Literaturgefluester

2016-11-05

Blauschmuck

Dank Herrn Leitgeb und dem „Alpha-Literaturpreis“, kann ich jetzt das dritte österreichische Buchdebut besprechen, Katharina Winklers „Blauschmuck“, von dem ich eigentlich ganz sicher war, daß es den Preis gewinnen wird, weil das Buch in dem Blogs sehr begeistert besprochen wurde und so für mich das bekannteste war.

Das Bekannteste auf der „Alpha-Liste“ und vielleicht auch auf der der öst-buchdebuts, obwohl ich, da ich inzwischen die beiden anderen Bücher gelesen habe, da nicht mehr ganz sicher bin und vergleichen, ich wiederhole es noch einmal, kann man diese drei Bücher nicht und auch nicht sagen, a ist das beste und besser als b und c.

Das kann man wahrscheinlich nie, beim dBp hatte ich aber meine klaren Empfehlungen, hier kann ich nur sagen, jedes Buch steht eigentlich für sich und da sieht man wieder, daß solche Preisentscheidungen vieleicht doch nur ein „neoliberaler Unsinn“ sind.

Am kommenden Dienstag werden wir es wissen, ob der österreichischen Arbeiterkammer, das Schicksal einer kurdischen Frau, oder die Ereignisse von 1945 in Rechnitz, beziehungsweise, die prekären Arbeitsverhältnisse der jungen Akademiker am wichtigsten sind.

Alfred meinte, für die Arbeiterkammer wäre es bestimmt das letztere, es ist aber eine sehr literarische Sprache, in der die 1979 in Wien geborene Katharaina Winkler, die derzeit in Berlin lebt, ihr Debut geschrieben hat.

„Blauschmuck“ nennen die türkischen Frauen nämlich ihre von ihren Männer bekommenen Verletzungen, die sie in den kurdischen und türkischen Dörfern windelweich schlagen, weil sich das so geört und wenn eine Frau ohne diesen Schmuck auftritt, ist sie ein Außenseiter.

Erzählt wird die Geschichte, die, wie in dem Buch steht, auf einen realen Fall basiert, von  Filiz, die in einem kurdischen Dorf in der Türkei aufwächst und sie tut das auf eine sehr poetische Art.

In kleinen Absätzen wird, oft nur ein paar Sätze pro Seite, schildert sie das Leben im Dorf, das Aufwachsen unter ihren Geschwistern, das Hüten der Schafe und das Umgehen mit der Ehre, beispielsweise, denn  „Die Ehre steht über allem sagt Vater. Der Ehre entsteigt die Sonne. Die Ehre läßt uns ruhig schlafen.  ….Die Ehre wächst mir über den Kopf.“

Denn es ist ja nicht sehr leicht, das Leben in dem Dorf, wo man auf seine „Jungfrau aufpassen“ muß und nicht genau weiß, wie man jetzt die Kinder bekommt, vom „Kaugummi kauen vielleicht?“

Und wem das jetzt naiv erscheint, den erinnere ich daran, daß man in den Sechzigerjahren, wo ich aufwuchs, auch nicht so ganz sicher war, ob man sie nicht vielleicht doch vom Küssen oder von der Badewanne  bekommt, wenn dort jemand sein Sperma ausgelassen hat?

Filiz ist aber gescheit und so kommt auch der Lehrer zum Vater und schlägt vor, da Mädchen in der Stadt einen Beruf erlernen zu lassen. Der Vater aber winkt aber, denn da hat er schon mit seiner ältereren Tochter schlechte Erfahrungen gemacht, die hat er in das Lehrerseminar geschickt, hat sogar dafür eine Kuh oder sonst was dafür verkauft und die Tochter heiratete, wurde Bäckerin und das viele Geld war verloren.

Filiz hat aber ohnehin andere Vorstellungen, ist sie doch in den drei Jahren älteren Yunus verliebt. Das heißt eigentlich in seine Jeans und Turnschuhe, die er aus Deutschland mitbrachte, denn Deutschland ist das Land, der Jeans und Turnschuhe iund so will Filiz mit Yunus dorthin.

Der Vater ist wieder dagegen. So geht ihm die Fünfzehnjährige durch und heiratet Yunus gegen seinen Willen und kommt damit vom Regen in die Traufe. Denn, als erst einmal das Leintuch blutig ist und den Hochzeitsgästen stolz präsentiert wird, wird sie von seiner Mutter, die sie „Spinne“ nennt, schlecht behandelt und auch von Yunnus blaugeschlagen, als sie sagt, daß er „achtzehn und nicht achtzig“ ist, als er von ihr verlangt, daß sie ihm anziehen soll.

Denn er betrachtet sie fortan, als seine Sklavin und so kocht und putzt sie für ihn, bekommt ihren „Blauschmuck“.

„In unseren Dorf leben viele blaue Frauen. Viele Frauen wechseln den Blauschmuck von Woche zu Woche, einige von Tag zu Tag. Der Blauschmuck der Frauen trägt die Handschrift der Männer. Das Werkzeug. Holz oder Eisen, und die Anzahl  der Schläge bestimmen den Blauton.“

Sie bekommt auch sehr bald drei Kinder, Halil, Selin und Seda und zieht scheinbar willenlos mit ihm von Wohnung zu Wohnung. Dort sperrt er sie mit den Kindern ein, stellt nur die Lebensmittel vor die Tür und manchmal ist er auch nett zu ihr. So hält ihn eine Krankenschwester einmal für den vorzüglichsten Ehemann und Goldschmuck zum Blauschmuck gibt es gelegentlich auch und Filiz, die inzwischen verschleiert ist und Kopftuch, um Kopftuch zu ihren Großmutterkleidern trägt, träumt immer noch von den Jeans und den Turnschuhen, die man in Deutschland kaufen kann.

Irgendwann kommt sie auch dorthin, nach Österreich nicht nach Deutschland und dreht in einem Supermakrt, wo man alles kaufen kann, was sie in ihrem Dorf nie gesehen hat, fast durch.

Langsam, langsam, obwohl sie sehr geduldig ist und ihren „Blauscmuck“, wie noch vieles andere, einfach als Los, der Frauen hinnimmt, beginnt sie sich zu wehren, bekommt von einer älteren Frau, auch Deutschunterricht und zu den Kindern kommt, da seltsamerweise, was ich in meiner Praxis beispielsweise anders erlebte, Yunus nichts dagegen hat, auch der Nikolo.

Die Kindern lernen das „Schwimmen“, wie Filiz, das in ihrer symbolhaften Sprachen nennt, viel schneller, als sie, „die bis zum Kopf im Wasser steht“.

Sie stehen einfach am heiligen Abend da und warten auf das Christkind, wie sie es in der Schule lernten, obwohl Filiz noch keine Ahnung hat, was das Christkind ist.

Sie darf aber den Führerschein machen und besteht, obwohl sie da zu vier fremden Männern in das Auto steigen muß. Sie beginnt auch heimlich Geld für die Kinder abzuzweigen und, als es Yunus wieder einmal zu bunt treibt, steht sie blaugeschlagen in einer ärztlichen Praxis,  der Arzt sagt ihr, er muß das anzeigen und die Arzthelferin empfiehlt das Frauenhaus.

„Worte wie Schutz und Ruhe, Betreuung, Sicherheit, Hilfe schweben um mich herum wie schillernde Seifenblasen. Weiß sie denn nicht, dass Yunus jedes Haus stürmt? Die Kinder umbringt? Mich? Die Frauen des Frauenhauses? Mit dem Küchenmesser?“

„Die Nachbarn“, steht auf den letzten Seiten, haben am “ 1. August 1998 die Polizei und den Notarzt verständigt“.

Die Ehe wurde geschieden, Filiz machte eine Ausbildung zu Köchin und auch die drei Kinder haben inzwischen studiert und üben inzwischen anspruchsvolle Berufe auf.

Ein sehr interessantes Buch, das mich, ähnlich, wie Tobas Nazemi auch gespalten zurückläßt.

Denn da sind zwei wahrscheinlich sehr von einander verschiedene Ebenen. Auf der eine, die sehr hochliterarisierte Sprache, die so symbolhaft ist, daß sie wahrscheinlich von keinem kurdischen Dorfmädchen, das kaum die Schule besuchte, gesprochen wird und wenn das Buch, wie beispielsweise meine „Flüchtlingstrilogie“ realistisch erzählt wäre, wäre es wahrscheinlich nicht so erfolgreich geworden und dann ist da, das ergreifende Schicksal der geschlagenenen Frauen, die einen nicht kaltlassen können.

Bei „Amazon“ gibt es eine „Einstern-Rezension“, die die Bezeichnung „Blauschmuck“ für die Gewalt an Fraun zynisch findet.

Die Autorin wird gleich belehrt, daß diese Bezeichnung von den türkischen Frauen selbst kommt, die damit ihre Würde bewahren wollen, wahrscheinlich ist es auch als Dissoziation zu interpretieren.

Andererseits weiß ich trotzdem nicht so genau, wie weit geschlagenen Unterschichttürkinnen sich trotzdem so bezeichnen, würde, da das Buch ja über eine Betroffene und nicht direkt von ihr geschrieben wurde, diesen Einwand also nicht so ganz wegweisen können.

Katharina Winkler steht mit dem Buch inzwischen auf mehreren Preislisten und natürlich ist die Beschäftigung mit diesem Themea sehr wichtig  und wenn es noch dazu in einer sehr schönen Sprache geschieht, um so besser, kann man natürlich sagen.

Ich bin auch sehr beeindruckt, habe mich selbst in der „Frau auf der Bank“ in einer viel einfacheren Sprache, auch  mit diesem Thema beschäftigt und von Katja Schneidt, die ich über Martina Gercke kennengelernt habe, auch ein anderes Buch über dieses Thema gelesen, wo auch eher nur berichtet wird.

Bin jetzt auf den Dienstag sehr gespannt und möchte eigentlich nicht in der Haut der Juroren stecken, die entscheiden sollen, was literarisch besser ist, das Schicksal einer türkischen Frau oder die Ereignisse in Rechnitz, die ja auch literarisch brillant gelöst wurden, beziehungsweise, die prekären Arbeitsverhältnisse der Generation 30 und denke wieder, daß man das vielleicht auch nicht entscheiden, sondern jedes Buch für sich stehen und zum Lesen empfehlen lassen könnte.

