Literaturgefluester

2013-01-18

Vergessener Superstar

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:24

Ich bin ja in einem sozialistischen Arbeiterhaushalt mit dem berühmten Bücherkasten im Wohn-Schlafzimmer, etwa dreihundert meist Büchergilde Gutenberg Bücher, aufgewachsen, war der Vater doch dort Funktionär und hat die Bücher und die Kataloge nach Hause gebracht, von denen ich immer noch einen Stapel herausgerissener Seiten in Harland liegen haben, der Name Rudolf Brunngraber und sein charakteristisches Foto tauchte dort immer auf. War der 1901 in einem Wiener Arbeiterhaushalt in Favoriten geborene und 1960 gestorbene Rudolf Brunngraber, der vergessene Superstar, der inzwischen von Milena, wie auch andere, wieder aufgelegt wird (Ich finde es sehr schade, daß der Wiener Frauenverlag Männer verlegt) wurde, doch in der Zwischenkriegszeit und auch bei den Nazis ein Bestsellerautor, der dann bis in die Sechzigerjahre die Bibliotheken füllte und zum Beispiel über die Büchergilde Gutenberg sehr viel gelesen wurde, bevor er von der Bildfläche verschwand.
Mir war sein „Zucker aus Cuba“, noch bevor Ruth Aspöck das Buch in ihrer „Edition die Donau hinunter“ wiederauflegte, ein Begriff, befand es sich doch im Bücherkasten und dann noch „Radium“ und „Heroin“ und dieser Bücherkasten hatte für mich wahrscheinlich ab meiner Studentenzeit eine große Anziehungskraft und in den vorhandenen Katalogseiten habe ich auch immer wieder geblättert.
Die Valerie vom Arbeitskreis schreibender Frau, die Witwe Wilhelm Szabos, hatte die Büchergilde Gutenberg Ausgabe des „Karl und das zwanzigste Jahrhundert“ und mir das Buch einmal geborgt. Ich habe es ihr zurückgegeben, so daß es mir der Alfred, da es damals vergriffen war, 2009 antiquarisch kaufte, als ich es für meine „Sophie Hungers Studien“ nochmals lesen wollte.
Damals habe ich den Zeitungs- und Statikstikstil etwas schwierig und das Buch für eigentlich unlesbar gefunden, Milena hat es inzwischen wieder aufgelegt und noch eines, ein mir bisher unbekanntes Werk „Prozeß auf Leben und Tod“, wo es um einen historischen ungarischen Ritualmord aus dem neunzehnten Jahrhundert geht.
Ich habe die Gutenberg-Ausgabe von „Zucker aus Cuba“ vor einigen Jahren gelesen und dann noch „Heroin“ einen sogenannten Rohstoffdokumentarroman über den ich das gleiche aussagen würde, wie über den „Karl“. „Radium“ noch nicht, das muß noch auf meine Leseliste, hat Klaus Kastberger das Buch ja sehr gelobt, als am Donnerstag in der Reihe „Autorenlexikon“, der vergessene Superstar und die zwei neu erschienenen Bücher in der Gesellschaft für Literatur vorgestellt wurden.
Erika Brunngraber, die Brunngraber Tochter, die ich auf unserer Donauradkarawane 2007 kennengelernt habe, war nicht da und auch nicht Ruth Aspöck, die sich in ihrem Verlag sehr für Brunngraber eingesetzt hat und, glaube ich, auch einmal im Literaturhaus über den vergessenen Dichter referiert hat und viel von ihm weiß.
Jetzt haben Klaus Kastberger, der Kritiker vom österreichischen Literaturarchiv und Peter Zimmermann vom Ex Libris referiert, beziehungsweise die beiden Bücher vorgestellt, Manfred Müller hat eingeleitet.
„Karl und das zwanzigste Jahrhundert“, 1933 geschrieben, ist das Buch mit dem Rudolf Brunngraber berühmt wurde. Ein Dokumentarroman, verknüpft er ja das Schicksal Karl Lakners mit der Philosophie von Otto Neurath.
Von den Nazis und den Austrofaschisten wurde das Buch verboten, trotzdem ist es Brunngraber gelungen mit seinen späteren Romanen „Radium“ und „Opiumkrieg“ die Aufmerksamkeit Goebbels zu erlangen, erzählte Klaus Kastberger und meinte, daß er sich durch Anekdoten über die Pistole des Sekretärs, die er während der Audienz, die ganze Zeit angeschaut hatte, durch den Krieg laviert hätte und später trotz der großen Auflagenhöhe, nahtlos als Schriftsteller der Sozialdemokraten angeschlossen hätte.
Da gab es auch den Film zur Wiedergutmachung mit Josef Meinrad „1. April 2000“, wo Brunngraber mit Jörg Mauthe das Drehbuch geschrieben hat und der Film „Der Prozeß“, über den ungarischen Rutualmord, gemeinsam mit G.W. Papst, aus dem dann der Roman wurde oder umgekehrt, hatte offenbar einen ähnlichen Zweck. Klaus Kastberger witzelte darüber, daß in dem Buch Österreich nicht vorkam bzw. durch Nichtanwesenheit rein gewaschen wurde, denn schuld waren nur die Deutschen, etc., Brunngraber hatte auch Ambitionen sozialistischer Kulturminister zu werden, dürfte aber ein Alkoholproblem gehabt haben und in einer Doppelbeziehung gelebt haben, wie Klaus Kastberger andeutete.
Den Film „1 April“ lobte er ebenfalls sehr und riet allen ihn sich anzuschauen. Ich habe, als vor ein paar Jahren die Buchhandlung Kolisch zugesperrt wurde und man sich dort ein paar Bücher nehmen konnte, das Filmdrehbuch (und das erste Buch der Melinda Nadj Abonji) und auch den Film gesehen und mir jetzt, wie schon erwähnt vorgenommen „Radium“ das dritte Buch im Bücherkasten meiner Eltern zu lesen.
Klaus Kastberger erwähnte noch etwas von einer Pension der Fünfzigerjahre am Weissensee, wo Brunngraber offenbar mit seiner Freundin Urlaub machte und sich dort mit den Sozialdemokraten traf, daß es den Nachlaß im Literaturhaus in der Seidengasse gäbe und forderte die Verlagsfrauen auf, „Radium“ zu verlegen. Warum nicht dieses Buch?, fragte er. Wenn man auf den eher spärlichen Wikipediaeintrag geht, findet man noch ein paar andere Brunngraber-Bücher und ich halte auch immer in den Bücherkästen nach verborgenen Schätzen Ausschau.
Brunngrabers Biografie scheint, wahrscheinlich wegen seiner großen Auflagenhöhe in der NS-Zeit auch etwas umstritten zu sein. Jedenfalls kann ich mich erinnern, als ich in der Wien Bibliothek war, als es um den neuen Kanon der Zwanzigerjahre ging, wo auch Brunngraber und der „Karl“ vorgestellt wurde, Dieter Bandhauer sagen gehört zu haben, daß es in seiner elterlichen Bibliothek auch einige Brunngraber Bücher gegeben hätte, um die er aber einen Bogen machte.
eine Frau im Publikum verglich Brunngrabers „Karl“ mit Döblins „Alexanderplatz, Musils „Mann ohne Eigenschaften“, Doderers „Strudlhofstiege“ und Brochs „Die Schlafwandler“.
Für so hochliterarisch würde ich Brunngraber gar nicht halten, es scheint aber einen Briefwechsel Broch-Brunngraber zu geben und war auf jeden Fall ein sehr spannender Abend, von dem zuerst gar nicht sicher war, ob ich hingehen konnte und eine große Konkurrenz mit vielen interessanten Veranstaltungen gab es am Donnerstag auch.

2012-06-09

Literaturgeflüster-Texte-Buch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:14

Kleine Vorschau auf das geplante Buch:

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Sommerfrische

Bücher, Bücher

Bestseller

Wochenendrecherchen

Nanowrimo-Writing

Studien im Schnee

12. Februar

Gerstl-Begräbnis

Bachmannpreisgeflüster

Wunderschöner Tintentraum

1 Jahr Literaturgeflüster

Spurensuche

Rechtschreibfragen

Schreiben lernen

Lesebuch zur Longlist Deutscher Buchpreis 09

Fehlerkultur

Weihnachten

Erinnerung an Helmut Eisendle

Leben ohne Geld

Das alltägliche Leben

Zum Tod von Andreas Okopenko

Sommerlöcher

Besuch im Residenz Verlag und „Sophie Hungers für den offenen Bücherschrank“

Zu Doris Kloimstein durch die Hochsicherheitszone

Fünfhundermal

Warum wird mein Manuskript nicht….

Erinnerungen

Werbefahrt mit Joseph Roth

Leselisten

Auf den Spuren Mayor Bronsteins

Das neue Bücherregal

Transformationsfragen

Erzählprobleme und Protagonistenmeinungen

Hundert Bücher

Momentaufnahme

Radtouren

Klagenfurt-Tratsch und mehr

Bücherkastentour

Unter Dreißig

Das Schiff auf den Schienen

Im Storchendorf

Campingfreuden

Nikoleiken

Leselistenleiden

Gedanken zu nine elefen

„Sophie Hungers“ fast allein

Bestandsaufnahme

Sogenannte Indie-Bücher

Beobachtungen zur Krise

Auf Romansuche

Tausendmal

Rückzugsgedanken

Osterspaziergang ins Neulerchenfeld

Laut und Luise als fünftausendste Veranstaltung

Post-Frühstück

Erlesenes Pfingsten

Sommer am Wasser

Kuriose Suchanfragen

Samstag in Litauen

Best Camp of Town

Wochenende in Saaremaa

Litauischer Literaturstreifzug

Bücherschrank-Geschichten

Übers Krimischreiben

Nanowrimoschreiben 2012

Drei Bücher von Linda Stift

Achter Dezember

Die zweite Reise

Kommentierfrequenz

Ins Jubiläumsjahr

Bela Boltens Indie-Krimis

Die Zahl dreizehn

Vergessener Superstar

Ungelesen

Bücherbeschränkung

Ostern im Schnee

63,69

Weinwandern

Rand-oder Kultfigur?

wer schreibt diese poetischen momente fest? wer erfrecht sich? wer geht von einer lesung zur anderen? bei wind, wetter und nachts? welche person ist das? wird die person hochbezahlt vom ministerium? ist sie eine verhinderte kommissarin? ist sie eine wichtigmacherin? auf alle fälle ist sie eine meisterschreiberin. eine, die verstanden hat, wie wichtig das DARÜBERSCHREIBEN in einer zeit, wo hauptsächlich DARÜBERGESCHRIEBEN/DRÜBERGEHAUT wird.
der blog LITERATURGEFLÜSTER ist ein schrei für die freiheit aller lebewesen, der blog ist ein schrei gegen die VERNICHTUNG der welt, für mich ist der blog wesentlich. wesentlicher als die täglichen zeitungen. wesentlicher als die propagandablätter des neoliberalismus!
danke eva – danke eva- danke
Stephan Eibl Erzberg

Eva Jancak verfügt über eine geradezu unerschöpfliche Lese- und Anhörkapazität. Wer mit der Maus in ihrem Blog „Literaturgeflüster“ blättert, erfährt den Spiegel des gegenwärtigen Literaturerlebnisses Wien.
Berichte von besuchten Leseabenden, Büchermessen und Rezeptionen der Bände ihrer ständig wachsenden Bibliothek reihen sich dort neben die Ankündigungen und das Echo ihrer eigenen Auftritte und geben einen stets aktuellen Einblick in die Szene.Ein ständiges Ein- und Ausmatmen belletristischer Zeichen, die durch unsere Stadt schwirren.
Franz Blaha, Schreibinteressen

So, das ist die vorläufige Textauswahl. Jetzt hätte ich gern Rückmeldungen, wie gefällt die Textzusammenstellung? Außer den im Netz entstandenen literarischen Texten, ist auch die Literaturgeflüster-Geschichte drin, Rezensionen fehlen und von den Veranstaltungen gibt es nur ein paar Schmankerln. Und alle, die mir gern ein kurzes Textchen schicken wollen, was das Literaturgeflüster für sie bedeutet, sind willkommen und bekommen ein Belegexemplar.
Das fertige Buch in Papierform wird dann wahrscheinlich in einem Jahr zu bestellen und zu bewundern sein.

