Literaturgefluester

2011-07-24

Harry Rowohlt in St. Pölten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 07:24

Auch in St. Pölten gibt es einen Rathausplatz in dem im Sommer in Verbindung mit dem Cinema Paradiso und Kulinarik ab sechzehn Uhr open Air Filme laufen. Als wir noch nach Wien gependelt sind, waren wir öfter dort, die Akustik war aber nicht so gut und es war auch etwas schwierig, da ich in der Nacht nicht gerne Rad fahre. Seit wir wieder in Wien wohnen, gehe ich dort auf dem Rathausplatz bzw. auf den Karlsplatz ins Kino unter Sternen, was ja einfacher ist, am Samstag gab es aber, wie im Cinema Paradiso Programmheft steht eine besondere Sensation, nämlich „Kult-Literat Harry Rowohlt tritt mit seiner legendären Bühnen-Show im Open Air Kino in St. Pölten auf.“
Harry Rowohlt, der 1945 in Hamburg geboren wurde, ist der Sohn des Verlegers Ernst Rowohlt, hat Pu der Bär und Frank MC Courth übersetzt, eine Kolumne Pooh`s Corner in der „Zeit“, und tritt in der Fernsehserie „Lindenstraße“ als Obdachloser Harry auf, letzteres war mir als Nichtfernseherin nicht bekannt, ebenso nichtso sehr der Schauspieler und Rezitator, habe ich von meinen Zeitungslektüren ja eher den Schriftsteller und Übersetzer mitbekommen.
Alfred hat mich schon länger auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht, zwölf Euro Eintritt im Vorverkauf, vierzehn an der Abendkassa, bei Schlechtwetter findet die Veranstaltung im Kino statt, die ersten hundertzwanzig Tickets können dort hinein, alle anderen werden umgetauscht. wir haben uns erst gestern dazu entschlossen, geregnet hat es auch, so war es unklar, wie es mit den Karten wird, bzw. wieviele Leute sich im Raum St. Pölten für Harry Rowohlt interessieren.
„Die live-Auftritte genießen einen nahezu legendären Ruf, ein Großteil dieser Veranstaltungen ist bereits lange im Voraus ausverkauft“, lese ich in Wikipedia. Es war auch sehr voll im Kino, die Dame an der Kasse hat etwas von Stufenplätzen gesagt, wir haben eine Weile gewartet, dann reguläre Tickets mit freier Platzwahl bekommen, allerdings waren, als wir in den Saal gekommen sind, nur mehr ganz hinten zwei Plätze frei.
„Harry Rowohlts exzessive Solo-Bühnenauftritte dauern lang“, steht weiter in Wikipedia, „selten weniger als vier manchmal auch sechs Stunden“, die einleitende Dame sprach von zweimal siebzig Minuten mit einer Pause, die man, wie Harry Rowohlt ausführte, zum Bücherkaufen, zwei lagen bei der Kasse auf, pinkeln und zum Trinken nutzen könne und er unterbricht die Lesungen steht weiter „häufig für Kommentare zu den Texten, abwscheifende Bemerkungen, Anekdoten, autobiographische Erzählungen, Dialoge mit dem Publikum und vieles mehr“.
So war es auch, Harry Rowohlt erzählte, daß er schon einmal in der ehemaligen Synagoge gelesen hätte und im Zug, die Ansage „St. Pölten“ zweimal mit Chris Lohners schöner Stimme hörte. Er sprach auch von einer Aufwärmphase, in der man ihn fotografieren könne, was Alfred reichlich tat und begann mit Kindergedichten in Englisch und Deutsch. Den Namen des Autors habe ich leider nicht verstanden. Harry Rowohlt zeigte aber Illustrationen, die man, wie er meinte in den ersten drei Reihen erkennen könne, für die anderen erklärte er sie. Eines zeigte ein Kind, das auf einen Stapel Bücher saß, das Gedicht hieß dann auch „Bücher, Bücher, Bücher“, wobei Harry Rowohlt erwähnte, daß er für seine Freundin Greta (habe ich den Namen richtig zitiert?) die Werke von Proust, Ingeborg Bachmann und Sigfried Lenz gelesen hätte. Lenz würde er nochmals lesen, was er diesen bei einer Begegnung auch sagte, worauf dieser lakonisch einwarf, das ist, weil man seine Sachen schnell vergißt. Da würde ich zwar für die Bachmann plädieren, aber ich habe einen Heimvorteil, aber auch ein bißchen Lenz gelesen und erinnere mich an die „Deutschstunde“.

Weiter ging es mit „Pooh`s Corner“ und einer Geschichte, die in England spielt, das Zuhören war zumindestens für mich wegen der deutschen Aussprache und den vielen Anspielungen, die man als nicht „Zeit“-Leserin vielleicht so versteht, nicht ganz leicht. Harry Rowohlt erwähnte aber, daß er, seit bei ihm eine Poly-Neuropathie diagnostiziert wurde, nicht mehr trinkt. In Wikipedia steht etwas von „Schausaufen mit Betonung“, das jetzt „Betonung ohne Schausaufen“ heißen würde. Harry Rowohlt scheint viel auf der Frankfurter Buchmesse zu lesen, so kam die vor, Marcel Reich-Ranicky, Günter Grass und die Zeitschrift „Focus“, mit der seine Wickel zu haben schien und natürlich Anspielungen auf Österreich, das Wiener Hotelzimmer in dem er sich befand, als einer seiner Übersetzten verstorben ist, so daß er die Nachrufworte halten sollte und er erzählte auch, daß Gerhard Roth bevor in die Steiermark auf Urlaub fährt, mit verstellter Stimme alle Wiener Autoren anrufen würde, um ihnen etwas zu erzählen, über das sie, wenn er dann verschwunden ist, zu rätseln haben, das habe ich zwar von Helmut Qualtinger gehört, aber ich bin kein Insider des Wiener Literaturbetriebs.
Dann kam die Pause mit den Getränken, am Büchertisch lagen Plakate auf, die Harry Rowohlt geduldig mit den Büchern signierte und dazu noch Witze machte und nach Namen fragte. Ich traf ihn auch am Klo, bevor er ins Pissoir verschwand, nach der Pause kamen die Hymnen, die Witze und der Hammer, wie es Harry Rowohlt nannte. Er erwähnte auch, daß er mit dem Rowohlt Verlag nichts zu tun hat, obwohl das alle von ihm glauben und ihre Bücher bei ihm herausbringen wollen. Die Hymnen, Harry Rowohlt dürfte ein ähnliches Showtalent, wie Rolf Schwendter zu sein und hat mich stark an ihn erinnern, wenn auch etwas volkstümlicher, bezogen sich auf Amerika und Hamburg „Dann erwarte ich mir, daß Sie aufstehen“ und „ich werde mir notieren, St. Pölten steht nicht auf“, die Witze auf Ostfriesland und das Burgenland, da beides, wie Harry Rowohlt meinte, zu vergleichen ist. Mit Witzen habe ich es ja nicht so, da ich die meisten nicht lustig finde, das traf auch für den Hammer, die Katzengeschichte zu, die den Literaturpreis für grostesken Humor, in deren Jury Harry Rowohlt sitzt, gewonnen haben dürfte. Sie war auch sehr lustig, Harry Rowohlt telefonierte mit einem Zigarettenpäckchen als Handy und es ging um Katzen und Blumen, die man zu füttern und zu gießen vergessen hat und jetzt kommen die Besitzer vom Urlaub heim und man will schnell in die Wohnung, um die Kadaver zu entfernen, geht aber nicht, weil man keinen Schlüßel hat oder den nicht findet und der, der das Schlamassel verursacht hat, ist ein Schauspieler, kurz vor seinem Auftrit und telefoniert sich in letzter Minute deppert und krumm.
Beim Abgehen, Zugaben gab es nicht, begrüßte Harry Rowohlt seine Bekannten und stand noch eine Weile im Gespräch vor dem Kino, soviel Volksnähe ist für so einen Star ungewöhnlich, umso mehr, da im Programmheft etwas von „…ich war schon vorher ein arrogantes Arschloch steht!“, zu regnen hatte es inzwischen auch aufgehört und ich habe Ingrid Reichel von der LitGes gesehen, sonst habe ich niemanden gekannt.

