Literaturgefluester

2011-03-28

Du blutest, du blutest

Filed under: Uncategorized — jancak @ 12:46

„Du blutest, du blutest“, der neue Roman von Michaela Falkner ist ein Buch über Gewalt und und Krieg, aber auch ein Versuch in poetisch schönen Worten die grausamsten Dingen des Lebens zu erzählen und sich mit einer Wirklichkeit auseinanderzusetzen, die so unwirklich und unbeschreibbar ist, daß man sich ihr nur mit sehr viel Distanz, Dissoziation, Listen, Regeln, aber auch mit schönen Sätzen, Bildern und Beschreibungen entziehen kann und man kann es sich wahrscheinlich auf mehr als eine Art und Weise deuten und so habe ich das Buch, daß ich einem Zug gelesen haben, schließlich ganz anders verstanden, als ich bei der Lesung dachte.
Es geht um einen kleinen Jungen, in einer namenlosn Stadt, in welchen Land das spielt, wird nirgends ausgeschrieben, nur die Jahreszahl 2010, glaube ich. Trotzdem dachte ich, an Ex-Jugoslawien, vielleicht weil der Junge, in dessen Land und Heimatort der Krieg ausgebrochen ist, Ivan heißt, aber, daß die Namen neu erfunden werden und sie die Kinder, um sie sich zu merken, hundertmal an die Wände schreiben, steht auch in dem Buch geschrieben.
Da ist also der kleine Junge, „der an einem schönen Tag im Sommer, mit dem Linienbus in die nächste Stadt fahren soll. „Morgen werde ich zwölf“
Dann scheinen die Soldaten in das Dorf zu kommen, die Leute zu töten und der Junge gerät in die Gewalt der Soldaten, Terroristen, etc. auch das erfährt man nicht genau, nur, daß er irgendwo gefangengehalten wird, vielleicht seinen Vater tötet, seine Mutter vergewaltigt und, das auch an den anderen Kinder so sieht.
Das alles in wunderschönen poetischen Worten und Sätzen und geheimnisvollen Bildern. Er geht dann in das Haus der Eltern, die Mutter und der Vater haben viel gearbeitet, es gibt eine Schwester zu der er eine gute Beziehung hatte und die ihn mit ihren starken Händen, da zwei Jahre älter, irgendwohin getragen hat. Die ist vielleicht auch ermordet, vergewaltigt, vergraben worden.
Zwischendurch wird noch von Ausgangssperren berichtet, von Flüchtlingen, die das Land gerade noch verlassen können, von Notarztwagen und von Dolmetschern.
Der Junge gerät dann in einen Wald, wo die Mienen liegen und die Leichenteile herumliegen, die er sich zusammenbastelt, um aus ihnen einen neuen Menschen, einen Spielgefährten etc zu basteln. Er kommt wieder in das elterliche Haus, „wo mittlerweile das Wasser abgedreht ist, die Fensterrahmen im obersten Stockwerk herausgerissen, das Balkongeländer abmontiert sind. Und im Garten hinten die Wiese mit Chemikalien besprüht, die Zusammengepferchten langsam und qualvoll verreckten“
Dort findet er dann viele Kinder, die Übergebliebenen namens Maximilian, Georg, Emad, Omar, Alexander, Zinedine, uswusf. und das deja vue, das flash back beginnt wahrscheinlich.
Gründen sie doch „eine Gang, um nachts zu kommen, zu plündern und zu entführen.“
„Wir werden Krieg gegen die Erwachsenen führen, Dinge tun, zu denen sie selbst nicht fähig wäre, die sie nicht wagen würden.“
Die Kinder verlieren dann auch ihre Namen, werden zu Nummern und wieder werden nur die stärksten Überleben und am Schluß ist „Ivan dann nach Hause gelaufen, hat sie das Leben genommen, weil er es nicht mehr ausgehalten, das war im Herbst“
Das steht auf Seite 115 kurz vor Schluß, der letzte Satz auf Seite 118 lautet dann noch „Kinder hängen am Baum.“
Dazwischen hat man einen Schnellkurs in Traumataverarbeitung bekommen, beschreibt Michaela Falkner das alles ja in schönen kurzen Sätzen, führt dissoziativ-distanziert ein in das Elend, das in Afghanistan, Irak, Kosovo oder wo auch immer Tag für Tag passiert und wir inzwischen auch hautnahm in unseren Fernsehern miterleben können. Während das Buch erschienen ist, hat es in den arabischen Ländern neue Unruhen und Tote gegeben und in Japan den Tsunami mit dem Reaktorunfall, dessen Auswirkungen wir noch erleben werden.
Man bleibt sprachlos zurück, denkt, ich will nicht so viel Gewalt, überlegt, ob es Michaela Falkner mit diesem Buch gelungen ist, das Kunststück zu schaffen, die grauslichsten Inhalte in schönen Worten hinüberbringen, fragt sich, ob man das lesen muß und will und ob man das Buch jetzt richtig verstanden hat und denkt, daß die, die das überlebt haben, auch die sind, die in den Lastwägen mit den doppelten Böden über die Grenzen kommen. Linda Stift hat das bei einem Bachmannpreislesen so beschrieben und Ludwig Laher vor kurzem in seinem Buch „Verfahren“ in etwas weniger poetischen Worten , wo ich bei einer Bloggerin las, daß sie das Lesen abgebrochen hat, weil es ihr zu wenig erzählend und zu dokumentierend gewesen ist.
„Kunst ist ein Manifest“, steht sicher irgendwo oder denke ich mir jetzt und das Leben ist ein einziger Gewaltakt und ich habe das Glück in einer Zeit und an einem Ort zu leben, wo mir das nicht selbst passiert, aber wissen, daß das gar nicht so weit weg geschieht, ist auch nicht gerade lustig und Michaela Falkner sicher eine interessante junge Frau und militante Romantikerin, wie der Deutschlandfunk über sie meint.

2014-05-24

Rund um die Burg mit Lyrik-Bim

Filed under: Uncategorized — jancak @ 17:31

Die von Wien live organisierten „Rund um die Burg-Veranstaltungen“ finden immer früher statt und werden immer kürzer, könnte man so sagen, was vielleicht nicht so ganz stimmt, aber doch ein wenig.
Seit zwei Jahren gibt es einen neuen Veranstalter. Vor zwei Jahren war es noch im Herbst, aber nicht mehr rund um die Uhr, wie bei den alten Veranstaltern, was zwar nicht sehr genützt wurde, mir aber großen Spaß machte und etwas Besonderes war.
Damals gab es kein Lesezelt, dafür Veranstaltungen in der Bel Etage und im Theater des Cafe Museums und man mußte hin und her laufen, wenn man nichts versäumen wollte.
Im Vorjahr war die Veranstaltung im Juni, es gab wieder ein Zelt, wo die literarischen Veranstaltungen war, die Sachbuchveranstaltungen fanden woanders statt und heuer im Mai, waren die Veranstaltungen im Zelt bunt gemischt und dafür fuhr am Ring drei Stunden lang eine Straßenbahn mit live Lyriklesungen.
Das ist auch nicht ganz so neu und gab es schon zwei oder dreimal anläßlich des Tags des Buches, neu war dagegen, daß die Eröffnungsredner fehlten und der Moderator Joe Rappold interviewt kurz den Programmdirektor, wie er ihn nannte, Andreas Schneider, der alles zusammenstellte und der, wie er betonte, ein dichtes Programm von allen zusammengestellt hat.
Was wohl auch stimmte, wenn mir auch die Literatur oder das, was ich darunter verstehe, ziemlich fehlte, war doch von allem etwas da und sehr überlaufen und vollgefüllt, so wie damals als noch Wolfgang Bauer und Gert Jonke aufgetreten sind, war es auch nicht.
Dafür gab es eine Eiskiste zur freien Entnahme und Julia Danielczyk habe ich auch gesehen, sie hat aber nicht für die Stadt Wien gesprochen.
Begonnen hat es mit einem Buch über das Wiener Schnitzel, beziehungsweise einem von der Schauspielerin Maria Happel, wo sie über das Theater bzw. eine Aufführung des Thomas Bernhard Dramuletts „Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen.“, schrieb
Dann gab es eine kleine Pause bevor der „Ohrenschmaus Juror“ Niki Glattauer mit seinem Schulroman „Leider hat Lukas nicht…“, gefolgt von Georg Biron mit dem ich einmal vor langer langer Zeit in den „Textvorstellungen“ der „Alten Schmiede, die noch Herbert J. Wimmer moderiert habe gelesen habe und der glaube ich auch beim „Tag zur Freiheit des Wortes“ mitmachte, inzwischen aber ein Buch über Helmut Qualtinger geschrieben hat und jetzt eines Bücher Wien mit dem Titel „Hai-Society“.
Dann folgte Ruth Brauer mit ihrem Mann, die ein Buch mit schönen Sprüchen für das Leben „Mit guten Gedanken kann man fliegen“, anläßlich der Geburt ihres zweiten Kindes geschrieben hat, ihr Mann sang dazu und der zweite Schulautor Andreas Salcher hatte auch einen Ratgeber, wie man Leben soll.
Dann fuhr die erste Bim ab und im Zelt gab es eine Diskussion „Warum die Buchhandlung besser als das Online Shopping ist“, wo unter anderen die sehr engagierte Buchhändlerin Petra Hartlieb unter der Leitung von Kristina Pfoser sich gegen den „bösen“ Amazon wandte, etwas was mich nicht so ganz überzeugte, aber Petra Hartlieb sagte, sie spricht die Leute am Postamt an, die sich ihre Amazon Pakete holen, ich denke ja eigentlich, daß es egal ist, wo man kauft und kaufe mir selbst nur sehr wenig oder aus der Abverkaufskiste.
Helmut Schneider bekannte sich auch als Amazon-Käufer und eine Dame aus dem Publikum wies auf die mit Bücher vollgefüllten Papiercontainer hin, wurde aber nicht sehr gehört.
Dann gings zur Bim, wo Edith Ulla Gasser moderierte und hauptsächlich Gewinner des Ö1 Lyrik Wettbewerbs „hautnah“ lasen.
Als ich die Station erreichte, wartete schon eine mir unbekannte junge Dame, Magdalena Hahnkamper alias Mitzi Nowak, eine Saxophonspielerin, die ihre Texte sang, eine Hermann Leopoldi Parodie über „Wiener Fleisch“ hatte und sich vom Publikum Worte zurufen ließ, zu denen sie improvisierte.
Der nächste Performer war mir schon bekannter und ich habe ihn schon öfter gehört, nämlich Jörg Zemmler, der glaube ich, bei den letzten „Lockstoffen“ mit Sophie Reyer aufgetreten ist, die ich heute versäumte.
Michaela Falkner war, glaube ich, nicht bei den Lyrik Gewinnern, denn sie nennt ihre Hörspiele und Romane ja Manifieste und wenn ich mich nicht irre, war das „Manifest 46“, den sie vortrug, der Text, der auch in ihrem Buch „Du blutest du blutest“ zu finden ist.
Als letzter hautnaher Lyriker und Performer kam Thomas Havlik, den ich auch mal bei den „Lockstoffen“ hörte, mit „Die Glühbirne im Verbandskasten“, der wirklich sowohl eine starke Performart als auch sehr starke erotisch- sexistische Texte hat.
Dann waren die Lyrikrunden aus, Edith Ulla Gasser bedankte sich bei allen und es ging wieder in das Zelt zurück, wo ich den Ringstraßenschwerpunkt versäumte, dafür bin ich viermal um den Ring gefahren.
Ich versäumte auch Erika Pluhar und Chris Lohner und kam gerade zu Renee Schroeder zurecht, die sich für die Beschränkung zu Gunsten der Kinder und Enkelkinder in ihrem Buch „Von Menschen Zellen und Waschmaschinen“ einsetzte.
Dann wurde es auch im Zelt literarischer mit Gertraud Klemms bei „Droschl“ erschieneern „Herzmilch“, bevor die Krimistunde folgte, die es ja auch bei „Rund um die Burg – alt“ gegeben hat. Da waren es ein paar Stunden und die haben ab Mitternacht angefangen. Diesmal kam um elf Manfred Rebhandl mit seinem trockenen Humor „Ich danke den Sozialisten und Josef Cap, der draußen an der Weinbar steht“ und „In der Hölle ist für alle Platz“ aus dem ich ihn ja schon lesen hörte und Petra Hartlieb kam am Schluß wieder zum Burgtheater zurück. Ihr dritter Krimi, den sie mit dem Berliner Claus Bielefeld geschrieben hat, spielt nämlich im Burgtheater, beziehungsweise von einer Schauspielerin, die in Berlin ermordet wurde und Petra Hartlieb läßt ihre Erimttlerin durch den Keller des Burgtheaters irren und erklärte dazu, daß sie sich einen Tag lang das Burgtheater, seine Keller und die Lüftungsschachte angesehen hat.
Am Samstag ging es mit einem „Ersten Weltkrieg-Schwerpunkt“ weiter. Alfred Pfoser, der frühere Leiter der Hauptbücherei und Andreas Weigl stellten ihren Katalog „Im Epizentrum des Zusammenbruchs“ vor und erzählten, wie das Leben in Wien 1914 ausgesehen hat und Günter Neuwirth, von dem ich einen Krimi gelesen habe, hat in „Der blinde Spiegel“ die Geschichte anders weitergeschrieben und hat etwas gelesen, wie die Leute 1945 bei Bauern in der Tschechoslowakei Brot, Speck und Schnaps kauften.
Dann wurde es in der Sachbuchschiene interessant. Denn der sehr bekannte Medizinjournalist Kurt Langbein erzählte etwas von seiner Krebserkrankung und stellte daraufhin in seinem „Weißbuch Heilung“ die Heilerszene vor.
Vorher habe ich mich noch mit einer jungen Dame von „Echomedia-Verlag“ darüber unterhalten, welche Art von Literatur ich bei der heurigen Veranstaltung vermißte.
Es gab aber auch für Kinder etwas, nämlich Gerald Votava und Mirjam Unger die ein Hörbuch aus Waldemars Bonsels „Biene Maja“, mit der ich mich ja gerade beschäftigte, machten. Dann kam Susanne Scholle mit „Emma schweigt“, die ich jetzt endlich nach den Namen fragen konnte, die mir gar nicht so tschetschenisch klangen und Rudolf Habringer mit dem ich schon einmal in der „Alten Schmiede“ gelesen und einige seiner Bücher auf meiner Leseliste habe, folgte mit „Was wir ahnen“, wo eine Frau ein sogenanntes Kuckuckskind hat, nämlich eines das einen anderen Vater als den Ehemann hat und ihren dementen Vater besucht. Literarisch ist es dann geblieben mit Teilnehmern des „Theaterjahres der JUNGEN BURG“, das waren vier junge Leute die eine Textcollage von Renate Aichinger rezitierten und da hat, glaube ich, heuer in Rauris einen Förderpreis bekommen und Antonio Fian schloß mit seinen „Polykrates-Syndrom“ ab. Nach vierzehn Uhr hat es dann mit der Bekanntgabe der Preisträgers des Gewinnspiels, man konnte Theaterkarten und eine Club Ö1 Mitgliedschaft gewinnen, geendet und es war wirklich von allem was dabei, auch wenn ich mehr Gegenwartsliteratur gewünscht hätte, mir die Bücher der Angelika Reitzer, der Lydia Mischkulnig, Theodora Bauer, Andreas Pittler, Eva Rossmann, Erich Hackls, Ludwig Laher, etc fehlten und ich natürlich auch selber gern gelesen hätte.

