Literaturgefluester

2015-12-12

Quasikristalle

Filed under: Bücher — jancak @ 00:25
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Auf die Idee,  einen Roman zu schreiben, der von einer Figur ausgehend, zum nächsten Kapitel über eine andere, eine Geschichte erzählt, bin ich, glaube ich, gekommen, als ich im Radio eine Vorschau auf Eva Menasses „Quasikristalle“ hörte.

Da habe ich gedacht, Daniel Kehlmann hat das mit „Ruhm“  auch einmal so gemacht und bin mit der Laura Augustin, der Nika Weihnachtsfrau, etcetera losgezogen und es ist natürlich nicht so geworden, wie geplant, sondern eine eher lineare Geschichte, die in jedem der dreizehn Kapitel, einen anderen Protagonisten oder Protagtonistin hat.

Von Eva Menasse, der 1970 geborene Halbschwester des berühmten Roberts, den ich öfter im Cafe Sperl sitzen sah, einmal bei einer Benefizveranstaltung in der Rahlgasse, statt ihm einen Essay zusätzlich zu einer Szene aus meiner „Viertagebuchfrau“ las, weil er, was ich schon erwartet hatte, absagte, der einmal in der „Alten Schmiede“ den Kritiker Paul Jandl  sehr provozierte und wenn ich ihm bei Preisverleiungen im Rathaus sehe, immer mit den Politikern über seine Meinung diskutieren höre, habe ich ihren ersten Roman „Vienna“ gelesen.

Die „Quasikristalle“ sind 2013 erschienen, 2014 hat sie dafür, sehr voraussagbar, den „Alpha-Literatur-Preis“ gewonnen, den 2015 nicht, wie von mir erwartet Valerie Fritsch, sondern Karin Peschka bekommen hat und weil meine Leseliste ja so lang ist und immer länger wird, habe ich den Roman jetzt erst gelesen, dafür habe ich das mit „Watschenmann“ schon im Vorjahr getan.

Mit „Quasikristallen“ gelingt Eva Menasse also etwas, was mir nicht gelungen ist, nämlich einen Roman aus dreizehn Erzählungen zu machen oder dreizehn Geschichten von Personen zu erzählen, die alle etwas mit der Heldin Xane oder Roxane Molin zu tun haben, obwohl die in den einzelnen Geschichten nicht die Hauptrolle spielt und Quasikristalle heißt es, um die Brüchigkeit aufzuzeigen, wie ich dem Klappentext entnehme, weil wenn man dreizehnmal ein Licht auf eine Person wirft, immer etwas anderes herauskommt, offenbar so, wie bei dem Elefanten, der von drei Blinden abgetastet wird und jeder hat ein anderes Bild.

Da ist also Judith im ersten Kapitel, ein vierzehnjähriges Mädchen, das eine depressive Mutter hat und einen Vater, der Konditor ist, aber an einer verfallenen Jugendstilvilla herumbaut und in die lädt Judith ihre Freundin Xane ein, um sie ihrer anderen Freundin Claudia abspenstig zu machen, die dann diesen Sommer einem Gehirnschlag erliegt.

Dann geht es, Jahre später weiter zu einem Professor oder Dozenten, der für einen erkrankten Professor, eine Exkursion nach Auschwitz machen soll, die meisten Studenten sagen aber ab, so wird für Ersatz gesorgt, eine der einspringenden Personen ist die angebliche Nichte des Professors, der gar keine Kinder hat und Bernay, der Held verliebt sich in die Frau mit der roten Bluse, während er mit seiner Geliebten Paula telefoniert und die Teinehmer durch das KZ führt.

Dann geht es zu einem Altösterreicher, der der jungen Xane, die etwas mit PR macht, eine Wohnung in seiner Villa vermietet und aus dem Häuschen gerät, als er sie nackt auf den Balkon liegen sieht.

Er hält sich nämlich am Dachboden Frettchen und versteckt dort auch Glasscherben mit deren Hilfe er die Balkone seiner vermieteten Wohnungen kontrolliert und er hat auch ein geschnitztes Jesuskindchen, das Xane fotografieren will und dann sitzt er mit seiner Familie vor dem Fernseher und sieht Xane in einer Diskussion, wo sie an Hand des Fotos demonstriert, daß „sich die meisten Österreicher immer noch weigerten, sich an die Verbrechen zu erinnern, die direkt vor ihrer Haustür, ja vor ihren Augen stattgefunden hätten, stattdessen bekreuzigen sie sich und fütterten fröhlich ihre Frettchen.“

Dann geht es nach Berlin zu Sally, das ist Judiths Schwester Salome, die dort in einer Bar singt, dazwischen kellnert und ihrer vierhährigen Tochter Baby drei Tropfen Diazepram auf ein Stück Würfelzucker träufelt, wenn sie sich die Babysitterkosten bei Frau Hilpert nicht mehr leisten kann. Die trifft Xane in einer Galerie wieder, wo sie in der Partyküche Rosen aus Kartotten schnpselt, die dann wieder abserviert werden. Xane und ihr Freund Mor kümmern sich um Sally, deren Mutter inzwischen Selbstmord begangen hat und dann besucht Sally Xane in der Klinik, wo sie nach einer Eileiterschwangerschaft liegt und beklagt, keine Kinder zu haben, während Sally ihres gar nicht wollte und der Rechtsanwalt Mor immer Drohbriefe schreibt, wenn sie sich um seine aus der ersten Ehe kümmern will.

