Literaturgefluester

2017-06-17

Kontinent Doderer

Jetzt kommt, könnte man respektlos schreiben, der dritte Bobo aus der „Falter-Redaktion“nämlich der ehemalige „Bachmann-Juror“ und „Staatspreisträger für Literaturkritik“ Klaus Nüchtern, der zum fünfzigsten Todestag von Heimito von Doderer eine Biografie über ihn schreiben sollte.

Der wollte oder konnte das nicht, so ist ein“Kontinent Doderer“ daraus geworden oder, wie Nüchtern ganz am Anfang schreibt, ein essayistischer Gang durch Leben und Werk des großen oder kleinen, vergessenen oder bekannten österreichischen Dichters.

Mir ist er bekannt, befand ich mich doch nach meiner Knödl-Matura stark in der philosophischen Krise und bin mit dem nicht so kleinen literarischen Wissen, vermittelt durch die Frau Prof Friedl, im Sommer 1973 und noch später, die Buchhandlungen Wiens abgeklappert und habe mich eingekauft und eingelesen.

Ja, damals hat die sparsame Studentin noch zum Normalpreis gekauft und sich nicht vorstellen können, daß die Bücher vierzig Jahre später einfach so auf der Straße herumliegen oder, daß man sie von den Verlagen problemlos zugeschickt bekommt und gelesen hat sie viel, wenn auch wahrscheinlich noch nicht sehr viel verstanden.

1974 im Sommer im Häuschen am Almweg „Den Mann ohne Eigenschaften“ und drei Jahre später glaube ich, frisch verliebt in den Willi und sehr gehemmt, vorwiegend im Stadtpark „Die Dämonen“, was für mich ein prägendes Buch werden sollte und ich jetzt endlich nach der Nüchtern-Lektüre weiß, was ich antworten soll, wenn mich jemand fragt, welche Bücher mich geprägt hätten?

Also unter anderen „Die Dämonen“, vorher schon „Onkel Toms Hütte“, auf der Operbühne hat es der „Don Carlos“ geschafft, Unbehangen hat der „Zerbrochene Krug“ in mir ausgelöst“ weil ich mich mit dem armen Adam identifizierte.

Man sieht, ich hatte schon damals keinen Humor, über die „Alten Meister“ habe ich aber einmal in der Station Hütteldorf, als ich auf den Zug nach st. Pölten wartete, sehr gelacht, mich inzwischen aber trotzdem vom Meister entfertn, während ich zu Meister Doderer wieder zurückgekommen zu sein scheine und das ist ja insofern interessant, da Meister I angeblich nach dem Tod von Meister II im Dezember 1966 aufgejauchzt haben und gesagt haben soll „Jetzt ist der Weg für mich frei!“

In meinen Studentenjahren war ich, glaube ich, von Doder sehr beeinflußt und habe mir sowohl die „Merowinger“, als auch die „Wasserfälle“ in der Taschenbuchausgabe gekauft und erst oder wiedergelesen, als ich im vorigen Jahr nicht so recht wußte, worüber ich schreiben soll und dann die Anne Frank zu Stefan Zweig und Heimito von Dodererim Himmel zusammen frühstücken ließ.

Damals hatte, es war im Frühling, ich den Eindruck Doderer sei inzwischen völlig unbekannt und habe im Netzt nur ein paar alte Interviews von ihm gefunden. Das sollte sich im Herbst, als das Jubliäum nahte, ändern und als die Trude K. die mich ja jetzt immer fragt, von mir wissen wollte, welches Buch ich zum Geburtstag haben will, habe ich dieses genannt und es ist auch das letzte der Geburtstagsbücher, das ich jetzt lese.

Dazwischen hat es in der „Gesellschaft“ ein „Doderer-Symposium“ gegeben und Klaus Nüchtern wurde zu seiner Biografie befragt, er hat sie auch auf der „Buch-Wien“ vorgestellt und er greift in seiner „Durchquerung“ im Kapitel „Eine Gebrauchsanweisung“ auch gleich die Frage auf, wie bekannt oder unbekannt Doderer inzwischen ist und ob man ihn, beziehungsweise, die Fußnoten im Buch lesen soll?

Die Antwort ist natürlich, man muß nicht, könnte dann aber etwas versäumen und natürlich zählt Doderer zum Minderheitenprogramm, aber das tun die anderen D Dante, Dickens, Dostojewsky höchstwahrscheinlich auch.

Bei Dickens wäre ich mir da nicht so sicher, füge aber hinzu, daß ich ihn kaum gelesen habe und wenn ich mir so anhöre, was die Literaturwissenschaftler am heutigen Deutschunterricht beklagen, kommen wahrscheinlich die meisten Maturanten durch diese ohne den Namen Doderer je gehört zu haben und ich muß ehrlicherweise anmerken, daß ihn auch, die Frau Profossor Friedl wahrscheinlich nicht sehr erwähnte, weil die ja ein Faust-Fan war und uns wirklich und wahrhaftig ein ganzes Jahr lang damit beschäftigte, was mir noch heute unvorstellbar vorkommt.

Doderer war also ein alter Nazi, ist er doch, kein Witz, am 1. 4. 1933 in die NSDAP eingetreten, was ihm später höchstwahrscheinlich den Nobelpreis kostete. Das deutet Nüchtern nur diskret an, beschäftigt sich in seinem zweiten Essay aber sehr wohl mit den vier S, der Schuld und Sühne, Schicksal und Sibirien“, denn Doderer hat ja in derKriegsgefangenschaft in Russland im World war I zu schreiben angefangen und in seinem ersten Roman, den er später nie mehr auflegen ließ, darüber eschrieben und auch im letzten, den „Grenzwald“, den ich erst lesen muß.

Bekanntgeworden ist er in den Fünfzigerjahren schlagartig durch die „Strudhofstiege“, die ich auch erst finden muß und hat es dadurch, ich glaube, nach der Bachmann auf das Cover des „Spiegels“ gebracht und da Klaus Nüchtern, glaube ich, ein Filmfan oder Kenner ist, vergleicht er im nächsten Kapitel auch gleich Doderer mit Hitschcock und da muß ich passen, denn ich habe die berühmten Filme kaum gesehen, bin ich ja eine passionierte Nichtferseherin und war das schon immer.

Aber es gibt da einen mir gleichfalls unbekannten Roman, wo zwei Herren mit dem Feldstecher, die Damen des gegenüberliegenden Hauses beim Ausziehen ihrer Unterwäsche beobachten und ihre Freunde daran hatte, was waren das für Zeiten in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts?

„Den Mord den jeder begeht“, habe ich auch nicht gelesen. Vielleicht finde ich ihn noch, da fahren jedenfalls ein paar Studenten mit dem Zug und stecken zu ihrem Gaudium einen Totenkopf aus dem Fenster, um das Mädchen im vorigen Coupe zu erschrecken. Die fällt dann aus dem Fenster und stirbt und um die „Suspense“ hat sich Nüchtern auch bemüht und weist nach, wie das mit dieser im Bezug auf Mary Ks. ersten Straßenbahnunfall der Literaturgeschichte ist, der sie um ihre schöne Beinen brachte. Das wird in der „Strudlhofstiege“ am Anfang angedeutet und erst achthundert Seiten später wirklich ausgeführt. Respektdem Meister Nummer II oder natürlich I.

Es gibt ein Kapitel über Doderers Wien. Das wird zum Beispiel  dieStrudlhofstiege genau beschrieben und eines das erläutert wie Doderers literarischer Aufstieg in den fünziger Jahren möglich war. Er war ja, meint Nüchtern, ein Spätzünder, hatte bis zur „Strudlhofstiege“ nicht so viel veröffentlicht oder war nicht so bekannt.

Ein anonymer Brief hat seinen „Nobelpreis“ verhindert. Hilde Spiel hat sich aber sehr für ihn eingesetzt und Nüchtern meint auch im nächsten Kapitel, wo es hauptsächlich um die „Dämonen“ geht, dazwischen kommt ein eher kleiner Bildteil, daß sich Doderer mit diesem Buch, wo er ja den Justizpalastbrandt, ie Ereignisse von Schattendorf und den Aufstieg eines Arbeiters zum Bibliothekar, in dem er sich selbst Latein beigebracht hat, beschrieben hat, sich damitentnazifizieren wollte und ich war ja in den Siebzigerahren, obwohl ich von den gschichtlichen Ereignissen  nicht viel verstanden habe, von Leonard Kakabsas sozialen Aufstieg sehr begeistert.

Der war und ist meine Lieblingsfigur und deshalb ist es wahrscheinlich, wie schon beschrieben, eines mich prägenden Bücher.

Ich habe aber es im Vorjahr wegen seiner Dicke nicht mehr nochmals gelesen und von den anderen Personen, es ja ein Monsterbuch, eines zu dem Doderer wahrscheinlich auch seine preußisch-zwanghaften Pläne zeichnete, ging es ja in einem der vorigen Kapitel, auch um die Frage, wie Österreichisch das penibel Plänezeichen des Heimito von Doderers ist, nicht mehr viel außer der Stelle, wo es, um Quapps, glaube ich, vergebliches Bemühen um die Kunst ging, was mich natürlich sehr beeindruckt hat, in Erinnerung.

Dazu haben mir beim Lesen, was ich ja sehr blauäugig angegangen bin, wahrschlich auch die Vorkenntnisse aus der „Strudlhofstiege“ gefehlt.

Der nächste Essay ist den „Metowingern“, über die ich im Vorjahr auch einen Film gesehen habe, in dem Wiens literarische Avantgarde der Sechzigerjahre mitspielte oder der „Grossen Wut des Doctor D.“ gewidmet und der Docotor Döblinger, der ja in mehreren Werken Doderers eine Rolle spielt, wird als das Alter Ego des Dichters gehandelt.

In den „Posaunen von Jericho“, die in dem „Doderer-Buch“, das ich mir einmal von meinen Eltern schenken ließ enthalten ist, kommen ähnliche Motive und Personen, wie bei den „Merowingern“ vor, zumindestes der Psychiater mit seiner Antiaggressionstheorie und Nüchtern analysiert hier sehr genau, was es mit der Wut, der Aggression und dem Witz, also der Tendenz zu lachen, wenn jemanden Böses passiert und damit seine Triebe zu bewältigen, womit ich ja bekannterweise große Schwierigkeiten habe, auf sich hat.

Eine Stelle, die sich, glaube ich, auf Wendelin Schmidt Dengler bezieht, der ja auch sehr viel über Doderer geforscht hat, finde ich sehr interessant, nämlich die „Wer seine Ästhetik aus der Mappe der Menschlichkeit bezieht, für den muß dieser Roman ein unsympathisches Buch bleiben, keine Ästhetik der Welt kann über dieses Unbehagen hinweghelfen“.

Dem stimme ich ein bißchen zu, weil ich ja, wie oft beschrieben, nicht ganz verstehe, warum geschmipft, beleidigt, geschlagen, gemordet werden muß und, daß dann bei einer Veranstaltung die Leute noch darüber lachen.

Doderer hat aber seine „Merowinger“ selber als sein Ausnahmewerk und als eine große Blödelei verstanden.

Daß er damit auch das dritte Reich aufarbeiten wollte glaube ich auch und so habe ich gar nicht so viele Schwierikeiten mit dem Buch, obwohl man natürlich über manches den Kopf schütteln kann.