2013-08-21

Spaziergang zum NÖ-Pressehaus und Anna Jellers Facebookseite

Filed under: Uncategorized — jancak @ 18:11

Da ich ja noch eine gute Woche Zeit für meine Stadtschreiberberichte habe, bin ich heute Nachmittag wieder mit dem Rad bis zur Traisenbrücke gefahren, von der ich zur Wienerstraße komme. Der Dreck von der Freqency war zum größten Teil schon weggeräumt. Es lagen aber noch die blauen Müllsäcke herum und ein paar Zelte und übergebliebene Sesseln waren auch zu sehen. Danach die Linzer Straße hinunter und die Brücke über den Alpenbahnhof hinauf bis man zum Stadtwald kommt. Das bin ich mit dem Stadtplan in der Hand und einigen Nachfragen ja schon vor vier Jahren gegangen, als ich auch schon Sommerfrische-Stadtrecherchen machte und den Residenzverlag suchte, den ich beinahe nicht gefunden habe und schon bei der Müllabfuhr angekommen war, bis ich das NÖ-Pressehaus entdeckte. Der damalige Leiter Herwig Bitsche hat mir dann einen Kommentar geschrieben und mich eingeladen, doch das nächste Mal hinaufzukommen, was ich das Jahr darauf auch machte.
Herwig Bitsche hat den „Residenz-Verlag“ inzwischen verlassen, ich beziehe aber regelmäßig „Residenz-Bücher“ und bekomme auch die Frühjahrs- und Herbstvorschauen, so daß ich mir immer etwas aussuchen kann und da gibt es sehr viel Interessantes. Gerade habe ich zwei Herbstneuerscheinungen besprochen und ein drittes wartet in Wien noch auf dem Badezimmerstoß auf mich, so daß ich mir dachte, daß ich nachdem mein heuriger Sommerfrische-Sommer in die Endphase müdet und ich, da das Rohkonzept der „Dreizehn Kapiteln“ auch schon fertig ist, mich wieder an ein paar Stastschreiberartikeln machen kann.
Und ich wollte ja wieder einmal zum „Residenz-Verlag“ hinaufwandern, beziehungsweise ein bißchen in den vielen Büchern schmökern, die ich in den letzten Jahren gelesen habe und darüber schreiben, denn der „Residenz-Verlag“, der mich ja in den Siebzigerjahren, als ich zu schreiben begann und regelmäßig meine Texte nach Salzburg zu Jochen Jung schickte und von dort wieder zurückbekam, war und ist ja sehr wichtig für mich.
In den Siebzigerjahren war er der österreichische Verlag, der Handke, Bernhard, Frischmuth, Schutting Jonke, etc, druckte, bevor die Autoren so berühmt wurden, daß sie zu Suhrkamp etc abwanderten.
Dann kam die Krise so um die Jahrtausendwende. Jochen Jung wurde hinausgeschmissen und hat seinen „Jung und Jung Verlag“ gegründet, mit dem er inzwischen einen Buchpreis nach dem anderen gewinnt und ich gerade dabei bin herauszufinden, ob er es diesmal mit der Nellja Veremej oder der Dagmar Leupold schafft, wenn nicht vielleicht doch Clemens Meyer oder Thomas Glavinic gewinnt. Er schreibt auch selber und verlegt bei Haymon.
„Wolkenherz“ war vor einem Jahr das erste E-Buch, das ich gelesen habe und der „Residenz-Verlag“ dessen Krise Gerhard Ruiss einmal vor Jahren bei einer GV-der IG Autoren sehr bedauerte, hat sich inzwischen wieder gefangen, verlegt junge Autoren wie Milena Michiko Flasar, die dann zu Wagenbach abgewandert und den dritten Alpha-Literaturpreis gewann, von dem ich leider nicht hautnah berichten konnte. Dafür habe ich „Okasan, meine unbekannte Mutter“ im Februar als ich bei der GV-der IG Autoren war, im offenen Bücherschrank in der Zieglergasse gefunden und werde es demnächst lesen.
Als ich vor drei Jahren beim „Residenz-Verlag“ war, hat mir Herwig Bitsche Marketa Pilatovas „Wir müssen uns irgenwie ähnlich sein“ gegeben, die ich dann im vorigen November mit einem neuen Buch anläßlich der Buch-Wien im tschechischen Kulturinstitut hörte.
Bei der Buch-Wien 2010 hat mir Herwig Bitsche noch Angelika Reizters „unter uns“ und Dan Lungus „Wie man eine Frau vergißt“ gegeben. Also osteuropäische und junge österreichische Autoren und dabei gab es einige Neuentdeckungen wie Marjana Gaponekos „Annuschka Blume“, das ich mir im Februar beim „Morawa“ um zwei Euro kaufte oder Roman Marchels „Kickboxen mit Lu“, aber auch die bewährten „Residenz-Autoren“ wie Peter Henisch mit „Großes Finale für Novak“ oder Peter Rosei mit seiner „Geld“-bzw. „Madame Stern“-Trilogie, wo glaube ich, noch ein Band kommen soll. Da habe ich jetzt Michaela Falkner mit „Du blutest du blutest“ vergessen, die im Literaturhaus eine sehr eindrucksvolle Lesung hatte. Dabei hat es glaube ich Kognac und Schokoladekuchen gegeben und die Autorin, hat mir „Für das Literaturgeflüster“ in das Buch signiert und natürlich, um wieder zu den älteren Autoren zurückzukommen, die aber glaube ich, nicht im alten „Residenz“ verlegte, Evelyn Grill von der ich das „Antwerperner Testament“ und dieses Frühling den „Sohn des Knochenzählers“ gelesen habe.
Im Vorjahr ist ein neues Buch von Kurt Palm herausgekommen „Der Besucher“ und eines von Manfred Wieninger, mit dem er, wie ich der heurigen Residenz-Vorschau entnahm, den Theodor Kramer-Preis gewonnen hat. Konstantin Kaiser hat das aber, glaube ich, noch nicht bekanntgegeben. Ja und im vorigen Jahr ist auch noch der erste Roman einer sehr jungen Autorin, nämlich Anna Weidenholzers „Der Winter tut den Fischen gut“ herausgekommen, mit dem sie heuer für den Leipziger Buch-Preis nominiert wurde und im Oktober den Priessnitz-Preis bekommen wird.
Der „Residenz-Verlag“ hat es also wieder geschafft und ist in aller Munde, nur leider heuer nicht in Frankfurt für die Longlist nominiert. Das war er aber 2009 mit Clemens J. Setz „Frequenzen“, der ja inzwischen auch zur Suhrkamp abgewandert ist und jetzt habe ich vor kurzem Julian Schuttings neues Buch gelesen, das mich im Cover sehr an die alten Residenz-Bücher erinnert hat. Von Alois Brandtstädter soll noch ein Buch über einen historischen Kriminalfall Ende August erscheinen und da liegt ja noch das ganz alte „Zu Lsten der Briefträger“, 1974, in zweiter Auflage erschienen, auf meinen Harlander Bücherstapel und steht irgenwo auf meiner Leseliste.
Von Ilija Trojanov, von dem es vor kurzem eine Diogonal-Wiederholung in Ö1 gab, hat einen neuen Essay Band und von Barbara Frischmuth auch eine sehr alte „Residenz-Autorin“ von der ich einige sehr schöne Bücher in meinen Regalen habe, ist ein neuer Erzählband „Bindungen“ herausgekommen, von dem ich nicht ganz sicher bin, ob das nicht auch eine Neuauflage ist.
Spannend, spannend also, die alten oder auch die neuen „Residenz-Bücher“ zu lesen. Am besten ist wahrscheinlich eine Mischung und man kann auch die von „Jung und Jung“ dazu kombinieren und es war auch wieder spannend an den Rand von St. Pölten hinauszuwandern.
Wieder ein paar Kriecherln von dem Baum bei der Bushaltestelle einzusammeln und wieder das Schild, das „Betriebsfremden der Zutritt verboten ist,“, daß es, trotz Herwig Bitsches Einwand, noch immer gibt, zu lesen. Dann bin ich diesmal durch den Stadtwald zurückgewandert. Da fand ja einmal 2007 oder 2008 wahrscheinlich der Osterspaziergang der LitGEs statt und dann bin ich noch kurz in den „Thalia hineingegangen und habe nachgeschaut, was sich so auf den Bücherstapeln tut und ob es einen mit den Longlist-Büchern gibt.
Gab es nicht in dieser Art, aber einige davon sind wohl aufgelegen und Roman Marchels „Wir sind da“ und Julian Schuttings „Blickrichtungen“ habe ich auch entdeckt und dann habe ich heute, bzw. schon gestern noch eine andere interessante Entdeckung gemacht.
Gab es ja gestern in „Von Tag zu Tag“ eine Sendung über das Buchhändlersterben. Steglitz Mind hat da ja auch eine Serien, wo sie verschiedene Buchhändler interviewt, von der ich schon berichtet habe.
In Ö1 traten Anna Jeller von der berühmten Buchhandlung in der Margaretenstraße und Ulla Remmer von der Buchhandlung „Leo“ im ersten Bezirk, die ich nicht kenne, auf und stellten die Aktion „Ihr Buch hat ein Gesicht“, das Pendant zur Buy Local-Bewegung vor, bzw. gaben sie ihre Betrachtungen zum Sterben der kleinen Buchhandlungen ab. Was ja sehr interessant ist, da die Bücher durch die österreichische Buchpreisbindung, wenn sie nicht gerade abverkauft werden, überall das Gleiche kosten, die Leute inzwischen durch das Internet offenbar sehr gut informiert sind, also nicht mehr wirklich die kleine Buchhandlung brauchen, wo man das meiste auch bestellen muß.
Ich bin in Anschluß auf Anna Jellers Facebookseite gegangen und habe sie sehr interessant gefunden, wenn mir, ich kann es offenbar nicht lassen, auch zwei kleine Fehler aufgefallen sind. So ist Arno Geigers „Der alte König in seinem Exil“ glaube ich, kein Roman, sondern ein Bericht über seinen demenzkranken Vater und Zdenka Becker wohnt nicht in Wien, sondern in einem Stadteil von St. Pölten.
Aber sonst bekommt man auf dieser Seite wirklich sehr viele Informationen und kann sich auch durch die Bücherstapeln in der schönen alten Buchhandlung schauen, an der ich sehr oft vorübergehe, wenn ich von der „Alten Schmiede“ oder sonst vom ersten Bezirk komme.
Einmal habe ich am Abend gesehen, daß es da eine Veranstaltung gab, bin hineingegangen und hinausgeflogen, weil es offenbar eine private war. Ich gehe auch zum Kaufen nicht sehr oft hinein, der Alfred besorgt aber die Bücher, die er mir zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenkt von ihr, so daß ich doch eine indirekte Stammkundin bin und die Geschichte, daß sie die Bücher für ihre Kunden vorsortiert, hat mich an ein Erlebnis erinnert, das ich mit cirka zwölf oder dreizehn Jahren hatte, als ich kurz Kundin bei den „Städtischen Büchereien“ war, nämlich, daß mir die Bibliothekarin dort einen zweiten Krimi verweigerte und mich mit einer Grillparzer-Gesamtausgabe nach Hause schickte.
So viel vielleicht zur Vorauswahl und zur Beratung, die ja die Domäne der Buchhändler ist. Es ist aber, denke ich, nicht so leicht zu entscheiden, was nun ein gutes Buch ist, wenn man an Michael Köhlmeiers Eröffnungsrede beim diesjährigen Bachmannpreis denkt, wo er an die Fauser-Lesung vor zig Jahren erinnert, wo Jörg Fauser bei den Juroren als kitschig und unliterarisch durchgefallen ist, weiß ich gar nicht, ob ich soviel Beratung des Buchhändlers, die ja eine subjektive sein wird, brauche. Aber natürlich sind die kleinen Buchhandlungen wichtig, auch wenn ich dort, weil mir die preisgebundenen Bücher zu teuer sind, nur aus den Abverkaufskisten kaufe und daher für die Händler kein gutes Geschäft bin.
Die Facebookseite ist aber wirklich zu empfehlen und ich werde mein literarisches Wissen, glaube ich, in nächster Zeit, auch von dort beziehen, jetzt in der Badewanne Leonie Swanns „Garou“ weiterlesen. Was wahrscheinlich auch nicht auf Anna Jellers Büchertisch kommt und mich dann an das Longlistenbuch von Nellja Veremej machen, das bei „Jung und Jung“ erschienen ist, bevor es zu Tanja Maljartschuks „Biographie eines zufälligen Wunders“ geht.
Anna Jellers derzeitiges Lieblingsbuch Uwe Timms „Vogelweide“ steht übrigens auch auf der Longlist des dBps.
Und eine Anekdote habe ich noch anzuführen. Im Vorjahr gab es ja bei einnem „Augustin-Flohmarkt“, wo offenbar einige Leseexemplare zu finden waren. Ich kaufte um zehn Euro unter anderen Lorenz Langenegger, der 2009 beim Bachmannpreis las und in dem Buch lag eine Karte von Jochen Jung an Anna Jeller.

