Literaturgefluester

2011-11-21

Jelinek-Dialoge

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:57

Das Elfriede Jelinek Forschungszentrum, das sich ja um 2004 nach der Nobelpreisverleihung, glaube ich, gegründet hat und dem auch Christoph Kepplinger angehört, veranstaltet regelmäßig Jelinek-Symposien. Bei einem großen war ich in der Alten Schmiede, dann war ich schon zu Literaturgeflüsterzeiten einmal im Radio-Kultur-Cafe und jetzt gab es die „Jelinek- Dialoge“ – Sätze und Gegensätze aus Literatur und Wissenschaft, wo acht jüngere Gegenwartsautoren eingeladen wurden einen Text zu schreiben, den sie gemeinsam mit einem Literaturwissenschaftler diskutierten. Gestern ging das los im Schauspielhaus, da waren wir aber in Harland, außerdem hätte es achtzehn Euro Eintritt gekostet und das zahle ich nicht, fällt es mir sowieso schon schwer zu Veranstaltungen zu gehen und immer abseits zu stehen und nie selbst wo eingeladen zu werden, obwohl ich ja auch etwas zu sagen und zu schreiben hätte.
So habe ich Paulus Hochgatterer und Konstanze Fliedl zu „Du sollst Vater und Mutter ehren – der Autor und seine literarischen Eltern“, Bettina Balaka und Wynfried Kriegleder „Lockvögel, Baby“, Gerhild Steinbuch und Eva Horn „…immer nur Natur“, Peter Clar und Peter Ernst „Ich habe einen Stift und bin zu allem fähig – Der Autor und sein Leser“, Händl Klaus und Richard Schrodt „Ich ersehne die Alpen“ und Ewald Palemtshofer und Alexandra Millner „das sprechen kann man nicht – eine schriftliche Unterredung“ versäumt und könnte mir nur selber meine Gedanken dazu machen. Heute bin ich aber zu den letzten zwei Dialogen nämlich Andrea Winkler und Ronald Innnerhofer „Wir, wen kümmerts, wer (brigitte, paula, erich und heinz) spricht? und Olga Flor und Daniela Strigl „Das Haus aus Spreche ist mir leider zusammengekracht“ in die Alte Schmiede zurechtgekommen. Und das war sehr interessant, habe ich ja in den Siezigerjahren, die 1975 erschinenen „Liebhaberinnen“ gelesen und Elfriede Jelinek, die man damals noch bei Lesungen erleben konnte, bei der bei Balasz Nemeth sagen, hören, meine Figuren sind Kunstfiguren, denn Charaktere interessieren mich nicht. Das hat mich damals sehr erstaunt und Abwehr hervorgerufen, will ich doch anders schreiben, aber wer widerspricht einer Elfriede Jelinek? Andrea Winkler hat es in ihrem Text wieder sehr sanft und freundlich mit ihrer wunderschönen Sprache getan und hat Fragen an die Germanistikstudentin Susi gestellt, die in dem Buch auch irgendwo auftaucht, warum die Paula und die Brigitte keine eigene Sprache haben. Die Siebzigerjahre, wo es einen neuen Realismus gab und man nicht erzählen durfte, sind weit weg, der Literaturwissenschaftler Innerhofer erklärte, wie das war mit dem Wolfsgruber und dem Innerhofer und der Elfriede Jelinek, die als Frau gegen die Männer angeschrieben hat und sich dabei von ihren Personen sehr distanzierte und erklärte, daß er in der Welt, wo die Frau keine Chance hat und dann doch nur in der Fabrik oder in der Prostitution,bzw im Bett ihres trinkenden, sie schlagenden Mannes landet, selber aufgewachsen ist.
Im zweiten Dialog beschäftigte sich Olga Flor, die ja erst kürzlich mit Daniela Striegl in der Alten Schmiede diskutieren hörte, mit ihren Jelinek Leseerfahrungen und verhedderte sich öfter dabei, während Daniela Strigl, wie Pia Janke in ihrem Schlußwort anmerken sollte, die Grenzen der Wissenschaft verlassen hat und fast schon selber literarisch oder essayistisch geworden ist, jedenfalls verglich sie Jelinkes Sprache mit Zitaten aus der „Kinder der Toten“, „Neid“ oder „Gier“ mit den Werken Olga Flors und meinte, daß die auch keine sehr optimistische Welt aufzeige.
Dann kam die Pause, wo man den Büchertisch betrachten konnte, ich nutze die Zeit Christoph Kepplinger daran zu erinnern, daß er die „Absturzgefahr“ im November in der Volksstimme rezensieren wollte und stand ein bißchen isoliert herum, während sich Andrea Grill, Manfred Müller und die anderen, die gekommen waren, intensiv unterhielten. Auffallend viele junge Mädchen, wahrscheinlich Germanistikstudentinnen und ein paar Stammbesucherinnen. Dann läutete die Glocke und es kam zur Schlußdiskussion „Fortschreibungen – Gegenschreibungen – Neuschreibungen“ mit Bettina Balaka, Andreas Beck, dem Direktor vom Schauspielhaus, Pia Janke von der Jelinek Stiftung und Kurt Neumann. Christian Schenkermayr moderierte und stellte Fragen zu Elfriede Jelinek und ihren Einfluß auf die Autorentexte. Gerhild Steinbuch lernte ich, hätte ihren Ton am intensivsten getroffen, Bettina Balka betonte, daß sich seit den Siebzigerjahren viel geändert hat und es jetzt keine marxistischen Autoren mehr gäbe, da widersprach ihr nicht nur Eva Brenner, die meinte, sie würde lieber Elfriede Jelinek lesen, während sich der Theaterdirektor in einen Endlosdialog über das Theater verwickelte, den Andrea Winkler schließlich mit der Frage unterbrach, ob sie, wenn sie beispielsweise zwei Jelinek-Bücher und dann nichts mehr von ihr gelesen hätte, sie fortschreiben – gegenschreiben – oder neuschreiben würde? Und mir ist aufgefallen, daß die meisten Autoren verleugneten, einem Jelinek Einfluß erlegen zu sein, während das bei Thomas Bernhard ein bißchen anders ist, wie ich ja auch in der „Alten Schmiede“ vor ca einem Jahr hören könnte, aber wahrscheinlich ist es einfacher diesen Ton zu treffen, bei der Jelinek ist das, glaube ich, schwieriger und interessant ist ja auch, daß sie ihre Texte so bereitwillig den Regisseuren zur Weiterbearbeitung überläßt.
Was nehme ich mir, die ich ja keine unbedingter Jelinek Fan bin, aber sehr viele ihrer Romane gelesen habe, mit? Daß ich sowohl politisch als auch psychologisch schreiben will und mir der Charakter der Figuren sehr wichtig ist und es inzwischen sehr viele sehr junge Frauen gibt, die Germanistik oder Literaturwissenschaften studieren, aber das ist etwas, das ich ohnehin wußte, hat ja Anna Lindner, die mit der Anna maturierte, das auch getan und schon zwei Bücher geschrieben, sie ist aber, glaube ich wieder in Rumänien, dafür war Alexandra Millner, die ja die Anna ein paar Jahre unterrichtet hat, beziehungsweise zu dieser Zeit Praktikantin in der Rahlgasse war.

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2016-10-20

Elfriede Jelineks siebzigster Geburtstag

Heute vor siebzig Jahren wurde in Mürzzuschlag Elfriede Jelinek, die Nobelpreisträgerin von 2004, geboren.

Zu diesem Anlaß gab es diese Woche im Radio vor dem Mittagsjournal  ein paar ihrer Texte, zum Beispiel am Dienstag eine Lesung aus den „Liebhaberinnen“, wo sie noch selber gelesen hat und die „Elfriede Jelinek Forschungsplattform bzw. das Forschungszentrum“, die mir regelmäßig die Einladung zu ihren Veranstaltungen schickt, veranstaltet schon seit dem elfen Oktober unter dem Titel „Nestbeschmutzerin & Nobelpreisträgerin“ ein Symposium, das an den verschiedensten Orten stattfindet und so bin ich heute statt zum „Grillparzer-Symposium“ und statt „Frankfurtsurfen“ ins Literaturhaus gegangen.

