Literaturgefluester

2008-12-01

Krankheit der Jugend

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:40
Die Lesenden

Die Lesenden

Bei meiner dieswöchigen Literaturveranstaltungssparvariante bin ich heute mit Alfred im Literaturhaus bei der Lesetheaterveranstaltung des Ferdinand Bruckner – Stücks anläßlich seines 50. Todestages am 5. Dezember 1958 gewesen.
Habe ich von dem Stück und dem deutsch-österreichischen Schriftsteller ja einiges gehört, so daß ich dachte, daß es gut ist, es mir anzuhören, obwohl ich von expressionistischen Theaterstücken nicht besonders viel halte.
Inzwischen habe ich bei meinen Büchern nachgesehen und herausgefunden, daß ich den Autor aus der Schule bzw. durch seinen Briefwechsel mit Franz Theodor Csokor (Auch heute noch nicht an Land – Briefe und Gedichte aus dem Exil) kenne und es war auch interessant, das Stück zu hören, das 1926 in Berlin uraufgeführt wurde und ein großer Erfolg geworden ist.
Ein Stück das damit beginnt, daß eine junge Ärztin ihr Pensionszimmer für ihre Promotionsfeier putzt und in weiterer Folge durch alle Höllen von Liebe, Verratenwerden, homosexueller Verführung, Prostitution etc. geht.
Wie der Nihilismus 1926 in Berlin wohl war und die Bürger erschrecken konnte. In der Pause nach dem 2. Akt dachte ich, das mit heute verglichen, der Skandal harmlos wirkt, nach dem 3. Akt war ich von der vielen Destruktion aber doch betroffen.

Eva & Ruth

Eva & Ruth

Heute würde das Stück wohl in in einer Studenten-WG spielen und farbiger und glänzender schillern, es wäre sicher auch die Aids- und die Drogenproblematik dabei. Ein interessanter Abend und ein Stück Zeitgeschichte, das man noch in seine historischen Dimensionen setzen kann.
Christa Kern war unter den Zuhörern und hat uns von den verschiedensten Schauspielmethoden erzählt. In der Pause ist dann Ruth Aspöck gekommen, die uns noch vor Weihnachten zu sich zum Essen eingeladen hat. Alfred hat ein paar Fotos gemacht, ein paar Bawag – Literatureditionen sind am Büchertisch gratis aufgelegen und die Österreich – Anthologie zur Expo 2000 hatte ich noch nicht, alle anderen Bände schon, heuer nehme ich an, gibt es kein neues Buch mehr.
Und da Rolf Schwendter in den letzten GAV – Nachrichten dazu aufgerufen hat, daß man sich melden soll, wenn man im Lesetheater aufgeführt werden will, habe ich mich aufgerafft, ihn darauf anzusprechen. So etwas fällt mir ja immer schwer und es hat auch nicht viel genützt.

„Du hattest ja schon (im Jahr 2000) eine Veranstaltung“, hat er mir geantwortet. Das ist aber sehr lange her und ich habe seither viele Bücher geschrieben und ich beziehe mich auch immer wieder auf das Lesetheater in meinen Texten.
„Du könntest ja mit Susanne Schneider beim Osterspaziergang etwas über den vierten und fünften Bezirk machen!“, hat er mir noch angeboten, weil ich ihm geschrieben habe, daß ich viel über die Dichter und Dichterinnen des fünften Bezirks weiß und einmal bei einem literarischen Spaziergang der Frau Bezirksrat Steininger mitgegangen bin.
Nun ja, andere haben mehr Veranstaltungen, das ist halt so und offenbar nicht zu verändern, aber als nächstes kommt ohnehin die neue Volksstimmeanthologie heraus und da soll es noch vor Weihnachten eine Veranstaltung im Siebenstern dazu geben.

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2018-08-24

Zweimal Krankheit und Sterben bei den O Tönen

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 01:08
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Daniela Strigl, David Fuchs

Daniela Strigl, David Fuchs

David Fuchs

David Fuchs

Wieder einmal  das O-Töne-Literaturfestival im Museumsquartier, vorige Woche, wo Verena Roßbacher und Tanja Paar aufgetreten sind, habe ich  versäumt, weil wir in Zürich waren und diesmal ist es bei beiden vorgestellten Texten, um das Thema Krankheit und Sterben gegangen, stellte doch Daniela Strigl, das Debut des 1981 in Linz geborenen Onkologen und Autor David Fuchs „Bevor wir verschwinden“ vor, der damit 2016 den FMW-Wortlaut-Literaturwettbewerb gewonnen hat und auch die Leondinger Akademie absolvierte.

Deshalb war auch Gustav Ernst mit seiner Frau im Publikum und das Cover des bei „Haymon“ erschienen Buches habe ich schon öfter in den Blogs gesehen, es ist auch für den „Blogger Debutpreis“ nominiert und das Thema und seine Umsetzung erscheint äußerst spannend.

Ein Medizinstudent muß sein letztes Praktikum an einer onkologischen Station machen, vorher arbeitet er auch an Tierversuchen zusammen mit der Krankenschwester Ed, auf deren Station er am nächsten Morgen eintreffen soll, die empfängt ihn gleich mit der Aufgabe einem Patienten Blut abzunehmen, der das nur von einem Arzt machen lassen möchte und der ist sein Jugendfreund Ambros und hat überall Metastasen. Spannend spannend, sehr unteressant und auch sehr frech und aufmüpfig geschrieben. Vielleicht komme ich an das Buch, wenn es auf die Debutshortliste kommen sollte und mit dem Krankhaus beziehungsweise einem Pflegeheim und dem Sterben wollen eines MS-Patienten ist es bei Daniel Wisser, den ich schon seit er sein erstes „Ritter- Buch „Dopplergasse 8“ im Amerlinghaus vorstellte, kenne.

Damals habe ich gedacht, wenn so etwas bei „Ritter“ erscheint, habe ich vielleicht auch Chancen.

Sebastian Fasthuber, Daniel Wisser

Sebastian Fasthuber, Daniel Wisser

Daniel Wisser

Daniel Wisser

„Welche ein Irrttum!“, würde Ernst Jandl sagen und von dem 1971 in Klagenfurt geborenen habe ich erst wieder etwas gehört, als er beim „Bachmann-Preis“ gelesen hat. Dann sind ein paar Bücher bei „Klever“ erschienen, die letzten zwei, darunter das Vorgestellte „Konigin der Berge“ erschienen schon bei „Jung und Jung“ und weil der Autor auch Stipendiat der Stadt Wien war, habe ich ihm auch im MUSA gehört.

Sebastian Fasthuber machte die Moderation und Einleitung und betonte auch, daß Wisser, der auch als Musiker auftritt und seine Texte performiert, ein sehr realistischer Experimenteller ist oder ein experimenteller Realist, denn das Buch über den MSS kranken Herrn Turin, der in einem Pflegeheim lebt, dort in der Kantine, den ganzen Tag Wein trinkt und jemanden sucht, der ihn in die Schweiz zur Sterbehilfe begleitet, scheit eher experimentell formatiert zu sein, obwohl das Buch sehr realistisch klang, denn die Aus- und Unterstreichungen konnte man nicht sehen, nur hören, daß die Dialoge mit den Erzählerstimmen beginnen.

Der Herr Turin ist jedenfalls ein recht eigenwilliger Vierzigjähriger, der schon schlecht sieht und im Rollstuhl sitzt, trotzdem den Krankenschwestern auf den Busen schaut, dann eine Psychologin findet, die ihn in die Schweiz begleitet oder auch nicht. Das Ende wurde,  wie immer nicht verraten und außerdem auch einen Dialog mit einer toten Katze hält, die den Namen eines ehemaligen amerikanischen Präsidentschaftskanditaten trägt.

Vielleicht kommt das Buch auf die östBp, dann könnte ich es lesen. Denn ich habe, fällt mir ein,  noch nichts von Daniel Wisser gelesen, obwohl er sich, wenn er mich auf Lesungen sieht, sehr freundlich mit mir unterhält.

2018-05-10

Super und dir?

Filed under: Bücher — jancak @ 00:13
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Das ist die ewig gleiche Antwort, auf die höchst banale Frage, wie es einem denn so ginge, die höchstwahrscheinlich ohnehin niemand wissen will und nur aufhalten würde, wenn jemand ehrlich „Beschißen!“, darauf antworten würde oder „Ich brauche Zeit und Geld!“ oder so, die aber die Generation über dreißig der prekären Arbeitswelt gerade entkommen, die nach ihrem Studium in den angeblichen Traumberuf eingestiegen ist, zu geben sich veranlaßt fühlt oder denkt und glaubt, daß die Gesellschaft, das von einem erwarten würde, wurde man doch höchstwahrscheinlich  so erzogen.

