Literaturgefluester

2011-11-03

Von allen Anfang an

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:27

Christoph Heins „Von Anfang an“, schildert das Leben eines pubertierenden Jungen in einer ostdeutschen Kleinstadt in den Fünfzigerjahren. Daniel ist ein Pfarrersohn, „Pfaffe“ sagen die Kinder und die Lehrer in der DDR-Schule, der Vater ist streng aufrecht und korrekt und wenn der Sohn einen Tadel bekommt, schreibt er schon mal eine ironische Bermerkung in das Mitteilungsheft, so daß sich Daniel ihm nicht mehr zu sagen traut, wenn ihn die Lehrer wegen seines politisch indifferentn Verhaltens hänseln, er hat eine Schwester Dorle und vier, fünf Brüder, das heißt der fünfte kommt erst auf die Welt, als er schon in West-Berlin in die Ostklasse eines Gymnasiums geht und während die Mutter mit dem vierten schwanger ist, können die Geschwister erleben, daß sie Monate lang nicht mit dem Vater spricht, offenbar die einzige Möglichkeit des Widerstands gegen unerwünschte Kinderschaft, die die aufrechte Pfarrersfrau hatte, die vor dem Krieg Op-Schwester war und so eine gute, daß der Chefarzt nur mit ihr operieren wollte.
Das Buch beginnt an dem Tag, an dem sich Daniel von seiner Tante Magdalena verabschiedet, weil er in den Westen geht und endet mit ihren Tod und dem Bedauern, daß er nicht zum Begräbnis fahren konnte, weil ihm der Schuldirektor und der dortige Pfarrer abriet, da er ja die Republik verraten hatte und auf der Liste stand…
Dazwischen liegt eine Nachkriegskindheit in dem überfüllten Pfarrerhaus, wo das Geld an allen Ecken und Enden fehlt und auch noch die Großeltern aufgenommen werden müßen, weil der Großvater ein aufrechter Gutsverwalter sich weigerte in die Partei einzutreten und daher das Staatsgut nicht mehr verwalten konnte. Und der Zwölf-Dreizehn-Vierzehnjährige beschreibt in der Nachkriegs-DDR hauptsächlich das Erwachsenwerden und die Erlebnisse mit dem Mädchen, obwohl ihn auch der Leipziger Wissenschaftler, den die Kreisschulbehörde schickte, um den Schülern „flüßige Luft“ vorzuführen“ sehr beeindruckte, wenn auch weniger wegen der flüßigen Luft, als durch die Gerüchte, daß er schwul sei, die einer der Klassenkameraden ausstreut, so daß der Herr Doktor von der Polizei einvernommen wird und keine Genehmigung mehr bekommt Schüler zu unterrichten, was die Klassenlehrerin den neugierigen Schülern am nächsten Tag „mit hygienischen Maßnahmen“ erklärt.
In sich geschlossenen Kapiteln wird diese DDR-Jugend erzählt. Der sommerliche Besuch bei den Großeltern am Gut Holzwedel, wo Daniel mit seiner Schwester in einer Kammer schlafen muß, wo es einen großen surrenden Elektrokasten gibt und er sich vor Spinnen fürchtet, es gibt aber auch den älteren Gutsarbeitersohn Jochen mit dem er an den Russensee fahren will, was verboten ist, weil es dort noch Mienen gibt, da sich aber Jochen dort mit Pille, einer Landarbeitertochter, die Krankenschwester werden will, trifft, gerät Daniel vollends aus dem Häuschen, beschließen sie doch dort nakt zu baden, so daß er ihre rötlichen Schamhaare sieht und später noch zuschauen kann, wie sie Jochen in sich hineinläßt, was ihn so aus der Fassung bringt, daß er auf ihren Fahrradsattel abspritzt und sich dann Sorgen macht, daß er womöglich der Vater von Pilles Baby ist, mit dem sie sich ihr Leben versaute.
Die Sommerferien sind aber ohnehin bald vorbei, die Eltern holen die Kinder wieder ab und Daniel kann miterleben, wie sich die Mutter mit der Großmutter streitet und als ein Zirkus auf der Nachbarwiese sein Gastspiel gibt, freundet er sich mit dem Artisten Kade an, der so grüne Augen wie der Evangelist Lukas hat, hilft ihm beim Aufstellen der Scheinwerferständer und führt ihn durch das langweilige Städtchen, wo sie seine Geografielehrerin, eine verheiratete Frau und Mutter zweier Kinder treffen, die sich in den Artisten verliebt, so daß Daniel, als er Kade im Wohnwagen besuchen geht, „Frau Blüthgens nackten Hintern“ sehen kann und weil er die Gedichte so schön deklamieren kann, schlägt ihn die Deutschlehrerin für den dramatischen Zirkel vor, so daß er nach Dresden zu einer Aufführung fahren kann, dort spielt er den schönen Johnny, wo sich die schöne Mareike in ihn verliebt und erzählt, daß sie am liebsten nackt tanzt, was die beiden gleich ausprobieren. Nur wird er von einem Klassenkameraden erwischt und der Lehrerin verpetzt und aus ist es mit der Empfehlung an die Oberschule.
Aber Daniel will ohnehin nach West-Berlin, wo schon sein zwei Jahre älterer Bruder ist und den darf er eines Sonntags, wo er sonst immer in die Kirche gehen muß, mit den Eltern und den ganzen Geschwistern besuchen und als sie von der Polizei angehalten und gefragt werden, in welches Berlin sie fahren, ist der Vater stolz, daß er nicht lügen muß, als er „in das demokratische“ sagt. Bei der zweiten Polizeikontrolle will der Polizist die Adresse wissen und da muß der Herr Pastor mit roten Kopf die Adresse eines Ostberliner Konsistoriums angeben, das er manchmal besucht und als die Familie in einer Konditorei am Kurfürstendamm ein Stück Kuchen essen, erfahren sie über eine Leuchtschrift von den Ereignissen in Budapest, wohin gerade die russischen Panzer rollen…
So geht das Kinderleben dahin, leicht und locker erzählt und endet in der Rückschau mit dem Tod Tante Magdalenas und dem langen Brief, den der Vater schrieb, um zu trösten.
Christoph Hein wurde 1944 in Schlesien geboren und lebt in Berlin. Sein Roman „Drachenblut“ hat, glaube ich in der DDR oder auch im Westen großes Aufsehen erregt. Ich habe ihn noch zu DDR-Zeiten gelesen und wahrscheinlich in der Zentralbuchhandlung gekauft oder ihn mir von der Gall Maria aus Budapest mitbringen lassen, weil es dort in den frühen Achtzigerjahren sehr billige DDR-Bücher zu kaufen gab. Zuletzt ist „Weiskerns Nachlaß“ von ihm erschienen und wurde auf der Frankfurter Buchmesse am blauen Sofa vorgestellt.

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2017-07-11

Das Challenge-Fortsetzungsgeschichtenprojekt

Die zwei Monate Schreib- und Recherchevorbereitung mit der ich unter anderen den Mai und den Juni verbracht habe, sind vorbei und nun liegen achtzehn Fortsetzungstexte, die ich größtenteils nach Annika Bühnemanns Schreibimpulsen, beziehungsweise  bei zwei Schreibgruppen geschrieben habe, vor mir.

Zur Erinnerung, irgendwann im März, April oder vielleicht auch schon früher, als ich noch am „Bibliotheksgespenst“ korrigierte, bin ich daraufgekommen, daß ich als nächstes eine Geschichte über eine Frau, die jeden Abend in einer Pizzeria ein Glas Wein trinkt,  schreiben möchte, denn ich komme, wenn ich am Abend von der „Alten Schmiede“ oder auch der „Gesellschaft für Literatur“ nach Hause gehe an einer Pizzeria vorbei und da habe ich oft eine ältere Dame sitzen sehen.

Nun ja, nun gut und nicht die erste Geschichte einer depressiven Frau aus meiner Feder, da habe ich  schon einges bei meinen inzwischen schon über vierzig selbstgemachten Büchern, das dann so gut wie unbeachtet geblieben ist und ich dachte dann auch „Uje, nicht schon wieder über eine depressive Frau und nicht schon wieder mit einer Idee anfangen, dann  ein paar Wochen korrigieren, in ein paar weiteren Wochen damit ertig sein und es gibt das fünfundvierzigste oder sechsundvierzigste Buch, keiner schaut es an und nur mein Kritiker Uli schreibt vielleicht „Nö, das interessiert mich nicht!“

Um das zu vermeiden kam dann die Idee zuerst mit dem Recherchieren anzufangen, also in Wien herumgehen und Idee und Einfälle sammeln und vielleicht vorher Skizzen und Studien schreiben, bevor ich mit der Romanarbeit beginne.

