Literaturgefluester

2017-07-06

Für Kaiser und Vaterland

Im Sommer gibt es immer die Sommerakademie, das ist ein Symposium oder die Saisonabschlußveranstaltung des „Instituts für jüdische Geschichte“, das in St. Pölten in der ehemaligen Synagoge angesiedelt ist und das Programm ist immer dem der Wiener Vorlesungen beigelegt und da es nichts kostet und ich sehr neugierig bin, habe ich mir seit einigen Jahren angewöhnt den Sommer auf diese Art und Weise zu beginnen.

Das heißt, ich war nicht immer dort, denn manchmal war ich schon in meiner Sommerfrische und habe mir das „Bachmannlesen“ angehört, aber einige Male war ich da und zuerst waren die Veranstaltungen auch in der ehemaligen BAWAG, da hat es Kafee und Saft gegeben und meistens hat es vorher mit einem Festakt in der Synagoge begonnen, was für mich auch sehr angenehm war, weil wir da ja meistens in Harland waren.

Dann kam der BAWAG-Skandal, die BAWAG wurde verkauft, der Standort hat gewechselt, zwei oder dreimal wars in der WU, was auch sehr angenehm war, weil ich mich da immer mit dem Alfred zum Essen treffen konnte und heuer ist es im Völkerkundemuseum, einem historischen Ort, einem alten Palais mit schönen Park hinterm Schönbuornpark.

Ich habe da schon einmal gelesen und eine Veranstaltung zum ersten Mai war auch einmal da.

Es gibt immer verschiedene Themen, die sich mit dem jüdischen Leben beschäftigen und jedes Jahr einen Tagungsband dazu, den man um sieben Euro kaufen kann.

Die älteren Bände liegen dann gegen Spenden auf und heuer 2017 geht es um „Jüdische und nichtjüdische Erfahrungen im Ersten Weltkrieg“

Da könnte man nun sagen 1914 ist schon lang vorbei und da war ich auch schon bei diesbezüglichen Veranstaltungen, aber Martha Keil, die Direktorin wollte es nicht zu dem Zeitpunkt, wie alle machen, so gibt es eben erst heuer etwas zum World War I und das passt ja auch, hat der Krieg doch bis 1918 gedauert.

Martha Keil betonte in ihrer Einleitung zuerst den schönen historischen Rahmen und da hat es, glaube ich, auch schon Veranstaltungen des Institutesgegeben, in der WU war die Technik besser, hat sie gesagt und das stimmte wohl auch, denn die Mikrophone haben geknirscht und geknarrt, daß es sogar den Direktor verunsichert hat.

Aber der erste Vortrag vom Professor Schmidl über die jüdischen Soldaten im ersten  Weltkrieg war für mich sehr interessant, vor allem, wie postiv das Soldatentum geschildert wurde.

Wenn man sich mit Karl Kraus beschäftigt hat, sieht das man das ja negativ, daß sich da alle freiwillig und beigeistert gemeldet haben, für die jüdischen Soldaten ist es offenbar, um die Ehre gegangen, des Kaisers Rocks zu tragen und sich freiwillig zu melden und sie waren durchaus nicht wie der Professor sagte Drückeberger und auch nicht nur als Militärärzte tätig, sondern kamen sogar in Offiziersrang und weil die juden gebildeteter, als die anderen Soldaten waren, schreiben und lesen und auch Sprachen konnten, wurden sie oft auch im Verwaltungsdienst eingesetzt.

Tamara Scheer referierte dann über den Sprachgebrauch und das ist ja für mich sehr interessant, die  ich im Vorjahr den „Schwejk“ gelesen habe und mich da mit der Frage beschäftigte, ob der jetzt geböhmakelt hat oder nicht?

Aber ich denke er hat Tschechisch geredet und die ungarischen Soldaten Ungarisch und manche warhscheinlich auch Polnisch was leicht mit dem Jidischen zu verwechseln war.

Ein Referat über die jüdischen Soldten in den russischen Armeen, die durften, glaube ich, nicht Offiziere werden, gab es auch und eines über die Feldrabiner, die auch die deutsprachigen Gymnasien nach Galizien brachten.

Eines über die Hilfsorganisationen und eines über das koschere Essen im ersten Weltkrieg. Da herrschte ja bekanntlich eine Hungersnot, der Weizen fürs Brot kam aus Ungarn, es gab für alles Marken und man hat sich für alles lange angestellt und so war es wahrscheinlich schwer koscher zu essen.

Aber auch die nicht jüdische Bevölkerung, wie zum Beispiel meine Eltern, die ja damals kleine Kinder waren, haben wenig zu essen gehabt und sind später zum Aufpäppeln nach Holland beziehungswweise Belgien geschickt worden.