Die perfekte Fortsetzung  auf das vorher gelesene Buch, hier war es die österreichische Gegenwartsliteratur, die in einem Hochstaplerroman von einem berichtet, den das „Super und dir!“, auch nicht so gelungen ist, hier erzählt die1985 geborene deutsche Kathrin Weßling, die Online-Redakteurin ist und in einem ihrer vorigen Bücher, glaube ich, schon über ihre Depression geschrieben hat.

Da ist es nicht weit zum Burn-Out und zur Drogensucht und Kathrin Weßling könnte man veranfacht sagen, erzählt, wie viele andere, auch hier von der Krankheit der Jugend in einer Gesellschaft wie dieser und sie tut es mit einer unheimlichen Wucht, wenn auch nicht immer linear, nicht immer ganz nachvollziehbar und nicht immer mit der gleichen Dichte und auch in unterschiedlichen Textsorten.

Da ist also Marlene Beckmann, die ist gerade einundreißig geworden und soll ihren Geburtstag feiern und man merkt, da stimmt etwas nicht, denn die Person ist trotz ihrer vielen Facebookfreunde fertig und am Ende.

Das von den Facebookfreunden steht schon so im Klappentext: „Marlene Beckmann Anfang dreißig. Social Media Managerin in einem multiinternationalen Unternehmen, hat es geschafft. Sie hat 532 Freunde auf Facebook, einen Freund, der sie liebt und einen Job den alle haben wollten. Und wenn sie noch weniger schläft, noch produktiver ist, fröhliche Selfies postet und dabei in ihren Chacren atmet, wird das Leben noch besser.“

Dann wechselt das Bild von der eher schwachen Person, die unfähig ist, trotz Anruf ihrer Mutter, ihre Geburtstagsparty zu planen und wir kommen zu einer Jugendlichen, deren Welt zusammenbricht, als ihre Eltern ihr bekannt geben, daß sie sich trennen wollen. Das heißt für die Mutter ist das eigentlich die Katastrophe, sie greift zum Alkohol und zu dem vom Arzt verschriebenen Beruhigungsmittel, der Vater säuselt, es wird alles gut und verschwindet, die Tochter räumt die Flaschen weg und verspricht der Englischlehrerin, die sie in der Schule auf ihr gelegentliches Fehlen und ihren Leistungsabfall anspricht, daß alles Super ist und sie sich zusammenreißen würde, was zu den dichtesten Stellen des Buches zählt

Das tut sie dann auch, denn sie ist die Beste ihres Abisjahrgangs, Vater und Mutter sind zur Feier gekommen, spielen heile Welt, der Direktor hält eine Lobesrede. Dann schafft sie ihr Studium und tritt die oben erwähnte Stelle an. Die Firma in die sie einsteigt, wird ein bißchen wie Dave Eggers „Circle“ geschildert, neben ihr wird noch eine zweite Volontärin aufgekommen und nur eine wird, besonderes grausiges Spiel, den Job bekommen.

So lächelt sich Marlene durch, betreut Bloggerinnen, macht für ihren Chef die Präsentationen, die er dann als seine ausgibt, weist Maya, die ein bißchen zu viel getrunken hat, bei einer Afterwork-Party zurecht, schläft zuwenig und ißt ihren Freund Jakob, weil sie nicht zum Einkaufen kommt, den Lieblingspudding weg. Der spricht sie darauf an, daß offenbar etwas nicht in Ordnung ist, sie verspricht ihm, sich zu ändern. Ein Ulraub wird geplant, den sie aber, weil in der Firma zu viel zu tun, verschieben muß.

So weit der erste Teil. Im Zweiten ist Jakob  offenbar allein in den Urlaub geflogen. Sie bricht nicht zusammen, geht nicht zur Arbeit, sondern zum Arzt, erzählt ihm, nachdem sie ihm etwas von einem Darmvirus vortäuscht, um zu einer Krankschreibung zu kommen,  weinend von ihrer Drogensucht, der nimmt sie nicht erst, sagt „Sie sind doch kein Junkie!“ und verschreibt ein sanftes Beruhigungsmittel und von Stefan, ihrem Chef kopmmt die Nachricht, daß leider, leider, sie solle es nicht persönlich nehmen und es ist auch nichts gegen sie, sich die Firma doch für Maya entschieden hat.

Dazwischen wird noch eine Abtreibung erwähnt, die Marlene einmal hatte, weil es mit ihren damaligen Freund Davind nicht der richtige Zeitpunkt zum <kind war und am Ende geht es wieder zu dem nicht gefeierten Geburtstag zurück und zu den Anrufen, die vom Vater, der den üblichen Scheck verspricht, der Mutter und der glücklicheren Kollegin Maya kommen.

Ein sehr beklemmend dichtes Buch, in dem wahrscheinlich viel selbst Erlebtes und viel von dem Druck, den unsere Gesellschaft auf die Jugend von heute, den erfolgreichen Superkindern, die immer lächeln und leisten müssen und damit überfordert sind, macht, steckt.

Eines das sich nahtlos an die traurigen Freiheit und auch noch einige andere Bücher einiger anderer Dreißigjährigen reiht und das auch schon von „Literaturen“ und „Herzpotential“ gelesen wurde, die glaube ich, ebenfalls beeindruckt waren.

2016-07-27

Lucy fliegt

Jetzt kommt ein Buch, das ich fast übersehen hätte, obwohl ich ja auf der „Kremayr&Scheriau-Release-Party“ war und mir Gustav Ernst dort Petra Piuk vorstellte und „Bücherwurmloch“, die unermüdliche Salzburger-Bloggerin, hatte es, glaube ich, mal auf ihrer Faebookseite und bei den O-Tönen, wird auch vorgestellt.

Da bin ich dann auf Petra Piuks „Lucy“ fliegt gekommen, habe das Buch, weil Debuts ja wichtig sind und es ja jetzt auch einen „Debutpreis“ gibt, bestellt und gelesen und war wieder einmal überrascht über den neuen frischen Ton, in dem da eine die Nöte oder „Krankheit der Jugend“ beschreibt.

Dabei ist die 1975 geborene Petra Piuk, die, wie viele junge Literaturstars, die „Leondinger Akademie“ besuchte, vielleicht hätte ich das auch machen sollen, aber vielleicht hätte Gustav Ernst mich nicht genommen, gar nicht mehr so jung, sie hat aber lange im „Doku-Soap-Bereich“ gearbeitet, wie ich dem Klappentext entnehme und genau darum geht es in diesem Buchdebut, in dem die Nöte, Ängste, Schwierigkeiten, die junge Frauen heutzutage haben, wieder einmal sehr treffend und auf andere Art und Weise beschrieben werden, wie es beispielsweise Helene Hegemann, Ronja von Rönne, Ekatarina Haider, Olga Grjasnowa, um nur ein paar Bücher, die ich gelesen habe, zu nennen, tun.

Da ist Luca, 23, die eigentlich Linda heißt und von ihr handelt der Roman, auf dem es auf jeder Seite ein kleines Flugzeug zu sehen gibt.

Denn Lucy fliegt, wie schon der Titel sagt, nach Hollywood oder L.A, um dort eine Karrere als Schauspielstar hinzulegen, den Oscar, zu empfangen, der rote Teppich ist schon ausgebretet und wem diese Jungmädchenphatasien zu heavy sind dem kann ich daran erinnern, daß die fast dreiundsechzigjährige Blogbetreiberin, ja auch vom Nobelpreis träumt und dann jedesmal aufjapst, wenn wieder einer schreibt, „Kann es nicht sein, daß Sie nicht schreiben können, gute Frau!

Auch die Form ist bestchend. Denn da gibt es immer ganz kurze Abschnitte, die mit „Lucy 23, will nach oben“ oder „Lucy 23, hat pralle Brüste“, etcetera beginnen und dann folgt das jeweilige Kapitel.

Um gleich ein bißchen zu mäken, mir scheinen diese Überschriften, wie man sie ja vielleicht auch in der E.T.A Hofmannschen Manier finden wird, dann nicht immer von dem folgenden Kapitel genügend abgehoben, wenn da ein Lektorat vielleicht darauf geachtet hätte, daß das zwei paar Schuhe sind und oben knapp zitiert wird, was unten dann ausgeführt, wäre es vielleicht mehr gewesen oder dichter geworden.

