Literaturgefluester

2019-02-07

November 1918

Mit dem November 1918, wo die österreichische Republik gegründet wurde, habe ich mich ja im Vorjahr intensiv beschäftigt, bin in die Parlamentsbibliothek gegangen und habe mir da zwei historische Krimis angehört und in die Arena Bar zum „3. November 1918“ dem Theaterstück von Franz Theodor Csokor und im „Doml“ haben wir uns in diesem Semester ja auch mit dem November 1918 allerdings von Alexander Döblin und Alexej Tolstoi geschrieben, beschäftigt, während es in dem von Alexander Weiss herausgegebenen „Tarantl-Band“ um den „November in der österreichischen Literatur“ geht und die ist ja sehr interessant und mir Gerald Grassl das Buch auch freundlicherweise schickte, kann ich mich durch die Gedichte, Prosatexte und Fotografien wühlen und oh Überraschung eines vom Alfred aus dem „Literaturgeflüster“ ist dabei und im Vorwort steht, daß das Buch keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, sondern „bloß ein Lesebuch, das die LeserInnen zur eigenen Lektüre“ veranlaßen soll“, sein will.

Dazu werde ich 2019 ob meiner elendlangen Leseliste, wo ich schon früh sein werde, wenn es  mir gelingen sollte, Gerhard Loibelsberger „Schönbrunner Finale“, das der Alfred in der Krimibuchhandlung der Lisa kaufte, zu lesen, nicht kommen. Also mich durch das Buch gelesen und in die Literatur, um den November 1918 wenigstens ein bißchen hineingetaucht.

Es beginnt mit einem Foto und einem Zitat von Karl Kraus „Österreich ist das einzige Land, das durch Erfahrung dümmer wird“ und „Die letzten Tage der Menschheit“ dienen wohl auch als Vorbereitungsliteratur, um auf den November 1918 hinzuweisen und einem Gedicht von Heinz R. Unger, der 2018 gestorben ist.

Dann kommt das Vorwort und ein Gang durch die Geschichte des Herausgebers, von dem ich leider, wie auch bei den anderen Autoren keine biografischen Angaben finden konnte, was mein Kritikpunkt an die sicher sehr lobenswerte Zusammenstellung ist, denn Google weiß auch nicht alles und einiges kann ich aus dem Geflüster zitieren, vieles aber nicht.

Der 1984 verstorbene Literaturhisotriker und Germanist Friedrich Achberger hat eine Zusammenfassung der Literatur und Politik „Zwischen 1918 und 1948“ gegeben.

Von dem schon erwähnten Franz Theodor Csokor ist das Vorwort aus seinem Theaterstück abgedruckt und dann führt uns ein Artikel aus der Wiener Zeitung in die österreichischen Militärakademien und deren Erwähnung von zwei berühmten halb oder ganz österreichischen Dichtern nämlich Joseph Roths „Radetzkymarsch“ und Robert Musil „Zögling Törless“ ein, wo wir wie auch im nächsten Artikel, wo es um „Das Leben und Sterben des Gavrilo Princip geht, immer noch in der Republikvorbereitung nämlich den ersten Weltkrieg und seine Ingangsetzung geht.

Es gibt dann noch zwei Textauszüge zum Fall Princip, einer ist aus einer unveröffentlichten Erzählung von Lev Detela, der die Zeitschrift „Log“ herausgab, zu der ich früher auch immer meine Texte hinschickte, der Zweite aus dem Roman „Die Schüße von Sarajewo“ des 2005 verstorbenen Milo Dor.

Biografien sind, wie schon erwähnt, leider keine vorhanden, dafür aber öfter ein Bild der Autoren mit den Lebensdaten.

Alfred Polgar hat eine Satire zu den Musterungspraxen, wo auch die Skelette für tauglich erklärt wurden geschrieben, dann gibt es  das wahrscheinlich soäter entstandene berühmte Gedicht „Legende vom toten Soldaten“ von Bertold Brecht und im „Braven Soldaten Schwejk“ gibt es ja auch ein Kapitel über die Musterungen. Der wird in dem Buch nur mit einem Bild erwähnt, wie er brav in Polen auf einer Bank sitzt. Einen Text von Jaroslav Hasek, nicht viel weniger satirisch „Die Schicksale des Herrn Hurt“ gibt es in dem Buch aber auch und dann theoretische Texte, wie beispielsweise über den „Prozess des Dr. Friedlich Adler“, der ja am 21. Oktober 1916 im Wiener Hotel „Meissl & Schan“ den Ministerpräsidenten Stürgkg erschossen hat, von John Zimmermann und Artikel  des 2018 verstorbenen Hans Hautmann, einem, wie ich „Wikipedia“ entnehme“ österreichischen Zeithistoriker, der sehr interessant über die Streiks, die es im ersten Weltkrieg gegeben hat, sowie über die Auswirkungen der „Oktoberrevolution auf Österreich“ berichtet hat. Da gibt es, noch interessanter, ein Plakat zu sehen, auf dem „Denkt an die Arbeitslosen kämpft für den 8 Stundentag“ steht. Den würde ich sagen, wünscht man sich heute wahrscheinlich zurück und Kriegsgesdichte von Ernst Waldinger, der 1896 in Neulerchenfeld geboren wurde und 1970 in New York gestorben ist, weshalb ihm auch bei  einem Ostersapziergang des ersten Wiener Lesetheaters gedacht wurde, gibt es auch.

Es folgen ein paar Texte zum Matrosenaufstand von Cattaro der im Februar 1918 stattgefunden hat,  Hugo Huppert, Bruno Frei, Eva Priester und Franz Xaver Fleischhacker haben darüber geschrieben und wieder  von Hans Hautmann, dein Artikel von  Hans Hautmann, der sich mit den „Staatsverbrechen“, also, wie man mit den Deserteuren, Spionen, etcetera umgegangen ist.

Texte von Franz Kain, Hugo von Hoffmannsthal etcetera folgen und dann gibt es wieder einen Auszug aus einem Pittler Krimi und zwar nicht aus „Chuzpe“ aus dem er ja in der Paralmentsbibliothek gelesen hat, sondern aus dem 2017 erschienenen „Wiener Kreuzweg“ wo es um den Arbeiterrat, der die Ottakringer Brauerei besetzte und den dortigen Besitzer Baron Glickstein umbringen wollten, geht.

Dann gibts einen ausführlichen Karl Kraus Teil, mit Auszügen aus den „Letzten Tagen“ und einen Artikel über die „Schuldfrage“, der Lyriker Theodor Kramer hat in den Dreißigerjahren einige Gedichte über den den Krieg und die „Heimgekehrten“ geschrieben und wir kommen allmählich in den November und können die Monarchie hinter uns lassen, denn der Kaiser dankt ab und verläßt Schönbrunn, während der rasende Reporter Egon Erwin Kisch die „Rote Garde“ gründet und mit der die „Neue freie Presse“ stürmen will, wo sein Bruder offenbar Redakteur war, der ihn dann mit dem Hinweis, das der Mama zu sagen, mit seiner Truppe vertrieb.

Ob das wirklich so stimmte, kann vielleicht bezweifelt werden, Friedrich Torberg, hat es aber in seiner „Tante Jolesch“ so beschrieben und dem Volk ging es schlecht in den Novembertagen. Es gab viel Elend und Hunger, aber auch Aufbruchmomente, so kam Theodor Körner, der spätere Bundespräsident zurck, die Republik hat sich gegründet und Joseph Roth, Franz Werfel, Robert Musil, Elias Canetti, Stefan Zweig, und auch andere, haben darüber geschrieben.

Joseph Roths Reportagen über das damalige Wien, der sich manchmal auch Josephus nannte, sind ganz besonders interessant und eindrucksvoll, die über die „Wiener Schaffnerinnen“, die nachdem die Männer zurückgekehrt waren, ihre Dienstkappeln und Taschen wieder abgeeben und zurück zu Kinder, Küche und Herd gehen mußten.

Eine Chronik der KPÖ, die sich ja auch im November 1918 gegründet hat, gibt es in dem Buch,  aber auch modernere Texte, beispielsweise ein Auszug aus den „Lebenslinien“ von Käthe Kratz, die ich ja im Kreis der Ruth öfter treffe.