Da gab es ja schon 2004, eine große Veranstaltungsreihe, wo ich auch Pia Janke, die diese Plattformen und Zentren, glaube ich, gegründet hat, kennenlernte, ich habe ihr damals auch meine „Fluchtbewegung“ gegeben, wo es auch um eine Nobelpreisträgerin geht, die sich vor dem sie erwarteten Rummel versteckt.

Seither gehe ich gelegentlich zu den Veranstaltungen, nicht besonders oft, da ich mich ja für die Dramatik nicht so besonders interessiere, aber im Vorjahr, wo es um den Vergleich zwischen Elfriede Jelinek und Herta Müller ging, bin ich dort gewesen und, als Elfriede Gerstl den „Fried-Preis“ bekommen hat und ihre Freundin Elfriede Jelinek, die alleine Juororin war, habe ich sie, glaube ich das letzte Mal im Literaturhaus gesehen, denn seither hat sie sich ja aus dem Literaturbetrieb zurückgezogen, veröffentlicht aber sehr viel im Netz auf ihrer berühmt gewordenen Website und die „Jelinek-Plattform“ und das „Zentrum“ forscht über sie und gibt jedes Jahr ein Jahrbuch heruas.

Ich weiß nicht genau, was ich alles  versäumt habe, es gab Veranstaltungen im Film-Archiv und im Film Casino, heute ging es aber um die Übersetzungen und da habe ich vor Jahren auch schon einmal ein Symposium in der „Alten Schmiede“ gehört, wo die Jelinek-Übersetzer auftraten.

Amrit Mehta der meine „Zeitungsmeldung“ ins Hindi übersetzt hat, war auch dabei und hat, glaube ich, die „Klavierspielerin“ übersetzt.

Heute begann es mit einem Vortag der Belgierin Inge Artell „Die Welt mit der Sprache neu bauen“, dann rezitierte Norbert  Bachleitner an Hand von der englischen und der französischen Übersetzung des Romaes „Lust“, die „Quadratur des Kreises“, denn Jelinek übersetzen ist wahrscheinlich nicht sehr einfach oder doch, denn sie läßt ihren Übersetzern freie Hand, so daß diese sich austoben können.

Es waren auch einige Übersetzter zum Beispiele, die italiensich und die tschechische im Publikum und Inge Arteel, die Jelinek ins niederländische übersetzt hat, Yasmin Hofmann, die das ins Franhösische, sowie Aleksandr V. Belobratov, der es ins Russische tat, gaben Beispiele, wo Übersetzungen gelingen oder nicht gelingen können.

Dann gab es eine Pause mit einem kleinen Buffet, Brot, Obst, Schokolade und was zum Trinken und noch einen Vortrag zum „Translationalen Schreiben“, da habe ich nicht ganz begriffen, was das ist, es gab aber noch eine Diskussion über Elfriede Jelinek im nationalen, beziehungsweise internationalen Feld, da trat eine Polin auf und erzählte, daß in Polen die „Liebhaberinnen“ als sie dreißig Jahre nach ihren Erscheinen übersetzt wurden, als sehr aktuell aufgenommen wurden und der Wiener Germanist Stean Krammer erzählte, daß die Schüler durchaus Interesse an Jelineks Texte hätten, wenn man sie entsprechend neugierig macht.

In den Schulbüchern tauchen ihre Texte auch auf, sie wird da aber als Feministin oder politische Autorin gesehen und Margarete Lamp-Faffelberger, die an einer amerikanischen Uni lehrt, erklärte, daß Jelinek im universitären Umfeld sehr bekannt sei, sonst aber eher nicht übersetzt und nicht gespielt wird.

Am Schluß gabs  unter dem Titel „Generation Post Jelinek“ eine Diskussion mit Clemens J. Setz und Olga Flor  und dem Jung Dramatiker Ferdinand Schmalz zu ihren Jelinek Bezug, Kathrin Röggla, die auch mitmachen sollte, ist aber, wie Robert Huez derzeit in Frankfurt und schickte nur eine Grußbotschaft, in der sie erzählte, daß Elfriede Jelinek, ich glaube auch mit den „Liebhaberinnen“ oder war es die „Klavierspielerin“ oder „Die Kinder der Toten“, das schreiben lehrte.

Nun ist Kathrin Röggla, mit deren „Nachtsendung“ ich gerade begonnen habe, sicher eine sehr politische Autorin, Ferdinand Schmalz, den ich im „Musa“ hörte und der mit seinen Stücken auf großen Bühnen, beziehungsweise mit seinen „Herzerlfresser“ gerade im Akademietheater aufgeführt wird, ist das auch und Olga Flor wird, meinte Teresa Kovacs, die die Diskussion moderierte, oft mit Jelinek verglichen, während Clemens HJ. Setz sich in seinem „Indigo“ auf die Kinder der Toten bezog.

Wieder kam die Frage zum Jelinek Bezug und was von der Autorin gelesen wurde, das scheint jetzt sehr zu modern zu sein, die drei schon erähnten Romane waren das, glaube ich und am Schluß las jeder noch eine Textpassage, bevor es an das Anstoßen und  das Gratulieren in Abwesenheit der Autorin ging.

Ich habe die meisten Romane  gelesen, hier, glaube ich, aber nichts besprochen, da war ich nur bei einigen Veranstaltungen und würde mich nicht unbedingt als Fan bezeichnen, halte sie aber für eine sehr interessante Autorin und den Roman „Lust“ habe ich einmal im Schrank gefunden, aber noch nicht gelesen.

2016-04-12

Grillparzer-Bachmann-Jelinek

„Vom  Vielvölkerstaat zur europäischen Union“, hieß ein Vortrag von Prof Pichl, den die „Grillparzer-Gesellschaft“ anläßlich ihrer GV in der“Gesellschaft für Literatur“ veranstaltet hat.

„Dargestellt bei Franz Grillparzer-Ingeborg Bachmann und Elfriede Jeliniek“, hieß es noch weiter, was der Grund auch war, warum ich hingegangen bin, denn diese Autorenauswahl  ist ja sehr interessiert, wenn auch durchaus unterschiedlich.

Ruth Aspöck, die ja seit ihrem „Grillparzer-Buch“ Mitglied der „Grillparzer-Gesellschaft“ ist, habe ich gleich gesehen, die sich mit einer Dame unterhielt, die sich als Agnes Pistorius entpuppte und deren Buch über ihre Mutter, Hedwig, die im Burgtheater öfter die Libussa spielte, habe ich ja gelesen.

Die „Libussa“ nicht und auch nicht im Burgtheater gesehen, aber kürzlich Friedrich Schreyvogels „Grillparzer-Biografie“ und über die europaische Union, beziehungsweise ihren Schwierigkeiten bei der Flüchtlingsfrage kann man  jetzt öfter in den Medien hören.

So wurde heute  bei von „Tag zu Tag“ ein Roman des Satirikers Klaus Oppitz „Landuntergang“ vorgestellt, wo Österreich ein Polizeistaat ist, der aus der EU ausgetreten ist und Arbeitslose und Regimekritiker in Textilfabriken sperrt. Aber darum ist es bei dem Vortragt nicht gegangen, sondern um Grillparzers Weltbild, der ein großer Monarchist gewesen ist und am einem Untergang des Vielvölkerstaats wahrscheinlich sehr gelitten hätte.

Was er zu einer möglichen EU gesagt hätte, darüber kann man wahrscheinlich nur spekulieren und Ingeborg Bachmann hat in ihren „Drei Wegen zum See“ auch schon durch den Namen Franz Joseph Trotta  monarchistische Anklänge beziehungsweise solche an Joseph Roth anklingen lassen und die Jelinek hat sich, wie Professor Pichl erwähnte in ihren Werken nicht auf die EU aber sehr wohl in ihren Interviews darauf bezogen. War sie doch zuerst gegen einen Beitritt, dann aber in Zeiten der FPÖ-Siege froh, „in der Löwengruppe nicht ganz allein zu sein“, wie ich es im Jahr 2000 einmal in einem Essay bezüglich der „Santktion bezüglich schwarz-blau“ formulierte.