2018-12-09

Buch Quartier und Ruths Abschiedparty

Filed under: Alltagsgeplauder,Veranstaltungen — jancak @ 19:33
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Hanna Herbst beim Signieren

Hanna Herbst beim Signieren

Das „Buchquartier“ im „Museumsqartier“, den Markt der „Independant und Kleinverlage“ gibt es schon seit einigen Jahren im Dezember, der „Holzbaum-Verlag“ der ein Mitveranstalter ist, schickt mir immer das Programm, zweimal war ich, glaube ich dort, war aber immer etwas enttäuscht, weil die Veranstaltung, die groß angekündigt war, dann eher klein und unauffällig vonstatten gegangen ist und meistens war ich an diesem Dezember-Wochenende auch in Harland, wo es es dann ausgefallen ist. Diesmal aber nicht, diesmal habe ich mir Zeit für die Kleinmesse genommen, die von Samstag bis Sonntag jeweils zwischen elf und neunzehn Uhr stattfand.

Das heißt so ganz pünklich bin ich nicht gewesen, weil ich ja vorher Mittag gegessen habe, so bin ich am Samstag mit dem Alfred, glaube ich ,erst zwischen zwölf und eins in der Ovalhalle des MQ wo ich ja schon am Montag beim „Ohrenschmaus“ war, erschienen und war recht erstaunt, daß die Lesungen diesmal dort stattgefunden haben, wo am Montag die Preise vergeben wurden, die Sesseln waren noch so aufgestellt, nur die Bühne war etwas anders umd es hat auch viel mehr ausstellende Stände gegeben

„Vierzig veranstaltungen, hundert Verlage“ stand am Programmfoder und es hat auch Stände wie die „IG-Autoren“ das „Stifterhaus OÖ“, etceera, gegeben, die, glaube ich, neu waren.

Margit  Heumann war mit einem Stand vertrenten und hat mich dazu eingeladen, Luis Stabauer stand am „Hollitzer-Stand“ und  als ich vor dier Bühne nachdem ich kurz das Quartier abgegangen bin, Platz genomen habe, war es sehr sehr voll, denn Hanna Herbst hat gerade ein Pamphlet bezügich Femminsms beziehungs Regierungsildung vorgelesen und dazu offenbar ihren ganzen Freundeskreis mitgebracht. Mir war die Autorin unbekannt, fand ihre Thesen aber sehr spannend und die Warteschleife am anschließendenen Signiertiasch war auch sehr lange.

Dann folgte Stefanie  Schleemilch mit ihrem Buch „Morgengrauen“ aus dem „Duotinta-Verlag“ in dem es um eine junge Frau mit Psychoseerfahrungen ging.

Patrick Addai beim Trommeln

Patrick Addai beim Trommeln

Isabella Feimer folgte, die für die „NÖ -Literaturedition“ eine Anthologie zu hundert Jahre Frauenwahlrecht mit Texten von niederösterreichischen Autorinnen wie Simone Hirth, Sandra Gugic, Marlene Streeruwitz, Eva Rossmann und Cornelia Travnicek herausgegegeben hat und dann wurde es laut und spannend als Patrick Addai zum Trommeln anfnig und wieder einige seiner afrkkanischen Geschichten erzählte.

Vorher waren noch die Gebrüder Moped, zwei Satirikeran der Reiheund Christopher Wurmdople,r der sein Buch“Solo“ vorstellte, danach gab es einen Poetry Slam und ein Buch aus der „Morawa-Selfpublischer-Schiene“, ja das gab es auch.

Nicolas Mahler signierte an an seinem Verlagsstand, Anna Herzig, die ich, glaube ich, schon einmal in der „Aten Schmiede“hörte“, stellte ihr bei „Roland und Quist“ erschienenes Buch „Sommerreigen“ vor und dann kam Nicole Nakarewicz an der Reihe, die ich glaube ich von der „Texthobellesung“ kenne und, glaube ich, auch schon was von ihr gelesen habe.

Sie hat den „Holzbaum-Thrillerwettbewerb“ gewonnen und stellte das daraufhin entstandene Buch „Dein Fleisch und Blut“ vor, das auf meinem Badezimmerstapel liegt und  ich erst lesen muß. Dann ging es zu Ruths Abschiedparty, die ja von der Burggasse weg in eine kleine Gemeidewohnung ziehtund das, was sie sozusagen nicht mitnehmen konnte, verschenkte  oder verkaufte, aber ich habe mir vom Alfred im MQ noch ein Buch kaufen lassen, nämlich das bei „Milena“ von den Buchpreisnominierten von 2014 Michael Ziegelwagner, der ein Buch namens „Sebastian Ferien im Kanzleramt“, das, wie im Vorwort steht, natürlich alle Personen frei erfunden hat, obwohl die Figur am Cover unserem neuen jungen Bundeskanzler, der ja auch so heißt, verdächtig ähnlich sieht.

Bei der Ruth war es sehr festlich, wir sind bei ihr ja schon öfter bei Adventparties gewesen. Diesmal lagen ein paar Bücher, Bilder, Gläser, Nippes, zur freien Entnahme beziehungsweise für das Spendensparschwein auf, es gab Brötchen, Kekse und was zu trinken. Fingerfood, wie die Ruth es nannte, die ja schon in die neue Wohnung, die sich zufälligerweise in dem Haus befindet, unweit vom Literaturmuseum, in dem auch Erika Brunngraber wohnt, der Tochter des Dichters, der „Zucker aus Cuba“, „Karl und das zwanzigste Jahrhunder“ und und geschrieben hat und den ich von den „Büchergilde-Gutenberg-Katalogen“ und den Bücherkasten meiner Eltern kenne, umgezogen ist und wahrscheinlich ihren Hausrat schon mitgenommen hat.

Erika Brunngraber war mit ihrem Hund Coco tat, die Regisseurin Käthe Kratz, Elfriede Haslehner und Hilde Langthaler, die die Ruth, glaube ich, aus der Frauenbewegung kennt, die ja in den Neunehnhundertsiebzigerjahren den „Wiener Frauenverlag“ gegründet haben, der heute „Milena“ heißt und Männer, wie Michael Ziegelwanger verlegt und noch ein paar von Ruths Studienfreundinnen.

Ich habe mir ein Buch von Lore Heuermann, mit der ich mich ja bei der „Literatur im Herbst“ unterhalten habe, ausgesucht, ein Bild, das jetzt in meinen Vorzimmer hängt mitgenommen und mich entschloßen, auch am Sonntag wieder ins „Buchquartier“ zu gehen, wo ich dann, da ich wieder vorher schnell Mittag gegessen habe, den „Bachmann-Preisträger“ Tex Rubinowitz und auch Maja Silfredi versäumte, die ist allerdings am Nachmittag statt Anita Wiegele nochmals aufgetreten, so daß ich zu  Gerald Eschenauers Absurditäten „Es scheint Hoffnung“ aus dem „Mitgift-Verlag“ zurechtgekommen bin.

Dann kam etwas Interessantes, nämlich eine Schauspielerin aus München las einen Text aus der Anthologie „Trinkende Frauen“, die aus einem Blog von New Yorker Journalistinnen hervorgegangen sind, die Texte von Frauen und den Umgang mit Alkohol sammelten.

Auch Magdalena Diercks Geschichte „Hoffnung auf dem Winter“ waf sehr interessant, die ist eine „Exil-Preisträgerin“, die jetzt ein Buch, nämlich „auf halben weg“ eine Geschichtensammlung bei diesem Verlag hat und die Geschichte handelt von einer Frau namens Frieda, die in Berlin ein Strickwarengeschäft betreibt, von dem aber nicht leben kann, weil nur Touristen zu ihr kommen, die nach dem Weg fragen oder die Post, die Pakete bei ihr abgeben will, so daß in der Nacht als „Kapuzenmann“ Flaschen sammeln muß. Das ist ja ein Thema des Ulis, der ja meint, daß in Deutschland, die Rentnerinnen Pfandflaschen sammeln müssen, weil ihnen die Ausländer ihre Pensionen wegnehmen wollen.

Es stimmt aber sicher, daß in bestimmten Vierteln die Mieten so hoch werden, daß die Leute sie nicht mehr zahlen können und sie vielleicht auch nicht mehr in den kleinen Geschäften kaufen.

Eine sehr beeindruckende Geschichte und so habe ich mir in der Pause, wo etwas über Extremsport kam, das mich nicht so interessierte, gleich das Buch von Christa Stippinger und das zweite, das um vier Uhr vorgestellt wurde, am Stand geholt und  auch  ein bißchen Smalltalk beziehungsweise Networking betrieben, was bei mir aber nie sehr erfolgreich ist, habe mir von einer „Selfpublishing-Agentur“ Unterlagen geben lassen, mit einer „Selfpublisherin“ aus Luxenburg geplaudert und auch mit dem Berliner Verlag, der Texte von Else Feldmann herausbrachte.

Dann bin ich wieder zu einem Sportbuch zurechtgekommen, nämlich zu Antoine Blondins „Tour de France“, das vom Verleger vorgestellt wurde, da der Autor 1922 in Paris geboren und 1991 verstorben ist und die „Tour de France“ von  1954 bis 1982 als Chronist begleitete.

Danach wurde es wieder interessant, obwohl der Autor, der lesen hätte sollen, glaube ich, erkrankt ist und deshalb ein anderer „Morawa-Autor, denn der hat jetzt auch eine „Selbstpublischer-Initiative“ sein Buch, der, glaube ich, ein Krimi ist, vorstellte und Wilhelm Vogel offenbar ein ehemaliger Beamter hat in seinem „Lockruf des Pirols oder ein September im Leben des Julius Wondraschek“, offenbar ebenfalls einen pensionierten Beamten beschrieben, der auf das Begräbnis seines Freundes auf den Zentralfriedhof geht, der aus einem Fenster eines Hotels stürzte, nicht glaubt, daß der Selbstmord beginn und sich mit einer Biologin offenbar der Sache annehmen will. Wilhelm Vogel hatte eine sehr interessante Art in sein Buch einzuführen und ich schreibe ja gerade auch über eine Pensionistin, die versucht mit ihrem neuen Leben etwas anzufangen.

