Literaturgefluester

2018-12-04

Hundert Jahre Frauenwahlrecht und doch etwas Adventliches

Eigentlich hätte ich heute eine sieben Uhr Stunde gehabt und danach wäre ich mit „Sungs Laden“ in die Badewanne gestiegen und keine Adventaktion an diesem Tag, weil von neun bis neunzehn Uhr Stunden und dazwischen eine Stunde Mittagessen, während ich ja den Advent heuer möglichst jeden Tag mit einem kleinen Higlight zelebrieren will und weil ich eine schnelle bin, habe ich schon am dreißigsten November nachdem ich mit meiner Monatsabrechnung fertig war, begonnen und bin bevor ich ins „Siebenstern“ zur „Poetnight“ gegangen bin, in den „Yves Rocher“ eingefallen, habe meine Gutscheinkarte abgegeben und mir selber ein, beziehungsweise zwei Geschenke gemacht.

Das heißt je eine Geschenkpackung mit kleinen Badeölen und dann noch eine rote Apfel Garnitur, mit Handcreme, Lippencreme, Duschbad ectera, deshalb bin ich dann zur „Poet Night“, wo schon der Herr Blaha mit seinen Weinachtsgedichten auf mich gewartet hat, etwas zu spät gekommen und als wir von der „Poet Night“ nach Hause gegangen sind, war schon Samstag, der erste Dezember, allerdings sehr sehr früh und so habe ich, wie ich es mir ja vorgenommen habe, vergessen, eines meiner Bücher in den Bücherschrank zu stellen, was ich erst heute zweimal, einmal im „Wortschatz“ und dann in den in der Zieglergasse nachholte.

Am Samstag waren wir in Harland, da habe ich die Weihnachtsdekorationen herausgeholt und der Alfred hat einen kleinen Teignikolo und noch anderes Adventliches vom Markt besorgt, die Anna mir zwei Guscheine gegeben, wo man sich vom „Kika“ je zwei Weihnachtshäferln, gerade richtig für den Punsch holen konnte und am Sonntag war Jungweinverkostung beim Herzinger in Nußdorf mit Glühwein und Weihnachtskeksen und gestern Montag, der „Ohrenschmaus“, wo es wieder die „Zotter-Schokolade“ gegeben hat und nachher waren wir beim Glühmoststand des „Augustins“ vor dem „Top- Kino“, haben mit der Sozialarbeiterin dort, nett geplaudert und einen Uhudlerglühwein getrunken.

„Heute also nicht!“, habe ich gedacht. Dann sind aber ein paar Stunden ausgefallen und so bin ich, um dreiviertel sieben schnell schnell mit einem schon gewidmeteten „Besser spät als nie“ in den Bus gestiegen und ins Literaturhaus gefahren, weil dort das „PEN Frauenkommitee“ „Hundert Jahre Frauenwahlrecht“ feiert, denn ja das wurde 1918 eingeführt und Doris Kloimstein, die ich am Samstag wegen der Schneelage leider nicht am Markt von St. Pölten getroffen habe, ist dort mit einigen anderen Frauen aufgetreten und hat ein tolles Programm mit berühmten Frauen rund herum gestaltet.

Sonja Henisch die erste Frau vom Peter hat durch das Programm geführt und gerade, als ich in den Saal gehuscht bin, Doris Kloimstein angesagt, die einen Text über Marie von Ebner Eschenbach gelesen hat, die 1830 geboren und 1916 genau, wie der Kaiser gelebt hat und also das Frauenwahlrecht nicht mehr erlebte, aber trotzdem eine emanzipierte Frau war, die mit der Männerwelt sehr zu kämpfen hatte.

Dann kam Christine Tidl und stellte dazu passtend Berta von Suttner vor, die 1914, kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieg, angeblich mit den Worten „Die Waffen nieder“ verstorben ist. Ingrid Schramm widmete sich den britischen Sufragetten und Claudia Thaller ging ein bißchen in die Zukunft nämlich in die Fünzigerjahre, wo Sylvia Platz 1932 biw 1963, die „Glasglocke“ geschrieben hat und mit Elektroschocks behandelt wurde und Maghdalene Tschurlovits erkliomm mit einer tollen Handtasche, die Bühne, nahm aus ihr ein altes englisches Buch heraus, in dem es eine Übersetzung eines der dreizehn Bücher von der Weltreisenden Ida Pfeifer, die in Wien geboren und verstorben ist, herus und stellte diese tolle Frau vor, die zu Zeiten durch die Welt reiste, wo es noch lange kein Frauenwahlrecht gegeben hat, dann kam ein Interview, das offensichtlich Sonja Henisch mit Olympe de Gouche, eine Kämpferin der französischen Revolution aus dem Jenseits führte und ganz am Schluß kam noch der Advocatus Diabolis und erklärte den Frauen, warum sie kein Frauenwahlrecht brauchen?

Eine sehr interessante Veranstaltung, wo es für mich sowohl Bekanntes als auch Unbekanntes zu hören gab und wenn ich unken möchte, würde ich sagen, was nützt das Frauenwahlrecht, wenn dann doch etwas anderes, als gewünscht herauskommt und die „Omas gegen rechts“ von den Rechten vehöhnt und verspottet werden, wie ich vor kurzem auf einem Video hörte.

Es gab aber gute Stimmung im Literatuhaus mit Wein und Gesprächen und Doris Kloimstein hat mir, welch Überrschung auch noch ein „Weihnachtsbuch“ geschenkt und ein Buch habe ich mir aus dem Bücherschrank auch herausgezogen, nämlich eines mit „Schweizer Geschichten“ aus den Fünzigerjahren, das ich mir voräufig auf meinen Weihnachtstisch mit den anderen Büchern, die noch kommen werden, zu einer Art Bücherchristbaum zusammenstellen kann und wem es interessiert, die „Nika Weihnachtsfrau“ ist auch schon gewidmet und ich werde sie mitnehmen und in den „Wortschatz legen“, wenn ich morgen zu Stephan Teichgräber gehe, das wird wahrscheinlich kurz vor drei geschehen, wer sie also haben will, rechtzeitig hingehen!

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2017-04-21

Von zweihundert Jahre Leo zur Krise der Nachkriegszeit

Vielleicht im Zusammenhang mit dem „Welttag des Buches“ oder nur so, feiert die Buchhandlung Leo an diesem Wochenende zu ihrem zweihundertjährigen Bestehen ein Lesefestival rund um den hohen Markt.

Eine Information, die ich von der Hauptverbandsseite habe, denn eigentlich, ganz ehrlich, war mir die Buchhandlung Leo kein Begriff, obwohl ich im Nachhinein daraufgekommen bin, daß ich sie schon einmal gesehen habe.

Ob ich in ihr drinnen war und etwas kaufte, weiß ich gar nicht so genau.

Denn ich ziehe mir ja inzwischen meine Bücher meistens aus den Abverkaufskisten des „Morava“, gelegentlich aus der kleinen alten Buchhandlung in der Lerchenfelderstraße vielleicht und da gibt es noch den „Thalia“ in St. Pölten, das wäre außér den offenen Bücherschränken schon alles. Ja richtig, im Jänner habe ich mir in Salzburg auch etwas gekauft.

Auf das Lesefestival bin ich aber neugierig geworden, das am Freitag Nachmittag mit der Begrüßung der Buchhändlerin, die Buchhandlung wird von zwei Schwestern geführt, in den Räumen des Alpenvereins begonnen hat.

Warum das dort war, weiß ich eigentlich nicht so genau, aber wahrscheinlich wären in die Buchhandlung nicht so viele Leute hineingegangen und es hat sogar, glaube ich, deshalb ein Gewinnspiel gegeben, wie die Buchhändlerin erklärte, als ich kurz vor drei den Saal betreten hate.

Dann hat das Programm schon begonnen, das sich, glaube ich, auch rund um die Innere Stadt oder den hohen Markt zentrierte, denn es kam zuerst ein Geologe mit einem witzigen Buch, das „Haie, Goethe und die Gurken“ hieß und von dem er einen kurzen Einblick über die fünfzehn Kapitel gab, die erklärten, wo es in Wien Haifischzähne zu finden gibt, warum das Maria Theresia Denkmal und das des Goethes so verstrahlt ist, wie das mit dem Zentralfriedhof, den Dnosauriern und mit noch vielen anderen ist.