2017-03-28

Horchposten II

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:08
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Michaela Falkner oder FALKNER, wie sie sich jetzt nennt und ich sie vor kurzem im MUSA hörte, kuratiert jetzt ja in der „Alten Schmiede“ zum zweiten Mal die „Horchposten- Modellpositionen zum Hörspielhören“, das wahrscheinlich soetwas wie der Nachfolger, der von Christiane Zintzen kuratierten Radiokunst ist, nur viel weniger experimenteller, würde ich so sagen.

Im Vorjahr gab es das Projekt offenbar auch schon und da ist es an mir vorbeigegangen, was nicht sehr erstaunlich ist, bin ich ja kein besonderer Hörspieltyp, nicht sehr dramatisch und auch keine Theatergeherin.

Die lange Nacht des Hörspiels oder „Hörspielgala“ wie das jetzt ja heißt, bildet eine der Ausnahmen, die die Regel bestätigen, denn da bin ich ja irgendwie hängengeblieben, obwohl ich zu Hause eigentlich nur sehr wenig und sehr selten, eigentlich kaum, Hörspiele höre und daher auch nicht mitstimmen kann.

Gibt es aber kein Alternativprogramm gehe ich in die „Alte Schmiede“ und so bin ich bei der zweiten Veranstaltung im zweiten Jahr häöngen geblieben und ich muß sagen, es war wirklich interessant.

Als ich um cirka dreiviertel sieben in den Keller kam, machte es zwar den Eindruck, als würden sich nicht sehr viele Leute für die Hörspiele interessieren, denn außer den Auftretenden und den Assistenten, war eigentenlich nur Herbert J. Wimmer da.

Das änderte sich dann langsam, Anita C. Schaub, Patricia Brooks und noch einige andere erschienen und es wurden an diesem Abend die Hörspielproduktion des Westdeutschen Rundfunks, also des WDR vorgestellt und das ist eigentlich sensationell, denn die machen Montag bis Freitags jeden Tag eine Stunde Hörspiel. In Ö1gibt es das nur am Dienstag und am Samstag und Isabel Platthaus, eine Frau mit stark deutschen Akzent, die mich an meinen Leipzig Aufenthalt erinnerte, stellte, moderiert von Elisabeth Zimmermann vom O1 Kunstradio einige Produktionen vor und die waren, ich wiederhole mich, wirklich sehr interessant.

Nämlich schon die erste „Orpheus in der Oberwelt“, wo es sehr sehr kritisch um die Flüchtlingsfrage ging und vorher betonte Isabel Platthaus auch, daß der Sender in dem er jeden Tag Programm mache, Leute erreiche oder abhole, die sich sonst nicht für die Radiokunst interessieren würden und auch nicht in Galerien oder zu Lesungen, etcetera gehen.

Das zweite Beispiel war auch sehr interessant, nämlich ein Hörspiel von einem, der eine Stelle findet, wo er die Videos, die sich nicht für das Netz eignen, aussortieren muß.

Dann gab es noch eine dritte, literarisch etwas anspruchsvollere Hörspielprobe, wie die Drataturgin meinte, dann ging es zu den Internetaktivitäten des Senders, denn die gibt es auch und da wurde nach einem Roman von  David Foster Wallace „Unendlicher Spaß“ ein achtzig Stunden Projekt gestartet, wo jeder eine Seite lesen durfte und das Ganze dann zusammengemixt wurde und eine Mischung zwischen Game und Hörspie unter dem Titel „39“ gab es auch.

Da braucht man zwar eine App, um mitzuspielen, kann den Ausgang der Handlung auch nicht bestimmen. Das Projekt, wo es darum geht, daß einer Mann plötzlich mit einer Kugel im Kopf im Krankenhaus liegt und man herausfinden muß, was geschehen ist, war aber sehr erfolgreich und die Veranstaltung, wie schon erwähnt sehr sehr interessant, nämlich viel weniger experimentell, als erwartet oder befürchtet und einige der Hörspielproduktionen kann man sich auch, wie Elisabeth Zimmermann betonte, in Ö1 zu den Hörspielsendezeiten und dann noch sieben Tage lang im Netzt anhören und da gab es heute Dienstag  auch das „Hörspielstudio oder Museum“ und da lief ein Hörspiel von Krok und Petschinka, auf das Elisabeth Zimmermann hinwies.

2017-03-04

Netzreaktionen

In den letzten Tagen bin ich wieder mit meinem Kritiker Uli zusammengestoßen, mit dem ich vorigen Sommer bezüglich einer meiner „Literaturcafe-Kommentare“  in Kontakt gekommen bin und der sich seither in regelmäßigigen Abständen bei mir meldet.

Denn ich schreibe ja nicht nur sehr viel, genau, konsequent und regelmäßig über  die Veranstaltungen zu denen ich gehe, über die Bücher die ich lese, versuche mir ein Bild über den Literaturbetrieb  und mir meine Meinung daüber zu machen, sondern ich stehe auch ein bißchen mit der Rechtschreibung auf „Kriegsfuß“ oder, wie immer man das ausdrücken will, mache Fall-, Grammatik- und Beistrichfehler, verwende das „s“ auch ein bißchen eigenwillig und wenn man dann noch so viel schreibt, wie ich und in etwa einer Stunde mit dem Bloggen fertig sein will, passieren,  auch Flüchtigkeitsfehler, die ich, wenn ich sie bemerke, natürlich ausbessere.

Halb so schlimm würde ich für mich einmal sagen, denn die Rechtschreibung war mir schon in der Schule egal. Die Frau Professor Friedl hat es geduldig ausgehalten, sie war eine sehr gute Lehrerin und ich habe sehr viel bei ihr gelernt. Der Literaturbetrieb tut das nicht und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich zwar in einigen Jurien war und bin, aber nie ein Stipendium, wohl aber ein paar kleinere Preise bekommen habe und vielleicht auch der, warum meine Bücher seit 2000 von mir selber herausgegeben werden.

Keine ISBN-Nummer haben sie deshalb, weil ich darauf verzichtete und sie mir nicht kaufte und auf meine Bücher auch nicht „Eva-“ oder was immer „Verlag“ daraufschreibe, sondern mir jeweils fünfzig Stück drucken lassen und die inzwischen, wie ich finde eigentlich ganz gut auf meiner Website vermarkte oder präsentiere, je nach dem welches Wort man dafür finden will.