Es beweist aber auch Doderers große geschichtliche Kenntnisse, der ja auch als „Spätzünder“ Geschichte studiert hat.

Dann gibts ein bißchen was zu den „Wasserfällen“. Wir erfahren, daß Doderer am  zwölften April 1957 sich mit Theodor Adorno im Hotel Sacher zu einem Mittagessen traf und ihm dort gerne an „die Glatze klatschen“, wollte, um zu erfahren, ob von dort „ein Wölkchen Staub  auspuffen“ würde.

Doderer hat sich in seinen Werken viel mit den Hausmeistern beschäftigte und diese, weil sie wohl an die Blockwarte erinnern gehaßt. Wir erfahren in seinen Büchern viel, wie seine Protagonisten wohnen und das letzte Kapitel, was ich ganz besonders interessant finde, ist dem Namen-Glossar gewidmet.

Haben mich doch, wie ich im letzten Jahr feststellen mußte, seine Namen sehr beeinflußt, so gibt es auch bei mir Figuren mit dem Namen Wewerka und bei Doderer gibt es einen Branntweiner mit dem Namen Freud, was mich an meinen sprechenden Namendisput mit meiner ersten Kritikerin erinnerte und Nüchtern betont, daß der große Meister von der Berggasse dadurch wahrscheinlich nicht beleidigt wurde, hatte es doch damal mindestens drei Branntweiner mit diesem Namen gegeben.

Und so haben wir den Kontinent Doderer durchquert und sind an sein Ende angelangt.

Nüchtern schreibt dazu: „Der  Kontinent Doderer ist nicht nur ein weites Land, er ist auch dicht besiedelt. Wer ihn kennenlernen will, muss nicht nur ganz Sibirien durqueren, sondern auch viele Treppen steigen und zwar nicht nur über die noble Strudlhofstiege, sondern auch in schlecht ausgeleuchteten Stiegenhäusern und Hausfluren, in denen es nicht immer sehr gut riecht.“

Und ich füge hinzu, daß man sich danach wahrscheinlich auch durch das Ouvre lesen sollte, wer das nicht will oder nicht kann, weil er nicht so viel Zeit hat, dem würde ich zu Beginn das „Doderer-Buch“ empfehlen.

Nüchterns Essays sind natürlich auch sehr interessant, aber dafür wäre vielleicht ein wenig Doderer Vorwissen auch nicht schlecht.

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2016-11-23

Doderer Veranstaltungen

Heimito von Doderer, das frühe NDSAP-Mitglied, wurde vor hundertzwanzig Jahren geboren und ist vor sechzig Jahren gestorben.

Anlaß zu einem Jubiläum und einem Gedenken, obwohl ich, als ich mich im Frühling durch seine Werke las, den Eindruck hatte, er wäre inzwischen, im Gegensatz zu Stefan Zweig, von dem ja im Mai der Film mit Josef Hader in der Titelrolle erschienen ist, vergessen.

Daß ich mich täuschte, sollte ich im Herbst merken, denn natürlich gibt es Gedenkveranstaltungen und Bücher, die über ihn geschrieben wurden.

Den Bildband der Eva Menaasse, die den Österreichern oder sind es die Berliner, das Lesen befiehlt, hat es zwar schon im Frühling gegeben, aber ich war in der Zeit, als ich ihn mit dem Fräulein Anne und dem lieben Stefan in den Himmel schickte, nicht einmal sicher, ob seine Bücher überhaupt noch erhältlich sind und habe die „Merowinger“ und die „Wasserfälle von Slunj“ in den alten „DTV-Ausgaben“ gelesen, die ich mir wohl in den Siebzigerjahren kaufte.

Im Herbst waren dann die Fenster des „Morawas“, an denen ich ja regelmäßig vorübergehe, wenn ich von der „Alten Schmiede“ komme, mit seinen Büchern gepflastert.

Klaus Nüchtern vom „Falter“ wurde aufgefordert, eine Biografie über ihn zu schreiben und hat den „Kontinent Doderer“ verfaßt, den ich mir von meiner Straßergassen-Schulkollegin Trude K., die im Haus gegenüber wohnt, zum Geburtstag wünschte.

Wann ich da zum Lesen komme, weiß ich nicht, habe es mir aber fix und ganz ehrlich für das nächste Jahr vorgenommen und Klaus Nüchtern auch auf der „Buch-Wien“ darüber sprechen hören und in der „Gesellschaft für Literatur“ hat es vor kurzem auch ein „Doderer-Symposium“ gegeben und im österreichischen Literaturmuseum, dort, wo, glaube ich, der Schlafrock und die Pläne zur „Strudlhofstiege“ oder sind es die der „“Dämonen“ ausgestellt sind, gibt es diese Woche zwei Doderer Veranstaltungen, denn das Literaturmuseum hat auch eine Verbindung mit dem „Metro-Kino“, das es auch in der Johannesgasse gibt.

„Das Museum geht ins Kino“ betitelt sich diese und da gab es heute, um sechs eine Einführung von Klaus Nüchtern und Bodo Hell in die „Merwoinger“, denn diese wurden ja in den achtziger Jahren von Ernst Schmidt Junior verfilmt und die ganze literarische Avantgarde oder sonstige Künstlerszene spielte dabei mit, gezeigt wurde.

So war Bodo Hell beispielsweise ein Arzt, der dem Chloderich das Klistir versetzte, Elfriede Gerstl war eine Sekretärin, Herbert J. Wimmer kam vor und ich habe ihn nicht erkannt. Franz West war der Professor Horn, Valie Export seine Ordinationshilfe, Schwester Helga und Klaus Nüchtern zeigte, um sechs im Literaturmuseum, wo lauter mir unbekannte Zuhörer waren, die aber zum Teil auch Erfahrungen mit diesem legendären Film hatten, den Winkel der Schuhe, an dem man den Wutgrad erkennt und Bodo Hell erzählte von seiner Filmerfahrung und zählte die Darsteller auf.

Die Schönlaterngasse und dort, wo man von der „Alten Schmiede“ durch eine schmale Gasse geht, war auch ein Filmort und, um halb acht ging es dann ins Kino, um sich den Film anszusehen.

Der war zwar, wie ich, die ich das Buch vor kurzem gelesen habe, erkannte, weit ab vom Orignal, wie das bei den Literaturverfilmungen ja so üblich ist, aber wegen seiner Darsteller höchst interessant und eigentlich hätte mich „Das Diaarium des Dr. Döblinger“, unter der Regie von Michael Schottenberg, das Morgen gezeigt wird, mehr interessiert, aber da werde ich wieder nach Harland fahren, so daß ich mir am vorigen Samstag, als ich ins „Odeon“ gegangen bin, nur eine Zählkarte holte, kann aber auf mein neuestes Buch verweisen, in dem der alte Meister ja auch eine Rolle spielt und dem, den es auch interessiert, kann ich empfehlen, noch rasch das „Mimikry-Rätsel“ der „Vorschau“ aufzulösen, denn übermorgen oder in ein paar Tagen, gibts ein Foto vom Buch und ich löse das Rätsel auf und mache das Gewinnspiel zu.

 

2016-10-13

Keime fundamentaler Irrtümer

Ich habe mich ja heuer im Frühling sehr intensiv mit Heimito von Doderer und Stefan Zweig beschäftigt, weil ich ja bezüglich meines damaligen Romanprojektes die Idee hatte, irgenwelche Romanfiguren auftreten zu lassen.

Es sind Schriftsteller daraus geworden, eben die oben erwähnten und auch noch Anne Frank, die sich mit den beiden alten Herren im Cafe Wolke am Himmelsbogen zum Frühstück trifft und über die beiden Dichter hat Zarah Bashrami ein Stück geschrieben, das sie mit Jurij Abrahamovic und  Zoran Simcic aufführen will und so habe ich mich durch das Werk der beiden gelesen.

Von Stefan Zweig gab es dann auch den Film „Vor der Morgenröte“ und die „Arte-Dokumentation“ im Netz von Heimito von Doderer habe ich außer einem alten Heinz Fischer-Karwin Interview nicht sehr viel gefunden.

Dabei hat der Dichter am 23. Dezember seinen fünfzigsten Todestag, davon war aber im Frühling noch nicht viel zu hören, erst jetzt im September, wo er 120 Jahre alt geworden wäre, tauchten die Bücher und die Biografien in den Buchhandlungen auf.

Klaus Nüchtern hat eine geschrieben, den Bildband von Eva Menasse, gibt es, glaube ich schon länger und es gibt auch eine „Heimito von Doderer Gesellschaft“ und die veranstaltet mit der Uni Wien vom zwölften  bis vierzehnten Oktober unter dem Titel „Keime fundamentale Irrtümer“ ein  Doderer-Symposium in der „Gesellschaft für Literatur“.

Weil ich am  Mittwoch Vormittag drei Stunden hatte und auch noch auf die Bank gehen wollte, bin ich ein bißchen zu spät in die „Gesellschaft“ gekommen, so daß ich gerade noch einen der letzten Plätze ergattern konnte, es war nämlich sehr voll und Manfred Müller hat auch schon eröffnet und, ich glaube, auf eine Lesung in der „Gesellschaft“ wahrscheinlich in den Sechzigerjahren mit Doderer hingewiesen, davon gab es Fotos zu sehen.

En großes Foto mit der Pfeife hängt auch ständig in der „Gesellschaft“ und ein Bild, das, glaube ich, die Witwe der „Gesellschaft“ schenkte, worauf die Wasserfälle von Slunji zu sehen sind.

Dann kamen die Eröffnungsredner der „Doderer Gesellschaft“ und der erste Vortrag von Manfred Wagner, der auf den Zusammenhang zwischen Handke und Doderer hinwies.

Da gibt es keinen, würde die Laiein in mir mal denken, die Doderer ja auch für einen eher konservativen Dichter hält, obwohl ich in den Siebzigerjahren die „Dämonen“ verschlungen habe und bis heute noch sehr begeistert davon bin. Manfred Wagner ist ja, glaube ic,h auch eher ein Handke Forscher und ich habe ihn ja vor Jahren bei einer „Wiener Vorlesung“ über Handke und Bernhard gehört und die diesbezügliche Publikation inzwischen auch bekommen.

Es gibt aber den berühmten Satz von Thomas Bernhard, den er angeblich sagte, als er im Radio die Todesnachricht seines Rivalen hörte: „Jetzt ist der Weg frei!“ und Achim Hölter von der Uni Wien referierte sehr genau, wie Doderer in den „Literaturgeschichten“ in ganz Euopa oder überhuapt überall auf der Welt vorkommt?

Da ist es ja, glaube ich, die Frage, ob Doderer jetzt ein deutscher oder österreichischer Autor ist?

Ein Österreichischer natürlich, würden wir, würde ich sagen, für die Chinesen, die Amerikanaer, etcetera, ist das wohl anders, die können wahrscheinlich nicht so genau zwischen Österreich und Deutschland differenzieren und reihen Doderer schon einmal neben Heinrich Böll ein und es ist auch die Frage, ob Doderer ein moderner Autor ist?

Dem würde ich wieder nicht unbedingt zustimmen, kann er ja gar nicht sein, wenn er schon vor fünfzig Jahren gestorben ist, aber der Franzose Francois Grosso, der auch an der Uni Wien lehrt, hat seinen Essay „Wiederkehr der Drachen“ mit Verena Rossbachers „Verlangen der Drachen“, die ja in Leipzig studierte und einmal in Klagenfurt las, verglichen und da sehr sehr viele Gleichheiten“ mit den „Merowingern“ gefunden.