Mit der Ernährung ist es dann am Donnerstag gleich weitergegangen, bevor es zu den Hilfsorganisationen und der Rolle, die die Frauen dort spielten ging.

Die wurden im Schnellverfahren zu Krankenschwestern ausgebildet und haben sich um die Gefüchteten gekümmert und ein paar Referate haben sich dann auch mit den Kriegsgefangenen und den Zwangsarbeitern beschäftigt.

Dazu hat sogar ein Herr aus der Ukraine einen Vortrag gehalten, bis es dann, worauf ich schon die ganze Zeit gewartet habe, zu den jüdischen Intellektuellen im Widerstand ging.

Da hat Beata Mache aus Duisburg einen beeindruckenden Vortrag gehalten, in dem sie einige Dichter und auch widerständische junge Frauen erwähnte.

Briefe von Stefan Zweig an Romain Rolland wurden gezeigt und mir fällt dazu die Lyrik von Alfred Lichtenstern ein, obwohl ich nicht so genau weiß, ob der jüdisch war und natürlich auch Remarques großer Roman  „Im Westen nichts Neues“, der erst vor ein paar Tagen in der „Alten Schmiede“ in der Grundbuchreihe vorgestellt wurde.

Am Freitag geht es dann mit der Presse und den Künstlern weiter, aber da bin ich schon in Harland und werde mir stattdessen das Bachmannlesen geben und wie es im nächsten Jahr mit der Sommerakademie weitergeht ist auch ein bißchen fraglich, da Christian Ehalt, der die Programme ja immer denen der „Wiener Vorlesungen“ beilegt, in Pension gehen wird.

 

2016-07-07

In die Häuser schauen

Ich bekomme ja immer die Programme für die „Wiener Vorlesungen“ das sind Veranstaltungen zu fast allen Themen, die meist im Wiener Rathaus von Hubert Christian Ehalt initiiert, stattfinden und gehe nur eher selten hin, weil ich mich ja hauptsächlich für Literatur interessiere.

Für Politik und Zeitgeschichte interessiere ich ich aber auch und im Sommer kommt seit einigen Jahren auch immer eine Einladung zu einer Sommerakademie, die das  „Institut für jüdische Geschichte Österreichs“, das in der ehemaligen Synagoge in St. Pölten beheimatet ist, veranstaltet.

Die hat früher in der „Bawag“ stattgefunden und die Eröffnung war meistens in St. Pölten in der Synagoge. Die „Bawag“ wurde aber nach dem Skandal verkauft und das schöne Gebäude bei der Tuchlauben gibt es nicht mehr, so findet die Sommerakademie seit zwei Jahren in der neuen WU statt, was sehr praktisch ist, da ich da ja mit dem Alfred essen kann.

Ich war aber nicht immer dort, weil ich manchmal, wenn sie stattfand schon in meiner „Sommerfrische“ war oder der „Bachmannpreis“ zeitgleich stattgefunden hat.

Heuer durch meinen geänderten Sommerfrischenrhythmus geht es sich aber auch, denn die Veranstaltung zum Thema „Aspekte jüdischen Wohnens vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert“ findet von Mittwoch bis Freitag statt.

So machte ich am Dienstag meinen Praxistag und bin  Mittwoch und Donnerstag in die WU gegangen. Den Freitag, wo auch noch Vorträge sind, werde ich aber auslassen, weil meine „Sommerfrische“ ja heuer, als ein verlängertes Wochenende von Freitag bis Montag stattfindet.

Unter „Jüdischen Wohnen“ da kann man sich vieles vorstellen und ich bin auch mehr an der Zeitgeschichte, als am Mittelalter interessiert, da gebe ich Ruth Aspöck, die ebenfalls teilgenommen hat, recht, aber diesmal war auch die Entwicklung und die Frage, was ein Ghetto ist und wie es zur Gehttobildung gekommen ist, interessant, das wurde in den ersten zwei Vorträgen diskutiert.

Der Erste gab Definitionen, der Zweite erzählte  vom venezianischen Ghetto, das es seit 1516 gibt, also heuer ein Jubiläum hat.

Der Vortragende, Rafael Arnold, aus Rostock zeigte dazu Pläne und lud zu einem diesbezüglichen Symposium, das in Venedig stattfinden wird, ein aber soweit werde ich wahrscheinlich nicht fahren und es wurde nach der Kaffeepause auch zeitgenössischer, ging es da doch  über das Leben und Wohnen im NS-Ghetto.