Dann kommt ein Kapitel über eine Kinderwunschärztin, ein Kabinettstück kann man sagen, wo man sehr viel alles über die Kinderwunschproblematik mit den ganzen Fachausdrücken erfährt. Frau Doktor hat auch zwei Kinder, über die sie mit ihrer Haushaltshilfe kommuniziert, welche Fußballdress die für sie bügeln soll und ihre Wunsch- bzw. Problempatienten, eine davon ist Xane, die kommt wieder in ein paar Sätzen vor, wird aber schwanger, bekommt einen Sohn und trifft im nächsten Kapitel einen Nelson im Bus, das ist ein alter berühmter Mann, Opfer eines Bürgerkriegs, in dem er seine Frau verloren hat, mit dem tritt sie in Beziehung, betrügt ihren Mor aber offensichtlich nicht wirklich, sondern tritt im nächsten Kapitel selber als Erzählstimme auf, wo sie anhand des Fremdgehens ihrer Freundin Krystzyna ihre Beziehung zu Mor und seinen zwei Töchtern aus erster unglücklicher Ehe, die inzwischen bei ihr leben undm die sich in der Pubertät gegen die Stiefmutter auflehnen oder ihre Depressionen bekommen, reflektiert.

Das nächste Geschichte gehört der Stieftochter Viola und dann kommt eine aus der Sicht eines Mitarbeiters von Xanes Agentur, der um der Kreativität wegen zu ihr gegangen ist und sich dann bei der Chefin doch nicht durchsetzen konnte, denn die ist wie die Freundin Kryztyna weiß sehr stur und macht aus allem ein Theater, so wie sie plötzlich auf Besuch nach Wien kommen will und dann erfahren die Freundinnen, nachdem sie abgewimmelt haben, daß Xane in einer Klinik liegt.

Der alte Vater wird zu einem runden Geburtstag in Wien besucht, am Schluß schreibt der Sohn der Mutter einen Brief, die sich nach Mors Tod eingebildet hat, nach Wien zurückzuziehen und dort offenbar noch mit einem Mann in einer bürgerliche Villa nach Sivering zieht, dazwischen kommt dann noch ein Kapitel, das scheinbar gar nichts mit Xane zu tun hat, denn es ist aus der Sicht einer Journalistin geschrieben, die ein Buch über Sterbehilfepraktiken geschrieben hat und dadurch soviel Aufsehen erregte, daß sie sich in eine sicherheitsgeschützte Wohnung zurückzieht und alle Zeiten ihre Paßwörter ändert, trotzdem bekommt sie einen Anruf bezüglich eines geheimnisvollen Sterbefalles und während sie diesbezüglich recherchiert beobachtet sie auf dem Platz vor ihrem Balkon ein altes Paar, wo er plötzlich, während sie liest, einen Schlaganfall bekommt.

Ein interessantes hochgelobtes Buch einer hochgelobten Promijournalistin und Promischriftstellerin, das auch ein bißchen in der intellektuellen Promiszene spielt und die das, was mir in den „Dreizehn Kapitel“ vorschwebte, konsequenter durchgezogen hat.

Mir fehlte der Mut dazu, jetzt weiß ich auch warum, weil nämlich wenn man dreizehn Menschen ihre Erfahrungen und Eindrücke über eine Person schildern läßt, am Ende dreizehn Geschichten, in diesem Fall mit sehr vielen aktuellen Themen vom Kinderwunsch bis zur Holocaustvewältigung, aber wahrscheinlich doch kein linearer Roman herauskommt, wie es bei den „Dreizehn Kapitel“ viel banaler und weniger abgehoben wahrscheinlich doch gelungen ist, wenn ich das Ganze auch wegen seiner Kürze eher eine Erzählung nenne.

2020-04-06

Murmeljagd

Filed under: Bücher — jancak @ 00:14
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Meine Ulrich Becher-Geschichte könnte meinen Lesern ja bekannt sein. Da bin ich einmal in den Neunzigerjahren, als wir noch in der Gumpendorferstraße wohnte, an der städtischen Büchereifiliale, die es glaube ich, nicht mehr gibt, vorbei gegangen, beziehungsweise vor der Schachtel der von dort ausrangierten Büchern stehengeblieben, denn damals war ich ja mitten in meiner Gratisphase und habe zwei Bücher von einem Ulrich Becher  „Kurz nach 4“ und „Und Nachtigall will zum Vater fliegen“ entdeckt und mitgenommen.

Auch angelesen aber bald damit aufgehört, denn wer bitte ist Ulrich Becher, den Johannes R. Becher kannte ich, ja und habe, glaube ich, die Kerstin Hensel auch einmal in dem Haus in der Berliner Linienstraße besucht, wo er angeblich ein Bordell besucht haben soll, aber der Ulrich?

