Literaturgefluester

2011-02-18

Das Werk der Marianne Fritz

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:59

Einblicke in „Naturgemäß III“ oder in das komplizierte Werk der 2007 verstorbenen Marianne Fritz in der Alten Schmiede und es begann mit einem Film von „Michael Pilz, der 2008 die Wohnung der Autorin mit seiner Kamera umrundet hat. Vorher hat der Fritzpunkt, das heißt Anne Marten und Fred Büchel, sowie der Lebensgefährte der Autorin, in der leeren Wohnung alles hergeräumt, es gibt zwei Tonspuren der Autorin aus dem Romanprojekt „Dessen Sprache die du nicht verstehst“ und während Marianne Fritz mit Punkt und Komma von Gott und seinen Erfüllungsgehilfen spricht, sieht man die Bücherberge, den Blick aus dem Fenster, einmal ein Stofftier mit einem roten Röckchen und eine Kanne mit Kaffee in der ansonsten sehr nüchternen Altbauwohnung. Und die 1947 geborene Autorin hat sich, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung betonte und auch im Internet zu lesen ist, von der Öffentlichkeit offenbar genauso zurückgezogen, wie Elfriede Jelinek und nur für ihr Werk gelebt.
1977 gab es noch eine Lesung in der Alten Schmiede gemeinsam mit der Zeitschrift Löwenmaul, 1979 war Marianne Fritz Stipendiatin der Stadt Wien und ist zur Lesung nicht mehr erschienen. Dafür sind 1878 bei S. Fischer „Die Schwerkraft der Verhältnisse“ und 1980 „Das Kind der Gewalt und die Sterne der Romani“ herausgekommen, beide Bücher habe ich in Harland stehen.
Dann kam die Arbeit an dem Romanmonument „Dessen Sprache du nicht verstehst“, da ist Marianne Fritz schon zu Surhkamp gewechselt und ein Symposium zu Marianne Fritz zu dem Klaus Kastberger einen Materialband bei Sonderzahl „Nullgeschichte, die trotzdem war“ herausgegeben hat, das wie sich Kurt Neumann empörte, 1995 beim Österreich-Schwerpunkt in Frankfurt das Einzige war, was von Marianne Fritz erhältlich war. „Dessen Sprache du nicht verstehst“ gehört genauso wie „Naturgemäß I-III“ zu dem sogenannten Festungsprojekt in dem literarisch die Geschichte der ersten und zweiten Republick aufgearbeitet wird.
„Naturgemäß I“ und „Naturgemäß II“, jeweils mehrere tausend Seiten und je fünf Bänden in großen Schubern sind ebenfalls noch bei Suhrkamp erschienen, bei „Naturgemäß III“ hat sich der Verlag geweigert, was Kurt Neumann ebenfalls empörte, so daß er aufrief sich bei Suhrkamp zu beschweren und der sogenannte Fritzpunkt, Anne Merten und Fred Büchel, die sich seit 2002 mit dem Werk Marianne Fritzs beschäftigen und es immer wieder aufführen, lasen aus den zehn Seiten, die Marianne Fritz 2006 für ein Staatsstipendium eingereicht hat.
Klaus Kastberger, der sich wie Wendelin Schmid-Dengler sehr intensiv mit dem Werk auseinandergesetzt hat, hielt den Einführungsvortrag „Die Geschichte der Knochen“, wo er mit Werkausschnitten und Projektionen, das umfangreiche Werk erklärte.
Die alte Schmiede war sehr gut besucht. Ich habe wie erwähnt, die beiden ersten Bücher der Autorin gelesen, bei den Veranstaltungen des Fritzpunkts bin ich nie gewesen, so daß ich jetzt erst in das Hauptwerk der Marianne Fritz eingeführt worden bin, die eine sehr besessene Arbeiterin gewesen sein muß und ein großes Textarchiv besessen hat. Eine literarische Einzelkäpferin mit einem sehr komplizierten ineinandergeschachtelten Werk, von dem sich Klaus Kastberger sehr bemühte, es verständlich zu machen.
2007 ist Marianne Fritz an einer seltenen Blutkrankheit gestorben und das neue Werk wird es bei den Einsparbemühungen und der Mainstreamtaktik der Verlage wohl so bald nicht zu lesen geben, obwohl Marianne Fritz sowohl ihre Einzelkämpfer als auch ihr Publikum hat.

2014-04-29

Zweisprachige Lesung mit Florjan Lipus

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:45

Der 1937, bei Bad Eisenkappel geborene Kärntner-slowenische Dichter ist mir ein Begriff, wenn ich mich nicht irre, habe ich mir den Siebzigerjahren auch den „Zögling Tjaz“ gekauft und gelesen,ich kann das Buch nur jetzt nicht in meinem Bibliothekskatalog finden, es müßte aber in Harland sein.
Als es um das Jahr 2005 diese Diskussion mit dem „Österreich-Koffer“ gab, den eigentlich Günther Nenning herausgeben wollte und der schließlich unter Mithilfe von Robert Schindel bei „Residenz“ erschienen ist, war sein „Die Beseitigung meines Dorfes“ dabei. Ich habe das Buch ein paar Jahre später bei der „Buchlandung“ um einen Euro gekauft und noch nicht gelesen, obwohl ich es mir schon einmal diesbezüglich ins Badezimmer legte, jetzt gab es in der „Alten Schmiede“ die Präsentation des an sich schon 2005 bei „Wieser“ aber jetzt mit einem Nachwort von Peter Handke offenbar wiederaufgelegten Buches „Bostjans Flug“ und so habe ich den großen schlanken Dichter, den ich noch nie bei einer Lesung hörte, kennengelernt und auch Angelika Kaufmann, Lydia Mischkulnig und andere im Publikum gesehen.
„Die Verlage schreiben aus verkaufstechnischen Gründen Roman, es ist aber eher ein Prosastück in elf Teilen!“, erklärte Kurt Neumann in seiner Einleitung und sprach von einem jungen Mann, der in einer waldreichen Gegend aufwächst und den einige Schicksalsschläge treffen, die sich in Motivbögen durch das Buch ziehen.
Wenn ich es richtig verstanden habe, dürfte der Bostjan eher ein Kind sein, zumindest habe ich das aus der vorgelesenen Passage so entnommen. Die Mutter wird von dem Gendarm plötzlich vom Brotbacken weggeholt und kommt nicht mehr zurück. Das Buch spielt im Krieg hat Kurt Neumann noch angefügt, die Großmutter stirbt, der Vater kommt aus dem Feld zurück, verheiratet sich nochmals und zieht ins Dorf, Bostjan lernt auch seine Liebe, die Mesnertochter Lina kennen und kommuniziert mit den Dämonen, beziehungsweise lebt er in dieser und auch in der dörflichen Welt, wo auch die Straßen sprechen, beziehungsweise Gegenstände eine Stimme bekommen. Eine Sprache von unten erklärte Kurt Neumann weiter und verglich Florjan Lipus mit Marianne Fritz, ein Vergleich, den ich nicht ganz nachvollziehen konnte, aber ich habe von beiden noch nicht viel gelesen und Florjan Lipus begann dann gleich auf Slowenisch, das ich trotz meines Namens nicht verstand und setzte mit den schon beschriebenen Stellen auf Deutsch fort, sprach bei der Begegnung mit Lina von einem „armen Hascherl“ und auch davon, daß die Großmutter den Buben von der Bildung beziehungsweise von dem harten langen Schulweg zu befrreien versuchte, was für mich auch nicht so nachvollziehbar ist, umsomehr da ich nachgelesen habe, daß Florjan Lipus bis zu seiner Pensionierung 1999, Lehrer an Kärntner Volksschulen war.
Dann gab es ein Gespräch mit Kurt Neumann, der den Motivbogen noch einmal erwähnte, offenbar scheint das Buch mit einer Begegnung mit Lina zu beginnen und auch zu enden. Dazwischen liegt die Verhaftung der Mutter, der Tod der Großmutter und das Überleben mit der Phantasiewelt und auch das Erwachsenwerden höchstwahrscheinlich. Kurt Neumann sprach auch von einem Entwicklungsroman und fragte Florjan Lipus dann nach dem Unterschied zu dem früher entstandenen „Zögling Tjas“, in dem es um das Internatsleben zu gehen scheint und ich fand es sehr spannend den Autor antworten zu hören, daß er eigentlich immer dasselbe, über sich und die Geschehnisse, die es zu verarbeiten gilt, schreibt.
Ju Sophie hat ja einmal mit mir darüber diskutiert, daß man so nicht schreiben dürfe. Ich denke ein Teil der großen Autoren tut das, die die Gebrauchsliteratur schreiben, die mit Plots und Spannungsbögen arbeitet nicht, aber dazu gehört Florjan Lipus nicht und er verneinte auch die Frage, ob das Buch eine Autobiografie wäre?
Er hat aber seine Mutter als Kind verloren, die, während sie Partisanen bewirtete, verhaftet und ins KZ gebracht wurde.
Florjan Lipus erklärte noch dazu, daß sich die Sichtweisen im Laufe des Lebens ändern, das eine Mal erscheint einem der eine Aspekt besonders wichtig, das andere Mal ein anderer.
Dem kann ich mich anschließen, habe ich ja auch schon geschrieben, daß man immer den selben Roman schreiben würde, ein Leben lang. Florjan Lipus brauchte zu diesem drei Jahre, solang hat er daran geschrieben, das Material war aber schon immer da, wurde vorbereitet und aufgearbeitet und es war wieder spannend die Diskussion mit Kurt Neumann zu verfolgen, der ihn mit seinen Theorien überschüttete und der Autor antwortete freundlich „Das weiß ich nicht!“ und sprach von dem Unterschied zwischen den Lesern, die sein Buch lesen müssen, wollen oder dürfen und ihm, der sich damit beschäftigt, weil er die Ereignisse seines Lebens aufarbeiten muß.
Peter Handke hat in seinem Nachwort von der Rebellion geschrieben, die er in dem Buch entdeckt hätte, Kurt Neumann hat die eher im „Zögling Tjas“ gesehen und der Autor beendete den Abend mit Peter Handke, der auch „Lesen Sie das Buch!“, gesagt hat, dem schloß sich Kurt Neumann mit dem Verweis auf den Büchertisch an und ich dachte mir „Was man nicht alles lesen soll!“, mit einem Seitenblick auf meine endlos lange Leseliste.
Ich lese jetzt Hans Falladas “ Bauern, Bonzen und Bomben“, ein Buch das treffend zum herannahenden ersten Mai passt. „Die Beseitigung meines Dorfes“ habe ich auf der Leseliste und werde in Harland nach dem „Zögling Tjas“ suchen, aber wahrscheinlich war es Janko Ferks „Der verurteilte Kläger“, das ich mir damals kaufte und etwas möchte ich noch flüstern, was wieder zu der Frage, was man lesen soll und was nicht?, passt.
Ich bin ja eine, die sich quer durch den Krautgarten bzw. durch die Gegenwartsliteratur liest und dabei Krimis, ChickLits, etc, nicht ausläßt und JuSophie hat sich auch einmal darüber gewundert, daß ich Sophie Kinsella lese. Die „Schnäppchenjägerin“ ist aber das beste Buch über die Kaufsucht, das ich je gelesen habe und wenn man öffentlich zugibt, daß man Krimis oder Frauenbücher liest, wird man leicht schief angesehen.
Das konnte ich unlängst auch im Radio im Zusammenhang mit Stefan Zweigs „Ungeduld des Herzens“ hören und im Literaturcafe gibt es dazu einen Artikel, hat da doch jetzt Sibylle Lewitscharoff, die auch nicht unumstritten ist, eine Art Krimi geschrieben und Iris Radisch hat davon gesprochen, daß man bei Krimis das Niveau hinunterschrauben müsse und die Krimiautoren beginnen sich im Literaturcafe darüber zu empören.
Da habe ich einen Kommentar geschrieben und denke, daß man sich einfach weiter durch den literarischen Krautgarten lesen und sich auch dazu bekennen soll.
Ich lese Florjan Lipus, Sophie Kinsella, Arno Schmidt, etc, alles durcheinander so, wie ich es Bücherschrank finde und es auf meiner Leseliste steht. Und weil ich das schon einige Jahrzehnte tue, habe ich mir schon ein ziemlich breites literarisches Wissen angelesen und bin diesbezüglich so selbstsicher geworden, daß ich auch öffentlich dazu stehen kann.

