Literaturgefluester

2010-04-26

Leben ohne Geld

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:06

Im letzten „Augustin“, den Alfred am Samstag nach Harland brachte, gibt es einen interessanten Artikel, der ehemaligen Lehrerin und Psychotherapeutin Heidemarie Schwermer, einer Pilgerin aus der Kostnix-Welt, wie als Überschrift steht, die seit vierzehn Jahren aus der Konsumwelt ausgestiegen ist, von dem ich mich sehr angesprochen fühle, versuche ich ja zwar nicht ohne, aber mit möglichst wenig Geld zu leben.
Die nordeutsche Psychotherapeutin, die nach Wien gekommen ist, um den „Augustin“, dessen Kostnix-Bücherladen und den offenen Bücherschrank zu besuchen, hat 1994 einen der ersten Tauschringe in Deutschland gegründet, dann ist sie zuerst für ein Jahr aus der Kaufwelt ausgestiegen, hat ihre Wohnung aufgegeben, ihre Sachen verschenkt und lebt seither vom Hüten fremder Wohnungen und dem, was sie dort in den Eisschränken findet, hat zwei Bücher darüber geschrieben und ist in diversen Talkshows aufgetreten.
Ein Buch heißt „Das Sterntalerexperiment“, das man kaufen kann, das zweite „In Fülle Sein – ohne Geld“, kann man kostenfrei auf ihrer homepage lesen. Das habe ich jetzt ein bißchen getan und es, weil ich sehr sparsam bin, nicht ausgedruckt, sondern quergelesen, deshalb gibts keine richtige Besprechung, sondern ein paar Gedanken, weil ich einiges aus eigener Erfahrung kenne.
Das Buch erscheint mir an einigen Stellen ein bißchen esoterisch und religiös angehaucht, aber die Grundidee, daß die Welt lebendiger wird, wenn sich die Menschen gegenseitig helfen und man dadurch zu den inneren Werten kommen kann, wenn man gibt und nimmt und nicht alles wegwirft, wie das Brot im Supermarkt, kann ich nachvollziehen und finde es faszinierend.
Es gibt Übungen, Beschreibungen und Lebenserfahrungen. Heidemarie Schwermer reist herum, hütet fremde Wohnungen, geht auf den Markt Obst und Gemüse sammeln oder nimmt sich ein schönes gut erhaltenes Buch aus dem offenen Bücherschrank und schreibt von ihren Erfahrungen, wie sie in Panik vor dem leeren Kühlschrank steht, dann Brennessel sammelt und als die gekocht sind, ruft eine Freundin an und bringt eine Schachtel mit Lebensmittel vorbei.
An diesen Punkt wäre ich ein wenig skeptisch, beziehungsweise würde ich fürchten, daß die Freundinnen bei mir nicht kommen, deshalb gebe ich auch meine Wohnung nicht auf, bin aber, um zu meinen persönlichen Erfahrungen zurückzukommen, offenbar bin ich ein paar Jahre jünger, daher keine Kindheitskriegsererlebnisse mit Hunger, aber mit sehr sparsamen Eltern aufgewachsen, so daß der Konsumverzicht, das Notwendige, nicht das Überflüssige für mich immer schon sehr wichtig waren. Ich habe es nicht immer gelebt. Sondern als Studentin viele teure Bücher gekauft und auch später große Reisen, zum Beispiel nach Japan, gemacht und in einigen Luxushotels übernachtet, so daß das Loslassen erst später richtig gekommen ist und mir das mit möglichst wenig Geld leben, inzwischen als brauchbare Lebensform erscheint, die auch gut gelingt.
Ich schreibe auf meinem Blog immer wieder vom Büchertauschen oder, daß ich nicht so gern ins Kaffeehaus und zu Veranstaltungen gehe, wo Eintritt zu zahlen ist, da hat mich einmal eine Leserin gefragt, ob ich so arm bin, daß ich das nicht mache?
„Nicht wirklich!“, hab ich ihr geantwortet, es ist eher eine Lebensform und ein Stück Unabhängigkeit.
So, daß das meiste Geld, das ich ausgebe für meine Steuer und die Sozialversicherung ist. Da unterscheide ich mich von Heidemarie Schwermer und auch, daß ich mit meinen limitierten Kassenverträgen, ziemlich schnell das Grundgehalt habe und damit Zeit zum Schreiben, was mir sehr wichtig ist.
Ich putze mir auch selber und bezahle keine Putzfrau, denke aber, daß die Psychotherapie, etwas ist, das man den anderen geben kann, wenn man sie erlernt hat, das ist ja das Schwermersche Grundprinzip und wie sie Handy und Internet bezahlt, ist mir nicht klargeworden.
Mein Blog ist mein Geschenk an die Menschheit und dazwischen schreibe ich meine Literatur. Gehe viel zu Fuß, nicht unbedingt spazieren, sondern zu Veranstaltungen und Terminen. Das ist gesund und das bewußte Leben, von dem auch Heidemarie Schwermer schreibt.
Ich tausche meine Bücher und bekomme ziemlich viele geschenkt, die ich sammle. Diesbezüglich bin ich nicht unbedingt für Besitzlosigkeit und was vermutlich ein Nachteil ist, ich kaufe eher billige Kleidungsstücke, die vielleicht in nicht so fairen Bedingungen entstanden sind, da ich aber ziemlich genügsam bin, spare ich viel Energie und das Fliegen habe ich mir auch wegen der Sicherheitsbestimmungen abgewöhnt, weil ich durch einen Nacktscanner nicht so gern gehe und reiselustig bin ich im Gegenteil zu Alfred und Heidemarie Schwermer auch nicht sehr.
Da genügt mir die Sommerfrische in Harland und das Radfahren an der Traisen. Die Literaturveranstaltungen, die ich besuche, sind umsonst und ein Leben mit möglichst wenig Geld, macht, glaube ich, unabhängig, deshalb praktiziere ich es auch.
Im Gegensatz zu Heidemarie Schwermer habe ich aber das Gefühl, daß das Tauschprinzip in unserer Gesellschaft nicht so hoch angesehen ist, so bin ich zweimal bei Kolleginnen, als ich mit ihnen Bücher tauschen wollte, ziemlich angeeckt, die das fast als Beleidigung und Mißachtung angesehen haben und ich wundere mich auch manchmal, wenn ich meine selbstgemachten Bücher präsentiere, über das Erstaunen, daß das auslöst, weil ich damit nichts verdiene.
Der Konsumverzicht ist etwas tief in mir Verwurzeltes, ein Wert mit dem ich sehr zufrieden bin, so haben mir der Artikel, die Website und die Bücher Heidemarie Schwermers sehr gefallen und wie erwähnt, früher hätte ich mirs ausgedruckt, jetzt habe ich an das Geld und das Papier gedacht, das ich damit erspare und Platz habe ich auch nicht mehr viel in den Regalen, das ist auch ein Argument gegen das Buch an sich und für das Internet.

2019-12-30

Leben ist mehr – Impulse für jeden Tag

Filed under: Bücher — jancak @ 00:03
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Als ich am dreiundzwanzigsten Oktober auf dem Weg zur Debutpreis-Lesung in der AK-Bibiliothek war, bin ich an einem der offenen Bücherschränke vorbeigekommen, habe einen doppelten Remarque hineinglegt  und einen Kalender für das Jahr 2019 herausgenommen.

Ich dachte, es sei ein Kalender, also ein Büchlein, am Cover ist ein schönes Bergpanorama mit See und Booten zu sehen, wo ich etwas hineinschreiben, das Konzept für meinen nächsten Roman vielleicht, kann, aber nein, es steht schon was drin und zwar Gedanken für jeden Tag, so ähnlich, wie die Radiosendung, die es jeden Morgen vier vor sieben in Ö1 gibt.

Der Herausgeber ist wahrscheinlich eine Bibelgesellschaft, denn es gibt für jeden Tag einen Bibelvers, dann hat einer der Autoren eine Botschaft oder einen Artikel dazu geschrieben, die den verschiedensten Lebensbereichen zugeordnet sind.

Und weil ich im Dezember auch einen Adventkalender habe, wo es jeden Tag eine Geschichte zu lesen gab, habe ich mich am vierundzwanzigsten Oktober aufgemacht, jeden Tag eine Seite des Büchleins zu lesen und da gleich einmal zu erfahren, daß der vierundzwanzigste Oktober, der Tag der Bibliotheken ist.

„Hurra, ein Buch!“, lautet die Kapitelüberschrift, die dem Themenbereich Kultur zugeordnet ist, wo man erfahren kann, am vierundzwanzigsten Oktober  1828 die erste Schulbibliothek in Großhain gegründet wurde, daran knüpfte sich die Frage, wann man das letzte Mal in einer Bücherei war, denn lesen ist ja etwas Gutes.

Ich war ganz zufällig am Tag davor in einer und gehe eigentlich nicht so oft in solche, da ich eine Büchersammlerin bin und nein, ausführlicher habe ich noch nicht in der Bibel gelesen, weil ich weder religiös noch katholisch bin, dafür habe ich aber vor, mich ab nun bis Jahresende auf die täglichen Gedanken ein- und den Rest, den Anfang des Buches, also ungelesen zu lassen, weil es ja für das Jahr 2020 wahrscheinlich ein neues Impulsbüchlein geben wird, das ich allerdings erst finden muß.

Dann gehts gleich weiter mit der Abteilung „Geselllschaft“ zum Thema „Ausgerissen“ und wird von einem Kaninchen erzählt, daß von einem kleinen Jungen liebevoll gepflegt wird und trotzdem reißt es aus, rennt weg und der Junge bleibt traurig zurück.

„Aha!“, denkt man und an die Flüchtlingsproblematik, es geht aber, um das Weggehen von Gott, den man verläßt, obwohl er immer gut zu einem war und für einen sorgte.

Da kann man zwar an Auschwitz und die Frage denken, wo Gott da gewesen ist? Das ist aber nicht gemeint, soll man doch die Frage beantworten „Was kann es Gutes bringen, dem Schöpfer entfliehen zu wollen?

„Neue Erkenntnisse vielleicht!“, könnte die aufmüpfige Antwort lauten. Der Leitspruch aber heißt „Vertrauen Sie sich Gott an! Bei ihm finden Sie alles, was Sie brauchen.“

Am sechsundzwanzigsten Oktober, dem österreichischen Nationalfeiertag, geht es, weil es den ja in Deutschland nicht gibt, um das „Christsein“ und die Frage, ob man sein Leben und die Freude daran verliert, wenn man zu Gott gefunden hat.

„Nein, natürlich!“, lautet die Antwort und der Ratschlag folgt, daß man es probieren soll, weil man ja erst dann, wenn man gesprungen ist, merkt, daß das Wasser gar nicht so kalt, sondern angenehm und erfrischend ist.

Am Sonntag, den 27. Oktober gab es die Zeitverschiebung, Ende der Sommerzeit, die ja jetzt abgeschafft werden soll und die Uhr um drei Uhr früh eine Stunde zurückgestellt. Was macht man da, wenn man bei rot über die Straße geht, hat man da einen Fehler gemacht oder nicht, denn es ist ja erst fünf vor drei?

In „Kaminbrand“ geht es um einen Schutzengel in Form eines Rauchfangkehrers, der ausgerechnet dann das Dorf betritt, als Rauch aus dem Haus des Erzählers quillt, ja es gibt sie die Wunder im Hier und Jetzt, die vielleicht nicht so ganz zufällig sind, wie im Psalm 105 1-5 erklärt wird.

Am 29. Oktober verriet in den „Gedanken für den Tag“, die evangelische Gefängnisseelsorgerin Christine Hubka, daß die Bibel das Buch wäre, das sie auf die einsame Insel mitnehmen würde, weil man damit nie mit dem Lesen fertig würde und sie außerdem noch sehr spannend ist und in den „Impulsen für jeden Tag“, ging es um die wahre Sicherheit, die ist natürlich in Gott zu finden, warum sich also auf seinen Verstand oder auf die Politiker verlassen? Auf den Verstand schon ein bißchen würde ich meinen und habe im Morgenjournal gerade die Gedanken einer Schuldirektorin gehört ob und warum Bildungspflicht in Österreich wichtig ist und ob unter Druck setzen hilft?

Am 30. Oktober geht es um die Widerspüchigkeiten der Bibelverse und natürlich, wie immer um den Glauben, der einer nahezu auf jeder Seite nahegelegt wird.

Der 31. Oktober, Weltspartag, Reformationstag und Halloween, wie Christine Hubka in ihrer „Gedanken für den Tag-Woche“ erklärte, war 2017, steht in dem Lektürebuch in Deutschland ein Feiertag anläßlich des fünfhunderten Reformationsjubiläums und ein Dienstag. So nutzen ihn viele Deutsche für ein verlängertes Wochenende.

Ob sie wohl da die Bibel gelesen haben, die Martin Luther in nur elf Wochen ins Deutsche übersetzte und damit zu einem Bestseller machte?

Zu Allerheiligen und Allerseelen geht es natürlich auf Begräbnisse und um das Sterben.

„Warum?“, hat Familie Müller auf den Grabstein ihrer fünfjährigen Tochter setzten lassen und es dann später durch ein „Gott weiß warum!“, ersetzt, denn sie waren gläubige Menschen.