Das erklärte Christoph Dieckmann anhand der litauischen Ghettos und Ute Fischer erzählte sehr emotional über die Spuren des Ghetto Theresienstadt und damit habe ich mich auch ein bißchen beschäftigt, hat es da ja im Herbst eine Ausstellung über die Musik in Terezin gegeben, dann habe ich mir auch die Interviews mit Benjamin Murmelstein, dem Judenältestens dort angeschaut und diesen Nazi-Propagandafilm habe ich auch gesehen.

Am Schluß des ersten Tages ging es, um die Judenhäuser auf jüdischen Friedhöfen, das waren Samelwohnungen, die es dort gegeben hat.

Ulrich  Knufinke zeigte ein paar  Beispiele aus Leipzig und Berlin und fragte, wie das in Wien gewesen sei, worauf sich eine Dame meldete und erzählte, daß es das am Zentralfriedhof  auch gegeben hat,  sie als Kind dort spielte und sich noch an die Familien erinnern kann.

Am Donnerstag ging es dann wieder kurz ins Mittelalter, beziehungsweise zu den „Judenhäusern“, in Wien befand sich das Judenviertel damals zwischen Judenplatz und Wipplingerstraße und es gab auch Streitereieren zum Beispiel mit dem Stift Klosterneuburg wegen Abflußrohren und dem Abbort.

Im achtzehnten Jahrhundert wurde es dann breiter und eleganter, vor allem die Familien Oppenheimer etcetera hatten ihre Häuser in denen sie mit ihrern Familien und ihren Dienstboten lebten und dann ging es zu den Sammelwohnungen, beziehungsweise  zum „Leben und Überleben in Wien 1938 -1945“, die waren vorwiegend in im ersten, zweiten, dritten, neunten und zwanzigsten Bezirk, als am Donaukanal zu finden, eine berühmte befand sich in der Berggasse 19 und da gab es glaube ich 2003 eine Ausstellung „Freuds verschwundene Nachbarn“ und den entsprechenden Katalog, habe ich, glaube ich, auf einem der Büchertürme der „Literatur im März“ gefunden.

Dazu gab es in St. Pölten auch ein Schülerprojekt in St. Pölten, wo unter dem Titel „Abgemeldet“, das Schicksal der St. Pöltner jüdischen Familien erforscht wurde. Eine Schülerin und ihre Betreuer berichteten darüber und dann gab es noch ein Zeitzeugengespräch zwischen Großvater und Enkel, nämlich dem 1934 geborenen Psychiater und Psychotherapeut Harry Merl, der seine Kindheit in den verschiedensten Sammelwohnungen verbrachte und davon erzählte, wie er sich selbst das Lesen beibrachte, der „Dr. Dolittle“ hat ihn begeistert, mit einem Freund hat er einmal vor der Urania um Geld für eine Kasperlaufführung gebettelt, die energische Mutter hat ihm eine Ohrfeige gegeben, als sie darauf gekommen ist, er hat mit anderen Kindern auch in den Ruinen des Tempels gespielt, dabei seine erste „Geliebte“ gefunden, um die er immer noch trauert, weil sie eines Tages nicht mehr gekommen, sondern mit ihrer Familie verschwunden ist.

Als der Spuk vorüber war, ist er dann in die vierte Klasse Volksschule gekommen, danach in die Haupt und ein Jahr später, in die Mittelschule, wie er sagte und, wie das Gymnasium früher hieß. Dort hat er mit Auszeichnung maturiert und gibt heute noch, wie ich ergooglet habe familientherapeutische Seminare.

Sehr beeindruckend  sein Vortrag und dieses Aspekt des jüdischen Leben und Überleben. Am Freitag geht das Seminar noch mit einigen  sicher auch sehr interessanten Vorträgen weiter. Martha Keil die Direktorin des Instituts wird das Schlußwort halten und hat sich für das nächste Jahr sich sicher wieder schon ein interessantes Akademiethema ausgedach

2014-07-04

Das Ende der Kindheit?

