Literaturgefluester

2020-03-23

Corona-Tagebuch

Filed under: Alltagsgeplauder — jancak @ 00:09
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Ich erlebe ja momentan ein deja-vue, denn am zehnten März vor einem Jahr, einem  Sonntag, bin ich mit dem Alfred, wie wie das immer wenn wir in Harland sind, machen, auf die Rudolfshöhe gegangen und dort bei dem schmalen Wegerln, wie mir auch schön öfter passierte, ausgerutscht und habe mir einen offenen Knöchelbruch zugezogen. Drei Tage Spital, sechs Wochen Gips, in denen ich meine Praxis machte, ungefähr einmal in der Woche nach St. Pölten zur Kontrolle ins Universitätsklinikum gefahren bin, dann einmal, weil wir schon die Karten dazu hatten, ins Filmcasino gegangen sind und einmal aus genau diesen Gründen auch zu der „Literatur und Wein“.

Bach Ostern ist der Gips hinuntergekommen, das Gehen ist dann mühsam gewesen und mußte sozusagen neu erlernt werden, viel Straßenbahn gefahren am Anfang, aber jetzt ist wieder alles normal und ich sollte meine letzte Kontrolle haben und entscheiden, ob ich mir die Schrauben herausnhemen oder drinnen lassen will?

Das ist ja wieder etwas wie die Wahl zwischen Pest und Cholera, denn Implantate sind nicht gut, Operationen auch nicht, die Entscheidung wurde aber durch den momentanen Ausnahmezustand oder dem Corona Virus, das im Jänner dieses Jahres zuerst in China, dann überall auftauchte, abgenommen und nun hat sich alles wiederholt.

Es ist, wie ich schon in meinen „Haßposting“ geschrieben habe, zu einem zweiten Veranstaltungsstop gekommen und „Leipzig“ wurde als erstes noch einmal abgesagt.

Die ersten Informationen über Corona waren wahrscheinlich durch den Ausbreitungsort in China sehr beunruhigend. Da hörte man ja von drastischen Maßnahmen, wie, daß die Ausgangsstops durch Polizei und Sandsäcken vor der Tür durchgesetzt werden.

Dort scheint sich inzwischen wieder alles zu normalisieren, aber das Virus ist wohl gloabilierungsbedingt nach Italien gekommen und hat dort drastische Ausmaße erreicht. Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen. Die Menschen sterben in den Gängen der Kliniken und können nicht behandelt werden und das, was ich in Österreich ziemlich am Anfang hörte, war ja auch das Bild von der Schule, wo es eine aus Italien zurückgekommene Lehrerin gab, die dann auch negativ war. Die Schule wurde aber von der Polizei abgeriegelt und die Kinder nicht hinaus gelassen.

Das hat sich jetzt geändert und die Ausgangssperren sind Beschränkungen und laufen mehr oder weniger freiwillig, beziehungsweise höflich geordnet ab und das, was mich an der Sache am  meisten schreckt, ist die Gewalt und die Dystopien, in die man dadurch kommen könnte.

So höre ich ja die Gerüchte, daß das Geld abgeschafft werden und, die, daß die Ausbreitung des Virus durch Bewegungsmeldungen der Handydaten erreicht werden sollen, höre von Zwangsimpfungen, die es dann geben wird.

Noch gibt es aber keine Impfung, auch keine Medikamente und sogar die Schutzmittel, beziehungsweise die Desinfektionsmittel sind aus. Die werden, wie ich höre oder lese, auch manchmal geklaut.

Ebenso gibt es diese ja fast lustigen Geschichten, um das Klopapier, das alle plötzlich horten und wahrscheinlich immer noch niemand weiß, wozu man das braucht?

Denn notfalls kann man ja das Wasser, die Zeitung und im schlimmsten Fall sogar Buchseiten zum Po abwischen verwenden. Das ist sicher ein psychologischer Effekt und das Spielen mit der Angst ist wahrscheinlich auch die höchsten Gefahr, denn dieses Virus ist ja sehr widersprüchig.

Es breitet sich sehr schnell aus und Anfangs wurde wahrscheinlich auch viel zu leichtsinnig überall herumgeflogen und das Fiebermessen am Flugplatz ist wahrscheinlich auch kein eindeutiges Indiz der Ansteckung, wo ja die jungen Leuten offenbar keine Symptome zeigen, die älteren und kranken schwere Verläufe haben und man Anfangs nicht so richtig wußte, wie man damit umgehen soll?

Hände waschen genügt, hieß es vor drei Wochen, als Leipzig schon abgesagt, die Veranstaltungen aber noch offen waren und ich war auch bei ein paar sehr gut gefüllten Veranstaltungen, wo ich mich dann durch den vollen Buffetraum des Literaturhauses, drängte, um meinen Wein zu holen und auch die Frauenlesung im Amerlinghaus war sehr voll, so daß der Meter Abstand, der damals schon herumging, nicht eingehalten werden konnte. Das änderte sich dann Schlag auf Schlag, bei der Veranstaltung zum Frauentag im Literaturhaus habe ich noch gedacht, die Geschäftssperrungen, von denen man schon hörte, kommen in zwei drei Wochen auch auf uns zu.

Sie kamen dann im Lauf der Woche, zuerst mit einer Veranstaltungseschränkung auf hundert Personen am Dienstag, wo ich am Abend noch in die „Gesellschaft für Literatur“, aber nicht hineinging, weil man seinen Namen angeben mußte. Den hätten sie zwar ohnehin gehabt, aber ich bin ab da zu Hause geblieben, beziehungsweise nur noch zweimal einkaufen gegangen. Das erste Mal am Mittwoch, um mir für das Mittagessen Avocados zu kaufen, das zweite Mal am Freitag, weil die Milch ausgegangen war und der Alfred erst so spät nach Harland zum Einkaufen und das Regeln mit der Vierundzwanzigstundenbetreuerin, fuhr, was auch ein Problem sein wird, wenn die wegfallen, daß ich, ob der Bilder von den Hamsterkäufen befürchtete, keine mehr zu bekommen.

Ab da hat sich das Leben  verändert. Die Leute bleiben langsam zu Hause, beziehungsweise werden sie, wenn sie in den Parks spazieren gehen,von Reportern gefragt, was sie da machen? Wo ich mich ein wenig wundere, daß sie den ganzen Tag auf den Straßen herumlaufen, weil das ja  keine lebensnotwendige Tätigkeit ist, die anderen lächerlich zu machen, wenn sie sagen, daß sie bald wieder zum Friseur gehen wollen!

Ich habe, glaube ich, schon ab der Absage von Lepzig, damit begonnen auf die Wichtigkeit des Lesens hinzuweisen, werde mir Ronny Rinderers Schreibkurs zur Krise ansehen und werde das wohl noch öfter tun und bin ansonsten  sehr beschäftigt, habe ich ja einen Beruf, der wichtig ist, um die Depressionen, die durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten oder in Folge  der Angst und Panikmache entstehen, einzudämmen und ansonsten ist es wohl, die gravierenste  Situation, durch die wir gerade gehen.

Wie sich diese Krise auf uns alle auswirken wird, wird sich wohl erst in den nächsten Monaten zeigen. Bis dahin durchhalten, sich eine Tagesstruktur aufbauen, sich beschäftigen, ist wohl zu empfehlen und da weise ich, weil das ja  meine Passion ist, auf das Schreiben und Lesen hin und überlege schon, wie ich das Virus in meinen nächsten Roman, der ja „Kein Frühlingserwachen mehr“, heißen soll, einbauen kann, obwohl es wahrscheinlich zu früh ist, über die Krise zu schreiben.

Paula Giordano, der italienische Autor, hat es schon getan. Sein „In Zeiten der Ansteckung“ wird  im April erscheinen. Ich werde, wenn das Buch oder die Fahnen zu mir kommen, darüber schreiben und ein weiteres „Corona-Tagebuch“ wird es bei mir  wahrscheinlich in unregelmäßigen Abständen  auch geben, wenn ich meinen Tagesartikel nicht durch eine Buchbesprechung füllen kann.

Ansonsten hätte ich noch drei Kapitel aus dem „Fräulein No“, die ich im November geschrieben, aus dem Text aber hinausgeschmissen habe, die ich nach und nach hier einfügen kann.

2020-03-22

Und wie wir hassen!

Filed under: Bücher — jancak @ 00:04
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Haß im Netz ist ja seit es das Internet gibt und wir bloggen, twittern, facebooken, etcetera, ein großes Thema, dem ich beispielsweise durch meinen Freund Uli im Jahr 2016 begegnet bin, vorher hatte ich schon einige Troll oder Spam-Kommentare, Beschimpfungen eigentlich selten, weil ich ja schon berufsbedingt und, weil ich, wie mir eine Mutter bei einem Elternabend der Kinderguppe oder freien Schule meiner Tochter Anna vor zig jahren einmal sagte, harmoniesüchtig sei, immer freundlich darauf antworte.

Ich antworte, lösche,  blockiere nie und zeige auch nicht an, weil ich die Kommunikation und das gute Auskommen für wichtig halte, konnte aber an meinen Kommentierern, beispielsweise einer der letzten, wo es um das Wort „MS“ das offenbar nicht ausgeschrieben in einem Kinderbuch steht, ich als solche aber zu erkennen glaubte, merken, wie  schnell das umschlagen kann.

Ich bin also keine Haßposterin und mein „Haßposting an Corona“, richtet sich auch weniger gegen die Krankheit, als an den Haß und die Gewalt, die vielleicht deshalb entstehen kann und  wurde da durch die fünfzehn Haßreden inspiriert, die Lydia Haider, die 2015,  Finalistin beim „Alpha“ war, bei „Kremayr & Scheriau“ herausgegeben hat und fünfzehn meist jüngere Autorinnen und bildende Künstlerinnen dazu eingeladen hat. Die Betonung liegt auf dem „I“, denn es ist ein Buch von Frauen.

Ich habe es schon länger im Badezimmer liegen, vor einigen Wochen eine Ö1 Sendung darüber gehört und Gertraud Klemm, hat bei der Lesung zum Frauentag, der letzten Veranstaltung, die ich coronabedingt, bis jetzt besucht habe, einen Teil daraus vorgetragen.

