Literaturgefluester

2017-11-26

Dialektik der Befreiung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:59
Tags: ,

Wieder „Literatur im Herbst“, das ist die Veranstaltung, die Walter Famler seit einigen Jahren im November im „Odeon Theater“ statt der „Literatur im März“ kuratiert und da einmal vorwiegend mit den osteuropäischen Ländern begonnen hat.

Ab Griechenland bin ich dabei gewesen, vorher hab ich es versäumt, weil es sich mit meinem Geburtstagsfest überschnitten hat.

Jetzt sind die Länder in etwa durch, das letzte Jahr war Japan drin und da Walter Famler ein politischer Mensch ist, holen ihm die Achtundsechziger, obwohl er damals erst zehn Jahre alt gewesen ist ein und er hat das Publkum am Freitag auch mit „Genossen und Genossinnen“ dann allerdings auch mit „brothers and sisters“, „friends and enemys“, begrüßt, was in einer Zeit, wo man die identitären von der Orbanisierung Österreich“ und dem Ende von „Mulitkulti“ sprechen hört, fast  nostalgisch anmutet. Aber vor fünfzig jahren hat es in London von den Antipsychiatern Ronald D. Laing and David Cooper organisierte Konferenz mit dem Titel „Dialektiv der Befreiung“ gegeben. Herbert Marcuse und Felix de Mendelsohn war, glaube ich, auch dabei und die will Walter Famler dieses Mal offenbar weiterführen und das Buch, das diesbezüglich entstanden ist, wurde auch neuaufgelegt und am Mittwoch im „Freud-Museum“ vorgestellt.

Da war ich im Literaturhaus, es lag aber am Büchertisch, der wieder von „apunktbuch“ organisert wurde auf und andere politische Schriften der vergangenen Jahrzehnte, Belletristik eher weniger, obwohl zwei autoren auftreten werden, deren Bücher ich gelesen habe oder lesen werden.

Begonnen hat es aber, da Stadtrat Mailath Pokorny verhindert war und die  Eröffnung daher von Walter Famler durchgeführt wurde mit einer Rede von dem Schweizer Filmer und Theatermacher Milo Rau „Die Rückeroberung der Zukunft“, der Filme über den Kongo drehte und Tribunale in Moskau und Weltkonferenzen in Berlin durchführte.

Ja, die Globalisierung ist ein großes Thema, und die Gewalt in Ruanda und sonstwo ist es auch. Zivilcourage oder vielleicht auch ziviler ungehorsam ist angesagt und Milo Rau, von dem ich noch nicht viel gehört habe, offenbar bin ich doch nicht so politisch, scheint ein sehr selbstbewußter Mann zu sein. Es gab dann noch ein Gespräch mit der Professorin für Soziologie Shalini Randeria darüber und Walter Famler verwies auf das Programm der nächsten zwei Tage und forderte die „Genossen und Genossinnen“, die „Brothers und die Sisters“, etcetera, zum Wiederkommen auf.

Es gab dann auch am Samstagnachmittag einen Film über Herbert Marcuse in San Diego aus den Neunzehnhundertsechziger, der ja auch an der Konferenz in London teilgenommen hat und dann gings zur ersten Kanzelrede, vielleicht ein Format von damals oder ein bewährtes Befreiungsinstrument.

Da hat Isabel Lorey über die „Regierung der Prekären“ und Thomas Seibert über die „Existenz der Ökonomie“ referiert, denn so heißen ihre Bücher und ihre Theesen dann gegeneinander diskutiert.

Danach gab es eine einstündige Pause und ich dachte, was mache ich da, wenn niemand da ist der mich auf ein Glas Wein einlädt oder mit dem ich reden kann, denn ich hatte mir wieder kein Buch mitgenommen, obwohl ich schon fast im Zugszwang bin, alles wie vorgenommen zu schaffen und wollte auch nicht am Donaukanal spazieren gehen.

Also habe ich mir das Glas Wein selbst gekauft und Luis Stabauer angesprochen, der wie ich gerade  einen Roman über die politische Situation schreibt.