Und dann hinein in das Leben oder in den Flug dieser jungen, Frau, dieser dreiundzwanzigjährigen Linda, die in einem Wiener Gemeindeau aufgewachsen ist, Schöpfwerk oder Rennbahnsiedlung würde gut passen, das Buch spricht von Floridsdorf, der Vater hat sich irgendwann verabschiedet, bevor er die Kindergartenzeichnung, der Vierjährigen mißachtete, die alleinerziehende Mutter ist mit der aufgeweckten Kleinen  überfordert, denn die bricht die Schule ab, fickt alle Burschen, ist also frühreif und hat hohe Pläne.

Denn Lucy will ja, wir wissen es schon, hoch hinaus, sie will Schauspielerin werden, aber nicht nur irgendeine gewöhnliche, die dann vielleicht als Statistin auftritt oder Joghurt Reklamen dreht, sie will den Oskar, sie will nach L.A und dafür ist sie bereit alles zu tun.

Sie hat auch jede Menge Ratgeberbücher dafür schon gelesen oder in der Tasche und darin steht dann all das Zeug, wie man es beispielsweise auch auf der Autorenseite von Annika Bühnemann, die ja junge Autorinnen auf dem Weg zu dem Erfolg berät, finden kann, wie „Du hast dein Leben in der Hand!“, „Alle Türen, stehen, dir offen“,“Du bist deines Glückes Schmid!“, „Denk positiv!“, etcetera.

Und so wurschtelt sich Linda tapfer und entschlossen auf dem Weg nach oben. Sie nennt sich dazu, als erstes Lucy, denn Linda ist zu banal und klingt nach Gemeindebau und, daß man, wenn man Jennifer oder Jessica heißt, beispielsweise schon Punkte auf der Karriereleiter verloren hat, kann man ja inzwischen auch in den diversen Ratgebern lesen.

Also kippt sie sich selbst eine Flasche Sekt über den Kopf und beginnt ihr neues Leben, während das alte nach dem Schulabbruch bedeutet, daß sie kellnert, weil sie aber nach L.A will, bewirbt sie sich als Stewardess, wird aber bem Assessment nicht genommen, weil bei den Rollenspielen, die Phantasie mit ihr durchgeht und sie dem Passagier dem schlecht ist, gleich die Notfallstropfen auf die Nase drückt, statt, wie es eine erfolgreichere Bewerberin tut, ihm einfach ein Glas Wasser anzubieten.

Jetzt sitzt aber Lucy im Flugzeug, dieses hebt noch nicht ab und sie gebraucht auch ihre Notfallstropfen, denn sie hat Flugangst und sie quasselt oder denkt sich durch das Buch. Ihre Fantasie, die sie zweifellos hat, geht mit ihr durch, so denkt sie einerseits,“Tief durchatmen!“, was ich meinen Panikpatienten auch raten würde, dann sieht sie sich schon in sämtlichen Turbulenzen und mit den Passagieren neben oder hinter ihr will sie auch anbandeln.

Allmählich bekommt man heraus, daß das Flugzeug gar nicht nach L.A. sondern nach Düsseldorf geht und, daß Lucy, die sich nach der Bewerbung, als Flugbegleiterin auch in eine private Schauspielschule begeben hat, aus der sie auch hinausfliegt, nachdem sie zuerst die Hauptrolle und dann die Nebenrolle, die sie bekommt, mit ihrer überbordenden Phantasie vermasselt hat, Turbulenzten mit diversen Männern und eine Schwangerschaft gibt es auch, in eine dieser Realityshows begeben hat, wo man, wenn man gewinnt, eine kleine Rolle in einem Film in Hollywood bekommt.

Lucy ist in der zweiten Runde, sieben der Aufgenommenen sind schon hiausgeflogen, die anderen sieben müssen nach Düsseldorf fliegen und das wird offenbar gedreht und Lucy spielt also eine Rolle, bekommt aber prompt einen Panikanafall und dann tritt noch eine Mia auf, von der mir nicht ganz klar ist, ob, das jetzt die Stewardess ist, die während der Bewerbung statt Lucy genommen wurde oder die Produktionsleiterin, die das ganze überwacht, die hat aber Lucy während des Aufnahmegespräches: „Du kannst mir Vertrauen!“, entlockt, daß sie nach dem Kellnern in einer Escortagentur gearbeitet hat, die hat das dann trotz Versprechen in die Zeitung gesetzt und als Lucy das erfährt, dreht sie endgültig durch.

„Verbissen klammert sie sich an ihre Traumwelt, bis sie die Realität vollkommen aus den Augen verliert!“, steht im Klappentext, was in der Realität der jungen Frau aus dem Wiener Gemeindebau, die ganz nach oben will, bedeutet, daß sie schon die roten Teppiche sieht, während in Wahrheit die Ambulanz anrückt und der Doktor mit der Spritze und der Zwangsjacke, was vielleicht nicht mehr gan2z der Realität von 2016 entspricht, sie aus dem Flugzeug holt.

Petra Piuk wird aber auf den Sets, der „Soap-Opern“ schon einiges von den Nöten der jungen Frauen gesehen haben, die ganz nach oben, nach Hollywood oder in die „Austra next Supermodels-Kreisen“ wollen und dafür sehr viel tun, sei es, daß sie sich auf eine Anorexie hinunterhungern, mit den wirklichen oder vermeintlichen Produktionsleitern ins Bett gehen, koksen, saufen spritzen und dann doch nicht nach oben kommen, denn der Weg dorthin ist ja sehr dünn und auf der Spitze ist nur wenig Platz und so habe ich jetzt ein sehr beklemmendes beindruckendes Buch gelesen, die ich ja auch so Träume habe und mit meine zweiundsechzig Jahren in der Realität, weder nach Klagenfurt noch auf eine Buchpreisliste kam und es trotzdem weiter versucht.

Denn man soll ja seine Träume leben, steht in den Ratgebern, wenn es einem das Gegenüber, die Filmfirmen, die Castingshows, aber auch die Verlage oder die Literaturagenturen,  so schwer machen, hat man es nicht leicht und man wird scheitern, wenn man von untern kommt, keine Beziehungen hat, sprich keinen Vater,  der Regisseur ist und einem die Einladung für die Premierenparty in die Hand drücken kann, wie Lucy meint und das auch ununderbrochen vor sich hindenkt.

Petra Piuk wird demnächst ihr Debut bei den O-Tönen vorstellen. Ich freue mich schon darauf.