Nachher gab es eine lange Diskussion mit der Frage, wie Grillparzer zur EU gestanden wäre und Fragen zu Deutschland und dem eisernen Vorhang.

Zur Literatur wurde weniger diskutiert, wurde, die in dem eher kurzen Vorttrag  auch nur angerißen, obwohl Prof. Pichl in seinem Schlußwort alle zum Lesen von Grillparzer-Bachmann-Jelinek aufrief und das habe ich mit Ausnahme der Jelinek, bei der die ich eigentlich mehr zu Veranstaltungen gehe als lese, in letzter Zeit auch getan und die ist ja, weil sehr links, bei manchen, wie Professor Pichl bezüglich seiner Vortragserfahrungen erlebte, nicht so beliebt, hat aber sicher sehr viel Kritisches zur momentanen Weltlage zu sage.

2016-01-18

12 : 13

In der „Alten Schmiede“ gibt es eine „Zeitschriftengalerie“ und seit einiger Zeit auch eine Reihe „Literatur als Zeit-Schrift“, die von Lena Brandauer, Paul Dvorak und Daniel Terkl moderiert und konzeptiert wird und die ging heute in die zwölfte Runde und zwar wurde da das dreizehnte Heft der Zeitschrift „Triedere – für Theorie und Kunst“ zum Thema (Auto) Poetologien und ich muß gestehen, daß ich von dieser Zeitschrift noch nie etwas gehört habe, wohl aber von einigen ihrer Herausgeber und Autoren.

Es geht in ihr aber auch wie Matthias Schmidt, der mir unbekannte Herausgeber, erklärte, auch um die Grenzgebiete, wie Philosophie, bildende Kunst etcetera aber bei einem Heft, das „Poetologien“ zum Thema hat, geht es natürlich schon um Literatur und deshalb waren auch viele mir bekannte Literaten im Publikum und der „Schmiedensaal“ war sehr voll.

Es gab auch einen Büchertisch, wo man die älteren zum Teil unverkäuflichen Hefte bestaunen, die neuen kaufen konnte und da gab es auch ein Sonderheft zur Flüchtlingsfrage, das man gegen eine Spende, für den Deutschunterricht, erwerben konnte und da hat auch Chris Bader einen Text geschrieben und das ist Christiane Zintzens neuer Name, also höchst aktuell.

Peter Clar den ich von den Jelinek-Symposien beziehungsweise den „Volksstimmefesten“ kenne, ist der zweite Herausgeber und der stellte das aktuelle Heft vor und erwähnte die Namen, der darin enthaltenen Autoren, so hat Michael Hammerschmid, glaube ich, geschrieben „Poetologie ist Poetologie ist…. und soweiter und so fort.

Die 1989 geborene Astrid Nischkauer stellte ihre Collage aus Interviews vor, die sie mit Autoren wie Monika Vasik, Elfriede Jelinek, Clemens J. Setz, Ilse Kilic, etcetera, etcetera gemacht hat, wo es um Schreibanfänge, erste Sätze, Schreibblockaden und anderes ging, was zur  Poetologie oder überhaupt zum Schreiben gehört.

Dann folgte der Zeitschriftenmeister und Poetryslamer Markus Köhle mit seinen in dem Heft enthaltenden und auch anderen Texten, die seine Sprach- und Wortgewalt zeigen, „Ich will Sprachingenieuer werden“, beispielsweise, als Antwort auf einen Text von Gert Jonke, der nur Schriftsteller werden wollte, aber das ist dem Performer zu wenig, so bezog sich sein Heft im Text auch auf eine Straßenbahnfahrt und die Poetologie stellt dann in etwa die Haltegriffe da.

Der 1967 in Klagenfurt geborene Romancier, Theaterautor und Fotograf Peter Truschner stellte dann eine andere Seite der Poetologie vor, nämlich die Verbindung von Theorie, Raum Zeit und Form und Fotos aus Bangkog und Burma und eine von den schönen bunten Karten, von Herbert J. Wimmer, die gemeinsam mit Gerhard Jaschkes „Feribords“ zur freien Entnahme beim Ausgang liegen und von denen ich schon eine ganze Sammlung habe, die „volkskarte“ mit der Aufschrift „komplexität für alle!“ passt da auch gut hinzu, wurde er doch auch von Astrid Nischkauer interviewt und hat sich sich, glaube ich, auf seine Kartenproproduktion dabei bezogen, weil er seit 2000 einen Computer besitzt, der das Programm dazu hat, gibt es sie.

Herbert J. Wimmer war im Publikum, wenn ich mich nicht irre Jörg Zemmler, Stefan Gmeiner vom „Standard“, Monika Vasik, Gabriele Petricek, Günter Vallaster und und und..

Und ich kann von meiner vielleicht nicht so ganz poetischen Schreibwerkstatt berichten, der Rohentwurf von „Paul und Paula“ ist fertig.

51 Seiten, 23 896 Worte und 22 Szenen, also knapp und kurz, mein kürzestes Buch, glaube ich, fast, gefolgt von der „Paula Nebel“.

Jetzt gehe ich das Ganze nochmals durch, finde ein paar prägnante Namen und schaue, wo sich die Paula Pauli nennt etcetera, das mache ich vielleicht am Mittwoch und am Donnerstag kann ich dann ganz poetisch durch die Stadt marschieren um herauszubekommen, ob und wie sich der Text vielleicht doch noch erweitern läßt, obwohl ich damit eigentlich nie sehr weit gekommen bin und, die vom Alfred erstellte Fassung vom „Sommerroman“ habe ich heute auch zu korrigieren angefangen.

Ein paar Fehler gibt es noch, dann kann es das Buch vielleicht bald erscheinen, die „Vorschau“ erscheint am Freitag und beim „Morawa“ gibts wieder „Weiße Buch Wochen“ und da habe ich mir ein Buch, um zwei Euro gekauft, das vielleicht auch  gut zum Thema passt, nämlich Martin Mosebachs „Das Rot des Apfels – Tage mit einem Maler“, wo es, glaube ich, Texte zu Bildern von Peter Schermuly gibt.

2015-11-27

Schreiben als Widerstand

Das interdisziplinäre Sympsium „Schreiben als Widerstand-Elfriede Jelinek & Herta Müller“,  veranstaltet vom Elfriede Jelinek Forschungszentrum fand am 26. und 27. November im MUSA statt

Elfriede Jelinek und Herta Müller zwei Nobelpreisträgerinnen, die wahrscheinlich in vielen ähnlich sind, die  1946 in Mürzzuschlag geborene Elfriede Jelinek hat den Preis 2004 bekommen,  die 1953 in Rumänien geborene Herta Müller, 2009,  sind beide sehr politische Autorinnen und haben in den Systemen, in denen sie lebten Gewalt erfahren, Herta Müller, die 1987 nach Deutschland ausreiste, durch die Securitate, die sie noch immer zu prägen scheint, Elfriede Jelinek in den Neunzehnneunzigerjahren durch Plakate der FPÖ „Lieben Sie Peymann, Jelinek oder Kunst und Kultur?“, beide haben ihre Formen gefunden politisch dagegen anzuschreiben und über beide und das ist ein Zufall, habe ich auch geschrieben.

Über Elfriede Jelineks Nobelpreis in „Die Stimmungen der Karoline Wagner oder Fluchtbewegung“, über den der Herta Müller in „Heimsuchung oder halb eins“, wahrscheinlich weil ich beide Reaktionen, Elfriede Jelinek ist ja nicht zur Preisverleihung nach Stockholf gefahren, Herta Müller hat ihre Teilnahme damals bei der „Literatur um Herbst“ abgesagt, als ähnlich empfunden habe und nun das Symposium, das am Donnerstag begonnen hat.

Organisiert wurde es von Pia Janke (und Teresa Kovacs), die schon einige Elfriede Jelinek Symposien versanstaltet hat,  sie hat auch eine Reihe von Organisationen zur Mitarbeit einbezogen, so sind Experten von vier rumänischen Universitäten dabei, Robert Huez, der Literaturhausleiter moderierte und die Philosophin Isolde Charim hielt den Eröffnungsvortag „Im Teufelskreis der Wörter: Wortbilder und Teekesselchen. Über politische Poetikstrategien und poetische Politstrategien“ und verwendete dabei Herta Müllers Nobelpreisrede, wo sie mit einem Taschentuch auf einer Stiege sitzt und sich an die Verhöre durchdie Securitate erinnert.