 

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2018-11-29

Der letzte Huelsenbeck

Buch vier der Bloggerdebutshortlist und wieder kann ich mich über die Zusammenstellung der ausgewählten Bücher nur wundern, ein paar höchstpoetische, wie sie die Literaturwissenschaftler wahrscheinlich lieben, sind dabei und dann immer wieder das realistisch phantastisch oder was auch immer, Gegenstück, das war 2016 der  Uli Wittstock, mit seinen Rechtschreibfehlern, im Vorjahr wahrscheinlich „Oder Florida“ und jetzt ist mit dem „Letzten Huelsenbeck“, ein solch irrwitziges und wahrscheinlich nicht poetisches Buch dabei, von dem ich mir aber lange nicht sicher war, auf welchen Platz in meiner Reihenfolge ich es stellen soll, wie ich überhaupt die heurige Shortlistauswahl, das Buch der Bettina Wilpert habe ich noch nicht gelesen, für sehr gut halte und ich liebe ja die realistischen Romanen, die vom Wahnsinn und vom Leben handeln, von den ICD Diagnosen und den Drogencocktails, bei den letzteren kenne ich mich nicht so aus und kann daher auch nicht unterscheiden, ob es sich in dem Buch, um eine reine Psychose oder um eine durch Drogen induzierte handelt.

Gut, das Daniel S. Drogen nimmt ist kein Geheimnis, das gibt er selber zu un schreibt darüber. Er ist auch in einer Anstalt, wie Joachim Meyerhoff aufgewachsen und er geht schon zu Beginn des Buches zu einem allerdings auch durchgeknallten Psychiater und läßt sich ohm einen Pharmacocktail verschreiben.

Das alles deutet auf ein enormes Fachwissen oder eine hervorragende Recherche des 1956 geborenen Christian Y Schmidt hin, der in verschiedenen Satire- und anderen magazinen arbeitete und sowohl in Berlin, als auch in Peking lebt.

Für einen Debutanten nicht  sehr jung, aber Ljuba Arnautovic ist noch älter und Daniel S., der Protagonist lebte auch mehrere Jahre in Asien und kommt zu Beginn des Buches von dort zurück, um an einem Begräbnis teilzunehmen.

Auffallend ist, daß er gleich zu Anfang an von seinem Tod spricht und später in seinen Tagebuchnotizen immer wieder davon schreibt, wieviele Tage er noch zu leben hätte. Später schreibt der ihm behandelte Psychiater dann von einem „Cotard-Syndrom“, keine Ahnung, ob es das wirklich gibt, da müßte ich erst googlen. Das sind aber die, die sich einbilden gestorben zu sein, aber  noch leben und bis man dahin kommt, geht es auf fast vierhundert Seiten auf eine irrwitzige Reise durch Berlin, durch eine Psychose,  einen permanenten Drogenrausch oder, wie man das auch nennen will.

Richard Huelsenbeck, auch da müßte ich erst googlen, war ein deutscher Dadaist und der letzte Huelsenbeck heißt das Buch, weil Daniel S. sich in den Siebzigerjahren, es ist auch ein Buch über dieseZeit, in der ich Psychologie studierte, mit der Elfi zwar einmal nach Amsterdam fuhr, aber nicht einmal einen Joint versucht habe, mit ein vier Freunden „Die Huelsenbecks“ eine Dadagruppe gründete, in der er, wie die „Wiener Gruppe“ Aktionen machte, wie beispielsweise einen Weihnachtsmann vom Dach zu schmeißen, der dann fast einen Kinderwagen getroffen hätte.

Der Höherpunkt der Aktionen war eine Amerikareise im Jahr 1978 der fünf. Dann trennte sich die Gruppe, Daniel S. ging als Reisejournalist nach Hongkong. Jetzt ist er zurückgekommen, steht am Grab seines Freundes Viktor und fängt sich zu erinnern an.

Das heißt, so einfach ist das nicht, denn zuerst schmeißt Ronny einen Lachsack in das offene Grab, es kommt zu einer Schlägerei, Daniel wird von einem Stein getroffen, daraufhin wird er wieder in der Anstalt, wo er aufgewachsen ist und später auch Pflegehelfer war, ob seine Eltern dort arbeiteten oder er nur nebenan wohnte, wurde nicht so klar, behandelt.

Er beginnt ein Tagebuch zu schreiben, nach Berlin, wo er eine Wohnung hat, zu reisen und seiner Vergangenheit auf die Spur zu kommen und die ist mehr als turbulent und wechselt auch mehrmals, die Perspektiven, so daß man sich sehr konzentrieren muß, um bei all den Wendungen auch mitzukommen und den Faden nicht zu verlieren.

Denn Daniel sauft und kifft gewaltig, sieht sich auch überall verfolgt, es tauchen irgendwie lädierte Kinder auf, er beginnt mit Vögel zu sprechen, sieht eine Claire, die die fünf eine Zeitlang auf ihrer Amerikareise begleitete, dann verschwunden ist und jetzt überall, wie der tote Viktor auftaucht und Daniel geheimnisvolle Botschaften zuruft.

Er versucht, weil er sich an das alles nicht erinnern kann, aber überzeugt ist, Claire damals in Amerika ermordet zu haben und jetzt von ihr oder ihrer Familie gerächt zu werden, auch die drei anderen noch lebenden Huelsenbecks, Ben, Ronny und Michi auf, wird da aber nicht fündig, denn sie entziehen sich und beginnen ihm nur Botschaften aus dem Netz zu senden oder ihn zu erpressen.

Es gibt auch Briefe, die er seiner früheren Freundin aus Amerika schickte, die er jetzt erforschen will und  fast am Ende, stopft er sich mit allem voll, was am Markt zu kriegen ist, er hat einen Superdealer, stellt sich auf die Straße, beginnt dort einen Armoklauf, so daß er in eine andere Anstalt eingewiesen wird und ein Professor Dr. Hans Pryzgodda schließlich einen Fallbericht über ihn schreiben kann.

Ein äußerst spannend geschriebenes Buch, wo ich die Psychose, die mir meine Freundin Elfi auch in den Siebzigerjahren, einmal erzählte, gut nachvollziehen konnte, wie das mit dem Beziehungswahn sein kann und wie ein solcher erlebt wird. Eine Satira auf den P.sychiatriebetrieb ist es sicher auch. Ein rassant geschriebenes Buch, das mir authentisch scheint. Literarisch ist es wahrscheinlich nicht zu nennen und jetzt bin ich auf die Bewertung der anderen Mitjuroren gespannt.

2018-10-18

Dritte österreichische Debutpreislesung

Heute fand in der Arbeiterkammerbibiothek in der Prinz Eugen Straße zum dritten Mal die Vorstellung der drei Debutpreisfinalisten statt, die ich zum zweiten Mal besuchte, denn 2016 fand es ja zeitgleich mit der „Veza Canetti Preisverleihung“ an Ilse Kilic statt und da habe ich mich dafür entschieden weil ich ja auch schon alle drei Bücher gelesen habe, im Vorjahr war ich da und heuer auch und von den drei Finalisten

1.Ljuba Arnautovic „Im Verborgenen“

2. David Fuchs „Bevor wir verschwinden“ und

3. Marie Gamillscheg „Alles was glänzt“, die ich ja alle drei schon bei den O-Tönen gehört habe, habe ich inzwischen das Buch der Ljuba Arnautovic gelesen, das des David Fuchs wartet noch auf mich und das der Marie Gamillscheg wird, so wie es ausschaut nicht zu mir kommen und wenn ich von den O-Tönen und der Shortpreislesung eine Prognose abgeben kann, würde ich mir da des David Fuchs als Preisträger wünschen und bis dahin werde ich es wohl auch mit dem Lesen schaffen, obwohl ich es dem 1981 in Linz geborenen Onkologen nicht glaube, daß er das Buch nicht zu seiner Psychohygiene geschrieben hat, vielleicht weiß er es noch nicht, daß es ihm dazu nützt, ich würde es aber für ausgeschlossen halten, wenn es ander wäre, aber auf mich kommt es nicht an.

Gar nicht soviele Leute in der Arbeiterkammerbibliothek, ich glaube ja, daß sich der österreichische Buchpreis ziemlich im Verborgenen und im Geheimen abspielt und kein Mensch etwas davon weiß und  Ute Weiner, die Bibliotheksleiterin sagte in ihrer Einleitung auch, daß sie den Büchern recht viele Leser wünsche und glaube, daß sich einige der Nominierung wegen die Bücher gekauft hätten.

Das glaube ich zwar nicht, es gab aber einen Büchertisch und einige Besucher hatten auch die Bücher vor sich liegen und ließen sie sich signieren.

Es kam aber der Arbeiterkammerdirektor Christoph Klein und hielt eine flammende Rede auf die Wichtigkeit der Arbeiterkammer, die ja der derzeitigen Regierung ein Dorn im Auge ist und dann kamen die Lesungen der drei, beziehungsweise das Gespräch und das Interview das Ute Weiner mit ihren führte.

Ljuba Arnautovic habe ich ja schon öfter daraus lesen gehört und kannte auch die zwei ausgewählten Stellen. David fuchs hat, glaube ich, auch das gelesen, was er bei den O-Tönen präsentieren, bei Marie Gamilgscheg weiß ich es nicht mehr, aber ihr Buch ist sicherlich das literarischte der drei, obwohl ich noch immer nicht so genau weiß, worum es darum geht.

Velleicht kommt es noch einmal zu mir, man soll ja die Hoffnung nie aufgeben und es gibt auch immer wieder Überraschungen, aber hier im Anschluß Brötchen und Wein, beziehungsweise kleine Schinken- oder Käsesemmerln.

Angelika und  Josef waren da, die Frau K. und noch einige andere literarisch Interessierte. Ich habe mich mit Ljuba Arnautovic ein wenig unterhalten. Ich habe ihr alle Gute gewünscht und ich glaube auch, daß sie Chancen für den Preis hat. Aber meine Prognosen sind ja, wie man am heurigen deutschen Buchpreis sieht, nie richtig, also bin ich gespannt und die Einladung zur Preisverleihung am fünften November ist auch schon bei mir, so daß ich es ja erfahren kann.

2018-08-25

Österreichischer Buchpreis

Filed under: — nagl @ 16:24

Gelesene Bücher:

2016.

1.Anna Mitgutsch „Die Annäherung“

2. Peter Waterhouse „Die Auswandernden“

3. Kathrin Röggla „Nachtsendung“

4.Daniela Emminger „Gemischter Satz“

5.Rainer Kaiser Mühlecker „Fremde Seele dunkler Wald“

6. Peter Henisch „Suchbild mit Katze“

7. Sabine Gruber „Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“

Debuts:

  1. Sascha Batthyany „Und was hat das mit mir zu tun?“
  2. Katharina Winkler „Blauschmuck“
  3. Friederike Gösweiner „Traurige Freiheit“

 

2017.