„Und, wie wir hassen – 15 Hetzreden“, Haß liegt mir eigentlich nicht, habe ich schon geschrieben, Literatur interessiert mich dagegen sehr, auch wenn ich mit mancher, die vielleicht zu sehr hetzt und schimpft meine Probleme habe und zum Leidwesen meines Freundes Uli , der sich manchmal darüber lustig macht, auch mit der Ironie, es also nicht mag, wenn neben mir im Literaturhaus eine oder einer sitzt, der oder die laut auflacht, wenn der Autor, die Autorin beispielsweise vorliest, wie er oder sie ihrem oder seinem Partner eine hinunterhaut.

Trotzdem habe ich das Buch gelesen und es hat mir auch gefallen, obwohl ich, wie schon geschrieben, Haß  eigentlich nicht mag, also sollte ich mich vielleicht auch von dem kurzen Vorwort, der 1985 geborenen Lydia Haider, die in der „Wienzeile“, auch eine eher offensive Literaturzeitschrift, publiziert, distanzieren.

Man kann aber auch, wie ich es getan habe, darüber hinweggelesen und dann sind die Texte mit Ironie betrachtet, wie die Autorinnen beim Interview auch betonten, eigentlich nicht mehr so arg.

Die, wie sie schreibt, im letzten Jahrhundert geborene deutsche bildende Künstler Sophia Süßmilch beginnt mit einer „Vollständigen und fairen Liste alle Dinge, die ich hasse“, die mit „Ich hasse Hoden“, beginnt und mit „Ich bin so voller Hass, das muß Liebe sein“, endet, was schon einmal nachdenklich machen kann.

Die Publikumspreisträgern des „Bachmannpreises“ von 2018, die mit dem „Flüssigen Land“, sowohl auf der „Shortlist des dBp“ als auch des „Öst“ gestanden ist, steuert eine Haßrede an den Literaturbetrieb bei und schreibt am Schluß „(Die Autorin lässt ihre Entschuldigungen dafür ausrichten, dass sie sieben Jahre nach Verfassen dieses Textes doch noch irgendwie zum Hauptpavillon geschossen weorden ist. Sie kann sich nicht erklären, wie das zugegangen ist.)“

Nora Gomringer, die ja ihren letzten Gedichtband beim Leipziger- Onlinemesse Erstatzprogramm vorgestellt und sich dabei als sehr gläubig geoutet hat, hat erlebt, wie ein schnell ein Brief, der die Worte „hochverehrt, bezaubernd und klug“ enthält, sehr schnell zu einem mit „verfickte Schlampe, Männerhasserin“ umschwenken kann, wenn man nicht, wie gewünscht darauf regiert.

In Sibylle Bergs Text hat die Erzählerin Schwierigkeiten mit ihrem zwanzigjährigen fußballbesessenen Sohn und ist, wie ich erstaunt feststellt, weniger offensiv, wie ich es eigentlich von Sybille Berg erwartet hätte.

Texte der kurdischen Rapperin Ebow sind auch immer eingestreut.

Die ebenfalls beim „Bachmannpreis“ gelesen habende,1986 geborene Stefanie Sargnagel, die Mitglied der Burschenschaft „Hysteria“ ist, drückt ihren Haß in Auszügen aus ihren Tagebüchern aus.

Die in Belgrad geborene „Prießnitz-Preisträgerin“ Barbi Markovic, erzählt von einem Klassenbuch, das die Erzählerin über ihre Mitschülerinnen angelegt hat und dafür von ihrer doch nicht allerbesten Freundin Mira, zu Grund und Boden niedergeschimpft wurde.

Die 1983 geborene Judith Rohrmoser erzählt in „Sesshaft von ihrer jüdischen Familie und beginnt mit den Worten „Ich hasse es, wenn Leute in diesem gekünstelten Hochdeutsch mit mir reden, anstatt ihrer naturgewachsenen Bauerngoschn zu benutzen.“

Die  1971 in Wien geborene Gertraud Klemm hat von ihren “ Vier Zumutungen“, ihre Haßrede an die Frauenministerin schon im Literaturhaus gelesen, dann gibt es noch eine an ein Vorstandsmitglied, eine an die Vegetariergegner und einen Nachschlag gibt es auch.

Die Politikwissenschaftlerin und Genderforscherin Judith  Goetz hat ihre „Verachtung gegen die entbehrlichen Herren“, schon bei derr Ö1-Diskussion ausgedrückt.

Die 1971 geborene Kathrin Röggla  mit der ich schon  einmal in Salzbrug gelesen habe,  läßt ihre Protagonistin eine „Taxifahrt“ mit einem Rechten erleben, fährt mit ihm an einer Demonstration vorbei und hat auch ihr Geld vergessen.

Die „Todespostings“, der 1983 in Wien geborenen Puneh Ansari Todespostings“ und die „Haßtiraden“ der 1983 in Wien geborenen Köchin und Sprachkunststudentin Maria Muhar, waren mir  fast zuviel, da hat mir dann,  die „Hasshasenagst“, der 1974 in Zehdenik geborenen Manja Präkels, deren Debutroman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“, ich gelesen habe, die an Hand eines Angriffs an ein elfjähriges irakisches Mädchens, die Entstehung des Hasses analysiert, besser gefallen.

Ein interessantes Buch mit interessanten Texten interessanter starker Frauen, die einmal, den Spieß umdrehen  und denen ich dennoch zurufen möchte „Weniger Haß ist mehr!“

2020-03-19

Quarantäne-Schreiben

Filed under: Alltagsgeplauder,Schreibbericht — jancak @ 00:41
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„Ins Erzählen flüchten“, lautet der Titel von drei Poetik-Vorlesungen, die Jonas Lüscher abgehalten hat, als von Corona wahrscheinlich noch keine Rede war und die jetzt als Buch erschienen sind.

Als ich es gelesen habe, war davon schon ein bißchen die Rede, aber noch lange nicht so aktuell und brisant wie jetzt und ich bin ja dafür bekannt, daß ich immer gerne über die aktuellen gesellschaftlichen, literarischen, sozialen, etceteram Zustandslagen schreibe, so habe ich in einem sogenannten „Haßposting an Corona“ eine diesbezügliche Glosse abgeliefert.

Das war vorige Woche, die Ereignisse haben sich inzwischen überschlagen und die Realität überholt, so daß ich denke, daß es sehr sehr interessant ist, in literarischen Glossen und Berichten, die gegenwärtige Entwicklung als Zeitdokoment zusammenzufassen.

„Die postapokalyptische Welt wird Ihnen bestimmt für Ihr Zeitdokument ewig dankbar sein!“, hat so in etwa mein Freund Uli kommentiert und hat es wahrscheinlich ironisch gemeint.

Glaube ich nicht, beziehungweise ist das gar nicht das, was mich an der Sache hauptsächlich interessiert, für mich ist das Dokumentieren  in erster Linie wichtig, um meine Gefühle und Gedanken zusammenzufassen und das ist wahrscheinlich in Zeiten, wie diesen etwas was jeden betrifft und da rät die Psychologin, darüber reden, darüber schreiben, malen, singen etcetera.

In Italien hat man, glaube ich, angefangen sich am Abend auf den Balkon zu stellen und „Bella Ciau“ zu singen.

Man könnte sicher auch die „Internationale“ dafür nehmen oder die Bundeshymne, je nach Geschmack, aber die bitte in gegenderter Form, füge ich hinzu, denn es gehen jetzt ja wohl auch die Töchter auf den Balkonen und singen oder gehen für die kranke Nachbarin einkaufen, stehen im Spital, machen Tests, etcetera und das Erste was mir schon vor zwei Wochen eingefallen ist, als da die Leipziger Buchmesse abgesagt wurde, war lesen, lesen gegen die Angst, gegen das Aufschaukeln in die Hysterie, etcetera, die Alternative.

Dafür habe ich auch meine Frühjahrslesestapel im Badezimmer und da habe ich sicher keinen Notstand, die Bücher gehen so schnell nicht aus und kommen auch nach, wie ich merken kann, obwohl die Buchhandlungen bei uns ja ab heute geschloßen sind und das Literaturcafe hat auch schon eine Zusammenstellung gegeben, welche Bücher sich dafür am besten eignen.

Camus „Pest“ könnte, sollte man da vielleicht nochmals oder erstmals lesen. „S. Fischer“ hat für die sich in Quarantäne befindenden Personen und wahrscheinlich auch für die anderen, eine Leseliste mit vierzehn Büchern für die vierzehn Tage zusammengestellt.

Die meisten, ich eingeschloßen, werden das wahrscheinlich in dieser Zeit gar nicht schaffen und länger dafür brauchen, aber man braucht wahrscheinlich mehr, um seine Angst zu bewältigen und da eignet sich, wenn man jetzt seine Sozialkontakte einstellen soll, auch bevorzugt, das Schreiben.

Da hätte ich wahrscheinlich noch vor einem Monat die Antwort bekommen „Dafür habe ich keine Zeit!“

Das gilt Erstens wahrscheinlich jetzt gar nicht mehr, denn Zeit in Hülle und in Fülle und was bitte fängt man damit an, wenn man gar nicht damit geechnet hat?

Also eignet sich das Schreiben besonders dafür, aber für die Zeit braucht man auch ein Management und für das Schreiben einen Plan und für all das hat ja Jurenka Jurk ihre Roman-Schreibschule und die bietet sie schon seit längeren Online an und da hat sie auch immer ihre berühmten Zeitmangagementseminare und Zufall oder nicht, gab es in der letzten Woche wieder zwei Gratiswebinare und ich glaube auch einen Kurs zu „Zeit fürs Schreiben“, der nächste Woche beginnt.

Für Jurenka Jurk ist es da in Zeiten, wie diesen warhscheinlich auch besonders wichtig, daß sich Leute dafür melden, andere zögern vielleicht und denken, daß sie, wenn sie nicht wissen, wie es in der nächsten Zeit weitergeht, vielleicht vorsichtig sein sollen und noch andere, wie beispielsweise Ronny Rinderer, den ich durch eine von Jurenka Jurks Onlinemessen kennengelernt habe, hat und der in der Buchhandlung auf der Meidlinger Haupstraße ein monatliches Schreibcafe hat, das jetzt natürlich nicht mehr stattfindet, hat noch eine andere Idee, hat er doch den „QuarantiMo“ ausgerufen.