Am sechsten November geht es um einen Soldaten im ersten Weltkrieg, der die Briefe seiner Mutter nicht mehr versteht, woran sich die Frage ist, wie das mit der Bibel ist? Versteht man sie nicht, weil sie zu altmodisch geworden ist oder weil man sich zu wenig mit ihr beschäftigen. Der Autor meint natürlich das Letzere und empfiehlt die Lektüre des Markus-Evangelium.

Dann geht es um die Einsamkeit, von der immer Menschen trotz aller sozialen Medien betroffen sind, so daß es in England schon eine Einsamkeitsministerin gibt.

Am achten und neunten November ging es natürlich um den Mauerfall, den es vor dreißig Jahren in Berlin gab.

Dann kommen zwei Texte zur Wissenschaftsgläubigkeit und zu der Frage, wie die mit den Glauben an Gott zu vereinen ist und am zwölften November wird eine spannende Geschichte aus den vermutlichen Neunzigerjahren erzählt. Da fährt ein junger Physikstudent Autostop nach Göttingen, wird von Professor Heisenberg mitgenommen, den er natürlich nicht erkennt und so gibt er an und prahlt während der Fahrt mit seinem Physikwissen.

Am Schluß stellt sich dann der Nobelpreisträger vor und der Textschreiber vermutet, daß der Student rote Ohren bekommen hat.

„Stimmt wahrscheinlich!“, würde ich vermuten. Ein weltbekannter Physikprofessor denke ich aber, würde über dieses Erlebnis lächeln und dem jungen Mann nicht böse sein.

„Sind Sie gut versichert“, lautet die Frage für den vierzehnten November und die Antwort lautet natürlich, daß Gott die breste Lebensversicherung ist.

Es geht ums „sicher gehen“ und, wie man sein Ziel erreicht, ohne vom Weg abzukommen und um die Frage, ob man ein guter Mensch ist?

Dazu gibt es das Bibelzitat des Pharisäers, der phrahlt ein solcher zu sein und nicht in demHimmel kommt, während dem Zöllner, der sich bescheiden hinten anstellt, vergeben wird.

Da gibt es sicher viel zu diskutieren, denke ich. Denn das Glas ist ja sowohl voll als auch leer und es ist gut zu wissen, wo ich besser, als auch, wo ich schlechter, als die anderen bin, als nur auf Gott zu vertrauen, denkt die Atheistin, weil man da vielleicht nicht wirklich weiterkommt.

Am neunzehnten November wird der Kinder gedacht und die Inschrift eines Kindergartens erwähnt, der den Eltern das Handy verbietet, während sie ihre Kinder abholen. Denn sie sollen statt zu telefonieren, sich  um diese kümmern. Die Zeichnungen, die sie gemalt haben, anschauen, etcetera.

Da kann man auch diskutieren, ob es wirklich gut ist, die Kinder gleich nach der Geburt in eine Tagestätte zu geben, denn wenn man sie bis mindestens drei wie es früher üblich war war oder  bis zu Schule bei sich hat, kann man sich mehr mit ihnen beschäftigen. Aber dann reicht vielleicht das Geld nicht aus oder der Mutter fällt die Decke auf den Kopf und sie muß erst recht mit ihren Freundinnen telefonieren, um nicht depressiv zu werden.

Am 20. 11. geht es um den Perspektivenwechsel vom Übergang vom Dunkel zum Licht, der sich laut  Autor Thomas Kröckertskothen im Flugzeug auf dem Weg von Nordamerika nach Deutschland besonders gut beobachten läßt.

Dann geht es zum Alltgsstreß und die Frage, warum Gott den zuläßt, die wahrscheinlich  mit dem Tagesvers „Denn mit dir erstürme ich einen Wall, mit meinem Gott springe ich über eine Mauer“, auch nicht zu beantworten ist.

Am zweiundzwanzigsten November wird gefragt, ob wir auf die Zukunft vorbereitet sind? Zu wenig wahrscheinlich, weil wir telefonieren oder schlafen ein, wenn uns die Flugbegleiterin erklärt, wie man die Sauerstoffmaske aufsetzt und wo der Notausgang ist und auf das eigene Sterben, einen plötzlichen Unfall, das Eintreten von Demenz, etc sind wir auch nicht gerüstet. Können wir wahrscheinlich auch nicht wirklich, ich denke aber, wenn wir das Leben bewußt und voll leben ist schon viel getan und vor dem Tod brauchen wir uns nicht fürchten, denn wo wir sind ist er nicht und dort wo er herrscht, ist man verschwunden, ist die Meinung der Atheistin und geflogen bin ich glaube ich schon zwanzig Jahre nicht, so ist mir auch die Notfallsrutsche eigentlich egal.

Dann geht es um die Korruption, was Gott nicht ist, ist der Ablaßhandel, der ja viele Kriege ausläste, nur seinen Stellvertretern auf Erden zu Gute gekommen und daß man um Gott zu gefallen Gutes tut und versucht, ein guter Mensch zu werden, kann nicht schade, denke ich, auch wenn es in Zeiten, wie diesen, wie ich fürchte nicht sehr populär ist.

Dann geht es um die Frage, was der Mensch denn wert ist? Ein Fußballer zweihundertzwanzig Millionen, die anderen wahrscheinlich weniger, aber Gott, der für uns seinen Sohn geopfert hat, wird wohl nicht so viel zahlen.

Am sechsundzwanzigsten November geht es um den ersten Schnee und die Spuren, die man hinterläßt, wenn man hineintritt und daß es gut ist, wenn das bei hoher Schneeschicht schon jemand anderer vor einem getan hat, so daß man sich so anstrengen muß.

Um einen Krankenbesuch geht es in „Fester Glaube“, wo der Autor einer an einem Tumor erkrankten Frau einen christlichen Kalender verteilt und danach mit ihr ins Gespräch kommt und gemeinsam betet.

Um die Frage ob man sich durch Selbstmord oder frühen Tod von seiner Schuld freimachen kann, geht es in der Geschichte „Davongekommen“, die sich auf den Bibelvers „Und er wird richten die Welt in Gerechtigkeit, wird über die Völkerschaften Gerichthalten in Geradheit. Psalm 9.9.“ bezieht.

Am dreißigsten November geht es wieder um das Schicksal, bzw. um die Frage, ob der Mensch ein Spielball der Gesellschaft oder der Ereignisse ist. Man sieht die Themen wiederholen sich. Denn man plant das Leben, bekommt ein Kind und der Vermieter kündigt die Wohnung oder es kommt plötzlich ein Herzstillstand. Da hilft nur das Gottvertrauen, meint das Buch, denn in seine Hände soll man ja das Schicksal legen, wie es schon der Bibelvers verrät.

Am ersten Dezember geht es auf einen Weihnachtsmarkt, wo auf den Punschbechern das „T“ vergessen wurde und zu der Frage, ob man Fehler reparieren kann. Bei „Kintsugi“ tut das das japanische Kunsthandwerk, hier natürlich Gott, der durch seinen Sohn Neues geschaffen hat, wie in der Bibel steht.

Am dritten Dezember geht es über die Frage, wieso man, wenn man das Richtige tut, trotzdem verlieren kann zu „Josef und seine Brüder“.

Am vierten Dezember geht es um die Lebensphasen. Alles hat seine Zeit, geboren werden, sterben, weinen, lachen, wie schonKönig Salomon wußte und die Rockband „The Byrds“ am vierten Dezember 1965 zum USA Hit Nummer eins werden ließ.

Am Krampustag geht es um die Frage, wie oft in der Bibel „Fürchte dich nicht!“, steht, dreihundertfünfundsechzig oder doch nur hundertneunzehn Mal und die Abschlußfrage ist, warum sich die Christen trotz all des Trosts in der Bibel trotzdem so oft fürchten.

Dann geht es um den Neid oder um die Frage, was man macht, wenn drei Kinder vier Luftballons geschenkt bekommen. Der kluge Vater trägt den vierten zurück, man kann ihm wohl auch zum Gemeingut erklären. Schwieriger ist es wohl mit den Ungerechtigkeiten, was macht man wenn beispielsweise die, die gar nicht besser schreiben, veröffentlicht werden und man selber nicht, um ein persönliches Beispiel zu erwähnen. Ob da der Glaube wirklich gegen Ungerechtigkeiten hilft, wäre ich ein wenig skeptisch, wäre es ja besser diese abzuschaffen, was aber sicher auch in dem Buch steht, nicht die Aufgabe des lieben Gottes und Sinn des Glaubens ist.

Am achten Dezember geht es seltsamerweise nicht um Maria Empfängnis, sondern um die Sternschnuppen, denn früher wurden die Dochte der Kerzen abgeschnitten, diese unnütze dann Schnuppe genannt und wenn einem etwas wurscht ist, sagt man das noch immer. Dem lieben Gott allerdings lautet die Belehrung sind, wir das nicht und so sollte die Weihnachtsbotschaft niemanden „schnuppe“ sein.

„Frei aber nicht glücklich“, heißt die Geschichte, die über den Umweg über einen freigesprochenen Kaufhausbesitzer, den man die Brandstiftung nicht nachweisen konnte, wieder dafür playdiert den Glauben an Gott anzunehmen.

Am nächsten Tag geht es um die Frage, wie gefangen oder frei man mit oder ohne Gott ist?

„Wenn alle Dämme brechen…“ ist die nächste Frage. Ja was ist, wenn die Menschen statt zum Arzt zu gehen, auch Online-Beratung in Anspruch nehmen oder sich mit Präservativen vor Aids schützen? Eigentlich nicht so schlimm, würde ich meinen, der Verfasser sieht es, aber, glaube ich, anders.

Am 12. 12. geht es „Vermieter kontra Mieter“ und die Streitigkeiten die zwischen beiden entstehen können.

Am dreizehnten Dezember wird die Frage „Weiß niemand, wie es mir wirklich geht?“, gestellt, die wohl nur Gott richtig beantworten kann und der Bibelvers dazu lautet „Du hast mein Elend angesehen, hast Kenntnis genommen von den Bedrängnissen meiner Seele.“

Am vierzehnten Dezember geht es um die „60 Geschlechter“, die es ja angeblich gibt und zu denen man sich bekennen kann, während die Bibel nur von „Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie“, in „1. Mose 1.27“, spricht.

Dann geht es um das lebenslange Warten und um die Sorgen, die man sich macht und, die man sich eigentlich nicht zu machen braucht, während am sechzehnten Dezember ein blinder Opernsänger davon spricht, wie wichtig es für ihn und auch die Umwelt war, daß seine Mutter ihn nicht abgetrieben hat, obwohl ihr die Ärzte genau das geraten haben.

„Enjoy your life!“, sagt der Englischlehrer, doch was heißt das genau? Gibt es ja oft genug Schwierigkeiten, Schmerzen, Probleme, etcetera, die einen oder eine daran hindern. Da hilft es dann, meint der Autor „Gott zu verherrlichen und sich an ihm immer zu erfreuen!“, wenn das nur so einfach wäre, füge ich wieder hinzu.

Um die „Likes und Dislikes“ im sozialen Leben geht es am neunzehnten Dezember.

Der Text vom zwanzigsten Dezember beschäftigt sich mit dem Mobbing in der Schule, das selbst dem Lehrer, der Lehrerin Tränen in die Augen treiben kann.

Ums Schenken beziehungsweise, die Frage, ob man solche ablehnen kann, um nicht verpflichtet zu werden, geht es am einundzwanzigsten Dezember.

Am zweiundzwanzigsten Dezember 1917 wurde das deutsche Institut für Nomierung gegründet, so daß fortan alle Stecker in die Steckdosen passen und das Papier die gleiche Größe hat, was uns das Leben sehr erleichtert, wie das auch mit den zehn Geboten so ist. Wenn sich alle daran halten, wäre das Leben besser, ist aber nicht so und wahrscheinlich auch nicht so leicht.

Darum, daß die Chemie nicht zwischen allen Menschen stimmt, daß man aber sein Herz für Gott aufmachen soll, der eines für alle hat, geht es am dreiundzwanzigsten Dezember, wie wahrscheinlich an jedem Tag.

„Die große Geschichte“ gibts natürlich am vierundzwanzigsten Dezember, da geht es allerdings nicht um die Herbergsuche und die Geburt des Christkindleins, sondern um die böse Kraft, die Eva dazu veranlaßte, nach dem verbotenen Apfel zu greifen.

Am Fünfundzwanzigsten, dem ersten Weihnachtsfeiertag gibt es dann über „Gott im Stallgeruch“ zu lesen und darüber, daß es zu Gott keine Barrieren und keine Hindernisse gibt, sondern, daß jeder zu ihm kommen kann.

Am sechsundzwanzigsten Dezember geht es um „Salvator Mundi – der Heiland der Welt“, ein Werk von Leonardo da Vinci,das 2017 um vierhundert Millionen verkauft wurde.

Daß man Gott vertrauen und sein Schicksal in seine Hände legen soll, kann man auch dem Bibelvers „Höre,HERR sei mir gnädig! HERR sei mein Helfer!“, entnehmen, die dazu gehörende Geschichte trägt den Titel „Schrecksekunde und Reflex“ und der Ausgang dazu sind die Kinder des Verfassers, die sich ihrer Schnelligkeit brüsten. Ja aber bei Rad- oder Autofahren muß man die Schrecksekunde einberechnen, damit kein Unfall passiert!

