen, die eine Szene aus seinem Theaterstück lasen, wo es darum ging, daß man sich in Zeiten, wie diesen, keine Kinder leisten könne und sich daher Gedankenübertragungen oder Erinnerungen aus Gehirnen extrahieren lasse. Die von Kindersoldaten und Mißbrauchsopfer sind sehr teuer und daher unbezahlbar, die von den Volksschülern und den Kindergartenkindern viel billiger, dafür aber auch langweiliger.
„Wow!“, kann ich da nur sagen und das galt auch für Anja Braunwieser, die ich auch schon mal hörte, die hatte einen sehr flapsigen Text von einer Socke, die von der Decke baumelt, einem Fotografen, der in Schützengräben liegt und Schamlippen fotografiert und über die verschiedenen Beziehungskrisen und prekären Nöten der Generation ninty, muß man wohl sagen.
Maria Oberrauch hatte einen Reisetext und Laura Wurm, auch die erscheint mir bekannt, ein Stück aus ihrer Abschlußarbeit, wo ein Henry in einen Garten zu einer Maria geht, die mit ihrem Vater dort wohnt, dem das nicht recht ist und der ihn für einen Marcel hält.
Wow, woe, wow, von welchen der Autoren ich was wohl noch hören werde, wer beim Bachmannpreis gewinnt und vielleicht demnächst im Musa liest oder vielleicht sogar einmal „Priessnitz. oder Veza Cannetti Preisträgerin“ wird?
Spannend, da zu fantasieren und vielleicht noch einmal die Feststellung, für die daran zweifeln, daß man das Schreiben natürlich lernen muß, früher vor dreißig, vierzig Jahren, hat man es im stillen Kämmerlein, durch das learning by doing gemacht. Dann kamen die Schreibschulen und hier hat man das Feedback und das Interesse der Gleichgesinnten, hat die Begleitung der Gegenwartsautoren, aber Professoren und Tutoren, wie Gustav Ernst, Vladimir Vertlib, etc waren diesmal keine da.
Dann bin ich noch zum Schrank gegangen, habe Laura Lee Shmiths „Palmherzen“ ein 2013, im Dumont erschienener Roman gefunden, der auf den Bloggerseiten, vor einem halben oder dreiviertel Jahr großes Aufsehen erregte, während die jetzt schon in den Herbstvorschauen wühlen, von denen ich noch ziemlich unbeleckt bin und vieles, was ich von den Frühlingserscheinungen wollte, nicht bekommen habe, aber ich habe ja keinen Lesenotstand, ganz im Gegenteil und diese Woche durch die „Sommerakademie des Instituts für jüdische Geschichte“ und dem Bachmannlesen, das am Donnerstag beginnt, auch besonders viel zu tun.