Den kann ich vielleicht für meine geplante Leserunde gewinnen, wenn  das „Bibliotheksgespenst“ erschienen ist und dann kam, das erste Mal bei dieser Veranstaltung eine Lsung. Jan Koneffke stellte nämlich den Italiener Maurizio  Torchio mit seinem Gefängnisroman „Das angehaltene Leben“ vor, was eigentlich ein umgekehrte Befreiunngsakt ist und wie der Autor sagte, eigentlich auch keine soziale Mißstände aufzeigen sollte, aber trotzdem interessant war und dann kam, wie Walter Famler noch einmal ankündigte, der Höhepunkt des Abends nämlich eine szenische Reflexion über Pier Paolo Pasolinis „Salo oder die hundertzwanzig Tage von Sodom“, wo 1975, das faschistische Italien gezeigt wurde, wo vier Herren acht Jugendliche zu Tode quälten und der dafür, wie die beiden vortragenden Aleksandara Corovic und Rafael Schuchter bemerkten, schlechte Kritiken von Rezenten bekommen haben, die dreißig Jjahre vorher Veit Harlans „Jud Süß“ wohlwollend, als qualitätvolles Kunstwerk besprochen haben.

Am Sonntag ist es dann um zehn im Metro-Kino mit einem Film „I am not your negro“ über James Baldwin, von dem ich „Giovannis Zimmer“ noch lesen muß, in dem es über die amerikanische Rassentrennung geht, weitergegangen und um elf war eine Verantstaltung in der „Alten Schmiede“: „Dialektik der  Unfreiheit in Osteuropa“ unter anderen mit Paul Lendvai und  Ilija Trojanow angesetzt, die sicher interessant, aber nicht zu schaffen war, da der Film, beziehungsweise die Diskussion darüber erst um cirka viertel eins zu Ende war.

So bin ich mit der Ruth und der Erika Brunngraber, deren Hund gestorben ist, bis halb eins im Foyer gesessen, dann in die Krongasse gegangen, wo es Sardinen gab. Am Samstag gab es Tintenfische, denn das gibt es bei uns meistens am Wochenende, wenn wir in Wien sind und dann wieder ins Odeon Theater in die Taborstraße, wo es die „Kanzelreden II“, zu dem wahrscheinlich noch sperrigeren Thema „Die Externalisierungsgesellschaft und die  Politik der Potentalität“ gab. Worum es darum ging, ist mir nicht ganz klar geworden, zumindest sind die beiden Redner, Felix Ensslin, der Sohn von Gudrun Ensslin und Stephan  Lessenich von einem Thema zum anderen gesprungen, haben sich auf Thomas Münzer, den Film von Pier Paolo Passolini und auch auf dem Tod bezogen.

„Hirnwichslerei“ hat es eine Bekannte genannt. So ganz kann ich ihr nicht widersprechen, obwohl einige, die sich aus dem Publikum zur Diskussion meldeten, interessante Fragen hatten und sicher mehr verstanden haben.

Ich bin bei der „Befreiungsdialketik“ vor allem an der politischen Siutation interessiert, an den schwarzblauen Regierungsverhandlungen, die im Gange sind und, wo man hört, daß die, die Schulversuche zur Ganztagsschule eingestellt werden sollen, die Mindestsicherung gekürzt, etcetera und den Aktionen der Identitären, die ja jubeln, daß es die Linken nicht mehr gibt, beispielsweise und, als ich schon dachte, daß das Ganze vielleicht nur eine nostalgische Retroveranstaltung ist, hat sich Walter Famler darauf bei der Diskussion im Kino bezogen und sehr emotionell dabei gewirkt.

Dann kam wieder ein Literaturblock, den Ilija Trojanow moderierte und da begann Noro Bossong mit ihrem Roman über Antonio Gramsci, den ich ja bei dem Gewinnspiel von Mara Giese vor zwei Jahren gewonnen habe, dann wurde Pankay  Mishras, das ist ein 1969 in Indien geborener Essayist, „Zeitalter des Zorns“ vorgestellt, das wie im Programm steht „ein Parforceritt durch die Geschichte der europäischen Aufklärung und ihren Analogien zum pervertierten Freiheitsbegriff in islamistischen Märtyrer- und Opfertod-Ideologien“ ist.