Dazu kam dann ganz zufällig Annika Bühnemanns zehn Geschichten Projekt, die im Monat Juni zehn Gescichten veröffentlichen wollte, dazu aufrief und  auch die entsprechenden Schreibimpulse gab, die ich für mich sehr brauchbar fand.

Im April bin ich, glaube ich, mit dem Korrigieren der Dorothea Wewerka fertig geworden, da hatte ich dann schon die Idee mit den Zwillingsschwestern, dem verheimlichten Kind, dem Moritz Lichtenstern in Berlin, der Lily in New York, etcetera und in der Mai Schreibgruppe habe ich dann die erste Szene nach Annika Bühnemanns Impuls über einem Süchtigen zu schreiben, der seiner Sucht nicht nachgehen kann, begonnen.

Dann habe ich bevor wir an den Bodensee gefahren sind, noch schnell zwei oder drei weitere Szenen geschrieben, bin dann zurückgekommen, der Alfred ist mit dem Karli nach Berlin geflogen, ich bin mit der Ruth in den öffentlichen Raum gegangen, habe das „Blogbusterleseprobenbuch“ gelesen, mein Literaturgeflüster gefeiert, bin in die Seestadt und in den böhnmischen Prater gegangen und habe dann ziemlich zu ende meiner Strohwitwenzeit mit zwei Tage Zeit für einen Fortsetzungsgeschichtenmarathon genommen.

Habe zu den Schreibimpulsen entlang meinem Handlungsfaden, die Personenbögen hatte ich schon ausgefüllt, Szene für Szene geschrieben, habe vorgehabtr das bis Ende Juni zu machen, bin aber schon nach dem Szenenmarathon draufgekommen, daß ich eigentlich mit meinem Roman oder es ist wahrscheinlich wieder nur eine längere oder vielleicht auch kurze Erzählung, wie das „Haus“, das „Schutzengelchen“ oder „Paul und Paula“ im Großen und Ganzen fertig bin, noch ehe ich mit dem richtigen Schreiben begonnen habe.

Achtzehn Geschichten habe ich jetzt im Blog, die, glaube ich, wenn ich sie chronologisch ordne und vielleicht noch das eine und das andere ergänze, die Slavenka Jagoda muß ich noch nach New York statt nach Wien schicken,  den ganzen Handlungsbogen abgeben.

Den Ordnungsversuch habe ich jetzt gemacht, das Ganze dann kopieren, einzeln durchgehen und ergänzen in den Sommerfrischenwochenenden im Juni und August,  schauen, wie lang das Ganze wird, was noch geht, etcetera, aber die Geschichte hat sich, glaube ich in den zwei Schreib- und Recherchemonaten eigentlich von selbst geschrieben.

Ich verlinke jetzt die einzelnen Artikeln, so, wie ich glaube, daß sie in der Reihenfolge passen, wie ich sie mir dann kopieren und mit dem Ergänzen und Korrigieren beginnen will.

Ob es so ganz stimmt, weiß ich nicht, werde aber weiter berichten und meine Leser konnten mich diesmal direkt beim Schreiben beobachten, das Entstehen der Erzählung hautnah erleben und spannend wird es dann auch noch sein, wie weit sich die einzelnen Geschichten, dann vom Buchtext, den es ja wahrscheinlich wieder geben wird, unterscheiden.

Ich werde auch bei den Kapitelüberschriften bleiben und das Ganze wird „Besser später als nie“ heißen, was auch die Kapitelüberschrift der letzten Geschichte ist. Ja und richtig, ein Nachwort, wo das Ganze dann auch im Buch erklärt werden wird, soll es natürlich auch noch geben.

  1. Arbeitstitel: Sucht
  2. Wiedergutmachung
  3. Das Geheimnis
  4. Eine Frau auf Reisen
  5. Angekommen
  6. Das Gespräch
  7. Der Brief
  8. Eine unerwartete Aufforderung
  9. Ein verpatzter Valentinstag
  10. Die Verwechslung
  11. Erkenntnis am Hochzeitstag
  12. Mathildes Entscheidung
  13. Schwesternliebe
  14. Schneeflockentreiben
  15. Vergangenheitsbewältigung
  16. Der Traum
  17. Arbeitstitel: Denkmäler
  18. Besser spät als nie

2017-05-31

Hermynias Ende und Anfang

In der Bibliothek, die ich von meinen Eltern erbte, stand auch Hermynia zur Mühlens „Reise durch ein Leben“, die Geschichte der 1883 geborenen Aristokratin und Diplomatentochter, die bei der Großmutter in Gmunden aufgewachsen ist und dort zwei Freundinnen, ein Bürger- und ein Arbeitermädchen hatte.

In den Neunzigerjahren hat dann, glaube ich, der „Sisyphus-Verlag“, die „rote Gräfin“ entdeckt und ihre Autobiografie „Ende und Anfang“ herausgegeben und noch ein anderes Buch.

Dann kam der „Promedia-Verlag“ mit den „Töchtern der Nazinen“, wo wir die gleichen Protagonisten, wie in der „Reise durch ein Leben“ treffen, sowie „Ewiges Schattenspiel“ und „Als der Fremde“ kam.

Diese Bücher habe ich gelesen und irgendwann, wahrscheinlich auch in den Neunzigerjahren, ich habe noch nicht gebloggt, gab es im Literaturhaus eine Veranstaltung „Zum Tee bei Hermynia“ veranstaltet von der „Exil-Bibliothek“, wo auch Christiane Zintzen einen Vortrag hielt und es nachher, wie ich mich zu erinnern glaube, Tee und Brötchen gab, wo von Hermynia zur Mühlens Exil in England die Rede war.

Sie hat da sehr viel geschrieben und übersetzt. Upton Sinclair zum Beispiel und ich habe auch ein paar dieser Bücher in meinen Harlander Regalen, weil sie überleben mußte und sich dadurch, wie Ursula Seeber, glaube ich, anmerkte, auch ein wenig ausgeschrieben.

Mir würde da der gleiche Themen- oder der gleiche Personenkreis auffallen, aber ich habe nicht alles, nur vier Bücher gelesen und dann gibt es noch die „Frauen lesen Frauen-Gruppe“ des „Ersten Wiener Lesetheaters“ und die haben schon vor ein paar Jahren einmal  Hermynia zur Mühlen im Literaturhaus aufgeührt.

Und heute wieder, die Autobiografie, veranstaltet von Judith Gruber-Rizy, die einleitend den Lebenslauf der roten Gräfin erzählte und das war ein sehr bewegtes Leben. Denn bei der Großmutter in Gmunden aufgewachsen und sich sehr früh mit der sozialen Frage beschäftigt. Dann ist sie aber sehr viel mit den Eltern gereist, nach Algier, Venedig, Florenz, Paris, Alexandrienund hat auch in einem Pensionat gelebt.

Das Verhältnis zur Mutter dürfte ein schwieriges gewesen sein. Es gab einen „roten Onkel“ und der Vater, der der Tochter auch viel Bildung abverlangte. Aber sehr unzufrieden war, wenn sie sich unter ihrem Stand verliebte.

Sie hat dann einen baltischen Baron geheiratet, der sehr verschieden von ihr war und sich von ihm wieder getrennt.

Das beschreibt sie in ihrer Autobiografie, die mit dem ersten Weltkrieg endet. Die Scheidung von dem Baron und den Weg in ein selbständiges Leben, wo sie schriftstellerisch tätig gewesen ist, bezeichnet sie als Anfang.

Dann kam bald das dritte Reich, ihre Bücher waren auf den verbotenen Listen und die Emigration nach England. Die Rückkehr nach Österreich wurde ihr verwehrt und heute ist sie, die 1951 in England gestorben ist, wie die Lesefrauen erwähnten, ziemlich vergessen.

Für mich nicht so ganz und ich denke, sie wäre auch eine Kanditatin für die „Autorinnen feiern Autorinnen-Veranstaltung“, die ja Julia Danielcyck eingeführt hat.