Dann kam der Psychiater und Filmemacher Houchang Allihary mit seinem Buch, das er, glaube ich, mit einem Ghostwriter geschrieben hat „Normalsein ist nicht alles“, wo er seinen beruflichen Werdegang erzählte.

Dazwischen gab es immer Pausen mit Buffet und Gesprächen, sowie einen Büchertisch. Für die Kinder hat es, glaube ich, ein Buchbinderworkshop, wo man sich ein „LEOrello“- ein Erinnerungsbuch an das „200-jährigeBestehen der Buchhandlung“ mit schönen Bildern von der Umgebung und den Orten, wo die Buchhandlung früher, beispielsweise im „Heinrichshof“ gegenüber der Oper, der 1952 abgerissen wurde, machen konnte  und ein Probeklettern, sowie eine Bücherecke gegeben.

Lida Winiwewick mit ihren Lebenserinnerungen „Der verlorene Ton“, sowie Wolfgag Popp, den ich schon einmal im Literaturhaus gehört habe, folgte mit seinem Roman „Wüste Welt“ da projezierte er auch die Bilder von seiner Recherchereise durch Marokko an die Wand und erzählte einiges zur Erstehung des Buch.

Dann wars schon kurz vor sechs. Es gab Wein, Brot und Aufstriche, vorher hat es eher Kaffee und Kekse gegeben und noch einmal eine Leserunde, die aus dem Krimiautor Andreas Pittler, Eva Geber, die, glaube ich, Rosa Mayreders „Haus in der Landskrongasse“, die ja ganz in der Nähe ist,vorstellte, Dick Stermann mit seinem neuen Buch und ein Nachrichtensprecher, aber ich habe mich doch entschloßen in die Wien-Bibliothek und zur zweiten Karl Kraus Veranstaltung zu gehen, wo ja das auf Deutsch übersetzte und in der „Bibliothek der Provinz“ herausgegebene Buch „Karl Kraus -Die Krise der Nachkriegszeit und der Aufstieg des Hakenkreuzes“ von Edward Timms vorgestellt wurde.

Der Lesesaal der Wien Bibliothek, die ja, wie die Direktorin Sylvia Mattl-Wurm erklärte, den Karl Kraus Nachlaß beherbigt, war sehr voll von Karl Kraus Experten, aber auch von anderen, so fragte mich die Frau, die neben mir saß, wer Karl Kraus war?

Gar nicht so leicht zu beantworten. Ein Schriftsteller und Satyriker, für Österreich ein großer Mann und streitbarer Geist, der die „Fackel“ herausgegeben und „Die letzten Tage der Menschheit“ geschrieben hat, mit Gott und der Welt wahrscheinlich zerstritten war, Gedichte geschrieben und, wie ich glaube auch Opernarien gesungen hat.

Näheres ist sicher bei „Wikepedia“ nachzulesen oder unter www.kraus.wienbibliothek.at, wie Sylvia Mattl-Wurm noch erklärte und das Buch kann man sich natürlich auch kaufen.

Ich habe aber noch zwei ungelesene in meinen Regalen. So hörte ich nur der Einleitung von Hubert Christian Ehalt und dem Vortrag von Edward Timms zu, der einige Symbole erörtere, die Karl Kraus in den Zwanziger- und Dreißigerjahren, als in Wien allmählich das Hakenkreuz aufzog und das andere verdrängte, störte.

Dann gabs ein Gespräch mit dem Autor und der Übersetzerin und es wurden auch über die „Letzten Tage der Menschheit“ gesprochen, die Edward Timms ins Englische übersetzt hat.

Dann gabs wieder Brot und Wein, ich habe aber nur ein schnelles Gläschen getrunken, weil ich dachte, vielleicht komme ich noch zur „Nacht-Lese-Party der Buchhandlung Leo zurecht.

Wär ich wahrscheinlich auch, nur leider war das Haustor verschlossen und es hat mir niemand aufgemacht. Es ist auch niemand hinuasgegangen und ich wollte auch nicht lange warten, so habe ich den Abschluß versäumt und kann meinen interessierten Lesern nur verraten, daß es morgen, um elf mit einem Vortrag zur Buchhandlungsgeschichte und einer anschließenden Rätselralley beziehungsweise einem Open House in der Buchhandlung am Lichtensteg weitergeht.

Da kann man sich vielleicht auch die „Anthologie zum Welttag des Buches holen“ beziehungsweise diesen feiern.

2015-12-10

Rekord-Hitze & Jahrhundert-Winter

Filed under: Bücher — jancak @ 00:52
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Jetzt bin ich schon wieder etwas meiner Zeit voraus, nämlich bei  Daniel Jokesch & HYDRAs Jahresrückblick, den diese aus den Schlagzeilen vom Jänner bis Oktober erstellten, man sieht „Holzbaum“ hatte es noch eiliger und es ziehrt natürlich der Bilanzencrash das Cover des Jahrbuchs, vereint mit aufmunternden Worten an den Absteigenden: „Schau! Wenn man zurückblickt, geht es wieder bergauf!“

Wie wahr, sagt da die Verhaltenstherapeutin! Aber blicken wir uns durch die „Cartoons & Schagzeilen“, wo sich die Zeichnungen mit den Schlagartikeln munter ablösen.

So beginnt es schon mal mit den „tollsten Schlagzeilen, die wir 2015 gerne gelesen hätten!“, wie die vom Überstundenabbau Bürgermeister Häupls beispielsweise oder die über die Schlepperdienste der Innenministerin Mikl-Leitner.

Dann gehts zu einem nachgemachten Rorschachtest. Für die Psychodiagnostikerin  besonders interessant und ich bekenne gleich, ich hätte „zwei freundliche Hippos“ und nicht den „Villacher Fasching“ erkannt.

Das „Heisere Bezirksgericht“ gibt es auch und schwarze Cartoons zum Untersuchungsausschuß, die „Dunkel ins Dunkle“ bringen sollen.

Dann wird ein Frühstück bei einem Separatistenführer beschrieben, der die „Freie Volksrebublik Meidling“, für alle Nicht-Wiener, das ist ein Bezirk Wiens, ausgerufen hat und eine „Katzenplage in Traiskirchen“ gibt es auch, die aber wahrscheinlich  längst behoben ist, denn die Österreicher sind bekanntlich tierliebend.

Dann kommt und ich gebe es gerne weiter, eine Werbedurchsage, denn Weihnachten naht bestimmt und Werbung für Daniel Jokeschs „Holzbaum-Bücher“ kann ich auch machen, habe ich ja alle drei gelesen.

Im Jahrbuch kommen wir indessen zum Film und zu Facebook und da lautet die Werbedurchsage „Das Buch für den Leser von morgen, gararantiert ohne komplizierte Schriftzeichen“ Von Teilnehmern der Pisa-Studie empfohlen.

Erraten, die Daumen zieren das Cover vom „Neuen von der Frankfurter Buchmesse.“

Mit Facebook geht es weiter,  dann kommen wir zu Angelika Merkl und zum islamischen Staat, der uns dieses Jahr   sehr bewegt und erschüttert hat, obwohl die Anschläge von Paris der letzten Wochen ja noch nicht eingearbeitet sind.

Wahlprognosen gibt es auch und Vorschläge für Hassposter: „Ab fünf Uhr wird zurückgepostet!“

Wer noch ein Weihnachtsrezept benötigt, dem sei „Jamie Olives Weihnachtshuhn Kriechenland“ empfohlen und einen Artikel „Beim Finger des Varoufuckis!“, gibt es auch.

Dann kommt Sport, beziehungsweise das österreichische Fußballwunder und am Schluß geht es natürlich in den „Jahresausblick 2016“, wo man sich schon einmal die Prognosen für das kommende Jahr holen kann.

Das „Jahreshoroskop für Rassisten und Misanthropen“ gibt es auch und wer jetzt neugierig geworden ist, mehr und das alles viel genauer und sich die Cartoons von Daniel Jokesch anschauen will, dem ist das Jahrbuch wirklich zu empfehlen.

„Sind Sie sicher, daß Sie 2015 beenden wollen? Beenden Abbrechen, Guten Rutsch!“

Ein bißchen habe ich ja auch in die Präsentation am ersten Dezember hineingeschaut, ein Gläschen Sekt getrunken und zwei Knallfrösche geworfen.