Diana Köhles bei „Holzbaum“ erschienenes Tagebuchslambuch kenne ich schon, sie hat aber zwei Slamteilnehmerinnen, zwei junge Frauen gebeten, ihre Texte daraus zu lesen und sozusagen einen Mini-Slam zu veranstalten.

Dann kam Thomas Perle der zweite „Exil-Autor“, Thomas Perle, der in Rumänien geboren wurde, in Deutschland aufwuchs, dreisprachig ist und auch einen Erzählband herausbrachte, aus der er eine Geschichte gelesen hat.

Dann ging ich wieder eine Runde, beziehungsweise aufs Klo, traf Helene Hoffmann, die früher in Salzburg bei der Leselampe war, jetzt aber schon länger in Wien ist und die ich öfter bei Veranstaltungen treffe, am „Stifter Haus Stand“, wo sie sich gerade eine Rampe kaufte und unterhielt mich länger mit ihr, hörte dann noch wie beschrieben aus dem Buch „fickfisch“ von  Maja Siffredi aus dem „Schriftstella-Verlag“, die ich vorher schon an ihrem Stand traf und zuhörte, wie sie einem jungen Mann etwas über ihr Schreiben erzählte.

Dann folge die „edition weinviertel“ mit Helmut Steiner „Monate mit R“, das offenbar eine Art Thriller ist, wo drei alte Damen, die in einer Mühle wohnen, von Börsenspekulanten vertrieben werden sollen. Der Verlag hatte am Signiertiasch eine Menge Bücher aufgebaut und ich bin, da danach ein Vortrag über „Allergien“ folgte, der mich auch nicht so sehr interessierte, gegangen, um noch genügend Zeit für die Badewanne, beziehungsweise das Bloggen zu haben.

Kann aber sagen, daß das „Buchquartier“ im MQ jetzt eine sehr interessante Kleinmesse ist, die sehr viele mir bisher unbekannte deutsche Verlage hatte, ich wieder interessante Bücher von „Selfpublishern“ und Kleinverlagen kennenlernte, die jetzt wahrscheinlich so groß ist, wie es die „Buch-Woche“ im Wiener Rathaus war. Sie ist gratis zu besuchen und Punsch gibt es, was, wie ich immer höre, die meisten Besucher der „Buch-Wien“ vermissen, im Hof des „Museumsquartiers“ auch zu kaufen.  Didi Sommer und Diana Köhle, die beiden Moderatoren, bemühten sich auch immer sehr für das Buch Werbung zu machen und die Uuhörer mit dem Hinweis „Weihnachten kommt bald“, zu einem Kauf zu animieren.

2017-06-12

Vom Rausch des Schreibens zum Musil-Archivgespräch

Ich bin auch heuer wieder nicht zu der Eröffnung der Sonderausstellung „Im Rausch des Schreibens – von Musil bis Bachmann“, im „Literaturmuseum“ gekommen, denn da war, glaube ich, die „Autorinnen feiern Autorinnen-Veranstaltung“ im Rathaus, was  insofern nicht so viel macht, da man  an den Veranstaltungstagen ab sechs umsonst in das Museum gehen kann und die Gratistickets, die wir damals bei der „Literaturarchiv-Führung“ bekommen haben, müssen auch noch irgendwo beim Alfred liegen.

Also heute nach meiner fünf Uhr Stunde, noch schnell zum „Hofer“, Milch, Faschiertes, Bananen und Emmentaler einkaufen, hoffentlich wurde mir das bei der Hitze nicht schlecht und dann hinauf in den dritten Stock in die Sonderausstellung.

Ich habe ja am Etröffnungsabend das Kulturjournal gehört, wo darüber berichtet wurde und ich dachte, es geht wieder, um die Dichter und ihre Shreibtische, das war auch teilweise so.

Ansonsten war der Titel wieder eine ziemliche Irreführung, gab es zwar gleich am Anfang drei Korrekturfassungen eines Gerstl-Gedichts zu sehen, das glaube ich sogar „Drogenrausch“ oder so hieß und dann gabs was von der Bachmamm und die FM war natürlich auch zu sehen, wie sie in ihren Zettelbergen untergeht, beziehungweise mittendrin an ihrer „Hermes“ sitzt.

Aber dann ging es um den Alkohol und das Rauchen, gut, ist im Titel zu erklären und es ist auch interessant, daß es vonden Zwanziger- bis Dreißigerjahren eine Zeitschrift der Tabakindustrie mit dem Titel „Die Raucherin“ gab, die den Damen das Zigarrettenrauchen schmackhaft machen sollte.

Das wäre heute undenkbar und dann lagen auch auf einmal die Romane der großen Amerikaner und die von Upton Sinclair, etcetera auf, die sich mit Opium, Nikotin und dem Rauschgift beschäftigten.

Brunngrabers „Heroin“ lag nicht auf, aber vielleicht habe ich das übersehen und Joseph Roth  ist ja an seiner Alkoholsucht zugrunde gegangen.

Von ihm gabs ein Zitat, daß das Leben, beziehungsweise die Literatur nichts ohne Alkohol sei und von Robert Musil, der ja auch im Titel steht, gab es sein Rauchertagebuch zu sehen und das ist insofern interessant, wurde doch um sieben die bei „Jung und Jung“ erschienene neue Werkaufsabae vorgestellt und Robert Musil scheint jetzt modern, beziehungsweise ein Jubiläumsjahr zu haben, beschäftigen sich jetzt ja einige mit dem Ulrich und bei dem Archivgespräch, Bernhard Fetz wies natürlich propmt auf das Tabaktagebuch in der Sonderausstellung hin,  wurde zuerst von Dagmar Leupold, eine „Jung und Jung-Autorin“ , die mit ihren „Witwen“ auf der letzten dBp Liste stand und ich eines ihrer Bücher auf meiner heurigen habe, aber vielleicht nicht zum Lesen komme und Clemens  Setz, dessen „Stunde zwischen Frau und Gitarre“  auf der 2015 dBp stand,  je ein Stückchen aus dem „Mann ohne Eigenschaften“ gelesen und hier ist interessant, daß Dagmar Leupold genau diese Ausgabe mitbrachte, die ich auch 1974 vierzehn Tage Lang im Häuschen am Almweg gelesen habe und, wie ich immer hinzufüge, nicht verstanden habe.

Walter Fanta vom Musil Institut, der offenbar der Herausgeber war, saß auch am Podium, moderiert wurd von Ronald Pohl und dann gab es ein Gespräch, das die Frage beantworten sollte, was Musil der heutigen Leserschaft noch zu sagen hat und warum man ihn lesen sollte?

Das weiß ich nicht so genau und ich habe mit Zwanzig, muß ich gestehen, das Buch auch nicht so spannend gefunden, daß ich nicht zu lesen aufhören konnte.

Daß es aber um Inzest zwischen dem Ulrich und seiner Schwester Agathe geht, habe ich mir gemerkt und auch das von der Parallelaktion.

Daß das Buch unvollendet blieb, habe ich dagegen nicht gewußt und die neue Ausgabe ist auch ein kommentierte, die man offenbar auch online finden kann und dann wurde noch diskutiert, wie das Internet die Archive ändern wird und das  ist etwas, das mich sehr interessiert, weil es ja bald keine Handschiften und dann wahrscheinlich auch keine Vorläße mehr geben wird, wenn man alles im Netzt finden kann.

Walter Fanta erwähnte noch, daß Musil alles in seinem Werk verknpüfte und auf ähnliche Stellen in seinem Werk verwies.

Das mache ich in meinen „Literaturgeflüster“ auch und habe da schon über dreitausend  Artikel und werde wahrscheinlich so bald oder vielleichauch nie zum Wiederlesen des „Manns“ kommen, habe aber da kürztlich „Musils Möder“ gelesen und jetzt das Archivgespräch, das sehr interessant und sehr gut besucht war.

Nachher bin ich mit dem Herrn Pauer, der mir erählte, daß er den „Mann“ 1969  im August 1974 in vierzehn Tagen gelesen hat, während in Prag die Russen einmarschierten, zurückgegangen.

Das ist natürlich ein Ereignis, das prägt und die Erinnerung wachhält. Also kann ich sagen, daß ich damals warhscheinlich Heftchen-Romane gelesen habe, aber in dem Supermarkt, den es am Brunnenmarkt gegeben hat, einkaufen war und dort ein Glas Roten Rüben- Salat zerbrochen habe, was ich wahrscheinlich bezahlte und anschließend bin ich, glaube ich, auch zu Fuß auf den Almweg gegangen, wo ich ja damals meine Sommer verbrachte.

2017-01-23

In meinem fremden Land

Filed under: Bücher — jancak @ 14:56
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Nach den Impressionen aus einem idyllischen Ex-DDR-Dörfchen geht es weiter mit Hans Fallada, nämlich mit der Neuauflage seines Gefängnistagebuch von 1944 und das ist wahrhaft ein „wahnsinniges“ Stück Zeitgeschichte.

Im besten Sinn des Wortes, denn da schießt einer im August 1944 im Alkoholdelirium auf seine Frau und wird eines übergenauen Richters wegen, in ein Gefängnis für geisteskranke Kriminelle eingewiesen und dort schreibt er für oder gegen sein Leben.

So genau läßt sich wohl nicht definieren, denn was macht der einseits angepasste Schriftsteller und Gutsherr Rudolf Dietzen, der andererseits ein für die Nazi unerwünschter Schriftsteller geworden ist, der aber wahrscheinlich doch sehr gut an den Unterhaltungsromanen, die er in dieser Zeit geschrieben hat, verdiente.

Hier sind vielleicht auch Vergleiche mit Rudolf Brunngraber angebracht, von dem man auch nicht so go genau weiß, ob er jetzt ein Nazi war oder nicht.

Fallada schreibt zwar fast unleserlich und auf den Kopf gestellt, so daß, die ständig hereinkommenden Wächter, es nicht gleich erkennen und an Geschichten für Kinder, glauben, seine Erinnerungen und Erlebnisse an diese grauenhafte Diktatur.

Dazwischen gibt es immer eingeschoben Berichte von Leuten, die von den Nazis hingerichtet wurden, weil sie beispielsweise einen Koffer oder eine Druckereipresse versteckten und ein Fall für die Euthanasieprogramme wäre der Alkoholiker, Nervenkranke und Morphinist höchstwahrscheinlich auch gewesen.

Sei es wie es sei, Hans Fallada hatte ein sehr ungewöhnliches Leben und war wahrscheinlich auch ein sehr widersprüchlicher Charakter. Das kann man schon an seinen Pubertätskrisen sehen und ist sowohl bei „Wikipedia“, als auch in der vor kurzem erschienenen Biographie von Peter Walther nachzulesen.