Dann kamen Christa Gürtler, die in Salzburg einiges im Literaturbereich veranstalt et und auch in der Elfriede Gerstl Forschung beziehungsweise Herausgabe tätig ist und erzählte etwas über die österreichische Literatinnen, ab der Fünfzigerjahren, beginnend von Ingeborg Bachmann und Ilse Aichinger.

Elfriede Jelinek hat 1972  „Wir sind Lockvögel Baby“ veröffentlicht, 1975 folgten die „Liebhaberinnen“ und verstörten, weil sie kein Subjekt und kein Mitleid mit den Personen kennen, das hat auch mich damals verwirrt, als ich Elfriede Jelienek, die damals noch öffentlich aufgetreten ist, sagen hörte, daß sie sich nur für Muster nicht für subjektive Schicksale interessiert.

Christa Gürtler lobte aber Marie Therese Kerschbaumers „Der weibliche Name des Widerstands“ als ein Beispiel  gelungener politischer Literatur, damit haben wir uns ja auch  im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ beschäftigt. Elisabeth Reichert, die im Dezember den Preis der Stadt Wien bekommt, hat sich mit „Februarschatten“ mit der Vergangenheit beschäftigt, in jüngster Zeit tut das Katrin Röggla und wenn man an Elfriede Jelinek denkt, kommt man an Marlene Streeruwitz nicht vorbei, die sich von der Theaterarbeit zurückzog, weil sie das Regietheater entäuschte, während Elfriede Jelinek ihre Texte den Regisseuren ja ziemlich freimütig zur Bearbeitung überläßt.

Beide Autoren publizieren viel im Internet, Elfriede Jelinek war ja eine der ersten, die ihre Texte dort hineinstellte, beispielsweise den Roman „Neid“, spannend, spannend und weil das Symposium als Dialog angelegt ist, kam Maria Sass von der Universität Sibiu und sollte  etwas über rumänische Autorinnen im Umfeld Herta Müllers erzählen. Leider verwendete sie kein Powerpoint, so habe ich die Namen nicht verstanden und kenne eigentlich auch nicht sehr viele rumänische Autoren.

Es kamen dann aber noch zwei Vorträge, einer von der Co-Veranstalterin Teresa Kovacs, der zweite von Graziella Predoiu von der Universität Temeswar über die „Machtstrukturen“ beziehungsweise  „Subversion bei Jelinek und Müller.“

Von Elfriede Jelinek habe ich  sehr viel gelesen „Die Ausgesperrten“, „Die Klavierspielerin“, „Die Kinder der Toten“, „Gier“ und „Neid“, „Die Liebhaberinnen“ und nicht alles verstanden, von Herta Müller „Die Atemschaukel“, wo sie, wie Isolde Charim in ihrem Vortrag erklärte,  dadurch Widerstand leistet, in dem sie die Gräuel des Lagerlebens vergegenständigt, und so beispielsweise von einer „Herzschaufel“ spricht.

Die anschließende Diskussion und die politischen Essays, die von Andrea Eckert und Anne Bennet gelesen wurde, habe ich, weil ich in meine Praxis mußte, versäumt, am Freitag ging es aber schon um neun mit drei Vorträgen von Historikern über „Totilarismus und Repression“ weiter.

So erzählte Roman Hutter wissenswertes über die „Politische Vereinnahmung der Rumänendeutschen“ und Dieter Siegert erzählte etwas über den „Staatssozialismus“

Dann ging es wieder in die Literatur und zu Herta Müller und zu Elfriede Jelinekm beziehunsweise de Teufelskreis der Dikturen in Literatur und Sprache.

Der rumänische Professor Andras  I. Balogh erzählte, daß Herta Müller noch als Studentin eine Erzählung über ihre Familie veröffentlichte und der ehemalige Operndirektor Ioan Hoender, der am  Abend  auftrat, stellte in Abrede, daß es Ähnlichkeiten zwischen Herta Müller und Elfriede Jelinek abgesehen vom Nobelpreis gäbe, ich denke aber schon, daß es die gibt und wurde durch die Diskussion und Referate auch darin verstärkt.

Ein Gemeinsames ist sicher auch die Senibilität mit der die Beiden gegen die Diffamierungen, die ihnen begegneten, reagieren, die eine geht nicht mehr aus dem Haus, die andere fühlt sich noch immer verfolgt und beide inszenieren das inzwischen wahrscheinlich auch ein bißchen.

Um das ging es dann am Nachmittag, da wurde über „Tabubruch und Nestbeschmutzung“ referiert und diskutiert und Daniela Strigl hatte den genauen Wortlaut des FPÖ Plakates aufgeschrieben „Lieben Sie Scholten, Jelinek, Häupl, Peymann, Pasterk oder Kunst und Kultur“, hat es geheißen, heute würde sich das die FPÖ nicht mehr trauen, vermutete Daniela Strigl, da hat der Nobelpreis sicher sehr geholfen.

Am Schluß wurde es wieder politisch,  da wurde mit Ioan Holender, Karin Cervenka, der ehemaligen Leiterin des Kulturinstituts in Bukarest, einem Professor und einem Historika über die Folgen von 1989 diskutiert.

Ioan Holender erwies sich wieder als Avocat Diabolo, wies aber auf das rumänische Kulturinstitut hin, wo ich schon manche interessante Literaturveranstaltungen hörte,  Karin Cervenka erzählte von der Demostration in Bukariest vor wenigen Tagen, der sie beiwohnte und die zum Rücktritt des Präsidenten führte und ich denke, es war sehr interessant  mein Elfriede Jelinek und Herta Müller Wissen aufzufrischen und ebenfalls interessant, daß die Beiden in den letzten Jahren den Nobelpreis bekommen haben, sovielen noch relativ jungen Frauen passiert das ja nicht.

