Literaturgefluester

2020-05-26

Ein überraschender Besuch

Gleich wieder ein Szenenschmankerl aus meinem „Work on Progress“ „Kein Frühlingserwachen“ mehr, das derzeit aus fünfundzwanzig Szenen, siebenundfünfzig Seiten und 27 084 Worten besteht.

Zwei Szenen, die von Egon Herweg, den als Alzheimer leidenden Gatten, der Heldin Roswitha, der den Lockdown auf seine eigene Art und Weise erlebt, habe ich hier schon vorgestellt.

Jetzt gehts ein wenig weiter nach vor im Text, nämlich zu Szene fünf, wo Roswitha und Egons Tochter Beate, die gerade ihren Abschluß auf der Sigmund Freud Uni gemacht hat, Besuch von ihrer Freundin Esther Jablonksy bekommt. Aber in Zeiten der Ausgangssperre war das ja verboten oder eigentlich auch nicht, wie wir inzwischen wissen.

„Schön, daß du gekommen bist, Esther!“, rief Beate Herweg begeistert und drückte der Freundin, die mit einer schwarzen Reisetasche und einem Blumenstrauß vor der Tür ihrer Dachwohnung stand, einen Kuß auf den Mund. Spontan und aus alter Gewohnheit hatte sie ihre Lebensmenschin, die Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin Esther Jablonsky, mit der sie seit zwei Jahren mehr oder weniger heimlich zusammen war, an sich gedrückt. Wich, als sie das bemerkte, erschrocken zurück und fuhr sich mit der Hand über den Mund.

„Entschuldigung, Esther! Wie konnte ich das vergessen! Das darf man jetzt nicht mehr! Haben wir jetzt das Socialdistanciering und das Berührungsverbot! Ich habe dich hoffentlich nicht angesteckt! Ich bin aber, kann ich dir versichern, seit die Bundesregierung diese Verordnung herausgegeben hat, brav zu Hause geblieben und auch mehr oder weniger symptomfrei!“

„Keine Angst!“, antwortete die Freundin, stellte ihre Tasche ab, drückte Beate den Blumenstrauß in die Hand und erwiderte den Kuß.

„Keine Angst, Bealein und herzlichen Glückwunsch, daß deine Abschlußarbeit angenommen wurde, du nun eine richtige Therapeutin bist und voll ins Berufsleben einsteigen könntest, wenn man das in Zeiten, wie diesen, dürfte! Aber keine Angst, Beate! Ich bin nicht so hysterisch, wie es rund herum den Anschein macht und stehe dem Ganzen eher skeptisch gegenüber! Nichtsdestotrotz fühle ich mich in meiner Wohngemeinschaft ein wenig einsam und da du mich, als die gewisenhafte Frau, die du bist, nicht besuchen wirst, habe ich entschloßen meine sieben Sachen zusammengepackt und beschloßen, bevor die totale Ausgangssperre kommt und man, wie in Frankreich oder Spanien, sich nur hundert Meter um seine Wohnung bewegen darf, vorübergehend zu dir zu ziehen und mit dir, wenn du einverstanden bist, eine Zweckgemeinschaft zu gründen! Dann könnten wir, wie es auch der Bundeskanzler vorschlägt, uns beim Einkaufen ablösen! So das Risiko reduzieren und das Homeworking, das mir meine Organisation vorschreibt, kann ich, wenn du nichts dagegen hast, vielleicht auch in deinem Wohnzimmer machen!“

„Nicht die Spur!“, antwortete Beate Herweg ein wenig überrascht und erwiderte Esthers Umarmung etwas zögernd, weil sie nicht so sicher war, sich nicht vielleicht anzustecken oder einen eventuellen Virus zu übertragen. Andererseits gehörten sie beide nicht zur Risikogruppe und wenn sie die nächsten Tage, wie verlangt zu Hause blieben, war die Verbreitungsgefahr gering.

„Gar nicht, ich freue mich im Gegenteil darüber! Denn weißt du, dir kann ich es gestehen, mir ist die Decke in den letzten Tagen sehr auf den Kopf gefallen! Den ganzen Tag allein zu sein, bin ich, fürchte ich, nicht gewohnt! Noch dazu, wo ich meine Abschlußparty absagen mußte und die Sponsionsfeier entfallen ist! ich hätte zwar nicht gewagt, dir das vorzuschlagen, möchte ich dich auch nicht gefährden und es ist, wie ich fürchte, auch nicht ganz legal, weil wir nicht zusammenwohnen!“, sagte sie und brach wieder ab, um Esther Jablonsky fragend anzusehen, die energisch den Kopf schüttelte und ihr noch einen feuchten Schmatz auf den Mund drückte.

„Nicht so ängstlich, Bealein! Eine klitzekleine Gesetzesübertretung ist erlaubt! Wenn du möchtest, nehme ich sie auf meine Kappe, zahle die Strafe und gehe, wenn sich die Vorsichtsmaßnahmen vielleicht doch als übereilt herausstellen sollten, bis in die letzte Instanz vor Gericht und hole die Strafzahlung wieder herein!“, kündigte sie lachend an.