Es gibt einen Artikel und Plakate über das Frauenwahlrecht, das ja auch im November 1918 eingeführt wurden und einen aktuellen von  Martina Madner, die in der „wiener Zeitung im Dezember 2917 schrieb „Warum Frauen 2018 nicht nur feiern“ werden und ganz zum Schluß kommen wir zu dem 1913 verstorbenen Rolf Schwendter, der 2012 auf dem Volksstimmefest zum Thema „Aus dem Bilanzbuch des zwanzigsten jahrhunderts“ eines seiner berühmten Langgedichte geschrieben hat, in dem es auch um 1918 geht.

Da ist dann das abgebildete Bild aus dem „Literaturgeflüster“ beziehungsweise aus der „Anthologie“, wo der Alfred auch immer Fotos beisteuert und  habe mich durch ein sehr interessantes Buch geblättert, das ich allen zeithistorisch Interessierten nur empfehlen kann und ihm einen hohen Verbreitungsgrad wünsche.

2020-02-02

Der rote Judas

Jetzt kommt ein Buch, das ich eigentlich erst in Leipzig lesen sollte, denn es spielt in dieser Stadt im Jännner 1920, als die letzten Kriegsheimkehrer mit nur einem Arm oder einen Bein von der Gefangenschaft zurückkamen, da man aber mit den Neuerscheinungen, wenn möglich nicht so lange warten soll und das Buch auch im Jänner bis Februar spielt, also auf zu Thomas Ziebulas „Roten Judas“, der offenbar vorher schon viele historische Romane und Fantasy geschrieben hat und es jetzt einmal mit einem historischen Krimi versucht und ich muß sagen, es ist ein sehr gutes Buch mit allen geforderten Spannungseffekten, auch wenn vielleicht darum, nicht alles so logisch erscheint, gut recherchiert scheit es aber  zu sein.

Ich habe ja schon einige Krimis und andere Bücher über das Jahr 1918 und dem Ede des World War ones gelesen, den ich ja auch literarisch die letzten Jahre begleitet habe, die spielten aber meistens in Wien und da kann ich noch anfügen, über die Weimarer Republik habe ich auch etwas gelesen.

Also wieder schön der Reihe nach, damit sich meine Leser nicht aufregen, daß ich schon wieder unverständlich schreibe, da ist der ehemalige Kommissar und jetzige Major oder so was, Thomas Stainer, der mit dem Verwundetentransport aus Frankreich heimkommt.

Er ist zwar nicht körperlich verwundet, aber traumatisiert, also doch, hat Gedächtnislücken, Schreikrämpfe, etcetera. Kann nachts nicht schlafen, weil ihm die Schrecken von der Front durch den Kopf gehen und wurde deshalb auch psychiatrisch behandelt. Seine Frau hat ihn auch verlassen, beziehungsweise lebt sie jetzt mit einem ebenfalls traumatisierten Oberarzt ihrer Klinik, sie ist Hebamme, zusammen.

Er wird aber trotzdem wieder in den Polizeidienst einberufen und da und das ist eine der Unlogigkeiten in dem Buch zum Inspektor hinaufbefördert und hat gleich einen oder mehrere Fälle aufzulösen, denn es werden einige Kriegsheimkehrer ermordet und langsam führen die scheinbar unabhängigen Fälle zu einem einzigen großen zusammen.

Tiere, was das Buch sehr sympathisch macht und ihm seine besondere Note gibt, kommen auch wieder vor. Als Stainer zum Dienstantritt fährt, muß die Straßenbahn stehenbleiben, weil Bengels ein Kätzchen in eine Blechdose gesperrt haben und über die Straße jagen. Das nimmt er zu seinem Dienstantritt mit und nennt es Eule. Es gibt dann noch einen Schäferhund, auch ein Symbol, einen die Internationale singenden und unflätig schimpfenden Papgei und einen Kanarienvogel, der zusehen muß, wie der, er ihn füttert, ermordet wird und die polizeilichen Ermittlungen werden durch die eigene Kollegenschaft auch immer wieder behindert. Akten verschwinden und tauchen später im Papierkorb auf, Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Zeugen verschwiegen, etcetera, denn die Polizeimannschaft ist, wie offenbar das ganze Land in zwei Lager, in das Rote und das Nationale gespaltet. Paul Stainer gehört zu der roten Fraktion. Ich kann gleich spoilern, daß er der rote Judas ist, während sein durch den Krieg querschnittgelähmter Vater, der trotzdem mit seinen Orden und dem Uniformmantel im Rollstuhl herumfährt der nationalen Seite angehört und an der Front, wo unaussprechliche Grausamkeiten passierten und unnötige Schießbefehle gegeben wurden, hat es Leute gegeben, die sie verweigerten, deshalb zum Tod verurteilt wurden, trotzdemmehr oder weniger verwundet nach Leipzig zurückkamen, sich selbst anzeigen oder Bücher über die Greuel schreiben wollten und nun nach und nach erhängt oder erschoßen werden und nach einer Aktentasche im Kartoffelkeller, auch einer der Unlogikeiten oder Akten im Tresor einer Villa in Gohlis wird auch besucht

Rilkes Gedichte kommen immer wieder vor, die Straßenbahn fahrenden Schaffnerinnen, die auch in dem Buch „November 1918“ erwähnt werden und auch etwas, was vielleicht, als das Moralisierende des Autors interpretiert werden könnte.

Denn Stainer will seine Edith zurück. Sie scheint das auch zu wollen, trotzdem werden aber sie und Dr. Brandt erschoßen, weil die Täter diesen für Stainer hielten, was diesen dazu veranlaßte, besonders scharf hinzusehen, seine Befugnisse übertreten und den Mörder seiner Frau schließlich im Wasser ertrinken läßt, weil man mit einem Arm ja nicht schwimmen kann.

Interessant, die traumatisierten Männer, so deutlich habe ich das noch nie gelesen, die Stainer schließlich in die Obhut eines Psychoanayltikers und auf die berühmte Coach führen, weil er so sein Amt nicht länger ausüben kann und viele weitere Details, die das Buch, das ich wirklich nur empfehlen kann, auch in Wien  sehr lesenswert machen.

2019-06-19

Vom Doml ins verlängerte Wochenende

Da nächsten Mittwoch wieder das „rundum gsund“ Treffen in der Wiener Gebietskrankenkassa ist, wäre heute der letzte Revolutionsworkshop im Doml gewesen, bei dem wir aber wegen meines Sturzes und Gips ja erst im Mai begonnen haben und ich Teil I und III des „Leidenwegs“ ja erst vor kurzem gelesen haben und mir Stephan Teichgräber den zweiten Teil, als ich die beiden anderen schon gelesen habe, vorige Woche mitgegeben hate. Ob ich den noch lesen will, bin ich wegen meiner überlangen Leseliste, wo jetzt auch noch „Zwei Jahre Nacht“ aus der „LeseAuslese“ der „Gesellschaft“ vom letzten Donnerstag dazugekommen ist, nicht so sicher, so habe ich ihm versprochen, das Buch zu lesen, wenn es Gegenstand des nächsten Seminars ist, obwohl ich da ja wahrscheinlich in meinem doppelten oder dreifachen Buchpreislesen gerade am Ertrinken sein werde und da Stephan Teichgräber mit seinem Skriptum, das er während der Workshops erstellt auch noch nicht fertig ist, haben wir uns ausgemacht, uns auch im Juli, zumindestens in der ersten Woche zu treffen, so daß das Soloworkshop, Stephan Teichgräber hat es „mit hundertprozentiger Psychologenbesetzung“ benannt, doch noch nicht abgeschlossen ist, wir heute aber das vierte Kapitel der „Schwestern“ beendet haben, das ja ganz dramatisch mit dem Betrug Katharinas endet, worauf sich der Ehemann an die Krim, Katja nach Paris und Dascha in die Provinz zu ihrem Vater begeben wird, wo sie von der Ermordung des Thronfolgers in Sarajevos aus der Zeitung erfahren und der erste Weltkrieg, der in die russische Revolution fünren wird, beginnt.

Das Workshop ist hiermit offenbar noch nicht ganz abgeschlossen, obwohl ich in diesem ja den Schönbrunn-Krimi von Gerhard Loibelsberger, den „November 1918“ und die „Sechs Tage im April“ gelesen habe.