2014-01-03

Jenny

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:35

Im November hat mich Marietta Böning angemailt und mich zur Release-Party der neuesten Ausgabe der „Edition Angewandte“, ins „Celeste“ eingeladen, weil es da aber auch eine „Soundcloude“ gegeben hätte und gleichzeitig im Radiokulturhaus der „Franz Werfel Abend“ stattfand, habe ich gedacht, ich bin dafür nicht mehr jung genug, ins „Phil“ habe ich mich einmal zur Psäsentation des „FM-4-Preises“ auch nicht hineingetraut, dann hat mich aber Roland Grenl angeschrieben, der durch meinen Bericht zur zweiten Studentenlesung auf mich gestoßen ist und hat mir die „Jenny“, ein großes rosa Heft mit schöner blauer Schrift, man sieht, es ist von der „Angewandten“ kreiert, angeboten und zugeschickt.
Der Hochschullehrgang für Sprachkunst initiiert von Robert Schindel und Gustav Ernst, inzwischen wird er von Ferdinand Schmatz geleitet, hat mich ja immer schon interessiert.
Im ersten Jahr konnte man die Namen der Aufgenommen noch im Internet finden und ausdrucken, ich war dann auch beim „Tag der Offenen Tür“ und ließ mich von der GAV-Kollegin Marietta Böning, die dort die Pressearbeit macht, durch die Räume führen, dann bei zwei Studentenlesungen und das „Symposium für Sprachkunst“ und das „Fest für Robert Schindel“ es auch gegeben. Letzten Juni war dann eine Veranstaltung mit Esther Dischereit in der „Alten Schmiede“ und eine Publikation hat es, glaube ich, auch schon gegeben, die im Heiligenkreutzerhof vorgestellt wurde, aber da konnte ich nicht hingehen.
Jetzt also die „Jenny“ ein großes rosa sehr ästhetisch aussehendes Heft und man fragt sich wieso der Name und das Rätsel wird auch nicht so leicht aufgelöst, denn ein richtiges Vorwort, beziehungsweise eine Einleitung gibt es nicht. Nur ein paar kurze Worte von Ferdinand Schmatz am Klappentext, der da etwas von „Jenny Treibel“ schreibt, „die wüst lächelnd als Seeräuberin auf unsicheren Seen treibt“, was mir als Einleitung für einen Präsentationsband der Hochschule für Sprachkunst an sich zu wenig ist, da ich aber schon immer Büchersammlerin war und vielleicht auch nicht über ein so schlechtes Gedächtnis verfüge, weiß ich, daß „Frau Jenny Treibel“, ein kleines uraltes Büchlein von Theodor Fontane ist, das ich einmal, vor langer langer Zeit, irgendwo gefunden und in meinen Regalen aufgestellt habe.
„Denken. Behaupten. Großtun – Angewandte Literatur“, steht dann noch am Umschlag und darunter „Prosa“.
Der Umschlag ist vielschichtig und in seinen diversen Hüllen kann man Texte und Bilder finden. Dann gehts los mit „Turn of the lights“ kleine weiße Schrift auf dem so schönen blauen Hintergrund. Wie heißt diese Farbschattierung nur genau?
So gehts hinein in die Abteilungen, Lyrik, Prosa, Drama, und Essay, wo es die Texte der Studenten zu finden gibt, wo mir einige Namen bekannt erscheinen, einige nicht, was auch nicht sein kann, weil, wie noch irgendwo steht, auch Texte von anderen Hochschulen zu finden sind und Interviews über das Schreiben gibt es zwischendurch immer wieder auch.
„Extrablatt heißt mein Pferd“, steht groß in weiß auf blau in der Abteilung Lyrik, wo es Texte von Teresa Dopler gibt, von der noch zu erfahren ist, daß sie seit drei Jahren in Wien lebt und ausschließlich im Cafe Aida bei Kaffee mit Milch, Zucker und Schlagobers schreibt, was ich insbesondere sehr interessant finde, weil ich auch einmal so angefangen habe. In der Konditorei Aida bei einem kleinen Braunen und einer Kolatsche und manchmal von den Leuten dort gefragt wurde, was ich da schreibe?
Lyrik von Benjamin Quaderer, Ina Ricarda Kolek-Thudt und Bastian Schneider gibt es auch noch.
Dann gibts Prosa und die ist sehr experimentell.