„QuarantiMo“ was ist das bitte?“, werden jetzt vielleicht meine Leser fragen. Wir kennen den „Nanowrimo“, den „National Writing Month“, ein Schreibprojekt aus Amerika, der jeden November stattfindet, aber ein QuarantiMo?

Also da hat Ronny Rindler wahrscheinlich auch die Idee gehabt, daß es gut sein kann, seine Ängste schreibend auszudrücken und sich in der Zeit, wo man zu Hause ist, schreibend zu beschäftigen. Anstecken kann man sich  dabei auch nicht, wenn er jeden Samstag ein Video auf seinen Kanal mit einer Schreibaufgabe stellt und das, solange die Krise anhält und man nicht ins Schreibcafe gehen kann, anhält.

Die erste Aufgabe gibt es schon, da rät er jeden Tag drei Morgen- oder was auch immer Seiten mit seinen Ängsten, Befürchtigungen etcetera zu schreiben und mir, die ich ja schon seit einigen Wochen über die aktuelle Krise literarisch oder glossenhaft schreibe, ist auch schon die Idee gekommen, bei meinem nächsten Projekt, das ich angehen werde, wenn ich mit dem „Fräulein No“, an dem ich derzeit aktuell korrigiere, fertig bin, die Krise einzubeziehen.

Da war ja die Idee im Sinne der „Heldenreise“ einen Plot auszuprobieren beziehungsweise zu planen, wo eine Frau, die ihren kranken Mann betreut sich in einen Jüngeren verliebt, das könnte ich in Carona-Zeiten vorverlegen und dafür sammle ich aktuell schon Ideen.

Zum Schreiben selber ist es dazu wahrscheinlich noch zu früh, weil sich die Ereignisse ja derzeit überschlagen, aber schreiben und lesen ist sicher eine gute möglichkeiten in Zeiten, wie diesen Ruhe und Sicherheit wiederzugewinnen, denke ich und freue mich auf das nächste Video am Samstag, die ich zum reinen Morgenseiten schreiben wahrscheinlich zu ungeduldig bin, selber schon, wie, ich glaube, ein ganz gutes Zeitmanagement habe, Zeit zum Schreiben wahrscheinlich auch und Zeit zum Lesen natürlich, die ganz besonders und ein Notizbuch habe ich auch auf meinen Schreibtisch liegen, in das ich alles eintragen kann.

2020-03-15

Haßposting an Corona oder Veranstaltungsstop II

Es ist ein deja vue „Leipzig virtuell„, statt aus dem Schlafzimmer und wieder eine Veranstaltungspause, bis Ostern oder so, vielleicht auch länger, man weiß ja nicht, voriges Jahr war es das Gipsbein, das mich hinderte, diesmal Corona, Corona, Corona, das Virus aus dem fernen Osten, aus China, das plötzlich nach Weihnachten überall auftauchte und man dachte zuerst, „Sars, Schweingrippe, Hühnergrippe“, „H1N1! Virus“, das kennen wir schon, haben wir schön gehört, hören wir jedes Jahr, daß da die Menschen in China ihre Hühner schlachten, was ich eigentlich für einen Wahnsinn halte oder mit Mundschutz herumrennen, aber dann weitete sich die Panik aus und schwappte bis in unseres sicheres Europa hinüber, denn soetwas, ganz ehrlich, habe ich noch nie erlebt und wiederum ganz ehrlich macht es mir Angst!

Dabei ist es nicht das Krönchenvirus vor dem ich mich fürchte und auch nicht das „Corona-Bier“, das pötzlich alle ansteckt, sich weltweit überall ausweitet, von den Jungen an die Alten übergeht, die aber meistens keine oder nur ganz schwache Symptome haben und nach vierzehn Tagen wieder gesund und nicht mehr übertragbar sind, denn ich gehöre ja noch zu der Generation, die sich vor Viren nicht fürchtete, an das Immunsystem glaubte, bei Schnupfen Zitronentee trank, bei Heiserkeit vielleicht inhalierte, um die Stunden und die Vorlesungen abhalten zu können und sich an das alte Hausrezept hielt, ein paar Tage Bettruhe und alles ist in Ordnung, was man ja auch als eine Art Quarantäne bezeichnen könnte.

Die Kranken bleiben zu Hause, trinken Tee und eßen Hühnersüppchen, wie ich eine von „Oe24“ interviewte, infiszierte Patientin, vor kurzem sagen hörte, Medikamente dagegen gibt es nicht und ihr geht es gut!

Wozu dann bitte die Aufregung und die Bilder von den Menschen, die mit Gasmasken und Schutzanzügen, die Straßen entlanglaufen, in den Supermärkten ihre Einkaufswagen mit Klopapier und Dosenravioli vollfüllen und sogar in Kinderkliniken einbrechen, um dort Desinfektionsmittel zu stehlen?

Alle Infiszierten sollen erfaßt werden, um zu Hause zu bleiben, sich auskurieren, ja das ist sinnvoll und auch den älteren und kranken Menschen, die sicherlich anfälliger sind, ist, das anzuraten.

Die Viren übertragen die Kinder und die Jugendlichen und werden nicht krank, die Schulen sollen aber geschloßen werden, dann werden vielleicht die Omas auf die Kinder aufpassen und ich habe ein Video gesehen, wo in Deutschland wegen der Schulsperren, etwa zwanzig Kinder in einem Zimmer zusammen waren und von den Journalisten befragt wurden, ob sie sich über die Zwangsferien freuen?

„Wo ist da der Unterschied?“, habe ich gedacht und daran, daß die Hysterie und die Panikmache, vielleicht der größere Virus ist  und mehr Schaden auslöst, als, wie man es früher machte, die Grippewellen einfach vorüber gehen zu lassen.

Gut, da gab es 1919, die spanische Grippe und daran sind, wie ich hörte, mehr Menschen als im ersten Weltkrieg gestorben, aber die waren ausgemergelt und unternernährt nach den Jahren des Krieges und hatten keine Abwehrkräfte und, wieder gut, die medizinische Entwicklung war nicht so weit, wie heute, wo das medizinische Personal mit Mundschutz und Atemmasken, die Tests ein den Infiszierten macht, die vielleicht durch Bewegungsmeldungen der Handys der Positiverkannten, ausfindig gemacht und mit der Polizei abgeholt werden.

Ein Impfmstoff wird entwickelt und bis es soweit ist, werden Messen, Konzerte, Kongreße und Veranstaltungen abgesagt.

Die Wirtschaft kann man überall hören, bricht überall nicht nur mehr ganz allmählich, sondern rasant zusammen und das macht mir Angst und auch, die Kriiminalisierung, die passiert, wenn man auf dieses Virus getest ist, der Haß, den es  auslöst.

Davon hat ja diese Dame, der es wieder gut geht, über Skype gesprochen, die Freunde haben sich von ihr abgewandt und sie beschimpft und ihr Betrieb ist, da sie freibeuflich ist, in den vierzehn Tagen Quarantäne zusammengebrochen oder ist in Gefahr das zu tun und als vor ein paar Wochen bekannt wurde, daß in einem Wiener Gymnasium, eine Lehrerin, die in Norditalien auf Urlaub war, Sympotme hatte, ist die Polizei mit angeblich ohnehin wirkungslosen Mundschutz aufmarschiert, hat die Gasse abgeriegelt, die Kinder nicht nach Hause gelassen und die Eltern, glaube ich, nicht einmal darüber informiert.

Nachher hatte die Lehrerin den Virus nicht, inzwischen gibt es aber auch in Österreich Infiszierte, ganz Italien wurde abgesperrte und  die  Journalisten reisen lustig hin und her, um die Fiebermeß- und Paßkontrollen zu fotografieren.

Veranstaltungen wurden abgesagt, wie die „Leipziger Messe“ aber auch, die über hundert Personen, also Konzerte,Theater und Museen.

In der „Alten Schmiede“ und in der „Gesellschaft für Literatur“, die ja viel kleiner sind, hängen Informationen vor der Tür oder am Klo, wie man sich richtig schneuzt und die Hände korrekt wäscht, ist in acht Punkten aufgezeichnet.

Desinfiszieren, braucht man die nicht immer, denn Erstens gehen dadurch die Abwehrkräfte auf die Dauer auch kaputt und Zweitens fehlen sie dann im Spital, wo die Ansteckungsgefahr natürlich höher ist, als in einem Spital und der „Poetry Slam“ im Literaturhaus am Freitag wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt, denn da sind wahrscheinlich mehr, als hundert Personen zu erwarten, aber ich habe mir ohnehin schon gedacht, daß es da vielleicht ratsam wäre, nicht hinzugehen, aber sonst, denke ich,  könnte es vielleicht ruhiger gehen, als diese weltweite Panik mit Polizei- und Strafandrohungen, die die Wirtschaft vielleicht schneller kaputt machen kann, als es der Virus täte, denn in China hört man, wo es ja rigorose Maßnahmen gab, gehen die Erkrankungen zurück und die ersten zwei Italiener, die das Virus in ein Innsbrucker Hotel vor ein paar Wochen brachten, sind auch wieder gesund und könnten weiter arbeiten, wenn  das Hotel noch geöffnet wäre und natürlich könnte man, wie mir auch „Wagenbach“ vor ein paar Tagen mailte, sich jetzt in sein Zimmer zurückziehen, die virtuelle Onlinemesse aufdrehen, Karin Peschka ermöglicht auf ihrer Website, da auch den Autoren, die das sonst in Leipzig getan hätten, dort ihr Buch vorzustellen oder nach den Büchern greifen, um sie bei Tee und Hühnersüppchen in sich hineinzuziehen und die Krisenzeiten abzuwarten, wenn es dann nicht schon zu spät ist und die Psychotherapeuten in den nächsten Jahren die Panikattacken und Traumatiserungen, die dadurch entstanden sind, abzuarbeiten und natürlich ist die Panik wohl auch eine Folge der Globalierung, die ja alles schnell und überall herumträgt und sich ausbreiten läßt, die Informationen, wie die Kartoffeln, die von einem Land ins andere gekarrt werden, um gewaschen, geschnitten, verpackt und verkauft zu werden, wie die Viren, die sich weltweit und rasant ausbreiten,wenn man von einem Land zum anderen fliegt.