  1. Eva Menasse „Tiere für Fortgeschritte“
  2. Olga Flor „Klartraum“
  3. Paulus Hochgatterer „Der Tag an dem mein Großvater ein Held war“
  4. Robert Menasse „Die Hauptstadt“
  5. Oswald Egger „Val di Non“
  6. Doris Knecht „Alles über Beziehungen“
  7. Karin Peschka „Autolyse Wien“
  8. Doron Rabinovici „Die Außerirdischen“
  9. Franz Schuh „Fortuna“

Debuts:

1. Irene Diwiak „Liebwies“

2.Mascha Dabics „Reibungsverluste“

 

2018.

  1. Mareike Fallwickl „Dunkelgrün fast schwarz“
  2. Milena Michiko Flasar „Herr Kato spielt Familie“
  3. Arno Geiger „Unter der Drachenwand“
  4. Margit Schreiner „Kein Platz mehr“
  5. Heinrich Steinfest „Die Büglerin“
  6. Gerhard Jäger „All die Nacht über uns“
  7. Hanno Millesi „Die vier Weltteile“
  8. Josef Winkler „Laß dich heimgeigen Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe“
  9. Daniel Wisser „Königin der Berge“
  10. Robert Seethaler „Das Feld“

 

Debuts:

  1. Ljuba Artnautovic „Im Verborgenen“
  2. David Fuchs „Bevor wir verschwinden“
  3. Marie Gamilschegg „Alles was glänzt“

 

 

2017-11-29

Debut-Preis-Shorlist

Filed under: Literaturpreise — jancak @ 00:43
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Ich bin ja weil ich mich für jede Art von Literatur interessiere, gerne in Jurien, gehe gern zu Preisverleihungen, mache gern beim Buchpreislesen mit, ecterea.

Das letztere tue ich schon das dritte Jahr „inoffiziell“, weil sich die vom Börseverein oder, wo auch immer ihre Blogger gut aussuchen, die dann „offizielle“ nennen und die anderen, die das auf eigene Faust versuchen, eher ignorieren.

Beim „Blogbuster-Preis“ wird man auch eher ausgesucht, ob man da mitmachen darf, beim „Bloggerdebut-Preis“, wo,  seit vorigen Jahr aus einer langen Liste und einer kürzeren Shortlist das beste Debut ausgewählt wird, ist das andere, denn da gibt es die drei Machererinnen vom Debutpreisblog die aus der langen Liste eine kurze machen und dann kann sich jeder Blog, der da gerne mitmachen will melden, die fünf ausgewählten Bücher lesen und seine Stimme vergeben.

Auf diesen Blog und diesen Preis bin ich im vorigen Jahr spät im Oktober, als die Anmeldefrist eigentlich schon vorüber war, aufmerksam geworden, habe mich trotzdem angemeldet und wurde, oh Wunder, noch genommen, habe die fünf Bücher gelesen, das heißt, es waren nur vier, denn „Blauschmuck“ das ja auch auf der österreichischen Debutpreisliste war und beim „Alpha“ nominiert, hatte ich schon gelesen, meine Stimme für „Nachts ist es leise in Theran“ das den Preis dann auch bekommen hat, abgegeben und im Zuge des Bloggens auch Marc Richter, einen der anderen Buchpreisblogger kennengelernt und wir kommentieren uns seither regelmäßig.

Etwa zwanzig Blogs waren und sind wahrscheinlich auch heuer wieder dabei, ich habe mich wieder gemeldet und was der Nebeneffekt an der Sache ist, daß ich dabei auch auf die Debuts fixiert bin und sie aufmerksamer wahrnehme und genauer lese.

Die Longlist wurde ja schon sehr lang für das Jahr 2017 bekanntgegeben und man konnte Bücher vorschlagen, was ich auch sehr eifrig tat, denn ich habe schon seit Jahresanfang einige Debuts gelesen, so zum Beispiel Juliana Kalnays „Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindes“, Tiljan Sila „Tierchen unlimeted“, die ich dann auch vorgeschlagen habe und so sind es bis jetzt einige Bücher der Longlist geworden, die ich gelesen oder vorgeschlagen habe.

Im Zuge des „Buchpreisbloggens“ ist auch noch Jonas Lüschers „Kraft“ dazugekommen, was ich eigentlich für kein Debut halte, weil der ist ja schon mit „Frühling der Barbaren“ auf der LL oder SL des DBps gestanden.

Gut, da stand „Novelle“ darauf, also war „Kraft“, der erste Roman, aber ich denke, wenn sich bei mir die Leute immer aufregen, daß ich Verlagsnamen unter Anführungszeichen setze, könnte man auch hier genauer differenzieren.

Sasha Marianna Salzmanns „Außer sich“ das mir eigentlich nicht so gut gefallen hat, kam noch dazu und dann Simons Straußs „Sieben Nächte“, hielt ich ebenso für nicht so gelungen und ist auch kein Roman.

Daneben kamen vom öst Debutpreis noch „Liebwies“ und „Reibungsverluste“ hinzu, was ich neben „Tierchen unlimted“ und „Die kurze Chronik“ auch gerne auf der Shoertlist gesehen hätte.

Es waren aber auf der Longlisjt auch noch andere Bücher, die ich gerne gelesen hätte, wie „Ellenbogen“ oder „Betrunkene Bäume“ und noch einige mehr. Ich bin da ja immer sehr offen und neugierig für alles oder vieles und im Herbst haben sich bei mir auch noch „Schwimmen“ angesammelt, das ich vor kurzem gelesen habe und „Koslik ist krank“ was ich noch lesen muß.

Das buch von Jens Eisel, das auf der LL steht, habe ich auch einmal gefunden und dachte ich würde es dann lesen, käme es darauf und war auf die Shortlist sehr gespannt, hatte da schon meine eigene Variante, bezeihungsweise mich mit Marc Richter ausgetauscht, der auch seine eigenen Vorschläge hatte und interessant ist es dann immer, diese Bücher mit der offiziellen Shortlist, die von Bozena Anna Badura, Janine Hasse und Sarah Jäger ausgewählt wurden, zu vergleichen und sich zu ärgern oder zu wundern, wenn sie dann nicht übereinstimmt oder sich zu freuen etcetera.

Daß es eine Menge von Debutpreise gibt, ist, wenn man sich ein bißchen in der Literaturszene umssieht, auch zu merken. Der berühmtrste ist ja der „Aspekte Preis“, den hat, glaube ich, Juliana Kalnay bekommen, dann der österreichische, da war es für mich überraschend Nava Ebrahimi, das Buch ist nicht auf der Liste, obwohl ich es vorgeschlagen habe, aber die Verlage müssen es einreichen und da hat es wohl nicht geklappt und Julia Weber hat mit „Immer ist alles schön“ den „Franz Tumler-Literaturpreis“ bekommen, für den aber auch Juliana Kalnay und Mascha Dabic mit „Reibungsverluste“ nominiert waren, man sieht, das geht alles rund und die Debutanten, die im Literaturbetrieb drinnen sind, werden auch herumgereicht.

Auf der Debutblogseite gab es jedenfalls einige Artikel die sich mit Julia Webers „Immer ist alles schön“ beschäftigte, ein Buch das bisher eigentlich an mir vorbeigegangen ist. Es kam dann aber bald die Mitteilung das und das PDF, daß das Buch auf der Liste ist, so habe ich es gelesen und es hat mir sehr gefallen, dachte dann, das dann wahrscheinlich auch Stehphans Lohses „Fauer Gott“, ein Buch, das auch Marc Richter sehr gefallen hat, daraufsein müßte und rätselte wieder, wie die Sbhortlist ausschauen könnte, am besten wäre auch, ich hätte alles schon gelesen, aber dann kann ich keine neuen Bücher kennenlernen, etcetera….

Dann kam die Nachricht:

  1. Julia Weber „Immer ist alles schön“
  2. Juliana Kalnay „Eine kurze Chronik der allmählichen Verschwindens“
  3. Klaus Cäsar Zehrer „Das Genie“
  4. Christinan Bangel „Oder Florida“
  5. Jovana Reisinger „Still halten“

und ein kurzer Moment der Verblüffung, denn die letzten drei Bücher sind bisher komplett an mir vorbei gegangen, obwohl ich mich regelmäßig durch die Liste scrollte, schon um nachzusehen, ob meine Vorschläge eingetroffen wären und ich hätte jetzt auch die ideale Liste gehabt, nämlich:

„1.Julia Weber „Immer ist alles schön“

2.Julianana Kalnay „Eine kurze chronik des allmählichen Verschwindens“

3. Irene Diwiak „Liebwies“

4.Tiljan Sila „Tierchen unlimited“ und

5. Mascha Dabics „Reibungsverluste“ und zu dem Buch von Jens Eisel und Julia Rothenburg kann ich nichts sagen, weil ich sie ja wie die anderen noch nicht glesen habe.

Aber macht ja nichts, es können ja, wie das Buch von Julia Weber tolle Entdeckungen sein und ich bin auch neugierig. Die PDFs wurden einen diesmal von den Blogbetreiberinnen in Aussicht gestellt. Im vorigen Jahr habe ich die Bücher selber angefragt, alle bekommen und von Henrike Blum gehört, daß sie überfordert war, daß da plötzlich zwanzig Blogger bei ihr anfragten, so habe ich die PDF-Variante selber vorgeschlagen, obwohl es keine richtige Bücher sind, aber man kann sie lesen und besprechen.

So ist es also, zwei der fünf sind gelesen und die vorläufige Reihenfolge, man kann und soll diesmal auch einen ersten, zweiten und dritten Platz vergeben, weil im Vorjahr, weil man nur eine Wahl hatte, ja Sonja Harter, deren Buch mir auch gut gefallen hat, komplett durch den Rost gefallen ist, wären auch wahrscheinlich Julia Weber und dann Juliana Kalnay, immer vorausgesetzt, das das alles noch ganz anders werden kann, wenn ich die drei anderen Bücher gelesen habe.

Das E Book vom „Genie“, das, wie ich hörte, sechshundert Seiten hat, aber leicht zu lesen sein soll, habe ich schon bekommen. Die zwei anderen Bücher sollen noch zu mir kommen. Man könnte sie, glaube ich, auch bei der „Netgalley“ anfragen. Aber das funktoniert bei mir nicht, wie ich schon beim „Buchpreislesen“ herausbekommen habe, weil ich die Dateien mit meinem U-Bunto Programm nicht öffnen kann.