Filed under: Uncategorized — jancak @ 19:34

Ende Juni, Anfafang Juli gibts die Sommerakademie des „Instititus für jüdische Geschichte Österreichs“. Die Wiener Vorlesungen schicken das Programm aus und ich bin immer gerne zu den Veranstaltungen hingegegangen, weil kostenlos und sehr interessant. In der St. Pöltner Synagooge war die Eröffnung, dann fand die Veranstaltung im BAWAG-Gebäude in der Tuchlauben statt, solange es das noch gab, dann wars am Petersplatz und dann wurde es vom Datum geändert, beziehungsweise der Bachmannpreis änderte sein Datum und ich saß die letzten zwei, drei Jahre in Harland in der Sommerfrische und gab mir das Klagenfurter Geschehen per Internet, aber diesmal ist alles anders, die Anna mit dem Auto in Deutschland und hat gerade eine Karte aus Dresden geschrieben, wir in Wien und „Das Ende der Kindheit-Jüdische Kindheit und Jugend ab 1900“ ist interessant und den Bachmannpreis kann ich mir auch im Internet ansehen.
Noch dazu wo die Veranstaltung heuer in der WU im Library and learning Center, also dort wo der Alfred arbeitet stattfindet.
In Wahrheit ist dann alles komplizierter, denn der Alfred veranstaltete am Mittwoch ein Fest für seine Betriebsratskollegen und ich wollte mir nach einem kurzen Essen, die Klagenfurter Eröffnung ab 20.30 geben, das sich ausgegangen, wäre da nicht noch eine Informationsveranstaltung bezüglich des neuen Psychotherapieantragsformulars, gewesen, das ab 1. 7. zwingend ausgefüllt werden muß und da gibt es noch viele Fragen.
Also am Morgen in Richtung Prater losmarschiert, vorher einen Bankstop einlegen, weil da auch noch was zu erledigen war, dann in den kleineren, der beiden Festsäle, im November fand da ja schon ein großes Bibliotheksfest mit einer Führung durch die WU-Anlagen statt und da lag, weil passend zu Reichskristallnacht, ein Folder bezüglich einer Datenbank bezüglich der von der damaligen Hochschule für Welthandel vertriebenen jüdischen Studenten auf, denn in der WU gibt es ein historisches Institut, das sich damit beschäftigt und da hielt dann gleich der Professor die entsprechende Einleitung.
Martha Keil eröffnete, die Ruth, Werner Grüner, meine Hauptschulkollegin Christa Unterauer und noch viele andere bekannte Gesichter waren da, offensichtlich war es verlockend, die neue WU mit ihren archetektonischen Herausforderungen, alles Stararchitekten, kennenzulernen und nach der Einleitung ging es los mit dem Gastvortrag der Hausherren, der zwar nicht allzuviel mit der jüdischen Kindheit, dafür aber mit den vertriebenen Studenten der Hochschule für Welthandel zu tun hatte und da wurde am 8. Mai auch ein Mahnmahl in Form einer Weltkugel eröffnet.
Dann gings los mit der jüdischen Kindheit, das heißt vorerst hielt Till Kössler aus Bochum ein allgemeines Referat über die „Kindheit und Jugend der Moderne“. Dann wurde es konkreter und ging zu den Traumatisierungen, eine klinische Psychologin stellte die „Auswirkungen“ vor, die „sie auf Kinder haben könne“ und bezog sich dabei schon auf die jüdischen Kinder, die nach 1938 verschickt oder in KZs gesteckt wurden.
Nach dem Mittagessen, mit Ruth und Alfred in der „Grünen Hütte“, nachher ging der Alfred heim, sein Fest vorzubereiten, erzählte Tirza Lemberger etwas über die „“Entwicklung des jüdischen Schulwesens in Wien von 1812-1938“ und Hadassah Stichnothe aus Tübingen hielt einen äußerst interessanten Vortrag über die „Jüdische Kinderliteratur der Zwischenkriegszeit“, da gab es viele neue unbekannte Namen von Autoren und Büchern zu entdecken, die inzwischen wahrscheinlich nur mehr in den Bibliotheken oder vielleicht, wenn man Glück hat, im Schrank zu finden sind. Dann wurde es noch interessanter, denn es ging zur „Frau Doktor“ nämlich Eugenie Schwarzwald und ihre Schule. Der Historiker und Direktor der VHS Hietzig, wo es eine Sonderausstellung über sie gibt, hielt seinen Vortrag in Dialogform, was besonders interessant war und damit endete, daß er Eugenie Schwarzwald mit Florian Illies „1913“ auftauchen und nach ihren Namen suchen ließ und weil sie den darin nicht fand, wünschte sie sich ihm in der Nacht als Geist zu erscheinen, um ihm diese Nacht, ob seines Versäumens schlecht schlafen zu lassen.