2015-06-17

Ohrenschmaus-Brainstorming und musikalischer Spaziergang

Den Ohrenschmaus Literatur für und von Menschen mit Lern- sprich kognitiver Behinderung“ wird es bald zehn Jahre geben. Der liebe Otto hat mich 2007 in die Jury gebracht und seither sitze ich jeden Oktober über hundert Texten und Anfang Dezember, am Tag der Behinderten, wird dann im Museumsquartier der Preis vergeben. „Kein Mitleidbonus, sondern echte Literatur!“, sagen dann die Veranstalter und der Wissenschaftsminister und die für Unterricht und Kunst halten die Laudaties, geraten dabei in schwärmen und wiederholen ersteres solange, bis der letzte begriffen hat, daß das eben ein besonderer Preis, nämlich ein solcher im Ghetto der Behinderung ist. Niki Glattauer, der jetzt ein paar Jahre in der Jury war, hat wegen Überlastung seinen Sitz zurückgelegt und dazu gemeint, daß er kein Behindertenghetto will und so, wie die Behinderten jetzt in den Integrationsklassen sitzen und die Integrationslehrer, wenn der Klassenlehrer erkrankt ist, die Klasse übernehmen müssen und die Behinderten erst recht nicht zum Zug kommen, sollen, die mit den Behinderungen jetzt beim Bachmannpreis lesen, etc. Das ist ein alter Hut, das hat, glaube ich schon beim ersten Ohrenschmaus, als es noch die Pressekonferenz im Radiokulturcafe gegeben hat und ich anschließend zur Rattour mit der Ruth von Ybbs nach Regensburg aufgebrochen bin, gegeben, ich habe dann gemeint, daß man das vielleicht entfernen sollte, um nicht falsche Erwartungen und Hoffnungen zu wecken. Aber gut, ich bin ohnehin dafür, daß jeder schreiben, malen, dichten, etc, darf wie er will und an sich ist das Problem  leicht zu lösen, denn es hindert ja keiner, den mit den Lernbehinderungen, um Preise einzureichen und in der GAV um Aufnahme zu ersuchen. Anton Blitzstein hat das im letzten Jahr getan, aber der ist ja ein Sonderfall, weil, trotz Sonderschule, nicht nicht Lernbehindert, sondern eher einer mit Psychiatrieerfahrung und Franz Joseph Huainig, der Initiator des „Ohrenschmauses“ hat am Dienstag um zehn ins Parlament zu einem Brainstroming eingeladen, wie man den zehnten Geburtstag des Ohrenschmauses feiern soll. Dabei hat er selber Geburtstag gehabt, ich glaube es war sein fünfziger, denn zum vierzigsten ist ihm die Idee mit dem „Ohrenschmaus“ gekommen und so gab es Donuts zum Kaffee und einige Ideen, wie man den zehnten Jahrestag, dieses, wie ich glaube, doch sehr wichtigen Literaturpreises feiern könnte, sind auch gekommen. Und am Nachmittag hat Susanna Wouk wieder zu einem musikikalischen Geburtstag durch Margareten eingeladen. Es sind ja Festwochen und im vorigen Jahr gab es schon einen, wo wir mit drei Sängern durch den Berzikgegangen  und an jeder Ecke stehen geblieben sind um  Lieder von Mozart, Schubert oder Wienerlieder zu hören. Damals bvin ich nur ein Stückchen mitgegangen, weil anschließend das Lesetheater Berhta von Suttner gelesen hat, diesmal wäre der Bloomesday gewesen und im Literaturhaus gefeiert worden. Aber soweit bin ich nicht gekommen, sondern im Hotel Falkensteiner bei der Weinverkostung hängen geblieben, das ist das, zu dessen Eröffnung ich vor einenhalb Jahren eingeladen wurde, vorher wurde die Lebenshilfebibliothek an eine Uniinstitut feierlich vergeben und auf die Ohrenschmaustexte von 2013 habe ich auch gewartet, es gibt also so was wie Deja vue Erlebnisse und der musikalische Rundgang hat in der St. Josefskirche angefangen, wo Schubert beerdigt wurde. Es waren die gleichen Sänger, wie im letzten Jahr diesmal hatten sie aber musikalische Begleitung und Schubert haben sie in der Kirche, vom Hochwürden eingeleitet, auch gesungen. Dann ging es ins Bezirksamt, wo es eine kleine Ausstellung des Bezirksmuseums über die Margaretner Musiker gab. Falco ist der berühmteste und vor dem Bezirksamt wurde „Margareten nur du allein, sollst der Bezirk meiner Träume sein!“, gesungen, was ich ein wenig kitschig fand. Es ging aber gleich weiter und heuer gab es auch Überraschungsgäste und Überraschungseinlagen, so ein sehr kritisches Wienerlied in einem Modegeschäft und in der Pizzeria „La gondola“, gab es die erste Labung, Prosecco, Schinken und Käse zu verkosten und natürlich italienische Lieder, dann ging es wieder zu den Arbeitergesängen in den Kreisky-Park und alle durften „Bella Cia“ singen. Die japanische Sängerin  Yuko Mitani hatte sich Verstärkung mitgebracht und so wurde auch ein japanisches Arbeiterlied gesungen und dann ging es in das Haus, wo Bruno Kreisky geboren wurde und zu einem Augenoptiker, der mit Falco in die Schule gegangen ist. Der ist zwar jetzt in Kuba, hat aber einen Film gedreht und Sekt Orange und Knabberstangen in seiner Praxis aufgestellt und die letzte Station war im Hotel Falkensteiner, wo Wiener Lieder und Operretten „Wien Wien nur du allein“ oder „Im Prater blühen wieder die Bäume“ gesungen wurde. Da gab es dann auch eine Weinverkostung und was zu essen und richtig, das hätte ich jetzt vergessen, eine Tanzeinlage gab es auch und die Tänzer kann man wieder beim Wiedner Hauptstraßen Fest Anfang Juli bewundern, wo ich mich auch zum Lesen angemeldet habe. Und noch was Trauriges, Harry Rowohlt, der begnadete Übersetzer von „Angela Ashes“ und anderem, den ich vor einigen Jahren in St. Pölten im Cinema Paradiso hörte, ist gestorben.

2014-02-11

Fuselfieber

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:03

David Sedaris kenne ich von der Zeit, als „Nacked“ auf den Bestsellerlisten stand und der damilige „Libro“ diese Bestselleraktion hatte. Damals habe ich das Buch nicht bekommen, inzwischen steht es auf meiner Leseliste.
„Holidays auf Eis“ habe ich einmal in der Adventzeit gelesen und die Evi, eine Bloggerin, die, glaube ich, nicht mehr bloggt, hat vor zwei Jahren ein paar Bücher verschenkt, so sind „Ich ein Tag sprechen hübsch“ und „Fuselfieber“ zu mir gefkommen, denn ich greife ja bevorzugt nach Autoren, deren Namen ich von irgendwo her kenne, obwohl lustige Kolumnen höchstwahrscheinlich nicht so mein Stil sind.
Das hier sind, wie in der Beschreibung steht, autobiographische Geschichten, jedenfalls beginnen sie mit "Ich" und es geht um die Arbeitswelt, zumindest nehmen sie von dort ihren Ausgang und in der ersten putzt der Erzähler gleich einmal eine Jalousine bei einem Filmproduzenten, denkt daran, aus welchen faulen Elternhaus er kommt und sich die Dankesreden für die Oscars aus, die er mal bekommen wird.
Da war einmal ein fauler Bursche, der mit dem Bus nach Hollywood oder sonstwohin gefahren ist, dann den Produzenten anruft und ihm erzählt, daß er einen Film über sein Leben machen will. Der fragt ihm aus, vier Jahre in einer Cafeteria Tellerwäscher, dann ins Essen gespuckt und sich anschließend die nächsten zwanzig Jahre ins Zimmer eingesperrt, die Eltern schimpfen lassen und nur am Abend den Eisschrank geplündert und ein bißchen Geld geklaut, der Produzent ist begeistert und es wurde ein großer Erfolg.
Wenn das nur so einfach wäre, lustig ist das vielleicht. Aber das mag ich ja nicht so sehr.
Dann gibt es noch das „Tagebuch eines Rauchers“, denn das wird denen ja inzwischen sehr erschwert und einen "Michelin-Mann" gibt es auch. Das ist einer der nicht Auto fahren kann, aber sehr religiös ist, so schickt ihn der Pastor in eine Tankstelle, dort hat er zwar zwei linke Hände, aber als "Michelin-Männchen" ist er bestens geeignet.
Dann wird die Stimme weiblich und entpuppt sich als Quotenqueen, die in Talkshows von ihren Liebhabern a la Charlton Hestoon und Mike Tyson quasselt, während in „Mein Manuskript“ ein Puberierender über die Qualen in seinem Elternhaus, die böse Haushälterin, die das Sperma und das Blut in den Unterhosen entdeckt, den verständnislosen Vater, der nicht das schenkt, was man sich wünscht, wie beispielsweise eine Schreibmaschine und der sein Manuskript dann auch noch hinterm Schuppen vergraben muß, erzählt und in der „Dichterlesung“ kommt der Schwarm der Studentin auf den Campus, aber sie, die alle seine Bücher gelesen hat, geht nicht zu seiner Lesung, nein, sie forscht sein Hotelzimmer aus, betrinkt sich und als sie dann noch wegen eines Regens in einer Bushaltestelle warten muß, erreicht sie zwar das Zimmer und wird nach mehrmaligen Klopfen hereingelassen, der, der aber öffnet ist ein ganz anderer Mann.
Ob das wohl die Phantasien oder die Erfahrungen sind, die David Sedaris von seinen Dichterlesungen kennt? Dann wäre es doch autobiographisch. Der Dichter, den er da aber beschreibt, ist ein ziemlich unsympathischer Typ.
Dann geht es vielleicht gegen das amerikanische Gesundheitswesen, da das „Ich“, um Geld zu sparen, der Tochter selbst die Wunden vernäht und „Nehmen Sie ungewachste Zahnseide dazu!“, rät. Als es aber, um das Vergipsen geht, müßen anschließend die Beine des Töchterleins amputiert werden und die Mutter hat lange die Arztrechnung abzuzahlen.
In „Wir kommen zurecht“ räumen Mutter und Sohn die leerstehende Kellerwohnung auf und kommen dabei auf die Geheimnisse des Untermieters. Der Vater hat als er gestorben ist ein Notizbuch mit Aufzeichnungen über seine Freundinnen hinterlassen, da hat die Mutter fast das Auto zerstört und forscht seither ihren Identitäten nach. Der Sohn weiß, wer die kühle Blonde „M S“ ist, Mutters Schwester Margery und die kommt dann noch auf Besuch und er muß ein Bier für sie aus der Wohnung oben holen. Dann gehts zu „Glens Homophobie-Infobrief“, wo sich Sedaris über die „Schwulen-Diskiminierung“ lustig macht, bevor es wieder zu dem Alltagsleben einer typisch amerikanischen Familie oder wie soll ich es sonst verstehen, geht.
Da wird einer vom Vater aus dem Haus geschmissen und zieht in die Garage seiner Schwester, um auf das Auto aufzupassen, das Baby zu hüten und als sich der Schwager einen Killerhund anschafft, klaut er dessen Geld und zieht mit dem Baby in die Wälder davon.
Dann kommen zwei Weihnachtsgeschichten, die ich schon in „Holidays on ice“ gelesen habe. So kann man auch Bücher machen und in „Mein Vermächtnis“ bekommt die Trauergemeinde vom Verstorbenen Briefbeschwerer geschenkt, während der Trinker Dolph im Nachlaß seiner Mutter, die an Krebs verstorben ist, in einer verlesenen „Mein Kampf-Ausgabe“, ihre Neujahrsvorsätze der letzen Jahre hat und Schwierigkeiten mit seinem Freund hat, der sich bei den Anonymen Alkoholikern zum Nichttrinker umwandeln will.
„Schräger Humor, Größenwahn und Menschenliebe“, lese ich noch in der Beschreibung und die Übersetzung hat wieder, wie am Cover steht Harry Rowohlt gemacht.

2014-02-02

Katzenfasching feiern

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:49
Waltraud Zechmeister, Manfred Loydolt, Jörg Liebscher

Waltraud Zechmeister, Manfred Loydolt, Jörg Liebscher

Ingrid Jantzen, Emilie Locatin, Susanne Schneider

Ingrid Jantzen, Emilie Locatin, Susanne Schneider

Im Lesetheater scheint es viele Katzenfreunde zu geben. Rolf Schwendter war einer, Susanne Schneider und wahrscheinlich noch viele andere und so gibt es den „Katzenfasching“, organisert von Susanne Schneider und Helga Eichler jetzt schon das sechste Mal.
Beim zweiten habe ich die „Kätzin Murana“ dort gelesen, einen Text den ich dafür oder für eine Uni-Protestlesung, so genau weiß ich es nicht mehr, geschrieben habe und jetzt hat mich Susanne Schneider wieder eingeladen mitzumachen, was mich ein bißchen in Verlegenheit brachte, weil ich erstens kein so besonderer Katzenfan bin, die Leute, die ihre Katzen als die Herren ihres Hauses bejubeln, nicht so ganz verstehe und zweitens auch den Fasching nicht so feiere und mich nicht gern verkleide.