Also schönes Lesen, wenn ich die Bücher habe, sollte ich sie in einer Woche schaffen, weil ich normalerweise drei pro Woche lese und da bin ich schnell, weil eine der Bloggerinnen schon befürchtete, bis Ende Dezember, wo man durch sein muß, nicht genügend Zeit dazu zu haben.

2017-11-02

Alpha-Literaturpreis an Marie Luise Lehner

Birgit Birnbacher

Birgit Birnbacher

Marie Luise Lehner

Marie Luise Lehner

Und zwischen Nanowrimo-Marathon und Buch-Wien gab es wieder einen Alpha-Literaturpreis, das ist  jener Preis, den das Casino Austria seit 2010 für Nachwuchsautoren, die noch nicht mehr als drei Bücher haben in einer feierlichen Gala veranstaltet.

Damals,  als Thomas Stangl den Preis gewonnen hat, war das im „Literaturkompaß“ der Lliteraturzeitschrift „Buchkultur“ angekündigt. Ich bin hingegangen, habe das Buch bekommen und gelesen und das nächste Jahr um eine Einladung für die Berichterstattung für das „Literaturgeflüster“ gebeten, keine Antwort und als ich dann hinging, haben sie mich hinausgeschmissen.

„Wir laden Sie nächstes Jahr ein, diesmal haben wir keinen Platz haben sie gesagt!“, ich habe meine Visitenkarte hinterlassen, aber wieder keine Antwort, obwohl es in der Buchkultur wieder abgebildet war.

Ich habe das immer gebloggt und 2013 hat „Atalante“ darauf reagiert, der „Septime Verlag“ hat sich gemeldet mir ihre nominierten Bücher geschict und dann auch Torsten Leitgeb und seither klappt es mit dem „Alpha“ und ich bin jedes Jahr dabei um darüber zu berichten, denn ich interessiere mich ja sehr für den Lliteraturbetrieb.

2011 hat Ana Elisabeth Mayer mit Fliegengewicht den Preis gewonnen, das Buch hat mir dann ihr Vater geschickt, als sie den „Priessnitz-Preis“ bekommen hat.

2012 Michiko Milena Flasar dieses Buch muß noch zu mir kommen und seit 2013 hat es geklappt, daß ich eine Einladung bekomme und es darf sogar der Alfred mitgehen und fotografieren.

2014 hat Eva Menasse gewonnen und da habe ich mit bei Christian Jahl von der Hauptbücherei, der ja Jurymitglied ist, beschwert, daß ich es schade finde, daß da ein schon Großer gewinnt, obwohl das ja ein Nachwuchspreis ist.

2015 waren dann sowohl Valerie Fritsch mit ihrem damals sehrt gehypten „Winters Garten“ und Karin Peschka mit „Watschenmann“ nominiert und Karin Peschka hat gewonnen und im Vorjahr Barbi Markovic und nicht Katharina Winkler, wie ich eigentlich dachte.

Und für heuer waren Birgit Birnbacher mit „Wir ohne Wal“, Marie Luise Lehner mit „Fliegenpilze aus Kork“ und Anna Weidenholzer mit „Weshalb die Herren Seesterne tragen“ und ich dachte entweder Birgit Birnbacher oder Anna Weidenholzer werden gewinnen, den Marie Luise Lehner ist ja noch zu jung und studiert ja noch an der Sprachkunst, obwohl mich beide Bücher eigentlich nicht sehr überzeugt hatten.

Und dann ging es wieder zur Gala, das heißt, eine halbe Stunde Drinks im Foyer, ich stand bei Cordula Simon und ihrem Freund, a deren Tisch wir ja im Vorjahr geseesen sind und beobachte das Eintreffen der Prominez mit ihren Begrüungsküßchen.

Clarissa Stadler, Anna Weidenholzer

Clarissa Stadler, Anna Weidenholzer

Dietmar Hoscher, Marie Luise Lehner, Josef Ostermayer

Dietmar Hoscher, Marie Luise Lehner, Josef Ostermayer

Dann ging es los Clarissa Stadler moderierte wieder und zitierte irgendeine Statistik die nachwies, daß der Durchschnitt E- bookleser eine Frau und über vierzig ist, dann gab es wieder ein Filmchen über die Autorinnen, deren Bücher ich ja, wie auch 2015 alle schon kannte und eine Lesung, danach eine Musikeinlage und danach wurde der Sieger oder die Siegerin, denn  es waren ja drei Quotenfrauen nominiert und es wurde auch launig behauptet, daß Frauen offenbar besser schreiben, zumindestens die, die beim „Alpha“ geweinnen, verkündet.

„And the winner is… Marie Luise Lehner“, „Wui  die Jury traut sich was!“, habe ich gedacht.

Der Kinderpsychiater Paulus Hochgatterer, der Juryvorsitzender und möglicher österreichischer Buchpreisträger von 2017 hielt eine Laudatio, die deutlich machte, wie sehr einem Kinderpsychiater diese Vater-Tochter Beziehung beindrucken kann.

Aapplaus und Fots und nachher gutes Essen und Gespräche und danach im Foyer, wo man sich das Buch wieder mit nach Hause nehmen konnte, habe ich Therea Preis getroffen und ihr verkündet, daß bei mir bezüglich „Buch-Wien“ alles in Ordung ist und ich jetzt alles habe, was ich brauche.

„Fein!“, hat sie gesagt und ich hoffe, das gilt auch für as nächste Jahr, wenn der „Ohrenschmaus“ vielleicht dort nicht mehr liest, aber Theresa Preis erzählte mir auch von einer Umstrukturierung und, daß dann alles leichter werden würde, ich bin gespannt und gehe vorher wahrscheinlich in ein schreibintensivens „Nanowrimo-Wochenende“ damit aus mir literarisch vielleicht doch noch etwas wird.

2017-10-27

Reibungsverluste

„Reibungsverluste“ der 1981 in Sarajevo geborenen Mascha Dabic, die 1992 nach Österreich kam, hier Translations- und Politikwissenschaften studierte und als Übersetzerin im Asyl- und Konferenzbereich tätig ist und unter anderen auch Barbi Markovic übersetzte, ist das zweite und wahrscheinlich letzte Buch der österreichischen Debutshortliste, das ich gelesen habe und es ist, obwohl das wahrscheinlich draufsteht, kein Roman, sondern, ich weiß nicht, ob man es als Memoir oder Personal Essay bezeichnen könnte. Vieles davon ist wahrscheinlich autobiografisch und aus dem Leben und Erfahrungsschatz der jungen Autorin gegriffen.

Ein Sachbuch ist es wahrscheinlich auch nicht, denn es hat  eine Handlung. Ein Tag im Leben einer jungen prekären Geisteswissenschaftlerin, die zwei Jahre lang in Russland lebte und daher jetzt in Asylheimen bei Therapien Tschetschenen dolmetscht, wird da erzählt.

Ein narrativer Sachbericht ist wahrscheinlich der bessere Ausdruck, der uns viel vom Leben der prekären Geisteswissenschaftler und der Asylsuchenden, ihren Alltag, ihren Sorgenschildert und das ist in Zeiten, wie diesen ein sehr wichtiges Thema, das uns alle angeht, obwohl der Zug nach rechts mit blauer Wolke ja wahrscheinlich schon längst fährt.

Friederike Gössweiner hat im Vorjahr mit ihrer „Traurigen Freiheit“, nur vom Leben eine prekären jungen Akademikerin erzählt und damit den Debutpreis gewonnen.

Ich dachte damals, das wäre deshalb, weil die „Arbeiterkammer“ den Preisträger aussucht und das ist ja ein soziales Thema, während Katharina Winklers „Blauschmuck“, das sicher viel literarischerischer war, leer ausgegangen ist.

Jetzt könnte ich sagen „Liebwies“ ist literarischer,  skurriler und wahrscheinlich ausgedacht, während „Reibungsverluste“ vom Alltag in dem wir leben erzählt, der,auch für mich, die über Sechzigjährige erfolglos schreibenden Psychologin und Psychotherapeutin, die in ihrer Praxis keine Dolmetsch gestützte Therapien, aber eine Zeitling eine solche Diagnostik mit oft auch tschetschenischen Asylwerbern machte, sehr interessant ist.

So weiß ich auch nicht genau, welchen Buch ich den Preis wünschen soll, das von  Nava Ebrahimi, das wahrscheinlich genauso sozialkritisch einzuschätzen ist, habe ich nicht gelesen.

Muß mich aber ohnehin nicht entscheiden und denke, es ist auf jeden Fall sehr interessant „Reibungsverluste“ zu lesen, obwohl ich das Buch nicht als Roman verstehen würde.

Interessant für mich natürlich in den Alltag einer Dolmetsch gestützten Therapie hineinzugleiten. Da erschien mir manches hözern und dahin erzählt. Aber Mascha Dabic ist wahrscheinlich keine Theraupeutin, wie das auch ihre Protagonistin Nora nicht ist und die hat ihre liebe Not, wie sie beispielsweise, die Therapeutenfloskel „Was haben Sie aus dieser Stunde mitgenommen?“, übersetzten soll, ohne daß der Klient empört „Ich habe nichts geklaut!“, antwortet.

Darum geht es in dem Buch, um die Reibungsverluste, die entstehen, wenn der Klient „Doppelgänger“ sagt, die Doolmetscherin „Zwilling“ übersetzt und Klient und Therapeut dann eine Weile aneinander vorbeirreden, bis der Dolmetscher eingreift und neu übersetzt.

Das ist das Interessante an dem Buch, für mich und wahrscheinlich auch für die, die letzte Woche schwarz oder blau wählten, weil man darin Einblick in das Leben von tschetschenischen Flüchtingen bekommt, den man sonst wahrscheinlich nicht erfährt, wenn man sie nur auf der Straße sieht oder in den Medien über die sogenannte Flüchtlingskrise hört.

Mascha Dabic übersetzt wahrscheinlich auch dem Russischen oder Serbischen, deshalb kommen in dem Buch die syrischen Flüchtlinge, die momentaner aktueller sind, nur am Rande vor.

Ich habe es aber und das gehört wahrscheinlich auch zu den „Reibungsverlusten“, das Buch, weil ein PDF und ich meinen Laptop nicht in meine ohnehin viel zu kleine neue schwarze Handtasche stecken kann, parallel mit Eva Rossmanns „Patrioten“ gelesen und da geht es unter anderen, um eine syrische Flüchtilingsfrau und ich hoffe, ich komme dadurch nicht zu sehr durcheinander und die dabei entstandenen Reibungsverluste halten sich in Grenzen.

