Literaturgefluester

2014-08-28

Longlistenlesen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:47

Wir leben jetzt ja in den deutschen Buchpreiserwartungszeiten, den Preis der Frankfurter Buchmese, den es seit zehn Jahren gibt, den 2005, Arno Geiger mit „Es geht uns gut“ gewonnen hat, den ich ja 1996 bei seinem ersten Bachmannauftritt, als ganz jungen unbekannten Autor kennenlernte, der dann mit einem Textausschnitt aus dem nachmaligen Preisroman nochmals gelesen hat.
Den Preisroman habe ich nicht gelesen, nur bei „Rund um die Burg“ glaube ich, daraus gehört. Dafür ist aber „Alles über Sally“ zu mir gekommen und den „Alten König“, habe ich meiner Schwiegermutter zum Normalpreis gekauft, als die für den Opa eine Rundumbetreuung benötigte.
2005 ist der dBp, glaube ich, noch sehr an mir vorbei gegangen, habe ich ja noch nicht soviel im Internet gesurft und bei der Frankfurter Buchmesse war ich 2002 das letzte Mal.
„Die Habenichtse“ und „Die Mittagsfrau“, die zwei Folgebücher, habe ich aber später gelesen, das Hacker Buch stand auf der Flohmarktliste von Alfreds bibliophiler WU-Kollegin, die mir auch den Arno Geiger bescherte und die „Mittagsfrau“ habe ich am Stattersdorfer-Flohmarkt um zwei Euro noch originalverpackt gefunden.
2008 wurde es dann interessant, denn da habe ich schon gebloggt und Christiane Zintzen hat, glaube ich, auf ihren Blog auf den Preis und das Longlistbüchlein hingewiesen, das hat sie dann auch als vergriffen erklärt, so daß ich nicht danach suchte, die FAZ hat aber, glaube ich, eine große Diskussion eröffnet, die ich verfolgte und den „Turm“ das Preisbuch, habe ich dann gleich zweimal zum Geburtstag bekommen.
Ich habe es auch gelesen, elendlang und in so großen Intervallen, daß ich nicht imstande war, es als Ganzes zu besprechen und 2009 bin ich dann auf die Suche nach den Leseproben gegangen, bin damit eingefahren, Anette Knoch hat mir dann das Büchlein geschickt und wenn mich schnell wer fragt, wer gewonnen hat, kann es immer noch passieren, daß ich Herta Müller mit der „Atemschaukel“ sage.
Das hat, glaube ich, auch Kathrin Schmidt gedacht, bevor sie auf dem Siegerpult gestanden ist, deshalb hatte sie, wie sie sagte, auch keine Preisrede vorbereitet und deren Buch „Du stirbst nicht“ gabs dann einmal bei Thalia um 2 0der 2.99 am Abverkaufstoß, so steht es noch auf meiner Liste und wartet auf das Lesen.
2010 und 2011 habe ich dann das Leseprobenbüchlein zugeschickt bekommen, Melinda Nadj Abonji hat 2010 gewonnen, für mich eine Überraschung, obwohl ich deren erstes Buch, bei „Amman“ erschienen, bekommen habe, als die Buchhandlung Kolisch zusperrte und man sich drei Sachen nehmen durfte. Eugen Ruges Buch habe ich mir zum Geburtstag schenken lassen und gelesen.
2012 gabs keine Longlistenproben und besonders wurde ich auf den Preis auch im letzten Jahr wieder hingewiesen, als sich Buzzaldrin der Sache annahm und mit vier anderen das Projekt „5 lesen 20“ gründete, wo jeder vier der Bücher las und sie auf seinen Blog vorstellte.
Da habe ich eifrig kommentiert, mir selber die Nellja Veremej bestellt und das Longlistenbüchlein besprochen. Das man daraus nicht richtig klug wird, wenn man pro Buch nur zwei oder drei Seiten liest, habe ich bemerkt und heuer auf die Bestellung verzichtet.
Ich bin zwar in Ansbach in der Buchhandlung gestanden und habe danach gefragt, war aber noch zu früh daran, aber Buzzaldrin und zwei andere haben eine neue Aktion, das sogenannte „Longlistenlesen“ und da verlosen sie die Bücher und man kann sie selber lesen.
Nun habe ich zwar, wie meine genauen Leser wissen werden, schon gebloggt, daß ich mir die zwanzig Bücher nicht bestellen werde, weil ich ja mit meiner Leseliste im Rückstand bin und wenn ich da nicht auf die Finger spucke, werde ich nicht alles, was in diesem Jahr draufsteht, 2014 schaffen, aber dann hat es mich doch gelockt mein Glück zu versuchen, habe eifrig kommentiert und bin nun sehr gespannt, ob ich was gewinnen werde und auch ein wenig Longlisten lesen kann.
Ein bißchen habe ich das auch schon, nämlich mit Martin Lechners „Kleine Kassa“, Lukas Bärfuß „Koala“ werde ich aber tapfer auf dem Bücherstoß über dem Harlander Bett liegen lassen, bis er im nächsten Jahr an die Reihe kommt und dann stehen ja auch einige wirklich interessante Bücher auf der Liste.
Als passionierte Österreicherin werde ich mir höchstwahrscheinlich den neuen Köhlmeier und die neue Streeruwitz zum Geburtstag oder zu Weihnachten schenken lassen und dann irgendwann lesen und Antonio Fian, der mit seinem „Polykrates Syndrom“ auch auf die LL gekommen ist, steht ja auch auf der des „Leo Perutz-Krimipreises“, den der Hauptverband mit der Stadt Wien vergibt und der wird ja in der Grünangergasse in zwei Wochen vergeben.
Auf den diversen Blogs wird der LL aber eifrig diskutiert, Catarina von den „Schönen Seiten“, die voriges Jahr eine von den fünf war, betreut heuer auch die offizielle dBP Facebookseite und es gab auch in den Medien eine große Diskussion welche Bücher auf der Liste fehlen.
Skandal, die jungen Frauen, wurde aufgejault und nach einer Quote verlangt, was ein Blödsinn ist, aber wieder einmal darauf hinweisen kann, daß es mehr als zwanzig schöne Bücher gibt und man die auch lesen sollte.
Ob man das alles kann, ist eine andere Frage, die ich ja auch bei mir selber merke, daß das bei der Bücherflut des Alten und des Neuen, der Long und Hotlist etc, auch unmöglich ist.
Es gibt aber einen anderen Longlistenleser, den ich kenne, das ist der liebe Otto, mit dem ich am Wochenende gewandert hat und der sich wieder mal hier gemeldet hat. Der liest sich eifrig durch, ansonsten habe ich bei dieser Amazon-Bahing Kampagne, die es gerade gibt, in einen Blog gelesen, daß sich gerademal 3% der Leute für Bücher interesieren und die auch regelmäßig lesen.
Die lesen dann wahrscheinlich auch was anderes, als den Reinhard Jirgl, der voriges Jahr auf der Long und Shortlist stand und heftige Diskussionen auslöste, weil er sich so schwer liest.
Jetzt sind die Blogger, glaube ich, mit der Auswahl zufrieden und die Buchhändler, die im Zuge dieser LLL-Aktion interviewt werden, sind es auch.
Meine Erfahrung ist ja, daß sich die Wiener Buchhänder für den dBP nicht so besonders interessieren, was man auch auf Anna Jellers Facebuchseite merken kann, daß die darauf noch nicht Bezug genommen hat.
In Ansbach war ich erstaunt, daß die Buchhändlerin so genau Bescheid wußte und auch den Jirgl vom Vorjahr ganz hinten in der anspruchsvollen Belletristikecke liegen hatte, da gab es auch den Sasa Stanisic, der ja möglicherweise gewinnen wird und das in Leipzig auch schon hat.
Ich glaube ja, der dBP ist eine Aktion des deutschen Hauptverbands zur Aktivierung des Weihnachtsgeschäfts, die Leute auf zwanzig, sechs und dann einen Titel sesibilisieren, eines für den Weihnachtstisch ist dann schon dabei, ob es dann gelesen wird oder originalverpackt auf den Flohmarkt oder den offenen Bücherschrank wandert, ist eine andere Frage.
Ich kaufe mir die Longlistbücher ja sehr gern und regelmäßig ein paar Jahre später vom Thalia-Abverkaufstoß. Da warten noch einige auf mich und den Ralph Dutli, der letztes Jahr sowohl auf der schweizer als auch auf der deutschen Liste stand, habe ich mir ja von „Malota“ um drei Euro mitgenommen, als der seinen Abschlußflohmarkt veranstaltet hat und muß es auch noch lesen. Jetzt verfolge ich gespannt die Longlistendiskussion auf den drei büchervergebenden und auch anderen Blogs und mache mich selber auf das Lesen eines Hotlistsbuch, der Alternative des dBps, der unabhängigen kleineren Verlage, die sich auch öfter überschneiden, nämlich Karin Peschkas „Watschenmann“ auf, die glaube ich, gemeinsam mit dem Antonio Fian in der „Kolik-Louge“ gelesen hat.