Im Netz findet man auch, daß es bei dem bei der bei „Aufbau“ am 19. Jänner erschienenen Auflage, schon eine Ausgabe von 2009 gibt, eigentlich findet man im Netz derzeit fast nur Informationen über sie und in dem von Jenny Williams und Sabine Lange herausgegebenen Buch, steht auf Seite 287: „Hans Falladas bisher unveröffentlichtes Gefängnistagebuch aus dem Herbst 1944 wird als Teil des „Trinkermanuskripts“ in der Akademie der Künste, Berlin, aufbewahrt.“

Das stimmt, würde ich sagen, insofern nicht, daß die 2009 Ausgabe ein ganz anderes Cover hat, also wäre ein größerer Hinweis, als der im Impressum, daß die Erstausbage 2009 bei Aufbau erschien, wenigstens für mich sehr hilfreich gewesen.

Ansonsten finde ich das Buch vor allem als Psychologin sehr interessant.

Denn das, was da von der Entstehungsgeschichte berichtet wird, klingt so unglaublich, daß man es auf den ersten Blick für erfunden halten könnte und in dem sehr ausführlichenNachbemerkungen, ist auch mehrmals zu lesen, daß Fallada, seine Tagebuchnotizen  sehr romanhaft mit Schilderungen, Bildern und Szenen angelegt hat.

Er hat sie auch sehr schnell geschrieben, im wesentlichen im September 1944, denn im Dezember wurde er wieder entlassen. Und dazwischen gibt es auch, die Kindergeschichten und das Buch „Der Trinker“ und an seinem nichantisemitischen antisemitischen Roman hat er auch gearbeitet.

Sehr viel Zeit zu überarbeiten hatte er im Gefängnis wohl nicht, später, vor der Herausgabe hat er das dann  getan und einiges verändert und in den Anmerkungen kann man auch sehr genau nachlesen, wo Fallada sich irrte und, wo etwas nicht stimmt.

Einiges war mir schon aus der Biographie von Peter Walther bekannt und es beginnt, wie man auch in den Anmerkungen sehr plastisch nachlesen kann, im Jänner 1933 in der Weinstube Schlichter in Berlin. Da saß Fallada mit Ernst Rowohlt,  seiner Suse und dessen Frau und Ernst Rowohlt, der berühmte Verleger pflegte sein Publikum auch zu unterhalten, in dem er sich ein Sektglas servieren ließ und dieses dann zum Erstaunen der Zuschauer genüßlich zerbiß. Jetzt wird er aber durch den Kellner unterbrochen, der den Gästen aufgeregt verkündet „Der Reichstag brennt!

So hat das tausendjährige Reich in Deutschland  angefangen, in Österreich passierte das erst fünf Jahre später und Fallada plaudert weiter, daß Ernst Rowohlts dritte Gattin, sein drittes Reich, steht irgendwo später, dem kleinen Töchterlein immer schön, das „Heil Hitler-Grüßen“ beibrachte, was derVerleger, der Fallada immer Väterchen nannte, insofern sabotierte, in dem er der Kleinen „Rotfront- Ein Arschist blond!“, zu skandieren beibrachte,  was höchstwahrscheinlich auch nicht so ungefährlich war.

Dann geht es weiter mit dem Bericht von dem Häuschen in dem Fallada mit Frau und dem ältesten Sohn, die Zwillinge wurden gerade erwartet, wohnte, das einem ehemaligen Fabrikanten gehörte und sehr verschuldet war. Fallada wollte es ihm abkaufen, der wandte sich aber an die Nazis, die Fallada in Schutzhaft nehmen ließen, ihn, wie er meinte, gerne auf der Flucht erschoßen hätten, dann hätte der Vermieter aber auch nichts davon gehabt, der ihn, als er von Fallada gekündigt wurde, mit der SA erpresste, sodaß er ihm weiterhin die Miete zahlen mußte und auch seine Möbel einbehalten wurden.

Gerettet aus dieser Misere hat Fallada Peter Suhrkamp, der in den Kriegswirren, die Furcht von Bertram Fischer ausnützte und dessen Verlag übernahm.

Ja, die Verlage haben gewechselt, Ernst Rowohlt mußte emigrieren. Der Verlag gehörte plötzlich jemanden anderen und Fallada zog sich mit seiner Familie nach Carwitz, das in dem Buch Mahlendorf genannt wurde, zurück.

Ganz so schlecht ist es ihm dort aber nicht gegangen oder doch, wollte er doch ein Drehbuch seines „Eisernen Gustavs“, er hat ja im Krieg Unterhaltunsromane geschrieben, für Emil Jannings schreiben, hat das auch getan, Goeblels oder auch Minister Rosenberg haben das aber verhindert und so wurde Fallada zum unerwünschten Schriftsteller und mit den Bürgermeistern und Lehrern, die es in dem Dörfchen Carwitz gab, gab es auch Probleme, denn die waren bald aufrechte und aktive Nazis, die die Dorfbewohner und natürlich auch Fallada erbärmlich schikanierten.

Es kamen, je länger de Krieg wehrte, auch immer wieder Einberufungen, Fallada mußte zu den Musterungen und dort sagte man ihm, wie einmal dem braven Soldaten Schwejk, daß eine Schizophrenie, Epilespisie, wie überhaupt jedes Nervenleiden egal sein, man darf in diesem Fall zwar keine Kinder kriegen, fürs Vaterland sterben aber schon.

Ein ehemaliger Hausarzt rettet ihn und schreibt ihn endgültig kriegsuntauglich und am Schluß, dazwischen gibt es immer wieder Einschübe und Rechtfertigungen, wieso Fallada nicht emigrierte und, daß das, was er da mache eigentlich wahnwitzig und gefährlich sei, eine Vision, daß er sich mit seiner Familie im Keller seines Hauses gemütlich macht, während oben zuerst die Ratten herumlaufen und der Krieg dann irgenwann einmal doch beendet ist.

In Wahrheit bekam Fallada im Oktober oder so Ausgang, so schmuggelte er das Manuskript hinaus, schrieb dann offenbar bis zu seiner Entlassung an dem Antisemitischen Roman weiter, der nie erschienen ist und ich kann die Aufzeichnungen jeden, der über diese Zeit des Zwanzigstenjahrhunderts etwas erfahren will, sehr empfehlen und die Biographie natürlich auch.

Es ist auch ein kleiner Folder beiglegt, der auf die Biographie hinweist, ein paar Fotos zeigt, die dort enthalten sind, außerdem sind da auch die aktuellen Romanausgaben, die „Aufbau“ ja nach und nach unzensuriert wieder neuauflegt, enthalten.

„Jeder stirbt für sich allein“ habe ich schon gelesen, den „Blechnapf“ und den „Kleinen Mann“, in älteren Ausgaben, „Wolf unter Wölfen“ wartet in meinen Regalen, „Ein Mann will nach oben, Der Trinker“ und „Der Alpdruck“ müssen noch zu mir kommen.

2016-07-03

Der vierzigste Bachmannpreis

Filed under: Literaturbetrieb,Veranstaltungen — jancak @ 11:45
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Das „Literaturgeflüster“ wird acht, das „Bachmannlesen“ vierzig Jahre alt, denn 1977 hatten Humbert Fink und Ernst Willner, die Idee, in Anlehnung an die „Gruppe 47“ ein solches in Klagenfurt zu veranstalten, gewannen MRR als Vorsitzenden und hatten erst einmal Schwierigkeiten, Autoren dafür zu finden, denn die schrien von öffentlicher Verheizung ihrer Texte, wehrten sich zuerst und lasen dann schließlich doch.

Vor ein paar Jahren sollte der Preis dann eingespart werden, da gab es einen großen Aufschrei und so feiern wir heute vierzig Jahre „Bachmannpreis“ und den neunzigsten Geburtstag der Dichterin und der Preis hat sich inzwischen sehr verändert, das kann man merken, wenn man sich beispielsweise das Video zum fünfundzwanzigsten Geburtstag ansieht.

Denn da saßen ja in den ersten Jahren Größen, die heute fast schon Legenden sind, in den Jurorensessel, Hans Weigel, Friedrich Torberg, Hilde Spiel war, glaube ich, auch dabei, Gertrud Fussenegger, Marcel Reich Ranicky und und und..

Es haben auch inzwischen verstorbene Größen, wie Gert Jonke, den Preis gewonnen, Sten Nadolny hat den seinen verteilt, Karin Struck hat sich geweigert ihre Texte vorlesen zu lassen, ein Büchner-Preisträger hat sich die Stirn aufgeschnitten, ein Autor hat mal seinen Text gegessen, einer vom „Baby ficken“ gelesen und dann wurde über Geschmacklosigkeit beziehungsweise „Freiheit der Kunst“ diskutiert.

Es waren also eigentlich immer recht berühmte Autoren bei den Eingeladenen und einige von ihnen, meistens, die aus Österreich habe ich gekannt, diesmal ist es anders, diesmal sind mir gerade vier der vierzehn ein Begriff und Stefanie Sargnagel, die als die berühmte Facebookautoringehandelt wird und vielleicht als Nachfolgerin der Ronja von Rönne anzusehen ist, fungiert als einzige Österreicherin, weil sich „Klagenfurt“ heuer offenbar international geben will und den in Köln geborenen und dort lebenden Selim Özdogan als Türken führt und den in Salzburg lebenden Exilpreisträger Marko Dinic als Serben, früher hätte man das A und das D wahrscheinlich dazugeschrieben und ich hätte mir gedacht, daß Autoren, die in diesen Ländern entweder geboren wurden oder dort leben, lesen können.

So verstehe ich die Teilnahme des in Israel geborenen und dort lebenden Tomer Gardi, der zwar Stadtschreiber in Graz war und bei „Droschl“ verlegt nicht ganz und bin gespannt, ob er in Deutsch oder Englisch lesen wird, denn sein Video ist stumm und auch die Altersreihe ist heuer interessant, wurde die älteste Autorin, die sowohl in Frankreich als auch in Deutschland lebt, doch 1944 geboren.

Vielleicht sollte ich noch erwähnnen, daß ich von den Autoren noch Sascha Macht kenne, weil ich ihn in Leipzig und, ich glaube, auch in Wien schon einmal lesen hörte und Bastian Schneider kenne ich von einer der Studentenlesungen, beziehungsweise hat er glaube ich in der „Jenny“ einen Text.

Spannend  spannend und weil ich am Mittwoch in der „Alten Schmiede“ war, habe ich die Eröffnung zum großen Teil versäumt und bin gerade zu Burkhard Spinnen, dem langjährigen Vorsitzenden Eröffnungsrede „Mythos, Schmerz, Erfolg und Amt“ zurechtgekommen, dem dann noch von der Bürgermeisterin eine Ehrenmedaille für seine Verdienste überreicht wurde.

Die Auslosung habe ich auch versäumt, Stefanie Sargnagel wird aber, gefolgt von Sascha Macht und Marco Dinic mit dem Lesen beginnen und das „Carinthia Saxophonquartett“ hat auch gespielt.

Und dann ging es am Donnerstag los mit dem Text der 1986 in Wien geborenen, die mit einem roten Kappel auftritt, ein lustiges Video hat und mit ihren Facebook-Geschichten berühmt geworden ist.

Ihr Text heißt „Penne vom Kika“ und beginnt mit den Worten „Ich glaube es wird ein guter Tag, denn ich habe das Gefühl, ich habe mein Leben im Griff“,  auf den ORF-Seiten wird sie  sehr hochgelobt und eingeladen wurde sie von der Jurorin Sandra Kegel und, ich glaube, ein zweiter hätte das auch getan.