Neben Else Feldmann würde ich sie mir sehr wünschen und im „Republikanischen Club“, wo die Veranstaltung stattgefunden hat, gab es wieder Wein, Knabbereien und Gespräche und da habe ich gehört, daß einige Besucherinnen meinten, sie hätten noch nie etwas von Hermynia zur Mühlen gehört, die ja inzwischen wieder außer ein paar „Promedia-Restbestände“ wieder vergriffen ist.

Da bin ich dank dem Bücherschrank meiner Eltern nicht so ganz ungebildet und auch gespannt, was ich vielleicht noch von der „roten Gräfin“, die sich so stark für die sozialen Fragen interessierte, hören werde.

2014-05-12

Am Anfang war das Wort

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:19

„Am Anfang war das Wort“, „Denn am Sabbat sollst du ruhen“, die 1947 geborene und 2005 verstorbene israelische Schriftstellerin Batya Gur verwendet für ihre Krimis biblische Zitate und die Literaturwissenschaftlerin und Gattin eines Psychoanalytikers, wählt auch die diesbezüglichen Sujets. Beim „Sabbat“ war das psychoanalytische Institut der Ort, wo der Mord geschah, beim „Am Anfang war das Wort“ geht es zu den Literaturdozenten an die Universität von Jerusalem und da ist Batya Gur eine, die alles sehr genau und ausführlich erzählt. So beginnt es mit einem Fakultätsseminar und wird für die, die sich vielleicht nicht so für Literatur, beim „Sabbat“ für die Psychoanalyse interessieren, ein wenig langweilig, denn da wird über die Literatur diskutiert und gestritten, beziehungsweise in die Psychoanalyse eingeführt.
Beim „Wort“ geht es um die Frage, was ein gutes Gedicht ist und da ich mich ja sowohl für die Psychotherapie als auch für die Literatur interessiere, habe ich beide Krimis sehr spannend gefunden. Plagiate interessieren mich ja auch, wenn ich mir am Anfang vielleicht ein wenig schwer tat, die wirklichen Dichter von den ausgedachten zu unterscheiden.
Aber Batya Gur ist eine, die wirklich alles sehr genau beschreibt und so schildert sie die Intrigen des Jerusalemer Literaturbetriebs so, wie sie auch ein uns ablaufen könnnten….
Da wird also über Literatur diskutiert in dem Institut für hebräische Literatur und da gibt es einen Professor mit dem Namen Scha`ul Tirosch, mit den Namen tat ich mir auch recht schwer und der ist ein interessanter Typ, nämlich ursprünglich in Prag geboren und über Wien nach Israel gekommen, ein bekannter Dichter und ein Frauenheld, ja richtig über Sex geht es in dem Krimi auch und da ist Scha`ul einer, der, obwohl er ja nicht mehr jung sein kann, immer eine Schale rote Nelken im Eiskasten stehen hat und die steckt er dann an und verführt sämtliche Sekretärinnen, Studentinnen, Dozentinnen und die Frauen des Institutspersonal.
So hat er mit der Frau von Tuwja Schaj was und mit der von Ido Duda` auch.
Einen Polizisten gibt es auch, das ist Michael Ochajon, der auch einmal Literatur studiert hat und der hat eine Beziehung zu einer verheirateten Frau und einen Sohn, der tauchen lernt und der starke Inspektor hat auch ein geheimes Makel, er hat nämlich Angst, um seinen Sohn und darum begleitet er ihn auf den Tauchkurs und wird dort Zeuge, wie der junge ehrgeizige Dozent Duda`j aus dem Wasser gezogen wird, weil in seiner Sauerstoffflasche Kohlenmonoxyd war.
Am Montag darauf findet man im Institut den Verführer tot in seinem Zimmer und Ochajon kommt, um alle zu verhören. In Israel wird man offenbar auch an einen Lügendedektor, eine Methode, an die ich nicht glaube, festgeschnallt und Ochajon verhört mit Wonne alle Verdächtigen und sonstigen Institutsmitglieder.
Da gibt es die Sekretärin und ihre Gehilfin, die eigentlich Psychologie studiert und über Zwangserkrankungen schreibt und eine wunderschöne Assistentin, die so labil ist, daß sie gleich in Ohnmacht fällt und sich nur an der Seite ihres Rechtsanwaltes verhören lassen will.
Sie hat auch ein Geheimnis, war sie doch einmal mit Tirusch verheiratet, dann hat er sie zur Abtreibung gewzungen und fallengelassen, lächerlich hat er sie auch überall gemacht und schlechte Gedichte hat sie auch geschrieben, was ihn aber nicht daran hinderte, sie in seinem Testament zur Erbin zu machen. Dazwischen geht Ochajon noch in die Vorlesung von Tuwja Schaj, der biblische Vergleiche zu den tatsächlichen Morden anstellt.
Bücher liegen auch überall herum, nämlich die eines Anatoli Ferbers, der im Gulag seine Gedichte schrieb und da war ich mir Anfangs nicht sicher, ob es den nicht wirklich gegeben hat und einen Vorstand, nämlich Professor Klein hat das Institut auch, der ist erst am Sabbat oder war es schon am Donnerstag vorher aus Amerika zurückgekommen und dort war auch der junge Dozent auf einen Forschungssemester, hat einen Rechtsanwalt besucht und ist sehr verändert zurückgekommen.
Ochajon ermittelt weiter, kommt auf eine außereheliche Beziehung des netten Professors drauf, der sich so fürsorglich um die labile Ja`el Eisenstein kümmert und auch den Inspektor bekocht. Aber dann war es doch nicht der Sex, sondern, daß Duda`j Tirosch auf ein Plagiat draufgekommen ist, der füllte das Kohlenmonoxyd in die Sauerstoffflasche, um nicht geoutet zu werden und Dozent Schaj, der dem Meister sogar das Verhältnis zu seiner Frau verzieh, ist enttäuscht und mußte morden.
Ein sehr bedächtiger und wahrscheinlich anspruchsvoller Krimi. Wenn man Vergnügen an der Literatur hat, wird man ihn gerne lesen.
Im Internet habe ich Rezessionen gefunden, wo sich die nicht so interessierten langweilten und das „Wort“ für den schwächsten Gur Krimi halten. Das würde es auch nicht so sagen, aber ich bin ja an der Literatur und, wie der Betrieb so läuft sehr interessiert. Trotzdem habe ich ein ganzes Wochenende an dem Buch gelesen, denn eines in das man schnell hineingezogen wird, ist es wahrscheinlich nicht.