So besteht Stefan Pointers Text „grenzen des guten geschmacks“ nur aus den Worten „lecker und keller“ und man darf weiterdenken oder Rätseln. Ich habe da an den Herrn Fritzl gedacht, weiß aber nicht, ob ich richtig liege.
Der 1989 in Felkirch geborene Benjamin Quaderer erzählt von „Unter Wölfen“ und Iris Gassenbauer 1987 geboren von „Sonnenblecken“.
Dann gibts das „Poetik Interview“ mit dem Professor an der Angewandten, Erst Strouhal über das „Schreiben der Jetztzeit“, wo es auch um Short Stories geht, die als „Königsklasse“ gelten, von den Lesern und den Verlagen aber nicht so angenommen werden, wo ich mich ja nicht ganz ausnehemen kann.
Aber ich habe mich schon gebessert und Judith Hermann gelesen. Die Alice Munro wird noch folgen.
Dramen lese ich eigentlich auch nicht so gerne aber einunddreißigjährige in NÖ geborene Roland Grenl hat ein solches geschrieben.
„Diebe“ heißt es, das habe ich zwar nicht ganz verstanden warum, geht es doch um einen Mann, der zu Beginn in einem Schrank sitzt, mit dem Rollstuhl in der Wohnung herumfährt und sich von seiner Ex besuchen läßt, die hat inzwischen einen anderen, der Pilot ist und Uniform trägt, einen Sohn gibt es auch, der hat Geburtstag und frißt sich an der Torte voll, so daß er nachher kotzt, wird von Heribert nach dem Sex seiner Mutter befragt und das „Diebe“ bezieht sich wahrscheinlich auf die gestohlenen Herzen und den Ehebruch.
Würde ich gerne mal im Theater sehen und schon wieder habe ich die Genre gewechselt. Dann gibts noch mal Prosa.
Da beschäftigt sich Ellen Wesemüller unter anderen mit „Oskar Maria Graf“ und Regina Dürig, die schon mal bei „Wartholz“ gewonnen hat, schreibt ein „Reisewörterbuch“.
Das zweite Poetik-Interview ist besonder witztig wird da nämlich Silas Schmidt von Johanna Wieser beim Haareschneiden über sein Studium der Buchkunst in der Burg Giebichstein befragt.
Dann kommt ein Essay übers Schreiben und da machen sich Johanna Kliem, Flemming Hededüs und Nils Treutlein Gedanken über den Zustand des heutigen Textproduzierens.
Sie beginnen da beim Bachmannpreis und den „Well done-Texten“, wie sie letztes Jahr dort benannt wurden. Dann kommen sie natürlich zu den Selbstpublishern und machen sich ihre Gedanken, wie das ist, wenn der Taxifahrer schon drei lustige Bücher geschrieben hat und die Altenpflegerin in Wiesbbaden Fantasy-Autorin ist.
Ich weiß nicht, ob das überheblich klingen sollte und habe als Herausgeberin von einundreißig selbstgemachten Büchern, die auch schon mal bei „Fischer-TB“ publiziert hat, so meine eigenen Gedanken und finde es schön, daß jetzt auch die schreiben und publizieren können, die beim Hochschullehrgang für Sprachkunst nicht zu den auserwählten Fünzehn gehören.
Tue das in meinen Blog und wenn ich dann beispielsweise über die „Studentenlesung II“ schreibe, kann es schon einmal passieren, daß ein „Orschloch“ den Text dann vertrottelt findet. Roland Grenl hat er aber offenbar gefallen und ich gehe weiter zum nächsten Textzitat „Die können sich glücklich schätzen, die genug Schaum haben.“
Das kann man so oder so verstehen. Prosa gibts dann noch von Jan Schillmöller, Laura Hinrichsmeyer und Juli Zucker und am Schluß die Autorenbiografien.
Roland Grenl hat mir noch geschrieben, daß es im Jänner oder Februar eine weitere „Anthologie-Präsentation“ geben wird. Vielleicht habe ich da Mut genug hinzugehen.
„Jenny, die Anthologie des Instituts für Sprachkunst an der Universät für angewandte Kunst Wien, versammelt Kommentare und polemische Stimmen, die sagen wie Literatur heute ist, und neue Texte aus der Sprachkunst und anderen Schreibinstituten, die zeigen, wie es sein kann“, steht noch am Buchrücken, wo ein schönes Mädchen über eine Stiege geht und jetzt habe ich es auch verstanden.