2014-04-27

Zweifelsfälle für Fortgeschrittene

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:12

„Wolfgang Fritz erzählt den beruflichen Werdegang des Buchhalters Taras Vanyocki und die Alltagsgeschichte der Kleinbürger in der zweiten österreichischen Republik ohne Abschweifungen und mit einem fast heiteren Blick auf diese „Zweifelsfälle für Fortgeschrittene“ – ganz in der besten Tradition der Wiener Volkskomödie“, steht am Buchrücken des 1981 in der Collection S. Fischer erschienenen Büchlein vom „Offenen Büchschrank“, das ich vor zwei Jahren fand und ich stellte mir etwas Experimentelles dabei vor, erschien doch in derselben Reihe Marianne Fritz „Die Schwerkraft der Verhältnisse“, das ich mir in den Achtzigerjahren kaufte und Marianne Fritz ist ja eine experimentelle nicht gerade leicht zu lesende Autorin.
Auf der Homepage des 1947 in Innsbruck geborenen Autors, der in Wien jahrelang im Finanzamt und dann im Finanzministerium tätig war, bzw. in „Wikipedia“ habe ich gefunden, daß er mit Marianne Fritz verheiratet war.
„Zweifelsfälle für Fortgeschrittene“ war sein erstes Buch, es gibt noch Weitere, denn die literarische Arbeit, steht auf der Homepage war für den Beamten immer sehr wichtig und seine Werke sind auch feinsäuberlich in wissenschaftliche und literarische Werke aufgeteilt.
Unter Wissenschaftliche fällt dann „Die Geschichte von Hans und Hedi – Chronik zweier Hinrichtungen“ und davon habe ich schon einmal im Literaturhaus gehört und die „Zweifelsfälle für Fortgeschrittene“ erinnerten mich ein bißchen an Canettis „Blendung“.
Ist der Taras Vanyocky ja ein bißchen, wie der Büchernarr Kien, vor allem aber ist er klein und dürr, hat ungepflegte Haare und trägt seit Jahren denselben Mantel, den ihm seine geschiedene Lintschi einmal zu Weihnachten schenkte und er hat eine Heidenangst vor Frauen, ist er mit seiner Lintschi, die schließlich das Bett mit ihrem Liebhaber teilte und ihn auf die Kautsch (wird so geschrieben) hinausexportierte, doch sehr eingefahren.
Jetzt lebt er im zweiten Bezirk in einem kleinen Zimmer, ist seit Jahren arbeitslos und geniert sich dafür, geht nur am Samstag ein Achterl zu seinen Stammwirten trinken und davor fürchtet er sich auch, gibt es in dem Haus doch eine Frau Lucie, fünfzig wie er und die hat ihm einmal auf einen Kaffee eingeladen.
Seither traut er sich nicht aus dem Haus, damit sie ihm nicht erwischt, denn er ist sehr schüchtern und sagt immer „Sehr wohl, Herr Chef!“
Als er sich aber einmal auf sein Achterl aufmachen will, gerät die Frau Lucie vor der Basena draußen mit einer Türkin in Streit und flüchtet vor ihr, die Türkin holt ihren Mann oder Bruder herbei, die zerreißen Taras Mäntelchen und die Lucie bringt ihm dann den von ihrem Seligen, aber der ist ihm viel zu groß und zu weit.
So weit so gut und auch ziemlich lustig, weil sich Wolfgang Fritz ein wenig über das Wiener Klischee und diese Beamtenmentalität lustig zu machen scheint und er dreht auch die Geschlechterverhältnisse um.
Der Buchhalter ist zwar sehr ordentlich und pedantisch und verlangt sogar vom Maronibrater eine Rechnung und er war auch im Jahr 1947 oder so, der beste in der Handelsschule, aber fleißig ist eigentlich die Frau Lucie, die putzt und wäscht und lädt den Herrn Taras immer ein, aber der macht eine Zeitlang nichts, als vor ihr zu flüchten.
Er wird auch ziemlich oft zusammengeschissen, von den Gästen im Wirtshaus, von seinen Chef, er findet schließlich doch eine Stellung in einem sehr windigen Betrieb, traut sich dort nicht zu essen und auch nicht aufs Klo zu gehen und wird dann von seinem Chef als Betrüger hingestellt, so daß sich Taras vor Angst fast anmacht und aus dem Fenster springt, als die Luzie ihn holen kommen will.
Er glaubt, sie ist die Vorhut der Polizei, die haben ihn aber schon als harmloses Würstl vergessen, der Taras muß aber ein Jahr ins Krankenhaus, dann wird er im Rollstuhl entlassen, heiratet die Lucie, die sich inzwischen in seinem Stammwirtshaus als tüchtige Kellnerin verdingt und die Lintschi, Taras Ex ist inzwischen auch zur Amtsrätin im Finanzamt aufgestiegen.
Eigentlich ein lustiges Buch und das Augenzwinkern, mit dem es beschrieben wird, ist auch zu spüren,da macht sich ein noch junger Mann über die die österreichische subalterne Kleinbürgerlichkeit lustig, übertreibt schamlos dabei und ist am Ende doch erstaunlich modern und gibt es nicht bei Ingrid Noll auch so ein Ende?
Aber so bösartig ist die Frau Lucie gar nicht, die ist eigentlich eine gute Seele, nur der Taras ist ein subalternes ängstliches Würstl, mit seinem „Jawohl, Herr Chef!“ und seine Angst vor Autoritäten, die ihm sogar das Sterbebett seiner Mutter versäumen läßt.
Ein gar nicht experimenteller Roman, sondern einer, der mit den Wiener Klischees spielt, sie übertreibt und ins Lächerliche kippt, dabei manchmal auch an Nestroy erinnert und dann gar nicht so unmodern damit ist.
Spannend einen mir bisher fast unbekannten Autor kennenzulernen, obwohl der, wie ich seiner Homepage weiter entnahm, in der Josefstadt lebt und auch GAV-Mitglied ist.