Interessant und lustig ist es schon mein Literaturstudium bei Stephan Teichgräber in der Spengergasse, das mir neben meinem Schreiben, meinem Lesen und meinem Veranstaltungskalender sehr wichtig ist und jetzt geht es mit der „Schlafenden Sonne“, den „Zwei Jahre Nacht“ und dem „Dalvadossi“ für den Rest der Woche nach Harland, zu der Schwiegermutter, der Anna und dem Enkelkind, das letzten Samstag im Spital von St. Pölten geboren wurde und jetzt vielleicht schon in Harland ist.

Morgen ist ja ein Feiertag, am Freitag möchte ich einen Recherche-Shpppingtag machen und mit dem Rad zum Traisenpark fahren. Mir dort eine Uhr und Socken kaufen und vielleicht in der „Seedose“ einen Kaiserspritzer trinken, obwohl am „Literaturgeflüsterbuch II“ ja gar nicht so viel zu recherchieren ist.

Da habe ich jetzt ein Vorwort und ein Inhaltsverzeichnis geschrieben, bin daraufgekommen, daß ich einige der Artikel noch verschieben muß, damit sie zeitlich zueinander passen und dann korrigieren und korrigieren.

Eigentlich sehr spannend sich selbst ein Stück Literaturgeschichte zu erschreiben und das eigene vierzig Jahre erfolgfrei schreiben, sozusagen literaturwissenschaftlich zu erfassen.

Elf Jahre „Literaturgeflüster“ wird es ja auch bald zu feiern geben und davor kommt noch der „Bachmann-Preis“, eine Woche in Wien bevor es in die Sommerfrischenwochenenden gehen wird und am elften Juli fangen dann auch die „O Töne“ an, wo es schon das Programm gibt, die „Podium-Sommerlesereihe“ gibt es auch und, daß ich die Somerfrischenwochenenden für meine Literaturgeschichte bzw. mein Schreibebuch nützen will, habe ich schon geschrieben.

Wann ich wieder auf die Rudolfshöhe gehen will, weiß ich nicht. Am Sonntag werden wir aber, glaube ich, grillen, weil dann die Ingrid kommen soll und am Samstag wird vielleicht auch der Marktbesuch ausfallen, weil der Alfred nach Wien zu den Grünen fahren will, damit sie sich für die nächste Wahl gut aufstellen können und ich werde den heurigen Sommer somit schon mit einem langen Harlander Wochenende beginnen, bevor es noch eine Woche nach Wien und dann in den Sommer geht.

2019-05-22

Wieder Revolutionsworkshop, wieder Hauptbücherei

Jetzt bin ich in diesem Semester erst das zweite Mal in Stephan Teichgräbers Revolutionsworkshop gewesen, zuerst hinderte mich mein Gips und meine Veranstaltungspause daran.

Dann waren noch Osterferien, der erste Mai und Stephan Teichgräber hatte auch auswärtige Termine.

Ich bin aber nicht untätig gewesen, habe ich doch nicht nur Markus Liskes Buch über „Erich Mühsams Räterepublik“ gelesen und in den letzten Tagen endlich Gerhard Loibelsberger „Schönbrunner Finale“, sondern auch  auf wundersame Weise am Sonntag als ich vom „Kramer-Fest“ zurückgekommen bin, Alexej Tolstoi dritten Teil des „Leidenwegs“ im „Wortschatz“ gefunden, was mich daran erinnerte, daß ich im letzten Semester ja immer den ersten Teil „Die Schwestern“, die Stephan Teichgräber, im Oktober in einem Antiquariat in der Margareten oder Schönbrunnerstraße erstanden hat, zum Workshop und wieder zurück schleppte, das Buch aber nicht gelesen habe, denn meine Leseliste war ja so lang, aber deshalb ein schlechtes Gewissen entwickelt, denn beim Partisanenworkshop habe ich ja auch das „Engele“ gelesen.

Jetzt bin ich mit meinen Rezensionsexemplaren zwar nicht ganz, aber fast durch, ist doch heue Jörg Fausers „Schlangenmaul“ zu mir gekommen und Arif Anwars „Kreise ziehen“ wartet auch noch auf das Lesen.

Aber dann habe ich mir vorgenommen, werde ich beide Bücher lesen und im Workshop meinem Privatissimum mit Stephan Teichgräber ist es heute wieder um Alfred Döblins „November 1918“ gegangen.

Da wollte Stephan Teichgräber, daß wir  nach den Motiven suchen und daraus Motivketten erstellen, die er für sein Skriptum braucht.

Damit habe ich zwar immer noch meine Schwierigkeiten und auch die Handlung beim ersten Teil zu erkennen, bin aber jetzt schon bis Seite einundzwanzig gekommen und dann wieder in die Hauptbücher gefahren. Das habe ich im März, als ich das letzte Mal im „Doml“ war, auch getan, da hat es einen Film über Ivan Cancar gegeben. Diesmal hat wieder Armin Thurnher aus seiner „Fähre nach Manhattan“ gelesen und Franz Schuh hat mit ihm gesprochen.

Ich habe zwar schon im Schauspielhaus und bei „Rund um die Burg“ aus dem Buch gehört“, aber irgendwie hat es mich, obwohl ich Wiederholungen ja sonst vermeide,  hingetrieben, wahrscheinlich weil Armin Turnher, der Falter-Gründer, eine interessante Erscheinung ist und das bei „Zsolnay“ erschienene Buch ist, wie ich heute erfuhr, der erste Teil einer Autobiografie. Zwei Weitere sollen noch folgen und Armin Thurnher sagte auch gleich, daß das „Ich“, um das es in dem Buch geht, nicht sein wirkliches wäre, weil ja alle Autobiografien gelogen wären, uns so weiter, aber es ist wahrscheinlich wirklich schwierig authentisch zu bleiben, wenn ein Siebzigjähriger über den Achtzehnjährigen, der er einmal war, schreibt, der mit einem Schnürrlsamtanzug aus Vorarlberg nach Amerika kommt, um dort in einem College ein Stipendium anzutreten.

Es war das Jahr 1967 und der Vietnamkrieg, die Bürgerbewegung und er wurde auch von der Selbstbedienungscafeteria in dem College erschlagen, hatte er sowas doch nur vorher in Wien in der „Billateria“ in der Singerstraße, die ich auch gelegentlich besuchte, gesehen.

Die Stellen, die gelesen wurden, habe ich zum Teuil schon gehört und Franz Schuh breitete dann gleich ein ganzes Konstrukt darumherum auf, beginnend mit Fragen zur Autobiografie, kam er zu der „Utopie Amerikas“ und  dem „Mythos Stadt“.

Darüber kann man natürlich herrlich philosphieren, die französische Revolution und den „Alexanderplatz“ zitieren. Man kann aber auch einfach, wie ich es eher tun würde, von den Jugenderinnerungen des Achtzehnjährigen, der das erste Mal mit seinem Schnürrlsamtanzug und vielleicht ein bißchen ungeschickt, in das weite Land kommt und jetzt mit siebzig über seine Erinnerungen schreibt, sprechen.

Mal sehen, ob ich das Buch mal finde oder zu den Lesungen der beiden anderen  Bände komme, wenn sie erschienen sind.

2019-04-16

Sechs Tage im April

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Nach Robert Misiks Streitschrift zur Lage der Nation nach einem guten Jahr schwarz blau neu, geht es jetzt  hundert Jahre zurück, denn ich interessiere mich ja  sehr für die politische Situation bis oder ab dem ersten Weltkrieg und da hat mir der „Verbrecher-Verlag“, den ich ja vorigen Herbst durch das Debutpreislesen besonders kennenlernte, ein besonderes Buch geschickt, was mich etwas erstaunte, bringt er offenbar nicht nur zeitgenößische Literatur und da auch einige Debuts heraus.

Er beschäftigt sich auch mit Erich Mühsam und da hat der 1967 geborene  Markus Liske gemeinsam mit Manja Präkel deren 2017 Debut ich ja vor kurzem gelesen habe, schon einige Bände mit seinen Originalzitaten aus Briefen und Tagebüchern herausgegeben.