Also Großmutters Rat befolgen, zu Hause bleiben, Tee trinken, sich auskurieren, dann braucht man auch keine Polizei mit Mundschutz, die vor den Türen sitzt und alles bewacht.

Der Hausverstand  könnte das vielleicht besser tun, aber das ist in Zeiten, der Massenglobalisierung, Massenin- und  auch Fehlinformationen, wohl nicht so einfach möglich.

2019-02-24

Wochenende bei den IG-Autoren und zehn Jahre andere Buchmesse

Büchertisch

Büchertisch

Dieses Wochenende ist wieder einmal GV der IG-Autoren, wo ich seit an die dreißig Jahren Delegierte der Einzelmitglieder bin und auch sehr regelmäßig zu den Sitzungen gehe, weil das ja ein Weg ist in Kontakt mit der Autorenschaft zu kommen, obwohl ich die meisten der anderen Teilnehmer, die ja auch aus den Bundesländern kommen nicht kenne und Gerhard Ruiss, der Geschäftsführer und, glaube ich, auch Gründer der IG seine Einzelmonologe hält.

Es gibt ein Programm und eine Tagesordnung, meistens wird zuerst das Budget besprochen. Die Subentionen bleiben gleich und die IG weiß zu sparen, beschickt die Messen in Leipzig, Wien und Frankfurt, hat das Llitradio und den Neuerscheinungskagtalog, bei beiden Aktivitäten, sind die Selfpublisher, die IG nennt es noch immer Eigenverlag und nein das geht doch nicht, ausgeschlosen.

Ludwig Laher hat von der „Enquette zur Zentralmatura“ berichtet, die im Dezember war und um Sprache ging es auch.

Um die Haßpostings, die es im Netz zum Beispiel an die gegeben hat, die sich der Rücktrittsforderung an Kinister Kikl angeschlossen haben: „Super, jetzt haben wir eine Liste und wenn es dann so weit ist, wissen wir wer abgeholt werden muss“

Ebenfalls super oder eigentlich eine gefährliche Drohung und um die Zusendungen der „Kommentare zum Zeitgeschehen“, die einige bekommen haben und wo es um die „Linkesten von den Linken geht“, ist es auch gegangen.

Nun wir leben in rauhen Zeiten des Rechtsrucks und der Populisten und auch in denen der Datenschutzverordnung, wo sich dann keiner mehr auskennt, was man nun an wem schicken kann und wie man seine Adressen, Verlags- und Veranstaltungslisten noch gestalten kann und um die kürzlich verstorbenen Mitglieder ist es auch gegangen und um die Frage, was die IG machen kann, wenn sie davon nicht oder  zu spät erfährt und die Leute einfach verschwinden.

Da ist ja die Bruni am 22. Jänner gestorben, die hätte am vorigen Dienstag im Literaturhaus lesen sollen. Susanne Ayoub mit der sie, glaube ich, sehr befreundet war, hat das für sie getan und sie richtet auch eine Abschiedslesung am 11. März, wo die Bruni ihren achtzigsten Geburtstag gehabt hätte, eine Abschiedsveranstaltung, wo noch zwei Bücher von ihr vorgestellt werden, in der Buchhandlung „Tiempo Nuevo“ in der Taborstraße aus.

Dann sind noch Elisabeth Wäger und Michael Amon im Dezember oder Jänner gestorben. Die IG gedachte ihren verstorbenen Kollegen, es gab zu Mittag, am Nachmittag und am Abend ein Buffet mit Gesprächen mit den Kollegen und am Sonntag es mit der Verabschiedung der Präambel zum gesellschaftliche  Bezug in Zeiten, wie diesen  und anderen aktuellen Themen bis Mittag weitergegangen.

Torsten Low

Torsten Low

Andreas Buchwald

Andreas Buchwald

Daran schloß sich jetzt schon zum zehnten Mal, die andere Buchmesse an, die es seit 2009 im Anschluß an die IG von Margit Kröll und anderen organisiert, gibt und die dort ihre zum Teil auch selbstgemachten Bücher präsentierten.

2009 bin ich das erste Mal mit dem Alfred im fünften Bezirk dort gewesen. Es hat die nächsten Jahre dort auch einen Literaturslam gegeben, bei dem ich immer mit meinen jeweiligen Texten mitmachte, aber leider nie etwas gewonnen habe, so daß ich ziemlich frustriert dort ausgestiegen bin, bin aber bis auf das letzte Jahr trotzdem regelmäßig nach der GV hingegangen.

Zweimal war es in einem Architekturbüro in der Seidengasse, dann zweimal am Yppenplatz, einmal unter den Stadtbahnbogen, da habe ich das letzte Mal gelesen, dann in einem Cafe in der Zieglergasse und jetzt schon zum vierten Mal im Festsaal des Bezirksamtes Döbling.

Es beginnt immer mit einem Kinderprogramm, wo Nicole Engbers von der ich einmal ein Buch gewonnen habe, meistens liest, Margit Kröll präsentiert sich dann mit einerZaubershow, es gibt meistens ein Theaterstück und später dann das Programm für Erwachsene, seit des den Literaturslam nicht mehr gibt.

Diesmal bin ich wieder mit dem Alfred nach unseren Sonntagsausflug auf die Mostalm hingekommen, wo es gerade eine humorvolle szenische Lesung gegeben hat.

Danach hat Andreas Buchmann, der Mann im Cowboystil mit Hut aus seinem Krimi „Das Blut der Ratte“, in dem es um drei Obdachlose geht, gelesen und dann präsentierte sich und das war neu, der Kulturverein „scribere  et legere“ dem auch Margit Heumann angehört und mit dem sie auch im Dezember bei dieser Kleinverlagsmesse im MQ war. Da hat Doris Cipek eine Kurzgeschichte vorgestellt und dann kam wieder Thorsten Low mit seinen phantastischen Kurzgeschichten, hat von einem Klavierspieler, der später ein paar seiner <lieder gesungen hat, begleitet, Kostproben daraus gegeben und ich bin wieder von der IG in eine engagierte Kleinmesse hineingeraten, die ja auch einen Teil des österreichischen, beziehungsweise deutschsprachigen Literaturbetriebes darstellt, den ich sehr interessant finde und der sehr vielseitig ist und viele verschiedenen Facetten aufweisen kann.

2018-11-11

Von der elften Buch-Wien

©Margot Koller

©Margot Koller

Von meinem Mini-Privatworkshop mit Stephan Teichgräber, wo es heute, um die Frage ging, ob „ein Zimmer, das ein Fenster öffnet“ eine Metapher ist, bin ich zur Eröffnung der elften „Buch-Wien“, gefahren. Ja es gibt sie schon elf Jahre, also genausolang wie das „Literaturgeflüster“ und ich war immer dabei, bei der Eröffnung zwar zweimal nicht, 2009 hatte ich nur eine Einladung zur Lesefestwoche im Prater und 2015 war ich in der „Alten Schmiede“ bei den „Textvorstellungen“ mit Sissi Tax und Chris Bader-Zintzen, aber sonst meist die ganze Zeit, vor zwei Jahren habe ich im Rahmen des „Ohrenschmauses“ auf der ORF-Bühne diskutiert, 2015 hab ich beim Ö1 Quiz mitgespielt und ein Jahr drauf, glaube ich, auch beim „Bücherquiz“, bei beiden nicht gewonnen und heuer noch einmal beim Bücherquiz, das verändert war, wie vieles auf der heurigen Buch-Wien, aber davon später.

„Schöner, besser, größer!“, habe ich im Vorfeld, glaube ich, gelesen und auf das hat Benedikt Föger in seiner Eröffnung auch extra hingewiesen, daß die „Buch-Wien“ jetzt die gesamte Halle umfasst und die „ORF-Bühne“ sah auch ganz anders aus.

Es gibt auch andere Bühnen, keine „Donaulounge“ mehr und kein „Literaturcafe“, dafür eine „Standard“, eine „Radio-Wien“ und eine „Mastercardbühne“, auf dieser werde ich am Sonntag lesen.

Zuerst gab es aber nach den Eröffnungsreden, die Festrede von der Philosophin Svenja Flaßpöhler „Ignorieren, bekämpfen, verstehen? Über den richtigen Umgang mit Rechts“ und das ist  auch, wie Benedikt Föger andeutete, ein wichtiges Thema, mit dem ich mich ja seit zwei Jahren auch mit meinem Kritiker Uli auseinandersetze.

Wie macht man es richtig? Gibt man einfach keine Antwort und läßt es geschehen, daß auf einmal alles umgepolt wird, die Linken als Faschisten dargestellt werden und der Eindruck erweckt wird, daß man nicht mehr aus dem Haus gehen kann, weil man gleich von Asylwerbern vergewaltigt oder ausgeraubt wird. Ich habe mit dem Uli  den Weg der Diskussion gewählt, wie Svenja Flaßpöhler auch in ihrer Rede erwähnte, daß das auch in Deutschland versucht wird, daß sich immer zwei Linke und Rechte zusammensetzen und, daß das gut gehen kann, wenn beide gewillt sind, einander zuzuhören und vielleicht auch die gegenteilige Argumente zu verstehen.

Denn das bloße Ignorieren, die „Erfolgsbücher“ von Sarrazin, Sieferle, etcetera einfach von den Bestenlisten streichen oder aus den Buchhandlungen nehmen, bringt auch nichts,  als nur erhöhte Aufmerksamkeit dieser Bücher und Argument der anderen Seite, daß hier Zensur betrieben würde und so hat sich die Frankfurter Buchmesse, wo es im Vorjahr ja eine heftige Auseinandersetzung gegeben hatte, alles zuzulassen, was nicht direkt verboten ist, wie Svenja Flaßpöhler meinte, was dann auch wieder zu Auseinandersetzungen führte, weil die zugeteilten Plätze angeblich zu klein wären, wie der Uli heftig argumentierte, etcetera.

Es ist also nicht so leicht, aber ein wichtiges Thema und eine sehr sehr interessante Rede, die natürlich die Frage, wie man es jetzt richtig macht, auch nicht beantworten konnte.