2015-09-17

Hundert Bücher und gute Literatur

Am Mittwoch, die richtige Eröffnung der einundvierzigsten literarischen Saison in der alten Schmiede und ein sehr großes Konkurrenzprogramm, nämlich das Come together nach dem Fest im Amtshaus Margareten, Meg Wollitzer von der die Litblogger so begeistert sind, in der Hauptbücherei, Sabine Gruber, Thomas Havlik moderiert von Robert Schindel im Literaturmuseum und dann noch eine achtzehn Uhr Klientin, die allerdings nicht gekommen ist.

Die  Literatin in mir hat sich für die „Alte Schmiede“ entschieden und das dann eine Zeitlang bereut, denn dort im Zeitschriftensaal standen die Assistenten mit ihren Mappen und Kurt Neumann begrüßte die geladenenen Gäste, wahrscheinlich die hundert Literataten, die die hundert Büchern zu den Projekten der „Alten Schmiede“ geschrieben haben und ich bin nicht dabei.

Naürlich nicht, denn ich stehe ja mit meinen selbstgemachten Büchern außerhalb und bin froh einen Termin bei den „Textvorstellungen“ zu bekommen, also neben den Begrüßungsküsschen stehen und trotzdem mitbekommen, daß unten im Keller die Plätze für die geladenenen Literaten, Marie Therese Kerschbaumer, Barbara Frischmuth, Ferdinand Schmatz, Ann CottenAnna Migutsch, Markus Köhle und und und reserviert waren und im Schmiedesaal nahm eine Schulklasse Platz, ein paar Mädchen mit Kopftüchern und eine Lehrerin, die ihren Schülern draußen vor dem Tor die Fragen einprägte, die sie stellen sollten, denn das wird wahrscheinlich für die Matura relebvant.

Ich weiß gar nicht, wann Gelegenheit dazu war, denn zuerst gab es die Ausstellungseröffnung im Galeriesaal, das heißt, damit nicht so ein Gedränge wäre, wurde das in den Schmiedesaal übertragen.

Ich bin ganz hinten zwischen Friedrich Achleitner und Renata Zuniga gesessen, in der Seitenloge  Ilse Kilic und Fritz Widhalm und Kurt Neumann eröffnete  die einundvierzigste Saison mit einem Hinweis auf die katastrophale aktuelle Lage, der Flüchtlingsstrom von Syrien durch Österreich und kam dann zurück zu den hundert Büchern, die auf Grund von Veranstaltungen der vorangegangenen vierzig Saisonen entstanden sind.

Denn da gab es ja einige , den Club Poetique, die Autorenlabors, die Grundbücher, die Vorlesungen zu Literatur, die Assistenten von denen es inzwischen auch schon viele gibt, haben die in Folge dessen entstandenen Büchern mit fünf Farben markiert, damit man sich auskennt und außerdem  im aufgelegten Handout nachschauen kann.

Kurt Neumann zählte einiges auf und erzählte Anekdoten, nannte Namen von den Veranstaltungen und den Reihen, Angelika Reitzer hat eine neue, wo sie sich mit den literarischen Neuerscheinungen beschäftigen, Michael Hammerschmid kuratierte die „Poliversale“ beziehungsweise im vorigen Juni das Kurzfestival „Dichterloh“ und und und dann konnte man sich die Ausstellung eine viertel Stunde ansehen, bevor es im reservierten Kellersaal weiterging.

Trotzdem habe ich einen Platz gefunden, neben Cornelius Hell und hinter Petra Ganglbauer, für Bernhard Fetz war auch ein Platz reserviert, aber der eröffnete oder moderierte wahrscheinlich im Literaturmuseum und die Frage was gute Literatur ausmacht wurde von der „Alten Schmiede“ vor einiger Zeit vierzig Autoren, Literaturwissenschaftlern, Verlagsmenschen etcetera gestellt, mich hat keiner gefragt, aber ich gehöre ja nicht zum experimentellen Insiderteam, obwohl zehn gar nicht geantwortet haben, die nächsten zehn sind dann in weiterer Folge verschwunden und der Rest wurde zu Paaren zusammengestellt um diese Frage zu beantworten, daraus ergab sich dann ein dreihundertfünfzig Seiten Briefwechsel.

Spannend die Frage, wieviele Bücher daraus entstehen könnten?

Es wurden aber auch vier Kuratoren bestimmt, Anna Kim, die Schriftstellerin, Thomas Eder der Literaturwissenschaftler,  Florian Neuner der Philosoph und Verlagslektor, der einmal den Rimbaud-Preis für Menschen unter neuenzehn gewonnen hat und Helmut Neundlinger ebenfalls Literaturwissenschaftler, Publizist und Autor, die erstellten einen fünf Fragenkatalog und stellten dazu die Antwort der Autorenkorrespondenz zusammen, von der sie dann kurze Beispiele gaben.

Jeder der Kuratoren hat sich mit zwei Tandempaaren beschäftigt, die da Ann cotten und Ferdinan Schmatz, Leopold Federmayr und Retro Ziegler, Karin Fleischanderl und Markus Köhle, Lydia Mischkulnig und Vladimir Vertlib, Anna Migutsch und Christian Steinbacher, Samuel Moser und Andrea Winkler, S.J. Schmidt und Hermann Wallmann, sowie Thomas Stangl und Anne Weber waren.

Da sich darunter ja auch einige experimentelle Autoren befanden, waren die Ausführungen dann auch sehr theoretisch, aber ich habe derzeit durch mein Buchpreisbloggen und mein LLlesen ja eher praktische Erfahrungen und zum fünften Punkt, dem schlechten Schreiben, etwas was ja ich angeblich betreibe, sind wir  gar nicht mehr gekommen, denn das Publikum drängte zum Wein, den Trauben und den Traubensaft, es gab auch  noch Gespräche über die Veranstaltung, von der ich mir, da ich derzeit ja sehr viel lese und darüber bücherblogge, vielleicht mehr Praktischeres erwartet habe.

Es kam zwar das Bonmot, daß Literatur aufrühren und verstören müße, Kafka hat da auch etwas von einer „Axt“ gesagt, während Karin Fleischanderl, mit der ich mich unterhalten habe, meinte, daß sie auch trösten könne.

Das trifft zwar vielleicht den Kitschvorwurf, die Leser wünschen sich das, wie man an der Buchpreisdebatte sehen kann, aber und die Buchhändler natürlich, die ihre Bücher an die Leute verkaufen wollen und die interessieren sich wahrscheinlich mehr für Krimis oder für die Alina Bronsky als für die hundert in der „Alten Schmiede“ ausgestellten Bücher.

Die berühmten Bücherblogger reagierten auch irritiert und verärgert, daß Ulrich Peltzer auf die Liste kam und vor zwei Jahren Reinhard Jirgl, den hat Tobias Nazemi  abgebrochen, weil er ihm zu sperrig zu lesen war. Da stellt sich natürlich die Frage, schreibt der Autor für sich oder für den Leser?

Arno Schmidt, die Autoren der hundert Bücher in der „Alten Schmiede“ und wahrscheinlich auch die „Büchner-Preisträger“ tun wahrscheinlich Ersteres.

Die Krimiautoren sehen das wahrscheinlich anders und betrachten sich eher als Dienstleister für die Leser und ich würde gute Literatur hauptsächlich über die Authentizität definieren.

Wenn sie ehrlich ist, dann ist sie für mich wahrscheinlich gut, auch wenn sie realistisch und eine Handlung hat oder sagen wir gerade deshalb, obwohl ich ja auch zu Andrea Winkler Lesungen gehe und Richard Obermayr lese, dessen erster Roman, wie Kurt Neumann erklärte, ja auch durch seine Mitwirkungen bei den „Textvorstellungen“ entstanden ist.

Bei Valerie Fritsch, die ich ja auch gelesen habe, ist es mir jetzt passiert, daß mich „Winters Garten“ etwas enttäuschte und ich das Buch eher kitschig als poetisch fand.

Sonst bin ich ich ja wahrscheinlich nicht sehr kritisch, verreiße eher nicht, sondern lese mich, wie ich vermuten würde wertschätzend durch den literarischen Gemüsegarten und für die, die es wissen wollen, ich halte mich und mein Schreiben auch für gut, obwohl es ja Stimmen gibt, die etwas anderes behaupten.

2015-01-21

Zum zweihundertsten Geburtstag von Betty Paoli

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:43

„Durch und durch Genie“ unter diesen Titel veranstaltete Claudia Erdheim ein Symposium in der „Gesellschaft für Literatur“, hat sie ja über die am 30. Dezember 1814 geborene Barabara Elisabeth Anna Glück eine Romanbiografie geschrieben, die sie schon in der „Alten Schmiede“ vorstellte.