2014-10-01

Erster Veza Canetti-Preis

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:58

Jetzt ist es sich doch ausgegangen ins „Musa“ zu gehen, wo heute der erste „Veza Canetti Preis der Stadt Wien“, den ich sehr gerne haben würde, eh schon wissen, an die Grazerin Olga Flor vergeben wurde.
Ein Preis, der mir sehr wichtig war, denn ich gehe ja gern zu den Literaturveranstaltungen ins „MUSA“ und der Preis wurde auch dort vorgeben und nicht, wie ich zuerst dachte, am Vormittag im Rathaus, wofür ich Julia Danieczyk, um eine Einladung ersuchte.
Von Veza Canetti, der Frau des englisch österreichischen Nobelpreisträgers habe ich, das habe ich, glaube ich, schon einmal geschrieben, das erste Mal etwas gehört, als die „Gelbe Straße“ aufgelegt wurde.
Vorher war mir nur ihr Ehemann, der Nobelpreisträger, ein Begriff.
Dann hat bei einer von mir organisierten „Tag der Freiheit des Wortes“ Veranstaltungen im Literaturhaus Judith Gruber-Rizy einen Text über die Veza Magd oder Veronika Knecht gelesen, wofür sie zum ersten Spektakel in die Wiener Ferdinand Straße eingeladen wurde.
2013 war der fünfzigste Todestag, da wurde das Spektakel dann wiederholt, Petra Ganglbauer hat die Anthologie „Veza lebt“ herausgegeben und eine diesbezüglich Veranstaltung gemacht und jetzt der „Veza Canetti Preis“, eine Initiative der Stadt Wien, um akf die Unverhältnismäßigkeit zwischen Dichter und Dichterin hinzuweisen. Die meisten Stipendien und Preise werden an Männer vergeben und die Stipendien tragen oft auch männliche Namen:
„Hans Weigel-Stipendium“ vielleicht oder das des Elias, der Stadt Wien, an schon prominentere Autoren, die eine Arbeit fertigstellen wollen.
Als ich vom „Veza Canetti Preis“ erfuhr, habe ich gerätselt wer ihn wohl bekommen würde, die Förderung einer noch nicht so bekannten Wiener Autorin. Ich natürlich nicht, denn ich gelte ja als Self Publisherin und Bloggerin offenbar trotz GAV-Mitgliedschaft nicht als solche, aber die Judith Gruber-Rizy vielleicht und wenn die vielleicht doch zu wenig bekannt ist, Marlene Streeruwitz, die
auch die erste „Autorinnen Vorlesung“ gehalten hat.
Olga Flor ist es dann geworden, Daniela Strigl hielt die Lautatio und endete mit der Feststellung, daß sie sich keine bessere Preisträgerin vorstellen könne.
Mir fehlt bißchen der Wien-Bezug, der ja gegeben sein sollte, sie wurde aber in Wien geboren und hat im zweiten Bezirk, wie die Veza eine Wohnung, beziehungsweise ein Zimmer und ich kenne Olga Flor schon lange, so lange, wie es die Diskussionen um ihre Neuaufnahme in der GAV gab, das war wahrscheinlich vor 2003, denn da war Graz Kulturhauptstadt und da ist wahrscheinlich im Jahr davor, die steirische Autorenschaft auf den Wiener Rathausplatz gezogen, da gibt es ja immer einen steirischen Kirtag, wo man Kürbiskerne,etc verkosten kann und ein Zelt gab es auch und da wurde von Martin Wanko, glaube ich, präsentiert, gelesen und gelesen und da habe ich Olga Flor persönlich kennen gelernt, die Physikerin ist und sehr analytisch, kurze Haare und eine große Brille und ihr erster Roman hieß „Erlkönig“, den hat sie, glaube ich dort auch vorgestellt.
Dann kam „Talschluß“ und die erste Bachmannpreislesung oder war es umgekehrt?
Mit „Kollateralschaden“ ist sie, glaube ich, auf der Longlist des dBP gestanden, das war wahrscheinlich 2008, denn aus dem Buch hat sie auch zur Eröffnung der ersten Lesefestwoche der „Buch-Wien“ im Museumsquartier gelesen. Das ist ein Roman der in sechzig Kapitel beziehungsweise einer Stunde in einem Supermarkt spielt, bevor es zu einem wahrscheinlich tödlichen Ende kommt. Aus der „Die Königin ist tot“ habe ich sie in der Hauptbücherei lesen gehört, selbst habe ich, glaube ich, noch nichts gelesen und müßte erst etwas finden, aber sie hat im letzten Jahr den „Wildgans-Preis“ bekommen und heuer noch einmal beim „Bahchmannpreis“ gelesen und ist damit glaube ich, nicht in die Shortlist gekommen und jetzt die erste „Veza Canetti Preisträgerin“ und ich bin fast zu spät ins „MUSA“ gekommen, weil vorher noch so viel zu tun und zu räumen war, für den fünften Bezirk habe ich eine Lesung aus dem „Literaturgeflüster-Texte-Buch“ eingereicht, man kann ja auch einmal Glück haben und Klaus Khittl bzw. Gloria G., Hilde Schmölzer, Lidio Mosca Bustamante habe ich zu einer Lesung zu meinem literarischen Geburtstagsfest, das ja bald kommen wird, eingeladen.
Und das „MUSA“ war gar nicht so voll, der Hofrat Denscher, der Leiter des Kulturamtes, der mich, wie ich mich erinnern kann, bei meinen Einreichungen, um ein Stipendium der Stadt Wien in den 1970 Jahren „Fräulein Jancak“ nannte, hat auf diverse andere Veranstaltungen hingewiesen und Julia Danielczyk warum es so wichtig ist die Frauenliteratur zu fördern in einer Zeit, wo die Literatur aus den Deutschstunden nach und nach verschwindet.
Dann kam Daniel Strigl in einer roten Jacke und stellte vier Thesen auf, beziehungsweise begann sie mit einem Vierzeiler und stellte an Hand von diesen Olga Flors Werk vor, verglich sie dabei ein paarmal mit Marlene Haushofer und als deren „Wand“ in der „Alten Schmiede“ bei den Grundbüchern vorgestellt wurde, war Olga Flor ja auch auf dem Podium, genauso wie bei den „Jelinek Dialogen“ und nach der Nobelpreisträgerin, wurde, glaube ich, auch noch kein Preis benannt, Olga Flor bemerkte aber in ihrer Dankesrede, daß sie sich während ihrer Arbeit mit dem „Erlkönig“ viel mit den „Kindern der Toten“ beschäftigt hat.
Der Preis wurde vergeben und die Preisträgerin dankte allen dafür, erzählte von einem Blogroman mit einer jugendlichen Heldin, gedachte der Namensgeberin und las noch ein Stück aus der „Die Königin ist tot“ vor. Dann gab es wieder Brot und Wein und einige der Honoratioren und wichtigen im Literaturbetrieb, die mich übersehen haben, ich habe mich aber mit einer Stammbesucherin ganz gut unterhalten, Eva Brenner hat mich zu ihren Veranstaltungen eingeladen und ich habe schnell ein Gläschen getrunken und ein bißchen Weißbrot verzehrt, bevor ich nach Hause gegangen bin, um mit dem Alfred nach Harland zu fahren, weil es den nach seiner Chinareise zur Gartenbetreuung und noch einigen anderen drängt.
Eine Einladung zu einem Bloggercocktail auf der nächste Woche stattfindenden Frankfurter Buchmesse habe ich inzwischen auch bekommen, da die werde ich mir nur in meinem Schlaf-oder Wohnzimmer bzw. am Schreibtisch im Wiener Praxiszimmer geben.

2013-10-03

Wildgans-Preis und Peter Henisch-Schlußveranstaltung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:18