Mascha Dabic, die ich mit ihrem Buch auch schon bei den „O-Tönen“ hörte, wurde auch von Daniela Strigl für den „Franz Tumler-Preis“, den inzwischen Julia Weber gewonnen hat, vorgeschlagen und steht auch auf der „Blogger Debut-Longlist“.

Sie war schon drauf, als ich von den O-Tönen kommend, auf der Seite nachschaute. Ich mußte sie also nicht vorschlagen, beginnt aber den Tag, durch den sie ihre Protagonistin Nora Kant führt, literarisch und läßt sie beim Aufstehen fluchen. Der Wecker läutet, sie muß los, denn am Montag dolmetscht sie im Flüchtlingsheim, am Mittwoch bei der Caritas, dazwischen gibt sie syrischen Flüchtlingen Deutschunterricht. Das kommt also doch vor und auch die „Flüchtlingsindustrie“ von denen ganze Heerschafen sonst arbeitsloser Geisteswissenschaftler leben und sie sieht schlecht,  hat „sieben Dioptriein und einen Astigmatismus am linken Auge“ und setzte als Kind immer die Brillen ihrer weit- beziehungsweise kurzsichtigen Eltern auf, die sie dann prompft vor dem schecht Sehen warnten.

In der kleinen Wohnung die, die prekäre Geisteswissenschaftlerin bewohnt, liegen überall Bücherstapeln, über die eine verschwommen Sehende schon mal stolpern kann und Nora hat sich und das finde ich, die „Büchernärrin“, wie die Ruth es einmal nannte, sehr originell sich ein dreimonatiges Leseverbot erteilt.

Bei „Amazon“ gibt es eine Einsternrezension, der das Buch “ eine langweilige Geschichte aus dem langweiligen Leben seines  sehr langweilig Menschen nennt“ nennt, da hat der Rezensent glaube ich  den Hintergrund „der zahlreichen Fluchtgeschichten“ nicht verstanden oder verstehen wollen, der sich aber genau auf das bezieht und das das spannenste Moment der Geschichte hält, daß sie am Abend wenn sie müde nach Hause kommt, nach einem Buch und da zwar zu japanischer Literatur, greift, was ich auch sehr spannend finde.

Die Protagonistin steigt also am Morgen unter die Dusche, macht sich eine Tasse Espresso, denkt dabei an ihren Russlandaufenthalt, wo sie am Geothe-Institut beschäftigt war, von Olgabei der sie zuerst wohnte, Unterricht im Nägelmaniküren bekam, dann mit einem Vladimir zusammenlebte und nach der Trennung von ihm, jetzt in einer kleinen Wohnung lebt und von einem Termin zum nächsten hetzt.

Sie kommt in das Flüchtlingsheim auch zu spät, sagt „Entschuldigung!“, zur Sekretärin Erika, die „Kein Problem!“, antwortet, denn der Klient hat abgesagt. So hat Nora eine Stehstunde, für die sie elf Euro bekommt und übersetzt in dieser Zeit für die Therapeutin Roswitha „Folterprotokolle“, denn nur wenn die selbstverständlich anonymisiert abgegeben werden, bekommt das Heim Subventionen und kann die Therapeuten, die „Sozialkas“ und die Dolmestscher zahlen.

Ich finde das nicht langweilig, sondern im Gegenteil sehr interessant, aber natürlich surrealistisch, experimentell oder sonst literaisch unverständlich ist es nicht, wenn die Klienten erscheinen.

Aber da kommt es eben zu „Reibungsverlusten“ und das fand ich auch besonders interessant, wie es bei diesen Dolmetsch gestützten Therapien zugeht und das ist ein bißchen anders als in meinen Kassentherapien.

Die Therapeutin Roswitha scheint aber auch eher analytisch zu arbeiten und die Dolmetscherin Nora hat sich erst an den Therapeutenjargon gewöhnen müssen und wenn ein Mann der Klient ist, stecken sich beide Eheringe an, um nicht noch unnötigere Reibungsverluste zu haben und wertvolle Zeit zu verlieren.

Es kommen aber ohenhin, wie meist üblich mehr Frauen mit Kopftücher. Malinka, die tschetschenische Zweitfrau mit dem einjährigen Baby auf dem Schioß, das natürlich quengelt und die Stunde verkürzt. Diese Stelle hat Mascha Dabic bei den O-Tönen gelesen und da wird vorher von Dolmetscherin und Sekretärin darüber philosophiert, ob die muslimischen Zweitehen-Gewohnheiten grausamer, als die die Seitensprünge und die Betrügereien einer angeblich monogamen Gesellschaft sind?

Vorher ist Frau Magomadowa zu Roswitha gekommen und da gibt es auch Reibungsverluste, denn sie sollte eigentlich davon erzählen, wie es war, als ihr Mann  geschlagen und gefoltert wurde und der kleine Mustafa unter dem Bett lag, nicht ganz klar war, was er beobachtet hat, aber ihn seine Mutter, die mit dem Kind jetzt alleine in dem Asylheim ist, schon erzählen hörte, daß der Vater auf Dienstreise wäre.

„Man soll nicht lügen!“, eh klar, also auch Reibungsverluste. Frau Magomadowa ist aber ohnehin zu spät gekomen, beziehungsweise hat sie die letzte Stunde abgesagt, weil sie sich mit der afrikanischen Nachbarin, die laut ist und schlecht putzt, zerstritten hat. Sie hat von dem Lärm Kopfweh gekommen, die Folge des PTSD und hat sich bei den Sozialarbeitern und der Heimleiterin über die Frau beschwert. Jetzt hat sie Angst, daß man sie für rassistisch halten könnte. Und als sie von der Stunde in ihr Zmmer geht, um für Mustafa zu kochen, überlegt sie, daß sie der Therapeutin eigentlich von den Geschehnissen damals erzählen hötte sollen,  aber nicht konnte, weil sie die Theapeutin schonen wollte.

Reibungsverluste oder Aspekte, die auch für mich neu und meinen therapeutischen Alltag interessant sein könnten.

Dazwischen wird eingekauft oder Kaffee aus dem Stockwerk geholt, wo die Familien wohnen. Da schüttet Nora den Kaffee aus, sagt „Scheiße!“ und der kleine Jusuf, der mit seinem Vater, einem Witwer und der altklugen Halbschwester  dort lebt, sagt ebenso altklug „Scheiße darf man nicht sagen!“

So geht der“ langweilige Tag einer langweiligen Dolmetscherin“ und Flüchtlingsleben dahin. Am Ende sind trotzdem alle erschöpft. Nora fällt vom Fahrrad, verletzt sich die Wange, fährt mit einem aserbaidschanischen Taxilenker nach Hause, mit dem sie sich tut unterhält und der ihr auch seine Visitenkarte gibt und am Ende stolpert sie wieder über ein Buch und bricht ihren Vorsatz.

Sie liest das Buch im Bett, mit der obligatorischen Zigaretten, denkt kurz an Ingeborg Bachmann,  dann zuerst „Das Bettt ist ein sicherer Ort“.

Aber „Es gibt keinen sicheren Ort. Nirgends“

So schließt das Buch und ich bin gespannt, weil ich wirklich nicht weiß, ob ich Mascha Dabic oder Irene Diwiak den Preis wünschen soll und denke wieder „So eine Scheiße, daß man sich da entscheiden muß und angeblich nur einer gewinnen kann!“, weil man, wie ich ja schon oft schrieb, Äpfel mit Birnen nicht vergleichen kann.

2017-10-19

Short List Debut Lesung

Beim österreichischen Buchpreis, den es ja seit einem Jahr gibt, gibt es neben der Longlist der nomierten Größen, auch  eine Shortlist mit drei Debuttitel und die werden dann in der AK-Bibliothek bei einer Lesung vorgestellt.

Im Vorjahr war die Veranstaltungt gleichzeitig mit der „Veza-Canetti–Preisverleihung“ an ilse Kilic im MUSA, so daß ich sie versäumte, aber ich habe alle drei Bücher gelesen und eines davon war ja auch beim „Alpha“ nominiert und auf der Blogger Debut Shortlist, hat aber nichts davon gewonnen.

Heuer wurde der „Veza Canetti-Preis“ an an Lydia Mischkulnig schon vor zwei Wochen vergeben, so daß nichts dagegen stand zu der Lesung in die Prinz Eugen Straße zu gehen und ich erinnere:

Mascha Dabic  stand mit „Reibungsverlusten“

Irene Diwiak mit „Liebwies“ und

Nava Ebrahimi mit „Sechzehn Wörter“ auf der Liste.

Deie ersten beiden Bücher wurden auch bei den O-Tönen vorgestellt und ich habe bei beiden das PDF bekommen und bin gerade mittendrin beim Lesen von „Liebwies“, das mir sehr gefällt und ich die junge Autorin auch für sehr begabt halte, auch wenn es manchmal haarscharf am Kitsch vorbeischrammt ist es dann mit seiner Absurdität wieder sehr originell und einzigartig, was es in der österreichischen Literatur abseits von allen Sprachkunstbemühungen doch zu geben scheint.

Die Veranstaltung in Lesesaal in der AK-Bibliothek auch sehr voll, in der zweiten Reihe aber Platz, denn seltsamerweise sind die Lesenden weiter hinten gesessen. So habe ich den Literaturhausleiter Robert Huez begrüßt und mit einer Stammbesucherin über die Störaktionen der rechten Verlagen in Frankfurt diskutiert. Dann habe ich Eva Rossmanns „Patrioten“ zum Thema passend herausgezogen, denn „Liebwies“, wo ich  den dritten Teil noch lesen muß, ist als PDF zu mir gekommen und ich habe den Laptop nicht mitgenommen und der E Book Reader liegt ohne die aktuellen Bücher in Harland auf dem Küchenschreibtisch.

Dann kam Ute Weiner, die Bibliotheksleiterin und hielt ein Plädoyer fürs Lesen und für die Debuts, die noch nicht so bekannte Literatur und interviewte die 1981 in Sarjewo geborene Mascha Dabic, die seit 1992 in Wien lebt und hier auch als Dolmetscherin und Übersetzerin tätig ist. Sie dolmetscht bei PTSD-Therapien und „Reibungsluste“ handelt auch davon, beziehungsweise von der Übersetzerin Nora, die schlecht sieht und dann Probleme damit hat, wie sie die Traumatisierung der tschetschenischen Klientin bei der Therapeutin Roswitha übersetzen soll.