„Man muß, Bealein, das ist, wenn du es wissen willst, meine Meinung nicht so übergehorsam sein und kann dem bösen Onkel Innenminister, der eine kontrollieren will, vielleicht ganz gesetzeskonform eines auswischen, denn wir stehen uns, auch wenn das noch nicht so offiziell bekannt sein sollte, schon länger nahe und, daß ich nicht bei dir gemeldet bin-? Wer soll das kontrollieren? Wer will das überwachen und uns vernadern? Man muß da nicht so ängstlich sein und die anderen durch seine Fragen nicht erst auf Ideen bringen, die sie vorher gar nicht hatten! Ich bin also da! Deine Freundin ist vorübergehend, um eine Zweckgemeinschaft zu gründen, bei dir eingezogen und nun laß uns deinen Abschluß feiern! Machen wir eine kleine Corona-Party und sind dabei so leise, daß es die bösen Nachbarn, nicht merken und nicht die Polizei holen können! Wenn die aber trotzdem kommt, kann ich dir versichern, daß ich meine ganzen juristischen Kenntnisse einsetzen werde, um dich und mich zu verteidigen und da das alles ein Schnellschuß, sehr widersprüchig und, wie ich höre, auch noch nicht so hundertprozentig ausjustiziert ist, habe ich da keine Sorge! Denn ich bin, wie du siehst, nicht so ängstlich und war schon in der Schule, zum Leidwesen meiner Mutter, ein ungehorsames Mädchen!“, behauptete sie noch einmal lachend, bevor sie sich nach ihrer Reisetasche bückte.

„Stell die Blumen ins Wasser und schau in der Speisekammer nach, ob du eine Flasche Wein zu Hause hast? Ein bißchen Weißbrot, Schinken und Oliven? Ansonsten bin ich bereit, das alles schnell zu besorgen, damit es eine schöne Feier wird und dein Schlafzimmer kenne ich bereits!“, behauptete sie und lachte anzüglich auf, was Beate, wie sie fürchtete, rot werden ließ.

„Habe ich es doch schon mit dir benützt! Bin dir also, wenn du es so willst, schon so nahe gekommen, daß ein eventueller Virus keine Chancen hat!“

„So ist es!“, antwortete Beate gehorsam, bevor sie sich in die kleine Küche begab, um die Blumen zu versorgen.

„Rotwein und Bier habe ich zu Hause! Baguette und ein bißchen Käse ist auch vorhanden, so daß du dich nicht bemühen mußt und vielen Dank für alles! Du weißt, ich freue mich sehr!“, sagte sie, während sie die Blumen auf den Küchentisch stellte und der Freundin in das Schlafzimmer folgte, die ihre Tasche auszupacken begann.

„Und jetzt erzähl mir, wie du deine Quarantänetage verbracht hast?“, wollte sie dann wissen. Beate Herweg zuckte mit den Achseln.

„Vor dem Fernseher größtenteils! Ich fürchte, daß ich, wie paralisiert davor gesessen bin und mich nicht einmal das Abschlußzeugnis aufheitern konnte! Dann habe ich meine Eltern, die zur Risikogruppe zählen, angerufen und ihnen angeboten, ihre Einkäufe für sie zu besorgen! Sie haben aber ohnehin eine Betreuerin. Eine junge Slowakin aus Kosice, da der Papa seit drei Jahren Alzheimer hat!“, sagte sie mit gedämpfter Stimme.

„Die Mama hat mir erzählt, daß sie jetzt eine Ausstellung über das „Rote Wien“, die im Juni eröffnet werden soll, im Homeoffice mit ihrem Assistenten vorbereitet!“

„Mit ihrem Assistenten, cool!“, wiederholte Esther, nahm einen schwarzen Hosenanzug aus der Tasche, um ihn forsch und ungeniert in den Kleiderschrank zu hängen.

„Ich hoffe, er ist ein schöner junger Mann und wenn du Pech hast, bahnt sich zwischen den Beiden etwas an!“, sagte Esther und brach ab, als sie Beates entsetzten Gesichtsausdruck bemerkte, die „Glaubst du wirklich?“, hervor stieß.

„Vergiß es! Du weißt, ich bin eine vorlaute Person mit einer unerlaubten Vorstellungskraft, die mir schon so manche Schwierigkeiten eingebracht hat! Ich nehme alles zurück und entschuldige mich, wenn du willst, auch förmlich, obwohl die Vorstellung schon etwas Faszinierendes hat und Phantasie ist in diesen Zeiten, wie ich hörte, erlaubt! Aber schau nicht so entsetzt, Bea-Mädel und glaub nicht alles! Das Mütterlein wird in der Quarantäne mit ihrem Assistenten nicht zusammen sein, sondern mit ihm höchstens über Skype oder Zoom kommunizieren und wird, wie du mir erzähltest, ohnehin von ihrer Hausbetreuerin bewacht, wenn die nicht vielleicht die Gunst der Stunde nützt und mit ihrem Schützling zu Techtelmechteln beginnt! Aber ich bin schon still, Beate und stoppe meine böse Zunge! Dein Vater war Universitätsprofessor nicht wahr, bevor ihm das Schicksal diese Krankheit brachte?“

„So ist es!“, antwortete Bea und setzte energisch „Du hast wirklich eine böse Zunge und wir sollten das Thema wechseln! Komm in die Küche! Ich hole den Wein aus dem Regal und schaue nach, ob es noch ein Glas Oliven oder Artischoken gibt? Und du kannst dich entscheiden, ob du in der Küche oder auf der Dachterrasse feiern willst?“, hinzu.

„Auf der Terrasse Bea, wenn du dich das traust und dich vor den bösen Nachbarn mit den Feldstechern, die uns der Polizei melden könnten, nicht fürchtest!“, antwortete Esther Jablonsky gemütlich, schob ihre Reisetasche in eine Ecke und kam noch einmal auf Beate zu, um ihr einen Kuß auf die Wange zu drücken.“

2020-10-09

Vorschau auf „Kein Frühlingserwachen mehr?“

Frühjahr 2020, die Corona Krise ist ausgebrochen. Geschäfte, Restaurant, Schulen und auch die Museen wurden geschlossen, sodaß die fünfundsechzigjährige Wien-Museum-Kuratorin, Roswitha Herweg ihre geplante Ausstellung über das „Rote Wien“ im Homeoffice vorbereiten muß.