2013-09-02

Männerfallen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 07:11

„Männerfallen“ ist der fünfzehnte „Mira-Valensky-Krimi“ von Eva Rossmann und juchu, vierzehn habe ich davon gelesen, da mir der Alfred die Bücher sehr lang zum Geburtstag oder zu Weihnachten kaufte.
„Evelyns Fall“ habe ich als Rezensionsexemplar bekommen.
„Unterm Messer“ nicht mehr, das hat mir dann der Alfred bei einer sehr überfüllten Krimi-Nacht, bei der ich mich regelrecht in das Cafe Landtmann drängte, gekauft.
„Unter Strom“, der vorletzte Krimi ist dann an mir vorbeigegangen.
Die 1962 geborene Verfassungsjuristin und Sachbuchautorin in Frauenfragen, hat inzwischen auch ein anderes Buch in einem anderen Genre „Krummvögel“ geschrieben und bei der letzten „Rund um die Burg“ daraus gelesen und jetzt ist wieder ein Krimi von ihr erschienen.
Scheint Eva Rossmann ja eine sehr fleißige konsequente Schreiberin zu sein, die immer aktuelle Themen aufzugreifen versucht.
Bei ihrem ersten „Walhlkampf“ haben wir einmal sogar gemeinsam bei dem Poetenfestival in Raabs gelesen. Ich aus den „Wiener Verhältnissen“ mein erstes DigiBuch, inzwischen gibt es dreißig selbstgemachte Bücher und fünfzehn Mira Valensky Krimis, die sich mit der Kosmetikindustrie, dem Kochen, dem Wein, der Armut etc auseinandersetzten.
Sehr aktuelle Themen halt, die Eva Rossmann und das war ein bißchen meine Kritik an den zwei letzten Büchern, die ich gelesen habe, nach demselben Schema aufarbeitete, so daß die Pause vielleicht ganz gut tat, denn „Männerfallen“ hat mir wieder sehr gut gefallen und ich würde es nach „Freudsche Verbrechen“, nach wie vor mein Valensky Hit an zweiter Stelle setzte, obwohl mich die gute Mira mit ihren vielen Fragen anfangs etwas nervte und ich mich auch nicht so genau auskannte, wie das nun mit der Frauengewegung zu verstehen ist?
Damit man mich jetzt nicht mißversteht, ich werde im November sechzig, nicht fünfzig wie Eva Rossmann ist und Mira im Buch langsam wird und habe von der Auf-Gründung und den Siebzigerjahren einiges mitbekommen, auch wenn ich nicht immer ganz aktiv dabei gewesen bin und nicht sehr oft ein Transparent in der Hand hielt.
Jetzt ist die Mira jedenfalls fast fünfzig und drängt sich zu Beginn des Buches im Museumsquartier, um bei einer Veranstaltung des Autors Thomas Pauer, dem mit „Sei ein Mann“ ein Bestseller gelungen ist, in dem er von der Unterdrückung der Männer spricht und immer wieder betont, wie stark seine Frau ist, weil sie sich traut, bei den Kindern zu bleiben, hineinzukommen. Was nicht so einfach ist, denn es drängen sich hunderte Frauen um einen Platz, stoßen und bedrängen Mira, so daß sie schließlich von einem Bodyguard zum Interview geführt wird.
Die Stimmung scheint Mira auch nervös zu machen, denn sie schickt den Fotografen, der sie begleiten soll, weg, interviewt dann den Autor, lernt die Verlegerin Farah Seifriedkennen, die nach Farah Diba heißt. Kocht ihrem Oskar dann was zu essen, aber vorher trifft sie noch Jana, die Tochter ihrer Freundin Vesna bei „frauen.com“ und eine kleine Demo mit Frauen die Transparente in die Höhe halten gibt es auch.
Die Anführerin ist Maggy Körmer, eine Rothaarige zwischen fünfzig und sechzig, die schon in den bereits erwähnten Siebzigerjahren dabei war und als radikale Feministin gilt.
Sandra Alman ist dagegen die Leiterin von „frauen.com“ und irgendwann wird Mira von Maggy Körmer zu einem Hotel gerufen, weil dort Thomas Pauer eine Studetnin, die ihm wegen einer Hausarbeit interviewen wollte, vergewaltigt haben soll.
Die Studentin sitzt halbnackt im Foyer und verschwindet dann, die Verlegerin gibt am nächsten Tag eine Pressekonferenz und stellt sich hinter ihrem Autor und Mira Valensky bekommt heraus, daß der zum zweiten Mal verheiratet und eigentlich ein Österreicher ist, obwohl er überall als Deutscher gilt.
Die Presse berichtet in ihrem Sinn und erklärt Nicole Moser, die Studentin zu einer radikalen Feministin, die sich dann im Waldviertel versteckt und von Maria, Vesna und Jana in sehr abenteuerlichen Umständen aufgesucht wird.
Inzwischen schickt auch Thomas Pauer ein Mail und lädt Mira zu einem Poetenfestival nach Sardinien, wo er ihr ein Interview geben will, seine Verlegerin ist dagegen und scheint überhaupt viel militanter als ihr Autor zu sein, der offenbar gar nicht so sexbesessen ist, wie er sich in seinen Büchern darstellt und auch keinen Überblick über alle seine Interviews hat.
Mira trifft ihn jedenfalls beim Joggen, wo sie sich am Bein verletzt und sie ist auch Zeuge eines Streits zwischen ihm und der Verlegerin, bzw. bekommt sie einen wütenden Anruf von seiner zweiten Frau mit.
Bei der Schlußveranstaltung des Festivals outet sich Pauer auch, daß er in Wirklichkeit ein anderer ist und, daß sich vieles ändern wird und wird am nächsten Tag, wir sind inzwischen auf Seite hundertsiebenundneunzig angekommen und fragen uns, wo die Leiche bleibt, tot an der Stelle aufgefunden, wo sich auch Mira ihr Knie verletzte.
Die fährt wieder zurück nach Österreich, sucht Nicole, die sie auch in Sardinien zu sehen glaubte, Maggy Körmer war mit ihren Trasparenten ebenfalls dort und findet sie im Krisenzimmer von „frauen.com“, wo sie von Sandra Alman versteckt wurde.
Nicole gesteht, daß die Vergewaltigung gar keine war und sie den Mann eigentlich hereinlegen wollte, der sich aber nicht hineinlegen ließ und wird dann, während alle nach der Verlegerin als Täterin, die sich das Heft nicht aus der Hand nehmen wollte, suchen, in einer Berghütte in Kärnten ebenfalls fast ermordet und ich habe einen spannenden sanften Krimi gelesen, der wieder auf auf viele Mißstände und auch ein wenig auf das Verlagsgeschäft aufmerksam macht.
Das Poetenfestival in Gavoi scheint es wirklich zu geben. Eva Rossmann scheint dort einmal eingeladen gewesen zu sein und als sie dort nach „Shades of Grey“ fragte, scheint ihr die Idee gekommen zu sein, den Stand der Frauenbewegung 2013 und wie weit sich die Frauen von starken blauäugigen blonden Männern immer noch manipulieren lassen, zu hinterfragen?
Kochrezepte gibt es auch wieder ein paar finden und die Geschichte, daß angeblich so starke sexbesessene Männer auch manchmal von Frauen hereingelegt werden können, haben wir ja wahrscheinlich vor kurzem bei Dominic Strauss-Kahn erlebt. Alles ist relativ und so habe ich das Buch spannend, frisch und originell empfunden, darf dem „Folio-Verlag“ für die Zusendung des Rezensionsexemplars danken und wie gewünscht auf die Veranstaltungen hinweisen, bei denen das Buch vorgestellt werden soll, eine davon wird die Wienerkriminacht am 17. September sein.