2013-09-18

Longlistennominierter: Thomas Stangl

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:16

Thomas Stangl eröffnete am Dienstag mit seinem vierten Roman „Regeln des Tanzes“ die neununddreißigste Saison der „Alten Schmiede“ und über das Buch habe ich ja, obwohl ich es nicht gelesen habe, schon ein bißchen nachgedacht und eine kleine Verwirrung gab es auch, denn, wenn man im „Droschl-Verlagsprospekt“ nachsieht, findet man es unter „Dunkler Tanz“ angekündigt, was, wie mir Anette Knoch erklärte, der urspüngliche Titel sein hätte sollen, es gibt aber schon ein Buch mit diesen Namen.
Die „Alte Schmiede“ war gar nicht einmal so besonders voll, aber einige bekannte Autorengesichter, so bin ich wieder einmal fast neben Peter Henisch gesessen, der ja bald seinen „Geburtstagsschwerpunkt“ in der „Alten Schmiede“ hat.
Richard Obermayr war glaube ich da und Michael Hammerschmid, zwei Priessnitz-Preisträger.
Kurt Neumann hat wieder eingeleitet und sehr ausführlich das gewaltige Erzählkonzept erklärt, das, wie er meinte, vom Nouveau Roman ausgeht.
Drei Protagonisten und eine Erzählstimme, die vom „Du“ herkommt, die ineinanderübergehen, verschiedene Parallelwelten, verschiedene Zeitebenen und verschiedene Leitmotive, wie der der Tanz, die Bildlichkeit spielen eine Rolle.
Aber eigentlich scheint es in den Achtzigerjahren zu beginnen, beziehungsweise leben da die Schwestern Mona und Andrea in einer Wohnung. Andrea, deren Namen erst am Ende des Buches, was mir beim Zuhören aufgefallen ist, verraten wird, studiert zu Beginn Anglistik, Mona tanzt sich durch ihr Leben und bringt sich später um, der Vater der Schwestern hat sich schon fünf Jahre früher umgebracht.
Dann muß das Jahr zweitausend mit seinen Demonstrationen eine Rolle gespielt haben und die dritte Zeitebene liegt in der Zukunft, nämlich 2014 oder 15, was für die, die den Roman erst in zehn Jahren lesen werden, keine Zukunft mehr ist, da geht der Kunsthistoriker Dr. Steiner, der Mitte Sechzig ist, durch Wien spazieren, flaniert, wie die tote Mona und findet in einem Mauervorsatz zwei Filmrollen. Er läßt die Filme entwickeln, darauf sind die Schwestern, irgendwie kommt er dann mit der älteren Schwester, die inzwischen Ausdruckstänzerin geworden ist, in Kontakt, sie tanzen zusammen und er bleibt nackt zurück.
So hat es Kurt Neumann erklärt und Thomas Stangl hat dann den Beginn gelesen.
Stellen, wo Dr. Steiner durch die Stadt marschiert, dabei sehr viel denkt und die Filme findet und Stellen mit Andrea auf der Demonstration am Tag der Regierungsangelobung, wo sie planlos zum Sozialministerium marschieren und die Kommunisten dieses mit einer Fahne besetzen und die Protagonistin taumelt erschöpft und hungrig mit.
Am Schluß hat Kurt Neumann noch die vorauseilende Erzählweise an zwei Beispielen erklärt und das Publikum aufgefordert, zu fragen, was es wissen will.
Ich hätte ja gern gefragt, ob das ein politischer Roman ist, mich aber nicht ganz getraut, eine Dame hat es dann für mich gemacht und wissen wollen, ob Thomas Stangl auf den Demos war?
Er muß wohl, denn sie waren sehr genau beschrieben, sie hat auch gemeint, daß der Tanz für sie die Demos waren, während Peter Henisch auf den Beginn von Marianne Fritz großen Roman hinwies, wo es auch ein Tanz beschrieben wird.
Eine Frage war wieder, ob Thomas Stangl vorausplant oder losschreibt, seltsamerweise antwortete er, er schreibt zuerst los und findet dann sein Konzept und übersetzt ist er auf Ungarisch und Französisch, das neue Buch, das erst erschienen ist, natürlich noch nicht.
Ich habs ja schon geschrieben, ich tue mir mit Thomas Stangl, ähnlich wie mit Richard Obermayr oder Andrea Winkler schwer, denn ich wär ja eher mehr für den politischen Schlüßelroman und habe den ja schon in der „Viertagebuchfrau“ über die ersten hundert Tage von Schwarz-Blau sehr viel früher geschrieben. Irgendjemand hat das, glaube ich, auch gefragt, was ein Gelächter erregte, aber, hat Kurt Neumann erklärt Robert Schindel hat in diesem Jahr mit dem „Kalten“ einen Schlüßelroman über die Waldheimära herausgebracht und Thomas Stangl meinte in seiner diplomatischen Art, daß ihm die politischen Anteile genauso wichtig, wie die nicht politischen gewesen wärem.
Ein sorgfältig gearbeitetes kompliziertes Konstrukt, würde ich meine, und, daß die Demonstrationen zumindest in dem gelesenen Teil eine große Rolle spielten und auch sehr genau und detailreich beschrieben wurden, finde ich sehr interessant und darauf hat er sich glaube ich im Juni bei der Angelika Reitzer Veranstaltung auch bezogen.

2012-06-17

Mit der „Mimi“ zum offenen Bücherschrank

Filed under: Uncategorized — jancak @ 02:49

Nachdem ich den Samstag bis vier schreibend und bloggend verbracht habe, bin ich die Mariahilferstraße hinaufmarschiert und dort, bevor ich die Iris getroffen habe, für eine knappe Viertelstunde im Thalia verschwunden, habe mich durch die Bücherberge durchgeschaut und den Verkäufer einer Dame Peter von Tramin empfehlen hören „Das ist ein inzwischen unbekannter Doderer-Zeitgenosse!“ und auf dem Österreich Tisch lag alles auf, „Chucks“, „Ich nannte ihn Krawatte“, etc und Carla Federicos Bücher gab es in zwei Teilen weiter hinten auch.
Die Iris hat mich ins Experimental Sushi Lokal eingeladen, wo es ganz exquisite Sachen gab, dann sind wir zur Grundsteingasse hinaufgewandert, wo um sechs ein Straßenfest eröffnet wurde und die Juni Lesereihe vor dem Bücherschrank begonnen hat. Frank Gassner hat gerade alles aufgebaut, ein Herr mit einer großen Tasche beklagte sich bei zuerst über einen Radfahrer, der ihm am Bedienen des Bücherschrankes hindern würde, er räumt aber ohnehin viel hinein, dann über die, die in der Nacht mit dem Taxi angefahren kommen und die Schränke ausräumen, um die Bücher zu verkaufen. Ein immer wieder gehörtes Gerücht, das man sehr oft vor den Schränken erzählt an das ich nicht glaube, Bücher sind meiner Meinung nach unverkäuflich und sehr viel Herumwühlen habe ich die Leute auch nicht sehen. Dann kam Ruth Aspöck mit Robert Eglhofer und legte eine kleine Auswahl ihrer Verlagsproduktion hinein, darunter zweimal die Donaugeschichten II, wo meine „Simona“ enthalten ist. Da hatte ich gleich noch ein Geschenk für die Iris. Das schwarze Leiberl von der Krimi-Nacht habe ich als passendes Out-fit angehabt und das trug ich auch 2007 in Vilshofen, bei unserer Radkarawane, als ich im Rathaus dort, die Donaugeschichten präsentierte.