Jetzt also eine Minisymposium, wie Manfred Müller in seiner Einleitung erklärte, von sechzehn bis neunzehn Uhr in den ehrwürdigen Räumen des Palais Wilczek und einen umfangreichen Büchertisch gab es auch.

Hat ja auch Eva Geber eine Buch über die Lyrikerin und Feuilletonistin geschrieben und die schreibenden Frauen des neunzehnten Jahrhunderts werden jetzt überhaupt prominent in den Medien oder sonstwo vorgestellt, gibt es da auch die vierbändige Marie Ebner von Eschenbachausgabe, die von Daniela Strigl, Evelyne Polt-Heinzl et al herausgegeben wird und die ist auch die Gräfin aus dem Erdheim-Buch und da habe ich nicht nur inzwischen das „Gemeindekind“ und „Krambambulli“ gefunden und auf meiner Leseliste, sondern auch vor kurzem „Lotti, die Uhrmacherin“ gelesen und den großen Roman einer anderen großen Adeligen, die im vorigen Jahr groß gefeiert wurde, habe ich dank Andrea Stifts Hilfe auch gelesen.

Jetzt also wieder ein bißchen hinein in das neunzehnte Jahrhundert und in das Leben der Barbara Elisabeth, wo nicht so ganz klar ist, ob sie jetzt die Tochter eines jüdischen Bankiers oder ungarischen Adeligen ist, hat sie ja ihre Biografie zu Lebzeiten sehr geheim gehalten und gemeint „Das geht die Öffentlichkeit nichts an, was die Nachwelt treibt, kann ich nicht verhindern!“ und so ist Claudia Erdheim in die Wien-Bibliothek gegangen, hat die Tagebücher und die Briefe gelesen und am Nachmittag im Palais Wilczek ein bißchen was aus ihrem Leben erzählt. Der Vater hat viel Geld hinterlassen, die Mutter hats verspielt, hatte nicht Bertha von Suttner eine ähnliche Biografie? So muße sich die Tochter als Gouvernante, Gesellschafterin und Vorleserin verdingen, hat aber bald Gedichte geschrieben und war schon mit dreiundzwanzig Jahren damit berühmt.

Jetzt ist sie vergessen, beziehungsweise wurde sie von Eva Geber und Claudia Erdheim wieder entdeckt und Manfred Müller sprach noch von den drei Vorträgen mit denen ihr Werk in dem Kurzsymposium von drei Frauen vorgestellt werden würde und so begann, die mir unbekannte Galina Hristeva aus Stuttgart mit der Lyrik der Paoli und die Gedichtzeilen, die sie vorstellten, klangen auch recht schwülstig, neunzehntes Jahrhundert halt.

Das mußte auch ein Herr im Publikum so empfunden haben, denn er fragte die Referentin, ob sie die Gedichte wieder auflegen würde, wenn sie einen Verlag hätte?

„Wahrscheinlich nicht!“, antwortete die, aber Eva Geber verteidigte die Autorin und sprach von einem Gedicht, das in einem ihrer Schulbücher gestanden hat, das sie zu der Dichterin gebracht hätte.

Dann folgte der Vortrag von Evelyne Polt-Heinzl,  in dem sie die Autorin ein bißchen aus der Perspektive des einundzwanzigsten Jahrhunderts vorstellte, was im Publikum sehr gelobt wurde.

Dann gabs eine Pause mit Gesprächen und danach folgte Eva Geber mit „Hehre Dichtkunst – niederer Journalismus – glanzvolle Feuilletons“, wo klar wurde, daß die Paoili von ihren Gedichten nicht leben konnte, aber mit ihren Feuilletons in der „Neuen freien Presse“, wo sie sich sehr für die Frauenfrage und für die Mädchenbildung eingesetzt hat, offenbar recht gut verdiente, mußte sie sich doch allein ernähren, obwohl sie ja bei ihrer Freundin Ida Fleischl wohnte. Sie war auch eine strenge Kritikerin, vor der sich die Ebner von Eschenbach fürchtete und sehr froh war, wenn sie von ihr anerkannt war. Die drei Damen haben auch geraucht und miteinander Karten gespielt.

Danach ging es sozusagen in die literarische Soiree, denn es tauchten zwei schwarzgekleidete junge Frauen auf, von denen eine eine Geige hatte und Strauss Walzer spielte, während sich Claudia Erdheim durch ihre Biografie gelesen hat.

Dann folgte die „U-Bahnstimme“ Angela Schneider und las Gedichte von Betty Paoli und da erschien es mir plötzlich nicht mehr schwülstig, sondern interessant und aktuell und ich schaute auf die Decke und den Luster, der dort hing und dachte, das Ambiente stimmt, nur wir sind mit unseren Jeans und den derben Schuhen falsch angezogen! Das mußte auch Manfred Müller so empfunden haben, der am Schluß sagte, daß vielleicht vor hundertfünfzig Jahren auch Betty Paoli und Ida Fleischl zu den Soirees des Palais Wilczek gekommen sind. Franz Grillparzer war jedenfalls da und da habe ich auch ein Buch gelesen und  noch eine Biuografie auf meiner Leseliste stehen, die allerdings von einem Autor aus der Nazizeit stammt.