2011-12-19

Fallen auflösen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:45

Ich halte noch immer bei siebzehn Seiten, habe die Seite siebzehn aber bis zweieinhalb Zeilen hinuntergestrichen, als ich am Samstag, bei Kerzenschein vor dem neuen Bücherregal, den Wassili Scharkawili zu einem Albert Taher, koptischen Christen, aus Kairo machte, denn über die arabische Revolution etwas zu schreiben, ist sicher aktueller, als über einen Asylwerber aus Georgien. Vorher war ich beim Lidl einkaufen, bin da natürlich bei „Wortschatz“ vorbei, über den Zwillingsleiden schon wieder berichtet hat. Die herausgefallene Tür ist ihr entgangen, aber die wurde jetzt mit einer extra Sicherung befestigt und den Christbaumverkauf daneben gibt es auch. Man kann die Tür jetzt nicht mehr ganz aufmachen, schreibt Evi, soweit geht es aber, daß ich einen Fund machte, der mir bei meiner Recherchearbeit vielleicht ein wenig helfen kann. Gab es da ja ein Buch aus der Reihe Prague Noir „The Weeping Woman on the Streets of Prague“ und die Marianne reist ja dorthin, weil Jan da in der Karls-Universität ein Ehrendoktorat verliehen bekommt und ich habe in meinen letzten Bericht beklagt, daß das vielleicht etwas schwierig wird, denn ich war, glaube ich, das letzte Mal 1988 in Prag.
Beim Lidl gab es dann auch gleich etwas zu beobachten, nämlich eine eine ältere Frau mit Kopftuch mit vollen Einkaufswagen und etwa zehn Euro zuwenig im Börsel. Die Kassiererin schimpfte, der Securityguard stellte sich schweigend daneben, die Frau verstand nicht und die Verkäuferin schrie unentwegt, „Noch, noch, das gibts doch nicht!“, bis sie dann selber in den Einkaufswagen griff und ein paar Reispackerln hinausbeförderte. Jetzt könnte der Albert Taher bei einer Tante oder Frau wohnen, die keine koptysche Christin ist, nicht lesen und nicht Deutsch kann und mit einem vollen Supermarkt naturgemäß überfordert.
„Dann soll gehen heim, wenn nicht kann Deutsch!“, sagte noch die Kassiererin mit wahrscheinlich ungarischen Akzent. Ich bin das mit meinen Karotten, Parika, Milch und Joghurtbechern auch und dann am Nachmittag an meinem Schreibplatz im Wohnzimmer gesessen. Da habe ich mir zuerst die „Mimi“ durchgelesen, die JuSophie ja so gar nicht gefallen hat und habe ihre Kritikpunkte eigentlich nicht nachvollziehen können, so trivial finde ich es nicht und die Personenführung ist auch dichter, als vielleicht bei „Zwillingswelten“.
Selber kann man das vielleicht nicht so beurteilen natürlich, das weiß ich schon, daß meine Deutschlehrerin in der Straßergasse, die Frau Prof. Friedl, der ich noch immer sehr danke, von den Schularbeiten am begeistertsten war, wo mir der Schlußsatz fehlte und ich dachte „Ein nicht genügend wird es schon nicht werden!“, während es bei denen, die ich sehr gut fand, vielleicht ein befriedigend wurde. Und so ging es mir auch mit meinen Texten, da gibt es einige, wie zum Beispiel „Den Wiederstand beim Zwiebelschneiden“, wo ich mir „Null acht fünfzehn!“, dachte und dann wurde es weitergereicht und weitergereicht und alle waren begeistert, während zu anderen Texten die Reaktionen fehlen. Wie ich ja überhaupt ein bißchen den Eindruck habe, daß die meisten meiner Texte vielleicht nicht so bemerkt werden. Ich kann es nicht verändern oder nur bedingt, in dem ich im Literaturgeflüster über den Schreibprozeß schreibe und das ist zwar riskant, weil man damit Leser anziehen kann, die „Kaum zu glauben, was für Unsinn Sie schreiben, Sie wissen gar nicht, wieviel Schaden Sie damit anrichten!“, kommentieren. Aber das war nur einmal so und hilft ansonsten Klarheit zu finden, denn im Augenblick bin ich noch etwas verwirrt und natürlich, wieder viel zu schnell in die neue Idee hineingesprungen. Die war ja, drei Frauen zu verschiedenen Zeitpunkten in einer Wohnung, interessant und wusch an der Wand, denn wenn ich da von einer Großmutter schreibe, die zuerst eine jüdische Freundin versteckt, dann die, die im Ungarnaufstand aus Budapest flüchtete und die Tochter lernte mit Achtzehn auf der Uni den Dissidenten Jan kennen und die Therese den Vladi, Wassili oder Albert Taher aus Kairo, dann kann das vielleicht interessant sein und auch schon hundertmal beschrieben, aber nun müßte ich, wenn ich es trotzdem noch einmal versuchen will, zum Ausdenken und zum Recherchieren anfangen. Dann schreibe ich los mit der ersten Szene, die Theresa stößt, von der Uni kommend auf eine Demo, trifft dort den bewußten Flüchtling, der inzwischen dreimal seinen Namen geändert hat und dann habe ich beim Schreiben das „Show not tell!“ vergessen und erwähne die Oma mit ihren Freundinnen, die Mutter mit den Jan mehrmals, nehm mir so die Spannung weg und auf Seite siebzehn sitzt die Theresa nach dem Babysitten mit dem gefundenen Tagebuch da und ich tue dasselbe mit den Gedanken „Ich kann es nicht, ich kann es nicht!“
Daß ich da korrigieren sollte, weiß ich schon und habe das am Samstag auch getan. Aber vorher wollte ich noch eine Pause machen und mir die Werwolf-Weihnachtsgeschichte, die es bei literaturcafe.de zum downloaden gibt, anhören. Die, die sich jetzt wundern, ja, das lese oder höre ich sonst eher nicht, aber die Geschichte ist sehr interessant, weil eigentlich ganz einfach gestrickt und dann jongliert sie, wie selbstverständlich mit unrealistischen Tatsachen, nämlich, daß sich ein Mensch in einem Werwolf verwandelt und das noch mit Hilfe von autogenen Training tut.
Dazwischen kamen der Alfred und die Anna vom Almweg zurück, wo sie Äste, die sie abschneiden mußten, wegräumten und ich habe zu der Werwolf-Geschichte korrigiert, soll man nicht, denn da ist die Aufmerksamkeit dann nicht zur Gänze da, aber das Schuldgefühl „Ich kann es nicht, ich kann es nicht!“, so daß ich am Ende eine halbe Seite weniger Text, aber noch keine richtigen Idee fürs Weiterschreiben hatte und als ich dann mit Thomas Wollingers „Archäologin“ in die Badewanne stieg, fand ich auch noch so ziemlich mein ganzes Szenario, den 1956 über die Grenze gekommenen Slowaken, die NS-Zeit, die ja ein Dauerbrenner für viele Romane ist und der Gedanke „Das brauche ich nicht auch noch nochmals schreiben!“, war wieder da. Zwar auch eine Lösung, wie ich die Rosa-Szenen integrieren könnte, indem ich einfach Jahreszahlen vor die Szenen schreibe. Ich weiß aber noch nicht so genau, ob ich das will, denn mir fehlt der Stoff. Obwohl ich ja eigentlich eine Fülle von Ideen habe, aber alles nicht neu und zu wenig konkret. Am Sonntag dachte ich dann, als ich von Vaclav Havels Tod hörte, daß das Marianne und Jan erfahren könnten, während sie an der Moldau spazieren gehen. Die Türkin aus dem Lidl wird zu Alberts Tante und wenn ich das Ganze noch einmal ohne Hintergrundtext durchgehe und die Fallen herausnehmen, die mich am Einsteigen in die Handlung hindern, komme ich vielleicht weiter, Szene für Szene. Am besten lasse ich mich in den Schreibprozess ein und versuche all die Gedanken „Das ist wieder nicht gut genug! Das wird sicher wieder nichts!“, möglichst weg, sondern denke „Du kannst schreiben, denn das hast du das ja schon sehr viel getan und einen Roman schreibt man nicht einer Woche, nimm dir da ein Beispiel an Thomas Wollinger!“, der, was mich sehr freut, inzwischen seinen zweiten Roman beendet hat und in seinen Blog von den Plänen zu seinem nächsten schreibt und das finde ich sehr schön, daß er da offen von den Fallstricken und Hindernissen berichtet, weil man da viel lernen kann und sieht, daß es nicht nur mir so geht.

2019-08-18

Nach dem Urlaub

Der Urlaub der ein sehr schöner war, wie man auf den Fotos sehen kann, ist vorbei, wir sind am Donnerstagabend mit einem Zwischenstop in Wien, um den Laptop abzuholen, den ich mir nicht auf den Campingplatz mitgenommen habe, aus Locarno zurückgekommen, obwohl es dort bis Samstag noch Filme gab, um das Wochenende bis Montagfrüh in Harland zu verbringen.

Da war es am Freitag nichts mit dem Radfahren nach Ochsenburg und dem Kaiserspritzer bei der Radlertränke, wie ich es mir in diesem Sommer angewöhnt habe, sondern Ausräumen, die Bücher und die Mitbringseln ordnen und dann bloggen bloggen.

Habe ich in der Schweiz doch trotz des Filmfestival und der kleinen Wanderungen sehr viel gelesen und neue Bücher sind inzwischen auch gekommen.

In Wien haben drei Stück, das neue Buch der Susanne Gregor, der neue Cohen, den ich gleich zu lesen anfangen werde und ein Buch von Olaf Kühl, sowie ein Zetttel, daß ich mir von der Post ein Paket abholen kann, auf mich gewartet und die deutsche Buchpreisliste, wie ich ja schon öfter angedeutet habe, wird am Dienstag auch bekannt gegeben.

Da bin ich wie man merken kann, auch schon ganz hippelig und neugierig, mache Spekulationen, entdecke, wenn ich mich so bei den anderen Blogs umsehe, immer wieder neue Bücher, die bisher an mir vorbeigegangen wäre und wenn ich den nächsten Dienstag zwischen meinen Stunden zum Anfragen, wie ich mich ja doch entschloßen habe, werde ich den Rest des Jahres wieder zwischen Bücherbergen stecken. Aber keine Angst, ich stöhne nicht darüber oder nur ein bißchen, denn seltsamerweise macht mir das Lesen der Bücher der anderen noch immer sehr viel Spaß.

Tobias Nazemi vom „Buchrevier“ und jetzt auch Marc Richter vom Blog „Lesen macht glücklich“ haben da ja Glossen geschrieben, daß es zuviele Bücher gäbe und der ganz normal Freizeit- und Wald- und Wiesenblogger schon im Frühling, wenn er noch gar nicht alle Herbstbücher gelesen hat, die neuen Vorschauen kommen, die dann Druck erzeugen und den Spaß vertreiben.