2013-11-28

Der Kalte

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:37

Nun kommt der zweite, große Schlüßelroman von Robert Schindel zum Geschehen in Österreich nach und vor 1945, zwanzig oder mehr Jahre nach „Gebürtig“ von dem ich schon beim Sprachkunstabschlußfest 2012 und „Fest für Robert Schindel“ ein Stück daraus hörte und der mir wegen seiner Realistik sehr gefallen hat. „Gebürtig“ war ja vielleicht ein bißchen sehr abgehoben, experimentell und lyrisch, der Lyriker Robert Schindel ist aber wahrscheinlich auch hier zu erkennen, beziehungsweise hat er sich in dem Schriftsteller Paul Hirschfeld, der im Cafe Zartl sitzt und aus dem Fenster sieht, selbst ein Denkmal gesetzt. Die Verleger und auch alle anderen kommen auf ihn zu und drängen ihn doch endlich den großen Roman zu schreiben.
Robert Schindel hat zwanzig oder mehr Jahre dazu gebraucht, beziehungsweise hat er ein Kapitel davon schon kurz nach „Gebürtig“ in den „Manuskripten“ erscheinen lassen, der Roman ist aber erst im März erschienen, jetzt lese ich bei „buecher.at“, hat er dafür den „Johann Beer-Preis“ bekommen und ich habe sehr lang an dem über sechshundert Seiten Roman gelesen, der in der Kritik, bei einem realistischen und Schlüßelroman, kann es ja nicht anders sein, schlecht weggekommen ist und habe mir beim Lesen auch nicht sehr leicht getan, obwohl ich die Geschehnisse in Österreich und Wien zwischen 1985 und 1989 ja kenne und hautnah miterlebt habe.
Hauptfigur ist der Auschwitz-Überlebene Edmund Fraul, der „Kalte“, der keine Gefühle zeigen kann, sich deshalb seiner Frau Rosa, die auch in Auschwitz war, einige Herzinfarkte erleidet, ihren Edmund aber um Jahre überleben soll, entfremdet und mit seinen Sohn Karl oder Karel, warum das, schrieb Daniela Strigl in einer der Rezensionen, der sich jetzt am Burgtheater erprobt, gab es auch Probleme, denn Edmund hat von seinem Sohn immer Männlichkeit und Bewehren verlangt, so daß Karl zu trinken anfing und seine Freundin Margit, eine Turnusärztin in der Rudolfstiftung mit der Schauspielerin Astrid von Gehlen, mit der in „Macbeth“ spielt, betrog.
Erinnern wir uns, ab 1986 war Claus Peymann Burgtheaterdirektor, der angeblich „Chance“ nicht Wienerisch aussprechen konnte, im Buch heißt er Schönn und wer das Vorbild für Edmund Fraul ist, habe ich nicht so genau herausbefunden, Simon Wiesenthal wird es nicht sein oder doch, vielleicht gibt es auch keines. Thomas Bernhard heißt Raimund Muthesius und wird von Direktor Schönn zu dem Stück „Vom Balkon“ beauftragt, das am 1. Oktober 1989, im sogenannten Bedenkjahr uraufgeführt und zu einem Skandal wurde, denn da regiert ja in der Hofburg Johann Wais und der tritt im Buch, nicht in Wirklichkeit am 23. Dezember 1989 zurück. Kurt Waldheim hat seine Amtszeit ausgestanden und ist danach nicht mehr zur Präsidentenwahl angetreten, ob er am 14. März 2003 gestorben ist, kann ich auf Anhieb jetzt nicht sagen, Robert Schindel läßt das Johann Wais so tun und ich habe die Zeit um die Waldheim-Kanditatur 1986, wo auch der Reaktorunfall von Tschernobyl war, wird in dem Buch nur kurz gestreift, sehr intensiv erlebt. 1987 bin ich ja von der HNO-Klinik weg und in die Freiberuflichkeit gegangen und habe sehr viel, auch Politisches geschrieben „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“ beispielsweise, das sich auch mit Präsidentschaftskanditatur beschäftigt, 1986 bin ich bei der GAV nicht aufgenommen worden, 1987 habe ich es dann geschafft und da gab es eine „Anti-Waldheimlesung“ im NIG im Hörsaal 1, wo noch Jutta oder war es schon Julian Schutting, den greisen Hans Weigel auf das Podium führte und ich ein Stück aus der Erzählung las, das dann Milo Dor in einer Anthologie veröffentlichte.