2013-04-06

Anleitung zum Fest

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:49

Der 1988 in Wien geborene Lukas Meschik, ist eine junge Stimme, die mir fast entgangen wäre, zumindest habe, ich sie, bei meinen „Klagenfurt-Getratsche“ nicht erwähnt, ich war auch noch nie auf einer Lesung, den Namen des vorigen Luftschacht- und jetzigen Jung und Jung Autors habe ich aber schon gehört, so habe ich im Jänner 2012 als es die „Anleitung zum Fest“, in der Morawa-Abverkaufskiste gab, danach gegriffen, das Buch brav auf die Leseliste gesetzt und erst jetzt mitbekommen, daß es sich dabei um einen Erzählband handelt und, daß es sich, wie am Klappentext steht, bei Lukas Meschik um einen „jungen Erzähler mit hohen stilistischen und formalen Können“ handelt, lassen die Verlage bzw. die Nominierung zum letzten „Alpha“ mit wahrscheinlich dem Jung und Jung Roman „Luzidin oder die Stille“, vermuten. Dann gibt es noch den Debutroman „Jetzt die Sirenen“, mit dem er mit Steffen Popp verglichen wurde und dem Netz entnehme ich, daß der mir Unbekannte, kanpp vor der Matura, die Schule geschmissen hat, um sich ganz der Literatur und der Musik zu widmen, womit er offenbar sehr erfolgreich war, während er in seinen Erzählungen, die Tristesse der jungen Leute und die Schwierigkeiten des Lebens zwischen Matura und Studienbeginn schildert und tut das mit einer wahrhaft präzisen Sprache und einem frischen knappen Stil.
„Ein ortloser Ort“, ist den „Nachtrouten Wiens“ gewidmet und beginnt mit der allgemeinen Betrachtung der Frage, ob „vier Uhr früh ein Zeitpunkt zum Sterben ist?“
Lukas Meschik behauptet jedenfalls, daß in dieser Zeit in den Altersheimen, Spitälern, etc, am meisten gestorben wird.
„Todesursache Altersschwäche, sagen die Schwestern und Pfleger und Ärzte gelassen und nicken, als wüssten sie von anderen, denen es ähnlich erging“ und zieht dann in einem atemberaubenden Tempo durch das nächtliche Wiens, wo die Nachtbusse fahren oder zu spät kommen, man sich die Namen für die Kinder ausdenkt, die Liebste küsst, aber auch von Messerstechern, die den Angstschweiß spüren, überfallen wird, zischt in die Casinos ab, findet in „bröckelnden Mauernumschalung kleine Pakete zurückgelassener Kleidung“ und denkt „an die Sommerresidenz einiger Obdachloser“. Am Schluß kommt er wieder zu der vierten Morgenstunde zurück und fängt zu kochen an „Prost und guten Appetit“.
Im „Tag der Trägheit“, „Glück“, lautet der Untertitel, den es bei jeder Geschichte gibt, verbringen zwei, die Zeit zwischen Matura und Studienbeginn im Badezimmer, das heißt „Joe verbringt manchmal Tage einfach nur damit im Badezimmer das Licht anzulassen“, um die Mutter zu ärgern, die brav arbeiten geht, Joe und der oder die Erzählerin, so genau habe ich das nicht herausgefunden, rauchen Gras und bezweifeln, daß die Mütter den Geruch erkennen, ernähren sich von Fertigpizza, trinken Bier, der die ErzählerIn bereitet sich auf das Philosophiestudium vor, Joe hat, wie er sie meint einfach Angst, davor seine Chancen auszunützen oder, daß es ihm gefallen könnte und entschwindet dann auch irgendwohin draußen „und es geht ihm nicht schlecht“, lautet der letzte Satz.
Dann kommt die „Neuordnung der Synapsen“ oder „Acht Gegensätze“ und bei „Was uns an Amputationen denken läßt“, geht es in die Diskothek und da wird ganz genau beschrieben, was dort passiert. Es wird geraucht und gekifft, getrunken und geliebt, die Nachtbusse rauschen vorbei, der Türhüter läßt die Dreizehnjährigen hinein, obwohl man ja zwischen sechzehn und sechsundzwanzig sein sollte und während es bei den Protagonisten an die Liebe geht, denken sie bei der „Beschreibung ihres Ausgehabends“, ständig an „Amputationen. Jeunesse doree pur, könnte man meinen oder auch an die „Krankheit der Jugend“, denken, die Lukas Meschik ganz neu zu beschreiben versteht.
In der „Kunst des Halbierens“, sitzen zwei im ersten Stock eines Restaurants, die Frau hat ein Aufnahmegerät dabei und interviewt den Mann, der ihr eine „Liebesgeschichte“ erzählt.
„Wir leben in unverbindlichen Zeiten!“, zitiert er immer wieder, beschwert sich beim Kellner, der die sechszehn Stufen über die Wendeltreppe hinaufkeuchen muß, über den unverschämt hohen Preis der Scholle, bestellt sie aber doch, streicht der Frau übers Haar und man weiß nicht recht, was hier passiert? Diktiert der Schriftsteller seiner Sekretärin oder Ghostwriterin die Beziehungsgeschichte, interwiewt die Reporterin den Erfolgsmann für das Wochenmagazin oder läuft so das Leben ab und Lukas Meschik ist mit seinen etwas über zwanzig Jahren so mutig, daß er sich das in schönen Worten auf siebzig Seiten, langsam und bedächtig zu erzählen traut, Banales aufrollt, die Geschehnisse in Einzelheiten zerfleddeert und es ist keiner da, der „Da passiert ja nichts!“ zu ihm sagt und der Titel der Geschichte rührt davon her, daß der Mann Theorien über das Halbieren aufstellt. Das Schnitzel, die Scholle kann man teilen, den Menschen nicht und am Ende gehen sie, wo doch alles so schön begonnen hat, wieder auseinander.
Dann steigern sich die Geschichten von den kiffenden Jugendlichen in einer nächtlichen Stadt zu wahren Apokalypsenfantasien.
In „Unter der Oberfläche“, wird einer, ein gelangweilter Bobo höchstwahrscheinlich, von seinem weisen Mann, der ihm destruktive Ratschläge gibt, in eine zufällige Liebesnacht nach zufälliger Bekanntschaft in seine Wohnung geleitet. In „Die Rückkehr der mißhandelten Frauen“, kommen die Models und Pornofilmdarstellerin, die sich einen halben Liter Milch einflößen lassen, damit es nachher aus ihnen heraussprudelt, sie sich zu ihren Studium was verdienen und die Männer ihre Freude haben, in das Dorf, bevor sie wieder auf ihre Plakatwände bzw. Fersehserien steigen werden.
„Gedanken in blau“, beginnt im Hörsaal, vierte Reihe hinten, steigert sich zu einer allumfassenden Weltuntergangsstimmung, um am Schluß wieder dorthin zurückzukehren.
Das scheint überhaupt Lukas Meschiks Spezialität zu sein, nach der Katastrophe mit dem ganz banalen Alltag abzuschließen und die Titelgeschichte ist auch mit „ein Ende“ bezeichnet, wir werden von Lukas Meschik, der wie viele junge Literaturtalente auch beim FM4 Preis begonnen hat, aber sicher noch einiges hören und in dem „Profil-Unter Dreißig Artikel“, das hatte ich vergessen, wurde er auch als Beispiel erwähnt, habe also durch das Abverkaufbuch eine ineressante junge Stimme kennengelernt und bin gespannt, ob ich ihr einmal beim Bachmannpreislesen, etc, begegnen werde.

2012-09-24

Die Einsamkeit der Primzahlen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:22

Paolo Giordanos „Die Einsamkeit der Primzahlen“, ein Leseexemplar, das ich Anfang des Jahres im Wortschatz gefunden habe und das mir von diversen Blogs sehr vertraut schien, ist ein Beispiel für das spannende Schreiben und das was man im Writerstudio vielleicht lernen kann. Ob und wo der 1982 geborene Paolo Giordano das Schreiben studierte und wie man in Italien Schreiben lernen kann, weiß ich nicht. Das Buch war aber 2008 das meistverkaufte Buch Italiens und Paolo Giordano der jüngste Preisträger, den es in der Geschichte des „Premio Strega“, des wichtigsten italienischen Literaturpreis gegeben hat, habe ich dem Klappentext entnommen.
Und man wird gleich hineingezogen in die Geschichte, die mit einer seltsamen Grausamkeit das Leiden, das jungen Menschen, auch wenn sie in wohlsituierten Familien aufwachsen, widerfahren kann. Das Buch ist in Abschnitten eingeteilt, die Jahreszahlen tragen. So beginnt es mit „Engel im Schnee“, 1983, da ist Alice sieben und ihr Vater zwingt sie zum Schifahren. Sie will nicht, muß aber mit dem Lift hinauffahren, muß aufs Klo, macht sich an und will, da die Kacke schon hinunterrinnt, alleine wieder abfahren, dabei kommt es zu einem Sturz. Alice wird im Schnee vergraben und stellt sich schon das Sterben vor. 1984 geht es weiter, da ist Mattia wahrscheinlich acht oder auch zwei Jahre älter, hochbegabt und hat eine Zwillingsschwester, deren Behinderung, er hautnah miterlebt, wenn die Logopädin kommt und es Michaela nicht gelingt, die Kugel in das richtige Loch zu stecken. Solche Kinder lädt niemand ein. Einmal passiert es doch, daß Mattia und Michaela zu Riccardos Geburtstagsparty kommen sollen, die Mutter kauft den größten Legokasten und schickt die Kinder los. Mattia geniert sich aber für seine Schwester und läßt sie im Park zurück. Als er wiederkommt ist sie verschwunden.
Schnitt ins Jahr 1991 „Auf der Haut und knapp darunter“, da hat sich Mattia schon seine Arme zerschnitten und Alice ist magersüchtig geworden, hinkt, geniert sich für ihre Narbe, möchte sich trotzdem eine Rose auf ihren Bauch tätowieren lassen, der strenge Vater erlaubt es der Fünfzehnjährigen aber nicht. Die Mädchen in der Klasse, vor allem die Alphafigur Viola, die den anderen die Liebesgeschichten ihrer älteren Schwester, als die eigenen erzählt und dabei die richtige Methode der Ausparung beherrscht, sie hört auf bevor es so richtig spannend wird, bzw. läutet da die Schulglocke, zwingt Alice ein verdrecktes Bonbon zu essen und möchte sie dann entjungfern. Alice wählt dafür den etwas seltsamen aber hochbegabten Mattia aus, der nur einen Freund hat und sich sogar in der Schule die Pulsadern aufschneidet. Die beiden gehen bei Violas Party auch alleine in ein Zimmer, darinnen passiert aber nichts, trotzdem gehen sie aneinander den Händen haltend zu den anderen, was Violas Neid erweckt, da ihr das bei ihrer Entjungferung verwehrt wurde. Sie läßt Alice fallen, dabei hat sich die inzwischen ein Stiefmütterchen auf den Bauch ritzen lassen.
Mattia studiert Mathematik, Alice wird Fotografin und als Mattia einen Lehrauftrag nach Amerika bekommt, fragt er Alice, ob er ihn annehmen soll. Sie bejaht, beziehungsweise verrät sie ihm, daß sie Fabio, einen jungen Arzt heiraten wird, den sie kennenlernte, als sie ihre krebskranke Mutter im Spital besuchte. Mattia ist auch in Amerika, während er sich in die Welt der Primzahlen zurückzieht und darüber geniale Artikel schreibt, sehr einsam, nur einmal gelangt er ins Bett der schönen Nadia, die ihm ihre Telefonnummer gibt und sagt, daß er sich entscheiden soll. Da kommt ein Brief mit einem Foto und der Aufforderung zu kommen von Alice, die sich inzwischen an Viola rächte, als sie an deren Hochzeit fotografierte und von Fabio verlassen wurde, weil der ein Kind von ihr will, aber sie bekommt ja keine Regel mehr. Es kam zum Streit, die Reiskörner flogen, Fabio ging zu seinen Eltern zurück und Alice fuhr ins Krankenhaus und sieht dort eine junge Frau, die Michaela sein könnte, die seit damals verschwunden ist. So schreibt sie diesen Brief, aber als Mattia kommt, zwingt sie ihn zum Autofahren und erzählt ihm nichts von ihrem Erlebnis, so fliegt er wieder zurück und erinnert sich als er schon am Meeresstrand steht an Nadias Telefonnummer in seiner Tasche.
Ich hätte das mit fünfundzwanzig Jahren nicht schreiben können, das steht fest. Die Spannung ist vollendet. Knallhart werden wir in das Elend oder die „Krankheit der Jugend“ hineingeführt, die heute vielleicht nur ein wenig anders, als zu Ferdinand Bruckners Zeiten ist. Knallhart ist sie und aussichtslos, das Schneiden, das Hungern, das Brennen und dann gibt es auch noch die Eltern, die ihre Kinder wahrscheinlich lieben und dennoch hilflos daneben stehen und nicht zu ihnen können. Das Heer der Psychologen, das es inzwischen, gibt, kann es wahrscheinlich auch nicht und so bleiben die hochbegabten jungen Erwachsenen mit ihren Schuldgefühlen zurück, wollen, aber können nicht zueinander kommen, denn das Wasser oder etwas anderes ist viel zu tief…
Schade nur, daß von dem Buch nicht mehr viel zu hören ist, bei den vielen anderen spannenden packenden grausamen Neuerscheinungen, die es inzwischen gibt, ist es wahrscheinlich vergessen worden. So lobe ich mir die offenen Bücherschränke und kann nur empfehlen auch das Ältere zu lesen und es ist wieder sehr spannend, wie dicht, packend und erbarmungslos junge Leute schreiben können und hoffe nur, daß nicht alle ihre Jugend so erbarmungslos erleben.