Nachher gab es wie in Leipzig und wahrscheinlich auch in Frankfurt, Brezeln und Wein und ab halb acht seit einigen Jahren „Die lange Nacht der Bücher“, wo man schon die Messe besuchen und die auf der neuen „ORF- Bühne“ mit einem Konzert von Clara Luzia eröffnet wurde. die lange Nacht wurde auf der ORF- Bühne“ von Florian Scheuba moderiert und da gab es dann gleich eine kleine Änderung, denn außer Programm trat dann noch der neue Bürgermeister Michael Ludwig auf, da bin ich aber schon zur „Radio Wien Bühne“ gegangen, weil ich wieder an dem Quiz interessiert war, das diesmal nicht mehr von Günter Kaindldorfer mit einem Gast, sondern nur mit Reinhard Badegruber, von dem ich einmal einen Krimi gelesen habe, der aber inzwischen bei „Radio Wien“ zu moderieren scheint und auch einige Wien Bücher geschrieben hat, moderiert wurde.

Er warf einen Ball in das Publikum, wer ihm fing, konnte mitspielen. Die Fragen waren, glaube ich, aus seinen Büchern, bezogen sich auf Wien und nicht so sehr auf Literatur. es gab aber drei Antworten zur Auswahl. Ich habe auch einmal einen Ball gefangen, zwei Runden mitgespielt und  das Badegruber Buch „Wiener Intrigen, Skandale und Geheimnisse“ gewonnen.

Dann bin ich wieder zur „ORF- Bühne“ zurückgegangen, wo gerade das Duo Maschek auftrat. Einen „Poetry Slam Nacht“ gab es auf der „Mastercard Bühne“ auch. An der bin ich aber nur vorbeigegangen, beziehungsweise war auch auf den anderen davon Bühnen zu hören. Moderiert haben Mietze Medusa und Markus Köhle, ein Kochprogramm gab es, glaube ich, auch und ich habe mir auf der „ORF-Bühne“ noch Bernhard Aigner angehört, der aus seinem neuen Buch „Bösland“ gelesen hat, wo ein Kind seinen erhängten Vater am Dachboden, dem „Bösland“, wo ihn der mißhandelt hat, findet, und sich mit seinen Freund einen schönen Tag macht, in dem er Wein trinkt und eine Torte ißt, weil er an diesem Tag auch Geburtstag hat.

Den Rest des Programmes, es hat noch David Schalko gelesen, habe ich ausgelassen und bin nach Hause gegangen, habe mir allerdings noch das heurige „Eine Stadt ein Buch“-Buch“ Hilary Mantels „Jeder Tag ist Muttertag“ und die neuen „Exil-Preis-Texte“ geholt und dazwischen noch ein paar Gespräche geführt, aber bei der Eröffnung gar nicht so viele Bekannte getroffen.

©Margot Koller

©Margot Koller

Dann habe ich bis drei Uhr früh gebloggt, mich mit einigen Kommentierern auseinandergesetzt und bin am Donnerstag zum ersten regulären Messetag marschiert.

Im Radio habe ich noch Benedikt Föger sagen gehört, daß man sich in Zeiten, wie diesen mit einigen wichtigen Themen auseinandersetzen muß und so ging es, während die Schulklassen ihr Extraprogramm hatten und die Kinder wieder mit ihren Mappen herumliefen, auf der „ORF-Bühne“ am frühen Morgen mit einem „Salzburger Nachtstudio“ weiter, wo sich Susanne Schnabel, die ein Buch „Wir müssen reden“, geschrieben hat, die Psychotherapeutin Christine Bauer-Jelinek, der Psychiater Hans Otto  Thomashoff und der Soziologe Roland Girtler mit der „Neuen Streitkultur“ auseinandersetzen, wo die Leute, weil sie alle in ihren Blasen leben, nicht mehr miteinander reden, sondern sich bei gegenseitigen Meinungen, nur  beschimpfen, Haßpostings aussenden oder den Kontakt abbrechen, während früher Rechte und Linke miteinander streiten, aber trotzdem befreundet sein konnten.

Dann gings gleich weiter mit den „Haßpostings“ und zwar hat da der in Deutschland geborene Journalist mit indisch pakistanischen Eltern, Hasnain Kazim, ein Buch geschrieben, in dem er sich mit diesen, die er auf seine kritischen Artikel bekommt, auseinandersetzt: „Post von Karlheinz. Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte.“

Ein paar davon las er vor und zwar hat ihm da der Karlheinz oder so geschrieben, daß er ihn besuchen soll, damit er ihm erklären kann, was ein richtiger Deutscher ist und er hat ihm dann sehr höflich geantwortet, daß er das sehr gerne tun wird und am nächsten Sonntag mit seinen drei Frauen und seinen sechs Kindern und der üblichen Großfamilie in zwei Bussen anrücken wird um in seinem Garten ein Zelt aufzubauen und zwei Hammeln zu braten. Man muß es wohl manchmal mit der Ironie versuchen, um eine Entschuldigung zu bekommen und ich denke, daß das auch viel besser, als ein Ignorieren oder Zurückschimpfen ist.

Auf der „ORF-Bühne“ ist es dann mit dem  Thema Holocaust weitergegangen, naht ja der neunte November und damit der Novemberpogrom und da hat Lilly Maier ein Buch über einen Holocaustüberlebenden geschrieben, der, als sie ein Kind war, plötzlich vor der Wohnung stand, weil er früher dort gelebt hat und sie sehen wollte und es ist eine intensive Freundschaft zwischen der jungen Frau und dem alten Mann entstanden.

Dann wurden die „European storys“ vom „European Union Prize“, der ja am Dienstag vergeben wurde, im Stundenabstand auf den verschiedenen Bühnen vorgestellt und man konnte sich das Buch auch auf der Messe gratis mitnehmen und  eine Live Ö1 Übertragung gab es auch und zwar mit Marjana Gaponekos neuen Buch „Der Dorfgescheite“, die sehr witzig  ihre Ansichten zum Besten gab, erzählte, daß sie als Kind  gestottert hat und, daß sie gerne auf den Mond fliegen würde und dafür schon einen Sponsor sucht.

Ich bin sehr viel bei der „ORF-Bühne“ gesessen, habe mich da auch mit einigen Besuchern unterhalten und bin erst später zwischendurch zu der neuen Kochbühne gegangen, wo Pasta und Eiscafe und später auch noch Cup Cakes verkostet wurden.

Die „Piper Verlegerin“ Felitzitas von Lovenburg, die, glaube ich, auch in der Blogbuster-Jury sitzt und „Eine Gebrauchsanweisung fürs Lesen“ geschrieben hat, die ich schon in einer Züricher-Buchhandlung bewundert habe, stellte die zuerst auf der „ORF Bühne vor“ und diskutierte später mit dem erfolgreichen Knderbuchautor Thomas Brezina und noch einigen anderen auf der „Mastercard-Bühne“ zum Thema „Lesen war gestern – ein kritischer Blick auf unsere Leselust“, denn es gibt ja nicht nur Studien, daß die Bücherkäufer zurückgegangen sind, sonder auch die, daß immer weniger Leute funktional lesen können. Daher gibt es nächste Woche auch einen „Vorlesetag“, denn es gibt Studien, daß man den Kindern täglich fünfzehn Minuten vorlesen und das auch selber eine halbe Stunde machen soll, um wie Felicitas von Loven enthusiastisch anmerkte, seine Gehrinrinde zu stimulieren, gescheiter, erfolgreicher, glücklicher, etcetera zu werden.

Das schien mir ein wenig übertrieben, wie ich auch bei meinem E- Book lesen, da man das beim echten Buch tun soll, keinen wirklichen Unterschied zum Printbuch merke. Aber ich lese ja meistens mehr als eine halbe tägliche Stunde, nur wenn die „Buch-Wien“ stattfindet, komme ich weniger dazu und Thomas Brezina merkte auch sehr kritisch an, daß man die Leute nicht zu einem „faden Kanon“ zwingen, sondern spannende Bücher für sie schreiben soll, mit denen sie sich identifizeren können.

Auf der „Buch-Wien“ gibt es auch genug davon und ein kostenloses Abendprogramm an den literarischen Veranstaltungen gab es auch und so hatte ich am Donnerstag die Wahl zwischen Michael Krüger, den ich schon am Vormittag hörte, Michal Hvorecky, dessen Buch in meinem Badezimmer liegt und Andrej Kurkows neuen Buch „Kartografie der Freiheit“, das in der „Gesellschaft für Literatur“ vorgestellt wurde. Ich habe mich dafür entschieden, denn ich mag ja den  1961 in Leningrad oder St. Petersburg geborenen,  in Kiew lebenden, sehr gut Deutsch sprechenden Autor, von dem ich schon einige Bücher gelesen habe, sehr und das Buch ist, wie Cornelius Hell, der Litauenspezialist, einleitete, einem litauischen Autor gewidmet und es ist auch ein Buch, wie Andrej Kurkow erklärte, über Litauen, beziehungsweise eines über Migration, Reisen oder Wandern und Andrej Kurkow las einige Stellen vor, die sowohl in Litauen, als auch in Paris und London spielen, wohin seine Protagonisten emigrierten, es ist wieder ein sehr skurriles von sehr vielen Einfällen sprudelndes Buch, das von Andrej Kurkow auch sehr genau und sorgfältig erklärt wurde.

Am Freitag ging es mit einer Diskussion zur Meinungsfreiheit weiter, wo Cornelius Hell mit Mitgliedern des PEN-Clubs über die Ergebnisse ihres „Writers  in Prison-Programm“ diskutierte.

Auf der neuen „Standard-Bühne“ interviewte Cornelius Hell danach den rumänischen Autor Catlin Mihuleac und seinen Übersetzer Ernest Wiechert, der ein Buch über den Pogrom geschrieben hat, den es 1941 in seiner Heimatstadt, in der er noch immer lebt und in Bukarest gab.

Danach kam Michal Hvorecky der von Ronald Pohl zu seinem kürzlich auf Deutsch erschienen „Troll“ befragt wurde, das er zwischen 2015 und 2017 geschrieben hat und das vor einem Jahr auf Slowakisch herausgekommen ist.

Gabriele Petricek, die Stadt Wien Stipendiatin, war auf der „Radio-Wien Bühne“ um mit dem „Sonderzahl-Mitherausgeber“ über ihr neues Buch „Die Unerreichbarkeit von Innsbruck“, das sie schon im „MUSA“ vorgestellt hat, zu sprechen und daraus zu lesen.