Wir haben den April 2019 und da gab es vor hundert Jahren „Sechs Tage bayrische Räterepublik“, das heißt, die hat schon im November angefangen, jedenfalls hat Volker Weidermann schon 2017 das Buch „Träumer“ darüber geschrieben und jetzt geht es, fast pünktlich zu Ostern,  hundert Jahre zurück, wo Erich Mühsam an  der Spitze der Räterepublik tätig war, bis er verhaftet wurde und Markus Liske hat wieder Originalzitate verwendet, sich aber, was höchst löblich und wahrscheinlich auch sehr wichtig ist,  nicht nur auf die Titel gebenden, sechs Tage im April bezogen, sondern geht eigentlich durch das ganze Mühsam Leben, um auch das Vor- und Nachher zu verstehen und das,  die Originalzitate in kurzen oder längeren Ausschnitten zu lesen, ist zwar etwas mühsam, aber sicher auch sehr interessant, denn ich bin ja  keine  Mühsam Expertin, habe aber gesehen, daß ich zwei Bücher von ihm habe, eines, „Der Bürgergarten“ habe ich mir 1983, also noch in DDR-Zeiten in Budapest gekauft, als ich mit dem Alfred das erste Mal in meinem Leben dort war.

Es war nicht ganz leicht in das Buch hineinzukommen, obwohl Markus Liske immer schön zusammenfaßt, es auch ein Vorwort gibt und unter die Textausschnitte auch immer genau angibt, woraus er zitiert, so habe ich mir „Wikipedia“ zu Hilfe genommen und werde  daraus zitieren, daß Erich Mühsam, der von den Nazis 1934 im KZ Oranienburg ermordet wurde,  1878 in Berlin als Sohn eines Apothekers geboren wurde.

Er hat dort das Gymnasium besucht, ist aber  wegen „sozialdemokratischer Umtriebe“ vertrieben, was für den weiteren  Lebenslauf des Anarchisten, Publizisten und Antimilitaristen sehr bezeichnet ist.

Er hat sich dann  als Apothekergehilfe ausbilden lassen, bevor er einige Jahre durch die Welt zog und sich 1909 in München Schwabing niedergelassen, wo es in dem Buch schon einige Texte gibt, so etwa die, wo er das Wesen der „Bohemiens“ beschreibt.

Er hat in München  den „sozialistischen Bund“ gegründet und ist mit Gustav Landauer, der ja ebenfalls führend an der Räterepublik beteiligt war, in Berührung gekommen. 1911 hat er  „Kain – Zeitschrift für Menschlichkeit“ herausgegeben, aus der es in dem Buch immer wieder Texte gibt.

So etwa einer über die „Polizei“, denn Erich Mühsam wurde 2010 verhaftet und freigesprochen, dann gibt es einige Artikel über den „Sozialismus“ und das „Wahlrecht“.

Dann kommt der erste Weltkrieg, wo Mühsam 1915 seine Frau Zenzl heiratete,  seine Zeitschrift einstellte, die  er nach 1918 wieder aufleben ließ, so daß es in dem ersten Kapitel, das die Ereignisse bis zur Räterepublik erklärt  auch Tagebucheintragungen und Gedichte gibt.

Der zweite größere Teil „Alle Macht den Räten“ beginnt mit dem berühmten Gedicht „Fanal“, dann geht es zunächst in das Jahr 1920, wo Mühsam noch im Gefängnis sitzt, die Ereignisse vom April 1919 aufschreibt und  einen Brief an Lenin hinausschmuggelt, in dem er das falsch Dargestellte Ereignisse korrigiert, was aber nicht gelungen ist, da Lenin starb und sich die SU vom sozialistischen Musterstaat, an den Mühsam lange glaubte, ja in eine Diktatur verwandelte.

Dann geht es in den November 1918 zurück, wo die Revolution mit einer Demonstration, organisiert von Kurt Eisner und Erhard Auer, auf der berühmten  Münchner Theresienwiese begann und die Republik ausgerufen wurde, wie auch von Volker Weidermann in seinem Buch beschrieben wurde.

In den „Kain-Flugblätter“ erscheinen  ab November, während Eisler an der Spitze der neuen Regierung steht, berührende Aufrufe an die „Soldaten! Arbeiter! Volksgenossen!“ zum Thema „Krieg – Revolution – Friede“.

Im Dezember 1918 versuchte Mühsam fast alle bürgerlichen Zeitungen Münchens zu besetzen, was aber durch das Erscheinen von „Ministerpräsidenten Eisner“ mißlang, wie er in dem Artikel „Mein Putsch gegen die Münchner Zeitungen“ beschrieb, wo interessant, auch schon die Worte „Lügenfreiheit der Presse“ vorkommen, die derzeit ja so gern von den patriotischen You Tubern benutzt werden.

Es kam zur Streichung des Weihnachtsgeldes der Kieler Matrosen, die ja die Novemberrevolution ausgelöst habn, was Mühsam zum Artikel „Gegenrevolution“, in seiner „Zeitschrift für Menschlichkeit“ veranlaßte.

Und da er für „Alle Macht den  Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräten!“, ist, schreibt er einen „Boykottaufruf“ für die Wahlen, die in der Räterepublik kommen sollen und hat seine Schwierigkeiten mit Kurt Eisner, der ihn verhaften lassen wollte.

Im Februar gab es dann den Putschversuch, bei dem Kurt Eisner ermordet wurde, was von Mühsam in einem Essay  sehr bedauert wurde und die Revolution wieder belebt wurde, da es wie Mühsam schrieb, „Das Proletariat erweckt wurde und es zum Generalstreik kam“.

Bei dem Anschlag sollten auch Landauer und Mühsam ermordet werden, die sich  aber nicht in München befanden, so daß Mühsam nach dem Anschlag, gemeinsam mit Ernst Toller und Gustav Landauer vom siebenten bis dreizehnten April  an die Spitze der Räterepublik gesetzt, während in Unbarn die Räterepublik unter Bela Kun schon im März ausgerufen wurde, was Mühsam sehr begrüßte und in einigen Essays euphorisch beschrieb.

Am Palmsonntag, den 13. April wurde Mühsam  verhaftet und ins Zuchthaus Ebrach gebracht, wo er in Hungerstreik tritt und die Ereignisse zu beschreiben beginnt. Die Räterepublik hat noch einige Wochen weiter bestanden. Mühsam wurde zu fünfzehn Jahren Festungshaft verurteilt und 1924 amenstiert.

Der dritte Teil  „Testament der Freiheit“ beginnt mit dem Gedicht „Gefängnis“, wo Mühsam seine Hafterfahrungen beschreibt und es dann zu einer Beschreibung der Gerichtsverhandlung Juni kommt.

1930 setzt er sich in einem Text mit der „Kunst und dem Proletariat“ auseinander und beginnt, wie Markus Liske schreibt, sich für die „Rote Hilfe“ einzusetzen und Gedenkartikel über Gustav Landauer, Eugen Levine und sogar Kurt Eisner zu schreiben und setzt sich mit Sowet-Russland auseinander.

1933 kommt Hitler an die Macht und Mühsam wird am achtundzwanzigsten Februar von der SS verhaftet und in verschiedenen Gefängnissen und Lagern Folterungen und Verstümmelungen ausgesetzt, bis er im Juli 1934 stirbt.

Seine Frau Zenzl, die in die SU geflüchtet ist, kommt dort jahrelang in Lager und kann erst in den sechzigerjahren in die DDR ausreisen und ich habe ein  spannendes Buch mit spannenden Originaldokumenten gelesen, das weit mehr, als die im Titel erwähnten, sechs Tage beschreibt, was nicht immer  einfach war, viel Aufmerksamkeit und Konzentration verlangte, aber wahrscheinlich ein authentischeres Bild der Ereignisse gibt, als wenn man einem Roman darüber liest.

Mich hat das Buch an den Revolutionsworkshop erinnert, den ich ja derzeit meines Unfalls wegen nicht besuche und auch daran, daß ich ja noch einen Krimi über die Rebubliksgründung in Österreich im November 1918 auf meinem Stapel liegen habe.

Mein Geschichtsbild hat sich wieder etwas verschärft und besonders spannend finde ich es auch, die Ereignisse vor hundert Jahren mit der heutigen Zeit zu vergleichen, was mir manchmal so aktuell erschien, daß mir fast das  Gruseln kam.

2019-02-12

Als die Nacht begann

Nach dem November 1918 kam der zwölfte Februar 1934 und nach dem Februar 2018 habe ich im Schrank ein kleines in schwarz weiß gehaltenes Büchlein gefunden, ein Comic-Heftchen von Thomas Fatzinek von „Bahoe Books“, die Walter Famler bei der „Literatur im Herbst“ 2017 besonders hingewiesen hat und dank des Fundes, kann ich am heutigen zwölften Februar, wo ja nicht nur Thomas Bernhard gerstorben ist, aktuell sein und auf ein weiteres Stück Geschichte eingehen.