Richard Matula, Ingrid Jantzen

Richard Matula, Ingrid Jantzen

Eva Jancak

Eva Jancak

So habe ich eine Zeitlang nicht gewußt, welchen Text ich dafür schreiben soll, bis mir Rolf Schwendter eingefallen ist, dem ich damit sozusagen einen zweiten Nachruf widmete. Einen ersten Schwendter-Text habe ich ja schon fürs letzte Volksstimmefest geschrieben und ihn bei der „Poet-Night“ noch einmal gelesen.
Den Text habe habe ich dann kurz vor Jahresende geschrieben und zu Silvester in den Blog gestellt, vor ein paar Tagen habe ich ihn dann noch einmal überarbeitet und bei den Sachen, wo ich mir vorstellen könnte, daß Rolf Schwendter einen Text dagegen hätte, noch das Wort „Akademikerbälle“ eingefügt, denn da gab es ja letzte Woche einen, der sehr viel Aufsehen und Unmut erregte und einen großen Polizeieinsatz nötig machte.

Ottwald John

Ottwald John

Si. Si. Klocker

Si. Si. Klocker

Das war beim Katzenfasching im Pelikanstüberl im Gasthaus Sittl natürlich anders. Da war nur wieder faschinghaft geschmückt und die Katzengilde, wo der „Katzenkönig Rolf I von Kassel-Katzenstein fehlte, aufgereiht. Christa Kern, an deren Katzengesicht, ich mich noch vom letzten Mal erinnern konnte, war diesmal auch nicht da.
Die Eröffnungsworte von Susanne Schneider und ihre Erinnerung an Rolf, habe ich versäumt, als ich kam, lasen schon die Lesetheaterfrauen Judith Gruber-Rizy, Heidi Hagl, Angelika Raubek und dann noch Angelika Mairose-Parovsky einen Text, wo eine Katze sich ihren Mensch erzieht.
Werner Grüner saß auch am Ehrenpodium und hatte sich zuerst als Scheich verkleidet, später trug er ein Kappel mit Hammer und Sichel und las auf Sächsisch, glaube ich, einen Katzentext von Kurt Tucholksky vor.
El Awadalla folgte mit einem Auszug aus ihrem „Kaninchenkrimi“, wo die Hasen, die Katzen für dumm erklären und dann noch einen U-Bahn und einen AKH-Dialog.
Dann folgten Hanna Held und Hahnrei Wolf Käser, der diesmal überhaupt sehr viele Sketches beigesteuert hatte, die später noch von anderen gelesen wurden.
Helga Golinger hatte einen Text von Karel Capek, den ich ja erst vor kurzem gelesen habe, in dem es um eine wunderbare Katzenvermehrung ging und dann noch einen von Luigi Malerba, wo eine faule Katze in eine Mausefalle gerät.

Si. Si. Klocker

Si. Si. Klocker

Dann kamen noch Manuel Gierisch und Renate Woltron, mit einer „Katzendiät“, sowie Alexander Marcks, der mit fulminanter Lautstärke einen Text las, wo einer vom Theater aus, den Schlüßel für seine Nachbarn organisieren soll und dabei in größere Turbulenzen kommt. Alfred meint, daß Harry Rowohlt diesen Text damals in St. Pölten gelesen hätte. Ich kann mich aber nicht mehr daran erinnern, ihn schon gehört zu haben. Dann kam schon ich mit meiner Lesung, die etwas weniger lustig war, aber wieder gut angekommen ist.
Gerald Jatzek hatte zwei Katzensongs „Karoline Katzenfrau“ und „The cat came back“, die er vielleicht auch schon beim letzten Mal gesungen und die erblondete SISI Klocker mit Katzenohren hatte eine ebenso fulminante „Kleine Katzengeschichte“, wo sie die Katzen zur Revolution aufrief und erklärte, wie oft sie schon die Menschen gerettet hätten.
Rose Proszowski folgte mit Jutta Treibers „Katzenmonster. Dann kam Helga Schwaiger, bevor es wieder musikalisch wurde und Manfred Loydolt „Die Katz kam zurück“ sang und dann noch Kater Rolf gedachte.
Christa Meissner hatte Katzenhaikus und Susanne Schneider las dann mit Jörg Liebscher einen Text wo sich eine Katze von Venedig über die Seidenstraße nach Peking träumt. Dann reimte noch Jörg Liebscher von einer „Roten Katze“. Ingrid Jantzen sang Katzenlieder bevor Christa Mitaroff mit den „Pussy Riots“ endete.
Danach rauchte der Kopf und man hatte wieder viel von Katzen und ihren Liebhabern gehört, ein paar begeisterte Miau Miau Refrains hat es zwischendurch auch immer wieder gegeben und viele Katzentücher und Katzenbroschen und Kekse in Katzenform sind auch auf den Tischen aufgelegen.

2013-07-15

Zweite Sommerfrischenwoche

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:18

Nun liegt die zweite Sommerfrischenwoche hinter mir und sie war wieder eine sehr intensive, obwohl ich mich an die Worte der Anna „Mama, ist dir nicht fad dabei!“, die sie mir vor einigen Jahren sagte, gut erinnern kann.
Die Gefahr ist schon dabei in ein mehr oder weniger großes Sommerfrischenloch zu fallen, es ist aber alles auch schon eingespielt und das Programm mehr oder weniger dicht.
Zwar nicht wirklich besonders abwechslungsreich, sonder eher ziemlich stabil, baden, lesen, mit dem Rad einmal in die eine und dann in die andere Richtung eine Stunde fahren, aber diese Stabilität beugt ja auch Depressionen vor und es wird bei solchen sehr empfohlen, immer das gleiche zu machen. Ein wenig Abwechslung ist auch dabei und ich achte darauf die Maximalkapazität herauszuholen und seit zwei Jahren beginnt es auch sehr dicht mit dem Bachmannleseevent, vorher war das ja in der letzten Juni-Woche und ich habe es zwischen meine Termine eingequetscht und die erste Woche dann mit der Sommer-Akademie des Institus für jüdische Geschichte begonnen. Jetzt ist das Bachmannlesen sehr dicht und zweigeteilt, weil man sich dabei ja gleichzeitig die Events am Wörthersee, am Lendhafen, das Wettschwimmen, den Empfang im Maria Loretto und das eigene Erleben an der Traisen und auf der Terrasse geben kann.
Ein Arbeitsprogramm habe ich auch mitgenommen, als ich vor zwei Wochen in die heurige Sommerfrische aufgebrochen bin, nämlich die „Literaturgeflüster-Texte“ fertig zu korrigieren und da bin ich jetzt in der Phase, wo ich glaube, jetzt schaffe ich es und bin fertig und dann Fehler um Fehler zu finden.
Etwa zwei gute Stunden brauche ich für so einen Durchgang. Wenn ich in der Früh aufstehe mit meinem Sommerbuch in die Badewanne gehe, da habe ich den Sommer ja mit „Kristin Lavranstocher“ begonnen und mich ziemlich gequält dabei und bin mittlererweile bei Julia Camerons „Weg des Künstlers“ gelandet“ und das passt zum „Stadtschreiben“ und erweckt die Kreativität, habe ich den Tag gut gestartet. Dann blogge ich und mache Mittagessen oder gehe mit meinem kleinen schönen „Stadtschreiberbuch“, das sich ja auch ganz gut ergeben hat, gleich Radfahren.
Eine Menge Texte stehen schon darin und Platz für einen längeren, den ich noch schreiben werde, gibt es auch.
Die Telefonbücherzelle vis a vis der „Seedose“ habe ich jetzt auch gefunden und das ist ein weiterer Sommerschwerpunkt, der eigentlich nicht eingeplant war, denn da meine 2013-Leseliste eigentlich schon voll ist, war ich froh, jetzt acht Wochen in keine Bücher-Versuchung zu kommen.
Mitnichten nichts, davon, denn die ergab sich in der zweiten Woche schon in Wien, als ich am Montag, nachdem die neun Uhr Diagnostik abgesagt wurde, zum Friseur gehen wollte, denn da habe ich gleich Karl Markus Gauss „Die versprengten Deutschen“ gefunden und es auf meine Sommerleseliste gesetzt.
Dann ging ich in die „Alte Schmiede“, kam beim „Morawa“ vorbei und hatte siebzehn Euro fünfzig weniger und zehn Bücher mehr, die ich hoffentlich noch in diesem Jahr lesen werde.
Das heißt das Ritter-Buch und die Elisabeth Plessen, die vielleicht nicht so unbedingt nötig waren, habe ich auf später gesetzt.
Danach am Nachmittag die zwei Stunden den Text durchgehen und hoffen fertig zu werden, da heißt, wenn ich das so rasch schaffe, komme ich vielleicht auch in Nöten, denn ich will meinen „Fünf Tage Materialsuch- Marathon“ ja erst in September in Wien machen, aber ein paar Radtouren hätte ich ja noch geplant.
So bin ich am Freitag in Traisen, der längste Ausflug, Herzogenburg gewesen und ein paar Stadtschreibertage sind auch noch drin.
Also wird es höchstwahrscheinlich doch nicht so fad werden. Denn am Samstag treffe ich den Alfred meistens am Markt, esse mit ihm ein Würstl und gehe dann einen Kaffee trinken und am letzten Sonntag waren wir, nachdem wir wußten, wer in Klagenfurt gewonnen hat, auch in Traismauer im „Donaugasthof“ Mittagessen und sind ein Stück die Donau hinuntergefahren und in Rossatz mit der Fähre auf die andere Seite, weil die Schwiegermutter ihren einundachtzigsten Geburtstag hatte. Der Alfred hat Marillen gekauft und Marmelade und Gartenarbeit gibt es immer auch und das übliche Sonntagsrital auf die Rudolfshöhe zu fahren.
In den letzten Jahren habe ich mir auch immer Events ausgedacht. So bin ich zweimal beim „Residenz-Verlag“ gewesen, habe die Doris Kloimstein getroffen, mit dem Alfred war ich zweimal bei „Glatt-und verkehrt“ und einmal beim Harry Rowohlt im Cinema Pardiso.
Diesmal habe ich solche Events nicht vor, weil ich nicht wüßte, wen ich treffen könnte, aber am Markt, wenn man vor dem Grillstand steht, trifft man sich sowieso und zum „Residenz-Verlag“ könnte ich ja mit meinem kleinen Stadtschreiberbüchlein hinaufwandern und meine Stadtschreibergeschichte schreiben.
So weit, so what und spannend und das Wetter ist auch sehr schön, die zweite Woche also sehr abwechlsungsreich herumgebracht.
Die Liste der Sommerbücher ist erstellt und erweitert und mit meiner „Inneren Nobelpreisträgerin“ bin ich, wie das Julia Cameron empfiehlt, auch unterwegs gewesen, die nehme ich jetzt gemeinsam mit meinem kleinen Stadtschreiberbuch immer auf meine Radtouren mit.