Natürlich leide ich darunter, daß ich den literarischen Einstieg nicht geschafft habe, denn ich schreibe ja schon sehr lang und sehr viel und so viel schlechter bin ich abgesehen, von den oben erwähnten Eigenheiten, glaube ich, nicht. Vielleicht zu wenig abgehoben, nicht experimentell, sondern realistisch, nun gut ist eben so.

Über vierzig selbstgemachte Bücher sind auf diese Art und Weise trotzdem entstanden und seit Juli 2008 fast dreitausend Blogartikel im „Literaturgeflüster.“

2943, um genau sein und das soll man ja, wie meine Kritiker meinen und keine Unwahrheiten verbreiten, also soviele und wenn es, der dreitausendste sein wird, wird es darüber einen Blogartikel und vielleicht auch ein Gewinnspiel geben.

Mir ist und das habe ich, glaube ich, schon oft geschrieben, mein Blog sehr wichtig, denn ich betrachte ihn für eine gute Möglichkeit mich und mein literarisches Leben, egal, wie erfolgreich ich damit bin oder nicht, zu präsentieren.

Das und meine selbstgemachten Bücher sind meine Nische und dann gehe ich noch Tag zu Tag zu Literaturveranstaltungen,  versuche mich hier umfassend auszukennen und mein Wissen entsprechend wiederzugeben und zu flüstern.

Flüstern ja und nicht plappern! So heißt mein Blog. Das ist mir eingefallen, als ich ich 2008 einen Namen für ihn suchte  „Eva Jancaks Literaturgeflüster“ wollte ich ihn nennen und Ilse Kilic, der ich sehr bald davon erzählte, hat ihn auch eine leichte und lockere Art über Literatur zu plaudern genannt und mich 2010 zu einer Blogpräsentation ins Amerlinghaus eingeladen.

Das ist es, was ich will und weshalb ich die Möglichkeiten sich im Netz zu präsentieren für genauso gut halte, wie seine Bücher selbst herauszugeben, wenn es mit den Verlagen nicht klappt.

Denn natürlich wäre ich gerne bei „Hanser“, „Fischer“ etcetera. Aber wenn das nicht geht, mache ich es selbst und kann auch auf meinen Blog darüber schreiben und mich präsentieren. So einfach ist das.

Ja und nein, denn das kann nicht nur ich, das kann jeder und einige nützen das auch und so ist die Möglichkeit sich im Netz zu verbreiten, riesengroß. Aber man geht auch leicht verloren, bleibt unbeachtet oder setzt sich Angriffen aus, weil es auch Kritiker, Trolle, Spamer, Glaubenskrieger oder was immer gibt, die die Möglichkeiten des Netzes auf ihre Art und Weise nützen.

Ich hatte in den fast neun Jahren seit ich blogge, drei Personen, die mir über eine kurze oder längere Zeit regelmäßig Artikel schrieben, wo sie mich mehr oder weniger aufzumachen versuchten und ich habe mir angewöhnt, mich damit auseinanderzusetzen, weil ich ja mit jeden gut auskommen und vielleicht auch zeigen will, daß das geht!

So einfach ist das zwar nicht und es ist vielleicht auch ein wenig traurig, wenn ich auf meine Gewinnspiele, die ich wenn ich meine Bücher präsentiere, seit einiger Zeit regelmäßig mache, keine Antwort bekomme. Aber immer wieder Meldungen, wo mir diese Art von Kritiker schreiben: „Wow sind Sie schlecht, Sie haben keine Leser, außer Ihnen interessiert sich niemand für Ihren Blog!“

Weiß ich alles! Das heißt, so ganz eindeutig und klar ist das nicht.

Ich habe derzeit täglich etwa hundert bis hundertfünfzig Leser, wieviel davon echte Leser und wieviel Suchmaschinen oder Spamer sind, weiß ich nicht.

Habe aber einmal etwas von 40% bis 60 % gehört, wobei ich jetzt nicht weiß, was da jetzt die Leser und was die Maschinen sind. Es passiert mir aber immer wieder, wenn ich ins Literaturhaus oder zu einer anderen Veranstaltung gehe, daß mich vorwiegend jüngere Autoren, die ich gar nicht persönlich kenne, ansprechen und sich bei mir bedanken, daß ich über sie geschrieben habe. Andreas Pittler, der Krimi-Autor hat das auch einmal getan.

Kommentare bekomme ich inzwischen außer denen der Kritiker und ein oder zwei sehr lieben Kommentierer, sehr wenig, das stimmt. Im Schnitt habe ich einen Kommentar pro Woche und ich antworte fast immer darauf, auch meinen nicht so positiven Kritikern und drei bis fünf „Gefällt mir“ bekomme ich pro Woche auch. Die sind dann meistens aus Deutschland und da habe ich auch ein oder zwei sehr liebe konstruktive Kommentierer, was mich sehr freut.

Das hat sich, seit ich blogge, seit Juli 2008, etwas geändert. Denn, als ich damals meine ersten drei vier Sätze, husch husch, heraussen hatte, hatte ich, so schnell konnte ich gar nicht schauen, schon einen Kommentar, von einer mir unbekannten Niederösterreicherin und dann hatte ich im ersten halben Jahr eine Handvoll sehr interessierer Fangemeinde.

Der liebe Otto, den ich jetzt nur mehr beim Wandern treffe, gehörte dazu, Cornelia Travnicek, Andrea Stift, deren neues Buch ich demnächst lesen will, Anni Bürkl, mit der ich dann wegen einem Büchertausch zusammengestoßen bin, aber der ist eigentlich schon viel früher passiert, Consens, Sara Wipauer und und….

Die haben sich verlaufen und, ich glaube, es passiert auf den Blogs auch nicht mehr soviel. Das hat sich auf Twitter, Facebook, Instragram oder wo auch immer verlagert und das sind alles Medien, die ich nicht aktiv benütze, was vielleicht auch erklärt, warum meine Zugriffszahl nicht angestiegen, sondern im Lauf der Jahre gleich geblieben ist.

Derzeit halte ich bei 366 146 Aufrufen und wie schon geschrieben täglich sind es zwischen hundert und hundertfünfzig, mit einer Bestaufrufzahl von dreihundertsiebenundsiebzig, an dem Tag, an dem Friedericke Mayröcker im Radio war und Kommentare habe ich bis dato tausenddreihundert.

Aber vielleicht habe ich auch meinen ganz speziellen Anspruch an das Bloggen. Ich betrachte das „Literaturgeflüster“  für mein ganz persönliches literarisches Tagebuch in dem ich eben leicht und locker über Literatur plaudern will.

Deshalb schreibe ich auch, was meine Kritiker vielleicht nervt, so oft, glaube ich, weil ich denke, daß ich mich damit vor möglichen Irrtümern absichere und ganz wichtig, ich schimpfe und verreiße nicht, sondern sage offen und ehrlich, das, was ich mir denke und das ist meine sujektive Meinung.

Ich verreiße keine Bücher. Aber natürlich gibt es manche die mir nicht gefallen. Dann schreibe ich das auch, aber das ist natürlich subjektiv, deshalb muß das Buch nicht schlecht und der Autor kein schlechter Autor sein. Wenn was falsch ist, wenn zum Beispiel wieder einer den Psychiater mit dem Psychologen verwechselt, schreibe ich das auch, aber das ist seltsamerweise in den letzten Jahren eher nicht passiert.

Für mich ist das „Literaturgeflüster“, ich habe es schon geschrieben, sehr wichtig und, ich glaube, ich habe da wirklich ein sehr umfangreiches Archiv, das auch Literaturstudenten interessieren könnte.

Ein Problem könnte natürlich sein, daß ich sehr allumfassend berichten will, mich also genauso für experimentelle Literatur, als  für das Self Publishing interessiere und das wird nicht alle ansprechen und dann ist das Netz auch noch sehr flüchtig und ich habe ein paar Mal die Rückmeldung bekommen, daß ich unverständlich, im konstruktiven Sinn, nicht „Hui, das ist das Schlechtestes was ich je gelesen habe!“, das gibt es leider auch, schreibe, was mich sehr betroffen hat, weil ich das ja  nicht will und eigentlich auch der Meinung bin, daß ich einen eher leicht verständlichen Stil habe.

Aber offenbar nicht immer. Ich habe schon meine Schachtelsätze und da habe ich einmal auch von einem Sprachkunststudenten ein großes Lob bekommen. Aber ich denke, ich habe vielleicht auch vierzehnjährige Fantasyleser und die interessieren sich nicht für die literarischen Manisfeste von FALKNER. Ich schon, für Fantasy vielleicht nicht so sehr, aber für das Selfpublishing, etcetera.

Ich denke manchmal, ich habe eigentlich drei Blogs, einen Veranstaltungskalender, einen Bücherblog und dann noch mein literatisches Tagebuch über mein eigenes Schreiben und das alles in einer Stunde.

Wui! Kein Wunder eigentlich, daß dann  ein paar Flüchtligkeitsfehler drinnen sind und schade, daß da die Toleranz der Leser nicht sehr groß zu sein scheint.

Ist aber so  und ich muß damit leben und eigentlich ist es für mich auch nicht so ein großes Problem, daß ich nur wenige Leser habe.

Denn eigentlich blogge und schreibe ich für mich. Das war ja auch das, war mir, 1978, glaube ich, mein wohlmeinender Freund Rudolf R. aus Hamburg oder vielleicht schon Frankfurt riet, als ich schon damals jammerte, daß ich mit meinen Schreiben nicht die Beachtung finde, die ich will!

Damals habe ich das zurückgewiesen. Jetzt bleibt mir nichts anderes über, als für mich zu schreiben und ich jammere auch ein bißchen oder viel im „Literaturgeflüster“ und denke, das darf so sein! Wem das stört, der muß mich nicht lesen!

Ich hätte mir gedacht, ich wäre der Blog, den ich in den Neunzehnhundertsiebzig- und achtzigerjahren, als ich sehr sehr einsam zu schreiben begonnen habe, selber gern gelesen hätte.

Aber inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Es gibt die Selfpublisher mit ihren Marketingkursen und die sind im Literaturbetrieb vielleicht auch nicht so anerkannt, aber sehr selbstbewußt und schreiben einfach ihre Bücher.

Jetzt haben sie zum Beispiel wieder eine Schreibchallenge auf Istragram, die Annika Bühnemann, deren Blog ich  seit einem Jahr regelmäßig verfolge und die mich auch sehr beeindruckt, ins Leben gerufen hat.

Dann gibt es die Debutanten, die die beim „Bachmannpreis“ lesen dürfen, die Sprachkunststudenten, die von Leipzig oder Hildesheim kommen, die „Buchpreis“- und die „Büchnerpreisträger“ und und…

Das alles läßt sich wahrscheinlich nur schwer unter einen Hut fassen. Ich versuche es trotzdem,  flüstere und kommentiere und muß damit leben, daß das nur täglich etwa hundert- bis hundertfünzig Leute interessiert, von denen vierzig oder sechzig Prozent vielleicht auch noch Maschinen sind und aus jeweils einem, der mich aufblättern oder sich bei mir gruseln will und dem ich dann vielleicht auch sehr gerne eifrig und bemüht antworte.

Ich hätte auch gern mehr literarischen Erfolg. Würde auf den Buchpreislisten stehen, Preise bekomme, auf Lesereisen gehen, etcetera.

Da das nicht geht, mache ich das meine, mache meine Bücher selbst, nenne mich trotzdem nicht Hobbyautorin, sondern schreibende Frau, für die Literatur, als eine sehr wichtige Lebensform ist, blogge darüber, kommentiere und gerate mit den ein, zwei Kritikern, die ich gelegentlich habe, regelmäßig zusammen.

Manchmal ist das etwas schwierig, wenn man aneinanderer vorbei schreibt und sich gegen „Unwahrheiten“ wehren muß, die gar keine sind!