Es beginnt mit der Geburt des kleines Oskars im Oktober 1911, da war meine Jancak-Oma gerade mit meinem Vater schwanger, der kleine Oskar auch ein Arbeiterkind,wurde in der Brigittenau geboren, der Vater war Arbeiter, die „Mutter hatte es auch nicht leicht mit ihren drei Kindern“ und von der Republiksgründung im November 1918 hat der kleine Oskar, wie wohl auch meine damals drei und sechsjährigen Eltern nicht viel mitbekommen, dafür mehr vom 15. Juli 1927, wo ein „Heimwehrfaschist zwei Arbeiter ermordete und freigesprochen wurde“.

Da kam es zu einem Protest, bei dem „fünfundachtzig Menschen“ getötet wurden.

Am „19. Mai 1930 gelobten die Heimwehren mit dem Kornburger Eid öffentlich ein faschistischen Regime zu errichten“, während Oskar eine Stelle bei den Wiener Verkehrsbetrieben bekam, also wahrscheinlich Schaffner wurde, mit den Eltern in den berühmten „Karl Marx Hof“ ein Paradebeispiel des sozialistischen Wohnbaus des roten Wiens, zog und dort auch eine Freundin, die Emma, fand.

Er war bei der sozialistischen Arbeiterjugend und dem republikanischen Schutzbund, sie bei der KPÖ und 1933 kam Hitler in Deutschland an die Macht. Bundeskanzler Dollfuß führte in Österreich die Zensur ein und verbot „Schutzbund und KPÖ“. Der Maiaufmarsch wurde untersagt, Emil Fey Vizekanzler und ließ im Jänner 1934 die „Räume der Arbeiterbewegungen“ untersuchen.

„Anfang Februar besetzte die Heimwehr Innsbruck und übernahm die Landesregierung und als sie das auch in Linz tun wollte, begann man sich dort zu wehren, während Oskar am zwölften Februar, wie gewohnt mit seiner Emma zur Arbeit ging, wo schon der Generalstreik angesagt war. Der stellvertretende Schutzbundführer, aber keine Waffen hatte und Oskar mit dem Fahrrad zurück zum Karl Marx Hof fuhr, dort ging es dann los. Es kam zu einer „langen Nacht“ und „einem bösen Erwachen“.

Der Widerstand wurde gebrochen, Oskar mußte flüchten, ging bei der Tschechoslowakei über die Grezne, kam in die Sowetunion und später hat er in „Spanien gegen die Faschischten gekäpmft“.

„Aber das ist eine andere Geschichte“, so endet das Comicheftchen des 1965 in Linz geborenen Comicautors und Illustrators, der bei „Bahoe“ 2018 auch ein Buch über die „Annexion Österreichs an das dritte Reich“ und noch einiges andere herausgegeben hat.

Das müßte ich erst noch finden, bin aber Abend mit der KPÖ und der Bezirksvorsteherin ins „Filmcasino Margareten“ gegangen um mir den 1984 entstandenen Film, die „Kameraden des Koloman Wallisch“ anzusehen, zu dem Michael Scharang sowohl das Drehbuch schrieb, als auch Regier führte, der ja den Aufstand in der Steiermark anführte und am 19. Februar in Leoben hingerichtet wurde.

Seine Frau Paula hat das Buch  „Ein Held stirbt“ darüber geschrieben, das meine Eltern in ihrem Bücherschrank hatten. Leider habe ich es, glaube ich, schon 2007 gelesen, so daß ich nicht darauf verlinken kann.

,Der Film im übervollen Filmcasino, war in Zeiten, wo wir, wenn wir nicht sehr aufpassen, vielleicht wieder in Bürgerkriegsähnliche Zustände hineinschlittern könnten, wie ich ja mit meiner Diskussion mit dem Uli merken kann, war sehr interessant. Ich habe ihn noch nie gesehen, obwohl die Tonqualität sehr schlecht war. Es gibt nur Michael Scharangs Privatkopie und der ORF, der den Film digitalisiert hat, scheint ihn weder herzugeben, noch ihn im Fernsehen zu zeigen, was in Zeiten, wie diesen ja ganz besonders wichtig wäre.

Thomas Fatzineks Comic ist wahrscheinlich besonderes jüngeren Menschen, die in diesen Teil der Geschichte eintauchen wollen, sehr zu empfehlen, weil man da sehr schön in die Vergangenheit vor fünfundachtzig Jahren hineintauchen kann.

 

2019-01-23

Workshopplaudereien

Ich besuche ja seit zwei Jahren jeden Mittwoch von drei bis fünf bei Stephan Teichgräber in der Dokumentationsstelle fpr ost und mitteleuropäische Literatur, den Workshop, der er dort anbietet.

Vor zwei Jahren hat es mit der Literatur des Centope begonnen, das heißt Literatur aus Österreich, Slokwakei und der Tschechei und diese Literatur wird ja auch immer beim Centrope Festival angeboten, das in dem kleinen tschechischen Theater in der Münzwardeingasse stattfindet.

Mit Herrn Eder haben wir da unter anderen einen Roman von Michal Hvorecky und den von Ilija Trojanow erforscht, die damals dort gelesen haben. Ich habe für mich auch anderes gelesen, denn die osteuropäische Literatur interessiert mich sehr und das Semester darauf ist es mit der Partisanenliteratur weitergegangen und hat mir Herr Eder das „Engelchen“ von Ladislav Mlacko geschickt, das ich dann auch gelesen habe.

Im vorigen Sommersemester war die utopische Literatur an der Reihe und da habe ich  schon einige Dystopien gelesen und für mich eine eigene Liste erstellt, bei Stephan Teichgräber zuerst mit der anderen Teilnehmerin, Herr Eder ist nicht mehr gekommen und soll auch, wie mir Stephan Teichgräber sagte, inzwischen verstorben sein, später allein, den George Orwell erforscht und dieses Semester ist die Revolution an der Reihe und da hat Stephan Teichgräber was für mich gar nicht so typisch für die Revolutionsliteratur ist einen Roman von Alexex Tolstoi einen drei Bänder und einen Vierbänder von Alexander Döblin ausgesucht.

Sie ersten zwei Male ist die Ruth mitgekommen, dann wurde es ihr, weil sie inzwischen ja evangelische Theologie studiert und Griechisch lernen muß, zuviel geworden und so komme ich jeden Mittwoch, wenn Stephan Teichgräber, der auch auf der Uni unterrichtet, nicht auf einer Sitzung oder einen Kongreß ist, allein und plaudere mit ihm über Literatur.

Das ist  mein Anliegen das ich an den Workshop habe, weil ich von den literarischen Analysen nicht so viel halten und Stephan Teichgräber ist da sehr genau und hat  schon einige Skriptumfassungen, die er sich jeweils erstellt, so daß wir mit den beiden Werken nicht sehr weiterkommen und jeweils immer noch auf den ersten Seiten sind, die aber inzwischen sehr genau erforscht haben.

Das Lesen des Drei- und des Vierteilers schaffe ich, ob meiner elendslangen Leseliste derzeit nicht, obwohl ich mit Stephan Teichgräber vor einigen Wochen die drei Toilstoi Bände bei einem Antiquar in der Margaretenstraße erstanden habe und da wir ja oft das schon Erarbeitete wiederholen, habe ich eigentlich auch nicht soviel Stoff über die zwei Stunden einen eigenen Artikel zu schreiben.

Das kombiniere ich dann wenn ich am Abend zu einer Veranstaltung gehe dann damit, aber heute habe ich eine neunzehn Uhr Stunde, so daß ich es weder in die „Alte Schmiede“ noch in das Lteraturhaus schaffe, habe mir den Platz aber freigehalten und beim Nachhausegehen gedacht, uje, uje, was soll ich da bloggen? Der Uli beschwert sich ohnehin, daß ich nur sinnlosen Content schreiben würde, ich das „Literaturgeflüster“ aber als mein literarisches Tagebuch betrachte, so daß eigentlich Platz für eine literarische Plauderei, was ja meine ursprüngliche Absicht des „Geflüsters“, ein lockeres Plaudern über die Literatur und mein literarisches Leben wäre, aber was schreibe ich?