2012-10-14

Buchmessen-Report

Filed under: Uncategorized — jancak @ 16:56

Vom zehnten bis zum vierzehnten Oktober gabs in Frankfurt wieder die Leistungsschau in Sachen Buch, bei dem sich, wie man überall hören kann, soviel verändert, daß auch auf der Buchmesse kein Stein auf dem anderen bleiben wird, trotzdem fing es, wie schon seit 2005 mit der Verleihung des deutschen Buchpreises an. Am Montag wurde der im „Römer“ vor dreihundert Gästen vergeben, während ich mich ja zur „Politik und Poesie“ in die Alte Schmiede aufmachte, darauf vertrauend, daß ich mir die Übertragung, für die es auch einen livestream gab, nachher, wie auch früher anschauen kann. Man soll sich aber auf nichts verlassen, denn diesmal ging das Videoanschauen ohne eine Zusatzinstallation, von der mir der Alfred abriet, nicht, so konnte ich nur in Erfahrung bringen, daß Ursula Krechel, die einzige Frau auf der Liste, die Preisträgerin wurde und mit Buzzaldrin darüber bloggen. Am Dienstag begab ich mich, während in Frankfurt eröffnet wurde zu Ilija Trojanow in den Augartenradius um meinen politischen Widerstand einzuüben und habe mir dann doch das Eröffnungsvideo anschauen können. Neuseeland ist ja heuer Gastland, da gab es Einlagen von den Ureinwohnern und auch ein Wasserbecken, so daß die Gäste nasse Füße bekommen konnten und Guido Westerwelle die Eröffnungsrede hielt. Catherine Mansfield ist ja eine prominente Neuseeländerin, deren Texte für den Schwerpunkt wiederaufgelegt wurden.
Am Mittwoch gings dann los, bis Samstag zuerst für die sogenannten Fachbesucher, auf der Buchmessenseite war aber schon länger das Programm des blauen Sofas angekündigt, wo es mit Jenny Erpenbecks „Aller Tage Abend“, einer Langlistensteherin, losging, aber auch die Buchpreisträgerin präsentiert wurde, die von ihrem Roman „Landgericht“ und wie sie dazu gekommen ist, erzählte und dann kam schon der erste Neuseeländer, der 1961 geborene Anthony McCarten mit seinen „Ganz normalen Helden“, kam, das ist das zweite Buch, im ersten stirbt der Sohn einer Familie und im zweiten verschwindet der Bruder im Internet, wo es dann zu einer Diskussion mit Wolfgang Herles über das Verschwinden des Buches kam und McCarten hielt einen brillanten Vortrag, wie Steve Job das Buch vermarkten würde. Dann gabs ein paar Sachbücher auf dem blauen Sofa, das um zwei von Ken Follet mit dem zweiten Teil seiner Trilogie, dem Band Winter der Welt, wo es um den zweiten Weltkrieg geht, betreten wurde, mit dem ersten war er bei der Buch Wien vor zwei Jahren und um halb drei folgte einer der Shortlistenautoren Stephan Thome, der von den Bloggern als Favorit gehandelt wurde, mit „Fliehkräfte“ mit „Grenzgänge“, ist er glaube ich auch schon auf der Liste gestanden und Aspekte Preisträger geworden. Wolf Haas folgte mit seiner „Verteidgung zur Missionarsstelle“ sowohl am blauen Sofa, als auch auf der ARD-Bühne, wo er in gekonnt lockerer Art und Weise über seine Art Romane zu schreiben erzählte und eine kleine Stelle auswendig vortrug und Arnold Schwarzenegger wurde durch eine sehr esoterisch wirkende Junge Dame namens Marie Pohl mit ihrem Buch „Geisterreise“ ersetzt, bevor es nach einer Stunde mit der „Verteidigung Europas“ Daniel Cohn-Bendit und wie der Moderator erkläre, dem österreichischen Autor Robert Menasse weiterging, der ja einen Roman über Europa geschrieben hat, bzw. jetzt einen Essay darüber geschrieben hat.
Dann ging es über in das Krimigenre mit Ingrids Noll „Über Bord“, deren „Hahn ist tot“ und die „Apothekerin“ ich ja im Schrank gefunden habe und die sowohl in Leipzig als auch in Frankfurt immer wieder zu finden ist und wie sie erzählte in mehr als einundzwanzig Sprachen übersetzt wurde.
Mit Sascha Lobo und Kathrin Passig und das Internet ging es weiter, bevor man in Frankfurt zu den Empfängen und ich in die Alte Schmiede zu den Textvorstellungen ging. Vorher konnte ich aber noch ein Fotoshooting mit Anthony McCarthy beobachten, der sich gekonnt in Pose setzte und dazu englische Witzchen machte und im Falter-Bücher-Herbst ist auch noch ein Buchmessengoodie zu mir gekommen.
Am Donnerstag war es dann ein wenig schwierig nach Frankfurt und aufs blaue Sofa zu kommen, wo Thomas Hettche sein neues Buch vorstellte, bzw. seine Vision darstellte, wie er sich die Rolle des Buchs in Zukunft vorstellt. Carl Nixon erzählte wieder etwas von Neuseeland, während bei ARD Donna Leon auftrat und von ihrem neuen Nicht-Brunetti Projekt, in dem es um einen Barockmusiker geht, für den sie auch sammeln will, erzählte und Dennis Scheck, die Bücher von Prominenten, wie die von der Frau von Guttenberg, Wulff etc, die offenbar jede Menge Bücher haben, zerriss und das neue Buch von Joanne K. Rowling und Wolf Haas, sowie Vea Kaiser lobte. Um zwölf sprach Wolfgang Herles mit Richard Ford, der Autor des „Unabhängikeittags“ über dessen neuen Roman „Kanada“, was er schon auf seinem blauen Sofa machte und wieder den genialen ersten Satz zitierte, der aufs Lesen aufmerksam macht und ihn dann zur Präsidentenwahl und zu Barack Obama fragte. Dann folgte die Nobelpreisträgerin von 2009 mit ihrem Collagenband „Vater telefoniert mit den Fliegen“, wo Herta Müller erzählte, daß sie sich ständig mit Wortschnipseln beschäftigt, weil es „keine Poesie gibt, da die Worte gewöhnlich sind, man sie aber ungewöhnlich zusammensetzen muß“, was wirklich eine einleuchtende Erklärung der Sprachkunst ist und der diskrete Hinweis,in einer halben Stunde wissen wir mehr, in Stockholm stehen schon die Fotografen vor dem Nobelpreiskommiteebüro.Jetzt wissen wirs und es ist wieder, wie schon 2008, ein mir vollkommen Unbekannter, nämlich der 1955 geborene Chinese Mo Yan geworden und alle in den letzten Tagen gehandelten, wie Bob Dylon, Huraki Murakami, Adonis, Philip Roth etc, können auf das nächste Jahr warten. Ein weiterer Chinese der 1958 in Yanting Geborene Liao Yiwu wird am Sonntag den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.
Auf dem Sofa ging es dann mit einem Buch über Willy Brandt und Helmut Schmidt und einem älteren Playboy weiter, während auf der ARD-Bühne Elke Heidenreich das Lesen empfahl und die Anthologie „Katzenmusik und Katerstimmung“ vorstellte.
Die 1962 geborene Regisseurin und Schriftstellerin Tanja Langer hat über ihre Beziehung mit 1989 bei einem Attentat ums Leben gekommenen Banker Alfred Herrhausen einen autobiografischen Romn „Der Tag ist hell und ich schreibe dir“, verfaßt, was zu interessanten literarischen Fragen führte.
Der 1948 geborenee Schweizer Martin Suter versucht in seinem neuen Buch „Zeit, Zeit“, die Zeit zurückzudrehen, beziehungsweise erzählt er von zwei Männern, die sich am Tod ihrer Frauen schuldig fühlen. Der 1934 geborene Schweizer Soziologe und Globalisierungsgegner, von dem ich „Die Barbaren kommen“ im Schrank gefunden habe, der sich sehr gegen den Hunger dieser Welt engagiert beeindruckte wieder durch seine Dominanz, während man auf www. buecher.at nachlesen konnte, wer gestern aller auf dem Österreichempfang in Frankfurt war, Anna Kim, Olga Martynova, Ursula Krechel, Oleg Jurjeg, Julya Rabinovich, Jochen Jung, Clemens J. Setz u. u. u.
Den gut deutsch sprechenden Russen Michail Schischkin, der einen Briefroman geschrieben hat, der um halb vier auf dem blauen Sofa saß, habe ich, glaube ich, dort schon im Vorjahr bzw. bei der Literatur im Herbst im Odeontheater kennengelernt. Dann kam Sybille Berg mit „Vielen Dank für das Leben“ und Navid Kermani mit Vergeßt Deutschland“ und am Schluß ist dann die Aspekte Literaturpreisträgerin Teresa Präauer gekommen, eine junge Österreicherin, die mir bisher entgangen ist, bzw. schon vor zwei Jahren auf dem blauen Sofa saß, als da Wolf Haas, die „Gans im Gegenteil“ vorstellte. Bei ARD gab es zu dieser Zeit ein Literaturquiz, wo drei Experten Texte von Heinrich Heine und Colette zu erraten bzw. zu entschlüßeln hatten und ich habe mich dann noch ein bißchen zu den anderen Messeneuigkeiten zum Beispiel zu der IG-Autorenseite, wo es ein schönes Bild von Ludwig Laher mit Kopfhörern und seinem neuen Buch zu sehen gab und die Jung und Jung Seite hat mich zu einem Video das von der DBB finanziert wurde, das die Buchmesse ein wenig karikierte und dann gabs noch die Seiten der Blogger, die sich nach Messeerfahrungen erkundigten und sich dann entschlossen, zu Hause zu bleiben und stattdessen nächstes Jahr nach Leipzig zu fahren.
Am Freitag ging es dann mit dem Shortlistenbuch „Nichts Weißes“ von Ulf Erdmann Ziegler auf dem blauen Sofa weiter, wo es um eine junge Frau und das Konventieren von Religionen geht.
Paula Morris, eine Neuseländische Autorin erzählte in „Rangatira“ von einem Maorihäuptling des neunzehnten Jahrhunderts. Juli Zeh, die ich schon auf dem anderen blauen Sofa hörte, bzw. dort mit Wofgang Herles im Ozean herumtauchte, schilderte die Schreiberlebnisse die sei bei ihrem Genreroman „Nullzeit“, hatte, weil sie, weil sie schwanger war, sich mit dem Fertigwerden besonders beeilte, während Friedrich Ani gerade Marlen Haushofer zitierte und erzählte, daß er am liebsten nur mehr lesen möchte, das ist ein Gedanke, der mich auch sehr oft beschäftigt, weil mir aber als erfolglos Schreibende, das so wichtig ist, werde ich es wahrscheinlich nicht tun. Dann surfte ich mich ein bißchen durch die 3 SAT Mediathek und gab mir Marijana Gaponeko, die etwas über „Wer ist Martha“, wo ein sechsundneunzigjähriger Vogelforscher im Hotel Imperial absteigt und mit einem anderen alten Herrn in den Musikverein geht, erzählte und Burkard Spinnen über sein neues Buch und die Internetsucht interviewt wurde, während auf der ARD Bühne Harry Rowohlt in gewohnt brillanter Manier vom Übersetzen erzählte. Dann gings mit Bodo Kirchoff weiter, dessen „Liebe in groben Zügen auf der Longlist stand und dessen „Schundroman“ ich mir einmal zum Geburtstag schenken ließ. Um drei kam dann die holländische Psychoanalytikerin Anne Enquist, über die ich, glaube ich, schon mit dem Frans gemailt habe, die in „Die Betäubung“ über eine Geschwisterpaar, eine Anästhesistin und einen Analytiker, geschrieben hat
Steven Uhly, der glaube ich schon in den Vorjahren „Adams Fuge“ auf der Messe vorstellte, präsentierte seinen neuen Glücksroman „Glückskind“, wo ein Messie ein Kind in einer Mülltonne findet.Der Journalist Michael Jürgs, der nachher auf das Sofa kam, hat mit „Deckname Helene“ ein Buch über eine sehr trinkfeste französische Widerstandskämpferin geschrieben, die vor kurzem mit achtundneuzig Jahren gestorben ist und zufällig in Neuseeland geboren ist. Bücher über Angela Merkel und über die „Hexenjagd Schule“ von Ursula Sarrazin gab es auch, während Karen Duve eine neues Grimm Märchenbuch geschrieben hat, wo Rotkäppchens Großmutter ein Wehrwolf ist.
Und während im Frankfurter Literaturhaus der Preisträger der Hotlist, Tor Olvens „Dunkelheit des Tunnels, bei Droschl erschienen und von Bernhard Strobel übersetzt bekanntgegeben und das Fest der Idependentes gefeiert wurde, habe ich mich auf meine „Buchmessenparty“ begeben, das heißt zu zwanzig Jahre H. u. K in die große Schiffgasse wo es live „Stellas Gilde“ gab und Patrik Kames seine Grafiken und Nicole Montaperti ihre „Lichterscheinungen ausstellte.
Am Samstag ging es dann in die Klinik zu einer Fortbildung bzw. Tagung „Kinder von Eltern mit psychischer Erkrankung“ und danach natürlich zur Buchmesse passend auf Bücherkastentour, wo ich so fündig wurde, daß ich ein paar Bücher doppelt erwischte, die ich nächste Woche in den Wortschatz legte, aber einen gut gefüllten Kasten mit einer fehlenden Tür am Zimmermannplatz, Gedränge am Brunnenmarkt und auch in der Zieglergasse. Beim Wortschatz war es dann wieder stiller und zum Nobelpreis passend, drei Bücher von Mo Yan lagen in der Auslage der kleinen Buchhandlung in der Lerchenfelderstraße, gab es den „Mister Aufziehvogel“ von Haruki Murakami und dann noch was ganz Altes „Das Mädchen Alexa“ von Grete von Urbanitzky.
Um vier bin ich dann nach Hause gekommen und habe mich vor das blaue Sofa gesetzt, wo ich einiges nachzuholen haben werde, waren dort doch schon Anne Weber, Clemens J. Setz, Hakan Nesser, etc, so daß ich einiges nachzuholen habe und inzwischen auch weiß, daß Clemens Setz Richard Obermayr sehr lobte, von dem die Moderatorin offenbar keine Ahnung hatte. Tim Parks „Sex ist verboten“, habe ich gerade noch gehört, jetzt sitzt Christoph Peters „Wir in Kahlenbeck“,der auf der Longlist stand und es ist sehr interessant sich vorzustellen, daß in Frankfurt jetzt die Verkleideten herumlaufen und es sehr voll wird, was ich mir auf meinem buntgemusterten Sofa, vor dem neuen Bücherregal, das inzwischen schon sehr gefüllt ist, erspare.
In den 3Sat Videos gab es eines von Alexander Nitzberg, den mir ja Christel Fallenberg beim Fest für Ernst Jandl vorstellte und der nicht nur in der Alten Schmiede seine Performances hat, sondern auch „Meister und Margarita“ neu übersetzte und die lyrische Seite daran erklärte. Ich habe ja vor einiger Zeit die alte Fassung im Schrank gefunden, die laut Nitzberg mehr Romanhaft und realistischer ist, und auf meine Leseliste gesetzt. Nitzberg meinte, man müße sich für die Form die einem mehr zusagt entscheiden und da denke ich, daß es für mich passt, die ältere Übersetzung zu lesen.
Martin Walser stellte seinen Briefroman „Das dreizehnte Kapitel“ vor. Das Gespräch mit Cees Nooteboom war auch eine Wiederholung, fand es ja schon am Freitagabend statt, als ich zu Patricks Fest gegangen bin und Cees Nooteboom habe ich auch im November im Literaturhaus kennengelernt. Und das hörte ich noch ein Stückchen des Interviews mit Anne Weber, die ich schon in der Alten Schmiede kennenlernte, bis sich der Laptop wegen Überhitzung ausschaltete.
Am Sonntag gings dann mit der Vorstellung von Florian Webers „Grimms Erben“, der ein bayrischer Musiker und Allround Talent sein dürfte und der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Paulskirche an den chinesischen Dissidenten Liao Yiwu, weiter, der für das Gedicht „Massaker“ über das was 1989 am Platz des himmlischen Friedens passierte ins Gefängnis kam, dann als Straßenmusiker lebt, 2009 nicht nach Frankfurt kommen durfte, als China dort Gastland war und jetzt seit einem Jahr in Berlin lebt und auch die Nobelpreisverleihung an den „Staatskünstler“ Mo Yan kritisierte.
Gottfried Honnefelder, der Vorsteher des Börsevereins hielt die Einleitung, Felizitas von Lovenberg hielt die Laudatio und wies auf die Werke des Preisträger „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“, „Ein Lied und hundert Lieder“, etc, in dem er den kleinen Leuten Chinas eine Stimme gibt, hin.
„Dieses Imperium muß auseinanderbrechen“, hieß dann die Preisrede, die Liao Yiwu, der im Gefängnis das Gelübde abgelegt hat, sich nie mehr Haare und Bart abschneiden zu lassen, im schwarzen Hemd, mit ziemlich unbewegter Miene vortrug und dann ein Lied für die Mutter der Opfer von 1989 ein Lied vortrug.
Auf dem blauen Sofa trugen dann drei Brüder aus dem Iran in dem Buch „Unerwünscht“ ihre Lebensgeschichte vor. Danach kam eine junge Albananerin Anina Wilms, die mit ihrem Roman „Das albanische Öl, Mord auf der Straße des Nordens“, die Geschichte um neunzig Jahre zurückdrehte. Danach schaltete ich für eine Stunde den Laptop ab, um mir die Menschenbilder mit Jochen Jung zu geben, der vom Glück erzählte und empfahl immer eine Türe offenzuhalten, damit die gute Gelegenheit zu einem kommen kann. Das ist jetzt mit der Türe zur Terrasse, während ich mir inzwichen anhöre, wie Vea Kaiser Dennis Scheck vom literarischen Colloquium und ihrer Arbeit mit Ursula Krechel an ihrem Debutroman erzählte, von Altgriechisch schwärmte und zur neuen Roman aufrief. Dann gabs wieder ein paar Videos, von dem was ich inzwischen verpasste, zum Beispiel den Neuseelandroman von Emily Perkins „The Forrests“. Weiter gings mit dem Neuseelandschwerpunkt und zwar mit den in Berlin geschriebenen Roman von Lloyd Jones „Die Frau im blauen Mantel“, der von einer Afrikanerin erzählt, die auf ihrer Flucht in Italien landet. Dann gings wieder zurück zu Scheuermann, die schon mal in Klagenfurt gelesen hat und zu ihrem Roman „Die Häuser der anderen“, wo es um das Leben der Nachbarn zu gehen scheint und Simon Becket den ich wegen Jochen Jung abgeschaltet habe, habe ich auch noch nachgeholt.
Beim Messeblogsurfen bin ich dann noch auf das nächste Schwerpunktland Brasilien gestoßen, wo man sich die Staffelübergabe auch per Live-Stream ansehen konnte und langsam langsam ging die Buchmesse zu Ende, die ich mir wieder total gegeben habe, ohne dort gewesen sein.
Leben aus zweiter Hand oder so hat es meine Kritikerin JuSophie im vorigen Jahr genannt und natürlich war ich nicht mit meinem Buch in Frankfurt und habe dieses keinen Verleger in die Hand gedrückt, aber das spielt sich auch in Leipzig und der Buch-Wien nicht sehr ab und wem es interessiert, die „Vorschau auf Paula Nebel“ ist ja während der Buchmesse erschienen und da muß ich mich demnächst wieder an mein Manuskript begeben und es durchsehen, damit es an den Alfred gehen kann und eine vierte Person, eine junge Mutter, die ihr Kind zurückläßt, um das sich Lena Weißensteiner ein wenig kümmert, ist mir bezüglich meines neuen Buchprojekt, von dem ich immer noch nicht recht weiß, ob ich mich damit beim Nanowrimo beteiligen werde, auch noch eingefallen.
Das wars also von Frankfurt 2012, ich hoffe das Hin und Herspringen zwischen Video, live stream und realen Leben, ist für meine Leser nicht zu verwirrend, man kann aber alles nachschauen und nachgooglen und soll auch nur ein kleiner Anstoß und eine Erinnerungshilfe sein, was man sich alles von Frankfurt in sein Wohnzimmer holen kann.
Und hier ist auch noch mein Frankfurterbuchmessenarchiv der letzten Jahre.