Am achtundzwanzigsten Dezember kann man schon ein bißchen in die Zukunft schauen, um herauszubekommen, was im neuen Jahr passieren wird. Aber kann man das wirklich? Die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parallelgesellschaften“ in Roßdorf bei Darmstadt hat  2017 herausgefunden, daß alle Wahrsager mit ihren Prognosen voll daneben lagen. Was also tun? Der Tagesvers „In deiner Hand sind meine Zeiten“ oder das Lied der von 1826 bis 1901 lebenden Julie Hausmann „So nimm denn meine Hände“, verrät uns, wer oder was da helfen kann.

„Der Tod hat nicht das letzte Wort“, heißt es am neununzwanzigsten Dezember, dem Tag zwischen Weihnachten und Silvester, wo das Jahr langsam zu Ende geht.

Am dreißigsten Dezember wird mit „leichten Gepäck“ gereist, also für die Weitwanderung, nur das unbedingt nötigste in den Rucksack gepackt und im Leben ist es auch wichtig sich von all unnötigen Ballast der Sünden zu befreien, so daß man gut zu Gott kommen kann und wir sind am Ende des Jahres angekommen, denn am einunddreißigsten Dezember gibt es ja einen „Guten Rutsch“ zu wünschen.

Bei mir gibt es da den Jahresrückblick auf 2019 zu lesen und heute am dreißigsten wird noch einmal, das letzte vorläufig, Adventkalenderfenster aus der „Nika, Weihnachtsfrau“ aufgemacht und hier kann man lesen, was bisher geschah:

1, 5, 7, 9, 10, 14, 19, 20, 23, 24, 25, 29,

2018-06-13

Stadt ohne Seele

Filed under: Bücher — jancak @ 00:38
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Jetzt kommt wieder ein Roman, der keiner ist, steht doch am Buchrücken von Manfred Flügges „Stadt ohne Seele- Wien 1938“, bei „Aufbau“ erschienen, vollmundig Zeitroman.

„Zeitpanorama“ wäre wohl passender, denn  das vierhundertsiebzig Seiten Werk des 1946 geborenen Romanisten und Historikers, der heute als freier Autor und Übersetzer in Berlin lebt, ist eine sehr genau Beschreibung der Stadt Wien, um den Anschluß. Die Geschichte, wie es dazu gekommen ist, wird erklärt und die Theorie untermauert, daß es mit den Auszug der Juden aus der Stadt, seine Seele, also seine geistige, musische, kulturelle, literarische, etcetera Hoheit verloren hat.

Das sieht eine 1953 in Wien geborene und in die 1968 Bewegung und die Wiener Avantgarde hineinsozialisierte Wienerin vielleicht ein bißchen anders, aber das Wien um 1938, der Anschluß und das, was vorher und nachher kam, hat mich schon immer sehr interessiert.

Ich habe schon einiges darüber gelesen und bin auch schon bei einigen Veranstaltungen der „Wien-Bibliothek“ gewesen, die sich ja gerade sehr intensiv mit dem Anschlußjahr beschäftigt und auf diese Art und Weise bin ich auch auf das Buch gestoßen, das ja am 15.Mai dort vorgestellt wurde.

Es gibt zwanzig Kapitel und einen sehr ausführlichen Anhang und im ersten wird ein bißchen was dazu erzählt, was an diesem Anschlußtag in Wien passierte, wann und wie Hitler nach Wien gekommen ist und wie es dort aussah.

Dann geht es erst einmal in die Vergangenheit. Denn der Antisemitismus war schon vor 1938 ein großes Thema und der Journalist Hugo Bettauer der im März 1925 von Otto Rothstock ermordet wurde, hat ja in „Die Stadt ohne Juden“ schon 1922 einen sehr erfolgreichen Kolportageroman zu diesem Thema geschrieben, der, glaube ich, auch verfilmt wurde.

Darin beschreibt er die Utopie, daß Wien ohne Juden bald den Bach hinunterginge, denn was täten die Frauen und die süßen Mäderln ohne die finanzstarken jüdischen Männer und nimmt auf sanft humoristische Art und Weise viel positiver vorweg, was später zur Horrorvision wurde.

1938 recherchierte Flügge lebten in Wien 170 00 Juden, vorwiegend in der „Mazzesinsel“, im zweiten Bezirk, die ärmeren, im neunten die bürgerlichen, wie Sigmund Freud, ergänze ich.

„1945 waren es noch 6000. Im Holocaust kamen mehr als 65 000 Wiener Juden um. Außer Landes gegangen waren etw 130 000.“

Dann geht es zur Geschichte. Im November 1918 wurde ja die erste Republik ausgerufen und die „Kaiserfamilie reiste am 23. März 1919 nach einer Messe mit dem Absingen der Kaiserhymne in die Schweiz.“

Der Adel wurde verboten, die Habsburger enteignet, obwohl sowohl der damalige Kaiser Karl, als auch Otto von Habsburg nie auf ihren Thronanspruch verzichtet haben.

„Bei den Neuwahlen im Februar 1919 durften auch erstmals  Frauen abstimmen.“

Es gab dann kurze Zeit das rote Wien, mit dem kommunalen Wohnbau, den schönen Gemeidebauten, dann kam es zum Austrofaschismus und 1934 und zu  Engelbert Dollfuß, der wie Manfred Flügge schreibt,“gern den starken Mann markierte und Uniform trug, obwohl er von Statur eher klein  war und daher auch „Taschenkanzler“ oder „Minimetternich“ genant wurde.“

Der wurde, die NSDAP wurde ja in Österreich am 19. Juni 1933 wegen terroristischer Aktivitäten verboten, wonach Deutschland die 1000 Mark Sperre erließ, was Österreichs Fremdenverkehr sehr beeinträchtigte, weil die Deutschen nicht mehr auf Urlaub und zu den Festspielen kommen konnten,  im Juli 1934 von den Nazis ermordet. Dann wurde Kurt Schuschnigg Bundeskanzler, der auch sehr autoritär regierte.

Im Kapitel „Roman der Seele“ werden einige Romanautoren genannt, die in den zwanziger und dreißiger Jahren in Wien gewirkt und geschrieben haben. Franz Werfel, von dem ich ja auch einige Bücher gelesen habe, hat sich mit der Frage beschäftigt, wie es nach dem Verfall der Monarchie mit dem kleinen Land weitergehen kann. Das hat meines Wissens nach auch Joseph Roth getan, der aber erst später erwähnt wird, wohl aber Werfels „Veruntreuter Himmel – die Geschichte einer Magd“, den er im Exil geschrieben hat.

Roberts Musils „Mann ohne Eigenschaften“ in dem es um die Parallelaktion, eine gemeinsame Feier Deutschlands und Österreichs geht, ist nie fertig geworden und der Autor mußte, glaube ich, auch emigrieren und ist im Exil gestorben.

Dann sind wir schon bei Sigmund Freund, den Flügge zwei Kapitel widmet, man sieht es ist eigentlich ein Buch, das eher Wien vor als nach 1938 schildert.

Freud hat den größten Teil seines Lebens, bevor er nach London emigrieren mußte, in Wien verbracht und in der Berggasse, die meisten seiner Werke geschrieben. Er lebte dort mit seiner Frau Martha und seiner Tochter Anna, hatte einige Hausangestellte, wie das katholische Dienstmädchen Faula Fichtl, ein Pendant zur Teta Linek, in Werfels Roman, wie Flügge meint

Den „Mann Moses“ hat er auch geschrieben und einige seiner Schüler wie C. G. Jung verloren, der sich nach dem Anschluß antisemitisch über Freud äußerte. Aber der hat seine Werke in sein Exil mitgenommen.

„Hitlers Wien Lüge“, wird anhand einiger Bücher, darunter auch dem von Brigitte Hamann analysiert. Denn der hat sich in „Mein Kampf“ offenbar ganz anders dargestellt, als er und es wirklich war.

Er war, wie Flügge analysiert, eigentlich gar nicht so antisemitisch eingestellt, hat viel von den Juden, die seine Bilder kauften, seine Mutter behandelten und ihm in den Wohltätigkeitsküchen versorgten, profitert, so daß er erst, weil er es für seine Politik brauchte, dazu mutierte. Er war auch ein großer Wagner Fan, ist viel in die Oper gegangen und hat Karl May geliebt.

In „Winterspiele“ werden die Ereignisse vom Februar 1938 geschildert. Bundeskanzler Schuschnigg fährt nach Berchtesgarden zu Adolf Hitler und wird dort schlecht behandeltn, die illegalen Nazis mehren sich in Wien, Seyß-Inquart wird Innenminister. Schnuschnigg bereitet für den 13. März eine Volksabstimmung vor, die Hitler mißfällt. So kommt es dann zu der berühmten Radiorede „Gott schütze Österreich!“ und es wird in der „Verhängnisvollen Frühlingsnacht“ einmarschiert.

Schuschnigg, der sich nicht auf den Flughafen oder in eine Gesandtschaft, sondern nach Hause bringen läßt, wird dort in „Ehrenschutz“ genommen, kommt später in das berühmte Hotel Metropol und bleibt bis zum Ende des Krieges Schutzhäftling in verschiedenen KZs. Später emigriert er nach Amerika, während in Wien nach dem zwölften März, die Reibpartien beginnen, die sogar von der SS als „Schweinereien“ bezeichnet werden.

Es kommt zu Verhaftungen und Misshandlungen. Egon Fridell stürzt sich aus dem Fenster, der Textdichter von Franz Lehar, der während des Krieges seine Karriere beibehielt, Friedrich Löhner- Beda kommt nach Auschwitz und wird dort ermordet, wie noch viele andere jüdische Künstler, wie Fritz Grünbaum, Peter Hammerschlag umgekommen sind oder ins Ausland, wie Karl Farkas fliehen mußten, wie Manfred Flügge im Kapitel „Wiener Requiem“ genau aufzählt.

Die Verwaltung geiet, wie man auch an der Ausstellung sehen kann, sofort in deutsche Hände, Juden wurden entlassen, die Theater wurden dazu einige Zeit geschlossen, bis sie ihren Spielplan anpassen konnten. Karl Böhm machte Karriere, die Familie Wessely-Hörbiger spielte sich durch die Unterhaltungsfilme und am Burgtheater, Josef Weinheber schrieb hymnische Texte an Hitler, während die anderen emigrieren mußten.

Im Kapitel „Amputierte Lebensläufe“ werden dazu Beispiele auch nicht so Berühmter aufgezählt. Zu den Berühmteren gehörte der Josefstadtdirektor und Autor Hans Lothar von dem ich ja außer dem „Engel mit der Posaune“, Paula Wessely spielte da in dem nach dem Krieg gedrehten Film, die Hauprolle, auch die „Mühle der Gerechtigkeit“ gelesen habe, er emigirierte mit seiner Familie und kam später als Kulturoffizier zurück und hat auch Romane über diese Zeit geschrieben.

Die Schicksale der Nobelpreisträger werden aufgezählt, die haben außer Konrad Lorenz das Land vefrlassen.  Ernst Schrödinger  schien sich ambivalent und das „Ja“ zur Volksabstimmung, empfohlen zu haben. Der Medizinpreisträger Otto Loewi mußte erst sein an der schwedischen Bank deponiertes Nobelpreisgeld den Deutschen übergeben, bevor er ausreisen konnte.

Im Juni reist Sigmund Freud mit seiner Familie, Paula Fichtl und seinen Ärzten, er ist über zweiundachtzig und schwer krank, auf Vermittlung von Marie Bonaparte und Ernest Jones nach London und wird dort triumphal empfangen, während seine Schwestern nach Theresienstadt deportiert wurden und umkamen. Und Wien ging, wie Manfred Flügge auf den letzten Seiten scheibt „nicht ur die Seele verloren. Es fiel auch die letzte Zuflucht der deutschen Geistesfreiheit, ein Gipfel an Kritik,Kreativität, Wissen, Philosophie und Wagemut, dazu eine ganz eigene Art des Humors….Und wenn seither immer wieder die Bäume blühen in den Wiener Gärten und Parks und die sorgenlösenden Walzer ihre Unschuld wiedergefunden haben, so treten im erinnerten März nicht nur frische Zweige hervor, sondern oft genug auch Zweifel und Schatten.“

2018-04-30

Still leben

Filed under: Bücher — jancak @ 00:51
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Was jetzt kommt ist, glaube ich, ohne jeden Zweifel ein Personal Essay. Die Literaturkritik und die Verlagswelt tut sich ja recht schwer mit den Begriffen oder den Workshoparten, die man beispielsweise bei den „Open days“  des „Writersstudios“ lernen kann.

Da ist alles ein Roman und ein Debut, damit man es besser verkaufen kann, obwohl „Still leben“ der 1984 deutschen Autorin, Antonia Baums, die ich vom „Bachmann-Lesen“ kennen,  wurde, glaube ich, in „Leipzig“ als Essayband vorgestellt und es hat ein sehr interessantes Thema, geht es doch auf der einen Seite, um die prekären Verhältnisse der dreißigjährigen Akademikerinnen der deutschen Mittelschicht und auf der anderen um die „Mutterschaft“.

„Aha!“, könnte man jetzt sagen und etwas verwirrt schauen.

„Wie passt das denn zusammen?“

Ich tue es nicht, habe ich doch in letzter Zeit einige Klientinen die um die Dreißig sind, gerade in Instituten  oder  Büros zu arbeiten beeginnen und entweder von ihren Nichten und Neffen oder den Kinderbegrüßungsparties ihrer Freundinnen oder schon von den eigenen Kindern erzählen, die sie jeden Morgen sich abhetzend in den Kindergarten bringen.