Ein paar bekannte Gesichter, so der ehemalige Lebensgefährte der Marianne Fritz, den ich vor einigen Monaten im Republikanischen Club kennengelernt habe.
Josef Rieser, der eifrige Veranstaltungsbesucher und Dichter aus der Arbeitswelt erschien und verschwand alsbald, weil er ins Theater mußte. Dann begann Helge Streit mit seiner Lesung von dem ich eigentlich noch nicht sehr viel wußte. 1966 geboren, verschiedene Preise und Stipendien und einen Text mit dem interessanten Namen „Kafkas Reisen“. Das zog einige Leute an und entpuppte sich als ein türkisches Reisebüro am Brunnenmarkt, wo der Text auch spielt. Es kam aber bald ein Pladoyer gegen das Erzählen und das Plotten, weil das Thomas Bernhard auch nicht wollte. Der Bücherschrank kam in dem Text aber vor, ein verhinderterter Bankunfall, das Reisebüro das Reisen nach Istambul, Ankara etc anzubieten hat und noch einiges mehr.
Dann kam eine Pause, wo man in die Galerien in der Grundsteingasse schauen konnte. Christian Katt erschien und später Rudolf Lasselsberger, aber das war erst nach meiner Lesung aus „Mimis Bücher“. Ein bißchen schwierig scheints mit dem Mikrofon gewesen zu sein, weil ich offensichtlich zu klein. Ich habe aber die vorbereiteten drei Szenen gelesen, die sowohl Martha Rottenfeld, als auch Johannes Staudinger und Mimi-Bella vor dem Bücherschrank kommen, wo noch die weißen Laschen auf die Bücher geklebt werden, die es erfreulicherweise nicht mehr gibt, dann noch die geplante Seite aus den „Berechtigten Fragen“ zu Elfriede Gerstls achtzigsten Geburtstag, um zu zeigen, was für Gustostückerln man im Bücherschrank finden kann und wie fantastisch diese Bücher Routaden sind und stellte die „Mimi anschließend hinein. Als kleines Geschenk an die Allgemeinheit, es hat sich aber, glaube ich, niemand darum gerissen.

Nur Rudi Lasselsberger, der ein T-Shirt trug auf dem seine Verlagsproduktion aufgedruckt war, tauschte sein neuestes Buch gegen die „Frau auf der Bank“ mit mir. Er hat auch Postkarten auf dem seine Bücher aufgedruckt sind. Acht gibt es schon, das letzte heißt „Abraxas“ und hat Zeichnungen von Erich Sündermann und Text vom Dichter, zehn ISBN-Nummern hat er sich gekauft, die produziert er alle, fleißig, fleißig.
Während der zweiten Pause konnte ich ein bißchen das Marktleben beobachten. Der Brunnenmarkt hatte seine Standln schon zugesperrt und bevor die Müllabfuhr erschien, durchsuchten eine Dame noch schnell die Abfallkisten und Peter Krobath, den ich, glaube ich, 1987 gemeinsam mit Rudi Lasselsberger in Linz im Jägermayerhof kennenlernte, las aus dem „Lexikon der Sabotage“. Das sind irgendwie umgekehrte Geschichten zur Arbeitswelt, solche wo sich die Arbeiter an ihren Chefs rächen, Autoersatzteile klauen und auf E-bay verkaufen. Versandarbeiterinnen Zetteln in die Pakete legen, die Kunden sollen doch nicht bitte bei dieser Firma kaufen. So was habe ich schon mal gehört, bei einem „Tag der Freiheit des Wortes“ wurde von Erika Kronabitter etwas Ähnliches gelesen. Dann gabs noch Absagebriefe „Sehr geehrte Firma! Leider kann ich es mir nicht leisten, mich bei Ihnen zu bewerben. Das ist nicht persönlich gegen Sie gemeint und ich wünsche Ihnen trotzdem alles Gute!“
Langsam wurde es dunkel. Frank Gassner wies auf die nächsten zwei Mittwochtermine hin, wo jeder fünf Minuten lesen darf und einen Termin zur Abschlußlesung gewinnen kann und wir fuhren mit der Straßenbahn zur Galizinstraße, machte die Ly, die ich am Donnerstag im Museumsquartier traf, ja ein Grillfest und hat uns dazu eingeladen, so daß wir uns als süße Nachspeise zu den experimentellen Maki, Erdbeeren, Bananen, Ananasstückchen oder Kirschen in den Schokobrunnen tauchen, lecker, lecker, lecker und nur die Ly war enttäuscht, daß wir am Nachmittag das experimentelle Apfelstrudel-Sushi versäumten. Als die Runde der viel Jügeren „Wehrwolf“ zu spielen begann, übers richtige Plotten hat sie sich vorher auch eine junge Frau unterhalten, sind wir gegangen, bzw. mit der Nacht-U-Bahn nach Haus gefahren. Es war ein schöner Abend und in Wien war in der Nacht auf den Sonntag sehr viel los.
Dazu passt vielleicht ganz gut der Link zum Osterspazierging in Neulerchenfeld, wo auch beim Schrank gelesen wurde und Christian Katt zu sehen ist.
Und hier das Video von der Lesung.

2012-04-25

Gibts den Autor noch im Netz?

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:04

So lautet die Frage, die momentan nicht nur Gerhard Ruiss von den IG Autoren beschäftigt, von den Fantasien Andreas Eschbachs wie es wäre, wenn das Urheberrecht verschwunden oder nur noch auf fünf Jahre beschränkt ist, wie es in Deutschland offenbar die Piraten wollen, habe ich ja schon berichtet. Für mich eine Horrorvorstellung, den Neoliberalisms diesbezüglich auszuweiten, daß man sich für einen Lesekreis bewerben muß und der Autor nimmt dann nur die tausend besten, die ihm zu Gesicht stehen oder das meiste zahlen. Verständlich, daß sich ein Autor sowas wünscht und weit ab von der Realität der offenen Bücherschränke und der Aktion zum Welttag des Buches wo an die Million Bücher einfach so verschenkt werden. Trotzdem bewet die Urheberdebatte die Gemüter und die GAV bzw. der republikanische Club lud zur Urheberdisskussionen ein. Nicht das erste Mal, vor drei Jahren während des Bachmannpreises, bin ich ja schon einmal bei einer diesbezüglichen Veranstaltung gewesen und Gerhard Ruiss, der vor einigen Tagen übrigens Professor wurde, ist diesbezüglich überhaupt besonders aktiv. So hat er zu einer Unterschriftenaktion „Her mit der Festnetzabgabe“ aufgerufen, die Aktion „Kunst hat Recht“ gestartet und die Diskussion „Gibt es im Netz noch den Autor und die Autorin?“ mit Sandra Csillag von der Literara mechana, Gerhard Ruiss, Jörg Piringer und Hans G. Zeger klingt auch interessant.
Am Dienstag um 19. 30 hatte ich mir in meinem Kalender eingetragen, aber auf den ausgedruckten Einladungen stand Beginn 19 Uhr und als dann noch die GAV eine Erinnerung schickte, bin ich nach einem praxisintensiven Tag losgestartet, dann lange neben Ruth Aspöck gesessen und habe mich mindestens eine halbe Stunde mit ihr unterhalten, wie der Poetry Slam in Krems war, an dem sie am vorigen Freitag teilgenammen hat.
Für alle, die es wissen wollen, Andi Pianka hat gewonnen und Tschif Windisch hat ihn moderiert, es gibt also einen regen Poetry Slam Tourismus, den dann immer dieselben, nämlich die Profis gewinnen und die andere bleiben über. Aber diesmal ging es um die Urheberdiskussion. Es war schon halb halb acht vorbei, als Doron Rabinovich die Veranstaltung ankündigte. Dann gab es eine rege Diskussion, die sehr widersprüchlich war, denn die Geschäftsführerin der Literamechana ist natürlich für den Urheberschutz und beklagte auch, daß ihr Fond, der den Autoren mit Pensionen und Sozialhilfe zur Verfügung steht, also ihnen beispielsweise das Begräbnis zahlt, kein Geld mehr hat, da inzwischen niemand mehr kopiert, also muß die Festnetzabgabe her und Gerhard Ruiss brachte wieder seine diesbezüglichen Beispiele. Er ist da ja sehr wortgewaltig und hat auch einen Kampf mit Google Books geführt, während der Medienkünstler Jörg Piringer und Hans G. Zeger es wieder ganz anders sahen. Es gab also eine rege Diskussion und Gespräche bei Wein und Knabbereien, die sehr interessant waren.
Ilse Kilic und Fritz Widhalm waren da und ich bin ins Gespräch mit einem Mann gekommen, dem ich meine Bücher zeigte, der mir auf meine Nachfrage, ob er auch schreiben würde, sagte, daß er der Lebensgefährte von Marianne Fritz gewesen ist.
„Kennen Sie die?“, hat er mich gefragt und mir wahrscheinlich nicht geglaubt, daß ich sie sehr wohl kenne, bzw. mich ein bißchen mit ihr und ihrer Literatur beschäftigt habe, anschließend habe ich mich lange mit Sibylle Summer vom Rebublikanischen Club, die eine sehr liebe freundliche Frau ist und mit Gerhard Ruiss unterhalten, der sich immer noch mit meinen bei Wikipedia herausgestrichenen Büchern beschäftigt und den dafür Zuständigen nicht finden kann und bin etwas verwirrt nach Hause gegangen. Denn das Urhebergesetz hat viele Seiten, vor allem für eine, die außerhalb des Literaturbetriebs steht, aber manchmal zu den sehr schönen Veranstaltungen des republikanischen Clubs geht. So kann ich mich beispielsweise an das Fest vor zwei Jahren erinnern, bei dem an das das berühmte Waldheim-Pferd von Alfred Hridlicka erinnert wurde. Am nächsten Tag habe ich dann erfahren, daß er gestorben ist.