2012-04-07

Karfreitag-Slam

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:41
Teilnehmerliste

Teilnehmerliste

Kurt

Kurt

Da ich in Wien lebe und nur manche Wochenenden und die Ferien in Harland verbringe, bekomme ich naturgemäß von der St. Pöltner Literatur nicht viel mit. Zwar habe ich einmal vor Jahren in der LitGes gelesen, eigentlich mit dem Manfred Wieninger geplant, dann aber allein und noch ein bißchen früher, habe ich ein paar Veranstaltungen für die GAV in dem schönen Haus, am Mühlweg war das, glaube ich, organisiert. Seit ein paar Jahren gehe ich auf den Osterspaziergang mit. Zweimal war ich auch im Stadtmuseum, einmal war da vorher das Höfefest. Aber die Schreibwerkstätten etc, gehen an mir vorbei und auch der Poetry-Slam der LitGes von Thomas Havlik moderiert, der heuer schon das zehnte Mal stattfand. Diesmal am Karfreitag, um zweiundzwanzig Uhr im Cinema Paradiso, wo es manchmal auch literarische Veranstaltungen gibt. Bei einigen war ich, bei einer Art literarischen Soiree, wo ein Herta Müller Buch, lange vor dem Nobelpreis vorgestellt wurde und auch prompt die Frage kam „Herta wer?“

Elias

Elias

Chill-Ill

Chill-Ill

Einmal habe ich bei der Stadtzeitung Gratiskarten für die Bilgeri-Buchpräsentation gewonnen und bei einer Manfred Wieninger Krimipräsentation mit Gratisfrühstück war ich auch einmal. Der Alfred hat mir dann das Buch gekauft und im Sommer war wegen des Schlechtwetters der Harry Rowohlt dort, statt auf dem Rathausplatz und wir haben noch einen Platz bekommen und einmal habe ich mit Brigitte Schramm dort Kaffee getrunken.
Bei der LitGes gab es freien Eintritt und bis halb zehn hätte man sich auch zum Mitmachen anmelden können. Das heißt, jeder der das will, durfte lesen, bei den ersten Poetry Slams, die ich erlebte und wo ich mich noch angemeldet hätte, bei den vom Droschl veranstalten im Cafe Stein und ich mich einmal auch beschwerte, daß man mich nicht lesen ließ, wurde man noch ausgewählt und mußte einreichen. Inzwischen ist das vielleicht ein bißchen demokratischer, es darf jeder lesen. Es gewinnen dann aber die Poetry-Slam größen und die, die irgendwelche Gedichte vorlesen, wie etwa bei der Krit Lit im November, weswegen ich bei der Alpha-Preisverleihung zu spät gekommen bin, gehen leer aus.