Am Donnerstag begann dann der neunundachzigjährige Ari Rath der 1938 mit dreizehn Jahren zusammen mit seinem Bruder nach Israel emigirierte, er ist nicht geflüchtet darauf legte er großen Wert, hat ein Buch darüber geschrieben und sehr viel und sehr anschaulich von seinen Erlebnissen erzählt. Die junge Victoria Kumar aus Graz folgte und erzählte was über das „Ausbildungs-und fluchtprogramm der Jugend-Alijah“, die Jugendliche auf ein Leben für den Kibuz aussuchte, aber nicht alle, die emigrieren wollten, genommen hat und alle haben die Veränderung und den Abschied von ihren Familien auch ausgehalten. Phiuliph Mettauer aus St.Pölten war in Argentinien und hat dort die interviewt, die als Kinder mit ihren Familien ausgewandert sind und nach ihren Erinnerungen befragt, er zeigte Bilder von kleinen Mädchen in Lederhosen in Badaussee, ihre Briefe, die sie an den Osterhasen schrieben und auch den „jüdischen“ Weihnachtsbaum, die die assimierten Familien für ihre Kinder hatten. Es ging dann weiter mit Kindern in Konzentrationslagern, Ruth wollte vom Vortragenden dann etwas über Conny Hannes Mayer wissen, der ein Buch über seine Kindheitserinnerungen geschrieben hat, das von der Wissenschaft etwas angezweifelt wurde. Marta Anislewska aus Warschau erzählte von den polnischen Kindern, die sich durch Taufe „befreien“ wollten und dadurch ihre Identität bverloren und der Donnerstag wurde durch Anne D. Peter beendet, die über die „Veralltäglichung der Shoah“ an hand von Fotografien berichtete.
Am letzten Tag kamen dann Wolfgang Gassner und Schülerinnen aus St. Pölten, denn die müßen ja jetzt sogenannte vorwissenschaftliche Arbeiten schreiben und da gibt es ein Projekt mit dem Verein für jüdische Geschichte oder so, wo die Schulpsychologin kam, den Schülern Videos von Zeitzeugen zur Verfügung gestellt wurden und sie dazu über das Ende der Kindheit arbeiten sollten.
Die Kindertransporte nach Skandinavien waren auch ganz interessant und Werner Dreier aus Bregenz berichtete, wie das mit der „Holocaust-Arbeit“ an Schulen geht. Da soll man nicht mehr aus der Täter-Perspektive berichten, nicht mehr „Hitler hat…!“, sagen, sondern an die Betroffenheit der jungen Menschen appelieren, das aber sehr vorsichtig tun, zum Beispiel nicht keinen traumatisierten Serben, der gerade vom Krieg nach Österreich kam, nach Mauthausen zwingen, obwohl der schon sagte, er will jetzt dort nicht hin.
In der Pause ging es mit Ruth, Werner Grüner und dem Alfred ins Krieaus-Beisl zum Fischessen und dann ging die Tagung langsam und allmählich zu Ende. Es gab noch was über das Schicksal unbegleiteter jüdischer Kindheit, über die Juden in der SU und dann noch was zu dem jüdischen Leben im Nachkriegsdeutschland, dann ging die ruth nach Hause, bzw. auf ihre Reise in die Autorenwohnung nach Venedig, wo sie die nächsten vierzehn Tage verbringen wird und Martha Keil gab Ausblicke und Rückblicke. Werner Grüner hatte zwischenzeitlich schon die ganze Zeit gefragt, wieso es nichts über Sonja Franks „Young Austria-Projekt“, bei dem auch die Ruth mitgearbeiter hat gab, das ist ein Projekt der Theodor Kramer Gesellschaft und da kam schon vor längerer Zeit die Rezensionsanfrage. Gestern ist dann das Buch, bzw. noch ein zweites gekommen, der Alfred hat es mir heute morgen aus der Heimtierhandlung, wo es zwischen gelagert war, abgeholt, so daß ich mich demnächst noch ein bißchen weiter mit dem Thema der jungen jüdischen Emigranten beschäftigen kann, aber jetzt geht auf nach Klagenfurt, um nachzuschauen, was ich dort zwischenzeitlich versäumte.