Sicher sehr interessant, aber ein Buch, das ich wahrscheinlich nicht lesen werde. Bei Colson  Whitehead „Undergroud Rail Road“, der mit seinem Bestseller, mit dem er  2017, den „Pulizter-Preis gewonnen hat, gerade auf Lesereise im deutschen Raum ist, ist das anders, denn das habe ich mir ja von dem Buchgutschein, den mir die Anna zum Geburtstag schenkte, gekauft und hoffe nur, daß ich es bald schaffe, das Buch zu lesen.

Die „Underground Rail Road“ ist ein Weg, auf dem  sich die Sklaven in Amerika zur Freiheit aufmachten und weil das Buch jetzt in aller Munde ist, sind auch Jatja Gasser und Zita Bereuter zum zuhören eingetroffen und am Abschluß gab es noch von Walter Famler einen „Befreiungsblues“ und ich denke, es war sehr gut sich an diesem Wochenende auf einen Gang durch die Befreiungs- und Unterdrückungsgeschichte der letzten fünfzig Jahre zu begeben und, wie es in Österreich in Euopa und auf der ganzen Welt weitergehen wird, wird die zukunft zeigen.

2019-03-15

Nennen wir ihn Rumpelstilzchen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:49
Tags: ,

Jetzt kommt ein Buch, das ich eigentlich noch nicht lesen sollte, denn Doris Kloimstein hat mir ihre „Geschichten vom Literaturstammtisch“, die sie gemeinsam mit Ingrid Schramm und Edwin Baumgartner im „Goldegg-Verlag“ herausgegeben hat, erst am vorigen Samstag am Markt von St. Pölten übergeben und da hatte ich schon eine Anzahl von Büchern auf meiner Leseliste, die ich vorher lesen sollte, aber dann sind wir ja am Sonntag auf die Rudolfshöhe gegangen. Ich bin gestürzt, mit dem Hubschrauber ins LKH St. Pölten geflogen und habe mir vom Alfred, die Bücher dorthin bringen lassen, die ich von der Leseliste in St. Pölten hatte hatte. Eines war ein E-Book, aber das Internet hat auf dem Laptop nicht funktioniert und was tut man in einem Spital? Man döst vor sich hin oder liest. Ein Fernsehtyp bin ich ja nicht, das Internet funktionierte nicht und meinen Laptop kann man nicht mehr schließen, so daß mir der Alfred zwar einen brachte, auf dem ich aber nur das Internet hätte  benützen können.

Also habe ich den „Stotterer“ ausgelesen, den man aber erst am zwanzigsten März besprec hen darf. Das ist der Tag, an dem wir eigentlich nach Leipzig fahren wollten.  Vorher hatte ich ein Veranstaltungsprogramm geplant, jetzt gehe ich zwar in meiner Praxis-Wohnung herum, aber eher nicht aus dem Haus, also habe ich noch eine Woche mit Rezensionen zu füllen und nach dem „Stotterer“ war Livia Klingls „Biedermayern“ und Martin Amanshausers „Es ist unangenehm im Sonnensystem“ zu lesen, was eher schnell ging, also ließ ich mir von der Anna den „Literaturstammtisch“ mitbringen und das war wahrscheinlich auch eine passende Idee, denn Doris Kloimstein ist ja jetzt St. Pöltnerin und eine Frau im Zimmer wohnt im gleichen Ort, wie der <meister Eder, der in dem Buch auch vorkommt, aber es ist keines das sich nur auf die St. Pöltner Literatur bezieht, so groß ist die gar nicht könnte man munken, sondern jeder der drei Autoren hat seinen eigenen Beitrag zur Sache beigesteuert.

Da ist einmal Ingrid Schramm, von der, glaube ich, auch die Idee zu dem Buch kam, die im österreichischen Literaturbetrieb tätig ist und von der ich schon ein Buch gelesen habe und die hat ihre Anekdoten, dem Literaturbetrieb nach 1945 gewidmet, also vom TorbergWeigl Boykott gegen Berthold Brecht und den Streit der beiden damaligen Literaturförderer Weigel und Hakel geschrieben. Sie schreibt von der „berühmtesten Ohrfeige“ Wiens, die die Schauspielerin Käthe Dorsch Hans Weigel einmal gegeben hat, weil er sie zu scharf kritisierte und das namensgebende „Rumpelstilzchen“, behzieht sich auf Thomas Bernhard, so würde ich diesen gar nicht betrachten, aber man kann über ihn und seine Preise und seine Schimpfereien natürlich viel erzählen.