Kathie

Kathie

Milena

Milena

Denn der Poetry Slam hat inzwischen seine fixen Regeln, sein Publikum und seine Größen. In Wien sind das Markus Köhle und Mieze Medusa. In St. Pölten gibt es die natürlich auch. Ich kenne sie nur nicht, war ich ja das erste Mal dort und wurde auch von Thomas Havlik gefragt, ob ich mitmache? Nein, denn ich habe keine Poety Slam tauglichen Texten, obwowohl ich während der Veranstaltung gedacht habe, ich könnte vielleicht schon einen solchen schreiben. Aber in Poetry Slam Manier vortragen, kann ich ihn, glaube ich, nicht und Thomas Havlik erklärte auch mehrmals, daß es auf Text und Performance ankäme und Slams eine Möglichkeit sind, sich selber auszuprobieren das unterscheidet sie von den gewöhnlichen Literaturveranstaltungen, wo man nur gähnen darf.
Es traten dann auch bald die bekannten Gesichter auf. Ingrid Reichel von der LitGes natürlich und noch eine Dame, die ich vom Osterspaziergang kenne, dann aber Tschif Windisch, die bekannte Wiener Slam Ikone und für mich eine Überraschung, der St. Pöltner Slam Star Andi Pianka, der bei jedem mitmachte und schon vier gewonnen hat.

Hannah

Hannah

Sevi

Sevi

Ich habe ihn im Sommer im Cafe Anno kennengelernt und Sara Wipauer hat ihn vor drei Wochen auch zur Frauenlesung mitgebracht. Mit Thomas Havlik moderierte Anna Maria Eder, die wie mir Robert Eglhofer, der letzten Sonntag mit Ruth Aspöck kurz zum Kaffee bei uns vorbeischaute, die Tochter Alois Eders ist und sieben Slamer hatten sich, als es losging, schon angemeldet. Thomas Havlik fragte will noch wer? Da meldete sich dann ein Kurt Obermayr, der, wenn ich mich nicht irre, seinen Kannibalensong voriges Jahr am Osterspaziergang vorgetragen hat und eine Frau, die glaube ich, Milena hieß. Dann wurde die Jury bestimmt. Da bekommt man Karten von 1-10 und darf das nicht verwechseln, wie es mir passierte, als ich mich einmal im Cafe Stein dafür meldete und die beste und die schlechteste Wertung wird dann weggezählt. Dann begann es mit der Vor- oder Aufwärmrunde. Jeder fünf Minuten, dann klingelte die Eieruhr, die Ingrid Reichel genau erklärte, wie sie einzustellen ist. Die Jury darf nicht schummeln, erklärte sie auch noch energisch. Kurt Obermayr begann, war sehr gut, wenn auch nicht vielleicht ganz Poetry Slam konform.

Tschif

Tschif

Andi

Andi

So rezitierte er im Sitzen, einen Text von einer Frau, die nur Schokolade, aber keine Männer mag. Der Zweite hieß, glaube ich, Elias Winter, war auch sehr gut und mit seinem „Karl“ sehr politisch, die Jagdskandale anprangernd und performte auch im Slam Manier. Der Dritte war ein Musiker und hatte einen Künstlernamen. Dann wurde gewertet und danach kam eine Frauenrunde, wo die ersten beiden Frauen keine Slamtexte hatten und daher keine Chance. Der erste war, wie Thomas Havlik in seiner Zusammenfassung für die Jury erklärte, sehr literarisch. Die zweite Frau hatte drei Gedichte zum Thema Burn Out, Aggression und Chaos und sie waren, wenn ich mich nicht irre, ein bißchen religiös angehaucht. Die dritte Frau hieß Hannah Zauner, trat, wie die Moderatoren erwähnten, das erste Mal auf und war sehr gut mit ihrem Slamtext über die Zeit. Sie hat sich nur ein bißchen dabei versprochen. Kam auch auf den vierten Platz und ist nur nachher nicht mehr angetreten, weil kein zweiter Text dabei. Dann kamen die Stars, ganz zufällig zusammen und am Schluß aus der Popkornschachtel gezogen.

Zwischenergebnis

Zwischenergebnis

Endergebnis

Endergebnis

Ein Sevi, der wie Thomas Havlik erklärte, ein Profi und in St. Pölten sehr bekannt. Mir war sein Text ein bißchen zu aggressiv und Tschif Windisch überzeugte mit seiner ungarischen Speisekarte, die, wie aus dem Computer übersetzt klang „falscher Hase mit echten Knödel“ Zwar nicht ganz politisch korrekt, würde ich meinen, aber brillant vorgetragen und Andi Pianka folgte mit einer Edamer Diät und einem Märchen.
Die vier Sieger, die nach der Pause drankamen waren dann auch Sevi, Tschif, Andi Pianka und Kurt Obermayr statt Hannah Zauner. Bevor sie antraten meldete sich eine Frau, nannte sich Opferlamm, performte wild von einem Baum, der am Schluß zur Asche wird und wurde sehr bejubelt.
Richtig, das habe ich noch vergessen, am Anfang gaben die Moderatoren noch eine Doppelkonference.
Dann begann wieder Kurt Obermayr mit zwei Wienerischen Texten übers Essen und den Ottakringer Kannibalen. Tschif, der Zahnschmerzen hatte, hatte vier Texte, einen über die Liebe, einen, der davon handelt, daß man bei allen Aggressionen dieser Welt am liebsten „Aus“ schreien sollte. Sevis und Andy Piankas Texte waren sehr politisch und am Schluß hat Tschif, oft angetreten aber zum ersten Mal in St. Pölten, gefolgt von Andi Pianka und Sevi gewonnen.

Die 3 Gewinner und die Moderatoren

Die 3 Gewinner und die Moderatoren

Dann gab es eine Siegerehrung von der LitGes. Trostpreise Kinokarten und ein Etceteraabo für alle und hundert Euro Extra für den Sieger extra, der gleich ins Tschocherl, wo die El Awadalla ihren Millionenshowsieg feierte, am 10. zum Dialekt Slam einlud und nachher noch eine Party im anderen Kinosaal zum Feiern des zehnten LitGes Slam, der möglicherweise das erste Mal am Karfreitag und in einem vollen Saal stattfand, sehr professionell und literarisch interessant war, sowie lang gedauert hat.
Slams sind ja derzeit sehr modern. Jedes Dorf, jede Stadt hat einen. So gibts am 20. auch einen in Krems, bei dem, wenn ich mich nicht irre, auch die Ruth Aspöck lesen wird, aber ob es uns dorthin verschlagen wird, weiß ich noch nicht.
Und von Thomas Havlik, einen engagierten GAV-Kollegen, der immer das Litarerna junge Literaturetcetera macht und auch ein begnadeter Slamer sein dürfte, ist noch zu erwähnen, daß er nächste Woche im Literaturhaus lesen wird.
Eigentlich eine tolle Idee an einem Karfreitag, wo außer Ratschen, Kirchgang und Fasten nichs los ist und es früher kein Kino gab, einen Poetry Slam zu veranstalten und es erhöht auch die Chance eines Karfreitagsprogramms, wo ich mich einmal erinnern kann, die frühere oder Ehrenobfrau der LitGes Doris Kloimstein besucht zu haben und die schlug den Besuch einer Messe im Dom vor, was für mich, da nicht katholisch, eigentlich nicht sehr passt.