2014-06-21

Jahrhundertsommer

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:27

Zum Sommerbeginn ein Sommerbuch, das ich vor zwei Jahren, ungefähr um diese Zeit, ich glaube, aus dem Schrank in der Brunnengasse gezogen habe, als ich zum Geburtstagsfest der Iris ging, das dann nicht stattfand.
Ein weißes Büchlein ohne Cover Kerstin Dukens „Jahrhundertsommer“ – „Ihr persönliches Leseexemplar – unkorrigierte Fassung, Erstverkauf am 7. 8. 2007.- Wir bitten Sie, Rezensionen nicht vor dem Erstverkauf zu veröffentlichen!“
Da habe ich natürlich nachgegooglet und bin darauf gekommen, das Kerstin Duken 2006 den „Brigitte-Romanwettbewerb“ gewonnen hat. Ausgesucht aus 1610 Manuskripten von Julie Zeh, Birgit Vanderbeke, Wladimir Kaminer und dann hat die 1966 geborene Werbetexterin ihr Buch auch noch in zwei Monaten geschrieben.
„Wow!“, inzwischen gibt es noch einen Erzählband und die Autorin, die sich offenbar gar nicht so als solche sieht, schreibt schon am nächsten Roman.
Da frage ich natürlich nach den eintausendsechshundert anderen Manuskripten und würde gerne wissen, was aus ihnen geworden ist, wieviele inzwischen ebenfalls veröffentlicht wurden und wieviele noch in den Schubladen liegen? etwas was man wohl nicht erfahren wird.
Kerstin Duken Erstling ist jedenfalls bei „Goldmann“ erschienen und wenn man zu „Amazon“ googlet kann, man auch das Cover sehen „Ausgezeichnet mit dem „Brigitte-Romanpreis“ steht noch darauf.
Wenn man zu den Rezensionen geht, kann man lesen, daß viele der Besprecher mit dem ausgezeichneten Buch nicht ganz zufrieden sind, daß sie meinen, daß Kerstin Duken zwar schreiben könne, etwas dem Buch aber fehlen würde und dem kann ich mich irgendwie anschließen.
Aber schön der Reihe nach. Um was geht es in dem Buch? Es geht um den Sommer, beziehungsweise drei davon, den von 2002, 2003 und 2006 und es geht um Berlin, die Stadt in dem das Buch spielt.
Jetzt würde ich noch gerne wissen, ob „Berlin“ das Thema der Ausschreibung war, Kerstin Duken, wohnt seit einigen Jahren jedenfalls, wie ihre Heldin Iris, in dieser Stadt. Geboren wurde sie, glaube ich, in der Nähe von Bremen, aber die biografischen Angaben, die man im Netz findet, sind rar. Im Buch gibt es überhaupt nichts davon.
Das Buch ist in drei Teilen gegliedert, von einem Hochwassersommer, Hitzesommer und Fußballsommer, habe ich auch etwas gelesen. Der letztere, der von 2006 bietet die Rahmenhandlung, beziehungsweise den Pro- und den Epilog, dann gehts ins Jahr 2003 und da geht sich Iris in eine Werbeagentur vorstellen, Mark, der Projektleiter erzählt etwas vom „Kundenficken“.
Sie scheint den Job zu bekommen, hat Fantasien vom sozialen Aufstieg, sie wird sich dann noch bessere Markenklamotten kaufen, fährt zu ihrer Familie in das Dorf bei Bremen und besucht die demente Großmutter, dann geht es wieder zurück nach Berlin und zu einer Party. Sie wird in einem Hinterhof überfallen und ausgeraubt, was sie so sehr traumatisiert, daß der Traum vom guten Job zu Ende ist.
Dann gehts in den Jahrhundertsommer von 2003, Iris hat sich verschiedene Wohnungen angesehen und sich im 21. Stock eines Plattenbaus mit Portier und Hausmeister in der Leipziger Straße niederlassen. Sie geht am Abend oft aus, sprecht Männer oder Frauen an und verbringt die Nacht in ihren Betten. Und sie ritzt und schneidet sich. Raoul kommt zu Besuch, bietet ihr einen Auftrag an, besucht sie mehrmals und erpresst sie dann, als er ihre zerschnittenen Arme sieht.
Aber Iris ist eigentlich ohnehin schon am Aussteigen bzw. umsatteln, hat ihr doch eine Freundin, da sie oft in den Gesichtsaal zusehen geht, eine Zeitungskolumne vermittelt. Da gibt es eine merkwürdige Bekanntschaft zu einer merkwürdigen Sekretärin die Absencen oder eine gespaltene Persönlichkeit hat. Jedenfalls kauft sich Iris zwei Psychologiebücher, eines über Borderline und eine über multiple Persönlichkeiten.
Sie beginnt auch eine Beziehung zu einem Rechtsanwalt und der zweite Teil endet mit einer großen Schneiderei. Während im Epilog des Jahres 2006, alles überwunden oder zumindest zum Teil gelöst scheint.
Berlin ist ein hartes Pflaster und die Karrieren der jungen Frauen von 2002 bis jetzt, sind sehr schwierig, da wird Cola light getrunken, Gummibärli gegessen, geraucht, gesoffen und geschnitten, nicht nur in Kerstin Dukens Buch, da habe ich schon einiges andere gelesen und man könnte auch denken, wenn man pessimistisch ist, daß die Iris vielleicht, die erwachsene Maulia Schmitt werden wird..
Was mich an dem Buch ein wenig störte, war das rasante Darüberhasten über das Leben einer jüngeren Frau in der Großstadt, über die man nicht wirklich viel, als die Schwierigkeit des Lebens, erfährt, ein bißchen wird über das Leben und Gewohnheit resumiert, es aber keine wirkliche Handlung, mit Aufbau, Konflikt und Entwicklung gibt.
Der Brigitte-Romanwettbewerb, habe ich ergooglet, war einer für Debuts und hat es offenbar von 2004 bis 2008 gegeben. Er hatte immer eine hohe Bewerberzahl, also circa zweitausend Debutanten, die dafür einen Roman schrieben oder schon geschrieben hatten, was auch sehr spannend ist, daß eine Frauenzeitschrift so viel kreatives Poetental fördern kann. Interessant aber, daß ich die Namen der anderen Preisträger noch nie gehört habe und ihre prämierten Werke nicht zu mir durchgedrungen sind.
Und jetzt auf in den Sommer, der vielleicht genauso heiß und hoffentlich psychisch weniger anstrengener wird.
Ich verlinke noch zu einigen anderen Berlin Büchern, die mir auf die Schnelle einfallen und die mir dazu passen scheinen.

2011-02-16

Hundert Bücher

Filed under: Uncategorized — jancak @ 14:33

Ich bin ja keine besondere Freundin der Challenges der Bücher-Blogger und das Literaturgeflüster ist auch nicht der übliche Bücherblog, obwohl mich Bücher ja sehr interessieren und ich auch ein Faible für Bücherlisten habe, bzw. einen großen Vorrat an noch zu lesenden Büchern, die ich bewältigen will.
Daß die meist sehr jungen Bücherblogger sich gern selbstgewählten Aufgaben stellen, habe ich aber mitbekommen und das Projekt 31 Bücher in 31 Tagen, das letzte Mai in vielen Blogs herumgeisterte und von den meisten auch vorzeitig beendet wurde, hat mich zu einem gleichnamigen Artikel veranlaßt, in dem ich aber nur geschrieben habe, daß ich da nicht mitmachen werde.
Trotzdem haben sowohl die offenen Bücherschränke, als auch Leselustfrust, als die noch viel gelesen hat, meine Lesequote sehr gesteigert und der Bücherturm im Badezimmer ist jetzt auch besonders hoch.
Sechzehn Bücher habe ich dieses Jahr schon gelesen, elf im Jänner, im Februar bis jetzt fünf und wenn das so bleibt, könnten es bis Jahresende hundert werden. Neunzig waren es ja schon im letzten Jahr und da bin ich bei Charlousie auf eine Challenge gestoßen, die mich aus diesen Grund interessiert, da ich mich ja immer wieder dabei ertappe nachzudenken, in welcher Reihenfolge ich meinen SUB auflesen werde. Neue Bücher bringen in diese Planung zwar regelmäßige Schwierigkeiten, aber mir selbst und meinen Lesern eine Liste der hundert Bücher aufzustellen, die ich 2011 lesen will, ganz egal, ob und wie ich das dann schaffe und wie ich im Laufe des Jahres umdisponieren werde, ist eine Verlockung, der ich diesen Nachmittag einen Extraartikel widmen will, bevor ich am Abend zur literarischen Soiree in Radio Kultur Cafe gehen werde, meine Leser können beobachten, wie gut ich die Vorlage erfülle oder ob ich schließlich was ganz anderes lese.