Dabei telefoniert sie viel mit ihrem Assistenten Viktor, in dem sie sich fast ein wenig verliebt, während ihr an Alzheimer erkrankter Mann Egon, ein ehemaliger Universitätsprofessor, der von der slowakischen Personenbetreuerin Janina betreut wird, die Krise als einen dystopischen Roman erlebt.

 

So schaut es aus mein nächstes Buch, der erste Corona-Text, der mich in diesem Frühjahr sehr beschäftigt hat.

Und ein kleines oder großes Schmankerl für meine Leser gibt es auch, nämlich eine Premiere, nicht das neue Buch, denn das ist ja schon bald das fünfzigste. Aber das erste Mal, das mich jemand mit einem Schal maskiert sieht und für alle die es noch genauer wisen wollen.

Das Foto ist gestellt, beziehungsweise habe ich mich nur für die Aufnahme im Harlander Vorzimmer in das Schalensbemble, das mir der Alfred einmal am Markt von St. Pölten  kaufte, gewickelt, obwohl ich ja ursprünglich ein anderes Coverbild  nehmen wollte, nämlich die Anna und die kleine Lina schön maskiert, ein Bild, das mir die Anna während des Lockdown, wo ich bis Ostern ja nicht nach Harland gekommen bin, schickte, da man aber keine Kinderbilder mißbrauchen soll, sieht man jetzt mich hübsch verkleidet und für alle, die trotzdem etwas bemängeln wollen, ja es stimmt, der Schal, den die Roswitha Herweg in der Tasche trägt, wenn sie sich auf die Bank oder in ihr Museum schleicht, um sich mit ihren Assistenten dort zu treffen, ist lila und nicht rötlich und eine Haube hat sie  auch nicht auf, aber das ist wohl die künstlerische Freiheit die auch für mich gilt.

Aber jetzt zu den drei Gewinnspielfragen mit denen man, wenn man das möchte, das Buch nach Erscheinen gewinnen kann:

  1. Worum geht es in dem Buch noch außer Corona?
  2. Wie heißen die slowakischen Pflegehelferinnen, die Egon Herweg betreuen?
  3. Wie heißt das Museum in dem sich die Roswitha mit ihrem Viktor trifft?

Hinweise zur Beantwortung sind wahrscheinlich in den Schreibberichten x Jetzt wünsche ich viel Vorfreude mit den Textbausteinen und rufe wie mmer zu einer Leserunde auf, beziehungsweise vergebe ich nach Erscheinen fünf Bücher an die, die mit mir in meinen Blog über das Buch diskutieren möchten.

Und jetzt die Schmankerln:

Ein überraschender Besuch

Die Veränderung

Der Heimweg

Lauter Vernaderer

Ein schrecklicher Verdacht

Egons Verdacht

Eine unerlaubte Demonstration

Und interessant füge ich hinzu, daß in diesem jahr schon zwei andere Bücher von mir erschienen sind und das nächste auch schon fast fertig korrigiert ist.

2020-06-21

Bachmannlesen in Corona-Zeiten

Filed under: Literaturbetrieb,Literaturpreise — jancak @ 15:25
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Anfang März kam es zum Corona bedingten Shutdown und dann wurden eine nach der anderen, die Leipziger Buchmesse war es schon, alle Veranstaltungen abgesagt.

Dann wurde, während Klaus Kastberger noch rätselte, wie lange es den Shutdown, bis zum „Bachmannpreis“ oder den „O-Tönen“, den Shutdown geben würde, der „Bachmannpreis“ abgesagt und ich habe mich gewundert, beziehungsweise das an Wolfgang Tischers „Literaturcafe“ kommentiert, daß es das wurde, denn diesen Preis hätte man ja sehr gut digital organisieren können, habe ich gedacht. Die Juroren taten es auch und Wolfgang Tischer schrieb ein paar Tage später, als schon klar war, daß das überlegt werden würde, daß man das unmöglich könne, denn ein Klaus Kastberger schlecht geschminkt in seiner Küche, wolle er nicht.

Die Einzelheiten zum „digitalen Bachmannpreis“ wurden dann am achtundzwanzigsten Mai bekanntgegeben und ich habe mich wiedermal gewundert, denn da waren schon die Restaurants offen, die Hotel folgten, und sogar die Grenzen sind seit dem sechzehnten Juni geöffnet und Veranstaltungen bis hundert Personen möglich. Also könnte man diesen mit oder ohne Maske in das ORF-Landestheater setzen, aber ich weiß natürlich, da war schon alles digital vorbereitet, die Online-Lesungen der vierzehn eingeladenen autoren wahrscheinlich schon aufgezeichnet und die Kameras in den Juroren-Wohnungen aufgebaut.

Also „Bachmannpreis“ in einem leeren Studio, das heißt in einem von dem aus der Moderator Christian Ankowitsch mit Kamerateam und Liveschaltungen agieren wird.

Das Julya Rabinowich und Heinz Sichrovsky den Garten bevölkern würden war auch schon klar und in dem Studio war ein alter Schreibtisch und ein altes Redepult aufgebaut wurden, um die Stimmung der Fünfziger Sechziger Jahre, wo die Bachmann in Klagenfurt gelebt hat, zu demonstrieren. Dann wurde noch klar, daß es im Studio zwar kein Publikum, keine Autoren und Juroren, aber dafür das Public Viewing geben würde und vielleicht noch überraschender, Wolfgang Tischer, der ja gegen das „digitale Bachmannpreislesen“ war, wird dort Platz nehmen, denn er ist, weil er schon seine Zugkarte hatte, dorthin gefahren und wird von dort aus twittern und podcasten, also interessant , interessant und vielleicht auch, wie die ganzen Corona-Zeiten widersprüchlig und etwas verrückt.