2014-04-22

Zum Begräbnis von Friedl Hofbauer

Filed under: Uncategorized — jancak @ 19:19

Konstantin Kaiser hat mich zu der Verabsciedung von der Schriftstellerin Friedl Hofbauer eingeladen, die am 22. März gestorben ist und die am Dienstag um zwölf am Zentralfriedhof in einem Ehrengrab erfolgte.
Nun habe ich, die am 19 Jänner 1924 in Wien geborene Lyrikerin, Übersetzerin und Kinder und Jugendbuchautorin zwar nicht besonders gut gekannt, aber doch drei sehr beeindruckende Begegnungen mit ihr gehabt, so daß ich den klientenfreien Osterdienstag zu einem Spaziergang zum Zentralfriedhof nützte.
Ich habe Friedl Hofbauer, glaube ich, durch Valerie Szabo kennengelernt, beziehungsweise hat sie mich, als ich für meine Dissertation zur „Midlife Krise“ Testpersonen suchte.
So habe ich sie in dem schönen Gemeindebau in Grinzing aufgesucht und mir gleich einmal den Namen eingeprägt. Bekanntschaften mit Autoren haben mich ja schon immer sehr interessiert. Ihre Kinderbücher und Kinderlyrik sind ja eher an mir vorbeigegangen. Da gab es zwar die Bücher von der Vera Ferra Mikura immer unterm Weihnachtsbaum als Gaben von den Wiener Kinderfreunde für die Kinder der SPÖ-Mitglieder, aber von Friedl Hofbauer habe ich erst etwas gelesen, als ich sie, glaube ich, schon besucht hatte. Da habe ich mir einmal das Jugendbuch „Eine Liebe ohne Antwort“ gekauft, weil ich es in einer Abverkaufskiste fand, auf die ich ja immer schon scharf war. 1982 oder so hat dann das J u V Buch „Buben dürfen weinen, Mädchen dürfen pfeifen“, wo ich die „Güler-Geschichte“ drinnen hatte, einen Teil des Kinderbuchpreises der Stadt Wien bekommen, den zweiten Teil gabs für Christine Nöstlingers „Austauschkind“.
Da fand die Preisverleihung im Künstlerhaus statt und da war irgendeine Ausstellung, die ich mir anschaute, nachdem mir ein Vertreter von Stadtrat Zilk den Blumenstrauß und die Urkunde überreicht hatte, das Buch war ja eine Anthologie und so gab es, glaube ich, fünfzehn Preisträger mit Ausnahme der deutschen Gewinnerin, die nicht dabei berücksichtig war.
Mira Lobe, die Georg Bydlinsky oder war es Erich Hackl bei den Verabschiedungsreden erwähnte, war auch im Buch und bei der Ausstellung durch die ich mit dem Blumenstrauß und der Urkunde spazierte, war auch Friedl Hofbauer, die mich fragend anschaute, ich habe mich aber, glaube ich, nicht getraut sie anzusprechen und sie an meinen Besuch bei ihr bezüglich meiner Dissertation zu erinnern.
Das tat ich erst 2007 wahrscheinlich, als sie eine der Jurorinnen des „Ohrenschmaus“ war, zweimal war sie dabei, dann hat sie diese Funktion, vielleicht aus gesundheitlichen Gründen zurückgelegt und ich habe nichts mehr von ihr gehört, bis ihr Sohn Alexander Melach in der „Alten Schmiede“ bei einer von Konstantin Kaisers Veranstaltungen las und in seinem „Zwischenwelt-Text“ an seine Mutter erinnerte.
Richtig, ich habe noch ein anderes Hofbauer-Buch auf meiner Leseliste, das ich erst lesen muß, nämlich „Examen im Schützengraben“ über die Schulzeit im Krieg und jetzt weiß ich auch ein bißchen etwas über ihre Gedichte, bzw. habe ich Gelegenheit sie zu lesen, denn es gibt ja ein Podium-Bändchen, das freundlicherweise ausgeteilt wurde und Georg Bydlinsky, ebenfalls ein Kinderbuchautor, hat in seinem Nachruf mit ihren Gedichten begonnen „Hoch tief auf und nieder hoch tief immer wieder“.
Ich habe mich bemüht möglichst rechtzeitig am Zentralfriedhof zu sein, wußte ich ja schon von den Begräbnissen der Valerie und der Heidi Pataki, daß man da unter Umständen sehr lange zu der Halle marschieren muß, bei Elfriede Gerstl war es wieder anders, da war die Halle gleich beim Eingang und ich zu früh dran, aber diesmal sah ich gleich die Gestalten mit den Blumen die Allee entlang marschieren, so daß ich langsam nachgehen konnte.