Aber man muß ja nicht mitmachen und die Vorschauen sind ja für die Buchhändler da, die die neuen Bücher allen anbieten, obwohl ich, wenn ich ein Angebot bekomme, auch kaum nein sagen kann, sondern denke „Das geht schon noch!“ und inzwischen keine Bücher mehr aus den Schränken nehmen sollte, auch wenn sie noch so toll sind, weil ich mit den Neuerscheinungen ja genug zu tun habe und wenn jetzt neben dem dBp und dem öst auch noch der Schweizer Buchpreis dazu kommt und  das Bloggerdebut wartet auch noch, werde ich ja wahrscheinlich wieder bis Jänner oder Februar lesen, aber bei den letzten Herbstvorschau war ich zurückhaltender und in der Schweiz habe ich auch ein paar Bücherschrankfunde und Abverkaufbücher abgelesen.

Außerdem darf unter dem vielen Lesen, das Schreiben ja nicht leidern und da habe ich jetzt auch eine Pause eingelegt, werde aber ab heute oder morgen wieder mit dem Korrigieren des „Literaturgefüsterbuchs II“,  anfangen und die „Magdalena“ wartet ja auch noch darauf in die Druckerei zu kommen. Die ist eigentlich fertig korrigiert, nur das Cover fehlt noch und der Alfred will es sich noch einmal durchsehen, bevor es weggehen kann, wird also bis zum Volksstimmefest, wo ich ja am Samstag schon ein Stück daraus lese noch nicht fertig sein, dafür ist, Überraschung, die „Linke Wort-Anthologie“, von 2017 schon da und kann beim Fest abgeholt oder gekauft werden.

Spannend, spannend, politische News gibt es auch. Da habe ich in den letzten zwei Wochen, ohne Laptop und Handy ja sehr viel versäumt. Aber von der Hausdurchsuchung bei H. C. Strache hat mich der Alfred, der ja während wir in Locarno auf den Filmbeginn warteten, immer sehr viel und sehr intensiv hineingeschaut hat, unterrichtet und Pamela Rendi- Wagner, die SPÖ- Vorsitzende, beziehungsweise ihr Team, hat mich ja auch schon zur Wahlkampfauftaktveranstaltung Ende August eingeladen.

Todesfälle hat es auch gegeben. So ist nicht nur schon vor dem Urlaub Andrea Camilleri und Brigitte Kronauer gestorben und da ist interessant, ob Gertraud Klemm recht behält und vielleicht diesmal eine tote Autorin auf die Longlist komme, sondern auch am fünften August Toni Morrison in New York.

Der Sommer ist also schon fast vorbei und der Herbst mit seinem wahrscheinlich sehr turbulenten Wahlkampf wird bald beginnen. Da wir diesmal auch schon am Montag nach Wien fahren, kann ich wieder ins Weinhaus Sittl gehen und zweimal O- Töne gibt es bevor der Herbst und die Schule mit dem Volksstimmefest beginnt auch noch.

Ein paar Einladungen zu literarischen Veranstaltungen sind inzwischen auch gekommen, so wird am zwöften August wieder eine Autorin von einer anderen Autorin im Rathaus gefeiert, Christl Greller hat mich zu ihrer Veranstaltungsreihe eingeladen und so wird es mit dem Schreiben und dem Lesen auch im Herbst weitergehen.

Heute wird gegrillt, obwohl es, weil der Alfred niemanden eingeladen hat, keine Geburtstagsparty geben wird, aber da haben wir seinem Geburtstag ja im Tessin in dem schönen Gasthaus bei dem schönen Wasserfall gefeiert bei Polenta, er mit Schweinshaxe, ich mit Käse gefeiert, obwohl der Alfred Polenta gar nicht so gern mag, das aber die Spezialität des Tessin ist.

Auf der Harlander Terrasse wird es wieder Ripperln und Cevapcici geben und die kleine Lia ist inzwischen schon ein Stück größer geworden und schon über zwei Monate alt.

Daß die Frequency gerade in St. Pölten tagt und der Traisenstand mit Zelten und die Straßen mit Autos überfüllt sind, hätte ich jetzt fast vergessen, obwohl ich gestern als ich mit dem Rad zum Markt fahren und dort wieder Doris Kloimstein treffen wollte, die mich übrigens, was natürlich nicht stimmt, allen als „berühmte Autorin“ vorgestellt hat, wieder mit dem Security diskutieren mußte, damit er mich das Rad durchschieben ließ.

2019-08-06

Jacob beschließt zu lieben

Filed under: Bücher — jancak @ 09:07
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Den Bestseller, wie am Cover steht, des 1967 in Timisoara geborenen Catalin Dorian Florescu, der heute als Psychiater und freier Schriftsteller in Zürich lebt, habe ich, glaube ich, im Bücherschrank bei der Josefstädterstraße gefunden, als ich von GAV-Veranstaltung zu der mich Judith Gruber-Rizy eingeladen hatte, zu Sommeranfang, noch ein wenig hupelnd, nach Hause ging.

Als ich mich auf meine Schweiz-Urlaube und den „Schweizer-Buchpreis“ vorbereitete, habe ich herausgekommen, daß er 2011, den  sogar gewonnen hat, so daß es keine Frage war, daß ich das Buch nach Locarno mitnahm, obwohl es mit der Schweiz eigentlich gar nichts zu tun hat, ganz im Gegenteil handelt Florescu darin, auf eine sehr gekonnte Art und Weise, ja die Geschichte der Deutschen in Temeswar ab und noch ein Detail am Rande, dem Buch war ein Kassenbon beigelegt, dem ich entnehmen konnte, daß es am 26. 10. 2012 in der Schalterhalle Ost, beim Eingang Kirchenallee, in Hamburg gekauft wurde, was ja auch sehr interessant ist, den Verlauf der Bücher und welche Reisen sie im Verlauf ihres Lebens machen, nachzuverfolgen.

Genauso interessant, wiem die, der Menschen, denke ich und genau davon handelt ja der Roman, der  im Juli 1924 beginnt, als der sehr ambivalent geschilderte Vater des erzählenden Protagonisten, Jacob mit „c“ und nicht mit „k“, wie der Vater das schwäbische Dorf  Triebswetter im rumänischen Banat betritt.

Der tut das nicht gewaltfrei, bedroht er doch einen Apotheker dabei, um sich seine Braut, die „Amerikanerin“ genannte Elsa zu holen und sich in dem Dorf breitzumachen.

Dazwischen kommen immer wieder Kapitel in denen Jacob, die Geschichte seiner Vorfahren bis  zum dreißigjährigen Krieg erzählen. Aber er wurde 1924 oder wahrscheinlich etwas später geboren und auch darüber ranken sich die Geschichten durchaus ambivalent und es ist nicht so genau herauszufinden, wie das damals wirklich geschah, auf einem Mistwagen, sagen die einen, die anderen erzählen es anders.

Der Vater, der inzwischen Elsas Vaters von seinem Hof verdrängt hat, hält nicht sehr viel von seinem schwächlichen oft kranken Sohn, so daß es den sehr oft zu der Zigeunerin zieht, die ihm bei seiner Geburt Hilfe leistete. Die hat auch einen Sohn und ihren Mann verjagt. Sie ist sehr dick und unförmig, erzählt dem Kind aber sehr schöne Geschichten und in den weiteren Kapiteln ist der Sohn ein schwächlicher junger Mann und muß sich auf dem Friedhof verstecken, weil in dem Dorf ja zuerst die Deutschen und dann die Russen einziehen, um die jungen Männer wegzuholen.

Sarelo, der Sohn der Zigeunerin, den der Vater inzwischen als seinen adoptiert hat, weil er stärker ist und wahrscheinlich auch von seinen Samen herstammt, will dessen Abtransport verhindern und so muß Jacob statt ihm nach sibirien ziehen, die Mutter und der Großvater schweigen dazu. Jakob kann aber aus dem Viehwqggon flüchten und verbringt einige Zeit achtzig Kilometer von Temeswar entfernt, bei einem Popen, der ihn aufpäppelt und ihm dafür zu seinem Gehilfen macht, sammelt er doch Leichenteile zusammen, um die Toten würdevoll am Friedhof zu bestatten.