2011-12-13

Alles Gute – ein Umgang

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:06

Wieder einmal Adventwandern durch den siebenten Bezirk, ein liebgewordener Rundgang, den ich nun schon seit einiger Zeit regelmäßig einplane, die Alternative zum Punschtrinken und Weihnachtshorror, wie Bezirksvorsteher Blimlinger, der in der Hauptbücherei eröffnete, launig anmerkte, da denke ich zwar erstens Weihnachtshorror muß nicht sein und zweitens sind die Einkaufsparadiese Mariahilferstraße und Spittelberg auch im siebenten Bezirk, die erstere wenigstens zum Teil und Punsch gibt es bei dem kulturellen Rundgang auch zu trinken. Diesmal hat es wieder in der Hauptbücherei begonnen, was mir irgendwie auch sympathischer ist. Da gab es erstens vorher die Ausstellung der schönsten Bücher zu bewundern, meine Kurzzeitkritikerin JuSophie hat mich einmal darauf aufmerksam gemacht, daß man da einreichen kann, ich habs mit der Mimi, was ja auch ein schönes Buch ist, nicht getan und so nur die Resultate bewundert. Das Buch „Seitenweise“ war darunter und viele andere, wie zum Beispiel der Ernst-Jandl-Katalog von der Ausstellung vom letzten Jahr. Dann ging es schon los und zwar mit der bewährten Musikgruppe Trio Catapult mit Georg Graf, Joe Pinkl und Peter Rosmanith, die gleich mit einer „Schneesand“ genannten Performance begannen. Helge Hinteregger moderierte wieder, das heißt er schrie „Fürchtet euch nicht, es geht zur Kultur!“, zumindest anfangs durch das Megofon und Silvia Bartl, die das Ganze wieder organisierte, sagte mir, daß sie jetzt für eine medizinische Organisation Veranstaltungen organisert und den literarischen Rundgang das letzte Mal macht, Mal sehen wie es weitergeht, wäre schade, wenn es sich das auch verändert, aber erst einmal ging es wie gewohnt vorstatten.
Zur Wiederholung für die die es noch nicht wissen. Da geht man von fünf bis zehn die kulturellen Veranstaltungsorte des siebenten Bezirkes ab, es gibt ein halbstündiges Kulturprogramm und im Anschluß Kekse, was zum Trinken, gelegentlich auch Würstl oder Semmeln mit Aufstrich. Der Rundgang wird auch immer beliebter, das heißt es nehmen von Jahr zu Jahr immer mehr Leute daran teil. So gab es auch eine Menge Gespräche, aber viele der Leute habe ich nicht gekannt und denke sie gehören nicht zum üblichen Literaturpublikum. Es ging weiter zum Theater Spielraum in der Kaiserstraße, da gab es diesmal ein Puppenspiel mit dem Knopfmacher und der Stille. Die Stille war überhaupt ein Thema das noch öfter kommen sollte. Das nächste war aber eine Galerie in der Westbahnstraße und die zeigte Bilder von Helmut Swoboda „Das Große hinter dem Sichtbaren“, das heißt auf dem ersten Blick scheint es, es wären graue Farbflächen, sie tragen aber Titel, wie Dachstein oder Gosausee und wurden zum Teil dort auch skizziert.
Im Literaturhaus gab es einen Bekannten, nämlich Bernhard Strobel mit einer Weihnachtsgeschichte aus „Nichts nichts“, die sehr beeindruckend war, auch wenn sie nicht ganz gelesen wurde. Ein alter Mann, depressiv und grantig, kauft sich einen Christbaum, läßt ihn aber stehen, weil er ihn nicht mehr tragen kann, dann blickt er ein bißchen durch die Fenster zu den Weihnachtsfeiern der anderen Hausbewohner und beobachtet ihren Streit, er will an einer Tankstelle was trinken, rutscht aus, prellt sich die Schulter und trifft in der Ambulanz einen Schulkollegen und ehemaligen Zahnarzt, scharf beobachtet, das Elend der Welt von einem sehr jungen Mann. In der Medienwerkstatt ging es wieder um die Stille. Es wurde dabei ein Portrait des Filmemachers Michael Pilz gezeigt, den ich einmal in St. Pölten kennenlernte und der auch den Marianne Fritz Film gedreht hat. Im 7Stern, dem Lokal der KPÖ sangen die rostigen Edelweiß Weihnachtsjodler, was mich ein wenig wunderte, aber interessant war. In der Fleischerei erinnerte Eva Brenner an Peter Kreisky, der immer dort war und erzählte, daß sie den Spielort aufeben muß, weil die Subventionen sehr gestrichen wurden, ich glaube, sie hat schon im letzten Jahr soetwas angedeutet. Es gab dann ein paar Szenen aus dem Jelinek Stück „Die Kontrakte des Kaufmanns“, dann ging es weiter zu einem neuen Ort, nämlich einer Freilichttheateraufführung vor der St. Ulrichs-Kirche. Mica war wieder bekannt, da gab es dann die Würstl und ein Musikprogramm, von dem ich nicht sehr viel mitbekommen habe, weil ich ganz hinten gestanden bin, dafür war aber der Punsch sehr süß und gut. Und am Schluß gab es wieder zwei Stationen im Museumsquartier, nämlich eine Ausstellung über den australischen Architekten Glenn Murcutt im Architekturzentrum und dann noch eine Performance im Tanzquartier.
Dazwischen kam ich natürlich bei den Bücherschränken vorbei und da gab es in der Westbahnstraße ein ganz besonderes Schmankerl, nämlich Agnes Suppers „Die Familie Pfäffling“ aus dem Jahr 1943. „Kriegsweihnacht 1944 von deiner Großmutter“ hat jemand hineingeschrieben und Agnes Supper ist, glaube ich, auch die Großmutter von Hilde Langthaler und Mutter von Theodor Supper, dessen „Kettenreaktion Kontra“ ich gelesen und nicht verstanden habe. Und da noch „Eine deutsche Wintergeschichte“ als Untertitel steht, werde ich mich bemühen, das Buch, das 1906 geschrieben wurde, als zweites Weihnachtsbuch noch heuer zu lesen und im Wortschatz am Margaretenplatz lag das „Glasperlenspiel“, das wollte ich aber nicht durch den ganzen siebenten Bezirk schleppen, als ich am Heimweg dann doch danach schauen wollte, fiel mir gleich die Tür entgegen.
Und zum eigenen Schreiben ist zu sagen, daß ich „Die Wiedergeborenen“ schon begonnen habe. Die erste Szene, acht Seiten sind geschrieben. Jetzt wird es zu Marianne nach Salzburg gehen und die Stimme der Großmutter Rosa kommt aus einem Tagebuch, das Theresa im Kabinett findet.
Und hier das Archiv 2008, 2009, 2010