Der Preis wird ja schon seit Jahren im Fernsehen bzw. als livestream übertragen, das kann man natürlich auch heuer tun, die Eröffnung, wo die „Bachmannpreisträgerin“ von 2016 Sharon Dodua Otoo, die Festrede „Dürfen Schwarze Blumen Malen?“ hielt, war aber nur im livestream zu sehen und da stand dann der Moderator hinter dem kirchenähnlichen Pult und begrüßte. Zwei Musiker saßen im leeren Saal und hielten ihre muskalischen Einlagen, dann kamen die gewohnten Erföffnungsreden, der ORF-Direktor Wrabetz, die Intentantin Karin Bernhard, die Bürgermeisterin, der Landeshaupmann, die Preisstifter, alle via den Leiwände, wo sie bedauerten, daß heuer leider leider alles anders wäre, dann kam der Justitiar, führte den Moderator zu der Schulbank und erklärte ihm, daß er heuer, die Zettel mit den Lesereihenfolgen aus der Box ziehen müße, der machte seine Witzchen darüber und falsch, jetzt habe ich die Begrüßung der Jury auf den Leiwandwänden und der beiden Gartenkommentatoren in echt vergessen.

Die lesenden Autoren wurden auch kurz zugeschaltet und der Jury- Sprecher hat natürlich seine Rede gehalten. Die Rede der ehemaligen Preisträgerin war mit schönen Blümchen illustriert, die zum Teil Maske trugen und handelten von der schwarzen Community in Deutschland und Morgen um zehn geht es los, da werden dann, das kann ich gleich verraten Jasmin Ramadan und Lisa Krusche beginnen und das gewohnte Gartenfest mit Buffet, sowie der Literaturkurs, wo schon die Teilnehmer nominiert waren, fielen aus und warten wahrscheinlich schon auf ihren Auftritt im nächsten Jahr.

Am Donnerstag bin ich nach meiner zehn Uhr Stunde in die Diskussion von der 1974 in Hamburg geborenen Jasmin Ramadan, die den Roman „Soul Kitchen“ geschrieben hat, Text „Ü“, hineingekommen. Danach setzte sich Christian Ankowitsch wieder zu Justiziar Andreas Sourij, um mit ihm einige Twittermeldungen durchzugehen, was beim digitalen Bachmannpreis neu ist, den sozialen Stimmen mehr Raum zu geben.

Dann kam die 1990 in Hildesheim geborene Lisa Krusche, die von Klaus Kastberger eingeladen wurde und las einen sehr dystopischen Text namens „Für bestimmte Welten kämpfen gegen andere“, der einem Computerspiel stark nachempfunden ist und daher eine intensive Diskussion ausgelöste. Der dritte Donnerstagvormittagleser war der 1987 in Bad Homburg geborene Leonard Hieronymi, der von Michael Wiederstein eingeladen wurde und die zwölfseitige Erzählung „Über uns Lufizer“ vortrug, in dem es um eine Reise nach Konstanza geht, wo Ovid verbannt gewesen war.

Dann gings in die Mittagspause, beziehungsweise in den Garten und zu einem Film den Eva Menasse über Robert Schindel machte.

Am Nachmittag kamen die Österreicher und da zuerst die 1976 in Innsbruck geborene Carolina Schutti, die von der Neo-Jurorin Brigitte Schwens-Harrant eingeladen wurde, schon einige Romane geschreiben hat und von der es gerade auch eine Online-Lesung in der „Gesellschaft für Literatur“ gibt und die aus einem Text namens „Nadjescha“ las.

Die Diskussion darüber habe ich versäumt, weil eine vierzehn Uhr Stunde und bin erst wieder in die Lesung des 1974 geborenen Jörg Piringer hineingekommen, der ja sehr experimentell schreibt und war dann erstaunt, daß sein Text zwar eher in Gedichtform geschrieben, aber trotzdem erstaunlich realistisch war und keine digitale Spiereien aufwies, aber trotzdem dieses Thema sprachlich analysierte.

Und dann wurde natürlich diskutiert, ob dieser Text nach Klagenfurt gehört oder nicht und ob man einen Text nur Kleinschreiben kann oder ob das nicht schon längst ein Anachronismus ist?

Am Freitagmorgen hastete Christian Ankowitsch dann durch das Studio, zeigte den Technikerbus, stellte die Socialmediagruppe vor und lief dann in den Theaterraum an den Schreibtisch zu Magister Surnij, gab dem fast die Hand und dann begann es mit einer Rückschau an den ersten Lesetag, beziehungsweise zu dem Portrait der 1940 in Berlin geborenen Helga Schubert, die in Klagenfurt zwar noch nicht gelesen hat, aber einige Jahre dort Jurorin war, als es die DDR nicht mehr gab. In ihrem Portrait, das ich jetzt erst gelesen habe, erzählte sie über die damaligen Ablehungsgründe, die lauteten, daß es keine deutsche Literatur gäbe und, daß Marcel Reich Ranicki, der ja damals in der Jury saß, ein Kommunistenhaßer war. Interessant, interessant, es haben aber immer DDR-Autoren gelesen, 1989 beispielsweise Kerstin Hensel, mit der ich über die GAV in Kontakt kam und die ich damals in Wien kennenlernte.

Helga Schubert hieß „Vorm Aufstehen“ und scheint ziemlich autobiografisch über das Leben, dem pflegebedürftigen Lebensgefährten, den Tod der Mutter, die Kriegserinnerungen, wie Helga Schubert in ihrem Portrait fast schelmisch erzählte, der wahrscheinlich ältesten Autorien die je in Klagenfurt, beziehungsweise in dem verrückten heurigen Jahr in ihrem Garten gelesen hat und mir, das kann ich gleich verraten, hat dieser Text sehr gut gefallen und, daß ich mir Helga Schubert, als Preisträgerin wünsche, habe ich ja schon geschrieben, obohl ich inzwischen daraufgekommen bin, daß ich Hanna Herbst, die als nächste an die Reihe kam, schon im MQ lesen hörte und die ebenfalls ein sehr eindruckvolles Portrait hat, in dem sie sich, glaube ich, singend über sich lustig macht.