Spannend, wie die Jury auf diesen nicht sehr abgehobenen Text, der meinen, behaupte ich einmal, nicht so unähnlich ist, reagiert und die Reaktionen reichten von Begeisterung bis zur  Feststellung der „Banalität“. Die „Klugheit und die Tiefsinnigkeit“ wurde aber beispielsweise, „Steffi, du bist urgut!“,, von Klaus Kastberger sehr verteidigt und Stefanie Sargnagel, die ungewöhnliche, grinste sich ein und mischte sich immer wieder in die Diskussion ein, die so intensiv wurde, daß Sascha Macht oder Montag wie sich der Moderator Christian Ankowitsch versprach, erst zehn Minuten später an die Reihe kam. Sein Text heißt „Das alte Lied von Senor Magma“, der wieder etwas „Bachmannpreis“ konformer oder „Schreibschul“ geschult war, der dann von der Jury auch ordentlich verrissen wurde.

Danach ging es weiter mit dem 1988 in Wien geborenen und jetzt in Salzburg lebenden Serben Marko Dinic.

„Als nach Milosevic das Wasser kam“, auch ein sehr realisischer Text über den Krieg, Belgrad und Milosevic, der den Jugoslawienkrieg aus der Sicht des jugendlichen Erzählers in trotzig starker derber Sprache erzählt.

In der Mittagspause ging es mit Marica Bodozic beziehungsweise im Film von Katja Gasser nach Kroatien, also nicht sehr weit weg vom Sujet und mir auch ein bißchen bekannt.

Dann kam ein Auisschnitt aus dem Film von Ruth Beckermann „Die Geträumten“, wo sich zwei Schauspieler vor ihren Mikros stehend den „Bachmann-Celan-Briefwechsel“ vorlesen.

Weiter gings  mit dem 1981 geborenen in Köln und Wien lebenden Sprachkunst-Studenten Bastian Schneider und seinen Text „MEZZANIN – Stücke“, wo es um  ein „Halbstücke“, „Schuhstück“, „Handschuhstück“, etcetera, also um kurze Textminaturen und, um kein „Theaterstück“ ging, wie das Video vermuten ließ, mit denen sich die Jury wieder schwer tat und von einem bundesdeutschen Schriftsteller sprach, der in Wien in einem „MEZZANIN“ sitzt und seine Stücke schreibt und damit, füge ich hinzu, die Jury verwirrte.

Dann folgte der  1971 in Köln geborene Selim Özdogan, von dem ich einmal ein „Haymon“ E-Book gelesen habe, in dessen Text „Ein geheimer Accord“, es um einen Hasen, Urheberrechtsverletzungen, sowie um eine manisch depressive Mutter, also nicht um die „türkische Migrantenliteratur“, auf die er, wie ich Selim Özdogan einmal sagen hörte, so gerne festgelegt wird und der es in seiner Vielschichtigkeit, der Jury auch nicht so leicht machte.

Und Stefanie Sargnagel , die im Anschluß mit Marko Dinic im Garten zu ihren Leseerfahrungen zu hören war, twitterte „Alle die was negatives über mich schreiben sind blöd!“, denn  auch das ist neu am heurigen Bachmannpreis, daß es einen eigenen Twitter und Facebook-Account gibt.

Von Stefanie Sargnagel habe ich mir im Anschluß noch einige Videos angehört. Sie war, wie ich noch in Kroatien, beziehungsweise im Anschluß daranin Harland , bei den „Tonspuren“ im ORF, war am „Opernball“ und bei einem FPÖ-Fest und wird nun bald in einem großen Verlag verlegen.

Wolfgang Tischer macht mit Doris Brockmann wieder seinen Podcast und analysiert den Bewerb und am Freitag ging es mit der 1980 geborenen in Berlin lebenden, Julia Wolf weiter, die auf ihrem Video Portrait Männern den Mund verklebt, ein Bezug auf ihren Text „Walter Nowak bleibt liegen“, der ein Romanauszug ist und von einem alten Mann im Schwimmbad und von einer Yvonne handelt, der von der Jury  gut gemacht, als auch als seltsam altmodisch und noch in fünfundzwanzig Jahren gültig, beurteilt wurde.

Dann kam der, von Meike Feßmann eingeladene, 1980 geborene Open Mike Gewinner Jan Snela. Sein Text heißt „Araber und Schakale“, der sowohl im fernen Arabien, als auch in der Wohnung des Erzählers spielt und von verschiedenen Visionen handelt,  der bei Hubert Winkels einiges Unbehagen erzeugte und von Meike Feßmann verzweifelt verteidigt wurde.

Dann folgte die 1979 geborene, in Leipzig lebende Isabelle  Lehn, in deren Video, in dem sie auf einer Bank in Lepzig sitzt, auch Sascha Macht vorkommt.

„Binde zwei Vögel zusammen“ heißt ihr Textauszug, in dem es auch, um eine radikalisierte Welt mit arabische Visionen, geht.

Dann kam der Schock, denn die Bundespräsidentenwahl, die ja von den Freiheitlichen angefochten wurde, muß wegen plötzlich aufgetauchten Schlampereien, die es  wohl auch bei jeder voriherigen Wahl gegeben hat, wiederholt werden.

In Klagenfurt ging es aber in die Pause, beziehungsweise mit Feridun Zaimoglu nach Istanbul und dann kam für mich ein Rätsel, denn ganz klar ist mir noch immer nicht, wieso der in Israel geborene und dort lebende Autor, Tomer Gardi, als deutschsprachiger Autor gilt, obwohl es in seinen Text, um die „Muttersprache“ geht,  der, bei dem offenbar doch nicht Deutsch Sprechenden, in einer Kunstsprache geschrieben wurde, so daß ich, wie Meike Feßmann, glaube, daß die Kriterien des Preises noch einmal diskutiert werden sollte, die nach Klaus Kastberger, nur ein Text in deutscher Sprache wären, der nicht einmal gut sein muß.

So sein Problem gab es  auch schon einmal mit dem Brasilianer Ze do  rock, dessen „fom winde ferfeelt“, ich inzwischen gefunden habe, aber der spricht, wie mir kommentiert wurde, ein ausgezeichnetes Deutsch und die Frage könnte man dann wieder diskutieren, daß man zwar nicht gut Deutsch können oder schreiben muß, um beim Bachmannpreis zu lesen, aber Selbstpublisher darf man nicht sein und von sechshundert oder so Berwerbern, werden dannn nach subjektiven Kriterien vierzehn Autoren willkürlich ausgewählt und wieso darf dann ich mit meinen Fall- und Beistrichfehlern nicht lesen?

Natürlich, weiß ich schon, es geht da, um etwas anderes, trotzdem denke ich, daß man daran festhalten sollte, daß es ein Preis für entweder  in Österreich, Deutschland oder Schweiz geborenen oder dort lebenden Autoren sein sollte.

Bei der nächsten Autorin, der 1944 in Frankreich geborenen, Sylvie Schenk, die sich nach Deutschland verheiratete und jetzt in beiden Ländern lebt, ist das Problem leichter zu lösen und da ist es wohl das Alter der Autorin, die bisher in kleineren Verlagen und jetzt bei „Hanser“ verlegen wird, das aus dem Rahmen fällt. Ist sie ja, glaube ich, die älteste Autorin, die je gelesen hat und passt daher auch wieder nicht zu den eher dreißig bis vierzigjährigen Autoren, die sonst gelesen habe. Der Text heißt „SCHNELL, DEIN LEBEN“ und dürfte eine autobiografische Lebensbeschreibung sein.

Am Samstag ging es nach dem Aufmarschieren der Jury mit der Lesung der 1981 geborenenen Ada Dorian, die von sich behauptete, einige Romane in den Schubladen zu haben. Aus dem „Betrunkene Bäume“ genannten, las sie ein Stück, „denn es ist eine große Versuchung von sich erzählen zu dürfen“, wie es im Filmvorspann hieß, obwohl es in dem Text, um einen alten Mann mit Rußlandbezug geht, der mit einem Wald in seinem Zimmer lebt und nach dem das entdeckt wurde, ins Altersheim soll. Irn Eine sehr originelle Art über das Älterwerden zu erzählen, die von den Twitterer, natürlich „nicht risikobereit“ genannt wurde, Hubert Winkels korrigierte die Erzählhaltungen,  Stefan Gmundner wußte, welchen Nebensatz man weglassen hätte könnenund Klaus Kastberger bemängelte, daß der Text zu gut, zu brav, etcetera ist und, daß der Name Katharina sehr oft verwendet wurde, ist auch mir aufgefallen, die das in ihren Anfangsschreiberinnenjahren ebenfalls so tat. Und natürlich der Text, dem der Julia Wolf sehr ähnlich, wie auch Klaus Kastberger richtig erkannte.

Danach kam die in Berlin lebende in London geborene Sharon Dodua Otoo, aber ich drehte den Laptop ab und setzte mich aufs Rad, um den Alfred, wie jeden Samstag, den wir in Harland verbringen, auf dem Markt zu verbringen.

Zurückgekommen vom „Sommergrillen“, kam das Gewitter und ich hörte mir einmal den Literaturcafe.de Podcast von Tag zwei der Lesung an, danach war das Video von Sharan Dodua Otoo „Herr grttup setzt sich hin“ eingestellt, wo es im Vorfeld um eine Leseanweiseung, im Haupttext auch um einen alten Herrn ging, der in flüßigen Deutsch von der dunkelhäutigen Autorin gelesen wurde.

„Gestern blieb Herr Nowak liegen und heute setzt sich Herr Grttup hin!“, twittern Cornelia Travnicek und Wolfgang Tischer.

„Als deutsches Ei nicht hart zu werden ist keine große Leistung“, geht es dann wieder auf das offensichtlich unbewußte Thema dieser Veranstaltung zurück und Wolfgan Tischer twittert schon, die Autorin könnte Julia Wolf den Preis wegnehmen.

Die Jury sieht das, glaube ich, anders und dann folgte die 1979 geborene in Hamburg lebende Astrid Sozio mit „Das verlassenste Land“, ein Text in dem es um Flüchtlinge und um „Negerinnen“ geht und von de Jury dann auch tüchtig verisssen wurde, weil man angeblich nicht so schreiben darf oder man der Autorin davon abraten hätte sollen.

Der einzig Schweizer der Runde, der 1959 geborene Schweizer Diete Zwicky war der letzte Lesende. Sein Text trägt den Titel „Los Alamos  ist winzig“ und handelt von einem krebskranken Erzählung dessen Frau,  am Wasseramt arbeitet. Langsam und bedächtig trug der Autor im Schweizer Dialekt von der kleinen amerikanischen Stadt, dem Friseur, dem Sauerkraut und den Zauberer Rudy, den es dort gibt, vor.

Meike Feßmann lobte den gelungenen Abschluß und nun könnte ich abstimmen.

Eigentlich wollte ich das für Marko  Dinic tun, weil Stefanie Sargnagel wahrscheinlich auch ohne mich bei der Jury und vielleicht auch beim Publikum gewinnt.