Daran spann sich eine intensive Diskussion, an der ich mich beteiligte, ob man das einfach ohne das Zitat anzugeben darf, ich denke, man darf es nicht, wurde aber belehrt, daß die Gleicheiten nicht mit Helene Hegemann „Axolotls Roadkill“ zu vergleichen sind, man aber die Aktualität des Meisters daran sieht, daß eine junge Autorin von ihm begeistert ist und ihn als Vorbild nimmt.

Dann kam noch eine Archivarin Klaralinda Ma-Kirchner und berichtete von Doderers journalistischen Arbeiten in den Zwanziger und Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts.

Er hat da seltsamerweise in sehr linken Zeitungen publiziert, die fast alle 1934 oder 1938 verobten wurden und da er  auch Historiker war, hat er in seinen Artikeln auch solche Themen behandelt.

Am Büchertisch gab es Restauflagen gegen Spenden zu erwerben und auch Doderer-Sonderbeilagen der „Furche“ und der „Wienerzeitung“ und am Donnerstag geht es dann mit Günther stocker weiter, der berichtete, daß Doderer in den Fünfziger- und Sechzigerjahren sehr postiv vom Literaturbetrieb aufgenommen wurde. Vor allem Hilde Spiel hat ihn sehr gelobt und ihn sozusagen entnazifiziert, denn er war ja seit 1933 bei der NSDAP, was damals aber offenbar niemand störte oder falsch berichtet wurde.

Evelyne Polt-Heinzl hat die „Strudlhofstiege“ kritisch gelesen und in, ich glaube, zehn Punkten Doderers Stellung zum zweiten Weltkrieg oder zum zerstörten Nachkriegswien darins entdeckt.

Doderer ist ja mit diesen Roman 1951 sehr berühmt geworden.

Sabine Müller berichtete über die Zusammenhänger zwischen Doderer und Herbert Eisenreich, der  Doderer ja heiß verehrte und sogar einen Roman, den ich, glaube ich, auch gelesen habe, weil ihn mir Rudolf Blazejewski einmal schenkte, nach seinem Muster geschrieben hat.

Nach der Mittagspause war der Literaturarchivdirektor Bernhard Fetz an der Reihe und analysierte die Zusammenhänge zwischen den „Merowingern“ und der Avantgarde.

Da würde ich persönlich ja wieder nicht so viele sehen, habe aber gelernt, daß Elfriede Gerstl das Vorbild für die Sekretärin vom Dr. Döblinger war.

Es wurde noch über die ungarische und sie tschechoslowakischen Doderer Übersetzungen, die vor allem die „Strudlhofstiege“ aber auch die „Wasserfälle“ betreffen, berichtet.

Dann gabs eine kleine Pause mit Brötchen und Wein und dann wurde es interessant, denn es kam die 1988 geborene Vea Kaiser, die ja schon mit zwei Romanen großen Erfolg hatte und die Alois Eder, den ich ja von der LitGes kenne, als Deutschlehrer hatte und berichtete von ihrem Doderer Einfluß. Wie bei Verena Rossbacher gibt es solchen.

„Blasmusikpop“ wurde, wie sie aus Lesungen aus beiden Büchern demonstrierte von den „Wasserfällen“ sehr inspiriert und das war es dann für mich mit den „Keimen der Doderer-Betrachtung“.

Morgen geht es zwar in der Gesellschaft noch mit einigen ausländischen Reflexionenund vielleicht auch noch ein paar anderen Nachdichtungen weiter, aber ich habe vorläufig genug, beziehungsweise mich zum langen Wochenende und österreichischen Buchpreislesen nach Harland zurückgezogen und kann nur noch berichten, daß der Popmusiker Bob Dylan den heurigen Nobelpreis für Literatur bekommen wird.

2016-05-25

Die Wasserfälle von Slunj

Jetzt gehts nach Kroatien, zuerst allerdings nur mit dem ersten Teil des von Heimito von Doderer auf vier Teile geplanten „Roman No 7“, beziehungsweise nach Kakanien oder in ein Wien, das um die vorvorige Jahrhundertwende vollgestopft war mit Teschechen, Serben, Engländern und Burgenländern, die damals noch zu Ungarn gehörte, die Sprache der besseren Gesellschaft war Französisch, die modernen Geschäftsleute übten sich schon in Englisch und wenn einer aufs humanistische Gymnasium ging und trotzdem Techniker werden wollte, wurde er für blöd gehalten.

Vielleicht sollten die, die „Österreich zuerst!“, rufen und jetzt enttäuscht sind, Doderer lesen, um sich bewußt zu machen, aus welchen Völkergemisch wir kommen und, daß die Kroaten und die Serben in Wien längst die Fäden zogen, bevor man die Gastarbeiter in den Siebzigerjahren nach Wien holte.

Im Roman jedenfalls, denn da organisert ja der Hotelportier Milohnic für das Ehepaar Clayton, das seine Hochzeitsreise zu den Waserfällen von Slunjica in Kroatien macht, die Route und dann noch einiges für die Firma, die der Senior für den Junior in Wien anlegen will.

Die Reise geht mit der Bahn über den Semmering, was damals offenbar noch eine technische Meisterleistung war, so ist der Techniker Robert Clayton auch fasziniert davon, später übernimmt er die Leitung seiner Firma in Wien und wohnt mit seiner Frau Harriet in der Nähe des Praters. Der Sohn Donald wird selbstverständlich in England beim Großvater erzogen und pendelt mit seiner Nurse hin und her und der tüchtige Milo bringt Robert auch den Prokuristen in die Firma, das ist der Herr Chwostik, von dem habe ich schon im „Doderer-Buch“ gelesen, der in der Adamsgasse zwischen den zwei Huren Feverl und Fini, die ihm von der Hausmeisterin der reschen Frau Wewerka aufgeschwatzt wurden, lebt,  dann aber in eine bessere Gegend zieht und der Hausherr, den er bei seinem Auszug besucht, ist auch der uneheliche oder natürliche Vater, wie das, glaube ich, früher hieß von dem Fräulein Ingenieur Monica, die Ende des neunzehnten Jahrhunderts in Zürich studierte, in Wien konnte man das noch nicht, aber das kleine Mäderl ist, das die Feverl und Finerl, die zwei beherzten Schwimmerinnen aus dem Donaukanal zogen.

Einen Metternich-Club gibt es auch, den haben ein paar Gymnasiasten gegründet, die seltsam tüchtige Musternaben sind, sich zum steten lernen verpflichten, ihren Umgang pflegen und später wahrscheinlich die Gesellschaft stützten, zukünftige Buschenschaftler waren sie wohl auch, aber davon stet nichts in dem Buch.

Wohl aber, daß der Stiefsohn der Frau Wewerka als Postmeister nach Kroatien geht und dann das Telegramm aufgeben muß, das Vater Clayton vom Ableben seines Sohnes Nacharicht gibt, der, als er Jahrzehnte später mit dem Herrn Chwostik auf der Rückfahrt einer Geschäftsreise wieder in Slunj Station macht, bei den Wasserfällen aussrutscht und verunglückt.

Aber ich habe vorgegriffen, noch sind wir nicht soweit, noch stirbt erst Frau Harriet und Donald kommt nach Wien, um seinen Vater im Geschäft zu unterstützen. Die beiden Herren sehen sich sehr ähnlich. So werden sie meist für Brüder gehalten, obwohl Donalds Haar schon früher, als das seines Vaters ergraut.

Donald würde gerne ein Verhältnis mit dem älteren Fräulein Ingenieur beginnen, zaudert aber, so daß der Vater sie ihm wegschnappt und einiges andere, wie die berühmten dicken Damen und die Frösche in den Auen gibt es in dem Buch auch, das gar nicht so einfach so lesen war.

Ich finde, wie ich auch in den Rezensionen gelesen habe, daß es vielleicht zu wenig auskomponiert ist, die Personen kommen und gehen, beziehungsweise werden sie andeinandergereiht und dann vergessen. Das Buch hat mich aber, obwohl ich mich eigentlich gar nicht mehr erinnern konnte, daß ich es gelesen habe, ist es ja eine alte  „dtv-Ausgabe“, die ich mir vielleicht schon als Studentin kaufte, es gibt aber ein Eselsohr ziemlich am Schluß,  eine unterstrichene Stelle, insofern beeindruckt, daß auch bei mir Hausmeisterinnen eine Rolle spielen und den Namen Wewerka gibte es in meinen Ouvere auch.

Eva Menasse hat die „Wasserfälle“ allen deuteschen Lesern, als Einstiregslektüre zu Doderer empfohlen, nur nicht die „Strudlhofstiege“, die ist zu schwer, um das speziell Österreichische zu vertehen, meint die „Alpha Preisträgerin“.

Nun verstehe ich das Österreichische, glaube ich, sehr gut, habe meinen Doderer in den Siebzigerjahren mit den „Dämonen“ begonnen und die sicher nicht verstanden, mich jetzt noch einmal durch die „Merowinger“ gelesen und denke, daß Doderer sicher ein sehr ungewöhnlicher, kauziger, steht irgendwo Autor war, mit einer sehr eigenwilligen Schreibweise und er hat das Wien der Neunzehnhundertfünfziger und auch das Vorkriegswien sicher sehr originell auch mit einer sehr eigenwartigen Orthografie beschrieben, der zu empfehlen ist, so daß ich es ein wenig schade finde, daß Doderer inzwischen offenbar ein wenig vergessen ist.

Eine Wiederentdeckung würde auch hier gut tun, Eva Menasse hat auch vor kurzem einen Bildband herausgegeben und jetzt gehts mit einem eher filmvorausschauenden brasilianischen Zwischenstop wirklich bald nach Kroatien, mal sehen, was ich an Reiseeindrücken in das nachkakanische Wien mitbringen werde.

2016-05-16

Die Merowinger oder die totale Familie

Nun geht es weiter mit einem kleinen „Doderer-Schwepunkt“, denn ich habe in meinem Regalen, entgegen meiner Erinnerung nur die „Merowinger“ und „Die Wasserfälle von Slunj“, neben dem „Doderer-Buch“ und den „Dämonen, die ich in den Siebzigerjahren als Studentin gelesen habe, gefunden.

„Die Merowinger“, ein dtv-Taschenbuch aus den Siebzigern dürfte ich bis Seite 143 angelesen habe, da gab es jedenfalls eine eingelegte Karte und ein Eselsohr und außerdem habe ich die Stelle, wo der Professor Horn mit seinen Patienten, der Schwester Helga un den Pauken und Trompeten durch seine Praxis jagt, schon auszugsweise, glaube ich, in einer von meiner Großmutter abonnierten Zeitschrift gelesen.

Erschienen ist das Buch 1962, nach der „Strudlhofstiege“ und den „Dämonen“, irgendwo habe ich gelesen, daß Doderer es dazwischen geschrieben hat, um sich zu entspannen und auf der letzten Seite wird es von ihm selbst, beziehungsweise seinem Alter Ego? Doctor Döblinger als „Blödsinn?! Alles Unsinn-“ bezeichnet. Die „Amazon Leser“ tun sich ebenfall schwer, bezeichnen es als Nonsense oder schreiben, sie hättten es nicht verstanden und wenn ich es recht verstanden habe, gibt es vielleicht noch eine neuere dtv Ausgabe, aber sonst das Büchlein eher antiquarisch zu beziehen.