2020-10-15

Herzfaden

Jetzt kommt Buch vierzehn der heurigen deutschen Buchpreisliste und das dritte Shortpreisbuch, mein vorhergesagter Favorit sozusagen „Herzfaden“ des 1965 geborenen Thoms Hettche, der, glaube ich, in der „BachmannpreisJury war, als ich 1995 einmal live dorthinfuhr.

„Ludwig muß sterben“ und „Unsere leeren Herzen“ habe ich gelesen. Die „Pfaueninsel“ mit der er 2014 auf der Longlist oder sogar auf der Shortlist stand noch nicht und jetzt ist er mit der Geschichte über die Augsburger „Puppenkiste“, was ein berühmtes mir bisher unbekanntes Marionettentheater ist, das auch für das Fernsehen spielte, wieder auf die Liste gekommen und ich muß sagen, mein Eindruck hat sich bestätigt, auch wenn es vielleicht mehr im Sinne der Petra Hartlieb ein Buch für die Massen. Für die Leserinnen beispielsweise, die als Kind den „Jim Knopf“ gesehen haben, als für den experimentellen Literaturgeschmack geschrieben wurde.

Aber dafür steht ja Dorothee Elmiger auf der Liste und einen Kunstgriff, um diese Nachkriegsgeschichte zu erzählen, hat Thomas Hettche auch gewählt.

Einen sogar mit zwei Farben, in rot und in blau. Ich habe nur ein PDF gelesen, aber gehört, daß es in der Printausgabe auch so sein soll.

Es gibt sehr schöne Zeichnungen von Matthias Beckmann und Thomas Hettche hat in seinem dBp-Filmchen gesagt, daß er mit seinem Buch ein Märchen erzählen, beziehungsweise die „Magie der Marionetten“ wiedergeben wollte. Deshalb auch der Titel.

Herzfaden ist der Marionettenstrang, den der Puppenspieler gebrauchen muß, um seiner Puppe Leben einzuhauchen und am Anfang ist mir der Stil auch tatsächlich sehr einfach, fast wie ein Kinderbuch erschienen, obwohl es um etwas viel Ernsthafteres nämlich das Aufwachsen im Krieg, was der 1931 geborenen Hannelore Oehmichen, der Tochter der Schauspielers Walter Oehmichen auch passierte.

Thomas Hettche hat aber einen, meiner Meinung nach, wieder sehr genialen Kunstgriff gewählt, um die Geschichte des Puppentheaters zu erzählen.

Da wird nämlich ein zwölfjähriges namenloses Mädchen, das mit seiner Mutter wo anders lebt, vom geschiedenen Vater in so eine Aufführung geschleppt und sie ist wütend und rennt ihm davon. Ist sie ja kein Kind mehr, was soll sie also mit so einem Puppenkram?

Sie gerät durch eine Tür auf einen Dachbodeen, dort hängen die marionetten und es kommt ihr eine mondäne Frau mit einer Zigarette entgegen und die freche Göre sagt auch gleich „Rauchen tut man nicht!“, wie sie später „Neger und Zigeuner sagt man nicht!“, also den politisch korreckten Jargon, den man offensichtlich in der Schule lernt, sagen wird.

Die Frau lächelt und antwortet „Zu meinen Zeiten schon!“, denn sie ist die 1931 geborene und 2003 verstorbene Hannelore Oehmichen, die, wie im Buch erklärt wird und bei „Wikipedia“ steht, 1943 mit ihrem Vater den Schauspieler Walter, der Mutter Rose und der Schester Ulla, das erste Puppentheater im Schrank der Wohnung gegründet hat. Das ging im Krieg verloren und der Vater, der immer wieder dorthin mußte und weil er nicht schnell genug entnazifiziert wurde und deshalb nicht wieder an sein Theater, wo er Brecht spielte oder inszenierte zurück konnte, hat aus dem Krieg einige Puppen mitgebracht und gründete mit seiner Tochter 1948 dann die „Puppenkiste“, das heißt eine Kiste für die Puppen, so daß man sie überall mitnehmen konnte und nicht mehr zerstört werden konnten.

Die Tochter Hannelore „Hatü“ genannt ist begeistert, beginnt selbst zu schnitzen. Zuerst werden Märchen, wie „Hänsel und Gretel“ und „Der gestiefelte Kater“ gespielt, dann den „Kleinen Prinzen“ und zuletzt noch „Jim Knopf“ von Michael Ende mit denen die Kiste auch ins Fernsehen und dadurch in alle Kinderzimmer Deutschlands kam.

Die kleine Hannelore, die später das Theater, das inzwischen ihre Söhne führen, auch vom Vater übernommen hat, erlebt den Krieg, sieht den Vater in diesen ziehen, sieht die jüdische Freundin verschwinden und die Frau Friedmann, die von der Gestapo abgeholt und verladen wird. Dann kommt die Nachkriegszeit und das Wirtschaftswundeer, auf einer Messe wird der Vater angesprochen, ob er nicht im gerade gegründeten Fensehen spielen will und es gibt den Kasperl, die erste Puppe, die Hatü schnitze und die spielt in dem Buch auch eine große, nämlich ambivalente Rolle. Wurde sie ja im Krieg geschnitzt und hat dadurch ein böses Gesicht bekommen, was sich auch in der zweiten märchenhaften Handlung äußert, denn die Puppen, die auf dem Dachboden ja lebending sind und mit dem Mädchen bevor es wieder zurück zu seinem Vater geht, kommunizieren. So klaut der Kasperl auch ihr Handy und Hatü erzählt dem Mädchen oder auch uns die Geschichte ihres Nachkriegslebens, sowie die Geschichte des Puppentheaters. Und ich denke, daß das ein Buch ist, daß zu Weihnachten sicher unter vielen Christbäumen liegt. Eines, das sich gut verkauft und auch für mich sehr interessant ist, denn ich habe keine Ahnung von einer „Augsburger Puppenkiste“ gehabt und auch den Michael Ende noch nicht gelesen. Den „Kleinen Prinzen“ habe ich einmal auf Französisch versucht, denn das war das Lieblingsbuch meiner Französischlehrerin, was sie auch ständig im Unterricht verwendete und die Zeichnung von der Schlange mit dem Napoleonhut auch auf die Tafel malte.

2020-10-08

Antonio Fians dreiteilige Nachrichten

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:16
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Heute war ich wieder in einem Wigelwagel, denn eigentlich hätte ich ins Amerlinghaus zur „Sisyphus-Präsentation“ gehn wollen, Dietmar Füssel hat mich dazu eingeladen und auf sein neues Buch „Ricardi“ aufmerksam gemacht, da ich aber nicht nur eine Maskenverweigerin, sondern auch sehr gewissenhaft bin und daher nicht ganz sicher war, ob ich dabei nicht doch eine haben sollte, denn die Zahlen steigen ja, wie ich in Oe 24 immer höre sehr bedenklich und die „Alte Schmiede“ mich auch auf die Präsentation von Antonio Fians neuem Buch und da habe ich mich für das zu Hause bleiben entschieden, weil man sich da ja auch nicht anstecken kann und diesmal ist es mir auch gelungen, die ganze Veranstaltung zu erleben. Also Antonio Fian und Markus Köhle, der moderierte, mit Masken auftreten und sie abnehmen sehen.

Markus Köhle sagte dazu, daß das das Privileg der Vortragenden sei, sie abnehmen zu können, was das Publikum, das beim Livestream ja nicht sichtbar ist, zwar auch noch könne, aber schon empfohlen würde, sie aufzubehalten. In Literaturhaus und in der „Gesellschaft“ muß man das, glaube ich, ja schon, weil Wien Ampelstufe orange und den 1956 in Klagenfurt geborenen Antonio Fian kenne ich sehr gut und er mich, glaube ich auch, war ich ja schon bei vielen seiner Lesungen und sein Buchpreisbuch von 2014 steht auch noch auf meiner Leseliste. Er ist auch bekannt für seine Dramulette, die alle zwei Wochen, glaube ich, schon seit Jahren in der Tageszeitung „Standard“ abgedruckt sind und von einigen davon gibt es auch schon bei „Droschl“ erschienenen Bände.