2011-11-14

Die Asche meiner Mutter

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:48

Jetzt kommt die Besprechung von zwei Büchern oder eigentlich doch nur eines, aber das in zwei Teilen, das heißt kapitelweise von Sprache zu Sprache gelesen. Mit Frank McCourt „Die Asche meiner Mutter“ in der wundervollen Harry Rowohlt Übersetzung begonnen, denn das lag vor einiger Zeit im Bücherschrank und das ist ein Buch das man lesen sollte, sicher eines für die „hundert Bücher Liste“, die jeder Gebildete haben soll und das Original nämlich „Angela Ashes“, hat mir Alfred aus New York mitgebracht, als er, 2000 war es wahrscheinlich, mit der Anna dorthin flog, um Tante Idas hundersten Geburtstag zu feiern und weil ich nicht so gerne Englisch lese, habe ich das Buch ins Regal gestellt. John Grishams „The Brethren“, hat er mir auch gebracht, das habe ich auf meinen Fahrten ins SMZ-Ost zur Supervision, die ich damals dort hatte, gelesen, nicht sehr gut verstanden und konnte auch nicht nachschauen, gab es Internet ja noch nicht und auf Deutsch war es noch nicht erschienen.
Aber das gleichzeitige Lesen des deutschen Buches und des Origninals kann ich wirklich nur empfehlen, die Anna hat sich zwar darüber mokiert und gemeint, daß ich beide Bücher lesen soll, aber dazu habe ich nicht genug Zeit, warten ja schon andere.
Wenn man aber auf Deutsch beginnt, hat man einen guten Einblick, dann gehts auf Englisch weiter und das deutsche Kapitel kann man auch überfliegen und sich ein paar Worte einprägen, wenn man zum nächsten Kapitel geht. So bekommt man, glaube ich, auch einen Eindruck von der Übersetzung und die habe ich sehr gut gefunden. Mit John Irvings „Der Bär ist los“ machte ich ja eine Negativerfahrung, aber das Buch habe ich nur in einem unverständlichen Deutsch gelesen. Und noch eine Erfahrung, die man mit dieser Art des Lesens machen kann, das deutsche Buch hat fünfhundertachtunddreißig Seiten, die amerikanische Originalausgabe dagegen dreihunderzweiundsechzig, gut das Buch ist größer, trotzdem läßt sich die Frage stellen, wie ausschweifend hat da Harry Rowohlt übersetzt?
Frank McCourth wurde 1930 in New York geboren und ist 2009 ebendort gestorben, dazwischen lagen die Jahre einer irischen Unterschichtkindheit in Limerick, mit deren Beschreibung, 1996 im Ruhestand erarbeitet, er weltberühmt wurde und 1997 den Pulitzer-Preis bekommen hat. Das steht auch auf der amerikanischen Ausgabe, außerdem steht noch „A Memoir“ darauf und diesen Ausdruck habe ich, glaube ich, von Ana Znidar beim „Tag der offenen Tür“ des Writers studio das erste Mal gehört. Die bieten auch solche Schreibkurse an und im letzten Brief von Judith Wolfsberger wird auch davon berichtet, daß die Amerikaner mit dem Memorienschreiben, das bei uns immer noch einen Volkshochschulruf besitzt oder etwas für die Ghostwriter ist, die dann über das Leben berühmter Personen drüberfahren, ganz anders umgehen als wir.
Frank McCourth, der Lehrer war, hat, wie ich Wikipedia entnehme, kreatives Schreiben unterrichtet, bevor er sich hinsetzte und mit seiner Kindheit in Irland berühmt wurde. Inzwischen gibt es noch zwei Erinnerungsbände „Ein rundherunm tolles Land“ und „Tag und Nacht und auch im Sommer“, wo er seine Erfahrungen als Lehrer verarbeitet. Dieses Buch habe ich inzwischen auch gefunden und habe es auf meiner Leseliste.
„Die Asche meiner Mutter“, ist wohl das berühmteste, es wurde verfilmt und ich habe Ausschnitte daraus auch schon in den „Radiogeschichten“ von Ö1 gehört und zeigt, daß man auch ein tristes Leben durchaus literarisch aufarbeiten kann, vor allem in Amerika, das die Leute ja zum kreativen Schreiben ermuntert und nicht nur eintrichtert, daß man das nicht soll, weil man sonst ja vielleicht den hehren Goethe beleidigt, weil man es nicht gut kann. Frank McCourth kann es und erzählt seine Jugenderlebnisse so, daß es die Leserinnen zum Weinen bringt und man sehr viel erfährt vom rauhen Leben in Irland in den Neunzigerdreißiger und Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts.
Geboren wurde Frank McCourth aber in New York und da fängt das Buch auch an, mit der Geschichte der Mutter Angela, die die Reise über das große Wasser machte, dort Malachy McCourth einen Säufer aus dem Norden Irlands heiratete und von ihm ein Kind nach dem anderen bekam. Gab es damals ja kaum Verhütungsmittel und man war wohl auch in New York nicht aufgeklärt. So schildert Frank McCourth, wie er mit seinem jüngeren Bruder Malachy, den Vater aus den Wirtshäusern holen soll, damit der den kargen Wochenlohn nicht vertrank und, wie der Vater seine Kinder nachts aus dem Bett holte, wenn er betrunken nach Hause kam und sie schwören ließ, daß sie für Irland sterben würden.
Er hat dann auch von Roddy McCorley und anderen Freiheitshelden gesungen und war in die kleine Margaret ganz vernarrt und als die starb, traf es die Familie hart, die Mutter blieb im Bett blieben, so daß der kleine Frank beim italienischen Gemüsehändler Bananen für die kleineren Geschwister stehelen mußte, weil die Mutter, die Kinder den ganzen Tag ins Freie schickte. Eine Nachbarin schreibt dann einen Brief an die Großeltern, so daß die das Geld für Schiffspassage zurück nach Irland schicken, wo aber beide Großeltern nicht entzückt über die Familie mit den vier kleinen Kindern sind. Zuerst leben sie eine Woche bei den Eltern des Vaters, dann kommen sie zu den Eltern Angelas nach Limerick, wo der Vater aus dem Norden ein Außenseiter bleibt und vielleicht deshalb keine Arbeit findet. Wenn er eine hat, vertrinkt er das Geld und kommt am nächsten Tag zu spät, so daß er wieder stempeln gehen muß und dieses Geld auch vertrinkt. Ein Horror für die immer schwangere Mutter, die ihre Babies ständig sterben sieht und die in einem kleinen Häuschen wohnt, wo es von den Klogerüchen, der ganzen Straße ins Zimmer stinkt und die unteren Räume überflutet sind, so daß die Familie in den oberen Stock nach „Italien“ zieht, wo es wärmer ist.
Ein Bild des Papstes gibt es auch und Zigaretten, die die Mutter ständig raucht, sonst ist kaum Geld für Tee und Brot im Haus, so daß Frances mit seinem Bruder stehlen gehen muß, während die Mutter krank im Bett liegt und nach Zitronenlimonade verlangt. In solchen Zuständen bekommt man leicht die Schwindsucht und auch Franks Augen machen nicht mit, so daß sie immer rot geschwollen sind. die Zeiten im Spital sind trotzdem schön, denn da bekommt man was zu Essen, es ist warm, es gibt Bücher und auch Mädchen, die einem was ins Ohr flüstern. Nur wenn die dann sterben bekommt man Schuldgefühle, denn man lebt ja im streng katholischen Irland, wo alles von den Brüderschaften geregelt wird, die Lehrer einen nur stumpfe Sätze nachsagen lassen und die Mutter in den Pfarren, um Brot betteln muß und von den Jesuiten hinausgeworfen wird.
Trotzdem gibt es Aufwind, nämlich den Krieg in Deutschland, der treibt die Männer nach England in die Munitionsfabrik, wo sie dann Geld nach Haus schicken und wenigstens am Freitag Milch und Honig fließen. Allerdings nicht in allen Familien, denn Malachy McCourth schickt kein Geld und verschwindet dann vollständig. Die Mutter wird mit den überlebenden Kindern aus „little Italy“ hinausgeschmissen und Frank verdingt sich trotz seiner schlechten Augen zuerst als Kohlenhändler, das heißt, er hilft einem solchen, der wegen seiner schlechten Beine, die nicht austragen kann und wird mit vierzehn Telegrammbote. Die große Hoffnung ist Amerika und um Geld für die Schiffspassage anzusparen, schreibt er auch Drohbriefe für eine Schneiderin und hat sowieso wegen der Sexualität ständig Angst in die Hölle zu kommen und das ist in Zeiten, wo die Seiten mit der Empfängnisverhütung aus den Zeitungen hinausgerissen werden, besonders schwierig und Aufklärung gibt es ja auch kaum. So hantelt sich Frank durch sein tristes Leben und erzählt mit Hilfe amerikanischer Schreibseminare sehr flott dahin, daß das Buch ein Bestseller wurde und auch Nachahmer gefunden hat.

2011-11-06

KriLit und Geburtstagslesung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:22
Anton Blitzstein

Anton Blitzstein

Stefan Eibel Erzberg

Stefan Eibel Erzberg

Nach der freitäglichen negativen Überraschung bin ich am Samstag doch noch einmal zur Krilit hinausmarschiert, gabs da ja ein verlockendes Programm und außerdem wollte ich mir die Bücher abholen, die ich beim Stand „Literatur der Arbeitswelt“ deponiert hatte. Als ich so um halb zwölf eintraf, war es in den Sälen ziemlich leer. Nur vier Zuhörerinnen bei Brigitte Voykowitsch „Dalits – Die Kaste der Unberührbaren in Indien“, obwohl das ein sehr interessantes Buch war, das viel vom Leben der unberührbaren Frauen, die es geschafft haben, zu studieren und sich in die indische Mittelschicht hinaufzuarbeiten, erzählte. Dann wurde es etwas voller, auf jedenfall war aber Helmuth Barth-Engelbarth, der ein Buch über die „Rote Ziege Zora“ und „GeBlödeltDichte“ geschrieben hat, laut und stimmgewaltig, vor allem las er sich sehr schnell durch sein Kinderbuch mit sehr viel politischen Anspielungen aus dem deutschen Land und erklärte zwischendurch, wie er dazugekommen war. Harry Rowohlt ziemlich ähnlich, wahrscheinlich nicht so bekannt. und dann Gedichte, wo er den deutschen Politalltag und seine Schweinereien verarschte.
Dadurch versäumte ich die Präsentation des „Duftenden Doppelpunkts“, aber den habe ich im Frühjahr ohnehin intensiv verfolgt und hätte Petra Öllinger nur nach dem versprochenen Rezensionsexemplar fragen könnten, habe sie aber nicht mehr gesehen. Der Driesch-Verlag präsentierte noch einmal sein neues Heft, das ich inzwischen habe, da es mir Franz Blaha zum Geburtstagsfest mitbrachte, er las sehr beeindruckende Dialektgedichte, Elfie Resch hatte eine Flüchtlingsgeschichte und das GAV-Mitglied Wolfgang Ratz las und sang mehr oder weniger politische Texte vor.

Eva Jancak

Eva Jancak

Rudi Lasselsberger

Rudi Lasselsberger

Als ich zur nächsten Lesung wollte, begrüßte mich Reinhold Schrappeneder und ich erkannte, daß der junge Mann, der beim Dialektworkshop der El Awadalla sagte, daß er gern mehr Dialekt reden wollte und schon einige albanische Worte gebrauche, die die Albaner als altmodisch empfinden, Ilir Ferrir war, der um halb drei sein bei der Edition Atelier erschienenes Buch „Rauchschatten“ präsentierte. Er hat glaube ich einmal einen der Exilpreise gewonnen und wurde beim Bremer Preis auch von Andrea Grill zur Lesung mitgenommen, diesmal hat er sich einige Albaner als Publikum mitgebracht und erzählte, daß er lange an dem Buch geschrieben hat und daß sein Vater meinte, daß er die kommunistische albanische Wirklichkeit nicht ganz verstanden hätte. Er las dann eine sehr politische Stelle, wo einer vom Parteikader sehr getadelt wird, weil er die Arbeitszeitverkürzung in seiner Abteilung einführen will.
Dann habe ich noch einen Roman einer Salzburger Autorin aus dem Guthmann Peterson Verlag „Eine Hand voll Mond“, gehört und bin zu einem Vortrag eines Altlinken Deutschen Gewerkschafters gegangen, der lang und breit von den politischen Kämpfen in den Siebzigerjahren erzählte, eine Handvoll meist schwarzgekleideter Jugendlicher haben andächtig zugehört, dann bin ich gegangen. Eigentlich wollte ich noch länger bleiben, lasen doch Judith Gruber-Rizy und Helmut Rizy aus Alfred Hirschenbergers Texten, einem 1919 geborenen Wiener Arbeiterdichters, den ich einmal bei Ruth Aspöck kennenlernte, Richard Weihs und Gerhard Loibelsberger hätten auch noch gelesen, aber das Geburtsfest nahte und da haben sich heuer, besonders viele Leute angemeldet. Ich lade ja immer meine ganzen Bekannten ein, so circa fünfzig werden das sein und zwanzig kommen meist, viel mehr gehen in das Wohnzimmer ohnehin nicht hienein, diesmal sinds aber, glaube ich, über fünfundzwanzig gewesen und das Einladen war auch etwas schwierig, habe ich ja zwei Briefe von der Post zurückbekommen, obwohl sie richtig frankiert waren, was wieder köstliche Satiren auf die Post geben könnte bzw. Trauerreaktionen, was sich da alles zum Nachteil verändert hat und noch etwas war anders, außer mir haben nur Männer gelesen und davon die meisten zum ersten Mal. Habe ich ja im letzten Jahr durch meinen Blog oder auch so einige interessante Autoren kennengelernt.
Als ich aufsperrten, da saß schon Rudi Lasselsberger im Vorzimmer und telefonierte, während Alfred ziemlich unbekleidet aus dem Badezimmer kam.