2011-01-27

Einladung an die Waghalsigen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:08

Auf dieses Buch war ich sehr neugierig, habe es zu meiner Weihnachtsempfehlung gemacht und es nach der Diskussion über das realistische Schreiben, die ich mit JuSophie in den letzten Tagen führte, bzw. dem Symposium und den Lesungen, bei denen es auch darum ging, begierig studiert. Roman steht darauf. Zitha Bereuter hat bei ihrer Einleitung in der Hauptbücherei bezweifelt, daß es einer ist, das Buch hat nur hundertvierundvierzig Seiten und mehrere bestehen aus wenigen Sätzen.
„Ich würde es Textsammlung“ nennen, hat Dorothee Elmiger, glaube ich, geantwortet. Oder Erzählung, wie ich es nennen würde, bzw Novelle, denn ein bißchen ist der Tonfall etwas antiqiert, manchmal jedenfalls.
Aber die Verlage wollen alle Romane, weil sich das besser verkaufen läßt. Das Buch wird auf den Klappentexten und am Umschlag hoch gelobt.
„Dorothee Elmiger wagt das größte Abenteuer. Jenes der poetischen Weltverwandlung. Ein Wunderwerk der Intonation!“, schreibt etwa ein Peter Weber.
„Margarete und Fritzi sind die übrig gebliebene Jugend einer verschwundenen Stadt. Die beiden Schwestern brechen auf zu einer Expedition, um ihre eigene Herkunft zu erforschen“, steht auf der Buchrückseite und damit ist der Inhalt schon erzählt.
Beim Bachmannpreis wurde über das Buch heftig diskutiert und mehrere kluge Theorien darüber aufgestellt. Es wurde auch gelobt, weil da eine Fünfundzwanzigjährige nicht ihr Leben erzählt und den ewig gleichen Weltschmerz schildert, sondern ganz ohne Biografie auskommt, obwohl das nicht stimmt.
Denn die Margarete ist ja eine Ich- Erzählerin und es geht sehr oft, um die verschwundene Mutter, die mit Hemingway verglichen wird und mit dem Vater, dem Polizeikommandanten der verschwundenen Stadt scheint es auch Spannungen zu geben.
Das Thema hat mich interessiert und weil mir bei dem, was ich bei der Bachmannlesung und dem Interview auf der Frankfurter Buchmesse hörte, einige Fragen offen blieben, habe ich mir das Buch besorgt.
Denn es gibt da ja die wunderschöne musikalische Sprache, die vielleicht, wie ich auf dem Symposium für Sprachkunst hörte, am Schreibtisch konstruiert wurde, vielleicht wurde sie auch mittels Recherche und Feldforschung erarbeitet. Ich weiß es nicht und habe vorige Woche Dorothee Elmiger nicht danach gefragt. Es ist aber originell über eine verschwundene Stadt zu schreiben, die ja trotzdem irgendwie besteht, denn die Schwestern Fritzi und Margarete Stein leben in ihr, in einer Wohnung über der Polizeistation, die diese Stadt, unter der im Bergwerk schon Jahrzehnte lang ein Feuer brennt, das nicht zu löschen ist, bewacht. Es leben auch noch ein paar andere Leute, außer den Schwestern und den Polizisten dort, zum Beispiel, die Hebamme Elisabeth Korn und dann gibt es die ehemalige Bibliothekarin Erika Gerste, die mit einem Taxi angefahren kommt, aber damit kommt sie nicht in das Sperrgebiet hinein, so nimmt sie das Fahrrad. Die Schwestern haben Auto und Motorrad. Wo sie zur Schule gegangen sind und schreiben lernten, erfährt man nicht, nur daß die abtrünnige Mutter sich nach der Geburt die Haare schneiden ließ und dann verschwand. Aber diese Rosa Stein ist ohnehin eine höchst interessante Person, wird sie doch einmal als ukrainische Diplomatin, ein anderesmal als junge Schottin bezeichnet.
„Außerdem war sie Abenteuerin, Großwildjägerin und Hochseefischerin, hat in Rußland das Ingenieurswesen und die Revolutionen studiert, in Reno ein Casino ausgeraubt und sich mit dem Geld einen Frachter gekauft.“
Ganz schön viel für eine einzige Mutter, aber wenn man in Betracht zieht, daß sie ihre Töchter nach der Geburt verlassen hat, läßt sich das schon wieder psychoanalytisch deuten.
Die Töchter wachsen jedenfalls über der Kommandatur auf und haben in der Wohnung einige Bücher gefunden, aus denen sie die Welt, das Leben und ihre Vergangenheit erforschen. Margarete tut das auf einer Schreibmaschine, die sie sich aus dem Polizeiwachzimmer holt, während Fritzi die Gegend erforscht. Die liegt aber auch gern in der Badewanne und beide Schwestern trinken viel Kaffee.
Die Namen der Bücher aus denen sie die Welt entdecken, werden aufgezählt, es wird auch in Kursivschrift daraus zitiert, auf der letzten Seite werden die Zitate dann benannt.
Deshalb hat Zitha Bereuter das Buch auch mit „Axolotl Roadkill“ verglichen, obwohl es ja fast ein Westernthema zum Inhalt hat. Die Bücher, die immer schon in der Wohnung gestanden haben, sind größtenteils Fach- und Sachbücher. Montanwissenschaftliche Schriften, Bücher über die Schifffahrt, aber auch über den Grundriß der Geschichte der bürgerlichen Revolutionen, über Pflanzen, Meere, Vögel u.u.u.
Deshalb kommen die Schwestern auf die Idee nach dem Fluß Buonoventura zu suchen, der irgendwann verschwunden ist und denken, daß er in ihrer Gegend gefloßen sein soll. Sie finden auch ein Schluckloch und später noch Ferdinand Bruckners „Krankheit der Jugend“, aber da haben die Schwestern, die verwunschene Stadt, in der der Vater inzwischen ein Sicherheitsszenario aufgebaut hat, verlassen und sind mit einem weißen Pferd, daß sie ebenfalls gefunden haben, zu einem Hotel geritten, in dem sie sich einquartieren.
Ein Tankwart stößt auch noch zu ihnen. Dort schreiben sie Briefe und Einladungen an den Rest der Welt „um zu einer Konferenz, einem großen Fest einzuladen, wo sie nicht nur die Krankheit der Jugend aufführen, sondern auch in einem hölzernen Ruderboot auf dem Buenaventura bis nach China fahren wollen.“
Sie müßen die Briefe zwar am Grenzposten abgeben und es ist auch nicht ganz sicher, ob der Grenzwächter sie wegschicken wird. Die übrig gebliebene Jugend der Stadt hat die Einladung an die Waghalsigen aber doch ausgesprochen und die Kulturkritik war von dem Buch, das den Kelag Preis in Klagenfurt, den Aspekte Literaturpreis für das beste Debut gewonnen hat und auch für Rauris nominiert ist, begeistert.
„Einer jener herrlichen Fälle, bei denen aus dem Nichts eine Welt aus Worten entsteht, souverän und originell!“, wie Judith von Sternburg von der Frankfurter Rundschau schwärmt und ich bleibe ein wenig ratlos zurück, wurden mir doch nicht alle Fragen beantwortet und als realistische Autorin und Verhaltenstherapeutin hätte ich ja gern den Halt und die Struktur.
Einiges weiß ich ja, die Sprache ist sehr schön und gleitet musikalisch dahin, manchmal wirkt sie etwas bedächtig und antiquiert und man denkt, das hat man schon gehört, aber das passt zum Thema, geht es ja um das Entstehen der Zukunft aus der Vergangenheit.
Den Einfall das aus Büchern zu konstruieren und in einer verschwundenen Stadt spielen zu lassen, finde ich immer noch originell. Dann fehlt mir wieder viel realistisches Wissen, beispielsweise die ganz banale Frage, wo haben die Schwestern das Lesen gelernt? Anderes erscheint mir wieder zu phantastisch, die Figur der Mutter beispielsweise und auch die Kapitelüberschriften, so kommt „Florida“ beispielsweise in einem vor, „Grand Erg du Bilma“, „Las Vegas“ und „China“, obwohl die Stadt, wenn ich es recht verstanden habe, in der Schweiz liegt. So haben die Orte der Umgebung, die die Schwestern erkunden, schweizerisch klingende Namen, aber die hat Dorothee Elmiger erfunden und darauf geachtet, daß es sie nicht gibt.
Dann scheint die Parabel „Die beiden Schwestern brechen auf zu einer Expedition, um ihre eigene Herkunft zu erforschen“, wieder aufzugehen und ich kann mir vorstellen, daß sich eine Fünfundzwanzigjährige mit alten Büchern und Zitaten diese Parabel zusammenkonstruiert.
Insgesamt fehlt mir wahrscheinlich doch der realsitische Inhalt. Ich hätte es lieber einfacher und nachvollziehbarer und wahrscheinlich auch länger, die Kurzform liegt mir nicht so sehr und man bleibt mit vielen Fragen zurück. Über die habe ich vor einer Woche mit Otto Lambauer diskutiert, der nicht so begeistert war. Ich bin es auch nicht mehr so ganz. Der phantastische Entwurf hat aber den Vorteil, daß man ihn selber weiterdenken kann. Der Abenteuerroman liegt mir auch nicht so sehr, aber dann kann man das Ganze wieder ganz einfach, als den Aufbruch der Jugend in eine neue freie Welt deuten, die die „Krankheit der Jugend“, die ja auch nicht so ohne war, hinter sich läßt und die Biografie ist wieder da.
Die verschwundene Mutter, der autoritäre Vater und die beiden Schwestern, die alles anders machen wollen.
Toll, daß eine Fünfundzwanzigjährige das so perfekt beschreibt. Ich hätte das nicht zusammengebracht, aber ich habe auch nicht in Biel und Leipzig studiert, freue mich auf Dorothee Elmigers zweiten Roman und bin gespannt, was ich noch von ihr hören werde und natürlich auch, ob sie in Rauris gewinnt, aber da sind auch noch Anna Elisabeth Mayer, Ulrike Almut Sanding, Carolina Schutti und Judith Zander nominiert.