Sie erzählt von Adrienne Thomas Jugendbüchern und ihrem „Kathrin wird Soldat“. Die, die sich auf den zweiten Weltkrieg beziehen, hat sie dabei ausgelassen, aber man kann  in einem zweihundert Seiten Buch, das man sich noch mit zwei Mitautoren teilt, nicht über alles schreiben. Dann gibt es Einblicke in die „Bachmann-Verhinderung“, die sehr interessante Tatsache, die ich nicht wußte, nicht in den PEN aufgenommen wurde. Und dann gibt es vielleicht gar nicht so zum Thema passend eine Geschichte über James Baldwin und sein berühmtes „Ich bin nicht ihr Neger“.

Einen „Jüdischen Antisemiten“ gibt es auch, das ist der Kabaretist Gerhard Bronner und dann vielleicht auch nicht zum Thema passend, aber sehr interessant, ein Kapitel über den Opernführer Marcel Prawy.

„Doch!“, werden die Autoren jetzt wahrscheinlich sagen, denn alle drei sind sehr Musik- und Opernaffin und Doris Kloimstein hat auch einen Text über Prawy geschrieben und wenn man jetzt zu Feuilletonredakteur Edwin  Baumgartner übergeht, der Musikwissenschaften studiert hat, so kann man verallgemeinern, daß seine Anekdoten von nicht so bekannten Dichtern handeln und bei einigen bin ich mir auch nicht sicher, ob es die Dichter, die beispielsweise nie ein Wort geschrieben haben, aber ihre Romane hervorragend erzählen konnten, wirklich gegeben hat.

Er berichtet aber auch von der „Axt des Michael Guttenbrunners“ und den hat es gegeben und ich war zumindestens bei seiner Gedenkveranstaltung in der „Gesellschaft für Literatur“.

Er erzählt von einer Lesung, wo einer eher herumstottert, dann kommt ein Besucher, der wie Peter Handke ausschaut und alle sind gebannt und Doris Kloimstein, die ich bei einer GV-Nö Regionalversammlung, als ich in St. Pölten wohnte und nach Wien pendelte, kennenlernte, gibt natürlich ihr Wissen über den St. Pöltner Literaturbetrieb und ihre Verletzungen und Kränkungen, die sie dort erlebte, wieder. So hat sie ja die Zeitschrift „Etcetera“ gegründet, bekam dann aber einen Brief, daß das angeblich ein anderer getan hat und mit einer von ihr nicht namenlich genannten Leiterin einer literarischen Gesellschaft hat sie sich auch zerstritten.

Doris Kloimstein ist Mitglied des PENs und da im Frauenvorstand sehr aktiv, oder zumindest war sie das, denn der Literaturbetrieb ist ja ein Intrigantenstadl, so daß ich wahrscheinlich froh sein kann, daß ich von ganz außen lustig vor mich hinblogge. Da werde ich zwar literarisch nicht ernst genommen, bekomme keinen <platz in einer Literaturwohnung, aber ich werde nicht hinausintegriert, weil wo nichts ist, kann man ja nicht holen, trotzdem werde ich, Leser hört her in dem Buch namentlich, allerdings nicht ganz richtg erwähnt, denn ich habe die „Schreibgruppe“, zu der Doris Kloimstein dazugestoßen, nicht gegründet.

Das waren schon Ruth Aspöck, Robert Eglhofer und Ingeborg Reisner, weil der Robert, als er nicht mehr in der Litges war, die eine Schreibgruppe hatte, eine solche brauchte.

Ich bin erst später zu ihr gestoßen, bin aber, wie die Ruth bei der GAV und diese Zweiteilung der österreichischen Autorenversammlungen, ist ja auch sehr interessant und füllt  auch schon ganz Bücher, obwohl es um die GAV inzwischen eher ruhig ist.

Ein interessantes Buch also mit dem man ein bißchen in den heimischen Literaturbetrieb hineinschnuppern kann, wenn man mehr darüber wissen will, sollte man allerding die Originale oder Biografien lesen und das habe ich ja auch getan, bin ich ja, in der Literatur sehr bewandert und habe auch meine Anekdötchen zu erzählen, obwohl mir das niemand so recht glauben will.

Bloggen auf WordPress.com.