Wirklich Neues haben wir heute nicht erarbeitetet, ich hatte Stephan Teichgräber, der ja als Slavist, die Bücher immer in der Originalsprache liest, einiges zu erzählen, habe ich  in der letzten Zeit, ein Buch des Centrope, nämlich Michal Hvoreckys „Troll“, was mir gar nicht so sehr gefallen hat und ich eigentlich eher als „dahingeschluddert“ halten würde, gelesen und heute Morgen in der Badewanne auch Vladimir Sorokins „Manaraga“ ausgelesen und das hat eigentlich einen Bezug zum Workshop oder zumindestens zum Tolstoi, wenn schon nicht zum Lew, der in dem Buch ja vorkommt, beziehungsweise dort verbrannt wird, dann doch zum Alexej und in dem Sorokin Buch geht es ja um russische Literatur, also habe ich darüber mit Stephan Teichgräber geplaudert, beziehungweise ihm das Buch schmackhaft zu machen versucht und ein drittes, eine Frühjahrsneuerscheinung, die im Februar erscheinen wird, habe ich auch schon in meinem Baqdezimmer liegen, nämlich Tanja Maljartschuks „Blauwal der Erinnerung“, worüber ich sie schon einmal im Literaturhaus reden hörte und da geht es um einen ukrainischen Volksshelden, der zwar nicht ganz exakt zum Centrope gehört, von Stephan Teichgräber aber schon erwähnt wurde und wenn ich dann das Buch über Donald Trump, das ja eigentlich nicht meinen primären Lesegeschmack entspricht und Robert Seethalers „Feld“ mein letztes östBp-Buch ausgelesen haben werde, werde ich mich an den „November 1918 in der österreichischen Literatur“ machen, was ja, glaube ich, auch nicht ganz der Revolution zuzuorden ist, aber wichtige Informationen zur Republickgründung geben kann.

Nächste Woche ist ja noch ein Workshop, bevor es in die Semesterferien geht, Stephan Teichgräber hält sich da genau an den Universitätslehrplan, da werde ich mir, weil eine achtzehn und neunzehn Uhr Stunde, vielleicht auch nicht so viel zu plaudern habe, mir den Platz aber wahrscheinlich trotzdem freihalten, also für die, die mein literarisches Leben interessiert, die entsprechenden Infos geben und so kann ich jetzt nachdenken, was sonst noch zu erzählen ist.

Ich korrigiere immer noch an der „Magdalena Kirchberg“ und während ich das, während des Szenekorrigierens immer mit Videos übers Schreiben getan habe, die meine Konzentration vielleicht verringerte, meine Motivation an der Sache aber entsprechend erhöhten, bin ich jetzt in der Lautlesephase und werde das wahrscheinlich  noch ein paar Wochen, wenn nicht Monate so tun und bin jetzt bei 97 Seiten und 46.170 Worten und für die Leipziger Buchmesse zu der wir auch heuer wieder fahren werden, habe ich mich inzwischen ach akkreditierte. Ich wollte das zwar erst ein bißchen später machen, habe dann aber vom „Diogenes Verlag“ schon eine Einladung zum Bloggertreffen bekommen  und mit Susanne Bühler auch schon einen Einzeltermin ausgemacht.

Eine Termin für eine Lesung aus der „Unsichtbaren Frau“ habe ich für 14.Mai im „Republikanischen Club“ auch vereinbart und der „Bremer Literaturpreis! wird nächste Woche an Arno Geiger und an Heinz Helle vergeben, Daniela Striegl hält da die Laudatio kann ich vermelden, obwohl ich natürlich nicht nach Bremen zur Preisverleihung fahre und heuer auch nicht nach Essen zur Verleihung des „Blogger Debutpreises“ an Bettina Wilpert, da diese schon am zwölften Februar stattfindet, da werde ich wahrscheinlich einen Comic über den 12. Februar 1934 lesen und vielleicht auch Thomas Bernhard gedenken, obwohl ich ja kein besonderer Bernhard Fan bin und höchstens nach Leipzig nach Essen zur Lesung von Wlada Kolosowa fahren, zumindestens würde sich das ganz gut ausgehen, da die am Mittwoch nach der Messe ist.

Mal sehen, das wäre interessant, aber vielleicht kommt die auch einmal nach Wien oder  Göttweig und das Buch habe ich auch schon gelesen.

Jetzt ist mir, glaube ich, zum „Plaudermittwoch“, den ich ja für alle Interessierte als eigene Rurik einführen könnte, doch eine ganze Menge eingefallen

2018-12-24

Ein Bücherchristbaum

Bücherchristbaum

Bücherchristbaum

Zu Zeiten, wo sich die Rechten darüber aufregen, daß Weihnachten angeblich in ein Winterfest umgewandelt werden soll und sich Evelyn Schlags Taxifahrer, wie sie auf der „Zentralmaturaenquette“ erstaunt verkündete, sich beklagte, daß „Weihnachten schon weggegendert wurde“, da hat er, glaube ich, etwas verwechselt und zwei patriotische Debatten ineinander vermengt, kommen nun meine weihnachtlichen Betrachtungen, denn ich bin ja als Tochter eines sehr aufrechten Sozialisten und einer im Herzen wahrscheinlich katholisch gebliebenen Mutter in einem Gemeindebau aufgewachsen und hatte jedes Jahr unter dem Christbaum ein Kinderbuch der „Kinderfreunde“, das die Sozialisten den Kindern ihrer Mitglieder zur Verfügung stellten, liegen.

In die Kirche sind wir nie gegangen, ich bin ja ohne Bekenntnis und habe nur auf Wunsch meiner Mutter in der Schule den Religionsunterricht besucht. Für mich hätte das Weihnachtsfest also immer Winterfest heißen können, aber Weihnachten geht auch und einen Christbaum hatte ich weder in der Otto Bauergasse, wo ich als Studentin wohnte, noch in der Gumpendorferstraße, wo die Anna geboren wurde oder noch in der Krongasse, nur in Harland. Da hatten ihn die Schwiegereltern im großen Wohnzimmer. Jetzt hat ihn der Alfred gekauft und die Vierundzwanzigstundenbetreuerin der Schwiegermutter putzt ihn auf.

Aber weil ich etwas verspielt bin und mehr den Advent, als das Weihnachtsfest zelebriere, habe ich heuer, da hatte ich keinen Adventkalender mir einen Bücherchristbaum auf meinem kleinen runden Schlaftzimmertisch vor meinen Bücherstapeln an den Wänden aufgebaut.

Die idee eines Bücheradventkalenders, also jeden Tag ein Buch im Dezember lesen oder sammeln, hatte ich ja schon länger, noch bevor ich meinen „Adventkalender“ geschrieben habe, war die da und wurde aufgeschrieben.

Das tägliche Lesen eines Buches ist angesicht meiner elendslangen Bücherliste ohnehin nur Utopie und würde auch nicht gehen, wenn ich richtig in Pension gegangen bin, jetzt arbeite ich ja noch weiter, weil da  das Schreiben immer noch das Wichtigste wäre.

Aber ich liebe die Adventaktionen und versuche mir schon von Anfang an, das Literaturgeflüster im Dezember zu einem solchen zu gestalten.

Heuer war alles etwas anders, wegen der noch zu lesenden Neuerscheinungen,  kein Platz für ein neues Nika-Fenster, aber die Idee, den Bücherschränken, aus denen ich mich ja reichlich bediene, etwas zurückzugeben, in dem ich im Dezember bis zum vierundzwanzigsten, beziehungsweise, solange ich noch nicht in Harland bin, eines meiner Bücher hinein zulegen.

Nicht nur die „Nika“, denn da ich mir ja immer nur fünfzig Bücher drucken lasse, will ich noch im nächsten Jahr da etwas zu verschenken haben, sondern vielleicht rund durch den Krautgarten und so sind es, wenn ich mich richtig erinnere, dreimal die „Nika“ geworden, zweimal glaube ich „Besser spät als nie“, das Vorläuferbuch zur „Unsichtbaren Frau“, eine „Volksstimmeanthologie“, einmal das „Bibliotheksgespenst“ und einmal die Kroatiengeschichte „Claire-Klara-Clarissa“ und die Bücher habe ich einmal in den Schrank bei der Belevederegasse, als wir zur „Auge-Weihnachtsfeier“ gingen gelegt, einmal in den in der Zieglergasse und sonst immer in den „Wortschatz am Margaretenplatz und zweimal habe ich darauf vergessen.