Der Text heißt „Es wird einmal“ und die Bachmannpreis-Liegestühle, die die Autoren offenbar alle hinter oder neben sich in ihren Zimmern aufbauen mußten, trügt deutlich sichtbar, die Aufschift „19“, ist also Schnee vom letzten Jahr.

Und der Text ebenfalls vorgeschlagen von Insa Wilke, passt diametral zu dem der Helga Schubert, geht es doch um den Tod des Vaters, den die Tochter sozusagen einen Erinnerungsbrief schreibt, wie ich es mir interpretieren würde, owohl ich am Anfang glaubte, daß es der Partner wäre und es in dem Text offenbar auch nicht drinnen steht.

Der Alfred hat mir gestern auf meine Frage, wer gewinnen wird, Hanna Herbst gesagt, obwohl er den Text ja nicht kannte, ich würde mir das jetzt auch wünschen und darum würfeln, aber die Jury scheint gerade dabei ihn zu zerreißen, was bei dem der Helga Schubert eigentlich nur Philipp Tingler, versuchte, mit dessen Wortmeldungen ich meine Schwierigkeiten habe, weil sie mir zu aggressiv waren.

Dann kam der mir bisher unbekannte Grazer Egon Christian Leitner, der von Klaus Kastberger eingeladen wurde, mit seinem Text „Immer im Krieg“, der aus einer Kirche zu lesen schien und der von Philipp Tingler wieder sehr zerißen wurde und in der Jury eine heftige Diskussion auslöste, weil er allen widerspricht und alles besser weiß. Klaus Kastberger auf die Neunzehnhundertdreißigerjahr, den statistischen Roman und Rudolf Brunngraber beziehungsweise seinen Roman „Karl und das zwanzigste Jahrhundert“ zurückam und der Autor seinen Text anschließend zu erklären versuchte.

Dazu passte dann das Mittagsprogramm, das aus einer Dokumentation von Feridun Zaimoglu über Istabul über die ja für sein „Siebentürmeviertel“ recherchierte, bestand.

Christian Ankowitsch unterhielt sich dann mit Julya Rabinowich, die ja den Bewerb auf einem Balkon im Garten kommentieren soll, über die Vielsprachigkeit und dann folgte in den Nachmittagslesungen, der 1977 in Greiz geborene Matthias Senkel, der schon 2012 in Klagenfurt gelesen hat, mit einem ebenfalls sehr montierten Text, der in der Zeit und in der ehemaligen DDR sehr herumsprang und den unseren lieben Philipp Tingler, wie er behauptete, aus lauter Langeweile fast ins Koma fallen ließ, was mein Problem mit diesen Juror noch ein bißchen verstärkte und ich ihn fast, wenn man das könnte, beim Jurorranking die geringste Punktzahl geben würd, weil ich ja nicht so besonders viel von den angeblichen Kriterien mit denen man gute Literatur beurteilen kann, halte.

Ich habe aber einmal eine Leseprobe von den in Zürich lebenden Autor gefunden und wäre jetzt gespannt, wie ich „Fischtal“ beurteilen würde? Mal sehen, vielleicht finde ich die Zeit dazu oder er kommt mit einem neuen Buch auf eine Buchpreisliste.

Beim „Bachmannlesen“ kam dann noch eine Überraschung, nämlich ein Lyriker, der 1980 in Deutschland geborene und in der Schweiz lebende Levin Westermann, der fast in Reimen von Vögeln, Schafe und Katzen dichtete „der hype auf seine hütte, die geht mir auf den geist“, beispielsweise und ich dachte Lyrik wäre in Klagenfurt unerwünscht, muß aber gestehe, daß ich den Text sehr lustig und den Autor wahrscheinlich sehr mutig finde. Hubert Winkels hat den Autor eingeladen.

„und was die welt zusammenhält ist fraglich und geheim“ und weniger geheim war weniger die Feststellung, daß sich Philipp in einem Sketch vermutete und von der Literatur „Keine Verschlichtheit der Welt“ erwarten würde.

Am Samstagmorgen ging es dann mit den zwei noch fälligen Österreicherinnen weiter und da kam zuerst die 1985 in Steyr geborene Lydia Haider weiter, die schon einmal auf der Shortlist des „Alphas“ stand, ich sie in der „Alten Schmiede“ hörte, als sie dort die „Wienzeile“ vorstellte, bei den „Wilden Worten“ war sie glaube ich auch und jetzt hat sie, weil offenbar sehr offensiv, die Anthologie „Und wie wir hassen“ herausgegeben, die hatte sie bei ihrer Lesung auch auf den vor ihr stehenden Tisch aufgereiht, offenbar lautete die Losung an die Autoren, Bücher und „Bachmannpreis-Logos“. Der Text heißt „Der große Gruß“ und scheint ebenso offensiv und angriffslustig und von der Massenabschießungen von Hunden zu handeln, wie eigentlich zu erwarten war.

Der liebe Philipp Tingler, den ich inzwischen spannend finde, versuchte wieder den Rahmen zu sprengen, in dem er Lydia Haider schon am Anfang fragte, was sie mit dem Text bewirken wollte? Was Hubert Winkels in Bedrängnis brachte, weil es die Regeln und den Rahmen sprengen würde. Mal sehen, ob wir diesen Juror im nächsten Jahr noch haben werden oder, ob ihn die Zuseher vielleicht bei Wolfgangs Tischers Juror-Bewertung zum besten Juror wählen werden und, um die Frage zu beantworten, was der Text bewirken will?