Die Gründung des „Republikanischen Clubs“ zu dieser Zeit und das „Andere Österreich“, die Demonstrationen am Stephansplatz, wo ich bei einigen war, mit dem hölzernen Pferd von Alfred Hrdlika bzw. Herbert Krieglach kommen auch in dem Buch vor.
Herbert Krieglach ist ein sehr chauvinistischer Künstler, der an seinem Mahnmal an der Albertina arbeitet und der Kulturstadträtin bzw. Bürgermeister Purr seine seine Entwürfe nicht zeigen will. Er geht sehr schlecht mit seinen Frauen um, die erste heißt Emmy, als die im Estherhazypark einen Schlaganfall erleidet, findet er sehr bald n Ersatz für sie, die in ihre Rolle schlüpft und die er genauso schlecht, wie sie behandelt.
Ich mag ja Schlüßelromane und probiere mich selber immer wieder an ihnen aus und es ist auch sehr spannend, die Zeit, die man erlebte, als Roman zu lesen. Wie das einem Norddeutschen oder jemand in hundert Jahren damit geht, weiß ich nicht. Für die gibts aber ein dickes Glossar im Anhang, wo alle Wienerischen Worte erklärt werden. Alle davon habe ich auch nicht verstanden und denke, daß man man sie im realen Wien von 2013 nicht zu hören bekommt, das Glossarlesen habe ich ausgelassen.
Edmund Fraul geht jedenfalls viel in Wien spazieren und erlebt in seinen Alpträumen, die schreckliche Zeit in Auschwitz immer wieder nach. Am Donaukanal trifft er dann einen schon verurteilten KZ-Mann, spielt mit ihm Schach, läßt sich das Essen von ihm bezahlen und sich „echten Auschwitz-Geschichten“ erzählen. Als der vor seiner Haustür einen Autounfall hat, wartet Fraul, den Begräbniszug ab, um dort nicht den F-lern, Jörg Heider wird im Buch Jupp Toplitzer genannt und ehemaligen SS-lern zu begegnen, geht allein ans Grab und fängt dort zu weinen.
Ob die Psychologie so richtig ist, weiß ich nicht, finde es aber spannend, daß es Robert Schindel auch von dieser Seite beleuchtet, denn natürlich gibt es Verdrängung und Gefühlsabspaltung, wenn man so etwas erlebt hat und natürlich war das Wien 1985-1989 noch mehr von ehemaligen und jüngeren Nazis als heute, wo die schon alle gestorben sind oder wahrscheinlich nicht mehr so leichtfüßig den Donaukanal hinuntermarschieren können, bevölkert und man hat manches auch nicht so, wie heute gewußt.
Ein spannender Roman über die Waldheim-Zeit, von dem ich inzwischen auch glaube, daß ihm wahrscheinlich ein bißchen unrecht getan wurde, obwohl ich mit gegen ihm demonstrierte, Thomas Bernhards „Heldenplatz“, das Peymann-Burgtheater etc.
Robert Schindel setzt es in einer Handlung an, so gibt es einen jungen Keyntz, das ist der Sohn eines berühmten Kammersängers, der gerade maturiert und dessen Freundin Dolly, als Waldheim die Wahl gewinnt, mit ihren Eltern nach Israel emigriert, seine Schwester ist jene Margit, die sich umbringt, als Karl Fraul sie betrügt.
Ob das realistische oder erfundene Handlungen sind, weiß ich nicht, das Buch ist aber spannend, wenn auch ein wenig langatmig zu lesen und ich denke, daß Paul Hirschfeld alias Robert Schindel, ein großartiger, wenn auch ein etwas derberer, als ich es beispielsweise tun würde, Roman über die zweite Republik und das Wien der Achtzigerjahren gelungen ist, den ich sehr gern und auch sehr lang gelesen habe, was meine Leseliste leider durcheinanderbringen wird.

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