Internet, wo man nachgooglen hätte können, gab es oder hatte ich noch keines und auch kein Literaturlexikon und der expressionistische Stil in dem die Bücher geschrieben waren, war auch nicht so meines.

2005 sind wir zu Utes Geburtstag einmal außer Buchmessezeiten nach Leipzig gefahren, in der Stadt spazierengegangen und dort beim „Hugendubel“ in einen „Aufbau-Taschenbuchabverkauf“ hineingekommen, da war. Darunter war ein Büchlein mit Briefen die der Verlag an Ulrich Becher, die sich auf sein „Kurz nach vier“ bezogen haben, waren dabei, das hat mich dann wahrscheinlich dazu animiert, das Buch 2010 doch zu lesen. Etwas später hat dann der „Arco-Verleger“, der das Buch neu herausgegeben wollte, meinen Blogartikel gelesen, die Briefe haben wollen und mir dann auf einer „Buch-Wien“, die Neuausgabe geschenkt, worüber ich sehr dankbar war.

Nicht, daß ich das Buch nochmals gelesen habe, das geht nicht bei meinen Bücherbergen, aber da waren endlich mal biographische Angaben drin, was ich bei den gefundenen Büchern leider vermißte.

Ich wußte damals aber schon, daß der 1910 in Berlin geborene und 1990 in der Schweiz verstorbene, der dazwischen auch in Wien gelebt hat, auch den „Bockerer“ geschrieben hat, den ich ja einmal im Volkstheater und später natürlich im Kino gesehen habe.

Den „Nachtigallenzyklus“ habe ich inzwischen auch gelesen und das Buch das Konstantin Kaiser über Becher hinausgegeben hat und 1910 als der Ulrich hundert wurde hat der „Schöffling-Verlag“ die „Murmeljagd“, die 1969 erstmals erschienen ist, nochmals herausgegeben, da hatte ich es wohl noch nicht so mit den Rezensionsexemplaren, jetzt ist die fünfte Auflage erscheinen und damit gleichzeitig, die „New Yorker Novellen“, die habe ich dann gleich mitbestellt, bin aber schon beim Auspacken daraufgekommen, das ist der „Nachtigallenzyklus“ minus einer Geschichte.

Es kamen also beide, der damals gefundenen Bücher inzwischen neu zu mir und ich muß sagen, ich war ein wenig ratlos bei dem über siebenhundert Seiten Buch, auf dessen Titel das Riesenrad prangt und wahrscheinlich nicht so begeistert, wie Eva Menasse, die das Nachwort schrieb.

Nun ja, ich bin ja eher eine realistische Autorin, wie ich immer schreibe, obwohl mich die Vor-Zwischen und Nachkriegszeit ja sehr interessiert, aber Ulrich Becher macht es seinen Lesern nicht sehr leicht, springt er doch von hinten nach vorn und wieder zurück. Kommt vom Hundertsten ins Tausendste, verwendet Dialekte, fremde Sprachen, literarische Anspielungen und wahrscheinlich noch viel viel mehr.

Aber in dem Versuch, das Ganze zusammenzufassen, spoilern ist hier wohl ohnehin kaum möglich. Da gibt es Albert Trebla, man beachte, daß der Nachname ein Anagram des Vornamens, auch etwas typisch Becherisches wahrscheinlich.

Der war im ersten Weltkrieg Soldat oder Offizier, wurde verwundet, war dann in Graz Sozialdemokrat und beim Februaraufstand aktiv, Journalist war er ebenfalls und, ich glaube, auch Jurist, wie sein Autor.

Als nach Österreich, die Nazis kamen, mußte er mit seiner Frau in die Schweiz fliehen, das heißt, er tat es mit den Schiern über die Grenze, die Frau Xane mit Freunden im Zug erster Klasse, sein Paß ist abgelaufen und jetzt sitzt er mit seiner Frau in zwei Zimmern in Engadin, wird vom Heuschnupfen geplagt, nimmt dagegen Tabletten und wird von Wahnvorstellungen oder auch von den Geschehnissen, um ihn herum, man schreibt das Jahr 1938, geplagt.

Man weiß das nicht so genau und bekommt das auch beim Lesen nicht so ganz mit, denn Becher hüpft ja, wie schon erwähnt, wirr herum im Zeitgescheheh und macht es seinen Lesern nicht leicht.

Sein bester Freund, ein Grazer Armenarzt, ist in Dachau oder auf dem Weg dorthin, umgekommen, da ihn zwei Nazibuben ein Messer in die Stirn stecken und der sich das Herausziehen verbat, weil er wußte, daß er das nicht überleben würde und sein Schweigenvater, ein Zirkusclown genannt Rosenvater, eine Anspielung auf Bechers Schwiegervater Roda Roda lehrt uns Eva Menasse, kommt auch im KZ auf höchst skurile Art um, die ich hier nicht spoiliern will, um ein etwaiges Lesevergnügen nicht zu zerstören und Trebla bemüht sich im ganzen Buch, das seiner Frau zu verschweigen, beziehungsweise weiß er nicht, wie er ihr das beibringen soll?