Hilde Spiel habe ich in einer alten „Spiegel Rezension“ gelesen, hat es als Parodie auf das dritte Reich interpretiert und dem würde ich mich anschließen. Sein historisches Wissen hat Doderer, der ja Geschichte studierte, darin auch ausgelebt und es geht um viel in mehreren Ebenen, um Gewalt, um Wut, um die Nibelungen, die damalagie Psychiatrie-Kritik, die Geheimbünde, etcetera, etcetera.

In den Kritiken wird neben der  Unverständlichkeit noch die schöne  Sprache erwähjnt und ich füge hinhzu, daß es mir  ganz gut gefallen hat, obwohl ich einiges überlesen habe und mich bei dem monogigantischen Doderer im Gegensatz zu Zweig bei dem ich mich jetzt schon so ziemlich durchgelesen habe, nicht ganz auskenne, obwohl das Doderer-Buch eine ganz gute Einführung gibt.

Und da treffen wir in den Erzählungen  auch den Doctor Döblinger, Doderer verwendet auch eine etwas altertümlich Schreibweise und die „Posaunen von Jericho“ sind wohl als Vorstudien zu verstehen..

Was mir aufgefallen ist, ist, daß in dem Buch mit DM bezahlt wird und die Stadt in der es spielt dürfte nicht Wien sein, beziehungsweise wäre es nicht zu erkennen, aber Doderer hat ja lange in Bayern gelebt.

Es gibt eine Ahnentafel der Merowinger, ein gezeichnetes Wappen und einiges in Reimen und ein scharfes Bild der Fünfzigerjahre, in dem das Buch ja spielt, wird, glaube ich, auch gezeichnet, das ich sehr beeindruckend finde, weshalb ich mich an das Buch auch gut erinnern konnte.

Sehr gut kann mans nicht nacherzählen, also vielleicht keine allzugroße Spoilergefahr, denn besonders scharf auskomponiert scheint es mir nicht zu sein, sondern die verschiedenen Ebenenen eher nacheinander angeführt und nebeneinander gestellt

Da gibt es Childerich III oder den Baron Bartenbruch, den Merowonger, der in seiner Jugend von seinen Brüdern verprügelt wurde und dessen Ehrgeiz es jetzt ist, durch Heirat sein eigener Großǘater, Neffe, Onkel, Enkel, etcetera zu werden, um sich da ganz auszukennen, müßte man genauer lesen oder die Ahnentafeln mit den verschiedenen Seitensträngen der Familie studieren. Er träg auch einen langen Bart und hat ein Stadt- und ein Sommerpalais, dort hält ein eine Menge Diener, sowie einen Hofzwerg, die er verprügelt, aber gut bezahlt, so daß ihm die „Kanaille“ dankbar ist und er wird auch von einer grimmigen Wut geplagt, so daß er die Privatpraxis von Prof Dr. Horn aufsuchen muß, der eine seltsame Therapiemethode entwickelt hat.

Mit seiner Schwester Helga jagt er die Patienten zum Krönungsmarsch von Mayerbeer durch seine Praxisräume, behandelt sie mit einem Nasenzwicker, läßt sie Figuren zerschmeißen und weil das alles ja nicht leise ist, sucht er die unter ihm wohnenen Herren, Dr. Döblinger den Schriftsteller und den frühpensiopnierten Oberlehrer Zilek auf, um ihnen Lärmmiete zu bezahlen. Die machen das dann nach und eröffnen auch eine Praxis für Heilgymnastik, das Haus tobt, die Krankenwägen müssen auffahren und die resche fesche Hausmeisterin, die es auch hier gibt, sperrt sich am Dachboden ein.

Einen Regierungsdirektor Schajo gibt es auch, denn die anderen Patienten Prof Horn haben sich ihre Wut von den Anstehen in den Ämtern geholt und der Direktor hat nun eine Gegentherapie entwickelt und so dem Professor Konkurrenz gemacht.

Die Firma „Hulesch und Quenzel“, eine Art  Geheimclub, der die Weltherrschaft übernehmen will,  gibt es auch, hier ist der Oberlehrer Mitrglied und die sucht ihre Mitglieder auf und überreicht ihne,n als Erkennungszeichen ein bestimmtes Buch, das man aber auch ganz normal im Buchhandel kaufen kann.

Childerich,  der Wütende hat durch die Karolinger beziehungsweise seinen Majordomus Pippin oder französisch ausgesprochen Pepin, Konkurrenz, der ihm vernichten will, was  nach dreihundert  auchSeiten gelingt. Childerich wird entbartet und entmannt, zieht  sich in eine zwei Zimmerwohnung zurück, zahlt seiner riesigen Familie ihr Erbe aus und watscht nun, weil er es doch nicht ganz lassen kann, gegen Bezahlung eine Nachbarin und der Doctor Döblinger sitzt in seiner vielleicht ruhigeren Wohnung und schreibt diesen „Blödsinn“ auf.

2016-05-12

Das Doderer-Buch

Jetzt kommt wieder Doderer für Eilige oder nicht, schreibt doch der Herausgeber, meiner 1976 erschienenen „Donauland-Ausgabe“ Karl-Heinz Kramberg am Büchrücken „Ein solches Buch ist für Leser gemacht, die keine Bevormundug brauchen. Sie haben ihre Lust am Erlesen, aber sie lesen sich daran nicht satt“

Das klingt für den eiligen Schnelleser zwar tröstlich, ganz sicher, daß er damit recht hat, bin ich mir aber nicht oder ganz ehrlich, glaube ich schon, daß man den ganzen Doderer sehr genau,  sorgfältig und wahrscheinlich auch mehrmals lesen sollte, um sich auszukennen.

Aber wer bitte hat dazu schon die Zeit, heute wahrscheinlich noch viel weniger, als im Jahre 1976 oder war das schon 1977, als ich gerade die „Dämonen“ las, die mich sehr beeindruckt haben, die ich sicher auch nochmals lesen sollte.

Diese Zeit nehme ich mir aber, wie bei der „Welt von gestern“ nicht, habe ich Doderer im Vergleich zu Zweig in meiner Studentenzeit doch mehr gelesen und mir auch einige der kleinen DTV-Büchlein gekauft.

So habe ich noch „Die Merowinger“ und „Die Wasserfälle von Slunj“ in meinem Bibbliothekskatalog eingetragen. Jetzt habe ich mir vor ein paar Wochen in Harland das „Doderer-Buch“, das ich mir wahrscheinlich einmal von meinen Eltern zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken habe lassen und nicht gelesen habe, aus den Regalen geholt, weil ich in den „Berührungen“  über Stefan Zweig, Heimito von Doderer und Stefan Zweig schreiben will.

Inzwischen ist es um Doderer  ein wenig still geworden, die „Strudelhofstiege“, die ich einmal lesen sollte, wird zwar häufig zitiert, ich gehe auch manchmal an ihr vorüber und Eva Menasse ruft auf, ihn zu lesen und spricht dabei von einer Pflichtlektüre, aber sonst war ich, glaube ich, nur einmal in der „Gesellschaft für Literatur „bei einer diesbezüglichen Veranstaltung. Dort hängt auch ein Portrait mit der berühmten Pfeife, in den Fünfziger- und sechzigerjahren hat er wahrscheinlich dort auch gelesen, aber damals bin ich noch zu keinen literarischen Veranstaltungen gegangen.

1966 ist der 1896 Geborene gestorben und in dem Buch gibt es „Anstelle eines Vorwortes“ eine Rede die auf Einladung des „Österreichischen Schriftstellerverbandes“ im Jänner 1960 in der Nationalbibiothek gehalten wurde.

„Der Fremdling Schriftsteller“ und hätte ursprüglich „Der Schriftsteller – ein Fremdling in der Wirtschaftswunderwelt“ heißen sollen und darin erzählt Doderer wahrscheinlich ironisch, wie er zu seinen Figuren kommt und, wie er es, der in einem Interview mit Heinz Fischer-Karwin einmal erzählte, daß er nicht ins Kino geht und nicht fernsieht, mit der Wirtschaftswunderwelt hält.

Dann beginnt es mit den „Erzählungen und Kurzgeschichten“ oder den Auszügen daraus. Die erste ist die 1932 entstandene „Zwei Lüge oder antikische Tragödie auf dem Dorf“ und  spielt wahrlich im bäuerlichen Milieu. Da kommt zu  einem Kleinbauern ein jüngerer Mann mit einem Sack voll Geld und will gegen Bezahlung übernachten. Der Bäuerin gibt er seine Sachen, die bemerkt das Geld und beschließt ihn umzubringen, denn sie brauchen Geld. Sie sagt das ihrem Mann Stacho, der denkt sich offenbar, mach was du willst und geht ins Wirtshaus. Dort erfährt er, der Fremdling ist sein älterer Sohn, der im Krieg in Sibirien gefangengehalten wurde. Er kehrt zurück und findet den Toten, der jüngere Sohn hat ihn mit der Mutter erschlagen. Er bahrt ihm auf, bringt die Frau dazu sich zu erhängen, schickt den anderen Sohn ins Bett und geht wieder ins Wirtshaus zurück, um sich als Mörder zu bekennen.

Die zweite Geschichte „Die Posauen von Jericho“ ist noch hintergründiger oder „Doderischer,“ so daß es dazu schon ein Deutungsbändchen gibt, im Internet gibt es keine Interpretationen zu finden, so muß ich es mir selber deuten und denke, sehr psychoanalytisch, aber vielleicht von hinten aufgezäumt.

Es geht um den Herrn Rambausek, einem Pensionisten und offenbaren Mädchenschänder. Der wird von den Eltern des Mädchens erpresst, er braucht also Geld und geht zu dem Erzähler, offenbar ein Schriftsteller. Der gibt es ihm und zwingt ihn dafür auf offener Straße ein paar Kniebeugen ab. Dann trifft er im zweiten Teil das Mädchen, das zu einer Tante an den Stadtrand geschickt wurde. Im dritten Teil gerät der Schriftsteller in schlechte Gesellschaft, treibt sich in seiner großen Wohnung mit Betrunkenen herum, es kommt zu Schägereien und ein Orchester wird engagiert, das die „Posaunen von Jericho“ spielen soll, während die Gesellschaft eine „Spitzmaus“ überfallen will. Es kommt zur polizeilichen Anzeige und zur Beschäung des Erzählers, der zieht aus, trifft dann die Tante und auch den Herrrn Rambausek wieder und am Schluß zieht der das Mädchen aus dem Wasser, in das es beim Spielen gefallen ist  und beide überleben.

Dann gibts eine Geschichte, die in dem Gasthaus Blauensteiner, ich glaube bei der Josefstädterstraße spielt, das Doderer auch freqentiert und dort seine Stelzen gegessen haben würde.

Fünf Kurzgeschichten auf einer Seite gibt es auch, da ist mir von der Hausmeisterin, die die Hemden des Erzählers verschwindet läßt, um sie ihren Freunde zu schenken, in Erinnerung. Es gibt eine Erzählung namens „Oger“, da wird ein Kellner in einem Gasthaus aufgegessen, hui, wie makaber, daber Doderer scheint einen diesbezüglichen Hang zu haben und noch ein paar andere Texte und wir kommen schon zu den Romanauszügen, schön chronologisch aufgegliedert und vom Herausgeber mit dem Rat versehen, sich weiter in die Texte zu vertiefen.