Sowohl auf den Nationalsozialismus, als auch auf die neuen Rechten hinweisen, denke ich und finde eigentlich, daß er wahrscheinlich weder dem Wiener Aktionistmus zuzurechnen, noch wirklich etwas Neues ist.

Dann kam die 1984 in Salzburg geborene Laura Freudenthaler, die ich schon zweimlal bei den O-Tönen hörte. Ihr Text heißt „Der heißesteste Sommer“ was im Augenblick so gar nicht zu der Wetterlage passt, aber von einer Mäuseinvasion und einer verletzten Lippe zu handeln scheint, also nach den neuen Rechten auch die Klimakatastrophe und auch sehr spannend, die Autorin hat sich für die inzwischen sehr verpönte, schlichte Wasserglaslesung entschieden.Der Text wurde hoch gelobt und Laura Freudenthaler als vielschichtige Erzählerin, die die österreichische Erzähltradition fortführt, gepriesen und würde ihn ihn als Corona-Text interpretieren würde, obwohl er wahrscheinlich davor geschrieben wurde und bin mir jetzt nicht sicher, ob ich nicht ihr meine Publikumsstimme geben sollte, denn Texte über die DDR sind ja nicht so wirklich neu.

Dann kam die in Sachsen geborene und in Zürich lebende Katja Schönherr, die von unseren „Problemjuror“ eingladen wurde und deren Text „Ziva“ heißt, das ist eine Affenfrau, die mit einem Protestschild in der Hand großen Tumult bei den Zoobesuchern auslöst und die Erzählerin dazu bringt, ihren Partner zu verlassen.

Die letzte Leserin war die im ehemaligen Jugoslawien und jetzt in Bern lebende Meral Kureyshi, die von Michael Widerstein einladen wurde und deren Text „Adam“ heißt und in einem Museum spielt.

Das wars dann mit den Lesungen, am Sonntag um elf werden die Preise vergeben. Das wird spannend werden, wie das passiert. Die Juroren legen auf Wolfgang Tischers Vorschlag vor zwei Jahren ja am Nachmittag mit oder vor dem Justitiar die Shortlist der sieben Kanditaten, die gewinnen können, fest.

Das möchte ich für mich jetzt auch tun.

Also Helga Schubert, Laura Freudenthaler, Lisa Krusche, Jörg Piringer, Levin Westermann, Hanna Herbst und Egon Christian Leitner.

Mal sehen wieviel Übereinstimmungspotial, das mit Wolfgang Tischer oder überhaupt gibt.

Abstimmen für den Publikumspreis werde ich, wenn ich das ohne Handy kann, wahrscheinlich doch für Laura Freudenthaler, obwohl ich mir nach wie vor Helga Schubert als Preisträgerin wünsche und bei dem besten Juror muß ich passen. Denn eigentlich finde ich die alle kompetent und das auffällige Infant terrible, den Neuling, der immer aufschreien mußte „Ätsch, ich weiß es besser!“, fand ich auch sehr interessant.

Also bis morgen, jetzt kann ich, weil es für den Sprung in den Wörthersee sowieso zu kalt ist, radfahren gehen und mir vielleicht in Wilhelmsburg oder in der Fahrradschenke einen Kaiserspritzer gönnen. Dazu war es dann zu verregnet aber nun zur Shortlist und da stehen Laura Freudenthaler, Hanna Herbst, Lisa Krusche, Egon Christian Leitner, Helga Schubert, Matthias Senkel und Levin Westermann darauf, sechs Treffer hurrah hurra und schade, daß Jörg Piringer nicht darauf steht, aber vielleicht hat er viele Fans, er ist ja sehr internetaffin.

Dann gings zur Abstimmung des Hauptpreises und eine Stichwahl zwischen Lisa Krusche und Helga Schubert und wiederum, hurrah hurra, Helga Schubert ist die neue „Bachmannpreisträgerin“, die sich sehr darüber freute, daß der Preis digital stattfand, weil sie wegen der Pflege ihres Mannes nicht nach Klagenfurt reisen hätte könne und verriet, daß ihr Text eigentlich in Anlehnung an Ingeborg Bachmanns „Dreißigstes Jahr“ das „Achtzigste Jahr“ heißen hätte sollen, sie das dann aber zu aufgesetzt fand.

Den „Deutschlandfunk-Preis“ bekam dann Lisa Krusche und für mich ging es dann zu Annas Geburtstagsessen, das wir Corona bedingt jetzt erst abhalten konnte und so habe ich über Alfreds Handy mitbekommen, daß den „KEAG-Preis“, eigentlich eine Überrachung, Egon Christian Leitner für sein „Immer im Krieg“ bekommen hat.

Wo bleibt Laura Freudenthaler, die neue Stimme der österreichischen Literatur könnte man fragen, die schon in der Stichwahl war?

Für den „3-Sat-Preis“ hat es dann gereicht und den Publikumspreis hat ebenfalls überraschend Lydia Haider bekommen, die offenbar auch einen großen Fankreis hat und wer nun wissen willen, was ich gelesen hätte, wenn mich wer dazu eingeladen hätte? Eine Collage aus meinen Corona Text wahrscheinlich „Kein Frühlingserwachen mehr?“, von dem es hier schon Textproben gibt.

Und hier mein Bachmannpreisarchiv, damit man nachlesen kann, wie ich die Bewerbe seit 2009 empfunden habe.