Auf noch einer anderen Seite höre ich von den meist sehr gepflegten schönen blonden  Identitärinnen, wie sehr die Frau von heute angeblich unter den von ihren Müttern aufgezwungenen falschen Feminismus leiden würde, der ihnen vorschwätzte auf jeden Fall zu studieren und auf keinen Fall ein Kind zu bekommen und, die unter diesen Vorgaben, wie sie meinen, totunglücklich wären.

Die meisten dieser jungen Frauen haben zwar noch keine Kinder und versucht mal eine ein unruhiges Zweijähriges zu beruhigen, regen sich prompt die männlichen Identitären darüber auf und die sechunddreißigjährige Antonia Baum oder ihre Ich-erzählerin steht am Fenster,  starrt in die Leere und denkt „Ich will ein Mann sein!“

„Aha!“, könnte man jetzt denken, wenn man nichts darüber weiß, daß das ein Personal Essay über die Mutterschaft ist, „es geht, um das ebenfalls sehr moderne Transthema!“

Aber nein, die Erzählerin ist schwanger oder hat gerade ein Kind geboren und denkt darüber nach, wie dieses ihr Leben verändert wird?

Sie ist über dreißíg, hat studiert oder offenbar beim „Bachmann-Preis“ gelesen und schon ein paar Bücher geschrieben. Steht also auf der einen Seite des möglicherweisen Berlins, wo man hinausgehen kann in die hippen Geschäfte, wo es die Markenkleider zu kaufen gibt, die einen sofort von denen in no name Billigklamotten Gekleideten unterscheidet und die, merke ich kritisch an, wahrscheinlich in der gleichen Fabrik in Bangladesh von hungrigen chancenlosen Kindern erzeugt wurden.

Aber das ist nicht das Thema des Buches, sondern die Frage, wie sehr Mutterschaft eine verändern kann und was sie damit auf sich nimmt, denn es gehört ja zu den Aufgaben der Frauen, sich um ihre Kinder zu kümmern und Annika Bühnemann von „Vom Schreiben leben.de“, deren Schreibtipps ich ja sehr intensiv verfolge, hat vor drei Monaten auch ein Kind geboren und postet jetzt zwar auch noch Videos über die häufigsten Anfangsfehler der Autoren, aber auch jede Woche eines, wo sie sich beispielsweise darüber beklagt, daß man nicht zum Schlafen, kommt, wenn die kleine Maus die ganze Nacht lang durchschreit und man weiß nicht wieso.

Mutterschaft ist aber etwas, was zum Leben einer Frau dazugehört und, daß etwas fehlt, wenn man diese Erfahrung nicht gemacht hat, ist auch ein Satz den Antonia Baum gleich am Anfang ihres Essysband schreibt und ich habe diese Erfahrung vor vetzt schon mehr als fünfunddreißig Jahren auch gemacht.

Da gab es noch keine prekären Arbeitsverhältnisse, zumindest haben sie nicht so geheißen. Ich war gerade mit meinem Studium fertig, hatte das Akademikertrainig hinter mich gebracht und ein Inserat im „Falter“ aufgegeben: „Habe viel Erfahrung im Alleineleben und möchte jetzt eine Zweierbeziehungs ausprobieren!“

Aber eigentlich habe ich gewußt, ich will ein Kind. Als ich dann Dreißig wurde, war ich, Vertragsassistentin an der II  HNO-Klinik, schon schwanger und habe das nicht bereut, während sich Antonia Baum die Frage stellte, ob sie das dann mit dem schreienden Kind am Bauch  am Hinausgehen in die schicke Hipsterwelt vielleicht bereuen würde, denn Antonia Baum lebt mit ihrem Freund vielleicht aus Kostengründen in einem der Multikultihäuser, die die Identäten auch nicht haben wollen, schaut in die Nacht, hört auf die Geräusche und überlegt, daß sie die meisten ihrer Nachbarn gar nicht oder höchstens nur vom Sehen kennt.

Als Antonia Baum erfährt, daß sie schwanger ist, ist sie mit ihrem Freund in Israel, der ihr voll die Entscheidung überläßt, wie sie mit dieser Tatsache umgehen will, was sie vielleicht auch überfordert.

Wieder zurückgekommen, steht sie erneut am Fenster ihrer Wohnung, die Nachrichten von dem Terroranschlag in Paris am fünfzehnten November 2015 fällt in die Zeit ihrer Schwangerschaft. Ebenfalls die Ereignisse in Köln in der anschließenden Silvesternacht, was das Ich -Bild der Erzählerin sehr durcheinander bringt. So gesehen ist das Buch sehr poltisch, obwohl man auf dem ersten Blick gar nicht denken würde, daß es das ist. Vielleicht politischer sogar als Olga Flors Essayband.

Sie sucht weiter die hippen Orten ihrer Umgebung, beispielsweise ein Yogastudi für Schwangere auf, wo sie die gepflegten Mittelschichtschwangeren ein wenig verwirrend. Verwirrend sind vielleicht auch die Leute die auf ihren Bauch starren oder darauf greifen und ihr gute Ratschläge geben.

Klinik oder Geburtshaus wäre eine solche Frage? Die Hausgeburt für die mich  entschieden habe, kommt, glaube ich, in ihren Überlegungen nicht vor. Dafür aber die Frage, die ich ebenfalls hatte, wie das dann mit dem Schreiben werden wird?

Für mich war das in der Phase vor und nach der Geburt etwas schwierig, in dem Text „Poesie und Brotberuf“ im „Poldis Galeriecafe“ vorgetragen, habe ich das thematisiert.

Bettina Balaka, die mit mir gelesen hat, hat damals gesagt, sie hatte als Alleinerzieher keine Wahl gehabt, sie mußte schreiben, ob sie wollte oder nicht. Antonia Baum schreibt, glaube ich, einen Roman prophylaktisch voraus, der wie sie gleich erwähnt, nie fertig wird.

Dann kommt meiner Meinung nach ein eher klischeehafter Excurs über die Benachteiligung der Frauen im Literaturbetrieb. Hier zählt Antonia Baum nur drei weibliche Autorennamen auf, als hätte sie noch etwas von Elfriede Jelinek, Herta Müller, Marlene Streeruwitz etcetera gehört und würden alle anderen weiblichen Schreiberinnen „Herzchen- oder Mami-Romane“ schreiben, was meiner Sicht nach nicht stimmt.

Das Baby wird geboren. Antonia Baum verbringt die erste Nacht es anzusehen. Dann bricht die Härte der Mutterschaft über sie herein. Sie muß es stillen, denn ihrer Meinung nach würde sie von den Still-Blogs und der Still-Maffia gesteinigt werden, wenn sie es nicht täten. Dazu passt dann gleich die Nazi-Ideologie, von der der Stillkult vielleicht kommt und Johanna Haarers „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ wird zitiert, das unter modizierten Namen bis in die Siebzigerjahre oder sogar Neunzigerjahre verkauft und verlegt wurde.

Antonia Baum bleibt das erste halbe Jahr zu Hause und das, was dann kommt, kann man vielleicht mit einer Still- Depression vergleichen, obwohl das Wort nicht erwähnt wird.

Es bleibt die Angst, die die Famlie lebt ja in einem eher Abbruchhaus, wenn ich es richtig verstanden habe, mit komischen Bewohnern, die wahrscheinlich, die AfD wählen und psychische Probleme haben. Jedenfalls gibt es da einen Mann, der ständig „Heil Hitler!“ aus dem Fenster schreit. Die Psychiater werden jetzt vermuten, er leide an einem „Tourette-Syndrom“. Er laubert aber auch Antonia Baum und ihrem Freund auf, als die mit ihrem Baby von der Klinik nach Hause kommen, stellt sich vor sie hin und sagt „Aha!“

Später läutet er mit einem Essensrest an seinen Zähnen an Antonia Baums Tür, die sie erschrocken verschließt und mit Freund und Anwalt überlegt ob sie die Polizei rufen soll?

Da klingeln bei mir die Alarmglocken und ich denke „Uje, wenn so das Mobbing oder Stalking beginnt!“

Wäre es vielleicht nicht besser mit dem Mann zu reden, als gleich die Polizei zu holen oder zu überlegen, sich vielleicht ein andere, „bessere“, schreibt Antona Baum, Wohngegen zu suchen, was auch überlegt wird, aber so schnell findet man keine andere Wohnung.

Also bleibt Antonia Baum das erste halbe Jahr vorwiegend zu Hause, zieht sich von der Gesellschaft zurück, wodurch die Decke übern Kopf wahrscheinlich auch nicht kleiner wird. Denn als sie mal mit dem Babya aus dem Haus wollte, fing es prompt zu schreien an. Die junge Mutter konnte es nicht beruhigen und das Fenster öffnete sich und ein Frau schaut heraus und fing an sie zu beschimpüfen, weil sie durch das Geschrei gestört wurde Interessant, daß sich auch Antonia Baum durch den schreienden Mann gestört fühlte.

Excurse über die Benachteiligung von Mann und Frau folgen. Wer ist für die Hausarbeit zuständig? Gibt es da einen Hausarbeits- oder Müttergen? Wahrscheinlich nicht. Aber es gibt die Möglichkeit eine Putzfrau zu engagieren, die aus dem Osten kommt, eigentlich Biologie studierte, auch nicht gerne putzt, für Geld macht man aber alles. Was Antonia Baum auch mit schlechten Gewissen auch tut, während sie nach dem halben Mütterjahr vier Stunden täglich aus dem Haus geht und an dem Buch zu schreiben beginnt, nicht ohne zu betonen, daß sie ihr Baby selbstverständlich liebt und nur das erste halbe Jahr allein zu Haus sehr anstrengend oder fürchterlich war, was mich jetzt wieder ein bißchen an Thomas Bernhard, beziehungsweise an seinen Schreibstil erinnert.

Sie geht dann in eine Krabbelgruppe, wo die andereren hippen Akademiker- oder Mittelschichtmütter mit ihren Fair trade Markenklamotten hingehen und ist dort auch nicht glücklich, weil die alle kindische Babylieder singen und mit ihr sprechen, als ob sie auch ein solches wäre.

Dann werden  Zeitungsartikel, auch die von „Spiegel“, „Zeit“, etcetera nach ihren Aussagen über Mütter untersucht und uje, die machen entweder zu viel oder gar nicht für ihre Pxvpension, arbeiten zu viel oder gar nicht, trinken Latte Macchiatto oder gehen nie aus dem Haus, etcetera, etcetera.

Die neue Wohnung wird Realität, Antonia Baum, ihr Freund und ihr Baby können zuück jenseits der Grenze in die schicke oder vielleicht auch nicht so tolle Mittelschichtwelt.

Vorher werden sie noch von einer netten Polizistin zu dem Mann befragt. Denn inzwischen hat es nicht nur den Anschlag am Berliner Weihnachtsmarkt gegeben, sondern es wurde auch ein Jugendzentrum in der Nähe angezündet und der Mann wurde kurz davor gesehen.

„Was geschieht mit ihm?“, fragt Antonia Baum die Polizistin, die zuckt die Achseln und antwortet „daß er vielleicht in eine Einrichtung komme oder ins Gefängnis oder auf Bewährung, sie könne es nicht sage, sie wisse es nicht“ und nur das Protokoll aufnehmen füge ich hinzu.

Antonia Baum zieht also weg. Detail dam Rande, daß kurz danach das Haus einen neuen Eigentümer bekommt, der alles aufreißen läßt, die alten Mieter hinausekelt und die neuen für das nun schöne hippe Haus wahrscheinlich höhere Mieten zahlen läßt, was ich auch für keine Lösung halte.

Antonia Baum resumiert aber weiter über die Mutterschaft, zitiert Studien dazu und schließt mit den Worten „Nein, das Problem ist nicht das Kind. Das Problem liegt in dem Versuch, das Kind zusammenzubringen mit den Ideen, Erdornissen und Sachzwängen eines modernen Erwachsenenlebens, wie es sich die Erwachsenen gemacht haben.“

Und ich habe ein sehr interessantes Buch gelesen, dessen scharfer Ton und Antonia Baums starke Distanzierung von ihrem Kind ,das sie machnmal auch als „Baby-dings“ bezeichnet und von „Schweine-Müttern“ spricht, mich manchmal überraschten und das Buch vielleicht auf dem ersten Blick unsympathisch machen, wie man auch bei „Amazon“ finden kann.

Auf dem Zweiten ist es dann sehr politisch und da haben mich die Einschübe mit dem Mann, den ich ganz ehrlich für einen armen Teufel halte und mit dem ich reden würde, statt mich hinter meiner Tür zu verbunkern, am meisten interessiert, weil das das Lesen auch sehr spannend machte und ich mir die ganze Zeit dachte, was passiert mit ihm? Werden sie sich am Ende zum Tee treffen und er vielleicht mit dem Kind spielen oder etwas für es basteln?

Aber ich weiß schon, daß das zu kitschig wäre und in Zeiten, wie diesen vielleicht nicht möglich, weil er ja auch „Heil Hitler!“ schreit und wenn überhaupt, vielleicht die „AfD“ wählt und Antonia Baums Angst vor der Still-Maffia erscheint mir zu Bernhardesk übertrieben oder wird man in Deutschland wirklich angezeigt, weil man sein Kind nicht stillt? Vielleicht schon eher, wenn man es nicht gegen Masern impfen läßt, aber da ist ja Antonia Baum eher gegen die Impfgegener, wenn ich das richtig verstanden habe.