Aber Ada Dorian, die mit ihren  zu „perfekten Text“ bei der Jury wahrscheinlich durchgefallen ist, hat mir auch gefallen und der Text von Bastian Schneider hätte vielleicht ein wenig Unterstützung verdient.

Also wieder mehr Kanditaten für die ich stimmen könnte und so weiß ich jetzt gar nicht, ob ich es überhaupt tun soll, um nicht nachher unbefriedigt zu sein und zu denken, das war war der Falsche, habe mir aber am Markt schon einige Begründungen ausgedacht:

„Ich stimme für Stefanie Sargnagel, weil sie ein so schönes rotes Mützchen trägt“, oder „Ich stimme für Marko Dinic, weil mir realistische Texte gut gefallen“, „Ich stimme für Ada Dorian, weil der Russe einer ist, der Birken liebt“ oder „Ich stimme für Bastian Schneider, weil ich gerne in Mezzaninen sitze und auch Schuhstücke mag“, beziehungsweise „Ich stimme für Tomer Gardi, weil er „Broken German“ spricht“,  nein, das vielleicht weniger, denn ich bin ja eine Pedantin und denke, um in Klagenfurt zu gewinnen, sollte man schon in Österreich, Deutschland oder der Schweiz geboren sein, beziehungsweise dort leben und ein „Broken Deutsch“ mit der deutschen Krähe genügt vielleicht nicht.

Für eine Shortlist könnte ich aber plädieren und denke, daß da Stefanie Sargnagel, Marco Dinic, Julia Wolf, Tomer Gardi und vielleicht auch Selim Özdogan, Sharon Dodua Otoo, Dieter Zwicky und Isabelle Lehn darauf stehen werden.

Mal sehen, ob ich es treffe und wer der Hauptreisträger wird, für den sich dann alle interessieren, ein besonders herausragender Favorit hat sich, abgesehen von dem Hype um Stefanie Sargnagel, ja eigentlich nicht ergeben und im „Literaturcafe“ kann man wieder für den besten Kritiker stimmen.

Da habe ich mich vor zwei Jahren aus Unbehagen, daß man für die Autoren schon abstimmen konnte, bevor alle Texte veröffentlicht waren, gedrückt, im Vorjahr stimmte ich am Vortag für Klaus Kastberger, denn den kannte ich ja schon aus Wien und habe mich am Samstag dann über einige seiner sehr überheblichen Bemerkungen geärgert. Wolfgang Tischer tat das, glaube ich auch, so konnte man heuer für beide Bewerbe  erst am Ende abstimmen und ich bin auch da ein wenig ratlos.

Hubert Winkels und Klaus Kastberger sind wahrscheinlich die herausragendensten Stimmen, aber Klaus Kastberger ist immer noch oder nach seinem vorjährigen Sieg vielleicht noch mehr, so sehr von sich überzeugt, daß man es schon fast ein bißchen überheblich nennen könnte.

Ich muß auch nicht überall meinen Senf dazugeben, denn es reicht ja schon, daß ich  im September oder Oktober zum dritten Mal in die Handelsakademie in der Margaretenstraße pilgere und Alexander van der Bellen wähle und wenn, der dann vielleicht wieder ein paar Stimmen zu viel hat, ein viertes oder fünftes Mal….

Dann habe ich natürlich doch abgestimmt, für Marko Dinic und Hubert Winkels und seltsamerweise kann man meine Begründung ziemlich vollständig auf der Literatucafe-Seite finden:

„Doch ich habe den ganzen „Bachmannbewerb“ gesehen und schwanke zwischen Klaus Kastberger und Hubert Winkels hin und her….“

Gewonnen hat dann  Klaus Kastberger ohne meine Stimme.

Und vor der Preisverkündung  wurde dann bei 3-Sat „Tabula Rasa-Ingeborg Bachmann und das große Wettlesen in Klagenfurt“ gesendet, das ich schon einmal gesehen habe, wo man sich noch einmal das „Bachmannpreis-Spektakel“ erklären lassen konnte.

Und dann kam die Überraschung bei der Shortlistplatzierung, denn Stefanie Sargnagel, die vorgeblich gehypte, ist nicht dabei, natürlich wahrscheinlich, schreibt sie doch sehr alltäglich und wahrscheinlich doch nicht so literarisch und auch Tomer Gardi gehlt. Dafür hat sich Meike Feßmann bezüglich ihres „Karl-May-Parodie-Autors Jan Snela durchgesetzt und sonst habe ich es ziemlich getroffen:

Marco Dinic, Selim Özdogan, Julia Wolf,Isabelle Lehn Sharon Dodua Otoo und Dieter Zwicky. Den Bachmann-Preis hat dann die 1972 in London geborene Sharon Dodua Otoo mit „Herr Gröttrup setzt sich hin“ gewonnen. Der Schweizer Dieter Zwicky hat dann den „Kelag-Preis“ gewonnen.

„Wir sind nicht verdutzt, nein wir sind verzwickt!“, sagte der Juror Jurij Steiner. Julia Wolf bekam dann für „Herr Nowak bleibt liegen“, wie von mir erwartet den „3-Sat“ und der auch öfter genannte Marco Dinic blieb wieder übrig.

Bitte nicht Marco Dinic zum jährlichen Durchreicher machen, twitterte Cornelia Travnicek, aber es gibt ja noch den Publikumspreis und den hat dank der zwanzig- oder zweihunderttausend Facebook Followers Stefanie Sargnagel gewonnen, die ja schon ein Vido hat, wo sie den Hauptpreis für sich votierte und die Preisträgerin hob zur Verleihung die Hand zur Faust und pries das „goldene Patriachat“.

Hubert Winkels hielt die Schlußrede, in der auf die Wichtigkeit des Preises in Zeiten der sozialen Medien, wo jeder auf „Amazon“ rezensieren kann und eine Pressekonferenz gibt es seit dem letzten Jahr im Anschluß auch und, um mein Resumee zu ziehen, der vierzigste „Bachmannpreis“ war sehr interessant, sehr vielsprachig, sehr „risikoreich“ und gewonnen hat dann doch die „brave, große, echte, wahre Literatur“ und die Risikoautoren blieben über, mir hat es aber gut gefallen und ich bin mit der Auswahl auch einverstanden.

 

2015-06-01

Das Museum in der Literatur

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:09
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Literatur im Museum, da gab es ja, wie heute auch Bernhard Fetz bemerkte im Vorfeld der Eröffnung massiven Widerstand auf Seite der Autorenschaft vor der Musealisierung, deshalb vielleicht die erste Vorlesung zur österreichischen Literatur, die ab nun auch im „Literaturmuseum“ stattfinden wird, auch von Konstanze Fliedl zum „Museum in der Literatur“

Konstanze Fliedl, die 1955 in Linz geborene Literaturwissenschaftlerin, Professorin am „Institut für Germanistik“ für neue deutsche Literatur, vor Jahren Bachmannpreisjurorin, zu Zeiten der wenigen Male, wo ich es mit einem Text dort versuchte, Staatspreisträgerin für Literaturkritik, Präsidentin der Arthur Schnitzler Gesellschaft, Herausgeberin seiner Werke und so weiter und so fort.

Auf jeden Fall eine freundliche Frau, die sich auf Veranstaltungen auch ansprechen läßt und auf Fragen Antworten gibt, so hat sie mir einmal, in Vorzeiten des „Wikipedias“ eines Lebenslauf der Vicki Baum geschickt, denn ich hatte oder habe ja kein Literaturlexikon.

„Die Literatur im Museum“, ein interessantes Thema, wie Direktor Fetz einleitend bemerkte und Konstanze Fliedl hat es in drei Kapitel aufgeteilt, in das „Heer“, in die „Kunst“ und in die „Provinz“ an Hand der entsprechenden Museen.

Da war ich einen Augenblick lang enttäuscht und dachte fast, das würde jetzt langweilig, dann begann Konstanze Fliedl aber mit Marlen Haushofers „Mansarde“, ein Buch, das meiner Sammlung noch entgangen ist und deren Protagonistin in das Arsenal oder in das „Heeresgeschichtliche Museum geht“ und Ingeborg Bachmann hat sich drei Jahre später in „Malina“ auch diesem Ort gewidmet.

Aha, doch interessant, denn nach 1945 dürfte ganz Österreich, wie ich es auch einmal von Klaus Kastberger hören konnte, ins Museum gegangen sein und geschrieen haben, „Wir waren es nicht, wir wollen unseren Kaiser Franz und die Kaiserin Sisi!“

Dann liefen solche Filme in den Kinos. Joseph Roth hat schon etwas früher seinen „Radetzkymarsch“ geschrieben und es hat bis 1973 gedauert, bis sich die GAV gründete und vom konservativen PEN abspaltete.

Das“ Museum in der Kunst“, beziehungsweise, der berühmteste Roman darüber, ist mir dann selbst eingefallen, bin ich ja einmal mit meiner kleinen Tochter im Bahnhof Hütteldorf gesessen, habe die „Alten Meister“ ausgelesen und beim letzten Satz schallend gelacht.

Arthur Schnitzler hat seine Figuren aber schon viel früher ins „Kunsthistorische Museum“ geschickt und jetzt bin ich vor kurzem selber dorthin gegangen, habe mir die Stücke der jüngeren Autoren zu den ausgewählten Bildern angehört und  Konstanze Fliedl hat auch das von der Museumsaufseherin vor dem Bruegel-Bild in das sie sich dann selber hineinphantasiert, bzw ihr Kind von dort hinausnimmt, erwähnt.

Soweit die realen Beispiele, die der Privinz, wie dann auch jemand fragte, sind weitgehend erfunden. Gerhard Fritsch hat das bei „Fasching“ getan, Robert Menasse, Antonio Fian, etcetera etceta.

Am Schluß kam Konstanze Fliedl dann auf das Literaturmuseum zu sprechen und lobte es als Ort, das den Schülern und Studenten, die die Literatur nicht mehr in Schule oder Uni lernen werden, hier Nachhilfe geben könne und Studenten und Studentinnen waren auch zahlreich im Publikum und stellten auch viele Fragen, was man im Gegensatz zu der von Renata Schmidtkunz moderierten Veranstaltung auch durfte.

Eine Frage war die nach dem Museum im Krimi?

„Da weiß ich zu wenig!“, antwortete Konstanze Fliedl.

Krimis gelten ja nicht als hohe Literatur, erwähnte einen der im „Marbacher Literaturarchiv“ spielt, aber der wäre schlecht und da fiel mir Manfred Rumpls „Jäger auf Hasenjagd“ ein, wo es um einen Kunstraub in der Albertina gibt.

Es gibt aber, wie Konstanze Fliedl erwähnte, auch österreichische Autoren, die sich mit ausländischen Museen beschäftigen, Ingeborg Bachmann wäre da wiederein Besipiel, mit dem „Ägyptologischen Museum“ in Kairo im „Fall Franza“ und Evelyn Schlag mit der „Architektur einer Liebe“.