Das neue Buch „Die Nachrichten aus einem toten Hochhaus“ wo mir die Titelgeschichte bekannt erschien, so daß ich nicht sicher bin ob ich nicht auch schon Teile davon bei einer Lesung hörte, aber vielleicht hat auch Antonio Fian Wiederholungen, bestehen wie Markus Köhle in seiner Einleitung erklärte aus drei Teile und der erste Teil, das ist interessant, besteht aus Träumen, da sich Antonio Fian ja schon öfter und schon länger mit dem Schlaf beschäftigt und da war ich schon 2009 bei einer Lesung im Theater im Nestroyhof. Im Schauspielhaus habe ich ihn aus seinem „Polykrates-Syndrom“ lesen gehört und in Krems und Göttweig war er auch einige Male.

Im zweiten Teil aus dem Antonio fian nicht gelesen hat geht es um die braunen Dichter, um Max Mell, nicht Melle, wie Markus Köhle, der ja vielleicht noch zu jung ist, um diesen Namen zu kennen, der mir noch aus der Schule geläufig ist und um Bruno Brehm und der dritte ist die Titelgeschichte, wo Antonio fian beschreibt, wie er offenbar in Pecs Stadtschreiber ist, sich ein Monat lang dort aufhalten soll, im Monat März während er im April in Klagenfurt eine Poetikvorlesung über Werner Kofler halten soll. Da zitiert er dann einige Werke des 2011 verstorbenen Meisters mit dem ich, wie ich ja immer spoilere einmal im Zug nach Klagenfurt gefahren bin, das heißt eigentlich nur mit seinem Koffer, denn er ist noch am Südbahnhof im Speisewagen verschwungen und bis Klagenfurt nicht wiedergehkommen. WernerKofler nicht Kogler wie Antonio Fian mehrmals rezitierte, was ja auch eine wunderbare Verwechslung oderNamensähnlichkeit mit dem Vizekanzler, der aber, glaube ich, in der Steiermark geboren ist, ist. Der Ich-Erzähler irrt jedenfalls in Pecs herum, denkt an seine Vorlesung und sieht dort ein leersteheden fünfundzwanzigstöckiges Hochhaus, das verfällt, weil es zu teuer wäre, es abzureißen, das verschwindet dann und die Fremdenführerin, die er am nächsten Tag mietet, sagt, es gäbe ein solches gar nicht, erwähnt aber den Schrifjtsteller „Kogler“ oder „Kofer“ und weist auf einen Führer hin, die eine Figur aus einem Kofler- Werk wäre, den trifft er dann auf einer Bak und am Schluß findet er dann noch das Hochahus, das jetzt hell erleuchtet ist, weil gerade eine Schrifjtstellerparty darin stattfindet.

Im Gespräch fragteMarkus Köhle dann, ob es diese Vorlesung wirklich gegeben hätte, Antonio Fian bejahte und meinte, daß die Geschichte, die erste Vorlesung wäre mit der er die Studenten in Koflers Werk einführen wollte.

Dann kamen noch ein paar Träume, die auch von Literaten, beispielsweise den schon erwähnten Werner Kofler handelte, der erschien dem Erzähler, nachdem er ein Jahr verstorben war, im Traum. Da rief er ihn an und verlangte eine StangeZigaretten von ihm, die ihm der Erzöher gerne bringen wollte, er wußte nur nicht wohin, bis ihm einfiel, daß Kofler öfter gesagt hatte, daß das Leben ohne Ziaretten, die Hölle wäre.

Dann gab es noch eine Diskussion, bei der mir auffiel, wie sehr Antonio Fian seine Maske, die er am Ende der Veranstaltung natürlich aufsetzte, zerknetete, das soll man ja nicht, ist aber offensichtlich Realität und Markus Köhle, wies auf den Büchertisch und das Wiederkommen hin und da deutete er an, daß man nicht wüßte, wie lange es noch Veranstaltungen gäbe, spricht ja vieles für einen zweitenLockdown oder Verschärfungen der Maßnahmen nach den Wiener Wahlen hin, da ja die Zahlen inzwischen auf über tausend angestiegen sind.

2020-08-31

Der Halbbart

Nun kommt Buch vier der deutschen Longlist und das erste das ich nach der Verkündung gelesen habe, obwohl es schon lange auf meinen Bücherstapel lag.

Ich interessiere mich für Bücher ja hauptsächich nach den Autorennamen, so habe ich als mir „Diogenes“ seine Herbst oder Sommervorschau schickte Charles Leweinsk und Bernhard Schlink angefragt, sind das ja bekannte nnamen von denen ich schon was gelesen habe und stolperte dann über den Titel „Der Halbbart“, denn, was soll das heißen und dachte erst einmal „Das interessiert mich nicht!“

Dann bin ich noch draufgekommen, es ist wohl ein historischer Roman, denn er spielt im vierzehnten Jahrhundert.

Uje,uje und, als ich dann noch bei einem Podcast, der die Ll bespricht und die Hörer nach den Genres raten ließ, hörte, daß, da nach einem Schelmenroman gefragt wurde, dachte ich, wohl wieder „Uje, uje!“ oder „Nein!“, da war ich schon beim Lesen und bin irgendwann darauf gekommen, daß der „Halbbart“ damit gemeint sein könnte.

Den 1946 in Zürich geborenen Autor kenne ich genaugenommen seit 2014, denn da stand sein „Kastelau“ auf der Longlist und ich habe das Buch in Folge der Longlistleseaktion gewonnen und besprochen, den „Stotterer“ habe ich auch gelesen, weil mir „Diogenen“ durch das Bloggerdebutlesen Des Genies“, die Vorschau schickte und ich interessiere mich nun einmal für die bekannten Namen.

Da waren wir schon einmal und, um mich nicht wieder zu wiederholen kann ich gleich spoilern, daß ich das Buch, als mein zweites für die shortlist sehen würde, ich habe zwar erst vier gelesen, aber immerhin und es ist wieder ein Buch über das Erzählen und darüber wie Geschichten entstehen und noch darüber hinaus, wie man die Wahrheit von der Lüge unterscheidet oder wie Lüge letztlich durch das Erzählen zur Wahrheit werden kann.

Wahrscheinlich ist es das Alterswerk des Autors, der darin seine ganze Weisheit legt und großen Spaß beim Erzählen hat und dabei auch ein bißchen dreht und wendet, so daß es, was ein guter Roman ja sein muß, wie ich immer höre, etwas Neues und noch nie dagewesenen trotz der Millionen schon geschriebener Romane hat.

Da wäre Erstens, daß der titelgebende „Halbbart“ eigentlich gar nicht die Hauptfigur ist und, daß man eigentlich gar nicht soviel von ihm erfährt oder wahrscheinlich nicht alles und Zweites, daß es einen Erzählstil hat, wie ich ihn auch manchmal verwende.

Es tappt sich von Szene zu Szene voran und beginnt mit Wiederholungen. Das tue ich öfter. Der Autor geht darüber hinaus, überspringt auch einiges und Erzähler ist der Sebi oder Eusebius, das ist ein kleiner Bub, im Dorf aufgewachsen, der sehr schwach ist, dadurch nicht zum Bauern geeignet ist und auch nicht zum Soldaten. Dafür vielleicht zum Mönch, sagt man im Dorf, denn er hat ein gutes Gedächtnis.

Es kommt aber immer alles anders, als man denkt, das sage jetzt ich und der Sebi beginnt das Buch, in dem er erzählt, wie der Halbbart ins Dorf gekommen ist, denn der ist eine sonderbare Erscheinung. Hat er ja ein halb verbranntes Gesicht oder einen halbverbrannten Körper und der ist auch sehr gescheit, beziehungsweise versteht er sich auf das Heilen, obwohl er wie er sagte, nie Medizin studierte. Aber das konnte man im vierzehnten Jahrhundert wahrscheinlich auch nicht wirklich.

Der Sebi, der sich mit dem Fremden, der ihm nach und nach seine Geschichte erzählt, anfreundet, hat zwei ältere Brüder den Poli und den Geni und nur noch eine Mutter, die auch bald stirbt, aber eine vernünftige Frau gewesen scheint, die dem Sebi viele Lebensweisheiten in Sprüchen mitgab und eigentlich nicht an Gott glaubte.