Das ist halt das Netz und man könnte solche Kommentare auch löschen oder sich streiten und versuchen sie zu entkräftigen, etcetera.

Ich denke trotzdem, das Netz ist eine tolle Möglichkeit sich zu präsentieren und zu dokumentieren. Auch wenn man scheinbar wenig Aufmerksamkeit hat. Man muß auch lernen mit seinen Kritiker umzugehen. Das erscheint mir sehr wichtig und da versuche ich  sehr achtungsvoll und konstruktiv zu sein und schimpfen, hassen,  mobben, darf man natürlich nicht!

Da bin ich auf der letzten „Buch-Wien“, als ich gerade wieder in einer Auseinandersetzung mit meinem derzeitigen Kritiker steckte, auf das Buch von Ingrid Brodnig „Hass im Netz“ gestoßen und habe mit ihr darüber esprochen, was man in so einem Fall am besten tun soll?

Sie hat gemeint freundlich und höflich antworten und seine Sicht klarstellen.

Jetzt habe ich erfahren, daß sie den „Bruno Kreisky Preis“ für das Buch bekommen hat. Leider ist die Verleihung am 22. März, wo wir schon nach Leipzig fahren oder gerade angekommen sind. Aber das Buch ist sicher eine interessante Möglichkeit sich mit dem Problem „Hetze, Mobbing, Lügen im Netz“ auseinanderzusetzen.

Ansonsten werde ich weiter ehrlich und offen meine Meinung sagen. Das heißt, wahrscheinlich mit vielen „glaube ich“, über mein Schreiben, meine Bücher und den Literaturbetrieb berichten und da kann ich auch ein Beispiel geben, daß die Verlage vielleicht gar nicht so sauer reagieren, wie mein Kritiker annimmt.

Denn Erstens schicken sie mir trotz meiner vielen Flüchtligkeitsfehler Rezensionsexemplare, so daß ich jetzt schon zweimal Buchpreisbloggen konnte und auch im letzten Jahr in der „Bloggerdebutpreis-Jury“ war.  Zweitens scheinen sie meine Besprechungen auch zu lesen.

Denn ich habe ja über „Tierchen unlimited“, das mir gut gefallen hat, geschrieben, daß das Buch nach dreimaligen Lesen zerissen war.

Der Verlag hat nicht geschrieben „Beweisen Sie mir das!“, sondern mir mit dem Julian Barnes, den ich gerade lese, das Buch noch einmal geschickt.

So geht es auch, obwohl ich da ein wenig ratlos war, was ich damit machen soll? Aber vielleicht will es die Anna lesen? Ansonsten lege ich das Ausgelesene mit den Rissen und meinen Lesespuren, die es auch gibt, denn ich unterstreiche ja viel, in die „Seedosen-Telefonzelle“, wenn ich nächste Woche nach Harland komme.

So ist es. Das Lesen und das Schreiben ist mir wichtig und ich wäre natürlich gerne erfolgreich, wenn das aber nicht geht, schreibe ich trotzdem weiter!

Wer es lesen will, ist willkommen und wer sich nur gruseln will, weil ich ein paar Rechtschreibfehler mache, ist vielleicht im Prater in der Geisterbahn besser aufgehoben!

2017-03-01

Gegenwartsliteratur im Centrope und Dystopien im MUSA

In der Spengergasse gibt es die kleine „Dokumentationsstelle für ost – und mitteleuropäische Literatur“, die, glaube ich, von Stefan Teichgräber betrieben wird, der auch eine Zeitlang das Literaturprogramm der Szene Margareten in der Pannaschgasse moderierte und zweimal das Festival „Die goldene Margarete“ ausgerichtet hat.

Da hat er mich einmal zu lesen eingeladen, nachdem ich ein paar Jahre vorher wegen der Honorarfrage wieder ausgeladen worden bin, obwohl die Programme schon gedruckt waren und bei der „Margarete“ habe ich auch gelesen.

Dann waren wir einmal mit dem Lesetheater während des Osterspaziergangs in der „Dokumentationsstelle“, wo sie uns Stefan Teichgräber vorstellte und bei einer Veranstaltung bezüglich einer Literaturzeitschrift bin ich auch einmal gewesen.

Und dann gibt es das Festival „Centrope“, ich glaube, alle zwei Jahre im „Theaterbrett“, da bin ich auch einmal gewesen und jetzt bekam ich die Einladung an einem Workshop mitzumachen, wo im Sommersemester jeden Mittwoch von drei bis fünf eine Textanalyse der dort präsentierten Texte stattfinden soll.

Nun bin ich ja keine Literaturwissenschaftlerin, aber das Seminar wendet sich neben den diesbezüglichen Studenten auch an alle Literaturinteressierten und da ich das ja bin und eigentlich immer sehr viel und jetzt gerade wieder osteuropäische Literatur lese, habe ich mir gedacht, daß ich einmal hinschauen und vielleicht mitmachen will, bin ich ja eigentlich immer an neuen beziehungsweise literarischen Experimenten interessiert.

Und ein Experiment war auch das Erstaunen Stefan Teichgräbers, daß zwei Personen, außer mir hat sich noch ein Philosoph eingefunden, das Workshop besuchen wollten, so daß sich die zwei jungen Frauen, offenbar Mitarbeiterinnen, die noch im Raum  waren, in andere Räume verzogen und Stefan Teichgräber mit seinem Laptop gleich ins Media Res ging.

Das heißt die ersten zwei Male wurden die Grenzen des Centropes definiert, beziehungsweise festgestellt, daß die Euroregion Centrope verschiedene Bundesländer von Österreich, Ungarn, der Slowakei und Tschechien umfaßt. Da soll dann in den restlichen Mittwochen bis Ende Juni die Gegenwartsliteratur in verschiedenen Aspekten, die mir nicht viel sagten, aber von Stefan Teichgräber aufgezählt wurden, analysiert werden.

Die entsprechende Literatur hat er uns auch dazu herausgesucht  und ich bin gespannt und entschlossen, soviel wie möglich an dem Workshop teilzunehmen.

Das heißt in drei Wochen werden wir ja nach Leipzig fahren und dann im Mai eine Woche mit dem Rad und der Ruth um den Bodensee.

Und am Abend ist es dann gleich in MUSA gegangen, wo diesmal sozusagen im Vorraum zwei Dramatikerstipendiaten vorgestellt wurden, die auch Hörspiele machen.

Eine davon ist FALKNER, die ich ja einmal im Literaturhaus als Performerin kennenlernte. Dann hat sie ein Buch bei „Residenz“ herausgebracht, Manifeste geschrieben, beim „Bachmannpreis“ gelesen und jetzt ist sie Hörspielautorin oder Regisseurin, deshalb bin ich auch bei der langen Nacht vor ihr gesessen.

Sie kurartiert für die „Alte Schmiede“, das „Horchpostenfestival“, das ist glaube ich in der Nachfolge von Christiane Zintzen, die ja vor ihr die experimentelle Hörspielreihe machte.

Und jetzt Stadt Wien Stipediatin mit Ausschnitten aus dem Hörspiel . „Du darfst mich lieben, wenn du tot bist“.

Da irrt eine Figur Ivan in einer menschenleeren Gegend herum, versucht sich aus den Toten die herumliegen, selber eine Figur zu machen, denn er sehnt sich nach liebe, trifft dann Thomas, tauscht mit ihm Körperteile und am Schluß hat sie ihrer Lieblingsfigur auch noch ein Lied geschrieben.

Eigentlich ganz schön konventionell für Michaela FALKNER und schöne Worte, schöne Sätze gibt es auch, aber eher eine abgehobene Welt ihre Figuren haben keine Berufe, während es bei dem Dramatiker Robert Woelfi mehr um Gesellschaftskritik geht. Aber der organisiert auch Hörspiele und scheint ein sehr selbstbewußter Mann zu sein und bei seinem Stück ging es um vier Programmierer, die in die Wüste fuhren, um dort die Welt zu retten oder die Idee für ein tollen Projekt zu finden, beziehungsweise den Weltuntergang zu erleben.

Eine Diskussionpartnerin neben Julia Danilcyck gab es diesmal auch und wieder sehr viel Prominenz im Publikum.

2016-01-15

Die Verwerfung

Weiter geht es mit der Graphic Novel Schiene des „Zwerchfell-Verlags“,  jetzt mit der „Verwerfung – eine Geschichte aus dem dreißigjährigen Krieg“, des 1988 in Innsbruck geborenen Lukas Kummer,  der 2007 nach Kassel zog und dort Illustration und Comic studierte.

„Lukas Kummer“, steht am Buchrücken „erzählt eine historisch versierte Antikriegsgeschichte, die keine erbauenden Schlachten zeigt oder verklärte Heldenromantik zuläßt, sondern einzig und allein von den Opfern des Krieges erzählt.“

Und das macht der junge Zeichner sehr brutal und höchstwahrscheinlich mehr als realistisch, fast in Michaela Falkners Manier und die Geschichte von den beiden Kindern, Jakob und Johanna, die da Mutterseelen allein durch die Kriegsgebiete wandern, könnte sich wahrscheinlich auch in Syrien oder Afhanistan zutragen und von Kindersoldaten handeln.

Denn das sind die Beiden, die Mutter ist bei der Geburt des kleinen Jakobs gestorben, der Vater war bei den Soldaten und ist umgekommen und die Kinder, Johanna hat sich als Junge verkleidet, nennt sich fortan Harald „um ihre Fut zu schonen“ und ist von den Soldaten, obwohl es dort zu essen gab, geflohen, als denen dort offenbar ihre Brüste auffielen.

Der kleine Bruder schloß sich an und ist nun offenbar offenbar Last der älteren sehr verhärteten Schwester, die mit ihm schimpft, wenn er hustet, seine Sachen nicht tragen will oder so schnell nicht mitkommen kann.

Denn es ist wahrscheinlich nicht lustig im Winter über die verbrannten Felder zu ziehen, die Leichen baumeln von den Bäumen oder liegen von der Pest dahingestreckt am Boden und die alte Frau, die finden, lebt zwar noch, beginnt aber schon ihre eigenen Zehen zu essen….

Furchtbar, furchtbar und nichts wie weg, trotzdem versucht die Schwester, weil sie es dem Vater versprochen hat, dem Kleinen, der, vielleicht nicht ganz so realistisch, wie sie ist, sondern die Sterne beobachtet und auch mal vor sich hinphilosophiert und sich seine Gedanken über das Leben, wie er es kennenlernte „mit jeder Tat ob gut oder böse vernichtet man sich immer mehr ein Stück weit selber“, macht, das Lesen beizubringen, damit er vielleicht später Schreiber werden kann.

Sie will eigentlich bei den Soldaten bleiben und als sie einen ausgehungerten Marketender finden, der zwar noch Gold in seinen Kleidern, aber nichts mehr zu essen hat, nimmt sie ihm ganz brutal das, sein Patent und seine Kleider weg, in der Hoffnung, damit selber ihre Geschäfte zu machen.

Der Kleine warnt sie noch, daß das nicht gut gehen kann, weil ja nicht ihre Namen auf dem Papier stehen. Sie finden ein Nachtquartier und einen Topf mit Wasser, wo sie sich waschen können, dann kommen schon die Soldaten, finden das Gold und das Patent, vergewaltigen das Mädchen „der Soldat muß ja auch was haben für seine Kriegsmüh“ und hacken ihnen am Schluß noch die Daumen ab.

Der kleine Jakob stirbt und das Mädchen zieht weiter durch den Krieg und die Nacht mit verbundenen Händen…

Eine sehr brutale Geschichte, schön gezeichnet und „versiert recherchiert“ wie schon erwähnt.