Dann habe ich mir noch die Ö1 Übertragung  angehört, wo Judith Schalansky  von der ich ja schon „Den Hals der Giraffe“hal gelesen habe“ ihr neues Buch  „Verzeichnis einiger Verluste“ vorstellte.

Das wars dann für den Freitag auf der „Buch-Wien“, denn dann bin ich in den neunten Bezirk zum Zimmermannsplatz gefahren, wo der literarische Spaziergang mit der Ruth und dem Robert zur Kunst im öffentlichen Raum startete.

Am Samstag bin ich mit Margot Koller auf die „Buch-Wien“ gefahren, wo es auf der „Radio-Wien-Bühne ein  Comic Special gegeben hat und ich mir die Präsentation eines Ivan Cancars Comic, des slowenischen Nationaldichters, angehört habe.

Dann habe ich mir auf der „Standard-Bühne“ zuerst Andreas Unterweger, dem inzwischen „Manuskripte-Mitherausgeber“ und dann Zoltan Danyi angehört, der ein, der ungarischen Minderheit angehörender in Serbien geborener Autor ist, der im „Kadaverräumer“ ein Buch über den Balkankrieg geschrieben hat und eine Stelle über Cevapcici gelesen hat und dabei die Frage stellte, ob sie nun türkischen, serbischen, bosnischen oder was auch immer Ursprungs sind?

Danach haben Martin Prinz und Vladimir Vertib gelesen und Vladimir Vertibs „Viktor hilft“ war besonders interessant, handelt es doch von einem freiwilligen Flüchtlingshelfer und der Autor erzählte, daß er 2015 selber als Flüchtlingshelfer gearbeitet hat.

Daniela Strigl und Karl Wagner haben eine vierbändige Rosegger-Gesamtausgabe herausgebracht und das ist interessant, weil ich ja einmal im Radio hörte, daß Stefan Zweig und Peter Rosegger, der für den Nobelpreis vorgeschlagen war, aus dem Kanon hinausgestrichen werden sollten, offensichtlich sind aber beide drinnen geblieben und das finde ich sehr gut, weil mich ja „Jakob der letzte“, sehr beeindruckt hat.

Dann habe ich mich in die „3-sat Lounge“ gesetzt und auf Rene Freund gewartet, der sein „Ans Meer“ vorstellt, wo es um einen Busfahrer geht, der seine gewöhnliche Bustour unterbrich um eine krebskranke Frau ans Meer zu fahren.

Daß der Kabarettist Michael Niavarani ein großer Büchersammler ist, habe ich auf der „ORF-Bühne“  erfahren, mir noch einmal Eva Roßmanns „Im Netz“ angehört, bevor es zur „Exil-Preisverleihung“ ging, die diesmal auf der „Radio-Wien-Bühne“ stattfand, bevor es zu meinem literarischen Geburtstagsfest ging, wo schon einige Leute und einige Geschenke auf mich warteten.

Am Sonntag bin ich wieder allein auf die Messe gegangen und habe mir zuerst den von Margit Heumann bekommenen Gutschein eingelöst und mir Petra Hartliebs „Weihnachten in der wunderbaren Buchhandlung“ ausgesucht, mal sehen ob ich das Büchlein zu Weihnachten in meine Leseliste hineinschieben kann.

Dann war ich ein bißchen auf der „Standard-Bühne“ und habe mir die Verleihung des Christine Lavant-Preises an den Schweizer Autor Klaus Merz, beziehungsweise die Lesung des Preisträgers angehört und die Performance von Nadine Kegeles neuem Buch, das noch auf mich wartet angehört.

Dazwischen war ich wieder auf der Kochbühne und habe Weihnachtsekse genascht, die es dort in größeren Mengen zur freien Entnahme gab, habe mir dann die Verleihung des Csokor-Preistes durch den österreichischen PEN an Alois Brandtstetter auf der ORF Bühne angehört, bevor ich zur Mastercard Bühne und den „Ohrenschmaus-Lesungen“ ging. Da gab es ja zwei Blöcke, zuerst hat Franz- Joseph Huainigg ein bißchen was dazu gesagt, dann haben die früheren Preisträger David Tritscher und Viktor Noworski ihre Texte gelesen. Ich folgte ihnen mit dem Beginn der „Mimi“ und im zweiten Block warde das „Geheimnisgeschichtenlexikon“ des „Ohrenschmaus-Stipendiaten“ David Sylvester Marek, das von Franzobel bei „Klever“ herausgegeben wurde, vorgestellt.

Danach hat Dine Petrik auf der „Mastercard-Bühne“ gelesen, der ich zuhören sollte, auf der Kochbühne gab es aber wieder die besten Weine Österreichs, also eine Weinverkostung, so habe ich sie enttäuscht, obwohl es auf der Verkostung, wie sich herausstellte, nur Weißweine gab, die ich eigentlich nicht mag.

Das war also die elfte „Buch-Wien“ und sie war, wie ich finde, eine sehr schöne mit viel Literatur aber auch vielen Diskussionen zu dem brisanten Thema Ausgrenhzung und Fremdenhaß und zur hundertjährigen Repubikgründung war auch einiges dabei. Anstrengend war es allerdings auch. So daß ich jetzt müde und erschöpft bin.

 

2016-12-15

Mirror

Jetzt kommen ein paar Nachträge aus dem „Aufbau-Verlag“ und um die Spannung zu erhöhen, beginnt es mit einem Thriller. Mit Karl Olsbergs „Mirror“.

Das ist die Fortsetzung oder zeitangepasste Neuschreibung des „Systems“, das ich mir einmal aus einer „Thalia-Abverkaufskiste“ zog und den 1960 in Bielefeld geborenen  Freiherr von Wendt, habe ich vor einigen Jahren auf dem „Literaturcafe“ kennengelernt. Er hat über künstliche Intelligenz promoviert und schreibt daher bevorzugt solche Romane.

„Schwarzer Regen“ habe ich einmal in einem der Schränke gefunden, hatte es, glaube ich, auch heuer oder im Vorjahr auf meiner Leseliste, dann ist aber „Mirror“, die „Aufbau-Neuscheinung“ dieses Herbstes dazugekommen und Karl Olsberg erklärt in seinem Nachwort auch genau, warum es ein neues Buch geworden ist.

Denn seit 2005 hat sich in Bezug der Technik ja soviel geändert, es gibt Smartphones, Twitter, Instagramm, etcetera und so etwas wie ein „Mirror“, wäre schon technisch möglich, man sollte aber vorsichtig bei der Anwendung sein, selber denken und nicht zu viel persönliche Daten preisgeben….

Da habe ich ja erst kürzlich einen andern Herbstschlager gelesen und Dave Eggers „Circle“ gibt es natürlich auch, Georges Orwells „1984“, Huxleys „Schöne neue Welt“ und und und….

In Amerika gibt es Carl Poulsen, der hat in seinen Studententagen mit seinem Freund Eric, das „Mirror-System“ entwickelt, das ist ein Computer oder Smartphone, der sich auf Knopfdruck als persönlicher Freund und  bester Ratgeber erweist, erfunden.

Im Prolog befindet sich das System in der Testphase und rettet auch Carls Vater das Leben. Dann verkauft er die Firma an die Geldgeber und sitzt nur mehr pro Forma im Vorstand und es werden vier Nützer des „Mirrors“ vorgestellt, die neben Carl Poulsen auch die Handlungsträger sind.

Da ist einmal der Asperger Autist Andy, gab es im System nicht auch einen Autisten, aber das sind ja, höre ich, die besten Programmentwickluler.

Andy bekommt zum einundzwanzigsten Geburtstag von seiner Mutter einen „Mirror“ geschenkt und der hilft ihm auch vorerst vortrefflich, die Gefühle anderer Menschen zu erkennen und die Mutter staunt, lernt Andy durch den „Mirror“, der bisher nur über Computerspiele saß, ein Mädchen kennen und will dieses, weil ja gefühlsunerfahren gleich heiraten.

Dann gibt es Freya, das ist eine in London lebende Journalistin und die recherchiert in Tschernobyl dreißig Jahre nach dem Unfall und macht da bezüglich ihres „Mirrors“, der ihr ja eigentlich dabei helfen soll, eine unangnehme Erfahrung, findet sie doch heraus, das Gerät fürchtet sich vor Spinnen und greift ihren Freund Terry mit einer Drohne an.

Dann gibt es zwei Kleinkriminelle bzw. einen solchen und einen geistig minderbemittelten Hartz vier Empfänger. Olsberg habe ich in kritischen „Amazon-Kommentaren“ gelesen macht bevorzugt, die Schwachen der Gesellschaft zu den „Mirror-Jüngern“, weil die glauben ja jeden Blödsinn oder können vielleicht nicht anders, als hineinzufallen.

Nun da ist jedenfalls Lukas, der bekommt vom Freund der Mutter einen „Mirror“ geschenkt und der Kleinkrimellle Jack bekommt einen solchen durch einen Raubüberfall und wird dann vom freundlichen „Mirror“ in eine Nobelvilla, die der „Mirror-Gesellschaft“ gehört geleitet und soll ihr dafür hilfreiche Dienste tun.

Denn zuerst passiert etwas in Hamburg. Viktoria, der es auf die Nerven ging, daß Andy alle gut gemeinten Liebessätze des „Mirrors“ nachplappert und ihn bittet, diesen bei ihr auszuschalten, macht sich zum Feind des  „Mirror-Nets“ und Andy bekommt fortan nur mehr Botschaften von seinem „Mirror,“ daß sie ihn nicht mehr sehen will.

Mit Hilfe eines freundlichen Schriftstellers, der Liebeschnulzen schreibt, wird das Miüßverständnis aufgeklärt, der schreibt einen „Mirror“ kritischen Blogartikel und bekommt daraufhin ein paar tausend Trollmeldungen und Haßpostings, obwohl seine Leserinnen ja meistens alte Damen sind, die noch gar nicht wissen, was das Internet oder ein „Mirror“ ist.

Freya, die inzwischen auch vor dem „Mirror“ wahrnt, wird auf diesen Artiel aufmerksam, während Lukas und seine neue Freundin inzwischen zum „Mirror Fan-Club“ zählen und Punkte sammeln, in dem sie solche Postings schreiben.

Sehr bald explodiert das System und die Geschichte.