Angelika Kaufmann habe ich gesehen, Renate Welsch, die Riege der Kinderbuchautorinnen, die in ihre Fußstapfen traten, wie Erich Hackl, glaube ich, erwähnte. Ich bin in der letzten Reihe neben glaube ich, Martha Keil vom Instiut für jüdische Geschichte gesessen, Konstantin Kaiser ist später gekommen. Heinz Janisch auch ein „Ohrenschmaus Jurymitglied“, der sich immer um sie gekümmert hat, habe ich auch noch gesehen.
Es gab Musik und dann die Reden von Georg Bydlinski und Erich Hackl, die an ihre Gedichte und ihre Begegnungen mit der Autorin erinnerten. Georg Bydlinski schlug einige Preise vor, die sie auch noch gewinnen hätte können: „Anerkennungspreis für improvisierte Gastfreundschaft, den „Würdigungspreis fürs Nicht-Verzweifeln widriger Umstände“, die „Freundschaftsplakette für uneigennützige Manuskriptberatung“, die „Goldene Wippschaukel für das beste Wippschaukelgedicht aller Zeiten“- Das ist mir, wie erwähnt, bisher entgangen, in Georg Bydlinkis Nachruf kann ichs aber nachlesen und die Enkelkinder, glaube ich, waren es, teilten dann am Grab auch noch das kleine blaue Podiumbändchen aus.
Friedl Hofbauer habe ich durch die Redner erfahren, hat nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene geschrieben, in dem Bändchen werden wahrscheinlich eher die Erwachsenenentexte drinnen sein. Einen Pfarrer gab es dann auch noch, der am Grab das „Vater unser“ betete, eine Schweigeminute für die, die vielleicht in dieser Zeit umkommen hielt und erwähnte, daß Friedl Hofbauer nicht an ihren Tod glaubte.
Ich warf Erde in das Grab und sah mich nach den anderen Ehrengräbern um, in die ich schon Erde geworfen habe. Valerie, die im Ehrengrab ihres Mannes Wilhelm Szabo liegt, bei dessen Begräbnis war ich nicht und das Ganze noch neben Hermann Schürrer, das von Elfriede Gerstl und gleich daneben, das der Heidi Pataki, die ich nicht gleich fand, obwohl ich mich am Falco-Grab orientierte, aber das der Heidi Pataki zierte eine Venusfigur und das Elfriede Gerstls ist ein weißer Block und man muß die Namen erst suchen.
Jetzt weiß ich sie aber und kann bei jeden weiteren Begräbnis eine Ehrenrunde machen und an die Valerie, die Heidi Pataki, an Elfriede Gerstl denken…
Dann gabs noch eine Einladung in ein Gasthaus zu einem Buffet, so daß ich noch ein bißchen bei den Erinnerungen bleiben und sie austauschen konnte. Wie beschrieben, es waren sehr beeindruckende Begegnungen, die ich mit ihr hatte und die beiden Bücher werde ich demnächst lesen und apropos Bücher, da gibt es ja Morgen den Welttag des Buches und am Vortag veranstaltet die Buchhandlung Malota einen Flohmarkt, weil sie Ende März schloß. Die Buchhandlung „Reichmann“, die sich daneben befand, ist ja schon geschlossen und bei beiden gab es vor ein paar Jahren noch das Geschenkbuch zum 23. April zu holen.
Jetzt wurde abverkauft, beziehungsweise war das schon sehr geschehen, als ich um halb sechs die Buchhandlung betrat, aber Ralph Dutlis „Soutines letzte Fahrt“, ein Longlist oder sogar Shortlistbuch des Herbstes und dann Aravino Adiga „Letzter Mann im Turm“ um je drei Euro und dann noch einen Karl-Markus-Gauß-TB um eins fünfzig.
Blöd natürlich, wenn die Buchhandlung wegen mangelnden Umsatz schließen muß und ich sollte mich, da ich ja keine zwanzig Euro Bücher kaufe, an die Nase nehmen, habe aber jetzt wieder drei schöne Schmankerl und eine eindrucksvolle Erinnerung an eine Kinder- und Jugendbuchautorin, deren Kinderbücher mir bisher leider entgangen sind, so werde ich die erwachsene Frau und die sehr bemühte „Ohrenschmaus-Jurorin“ in Erinnerung behalten, von ihr kam ja, glaube ich, auch die Idee von der Ehrenliste.