Übersetzungsprobleme hat es auch in der AK-Bibliothek gegeben, denn da fielen plötzlich die Mikrophone aus und Masche Dabic  mußte noch einmal von vor anfangen, beziehungsweise nützte der AK-Direktor die Gelegenheit zu betonen, wie wichtig es ist, daß die AK nicht, wie es blau schwarz vielleicht will, finaziell ausgehungert wird, denn man braucht eine gute Infrostruktur.

Dann kam Irene Diwak eine sehr große, sehr junge Frau, die mit ihrem Buch,  das damals noch einen anderen Titel hatte, schon den „Körner-Preis“ bekommen hat und sie las den Anfang vor, den ich schon gelesen habe und dann kam die für mich unbekannte, 1978 in Teheratn geborene, in Köln aufgewachsene und jetzt in Graz lebende, Nava Ebrahimi, von der ich noch nicht viel gehört habe und deren bei Btb erschienenes Buch „Sechzehn Wörter“ auch nicht zu mir gekommen ist.

Alle drei Bücher stehen aber auch auf der Longlist des Boogger Debut-Peises“, beziehungsweise, die ersten zwei.

Nava Ebrahimi habe ich vorgeschlagen und wird vielleicht noch kommen und das Buch hat eine ähnliche Thematik, wie „Nachts ist es leise in Teheran„, das voriges Jahr den „Blogger Debutpreis“ bekommen hat.

Da gibt es ja noch keine Shortlist und jetzt können wir wieder raten, wer in zwei Wochen den Debutpreis bekommen wird?

Wahrscheinlich Irene Diwiak deren Buch sicher das literarischte ist, vielleicht auch das der Mascha Dabic wegen des aktuellen Bezugs  der Flüchtlingsfrage. Aber den Preis vergibt die offizielle >Jury und nicht die AK, da habe ich mich bei Ute Weiner erkundigt und ich werde jetzt „Liebwies“ zu Ende lesen, dann die „Reibungsverluste“ und danach Eva Rossmanns „Patrioten“ was ja zum Thema passt und falls das hier jemand lesen sollte und ein Leseexemplar von „Sechszehn Wörter“ hat, das er gerne mit mir tauschen möchte, ich bin bereit und würde mich sehr freuen. Sonst macht es aber auch die Lücke und nachher gab es wieder Wein und Brötchen und interessante Gespräche über den Debutpreis und die Buch-Wien, die ja bald kommt.

2017-06-11

Tram 83

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Graz scheint wieder oder immer noch die Literaturhauptstadt Österreichs zu sein oder zumindest eine, die Gespür für die aktuelle Lage und die aktuellen Trends hat.

Hat doch ConstanzeMatthes auf dem „Buchpreis-Blog“ im Vorjahr beklagt, daß es keine aktuellen gesellschaftspolitischen Tendenen, die die sich auf Flucht und Vertreibung beziehen beispielsweise, sondern immer nur den Einheitsbrei des Familienromans und des Männerleidens auf der LL gibt und da lese ich ein halbes Jahr später meine Geburtstagsbücher und merke, das stimmt nicht ganz.

Zwar waren weder Fiston Mwanza Mujila noch Tomer Gardi auf der Liste, können sie vielleicht auch gar nicht, weil der eine Afrikaner, der andere Israeli, der eine lebt aber in Graz, der andere war dort Stipendiat und sie beschreiben diese Tendenzen, spielen damit, gehen darüber hinaus.

Tomer Gardi hat es mit „Broken German“ versucht und damit nicht in Klagenfurt gewonnen, der Debutroman des 1981 in der demokratischen Republik Kongo geborenen Fiston Mwanza Muljia wurde aber sehr gelobt und hat, aus dem Französischen übersetzt, auch schon viele Preise gewonnen.

Ich, die ich beim Lesen ja die Struktur und die Handlung brauche, habe mir beim Lesen zwar etwas schwer getan, das Buch, das mit Hieronymus Boschs Farbenvielfalt verglichen wird, hat mich an Dos Passos „Manhatten Transfer“ erinnert und  bin wieder etwas skeptisch, ob es in einem afrikanischen Nachtlokal so zugeht, aber der Autor den ich ja bei „Literatur und Wein“ in Krems erleben konnte, sprüht wirklich durch seine Sprachgewalt und dazu hat er noch eine sehr laute Stimme mit der er sie einbringen kann.

Was in dem Buch passiert, ist entweder schnell oder wahrscheinlich gar nicht zu erzählen. In dem Nachtlokal „Tram 83“, das in der afrikanischen Großstadt „Stadtland“ liegt, von wo alle aus dem Hinterland herkommen, treffen sich Nacht für Nacht die Prostituieren, die Touristen, die Gauner, die  Mienenarbeiter, die Verlierer, die Profiteure und und, wie im Klappentext steht, um ihre Geschäfte zu machen und ihr Vergnügen zu haben und da treffen sich auch die ungleichen Freunde, Lucien der Schriftsteller und der Klein- oder Großgauner  Requiem, einen belgischen Verleger und einen abtrünnigen General, der das Geschick des Landes lenkt oder in den Untergang führt, gibt es auch.

Das Ganze wird auf über zweihundert Seiten, in dreiunddreißig Kapiteln erzählt und es gibt, wie schon erwähnt, keine Handlung und auch keine Chronologie.

Die Kapitel bestehen eher aus Schreigesängen mit immer gleichen Sätzen, einer starken Sprache und Wortneuschöpfungen.

So besteht das Publikum, das sich in den Lokal trifft aus den „Küken“, beziehungsweise den „Single-Mamis“, die von den Freiern ihr Geld haben wollen und ihnen dafür alles und immer nur das Beste versprechen.

„Eine riesige Aufgabe, die Frauen, die ins Tram 83 kamen, zuzuorden. Alle führten einen eisernen Kampf gegen das Altern. Eine Einteilung war nicht ganz ohne, da waren die unter Sechzehnjährigen, Küken genannt, die Single-Mamis, also die zwischen Zwanzig und Vierzigjährigen, auch dann Single-Mamis genannt, wenn sie gar keine Kinder hatten, und schließlich die Frauen- ohne- Alter, deren festes Alter bei einundvierzig lag. Keine von ihnen konnte sich eine Falte erlauben. Man sah sie nie ohne Schminke, sie trugen falsche Brüste, alle Mittel waren recht um die Kunden zu ködern, und sie trugen fremd klingende Namen, wie Marylyn Monroe oder Sylvie Vartan oder RomySchneider oder Bessie Smidt, Marlene Dietrich oder Simone de Beauvoir, alles war recht um der Welt zu zeigen, dass es sie gab“

Solche Passagen ziehen sich durch das ganze Buch.

Es gibt dann auch immer wieder die Sätze, wie „Was sagt die Uhr?“ oder „Wo ist mein Trinkgeld?“, denn die Kellnerinnen und Aushilfskellnerinnen verlangen das von ihren Kunden und werden sehr ungehalten, wenn man  es ihnen  verweigert.

Seltsamerweise geht es in dem Buch aber auch sehr viel um Literatur und manchmal klingt es wie ein Schreibratgeber:

„Jedem politischen Regime lieferst du die passende Literatur. Du schreibst ein episches Gedicht über die Frisur der Frau des Präsidenten, und man schenkt dir  ein Haus, einen Monolog, der den Traum des Ministers für Wahrsagen, Hellsehen und Prophezeien aufgreifgt, und man bezahlt dir eine Reise nach Venedig.“

Lucien, der seine Frau verloren hat und aus dem Gefängnis in das Lokal zurückkommt, will dort eine Lesung halten. Die mißglückt, er bekommt auch einen Anruf von dem belgischen Verleger, der sein Buch drucken will. Da schaltet sich aber Requiem ein und erpresst ihn das nicht zu tun, denn seine Mädchen machen immer Aufnahmen von den Kunden, die könnte er dann in die Zeitung bringen und den Verleger ruinieren, ins Gefägnis bringen lassen, etcetera.

So stolpern wir durch das Buch von Kapitel und Kapitel, staunen über die Sprachgewalt und die schönen neuen Worte, in denen das Leben hier passiert.

Manchmal kommt Requiem, des Nachts nach Hause und das Blut quillt von seinen Kleidern, er stopft das erbeutete Geld in Müllsäcke ohne es auszugeben und man weiß nicht wirklich, was hier passiert und worum es geht?

Bibelzitate kommen immer wieder vor und eine Diva, die wie die Callas ausschaut und sehr schön singt .

Und der Verleger von Requiem erpresst versucht dann auch Lucien hinzuhalten, in dem er ihn seit Stück zuerst von zwanzig auf zehn Personen, dann auf zwei umarbeiten und es ihm dann auch noch in den brasilanischen Urwald versetzen läßt.

Ich bezweifle eigentlich, daß so etwas in einem Nachtclub einer afrikanischen Großstadt passiert und, daß sich die Verlierer und Gewinner dort für Literatur interessieren.

Aber richtig, die Lesung ist  mißlungen, obwohl ich auch nicht wirklich mitbekommen habe, wieso und Fiston Mwanza Mujia unterrichtet in Graz afrikanische Literatur und kennt sich deshalb auch sehr gut aus.

Eine groteske Stelle gibt es in dem Buch auch noch, die ich erwähnen sollte. Lucien  wurde ja verhaftet, kommt ins Gefängnis, wird dort gefoltert und dann von einer Frau ausgelöst.

Das Kapitel, das das beschreibt hat die Überschrift „Das Wiener Konservatorium“, weil der Genera,l der dort foltert sich sehr für klassische Musik interessiert und daher den Gefangenen in ihren Zellen Rimski – Korsakow, Tschaikowski, Strawinsky, etcetera, vorspielen läßt.

Dazu habe ich Assozioen und Anknüpfpunkte. Es werden in den Lokal oder in dem Land auch Hunde gegessen und es gibt dann Hundeschützer, die die armen Tiere vor ihrem Tod retten wollen. Denn in Europa haben es die Hunde besser werden von ihren Besitzern gehätschelt und getätschelt, es gibt Hundecafes, Hundegeschäfte, Hundekliniken, etcetera und am Schluß geht das Gerücht um, daß der abtrünnige General, das Lokal schließen läßt, so daß die drei Freunde, Requiem, Lucien und der Verleger wieder fliehen müssen.