Sie hat auch im Leipzig auf dem „Blauen Sofa“ gelesen oder über das Buch diskutiert. Da bin ich aber früher weggegangen, obwohl ich damals noch nicht realisiert hatte, daß ich das Buch ohnehin bestellt hatte. Wenn man genau hinsieht, kann man mich kurz auf dem Video sehen und ich denke, es ist ein sehr spannendes Buch, wenn auch eines über das man viel diskutieren kann und das auch tun sollte!

Ein Muterbeispiel darüber was ein Personal-Essay ist, ist es, glaube ich auch.

2018-01-07

Lesen ist Leben

Nachdem das letzte Rezensionsexemplar von 2017 gelesen wurde und das erste 2018 auf meinem Wiener Badezimmerstapel noch ein wenig warten muß, habe ich Zeit für die älteren Bücher, die ja auch auf meiner Leseliste stehen und da habe ich mit ausnahme des „Engelchen“ aus dem „Partisanenworkshop“ schon ein halbes Jahr wegen des dreifachen Buchpreislesen nichts mehr davon gelesen und war doch in den letzten Jahren auf einigen Flohmärkten, wo sich so einiges Älteres, also das was vor ein zwei drei Jahren auf den Buchpreis oder Brstsellerlisten stand, bei mir angesammelt hat und weil ich ja gerne über das „Lesen von Büchern“ lese, habe ich da, als erstes Buch in diesem Jahr von meinem Harlander Stapel Cornelius Hell „Lesen ist Leben“ herausgesucht, bespricht der 1956, in Salzburg geborene Literaturkritiker, Essayist und Übersetzer, den ich auch regelmäßig bei literarischen Veranstaltungen oder auf der Donau Lounge bei der „Buch Wien“ treffe, seit Jahren zu Gedenktagen in Ö1 seine „Gedanken für den Tag“ und da ist 2009 bei „Wieser“ eine Sammlung der Texte herausgekommen, die ich mir vor zwei Jahren eben bei diesem „Lyons-Flohmarkt“ in St. Pölten vom Alfred kaufen ließ.

Ein paar Tage später war ich in der „Gesellschaft für Literatur“ wo ja Cornelius Hell zweimal im Jahr gemeinsam imit Katja GasserBuchempfehlungen gibt und da konnte man das Büchlein auch kaufen. Die Dame, die gerne zu solchen Veranstaltungen geht und mit der ich dann immer plaudere, hat es begeistert getan.

Ich auch, komme aber erst jetzt zum Lesen, habe aber, glaube ich, auch schon einige der Beitrage im Radio gehört.

Denn es sind die Originalbeiträge mit Ausnahme von Texten über Hannah Arendt, Ingeborg Bachmann und Christine Busta, die extra für das Buch geschrieben wurden, wie Cornelius Hell in seinem Nachwort schreibt, die  abgedruckt wurden.

Los gehts mit einem allgemeinen Essay übers Lesen, in dem Cornelius Hell sehr ehrlich beschreibt, wie ihm, der als Kind ein Außenseiter war, das Lesen gerettet hat.

Dazu kann ich, die ich meine Meinung über das Lesen, das ich ja auch sehr intensiv betreibe, regelmäßig äußere, nur sagen, daß Lesen natürlich nicht Leben, sondern wahrscheinlich schon oft Flucht davor ist, einen Außenseiter aber über seine Tristesse retten kann und ich habe auch immer schon sehr viel gelesen.

War als Kind wahrscheinlich auch eine Außenseiterin.Mir haben meine Eltern, bzw die Kinderfreunde das Lesen beigebracht. Der Bücherkasten im elterlichen Schlafzimmer dessen Exemplare jetzt bei mir in Harland stehen, waren meine Vorbilder. Als Studentin habe ich viel Geld in Buchhandlungen geleassen. Jetzt plündere ich die Bücherschränke und frage Rezensionsexemplare an, beziehungsweise lasse ich mir welche schicken und lese wahrscheinlich auch deshalb, weil ich herausfinden will, was die anderen besser, als ich können?

Sie sind wahrscheinlich gründlicher als ich, haben im Elititegymnasium wahrscheinlich besser, die Grammatikgelernt, experimentieren vielleicht auch mehr mit der Sprache, während ich politischer und realistischer bin.

Aber sonst sehe ich eigentlich nicht sehr viele Unterschiede und denke, daß ich wahrscheinlich mehr als die meisten anderen geschrieben habe. Aber natürlich wird man mir jetzt antworten, es geht um Qualität und nicht um die bloße Menge.

Also zurück zu Cornelius Hell, beziehungsweise zu Theodor W. Adorno, denn die Beiträge sind in dem blauen Büchlein alphabetisch angeordnet und sie wurden in Ö1 wahrscheinlich zu den Gedenktagen gesendet und wenn ich da eine Kritik aäußern darf, stört es mich, daß die Lebensdaten nicht oben angegeben werden und auch nicht steht, zu welchen Anlaß wann gesendet oder geschrieben wurde?

Ansonsten gilt, was auch bei anderen Büchern, beispielsweise bei den Hettches Essays, die ich vor kurzem gelesen habe, zu sagen ist, können, wie auch Cornelius Hell selber anmerkt, die fünfmal  zwei bis drei Minuten Texte, nur eine kleine Anregung sein, sich selber weiter in die Werke der Geehrten zu vertiefen und als solches sind es sicher  sehr wertvolle Gedanken für den Tag!

Von Theodor W. Adorno, von dem die meisten wahrscheinlich, mich eingeschlossen, Hand aufsHerz nicht sehr viel im Original gelesen haben, gibt es einige berühmte Sätze, die in aller Munde sind und dann meistens noch, wie Cornelius Hell anmerkt,, falsch zitiert werden:

„Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen“, ist so einer. Aber noch viel berühmter „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ oder „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben ist barbarisch“

Da kann ich gleich anmerken, daß es da ein sehr sehr Berühmtes gibt, aber das wird wahrscheinlich erst beim Buchstaben „C“ zitiert und wir sind  erst beim A. und weil ein Blogbeitrag ja keine Buchlänge haben soll, lasse ich das hier so stehen und gehe weiter zu Hans Christan Andersen, dem berühmten dänischen Märchendichter. Von dem kennen wir „Des Kaisers neue Kleider“, „Die Nachtigall“, wo die Menschheit und ihr Irglauben entlarvt werden.

Ich füge aus eigener Erinnerung noch den „Schweinehirten“ und wo ich immer noch, wenn ich es lese weinen muß „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ hinzu. Da kann man über meine Psyche nachdenken oder  wieder zurück zum Autor gehen und da erwähnt Cornelius Hell, daß Andersen, der Sohn eines atheistischen Schusters und einer frommen Wäscherin war, sich zeit seines Lebens mit der Gesellschaft schwer tat, Angst vor dem scheintot hatte und sein Leben in seiner Biografie offenbar selbst ein bißchen schönfärbte.

Dann kommen wir, die biografische Auflistung machts möglich, daß beim Lesen ein „literarischer Kraut und Rüben-Salat“, entsteht zu Hannah Arendt, die obwohl Jüdin mit Martin Heidingerr ein Verhältnis hatte, die Eimann Prozesse iin Jerusalem für dieZeitschrift „New Yorker“ 1961 beobachtete und dann von der „Banalität des Bösen“ sprach.

Dann kommen wir schon zu Ingeobrg Bachmann, sie hat den Einmarsch der Nazis, als entscheidenend Schnitt in ihre Kindheit erlebt, dann das Hörspiel „Der gute Gott von Manhatten“ und natürlich die Gedichtsammlung die „Gestundete Zeit“ geschrieben und ein paar Seiten Eintrag ist natürlich viel zu wenig, das gesammelte Leben der Dichterin zu erfassen, also ran an die Werkausgabe. Es gibt aber auch genügend andere Bücher in dem man sich mit dem „Bachmann Mythos“ beschäftigen kann.

Gottfried Benn wird, wie Bertold Brecht sehr widersprüchlich geschildert. Bei Brecht merkt Cornelius Hell an, daß er auch viele schlechte Texte geschrieben hat, welche, das wären scheibt er nicht, kommt dann zu seinen Frauenbeziehungen, wo er viele sehr schlecht behandelt hat.Einer Frau wollte er, obwohl sie krank war, sogar  nicht behalndeln lassen, weil er sie brauchte, dann ließ er sie aber in einem Spital zurück. Trotzdem meint Hell, hat Brecht sehr schöne Liebesgedichte geschrieben und ich merke an, obwohl ich mich nur sehr wenig mit Brecht beschäftigt habe, daß ihn das in meinen Augen auch eher unsympathisch macht, obwohl ich ja gerade über einen anderen literarischen Unsympather etwas anderes geschrieben habe.

Da habe ich jetzt noch Heinrich Böll ausgelassen, der ja inzwischen seinen hundersten Geburtstag hatte, die Gedanken sind vielleicht zu seinem neunzigsten  erschienen und da werden auch die Kriegserfahrungen, sein Katholizismus und einige seiner Werke erwähnt.

Die 1915 geborene und 1987 verstorbene Lyrikerin Christine Busta, ist inzwischen, glaube, ich etwas vergessen. Ich habe eine Lesetheateraufführung ihrer Gedichte einmal im Literaturhaus gehört, im Radio war sie zu ihren Gedenktagen, glaube ich, auch öfter und in der „Gesellschaft für Literatur“ gab es glaube ich einmal ein Symposium. Cornelius Hell  geht in seinem für dieses Buch geschriebenen Text von ihrer proletarischen Herkunft aus. Die Mutter war Dienstmädchen und Verkäuferin. Christine Busta war bis zu ihrer Pensionierung Bibliothekarin der städtischen Büchereien, wie so manche anderer Dichter und hat ihre Gedichte ihres Empfindens nach, wie Cornelius Hell erwähnt, offenbar nur nebenbei, geschrieben.

Von Albert Camus, der 1913 in einem kleinen Dorf bei Algir geboren wurde, haben wir in der Straßergasse die „Pest“ durchgenommen, beziehungsweise habe ich die, glaube ich, 1973 nach meiner Matura, als ich stark in der philosophischen Krise war und mir die Welt erlesen wollte, selbst durchgenommen. 1960 hatte er einen Autounfall und den Nobelpreis hat er, glaube ich, auch bekommen.

Dann gehts zu Paul Celan und zu seiner „Todesfuge“, aber auch anderen Gedichte und „Herzzeit“, den Briefwechsel mit Ingeborg Bachmanm habe 2009 gelesen, der mich sehr beeindruckt hat.

Günter Eich war der Ehmann von Ilse Aichinger und der Vater von ihrem Sohn Clemens, das habe ich als ich 2016 bei der Buch-Wien beim Bücherquiz angetreten bin, verwechselt, er ist inzwischen fast vergessen schreibt Cornelius Hell und zählt seine Gedichte und Hörspiele auf und eine Gedichtzeile, ähnlich beeindruckend, wie Paul Celans Frage an die tote Mutter aus  „Nähe der Gräber „Und duldest du Mutter, wie einst, ach, daheim, den leisen, den deutschen, den schmerzlichen Reim?“

Das hat Paul Celan geschrieben und von Günter Eich ist das Gedicht, das die harmolse Frage, „Wie gehts?“ auf sehr traumatisierte  Art beantwortet: „Es geht, es geht, aber wenn der Krieg vorbei ist, fahren wir nach Minsk und holen die Großmutter ab“, gemeint ist damit nicht seine, sondern die von Ilse Aichinger, die ja von den Nazis deportiert und ermordet wurde, was sie, glaube ich, auch in der größeren Hoffnung“,  beschreibt.

Dann kommen Gedanken über Goethe, Heinrich Heine und Johann Gottfried Herder und ein Kapitel oder eine Radiowoche ist seltsamerweise dem Gespann Immanuel Kant und Thomas Bernhard gewidmet, die auf dem ersten Blick ja scheinbart  nichts gemeinsam haben.

Doch, klärt  uns Cornelius Hell auf, beide hatten am zwölften Februar ihren Todestag und Bernhard hat außerdem noch ein Tbheaterstück namens „Kant“ geschrieben, wo der Hhilosoph einen Papagei hat, der immer „Imperativ, Imperativ!“ schreit und nach Amerika fährt, um sich ein Ehrendokorat abzuholen und sich einer Augenoperation zu unterziehen.

Ödon von Horvath und „seinem Gott der Wahrheit“ ist ein Kapitel gewidmet und den habe ich als Studentin viel gelesen und seine erbarmungslosen Schilderungen der armen Frauen, in „Geschichten aus dem Wienerwald“ oder „Glaube, Liebe, Hoffnung“, das ich einmal mit dem Alfred und der Anna, während unserer Donauradfahrten im Landestheater Linz gesehen habe, haben mich sehr beeindruckt.

„Die Jugend ohne Gott“, habe ich glaube ich auch einmal gelesen oder war das „Der ewige Spießer?“ und geboren wurde Horvath am 9. Dezember 1901 in einem Vorort von Rijeka und ist dann mit seinen Eltern nach Belgrad, Budapest und München gekommen.  Gestorben ist er 1938 in Paris, da wurde er von einem Baum erschlagen und das ist ein Motiv, das ich in meinen „Krimis“ „Tod eines Jurymitlglieds“, sowie „Taubenfüttern“ verwendet haben.