2009 1 2 3 4 5

2010 1 2 3 4 5

2011 1 2 3 4 5

2012 1 2 3

2013 1

2014 1

2015 1

2016 1

2017 1

2018 1

2019 1

2019-03-05

Podium Portrait 95-100

Der Literaturkreis „Podium“ von Alois Vogel gegründet, hat ja die gleichnamige Literaturzeitschrift, dann eine Lyrikreihe, die, glaube ich,“Neue Literatur aus Österreich“ hieß und jetzt die „Podium Portrait-Reihe“, wo die Mitglieder zu ihrem runden Geburtstag, ich glaube, ab sechzig oder so ein Lyrik- oder Prosa-Bändchen je nach vorhandenen Werk bekommen,  jetzt gibt es schon  Band hundert, beziehungsweise, hunderteins, das ist der Bruni gewidmet und wird am Montag posthum in der Buchhandlung „Tiempo Nuevo“ vorgestellt und die Bände 95-100 wurden heute in der „Gesellschaft für Literatur“ präsentiert. Erstmals dort, obwohl die „Gesellschaft“ glaube ich, beziehungsweise Wolfgang Kraus, ihr damaliger Leiter dort den  März als Monat der Lyrik einführte, so daß es jeden März dort einige lyrische Veranstaltungen gibt, die ich auch regelmäßig mehr oder weniger besuche, die „Podium Bändchen“ von denen ich einige gelesen habe und auch regelmäßig geschenkt bekomme, zuletzt das von Erika Kronabitter Band acht-oder neunundneunzig bei ihrem Geburtstagsfest, wurden, glaube ich bisher in der „Alten Schmiede“ und vielleicht auch im Literaturhaus vorgestellt oder wurden dort die Hefte präsentiert?

Das weiß ich jetzt gar nicht so genau, kann man bei mir aber nachlesen und ab nun, beziehungsweise ab Band 95 wird das, wie Manfred Müller in der Einleitung erklärte, bei der „Lyrik im März“ in der „Gesellschaft“ passieren und die ersten hundert Bände hat Hannes Yyoral herausgegeben, der jetzt von Erika <kronabitter abgelöst wurde, die schon das Langthaler-Bändchen verantwortetet.

Band 95 bis 100 sind aber den Dichter und Dichterinnen Patricia Brooks, Pascal C. Tanguy, Tarek Eltayeb, Wolfgang Ratz, Erika Kronabitter und Sylvia Treudl gewidmet. Wofgang Ratz ist in Südamerika, Erika Kronabitter anderwertig verhindert, so wurden heute nur vier Bände präsentiert und von Hannes Vyoral eingeleitet.

Bei den Portraits gibt es immer ein Vorwort oder eine Einfürung bei der 1957 in Wien geborenen Patricia Brooks, die ich ja öfter bei Veranstaltungen treffe und die ich, glaube ich, durch unser gemeinsames Portrait einmal, lang lang ists her, in der Zeitschrift „Buchkultur“ kennenlernte, war das Ilse Kilic, bei dem mir bisher unbekannten Pascal C. Tanguy, der in Linz geboren wurde und glaube ich französischer Herkunft ist, jedenfalls hat er die Gedichte, die von Reisen aber auch von der Sprache und der Liebe handelten, zweisprachig gelesen, hat das Georg Bydlinsky gemacht und er scheint auch ein sehr vielseitiger Mann zu sein, nämlich Tänzer, Musiker, Maler, Schreiber und dann noch Gymnasiallehrer und war für mich eine spannende Entdeckung, während ich den 1959 als Sohn sudanesiischer Eltern und seit 1984 in Wien lebenden Tarek Etajeb schon vom Namen oder auch von Veranstaltungen her kannte, er las zwei seiner Gedichte auch auf arabisch und hatte dabei spannenden Themen, so handelte das erste nämlich von einem der als er den fluß überquerte schwarz wurde, so daß sein freund sich weigerte es ihm gleich zu tun.

Dann folgte, die 1959 in Krems geborene Sylvia Treudl, die, glaube ich, Elfriede Haslehner im „Wiener Frauenverlag“ ablöste, dann das NÖ-Literaturhaus gründete, die „Literatur und Wein“ veranstaltet, auch als Rezensentin und vieles anderes tätig ist und ihr Bädchen in sieben Abteilungen gliederte, dabei einiges auf Englisch und anderes in NÖ-Dialekt beispielsweise, das Gedicht von ihrer geschiedenen Mutter las und einen interessanten Kontrast zu den anderen Werken bot.

Erika Kronabitters Gedichte muß oder kann ich, wie schon geschrieben lesen, zu der Veranstaltung zu Brunis achtzigsten Geburtstag werde ich am Montag gehen und nach der Veranstaltung habe ich mich noch länger bei Wein und Kanbberzeugs, das es überraschenderweise gegeben hat, mit Maria Gorniciewicz unterhalten, die, wie sie mir sagte, ihr Portait schon länger hatte.

Spannend, spannend die Veranstaltung, auch für eine Nichtlyrikerin und morgen wird es in der „Gesellschaft“ mit der Lyrik weitergehen, da habe ich aber vor nach dem Doml-Workshop, der ja wieder beginnt, in die Hauptbücheeir zu gehen, weil da ein Film über den slowenischen Nationaldichter Ivan Cankar gezeigt werden wird.

2016-04-21

Lange Erzählspiele

Die „Alte Schmiede“ hat offensichtlich einen neuen Moderator, auf jeden Fall stellte Ludwig Roman Fleischer, die beiden Romane von Erst Wünsch und Bettina Balaka unter dem klingenden Titel „Erzählspiele mit Romansujet als Satire ohne gekränkten Idealismus“, vor, den ich eigentlich auch jetzt noch nicht verstanden habe.

Jedenfalls scheint es um Satire zu gehen und Roman Ludwig Fleischer, den ich ja eher als Autor beziehungsweise Verleger kenne, überraschte durch seine lange und sehr ausführliche Einleitungen, die den Eindruck machte, er würde sich sehr gut auskennen und die Bücher gelesen zu haben.