Der erste Auszug ist aus dem 1938 erschienenen, ich glaube, eine Art Kriminalroman „Ein Mord, den jeder begeht“, die ersten vier Kapitel. Da wächst der kleine Kokosch oder Conrad Castilez auf, der zwar ein Durschschnittstyp zu sein scheint, ein Mitläufer, der nicht besonders auffällt, aber gerne in den Auen Molche fängt und sie dann in großen Gläsern auf den Kasten seines Zimmers stellt und mit Regenwürmern füttert.

Die 1962 erschienenen „Merowinger oder die totale Familie“ habe ich wie schon geschrieben auf meiner Leseliste, ob ichs ganz gelesen oder abgebrochen habe, weiß ich nicht, wahrscheinlich letzteres, ich glaube mich aber erinnern zu können, daß ich durch eine von meiner Großmutter abonnierte Zeitschrift, darauf aufmerksam wurde und der Textausschritt weckte tatsächlich die Lust zum Wiederlesen. Geht es darin ja um einen Psychiater, der seine „Wutpatienten“ mit einem Nasenzwicker und Musik, das war schon in den „Posaunen von Jericho“ so zu finden, behandelte und die totale Familie ist Cholderich der II, der durch geschicktes Heiraten sein eigener Großvater, beziehungweise Schwiegerenkel geworden ist.

„Die Strudlhofstiege“ ist 1951 erschienen und dürfte ein Vorläufer der „Dämonen“ sein, zumindest kommen in beiden Romanen die gleichen Personen vor. Frau Mary die ihr Bein durch einen Straßenbahnunfall verlor, mit ihrem Mann und ihren schönen Kindern in einer gutbürgerlichen Wohnung beim Franz Josefs Bahnhof wohnte, die habe ich einmal bei einem literarischen Rundgang an Hande eines literarischen Führers gesucht, von einem rumänischen Arzt behandelt und besucht wird, von ihrer ersten Liebe Leutnant Melzer träumt. Der Gymnasiast Rene Stangeler kommt vor, der über die berühmte Stiege geht, einem jungen Fräulein in einer Konditorei bei Schokolade und Indianerkrapfen die Geschichte der „Einhörndln“ erzählt und bei der abendlichen Tafel zum Gaudium aller perfekt einen lateinischen Trinspruch übersetzt.

Dann gehts zu den 1956 erschienenen „Dämonen“, an denen Doderer schon in den Neunzehndreißigerjahren geschreiben hat, ein Buch das ich mit Begeisterung und wahrscheinlich eher geringen Verständnis im Sommer 1977, als ich gerade in die Otto Bauergasse gezogen bin, wie ich mich erinnern kann im Stadtpark las und abends mit dem Willi in den Volksgarten tanzen ging. An die Ereignisse von Schattendorf kann ich mich dabei erinnern, an den Arbeiter Leonhard Kakabska, der mich sehr beeindruckt hat. Der kommt in den siebzig Seiten Textauszug, in dem es eher um bürgerliche Abendgesellschaften den Dr. Körger, den alten Siebenstein etcetera ging, nicht vor, wohl aber die Musikstudentin Quapp, an die ich mich ebenfalls noch erinnern kann und die streitet sich um einen Tee mit dem Imre Gyukicz.

„Die Wasserfälle von Slunj“, 1963 erschienen und gemeinsam mit dem posthum erschienenen Fragment „Der Grenzwald“, als „Roman No 7“, geplant, werden von Eva Menasse für den Doderer-Einstieg empfohlen und ich werde mir das Buch, gemeinsam mit den „Merowingern“, wenn ich wieder in Harland bin, aus den Regalen holen, denn der Auszug klingt sehr spannend, es geht wieder um Wien, obwohl sich die Wasserfälle in Kroatien befinden scheinen und das Buch daher vielleicht auch für den geplanten Urlaub geeignet wäre, um eine Wohnung beim Donaukanal, wo die Hausmeisterin Wewerka, was auf Tschechisch Eichhörnchen heißt, dem Mieter Chwostik, einem Prokuristen einer englischen Firma, zwei Hurenmädel, als Untermieterinnen aufschwatzte. Jetzt ist er aber aufgestiegen und will umziehen, der Rechtsanwalt Epinger hilft ihm dabei, während Feverl und Fini, die beiden burgendländischen Huren, das damals offenbar noch zu Ungarn gehörte, beide Wasserratten, das kleine Töchterlein von dessen Schwester aus dem Kanal herausziehen und später dem „Globus von Ungarn“, das Schwimmen beibringen.

Im Posthum erschienenen „Grenzwald“ geht es, ähnlich makabraer skuril, das ist offenbar das typisch Doderische und unterscheidet sich wahrscheinlich von leiseren Konvention des Stefan Zweigs in den zweiten Bezirk, Wien spielt in den Romanen ja eine große Rolle. Hier steht ein junger Arzt in seiner Praxis in der Rotensterngasse, es ist kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges, sein Vater, den er nachher besucht ist, vierundachtig, die Mutter, als gäubige Jüdin mit Perücke, ist 1884 mit Dreiundzwanzig, ein Jahr nach seiner Geburt gestorben und deren Spuren geht er nach. Holt sich die Krankengeschichte, die damals noch im Keller neben der Zentralheizung ausgeschieden wurde, geht zu dem Maler, um sich die Portraitskizzen zu holen, dann wird er Militärarzt, wird in Sibirien gefangengenommen und ordiniert dort weiter, während es ein Stückchen zu dem in Groß-Schweyntzkreuth  1865  geborenen Heinrich Zienhammer geht, der darf ein Jahr vor seiner Matura seinen Onkel in der Leopoldstadt besuchen, flaniert durch den Bezirk und folgt einer schönen Dame in ein Hotelzimmer nach…

Dann  kommt. das „Repertorium“, ein „Begreifbuch von höhren und niederern Lebens-Sachen“, das Doderer viele Jahre fühtre, wo es eine Sammlung von A „Alkoholismus“ bis Z „Zugehörigkeit“ gibt.

Zwei Beispiel daraus: „Objekitivität: Es hat alles zwei Seiten. Aber erst wann man erkennt, daß es drei Seiten hat, erfaßt man die Sache.“ oder „Prostitution: Die Prostitution ist nur eine Fatamorgana des Sexuellen für Wanderer in der Wüste der Erfahrung“, bei der  Feverl und der Finerl habe ich das zwar anders gelesen und Doderer scheint sich auch seinen Schriften, viel mit diesem Phänomen befaßt zu haben.

„Reden und Aufsätze“ gibt es in diesen Doderer-Schnellkurs auch und zwar „Die Wiederkehr der Drachen“, wo es in die Botanik geht, während „Die enteren Gründe“ eine lateinische Übersetzung des Hausmeisterstandes  „foetor concciergicus“ geben und Doderer uns belehrt, daß es die, zu der Zeit, als das geschrieben wurden meistens „Powondra und Soukop“ hießen, auch das wird jetzt anderers sein und die Enkelkinder der Hausmeisterin Soukop haben es möglicherweise zu Großpraxen und einem Primariat gebracht und nach der „Weltstadt der Geschichte-„, wo es wieder um die Wienerstadt, die mir auch sehr am Herzen liegt und wie, Eva Menassemuß auch ich bekennen, „unbewußt viel von Doderer gestohlen“ zu haben, so findet man den Namen Wewerka auch in meinen Werken,- sind wir durch mit den Doderer-Schnellverfahren, denn das „Nachwort des Herausgebers“ habe ich schon vorher gelesen und muß bekennen, dieser Chrashkurs ist, anders, als vielleicht bei Handke wirklich empfehlswert, gibt einen guten Einblick, man kann bei Gesellschaften mitreden, obwohl heutzutage vielleicht gar nicht mehr soviel über Doderer gesprochen wird und natürlich sollte man sich dann an sein Bücherregal oder in die nächste Bibliothek begeben und Doderer lesen…

2016-02-25

Stoffsuche

Mit „Paul und Paula“ bin ich gestern wieder fertig geworden und habe es, zusammen mit ein paar Beschreibungssätzen ein zweites Mal dem Alfred geschickt.

Das habe ich ja schon Ende Jänner getan, bevor wir nach Salzburg fuhren, dann kamen Gloria G.s kritische Anmerkungen und ich bin gesessen und gesessen und habe das „sie“ in ein „er“ verwandelt und ausgebessert, was falsch oder unlogisch war.

Das Lokal in „Maribou“ umbenannt, das „Sigmund Freud Museum“ in eine „Berg-Galerie“, etcetera. Ob es sprachlich so gut geworden ist, daß es Anerkennung findet, wage ich nicht zu hoffen, weil ich ja fürchte, daß das bei mir, ich weiß auch nicht, warum,  unmöglich ist, ich finde es aber dichter und kürzer ist es dadurch auch ein bißchen geworden, hat jetzt neunundvierzig Seiten, dann kommen noch zwei Zeilen Danksagung dazu, beziehungsweise 22 726 Worte.

Mein kürzestes Buch wahrscheinlich,  eine knappe Erzählung, das Cover „Paula und Paula“ auf roten Grund, habe ich schon im Jänner entworfen und die „Sommergeschichte“ ist jetzt auch soweit, daß sie an die Druckerei gehen kann.

Da gibt es  schon die Vorschau, wer also noch was gewinnen will, beeilen bitte, wenn das Buch da ist, werden die Fragen aufgelöst.

Es wird  aber bald die Vorschau für den „Adventkalender“ geben, wo wir aber erst das Cover machen müßen, obwohl wir Text und Foto schon haben und dann, was ist dann, wenn mein vierzigstes oder so Selbstgemachtes erschienen ist?

Was werde ich dann schreiben? Da fehlt nach wie vor die Idee füŕ den großen Roman, die ja inzwischen immer kürzer werden und dann hatte ich auch die Idee für die „Wurfgeschichten“, wie es beispielsweise in echt oder als Arbeitstitel heißen könnte, zwölf oder so kürzere Geschichten und die Ideen dazu könnte ich mir aus der Schreibgruppe mitnehmen oder, wie das die Blogger raten, in die Bibliothek gehen, ein Buch herausnehmen und ein paar Sätze herausnehmen und auf diese Art und Weise die Geschichte zusammenbasteln.

Mal sehen, ob das geht. Versuchen könnte ich es ja und von der letzten Schreibgruppe habe ich mir ja das Opernballthema nach Hause genommen und dann die Bundespräsidentin Awadalla dorthin geschickt, die jetzt ja noch eifrig Unterstützungserklärungen sammelt. Das hatte dann allerdings die Länge eines Blogartikels. Aber mal sehen, wie es weitergeht.

Gestern, als ich die „Paula“ abgeschlossen hatte, habe ich die Fenster geputzt und die Böden gesaugt, das ist so mein Ritual, zu putzen, wenn ich mit einem Text in der Rohfassung fertig bin, bevor es an den nächsten geht. Korrigiert wird es dann ja noch, wenn es der Alfred gesetzt hat, bis es an die Druckerei gehen kann und heute habe ich gedacht, gehe ich in der Stadt spazieren, gehe vielleicht ein paar Leuten nach, höre ihnen zu, mache mir ein Notizen, etcetera und schaue, ob ich so zu meinen Stoffen komme?