2017-04-23

Warum ich lese

Jetzt kommen, wirklich nur ganz zufällig zum „Welttag des Buches“ passend, „40 Liebeserklärungen an die Literatur“, denn der Blogger Sandro Abbate hat da vor cirka seinem Jahr seine Bloggerkollegen dazu aufgerufen, diese Fragen zu beantworten und jetzt ist bei „Homunculus“ ein Buch daraus entstanden, das zum „Indie-Bookday“ fertig geworden ist und in Leipzig und auch in einer Buchhandlung in Berlin, glaube ich, vorgestellt wurde.

Jochen Kienbaum, der strenge unerbittliche, dem es nicht gelungen ist, ein Manuskript für den „Blogbuster-Preis“ vorzustellen, hat unter anderen daraus gelesen.

Vierzig Blogger werden meine Leser nun vielleicht fragen, gibt es nicht inzwischen schon an die oder über eintausendzweihundert davon?

Stimmt, glaube ich, aber die Blogger sind ja sehr streng und kritisch und lassen, wie ja am „Buchpreisbloggen“ und wahrscheinlich auch anderswo zu merken ist, nicht jeden in ihre Reihen.

Da „muß“ man ausgewählt werden, um als „offizieller Buchpreisblogger“ zu gelten, obwohl das ja eigentlich jeder machen kann, sich die Bücher der Longlist kaufen oder schicken lassen, sie lesen und dann auf seinen Blog besprechen.

Ich tue das seit zwei Jahren und die Frage, warum ich lese, habe ich im „Literaturgeflüster“, das sehr bald seinen dreitausendsten Artikel feiern wird und in ein paar Monaten seinen neunten Geburtstag hat, auch schon öfter beantwortet.

Ich tue es hier gleich noch einmal, denn alle Blogger sind zum Glück nicht so streng und kritisch „Der Debut-Preis-Blog“ist da ein wenig lockerer und so konnte ich mich vorigen Herbst noch knapp vor oder auch schon nach Schluß melden und beim „Debutpreis“ mitjonglieren und eines der fünf Shortlistbücher ist aus dem „Homunculus-Verlag“, ein junger „Indie-Verlag“, wie ich inzwischen weiß, gekommen und so habe ich ihn kennengelernt und der Verlag mir das Buch geschickt.

Die Frage, was ein guter Blog ist, da stört mich ja auch immer die Diskussion ein bißchen, daß die anderen so schlecht sein sollen, wird auch schon in Sandro Abbatos Vorwort, wenn vielleicht auch nicht beantwortet, so doch angeschnitten.

Denn manche Blogger haben ja Literaturwissenschaften studiert, die meisten wollen nicht mit den Literaturkritikern in Konkorrenz treten, manche schon und die „Booktuber“ halten stolz ihre Neuerscheinungen in die Höhe und sagen sazu: „Das Cover ist sehr schön, mehr weiß ich noch nicht!“

Seit einiger Zeit schaue ich ziemlich viel „Booktube“ und habe dabei auch einige sehr interessante entdeckt und es stört mich auch nicht so sehr, daß das oft eher junge Mädchen sind, die Bücher oder Serien lesen, von denen ich noch nie etwas gehört habe.

Denn, ich denke, man soll sich ja freuen, wenn die jungen Menschen lesen und nicht über sie schimpfen und eine Definition der Literaturkritik, daß Blogger nur Inhalte nacherzählen, ein bißchen Biografie und ihre Meinung dazu schreiben, führt Sandro Abbate auch noch an und distanziert sich davon.

„Es gibt schon Blogger, die sind da qualifizierter!“ und ich fühlte mich ertappt, denn „Uje, uje…!“ und erst viel später, als ich dem Bericht von Katharina Hermann von“Kulturgeschwätz“ gelesen habe, die Thomas Bernhard zitiert:

„Wenn wir den führern zuhören, hören wir doch nur immer das Kunstgeschwätz, das uns auf die Nerven geht, das unerträgliche Kunstgeschwätz der Kunsthistoriker.“ (Alte Meister)“, die das vielleicht auch ein bißchen tut, habe ich aufgeatmet und hinzugefügt „Na und, warum nicht!“

Aber ich bin in dem Buch nicht vertreten und bin eigentlich auch kein Bücherblog, sondern das „Literaturgeflüster“ ist, wie ich mich vielleicht ganz gut definieren kann, das literarische Tagebuch einer seit fünfundvierzig Jahren „erfolgfrei“ schreibenden Frau, die vielleicht ein wenig eigenwillig ist, schon seit Kindertagen liest, seit vierzig Jahren zu literarischen Veranstaltungen geht und das seit 2008 öffentlich zu archivieren versucht und die anderen, wenn sie das wollen, daran teilhaben läßt.

Die wollen das nicht immer, sondern interessieren sich vielleicht nicht dafür oder schreiben und bloggen selber und lesen habe ich, glaube ich, nicht in der Schule, sondern von einem in den Fünfziger- und Sechzigerjahren sehr bekannten Logopäden, dem Herrn Aschenbrenner gelernt, denn ich bin ein Novemberkind  und als meine Mutter mich vor meinen sechsten Geburtstag für die Schule anmelden wollte, hatte ich soviele „Sprachfeheler“, daß die mich nur für die diesbezügliche Sonderschule nehmen wollten.

Da sagte meine Mutter „Mein Kind geht in keine Sonderschule“ und ging mit mir zu besagten Herrn, der sich, wie ich mich zu erinnern glaube, sehr mit mir bemüht hat, denn jetzt kann ich das „r“ und auch „s“ aussprechen und lesen konnte ich auf einmal auch.

Die Rechtschreibung war und ist mir dann noch immer nicht so wichtig gewesen. Ich bin aber, wie ich immer sage und es vieleicht nicht ganz stimmt, ein Arbeiterkind, mein Vater war in der Statistikabteilung der WGKK und, glaube ich, gelernter Buchhalter. Die Mutter, gelernte Stickerin, die später, als Kindergartenwärterin oder Helferin wie das heute heißt, gearbeitet hat.

Mein Vater war aber ein Sozialist und ist daher in seiner Freizeit mit den Büchern der „Büchergilde Gutenberg“ hausieren gegangen und weil ich bei den „Kinderfreunden“ war, habe ich jedes Jahr zu Weihnachten von ihren auch ein Buch geschenkt bekommen.

Es gab dann auch den berühmten Bücherkasten meiner Eltern, dessen Inhalt heute größtenteils in Harland steht und zum Teil auch schon gelesen ist. Ich habe in der Schule die Schulbücherei, wie ich mich erinnern kann, sehr frequentiert und einmal auch versucht, ein Kinderbuch der Erika Mitterer „Kleine Damengröße“ abzuschreiben und bin entsetztlich daran gescheitert. Ja das Netz und wahrscheinlich sogar Kopierer hat es damals noch nicht gegeben.

Als Studentin habe ich mir sehr viele der sehr teuren Buchpreisbindungsbücher gekauft, habe Nietzsche und Schopenhauer gelesen und nicht verstanden, den „Mann ohne Eigenschaften“ auch nicht und bekenne mich dazu. Irgendwann habe ich mit dem Bücherkaufen aufgehört, mit dem Lesen nicht.

Literarisch zu schreiben habe ich nach meiner Matura angefangen, zum selber Publizieren cirka 2000 mit dem Bloggen 2008 mit dem „Rezensionsenschreiben“ durch die „Thalia-Leserrezensionen“ und dann später in meinem Blog und seit es die öffentlichen Bücherschränke gibt, wächst mein Sub und ist nicht nur ein Stapel sonder schon ganze Stöße, die die Schlafzimmerwand zieren und ein paar neue Bücherregale habe ich mir inzwischen auch gekauft.

Ich spoilere entsetzlich, mache also offenbar alles falsch, was man nur falsch machen kann, was meine Kritiker auch manchmal bemerken, lese aber trotzdem, obwohl ich inzwischen auch sehr viel Zeit im Netz verbringe und meine Lieblingsblogs habe.

Alle tausendzweihundert kenne ich natürlich auch nicht, auch nicht die vierzig, denn irgenwann ist ja Buzzaldrin zu mir gekommen und durch ihre LL-Leseideen habe ich Blogs wie die Von Jochen Kienbaum und Tobias Nazemi kennengelernt, die ich sehr gern lese, aber vielleicht soll ich jetzt zu schwätzen, plappern würde wohl mein Kritiker Uli, sagen, aufhören und etwas über das Buch erählen, das, sage ich jetzt gleich, für sehr interessant halte und der große Vorteil ist, wie auch bei meinen „Literaturgeflüster-Texte-Buch“, man muß es sich nicht kaufen, sondern kann die Texte alle im Netz finden.

Aber Hand aufs Herz, da habe ich sie nicht gelesen, jetzt lese ich sie in kompakter Buchform, von der ich gleich anmerken kann, daß mich die quadratische, in der es das Buch gibt, etwas, beim Lesen in der Badewanne störte, denn ich bin ja eine Badewanneleserin, aber es ist viel kompakter das Buch und nicht die einzelnen Blogbeiträge zu lesen. Man bekommt dabei auch viel mit und kann vergleichen und wer will, kann gleich auf den Blog gehen und ihn kennenlernen und da habe ich, glaube ich, auch ein paar Neuentdeckungen gemacht.

Also zuerst kommt Sandro Abbates Vorwort, dann kommt schon Tobias Nazemi vom „Buchrevier“, den ich ja sehr gerne lesen und der sich mit seinen „Briefen“ vielleicht auch schon ein bißchen schriftstellerisch betätigt, der den „Blogbuster“ ins Leben gerufen hat, einer der offiziellen Buchblogger war und in seinen Beitrag „7 Gründe, warum es jetzt wichter denn je“ ist zu „lesen“ in seinen Beitrag anführt.

Die siebenundzwanzigjährige Buchhändlerin und Studentin Sophie Weigard, die in den Blogs oft als eine der qualifiziertesten Bloggerinen angeführt wird und auch schon Seminare gibt, wie man das macht, kenne ich auch schon seit 2013 von Mara Gieses „Fünf lesen zwanzig-LL-Aktion“ und lese ihren Blog „Literaturen“ oder „Literatourismus.net“ sehr gern und sie führt an, daß die Großmutter Groschenhefterln gelesen hat und der Großvater „Reader Digests-Wälzer“, sie also aus keinem ausgesprochenen Lesehaushalt kam und das ist das, was ich an dem Buch beziehungsweise, der Aktion so interessant, finde, denn einige der Blogger kommen aus Arbeiterhaushalten andere aus Akademikerfamilien, sind Töchter von Buchhändler und Bibliothekaren und alle haben das Lesen gelernt,  tun es gern und bloggen darüber.