Wird wohl so  gewesen sein, im dreißigjährigen Krieg, im World war one or two und jetzt in Afghanistan, Syrien, Irak etcetera, denn „Gut und böse das gibt es sowieso nicht. Das ist nur eine Erfindung. Es war immer nur die Mühsal und das Verheizen!“, philosophierte der kleine Jakob, als er noch nicht gestorben war und ich denke wieder an Michaela Falkners Manifeste, an die Flüchtlingsproblematik, die uns das letzte Jahr begleitet und daran, daß ich eigentlich etwas Schöneres lesen will….

Die Titelgebung habe ich nicht ganz verstanden.

2015-07-05

Neununddreißigstes Bachmannlesen

Filed under: Literaturbetrieb — jancak @ 11:45
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Am Mittwochabend begann in Klagenfurt wieder das Bachmannlesen oder wie es richtiger heißt, die „Tage der deutschsprachigen Literatur“ und ich bei der Eröffnung wieder per live stream dabei, obwohl es diesmal etwas schwierig war, weil erst mit einer Verspätung begonnen. Dann begannen in dem Raum mit dem kargen weißen Bühnenbild, „Es kommen härtere Zeiten!“, sollte etwas später die Frau Direktor mit Ingeborg Bachmann den Sparkurs zitieren, die Cellistin Asia Valcic und der Akkordeonist Klaus Paier zu spielen. Christian Ankowitsch moderierte und versprach sich vermehrmals dabei, interviewte aber wieder die Politiker, es gibt eine neue Bürgermeisterin und die Sponsoren, fragte sie nach ihren Lieblingsbüchern und ließ sich von ihnen bestätigen, daß Literatur und Kultur, auch in Zeiten wie diesen, sehr sehr wichtig sei, so wurde am Buffet eingespart, wie die Frau Direktor betonte, was Wolfgang Tischer vom Literaturcafe, der schon zwei Podcats zeigte,  freuen wird, aber auch an einen Preis, den „Ernst Willner-Preis“, den die Verlage früher stifteten, gibt es nicht mehr und nach den Eröffnungsreden mit den teilweisen neuen Gesichtern, marschierte die Jury ein, die auch drei neue Mitglieder und einen neuen Vorsitzenden hat. Hubert Winkels hielt so zum ersten Mal die Eröffnungsrede und zählte auf, wie oft er schon dabei war, einundzwanzig Mal, glaube ich und er erzählte auch, was sonst immer ich tue, daß sich das Verständnis des Preises im Laufe der Jahre geändert hat. Am Anfang gab es großen Widerstand der österreichischen Autorenschaft vor der öffentlichen Vorführuung, jetzt ist der Preis den Leuten schon zu zahm, aber das könnte sich bei der Frauenpower und den Performancern die heuer antreten, vielleicht ändern und so wurde dann auch ausgelost und die Reihenfolge bestimmt. Erst dann kam Peter Wawerzinek, der Bachmannpreisträger von 2010 mit seiner Eröffnungsrede „Tinte kleckst nun mal“, die es auch als schön gebundenes Heftchen gibt und in der er sich als Wahl-Klagenfurter outete, beziehungsweise seine literarische Selbstdarstellung dort ansiedelte. So hat er zweimal dort gelesen, einmal 1991 das zweite Mal hat er nicht nur den „Bachmannpreis“ sondern auch den Publkumspreis gewonnen, war also Stadtschreiber und Seeschreiber am Wolfgangssee war er auch, also schon ein halber Österreicher, der Rostocker mit dem polnischen Namen, der auf Deutsch Seidelbast bedeutete. Eine sehr lustige Rede, die vom Publikum sehr belacht wurde und eine reine Selbstdarstellung, während sich ja andere in früheren Jahren eine Bibliothek für Klagenfurt wünschten oder über MRR herzogen und am Donnerstag ginges um zehn mit der ersten Lesung der 1971 in Moskau geborenen und seit 1979 in Deutschland leben Katerina Poladjan weiter, die auch eine zweisprache Identität aufzuweisen hat. Der Text war ein Ausschnitt aus dem demnächst erscheinenden dritten Roman „Es ist weit  bis Marseille“, leider hat es eine Weile gedauert, bis der Text im Internet abrufbar war, was die Bachmann Twitterer auch sehr urgierten und die Geschichte von einem Mann, der sich in der Nacht in einem Bett mit einer Frau in einem Hotel befindet, am Morgen ist die Frau und das Auto verschwunden und er beegibt sich auf einen Berg hinauf, obwohl er ja eigentlich nach Marseille will, wurde von der Jury, in der ja heuer Klaus Kastberger, Sandra Kegel und Stefan Gmünder neu sind, kontrovers diskutiert. Dann wurde es spannend, nämlich ein One Woman Kabarett und die 1980 geborene und in Bamberg lebende Nora Gomringer  habe ich ja schon in Wien und in Göttweig gehört „Recherche“ hieß der Text, in der eine Nora Bossong, das ist eine 1982 in Bremen geborene Autorin, ein Haus besucht, um über den Tod eines verunglückten Jungen zu recherchieren und die Bewohner zu befragen. Franz Werfel kommt dabei vor und auch der CoPilot der vor ein paar Monaten sich selbst und noch die anderen sich im Flugzeug befindenen Seelen  in den Tod riß, Klaus Kastberger gab bei der Diskussion eine grandiose Zusammenfassung, daß der Text für den Sieg konstruiert wäre und alle dabei zu Mitspielern machte, Nora Gomringer ist am Schluß sehr bejubelt worden, was ich nicht ganz verstanden habe, was aber daran liegen kann, daß ich inzwischen Buzzaldrin auf ihren Beitrag warum sie „Blogs mag“ kommentierte, denn die Diskussion, daß Blogs schlecht sind, weil sich die Bloggerinnen mit Kaffee und Kuchen und den Büchern präsentieren und wenig kritisieren,  dafür eine Komfortzone schaffe, geht weiter und in Klagenfurt ist es mit Saskia Hennig von Lange weitergegangen, die, wie die Twitterer vermeldeten, es schwer hatte, denn eine ruhige junge Frau mit einem ruhigen Text, in dem ein Mann oder eine Frau, das war nicht so ganz klar, in einem Lastwagen sitzt, die Autobahn hinunterrollt und dabei über das Leben und das Kind, das man bekommen soll und  nicht mag, resumiert. Dann ging es in die Pause, beziehungsweise zu Zitha Bereuther in den Garten und die empfing den Wahlösterreicher Peter Wawerzinek, unterhielt sich mit ihm und zeigte dabei das Musilhaus, das Klagenfurter Literaturmuseum, das sowohl dem Dichter Musil, der dort, glaube ich, geboren wurde, als auch der berühmten Bachmann und Christine Lavant, die diese Woche hundert werden würde, gewidmet ist. Dann ging es zu der derzeitigen Stadtschreiberin Gertraud Klemm, die, wenn ihre Facebookseite nicht trügt, gar nicht in Klagenfurt ist, sondern gestern in Hamburg gelesen hat, weiter und ein Kunstmuseum  und das, das in Griffen dem anderen großen Kärntner Peter Handke gewidmet ist, wurde auch gezeigt. Cornelia Travnicek, die 2012 den Publikumspreis gewonnen hat, 2013 Stadtschreiberin war, deren Roman „Chucks“ verfilmt wurde und deren zweiter Roman „Junge Hunde“, demnächst erscheint, einen Ausschnitt daraus, hat sie 2012 gelesen, war aber in Klagenfurt und wurde zusammen mit Katharina Podjadan am Nachmittag von Zita Bereuther inerviewt, sie twittert auch eifrig und hat die gestrigen Aufstrichbrote beim Sparbuffet bemängelt. Aber erst ging es zu den nächsten Lesung und da war um halb zwei Sven Recker, ein mir bisher unbekannter Deutscher dran, der wahrscheinlich nicht gewinnen wird, aber dessen Text, der sowohl in der Psychiatrie, als auch im Arbeitsamt, bzw. bei den dort angebotetenen Jobkursen spielt, hat mir naturgemäß sehr gut gefallen und auf Valerie Fritsch, die ich ja sozusagen in meiner „Literaturgeflüsterzeit“ neben Anna Weidenholzer und Cornelia Travnicek entdecken konnte, war ich sehr gespannt, weil ich wissen wollte, wie die junge Frau mit der dünnen Stimme und der seltsamen monotonen Sprechweise in ihrer hochliterarischen Art ankommen würde? Nun sie ist angekommen, die Twitterer haben über die Sprechweise gelästert und bemängelt, daß der Text erst abrufbarwar, als sie schon fast fertig gelesen hat. „Hallo Herr Ankowitsch, als wichtigter Mann bei den tddl können Se bestimmt befehlen, daß die Texte pünktlich online gestellt werden“, und der hieß  „Das Bein“ und handelte in der bekannten Fritschen  Art von einem Mann der im Sommer sein Bein verloren hat und sich im Winter darauf erschießt“. „Winters Garten“ könnte man vermuten, wird aber nicht so sein, denn der Roman ist ja schon erschienen. Die Jury war überzeugt und auch die, die, wie Hubert Winkels kritisieren wollten, hatten eigentlich keinen Einwand, obwohl die Twitterer „O weh der Jury gefällt dieser schwülstige Bein ab Text“ mokierten, ein Urteil dem ich mich ein klein bißchen anschließen kann, obwohl ich Valerie Fritsch, wie schon oft geschrieben für sehr begabt halte. Am Freitag ging es dann mit dem 1967 in Klagenfurt geborenen Peter Truschner, dier in Berlin lebt und schon einmal auf der dBp-Longlist stand mit „RLT-Reptil weiter. Ein sehr realistischer Text der von Mülltonnen, Sozialschmarotzern und Handies handelt, obwohl das Vorstellungsvideo viel Körperlichkeit des feschen Mannes im schwarzen T-Shirt aufwies. Um illegalen Spielschulden und Errektionen geht es dabei auch. Schließlich wird noch eingebrochen und eine alte Frau umgebracht. Ein Text der mir wegen seines Realismus gefällt, aber doch auch ein wenig zu männlich und gewalttätig ist und von der Jury auch sehr zerpflückt wurde. Dann folgte Michaela FALKNER deren Buch ich gelesen habe und die ich auch in der BIM, bei der Hörspielnacht und im MUSA hört mit ihrem Manisfest 47 „Krieger sein Bruder“ sein, in dem es in gewohnt FALKNERISCHER Manier das Töten und das Auspucken von Kirschenkerne ging. Der Schweizer Tim Krohn folgte mit einem Auszug aus seinem Roman zum Paradies, in dem um Adam und Eva und ebenfalls um das Töten von Tieren, als Rechtgertigung des Menschentums ging. Nach der Pause in der zuerst über Christine Lavant und dann über den Poetry Slam diskutiert wurde, ging es mit der 1972 in Zürich geborenen Schauspielerin Monique Switters weiter. Dazwischen habe ich noch auf Wolfgang Tischers „Literaturcafe“ für Klaus Kastberger als besten Kritiker abgestimmt und das damit begründet, daß er uns allen auf nonchalanter Weise das Wesen der Literatur erklärt. „Esche“ heißt der Switters Text, in dem es um einen Beziehungsreigen, Gräber und eine demente Frau ging. „Das Knäckebuch kracht, Nathanael lacht!“, ein Textbeispiel aus der Beziehungsgeschichte. Die Jury schien begeistert und  als letzte für den Freitag, die dreiiundzwanzigjährige Ronja von Rönne, die ja mit ihren provokanten Feminismustext, die Gemüter erregte und für sehr viel Aufmerksamkeit sorgte, obwohl kein Videoportrait und nur sehr spärliche literarische Angaben, möglicherweise ein Hildesheimbesuch und der erste Roman soll nächstes Jahr bei „Aufbau“ erscheinen. „Welt am Sonntag“ hieß der Text, der mit den Worten „Ich wache auf und mir ist schlecht“ beginnt, in einem Hotelzimmer spielt und die junge Frau mit den ausdrucksvollen Augen trägt ein blaues Kleid mit einem weißen Kragen und sieht sehr mädchenhaft damit aus. Um einen Wettbewerb, den der gewinnt, der den langweiligsten Traum hat, geht es in dem Text auch. Ein sehr jugendlicher flotter Text, der mir eigentlich recht gut gefällt. „Klara und Wolf, wer hätte das gedacht, daß ihr jetzt bald Kinder macht!“, wird auf einer Hochzeit gedichtet, nachdem das Hotelzimmer verlassen würde und um den Streß der neuen jungen Leistungsgesellschaft, in der man immer unzufrieden sein muß, geht es dabei auch. „Ein Text mit Pose“ kommentiert Meike Feßmann und die Twitterer haben auch schon über die Popliteratur, die sie nicht mehr mögen, geunkt, Ich bin ein bißchen ambivalent und gespannt, was noch alles von der etwas provokanten Frau zu hören sein wird. Dann ging es wieder in den Garten, wo eine polnische Literaturkritikerin die Texte kommentierte und Gertrud Klemm, die aus Hamburg wieder zurück zu sein scheint, erklärte, daß sie mit den guten oder schlechten Jahrgängen Schwierigkeiten hat. Nachdem ich dann statt dem Film vom Bachmannleser Trojanow zuzusehen, auf die Wiedner Hauptstraße gegegangen bin, um an meinem siebenten Bloggeburtstag selbst zu lesen, ging es am Samstagweiter in Klagenfurt, Wolfgang Tischer gab seine Prognosen, bis jetzt gelten ja Valerie Fritsch, Nora Gomringer und Monique Switters als Favoritinnen, von dem letzteren Text bin ich nicht ganz überzeugt, aber es lesen ja noch vier, drei Frauen und ein Mann und der  1980 in Bern geborene Jürg Halter, ist vielleicht auch ein Favorit, zumindest hat mir sein Autorenportrait, wo er Gedichte fängt, sich mit einem selbstgemachten Apple präsentiert und sich hinter einer Laterne versteckt, sehr gut gefallen und auch sein lapidar vorgetragener Text „Erwachen im einundzwanzigsten Jahrhundert“ „Da sitzt ein Mensch um  5 Uhr 20. Früher als er es wollte, ist er erwacht.“ Eugen Roth hat ja auch von „Einem Menschen“ geschrieben, Jürg Halter ist, glaube ich, philosophischer, hintergründiger und twittern tut er, genau wie Ronja von Rönne, Klaus Kastberger, Cornelia Travnicek auch. Leider schloß sich die Jury, offenbar am Anfang noch etwas verschlafen, nicht meiner Meinung an, sprach von Gott und Nietzsche und schien beleidigt, aber ich kann ja bis fünfzehn Uhr selber abstimmen und werde das vielleicht für Jürg Halter tun, bis jetzt hätte ich gedacht, ich mache es für Seven Recker, aber es kommen noch drei Damen und die in Klagenfurt lebende und in Zagreb geborene Anna Bahr, kam als nächste dran. Ihr Text heißt „Die Farbe des Granatapfels“ und so heißt auch der Roman, der demnächst bei „Wallstein“ erscheint. Dann war es elf vorbei und ich bin mit dem Rad durch die Sommerhitze auf den Markt nach St. Pölten gefahren und als ich zurückkam, war gerade noch die Diskussion von Dana Grigorcea zu hören, mit der ich ja schon einmal fast mit dem Schiff von Bratislava nach Wien gefahren wäre und ihr erstes Buch gelesen habe. Ihr Text hieß „das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit“ und het in ein Bukarest zurück, wo man mit den Fernsehen, aber auch mit der Securitate ein wenig schummeln muß, dann kommt Michael Jackson als große Hoffnung, läßt sich abseien und ruft euphorisch „Hey Budapest!“ Auf einmal war der Ton weg und so habe ich mich zu Teresa Präauer gezapt, die ja mit ihrem letzten Buch für den Leipziger Buchpreis nominiert war. Ihr Text heißt  „O Schimmi“ und handelt von einem jungen Mann, der sich als Affe verkleidet, um bei seiner „Ninni“, die ihn gar nicht zu mögen scheint, zu landen. Ein Text, der von Teresa Präauer sehr flott gelesen wurde und dann, weil man nur bis drei abstimmen kann, wieder zu Anna Baar und zum Granatapfel zurück. Den „Preis der Automatischen Literaturkritik“, der im vorigen Jahr auf fünftausend Euro hinaufgecrowdfundet wurde, scheint es nicht mehr zu geben, also abstimmen, sich dann in Ruhe die Jurydiskussionen anhören am Sonntag werden  um elf die vier Preise vergeben, wo es jetzt ja neben Fritsch, Switters, Gomringer, wie ich der Bachmannseite entnehme, zwei neue Favoritinnen mit Teresa Präauer und Dana Grigocea geben soll. Klaus Kastberger hat, erfahre ich gerade, auf dem Literaturcafe, das Jurorenranking gewonnen, ich bin ja immer zu schnell und würde mein Urteil jetzt auch revidieren und Juri Steiner, dem dünnen schwarzen Schweizer meine Stimme geben, der mir, ich gestehe es, erst gestern durch das Tischer-Interview so richtig aufgefallen ist und jetzt geht es wieder los in Klagenfurt und die Shortlist wird  bekanntgegeben: Anna Baar,  Valerie Fritsch, Nora Gomringer, Dana Grigorca, Jürg Halter(fein und nicht erwartet( Teresa Präauer und Monique Switter. Der Bachmannpreis fünfundzwanzigtausend Euro vergeben von der Stadt Klagenfurt ging nach einigen Stichwahren an Nora Gomringer, der Kelag Preis wurde dann zwischen Präauer und Fritsch gewonnen und der, wie ich ebenfalls glaube, literarischste Text der Runde „Das Bein“ hat gewonnen. Die Bachmann, das, denke ich auch, wie einer der Juroren sagte, hätte dem zugestimmt, ein bißchen zu viel Pathos ist es für mich allerdings auch. Und beim dritten  dem „3Sat-Preis“ unterlag Teresa Präauer wieder in der Stichwahl und Dana Grigorcea gewann, was wie ich ebenfalls finde ein wenig schade ist und der Publikumspreis mit siebentausend Euro und dem Stadtschreiberposte ging für mich überraschend, ich hätte Gorminger oder von Ronja von Rönne gerechnet, ebenfalls an Valerie Fritsch. Ich gratuliere herzlich und findes es ein wenig schade, daß keine Männer dabei sind. Hubert Winkels hielt das Schlußwort und jetzt gehts ins Sommerschreiben und zum Longlistenlesen.