Und da fällt mir jetzt noch das „Sigmund Freud Museum“ und Eva Rossmanns „Freudsches Verbrechen“ ein, einer der besten RossmannKrimis, die ich gelesen habe und am 18. Juni geht es mit den „Archivgesprächen“ im Literaturmuseum weiter, wie Bernhard Fetz noch betonte, denn da wird der vierte Band der Elfriede Gerstl-Werkausgabe vorgestellt und im Oktober gibt es dann noch eine Vorlesung zum Hofarchivdirektor Grillparzer,von dem es, wie Konstanze Fliedl erwähnte, derzeit offenbar keine aktuelle Werkausgabe gibt.

Eine kleine Anmerkung in eigener Sache darf ich zum Schluß vielleicht auch noch machen, kommt in „Kerstins Achterl“ ja das „Kunsthistorische Museum“ auch ein bißchen vor, feiert dort ja der kleine Hektor seinen Geburtstag und Kerstin soll ihn dabei für den Marmeladefeldzug seines Vaters fotografieren.

2015-03-19

50 Jahre Dokumentationsstelle für neue österreichische Literatur

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:37

Im Literaturhaus gab es wieder ein großes Fest, nämlich „Fünfzig Jahre Dokumentationsstelle für neue Literatur“ wurde gefeiert, die 1965 von Viktor Suchy in der Gumpendorferstraße eingerichtet wurde.

Da habe ich gleich eine Erinnerung, nämlich eine Broschüre aus dem Jahr 1973 oder so, von Victor Suchy herausgegegeben, über die „Neue österreichische Literatur nach 1945“, die irgendwie in den Bücherkasten meines Vaters gekommen ist und die ich schon sehr früh von dort herausgenommen habe.

In die Gumpendorferstraße, wo die Dokumentationsstelle, sowie die IG Autoren, bis 1991, bis aus dem Dramatischen Zentrum in der Zieglergasse das Literaturhaus wurde, bin ich einige Male gegangen, ich glaube, ich habe mir von Gerhard Ruiss, den Vertrag zu unserem „Stotterer-Buch“, das, wie ich heute beim klinischen Mittag hörte, jetzt „Redeflußstörung“ heißen müßte, durchsehen lassen und zu den ersten IG-GVS bin ich noch in die Annagasse gegangen, die dort in irgendeinem Presseclub stattfanden.

Dann kam das Jahr 1991 und das „Gleichenfest“, ich bin, glaube ich, mit dem Franz von Harland nach Wien gefahren, weil sich der Alfred weigerte, das „SPÖ-Wahlfest“ zu besuchen, obwohl es das gar nicht war, trotzdem die damalige Unterrichtsministerin Hilde Havlicek mit Jack Unterweger, der offenbar gerade entlassen worden war, tanzte.

Dann war ich, glaube ich, noch einmal bei einem Literaturhausfest, da sind wir von Wien nach Harland gependelt, meine Geldbörse wurde mir gestohlen und der Artikel mit meinem Portrait in der Zeitschrift „Buchkultur“ ist auch gerade erschienen.

Die habe ich mir, glaube ich, am Westbahnhof gekauft und Marie Therese Kerschbaumer, die das Interview schon gelesen hatte, hat mich darauf angesprochen.

Heute war sie bei dem großen Fest nicht da und ich bin seither öfter bei anderen Festen gewesen, an eines mit Gert Jonke kann ich mich erinnern und an das wo Heinz Lunzer, der erste Literaturhausleiter in Pension gegangen ist, Robert Huez ist ihm gefolgt und ich habe von 2003 bis 2oo9 den „Tag der Freiheit des Wortes“ dort organisiert, die erste Frauenlesung und eine Lesung eigener Texte der Frauengruppe des ersten Wiener Lesetheaters und auch noch andere Veranstaltungen.

Dann ging das plötzlich nicht mehr, weil umstrukturiert werden mußte, es gab, glaube ich, bei Schwarz-Blau auch Literaturhauskürzungen und verschiedene Streitigkeiten dürfte es auch gegeben haben, so deutete es jedenfalls der scheidende Obmann an, der mit einem Ehrenkreuz der Republik ausgezeichnet wurde, Silvia Bartl wurde entlassen und Robert Huez hat auch sehr umstruktuiert, dem Literaturhaus ein neues Design gegeben, es gibt das Fried Symposium, den Fried Preis, den Reinhard-Priessnitzpreis, den Poetry Slam und und noch sehr viele Veranstaltungen, bei denen ich bei vielen gewesen bin und heute also ein großes Fest, mit einer Broschüre, die mir eine der jungen Mitarbeiterinnen gleich in die Hand drückte.

Sonst nur so wenige Sesseln im Veranstaltungsraum, alle standen im Foyer herum, wo eine neue Ausstellung eröffnet wurde, die in Vitrinen unter dem Titel „Schreiben, Sammeln, Archivieren“ Bücher Fotos und andere Dokumente von ausgewählten Künstlern, wie Nicolas Mahler, Elfriede Gerstl, Herbert J. Wimmer und anderen zeigten.

Dann ging es hinauf in den Bibliotheksraum, wo sonst der „Fried-Preis“ vergeben wird, da wurde eröffnet und weil ich sehr spät hinaufgekommen bin, war kein Sitzplatz mehr frei und da hat mir Klaus Kastberger, von dem ich eigentlich dachte, daß er mich nicht sehr leiden kann, gedeutet, daß ich mich in die zweite Reihe zwischen Johanna Rachinger und MR STocker auf den freien für Gerhard Ruiss reservierten Platz setzen soll.

Es gab die üblichen Eröffnungsreden und Angela Heide, das ist die, an die ich mich damals wegen einer Rezension wegen meines „Literaturgeflüster-Texte-Buchs“ gewandt habe, erklärte den Ausstellungsparcour und war sehr aufgeregt und sehr euphorisch dabei.

Das Literaturhaus hat sich nämlich für das große Fest, etwas Besonderes, neben Zeitschrift und Ausstellung ausgedacht, so gab es nach der Würdigung des ausscheidenden Obmanns einen Parcour von einigen Lesestationen, wo überall im Haus, vom Keller bis zu den Stiegen ausgewählte Autoren wie Robert Schindel, Angelika Reitzer, Robert Prosser, Anna Weidenholzer, Lisa Spalt, Kathrin Röggla, Isabella Straub, sowie ein Poetry Slam und eine Session der Studierenden der Hochschule für Sprachkunst, fünfzig Minunten lang gleichzeitig gelesen haben und man konnte hin und herwandern und ihnen zuhören.

Danach gab es ein Buffet und ein Konzert mit Stefan Slupetzkys Band, DJs gab es nachher auch noch, aber da bin ich schon gegangen um sozusagen privat und auf eingene Faust, meine eigene, unliterarische, wie manche meinen, dokumentation über den Wiener Literaturbetrieb aufzuschreiben und meine Literaturgeflüster-Karten, die mir der Alfred  vorsorglich zu tausend Stück drucken ließ, habe ich auch überall verteilt.

2015-02-07

Im Augustinerkeller

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:10

Am siebenten Februar hat Ruth Aspöck Geburtstag,  wurde heuer achtundsechszig Jahre alt und hat diesmal dazu eine Frauenrunde, Hilde Schmölzer, Erika  Brunngraber, Uli Makomaski,  Sonja Frank und mich dazu in den Augustinerkeller eingeladen.

„Es ist kein runder Geburtstag, aber nachdem er an einen Samstag fällt, sollten wir doch ausgehen“, hat sie geschrieben und ich habe diese Formulierung herrlich altmodisch gefunden.

So tat man es wahrscheinlich in den Fünziger- und Sechzigerjahren, inzwischen hat sich der Zeitgeist  vielleicht ein wenig geändert, aber natürlich, an einem Geburtstag geht man aus, lädt ein, feiert ihn, etc.

Am 8. Dezember, dem Feiertag, als ich mit Alfred zu den „Wilden Worten“ ging, haben wir die Ruth dort getroffen und sie hat uns gefragt, ob wir am 7. Februar Zeit haben, weil wir ja jedens zweites Wochenende nach Harland fahren, aber der Alfred ist schon am sechsten nach Mexiko geflogen, so wurde es eine Frauenrunde, auf die ich mich schon sehr lange freute und  Ruth Aspöck kenne ich schon sehr lang, ich habe ja, glaube ich, schon einmal geschrieben, daß ich gar nicht weiß, wo und wann genau ich sie kennenlernte.

Im Arbeitskreis schreibender Frauen war es, glaube ich, nicht, aber irgendwann ist der Ruf der Feministin und ihr beim Wiener Frauenverlag erschienenes Buch wahrscheinlich zu mir gedrungen, dann haben wir uns wahrscheinlich in der GAV kennengelernt und irgendwann haben die Valerie, die Elfriede Haslehner, die Hilde Langthaler, lauter Arbeitskreisfrauen und ich, wie wir das ja sehr lange taten, uns getroffen und irgendwer sagte, die Ruth hat einen Verlag gegründet, da können wir verlegen.

Bei mir hat das  nicht geklappt, wir waren aber bei der Radreise von Wien nach Bamberg, 2007, zum Abschluß des Verlages „Die Donau hinunter“ dabei, wir sind von Ybbs bis Regensburg mitgefahren und jetzt verlegt die Ruth bei „Löcker“, im März wird ihr neues Buch vorgestellt, ich war bei einigen ihrer ihrer Einladungen, beispielsweise auch in der tollen Konditorei Ecke Burggasse zum fünfundsechzigsten, Charles Dickens ist, glaube ich, auch zeitgleich geboren, es gibt seit zwei Jahren die Schreibegruppe, die am sechsten März ihre Abschlußlesung hat und es war heute ein schönes Fest, auf das ich mich schon, wie erwähnt, sehr lange freute.

Seit gestern bin ich ja Strohwitwe und ging ich auch in Schreibklausur, war  beim Friseur und lese seither meine Bücher auf, um für das neue Projekt frisch anzufangen, beziehungsweise, wenn das möglich ist, über die Fehler, die ja immer beklagt werden, hinweg zu kommen. Nachdem ich mich heute Nachmittag ein bißchen durch die blaue Mappe las, wo ich mich durch meine bisherigen Rezensionen las, bin ich gar nicht mehr so sicher, ob ich das jemals schaffen kann, meine sprachlichen Mängel werden ja immer angeklagt, erst gestern hat das Christian Schreibmüller im Literaturhaus wieder getan, wenn ich mich aber so durch meine Texte lese, merke ich, daß ich eigentlich zufrieden bin, nun ja, man kann nur das geben, was man hat und muß von dem ausgehen, wo man steht und so habe ich heute morgen in der Badewanne die „Zwillingswelten“ fertiggelesen, nach Mittag einen Teil der Kritiken und die „Dreizehn Kapitel“, bevor ich um halb sechs in den Augustinerkeller aufgebrochen, in der offenen Bücherkiste in dem englischen Geschäft in der Schleifmühlgasse, gab es den „New Yorker“ zur freien Entnahme, leider habe ich nicht so schnell geschaltet und nur einen für mich mitgenommen.