Es geht gleich weiter, daß der Geni beim Holzfällen verletzt wird und der Halbbart rät, daß man ihm sein Beim amputieren muß, damit er nicht stirbt und er baut ihm mit Hilfe eines Schmiedes auch noch ein künstliches Bein, so daß er wieder gehen kann-

Dann erzählt er dem Sebi nach und nach seine Geschichte. Er wurde der Gotteslästerei beschuldigt und sollte daher verbrannt werden, konnte sich retten, hat aber alles verloren, wurde auch zur Schau gestellt und dem hämischen Volk ausgeliefert, so hat er einen großen Haß auf die Habsburger. Er wird auch in dem Dorf, der Hexerei veschuldigt, es kommt zu einem Prozeß. Da kann er seine Unschuld beweisen und der Geni, der ein sehr gescheiter Bursch ist, wird sogar zum Gehilfen, Sekretär oder Assistenten oder, wie immer man das damals nannte des Landammanns bestellt und, als die Mutter gestorben ist, wird er zum Vormund des Sebi und schickt ihm ins als sogenanntes Abtmündel ins Kloster.

Dort darf er, die Schafe hüten, beziehungsweise im Garten arbeiten und als ihm der Prinor einen besonderen Auftrag gibt, nämlich ein totes Kind zu begraben, nimmt er entsetzt Reisaus und ist von den Patres aufs Erste einmal enttäuscht.

Rührend fand ich die Szene, wie er die kleine „Perpetua“, wie seine Schwester heißen sollte und er die Kinderleiche daher so nennt, begräbt, in dem er sie, damit sie doch in den Himmel kommt, vorher tauft und ihr später auch ein Holzkreuz schnitzen läßt.

Der andere Bruder, Poli, ist das Gegengteil von Geni, nämlich ein Raufbold, der unbedingt zu den Soldaten will und, auch als Vorbild, den Onkel Alisi hat, der bei den Soldaten war ins Dorf zurückkommt und sich als Familienhaupt in das Haus der Brüder einquartiert, dazu holt er den Sebi, der sich inzwischen unter anderen Namen bei einem Schmied versteckt hat, zurück und will unbedingt einen Soldaten aus ihm machen. Das mißlingt genauso, wie das Angebot des Totengräbers, den er Sebi immer geholfen hat, sein Nachfolger zu werden, der nun weiß. was er werden will, nämlich Geschichtenerzähler und geht deshalb zur Teufels-Anneli in die Lehre und die gibt ihm auch gleich die richtigen Ratschläge, die vom Autor stammen, nämlich, daß man eine Geschichte immer so erzählen muß, wie sie nicht wirklich war, deshalb vielleicht mein literarischer Mißerfolg, weil ich ja gerne realisitsch schreibe, aber, wie heißt es so schön, jede gute Geschichte ist besser als die erfundene Wirklichkeit.

Daniel Kehlmann hat es ja einmal gemeint, daß ein Autor lüget, wenn er erzählt und in den Schreibseminaren lernt ja, „Erzähle das Schlimmste pawas dir passiert ist, dann wird es gut!“

Der Sebi lernt das, beim Teufels-Anneli, die sich selbst vergiftet, weil sie sich mit Käutern betäubt, um besser fabulieren zu können und die guten Ansätze des Lebens, werden durch die Mord- und Rauflust des Onkesl und seinen Kumpanen sofort zerstört, denn zuerst überfällt er mit dem Dorf und dem Neffen das Kloster, dann macht er einen Feldzug gegen die Habsburger und der Sebi, der zu all dem ja ungeeignet ist, steht daneben und erzählt seine Geschichten so, daß er die Wahrheit übertreibt. Da dann nieman,d wie er meint, sie glauben kann. Der Onkel ist aber begeistert und das Teufels-Anneli nimmt ihm zur Seite und meint „Das war eine sehr schöne Geschichte, Eusebius. Man wird sie bstimmt noch lange erzählen, und irgendwann wird sie die Wahheit sein.“

Da merkt man, denke ich, die Schelmenkunst des Erzählers, der ja eigentlich sehr grausame Sachen erzählt und vieles nur anschneidet, so hätte ich wahrscheinlich mehr vom Leben des Halbbart, der am Ende seine Rachsucht auch nicht überlebt oder über die Kinderleiche erfahren und da läßt derAutor, den Sebi sie ihm in einem Fiebertraum noch als Engel erscheinen und dann gibt es eine zarte Liebesgeschichte, die böse endet und leidet auch irgendwie unvollendet bleibt. Denn der Schmid bei dem der Sebi eine Zeitlang in der Lehre war, hat eine Tochter, das Kätterli, in die er sich ein wenig verliebt. Die kommt eines Tages bleich und stumm vom Kirchgang zurück und man erfährt, sie wurde von einem Mönch vergewaltigt. Nachdem das klar ist, verschwindet sie auf ihren Wunsch selbst im Kloster und man hört nie wieder etwas von ihr. Der Schmid schließt sich in seiner Rachsucht, obwohl sonst ein vernünftiger Mann, dem Onkel und Neffen bei ihren Klosterfeldzug, wo alles geschändet und geplündert wird und den Sebi entsetzt daneben stehen läßt, an.

2020-08-18

Die neue deutsche Buchpreisliste

Filed under: Buchpreisbloggen — jancak @ 20:35
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Hurrah, sie ist, trotz Corona-Zeiten, da, die neue deutsche Buchpreisliste und sie war mir diesesmal obwohl ich ja bei meinen Buchpreisspekulationen, etwas anderers vermutet hättte gar nicht so unbekannt, weil fünf Treffer.

Ein paar unbekannte Autoren und wahrscheinlich Neuentdeckungen gibt es auch und das ist gut, aber drei Bücher habe ich davon schon gelesen, eines liegt in meinem Badezimmer, von dreien habe oder hätte ich bei den O-Tönen gehört und auch ein paar Serientäterinnen, also Bücher von Autoren, die schon mal auf der Liste standen, sind auch dabei.

Das Mann Frau-Verhältnis habe ich jetzt nicht nachgezählt, denn das ist mir eigentlich egal.

Ich habe also die Verlage angeschrieben, freue mich auf das Lesen und gehe nun für alle Interessierten, die Liste durch.

1. Helena Adler „Die Infantin trägt den Scheitel links“, ein Jung & Jung-Buch ist ja immer dabei, wahrscheinlich hat der Jochen ein Abonement darauf- Das Buch wird derzeit sehr prominent erwähnt und wurde bei den O- Tönen-Debuts vorgestellt, aber da konnte ich, weil Regen nicht ohne Maske in die Ovalhalle.

2. Birgit Birnbacher „Ich an meiner Seite“, die „Bachmannpreis-Trägerin“ vom letzten Jahr, die inzwischen bei „Zsolnay“ verlegt, da war ich bei den O-Tönen, „Wir ohne Wal“ habe ich auch gelesen.

3. Bov Bjerg „Serpentinen“ auch ein „Bachmann-Leser“und ein Buch das ich schon gelesen und auf der Liste erwartet habe.

4. Arno Camenisch „Goldene Jahre“, ein Schweizer Verlag, sagt mir jetzt nichts, bin also gespannt.

5.Roman Ehrlich „Male“, wahrscheinlich auch ein „Bachmann-Leser“, ansonsten auch eher unbekannt.

6. Dorothee Elmiger „Aus der Zuckerfabrik“, eine „Bachmann-Leserin“ von der ich schon was gelesen habe.

7.Valerie Fritsch „Herzklappen von Johnson & Johnson“, da war ich auch bei den O-Tönen, begleite die Autorin seit sie sich um die Aufnahme bei der GAV beworben hat, habe das Buch auf der Liste erwartet und glaube nach dem was ich auf der Lesung hörte, daß es mir besser als „Winters Garten“ gefallen wird.

8.Thomas Hettche „Herzfaden“, ein schon bekannter Autor und glaube ich auch ehemaligerger Bachmann-Juror und gelesen habe ich auch schon einiges von ihm.

9.Charles Lewinsky „Der Halbbart“ liegt auf meinem Badezimmerstapel und wird nchste Woche gelesen, da es da erscheint, ansonsten habe ich 2014 beim Longlistenlesen meine erste Erfahrung mit Charles Lewinsky gemacht.

10.Deniz Ohde „Streulicht“, bis jetzt völlig unbekannt, also sehr gespannt.

11.Leif Randt „Allegro Pastell“, stand schon auf der Liste für den „Leipziger Buchpreis“, deshalb habe ich es auch schon gelesen.

12.Stephan Roiss „Triceratops“, damit habe ich mich am Wochenende beschäftigt, ein Debut und ein gutes Buch, das mir sehr gefallen hat, ich drücke alle Daumen.

13.Robert Seethaler „Der letzte Satz“ ein Mahler-Roman, wurde von Wolfgang Tischer auf dem Literaturcafe zerlegt oder zerissen.