Zum österreichen „Wildgans Preis“ des Hauses der Industrie, den es seit 1952 gibt, bin ich das vorige Jahr das erste Mal eingeladen worden, Barbara Neuwirth, die Jurorin und Laudatorin sagte mir zwar, sie hätte mich schon vor drei Jahren auf die Liste gesetzt, aber voriges Jahr ist ein paar Tage vorher ein Mail gekommen und heuer habe ich mich selber angemeldet, da das ein Preis ist, der mich sehr interessiert und der auch in meinen Sachen, in „Tauben füttern“ und „Lore und Lena“, beispielsweise, immer wieder vorkommt und den ich auch selbst gern hätte, aber höchstwahrscheinlich nicht bekommen werde, da er, wie Barbara Neuwirth weiter launig sagte, ein Preis für die Dreißig bis Sechzigjährigen ist und da hätte ich meine Chance ja jetzt verpasst, obwohl ich in einer anderer Lesart wieder passend wäre, da ich ja schon ein Werk aufzuwarten habe und wahrscheinlich auch noch eines zu erwarten ist, diesmal wurde aber die 1968 in Wien geborene und in Graz lebende Physikerin Olga Flor, die Preisträgerin, die ich seit der Diskussion, um ihre GAV-Aufnahme kenne, kurz darauf hörte ich sie auf dem Rathausplatz bei den steirischen Tagen lesen, vier Romane hat sie geschrieben, wie Barbara Neuwirt erklärte und für „Erlkönig“, dem ersten, sechzig Absagen bekommen, danach einen Preis und dann fand sich „Leykam“ dafür. Aus dem zweiten Roman „Talschluß“ habe ich sie, glaube ich, bei „Rund um die Burg“ oder sonstwo lesen gehört, mit „Kollateralschaden“ stand sie 2008 auf der Longlist des dBp, da hat sie dann auch beim Buch-Wien Erföffnungsfest ein Stück gelesen und aus „Die Königin ist tot“ habe ich sie in der Hauptbücherei lesen gehört. Priessnitzpreis, Stoesslpreis und einige andere Preise gab es auch und ich höre sie auch manchmal in der „Alten Schmiede“ bei Veranstaltungen, so hat sie glaube ich Marlen Haushofers „Die Wand“ vorgestellt und war auch bei den „Jelinek-Dialogen“.
Wie im letzten Jahr gab es Musik von einer Militärkapelle, die Familie Wildgans wurde begrüßt, der Präsident der Industriellenvereinigung hielt die Eröffnungsrede, überreichte Blumen und die Urkunde nach Barbara Neuwirths Laudatio und in der Dankesrede erwähnte Olga Flor in sehr schnellen Worten, „daß es die Preise und die Stipendien sind, die die Bandbreite dessen, was als verlegbar gilt, erhöht“ und setzte dann noch den Satz hinzu „don`t write a novel, a shoppinglist is better!“, dann wurde sie politisch und empörte sich über die österreichische Flüchtlingspolitik, die nur Platz für fünftausend Syrier hat, während man 1956 und 1968 viel größzügiger war, was eine Dame mit der ich später am selben Tisch meine Brötchen aß, sehr empörte. Dabei war das ja eine sehr harmlose Rede, Thomas Bernhard hätte sicher viel schärfere Worte von sich gegeben und so wurde ihm von der IV 1967 das Geld, glaube ich, in einem Kuvert zugesandt und auf die Preisverleihung verzichtet.
Es gab Sekt, Wein, Brötchen und was Süßen, letzteres zu wenig, zumindestens war es schon weg, als ich mit meinen Brötchen fertig war und konnte später, als ich mich mit Barbara Neuwirth unterhielt, gerade noch zwei Stückchen Apfelstrudel von dem Tablett, das den Veranstaltern serviert wurde, erwischen. Danach kam ich in der „Alten Schmiede“ noch zu der Abschlußdiskussion mit Peter Henisch und den meisten Vortragenden der Vortage zurecht und ich hörte gerade Kurt Neumann über den „Kater Murr“ sprechen und die Frage aufwerfen, wieso Daniel Kehlmann mit seinen Romanen mehr Publikum als Peter Henisch erreicht?
Aber diesmal war die „Alte Schmiede“ ziemlich voll, Ruth Aspöck saß vor mir und noch einige andere Bekannte. Es ging weiter mit der Frage, daß man in Österreich und Deutschland lange nach dem Krieg nicht erzählen durfte, etwas was mich ja ebenfalls sehr behinderte und Peter Henisch erklärte, daß er nicht einfach drauflosschreiben würde, sondern zu allen seinen Romanen ein Konzept hätte.
Dann gings wieder in den Keller zum musikalischen Abschluß, aber vorher gab es noch ein Geschenk an das Publikum, nämlich Peter Henisch „Zwischen allen Seseln“, die „Hannibal-Ausgabe“ von 1982, die die Stadt Wien, dem Autor abkaufte und sie in ihren Kellern lagerten, was dem Buch auch deutlich anzuriechen ist. Über diese Kellergeschichten mit den Büchern, die dann abgestaubt und hervorgeholt werden, wenn der Autor zufällig den Nobelpreis bekommt, habe ich, auch einmal geschrieben und das Buch, glaube ich, 1982 beim Libro gekauft, so daß ichs in den Schrank legen kann und im Keller las und sang Peter Henisch mit Woody Schabata und Hans Zinkl, Songs aus dem „Best of Blacks Peter Songbook, Hamlet, Hiob, Heine, Vom Baronkarl zum schwarzen Peter, Wewärts von Wien, Morrisons Versteck u. co“ und der Bogen zur Stadt Wien ließ sich noch einmal schön spannen.
Gab es diese Woche ja in den „Tonspuren“ ein Portrait von Anna Weidenholzer von Eva Schobel und die saß im Publikum und ist, glaube ich, die Lebensgefährtin von Peter Henisch und als ich sie auf das schöne Portrait, das ich am Nachmittag in der Wiederholung hört, ansprechen wollte, kam mir Anna Weidenholzer zu vor, die hinter mir gesesssen ist.
Peter Moser war da und wieder Klaus Khittl, der ja von Peter Henisch noch viel mehr als ich begeistert ist und den ich zu meinem literarischen Geburtstagsfest eingeladen habe, für das ich gestern und heute die Einladungen schrieb und ausschickte.
Zum Wildgans-Preis kann ich noch auf ein kleines „Anton-Wildgans-Buch“ aus dem Jahr 1934, das von Artur Pollak mit „Zustimmung des Dichters“ ausgewählt wurde und außer Gedichte auch Bilder von dem Haus im Mödling und den Dichter sowohl mit seiner Schwester als mit seinen zwei kleinen Buben zeigt, das ich mal im Schrank gefunden habe, hinweisen. Den von Franz Schuh herausgegeben Peter Henischs Reader „Figurenwerfen“ gab es einmal beim Büchterturm der „Literatur in März“ und muß sich irgendwo in meinen Regalen befinden.

2013-03-09

Die Königin der Olga Flor

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:53

Die 1968 in Wien geborene und in Graz lebende Olga Flor kenne ich seit ihrer GAV-Aufnahme, 2001 war das wahrscheinlich. 2002 habe ich sie, glaube ich, auf dem Rathausplatz gehört, als es da im Zug der steirischen Tage im Kaffeehauszelt eine von Martin Wanko moderierte steirische Lesung gegeben hat, wahrscheinlich hat sie da aus ihrem ersten Roman „Erlkönig“ gelesen und ist bald bekannt geworden und in den Literaturbetrieb eingestiegen. 2003 hat sie den Priessnitz-Preis bekommen, da war ich dort, bzw. bin ich gerade von einer Gerstl-Lesung aus der Hauptbücherei gekommen, wo ich die zweite Szene von „Taubenfüttern“ geschrieben habe, die, wo der Johannes Schwarzinger wirr in Wien herumrennt und habe mich mit Antia C. Schaub unterhalten, die gerade an unseren Frauenbuch geschrieben hat und ihr gesagt, daß sie Olga Flor auch in ihre Portraits aufnehmen hätte können.
2004 ist dann der Stoessl-Preis gekommen, für den ich mich auch ein paar Mal erfolglos beworben habe und 2005 der zweite Roman „Talschuss“, der, wie ich dem Programm der Hauptbücherei entnehme, monatelang auf der ORF-Bestenliste stand.
Dann kam der Roman „Kollateralschaden“, der ähnlich, wie mein „Wiener Stadtroman“ an einem Tag spielt, 2008 war der für den dBP Preis nominiert und da war auch die erste Buch-Wien, wo Olga Flor, glaube ich, bei der Eröffnung der Lesefestwoche im Museumsquartier daraus gelesen hat und jetzt gibt es den vierten Roman, im Herbst erschienen und irgendwie an mir vorbeigegangen, „Die Königin ist tot“, der am Freitag in der Hauptbücherei präsentiert wurde.
Ich habe noch keinen Flor-Roman gelesen, war aber auf den oben erwähnten Lesungen und habe sie, glaube ich, auch in der Alten Schmiede gehört, als dort das Grundbuch-„Wand“ präsentiert wurde, bzw. bei den Jelinek-Dialogen.
Das die kleine Physikerin mit den kurzen Haaren und der riesigen viereckigen Brille, die von der Radio Moderatorin Judith Brandner vorgestellt wurde, sehr qurelig ist, habe ich auch erst jetzt so richtig mitbekommen.
Ein modernes Macbeth Drama hat sie in ihrem vierten Roman geschrieben, bzw. die Handlung nach Chicago in die nahe Zukunft verlegt und eine Europäerin mit großen Mundwerk und großen Wortschatz nicht linear von ihrem Leben erzählen lassen, eine Europäerin, die offenbar um jeden Preis, den großen Aufstieg will, sich deshalb von einem mächtigen Medientycoon ehelichen läßt, er läßt ihr durch seine Anwälte den Ehevertrag schicken und fährt mit ihr im Lift in den siebenundsechzigsten Stockwerk seines Towers auf und ab. Der Lift spielt überhaupt eine große Rolle und die Ich-Erzählerin, die sich Lilly nennt, war offenbar einmal sein Liftmädchen, einen Türsteher gibt es auch und soziale Unruhen, die man vom Fenster aus beobachten kann, es gibt Sicherheitskontrollen und der Tycoon inszeniert sie oder sie ihn mit ihrer spitzen Zunge, dann tauscht er sie für eine Jügere aus, bzw. übergibt er sie seinen Stellenvertreter. Sie läßt sich aber offenbar auch gerne übergeben und am Ende schmiedet sie ein Rachekomplott, bzw. einen Mord und Olga Flor erzählte auch genauso schnellzüngig, was mich ein wenig an Wendelin Schmidt-Dengler erinnerte von ihrer Romanarbeit. Macbeth hat sie immer schon fasziniert, die Ich-Erzählerin hat ein antifeministischen Konzept und das am Frauentag, den Judith Brandner in ihrer Einleitung extra erwähnte.
Was soll sie aber machen, fressen oder gefressen werden ist die Devise in einer Welt wie dieser und die Protagonistin will die Macht und das angenehme Leben.
Sie ist eine unsympathische Figur, denn nur mit einer solchen wollte sich Olga Flor beschäftigen, sonst wäre das Schreiben langweilig, dann ist sie ihr aber doch sympathisch geworden.
Die Publikumsfragen beschäftigten sich mit den Gefühlen und mit den Kindern, die in solchen Familieninszenierungen natürlich auch vorkommen und ihre Rolle spielen, der Tycoon braucht ja seine Erben.
Sabine Gruber war im Publikum und wurde von Olga Flor herzlich begrüßt und am Ende wies Judith Brandner, die mit Olga Flor seit zehn Jahren befreundet ist, auf den Büchertisch hin und ich bin natürlich gespannt, ob ich einmal eines der Olga Flor-Bücher finde, obwohl mir die Ich-Erzählerin und ihr Lebenskonzept glaube ich, nicht sehr sympathisch ist.