In Amerika wächst sie Carl einmal über den Kopf und, als Freya nach London zurückfliegen will, bekommt ihr Flugzeug auch den Angriff einer Drohne, trotzdem mobilisiert sie alles, was sie kann, dreht, was ich zu diesem Zeitpunkt eigentlich für sehr gefährlich fand, Andy und Viktoria.  Die Videos erscheinen in allen Netzen, werden gesperrt, und Freya wird in Paris auch verhaftet und für eine Terroristin gehalten, beziehungsweise bekommt Jack den Auftrag Carl zu töten.

Nun wird es rassant, die Ereignisse überschlagen sich, bevor die Regierung, die Gefahr erkennt und der Konzern gezwungen wird, die „Mirrors“ abzuschalten.

Das führt zwar auch zu einigen Demonstrationen, denn die User wollen sich nicht so einfach von ihrem Gerät trennen. Carl wird seine dadurch verdienten Millionen wahrscheinlich durch die folgenden Klagsdrohungen und Prozesse verlieren und Scherz am Rande, ein Buch über den „Mirror“ schreiben.

Nicht umsonst hat er ja einen ähnlichen Namen, wie sein Autor und im Epilog verhandelt das amerikanische Militär über die Erprobung eines „Smart Solders System“ und der General, der dagegen ist, wird niedergestimmt und höchstwahrscheinlich in Pension geschickt, denn das Leben geht weiter mit der friedlichen und unfriedlichen Nutzung der hochtechnisierten künstlichen Intelligenhzsysteme.

In diesem Sinne ist es spannend, was Karl Olsberg wohl im Jahr 2026 oder 27 darüber schreiben wird, wie ich auch bei „Amazon“ gefunden habe und denke, daß Maschinen, die den Autisten sagen, wie sie Gefühle deuten sollen, höchstwahrscheinlich sehr nützlich sind, es sie, glaube ich, schon gibt und wenn ich mich nicht sehr irre, die Aktion „Licht ins Dunkel“ in den letzten Jahren auchdafür geworben hat.

Und natürlich mu man mit den künstlichen und auch anderen Inteliigenzen sehr vorsichtig sein, verhindern werden wir sie, wie auch der Epilog beschreibt, höchstwahrscheinlich nicht können, denn wie heißt es da so schön: „Unterschätz die Duznmmheit der Menschen nicht. Sie vergessen schnell“ und Karl Olsberg schreibt ja selbst in einem Nachwort „Wenn eines Tages jemand ein Gerät wie den „Mirror“ erfindet, werde ich einer der ersten sein, die es kaufen.“

Bei „Amazon“ gibt es sowohl viele drei als auch fünf Stern Rezensionnen und ich habe das Buch auch sehr spannend gefunden und es sogar, in die „Gesundheitskonferenz ins Rathaus“ mitgenommen, wo auch mehr Transparenz und Wissen gefordert wurde, um der Gesundheit dienen zu können, dann aber auch einige kritische Punkte gefunden.

So denke ich, daß die Tasache, daß sich die Geräte vor Spnnen fürchten, ja eigentlich etwas Liebenswertes ist. Aber natüürlich, künstliche Intelligenz entgleitet der Herrschaft der Menschheit und dann haben wir den Salat bzw. die Katastrophe und dann denke ich auch, daß einige der Charaktere sehr oberflächlich und klischeehaft gezeichnet sind. Zum Beispiel, die Personen der beiden Unterschichtler,  vor allem, der dumme sexbesessene Lukas, während mir einige Beschreibungen sehr packend und spannend erschienen sind.

Wie Andy dank seines „Mirrors“ in das Leben hineingeht, erschien mir sehr spannend und gut geschildert, ebenso Freyas Filmaufnahmen in Tschernobyl.

Daß sich Viktoria wirklich vor einem Zug stürzen will, weil der „Mirror“ sie vor Andy warte und meinte, daß sie bestraft werden wird, erscheint mir dageben zu platt und dann zuerst erscheint alles aussichtslos und auf einmal kommt die große Wende?

Nun ja es ist ein Triller, ein wenig klischeehaft oder auch sehr spannend geschrieben, vielleicht, aber allemal etwas zum Nachdenken und selber denken ist höchstwahrscheinlich immer noch das beste.

Aber dazu braucht man gute Schulen und Lesen und Schreiben sollte man da vielleicht noch lernen und nicht alles den Computern beziehungsweise, den künstlichen Intelligenzn überlassen, weil diese ja, wie nicht erst Karl Olsberg schreibt, sehr leicht zu mißbrauchen sind.

2016-12-09

Ich hasse dieses Internet

Vor einigen Monaten habe ich von „Literaturtest“ eine Maske zugeschickt bekommen, die mich auf das bei „S.Fischer“ erschienene Buch, des in Kalifornien lebenden Jarett Kobek, „Ich hasse dieses Internet“, aufmerksam machen sollte.

Im Trubel meines doppelten Buchpreislesens, das ich damals sehr intensiv betrieben habe, ist das bei mir ein wenig unter gegangen und ich bin erst auf das Buch aufmerksam geworden, als ich es bei einigen Blogs erwähnt fand.

Denn es ist sicherlich interessant, eine „Internet-Kritik“ zu lesen oder einen „nützlichen“, wie am Cover steht, beziehungsweise „schlechten Roman“, wie der Autor mehrmals schreibt, zu lesen. Ein Buch gegen oder für den „Zeitgeist“, wie man in der Beschreibung lesen kann, das mit Houellebecqs „Unterwerfung“ und mit Dave Eggers „Circle“ verglichen wird.

Ich füge noch Gary Sthengarts „Super sad  true love story“ und John Jeremian Sullivans „Pulphead“ hinzu.

John Dos Passos „Manhattan Transfer“ wäre auch ein Buch, an das man sich beim Lesen erinnern könnte und  bleibe,  wie die „Amazon-Rezensenten„, die zwischen eins und fünf Sterne verteilen, ein wenig ratlos zurück.

Einer der Ein Stern rezensenten hat von einer „Nicht-Handlung“ geschrieben, die es wahrscheinlich trifft, denn auf den über dreihundertsechzig Seiten wird alles und auch nichts erzählt.

„Zeitgeist ist sein zweiter Vorname“, beschreibt es wahrscheinlich genauso treffend, denn es ist eigentlich eine Amerika-Kritik, ein Buch, kein Roman wahrscheinlich, zumindestens nicht das, was man sich im traditionellen Sinn darunter vorstellt, gegen den Kapitalismus, die Unterdrückung, die Sklaverei, die Ausbeutung, etcetera.

In der „Triggerwarnung“ werden auf einer dreiviertel Seite, die Gedanken  beschrieben, die in dem Buch enthalten sind.

Gegen das Internet und über die berühmte Frage, was uns Menschen, so bereitwillig dazu bringt, unsere intimsten Angelegenheit in Twitter, Facebook und Konsorten, auszubreiten, so daß die Konzerne, wie „Google“ oder „Amazon“,daran verdienen, wird gewettert und das Ganze wird, weil es ja ein Roman sein soll, ein „schlechter“, der „nützen“ soll, denn gegen den „guten“ wehrt sich der Autor, wie er schreibt, weil sich, die, in den Händen des CIAs befinden, am Beispiel von drei oder eigentlich einer Hauptperson erzählt, nämlich der Protagonistin Adeline, eine Comiczeichnerin, die sich ein männliches russisches Pseudonym zugelegt hat, in San Francisco lebte, die einmal „einen unverzeihlichen Fehler“ machte, in dem sie bei einer Vorlesung  „unbeliebte Ansichten“ äußerte.

„Die unverzeihlichste Sünde, des einundzwanzigsten Jahrhunderts“ nennt es Kobek, worauf sie, die Nachricht „Liebe Schlampe, ich hoffe, du wirst von einer Gruppe illegaler Einwanderer mit Syphilis vergewaltigt“, bekommt, worauf sie zu twittern anfängt und eines der dreiunddreißig Kapitel des Buches, sich mit ihren Twitternachrichten beschäftigt.

Eine Ellen, die wegen ihrer Großmutter wieder in die Kleinstadt zurückgegangen ist und eines Tages im Netz ihre Sexfotos findet, gibt es auch,sowie eine Christina, eine Hilfsbibliothekarin, die einmal ein Christian war.

Aber Adelinas „unverzeihlicher Fehler“ zieht sich durch das ganze Buch, in dem auch über Thomas Jeffersons  angebliche Sexvorlieben berichtet wird, sowie, wie die Mieten in San Francisko steigen und Leute delogiert werden, um Wohnungen für die „Google Arbeiter“ freizumachen.

Es wird betont, daß unsere i Phones und i Pads, auf denen wir unser Intimleben verbreiten, damit „Google“ und Co Geschäfte machen können, von billigen Sklavenarbeitern erzeugt werden und es zieht sich auch der Satz durch das ganze Buch, beziehungsweise seine dreihundertsechzig Seiten, daß der oder die, einer der vielen Freunde Adelinas beispielsweise, die schon viele „um den Verstand gevögelt hat“, „kein oder nicht viel Eumelanin in der Basalschicht seiner Epidermis hat“, womit erklärt wird, ob er ein Weißer oder Farbiger ist.

Und dann wird in dem Buch, auf den dreihundertsechzig Seiten von Gott und der Welt, beziehungsweise dem Kommunsismus und der Unterdrückung, etcetera erzählt.

Begriffe tauchen auf, die eigentlich ganz selbstverständlich sind, aber immer wieder, wie die Zitierung, des oben erwähnten Satzes, erklärt werden, beispielsweise:

„Jane Austen war eine Autorin aus dem 19. Jahrhundert, die Bücher über die Ehe und Geld geschrieben hat“ oder

„Das i Phone war ein Smartphone, das Apple auf den Markt gebracht hatte. Smartphones waren kleine Computer, die fast alle Aufgaben größerer Computer erledigten, aber gleichzeitig als Handies  fungierten“ und so weiter und so fort.

Ein umfangreiches Personen Inventar taucht auf, es gibt einen J Karacehennen, einen Kevin Kilian, ein Baby, etcetera, alles meistens Künstler in Adelines Freundeskreis, die Science Fictions oder auch realistische Romane geschrieben haben und damit mehr oder wenig berühtm wurden.