Er fühlt sich auch von zwei blassen blonden Burschen verfolgt, weiß nicht, sind das harmlose Murmeltierjäger, deshalb der Name des Buches oder wurden sie von seinem ehemaligen Kriegskameraden und jetztigen Gestapomann Laimgruber auf seine Spur gesetzt und so hetzen wir durch die siebenhundert Seiten, wo all das und noch viel mehr passiert.

Lesen würde ich empfehlen, in Zeiten, wie diesen die ja auch höchst verwirrend  sind, ist es vielleicht hilfreich sich auf Ulrich Bechers „Murmeljagd“ einzulassen und vielleicht einen, wie Eva Menasse in ihren Nachwort schreibt, leider zu Unrecht vergessenen Autor zu entdecken.

Nun mir war er bekannt und meine Blogleser können sich auch gern in meine Becher-Geschichte einlesen und sie weitergeben.

2019-10-30

Der zehnte Alpha-Literaturpreis

Filed under: Literaturpreise,Veranstaltungen — jancak @ 23:52
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Drei ehemalige PreisträgerInnen

Drei ehemalige PreisträgerInnen

Clarissa Stadler, Malte Borsdorf

Clarissa Stadler, Malte Borsdorf

Hurrah, hurra, den Alpha gibt es schon zehn Jahr, 2010 wurde der erste an Thomas Stangl vergeben, ich habe durch die Zeitschrift „Buchkultur“ davon erfahren, bin hingegangen, habe gesehen, da müßte man eigentlich eingeladen sein, aber trotzdem einen Platz bekommen und bin mit einigen Casino Mitarbeitern auch in ein  nettes Gespräch gekommen.

2011 als Anna Elisabeth Mayer den Preis gewonnen hat, habe ich hingeschrieben, mich angemeldet und um eine Einladung gebeten, keine Antwort bekommen und als ich hingegangen bin, wurde ich hinausgeschmissen, was mich, wie meine Leser wahrscheinlich wissen, ein bißchen traumatisierte, so daß ich mich erst zwei Jahre später traute, auf der „Buch Wien“ die Verantwortlichen daruaf anzusprechen, weil es ja immer noch in der „Buchkultur“ angekündet war.

Clarissa Stadler, Angela Lehner

Clarissa Stadler, Angela Lehner

Clarissa Stadler, Martin Peichl

Clarissa Stadler, Martin Peichl

Herr Leitgeb hat sich sehr lieb, um mich gekümmert und mir ab 2013 zeitgleich zu meinem sechzigsten Geburtstag eine Einladung verschafft und seither pendle ich Jahr für Jahr zum „Alpha“ diesen Literaturpreis, wo es von der Haupbücherei unter Christian Jahl, eine Vorauswahl gibt und dann die Shortlist bei einer Gala vorgestellt und der Preis vergeben wird.

Zehn Preisträger, neun Frauen und ein Mann und fast alle prämierten Bücher habe ich bisher gelesen, da mir ja der Vater von Anna Elisabeth Mayer, als sie den „Priessnietz-Preis“ gewonnen hat, ihr Buch „Fliegengewicht“ zusandte und ich zu Iris Wolff „Als ob es regnet“, leider ob meiner über langen Leseliste noch nicht gekommen bin, aber heuer am Tisch mit einigen ehemaligen PreisträgerInnen nämlich Karin PeschkaMarie Luise Lehner und Iris Wolff gesessen bin, so daß es mir ihr Mann sehr zu lesen empfahl.

Preisübergabe

Preisübergabe

Aus der Longlist wurden heuer Angela Lehners „Vater unser“, die ja auf sämtlichen Preislisten steht und einige davon auch schon gewonnen hat, der mir bisher eher unbekannte Malte Borsdorf mit „Flutgebiet“ und Martin Peichl „Wie man Dinge repariert“ ausgewählt und Angela Lehner hat, wie eigentlich von mir erwartet, mit ihrem fulminantem Roman gewonnen.

Der Alfred, der mich ja zur Preisverleihung begleitet und schöne Fotos dazu macht, hat in einem „Falter-Artikel“ über sie und Raphaela Edelbauer gelesen und beide Debutantinnen können ja am Montag beim „Österreichischen Buchpreis“ gewinnen, ich wünsche beiden, deren Bücher mir ja sehr gefallen haben, alles Gute und freue mich über die beiden anderen Büücher, soferne ich zum Lesen komme, denn es geht ja alsbald weiter mit dem Preisregen, der mich in nächster Zeit erwartet oder an mir vorüber geht, bis es zur „Buch-Wien“ geht, wo ich heute schon ein Mail mit sämtlichen Bloggerangeboten bekommen habe.

Und da dachte ich, ich wäre die einzige Bloggerin, die sich dafür interessiert. Wahrscheinlich weit gefehlt und ich gratuliere Angela Lehner herzlich zu dem „Alpha“, wünsche ihr für den „öst Debutpreis“ alles Gute und bin gespannt, ob sie auf die Blogger Shortlist kommt, wo ich ja ein wenig mitstimmen kann.