Dann kommen wir zu Erhard Kästner, Erhard, nicht Erich, denn der wurde am 13. März 1904 in Schweinfurt geboren, war einige Jahre Sekretär von Gerhard Hauptmann und außerdem Bibliothekar in Dresden, sowie nach dem Krieg Leiter der Herzog August Bibbliothek in Wolfsbüttel und außerdem hat er sich offenbar sehr für Griechenland interessiert und einige Bücher darüber geschrieben, was mir, wie ich bekennen muß, bisher entgangen ist.

Dann gehts zu Immre Kertez dem Nobelpreisträger von 2002, da waren wir gerade in Frankfurt auf der Messe und ich habe das an irgendeinem Stand durch György Dalos erfahren und habe sogar einen Moment gedacht, das wäre der Preisträger. Kertez, der mit Fünfzehn ins KZ kam und dann mit dem „Roman eines Schicksallosen“ berühmt wurde, wurde dafür für die Aktion „Eine Stadt ein Buch“ ausgewählt, das war aber, glaube ich nur das Drehbuch von dem berühmten Buch und Cornelius Hell führt in seinen „Gedanken“ genauer die vier Teile aus, in denen sich Kertez mit seinen Holocausterfahrungen beschäftigt und bringt auch seine Gedanken zur „Reichskristallnacht“, die ja, glaube ich, heute politisch korrekt „Novemberprogrom“ heißt.

Dann kommen große Namen, von denen heute die meisten niemand etwas gelesen hat oder höchstens, die Älteren im Gymnasium etwas von ihren hörte. Cornelius Hell gedachte, sowohl  Friedrich Gottlieb Kloppstock, über den Lessing sagte „Wer wird nicht einen Klopptstock loben – doch wird ihn jeder lesen?“, als auch Nikolaus Lenau und Eduard Mörike, von letzteren stammt, die Novelle „Mozarts Reise nach Prag und viele schöne Gedichte, zu ihrem zweihundertsten Geburtstag und unbekannt ist heute wahrscheinlich auch Karl Philph  Moritz, der hat den „Anton Reisner“ geschrieben, das weiß ich auch, sonst aber nicht sehr viel und auch den evengelischen Theologen, der dann vom Papst zum katholischen Kardinal ernannt wurde, John Henry Newman habe ich nicht gekannt.

Dafür natürlich Thomas Mann, denn den habe ich in meiner Studentinnenzeit auch sehr intensiv gelesen und wahrscheinlich nicht verstanden und interessant ist, daß es da nur zwei Kapitel gibt. Was war da los? Hatte die Woche da nur zwei Werktage oder entstand der Text aus einem anderen Grund? Im Nachwort wird das nicht erwähnt.

GeorgeOrwells „1984“ habe ich auch als Studentin gelesen, von ihm gibt es aber, wie Cornelius Hell meint, bessere Texte und zitiert das Leben des 1903 als Eric Arthur Blair in Bengalen geborenen, der längere Zeit Kolonialpolizist in Burma war. Dort einen Elefanten erschießen mußte und einen Gefangenen zu seiner Hinrichtung begleitete. Er hat auch die „Farm der Tiere“ geschrieben, wo er das Sowetregime  karikierte. Dieses Buch hat Hell, als er in der ehemaligen SU Lektor war, geschenkt bekommen und mußte es, weil dort streng verboten, versteckt lesen, das hat ihm, schreibt er geprägt. Von „1984“, das George Orwell weltberühmt machte, scheint er dagegen nicht viel zu halten.

Das war der Parcour durch die Gedenktage, wo man sich in zwei oder drei Minutentakt an die Berühmtheiten der vergangen Jahrhunderte erinnern, ihrer gendenk und sie wieder lesen konnte.

Dann gibt es noch einen Text über die literarischen Verarbeitungen der Jungfrau Maria. Das habe ich, glaube ich, auch einmal versuchen wollen, bin aber gar nicht zum Anfangen gekommen und am Schluß auch sehr interessant, nachdem ich ja erst vor kurzen die besten Texte des „Tagebuch Slams“ gelesen habe, einen Gedankenreigen über das Tagebuchschreiben, wo Hell bedauert, das lange Zeit nicht getan zu haben.

Ich habe es und tue es im „Literaturgeflüster“ immer noch und jetzt raucht mir der Kopf, ob der schnellen Gedenkrunden, stelle das Buch wieder in das Harlander Regal zurück, das jetzt schon viel viel voller ist und werde mich demnöchst den Frühjahrsneuerscheinungen auf meiner Leseliste widmen und da kommt, das kann ich schon verraten, Bernhard Schlink, als erster dran.

P.S. Einen Text über Simone Weil, die französische Philosophin und Mysterikerin, die  1943 mit vierunddreißig Jahren an Tuberkulose und Unternährung gestorben ist, gibt es auch noch. Habe ich sonst noch etwas vergessen?

Natürlich, all die anderen neuen Hell Gedanken, die seither in Ö1 zu hören waren und da war ja, erst letzte Woche Rose Ausländer dran. Also sollte es schon einen Folgeband geben.

2017-01-14

Verpfändetes Leben

Weiter geht es mit einem Buch aus meinem Vicki Baum Schwerpunkt, da hatte ich ja 2016 sechs Bücher auf meiner Leseliste, die ich so nach und nach aus den Schränken angesammelt habe und seltsamerweise, waren die ersten drei späte,  die anderen  frühere Werke. Dann habe ich die Bücher bis auf die „Karriere der Doris Hart“, 1936 geschreiben oder erschienen, auf 2017 verschoben.

„Liebe und Tod auf Bali“ zwischen den Jahre gelesen und mir jetzt „Verpfändetes Leben“, 1946, steht in „Wikipedia“, im Buch und auch im Netz habe ich gefunden, das es posthum erschienen ist und das ist interessant, denn es finden sich einige Elemente, der „Doris Hart“ darin, der Schuß, der aus Liebe oder Eifersucht abgegeben wird, das Opfer, das sich mit dem Täter solidarisiert, das Krankenhausszenarium, der reiche Mann, der alles zahlt und auch die Gesangslehrerin, die Stimmen kaputt macht, der künstlerische Aufstieg eines armen Mädchens, beispielsweise.

Ein bißchen dichter komponiert ist es mir zumindest am Anfang erschienen, bei der „Doris Hart“ ist mir ja das Spiel, um die Moral oder Unmoral der kleinen Mädchen ein bißchen auf die Nerven gegangen, hier geht es eher um die starken oder auch vermeintlich schwachen Frauen, aber irgendwie ist die Handlung genauso unglaubwürdig und operettenhaft, obwohl sie irgendwie packender geschildert scheint.

„In dieser souverän psychologischen Studie  erzählt Vicki Baum  die Geschichte der attraktiven Broadway-Sängerin Marylinn und ihrer Managerin Bess, die selbstlos und unermüdlich zum Ruhm des faszinierenden Stars arbeitet, dieses hübschen aber einfältigen Mädchen aus einer Kleindstadt, das nun gefeiert im Rampenlicht steht, als ihr Geschöpf, das Ergebnis ihrer rastlosen Energie. Als Bess jedoch plötzlich ihren Lebensinhalt gefährdet sieht, schlägt ihre Hingabe in Hass um..“ steht in meiner „Buchgemeinschaftsausgabe“ die auch ein hübsches Monroe ähnliches Bildchen am Cover hat und im Netz.

Wenn man das Buch liest, erscheint aber alles anders und mir gar nicht so psychologisch auskompniert oder vielleicht verstehe ich etwas anderes darunter und eigentlich kann man diese hundertausend Verwicklungen und Wendungen, die da auf den hundertneunzig Seiten passieren, auf einen  kurzen Plot zusammenfassen, der aber rückwärts aufgerollt wird und wieder sind auch einige sehr schöne realistische Schilderungen, enthalten, die das Nachkriegsamerika das wohl die Vicki Baum erlebte, gut vorstellbar machen lassen.

Bess Poker, auch Poky oder Pokerface genannt, die enorm tüchtige, intelligente, aber, wie sie selber meint, sehr häßliche, erschießt den Star, weil dieser einen ganz einfachen dummen Mann heiraten und nie wieder singen will.

So denkt sie jedenfalls, als sie die Polizei anruft, die verhört sie und Elisabeth Poker beginnt zu erzählen. Sie hat Mary Lynn vor zehn Jahren in der Pension ihrer Mutter in Brooklyn kennengelernt. Da wurde sie der Wirtschaftskrise wegen gerade entlassen, sie war irgendwo Stenotypistin, obwohl sie solange studierte, als das Geld ihres Vaters reichte und schreibt einen Bewerbungsbrief, der an die der Irmi Fuchs herankommt, der  die prekären Verhältnisse, des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts schildert.

Sie wird unterbrochen, Luke Jordan, der als Hausmeister in der Pension tätig ist, dafür kann er im Keller schlafen, sein Essen verdient er sich durchs Klavierspielen bei einer Gesangslehrerin, die auch die Stimmen verdirbt. Er ist nämlich Schlagerkomponist und immer fröhlich. Er lenkt Bess ab, will mit ihr ins Kino gehen, wenn sie, die Tüchtige ihm das Geld dafür borgt, wird aber von Mary Lynn, dem wunderschönen Mädchen vom Land unterbrochen, das in der Pension wohnt, der Mutter aber schon lang die Miete schuldig bleibt, weil es mit dem Vorsingen in den Reuven nicht so klappt.

Luke sagt mit Marys Schönheit und Bess Verstand kann man etwas machen und die Idee des Geschöpfs beginnt, denn die Mutter stirbt, Bess erbt etwas, zieht mit Mary nach Paris, läßt sie dort singen und französisch lernen.

Das alles erzählt sie dem Polizeiinspektor, inzwischen stellt sich heraus Marylynn ist gar nicht tot, nur angeschoßen und es tauchen jetzt eine Reihe von einflußreichen Männern im Krankenhaus auf, der Zeitungszar mit dem Mary mal verlobt war, der ist es auch der den Herzspezialisten herankarrt, der operiert, Luke Jordan, der geschiedene Ehemann und auch sehr aktuell, ein Präsädientschaftskanditat und Anwalt, mit dem sie am Abend vor der Tat aus war.

Die drei streiten sich nun, wer die Unterschrift zur Operation abgeben darf, da taucht plötzlich der Typ vom Land auf und sagt er ist der Ehemann.

Es geht aber mit der Lebensgeschichte weiter, der Polizist glaubt Bess nicht so recht, daß sie die Täterin ist, sie sagt auch was von Selbstmord. Er verdächtigt Luke, so daß die starke Frau zusammenbricht, ihrer Wächterin erzählt, wie sie Marylynn, die sie als Französin in ein Kabarett einschmuggeln wollte, das ist es das „wehrlose Geschöpf“, das den Spuk beendet und sagt, ich komme aus einer kalifornischen Kleinstadt und singe die Schlager von Luke, einmal vor einem Brandt mit dem Einsatz ihrer eigenen Haut rettete und will dann plötzlich doch einen Verteidiger.

Wir gehen zurück ins Krankenhaus, das wacht Marylynn langsam auf, beziehungssweise sieht sie sich noch nach dem Brandt im Koma und auch die Geschichte, wie das Geschöpf an den reichen Zeitungszar vermittelt werden soll, wird erzählt.

Bess denkt sich eine falsche Lebensgeschichte aus und flötet sie der neunzigjährigen schwerhörigen Mutter des Tycons ins Ohr, aber Marys entlarvt wieder und stellt sich plötzlich als Pflanzenexperitin heraus, so daß sie das Herz der alten Frau gewinnt. Sie löst aber die Verlobung und heiratet Luke, wahrscheinlich auch von Bess arangiert, die aber Luke liebt, wie der Präsidentschaftskanditat, der der Verteidugung, herausfindet.

Der Überclou bekannt aus der „Doris Hart“ ist dann Marylynns Aussagen, nein Bess hat nicht gewußt, daß der Revolver geladen war, sie hat auch nicht auf Marylynn geschoßen, es war alles ein Irrtum.

So wird Bess entlassen, Marylynn, die sich plötzlich als superstarke Konstiution entpuppt, ist noch mit ihrem echten Ehemann im Krankenhaus, Bess geht nach Haus, will sich umbringen. Da kommt plötzlich Luke herein und sagt „Ich kann dich doch nicht allein lassen, Pokergesicht!“

Er sagt ihr auch, daß sie schön ist und sie hat schon wieder Pläne aus einem Revuemädel, das nächste Geschöpf für Lukes Operette, an der er gerade arbeitet zu machen….

So endet das Buch ich habe wieder eine interessante Facette aus Vicki Baums Schreibennähkästchen kennengelernt. Denn auch sie arbeitete offenbar auf Vorrat, wiederholte sich und verwendete die selben Schemen öfter, kann bei einer Vielschreiberin wahrscheinlich auch nicht anders sein. Bei der Courths Mahler gibt es auch solche Wiederhohungen und bei meinen „Krimis“ werden die Leute ja auch öfter von Ästen erschlagen.

Plagiat kann man das bei sich selbst bedienen wahrscheinlich nicht nennen, obwohl die Leser manchmal darüber schimpfen.