2010-08-13

Lesetheater-Anekdoten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:26

Der Osterspaziergang im Bezirk Landstraße 2004 war der erste den ich besuchte, verbringen wir Ostern ja meistens in Harland und waren am Ostermontag noch immer dort. Aber 2003 hat mich Werner Grüner bei meinem literarischen Geburtstagsfest eingeladen dort zu lesen. Und in dem 2000 geschriebenen Wenderoman „Die Viertagebuchfrau“ kommen ja an zwei Stellen Ostereier vor.
Blaue von den netten Herren der FPÖ überreicht bekommene und grüne von den Grünen und eine der Stellen habe ich in der Städtischen Bücherei bzw. der kleinen Galerie, wo der Spaziergang, der von Werner Grüner organisiert wurde, begonnen hat, gelesen.
Die städtische Büchereien sind ja literarisch interessant, waren dort doch Dichter Bibliothekare, in der im dritten beispielsweise Gerhard Fritsch, wo ich später eine eigene Lesetheaterveranstaltung besuchte.
Der Osterspaziergang des ersten Wiener Lesetheaters hat mich sehr beeindruckt, ich glaube, ich habe damals noch Fotos gemacht und so gibt es einen Stoß davon, wo einige wahrscheinlich auch in der Ausstellung zu sehen sind. Das Programm habe ich, obwohl eine hundert Quadratmeterwohnung, die gleichzeitig psychologische Praxis ist, nicht viel Raum zum sammeln bietet, inzwischen gefunden und das Literaturgeflüster gab es damals noch nicht.
Also Zitate aus dem Gedächtnis, das ja eines der wichtigsten Paradise sein soll, aus denen man nicht vertrieben werden kann. Die Alzheimerpatienten wissen das besser, aber ich kann mich tatsächlich an einiges erinnern. An die beeindruckende Eröffnung in der Bücherei beispielsweise, dann sind wir über die Landstraße zu einem Wirtshaus gegangen, das zwar geschlossen hatte, es gibt aber schöne Fotos mit Helga Eichler und Christa Kern und einer Lesung am Modenapark, wo es um den serbischen Dichter Branco Andric ging. Natürlich landeten wir vor dem Haus in der Beatrixgasse, in dem einmal Ingeborg Bachmann wohnte, ein paar Jahre später habe ich ihm Rahmen eines Bachmannsymposiums noch einmal einen zur Gänze der Dichterin gewidmeten Spaziergang gemacht, wo wir in das Haus hineingegangen sind.
Damals ging es aber weiter zur Kreuzung Radetzkystraße, wo Karl Kraus wohnte oder an der Fackel schrieb, da hat Rudolf Sladky gelesen, der noch in diesem Jahr gestorben ist und an den ich mich sehr gut erinnere, weil er immer eine Hutablage im Literaturhaus verlangte.
In der Nähe des Rudolf von Alt-Platz muß einmal Josef Weinheber gelebt haben. Franz Hütterer hat jedenfalls „Der Wiener Phäake“ und andere Gedichte gelesen und Werner Grüner oder Rudolf Sladky, als Pedant dazu das Theodor Kramer Gedicht „Requiem an einen Faschisten“, am Schluß ging es über das Musilhaus in der Rasumofskygasse, wo sich auch das GAV Sekreatariat befindet, in das Wirtshaus zum silbernen Kanderl, wo man etwas essen und jeder etwas lesen konnte.
Ich glaube, die Tochter von der Vera Ferra-Mikura hat etwas von ihrer Mutter gelesen. Die Osterspaziergänge haben mich, wie beschrieben so begeistert, daß wir später die Osterferien extra verkürzten. 2007 ist es durch den siebenten Bezirk gegangen und Ruth Aspöcks wunderbare Radkarawane hat dort in einem Theater in der Burggasse, das früher einmal ein Kindo war, begonnen. 2008 ging es durch den Achten und da hat mich der Organisator darauf angesprochen, daß es noch nie einen durch den Fünften gab, so habe ich den 2009 ein bißchen mitorganisiert und viel dabei gelesen und ein bißchen heuer der Susanne Schneider bei der Runde durch den vierten Bezirk geholfen.
Das erste Wiener Lesetheater das jetzt seinen zwanzigsten Geburtstag feiert und von Rolf Schwendter mitbegründet wurde, hat mich aber auch sonst sehr begeistert. So habe ich als nebenberufliche Autorin und hauptberufliche Psychologin, die keine Schauspielausbildung hat, zwar nicht wirklich viel mitgelesen, habe aber bei der Zehnjahresfeierm wie ich mich erinnern kann, einen oder zwei Texte dafür geschrieben und bin auch bei dieser Protestkarawane nach Kärnten mitgefahren.
Hauptsächlich ist es für mich, was, wie ich wohl weiß, nicht so erwünscht ist, ein Ort meine eigenen Texte zu präsentieren und so habe ich bei der 2002 von Anita C. Schaub gegründeten und inzwischen umbenannten Frauenlesegruppe eine Zeitlang mitgemacht und auch zwei Veranstaltungen mit eigenen Texten, der dort lesenden Frauen organisiert und 2000 hatte ich eine sehr schöne Lesung meiner eigenen Texte bei dem inzwischen nicht mehr existierenden literarischen Sonntag im Little Stage.
Da ich das berühmte Körberl ein bißchen meide und nicht so sehr an dramatischen Texten interessiert bin, bin ich auch nicht sehr oft im Publikum, kann mich aber doch an einige sehr schöne Aufführungen erinnern, die man sonst in dieser Qualität nicht so leicht sehen kann.
Schnitzlers „Professor Bernhardi“ beispielsweise im Amtshaus des zweiten Bezirks, Ferdinand Bruckners „Krankheit der Jugend“ über das ich schon im Literaturgeflüster berichtet habe und eine Aufführung der Thomas Bernhard Erzählung „Ja“ und eine Aufführung eines Stücks von Gerhard Fritsch.
Vor allem ist aber die Poet Night für mich sehr beeindruckend, die glaube ich, auch 2000 als Lesung eigener Texten der Aktivisten, gegründet wurde, bei der ich fast immer gelesen habe und meistens auch nonstop beiwohnte. 2008 und 2009 habe ich darüber berichtet.
So kann ich, wenn ich das Literaturflüster durchschaue, schon eine kleine Anekdotensammlung zusammenstellen, die ich ausdrucken und Manfred Loydolt für das Lesetheaterarchiv bei der Festveranstaltung überreichen kann.