Man sieht Catalin Dorian Florescu ist in seinem Stil sowohl makaer, als auch surrealistisch.

Später wird Jakob noch der Gehilfe eines Bettlers ohne Beine, bis er in sein Heimatdorf zurückkehrt und erfährt, daß sich Sarelo nun am Hof, der ja eigentlich ihm gehört, breit gemacht hat und den Vater und die Mutter ins Gesindehaus verbannte.

So beschließt Jakob sich den Deutschen im Dorf anzuschließen, die nach Lothringen, ihren ursprünglichen Herkunfsort zurückkehren wollen, der Vater verhindert es aber und ganz am Schluß kommen, glaube ich, wieder die Russen und transportieren Vater und Sohn in ein Niemandsland ab, wo sie ihnen eine Parzelle auf einer Wiese mit einem Stück Holz und einem Stück Glas geben und ihnen erklären, daß das nun ihre neue Heimat ist.

„Ein großer Roman über Liebe und Freundschaft, Flucht und Verrat – und darüber, wie die Fähigkeit eines Menschens zu lieben und ihn über alles hinwegretten kann“, steht am Buchrücken.

Das habe ich, der das Buch sehr gut gefallen hat, gar nicht so empfunden, denn ein Liebender ist der Jacob eigentlich nicht, eher ein Getriebener, der vom Schicksal, wie wahrscheinlich, die Deutschen im rumänischen Banat und auch alle anderen, die Syrier vielleicht, die sich in Deutschland niederließen und nun von den Rechten und den Patrioten, als „die üblichen Verdächtigen“ bezeichnet und beschimpft werden, durcheinander gebeutelt wird und versucht mit mehr oder weniger Glück seinen Weg zu gehen und Catalin Dorian Floresco der ja auch seine Heimat verlassen hat, auf eine sehr schelmische Art beschrieben hat und dabei auch seinen Helden, so wie die Menschen halt sind, durchaus ambivalent und widersprüchig beschrieben hat.

2019-07-24

Aus dem Figurenkabinett

Jetzt kommt wieder mal ein Pausenfüller, denn höchstwahrscheinlich war es sich nicht ausgehen, Natasha Solomons „Das goldene Palais“ bis Mittwoch auszulesen, aber ich wollte neben den Buchbesprechungen und den Veranstaltungen ja öfter auch etwas aus der Schreibküche zum besten geben.

Geschichten aus der Schreibwerkstatt sozusagen, die im Augenblick nicht sehr aufregend sind, denn ich korrigiere mit zwei fast leeren Druckern, mein zweites „Literaturgeflüsterbuch“ mit den Texten über mein Schreiben und den Probekapiteln aus den siebenundzwanzig Büchern, die seit es das „Literaturgeflüster“ gibt, entstanden sind.

Daziwschen schiele ich immer schon ein bißchen zu dem „Fräulein No“, der Aushelfskellnerin aus „Rudis Nachtcafe“ und da hatte ich ja im Juni die Idee mich bei der diesbezüglichen Planung von einigen Figuren aus meinen vorigen Büchern begleiten zu lassen.

Das meine ich nicht so verrückt, wie es vielleicht klingt und wenn man möchte kann man sich da auch an Jurenka Jurk anlehnen, die vor einigen Wochen wieder ein paar kostenlose Webinare und  einen Kurs zum Thema „Mehr Zeit zum Schreiben“ gab.

Die Webinare habe ich zwar versäumt, weil ich bei dem einen in der „Alten Schmiede“ war und es dann beim nächsten mit der Anmeldung nicht schaffte, aber ich habe ja auch schon einen Artikel über das Zeitmanagement und eigentlich ohnehin ein ganz gutes.

Die liebe Jurenka Jurk hat mir dann aber noch zwei Videos geschickt, wo sie sich mit zwei Autoren unterhalten hat und da ein bißchen, die größten Fallen, die einem am Schreiben hindern, beleuchten, da den „Innere Schweinehund“: „Ich mag lieber fersehen, statt mich vor mein Manuskript setzen! und der „Innere Kritiker: „Das wird doch sowieso nichts! Wieso setzt du dich da hin? Geh lieber Schuhe putzen!“ und meinte man soll mit diesen Stimmen in Dialog treten und das wäre doch auch so etwas, wie sich von seinen Figuren beim Schreiben helfen zu lassen oder einfach ein bißchen über sie zu erzählen, denn, ich habe, glaube ich, im Juni, noch bevor ich mit dem Fensterputzen angefangen habe, mich mit einem Notizbüchlein hingesetzt und aufnotiert, welche Figuren ich da habe und da wären ja einmal die Fritzi Jelinek, bekannt aus der „Absturzgefahr“, Tochter einer Deutschlehrerin, die ihrer Tochter diesen ehrgeizigen Namen gab, die aber eigentlich lieber, wi ihr Vater Psychotherapeutin werden wollte. Sie hat dann eine Ausbildung zur Lebensberaterin und Schreibtrainerin gemacht, ihre diesbezügliche Diplomarbeit über das „Haus im Grünen“ geschrieben und bei einem Praktikum, das sie für ihre Lebensberaterausbildung machen mußte, den polnischen Prieser Janusz Warszinski kennengelernt mit dem sie in weiterer Folge eine platonische Beziehung einging. Vielleicht auch ein bißchen mehr davon, darüber kann man streiten und geteilter Meinung sein. Wir treffen sie jedenfalls in der „Pensionsschockdepression“ wieder, wo sie in Januz Warszinskis Pfarre jeden Mittwoch eine Bibliotherapiegruppe macht und ihre Nachbarin Thekla Morgenstern dazu einlädt.

In diese Gruppe könnte nun auch Lisbeth Hahnenpichler, die pensionierte Bibliothekarin, aus den „Zwillingswelten“ kommen, sowie Laura Augstin aus den „Dreizehn Kapitel“, sowie, der Psychiater Theo Hardenberg, den wir aus der „Frau aus der Bank“ kennen, der ja in dieser nicht nur seine Frau findet, sondern, in den „Berührungen“ und im „Bibliotheksgespenst“,  jeweils eine Patientin hat, die er nicht nur psychotherapeutisch berät.

Diese Gruppe könnte es also noch weiter geben und sie könnte auch diesen Blog sporadisch begleiten und immer, wenn ich eine Lücke habe, auftreten und ein bestimmtes Thema besprechen, beziehungsweise mein Alter Ego, die nicht sehr erfolgreiche Autorin, Eja Augustin, die auch in diese Gruppe gestoßen ist, bei ihrer Bibliographie beziehungsweise ihrem geplanten „Work in Progress“ zu beraten.

Das liegt bei mir, wie beschrieben, derzeit in weiter Ferne, beziehungsweise sind in mein graues Büchlein mit der Aufschrift „Wir sind Wien“, das mir Christa U. zum letzten Geburtstag in einem Rucksack schenkte, gerade einmal drei Figuren und drei Szenen aufnotiert und dann noch ein paar Beobachtungenen, die ich zum Beispiel vor cirka zwei Wochen am Rathausplatz machte, als dort eine Frau mit Kopftuch alleine mit einem Kinderwagen erschien, das darin befindende etwa eineinhalbjähriges Mäderl heraushob, das sich dann in weiterer Folge munter zu dem stattfindenden Konzert drehte, beziehungsweise immer wieder den Platz  hinunterlief, unm von der Mutter immer wieder geduldig zurückgeholt zu werden.

Das könnte eine Szene in meinem neuen Buch werden und die erfolglose Autorin könnte in Fritzi Jelineks Bibliotherapiegruppe, die vielleicht inzwischen eine Schreibgruppe geworden ist, über ihr Problem mit dem Zeitmangagment sprechen und erzählen, daß sie eigentlich ein recht gutes hat, jetzt aber nach über vierzig selbstgemachten Büchern ein wenig ausgeschrieben ist, aber Spaß am Zusammenstellen ihrer Texte hat, obwohl es damit nur sehr langsam weitergeht, weil eben die beiden Drucker, den einen in ihrem Hauptwohnsitz Wien und der andere in der Sommerfrischenwohnung leer geworden wären und sie mit dem Korrigieren noch sehr viel Arbeit vor sich habe, die sie wahrscheinlich das nächste halbe Jahr beschäftigen könnte, bis es eben im November mit dem „Fräulein No“ im Rahmen des „siebenten Nanworimos“ weitergehen könnte, ihr innerer Kritiker aber eher ein äußerer wäre, weil sie fände ihre Texte gut, aber dann kommen die anderen und schreien „Was, so was schlechtes habe ich noch nie gelesen, aber träume ruhig weiter vom Nobelpreis und vom Sozialismus!“

Nun den Ersteren werden weder ich noch meine Romanfigur bekommen, obwohl es in meinen Büchern da ja immer wieder diesbezügliche Ansätze gibt, aber das Träumen und das Wünschen ist ja nicht schlecht, das kann einer inneren Antrieb geben, obwohl dann irgendwann vielleicht ein bißchen was von außen kommen muß und der Sozialismus ist schon gut, solange er nicht in eine Diktur ausartet, wie es in der Vergangenheit immer wieder geschehen ist.