Allerdings habe ich da noch keine Ahnung, wer sonst noch oder überhaupt dafür nominiert ist und bin daher gespannt und übrigens, wer es wissen will, die Frage, wie Eva Gruber aus München oder wo auch immer ausgerechnet ins OWS überstellt wurde, hat mir auch Angela Lehner nicht beantworten köpnnen. Nur gemeint, daß sie vielleicht eine Psychose hatte, der Psychiater und Jurysprecher Paulus Hochgatterer hat aber eine sehr schöne und auch sehr lange Laudatio für sie gehalten.

2018-11-05

Dritte österreichische Buchpreisverleihung

Seit 2016 haben auch wir einen österreichischen Buchpreis mit einer eigene Debutschiene und der wurde heute sozusagen statt der Eröffnung der Lesewoche, die es, glaube ich, in dieser Form nicht mehr gibt, im Casino Schwarzenberg vergeben.

Ich bin ja was das öst Buchpreislesen betrifft, besser als beim deutschen, denn bei diesen warten noch vier Bücher auf mich und zwei, das sie zu mir kommen. Beim Öst habe ich einschließlich der Debuts alle bis auf zwei und davon alle bis auf eines gelesen und das ist, wie es so kommen muß, ausgerechnet das Buchpreisbuch und das der Debutpreisträgerin werde ich wie im Vorjahr vielleicht gar nicht lesen.

Aber morgen fange ich mit dem Buchpreisbuch an und am Wochenende habe ich die letzten öst Bücher gelesen, eines von der Shortlist und ein Debut, wo die Besprechung morgen, beziehungsweise übermorgen erscheinen wird und da war ich mir eigentlich fast sicher, das wären die Preisbücher, aber ich bin schlecht im schätzen.

Das ist nichts Neues, ich treffe es nie. Man kann wahrscheinlich auch sagen, die gruppendynamischen Effekte der Juryentscheinung sind nicht wirklich vorzauszusehen. Also wieder eine Überraschung und anders als beim dBp bin ich beim Öst auch einverstanden, obwohl ich das Buch, noch nicht gelesen habe.

Aber schön der Reihe nach, damit es nicht zu unverständlich wird.

Bernhard Fetz vom Literaturmuseum, Konstanz Fliedl, Jens Jessen, Evelyne Polt-Heinzl vom Literaturhaus und Bettina Wagner von der Seeseiten-Buchhandlung waren in der Jury und Dorothee Hartinger und Philipp Hauß haben wieder durchs Programm geführt.

Im letzten Jahr kamen sie, glaube ich, aus der Vorstellung vom „Torquato Tasso“ aus dem Burgtheater, diesmal haben sie Thomas Bernhard zitiert, dessen „Es ist ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt!“, gesprochen anläßlich einer Preisverleihung als Dankesrede, natürlich treffen als Programmpunkt passt, dann stellte Philliph Hauß noch fest, daß die nomierten Bücher alle zwei Themen behandlen würden „Heimat und Krankheit, also könne man ein „Heimat macht krank, daraus schließen und dann stellte er die Jury und die Stifter nämlich Benedikt Föger vom Hauptverband, Renate Anderl von der AK und Minister Gernot Blümel vor und befragte sie übers Lesen.

Dann kamen die Kurzlesungen und die Vorstellungen selbst, zuerst wurden die Debutanten aber nicht in alphabetischer Reihenfolge, sondern mit Marie Gamilschegg beginnend, vorgestellt „and the winner is Marie Gamilschegg“, die sagte etwas überrascht, sie hätte keine Preisrede vorbereitet, konnte die an sie gestellte Frage aber doch beantworten und dann ging es weiter mit den Shortlistnomiierten und da rätselte ich schon seit Tage, wer das wohl der Gewinner wäre?

Josef Winkler natürlich, obwohl mir die „Büglerin“ am besten gefallen hat, dann habe ich aber am Samstag und am Sonntag das Buch gelesen, das zum wiederholten Male in schöner Sprache dwen gleichen Inhalt hatte und dachte mir, da werden die Buchhändler wohl etwas dagegen habe, da sich das Buch vielleicht nicht sehr verkauft. Also doch vielleicht der Steinfest oder die Flasar, auf die auch Alfred tippte, den Jäger ließ ich aus, den Wisser, ich weiß nicht recht, aber dann stand er an erster Stelle und Josef Winkler in der Mitte and the Winner is….

Gratulation, gratulation. Er hat mir ja auch das Buch beziehungsweise das PDF verschafft, weil das von „Jung und JungQ an mich abschickte, offenbar verlorengegangen und einmal beim „Alpha“, als es auch hieß „and the winner is….“, habe ich an ihn gedacht, aber ann war es Eva Menasse, die aber den Öst schon im letzten Jahr  bekonnen hat.

Also ist „Königin der Berge“, das Preisbuch und ich frage mich, ob es sich besser als das des Winklers verkaufen lassen wird?

Wohl nicht wirklich, würde ich unken, gönne ihm aber seinen Preis, da ich seine Karriere beziehungsweise seinen literarischen Aufstieg schon ganz von Anfang an verfolgte, nämlich, als er, glaube ich, in einer fröhlichen Wohnzimmerlesung im Amerlinghaus sein bei „Ritter“ erschienes Buch vorstellte, das mir erstaunlich realistisch schien, so daß ich mich etwas überschätzend dachte: „Wenn er es schafft, müßte ich ja auch ein Buch dort unterbringen können!