2018-12-14

Enquette zur Zentralmatura

Die Zentralmatura gibt es seit einigen Jahren und seither oder auch schon früher sind die IG-Autoren damit unzufrieden, weil sie den Stellenwert der Literatur im Deutschunterricht verdrängte und es seither möglich ist zur Matura zu kommen ohne ein einziges Buch gelesen zu haben.

Bei der GV der IG Autoren wird regelmäßig darüber berichtet, Ludwig Laher, den ich ja in die „Ohrenschmaus-Jury“ brachte, ist ein diesbezüglicher Experte und er war bei der letzten „Preisverleihung“ auch nicht dabei, weil er im Literaturmuseum war, wo es, wenn ich es richtig zitiere, eine Veranstaltung zu einem österreichischen Kanon, also eine Leseliste für die Schule, die es offenbar nicht mehr gibt, gab und dieser Kanon wurde bei der heutigen Enquete, die im alten AKH, das jetzt eine Universitätscampus ist, die gemeinsam von den IG Autoren und der österreichischen Gesellschaft für Germanistik unter dem Titel „Lies keine <oden, lies lieber Fahrpläne“, berichtet, denn bei der Zentralmatura, das heißt, die, die für alle Schulen, also sowohl für die AHS, als auch die BHS gleich ist, gibt es verschiedene Textsorten zu bearbeiten und man muß hier einen Leserbrief schreiben oder eine Empfehlung geben, aber keine Literatur bearbeiten.

Das heißt ein literarisches Thema gibt es, glaube ich, schon, das man wählen kann und da wurde einmal ein paar Zeilen aus Arnos Geiger „Der alte König in seinem Exil“ vorgegeben und die Schüler sollten aus diesen Zeilen eine Empfehlung für einen Zivildiener schreiben, der in der Altenbetreuung arbeitet.

Ein Gedicht eines politisch belasteten Autors wurde auch einmal vorgegeben und sowohl die IG Autoren als auch die Germanisten sind damit unzufrieden und so veranstalteten sie die gemeinsame Enquete zu der sowohl Autoren, als auch Germanisten eingeladen wurden.

Ich habe ja 1973 meine Matura in einer BHS, sprich „Knödelakademie“ oder „Höhere Llehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe“, wie es damals hieß, abgelegt, hatte in der Frau Prof Friedl eine sehr engagierte Deutschleherin, die mir, glaube ich, die Liebe zurLiteratur beigebracht hat.

Mein schrftliches Maturathema weiß ich nicht mehr, mündlich bin ich in Musik angetreten und, daß wir im vierten Jahrgang uns ein Jahr mit dem „Faust“ beschäftigt haben, ist etwas, was ich immer noch sehr gern zitiere und denke, daß mir das zwar nicht geschadet hat, ich aber nichts dagegen gehabt hätte mich, in in diesem Jahr mit etwas anderen zu beschäftigen.

Das passiert aber jetzt nicht mehr, weil die Deutschstunden gekürzt wurden und die Lehrer, weil sie die Schüler auf die Textsorten vorbereiten müßen, keine Zeit haben, sich mit der Literatur zu beschäftigen, so daß die Germanistikstudenten keine Ahnung haben, wer Samuel Baecket ist, wie Daniel Wisser, der am Nachmittag einen Impulsvortrag hielt, erstaunt feststellte und ich füge hinzu, daß ich im Deutsch- oder Englischunterricht und auch in Französisch warhscheinlich diesen Namen auch nicht hörte, aber Abonnentin des „Theaters der Jugend war“ und da kann ich mich vage an eine Aufführung im Theater im Zentrum von „Warten auf Godot“ erinnern, wo ich etwas verwirrt mit meinem, ich glaube, in der zweiten oder dritten  Klasse selbstgenähten hellgrünen Kleid mit den Puffärmeln saß.

Gerhard Ruiss und Werner Michler von den Germanisten eröffneten, im Publkum war sowohl, die Frau Schmidt-Dengler, die Witwe des berühmten Germanisten, als auch die Doris Kloimstein, Stepan Teichgräber und die Autoren, dieImpulsreferate hielten.

Ludwig Laher vo der IG und  Christa Gürtler von den Germanisten haben mitorganisert und Ludwig Laher und Werner Michler erklärten auch gleich, was falsch liege mit dem Deutschunterricht, beziehungsweise der Zentralmatura.

Ludwig Laher zählte die verfehlten Themen auf und es wurde darüber geklagt, daß die Schüler nicht nur Samuel Becket nicht kennen, sondern auch nicht wissen was „Pathos“ bedeutet.

Die Lesekompetenz läßt nach und es wird statt allgemeiner Bildung nur eine Kompetenz gefördert, die der Wirtschaft dient, also das Fahrpläne lesen und das Leserbriefschreiben.

Jetzt weiß ich gar nicht so genau, ob die Leute noch so viele Leserbriefe schreiben, ich habe das früher öfter mal gemacht, aber in keiner Schule gelernt, wie man das geht, da bin ich schon von selber darauf gekommen und Werner  Michler forderte auch Schreibwerkstätten in den Schulen, was ich für eine gute Idee halte. Aber auch das hat es 1973 nicht gegeben und so habe ich mir auch das Schreiben damals alleine beigebracht, beziehungsweise bin ich ja Ende der Siebzigerjahren im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ gewesen, was für mich so etwas wie die „Gruppe 47“ war.

Daniela Strigl, die Literaturwissenschaftlerin und Literaturkritikerin hat dann auch ein Referat gehalten und sie hat, was ich auch für wichtig finde, dem mangelnden Literaturwissen der Schüler entgegengestellt, daß Jahr für Jahr tausende Bücher erscheinen. Sie hat auch die Befindlichkeitsblogger erwähnt, das sind die, die sich mit einem Buch an den Strand stellen, worüber sich die Germanisten ja immer etwas lustig machen, aber ich denke, daß diese jungen Frauen, die über den „Harry Potter“ oder Stephen King plotten oder vloggen, wahrscheinlich die sind, die sich für das Lesen interessieren, sich mit der Literatur beschäftigen und wahrscheinlich auch in Deutsch maturieren und vielleicht Germanistik studieren.