Den 1951 geborenen Ernst Wünsch kenne ich durch das Hörspielstudio und den „Textvorstellungen“, in denen interessanter Weise auch Ludwig Roman Fleischer präsentiert wurde und interessant war für mich bei der Biografievorstellung, daß der  am Attersee lebende, ein größeres Werk hat, als ich dachte.

Studiert hat er Theaterwissenschaft, Germanistik, Theologie, dann war er Puppenspieler, Filmemacher, etcetera.

Und seine in Verlagen, wie „Sisyphos“, „Resistenz“ ,“Kitab“ erschienenen Romane, dürften irgendwie zusammenhängen und der heute vorgestellte „Der Abschweifer“, spielt am Attersee, der einen anderen Namen trägt. Ein erfolgsloser Schriftsteller namens Leo Kmetko, das Alter Ego Ernst Wünschs, wie in dem Roman auch vorkommt, wohnt dort in einer verfallenen Villa und soll ein Kochbuch schreiben.

Er bekommt eines Tages einen Brief von seinem Verleger, der schickt ihm einen Filmemacher, der einen Film über ihn drehen soll. Der kommt ohne Equipment und um das im Attersee versengte Nazigold scheint es auch zu gehen.

Das alles hat Ludwig Roman Fleischer in etwa  in seiner Einleitung erklärt. Dann kam die sehr lange, fast eine Stunde dauernde Lesung, in der der Autor seine Figuren vorstellte. Da gibt es einen Pianisten, der seinen Flügel in den See versenkte. Einen Exkurs über den See gab es auch und dann noch ein langes Gespräch, wo Ludwig Fleischer, wie er es nannte, viele naive Leserfragen stellte, beispielsweise die, wie autobiografisch ist das Ganze und warum der Leo ein erfolgloser Schriftsteller ist, was auch irgendwie in dem Buch beantwortet wird.

Der Autor beantwortete es mit den Schwierigkeiten mit den Kleinverlagen, etwas was ich mir gut vorstellen kann und dann gab es überraschender Weise eine Pause, beziehungsweise O-Ton Fleischer, ein akademisches Viertel, die wahrscheinlich einige der Zuhörer vertrieb, so daß es nachher als Bettina Balaka an die Reihe kam, schon ziemlich leer war.

Bei Bettina Balaka überraschte Ludwig Fleischer auch über seine große Werkkenntnis. Er stellte die 1966 in Salzburg geborene in ihrer Vielseitigkeit vor und mir ist sie ja auch nicht so unbekannt, seitdem ich, ich  glaube, 1992 im Rahmen meiner Jurytätigkeit für das Nachwuchsstipendium ihren Namen und ihre Texte kennenlernte.

Bettina Balaka erzählte in ihrer Einleitung, daß sie gerne in der „Alten Schmiede“ lesen würde, weil sie dort, als sie noch ganz unbekannt war, einen Stapel Gedichte hinschickte und gleich zu einer Lesung eingeladen wurde und Ludwig Roman Fleischer lobte noch die Vielseitigkeit ihrer Romane.

„Eisflüstern“ handelt vom ersten Weltkrieg, „Kassiopeia“ von Venedig. Dann gibt es noch ein Buch über einen Hund und jetzt in der „Prinzessin von Arborio“ um einen Satiren Krimi oder wie Bettina Balaka erklärte, um Frauen, die sich Schwerverbrechern hingezogen fühlen,  ihnen  Briefe ins Gefängnis schreiben, sie heiraten, etcetera.

In dem Buch geht es um die umgekehrte Form. Die Heldin ist eine schöne Frau namens Elisabetta  Zorzi, die ihre Männer umbringt und das weiß man gleich am Anfang.  Ludwig Roman Fleischers naive Leserfrage war dann auch, ob das mit dieser Eisdielenmöderin zu tun hat, die es ja gegeben hat?

Eine schöne Frau, deren Schönheit allerdings vom Chirurgen stammt, die ein italienisches Restaurant, ich glaube, in Wien führt und die Männer mordet, wenn sie sie enttäuschen. Der erste hat sie geformt, das heißt ihrer Schönheitsoperationen bezahlt, der zweite betrogen, danach hörte Bettina Balaka, die überraschend kurz gelesen hat, auf.

Ludwig Roman Fleischer erzählte noch von einem Gefängnispychologien, der sie entlarvt, ihr dann aber doch verfällt und ein langes Gespräch mit vielen Fragen aus dem noch vorhandenen Restpublikum gab es auch und einen sehr direkten Hinweis auf den Büchertisch.

Kaufen und lesen. Mit „Kassiopeia“ habe ich das schon getan und Bettina Balaka erzählte noch, daß es sie gereizt hätte, über das zu schreiben, was man angeblich nicht darf.

Also einen historischen Roman, die gibt es über den ersten Weltkrieg aber inzwischen zu Hauf oder über Hunde, die sind in der letzten Zeit auch sehr geschrieben worden, über Venedig oder eben über einen Krimi, wo man schon weiß, wer die Mörderin ist, aber eigentlich ist es Bettina Balaka weniger um den Krimi, als um die psychologische Frage, warum Menschen sich zu Schwerverbrecher hingezogen fühlen, gegangen.

Das ist eine Frage, die mich auch beschäftigt, bei Jack Unterweger, aber auch in meiner Praxis konnte ich das ein bißchen mitvergfolgen.

Es wird wahrscheinlich schon ein bißchen das Helfersyndrom sein und auch das sich überschätzen, bei den Frauen. Bei Männern gibt es das auch viel weniger zu geben, erzählte Bettina Balaka, wenn dann muß die Mörderin schön sein und die Männer werden schwach, während das bei den Männer wurscht ist.

Spannend auch die Frage, ob das bei „Haymon“ erschienene Buch einmal zu mir kommen wird.

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