„Rettet Anne Frank“ heißt beispielsweise einer, aber auch reale Namen von Personen, wie Jonathan Franzen, Marc Zuckerberg, Walt Disney etcetera kommen vor, so daß es mir manchmal, wie auch in dem Buch beschrieben wird, schwer fiel, die Fiktion von der Realität zu unterscheiden, was an dem Beispiel erläutert wird, daß sich ein Cosby Player auf einer Messe, als eine Kunstfigur verkleidet, die dann von allen, für real gehalten wird, was vielleicht auch auf die Nachrichten zu trifft, die im Internet verbreitet werden und, die dann alle glauben und die Konzerne daran verdienen, obwohl sie erfunden sind.

„Eine schonungslose, herrlich wutentbrannte Satire“, schreibt Greil Marcus von „Pitchfork“ auf der Buchrückseite und das „Zyzzyva Magazine“ meint „Kobek liefert einen umwerfenden Abgersang auf das digitale Zeitalter“, während die „Amazon-Rezensenten“ gelegentlich“das Lesen auf Seite 87 aufgegeben haben“.

Ich habe zu Ende gelesen, es auch als eine Satrie empfunden, die manchmal etwas anstrengend zu verstehen war und habe das Buch eigentlich mehr, als einen Abgesang auf die amerikanische Kultur und den Kapitalismus, als auf das Internet gelesen, das mir manchmal in den dreihundertsechzig Seiten Weltanalyse auch etwas verloren ging.

Interessant habe ich das Buch trotzdem empfunden und füge, weil ich mich in der letzten Zeit auch mit Haßpostings oder Ratgeber dagegen, beschäftigt habe, hinzu, daß ich das Internet nicht hasse, sondern im Gegenteil manchmal sogar recht nützlich empfinde, aber das lesen von dreihundertsechzig Seiten Büchern, auch wenn dieses von den Autoren, satirisch oder nicht, als schlechte romane bezeichnen werden, einen davon abhalten können.

Nicht umsonst wird ja am Buchrücken noch der Rat „Gehen Sie einen Tag offline und lesen dieses Buch!“, gegeben.

Aber wahrscheinlich kann man das auch im Netz beziehungsweise auf dem E-Bookreader tun.

2016-12-08

Der Ausflug … und andere Ereignisse

Filed under: Bücher — jancak @ 00:42
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Jetzt komme ich nach den Unterbrechungen für das Bloggerdebutlesen doch zu den Horrorgeschichten meines Kritikers Uli, der sich im Sommer bei mir nach dem Lesen meiner Literaturcafe-Kommentare gemeldet hat.

Er würde gerne auf meine Seite kommen, weil es ihm wegen meiner vielen Fehler und Flüchtigkeiten gruseln würde, hat er mir einen markanten Ton geschrieben, den man auch in seinem bei „Engelsdorfer“, das ist, glaube ich, ein BoD ähnlicher Verlag, wo auch  „Im Glashaus gefangen zwischen zwei Welten“ erschienen ist, finden kann und ich erinnere mich an meine Schnupperseminare im „Writersstudio„, wo sie einem auch sagen, daß man an das Schlimmste was man erlebt hat, beim Schreiben denken und natürlich alles überhöhen und übertreiben soll.

Und diesen Tonfall beherrscht Ulrich Lucas, der, glaube ich, um die Fünfzig und Techniker ist und gerne Horrorgeschichten liest, leider leider gibt es keine biografischen Angaben in dem Buch, bestens.

Mir hat auch seine Bildhaftigkeit gefallen, in der er mich in strengen Worten mahnte, doch nicht so schnell und flüchtig sein, so daß er jederzeit beim Lesen glaube, ich würde hechelnd und erschöpft über meinem  Surfer zusammenbrechen.

Hier führt das Buch durch das Bändchen und kommuniziert im selben Tonfall mit dem Leser, warnt die „Jenseitigen“ sich doch nicht in die Ereignisse , die ihn da erwarten , einzulassen, sondern stattdessen lieber fernsehen oder etwas anderes zu tun.

Mag sein, daß man einen solchen Schreibstil, immer direkt und offen, ebenfalls in den Schreibseminaren lernt. Mir gefällt er auch und am Cover des Bändchen blitzt vorn und hintern ein Auge mit einer roten Pupille aus dem Hintergrund hervor.

Nun muß ich schon zugeben, daß Horrorgeschichten, nicht so das meine sind, obwohl ich mal eine Geschichte von Stephen King gelesen habe und danach meine Story für den „Siemens Technikpreis“ schrieb, die dann, von ihr ein bißchen korrigiert und verändert in Ruths erster „Donaugeschichten-Anthologie“ erschienen ist und ich habe daraus auch bei meiner Radtpour mit Ruth vor zehn Jahren in Vilslhofen gelesen.

Aber ich schweife ab und das soll man erstens überhaupt nicht und bei Horrorgeschichten wahrscheinlich insbesondere nicht tun, warnt ja auch die Stimme des Buches die jenseitigen Leser und so geht es in den dreizehn, auch eine gruselige Zahl, Geschiten zu einen Ausflug auf einen Berg, denn da lädt ein Einsamer, der nur mehr eine Katze hat, seinen ehemaligen Schulfreund samt seiner Famailie, Frau und zwei Kinder, zu einem Auflug auf einen Berg ein, um ihnen etwas Besonderes zu zeigen, sie müßen durch eine Schlucht auf einen schmalen Weg vorbei, kommen zu einem Häuschen, das die Überraschung ist und darin wartet ein Monster, zerfleischt und zerstückelt, die Familie und der arme Robert bleibt traurig zurück und hat jetzt gar keine Freunde mehr.

Vielleicht ein bißchen zu wenig Content und Erklärung, für die realistische Schreiberin, der das „warum, wieso und weshalb“ sehr wichtig ist. Ein bißchen Psychologie dazu kann ich mir aber denken und dann führt uns das Buch, beziehungsweise die, die noch nicht genug vom Gruseln haben, gleich zu Stufe zwei des Horrors, nämlich in einen Fernsehsender, der auch noch, der sprechenden Namen zum Dank „Hell-TV“ heißt und dort verschwindet der Besitzer, der ständig „Soll mich doch der Teufel holen!“, flucht, so daß ihm seine Sekretärinnen fünfundzwanzig Mal pro Jahr verlassen, vielleicht kennt Uli Lucas das aus persönlichen Erfahrungen und ach ja, das soll man nicht, rät hier wieder die Psychologin, den Teufel an die Wand malen!

„Hell-TV“ wird uns trotz in die Hölle gefahrenen Besitzer noch weiter beschäftigen, verliert da ja auch einer seinen Verstand über einer Buchstabensuppe und man soll lieber arbeiten, statt spekulieren, rät und dann die Moderatorenbücherstimme.

Denn was nützt es, wenn ich der Bank, in der ich arbeite, einige Millionen unterschlage, die in ein Köfferchen packe, wenn dann mein Auto in ein Schlagloch fährt und ich plötzlich im Mittelalter lande und einer Hexenverbrennung zusehen kann. Dem Helden der Geschichte gelingt es zwar aus dem Inferno zu entkommen, sein Geldkoffer bleibt aber zurück, ach du liebe Scheiße, aber ich weiß, man soll nicht fluchen!

So geht es weiter von Geschichte zu Geschichte, der Enzyklopädien-Verkäufer gerät in ein Wirtshaus, wo schon die Vampire auf ihn warten. Eine wilde Jagd gibt es auch und Uli Lucas, der sich mir gegenüber auch ein bißchen als Glaubenskrieger outete, erzählt in der Stimme des Buches, wie es kommen kann, daß man  hassen lernt, führt einem bezüglich Horror auch manchmal in die Irre, weil sich die Hilfeschreie eines einsamen Mädchen manchmal auch als ausgezeichnete Filmaufnahme entpuppen.

Uli Lucas kann es aber auch poetisch und reimt bei „Voodoo“: „Nur der Tod ist wichtig heut Die Macht des Voodoo ist bereit“, bevor es wieder in den Fernsehsender geht, warum ist der bloß so wichtig und sich dort ein Redakteur in einen Zombie verwandelt, in dem er „nur“ eine ganze Schachtel Pralinen ißt.

Mit der „Glocke“ kann man Menschen in den Tod befördern, sie aber auch wieder auf andere Art und Weise lebendig machen und weil die Welt ja auch aus Spekulanten und fiesen Bankberatern besteht, handelt ein Ehepaar einen scheinbar Dementen, um den Preis seines Hauses hinunter, wird des Nächtens dann von einem unheilbar stinkenden Misthaufen überrollt und am Morgen steht der alte Ewald wieder auf der Wiese und stellt sein Schild „Zu verkaufen!“ auf.

Ja, Uli Lucas kann es teuflisch oder schickt denselben in ein Dorf, wo es die Menschen böser, als der Höllenfürst treiben. Das heißt sie mögen keine Fremden, sind ihnen neidisch, die Kinder werfen Steine nach den Hunden, die Alten drohen und rufen nach der Polizei!

Ja, natürlich auch die Horrorgeschichten haben höchstwahrscheinlich einen realistischen Hintergrund und weisen darauf hin, daß es die Menschen schlimm treiben können und am Ende wartet auf uns alle der Tod und wir kommen hin zu dem Bahnhof, wo der Zug einfahren wird, der uns ins Jenseits bringt.

Die alten, „anonyme Geriatriker“, nennt sie Uli Lucas keck. Aber auch die Mutter und ihr Junge nach einem Autounfall, der Matrose dessen Schiff explodierte, die Hunde, Katzen, Füchse etcetera und ich habe ein spannendes Buch gelesen, wieder mal begriffen, daß die Literatur viel stärker als das Leben ist.

Im Text ist alles möglich, Morde, Phantaise und Grauen. Uns schaudert es dann richtig, während es im Leben  friedlicher zugehen sollte und Haßpostings, Drohen und grundlosen Schimpfen, wie Wut und Neid eigentlich nichts verloren haben sollte.

In diesem Sinne greife ich als Nächstes zu der „Fischer-Sensation“ des Herbstes „Ich haße dieses Internet“, während es dann später, wenn der Advent weiter fortgeschritten ist, es wieder zu Uli Lucas und seinem „Weihnachten im Weltall“ gehen wird.

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