2011-12-04

Die Zimtläden

Filed under: Uncategorized — jancak @ 20:57

„Die Zimtläden“, des 1942 im Ghetto von Drohobycz von der Gestapo ermordenten Bruno Schulz sind, wie in der Buchbeschreibung steht, “ phantastische Erzählungen, in dem die versunkene Welt des galizischen Städtchen lebendig werden“ und Isaac Bahevis Singer schreibt „Manchmal schrieb er wie Kafka, manchmal wie Proust, und mit der Zeit gelang ihm eine Tiefe, die keiner von ihnen erreicht hat“, aber eigentlich ist diese Geschichtensammlung soetwas, wie ein Episodenroman, begegnen wir in den kurzen Geschichten, die Überschriften wie „Die Heimsuchung“, „Die Schneiderpuppen“, „Die Zimtläden“, „Die Kakerlaken“, „Die Krokodilstraße“ etc haben, immer wieder denselben Personen und das ist vor allem der Vater des Heranwachsenden Ich-Erzählers?, dem die seltsamsten Dinge passieren. Er züchtet Vögel auf dem Dachboden des Hauses, unterhält sich mit den Ladenmädchen seines Stoffgeschäftes, hält ihnen „Traktate über die Schneiderpuppen“ und wird von dem Hausmädchen Adela, das uns auch immer wieder begegnet und viel plastischer als die Mutter geschildert wird, angestupst und gekitzelt, so daß er lachend und kreischend aus dem Zimmer entflieht.
„Damals bemerkten wir alle, wie der Vater von Tag zu Tag schrumpfte – wie eine Nuß die in ihrer Schale vertrocknet“
Das Hausmädchen scheint überhaupt eine große Macht über den Vater zu besitzen, „es kehrt das graue Kehrichthäufchen, das sich in der Enge ansammelt jeden Tag zum Abfall“ und eine Geschichte, wo sich der verschwindende Vater, in eine Kakerlake verwandelt, gibt es auch.
In der Biografie Bruno Schulz ist von dem Stoffgeschäft des Vaters, das 1910 wegen schwerer Krankheit und Konkurrenz aufgelöst werden mußte, die Rede und das jüdische Stättel wird wohl am ehesten in der „Krokodilstraße“ beschrieben. Phantastisch und surreal sind die Geschichten allemal, womit ich meine Schwierigkeiten habe und das, ich gebe es zu, auch nicht so gerne lese, aber die „Zimtlädchen“ von Bruno Schulz haben auch ihre eigene Geschichte.
2008 sind sie von Doreen Daume neuübersetzt wieder erschienen, da hörte ich im Ex Libris davon und wollte auch zur Präsentation ins Literaturhaus gehen, gegangen bin ich dann zu Cornelia Travniceks „Die Asche meiner Schwester“ in die Nationalbibliothek. Doreen Daume habe ich aber bei der „Literatur im Herbst“ in diesem Jahr kennengelernt und heuer ist der zweite Geschichtenband „Das Sanatorium der Sanduhr“, auch von Doreen Daume übersetzt, erschienen und wurde im Frühjahr in der Gesellschaft der Literatur vorgestellt und an dem Tag im Februar, als ich meine hundert Bücher-Liste erstellte und danach in die Alte Schmiede zu einer Marianne Fritz Veranstaltung ging, habe ich in dem inzwischen einzigen Buchgeschäft auf der Wiedner Hauptstraße „Die Zimtläden“ aus einer Abverkaufskiste gezogen, um zwei Euro gekauft und auf Platz zweiundsiebzig auf meine Leseliste gestellt. Jetzt habe ich die skurrilen Geschichten gelesen, mir bei der Phantastik ein wenig schwer getan, so daß mich die Realistik des Essays von David Grossmann und die Anmerkungen von Doreen Daume fast mehr „faszinierten“, aber die Lebensgeschichte des 1892 in Drohobycz/ Gallizien geborenen Bruno Schulz ist ja auch sehr interessant. Sohn eines Stoffhändlers, der Maler werden wollte, der Erzählband ist auch sehr phantastisch von ihm illustriert, aus finanziellen Gründen mußte er aber Architektur studieren und war durch die Krankheit und dem Tod des Vaters auch gezwungen als Zeichenlehrer zu arbeiten.
Doreen Daume schreibt in ihrem Nachwort, daß er ausgezeichnet Deutsch beherrschte und drei Jahre lang in Wien gelebt bzw. gemeldet war und dort auch Architektur studierte. David Grossmann erwähnte eine Geschichte, daß der schüchterne Zeichenlehrer am Ostersonntag 1933 mit seinem Manuskript in einem Warschauer Künstlerhotel auftauchte und dieses einer berühmten Schriftstellerin geben will, die Kontakt zu einem renommierten Verlag hat, die dann von den Geschichten auch gleich sehr begeistert war.
Irgendwoanders steht geschrieben, daß die Verlage doch nicht so viele surreale Geschichten haben wollten und daß es auch mit den Übersetzungen schwierig war, obwohl sich Bruno Schulz schon in den Dreißigerjahren darum bemühte und einen Brief an einen in Wien lebenden Lemberger Anwalt schrieb. Er war dann aber doch ein berühmter Dichter, hat als Zeichenlehrer in einem Gymnasium gearbeitet und dort wohl auch Schwierigkeiten, sich bei den Schülern durchzusetzen. So interviewte David Grossmann 2008 einen ehemaligen Schüler, der erzählte, daß Schulz, um sich bei den Schülern durchzusetzen, diesen die ganze Zeit phantastische Geschichten erzählte, gezeichnet hätten sie nicht sehr viel bei ihm. In der Geschichte „Zimtläden“, wo der Ich-Erzähler mit den Eltern ins Theater geht und nach Hause geschickt wird, um das Portemonnaie des Vaters zu holen, kommt auch ein Professor vor, bei dem die Schüler nicht sehr viel zeichnen.
Und ein Augenzeuge bei der Aktion 1942 im Ghetto, wo die Gestapo wild auf Juden geschoßen hat, der den toten Schulz auf der Straße liegen sah, wird von David Grossmann auch zitiert. Eine andere Legende gibt es, daß Schulz der Schützling eines SA-Mannes war, dessen Villa er ausmalte bzw. mit Zeichnungen illustrierte und ein anderer SA-Mann ihn aus Rache erschossen hat.
„Sie haben meinen Juden getötet – Ich habe Ihren getötet.“, soll er gesagt haben.
In dem Buch gibt es auch einen Text von Bruno Schulz „Die Mythisierung der Wirklichkeit“ in dem „Das Wesen der Wirklichkeit ist der Sinn. Was keinen Sinn hat ist für uns nicht wirklich“ steht und dann mit „Die Poesie erkennt diesen verlorenen Sinn wieder“ weitergeht und mit „Philosophie ist eigentlich Philologie, sie ist die tiefgreifende, erschöpferische Erforschung des Wortes“ endet und ein Expose über das Buch „Zimtläden“ von Bruno Schulz gibt es auch.
„In diesem Buch wird der Versuch unternommen, die Geschichte einer Familie, eines Provinzhauses nicht aus ihren realen Elementen, aus Begebenheiten, Charakteren und den wirklichen Geschicken heraus zu begreifen, sondern über diese hinaus nach einem mythischen Gehalt, nach dem letzten Sinn der Geschichte zu suchen.“
Schöner als es der Autor tat, läßt sich das wohl nicht beschreiben. Ich interpretiere es mir trotzdem aus der Bigorafie heraus, auch wenn bei Wikipedia die mythologischen Deutungen entschlüßelt werden, so daß man die Rezeptionsgeschichte nachlesen kann, das, was ich aus der Biografie herauslese, erscheint mir klar verständlich, so daß ich mich die Lektüre und das, was ich bisher über Bruno Schulz las und hörte, sehr beeindruckt hat.