Eine Satire auf den Broadwaybetrieb ist das Buch wohl auch undnochmals interessant, bei „lovelybook“ ist eine „Rezension“ zu finden, die ohne Anführungszeichen ziemlich genau mit der Beschreibung aus dem Buch beginnt und eine hat daraufhin kommentiert, „Großartige Rezi, vor allem der erste Satz!“, was wohl auch wenig satirisch ist und viel mehr gab es bisher über das Buch im Netz nicht zu finden

2016-11-12

Vom Leben und Sterben des Herrn Vatern, Bauer, Handwerker und Graf

Noch ein Buch aus dem steirischen „Keiper-Verlag“ mit dem ich vor einigen Jahren auf der „Buch-Wien“ über Andrea Stift in Kontakt gekommen bin, ich habe danach einige Bücher daraus gelesen, darunter Andrea Wolfmayrs „Roter Spritzer“ und mit der 1953 in Gleisdorf geborenen Andrea Wolfmayr, Buchhändlerin und ÖVP-Politikerin, habe ich einmal, lang lang ists her gemeinsam in „Mädchen dürfen pfeifen, Buben dürfen weinen“ eine Geschichte gehabt.

Dann habe ich lange nichts mehr von ihr gehört, ihr Buch „Spielräume“ aber einmal im Schrank gefunden und  im Oktober 2013 mit ihr gemeinsam bei den „Textvorstellunge“ gelesen.

Da war „Rot- Weiß-Gin“, das Thema, ich habe aus „Kerstins Achterln“ gelesen, Andrea Wolfmayr aus der „Weißen Mischung“ und bei den „Buch-Wien“ treffe ich sie auch regelmäßig.

Bei der letzten hat sie mir, glaube ich, gesagt, als ich ihr von meinem Gefühl ausgeschrieben zu sein erzählte, daß die Themen bei ihr seit sie in Pension ist, herausrquellen und sie das bearbeitet, was sich  angesammelt hat.

Jetzt liegt wieder ein sehr interessantes Buch vor mir, eines das wahrscheinlich jeden betrifft und jede Frau besonders, weil sich die ja meist auch besonders intensiv mit der Pflege ihrer alten Eltern auseinandersetzen.

In dem Roman, der nehme ich an, sehr viel Autobiographisches enthält, also wieder ein „Memoir“ seindürfte, er ist jedenfalls Andrea Wolfmayrs Vater gewidmet, geht es um Magdalena, die mit ihrem Mann Sepp im Haus ihres Vaters lebt, der an Harnwegsinfektionen leidet, Demenz und Parkinson hat und den sie bis zu seinem Tod begleitet.

In Tagebuchform von 2005 bis 2009 wird das beschrieben. Das Haus befindet sich in Weiherbach, eine Hütte als Zufluchtsort, für die fünfzigjährige Tochter gibt es auch und eine Familie, zwei Schwestern, einen Bruder, einige Tanten und die Putzfrau Eva, die sich, um den alten Mann kümmern.

Aber Ebva und Sepp wohnen im Haus mit ih, und der in den Neunzehnzwanziger Jahren geborene, wird von Magdalena auch als Tyrann beschrieben, der Herr Graf, der anschafft, mit dem Geld herumschmeißt, die Türen offen läßt, Auto fährt, obwohl er es nicht mehr kann, mit der Tochter schimpft und vorallem überall sein Blut und seinen Harn verbreitet, denn er hat eine Ziste an der Niere, will aber keine Medikamente, will nicht zum Arzt gehen, wie das bei alten Leuten oft so ist.

Ein „Feuchtgebiete desAlters“ könnte man das Buch literarisch überhöht, vielleicht nennen und Magdalena ist mitten drin, hat noch ihre Kindheit aufzuarbeiten, hat Schuldgefühle, muß sich um alles kümmern, geht auch zur Therapeutin, die mit ihr bespricht sich abzugrenzen und den Verfall des Vaters nicht als persönliche Kränkung zu erleben.

Andrea Wolfmayer ist auch sehr direkt offen und erstaunlich ehrlich. So wird ihre Wut und ihr Zorn auf den alten Mann, auch sehr direkt beschrieben.

Loslassen und ihn beispielsweise in ein Heim geben, kann und will sie aber ebenfalls nicht. So werden die letzten Jahre sehr anstregend und das Aufschreiben und Berichten darüber, einerseits eine Entlastung für sie, andererseits sicher auch eine Hilfe für andere Töchter, Frauen, Schwestern, die das Gleiche durchmachen.

Das Auto wird verkauft, im ersten Stock eine Tür eingebaut, damit Magdalena und Sepp wenigstens etwas Rückzug haben und der Gestank von Urin und Kot, der Vater hat bald einen Dauerkatheder, dessen Stöpsel sich aber fortwährend löst oder vielleicht aus Widerstand gegen die Hilflosigkeit und Bevormundung herausgerissen wird, haben.

Dann kommt zuerst eine Altenpflegerin, dann die vierundzwanzig Stundenbetreuerinnen aus der Slowakei. Der Vater wird immer hilfloser und schwächer und die Tochter muß um ihre Selbständigkeit ringen, aufpassen, daß sie sich trotz aller Valditation, die ebenfalls betrieben wird, nicht verliert und schließlich doch loslassen.

Trotz aller Drastigkeit oder vielleicht gerade deshalb, ein wirklich eindrucksvolles Buch, das wahrscheinlich allen Töchtern, Müttern, Schwestern und vielleicht auch den Männern und den Söhnen, Brüdern zu empfehlen ist.

Anna Mitgutsch hat in ihrer „Annäherung“ etwas Ähnliches beschrieben und ich habe sowohl, die Pflege meines Vaters, die mich auch oft genug überforderte, sowie, die meines Schwiegervaters, der kurz ebenfalls eine vierundzwanzig Stunden Betreuung hatte, hinter mich gebracht und kann daher das hier Beschriebene auch gut nachvollziehen.

Ob, wie am Buchrücken steht, wirklich „Nie zuvor das Leben mit alterskranken Angehörigen so packend geschildert wurde, bin ich mir gar nicht so sicher, habe ich doch schon einige diesbezügliche Bücher gelesen und auch geschrieben. Ist es ja auch ein Thema das wahrscheinlich jeden betrifft, so daß man sich wahrscheinlich auch damit beschäftigen sollte.

2015-10-26

Das bessere Leben

Wieder mal ein Buch, das mich etwas ratlos macht, das ich wahrscheinlich nochmals lesen müßte, um es  zu verstehen.

Aber eigentlich steht alles schon im Klappentext, dazu kann man dann „No na!“, sagen und wozu braucht man dann die vierhundertvierundvierzig Seiten, mit den roten Fäden die nirgenwohin führen?

Die Fallstricke durch die Geschichte, in der nicht nur ein Herr Becher und ein Herr Kurella in Moskau bei einer Schriftstellertagung auftauchen, von beiden habe ich Bücher gelesen oder in den Regalen, der eine ist in Stalins Zeiten durch Moskau gefahren, hat es sehr globt und Bücher darüber geschrieben, die in der DDR erschienen sind, der andere war DDR Kulturminister und ein in der DDR berühmter Nationaldichter.

Aber das ist nur ein Nebenstrang, einer von vielen, den ich besser verstanden habe, als das andere, über das ich nur drüber gelesen habe und blöderweise, habe ich mir Ulrich Peltzers „Das bessere Leben“, ein Buch das nicht nur auf der Longlist, sondern auch auf der Shortlist des dBP 2015 stand, vom lieben Otto ausgeborgt, also konnte ich nicht, wie sonst, mir alles anstreichen und da ich es in der Badewanne gelesen habe und das Buch nicht naß machen wollte, sind auch die Notizen weggefallen.

Aber, die braucht man offensichtlich für das Buch, das in der schönen neuen Globalisierungswelt, in Amsterdam, Moskau, Wien, San Paolo, Turin und, wo noch immer spielt und das auch noch durch ein ganzes Jahrhundert lang tut.

Ich bin ja eine geduldige Leserin, die alles verstehen will und selten oder eigentlich nie, Bücher abbricht.

Tobias Nazemi, einer der Bücherblogger, hat das nach sechzig Seiten getan, weil er sich als Leser verarscht fühlte und sich vom Autor nicht länger hinhalten wollte.

Andere, wie Birgit Böllinger bringen Vergleiche mit dem „Faust“ und sprechen vom besten Shortlistbuch.

Das ist für mich nach wie vor Clemens J. Setz, der es gar nicht darauf schaffte und das ist ja auch ein sperriges Buch mit einem grandiosen Inhalt.

In diesem geht es, wie im Klappentext steht, um die enttäuschten  Ideale, der Leute, die in den Siebzigerjahren studierten, Ulrich Peltzer ist Jahrgang 1956, die Welt besser machen wollten und jetzt Anfang des neuen Jahrtausends durch die Welt jetten, jede Nacht in einem anderen Hotel schlafen, Versicherungen oder Maschinen verkaufen, überall ihre Freundinnen haben, Geld verschieben, ihre Hoffnungen verloren haben und sich dabei noch manchmal fragen, was das bessere Leben ist?

So weit verständlich und dazu brauche ich gar nicht die vierhundertvierundvierzig Seiten, auf denen viel oder auch  nichts erklärt wird.

In den „Amazon-Rezensionen“ steht, daß jüngere Personen, ohne „Wikipedia“, das Buch nicht lesen können, in den Blogs, sind auch die Abbrecher zu finden, die sich ihre Lesezeit nicht stehlen lassen wollen.

Bei „Amazon“ steht auch etwas von der schönen Sprache und dem stimme ich zu, ein intellektuelles Buch, gekonnt geschrieben, aber was passiert da eigentlich?

Wieder viel und nichts.

Eine der drei Hauptpersonen, es gibt noch andere, zum Beispiel zwei Nebenfiguren in Wien, heißt Jochen Brockmann, ist um die fünzig und hastet sich durch seine Midlifekrise.

Er verkauft für eine Turiner Firma Maschinen nach Asien, legt in Zürich für seine Tochter ein Gelddepot an, hat eine geschiedene Frau, eine Schwester, Eltern, eine Freundin, ein kaputtes Knie, weil früher zuviel Sport gemacht und Pech im Geschäft, denn er bekommt keinen Kredit mehr, wird von der Firma hinausgelehnt und am Ende gekündigt und am Schluß bekommt er ein unmoralisches Angebot von einem Teufel, wie der Klappentext andeutet.

Birgit Böllinger zitiert Mephisto und ich muß gestehen, ich habe die Machenschaften von Sylvester Lee Fleming, der sich schlaflos in einem Hotelzimmer in San Paolo wältzt, nicht verstanden.

Allerdings auch nicht das Teuflische an ihm, er handelte aber in seiner Jugend offenbar mit Drogen.

Es gibt auch Anspielungen von Polizeiüberfällen und einen Angel. Einen Dr. Engel gibt es auch ( wie war das mit den sprechenden Namen, die man nicht verwenden soll?) und schließlich trifft Sylvester Lee Fleming Joachim Brockmann in San Paolo, lädt ihm ein, drückt ihm ein Kuvert in die Hand, das er nach Wien zu den zwei schon erwähnten Typen schicken soll und überweist ihn dafür achttausend Euro, die er nicht zurückschicken kann.

Brockmann hat sich inzwischen in die Reederin Angelika Volkhart, aus der DDR, die früher Russischlehrerin war, aber das kann man in globalen Zeiten nicht mehr brauchen, verliebt und bricht mit ihr in neue Gefilde auf.

Offen bleibt, habe ich in den Blogs gelesen, ob Brockmann das Angebot annimmt und sich für das bessere Leben, was das wohl ist, kann man wiederum diskutieren, entscheiden wird?

„Die letzten Sätze lauten jedenfalls „Darf ich mich Ihnen vorstellen?“, sagt plötzlich der Mann auf dem Nebensitz.

„Warum nicht“

Daß man dem Teufel wiederstehen muß, lernt man, glaube ich schon im Kindergarten, dafür braucht es keine vierhundert Seiten und ein raffiniertes Spiel des Autors, der übrigens studierter Psychologe ist, mit seinen Lesern, die, weil inzwischen soviele Analphabeten, vielleicht das Lesen nicht mehr richtig können und auch nicht die Geduld haben, mehr als sechzig Seiten von Dingen zu lesen, die sie nicht verstehen.

Und, daß sehr viele Studenten, die 1968 für das Gute kämpften, ihre Ilussionen verloren haben,  korrupte Politiker, Salesmanager, Banker und was auch immer wurden, habe ich auch vorher gewußt.

Ich muß gestehen, daß ich die Fallen, denen die drei erlegen sind, nicht so ganz verstanden ist und was das bessere Leben ist, erscheint mir auch klar.

Ganz naiv „Edel hilfreich und gut“ und sich nicht in unseriöse Geschäfte verwickeln lassen, von denen wir in globalisierten Zeiten, nicht nur seit 1989, dem Fall der Mauer umgeben sind, auch vorher war es schon korrupt genug, haben die Nazis und Stilin geherrscht und den Vietnamkrieg kann man wahrscheinlich auch nicht edel nennen.

Davon sind die vorher so aufrechten Idealisten traumatisiert worden und nun kommt Ulrich Peltzer daher und erzählt auf vierhundervierzig sehr komplizierten Seiten eine Geschichte, die der Klappentext auf ein paar Zeilen erklärt.

Ich habe das Buch nicht abgebrochen, hätte es wahrscheinlich weder auf die Long- und die Shortlist gesetzt und habe von Ulrich Peltzer, von dem ich mich, wenn ich mich nicht irre, erinnern kann, Sigrid Löffler einmal sehr enttäuscht war, daß er mit einem anderen Buch nicht auf die LL kam, noch zwei andere Bücher auf meiner Leseliste.

Jetzt bin ich gespannt, wie ich mit ihnen zurecht komme und denke, daß ein Autor natürlich kompliziert schreiben  und ein Leser, das Buch natürlich abbrechen kann, wenn er es nicht mehr versteht.