„Welch ein Iirrtum Würde wieder Ernst Jandl sagen. Dann kam der „Bachmannpreis“, die „Alpha- Nominierung“, die Musa-Lesungen, der Wechsel von „Klever“ zu  „Jung“ und jetzt der dritte österreichische Buchpreis und bei der Verleihung kamen die Dankesreden und die Musik stammte, das habe ich jetzt fast vergessen von „Federspiel“.

Ein Buffet gab es auch und Gespräche, mit denen, die mit mir reden wollten, wie beispielsweise Robert Huez vom Literaturhaus, Christian Jahl von der Hauptbücher oder Ines Varga vom Kulturamt der Stadt Wien, die im MUSA immer den Wein ausschenkt, neben der ich gesessen bin, Robert Stocker vom Bund, dem ich vom „Ohrenschmaus“ erzählte und jetzt geht es zuerst weiter mit der einer europäischen Literaturpreisverleihung und dann mit der „Buch-Wien“, wo ich mich ja auch ein bißchen präsentieren werde.

2017-11-02

Alpha-Literaturpreis an Marie Luise Lehner

Birgit Birnbacher

Birgit Birnbacher

Marie Luise Lehner

Marie Luise Lehner

Und zwischen Nanowrimo-Marathon und Buch-Wien gab es wieder einen Alpha-Literaturpreis, das ist  jener Preis, den das Casino Austria seit 2010 für Nachwuchsautoren, die noch nicht mehr als drei Bücher haben in einer feierlichen Gala veranstaltet.

Damals,  als Thomas Stangl den Preis gewonnen hat, war das im „Literaturkompaß“ der Lliteraturzeitschrift „Buchkultur“ angekündigt. Ich bin hingegangen, habe das Buch bekommen und gelesen und das nächste Jahr um eine Einladung für die Berichterstattung für das „Literaturgeflüster“ gebeten, keine Antwort und als ich dann hinging, haben sie mich hinausgeschmissen.

„Wir laden Sie nächstes Jahr ein, diesmal haben wir keinen Platz haben sie gesagt!“, ich habe meine Visitenkarte hinterlassen, aber wieder keine Antwort, obwohl es in der Buchkultur wieder abgebildet war.

Ich habe das immer gebloggt und 2013 hat „Atalante“ darauf reagiert, der „Septime Verlag“ hat sich gemeldet mir ihre nominierten Bücher geschict und dann auch Torsten Leitgeb und seither klappt es mit dem „Alpha“ und ich bin jedes Jahr dabei um darüber zu berichten, denn ich interessiere mich ja sehr für den Lliteraturbetrieb.

2011 hat Ana Elisabeth Mayer mit Fliegengewicht den Preis gewonnen, das Buch hat mir dann ihr Vater geschickt, als sie den „Priessnitz-Preis“ bekommen hat.

2012 Michiko Milena Flasar dieses Buch muß noch zu mir kommen und seit 2013 hat es geklappt, daß ich eine Einladung bekomme und es darf sogar der Alfred mitgehen und fotografieren.

2014 hat Eva Menasse gewonnen und da habe ich mit bei Christian Jahl von der Hauptbücherei, der ja Jurymitglied ist, beschwert, daß ich es schade finde, daß da ein schon Großer gewinnt, obwohl das ja ein Nachwuchspreis ist.

2015 waren dann sowohl Valerie Fritsch mit ihrem damals sehrt gehypten „Winters Garten“ und Karin Peschka mit „Watschenmann“ nominiert und Karin Peschka hat gewonnen und im Vorjahr Barbi Markovic und nicht Katharina Winkler, wie ich eigentlich dachte.

Und für heuer waren Birgit Birnbacher mit „Wir ohne Wal“, Marie Luise Lehner mit „Fliegenpilze aus Kork“ und Anna Weidenholzer mit „Weshalb die Herren Seesterne tragen“ und ich dachte entweder Birgit Birnbacher oder Anna Weidenholzer werden gewinnen, den Marie Luise Lehner ist ja noch zu jung und studiert ja noch an der Sprachkunst, obwohl mich beide Bücher eigentlich nicht sehr überzeugt hatten.

Und dann ging es wieder zur Gala, das heißt, eine halbe Stunde Drinks im Foyer, ich stand bei Cordula Simon und ihrem Freund, a deren Tisch wir ja im Vorjahr geseesen sind und beobachte das Eintreffen der Prominez mit ihren Begrüungsküßchen.

Clarissa Stadler, Anna Weidenholzer

Clarissa Stadler, Anna Weidenholzer

Dietmar Hoscher, Marie Luise Lehner, Josef Ostermayer

Dietmar Hoscher, Marie Luise Lehner, Josef Ostermayer

Dann ging es los Clarissa Stadler moderierte wieder und zitierte irgendeine Statistik die nachwies, daß der Durchschnitt E- bookleser eine Frau und über vierzig ist, dann gab es wieder ein Filmchen über die Autorinnen, deren Bücher ich ja, wie auch 2015 alle schon kannte und eine Lesung, danach eine Musikeinlage und danach wurde der Sieger oder die Siegerin, denn  es waren ja drei Quotenfrauen nominiert und es wurde auch launig behauptet, daß Frauen offenbar besser schreiben, zumindestens die, die beim „Alpha“ geweinnen, verkündet.