2012-01-10

Alle Wege

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:15

„Alle Wege“ führen nach Rom sagt das Sprichwort und da gibt es ein Östereich-Atelier oder eine Stipendiatswohnung in der Via di Tor Millina und da zieht es die österreichischen Autorinnen von Martin Ammanshauser bis Cornelia Travnicek bekantlich hin. Viel mehr als dreizehn werden sich in der schon etwas abgehausten Wohnung, Andrea Stift hat einmal in ihren Blog, ein paar Fotos derselben hineingestellt, ihre Rom-Phantasien niedergeschrieben haben. Linda Stift, ihre Cousine hat jedenfals dreizehn Autoren gebeten, ihre Rom-Geschichten für eine Anthologie zusammenzustellen, die bei Sonderzahl herausgekommen ist. Thomas Kussin und Matthias Zsutty haben Fotos dazu gemacht, von der berühmten Künstlerwohnung gibt es keine und der Buchtext verspricht „Frische neue Blicke auf die citta eterna. Und wie nebenbei entsteht ein Panorama der österreichischen Gegenwartsliteratur.
Dann springen wir hinein, es hat ohnehin lang genug gedauert, bis ich das Buch gelesen habe und beginnen mit Rosemarie Poiarkow „Wenn der Papst stirbt“, da sind wir gleich mittendrin in dieser Künstlerwohnung, obwohl, die 1974 in Baden bei Wien geborene, von der ich „Wer, wenn nicht wir?“ gelesen habe, erst, wie auf der Biografieseite steht „vor hatte, um ein Rom Stipedium anzusuchen, vorzugsweise in Okotober“ steht noch dabei.
Johannes Gelich machte das in „Ponte Mammolo“ auch, das heißt vorher war er in Madrid, dann kommt er in die Via di Tor Millina 35, wird von einem bildenden Künstler und einer Fotografin zum Spaghetti-Essen eingeladen und hat in seinem Zimmer Alpträume, denn im selben Bett haben schon Robert Menasse und Franzobel geschlafen, welche Vorstellung?, das Klo ist dauern verstopft, bzw. wird von ihm besetzt und über Pasolini will er seine Stipendiatsarbeit auch noch schreiben.
Dann kommt Andrea Stifts Text „Schmutzig“, die war im Juli 2007 das erste Mal in Rom, als ein Harry Potter erschienen ist, den sie dann gleich in der Buchhandlung Feltrinelli um Mitternacht erstand. 2009 war sie, glaube ich, noch einmal dort, jedenfalls habe ich diesem Jahr ihren Blog entdeckt und da auch die berühmten Fotos gefunden. Der nächste Text ist von Anna Kim und der bereitete mir ein bißchen Schwierigkeiten, beziehungsweise bestätigte er meine Vorurteile, warum ich mich so oft vor Anthologien und Kurzgeschichtenbänden drücke. Denn man liest sich ein in eine Geschichte und dann kommt ein ganz anderer Stil und das macht das Mitdenken ein bißchen schwierig. Noch unverständlicher wurde es bei Markus Köhle, denn der vermischte gleich genial das Deutsche mit dem Italienischen in „Amore fa mal di testa e daneggia gravamente la capacita linguale“, na klar, hat er ja in Rom Romanistik studiert, was mir gar nichts ausmachte, versuchte ich während meiner Italienaufenthalte ja Italienisch zu lernen und habe deshalb immer ein tausend Lektionen Italienisch Sprachbüchlein mitgenommen. Mieze Medusa versuchte es dann gleich auf Englisch „Its fobidden to rubbish the monument“, beginnt mit dem Südbahnhof, den es nicht mehr gibt und der Zugsfahrt, versucht dabei einen Stefan zu vergessen, lernt einen Sven kennen, geht mit ihm essen und Kaffee trinken und macht auch eine Stadtführung.
Die nächste Autorin konnte höchstwahrscheinlich schon Italienisch, als sie Rom bereiste, hat dort auch als Zimermädchen gearbeitet und in die Anthologie ein Stück von „Stillbach“ hineingestellt und das war sehr interessant, besucht das deutsche Zimmermädchen doch in der Zimmerstunde den Fontana di Trevi und erwischt dort ihre Kollegin, wie sie mit einem Magneten die Münzen aus dem Wasser fischt, die die Touristen hineinschmeißen, um sich entweder in einen Römer zu verlieben oder in die ewige Stadt zurückzukommen. Sabine Gruber wurde 1963 in Meran geboren und lebt inzwischen in Wien. Und Michael Stavaric zählt in „Und in Italien“ sämtliche Vorurteile auf, die man über diese und über andere Städte haben kann. „Und in Rom ist es allen Frauen, die MARIA heißen, verboten als Prostiutierte zu arbeiten, und im übrigen Italien ist es das nicht“
In Angelika Reitzers „Scherbenhügel“ geht es gleich wieder in das Österreich-Atelier. Das heißt nicht gleich, zuerst geht es zu einer Fastenkur, die aber kein Erfolg wurde, so kommt sie nach Rom und läßt sich dort von ihren Mitbewohnern bekochen. Und Olga Flor beschreibt in den „Katakombenheiligen“ die negativen Seiten, der ewigen Stadt, erzählt von den Bettlern, den Taschendieben und den Männern, die einen in die Toreinfahrten locken und zu vergewaltigen suchen, während Linda Stift, die viermal dieses Atlier besuchte in „Macks Verhängnis“ einen verhinderten Heiratsschwindler seine Leiden schildern läßt. Er will in Rom eine reiche alte Frau verführen und berauben, stolpert aber über die amerikanischen Lolitas in den Eisdielen, kauft sich einen halben Liter Zitroneneis, spritzt ab, bekleckert seine Hose und findet am nächsten Tag auch in den Nobelhotels, die ersehnten reichen alten Frauen nicht. Und Cornelia Travnicek erinnert unter Palmen am Wiener Graben, daß Schriftstellerinnen gar nicht auf Urlaub gehen können und, daß man in Rom vor lauter Erwartungshaltung nicht schreiben kann oder höchstens einen Italienroman „Aber wer braucht schon soviele Italienromane?“ und war 2010 durch den Umweg über Paliano, wo das andere Österreich Atelier, das es in Italien gibt, liegt, „zum ersten Mal in der ewigen Stadt.“ Am Schluß führt uns Martin Ammanshauser noch auf den Friedhof und zitiert die Reisen, die, der Vater Johann Caspar Goethe, Johann Wolfgang Goethe und sein Sohn August machte. Und ich war 2003, glaube ich, einmal dort, auf einem Campingplatz mit dem Alfred ein bißchen außerhalb, da ich in der Zeit, wo ich noch unabhäng war und keinen Kassenvertrag hatte, nicht recht wußte, wie man sich um ein Rom-Stipendium bewirbt und vielleicht auch keines bekommen hätte, so also als Touristin mit einem literarischen Reiseführer durch die Stadt gezogen und dann 2004, als „Tauben füttern“ schrieb, davon zehrte, macht da ja die arbeitslose Lehrerin, Veronika Schätzmeister, wie angeblich sehr viele Italiener auch, Urlaub auf ihrem Balkon mit Ausblick auf den Donaukanal, während sie im Italienischen Billig Supermarkt Spaghetti, Chianti etc einkaufte, um ihrer Freundin dann in Mails von einem vorgetäuschten Urlaub vorzuschwärmen, während unten am Donaukanal eine Tauben fütternde alte Frau erschlagen aufgefunden wird. So jetzt habe ich auch ein bißchen zu den Büchern der Autoren und den Veranstaltungen, die ich von ihnen schon besucht habe, verlinkt. Ich habe ja bei den „Mittleren“ einmal Cornelia Travnicek und Andrea Stift eingeladen, da war auch Lina Stift und da hat die Anthologie vielleicht auch ein bißchen ihren Ausgang genommen, mit der man am besten wahrscheinlich nach Rom fahren und sie dort lesen sollte, da kann man dann auch am Campo di fiori und zu dem Haus gehen, in dem eine andere Exil-Römerin, nämlich die berühmte Bachmann einmal lebte.