Peter Peters von „Peter-liest.de“, hat eine besonders eindrucksvolle Lesegeschichte. Als er fünf war, starb sein Bruder, unmittelbar vor der Geburt, weil die Mutter unglücklich gefallen ist. Sie lag lang im Krankenhaus, das Kind war dazwischen bei der Großmutter, die ihm Mädrchen vorgelesen hat, das Märchenbuch hat er ins Krankenhaus mitgenommen und so getan, als würde er der Mutter vorlesen und alle, auch die anderen Patientinnen haben gebannt zugehört“.

Darüber kann man und hat man wohl auch schon Romane geschrieben, man kann aber auch darüber bloggen und zum Leser werden.

Katharina Herrmanns Blog „Kulturgeschwätz“, hat mich, das habe ich schon geschrieben, sehr beeindruckt, weil ich ihn als sehr unkonventionell finde und das ist ja für mich auch das Tolle an den Blogs, daß da jeder anders sein kann und es keine Regeln gibt und wenn man jetzt versucht durch Seminare oder Bloggerakademien solche einzuführen, würde ich das eigentlich sehr schade finden.

Andrea Blank ist 29,und hat seit März 2016 einen Blog, der „Lohnt sich das Lesen“ heißt und kann sich auch an die „Stimme ihrer Oma erinnern, als die ihr aus den Grimmschen Märchen vorgelesen hat“.

Jochen Kienbaum, den Anspruchsvollen, der nicht aus „Flucht sondern als Expedition“ liest, habe ich schon erwähnt. Ich kenne ihn als Buchpreisblogger, lese ihn gern und wünsche ihn mir vielleicht ein wenig weniger kritisch, streng und anspruchsvoll und, ich glaube auch nicht, daß einen ein Buch, nach dem berühmten Zitat von Kafka, auch immer erschrecken muß.

Er zitiert auch Goethe „Es ist ein großer Unterschied, ob ich lese zu Genuß und Belebung oder zu Erkenntnis und Belehrung“, das kann ich für mich nicht so sehen und, ich glaube, ich lese inzwischen auch, weil ich herausbekommen will, wo und wie die anderen besser, als ich schreiben können und ich bin, wahrscheinlich im Gegensatz zu Jochen Kienbaum, eine bekennende „Über den Tellerrand-Leserin“, „ein Buch muß mich nicht immer mit der Axt am Kopf rütteln“, im Gegenteil das würde mich wahrscheinlich sogar abhalten.

Zuviel Gewalt mag ich ja nicht, obwohl ich es trotzdem lese und auch das Experimentelle und den „Ulysses“ habe ich noch immer nicht gelesen, auch nicht den Marcel Proust, aber Robert Musil,  Kafka auch noch nicht sehr viel im Original.

Konstanze Matthes Blog, deren Beitrag, in dem sie von ihrer DDR-Jugend und dem Aufwachsen in der örtlichen Bücherei, zu der sie die Mutter mitnahm, mich sehr berührte, kenne ich auch durch den „Buchpreis-Blog“ und der ist ja etwas anderes, als das „offizielle Buchpreisbloggen“.

Ich kann aber von mir sagen, ich bin keine Bibliotheksleserin, denn ich wollte die Bücher ja immer haben, sie sammeln und sie anstreichen und ich gebe sie auch ungern her.

Die Schulbibliothek in der Hauptschule war offenbar eine Ausnahme und die städitischen Büchereifilialen beziehungsweise, die älteren Bibliothekarinnen, die mir damals mit zwölf, dreizehn die Krimis verweigerten und mich mit einer verstaubten Grillparzer Ausgabe nach Hause schickten, sind mir immer noch ein Horror.

Ich hoffe, es gibt sie inzwischen nicht mehr und habe ihnen in den „Berührungen“, in der Figur der Esther Silberstein, eigentlich ein liebevolles Denkmal gesetzt.

Dann kommt Sarah Reul von „Pinfisch.net“, die war, glaube ich, auch bei dem Bloggertreffen, das ich in Leipzig besuchte, ist, glaube ich, meistens rosa angezogen,  Buchhänderlin und sehr engagiert für das Lesen, die unabhängigen Verlage und hat sich, glaube ich, auch sehr für dieses Buch eingesetzt.

Sie beschreibt in fünfzehn Punkten ihre Leseentwicklung. Da kann ich vielleicht auch ein bißchen zusammenfassen, Karl May wird bei den Bloggern öfter genannt, der gehört wahrscheinlich zu den Büchern und den Autoren, die ich niemals lesen werde.

Harry Potter gehört, glaube ich, auch zu, bei „Shades of Grey“ ist das, glaube ich, anders. Das habe ich auf meinen SUB und möchte ich, wenn ich es bei den vielen Neuerscheinungen schaffe, gerne lesen und zu meinen unwürdigen Lektüren, die mache Blogger anführen, gehört auch die Courths-Mahler und Krimis lese ich auch ganz gerne, obwohl ich keine Gewalt mag und daher eigentlich keine richtigen schreiben kann.

Den nächsten Blogger, den ich zitieren möchte, alle vierzig, kann ich, glaube ich, nicht anführen, ist Marc Richter von „Lesen macht glücklich“ und den habe ich durch die „Debutpreis-Jury“ kennengelernt, mich da mit ihm ausgetauscht, habe von ihm auch ein Buch gewonnen, das ich noch lesen muß und muß ihm auch bezügtlich seines Blognamens widersprechen.

Denn glücklich macht das Lesen, glaube ich, nicht. Mich jedenfalls nicht, dafür lese ich eindeutig die falschen Bücher, denn die ich lese, schildern oft das Elend der Welt und lenken nicht ab und beschönigen nicht.

Aber das ist ja, habe ich bei den anderen Bloggern gelesen, auch ein Kriterium, das für sich spricht und als „Bloggername“ ist es auch schön und es ist einer, über den man herrlich nachdenken und dann widersprechen kann.

Claudia Pütz vom „Grauen Sofa“, kenne ich vom „Longlistenlesen 2014“, denn da habe ich „Kastelau“ von ihr gewonnen und sie erwähnt in ihrem Beitrag, daß sie durch „Blauschmuck“ in das Leben der jungen Türkin Filiz eindringen konnte. Da kann man natürlich sagen, daß es wahrscheinlich nützlicher wäre, direkt zu der geschlagenen Hausmeisterfrau im Parterre unten zu gehen, umsie anzusprechen und das Lesen natürlich Lebensersatz ist, Flucht vielleicht auch, aber natürlich Abenteuerlust und Eindringen in fremde Welten, in die man sonst nicht kommen würde. Und für mich würde ich auch sagen, daß das gar nichts macht, denn das reale Leben habe ich in meiner psychotherapeutischen Praxis und wenn ich spazierengehe, erlebe ich auch sehr viel, dann gibt es meine Familie, die Menschen um mich rum und noch vieles andere mehr.

Es gibt in dem Buch noch andere Stars der Bloggerszene, wie Gerard Otremba, ein „Buchpreisblogger“ des letzten Jahres, von „Sounds and books“, der sich auch für Musik und das Laufen interessiert und auf seinen Blog drei redakionelle Mitarbeiter hat und noch andere sucht oder den „Kaffeehaussitzer“ Uwe Kalkowski, auch ein „Buchpreisblogger“, der sich einmal mit mir sogar nin Verbindung gesetzt hat.

Berührend die Erfahrungen der Krankenschwester Vanessa Palmen, die erzählt, wie sie in ihrer Intensivstation abstumpfte und keine Gefühle mehr hatte, das ist ein Selbstschutz würde ich sagen und so gesehen wahrscheinlich ganz natürlich, das Lesen hat sie aber herausgerettet und Janine Rumrich von „Kapri-Zioes“ erzählt, daß sie mit Vierzehn keine Lust zum Lesen hatte.

Marina Büttner kenne ich auch durch mein „Buchpreislesen“ Sie liest manchmal dieselben Bücher, ich kommentiere ihr dann und sie antwortet darauf. Sie liest auch Lyrik und einen anderen Lyrikblogger oder Schreiber, gibt es in dem Buch auch, wie auch einige Menschen, die schreiben.

Fabian Neidhard, den ich vom „Debut-Preis“ kenne und der auch im „Literaturcafe“ publiziert, ist, glaube ich, ein Selfpublisher und er schreibt so schön „Bis heute sind Geschichten der größte Teil meines Lebens. Ich konsumiere sie. Ich produziere sie, ich liebe sie.“ Wie wahr würde ich ihm antworten und die vier Literaturwissenschaftlerinnen vom „Debutpreis-Blog“ sind auch in dem Buch vertreten.

Dann gibt es noch Chris Popp von „Booknerd.de“, der auch schon „mittlerweile zwanzig Mitschreiber“ und eine sehr berührende Lesegeschichte mit Wankungen und Schwankungen aufzuweisen hat, wie es eben gehen kann, wenn man aus einer Arbeiterfamilie kommt, auch musizieren und anderes will und dann erfährt, das die Sachen, die einen einmal langweilten, auf einmal faszinieren können.

Man sieht, ich könnte seitenlang über die Lesegeschichten der Bücherblogger schreiben und mit meinen Erfahrungen verknüpfen, begnüge mich aber darauf hinzuweisen, daß Henri Vogel von „Filmtheaterlesesaal“ aus „Warum lese ich“ eine Kühlschrankgeschichte gemacht hat, in der saure Gurken, Apfelmus und Chili vorkommen.

Da sage ich, lesen ist vielfältig und das schreiben darüber auch und ganz am Schluß gibt es ein paar leere Seiten „Und warum liest du?“ steht darüber geschrieben.

Die lasse ich leer, habe ich hier ja schon genug darum herumgeflüstert und füge daher nur an daß mir „Buzzaldrins“, „Bücherwurmlochs“, „Sätze und Schätze“, „Atalantes“ und noch einige Leseerfahrungen anderer Bologger, die ich kenne, fehlen und mich frage, warum sie in dem Buch nicht enthalten sind?

Aber natürlich, es gibt über tausendzweihundert Bücherblogs und ein Buch hat nicht Platz für alle. Also ins Internet gehen und selber nachschmökern, lesen, entdecken und ich kann das Buch nicht nur am „Welttag des Buches“ wirklich allen empfehlen und raten, die weißen Seiten für sich selbst zu benützen und bedaure auch etwas, daß es beim Lesen seine Spuren hinterlassen hat, was fast den Verdacht aufkommen lassen könnte, daß das Internet vielleicht doch haltbarer ist?

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