„And the winner is… Marie Luise Lehner“, „Wui  die Jury traut sich was!“, habe ich gedacht.

Der Kinderpsychiater Paulus Hochgatterer, der Juryvorsitzender und möglicher österreichischer Buchpreisträger von 2017 hielt eine Laudatio, die deutlich machte, wie sehr einem Kinderpsychiater diese Vater-Tochter Beziehung beindrucken kann.

Aapplaus und Fots und nachher gutes Essen und Gespräche und danach im Foyer, wo man sich das Buch wieder mit nach Hause nehmen konnte, habe ich Therea Preis getroffen und ihr verkündet, daß bei mir bezüglich „Buch-Wien“ alles in Ordung ist und ich jetzt alles habe, was ich brauche.

„Fein!“, hat sie gesagt und ich hoffe, das gilt auch für as nächste Jahr, wenn der „Ohrenschmaus“ vielleicht dort nicht mehr liest, aber Theresa Preis erzählte mir auch von einer Umstrukturierung und, daß dann alles leichter werden würde, ich bin gespannt und gehe vorher wahrscheinlich in ein schreibintensivens „Nanowrimo-Wochenende“ damit aus mir literarisch vielleicht doch noch etwas wird.

2017-03-13

Tiere für Fortgeschrittene

Weiter geht es mit den Neuerscheinungen und  mit den Tieren. Denn „Kiepenheur & Witsch“ hat dieses Frühjahr gleich zwei Bücher herausgegeben, die „Tiere“ im Titel haben.

„Tierchen unlimited“ und „Tiere für Fortgeschrittene“ und der Unterschied ist, daß es sich bei Eva Menasse, um eine Erzählsammlung handelt und man könnte jetzt noch kritisch anmerken, daß ich mich eigentlich weder für Tiere noch für Erzählbände so besonders interessiere.

Aber ich bin eine Namensammlerin und wähle meine Lektüre bevorzugt nach den Autorennamen aus und Eva Menasse, die Halbschwester vom Robert, 1970 in Wien geboren, seit 2003 in Berlin lebend, kenne ich wahrscheinlich spätestens durch ihren Roman „Vienna“ für den ich eine meine ersten „Thalia-Rensionen“ geschrieben habe, die auch erschienen ist.

„Mit den „Quasikristallen“ hat sie den „Alpha“ und auch andere Preise bekommen und wie im Klappentext steht eine Sammlung mit skurillen Tiergeschichten, die sie in Zeitungen fand.

Grund genug daraus Geschichten zu schreiben, die das moderne Großstadtleben mit seinen Höhen und Tiefen beziehungsweise Alltagskurlitäten, die das Leben und das Sterben umfassen.

Das Buch ist dem 2014 verstorbenen Filmemacher Michael Glawogger gewidmet und im Anhang gibt es eine Liste, wo die Tierzitate erschienen sind.

„Schmetterling, Biene, Krokodil“ heißt die erste Geschichte und der Notiz ist zu entnehmen, daß Bienen und Schmetterlinge ihre Nahrung an seltsamen Orten finden, so setzten sie sich beispielsweise auch auf Krokodile, um deren Tränen aufzusammeln und dann kommt die Geschichte von einer Tom genannten Frau, die mit ihrem Sohn und den zwei Kindern ihres Mannes Georg in einer Patchworkfamlie lebt.

Eine Woche sind die beiden Kinder, Karo und Jonas bei der Mutter, die andere beim Vater und bei ihr und das führt zu Überlebenskämpfen, denn, die Mutter ist so unzufrieden und beschuldigt Tom immer die Kinder schmutzig oder unvollständig angezogen zurückzubringen, so daß sie alle ihre Kleider zweimal kaufte und in den Kleidungsstücken auch Erkennungszeichen angebracht hat. Jetzt geht es aber eine Woche in eine „Touristenfabrik“ in die Türkei, das heißt in einen all inclusive Urlaub ans Meer.  Aber Tom ist nicht gut drauf, ist doch gerade ihr Jugendfreund Martin gestorben und dann spricht sie in dem Hotel noch ein alter Mann an, der sie für seine Schwester hält.

Interessant, die Assoziationskette könnte man meinen und vielleicht nicht viele Übereinstimmungen finden, aber Eva Menasses Erzähleisterschaft, die aus „pointierten Witz, Geheimnis und melancholischen Ernst“ besteht, wird im Klappentext ausdrücklich gelobt.

In „Raupen“ geht es um die „Tabakschwärmerraupen“, die sich ungewollt selbst ihr Grab schaufeln und das erscheint wahrscheinlich jenem alten „Despoten“ als Ausweg, dessen Frau an Demenz erkrankt ist und der sich jetzt gegen die Veränderungen, wie Wohnungsumbau, Annehmen von Dienstleistern beziehungsweise Pflegehelfern zur Wehr setzt,  die ihm seine Töchter aufschwatzen wollen,  in dem er sich, in den zur Pensionierung geschenkt bekommenen Direktorensessel setzt, sich Pornofilme auflegt und an seiner eigenen Todesanzeige schreibt.