Die mangelnde Bildung wurde beklagt, aber ich denke, daß die heutige Jugend wahrscheinlich nicht weniger gebildet, als in den Siebziger- oder Achtzigerjahren sind, aber einen anderen Zugang haben. Sie wissen vielleicht nicht was „Pathos“ ist, aber verwenden englische Worte, wo ich Schwirigkeiten habe, sie zu versthehen, sie facobooken, twittern, verwenden Instragram und schreiben da wahrscheinlich sehr viel, auch wenn sie keine Bücher lesen und die Blogger tun das auch und da wird  oft geklagt, daß es so viele Blogger gibt .

Es ist also nicht ganz so leicht mit der Literatur und den Germanisten. Vor Daniela Strigl kam aber eine Salzburger Lehrerin, die den Schulalltag schilderte und die Maturathemen vorlas, die es vor der Zentralmatura gegeben hat.

Dann gabs eine Stunde Pause mit einem Buffet, wo ich mich intensiv mit Doris Koimstein und auch anderen unterhalten habe und dann ging es mit den Impuslreferaten weiter.

Das erste hätte Olga Flor halten sollen, sie war aber krank, so hat Daniela Strigl ihren Text verlesen, dann kam Evelyn Schlag und las ein Gedicht vor, daß in einem Schulbuch, mit einem anderen Namen und in einer Prosaform veröffentlicht wurde. Daniel Wisser erzählte, wie erwähnt, seine Erfahrungen mit den Studenten und allgemein wurde beklagt, daß in der Schule und in der Wissenschaft so viel evaluiert würde, daß keine Zeit mehr für die Literatur bliebe.

Am Schluß gabs dann das Politikerpodium, das heißt, Martin  Netzer vom Bundesministerium saß mit der Germanistin Ulike Tanzer, die glaube ich mit Daniela Strigl und Evelye Polt Heinzl die von Ebner- Eschenbach Gesamtausgabe herausgebracht hat und noch einem Lehrer am langen Tisch und versuchte zu relativieren und die Vorzüge der Zentjralmatura zu erläutern, beziehungsweise zu betonen, daß ohnehin kein Lehrer gehindert würde, Literatur zu interrichten.

Interessant war auch, daß das die jungen Lehrer offenbar nicht so kritisch sehen, wie die IG Autoren und die Germanisten und ich denke, es war sehr interessant und ich habe viel gelernt, obwohl ich mit der Zentralmatura nicht so viel am Hut habe und die Anna 2002 noch die alte machte.

Da war interessant, daß Alexandra Millner, damals Praktikantin dort war und die hat mich einmal zu einer Lesung eingeladen, den Schülern aber auch statt einer Leseliste eine Seite Werner Kofler, eine Seite Jandl und eine Seite Thomas Bernhard etcetra gegeben,  Ferdinand Schmatz hat sie aber, glaube ich, auch eingeladen und die Deutschlehrerin hat sich gefreut, daß die Anna in Deutsch maturieren wollte und Ilse Kilic kannte, so daß diese der Anna ein Buch schenkte und sie sie dann zum Thema hatte.

Also hat zumindestens die Anna ein Buch gelesen und in die Deutschmatura eine neue Variante hineingebracht.

2018-11-07

Bevor wir verschwinden

Wir bleiben beim östBp und dem zweiten Debutband „David Fuchs „Bevor wir verschwunden, das Buch des 1981 in Linz geborenen Onkologen, der damit auch beim „FM 4Preis“, sowie den „Alois Vogel Preis“ gewonnen hat.

Ein Buch über Krankheit und Sterben, so habe ich die „O-Töne“ übertitelt, da war noch das Wisser Buch dabei, das noch kommt und die Erlebnisse des jungen Ben, Benjamin Marius Maier, Medizinstudent in der letzten Phase, der noch ein paar Prüfungen und ein Praktikum braucht, bis er fertig und Doktor ist, sind wirklich interessant.

Allen „Amazon-Lesern“ hat es nicht gefallen, sie bemängeln die mangelnden Anführungsgszeichen bei der direkten Rede, was mir gar nicht aufgefallen wäre.Ja, ja ich bin ein bißerl schlampig oder soll man sagen tolerant und mich haben vor allem die sehr direkten, witzig, wird es wohl der Verlag nennen, Beschreibungen des Krankenhausallts beeindruckt.

Ben macht im Krankenhauskeller für seine Dis und auch für Geld Experimente an Schweinen, die dann ins Zeitliche narkotisiert werden, das hat mir nicht so gefallen und weiß auch nicht, ob das der Alltag eines jeden Medizinstudenten ist.

Zu meinen Studentenzeiten hießen die Praktika, glaube, ich auch „famulieren“ und Ben hat ein solches auf der Onkologie, obwohl er dieses Fach nicht mag.

Klar, denke ich, für einen Vierundzwanzigjährigen ist das auch harte Kost gleich mit dem Sterben konfrontiert zu werden und Ben trifft es noch um eine Nummer weiter, denn dem ersten Patienten, dem er Blut abnehmen muß, was eigentlich Schwesternsache wäre, wie ihm der Oberarzt später erklärt, ist Ambros mit einem Haufen Metastasenin seinem Körper, Ambros Wegener, der wie eine Krankheit heißt, und die heißt nach einem Nazi-Arzt und soll daher bald umbenannt werden, man sieht die leicht sarkasgtische Art David Fuchs, ist der Jugendfreund Bens und noch ein bißchen mehr dazu, denn um Homoerotik geht es auch.

Sie haben sich aber offenbar nach der Matura getrennt und sehen sich jetzt am Krankenbett wieder und Ben bekommt sozusagen die Aufgabe seinen Ex bis in den Tod zu begleiten.

Es gibt aber noch andere Patienten auf der Station. Den der nicht sterben kann und daher von allen der „tote Kobicek“ genannt wird, der Frau mit dem Loch in der Wange und den Otto, der eigentlich nur aus „sozialer Indikation“ aufgenommen wird, also weil seine Frau mit ihm überfordert ist, dann aber doch nicht mehr nach Hause muß, weil ihm ihn der berühmte Gevatter vorher holt.

Es gibt und das ist wahrscheinlich eher aus schreibtechnischen Gründen, als nach dem wirklichen Krankenhausalltag passiert, nur einen Oberarzt, eine Chefin, eine Schwester und einen Assi auf der Station, aber hauptsächlich managen, Schwester Ed, die eigentlich Edna heißt, Ben und Oberarzt Pomp, den Betrieb und während Ben punktieren, stechen, etcetera lernt und zu den Obduktionen geht, ja, ein bißchen lernen wir auch vom Kranhenhausalltag mit, geht er sein Leben mit Ambros durch, schläft, weil es bei ihm Hochwasser gibt, auch in seiner Wohnung, fährt mit seinem Auto das „Herr Fridolin“ heißt.  Ambros fährt schon im Rollstuhl und hat noch einProjekt vor, nämlich das „Verschwinden“ zu dokumentieren, beziehungsweise zu fotografieren, als das Ben aber bei ihm versucht, geht es ihm doch ein bißch zu schnell und er fährt verärgert von seiner Wohnung, wo er die Nacht verbotenerweise mit Ben verbringen wollte, ins Krankenhaus zurück. Ben geht inKrankenstand und so stirbt Ambros schließlich ganz allein und Ben bleibt nichts anderes über, als sich von ihm zu verabschieden und seine Befunde zu lesen.

Ein sehr beeindruckendes Buch, das auch auf der Bloggerdebutliste steht und dem ich für den öst auch gute Chancen gebe oder gab, auch wenn ich es, ganz ehrlich, David Fuchs nicht so ganz glaube, daß er das Buch gar nicht und unter gar keinen Umstände aus Bewältigungsgründen geschrieben hat. Denn man hält natürlich nichts vom Schreiben zur Psychohygiene oder als Therapie und geht als Praktikant, Turnus- oder anderer Arzt auch auf gar keinen Fall zu einem Psychologen oder zur Supervision, weil man das ja nicht braucht und nötig hat.

Im Buch wird das Ben so empfohlen, im wahren Leben, sprich bei den Krankenhaussupervisionen, die ich manchmal mache, höre ich, daß da die Ärzte noch immer ganz selten eine solche in Anspruch nehmen, obwohl das bei den Schwestern und den anderen Berufsgruppen schon so üblich ist.

Nun gut, dann haben halt nur die Leser etwas für sich getan.

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