Ein paar diesbezügliche Ideen hatte ich mir schon in mein Notizbuch aufgeschrieben, aber das war nichts wirklich Neues, sondern ist eher, um das gekreist, worüber ich schon geschrieben habe, das Umgehen mit „Alzheimer“ beispielsweise oder wie macht man das, wenn das, was man schreibt, nicht berührt, aber man trotzdem einiges erlebt,  was wichtig ist oder wie geht es jemanden, wenn das Telefon nicht läutet, etcetera.

Man sieht dasThema „depressive Frauen“ ist eines, was mich nach wie vor beschäftigt, aber das habe ich  schon öfter thematisiert und sollte es vielleicht nicht wieder aufwärmen, wie mich schon einmal eine meiner Leserinnen mahnte.

Also heute Morgen ein kleines und das große Notizbuch eingepackt und mit einer Wasserflasche losgezogen, ein „Mc Donalds-Sparbuch“ mit ein paar Gutscheienen hatte ich auch und auf die Bank mußte ich, bezüglich meines Bausparvertrages, beziehungsweise wollen die jetzt wissen, ob man politisch tätig ist?

Das wäre vielleicht auch ein Stoff für eine Geschichte und mein Bankberater sagte mir noch, wenn er wüßte was die Zukunft bringt, würde er einen Lottoschein kaufen und sich ein schönes Leben machen!

„Sie werden sicher nichts gewinnen!“, habe ich gesagt und darüber, daß eine arbeitslos gewordene Frau ihr Erspartes abhebt, in eine Schuhschatel steckt und beschließt, wenn es weg ist, in den Wald zu gehen und nicht wiederzukommen, habe ich auch schon geschrieben.

Sie könnte es natürlich auch ausgeben und sich angesichts der Flüchtlingsproblematik, um sie herum, ein schönes Leben zu machen versuchen, das wäre vielleicht eine Idee für die nächste Kurzgeschichte, mal sehen?

Ich bin also in Richtung Stadt gegangen, habe einem Flüchtling oder Obdachlosen eine Zeitung abgekauft, beziehungsweise ihm zwei Euro gegeben. Man sieht jetzt wirklich mehr Bettler, eine Frau mit Kinderwagen hat mich angesprochen und wollte wissen, wie sie zu Fuß in den zwanzigsten Bezirk kommt

In dem Bücherkastl beim „Kupptisch“ lagen ganze Stöße „Bastei-Liebesromane“, ich habe nicht hineingeschaut, aber nachher gedacht, ob das nicht meine, vom Almweg, dem Haus, das die Anna jetzt verkauft hat, sind?

Dann bin ich zum Mc Donalds gegangen, einen Krapfen hatte ich schon früher gegessen, mir dort erste Notizen gemacht und zwei Medizinstudentinnen oder Ärztinnen auf Turnussuche zugehört und bin dann auf Paul und Paulas Spuren, die Berggasse hinunter und am „Freud Museum“ vorbei gegangen, bis zur Strudlhofstiege und die dann wieder hinauf, um mir beim Kutschera-Markt die „Büchertaschen“, die es dort an einem Parkgitter gibt, anzuschauen.

Dann bin ich zum AKH gegangen und habe mir meinen zweiten Notizblock aufgeschrieben und dabei vier möglichen Romafrauen beim sich Unterhalten beobachtet, während die zwei sie begleitenden Männer mit ihren Handy spielten.

So weit, so what und meine Ausbeute, vom zweiten oder dritten heurigen Recherchetag, jetzt werde ich wieder in meinen schon vorhandenen Büchern lesen, das tue ich auch immer gern vor dem Neubeginn und gehört zu meinen diesbezüglichen Ritualen und bin dann nach Hause gegangen.

Da ist dann die Dauerkarte, beziehungsweise, die Akkreditierung für Leipzig gekommen, wo es ja wieder literarisch werden wird, ein paar Neuerscheinungen sind bis dahin auch zu lesen. Ich warte auf das Ronja von Rönne Buch, habe mir ein neues Rezensionsexemplar bestellt, ich kann es nicht lassen, auch wenn die vorhandene Leseliste schon so  lang ist. Petra Ganglbauers Gedichte müßten auch noch kommen und noch ein Buch habe ich zu lesen, das mir Klaus Khittl alias Gloria G. der oder die unermüdliche, gestern, bezüglich meines „Paul und Paula“Texts vorbeibrachte.

Sybille Berg „Vielen Dank für das Leben“, auch eine vortreffliche Transgender Geschichte, auch wenn man das nicht sofort merkt, wie ich mich belehren ließ.

Nun ich bin gespannt,ich will ja immer wissen, was und wie es die anderen besser machen, bevor es ans Weiterschreiben geht und einige Todesmeldungen schleppe ich auch noch vor mich her und bin nicht dazugekommen sie zu bloggen.

Vorigen Freitag sind sowohl Harper Lee, von der ich ja nach Weihnachten ihr neues altes Buch gelesen habe und Umberto Eco gestorben, von dem ich einiges auf meiner Leseliste habe, gestorben.

2015-04-19

Eröffnung des Literaturmuseums

Filed under: Literaturbetrieb,Veranstaltungen — jancak @ 18:27
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Von Ungarn bin ich gerade rechtzeitig zur Eröffnung des Literaturmuseums im Grillparzerhaus zuerecht gekommen, das dieses Wochenende den Besuchern bei freien Eintritt mit Lesungen und Kurzführungen zur Verfügung steht und dessen Errichtung nicht unumstritten war.

Vor allem die IG Autoren und, ich glaube, auch die Grazer Autorenversammlung haben sich Anfangs dagegen empört, weil die Befürchtung bestand, die Gelder der Literaturförderung könnten von den Autoren ab- und in das Museum fließen, wo dann den ausländischen Touristen und den Schulklassen, die Pfeife vom Sigmund Freud oder des Heimito von Doderers vorgeführt wird.

Johanna Rachinger, die Direktorin der Nationalbibliothek, in deren Kompetenz auch das Literaturarchiv und das sogenannte Grillparzerhaus beziehungsweise, das ehemalige Hofkammerarchiv in der Johannesgasse, wo Grillparzer Direktor war, fällt, zerstreute aber die Bedenken und der Plan eines Literaturmueseums geht auch auf den leider schon verstorebenen Wendelin Schmid Dengler zurück, der sich ein solches wünschte.

Jetzt ist Bernhard Fetz der Direktor, es gibt eine Kooperation mit der GAV, die eine Lesereihe bzw. Schreibgespräche, immer ein berühmter mit einem jüngeren Autor oder Autorin gemeinsam auftreten soll und am Freitag um halb elf gab es auch eine Pressekonferenz, die man sich per Video ansehen konnte.

Ab Abend gab es wahrscheinlich auch eine Eröffnung, aber da war ich nicht eingeladen, also Samstagmorgen, als literarisch interessiertes Publikum hinmarschiert und da von einer jungen Frau auch gleich ein Programm und einen Orientierungsplan in die Hand gedrückt bekommen.

Jeder hundertste Besucher, kann man dem Programm entnehmen, bekommt auch das bei „Jung und Jung“ erschienene und von Bernhard Fetz herausgegebene Begleitbuch „Das Literaturmuseum. 101 Objekte und Geschichten“, da war ich auch nicht dabei und das Grillparzerhaus bietet in drei Etagen ab nun den literarisch Interessierten Einblick in die österreichische bzw. in die europäische Literatur, wie Bernhard Fetz betonte, weil man das eine nicht vom anderen trennen kann und die dritte Etage, die Raum für Sonderausstellungen bieten soll, ist auch noch nicht in Betrieb, sondern wird erst im nächsten Jahr mit den Portraits von zehn Schriftstellern eröffnet werden.

So begann der Gang durch das Museum in der zweiten Etage, die der Aufklärung bis zum ersten Weltkrieg gewidmet ist und da ist das Kernstück, das original erhaltene Grillparzerzimmer, wo man sein Stehpult und auch die Leiter sehen kann, wo er einmal fast hinuntergefallen wäre oder sich den Kopf angeschlagen hat.

Denn das ganze Haus ist denkmalgeschützt und die braunen Regale, wo damals die Akten gelagert wurden, durften auch nicht entfernt werden, so wurde das Alte in das Neue integriert und damit das besser geht, schließt sich beispielsweise an Schaustücke aus der Zeit von Napoleon, ein Roadmovie von Peter Handke an, bzw. vis a vis der Uniform des Leuntnant Gustl, ist der Regiestuhl von Ernst Jandl zu finden.

Das erscheint mir  gewöhnungsbedürftig und wird vielleicht den etwas unbedarfteren Besuchern Orientierungsschwierigkeiten machen.

Man kann sich aber ein Tablett ausborgen und das immer an bestimmte Schaukästen halten und bekommt dann Zusatzinformationen.

Im ersten Stock geht es  weiter von 1918 bis zur Gegenwart und alle halbe Stunden gab es Kurzführungen  und da zeigen im Stock eins, die jungen Damen der Nationalbibliothek, beispielsweise die Landkarte des geschrumpften Österreichs, denn es beginnt, glaube ich, mit dem Monarchieheimweh, also mit Joseph Roths „Kapazinergruft“ und Radeztkymarsch“ und Heimito von Doderers Pläne zur „Strudlhofstiege“ und zu den „Dämonen“, danach kommt man zu Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ und während ich an den Hörstationen saß und mich ein bißchen durch die Textbeispiele zappte, hörte ich die jungen Frauen behaupten, daß wohl niemand den Robert Musil zu Ende gelesen hätte, es gäbe aber eine gute Hörbuchfassung.

Ich, bitte schön habe, das mit zwanzig Jahren, gebe aber zu, ich habe es wohl nicht ganz verstanden und sollte es wahrscheinlich nochmals lesen, aber keine Zeit, keine Zeit.

Dann gab es ein bißchen was zu den Volksbüchereien zu sehen, die im roten Wien gegründet wurden, um die Arbeiter zu bilden und eine Vitrine ist dem Bild der modernen Frau gewidmet und da denke ich fast, daß die offenen Bücherschränke besser als jedes Literaturmuseum sind, denn die Werke der Joe Lederer, der Annemarie Selinko etc, habe ich dort gefunden und natürlich auch die der Vicki Baum und da sagte eine der Führerinnen wieder, daß die heute nicht mehr gelesen werden würde, obwohl in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sehr bekannt.

Da kann ich gleich auf eines meiner Privatprojekte hinweisen und meine interessierten Leser einladen, mein „Vicki Baum lesen“, das ich nächstes Jahr starten werde zu verfolgen, denn da stehen „Verpfändetes Leben“,“Flut und Flamme“, „Kristall im Lehm“, „Die Karriere der Doris Hart“, „Liebe und tod in Bali“, auf der Leseliste. „Vor Rehen wird gewarnt“, müßte ich auch noch haben und „Menschen im Hotel“ habe ich wie „Stud chem. Helene Willfüer“ habe ich schon gelesen.

„Menschen im Hotel“ wurde auch mit Greta Garbo verfilmt. Ausschnitte davon waren zu sehen, dann ging es weiter zum Kabarett und zu Egon Fredell der sich am 16. März 1938 aus dem Fenster stürzte, als die Nazis bei ihm klopften.