„Findet man alles bei „Wikepedia!“, das werde ich jetzt überprüfen und habe am Sonntag bei Alfreds Grillfest vom Karl „Ein ganzes Leben“, der Bestseller von vor ein paar Jahren überreicht bekommen, so habe ich es angefragt. Das „Feld“ das auf der östBp stand und bei den O-Tönen präsentiert wurde, habe ich gelesen.

14. Eva Sichelschmidt „Bis wieder einer weint“, völlig unbekannt, bin gespannt.

15. Anne Weber „Anette, ein Heldinnenepos“, klingt interessant und von Anne Weber habe ich schon einiges gelesen und gehört.

16. Olivia Wenzel „1000 Serpentinen Angst“, klingt auch interessant und war mir bis jetzt unbekannt.

17.Frank Witzel „Inniger Schiffbruch“, das ist, glaube ich der Buchpreisträger von 2015 und das war ein Buch,, das mich sehr beeindruckt hat.

18. Iris Wolff „Die Unschärfe der Welt“, da hat die Autorin einmal den „Alpha“ gewonnen, ich muß gestehen, ich habe das Buch noch nicht gelesen, vielleicht klappt es aber jetzt

19. Jens Wonneberger „Mission Pflaumenbaum“, klingt auch sehr interessant und spannend, ansonsten ebenso bis jetzt alles unbekannt.

20. Christine Wunnicke „Die Dame mit der bemalten Hand“, stand schon zweimal auf der langen Liste, deshalb kenne ich sie und die damals nominierten Bücher. Jetzt hat mir der Verlag das neue schon versprochen.

Interessant finde ich und bin sehr neugierig, ein paar Debuts, nichts so viele mittelalte berühmte Männer, die an ihren Midlifekrisen leiden, was ich auch sehr schön finde und jetzt wieder lesen, lesen.

Wer tut es mir nach und da ich drei Bücher ja schon gelesen habe, ist es auch nicht so viel und so viele hatte ich, glaube ich, vorher noch nie gelesen, obwohl ich mich ja immer sehr um den Buchpreis bemühe und den wirklich spannend finde.

2020-04-28

Stern 111

Jetzt kommt das letzte Buch das ich von den für Leipziger Buchpreis Nominierten gelesen habe und das Sieger Buch der Belletristik Liste Llutz Seilers „Stern 111“.

Je vier Bücher von der Belletristiksschiene und vier der Übersetzungen habe ich gelesen. Verena Güntners „Power“ und „Die Sanftmütigen“ von Angel Igov habe ich nicht bekommen. Von den Sachbüchern habe ich nur die Andric-Biografie angefragt und von Lutz Seiler habe ich  das erste Mal etwas gehört, als er beim Bachmann-Preis 2007 gelesen und gewonnen hat.

Dann hat er mit „Kruso“ 2014 den dBp gewonnen, das Buch hat mir der Alfred einmal bei dem Lyon- Flohmarkt in St. Pölten zu Weihnachten gekauft, es steht auf meiner Leseliste fürs nächste Jahr und das Lutz Seiler eigentlich Lyriker ist, merkt man dem Buch, das wahrscheinlich sehr viel Biografisches enthält, an. So ist Lutz Seiler ja , wie sein Held Carl, 1963 in Gera geboren. Das Buch ist seinen Eltern gewidmet und es beginnt, daß Carls Eltern Inge und Walter, den Sohn 1989 kurz nach der Wende verlassen haben, um in den Westen zu gehen. Er soll in Gera bleiben und das Haus hüten. Carl, ein Maurer, der Gedichte schreibt, nennt das, das „Elternrätsel“, das die ihm mit dem Schiguli an die Grenze bringen ließen und dann mit dem Akkordeon und in Wanderkleidung  entschwunden sind.

Carl hütet das Haus nicht lang, sondern geht nach Berlin, das heißt er fährt mit dem Schiguli dorthin, verbringt einige Nächte in der Linienstraße, wo glaube ich, auch Kerstin Hensel wohnt oder wohnte und ich sie zweimal dort besucht habe. Er wurd vom sogenannten „Rudel“ aufgelesen, das ist eine anarchistische Künstlergruppe, die dort die Häuser besetzen, Werkzeuge klauten und eine Kneipe, die sogenannte „Assel“, hatte, wo glaube ich, auch Lutz Seiler einmal kellnerte und vorher war er in Hiddensee, was er in „Kruso“ beschrieben hat und beides kommt in dem buch auch vor.

Carl bekommt eine der besetzten Wohnungen, wird Kellner in der Assel, wo es eine Ziege namens „Dodo“ gibt. Er schießt zur Ergötzung der Gäste auch mit einer Kalaschnikow herum, trifft seine Jugendfreundin Effi wieder und fängt fast widerwillig zum Gedichteschreiben an. Das heißt, er ist nie mit ihnen zufrieden, wird aber doch entdeckt und verlegt und den Kontakt zu den Eltern, die eine Zeitlang durch Westdeutschland tingeln, eine Zeitlang bei einem syrischen Arzt wohnen, was Lutz Seiler in einem Interview betonte, er nicht erfunden hat, weil  das zu kitschig gewesen wäre, -gibt es vorläufig nur über Briefe, die er sich bei der Postfrau in Gera  nachschicken läßt und seinen Eltern nur zögernd schildert, daß er das Haus verlassen hat.

Die Eltern emigirieren schließlich nach Amerika. Walter, der Programmierer arbeitet dort für Hollywood. Carl besucht sie und erfährt von ihnen, daß sie schon einmal vor seiner Geburt über die Grenze und nach Amerika wollten, Bill Hailey ist schuld daran und der „Stern 111“, die Titelgebung ist ein Kofferradio, das in den Sechzigerjahren in der DDR üblich war.

Fünfhundert Seiten hat der Lyriker gebraucht, um seine Jugenderinnerungen und wieder einen DDR- und Wenderoman aufzuschreiben. Manches habe ich überflogen, manches sehr konzentriert gelesen. Ich hatte nur ein PDF, da das Buch, glaube ich,  wegen der durch Corona geschossenen Grenzen nicht angekommen ist.

Jetzt bin ich auf „Kruso“ sehr gespannt und auch was ich von Lutz Seiler noch lesen werde. Es gibt im Netz auch ein Video, wo er alle Orte in Berlin in denen das Buch spielt, begeht und ihre Geschichte erzählt.

2019-09-21

Flammenwand

Weiter geht es mit Buch vier der deutschen und dem ersten Buch der heurigen österreichischen Buchpreisliste, Marlene Streeruwitz „Flammenwand“ und ich schreibe gleich dazu, es ist auch das vierte Buch, das ich in der letzten Zeit gelesen habe, daß sich mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft von heute beschäftigt und das von allen ihren Seiten, der aus der Sicht der Frauenliteratur, aus der Sicht der Gewalt und der Me too Bewegung und der des Feminismus beschäftigt.

Das fünfte wird dann Karin Köhlers „Miroloi“ sein, aber Eva Schmidt und Irmi Fuchs kommen noch davor und das sind ja auch Frauen.

Ich kenne Marlene Streeruwitz und ihr Schreiben, das habe ich schon geschrieben, sehr lange war auch schon bei einer Veranstaltung über „Flammenwand“, habe sehr viele Bücher von ihr gelesen, finde sie auch manchmal etwas nervig und übertrieben, bewundere sie aber dafür daß sie die ist, die die aktuelle Situation, nach mir, könnte man vielleicht sagen, so stark einbezieht, hat sie ja einige Wahlkampfromane geschrieben, in denen sie  das beleuchtet und in dem Buch geht es auch darum oder auch nicht oder nicht nur, denn eigentlich geht es um Dantes  „La divinia Commedia“ oder, um das, was die moderne Frau, selbstständig und halbwegs gebildet, damit zu tun hat?

Es geht um Adele, Adel, hat der Lektor in der „Alte Schmiede“, es französisch ausgesprochen, wurde dabei von Marlene Streeruwitz lakonisch lächelnd korrigiert, das kann man sich im Internet ansehen und ich denke, das ist auch typisch für dien hehren Literaturbegriff und den der Hochkultur, alles muß überhöht und übertrieben sein.

Da darf eine, die aus Wien kommt, nicht Adele heißen. Aber Marlene Streeruwitz überreibt ja selbst sehr viel und hat das Buch offenbar von März 2018 bis Oktober dieses Jahr geschrieben und hat das und das finde ich, die ich mich in meinem Schreiben ja auch immer mit den Schreibprozessen beschäftige, besonders interessant, wenn es auch sehr verwirrend ist und vielleicht manche, die nicht so geduldig sind, zum Abbruch des Buches bewegen.