2011-11-22

Was jetzt, Cornelia?

Filed under: Uncategorized — jancak @ 16:52

„Was jetzt, Cornelia?“, eine Donauland Linzenausgabe von 1979 und Gesellschaftsroman von Elisabeth Gürt, von der man relativ viele Bücher im offenen Bücherschrank findet. Ich habe einige ihrer Bücher gelesen, einige waren im Bücherkasten meiner Eltern, ein paar habe ich bei anderen Gelegenheiten antiquarisch bekommen, ein uraltes einmal um zehn Schilling oder einen Euro bei Hintermayer von dem sich schon der Umschlag in Luft auflöste.
Schaut man bei Google nach, findet man nichts über die Autorin, außer, daß man ihre Bücher antiquarisch erwerben kann, aber keine biografischen Angaben, so daß ich eigentlich nur raten kann. Ihre Bücher spielen in den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, dieses hier dürfte schon in den Siebzigerjahren spielen und wenn ich mich recht erinnere, habe ich die Autorin vor zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren einmal bei einer Veranstaltung des Schriftstellerverbandes hochbetagt, gesehen.
Inzwischen wird sie wahrscheinlich gestorben sein und bei den Blättern zu den Büchergilde Gutenberg Werbeheften, die ich von meinem Vater erbte, gibt es eines, wo ihr Bild neben Erika Mitterer und Vicki Baum als Beispiel für die Frauenliteratur der Gegenwart abgebildet ist. Eine österreichische Gesellschaftsautorin also, die viele Frauenromane geschrieben hat, die in den Fünfzigerjahren in den Büchergilde und Donaulandausgaben zu finden waren und heute so gut, wie vergessen ist, beziehungsweise deren Bücher in den Antiquariaten verscherbelt werden.
Einige habe ich gelesen, da mich ja das Leben in Wien der Dreißiger und der Fünzigerjahre sehr interessiert und so kann ich mich erinnern, daß ich in der Zeit, als ich meinen Vater betreute und von ihm nach Lainz in den Pflegehelferunterricht gefahren bin, manchmal einen Gürt-Roman in der Tasche hatte.
Dieser hier ist aus dem Bücherschrank und es scheint ein späterer Gürt-Roman zu sein, handelt er doch von einer Fünfundfünzigjährigen, das ist Cornelia, die Kinderpsychologie studierte, da ihre älteste Tochter aber schon dreißig ist, kann sie nicht sehr lange berufstätig gewesen sein, sondern sehr bald nachdem sie geheiratet hat, nur noch Hausfrau und Mutter gewesen. Eine bürgerliche gut situierte Hausfrau, ist ihr Man doch Möbelfabrikant. Das ist der Ausgangspunkt des Romans. Othmar hat Cornelia gerade verlassen und ist zu seiner jüngeren Sekretärin gezogen, die auch noch ein Kind von ihm erwartet und Cornelia stellt sich die Frage, was soll ich nun tun?
Nach Außen ist alles geordnet, der Unterhalt bezahlt, die Wohnung bürgerlich und auch die Nachfolgerin kommt auf Besuch und bringt Blumen. Blumen werden in dem Roman überhaupt sehr oft gebracht. Trotzdem stellt sich Cornelia diese Frage und forscht sogar im Schulamt nach, ob sie wieder als Psychologin tätig werden kann?
Kann sie mit Fünfundfünzig natürlich nicht, da gibt es aber ihre beiden Töchter Marion, gerade dreißig, wunderschön und gut verheiratet, eine femme fatal und sehr oberflächig, die die jungen Dichter unterstützt und ihre Gedichte für dreißigtausend Schilling drucken läßt, dabei ihren Gatten, den ebenfalls gutsituierten, erfolgreichen Architekten Phil und vor allem ihren zehnjährigen Sohn Ronald vernachläßigt und ins Tagesheim steckt, während die andere Tochter Ruth den Schuldienst für den sie ausgebildet wurder, verläßt und in München ein Künstlerleben führt.
Das ist die Ausgangslange und zeigt die Problemlage auf, die er verarbeiten will. Denn, wie macht man es mit Beziehungen? Cornelia ist umgeben von Leuten, die ihr einreden wollen, daß Bindungen nicht wichtig sind und man altmodisch und von vorgestern ist, wenn man sich einbildet, daß eine Bezieung lebenslang halten soll.
So taucht auch ein Jugendfreund auf, ebenfalls mit einem Hausmütterchen verheiratet und mit einer jungen Freundin ausgestattet, der Cornelia im Bett haben will und als sie nicht darauf einsteigt, sich von ihrer Freundin Palatschinken backen läßt.
Aber eigentlich weiß Cornelia ohnehin was sie will, gibt es da ja das von ihren Eltern geerbte Landgut, aus dem sich ein Kinderferienlager machen läßt und der kleine Ronald ist ohnehin vernachläßigt genug und in Gefahr keinen Halt im Leben zu finden, weil sich seine schöne Mutter zuwenig um ihn kümmert und Ruth wird schwanger und das ist in einem freien Künstlerleben auch recht schwierig.
Am Ende hat sich alles eingerenkt und zu einer schönen Ordnung hingebracht. Marion kehrt zu ihrem Phil zurück und Ruth mit künftigen Kind und Mann nach Wien, um den Schuldienst wieder aufzunehmen, während ihr Ben als Graphiker Karriere machen wird und Cornelia kann sich als Psychologin auf ihrem Landgut den anderen entwurzelten Kindern widmen, mit ihren reiten und Ostereier bemalen und sogar einen Apotheker, der als Junggeselle auf sie gewartet hat, scheint es auch zu geben.
Chicklit des vorigen Jahrhunderts einer inzwischen ziemlich vergessenen Erfolgsautorin, die sehr viele Frauenromane mit vordergründig gesellschaftlich relevanten Zeitthemen geschrieben hat, die mich als politisch interessierte Frau natürlich interessieren, obwohl, die Politik kommt, wie in in solchen Romanen üblich, nicht vor und das Milieu ist die gut situierte Mittelschicht und die Probleme werden auch nur angerissen und dem scheinbar guten Ende zugeführt. Trotzdem kommt der sexuelle Mißbrauch vor und eine Vierzehnjährige, die versucht aus dem Schulfenster zu springen, weil sich der Freund ihrer Mutter ihr genähert hat.
Und so lese ich sie ganz gerne die Frauenromane von gestern und vorgestern, den politischen Bezug dazu, kann ich mir ja denken, bzw. wurde darüber in den gestrigen Jelinek-Dialogen diskutiert und es könnte ja auch sein, daß das Buch in derselben Zeit, wie Elfriede Jelineks „Liebhaberinnen“ geschrieben worden ist und so habe ich die Lektüre auch ganz spannend gefunden.

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