Das war das eine Mal am ersten Dezember so um halb zwei in der Früh, als wir von der „Poet-Night“ nach Hause gekommen sind, da habe ich noch schnell genug geschaltet, daß jetzt schon das Adventmonat angebrochen ist, obwohl ich mir  schon zwei Geschenkspackungen vom „Yves Rocher“ gekauft und vom Herrn Blaha das erste Weihnachtsbuch bekommen habe und das zweite Mal war, glaube ich, der achte Dezember, als wir von der Ruth nach Hause gekommen sind, da habe ich auch irgendwie nicht daran gedacht und als Gegenleistung oder überhaupt, habe ich mir immer ein oder zwei oder wenn es ging auch drei Bücher aus dem Schrank genommen und mir auf meinem Tischchen, wie ein Christbaum aufgebaut. So daß es mit ein paar anderen Büchern, die mir die Verlage schickten, ich mir vom „Buchquartier“ oder vom Literaturhaus mitgenommen habe und ein Verlagsprogramm und eine Leseprobe zu einem dreiundzwanzig Bücherstapel angewachsen ist, den ich hier stolz präsentieren will.

Die reihenfolge des Findens stimmt nicht ganz, da ich die Bücher der Größe nach aufgestapelt habe, um eine Chritbaumform zu bekommen und es sind, wie man feststellen kann, einige Schmankeln dabei, die ich mir selber zum Geschenk machte, während ich mir sonst keine Bücher wünschte und nur gespannt sein kann, ob ich noch welche bekommen werde?

Also öffnen wir die Adventkalenderfenster, freuen uns und staunen und ich räume den Baum zum Zitieren, rückwärts ab, bevor ich ihn wieder für das Foto aufbauen werde.

  1. Bianca Schmidt „Frau Bodenschlampe – Abnehmen ist nichts für Mädchen“ (Leseprobe)
  2. Elfriede Jelinek „Michael ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft“
  3. Fanny Mendelsohn „Italienisches Tagebuch“
  4. Morton Feldmann „Der perfekte Mann“
  5. „Edition Korrespondenzen -Programm 2018“
  6. Gerda Marko „Schreibende Paare“
  7. Maria Sveland „Bitterfotze“
  8. Thomas Perle „Wir gingen weil alle gingen“
  9. Magdalena Diercks „auf halben weg“
  10. Michael Ziegelwagner „Sebastian – Ferien im Kanzleramt“
  11. Mieze Medusa „Freischnorcheln“
  12. Andrea Camillieri „Gewisse Momente“
  13. Gerasimos Bekas „Alle Guten waren tot“
  14. Mahmud Doulatabadi „Nilufar“
  15. Max Werner Lenz, Elsi Attenhofer „Die Urschweiz“
  16. Doris Lessing „Die Terroristen“
  17. Franz Blaha „ds´weinochdn“
  18. Wolfgang und Catarina Held „Mit Rucksack und Zeichenstift durch das tote Gebirge“
  19. Charles Bukowski „Mocking bird wish me luck“
  20. Doris Kloimstein „Sterne pflücken“
  21. Leo Katz „Brennende Dörfer“
  22. Peter Weiss „Die Ästhetik des Widerstands“
  23. Alexander Weiss (Hg) November 1918

Eine schöne Auswahl und viel Spaß beim Lesen, könnte ich mir selber wünschen. Eines davon habe ich ja schon gehört, weil von der Anna 2009 als Hörbuch bekommen und halt bevor jetzt meine Leser schreien „Fakenews, wo bleibt das vierundzwanzigste Buch?“, füge ich hinzu, daß das zu der Ruth gewandert ist, als ich sie am Freitag vor Weihnachten besuchte, um mir das Honorar von unserem VHS-Spaziergang im November abzuholen und mir ihre neue Wohnung anzuschauen, denn am Montag, als ich vom Mittagessen mit dem Alfred vom Waldviertlerhof zurückgekommen bin und einen Umweg zum „Wortschatz“ machte, ist dort ein Buch vom österreichischen Autor Andreas Jungwirth gelegen „ni una palabra“( „Kein einziges Wort“) ist darauf gestanden. Und da ich nicht Spanisch kann, hatte ich gleich ein passendes Geschenk.

Ich wünsche meinen Lesern, egal ob sie Weihnachten, den Winter oder gar nichts feiern, der Christbaum aus Büchern oder aus Kerzen mit Lametta besteht, ein schönes Fest!

Und den Nika-Adventkalender gibt es auch:

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2018-12-12

Vom Doml ins MUSA

Im Solo-Workshop zur Revolutionsliteratur ging es diesmal wieder um Alexander Döblins „November 1918“ und da habe ich die  Absätze „Der Kranke dämmerte allein. Die feinen Pflänzchen, die die Bleikugel aus der Luft von der Jacke in seinen Leib getragen hat, durchwucherten seinen Leib. Sie überzogen alle Därme mit einem trüben Hauch und machten ihren Glanz blind. Grauen Flocken sanken in die Nischen zwischen den Därmen, die sich noch zusammenzogen, hoben und senkten. In die Adern des Mannes waren die Pilze gewandert und hatten sich fröhlich  von dem warmen Strom des Blutes forttreiben lassen, wie fühlten sie sich selig in dem süßen Saft, das war etwas anderes als das Leben an der kalten Luft und auf dem Tuch. Wie ein Orchester, das das auf den Wink seines Kapellmeisters wartet, setzten sie sich rauschend in Bewegung. Und nun war der Mensch ein hohles gewaltiges Gewölbe geworden, durch das ihre Musik scholl. Er lag da, schlaff, schwitzend.

An den Wänden des Gewölbes kriechen Schlingpflanzen, es ist ein Urwald, und dies sind die Tropen, und da klettern Affen, Untiere mit schrumpfigen Hälsen, sie steigen aus demMorast, Kolibiris schwirren mit geschwungenen Schnäbeln, die Blumen halten ihm ihre grellen Blüten hin und schnellen schmale rote Zungen heraus. Nun spielt eine Orgel und von den Tonleitern steigen ernste Männer hinunter im Talar. Lange Schleppen ziehen sie hinter sich her, sie predigen und ermahnen, es ist ein langes schwarzes Lied.

Das graue Licht hellt sie auf. die Stunde rückt vor, ein Tag hat sich in Bewegung gesetzt, der zehnte November, Sonntag. Kleine Sonnenstrahlen schleichen über das Bett.

Schwestern kommen, stützen den Kopf des Fliegers, halten Wein vor seinen Mund. Sein Gesicht – wessen Gesicht – wird länger und länger. Seine Lippen allen auseinander. Er öffnet den Mund nicht. Sie rufen ihn an.

Aber der Urwald hat ihn verschlungen.“

„Zu pathetisch!“, habe ich zuerst Stephan Teichgräber, der seinen Metaphernbaum erstellte, gesagt.

„Wie in einem Drogenrausch geschrieben!“, aber dann bin ich wohl darauf gekommen, daß es wohl eine sowohl sehr blumige, als auch sehr drastische Schilderung eines Arztes eines Sterbens ist und am zehnten November 1918, wo sich in Österreich ja bald die erste Republik gegründet hat, sind wahrscheinlich noch sehr viele Soldaten an ihren Verwundungen und Einschüßen gestorben.

Also kein besonderer Grund des Feiern, obwohl in Österreich ja die hundertjährige Republiksgründung im November sehr intesiv gefeiert wurde, ich am Bibliothestag deshalb in das Parlamentsbibliothek war und dort Grammelpogatscherl und Nußkipferl gegessen habe, die Lesetheateraufführung von Csokors „3. November 1918“ gesehen habe, während ich zu Buchpräsentatation des „Tarantl-Buches“ – „November 1918 in der österreichischen Literatur“ wegen der „Buch-Wien“ nicht gegangen bin. Ich habe das Buch nur bei Gerald Grassl angefragt und heute bekommen, also werde ich über den Döblin und Alexej Toistoi über das Jahr 2018 hinaus noch genügend Lesestoff haben und das Workshop geht ja auch noch bis Ende des Semesters und ich bin am Abend wieder ins MUSA gegangen und da gibt es auch eine Neuerung, die nicht unbedingt erfreulich ist. Denn seit Julia Danielczyk die Literaturbeauftragte der Stadt Wien ist, gibt es ja die monatlichen MUSA – Veranstaltungen, wo die Preisträger und Stipendiaten der Stadt Wien vorgestellt werden, was ich sehr interessant fand zu wissen, wer da von der Stadt Wien gefördert wird und was der oder die schreibt.