Denn das spielt in vier Stunden an einem kalten Märztag in Stockholm, trotzdem sind die einzelnen Kapitel mit Orten, wie meistens Wien, bis Feldkirch und Liechtenstein, Marlene Streeruwitz ist da mit dem Zug von dort oder dahin gefahren, mit Datum von März bis Oktober 2018, also die Tage, an denen sie die Kapitel geschrieben hat.

Ich finde das sehr interessant, den Durchschnittsleser mag das vielleicht nerven und am Schluß sind noch, was ich noch interessanter finde, die politischen Ereignise in Örsterfreich bezüglich der schwarz-blauen Regierung, die es momentan ja nicht mehr gibt, aufgezählt.

Das fasziniert mich an dem Buch, das andere finde ich zum Teil auch übertrieben und eh schon bekannt, aber wieder schön der Reihe nach.

Da ist also Adele, eine Frau um die fünfzig, die hatten wir ja schon bei Ildiko von Kürthy.

Sie ist gut gebildet, Deutschlerherin in Kursen für Deutsch als Fremdsprache, das gibt es auch bei mir auch, aber derzeit in Karenz. Sie hat ein Sabbatical und ist in diesem ihren älteren Freund Gustav, ein Finanzprüfer aus Berlin, nach Stockholm gefolgt.

Dort hat ihr der eine kleine Wohnung gemietet, die Kaffeekapseln sind an diesem Morgen ausgegangen. So stapft sie in ihrer Daunenjacke, in Stockholm ist es ja sehr kalt, los, um sich welche zu besorgen und sieht in einem Cafe Gustav sitzen, der tippt was in sein Handy.

„Aha er ruft mich an!“, denkt sie, er tut das aber nicht.

Das eröffnet nun die Flammenwand für Dantens Inferno und Adele geht, statt in das Cafe, durch ihre Odysee  ihres Frauenlebens, das bürgerlichen Frauen, um die Fünfzig oder Ende Sechzig, wie Marlene Streeruwitz das ja ist, bekannt erscheinen wird.

Der Vater, ein Schuldirektor hat im Krieg einen Arm verloren, dafür prügelte er den Bruder, mißbrauchte die Tochter, war sonst aber sehr tolerant und hat in den Geschichtsunterricht sogar die Beschäftigung mit dem Holocaust eingeführt.

Während Adele an all das denkt, rennt sie durch die Straßen Stockholms, sieht drei Romafrauen, kauft sich einen bunten Rock und ein buntes Tuch, zieht das über oder unter ihre Daunenjacke und wird fortan für eine Romafrau gehalten. Aber vorher oder nachher ist noch was geschehen. Sie versucht Gustav anzurufen, verwählt sich aber, bekommt dann einen Anruf von einer Frau, die ihr mitteilt, daß Gustav sie mit ihr betrügt und impotent ist oder soll der Vaterersatz auch sein.

Also die ganz gewöhnliche oder ungewöhnliche Gewalt an Frauen, die sie in die ewige Opferrolle bringen und das passiert Adele nun auch. Geht sie doch in eine Kirche und wird dort von der Polizei kontrolliert. Sie geht in ein Cafe, um was zu essen zu bestellen und wird von einem schwarzen Kellner hinausgeworfen. Sie geht in einen supermarkt, um Knäggebrot zu kaufen, wird von der Angestellten in ein Lager gesperrt und dann noch geteasert, bevor dich sich  nach ihrem Handy tasten kann, um endlich den Notruf zu betätigen.

Vorher passiert noch ein bißchen was Surreales, was fast an die gewöhnliche Psychose denken läßt, denn der Rock verwandelt sich in ein Hermelin und ein unbekannter Mann taucht auf und über vieles wird auch noch phantasiert, während die betrogene und mißbrauchte Adele durch Stockholm läuft und Marlene Streeruwitz sich durch das politische Leben Österreichs von März bis Oktober des letztes Jahres geschrieben hat.

Das Buch ist im Mai dieses Jahres, ein paar Tage  nach dem Aufkommen des Ibiza-Videosj und der Abwahl der Regierung, erschienen, was wieder alles verändert und die Rezeption des Buches ein bißchen verschoben hat.

Da ich das Buch vor Bekanntgabe der deutschen Shortlist gelesen habe, weiß ich noch nicht, ob sie darauf gekommen ist, würde es aber vermuten, da Marlene Streruwitz das ja schon mit der „Schmerzmacherin“  passiert ist. “ Nachkommen“ das das thematisiert, sind dagegen „nur“ auf der Longlist gestanden.

2019-06-23

Das fünfte Buchpreisbloggen?

Im August wird es dann wieder eine deutsche Buchpreisliste geben, die dann im September, seit 2016 von der österreichischen gefolgt wird und ich lese ja seit 2015 eigentlich sehr eifrig mit.

Seit 2005 gibt es ja die Idee, um den Buchkauf anzukurbeln, glaube ich, weil der Preis vom Börseverein des deutschen Buchhandels gestiftet wurde, aus den deutschen Neuerscheinungen von einer Jury zuerst zwanzig Bücher auszuwählen, dann sie auf sechs zu reduzieren um am Vorabend der Frankfurter Buchmesse einen Gewinner oder Gewinnerin zu prämieren.

Bevor ich bloggte ist das ziemlich an mir vorbeigegangen. Da habe ich höchstens bei den Nachrichten davon erfahren und „Interessant!“, gedacht.

2008 hat dann Christiane Zintzen in ihrem „Inadäquat“, das es schon lang nicht mehr gibt, auf den Preis, beziehungsweise auf die Broschüre hingewiesen, aber dazu geschrieben, daß sie vergriffen ist.

2009 habe ich mich dann auf die Suche derselben gemacht, sie in Österreich nicht bekommen und mir die Bücher natürlich nicht gekauft, mir höchstens eines oder zwei davon zu Weihnachten oder zum Geburtstag gewünscht, mich aber in meinen Blogbeiträgen trotzdem darauf bezogen, habe ich halt die Bücher erwähnt, die ich von den nominierten Bücher kannte.

Dann habe ich begonne den Blog von „Buzaldrin“ zu verfolgen, der sich auch auf den dBp bezog und 2013 das „Fünf lesen zwanzig“ gründete, wo sie offensichtlich mit vier anderen beim Börseversein anfragte, ob sie die Bücher lesen können,  das auch taten und darüber schrieben.

„Wow habe ich gedacht!“ und eigentlich auch gleich hinschreiben wollen. Meine lange Leseliste, die ich schon damals hatte, hat mich aber daran gehindert und dann dachte ich auch, daß mir die deutschen Verlage, die Bücher wahrscheinlich nicht schicken würden, habe ich ja damals höchstens bei „Residenz“ oder „Haymon“ angefragt.

So habe ich den „Jung“ gefragt ob er mir Nellja Veremjes „Berlin liegt im Osten“ schicken könne und versucht das „Buchpreisprobenbüchein“, das ich damals beim Börseverein angefragt habe, zu bloggen.

Das habe ich dann gelassen, weil ich daraus überhaupt keinen Eindruck von dem Büchern bekommen konnte und 2014 hat es dann bei „Buzzaldrin“ das „Longlistenlesen“ gegeben. Da hat sie sich mit ein paar anderen zusammengetan, die Bücher vorgestellt, man konnte sie anfragen und sollte wenn man sie bekommen hat, auf seinen Blog vorstellen.

Ich habe das bei „Kastelau“ getan und 2015 bei „Buzaldrin“ gelesen, daß das Modell offenbar nicht so klappte, so daß es in diesem Jahr die offiziellen Buchpreisblogger gab, die dann erfreut  „Hurrah, hurrah, ich bin in einer Jury!“,  schrieen, was mich zugegeben ein wenig ärgerte, so daß ich wochenlang überlegte, ob ich mir die Bücher nicht vielleicht kaufen soll und dann nach Bekanntgabe der Liste  die Verlage anfragte.

Zehn oder elf habe ich auf diese Art und Weise bekommen, gelesen habe ich alle, zwei in einer Buchhandlung, von denen ich dann eines bekommen habe, vier habe ich mir vom Alfred kaufen lassen, zwei vom Otto ausgeborgt und war wohl ein bißchen verkrampft bei meinenKommentaren, weil mich eine der offiziellen Blogerinnen  nicht mehr veröffentlicht hat. Ich habe es gut gemeint und war sehr eifrig dabei. 2016 neunzehn Bücher bekommen und da gab es schon den österreichischen Buchpreis, da habe ich angefragt, ob sie mich vielleicht als offizielle Bloggerin haben wollten und keine Antwort gekommen, es also  für mich getan und 2017 waren es achtzehn Bücher, die ich gelesen habe und die zwei restlichen habe ich im Jänner darauf geschenkt bekommen, sie auf meine Leseliste gesetzt und bin jetzt beim Lesen.