2011-09-16

KAFF auch Mare Crisium

Filed under: Uncategorized — jancak @ 12:07

Wieder einmal herrscht Ratlosigkeit, denn kann ich ein Buch, das ich, als realistische Autorin und Nicht-Germanistin, nicht verstanden habe, besprechen?
Arno Schmidt 1914 geboren, 1979 in Celle verstorben, gilt als großer der deutschen Nachkriegsliteratur, es gibt eine Arno Schmidt Stiftung und auch eine „KAFF auch Mare Crisium“-Website, die sich dem 1960 entstandenen Buch widmet.
Seit 1958 fand ich in Wikipedia, entwickelte Arno Schmidt seine theoretischen Überlegungen zu Prosa und Sprache, setzte sich mit James Joyce und Sigmund Freud auseinander und suchte diese Überlegungen in „KAFF auch Mare Crisium“ umzusetzen, das formal als Bindeglied zwischen dem Früh und dem Spätwerk gilt.
„Drei Personen auf dem Lande in Betrachtung des Mondes. Ein Endspiel zwischen dem Alltag der fünfziger Jahre und ihrer Futurologie. Angestelltenträume im Kalten Krieg. Arno Schmidt als Realist und Phantast in einem“, steht auf der Buchrückseite, also dort wo man sich Informationen holt, wenn man wissen will, was in dem Buch steht und vielleicht noch keine Informationen über den Autor hat.
„Ein sechsundvierzigjähriger macht mit seiner Freundin einer Designerin, einen Automobilausflug: mit der Isetta von Nordhorn nach Giffendorf in der Lüneburger Heide. Dort bewirtet sie Tante Heete, die lebensfrohe, aber etwas vereinsamte Witwe. Das ist die ganze Geschichte. Sie erzählt vom Wirtschaftswunder, das an den kleinen Angestellten vorbeigeht, und von den erotischen Obsessionen unseres Alltags. In ihrem Kern birgt sie ein Stück-Science-fiction, eine Utopie, die auf den Ungeist des Kalten Krieges reagiert: „KAFF“ ist ein literarisches Prisma der westdeutschen fünfziger Jahre“, ist die weitere Buchbeschreibung.
Das Ganze spielt in zwei Handlungsebenen, die sich im Druck voneinander unterscheiden, aber inhaltlich verschränkt sind, entnehme ich Wikipedia.
Die Erste ist der Besuch bei Tante Heete, das zweite die utopische Geschichte, die 1980 auf dem Mond spielt, weil die Erde nach dem Atomkrieg unbewohnbar geworden ist.
So weit so klar und auch verständlich. Dann nimmt man das Buch, schlägt es auf und hat diese zwei Ebenen auf dreihundertsechzig Seiten vor sich, die sich abspulen, wie ein gigantischer Monolog und noch dazu in einer Sprache, in der die Rechtschreibung völlig aufgehoben ist, bzw. sich Arno Schmidt einer eigenen bedient, Satzzeichen, Ausrufungszeichen etc kommen vor und auch der Satz „Wer nach „Handlung“ und „tieferen Sinn“ schnüffeln oder gar ein „Kunstwerk“ darin zu erblicken versuche sollte, wird erschossen.“
Und der unbedarften Leserin, die verstehen will, kommt es trotz der Hintergrundinformationen vor, wie der Sprung in eine gigantische Sprachspirale, die vom Hundersten ins Tausendste hinunterassoziiert. Die deutsche Geschichte, der Kalte Krieg, Konrad Adenauer und auch das Nibelungenlied kommen vor. Das entnahm ich Wikipedia, aus dem Buch selber habe ich nur kapiert, daß Krimhilde „Cream-hilled“ geschrieben wird.
Was tut die unbedarfte Leserin, die gewohnt ist, aus dem Text die Handlung zu verstehen und versucht sie durch Strukturen zu erfassen?
Meistens geht das auch, bei Richard Obermayrs „Gefälschen Himmel“ vor ein paar Jahren, war es etwas schwierig, da habe ich ebenfalls drüber gelesen, als ich bemerkte, daß ich den Inhalt nicht erfassen kann, denn die Zeit mich eingehender mit Arno Schmid zu beschäftigen, als mich in die Website einzuklinken habe ich oder nehme ich mir nicht.
So habe ich gedacht, das ist ein interessanter Autor, der durch das Konstruieren der verschiedenen Handlungsebenen und dem Kreieren einer eigenen Sprachgewalt, wahrscheinlich ein Kriegstrauma und die Ereignisse in Westdeutschland um 1950 und die Angst vor dem Atomkrieg bewältigen will.
Ich habe mir auch gedacht, daß ich mir vorstellen kann, selbst ein solches System zu erfinden, die Science fiction Autoren, erschaffen ja auch eigene Welten, machen das nur vielleicht ein wenig verständlicher.
Darum scheint sich Arno Schmidt nicht gekümmert zu haben. Ich habe das Buch zu Ende gelesen, allerdings zunehmend schneller, nachdem ich begriffen habe, daß ich nicht mehr weiß, worum es geht.
Gelesen hab ichs, weil ich das Buch vor einem Jahr im Bücherschrank gefunden habe und mir der Name des Autors natürlich ein Begriff war. Es gab einmal eine Sendung in den Tonspuren über ihn, voriges Jahr wurde, glaube ich, „Zettels Traum“ neu aufgelegt und auf der Buchmesse darüber berichtet und bei den Textvorstellungen, wo sich Michael Stavaric mit „Seelandschaft mit Pocahontas“ beschäftigt hat, was als Hörspiel diese Woche übrigens in Ö1 war, bin ich auch gewesen.
Ich bin ja eine Leserin mit einem relativ weiten Literaturbegriff, obwohl mich das Realistische mehr anspricht, interessiert mich auch, wie andere Autoren schreiben. Kann Arno Schmidt mit einem „Interessant aber unverständlich!“, stehen lassen und auch, daß er ein großer Autor ist.
Generell stellt sich natürlich die Frage, für wen er geschrieben hat und wer ihn liest?
Bucht man heute ein Schreibseminar, hört man als Erstes, man muß verständlich und für seine Leser schreiben.
Muß man natürlich nicht. Selbstverständlich, aber wer wird Arno Schmidt lesen und ihn verstehen? Ich habe das Erste schon, das Zweite nicht getan, werde die KAFF Mare Crisium Seite also schließen und am Nachmittag zu „Rund um die Burg“ gehen. Wahrscheinlich habe ich dann einige Kommentare von „JuSophie“, „Ich mach mir Gedanken“ oder anderen kritischen Geistern, die mir erklären, daß man über ein Buch, das man nicht verstanden hat, nicht schreiben darf!
Darf man es lesen, wenn man es findet und darf man, wie das Kind bei den neuen Kleidern des Kaisers sagen, „Das verstehe ich nicht?“, während die anderen, die sich nicht blamieren wollen, den Prunk und die Juwelen loben?
Im Internet habe ich gefunden, daß Schmidts Werk bei Publizistik und Literaturwissenschaft rühmende Beachtung aber auch Zweifel gefunden hat. So hat Walter Jens seinen Stil einmal für „Blödsinn“ gehalten. Ich finde das nicht und weiß auch nicht, ob Arno Schmidt das Entwerfen seiner Welten Spaß gemacht hat oder, ob es für ihn Traumabewältigung war? Bei Wikipedia habe ich auch etwas von Humor gefunden. Interessant auch, daß seine Bücher immer noch erhältlich sind. Marianne Fritz, die ja eine ähnlich gigantische Literaturwelt hat, wird, wie ich im Februar in der Alten Schmiede hörte, nicht mehr aufgelegt. Wer wird die Bücher lesen? Die Studenten natürlich, die besuchen wahrscheinlich auch Proseminare und schreiben Diplomarbeiten und Dissertationen darüber. Was macht der Durchschnittsleser, wenn er ein solches Buch findet? Legt er es weg, schimpft er darüber, lobt er es, etc?
Ich bin keine Durchschnittlsleserin, lese auch literarische Einzelgänger und finde es spannend, wenn die ihre literarischen Welten und ihre Sprachkritiken erschaffen.
Und da sich meine Leser immer daran stoßen, daß ich mich beispielsweise nicht an die S-Schreibung und die Beistrichregeln halte, würde mich interessiere, was sie zu Arno Schmidts Orthografie sagen?
Dann hat mich interessiert, was die Durchschnittleser zu Arno Schmidt meinen, wenn sie sich das trauen und ein wenig nachgegooglet. Da gibt es nicht sehr viel, die Rezension von Jens Fleischhauer ist aber sehr interessant. Interessieren würde mich natürlich, wie der literarische Außenseiter zu seinem Ruhm und seiner Stiftung kam? Unverlangt eingeschickt wird er seine Werke wahrscheinlich nicht haben, denn dann hätte er höchstwahrscheinlich keine Antwort oder Hinweise, daß die Ortographie nicht stimmt und die Handlung unverständlich ist, bekommen.
Interessant dazu ist, in einem ganz anderen Zusammenhang Andreas Eschbach Artikel „Ich habe mein Roman fertig, wohin soll ich ihn schicken“, die Stelle, wo er von den vielen schlechten unverlangt eingesandten Texten, die sich bei einem Verlag sammeln, schreibt. In die würde ich auch gern einmal Einsicht nehmen und da sind wir bei der Frage, wie man die Spreu vom Weizen trennt?
Welche Kriterien es dafür gibt und ob man das wirklich kann? Ich habe da meine Zweifel, obwohl ich Arno Schmidt für einen großen Autor halte. Anni Bürkl hat einmal von der Kompetenz des Kritisierens gesprochen. Das Buch ist aber veröffentlicht, also der Rezeption freigegeben und ich höre die Autoren immer sagen, daß ihnen dann das Buch nicht mehr gehört und jeder seine Meinung äußern darf.
Ich lese, wie meine Leser wissen sehr viel, von Arno Schmidt bis zu Hera Lind, meistens ist Verständliches darunter. Arno Schmidt war mein bisher schwierigster Fall, wenn ich so sagen darf. Den Ulysses habe ich nicht gelesen. Ich wollte es, als ich aber dazu kam, hat mir die Anna das Buch weggetragen.
Über Richard Obermayr, der sicher viel verständlicher ist, habe ich schon geschrieben. Bei Theodor Sappers „Kettenreaktion Kontra“, der ein Onkel von Hilde Langthaler ist, ist es, glaube ich, ähnlich.
Auch ein literarischer Einzelgänger, der den Krieg auf theoretische Art und Weise bewältigt hat, nicht so bekannt, wie Arno Schmidt, sondern in Wien Volkshochschullehrer auf der Urania, seine Nichte, hat die Herausgabe des Romans, 2006 durchgesetzt. Da ich damals in der Szene Margareten Thalia Buchgutscheine gewonnen habe, habe ich das Buch gelesen. Wieder viel zu schnell und es nicht verstanden, obwohl es viele Anmerkungen darin gibt. Damals gab es noch den Lesezirkel in der Hauptbücherei, wo man aufgefordert wurde, ein Buch vorzustellen. Ich hätte es mir sogar vorstellen können, mich mit dem Buch mehr auseinanderzusetzen. Jessica Beer hat abgewunken, weil viel zu schwer für das Publikum!
Da sind wir immer noch bei der Frage, was soll, kann, darf man in Zeiten der Pisakrise und des wachsenden funktionalen Analphabetismus lesen?
Alles natürlich, ganz klar, nur, wie geht es einem Gastarbeiterkind oder einem Immigranten, wenn er Arno Schmidt im Bücherkasten findet? Vor zwei Jahren gab es bei literaturcafe.de, eine Aktion, wo drei Autoren einen „Schlechten Text“ zusammenbastelten, für den Rest des Romans haben sie Kaptiel aus anderen Romanen genommen, (war Arno Schmidt dabei?) und das an die Zuschußverlage geschickt.
Was passiert, wenn ich ein Kapitel von Arno Schmidt unverlangt an die Verlage schicke? Bleibt es im Keller liegen, schreibt mir die Praktikantin „Aber das ist doch „KAFF auch Mare Crisium“, ich habe meine Diplomarbeit darüber geschrieben!“ oder wollen die Zuschußverlage zehntausend Euro dafür haben?
Ob Arno Schmidt-Spezialisten unter meinen Lesern sind, weiß ich nicht. Wenn jemand das Buch gelesen hat und mir schreibt, wie es ihm dabei gegangen bin, finde ich das schön.