2015-05-30

Frauenpower beim Bachmannpreis

Am Donnerstag sind die Namen der vierzehn Autoren, zehn Frauen und vier Männer, die heuer bei den „Tagen der deutschsprachigen Literatur“ in Klagenfurt lesen dürfen, bei einer Pressekonferenz bekanntgegeben worden und so ich bin darauf gekommen, daß Valerie Fritsch, Teresa Präauer, Michaela Falkner, Nora Gomringer, Dana Grigorcea, Saskia Hennig von Lange und noch acht andere, die ich nur vom Namen oder gar nicht kannte, nominiert wurden. Zehn Frauen, fünf Österreicher, das klingt schon einmal toll, noch dazu, wo man ja jetzt immer hört, das Kärnten bankrott ist und sparen muß. Deshalb wird es auch einen Preis weniger geben und wie ich auf Wolfgang Tischers Seite erfuhr, der immer gegen die Buffets wettert, wahrscheinlich nur Soletti und billigen Wein, wie im Literaturhaus und es gibt  auch eine Veränderung in der Jury. Burkhard Spinnen hat den Vorsitz im Vorjahr zurückgelegt, den scheint man dann Daniela Strigl angeboten, aber nicht gegeben zu haben, so daß sie auch zurücktrat. Arno Dusini tat das auch, so daß jetzt Sandra Kegel, Stefan Gmünder und Klaus Kastberger neu im Team sind, Hubert Winkels hat den Vorsitz und das merkt man an der Auswahl der Kanditaten. Denn die sind überraschend neu und frisch. Ganz jung vielleicht nur Ronja von Rönne, 1992 geboren und Valerie Fritsch, 1998, die Zeitungen schrieben auch von schon erfahrenen Autoren. Ja, Valerie Fritsch hat ihren neuen Roman bei „Suhrkamp“ und hatte bei der Vorstellung in der „Alten Schmiede“ ein sehr volles Haus und mich würde sie beinahe ein bißchen an die Bachmann erinnern, Nora Gomringer, die ich bei „Literatur und Wein“ hörte, ist, glaube ich, eine bekannte experimentelle Autorin und Lyrikerin, Michaela Falkner mit ihren Manifesten ist sicher auch sehr provokant und spannend, wie sie in Klagenfurt aufgenommen werden wird? Die gebürtige, in der Schweiz lebenden Bulgarin, Dana Grigorcea, deren „Baba Rada“ ich gelesen habe, habe ich auf dem „Literaturschiff“ kennengelernt und sie ist, glaube ich, auch voriges Jahr beim Schweiz-Schwerpunkt in Leipzig, aufgetreten, Teresa Präauer ist sein ihrer Nominierung für den „Leipziger Buchpreis“ bekannt und Saskia Henning von Lange, die ich einmal bei „Rund um die Burg“ hörte, ist auch sehr bekannt. Spannend, spannend, habe ich gedacht, das wird ein interessantes Lesen und ein Match zwischen Gomringer und FALKNER und vielleicht wird Valerie Fritsch genauso verrrissen, wie vor ein paar Jahren das andere Sprachtalent Andea Winkler, vielleicht bekommt sie auch den Preis.

Als ich dan noch auf die Namensliste schaute, fielen mir abgesehen, daß ich den Namen Peter Truschner kannte und den Autor vielleicht schon einmal gehört habe, auch die Namen Monique Switter und Ronja von Rönne auf, sprechende Namen, habe ich gedacht und keine Zeit mich weiter damit zu beschäftigen, gab es ja im „Theaterbrett“ ein „Literaturfestival“ und meine „Bibliophilin“ will ja auch korrigiert werden. Aber ich bin neugierig, die anderen Blogs begannen sich auch schon mit der Bachmannpreisnominierung zu beschäftigen und googlete nach.

Buzzaldrin schrieb, daß Ronja von Rönne durch ihre politische Tätigkeit bekannt wäre, eine sehr junge Frau, 1992 geboren, interessant, schau einmal nach, was sie schon für Veröffentlichungen hat.

Sie scheint noch keine Bücher zu haben, obwohl man seit ein paar Jahren ja eine Verlagsempfehlung braucht, sondern auf „sudelheft de“, der „Welt“ und „der Welt am Sonntag“ zu veröffentlichen. In ihren Blog scheint man nicht mehr hineinzukommen, es gibt aber eine Facebookseite und da war zuerst zu finden, daß sie sich über die Nominierung für die „Hungergames of Klagenfurt“ freuen würde.

Ja, mit dreiundzwanzig Jahren ist man eben cool und aufmüpfig und hat einen frechen Ton. Valerie Fritsch hat bei den „Textvorstellungen“ vor Jahren auch gesagt, daß sie in einem Bordell recherchiert hätte, weil sie alles genau wissen will. Dann geht es aber weiter: „Ich habe ein neues Haustier. Es nervt und will ständig Aufmerksamkeit. Brauche Tipps, wie ich es schnell loswerde. Ebay Kleinanzeigen schon probiert. Will keiner. Es soll sterben.  Ganz schmerzhaft“.