2018 waren es auch achtzehn, aber ein Effekt des Anfragens war, daß mir einige der Verlage dann ihre Vorschauen schickten und da bestelle ich ja immer ungehemmt und so habe ich, glaube ich, bis Februar die Bücher abgelesen und kann mir jetzt die Frage stellen, ob ich mir das Buchpreislesen ein fünften Mal „antun“ soll?

Denn ein bißchen habe ich ja auch beim Lesen resigniert, denke, ich kann ja ohnehin nicht alles lesen und diese zwanzig sind ja ohnehin sehr ausgesucht, keine Krimis dabei, keine ChickLits und auch das nicht, was die Leute lesen wollen und ich habe ja so eine lange Backlist von beispielsweise Bücherschrankbüchern, vielleicht sollte ich die statt der Liste lesen?

Keine Sorge, das sage ich, plappern, würde es wohl der Uli nennen, dahin, ohne es wirklich ernst zu meinen, denn es hat ja auch meine Bücherbeschränkung keinen Tag gehalten, aber meine Backlist ist inzwischen schon  sehr lang und ich habe inzwischen auch einige Bücher gefunden oder bei Abverkäufen gekauft, die auf früheren Listen standen, die habe ich jetzt alle auf meine deutsche oder österreichische Liste, die ich im letzten Sommer auf meinen Sidebord veröffentlicht habe, gesetzt und denke, das sollte ich alles lesen und es wäre ja auch spannend, wenn ich nach Bekanntgabe der Longlist, mir diese Bücher vornehmen und darüber bloggen würde.

Dagegen spricht, daß es ja schön wäre, ein fünftes Buchpreisbloggen zu machen und dann vielleicht damit aufzuhören. Diesmal wäre es wahrscheinlich ein dreifaches, weil wir wollen ja statt auf die „Buch-Wien“ auf die „Buch-Basel“ und zum „Schweizer Buchpreis“ fahren und da würde ich auch diese Bücher anfragen, was ich bisher nicht machte.

Anfragen werde ich wahrscheinlich schon, das Ganze aber  lockerer nehmen und einePrognese kann ich jetzt, zwei Monate davor, überhaupt nicht geben, obwohl ich bedingt durch meinen Unfall, Knöchelbruch und Gips ja im März und April eine sechswöchige Veranstaltungspause machte und in dieser Zeit die Frühjahrsneuerscheinungen gelesen und gelesen habe, aber ob das die Bücher sind, die dann Daniela Strigl, Petra Hartlieb und die fünf anderen Juroren, auf ihre Liste setzen?

Wahrscheinlich nicht, denn das buch von John Wray und das der Tanja Maljartschuk wurden ja nicht auf Deutsch geschrieben.

Marlene Streeruwitz wird wohl darauf stehen,  Clemens J. Setz und die anderen Bücher, die bei den heurigen O Tönen vorgetellt werden.

Es ist ja auch noch Zeit sich mit der heurigen Buchpreisliste auseinanderzusetzen, werden meine Kritiker jetzt wahrscheinlich sagen, aber, ich lese ja gerade“ Buchpreis“.

Die „Schlafende Sonne“ von 2017, habe ich vor kurzem ausgelesen und den Peter Henisch vom öst 2016 und als nächstes würde die Sabine Gruber und die Birgit Müller Wieland von 2016 oder 2017 kommen.

In diesem Zusammenhang habe ich auch die anderen Ungelesenen auf meine Listen geschrieben und die Frage, wie wichtig der „Deutsche Buchpreis“ für mich ist, ist in Zeiten, wo ich mich ja mit meinen eigenen Büchern und meinen eigenen Schreiben, beschäftige, auch besonders wichtig.

Eine klare Antwort habe ich noch nicht, außer daß ich im August, wenn die Liste veröffentlicht wird, in der Schweiz sein werde und dort Schweizer Bücher lesen werde, jetzt schon ein paar Herbst oder Sommerneuerscheinungen auf meiner Liste habe und da auch, wenn auch ein wenig zurückhaltender, als im Vorjahr angefragt habe und jetzt auch nach dem Lesemarathon vom März und April wieder besonders langsam lese.

Aber natürlich interessiert es mich, was die anderen schreiben und womit sie auf die Buchpreislisten kommen, ob ich aber ständig Buchpreisbücher von mittelalten Männern mit ihrer  Angst vor dem Sexverlust und dem Sterben lesen möchte, weiß ich auch nicht, es ist aber egal.

Lockerer werden ist die Losung und möglichst viel von meiner Backlist lesen, denn es sind ja auch sehr schöne Bücher, die sich bei mir angesammelt haben.

2019-05-15

Sebastian Ferien im Kanzleramt

Jetzt kommt passend zum Vortrag im Literaturmuseum ein satirischer Roman, könnte ich so schreiben, aber den habe ich ja schon auf meinen Bücherchristbaum liegen gehabt und mir vom Alfred bei der letzten Kleinverlagsmesse im Museumsquartier kaufen lassen und erst jetzt gelesen, weil ich vorher soviel Neuerscheinungen „abzuarbeiten“ hatte, dabei ist Michael Ziegelwagners zweiter Roman ja auch erst im Vorjahr erschienen.

Bei dem ersten, der dann auf die Longlist von 2014 gekommen ist, war ich im Literaturhaus bei der Präsentation und da sagte mir der Name des 1983 in St. Pölten geborene, der Redakteur des Frankfurter Satiremagazins „Titanic“ gearbeitet hat, noch nichts und nun ein Roman über die österreichische Regierungsbildung und den Aufstieg des Sebastian Kurz zum Bundeskanzlers.

Das kann ja, da es in meiner „Unsichtbaren Frau“ auch darum geht und dort auch ein „Minister Basti“ vorkommt, nur spannend sein und ein „must to read“ und ist es ja auch spannend zu sehen, wie die anderen, solche Themen verarbeiten.

„Das Schuljahr beginnt! Sebastian ist neu in der Klasse, startet aber gleich voll durch. Mit seinen zwei besten Freunden will er viel verändern. Alte Schustrukturen hinter sich lassen und das Lehrpersonal in eine erfolgreiche Zukunft führen. Michael <ziegelwagner verbindet Enid Blyton mit österreichischer Innenpolitik. Aber: Droht am Ende doch Zoff mit den Lehrern?“, steht am Buchrücken und darunter ist noch angeführt, daß die Illustrationen von Leo Riegel stammen und die sieht man gleich am Cover.

Ein lächelnder Sebasti mit roten Wangen und den großen Ohren, die beiden anderen abgebildeten Personen könnten Elisabeth Köstinger und Reinhold Mitterlehner ähnlich sehen.

Da ich mit den Namen, wie Karoline Edelstaberl als Hilfslehrerin und  Direktor Albux Vandebore meine Schwierigkeiten hatte, das sind die, die ich noch eindeutig zuordnen konnte, frage ich mich, wie es den deutschen Lesern geht, die sich mit der österreichischen Bundesregierung vielleicht  nicht so auskennen?

Die Geschichte ist aber sehr einfach erzählt und hat mit der Bildung der österreichischen Bundesregierung vielleicht gar nicht so viel zu tun, wie das Cover mit dem Ballhausplatzbild suggerieren könnten. Genau genommen ist auch der Titel falsch, denn der Sebastian der da mit seinem Trolley zum Schloß Ballhausplatz mit der U-Bahn gefahren kommt, um dort in die Oberprima einzutreten, macht ja keine Ferien, sondern wird als Schüler ins Nobelinternat aufgenommen, wie ihm der hilfreiche Hausmeister, der sich um den Schlotternden und Zitternden annimmt, gleich freundlich erklärt. Dann kommt er in die Klasse, wo Professor Koffner von ihm gleich was über die Logarithmen hören will und der Junge stottert oder redet sich herum: „Ein wichtiges Thema, Logarithmieren, danke für diese Frage. Wenn Sie mir kurz erlauben, Herr Professor, ein bisschen auszuholen.. ein Satz nur zur Klarstellung, denn da werden….“

Mit diesem Talent muß man Klassensprecher werden und der junge antiautoritäre Musikprofessor Dr. Samstag, der vielleicht an Wolfgang Schüssel erinnern soll, der kurz die Klasse von Professor  Koffner übernimmt, hilft ihm dazu und springt danach singend aus dem Fenster.