2011-03-11

Neuigkeiten und Schreibkritik

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Bei meinen Bemühungen mit dem neuen Roman weiterzukommen, habe ich auf zwei Neuigkeiten vergessen.
Erstens gabs die Nachricht über die neue Volksstimmeanthologie „Linkes Wort 2010 – Abgeschoben. Rassismus Republik Österreich.“, in der meine „Schmerzansichten der Kätzin Murana“ enthalten sind. Da war ja jetzt lange nichts zu hören. Beim Volksstimmefest 2009 hat mir Roman Gutsch glaube ich schon am Sonntag die Korrekturfahnen, da habe ich den Beginn der „Sophie Hungers“ gelesen, gegeben und das Buch ist im November erschienen. An dem Tag, an dem ich zu dem Interview ins Funkhaus für meine Textesendung am 23. November gegangen bin, lagen die Belegexemplare schon im Postkasten und im Dezember gabs die ersten Präsentationen. Diesmal kam aber nichts. Als ich Christoph Kepplinger im Dezember danach fragte, meinte er, daß es noch dauert und als ich ihm bei der Marianne Fritz- Veranstaltung vor ein paar Wochen in der Alten Schmiede traf, sagte er dasselbe. Jetzt sind doch die Korrekturfahnen gekommen. Also gibt es wieder eine Anthologie und eine Veröffentlichung, die ich nicht selber mache, mit der ich einen Pensionszuschuß beantragen oder mich in den PEN aufnehmen lassen könnte. Will ich beides nicht. Aber die Volksstimmeanthologien sind immer schöne Geschenke und interessante Texte gibt es darin auch. Also kann ich das Buch sehr empfehlen, vorbestellen kann man es auch schon und dann gibt es noch etwas zu vermelden, das ich bei Libromanie gefunden habe. Die hat ja vor einigen Tagen von einem Ranking bei wikio.de geschrieben, wo sie bei den besten hundert literarischen Blogs auf Platz vier gekommen ist. Habe ich gedacht, schaue ich nach, ob ich auch darin enthalten bin und habe das Literaturgeflüster auf Platz 43 gefunden.
„In/ad/ae/qu/at“ ist auf Platz 17 und „LeseLustFrust“ auf Platz 33. Finde ich toll, daß mich so viele verlinkt haben und spricht wahrscheinlich schon für literarische Qualität und das ist gut zu lesen, denn ich habe mit meinen Tagebuchberichten bezüglich „Zwillingswelten“ herbe Kritik bekommen, daß ich Schwachsinn schreibe und, daß Menschen, die glauben, daß jeder schreiben darf, der das ein bißchen kann, Schaden anrichten und Ressourcen klauen.
Das finde ich und das habe ich schon öfter geschrieben nicht. Im Gegenteil will ich mit meinen Berichten, in denen ich sehr offen von den Möglichkeiten und Grenzen, Erfolgen, Fehlläufen und Schwierigkeiten schreibe, andere ermutigen es gleich zu machen, weil ich mir, als ich vor fast vierzig Jahren zu schreiben angefangen habe, einen Blog, wie Thomas Wollingers „Schreiben“, schriftsteller-werden.de oder auch das Literaturgeflüster sehr gewünscht hätte. Damals hat es das nicht gegeben und ich habe gegen meine Hemmungen angekämpft und es trotzdem geschafft. Schließlich bin ich Mitglied im größten österreichischen Schriftstellerverein, habe Veröffentlichungen im Wespennest, Freibord, Rampe etc und zumindest, was das Veröffentlichungen meiner zwei Fachbücher betrifft auch keine Schwierigkeiten mit den Publikumsverlagen, wie Fischer TB und Orac. Damals hat das Lektorat problemlos meine Rechtschreibfehler korrigiert, ein paar Preise habe ich auch bekommen und einen meiner Texte in der ersten Österreich-Anthologie, die auf Hindi erschienen ist. Auch wenn ich jetzt meine Bücher selber mache und so altmodisch ich sonst auch bin und nach wie vor fernseh- und handylos durch die Gegend laufe, den Vorteil des Internets habe ich ziemlich bald erkannt und so bin ich seit zweieinhalb Jahren eine Litbloggerin mit Leidenschaft und die 664 Artikel die es inzwischen gibt, bieten eine Fülle von Informationen über den Wiener Literaturbetrieb, die man sonst so leicht nicht finden kann.
Ein Teil des Bloggens ist meinem Schreibtagebuch gewidmet, da habe ich seit 2008 regelmäßig über das Entstehen meiner Bücher berichtet und mache das bei „Zwillingswelten“ jetzt auch besonders intensiv. Das sind aber works in progress, ich berichte dabei offen über meine Schwierigkeiten und ein Romanentwurf ist natürlich unvollendet und am Schluß wird vieles anders sein.
Wenn man nur schnell ins Literaturgeflüster hineinliest, kann es auch sein, daß vieles nicht sofort verständlich ist, was ich da von der Katharina und der Lisbeth schreibe. Für Rückmeldungen und Feedbacks bin ich dankbar, weil so ein konstruktiver literarischer Diskurs entstehen kann. Ich hatte am Anfang auch Bedenken bezüglich meiner Offenheit mit der ich über den aktuellen Schreibvorgang zu einem Zeitpunkt, wo man noch unsicher und verwundbar ist, berichte, denke aber schon, daß man daraus viel lernen kann und wenn auch nur, wie man es besser macht. Denn das ist, glaube ich, das Tolle an den neuen Medien und bezüglich des Schreiben dürfen, bin ich tatsächlich der Meinung, daß das jeder darf, der das will, ermuntere zum Ausprobieren und denke, daß jemand der seine Kreativität benützt, niemanden, weder dem großen Goethe, noch den anderen kleinen oder größeren Profischreibern schadet.
Im Gegenteil, das sind wahrscheinlich auch die Leser und es bieten schon viele Autoren Schreibwerkstätten und Schreibcoachings an.
Also ein bißchen Geduld, wem es interessiert, ist eingeladen den Entstehungsprozeß der „Zwillingswelten“ mitzuverfolgen, über Anregungen, Vorschläge, Ermunterungen freue ich mich. Auch konstruktive Kritik ist jederzeit willkommen. Wem es nervt und langweilt, soll es lassen, wenn die aktuellen Schreibberichte zu unverständlich sind, bitte ich um Rückmeldung und so möchte ich anmerken, daß ich mich in meinen Schreibversuchen noch immer weiterkämpfe. Inzwischen sind ein paar Seiten dazugekommen, mit denen ich noch immer etwas unzufrieden bin. Die Handlung habe ich in etwa festgelegt, es wird drei Teile bzw. Kapitel geben. Das erste „Linz-Trapani Reise in zwei unterschiedliche Vergangenheiten“ ist schon geschrieben. Die Lisbeth-Schiene wird ein Homepagetext mit dem Titel „Friedhof der ungelesenen Bücher“ sein und mit der Nachricht Philomena Richters, daß ein Tagebuch gefunden wurde, enden. Im dritten Kapitel „Evelina Hahnenpichlers Katze“, werden alle in Linz zusammentreffen.
Und um noch ein bißchen Werbung zu machen, weise ich auf die von mir organisierte Frauenlesung am 23. 3. im Amerlinghaus hin und lade alle herzlich dazu ein. Da wird es auch ein work in progress geben, nämlich zwei Szenen aus der „Absturzgefahr“.

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