Weiter konnte ich nicht lesen, weiß daher nicht, wie es weitergeht und würde raten, es vielleicht mit einem Tierheim zu probieren. Die Heldin von Olga Grjasnowas ersten Buch, tötet, glaube ich, auch einen Hasen, als Ausdruck ihrer Traumatisierung und in der Literatur ist vielleicht einiges erlaubt, was im wahren Leben verboten ist, wenn man die Hintergründe kennt. Ich googlete also weiter und kam auf einen Artikel in der Welt „Warum mich der Feminismus anekelt“, der mit „Ich bin keine Feminismus, ich bin Egoistin. Ich weiß nicht ob „man“ im Jahr 2015 in Deutschland den Feminismus braucht, ich brauche ihn nicht. Er ekelt mich eher an. Feminismus klingt für mich ähnlich antiquiert wie das Wort Bandsalat.“ Uje, uje uje, vielleicht eine neue Helene Hegemann?

Klagenfurt kann spannend werden! Und da habe ich in den letzten Jahren schön öfter gehört, daß dort zu wenig los ist. Heuer ist vielleicht wieder  etwas los und bringt vielleicht wieder einen neuen Skandal, wie damals Urs Alleman mit „Babyficken“ oder  als Rainer Goetz sich mit einem Messer die Stirn aufschlitze, etc. Vielleicht wollen, die Juroren, die Journalisten, das Publikum, etc das? Ich will, glaube ich, aber keine Egoisten und bin auch bei sehr jungen Frauen, die sich auf diese Art und Weise provozieren wollen oder müssen, ein wenig skeptisch. Natürlich gibt es die Pubertät und natürlich muß man sie ausleben und natürlich ist das Erwachsenwerden, in einer Gesellschaft, wie unserer schwierig und natürlich ist Selbstbewußtsein wichtig. Aber Rücksichtnahme auf andere ist vielleicht auch in Zeiten, wie diesen ein wichtiger Wert, selbst wenn sie auf dem ersten Blick nicht so cool, wie der Satz von der „Egoistin“ scheint.

Ich will keine Demonstration, wie man ein Haustier am schnellsten tötet, das ist auch der Tierschutz sicher dagegen und Debatten, ob sich der Feminsimus, angesicht der deutlich sichtbaren Diskrimierung der Frauen, die täglich nicht nur in Saudi Arabien, sondern wahrscheinlich auch in Deutschland passietiert, überholt hat, sind vielleicht, ob solcher Artikel, immer noch notwendig, aber beim Bachmannpreis sollte es, um Literatur und nicht um Skandale und wer sich das meiste traut, gehen.

Jedenfalls kann ich soviel jugendlicher Rotzheit, so interpretiere ich das einmal, so nicht widerspruchslos stehen lassen. Deshalb jetzt auch ein zusätzlicher Blogartikel, obwohl ich eigentlich mit der „Bibliophilin“, die sicher viel harmloser, als die Debatte ist, wie man seinen Hamster möglichst schmerzhaft umbringt, fertig werden wollte, bevor ich am Spittelberg zu einer Lesung über „Joseph Roth und der Film“ gehen werde. Der Bachmannpreis wird heuer sicher spannend werden, das habe ich schon gedacht, noch bevor ich auf Ronja von Rönnes Facebookseite gekommen bin und die Proteste, die auf ihren Feminismusartikel folgten, gelesen habe.

Jetzt habe ich ein ungutes Gefühl im Bauch und bin natürlich auch auf die anderen Autoren, über Monique Schwitter, von der ich inzwischen gehört habe, daß sie Schauspielerin ist und die, die ich noch gar nicht kenne und daher nicht weiß, ob sich vielleicht nicht noch ein paar Skandalautoren darunter verbergen, gespannt.

Ja und ich bin natürlich immer noch neidig, daß ich nicht beim „Bachmann-Preis“ lesen darf, weil meine harmlosen, viel zu wenig abgehobenen Texte, keine Chance dabei haben, weil sie niemanden interessieren, obwohl ich mich schon lange nicht mehr bewerbe.

Aber ich denke, es werden sich viel mehr als vierzehn Autoren beworben haben und die vierzehn ausgewählten, die genommen worden, sind sicher priveligiert, ich will jetzt nicht spekulieren, ob das deshalb ist, weil sie schöne junge rotzfreche Frauen sind, die dann vielleicht doch, ohne, daß sie es wollen, von den Fortschritten des Feminismus profitieren, denn im neunzehnten Jahrhundert hätte man sie vielleicht weder studieren noch öffentlich lesen lassen.

Valerie Fritsch, Teresa Präauer, Nora Gomringer, Saskia Hennig von Lange, etc, sind aber auf jedenfalls starke Talente. Bei Ronja von Rönne weiß ich es noch nicht, weil die zitierten Sätze ja nicht literarisch sind. Es ist aber ein Privieg in Klagenfurt lesen zu dürfen und vielleicht hat das, die junge Frau, die keinen Feminismus zu brauchen glaubt, doch einigen Bevorzugungen zu verdanken, die die anderen nicht haben und vielleicht sollte man auch daran denken, bevor man sagt, daß einem der Feminismus, als Ausrede für die unterpriveligierten Frauen, die einen  gar nicht intererssieren, vorkommt? Wahrscheinlich interessieren auch nicht, die unterpriveligierten Autoren, die nicht beim „Bachmannpreis“ lesen dürfen, weil sie nicht so spekulär erscheinen, nicht so viel literarische Qualität, Action, oder Aufregung versprechen?

Ich weiß es nicht, habe mich jetzt ein wenig abreagiert, denn das bin ich diesmal wirklich empört und hilflos, mehr als sonst. Bin bezüglich des „Bachmannpreises“ gespannt, werde wieder genau beobachten, was dort passiert und wenn nötig, auch wieder meine Stimme erheben, wenn mir etwas nicht gefällt und über Valerie Fritsch, als Preisträgerin würde ich mich freuen.

Bei Ronja von Rönne weiß ich es nicht, denn ich kenne ihre Texte nicht, glaube aber an den Feminismus und bin auch dagegen andere zu quälen, etcetera.

Ronja von Rönne, scheint, wie ich während des Blogschreibens herausbekam, offenbar inzwischen  eine Morddrohung aus rechtsradikalen Kreisen bekommen haben, bzw. wurde sie für rechtsradikal gehalten und hat deshalb ihren Blog geschloßen und ich bin noch ein bißchen ratloser, wie zuvor, während sich das Literaturcafe in seiner zweiten Bachmann-Analyse sehr ausführlich mit der Statistik der ausgewählten Autorenschaft und der Farbe die die Promotionstaschen diesmal haben werden, beschäftigt.

2015-02-27

Hörspielgala

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:25
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Die „Ö1 Hörspielgala“ ist wiedermal parallel mit der Schreibegruppe stattgefunden, die heute ja wahrscheinlich das letzte Mal war, nächsten Freitag ist dann die Lesung im Amerlinghaus und wieder bin ich hingegangen. Das letzte Jahr habe ich sie, glaube ich ausgelassen und wir sind wahrscheinlich in Harland oder anderswo gewesen, so daß ich die Veränderungen, die es vielleicht schon gab, gar nicht so mitbekommen habe. Daß ich die lange Nacht vermisse, habe ich wahrscheinlich schon geschrieben, das Gulasch und den Wein der allerersten Jahre auch. Einmal gab es auch eine Protestveranstaltung wegen der Honorarreduzierung mit Polizeieinsatz, da war ich, glaube ich, auch nicht live dabei, Hanno Millesi hat aber die Tonaufnahme für ein Hörspiel genommen, daß dann im ORF gesendet wurde und diesmal war sicher auch eine ganz besondere Veranstaltung ist ja das Funkhaus oder überhaupt Ö1 bedroht und soll eingespart, abgesiedelt oder verändert werden. Vielleicht saß deshalb Direktor Wrabetz zum ersten Mal in der ersten Reihe und wurde von seinen Festrednern auch einige Mal direkt angesprochen, ansonsten war die kurze Nacht perfekt organisiert und wieder live übertragen. Doris Glaser moderierte diesmal mit dem Autor Andreas Jungwirth, Peter Klein hielt die Einleitung und ich saß  erstaunlich weit vorne, vor mir war glaube ich Topsy Küppers, die ich heute und gestern in der Sendereihe „Im Gespräch“ hörte und Franz Schuh. Warum der da war, habe ich später erfahren. Inzwischen unterhielt ich mich mit einem Psychodramatherapeuten und Sprechtrainer. Dann ging es schon bald los mit der Festrede von Rudi Klein, der einen in den Fünfzigerjahren Geborenen zwar als sehr alten Herrn bezeichnete, aus dessen Leben er erzählen würde, wenn er ein Hörspiel schriebe, sich dann als bekennender Ö1 Hörer outete, nur wenn die klassische Musik kommt, dreht er ab, fügte er hinzu, wozu ich stänkere, daß er dann außer Nachrichten, ein bißchen Literatur und Wissenschaft nicht sehr viel hören kann. Aber die Musik hätte ich jetzt ganz vergessen, die war diesmal der „Klangdivan“, Peter Rosmanith, Georg Graf, Joe Pinkl und Pamela Stickney und die begannen gleich mit einer verjazzten Kaiserhymne, die auch, soll ichs schon verraten im Hörspiel des Jahres vorkam. Aber bis dahin war noch Zeit, da wurden erst einmal die zehn besten Hörspiele angespielt und eine neue Trophäe, „Die schone Adrienne“ in Oscargröße gab es mit dem passenden Soundtrack auch. Dann kam der „Hörspielpreis der Kritik“ und damit eine bekannte, nämlich das „Manifest 44“ von FALKNER, wie sie sich jetzt nennt und das Extremperformancen aufgegeben hat, sie bekam also die erste „Adrienne“ und einen Blumenstrauß und Schauspielerin des Jahres wurde Petra Morze. Die fing gleich mit dem Moderator zu tanzen an und wollte mit dem Herrn Generaldirektor in eine Höhle gehen, worauf der während der Pause verschwand. Aber da wurde es dann richtig spannend, nämlich der Kurzhörspielwettbewerb, die sieben Minuten Stücke  „Track 5“, die es seit einigen Jahren gibt, wurden präsentiert. Da gewann den dritten Preis eine Sprachkunst-Studentin Anna-Sophie Fritz mit ihrem Stück „Random Dudette“. Der zweite Siegertext hieß  „heimat bist du“ und der erste „Fernweh“. Einen Sonderpreis der „Schule für Dichtung“ gibt es seit vorigen Jahr auch. Da wird  offenbar der sprachlich anspruchsvollste Text ausgewählt, die anderen Preise kann man inzwischen im Internet anklicken und das war ein sehr berührender Text „Clara Mira  von Anna Sophie Adelt, nämlich die auf Englisch gesprochene Reaktion auf den Selbstmord einer Freundin mit entsprechender Musikbegleitung. Dann ging es zu der Siegerehrung und da war Platz drei das Stück „Neunzig Minuten-Das Attentat von Sarajevo“ wo Wolfram Berger alle Rollen las. Platz zwei „Das Liebeskonzil“ nach Oskar Panizza und der Sieger wurde, ich ahnte es schon „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus, bearbeitet von Erwin Steinhauer und Franz Schuh, gesprochen von Erwin Steinhauer mit der Musik  des „Klangdivan“ und das kann man sich dann morgen in der Hörspielleiste anhören, das Stück von Michaela Falkner folgt, glaube ich, am Dienstag und die Kurzhörspielsieger folgen dann auch.

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