Aber dann kommen, die zwei nicht zusammen und die Kommunikation stimmt nicht. Interessieren würde mich auch, wieviele  Leute dieses wahrscheinlich doch hochgelobte „Germanistenbuch“ wirklich lesen?

Ich bin weder enttäuscht, noch verärgert, fange nur nicht sehr viel damit an, weil ich vieles überlesen habe und mir angesichts meiner überlangen Leseliste, nicht mehr Zeit nehmen will, gebe also Tobias Nazemi vielleicht ein bißchen recht.

Bei Arno Schmidt habe ich auch einmal etwas Ähnliches geschrieben und empfunden.

Richard Obermayr dann doch mehr verstanden und schwieriger zu lesen war wahrscheinlich der Zaimoglu, dann hat  es mir gefallen, hier bin ich nicht ganz sicher, ob der Autor nicht vielleicht doch etwas sehr Einfaches, bewußt kompliziert erzählt, weil es die Germanisten, die Verleger, er selber, etcetera, so haben wollen?

Dem Otto scheint das Buch gefallen zu haben.

2013-09-29

Poet-Night ohne Rolf Schwendter

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:33

Die Nationalratswahl warf ihre Schatten, beziehungsweise wurde ich deshalb, glaube ich, am Samstagvormittag zum „Kreativen Frühstück“ im „Sektor fünf“ in der Siebenbrunnenstraße mit der Bezirksvorsteherin, Sandra Frauenberger und anderen SP-Politikerinnen eingeladen und habe dort einige Bekannte getroffen, wie Dagmar Fischer, mit der ich am Nachmittag bei einer „Poet Night“ ohne Rolf Schwendter, von der ich gar nicht glaubte, daß sie ohne ihn stattfinden kann.
Hahnrei Wolf Käfer und Marius Gabriel haben aber die Moderation übernommen, angefangen hat es eine Stunde später und es waren auch weniger Leute als sonst angemeldet. Viele der bekannte Gesichter fehlten, so waren Hilde Langthaler, die Rizys, aber auch Eva Dite, Richard Weihs nicht da, vielleicht lag das am Anmeldemodus, den ich auch fast verpaßt hätte, kam ja diesmal nicht das handgeschriebene Brieflein, sondern nur eine kleine, im Text versteckte Mitteilung im Lesezeichen, daß es die Veranstaltung wieder geben und man sich anmelden kann.
Alles andere ist dann über das Internet erfolgt und als ich nach fünf das Kulturcafe „Siebenstern“ erreichte, ist Beppo Beyerl, der erste Leser noch im Lokal draußen gesessen, Hahnrei Wolf Käfer und Ottwald John waren schon drinnen und Beppo Beyerl hat dann wieder etwas von seiner „Straße mit den sieben Namen“ vorgelesen, die ja einmal Triester, einmal Wiener und dann auch noch ganz anders heißt. Partisanenstraße ist auch dabei, von der Straße, die von Wien nach Triest führt.
Anita C. Schaub war dann die zweite Leserin und las eine gekürzte Erzählung, die von zwei Frauen handelte und Manfred Loydolt brachte einen Auszug aus einem Theaterstück, das von zwei drogensüchtigen Jugendlichen handelte. Da der Alfred diesmal nicht dabei war, sondern in St. Pölten sein Maturajubeläum, es sind auch vierzig Jahre, feierte, gibt es diesmal keine Fotos und ich streife schnell durch das Programm und erwähne nur ein paar Namen, von der wieder sehr eindrucksvollen Lesung, wo in sieben Minuten Abständen beinahe alle literarischen Genres gebracht wurden. So brachte Elfriede Haslehner wieder einige Gedichte, Armin Peyman zuerst einen sadomasochistischen Text, der nicht ganz meinem Geschmack entsprach, dann eine türkisch oder arabische Variante der „Reblaus“, das war dann wieder lustiger.
Traude Korosa hatte eine sehr poetischen Text und Karin Ivanscics, die wieder ihren „Wrackeren Wracks-Kurztexte“ brachte, hat einen ebenso literarischen Sohn, der eine sehr spitzige Schulgeschichte über die erste Liebe und die Begegnungen mit den Mädchen dort,vortrug.
Axel Karner brachte wieder Mundarttexte und Ingeborg Reisner, die ja ein Buch über das Kabarett geschrieben hat, zeigte sich kabarettistisch, in dem sie die Psychoanalyse verballhornte, nach Dagmar Fischer kam ich, mit meinem Rolf Schwendter-Text, den ich schon am Volksstimmefest gelesen habe, wofür ich ihn geschrieben hatte. Helga Leitner, die glaube ich, auch etwas Kabarettistisches hatte, habe ich am Morgen bei dem Kreativen Frühstück kennengelernt und Gynter Riebl, den ich nicht kannte, überraschte durch eine lange Ballade, ich würde sagen, im „Schillerischen Stil“ von einer großen Flut, in der im Wasser Eiskästen und Tiefkühltruhen treiben.
Hilde Schmölzer brachte wieder ihre „Jugendsünden“, wie sie es selbst in ihrer Einleitung vorstellte und Mike Blumentopf mit grünen Haaren hatte einen sehr interessanten Text zum Datenschutz bzw. gegen die Kundenkarten und ließ sich dann von August Bisinger eine öffentliche Spardose, in die man Geld werfen oder nehmen kann, wahrscheinlich eine Anlehnung auf die Bücherschränke, in denen ich beim Hinweg Tom Rachmans „Die Unperfekten“, das ich schon lange haben wollte, gefunden habe, stellen.
Helga Graziella Schwaiger hatte etwas Lustiges über Urlaubreisen und Astrid Wiesenöcker eine spannende Geschichte über das „Leben ohne Geld“, das mich ja auch sehr interessiert.
Dazwischen folgte eine längere Pause, danach wurde wieder etwas überzogen und Marius Gabriel hat die Moderation übernommen, wo Gerhard Ruiss Gedichte aus seinem neuen Lyrikband las und Eva Brenner ihr neue erschienenes Buch übers Theater vorstellte.
Hanane Aad las ein paar Gedichte auf arabisch in englischer und deutscher Übersetzung und Peter Waugh mit musikalischer Untermalung diesmal deutsche Texte.
Hannes Kirschbaum, der wie ein Manager im dunklen Anzug mit Krawatte wirkte, hatte sehr poetische Texte, ebenso Barbara Ungepflegt. Nach Peter Ahorner mit eher deftigeren Texten folgten dann schon Ruth Aspöck und Robert Eglhofer, die erst am Abend kamen, weil sie vorher einen Ausflug mit der Grillparzer-Gesellschaft nach Grein machten und sich dort wieder das Theater angesehen hatten.
Fritz Widhalm und Ilse Kilic folgten. Ilse Kilic hatte glaube ich die Gedichte die sie schon bei der Lyrik im März vorgetragen hatte und die einigen Kollegen wie Petra Ganglbauer und natürlich Rolf Schwendter gewidmet waren, das letzte Gedicht hat sich auf sich selbst bezogen und war sehr lustig, weil es von ihrem inneren Schweinehund handelte, der ihr widersprach, als sie meinte, Schreiben würde sie froh machen, weil „Apfelstrudel kann das natürlich auch“.
Nach soviel Gedichten tat Susanne Schneiders Prosa über eine blaue Mütze gut, die sie einmal in China von einem Chinesen geschenkt bekommen hatte und die seither durch ihr Leben und die Lesetheaterveranstaltungen begleitete.
Christian Qualtinger hatte vorher noch sehr starke Sprüche zur Ausländerfeindlichkeit gebracht, dann konnte ich Hansjörg Liebschers Lyrik kennenlernen, der ein starkes Gedicht auf seine Lebenspartnerin brachte und Ingrid Jantzen beendete um halb eins, also auch fast zwei Stunden früher, wie Marius Gabriel später sagte, die erste Poet-Night ohne Rolf Schwndter, mit einer ihrer Kurzgeschichten über Bienen und jetzt hätte ich fast Ottwald Johns Performance über den Tod vergessen, die ebenfalls sehr beeindruckend und wahrscheinlich auch Rolf Schwendter gewidmet war.

2013-06-26

Otto Wanz – ein Leben für und gegen das Telefonbuch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:28

„Heute 18 Uhr Telefonbuchzerreißen mit Otto Wanz“, diese Meldung soll vor einem Jahr bei Facebook, wie der Online-Standard“ berichtete, aufgetaucht sein. Ohne Mitteilung wann und wo das Event stattfinden soll und dem Nachsatz, daß Menschen, die nach dem Vierteltelefon aufgewachsen sind, den Namen Wanz vielleicht nicht mehr kennen würden.
Das bin ich erstens nicht und von den Telefonbuchzerreißer kann ich mich erinnern, daß mir irgendjemand bei dem ich lesen wollte oder gelesen habe, erzählte, daß er demnächst auftreten würde oder das schon sei.
Thomas Rottberg schrieb am 11. Juli 2012 im „Standard“ weiter, daß Wanz im Museumsquartier aufgetreten sein sollte, da spürt die Spur vielleicht zum Holzbaumverlag, weil die ja dort ihre Ausstellungen haben und Daniel Jokesch, den wir ja schon vom „Buwockl“ kennen, hat ein Buch über den ersten Telefonbuchzertrümmerer geschrieben und gezeichnet.
„Wenn jemand stärker ist als du, hau ihn nieder – dann ist er es nicht mehr!“ (Otto Wanz, Einführung in den nonverbalen Destrukitivismus, Band I)“
Für alle Leser, die nach dem Vierteltelefon aufgewachsen sind und auch ein bißchen für mich selber, habe ich schnell nachgegooglet und herausbekommen, daß „Big Otto“, 1943 in Graz geboren wurde und ein ehemaliger Wrestler und Schauspieler ist, der mit 1.89 und 175 kg, zu den Superschwergewichtlern zählt. Er war Boxer, Ringer, Wrestler und spielte im Film „Hilfe ich liebe Zwillinge.“ Vom Telefonbuchzerreißen steht nichts in Wikipedia, nur, daß er heute Wettbewerbveranstalter ist.
Der „Standard“ wollte es genauer wissen und hat den Neunundsechzigjährigen angerufen, der über die Nachricht staunte, da er, weil seine rechte Hand seit einen Motorrradunfall gelähmt, heute ein Telefonbuch nicht einmal mehr heben kann, sich aber freute, daß sich seine Fans noch an ihn erinnern. Dank Daniel Jokesch, der ihm in der ersten Otto Wanz-Biografie zum Telefonbuchphilosophen und Poeten machte, können das nun noch viel mehr Leute tun. Das kleine Büchlein im knallgelben Telefonbuchdesign ist auch schnell gelesen und erinnertn an die gute alte knallgelbe „Telephonzelle“. Die nach dem Viertelanschluß geborenen, werden sich auch an sie nicht erinnern können und Jokesch behauptet, daß der „Dichter und Philosoph in einer Grazer Telefonzelle geboren wurde und, daß der Arzt, der die mit dem Telefonkabel verwickelte Nabelschnur durchtrennte, gesagt haben soll „Der wird wohl einmal ein Telefonbuch schreiben.““
Vorerst lag der kleine Otto aber im Gitterbettchen und wuchs und wuchs, wurde mit seinem Teddybär im Arm immer dicker und dicker „…bis er eines Tages so groß war, daß er sein Kinderzimmer nicht mehr verlassen konnte.“
Die Mama las ihm vor und vor und weil sie, da er so viele Lebensmittel brauchte, kein Geld mehr Bücher hatte, verlegte sie sich aufs Telefonbuch was dem kleinen „Big Otto“ sehr gefiel, so daß er beschloß „Wenn ich groß bin, werde ich das schönste und dickste Telefonbuch der Welt schreiben“.
Er versuchte es vorerst mit anderen literarischen Versuchen, wie „Ich will dich anrufen. Doch der Nachbar telefonier und telefonier und telefoniert. Vierteln will ich diesen Hund!“
Dann wurde es soweit, das Telefonbuch entstand, aber die Kritiker waren von dem „Otto Wanz Telefonbuch“ aber gar nicht so begeistert.
„Dieses Buch ist keine große Nummer, sondern nur ein großes Buch mit Nummern“, schrieben sie boshaft.
Was zuerst Ottos großes Herz zeriß, was er dann aus Wut nach seinen Lesungen mit den anderen Telefonbüchern machte. Dem Publikum gefiels und so „wurde Otto zum bekanntesten Telefonbuchautor der Welt.“
Im Epilog wird noch angeführt, daß es auch im digitalen Telefonzeitalter, wo man keine Telefonbücher mehr braucht, in der finnischen Stadt Savolinna jährlich Otto Wanz zu Ehren, eine Handyweitwurf-Weltmeisterschaft stattfinden würde und, daß Otto Wanz öfter in einem Grazer Kafeehaus sitzen und in sein Handy Nummern eintippen würde.
In Wikipedia steht die Biographie ein wenig anders, trotzdem kann ich das kleine gelbe Büchlein sehr empfehlen, weil es die heutigen Handybesitzer an eine vielleicht tragische Legende der österreichischen Nachkriegszeit erinnnern kann und mich, daß ich offenbar einmal irgendwo vor oder nach dem bekannten Telefonbuchzertrümmerer gelesen habe, auch wenn ich über das wo und wann ebenfalls nichts mehr erinnern weiß.

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