Da war zuerst eine Revolution, die noch heute gefeiert wird und dann kam einer und setzte sich selber die Krone auf. Für sich kann man aber solidarisch handeln und sich für die anderen einsetzen.

Aber das ist ein Thema, das vielleicht nicht soviel mit den Zeitmangaement zu tun hat und Eja Augustin könnte ihrer Schreibtrainerin Fritzi Jelinek und den anderen in der Gruppe noch verraten, daß sie vielleicht mehr Schwierigkeiten mit dem inneren Antreiber hat oder nein, keine Schwierigkeiten, denn der ist ja sehr wichtig und hat dazu beigetragen, daß es über vierzig Jahren schreiben und fast fünfzig selbstgemachte Bücher gibt, und wenn der Alfred jetzt bald das Cover für die „Magdalena“ macht, kann das Buch in die Druckerei gehen und wird dann mein fünfundvierzigstes Selbstgemachtes sein

2019-07-21

Consummatus

Zwischen dem Neuerscheinungslesen jetzt schnell noch ein altes Buchpreisbuch eingeschoben, denn das stand ja auf meiner 2019 Backliste und, daß ich vielleicht die alten Buchpreisbücher, die sich inzwischen angesammelt haben, lesen will, das habe ich mir ja auch vorgenommen. Sibylle Lewitscharoff „Consummatus“, ein Longlistbuch von 2006 und ich weiß jetzt gar nicht so genau, ob es aus den Schränken oder einer Abverkaufskiste stammt, war doch eine „Morawa-Rechnung“ zwischen den Seiten eingeklemmt, ich dachte aber, ich hätte es aus dem Schrank.

Von der 1954 in Stuttgart geborenen Sibylle Lewitscharoff, die 2013 den „Büchner-Preis“ bekommen hat, habe ich schon einiges gelesen und kennen tue ich sie, glaube ich, seit ihrem „Bachmannpreislesen“,1998.

„Montgomery“ habe ich von den Büchertürmen der „Literatur im März“, das habe ich gelesen und, glaube ich, nicht sehr verstanden, denn Sibylle Lewitscharoff ist ja eine sehr komplizierte Schriftstellerin, die kunstvoll mit der Sprache spielt und dabei auch manchmal übertreibt oder sie da mit den „halben Kindern“ oder den „Selbstmördern“ auch manchmal übers Ziel hinausschießt.

In dem vorliegenden Buch gibt es auch so eine Stelle:

„Man sollte die Sträflinge wieder in Ketten schließen, um ihnen wieder die Würde zurückzugeben“, heißt es da doch auf Seite vierundfünzig und da könnte ich genauso  ein Fragezeichen machen, wie ich auch eines ans Ende des Buches gesetzt habe.

Aber wieder schön der Reihe nach, damit ich nicht zu unverständlich bin.

Sibyille Lewitscharoff die“ Büchner-Preisträgerin“ und „Preisträgerin des Leipziger Buchpreises“, stand auch noch 2015 und 2011 auf der deutschen Buchpreisliste, beide Bücher habe ich gelesen

Aus „Blumenberg“ stammt der Satz mit den Selbstmördern, auf der „Buch-Wien“ hat sie glaube ich laut verkundet, daß sie „Amazon“ nicht mag.

Gut, da ist sie nicht allein und das „Pfingstwunder“ hat mir sehr gut gefallen. Bei diesem Buch bin ich mir nicht so sicher, da würde ich zu dem Fragezeichen auch hinzusetzen „Was soll denn das, da ist die Phantasie doch zu weit durchgegangen und was wäre, wenn ich das geschrieben hätte?“

Dabei habe ich doch Bücher die im Himmel spielen und die Toten mit ihren Anverwandten reden, aber Sibillye Lewitscharoffs „Consummatus“, das nicht, wie ich annahm, vomKonsumieren kommt, sondern „Vollendet“ heißt spielt an einem Vormittag in einem Stuttgarter Cafe, wo ein Gymnasiallehrer sitzt, weiche Eier und Croissants verzeht, unzählige Tassen Kaffee konsumiert und sich außerdem noch mit Wodka betrinkt.

Dabei hält er einen Monolog auf seine Toten, das heißt eigentlich ist das ein Dialog, denn die Toten, seine Eltern, seine Geliebte, Andy Warhol und Jim Morrison sind auch in dem Cafe und reden munter zurück und damit man das in dem Buch auch gleich bemerkt, sind diese Stellen unterschiedlich stark ausgedruckt.

„Falls es Sie interessiert, was uns nach dem Tod erwartet und was Jim Morrison und Andy Warhol heute so treiben, kommen Sie um diesen Roman nicht herum. Und falls es Sie nicht interessiert, dann sind Sie wahrscheinlich schon tot und haben es nur noch nicht gemerkt“, hat der Literaturkritiker Denis Scheck auf das Buch schreiben lassen.

Und das klingt genauso gut, wie manche schöne Sätze in dem Buch, stimmt aber nicht, daß das darin vorkommt oder wir haben schon wieder zwei verschiedene Bücher gelesen.

Es geht um Gott und die Welt und vieles andere in dem Buch, dazwischen wird mit der Kellnerin geschäkert und dann geht es, ich muß noch erwähnen, daß der Handlungszeitraum mit dritter April datiert ist, in den Schnee hinaus.

der Betrunkene tappt sich durch die verschneite Landschaft und damit man das optisch gut erkennt, sind Schneeflocken in dem Buch eingezeichnet. Das war für mich ein bißchen schwer zu lesen und ich habe nicht sehr viel verstanden, als ich aber schon dachte „Aha, das ist die Vollendeung, er bleibt im Schnee liegen und geht heim zu seinen Vätern!“, kommt das Kapitel null zwei, da muß ich noch eine besondereheit erwähnen, die Kapitelüberschriften bestehen aus einem Quadarat, wo die Zahlen ein bis sechzehn durcheinander gewürfelt sind und das jeweilige Kapitel  schwach ausgedruckt ist, zwei Nullkapitel gibt es auch, am Anfang und am Ende und bei diesem Kapitel hat Sibylle Lewitscharoff geschrieben: „Die Geschichte des Mannes, der seine Toten immer um sich hat, endet fröhlich. Wer will, kann ihm jetzt dabei zusehen, wie er die Stufen zu seinem geliebten Weinhaus hinaufsteigt, wie er nach Altherrenart ablegt und mit steifen Fingern nach dem Aufhänger sucht, um den Mantel am Garderobehaken zu versorgen, wie er sich noch einmal mit der Hand über den beperlten  Stoff streicht, aus der Tasche ein Tuch zieht und sich das Gesicht damit abtupft, wie er sich nach dem Jenseitsberater im Eck umsieht, der ihm ein Bier zum Wohl entgegenhebt, wie plötzlich Leben in ihm kommt, er sich die Hände reibt und vergnügt nach der Kellnerin umdreht, die ein Schatz ist.“

Nun ja, könnte ich da sagen, das ist halt die große Literatur und Sibylle hat es sicher Spaß gemacht mit der Sprache zu spielen und vielleicht auch die Leser ein bißchen zum Narren zu halten. Das Meine ist es nicht gerade, ich mag es ja nicht so abgehoben und bleibe realistischer, auch wenn meine Geschichten im Himmel spielen.

Trotzdem bin ich nicht empört, schreie nicht „Pfui!“, habe nur ein paar Mal den Kopf geschüttelt, ein Fragezeichen gesetzt und eigentlich bin ich stolz, daß ich mich in Sibylle Lewitscharoff schon so gut eingelesen habe, denn von „Mongomery“ habe ich ja nicht soviel mitbekommen.

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