1. Jurij Brezan „Die grüne Eidechse“
2. Karl Olsberg „Das System“
3. E.Y. Meyer „Eine entfernte Ähnlichkeit“
4. Hanns-Josef Ortheil „Hecke“
5. Roddy Doyle „Das Frittenmobil“
6. Jurek Becker „Jakob der Lügner“
7. Renata Serelyte „Blaubarts Kinder“
8. Sophie Kinsella „Prada, Pumps und Babypuder“
9. Batya Gur „Denn am Sabbat sollst du ruhen“
10.Dorothee Elmiger „Einladung an die Waghalsigen“
11. Dai Sijie „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“
12.Peter Henisch „Morrisons Versteck
13.Angela Leinen „Wie man den Bachmannpreis gewinnt“
14.Michael Scharang „Komödie des Alterns“
15.Gustav Ernst „Beste Beziehungen“
16.Evelyn Grill „Das Antwerpener Testament“
17. Lydia Mischkulnig“Schwestern der Angst“
18. Angelika Reitzer „unter uns“
19. Ludwig Laher „Verfahren“
20. William Kotzwinkle „Hot Jazz Trio“
21. Johanna Tschautscher „Jeanne d Arc beendet den heiligen Krieg“
22. Sebastian Fitzek „Die Therapie“
23. Boris Chersonskij „Familienarchiv“
24. Ludwig Roman Fleischer „Aus der Schule“
25. Sigfrid Maron „Schmelzwasser“
26. Alfred Paul Schmid „Fünf Finger im Wind“
27. Fabian Burstein „Statusmeldung“
28.Dirk Stermann „sechs österreicher unter den ersten fünf“
29. E.A. Richter „Das leere Kuvert“
30. Nicole Engbers „Hexen hexen heimlich“
31. Heinrich Steinfest „Der Mann, der den Flug der Kugel kreuzte“
32. Louis Begley „Lügen in Zeiten des Krieges“
33. Martina Paura „love sheriffs“
34. Wilhelm Genazino „Mittelmäßiges Heimweh“
35. Ingrid Noll „Die Apothekerin“
36. Harry Mulisch „Augenstern“
37. Gaby Hauptmann „Fünf-Sterne-Kerle inklusive“
38. Katharina Hacker „Die Habenichtse“
39. Rolf und Alexandra Becker „Gestatten mein Name ist Cox“
40. Sibylle Berg „Gold“
41. Ildiko von Kurthy „Mondscheintarif“
42.Thomas Glavinic „Das Leben der Wünsche“
43. Linda Barnes „Carlotta steigt ein“
44. Gustav Ernst „Frühling in der Via Condotti“
45. Tina Grube „Männer sind wie Schokolade“
46. Arno Geiger „Alles über Sally“
47. Ingrid Noll „Der Hahn ist tot“
48. Edda Helmke „Pepsi im Waschsalon“
49. Sara Paretsky „Tödliche Therapie“
50. Hannelore Valencak „Vorhof der Wirklichkeit“
51. Hera Lind „Das Weibernest“
52. Henning Mankell „Die Rückkehr des Tanzlehrers“
53. Paulo Coelho „Elf Minuten“
54. Philip Kerr „Das Wittgenstein-Programm“
55. Evelyn Grill „Winterquartier“
56. Polina Daschkowa „Die leichten Schritte des Wahnsinns“
57. Arno Schmidt „KAFF auch Mare Crisium“
58. Sasa Stanisic „Wie der Soldat das Grammofon repariert“
59. Alois Hotschnig „Leonardos Hände“
60. Clemens Meyer „Die Nacht, die Lichter“
61. Heiner Link „Frl.Ursula“
62. Ray Bradbury „Friedhof für Verrückte“
63. Lily Sauter „Ruhe auf der Flucht“
64. Benjamin v. Stuckrad-Barre „Soloalbum“
65. Erica Pedretti „Valerie oder Das unerzogene Auge“
66. Christoph Hein „Von allem Anfang an“
67. Frank McCourth „Die Asche meiner Mutter“
68. Elisabeth Gürt „Was jetzt Cornelia?“
69. Annemarie Selinko „Heute heiratet mein Mann“
70. Eva Bakos „Ein wunderbarer Wüstling“
71. Sven Regener „Herr Lehmann“
72. Bruno Schulz „Die Zimtläden“
73. Michaela Falkner „Du blutest, du blutest“
74. Max von der Grün „Stellenweise Glatteis“
75. Hans Lebert, Podium Portrait 50
76. Orhan Pamuk „Das stille Haus“
77. Paula Fox „Der kälteste Winter“
78. Märta Tikkanen „Persönliche Fragen“
79. Ralf Rothmann „Der Windfisch“
80. J.M.G. Le Clezio „Die Wüste“
81. Thomas Hettche „Ludwig muß sterben“
82. Ilona Lütkemeyer „Mit achtzig Seiten um die Welt“
83. Rudolf Lasselsberger „Tanz in den Mai“
84. Wolfgang Herrndorf „In Plüschgewittern“
85. Anna Gavalda „Zusammen ist man weniger allein“
86. Thomas Wollinger „Die Archäologin“
87. Reinhard Kaiser-Mühlecker „Wiedersehen in Fiumcino“
88. Kurt Klinger „Podium Portrait 12“
89. Josef Burg „Ein Stück trockenes Brot“
90. Peter Handke „Wunschloses Unglück und andere Prosatexte“
91. Ernst Fischer „Das Fanal“
92. Harald Schmidt „Mulatten in gelben Sesseln“
93. Philip Roth „Exil Ghost“
94. Birgit Vanderbeke „Sweet sixteen“
95. Judith Hermann „Sommerhaus,später“
96. Seher Cakir „Zitronenkuchen für die sechsundfünfzigste Frau“
97. Gerrit Wustmann „Beyoglu blues“
98. Joseph Zoderer „Die Farben der Grausamkeit“
99.Iris Grädler (Hg) „Sommer am Meer und anderswo“
100. Grzegorz Kielawski „So wie du kann jeder aussehen“

Jetzt ist der achtzehnte Dezember und ich habe gerade das letzte Buch nämlich Thomas Wollingers „Die Archäologin“ verlinkt und zu diesem Zeitpunkt schon 108 Bücher gelesen. Bis zum Ende des Jahres kommen wahrscheinlich noch drei bis fünf Bücher dazu. Soviel, wie ich noch nie in einem Jahr gelesen habe und dank der vielen Bücherschränke, die es auf einmal gibt, war das gar nicht schwer. Ich habe die Bücher im Gegensatz zum vorigen Jahr ziemlich linear hinuntergelesen, bzw. die Rezensionsexemplare, die es noch immer gibt, auch wenn das, wahrscheinlich durch die entsprechenden Bücherblogdiskussionen, wirklich etwas schwerer wird, vorgezogen und natürlich im Sommer die Harlandbücher, die weiter unten angefügt ist. Als ich von der Sommerfrische zurückgekommen bin, war die Liste bis auf Platz hundert gefüllt, so daß ich zweite Liste angelegt habe, bei der ich auch bleiben werde. Also weiter alle meine Bücher verlinken und ich habe auch ein System geplant, das ich ab nächsten Jahr ausprobieren will. Nämlich die Jahresliste bis auf Platz sechzig mit den SUBs auffüllen und dann jede Woche, wenn es eines gibt, ein neues Buch dazuschreiben, so daß ich wieder auf hundertzehn bis hunderzwanzig Jahresbücher komme, was zu schaffen ist.
Die Hundert Bücher Challenges ist also ein Erfolg geworden und hat den Zweck erfüllt eine Übersicht über meine Bücher zu bekommen und auf keines zu vergessen und wenn ich es noch schaffen sollte, im nächsten Jahr wirklich nur ein bis zwei Bücher pro Woche dazu zu bekommen, kann ich die Bücher auch so einigermaßen lesen.

2010-09-08

Fünfhundertmal

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:19

Das ist der fünfhundertste Eintrag ins Literaturgeflüster, das es seit 3. Juli 2008 gibt und in das ich sehr oft täglich schreibe. Da ich ein bißchen legasthen veranlagt bin, habe ich schon im April geglaubt, es wäre so weit.
„Leben ohne Geld“ war aber erst der vierhundertste Eintrag und mein euphorischer Bericht, wie eine „erfolglose“ Autorin versucht mit möglichst wenig Geld durchs Leben zu kommen, hat einige Gemüter erregt. Anni Bürkl ist seither bös auf mich, was ich noch immer nicht verstehe und da hat es im Sommer auch diese Diskussion gegeben, wieviel an Qualifikation es braucht, damit man die Bücher, die man liest, besprechen oder einen Blog führen darf?
Nun halte ich mich, was die Literatur betrifft, durch mein schon siebenunddreißigjähriges Selbststudium in allen ihren Bereichen, für sehr kompetent und, daß das Internet jeden die Möglichkeit gibt, seine Meinung öffentlich zu äußern, für eine der wenigen Segnungen des Technikzeitalters und wünsche mir die Leser so mündig, daß sie selbst entscheiden, was sie lesen und was nicht.
Die Diskussion war aber interessant und auch Leselustfrusts Idee daraufhin ihr Blogkonzept zu überdenken, hat mich zum Nachdenken gebracht.
Aber ich habe ja kein solches, sondern schreibe wirklich nun schon fünfhundert Mal vor mich hin, wenn ich mir das Literaturgeflüster aber durchlese, sehe ich eine Leitlinie, denn es ist immer etwas da über das sich schreiben läßt.
Neue Bücher, neue Lesungen, der neue Literaturskandal, die Buch Wien, der Nobelpreis, die Namen der Shortlist zum deutschen Buchpreis, die heute bekannt gegeben wird, mein eigenes Schreiben… und das fasziniert mich alles sehr.
Die Jahreszeit bietet die nötige Struktur, so fließt von selbst dahin und kann dem, der es will, interessante Einblicke in das Literaturleben bieten, die er sonst vielleicht nicht bekommt und natürlich auch in die Schreibwelt der Eva Jancak, das ist sicher auch ein Motiv, das ich nicht unterschätzen will und so flüstere, schwätze, paudere ich dahin und bin sehr damit zufrieden.
Als ich vor einer Woche mit Susanne Schneider in der Ausstellung über den Osterspaziergang des 1. Wiener Lesetheaters von 2004 gestanden bin, haben wir über das Tagebuchschreiben im Internet gesprochen. Sie hat es ein wenig skeptisch gesehen, schließlich sind das ja sehr intime Bereiche und ich schreibe sehr offen über das, was mich bewegt. Ich schreibe aber über Literarisches und das, was im weitestens Sinn dafür in Frage kommt und das ist, wie man sieht, sehr viel, so daß sich fast täglich ein Artikel ausgeht. Die Literatur fließt in und durch mein Leben und wer es wissen will, ich nehme mir immer vor, nur jeden zweiten Tag zu schreiben und halte meinen Vorsatz nicht, weil es soviel zum Schreiben gibt.
Trotzdem habe ich im Sommer ein ganzes Romanrohkonzept geschrieben, an dem ich nun korrigiere. Ich bin halt eine Marathonschreiberin und es wird wohl so weitergehen, daß ich zu Weihnachten den sechshundersten Artikel präsentieren kann.
Ich würde auch gerne wissen, was meine Leser, von denen einige keine Literaten sind, am Literaturgeflüster besonders interessiert?
Die Literaten aus den Bundenländern sagen mir manchmal, es wäre der Bericht über die Wiener Literaturveranstaltungen und wenn ich in meine Statistik schaue, war eine Zeitlang der Artikel über Uwe Tellkamps „Turm“, als ich nach dem Vorbild von Judith Schevola fragte, der Hit. Da gibt es immer noch Aufrufe und auch die Besprechung von „Scherbenpark“ wird sehr oft angesehen, andere, wie zum Beispiel der „Kaiser von China“ dagegen kaum. Vielleicht hat mich da wer an prominenter Stelle verlinkt. Ansonsten geht mein literarisches Leben fröhlich weiter. Ich bin wieder nach Wien zurückgekommen und gestern, da ich einen Gutschein für einen Eiscafe im Columbus Center hatte, in die Buchlandung dort gegangen, in die ich sonst nicht oft komme und habe prompt mit einem dicken Büchersack nach Haus getragen. Lagen doch versteckt in einer Ecke, ein Euro Bücher, die meisten aus dem Folio Verlag.
Darunter Gerhard Ruiss Oswald von Wolkensteins Lieder Nachdichtungen aus 2007, die bei Rund um die Burg noch vorgestellt werden. Dann eine Erzählung von Martin Kubaczek „Strömung“, „Reise nach Brjansk“ von Olga Sedakova, Maria E. Brunners „Was wissen die Katzen von Pantelleria“ und E.Y. Meyers „Eine entfernte Ähnlichkeit- Eine Robert Walser Erzählung“.
So weit so gut und sehr erfreulich, beim Einschlichten in meine Regale hatte ich aber Schwierigkeiten, weil alles schon voll und es kann ja nicht sein, daß ich mir um den 10% Gutschein, den ich zum Geburtstag von der grünen Erde bekommen werde, schon wieder ein Bücherregal kaufe und insgeheim darauf hoffe, daß der Nachbar seine Wohnung verkauft, um Bücher nach Hause zu schleppen, die ich realistisch betrachtet, gar nicht alle lesen kann.
Also habe ich gestern nicht versucht, mir das Buch von Angelika Reitzer zu erschnorren. Den Martin Kubaczek und den E.Y. Meyer werde ich mir aber ins Badezimmer legen.
Von den bisherigen Preisbüchern zum deutschen Buchpreis habe ich das Julia Francks „Mittagsfrau“ und Uwe Tellkamps „Turm“, sowie die „Atemschaukel“ der Nichtpreisträgerin Herta Müller gelesen.
Für 2010 tippe ich auf Peter Wawerzinek, der mit Jan Faktor, Thomas Lehr, Melinda Nadj Abonji, Doron Rabinovici und Judith Zander auf die Shortlist gekommen ist.