Dann steht „Ende“ auf der Seite Mitten im Buch und danach geht es mit einem Sebastian, der traurig am Weihnachtsabend vor dem leeren Keksteller sitzt, weil seine Eltern kein Geld für die U- Bahnfahrt nach Hause haben und nur einen Brief schreiben „Wir können dir dieses Jahr zu Weihnachten nichts geben. Keine Playstation zum Spielen, keine Pakete zum Auspacken, keine Schokoschirme für den Christbaum. Wir haben nichts. Wir können dich nur bitten: Glaub an dieses Österreich..!“

Das ist auch von irgendwo gestohlen und passt nicht in den zeitlichen Rahmen. Was aber nichts macht, denn es kommt gleich der Hausmeister in verwandelter Gestalt. Den habe ich nicht  zuordnen können, was auch nichts macht, weil er sich gleich in den Pfeife rauchenden Direktor Alex van der Sowieso verwandelt und den Jungen auf das Dach bringt, wo die drei Berte, die Burschenschaftler der Schule, das fliegende Klassenzimmer in veränderter Form aufführen und Phrasen werden in dem Buch natürlich auch sehr viele gedrocschen.

Ein paar Beispiel gefällig?

„Wir brauchen Ziffernoten – Genau! Die verbale Beurteilung führt nur zu Verweichlung und Indifferenz!“

„Sanktionen für Schulschwänzer“ – „Flexi- Schule! Mit Ausdehnungsmöglichkeiten bis zu zwölf Stunden!“ – „Kopftuchverbot“.

Das sind wir aber schon bei der Wahlversammlung unter dem Marillenbaum. Denn Sebastian soll ja auch noch Schulsprecher werden. Der Direktor hat ihm das vermittelt, denn der hat ja bei seiner Wahl versprochen, nie und niemals einen blauen Bundeskanzler anzugeloben. Also bitte, bitte, lieber Sebastian, hilf mir aus der Klemme!“

Der tut das natürlich gerne, obwohl er eigentlich niemals Schlusprecher, sondern immer nur ein ganz normaler Schüler sein wollte und am Ende sehen wir ihn bei der Anglobung oder heißen Rede am Podest vor der vollen Klasse, am Fenster steht „Geil, Geil, Geil !“ geschrieben und richtig, ein  „Velociped“, als Wahlhilfe hat es natürlich auch gegeben.

Köstlich kann ich da nur schreiben, wieder was gelernt, wie man satirische Romane verfaßt und nur eines ist wirklich schade, wie die „Literaturgeflüsterin“ immer schreibt, daß der „Milena- Frauenverlag“ jetzt auch Männer verlegt. Das ist meine Meinung, darum komme ich nicht herum!

2019-03-21

Der Stotterer

Filed under: Bücher — jancak @ 00:57
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Der 1946 in Zürich geborene Charles Lewinsky, der 2014 mit seinem „Kastelau“ auf der dbp-Liste stand, hat ein neues Buch geschrieben, das mich schon vom Titel her sehr berührte, habe ich doch in meiner Zeit als Assistentin an der Sprachambulanz der zweiten Hno-Klinik des AKHs und später in meiner Praxis sehr viel mit Stotterern gearbeitet und auch ein Fach- beziehungsweise Elternratgeberbücher darüber geschrieben, obwohl ums Stottern geht es eigentlich gar nicht, das ist nur der Aufhänger für das, würde ich mal schreiben, brillante Alterswerk des Autors, der ein grandioser Schelmenroman ist.

Beginnt man das Buch, das mit einem Brief an den „Padre“ beginnt, fühlt man sich zunächst einmal nach Spanien und in alte Zeiten zurückversetzt, denkt, „Alles schon gelesen!“, denn da schreibt einer aus dem Gefängnis Briefe an den Gefängnisseelseelsorger, dem er sein Leben erzählt, das ist der „Stotterer“ Johannes Hosea Stärckle, der, wie schon der Name verrät, ziemlich bigotte Zeiten durchlebte, wurde er in seiner Kindheit von seinem frommen Vater für das Stottern und wahrscheinlich noch für einiges andere geschlagen und der Vorstand der christlichen Gemeinde Bachofen, zu dem ihm der Vater brachte, wollte ihm auch das Stottern austreiben, ebenso wie einem Homosexuellen seinen Homosexuelalität.

Wenn ihm der Vater schlug, hat er immer gesagt „Das tut mir mehr weh als dir!“, wofür sich der Sohn als der Vater mit Krebs im Sterbebettt vor sich hinstöhnte rächte, in dem er diesen Satz immer wieder stotternd wiederholte und den Kirchenvorsteher hat er später in den Selbstmord getrieben, in dem er ihm biblische Sprüche zuschicken ließ in denen Pornographie  an Kindern, verborgen war, wofür er ihn zur Anzeige brachte.

Man sieht Charles Lewinsky, der ja auch Filmemacher war, hat es mit seinem „Stotterer“ faustdick hinter den Ohren, denn der schlägt alglatt und elegant zurück und weil er nicht so gut sprechen konnte, verlegte er sich auch bald aufs Schreiben.

Schrieb den, der ihn in der Schule mobbte, zuerst seine Schulaufsätze und dann fingierte Liebesbriefe, bestellte ihn nackt mit einer Rose in die Schulgarderobe, wo ihn allerdings nicht die Angebetene, sondern die ganze Schulklasse erwartete.

So ist es dann weitergegangen. Zuerst hat er in einem Callcenter oder Datingagentur gearbeitet, wo er den Schönen fürs schöne Geld  schöne Briefe schrieb und, als er dort entlassen wurde, hat er den „Omatrick“ für sich veredelt, weil er damit aber zu blumig war und die gleiche Phrase von einem „Quietschenden Fahhrad eines Postbotens“ gleich zweimal verwendete, wurde er ertappt und landete im Gefängnis, wo ihm der „Padre“ entdeckte und zum Schreiben ermunterte.

Jack Unterweger ist das in Krems Stein vor vierzig Jahren auch passiert und es ist ihm, wie man wohl zfsammenfassen kann, nicht so gut gelungen.

Johannes Hosea gelingt es aber, denn der „Padre“ verspricht ihm einen Posten in der Gefängnisbibliothek, die ihm unterstellt ist, wenn er ihm dafür Berichte aus seinem Leben schickt.

Als er das dann gleich wieder zurücknimmt und ihn in die Küche einteilen will, ist Johannes Hosea sehr empört und wehrt sich mit gekonnten Worten, das ist wohl das Neue in dem Buch. Er empört sich auch darüber, daß das Stottern als Sprachfehler bezeichnet wird, denn wenn ich nicht sehen kann, fehlt mir die Sehkraft,  ich habe aber keinen Fehler, worüber man nun  diskutierten kann, ob etwas, was einem fehlt ein Fehler ist? Sprachlich stimmt es, politisch korrekt ist es nicht, aber Letzteres wird von den Rechten ja gerade auch sehr angefochten.

Der „Padre“ ermuntert ihn auch zu Schreibübungen, so sind dem Buch immer wieder Geschichten beigefügt, die er an ihn Padre schickt, als der in der ersten aber „Autobiografische Elemente“, zu entdecken glaubt, ist er wieder empört, schreibt die nächste Geschichte nur für sich selber und fängt das Tagebuchschreiben an.

Der „Padre“ ermuntert ihn auch, an einem Schreibwettbewerb zum Thema „Gerechtigkeit“ teilzunehmen, der er gewinnt, so daß sich bald ein Verleger an ihn wendet und Johannes Hoseas literarischer Aufstieg beginnt, denn Geschichten aus dem Leben eines Gestrauchelten wollen die Leute ja gerne lesen und so geht es wahrscheinlich nach der Entlassung in eine schriftstellerische Karriere oder, siehe oben, auch nicht, das wird dann nicht mehr beschrieben. Vorher kommt es aber noch zum Kontakt mit der Gefängnismafia, die in die Bücher, die an die Bibliothek geliefert werden, auch andere Sachen einschmuggelt und Johannes Hosea da zum Mitmachen zwingen.

Ein sehr fein geschriebenes Buch, ein listiges, abgehobenes Alterswerk, das manche Klischees widerholt, manche aber erstaunlich geschickt durchbricht und der vergleich zum „Felix Krull“, der einem da natürlich kommt, wird vom Autor selbst erwähnt, denn Johannes Hosea, der später nicht mehr an den „Padre“, sondern an seinen Verleger schreibt, füllt auch den berühmten Fragebogen von „Proust“ aus und so ist das Buch gefüllt mit Fingerübungen, Briefen Tagebuchnotizzen etcetera, die vielleicht etwas zusammengestoppelt wirken können und die Idee ist wohl auch nicht so wirklich neu, trotzdem ist sie gerade dadurch was Lewinsky daraus macht sehr gelungen und das Buch wahrscheinlich sehr zu empfehlen.

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