2009-07-05

In der ehemaligen Synagoge

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:01

Der Sommer hat so seine Rituale. So verbringe ich den Juli und August schon seit einigen Jahren in Harland bei St. Pölten und komme nur tageweise nach Wien, um meine Praxis zu machen.
Ende Juni ist das Bachmannlesen und dann die Sommerakademie des Instituts für jüdischen Geschichte Österreichs und zwar beginnt das meistens Sonntag Abend in der ehemaligen Synagoge in St. Pölten mit einem Festakt.
Dazu wird das Wiener Publikum, der Verteiler stammt von den Wiener Vorlesungen, in Bussen hingefahren und um halb zehn wieder zurück.
Am nächsten Mogen geht es los in Wien, drei Tage mit Vorträgen zu einem bestimmten Thema, voriges Jahr waren es die Zahlen, heuer ist es der bürgerliche Salon.
Dazu gibt es einen Katalog, der vom Vorjahr liegt gegen Spenden auf, am Sonntag ein Buffet und am Dienstag ist meist ein Besuch im jüdischen Museum Wien angesagt.
Ein kleines aber feines Institut, das da in der ehemaligen Synagoge unter Martha Keil forscht und arbeitet und in der Sommerakademie sozusagen seine jährliche Leistungsschau von sich gibt.
Die Stimmung war in den letzten Jahren immer sehr besonders. Am Wochenende waren wir in Harland, der Bachmannpreis wurde meistens an diesem Wochenende vergeben, so daß, wenn ich am Montag nach Wien gekommen bin, etwas nachzuhören oder auszudrucken hatte, da es ja bisher kein Internet in Harland gab und dann war es auch sehr heiß und so ist man in Sommerkleidern durch die Stadt gegangen, wo sich die Touristen tummelten.
Bis vor einem Jahr fand die Tagung im Festsaal der BAWAG im Hochholzerhof statt. Heuer wird es wegen dem Skandal bei der Ersten Bank am Petersplatz und im Palais Mollard sein, zu Mittag bin ich immer schnell in die Krongasse gegangen, habe gegessen und die Telefonate erledigt und dann zurück, anschließend vielleicht noch ein paar Stunden machen und am Abend Rathausplatz. Auf diese Weise habe ich in den letzten Jahren das Hauptstadtfest, das es seit 1986 gibt, versäumt, weil ich den Donnerstag und den Freitag für meine Stunden brauchte, aber heuer war das Bachmannlesen schon vor einer Woche und die erste Woche Sommerfrische ist auch schon vorbei.
Ich war beim Hauptstadtfest und komme gerade von der Eröffnung. Das heurige Thema „Salondamen und Dienstboten“ ist auch besonders interessant, obwohl mir Ruth Aspöck, als ich sie am Donnerstag fragte, ob ich sie sehen werde, etwas anderes sagte.
Der Bus aus Wien war schon da, als wir kamen, einige bekannte Gesichter, obwohl, wahrscheinlich wetterbedingt, weniger Leute gekommen waren.
Martha Keil hielt die Einleitung, Bürgermeister Stadler, der, wie ich hörte, auch Historiker ist, hat lang eröffnet. Dann gab es Lieder von Felix Mendelssohn Bartholdy und Fanny Mendelssohn und Renate Stockreiter, das ist die Graphikerin des Katalogs, die auch eine schöne Stimme hat, las Beschreibungen zum Arnsteinschen Salon von Gönnern bis zur Geheimpolizei und dann noch Esther Gads, die auch um achtzehnhundert lebte, Äußerungen über Herrn Kampes „Behauptungen, die die weibliche Gelehrsamkeit betreffen“, die dieser für seine Tochter niederschrieb, mit dem ungefähren Inhalt, daß schreibende Frauen das Letzte sind, was Esther Gad lebhaft dementierte.
Heute findet man das lustig und so hat das Publikum auch gelacht. Die Veranstaltung war eher kurz, nachher gab es Brötchen und Wein, der rote war schnell aus, im vorigen Jahr hat es aber, glaube ich, überhaupt nur weißen gegeben.
Ich habe mich ein bißchen mit den Stammbesucherinnen unterhalten und einer meine neuen Bücher gezeigt, die mir von ihren Spaziergängen am St. Marxer Friedhof erzählte und vom hundersten Geburtstag ihrer Mutter, die zu dieser Zeit schon begraben war. Sie wollte ihr erst hundert Kerzen entzünden, hat dann aber ein Geschenk für eine arme Musikerin daraus gemacht.
So hört man die schönsten Geschichten, der Bus ist bald abgefahren und morgen geht es nach Wien zum Symposium.
Heute habe ich wieder geschrieben, bzw. meinen vorläufigen Plan gemacht. Das geht dann immer schnell bei mir. Gestern hatte ich noch keine Ahnung, wie es mit der Sophie Hunger weitergeht, jetzt habe ich die Szenen 71 – 79 aufnotiert, die dann die Letzten sein werden.
Karl Lakner stirbt, Franka Stein hält ihm die Begräbnisrede und Valerie und Felix Baum kommen wahrscheinlich nur bis Prag. So werde ich den ungefähren Zeitplan der letzten zwei Jahre auch einhalten, was ich aber schon tun werde, daß ich das ganze mehr umändere, als es bisher der Fall ist. Mal sehen, ob das stimmen wird.
Ansonsten gibt es zu vermelden, daß es im deutschen Fernsehen eine neue Büchersendung mit Ijoma Mangold und Amelie Fried „Die Vorleser“ geben wird. Das Literaturcafe berichtete davon und Amelie Fried, deren Interview ich mir anhörte, ersucht in diesem ihr keine Books on Demand zuzusenden, weil sie die bestimmt nicht lesen oder zurücksenden, sondern nur wegwerfen wird.

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