2009-05-10

Karl und das zwanzigste Jahrhundert

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:55

Als ich vor einigen Jahren Rudolf Brunngrabers „Heroin“ gelesen habe, das ich außer „Zucker aus Cuba“ und „Radium“ aus dem Bücherschrank meiner Eltern erbte, habe ich gedacht, daß ein so sachbuchartiger Roman ohne rechten Plot und Spannungssteigerung heute wohl nicht mehr verlegt werden würde.
Er war aber bis zu den Fünfzigerjahren, glaube ich, sehr bekannt und habe auch alte Hefte der Büchergilde Gutenberg bzw. Ausschnitte daraus, in denen sein Name sehr oft vorkommt.
„Zucker aus Cuba“ habe ich ebenfalls gelesen, da gibt es dann mehr Handlung und das ist wahrscheinlich auch der bekannteste Roman. Ruth Aspöck hat ihn in ihrer Edition „Die Donau hinunter“ noch einmal aufgelegt, ist mit der Brunngraber Tochter Erika befreundet, die auch ein Stück auf der Radreise vor zwei Jahren mitgefahren ist und immer wieder zu Ruths Veranstaltungen kommt und Ruth wollte, hat sie mir gesagt, auch eine Brunngraber Biografie schreiben, was sicher wichtig wäre, denn wenn man bei Google nachschaut, findet man nicht sehr viel, außer den Hinweis, daß Teile der Biografie noch nicht erforscht sind.
Durch den Bücherkasten meiner Eltern bin ich schon sehr früh mit dem Namen in Berührung gekommen, habe irgendwann auch von „Karl und das zwanzigste Jahrhundert“ gehört, mir das Buch von Valerie Szabo-Lorenz, wie schon beschrieben, ausgeborgt, gelesen und zurückgegeben.
Sehr viel ist, glaube ich, von meiner ersten Badewannenlektüre in Harland bei St. Pölten nicht hängengeblieben. Es ist durch die schon beschriebenen Punkte nicht leicht zu lesen, obwohl es sehr viel Hintergrundinformation bietet.
Und der Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, die Dreißigerjahre und wie es zu dem Weiteren gekommen ist, hat mich immer schon interessiert.
Jetzt bin ich durch die Beschäftigung mit meiner neuen Romanarbeit, bzw. durch ein Radiokolleg vor ein paar Wochen wieder auf das Buch gestoßen, wollte es mir von Ruth ausborgen und Alfred hat es mir bestellt und so habe ich jetzt die Steidl Ausgabe, aus dem Jahr 1999, nicht die aus der Büchergilde Gutenberg, die ich wahrscheinlich damals gelesen habe.
Mein zweiter Eindruck, des 1933 erschienenen Romans, des 1901-1960 lebenden Autors, historisch interessant, aber ein uns nicht mehr vertrauter Stil, der Versuch mit sehr pappmacheartig wirkenden Protagonisten aufzuzeigen, daß der Einzelne gegenüber der Geschichte hilflos ist.
Vielleicht ist Brunngraber deshalb in Vergessenheit geraten, wurde er doch, wie auf der Rückseite steht und mir auch Ruth erzählte, durch dieses Buch bekannt.
Es beginnt mit einer seitenlangen Analyse der Wirtschaftsdaten aus dem damaligen Amerika und geht erst dann zu dem persönlichen Schicksal des Karl Lakners über, der von all dem, von Carl G. Barth, Rockefeller etc., keine Ahnnung hat, als er 1893 in einem Findelhaus in Hernals zur Welt kommt. Es gibt die als das kleine Weib, genannte Mutter, die sich ihr Leben lang abplagt und fast dabei verhungert, obwohl Karl nach ihrem Tod in einer Schachtel, die inzwischen wertlos gewordenen Geldscheine findet, die er aus dem Weltkrieg brav nach Hause schickte und den versoffenen Vater, der als Straßenbahnschaffner regelmäßig die zwanzig Gulden Fahrgeld vertrinkt, die er am nächsten Dienstag bei seiner Dienststelle abliefern muß.
Keine sehr glückliche Jungend also im Margareten des Vorvorkriegswien. Karl arbeitet, was er nur kann, in einem Blumengeschäft und für eine Pfandleihanstalt und möchte Lehrer werden, weil, wie er bei der Aufnahmsprüfung schreibt, am Ende immer ein reines Herz, ein frommer Wille und eine hohe Idee überbleibt.
Brunngraber wird uns im Laufe des Romanes zeigen, wie es damit den Bach hinuntergeht.
Aber vorerst absolviert Karl mit Not und Mühe das Lehrerseminar, der Staubsauger wird erfunden und die Vitamine, er bekommt vom Lande Niederösterreich keine Anstellung, weil man keine Lehrer braucht, obwohl er sich bei Eintritt in die Schule verpflichten mußte, sechs Jahre lang als Lehrer tätig zu sein. Zum Glück kommt der Krieg, den Karl bejaht, wie später auch den Anschluß Österreichs an Deutschland, weil man da vielleicht nicht so schnell verhungert und in diesem geht es vorerst auch bergauf. Karl wird Oberleutnant und verwundet und als er 1918 zurückkommt, sind die Eltern verstorben, er findet die wertlosen Banknoten und Lehrer braucht die Stadt Wien auch nicht mehr, weil kriegsbedingt keine Kinder geboren wurden.
Es folgt ein Intermezzo in Schweden und eine Männerfreundschaft, bis es dann in dem „Der gepflasterte Weg zur Hölle“ benannten Abschnitt zum bitteren Finale kommt. Karl schreibt Gesuche und inseriert um zwanzig Schilling, seine gute Ausbildung, die Kriegserfahrung, er war sogar Fliegeroffizier, spricht drei Sprachen und kann gut zeichnen und rennt sich die Füße ab, von einer Arbeitslosenstelle zu der nächsten, von der er aber auch nur negative Bescheide bekommt, versetzt den Wintermantel und quartiert sich bei Witwen ein, die er, nachdem sie statt Geld, Liebe von ihm wollen, verschämt verläßt, um zuletzt bei einem Maler wegen seiner schielenden Augen nackt Modell zu stehen und sich für die Annahme des nötigen Wintermantels so sehr schämt, daß er schließlich mit den fünf Schillingen einer mitleidigen Prostituierten in den Selbstmord rennt.
Ein drastischer Roman, der knapp und klar die Vorboten von dem beschreibt und wissenschaftlich zu erklären versucht, was später geschehen ist. Was fehlt, ist wie beschrieben, die Handlung.
Heute müßte das Elend sicherlich viel spannender, wahrscheinlich in einer Krimihandlung aufpoliert sein, um Leser zu finden. Man kann aber gut den Unterschied zu der Krise heute sehen. Verglichen mit den Dreißigerjahren, geht es uns ja traumhaft gut, wir sind vom Verhungern und der Obdachlosigkeit meilenweit entfernt, werden nur psychologisch durch die Angstgerüchte zugemüllt, die meisten jedenfalls und in diesem Österreich bzw. Europa.
Trotzdem sind es gerade die endlosen Wirtschaftsberichte, die die Krise heute verständlicher machen. Schade, daß das Buch so vergessen ist, Geschichte läßt sich daraus lernen, das spannende Schreiben wahrscheinlich nicht.