Der Abreißkalender ist noch zu sehen und Ausschnitte aus dem „Herrn Karl“ mit Helmut Qualtinger gibt es zu auch zu sehen und hören.

Dann scheiden sich die Geister bzw. die Karrieren, die, die einen, wie etwa Karl Heinrich Waggerl und Richard Billinger machten, Erika Mitterer hat in der Nazizeit offenbar auch ganz gut verdient, während die anderen emigrieren mußten oder ums Leben kam, etwa Alma Johanna Koenig, Else Feldmann ect.

Marie-Therese Kerschbaumer hat in den Siebzigerjahren einen Roman darüber geschrieben „Der weibliche Name des Widerstands“, der etwa zu der Zeit erschienen ist, als ich sie im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ kennenlernte, so ist das Literaturmuseum auch ein bißchen meine persönliche Geschichte, wie ich dem pensionierten Lehrer sagte, den ich getroffen habe, als ich mich gerade durch die „Jandl-Bänder“ hörte.

„Meine auch!“, antwortete er, denn er hat noch den Heimito von Doderer in der „Gesellschaft für Literatur“ gehört, ich habe an den Schreiborten, wo man zum Beispiel, die Collagen sehen kann, die Friederike Mayröckers Schreibzimmer nachempfunden sind, beispielsweise auch das Gefängnis Krems-Stein gefunden, das ich ja vor kurzem in anderem Zusammenhang besuchte, aber da war in den Siebziger und Achtigerjahren auch Jack Unterweger inhaftiert, hat dort die „Wortbrücke“ herausgegeben und in seiner Edition sind ja auch die „Hierarchien“ erschienen.

Jetzt sind wir aber fast schon bei der Avantgarde, der Wiener Gruppe, dem poetischen Akt, „hosn rosn baa“, H. C. Artmann, Friedrich Achleitner, Gerhard Rühm und dem Kinosaal wo unter anderen auch der berühmte Film gezeigt wird, wo Ernst Jandl „Napoleon“ schreit, bzw. sich über einen sprechenden Koffer ärgert.

Als ich so weit war, war es schon ein Uhr Nachmittag und ich hatte die Lesungen im Fojer unten von Teresa Präauer und Antonio Fian, der für Franzobel eingesprungen zu sein scheint, versäumt, so ging ich nach unten, wo Elisabeth Reichart auch eine, die den Nationalsozialismus mit „Februarschatten“ und „Komm über den See“ engagiert aufarbeitete, um vierzehn Uhr las.

Um fünfzehn Uhr folgte ihr Martin Pollack mit einem Auschnitt aus seinem „Vatermord“ und dann kam, um vier die große alte Dame F.M. und las Prosa und Gedichte, wie sie sagte, bzw. Bernhard Fetz ankündigte und ich wieder einmal dachte, daß ich das eine vom anderen nicht unterscheiden kann und um fünf kam die Frau Generaldirektor und stellte das Konzept des Literaturmuseums vor.

Gratiskaffee von Julius Meinl gab es dazwischen auch, beziehungsweise konnte man diesen mit einem Gedicht bezahlen und auf eine Pinwand hängen und eine Sondermarke und am Sonntag gab es mit Lesungen von Dimitre Dinev, der ein Stück aus seinem neuen Roman las, das ich, glaube ich, schon im vorigen Jahr bei der Sontagsmatinee in Krems hörte, wo das Dienstmädchen Anna Nagl ins Wasser gehen wollte und dann im ersten Weltkrieg als rote Kreuz Schwester Dienst auf einem Sanitätsschiff machte, Anna Kim  las ein Stückchen aus ihrem Roman „Anatomie einer Nacht“, Peter Henisch aus der „Kleinen Figur meines Vaters“, wo auch in der Ausstellung Bezug darauf genommen wurde Julya Rabinowich  ein Stückchen aus der „Erdfresserin“ und zwar das, das ich schon vorige Woche in Krems hörte, aber dann noch die Fortsetzung, wo die illegale Prostiutierte Diana, den Polizisten Leo kennenlernt und den offenbar übel mitspielt und  Robert Menasse  auf Wunsch von Bernhard Fetz, aus der „Vertreibung aus der Hölle“, einen Roman, den ich schon gelesen habe und dann noch eine Miniatur in Anspielung auf Thomas Bernhard.

Gegen Mittag bildeten sich vor dem Museum Schlangen, die Leute wurden offenbar nicht mehr hineingelassen, obwohl es drinnen gar nicht so voll war und sie per Facebook auch zum Kommen aufgefordert wurden und ich bin am Morgen, zu Mittag und nach der Menasse Lesung wieder in die Ausstellung gegangen und habe  hauptsächlich das nachgehört, wozu am Samstag nicht gekommen bin.

Elf Minuten aus Elfriede Jelineks „Liebhaberinnen“, von ihr selbst gelesen beispielsweise, da habe ich mir die Originalausgabe in den Siebzigerjahren, die in der Ausstellung auch zu sehen war, gekauft, es gab auch Filmausschnitte aus der „Publikumsbeschimpfung“ von Peter Handke und aus Wolfgang Bauers „Change“.

Weiter in die Moderne als bis zur Wiener Gruppe oder Wolfgruber, Bauer, Innerhofer geht die Ausstellung nicht wirklich.

Es gibt zwar eine Schautafel, wo auf Migranten, wie Zdenka Becker, Julya Rabinowich, Seher Cakir, Dimitre Dinev, etc hingewiesen wird und eine Filmwand zur engagierten Literatur beginnend mit der Arena Besetzung 1976, da sieht man Gustav Ernst, dann kommt die Waldheim Affaire mit dem berühmten Pferd und bei den Ereignissen um Oberwart 1995 kann man Textausschnitte von Clemens Berger sehen.

Andrea Winkler, Cornelia Travniek, Vea Kaiser, Angelika Reitzer, Robert Prosser, Clemens J. Setz, etc, werden wohl noch in Zukunft anzufügen sein und mit ihren Initialen, wie Schlafanzüge, Hüte, Mäntel etc, zu versehen, vielleicht gehören sie aber auch zu den Autoren, die in der Sonderaustellung im nächsten Jahr vorkommen.

Die Generaldirektorin und Bernhard Fetz haben jedenfalls in ihren Reden immer darauf hingewiesen, daß sie ein Museum für alle sein und niemanden ausgrenzen wollen und keine Konkurrenz zur „Alten Schmiede“, Literaturhaus etc machen wollen.

In Zukunft werden es neben den Touristen wohl die Schulklassen sein, die in den Genuß des Museums kommen, da hat Frau Rachinger sowohl bei ihrer Vorstellung, als auch in der Pressekonferenz darauf hingewiesen, daß sie sich freut, daß die Angebote bis zur Semesterende schon ausgebucht sind und, daß das „Literaturmuseum“ in Zeiten, wie diesen, wo die Literatur aus dem Schulunterricht verschwindet, da eine Ergänzung bzw. Hilfestellung anbieten will.

Ob die Schüler in Scharen ins „Literaturmuseum“, der Eintritt ist bis Neunzehn frei, sonst wirds ab Dienstag sieben Euro kosten, schwärmen werden, um sich hier Nachhilfe zu holen, wäre ich zwar skeptisch und sehe auch eine sehr starke Hierarchisierung im Literaturbetrieb.

Da sind die einen, die überall eingeladen werden und da die anderen, die ihre Werke in den kleinen Initativen, die ein paar hundert Euro oder vielleicht gar keine Subvention haben, wie beispielsweise im „Reading!!!room“  präsentieren.

So gesehen ist das „Literaturmuseum“ sicherlich ein Mainstreamort, Ruth Aspöck kann ich aber anfügen, kommt in einem Video, das Marlene Streeruwitz machte vor und ich habe die Ausstellung sehr interessant und gut gemacht gefunden, bin aber vielleicht selbst ein kleines „Literaturmuseum“, beziehungsweise kann das „Literaturgeflüster“ jetzt schon mit über zweitausendzweitausend Artikeln über das literarische Leben der letzten sieben Jahre aufweisen und da geht es über den Mainstream weit hinaus.

2013-05-06

Drei literarische Zeitreisen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:59