Für die Ruth hatte ich mein neues Buch in der Tasche und als ich ein paar Minuten nach sechs den Augustinerkeller erreichte, waren schon allle Frauen da, Hilde Schmölzer überreichte ihr letztes Buch und einen Blumenstrauß und ich dachte daran, daß ich, glaube ich, mit dem Willi, meiner ersten Liebe sozusagen, in den Siebzigerjahren, nach dem Freitagstanz im Volksgarten ein paar Mal in den Augustinerkeller gegangen bin und dort mit ihm eine kalte Platte gegessen habe.

Das ist lange her und seither hat sich in dem Lokal einiges geändert, da ich am Abend aber nicht mehr soviel esse, habe ich mir eine Portion Beinschinken mit Kren und Pefferoni bestellt und dazu gab es roten Wein, vorher ein Glas Sekt und viele Gespräche.

„Programm gibt es keines, aber um Gesprächsthemen werden wir nicht verlegen sein“, hat die Ruth geschrieben und so war es dann auch.

Sonja Franke, die einzige Frau, die ich nur vom Sehen kannte, hat ja das „Young Autstria-Buch“ geschrieben, das ich im Sommer für Konstantin Kaiser besprochen habe, die Ruth hat bei dem Projekt mitgearbeitet und mir schon vorher sehr viel davon erzählt.

Erika Brunngraber die Tochter von Rudolf Brunngraber, dem Star der Fünziger- und Sechzigerjahre von dem ich einige Bücher im Bücherschrank meiner Eltern fand und vor kurzem das „Progrom“ ist mit uns ja 2007 ein Stück mit dem Auto mitgefahren und ich war bei ihr mit der Ruth auch einmal zur Jause um ihr von der Brunngraber Veranstaltung in der „Gesellschaft der Literatur“ zu erzählen.

Uli Makomaski kenne ich vom Lesetheater und war einmam mit ihr bei einer Veranstaltung in ihrem Garten, wo Horvaths „Italienische Nacht“ aufgeführt wurde, im Anschluß daran haben wir Rolf Schwendter nach Hause gebracht und ich habe ihm erzählt, daß ich mich am Morgen erschreckte, als plötzlich eine Katze vor unserer Terrassentüre stand und miaute.

Hilde Schmölzer kenne ich auch schon lang, war einige Male bei ihr zu Silvester und einmal bei ihrer Geburtstagsfeier am Wilhelminenberg und so gab es einige interessante Gespräche und auch Geschenke von der Ruth, die für jede von uns auch ein Buch dabei hatte, Gedichte für Erika Brunngraber beispielsweise und für mich ein Buch aus der „Fröhlichen Wohnzimmer Edition „Mein Leben mit zwanzig“, wo die Ruth mit einigen anderen, wie beispielsweise Angelika Reitzer, Julian Schutting, etc einen Text darin hat, also wieder einen Lesestoff für 2027, wer weiß, ob ich das noch erlebe und was dann sein wird, dann sind wir  um einiges älter und in zwei Jahren wird die Ruth siebzig und dann gibt es vielleicht wieder ein Geburtstagsfest und die heutige Frauenrunde war auch sehr schön und natürlich auch sehr literarisch, zumindest ist es das, was ich aufschreibe und woran ich mich erinnern werde.

 

2015-01-19

Wendelin Schmidt-Denglers Laudationes

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:49

„Das Unsagbare bleibt auch ungesagt“ so lautet der Titel des „Klever-Bandes“ mit den Laudationes und Preisreden, die der große österreichische Literaturprofessor zwischen 1983 und 2008 gehalten hat,  der am Montag in der „Gesellschaft für Literatur“ vorgestellt wurde und der hat, glaube ich viel gesprochen und auch sehr schnell geredet und mich wahrscheinlich genauso beeindruckt, wie seine Schüler und Studenten, die zum Teil im Publikum gesessen ist und, wie Manfred Müller in seiner Einleitung  erwähnte, der sich als eher bummeliger Student beschrieb, der einmal in ein Schmidt-Dengler Seminar über die „Strudelhofstiege“ stolperte und dadurch der Germanistik erhalten blieb, bzw. seine Liebe zur Literatur entdeckte.

Mir ist es, 1975 muß das ungefähr gewesen sein, ähnlich gegangen, habe ich doch nicht Germanistik studiert, war aber in einer Vorlesung des damals noch Assistenten, glaube ich, ein einziges Mal, habe dann eine Zeitlang überlegt, ob ich nicht doch  zur Germanistik wechsle und bin bei der Psychologie geblieben.

Das habe ich auch nicht bereut, die Begeisterung für den Literaturbesessenen, ich würde mich ja selber als eine solche bezeichnen, ist wahrscheinlich später gekommen, so erinnere ich mich an das „Fest für Friederike Mayröcker“ in Mürzzuschlag, da habe ich den Professor auf F.M. angesprochen und einmal bin ich verspätet ins Literaturhaus gekommen, weil ich vorher noch eine verwirrte alte Dame in ihtr Pensionistenheim am Loquaiplatz begleitet habe,  ihn von dort kommen sehen und wahrscheinlich nicht sehr freundlich „Ist es schon aus?“ gefragt.

Wendelin Schmidt Dengler 1942 bis 2008, glaube ich, ein Workoholic und Schnellredner immer an mehreren Orten gleichzeitig und viele Projekte im Kopf wahrscheinlich, war bis 2002, glaube ich, in der GAV-Jury und hat aus Zeitmangel wahrscheinlich nur mehr Plus, Minus und Weiß nicht auf die Bewerbungen geschrieben. Da haben sich dann einige beschwert, weil heutige Größen wie Richard Obermayr, Olga Flor und Franzobel nicht zum Zug kommen sollten und so bin ich dem Professor zwei Jahre als GAV-Jurorin gefolgt.

Das sind so Begegnungen, höchst beeindruckend und unvergeßlichen und bei einigen seiner Preisreden werde ich wahrscheinlich auch anwesend gewesen sein.

Genau erinnere ich mich zwar nicht mehr , aber an dem Abend, wo ich am Nachmittag in der Rahlgasse gelesen habe, hatte er einen Vortrag am Unicampus und die Frau Millner war auch seine Schülerin, aber heute nicht da, dafür Klaus Kastberger, sein Nachfolger wahrscheinlich und ab heuer Bachmannjuror und Leiter des Literaturhauses Graz. Der ist, als ich gekommen bin, zuerst hinter mir gesessen, ich habe ihn angesprochen und erzählt, daß ich jetzt „Progrom“ gefunden habe. Das alte nicht das bei „Milena“ erschienene, er hat mich glaube ich nicht ganz verstanden, auf jedenfall nicht sehr geantwortet, einmal im früheren Metrokino habe ich ihm an einem 9. November, glaube ich, nach Lilly Brett gefragt, als er einen Vortrag über Simmel hielt.

Raph Klever habe ich auch etwas gefragt, bzw. erzählt, daß ich gestern Adelheid Dahimienes „Rauchernovelle“ gelesen habe und zufällig bin ich wieder neben dem Paar gesessen, das gerne zu literarischen Soireen geht.

Vor mich hat sich Ingeborg Reisner gesetzt, der ich die „Anna“ zeigte und als sie es mir sofort zurückgab, ein bißchen zynisch „jetzt wissen Sie alles darüber!“, sagte, was sie mir auch bestätigte.“

„Ich weiß ja wie Sie schreiben!“, nun ja man kann sich vielleicht irren oder nicht, die Ladationen und Preisreden wurden jedenfalls, von dem 1973 geborenen Helmut Neundlinger herausgegeben, der von Manfred Müller als „Universalgenie“ bezeichnet wurde.

Er hat  den Schmidt-Dengler Nachlaß aufgearbeitet und die Laudationes sind auch im Zuge dieser Arbeit entstanden. Ein posthum erschienenes Schmidt-Dengler Buch, 2012, glaube ich, erschienen, gibt es schon, nämlich seine „Fußballtexte“, war er ja auch ein sehr bekennender Fußballfan, etwas was man mir nicht nachsagen kann, obwohl inzwischen schon Bücher über Fußball auf meiner Leseliste stehen.

Die Schmidt-Dengler Witwe Maria, war auch anwesend und wenn ich mich nicht irre, auch bei der Dezember Veranstaltung und hat den Herausgebern bei der Auswahl sehr geholfen und, wie Helmut Neundigler erwähnte, vor „Peinlichkeiten“ bewahrt.

Daniela Striegl, die heute schon im Radio zu hören war, hat das Vorwort geschrieben und dann ging es los mit einer historischen Aufnahme und der Schmidt-Dengler Stimme zu der Rede 1983, als Ilse Aichinger den „Kafka-Preis“ in Klosterneuburg bekommen hat und das war wahrscheinlich in Kooperation mit der ÖGL und so gibt es eine Tonbandaufnahme und der vorvorige Leiter Wolfgang Kraus saß im Publikum und Schmidt-Dengler teilte seine Spitzen gegen ihn aus, wie Strigl und Neudlinger erklärten, ebenfalls hat er bei seinen Reden immer Portraits über die Ausgezeichneten gemacht, das versuche ich bei meinen Texten auch und hat auch den Namensstifter einbezogen.

So erfährt man auch viel über Kafka in der Preisrede seine Tagebücher habe ich ja gelesen und bei der Veranstaltung über „Kafkas Wien“ war ich auch einmal in der Gesellschaft.

Es gibt auch Reden für Ann Cotten, Salman Rusdie, Herta Müller und und ich habe dann gefragt, wieviele der gehaltenen Reden in dem Buch enthalten sind.

Die Auskunft, die ich bekam, waren die meisten, aber einige sind verschollen oder nur im Fragment erhalten. Es gibt eine für Karl Markus Gauß und eine für Franzobel, als er den „Schnitzler Preis“ bekommen hat und über den hat WSD vielleicht nicht soviel gehalten, jedenfalls dürfte er von anderen Ufern gesprochen haben, von den Franzobel zu Schnitzler hinüberwinkte.

Theodor Kramer hat er offenbar auch nicht sehr bewundert und manchmal auch, wie Daniela Strigl erklärte, verissen, nicht oft, aber manchmal schon.

Bei Albert Drach aber nicht, diese Rede wurde auch vorgelesen, ebensowie die für Salman Rusdie als er den österreichischen Staatspreis für europäische Literatur bekommen hat und die war sehr interessant, weil da gab es ja diese Bedrohungsgeschichte.

Judith Grohmann hat in ihrem Buch geschrieben, wie die Wega bzw. die Staatspolizei sich um die Preisverleihung bemühte. Frau Schmidt-Dengler erzählte etwas von einem Orden, den Wendelin Schmidt Dengler bekommen hat, so daß die Preisverleihung geheim gehalten, die Gäste aber trotzdem eingeladen werden konnten.

Ich war ja schon bei einigen posthumen Veranstaltungen und ein Preisredenbuch, allerdings ein anderes, aber über einen, über den der Literaturprofessor auch sehr viel geschrieben hat, habe ich auch gelesen und er dürfte sich trotz einiger Antipathien und Verrisse auch wirklich sehr für die Gegenwartsliteratur eingesetzt und hier, wie ich auch, quer über den Teller bzw. durch den Gemüsegarten gedacht haben.

Eine sehr interessante Veranstaltung und ein sehr interessantes Buch also. Dine Petrik, Ilir Ferra und einige andere habe ich noch im Publikum gesehen.

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