Marinko Stefanovic

Marinko Stefanovic

E. A. Richter

E. A. Richter

Es folgten dann sehr rasch die ersten Gäste, es gab ein bißchen Lachs und Käse zum Essen und auch die ersten Geschenke trudelten ein, Rudi Lasselsberger, der ein kindliches Gemüt zu haben scheint, hat mir ein Märchenbuch und ein Stofftier mitgebracht. Von Trude Kloiber habe ich Maya Haderlaps „Engel des Vergessens“ ein zweites Mal bekommen. Ich verstehe auch nicht, wieso das so oft passiert, daß ich ein Buch zweimal bekomme, gibt es ja genügend zur Auswahl könnte man denken, jetzt habe ich mir Judith Schalanski „Der Hals der Giraffe“, stattdessen gewünscht.
Sara Wipauer die eindeutig die jüngste war, brachte einen chinesischen Spruch und meinte, daß man vor dem Geburtstag nicht gratulieren dürfe. Stephan Eibel Erzberg wolle mir die „Stehlen und Rauben- Anthologie aus der Edition Splitter“ ebenfalls ein zweites Mal schenken, ansonsten Schokolade, Geschenkkörbe, Blumen u.u.u. Anton Blitzstein, der sozusagen als Überraschungsgast auftrat, brachte mir sein Buch „Phantastischer Individualismus in Wien, Literatur und Malerei von Anton Blitzstein aus den Jahren 1980-2010“ mit, dessen Nachwort es eigentlich unverständlich macht, daß er beim „Ohrenschmaus“ nicht mitmachen darf und las ein paar Psychiatrie kritische Texte, dann folgte Stephan Eibel Erzberg und das ist ja ein begnadeter Performer, der wieder die Geschichte erzählte, daß eine Zeitung jeden Tag ein Gedicht von ihm bringen wollte, dann war aber das erste zu sexistisch, das zweite zu politisch u. u. u. Ich zeigte wieder meine Werkshow vor und las dann die „Tanzstundenszene“ aus der „Frau auf der Bank“.

Marinko Stefanovic, den ich vor einem Jahr bei der Literatur im Herbst kennenlernte, meinte, daß ich ihm zum Schreiben von Gedichten in Deutsch ermuntert hätte, er hat mir eine Zeitlang sehr viele Gedichte geschickt, die inzwischen alle im Augustin veröffentlicht wurde, gab eine Probe daraus und fand beim Publikum großes Gefallen. Er gab mir auch Rückmeldung über „Mimis Bücher“, das er ja ins bosnische bzw. serbokroatische, wie er die Sprache noch immer nennt, übersetzt und darüber und über „Die Absturzgefahr“ und das „Haus“ habe ich mich auch mit Christel Fallenstein, die die Bücher gelesen hat, unterhalten. Vorher hat noch Rudi Lasselsberger eine Stelle aus seinem neuen Buch „Tanz in den Mai“ gelesen, das auf meiner Leseliste steht. Bei E.A.Richter wurde es dann wieder lyrisch, es gab unter anderen einige Rosengedichte zu hören.
Dann gabs ein gutes Buffet, obwohl so viele Leute gekommen waren, daß im Zimmer während der Lesung fast kein Platz frei war, ist sehr viel übergeblieben. Außer den bekannten Schweinslungenbraten in Blätterteig und Spinatstrudel, hat es viele Kuchen gegeben. Connections zwischen meinen Besucher von denen sich einige kannten und sich andere neu kennenlernten, gab es auch und jetzt habe ich wieder ein paar Bücher mehr, zum Beispiel noch Auguste Groners „Der rote Merkur“, von dem ich mir auch nicht gan sicher bin, ob ich den Wiener Kriminalroman aus dem Jahr 1907, schon gelesen habe, Anni Bürkl hat ja einmal ein paar ihrer Romane ins Internet gestellt, den mir Judith Gruber-Rizy brachte und Christel Fallenstein brachte mir Ilana Shmueli, eine Theodor Kramer Preisträgerin „Sag, daß Jerusalem ist über Paul Celan Oktober 1969 – April 1970“ gebracht, jetzt bin ich sehr müde und erschöpft.
Und hier die früheren Geburtstagsfeste 2008, 2009, 2010

2011-10-31

Soloalbum

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

„Soloalbum“ von Benjamin v. Stuckrad-Barre, beginnt mit einem Paukenschlag, bzw. steht die Polizei am Bett des Ich-Erzählers, die Feuerwehr und Isabell mit der er verabredet war, sie dann aber doch nicht hereingelassen hatte. Und in der Wohnung sieht es schrecklich aus, überall liegen Zeitschriften und Platten, denn „seit Katharina weg ist (drei Wochen und zwei Tage) habe ich große Schwierigkeiten, den Betrieb hier aufrechtzuerhalten.“
Das ist das erste Kapitel, des 1998 erschienen Romans, das wie die anderen, eine englische Überschrift trägt und so fließt der ganze Roman dahin, das eigentlich mehr ein Bericht ist, besteht die Handlung ja nur daraus, daß der „Ich-Erzähler, gerade mal Anfang zwanzig“, von seiner Freundin verlassen wurde und das haut den jungen Mann, der irgendwo in der Musikbranche arbeitet, eine coole Schnauze hat, sauft und kifft, wie das die Jugend offenbar so tut, total aus den Socken.
Jedes der Kapitel handelt davon, daß der junge Mann versucht sein Leben wieder auf die Reihe bringen, er geht zwar pünktlich arbeiten, läßt seine Bude aber total verkommen, reagiert auf die Trennung mit erstaunlich starken Gefühlen und unternimmt auch viel seine Katharina wieder zurückzubekommen, so schenkt er ihr zum Geburtstag eine Schachtel mit zwanzig Geschenken, ruft ständig an und erzählt ihr auch, daß er jetzt eine supertolle Traumfrau hat „mit perfekter Figur, Frisur wie Justine Frischmann von Elastica, außerordentlich klug, macht nebenbei Theater, organisiert Ausstellungen, dreht gerade einen Kurzfilm in Amsterdam, wohnt im Sommer im New York, hat einen alten Porsche und eine neue Wohnung direkt am Fluß hier, war mal mit Christoph Schlingensief zusammen, hat danach ein halbes Jahr Heroin genommen und ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht…“, wie die Traumfrauen der collen Typen Anfang Zwanzig so sind, was Katharina aber nur zum Gratulieren bringt. Er versucht auch sich sein Übergewicht herunterzuhungern, geht ins Fitneßstudio, um Eindruck auf Katharina zu machen, dann schleppen ihn seine Freunde wieder zu Partys und er hat auch Kontakt zu Isabell und Nadja, etc obwohl das keine Traumfrauen sind. Dazwischen zieht ein Jahr ins Land, er überlegt Katahrina nach Passau nachzureisen und zieht dann doch nur nach München um, hat am Ende einen neuen Job und eine neue Wohnung aber doch die gleiche Sehnsucht nach Katharina.
„Soloalbum“ heißt das Ganze wohl, weil sowohl Autor, als auch Held in der Musikbranche jobben und die verschiedenen Buchteile sind auch immer mit CD-Scheiben dekoriert und der 1975 geborene Benjamin v. Stuckrad-Barre gilt, entnehme ich Wikipedia „als Autor von Popliteratur und thematisiert Medienwirklichkeit und Probleme des jüngeren Publikums zwischen Markenwelt und Selbstfindung.“
Harald Schmidt schreibt auf der Buchrückseite „Benjamin v. Stuckrad-Barre hat in seiner Jugend Maienblüte einfach so das Buch hingelegt, das ich selber gerne geschrieben hätte. Grummel“ und auch Harry Rowohlt hat ein lobendes Wort für ihn.
Mir ist die starke Sprache aufgefallen, in dem schon 1998 einige Probleme beschrieben werden, die es immer noch und jetzt wahrscheinlich viel stärker gibt, die Arbeitslosigkeit z.B. aber das ist nicht das Problem des Helden, der ja arbeiten geht und mit Geld nicht umgehen kann, weil man das in der Konsumwelt, in der er lebt, auch nicht muß und daher das Konto ständig überzieht.
„Zur Zeit keine Auszahlung möglich. Automatendeutsch und so diskret.“
Dann gibt es noch ein paar Szenen, wo mit der coolen Schnauze, die Musikredakteure beschrieben werden, die ihre Gratisscheiben, den Händlern verkaufen, um zu Geld zu kommen oder auch von dem alten Mann, der dem Helden das Fahrrad seiner verstorbenen Frau verkauft, das dieser braucht, um wieder zu einer guten Figur zu kommen. Der Tod von Lady Di wird thematisiert und das Naheverhältnis zu Christoph Schlingensief. Der Held interessiert sich für Musik und Bücher und sonst für nicht sehr viel, so schmeißt er die angegarten Pizzen weg und die Kaffeehäferln schimmeln vor sich hin. So kann es bei Studenten um die sich niemand kümmert schon mal aussehen, daß ein Zwanzigjähriger so an dem Verlust seiner Freundin leidet, daß er Wohnung und Bett nicht mehr verlassen will, hätte ich eigentlich für uncool gehalten und, um als Roman zu gelten, scheint mir das Ganze zu schnell hinuntergeschrieben. Das Buch hat aber offenbar das Lebensgefühl der Jugend um 2000 sehr getroffen. Der Held schwatzt vor sich hin und erzählt auch mal was von den haptischen Eindrücken des Buches, das er nicht hergeben will, das erstaunte mich wieder sehr, hätte ich doch nicht gedacht, daß es den Kindle damals schon gegeben hätte, bin aber auch bezüglich des Musikgeschmacks des Helden nicht up to date, interessiere ich mich ja, wenn überhaupt, mehr für klassische Musik.
Das Buch stammt aus dem Bücherschrank und den Namen Stuckrad-Barre kenne ich von einer der ersten Amadeus-Zeitungen, der inzwischen Thalia heißt und keine Kundenzeitschrift mehr hat. Da gab es einen Artikel über die Popliteraten, wo neben Benjamin v.Stuckrad-Barre, auch Benjamin Lebert und Rosemarie Poiarkov vorgestellt wurde, wenn ich mich richtig erinnere.

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