2018-11-02

Eine elendslange Bücherliste

Filed under: Büchergeschichten — jancak @ 09:07
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Meine Bücherliste erregt, wie man an den Kommentaren sehen kann, regelmäßig Aufsehen und eine Pressedame hat mir deshalb einmal auch ein Buch verweigert.

Das warum habe ich immer noch nicht ganz verstanden, denn ich bemühe mich ja die Bücher zu lesen, es stimmt aber, es gibt sehr viele.

Es werden zuviele verlegt und die Leute lesen immer weniger, auch wenn ich das nicht so gerne höre. Ich lese eigentlich auch nicht so viel, zwischen hundertfünfzig und hundertfünfundsiebzig Bücher im Jahr, wenn es hochkommt und wenn ich da pro Woche mehr als fünf finde oder geschickt bekomme, bin ich im Rückstand, denn ich habe ja auch eine sehr lange Backlist, die ich zum Teil schon mit mir herumschleppte, als es die Bücherschränke noch nicht gab und ich, so wie heuer größtenteils Neuerscheinungen gelesen habe.

Meine Bücherliste ist ohnehin so eine Sache, entstanden ist sie, 2011 durch die hundert Bücher-Challenge, damals war ich noch nicht so sicher, ob ich hundert Bücher im Jahr schaffe.

Das schaffe ich, kein Problem, aber ich gehe ja gerne zu den Bücherschränken, freue mich, wenn ich da was Tolles finde, kaufe bei Abverkäufen und Flohmärkten oft ganze Stöße und habe 2013, glaube ich, den Rappel bekommen, alle meine bis dato ungelesenen Bücher auf die Liste zu schreiben, so wurde sie lang und länger un als ich dann mit dem Buchpreislesen angefangen habe, bin ich in Troubles gekommen. Im Herbst 2016 war das, als ich so mittendrin in der Buchpreisliste war und dachte, ich schaffe den Stapel der im Badezimmer liegt nicht mehr.

Schon ein paar Jahre vorher habe ich im Herbst angefangen, die Bücher, die fürs nächste Jahr auf der Liste standen aus den Regalen zu suchen und ins Badezimmer zu legen und die Liste ging, was meine Leser manchmal erregt, so bis Mitte oder Ende der Zwanzigerjahre.

Ja ich vertraue auf mein Augenlicht und ein Durchschnittlsalter, aber damals im September bin ich hergegangen und habe die Vorausliste gelöst und inzwischen nach und nach durch die aktuelleren, besseren, brandheißen Backlistbücher, die ich hatte ergänzt.

Jetzt ist sie aber schon wieder lang geworden und weil ich heuer aber so viele Neuerscheinungen gelesen habe, habe ich von der 2018- Backlist nur sehr wenig gelesen und die restlichen vierzig, die ich noch lesen wollte, sollte, schon vor einiger Zeit gelöscht, komme ich mit den Neurscheinungen ja wahrscheinlich gar nicht nach und werde ein paar vielleicht wohl noch im Jänner lesen.

Jetzt ist aber schon die erste Frühjahrsvorschau von „Diogenes“ gekommen, da habe ich mich sehr zurückgehalten, aber vier Bücher angemerkt und wenn dann im November der Rest kommt, kann ich mir ausrechnen, daß 2019 nicht viel besser als 2018 wird, obwohl ich die Bücher von der 2018- Backlist, die noch im Badezimmer liegen und die, die mir für 2019 heraussuchen sollte, gerne lesen möchte, zumindestens einige von ihnen.

Dann dürfte ich mir aber nichts Neues bestellen und da bin ich sehr neugierig und lese gerne.

Ja, es stimmt, Leselflauten gibt es eigentlich kaum bei mir, sage ich doch immer „Es interessiert mich, was die anderen besser als ich können!“, obwohl ich mir in letzter Zeit schon manchmal denke, „Warum soll ich das lesen? Die anderen interessieren sich auch nicht für meine Bücher!“

Aber dann obsiegt meistens die Neugier und ich denke sehr oft, wenn ich ein neues Buch sehe oder darüber höre „Das würde ich gern lesen!“ und muß mich dann bezüglich Anfragen zurückhalten.

Ja, es ist ein Dilemma, aber eines was sich zum Glück sehr leicht lösen lösen und es nicht wirklich schlimm ist, wenn ich mal was nicht lese oder es nicht bei mir landet.

Luxusprobleme halt und gut wenn ich keine anderen habe. Denn ich finde es ja schön, daß ich, wie ich denke, eigentlich recht gut belesen bin und mich in der Gegenwartsliteratur gut auskenne.

So liegt also noch der 2018 Stapel mit einigen sehr interessanten Büchern, die ich leider nicht geschafft habe im Bad und den 2019 sollte ich auch langsam herausholen oder ihn, bevor ich die Zukunftsliste lösche, um mir dann nur noch nach Bedarf das herauszusuchen, was ich leicht finde oder gerade lesen will, durchsehen.

Bei Krimis, Chicklits oder anderer leichterer Literatur bin ich jetzt schon vorsichtiger und sage, was eigentlich auch schade ist, ab, wenn mir jemand seinen heiteren Ratgeber schicken will. Das möchte ich eigentlich nicht wirklich, weil ich auch möchte, daß die anderen meine Bücher lesen und besprechen. Auch wenn ich nicht auf den Buchpreislisten stehe und nicht bedauernd sagen „Das kann ich leider nicht, das ist mir zuviel!“

Aber man kann nicht alles lesen, stimmt, auch wenn ich das noch immer sehr gerne möchte, aber schon manchmal denke, daß es vielleicht schon zuviel ist, mich durch das hunderttausenste Midlifekrisis Buch eines berühmteren Schriftstellers zu lesen.

Nun gut, mal sehen, wie es wird und weitergeht mit den Neurscheungen und Backlistenlesen. Mit den Buchpreislisten bin ich jedenfalls so langsam durch oder lese mich dorthin. Vier ungelese habe ich noch von der deutschen Liste und zwei die ich noch bekommen müßte und auf das österreichische Buchpreislesen mache ich mich demnächst, denn da wird der Preis am Montag vergeben. Ob es der Winkler, der Steinfest oder doch einer der drei anderen wird? Drei davon habe ich noch zu lesen, zwei müßten noch zu mir kommen und dann kommt ja bald die Debutpreisshortliste und da kommen dann ja noch einige Bücher hinzu, wenn ich nicht das Glück hätte, alle davon schon gelesen zu haben. Was möglich wäre, weil ich das bei zehn bis fünfzehn schon tat, zwei ungelesene habe ich auch und auch den Vorschlag für meine persönliche Shortlist. Mal sehen ob die stimmt?

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