Vom Oktober bis Juni gab es da Veranstaltungen. Seit das MUSA aber zum „Wien -Museum“ gehört, beziehungsweise seit heurigen Herbst ist das offenbar anders, denn da gab es Oktober nur die „Veza Canetti-Preisverleihung“ an Petra Ganglbauer und als mir Julia Danielcyck dann das Programm schickte, stellte sich heraus, daß es nur mehr im Dezember und im Jänner Veranstaltungen geben wird, weil jetzt nur mehr die Preisträger und nicht mehr die Stipendiaten präsentiert werden und da ware heute die Förderungspreisträgerin Iris Blauensteiner, deren 2016 erschienener Roman „Kopfzecke“ ich ja gelesen habe, vorgestellt.

Die 1986 geborene Autorin, die auch als Regisseurin tätig ist, hat zwei Szenen aus dem Buch gelesen und wurde  von Julia Danielcyck dazu befragt und der Würdigungspreisträger ist der 1954 in Wels geborene Christoph Ransmayr von dem ich schon ein Buch gelesen habe und ihn mehrmals bei Veranstaltungen hörte. Er las zwei Öuftgeschichten, wie er sagte aus seinen „Atlas eines ängstlichen Mannes“ und ist offenbar auch ein großer Reisender, der in dem Buch seine Begegnungen mit Menschen und Orten in Geschichten aufgeschrieben hat.

Die eine Geschichte handelt davon, daß er sich mit zwei Leuten auf einer Wanderung durch Bolivien befindet und da von einem Militärflugzeug angeschossen wird und die zweite vom Flug eines Albatrosses und einem Kind das nach dem Tod der Mutter zu wachsen aufhörte und erst wieder ins Leben hineinfinden mußte.

Christoph Ransmayr wirkte auf Julia Danielczyks Fragen ziemlich abgehoben, da ihn, wie er sagte, die Gattungsfragen, ob seine Texte jetzt Erzählungen oder Novellen wären nicht interessiere und er seine Werke auch nicht mit denen anderer Autoren vergleichen könne.

Nachher gab es wieder Brot und Wein, sowie interessante Gespräche und besonders interessant war dabei, daß ich dabei mehrmals nach dem „Ohrenschmaus“ befragt wurde.

Und bezüglich meiner Adventvorsätze habe ich am Nachmittag wieder ein Buch in den „Wortschatz“ gelegt.

2018-11-14

Revolutionsworkshop mit Antiquariatsbesuch

Ich besuche dieses Semester ja in der „Dokumentationsstelle für ost – und mitteleuropäische Literatur“ bei Stephan Teichgräber das „Workshop“ „Die Revolution in der Literatur“, vorher war der utopische Roman, die Partisanenliteratur und die Literatur des Centropes daran, inwischen bin ich wieder die einzige Teilnehmerin, also ein sehr intimes Privatissimum und vorgeschlagen wurden von Stephan Teichgräber Alfred Döblin Tetrlogie „November 1918“ und Alexej Tolstoi Romantrilogie „Der Leidensweg“.

Wir haben in der ersten Stunde, als noch die Ruth anwesend war, diskutiert welche Bücher wir noch einbeziehen können und ich bin dann auf Csokors „3. November 1918“ beziehungsweise auf den Loibelsberger- Krimi „Schönbrunner Finale“ gestoßen, denn wir haben ja in Österreich ein Jubiläumsjahr mit hundert Jahre Republik am zwölften November.

Da ist in der „Edition Tarantl“ auch ein neues Buch herausgekommen „November 1918 in der österreichischen Literatur“, das ich aber nicht habe und wegen der „Buch-Wien“ auch nicht zur Präsentation in die „Libreria Utopia-Buchhandlung“ am achten November gegangen bin.

Es ist auch nicht so ganz klar, wie weit die Republiksgründung mit der Revolutio  zu tun hat und  bisher haben wir auch eher das erste Kapitel von Döblins „November“ analysiert, was Stephan Teichgräber ja sehr, mir etwas weniger wichtiger ist, nach den Metaphern zu suchen, sie zu benennen und dann Stammbäume mit ihnen aufzuzeichnen. Aber gut, ich habe ja nicht Germanistik studiert, sondern bin an der Literatur eher von der schreibenden Seite her interessiert.

Letzte Woche hat mir Stephan Teichgräber schon vorgeschlagen, mir die zwischen 1920 und 1940 erschienene Trilogie von Alexei Tolstoi, nicht zu verwechseln mit dem Lev, aber der 1882 geborene und 1945 gestorbene, ist irgendwie schon mit ihm verwandt und ein Graf war er ebenfalls. Wenn er sich dann später auch an Stalin anpasste, zu besorgen, aber wenn das Buch in den Vierziger- oder Fünzigerjahren erschienen ist, dann gibt es es nur mehr antiquarisch oder ich finde es rein zufällig in den Bücherschränken, wofür es mir aber zu speziell erscheint, so daß es ein großer Zufall wäre.

Stephan Teichgräber konnte es mir auch nicht kopieren, denn er liest ja immer die Originalausgabe, also haben wir das letzte Mal gesprochen, wie ich es bekommen könnte?

Es könnte mir jemand zum Geburtstag schenken, habe ich gewitzelt oder im Internet antiquarisch bestellen, wo es nur ein paar Euro kostet, was aber etwas ist, worin ich wenig Erfahrung habe.

Die letzte Woche war dann auch sehr hektisch, bin ich doch vom Seminar gleich zur „Buch-Wien“ gefahren und dort gab es zwar ein paar antiquarische Stände, wo man seine Bücher schätzen lassen konnte und einen diesbezüglichen Vortrag hat es auch gegeben, aber keinen Alexej Tolstoi und dann bin ich mit der Margot Koller an der Buchhandlung in der Margaretenstraße, gleich der Kongasse gegenüber vorbeigegangen, die, glaube ich, ein Antiquariat ist und habe da gesehen, jedes Buch kostet nur drei Euro. Also ein totaler Abverkauf. Da war am Samstag  keine Zeit hineinzugehen. Am Dienstag ist es mir wieder eingefallen. Ich bin hingegangen und habe erfahren, daß der „Chef“ gestorben ist und sein Freund, das Geschäft für ihn auflöst. Zwei Bücher habe ich gekauft, aber keinen Alexei Tolstoi, da war das einzige Buch das es gegeben hat, schon weg.

Aber Stephan Teichgräber ist sehr hartnäckig und hat für mich heute ein anderes Antiquariat in der Margaretenstraße angerufen, offenbar ein besser bestücktes, denn sie hatten die drei Bände. Sie kosteten vierundzwanzig beziehungsweise zwanzig Euro und weil ich  eine Sparefrohin bin, hat Stephan Teichgräber die Bände für die Dokumentationsstelle besorgt und sie sind sehr schön. Eine Ausgabe aus den Fünfzigerjahren, in Moskau im „Verlag für fremdsprachige Literatur“ erschienen.

Jetzt hätte ich also sehr viel zu lesen. Interessant ist dabei, daß die russische Ausgabe viel dünner ist. Sie ist in einem einzigen Band enthalten. Wenn ich nicht so eine lange Leseliste hätte und noch fast dreißig Neuererscheinungen in diesem Jahr auf mich warten, was schon nicht zu schaffen ist, mich dann durch den hier fast vergessenen Dichter zu lesen?

Ich weiß nicht, ob ich das will und ob ich das schaffe. Wartet ja auch ein neuer Vladimir Sorokin unter anderen interessanten Büchern auf mich und von der deutschen Buchpreisliste lese ich gerade Buch fünfzehn und habe noch drei weitere auf meiner Liste.

Nun ja und gut, aber sehr interessant mich einmal ein bißchen in die Welt des Antiquariats einzulassen, die für mich ja etwas sehr Fremdes ist, wenn man nicht die Bücherschränke auch als ein solches betrachten will und ich auch sehr alte Bücher in meinen Regalen habe, in diesem Jahr aber fast nur Neuerscheinungen gelesen habe.

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