Am Nachmittag gabs wieder eine Muttertagsfeier zu der ich von der Bezirksvorstehung Mariahilf nun schon zum fünften Mal eingeladen wurde. Zweimal bin ich da im Haus des Meeres herumgeklettert und habe mir je eine Szene davon mitgenommen. Einmal einen „Haus des Meeres Besuchs“ der Natalie und ihrer Mutter in der „Radiosonate“, das zweite Mal die „Taubenfütterungszene“ in der „Absturzgefahr“.
ann gabs Einladungen zu einer Jause ins Pensionistenhaus am Loquaiplatz. Vor zwei Jahren hat dort Heinz Zuber gesungen, voriges Jahr war ich mit meiner Cousine Irmi da, als Erni Mangold ihre Memoiren vorstellte und diesmal trat ein Dr. Sepp Tatzel auf, das ist ein 1925, geborener Mariahilfer, der die Turniere auf der Schallaburg gerstaltet, Kabarettprogramme und auch einige Bücher geschrieben hat und er gestaltete diese Muttertagsfeier, es gab wieder Kaffee und einen Schokowürfel mit einem Herzchen, in Gedenken an seine Mutter, hat ein paar Liedtexte vorgelesen und erzählt, daß er aus einer Offiziersfamilie stammt, mit zehn Jahre zum Familieneinkommen beitrug, weil er im Raimundtheater aufgetreten ist und eineinhalb Jahre vor Kriegsende wurde er noch eingezogen.
Das war sehr berührend und auch beklemmend, weil ich mich ja sehr für die Zeitreisen ins Jahr Vierunddreißig oder so interessiere und da stand an diesem Montag auch noch einiges anderes am Programm.
Um achtzehn Uhr wurde nämlich die Widmungstafel vor dem Haus in der Ferdinandstraße Nummer 29 enthüllt und dazu hat mich nicht nur Konstantin Kaiser eingeladen, Petra Ganglbauer war auch am Morgen im Leporello und hat ein bißchen was zu dem „Veza lebt“-Projekt erzählt, wo ich ich ja schon vorige Woche in der Alten Schmiede war. Weil es um sieben in der Grundbuchveranstaltung Hilde Spiel vorgestellt wurde, hatte ich zwar vor dort hinzugehen, aber vorher ein bißchen in der Ferdinandstraße vorbeigeschaut, die schon sehr bevölkert war.
Batya Horn habe ich auf den Weg dorthin getroffen, Christel Fallenstein war da und viele andere und Konstantin Kaiser erzählte mir, daß der Theodor Kramer-Preis heuer erst am 4. Oktober in Niederhollabrunn, Theodor Kramers Geburtsort vergeben wird.
Ein Politiker hat dann die Veranstaltung eröffnet, erzählt, daß Erinnerungsarbeit wichtig ist, Konstantin Kaiser würdigte die Dichterin und die Projektleiterin Gertrude Moser-Wagner zählte alle Sponsoren auf.
Dann gabs im gegenüberliegenden Lokal eine Muiskperformance und auch einen Rundgang durch sämtliche Stationen, wo es im Rahmen des Projektes Installationen gibt, so wird zum Beispiel der Name „Veza“ auf eine Hausmauer projeziert.
Ich bin aber nach der Enthüllung der Tafel, wie geplant in die Alte Schmiede gegangen, denn Hilde Spiel interessiert mich sehr und ist auch zeitlich passend, da sie ja, wie Veza Canetti nach London emigrierte, allerdings nach Wien zurückkehrte, wo sie 1990 starb und ich habe im vorigen Jahr einiges von ihr und über sie gelesen.
Das vorgestellte Grundbuch „Das Haus des Dichters – literarische Essays, Interpretationen, Rezensionen“, 1992 posthum herausgegeben war mir aber völlig unbekannt, was für ein Grundbuch sehr interessant ist, es dürfte auch vergriffen sein, jedenfalls habe ich es nicht am Büchertisch liegen sehen und Kurt Neumann erwähnte in seiner Einleitung, daß Anneliese Rohrer, die bekannte Journalistin heute nicht den Titeltext lesen würde.
Der würde erst morgen in Linz vorgestellt, man könne ja hinfahren, wenn man ihn hören wolle, heute würde es eine Rezension über ein Buch von Helmut Qualtinger geben und Anneliese Rohrer meinte, daß sie den Text deshalb ausgewählt hat, weil Qualtinger nebenan im Heiligenkreuzerhof gewohnt hat und man auch die Verachtung des Österreichischen dabei gut sehe. Es wurde diskutiert, daß Hilde Spiel in dem Text fein umschrieben hat, daß Qualtinger nicht in dem Dichterolymp aufgestiegen ist, sondern sein Talent irgendwie vergeudete und nicht sehr achtsam mit sich umgegangen wäre.
Paul Jandl erzählte dann insgesamt etwas über den Band, meinte daß Hilde Spiel eher einen konventionellen Literaturbegriff gehabt hat und gerne selber die große Form des Romans geschrieben hätte.
Das hat sie an Heimito von Doderer sehr bewundert, von dessen „Strudlhofstiege“ sie so begeistert war, daß sie ihm sogar seine kurzzeitige Sympathie für den Nationalsozialismus verziehen hät, sonst hätte sie von Jandl, Mayröcker, Handke, Turrini und Wolfgang Bauer nicht viel gehalten und von der Wiener Gruppe gerade Konrad Bayer gelten lassen.
Sehr interessant über dieses mir unbekannte Grundbuch wieder viel über die Dichterin zu erfahren bzw. mein bisheriges Wissen auffrischen zu können.
Der Band von Marcel Reich Ranicki , den ich im Vorjahr gelesen habe, wurde erwähnt und auch, was mir, glaube ich, ebenfalls aufgefallen ist, wie ambivalent sich der Literaturpapst darin geäußert hat.
Kurt Neumann meinte in seiner Einleitung noch, daß man Hilde Spiel in den Neunzigerjahren zu einer Grand Dame der Literatur gemacht hat, wohl auch, um andere große Damen damit zu verhindern.
Wer damit gemeint ist, hat er nicht verraten, aber von Netzwerken und der genauen Literaturkritik gesprochen, die heute nicht mehr möglich ist und er hat auch die Erinnerungsbände erwähnt, mit denen Hilde Spiel berühmt wurde und von dem ich auch einen gelesen habe.
„Kati auf der Brücke“, das inzwischen neu aufgelegt wurde und das ich gerne lesen würde, lag am Büchertisch auf und im Publikum war Daniela Strigl, die sich auch zu Wort meldete.
Sehr interessant an einem einzigen Tag soviel über das vergangene Wien von seinen unterschiedlichen Zeiten zu erfahren, obwohl sich das Grundbuch über Hilde Spiel hauptsächlich auf die Siebzigerjahre bezog und die habe ich ja auch sehr intensiv erlebt, obwohl ich von dem damaligen Literaturbetrieb wahrscheinlich nicht sehr viel gewußt habe.

2013-01-18

Vergessener Superstar

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:24

Ich bin ja in einem sozialistischen Arbeiterhaushalt mit dem berühmten Bücherkasten im Wohn-Schlafzimmer, etwa dreihundert meist Büchergilde Gutenberg Bücher, aufgewachsen, war der Vater doch dort Funktionär und hat die Bücher und die Kataloge nach Hause gebracht, von denen ich immer noch einen Stapel herausgerissener Seiten in Harland liegen haben, der Name Rudolf Brunngraber und sein charakteristisches Foto tauchte dort immer auf. War der 1901 in einem Wiener Arbeiterhaushalt in Favoriten geborene und 1960 gestorbene Rudolf Brunngraber, der vergessene Superstar, der inzwischen von Milena, wie auch andere, wieder aufgelegt wird (Ich finde es sehr schade, daß der Wiener Frauenverlag Männer verlegt) wurde, doch in der Zwischenkriegszeit und auch bei den Nazis ein Bestsellerautor, der dann bis in die Sechzigerjahre die Bibliotheken füllte und zum Beispiel über die Büchergilde Gutenberg sehr viel gelesen wurde, bevor er von der Bildfläche verschwand.
Mir war sein „Zucker aus Cuba“, noch bevor Ruth Aspöck das Buch in ihrer „Edition die Donau hinunter“ wiederauflegte, ein Begriff, befand es sich doch im Bücherkasten und dann noch „Radium“ und „Heroin“ und dieser Bücherkasten hatte für mich wahrscheinlich ab meiner Studentenzeit eine große Anziehungskraft und in den vorhandenen Katalogseiten habe ich auch immer wieder geblättert.
Die Valerie vom Arbeitskreis schreibender Frau, die Witwe Wilhelm Szabos, hatte die Büchergilde Gutenberg Ausgabe des „Karl und das zwanzigste Jahrhundert“ und mir das Buch einmal geborgt. Ich habe es ihr zurückgegeben, so daß es mir der Alfred, da es damals vergriffen war, 2009 antiquarisch kaufte, als ich es für meine „Sophie Hungers Studien“ nochmals lesen wollte.
Damals habe ich den Zeitungs- und Statikstikstil etwas schwierig und das Buch für eigentlich unlesbar gefunden, Milena hat es inzwischen wieder aufgelegt und noch eines, ein mir bisher unbekanntes Werk „Prozeß auf Leben und Tod“, wo es um einen historischen ungarischen Ritualmord aus dem neunzehnten Jahrhundert geht.
Ich habe die Gutenberg-Ausgabe von „Zucker aus Cuba“ vor einigen Jahren gelesen und dann noch „Heroin“ einen sogenannten Rohstoffdokumentarroman über den ich das gleiche aussagen würde, wie über den „Karl“. „Radium“ noch nicht, das muß noch auf meine Leseliste, hat Klaus Kastberger das Buch ja sehr gelobt, als am Donnerstag in der Reihe „Autorenlexikon“, der vergessene Superstar und die zwei neu erschienenen Bücher in der Gesellschaft für Literatur vorgestellt wurden.
Erika Brunngraber, die Brunngraber Tochter, die ich auf unserer Donauradkarawane 2007 kennengelernt habe, war nicht da und auch nicht Ruth Aspöck, die sich in ihrem Verlag sehr für Brunngraber eingesetzt hat und, glaube ich, auch einmal im Literaturhaus über den vergessenen Dichter referiert hat und viel von ihm weiß.
Jetzt haben Klaus Kastberger, der Kritiker vom österreichischen Literaturarchiv und Peter Zimmermann vom Ex Libris referiert, beziehungsweise die beiden Bücher vorgestellt, Manfred Müller hat eingeleitet.
„Karl und das zwanzigste Jahrhundert“, 1933 geschrieben, ist das Buch mit dem Rudolf Brunngraber berühmt wurde. Ein Dokumentarroman, verknüpft er ja das Schicksal Karl Lakners mit der Philosophie von Otto Neurath.
Von den Nazis und den Austrofaschisten wurde das Buch verboten, trotzdem ist es Brunngraber gelungen mit seinen späteren Romanen „Radium“ und „Opiumkrieg“ die Aufmerksamkeit Goebbels zu erlangen, erzählte Klaus Kastberger und meinte, daß er sich durch Anekdoten über die Pistole des Sekretärs, die er während der Audienz, die ganze Zeit angeschaut hatte, durch den Krieg laviert hätte und später trotz der großen Auflagenhöhe, nahtlos als Schriftsteller der Sozialdemokraten angeschlossen hätte.
Da gab es auch den Film zur Wiedergutmachung mit Josef Meinrad „1. April 2000“, wo Brunngraber mit Jörg Mauthe das Drehbuch geschrieben hat und der Film „Der Prozeß“, über den ungarischen Rutualmord, gemeinsam mit G.W. Papst, aus dem dann der Roman wurde oder umgekehrt, hatte offenbar einen ähnlichen Zweck. Klaus Kastberger witzelte darüber, daß in dem Buch Österreich nicht vorkam bzw. durch Nichtanwesenheit rein gewaschen wurde, denn schuld waren nur die Deutschen, etc., Brunngraber hatte auch Ambitionen sozialistischer Kulturminister zu werden, dürfte aber ein Alkoholproblem gehabt haben und in einer Doppelbeziehung gelebt haben, wie Klaus Kastberger andeutete.
Den Film „1 April“ lobte er ebenfalls sehr und riet allen ihn sich anzuschauen. Ich habe, als vor ein paar Jahren die Buchhandlung Kolisch zugesperrt wurde und man sich dort ein paar Bücher nehmen konnte, das Filmdrehbuch (und das erste Buch der Melinda Nadj Abonji) und auch den Film gesehen und mir jetzt, wie schon erwähnt vorgenommen „Radium“ das dritte Buch im Bücherkasten meiner Eltern zu lesen.
Klaus Kastberger erwähnte noch etwas von einer Pension der Fünfzigerjahre am Weissensee, wo Brunngraber offenbar mit seiner Freundin Urlaub machte und sich dort mit den Sozialdemokraten traf, daß es den Nachlaß im Literaturhaus in der Seidengasse gäbe und forderte die Verlagsfrauen auf, „Radium“ zu verlegen. Warum nicht dieses Buch?, fragte er. Wenn man auf den eher spärlichen Wikipediaeintrag geht, findet man noch ein paar andere Brunngraber-Bücher und ich halte auch immer in den Bücherkästen nach verborgenen Schätzen Ausschau.
Brunngrabers Biografie scheint, wahrscheinlich wegen seiner großen Auflagenhöhe in der NS-Zeit auch etwas umstritten zu sein. Jedenfalls kann ich mich erinnern, als ich in der Wien Bibliothek war, als es um den neuen Kanon der Zwanzigerjahre ging, wo auch Brunngraber und der „Karl“ vorgestellt wurde, Dieter Bandhauer sagen gehört zu haben, daß es in seiner elterlichen Bibliothek auch einige Brunngraber Bücher gegeben hätte, um die er aber einen Bogen machte.
eine Frau im Publikum verglich Brunngrabers „Karl“ mit Döblins „Alexanderplatz, Musils „Mann ohne Eigenschaften“, Doderers „Strudlhofstiege“ und Brochs „Die Schlafwandler“.
Für so hochliterarisch würde ich Brunngraber gar nicht halten, es scheint aber einen Briefwechsel Broch-Brunngraber zu geben und war auf jeden Fall ein sehr spannender Abend, von dem zuerst gar nicht sicher war, ob ich hingehen konnte und eine große Konkurrenz mit vielen interessanten Veranstaltungen gab es am Donnerstag auch.

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