Und die „Igel“, die in den von Mc Donald`s erzeugten „Mc Flurry Eisbechern“ verhungern, tauchen dann in Geschichte drei, wo es, um ein Luxusweibchen geht, das nichts gelernt hat und nichts kann, als Champagner zu trinken und sich von ihrem erfolgreichen Ehemann aushalten zu lassen, tatsächlich auf.

Sie rettet einen solchen armen Igel in einem Luxushotel, wo das Paar, beziehungsweise, die Frau Urlaub macht, der Gatte mußte dazwischen zu seinen Aufsichtsratsitzungen und angelte sich einen Liebhaber  und hat  dabei höchstwahrscheinlich ein liebesleeres Leben, wie das bei den nichtberufstätigen Luxusweibchen eben so ist.

Zu den „Schafen“, die ihre Wolle selbst abwerfen, ist Eva Menasse eine bizarre Geschichte von einer Kolonie eingefallen, in die während oder nach einer Krise, vielleicht ist die Welt zusammengebrochen, eine Reihe von ausgewählten Wissenschaften und Künstlern eingeladen werden, um eine unbestimmte Aufgabe zu lösen. Schafe gibt es dort nicht, nur Blattläuse und Mücke, eine Katze, die man nicht füttern und Zitronen die man von bestimmten Stellen nicht pflücken darf.

In Amerika wurde einmal ein betrunkener Autofahrer dabei erwischt, daß er ein totes „Possum“ wiederbeleben versuchte, das läßt Eva Menasse jetzt einen bekannten Regisseur bei einem Reh machen und da ihre Protagonisten ja bevorzugt der Mittelschicht, den Intellektuellen, sowie den Reichen und den Schönen angehören, haben diese dann auch Probleme, wenn sie so offen und „multikulti“ sind, daß  sie ihre Kinder in eine öffentliche Schule geben wollen.

Wie das mit dem „Hai“ im „Haus des Meeres“ zusammenhängt, habe ich nicht ganz verstanden oder ja, denn der gehört dort eigentlich nicht hinein.

Das Kletterverhalten von „Schlangen“ bringt Eva Menasse zu einer komplizierten Beziehungsgeschichte, beziehungsweise einen Neuanfang, in dem ein abgeschlagenes Bein eines Tisches eine große Rolle spielt und, daß „Enten“ gleichzeitig schlafen, als auch nach Feinden Ausschau halten können, habe ich schon irgendwo gehört.

Eva Menasse macht eine Urlaubsreise daraus, die von Panikattacken und Flugangst gequälte Jenna fährt mit ihrem Mann Ben und dem Sohn Sammy im Auto auf Urlaub nach Italien. Dabei machen ihre Kleinhirnhälten gleich mehrere Arbeitsprozesse durch. Geht sie dabei doch in die Holocaustvergangenheit ihrer Familie zurück, während sie sie sich mit ihrem Mann beim Fahren abwechselt, den kleinen Sohn beruhigt und ihm schließlich ein Kuscheltier in einer Tankstelle kauft.

Grandiose Meisterleistung diese Verbindung von tierischen Eigenschaften zu menschlichen Schicksalen und ihren Neurosen, Ängsten, könnte man so sagen.

Manches war  für mich leicht nachvollziehbar, anderes, wie schon erwähnt, eher schwierig bis unverständlich und am Cover prangen neuen Käfer und schillern von grün bis rot in allen Farb-und Formnuancen, obwohl von Käfern in den acht Geschichten eigentlich auch nicht die Rede war.

2016-11-21

Internationale Erich-Fried-Tage

Im November finden ja meistens die „Erich Fried-Tage“ statt, beziehungweise wird da dann der „Erich Fried-Preis“ vergeben, manchmal gab es da Paralellen mit meinem Geburtstagsfest, auch mit der „Buch-Wien“ mit der „Literatur im Herbst“ hat es sich aber noch nie überschnitten.

Heuer hat es, was sich dann  nicht ganz so schlimm, herausstellen sollte, denn heuer ist ja alles anders und so wurden die „Fried-Tage“, die es seit einigen Jahren mit einem jährlichen Symposium gibt, am Samstag mit einer Ausstellung eröffnet, da war ich im „Odeon“  und am Sonntag gabs die Preisverleihung zeitgleich mit dem „Werkstattgespräch in der „Alten Schmiede“ zu „Echos aus Japan“, das ich versäumte, denn die Preisverleihung wollte ich mir gerne anhören, da ich ja, wie meine Leser wissen, solche sehr mag und auch regelmäßig besuche, vielleicht weil ich selber keine Preise bekomme und dann ist der Preisträger, der 1983 in Frankfurt am Main geborene, Leif Randt, von dem ich zum ersten Mal etwas hörte, als er beim „Bachmannpreis“ gewonnen hat, auch sehr interessant.

Ist er doch ein sehr schlagfertiger junger Mann, der seine Preisverleihung „einen interessanten Vormittag“ nannte, während er sonst am Sonntag eher schlafen würde und seinen Erstlingsroman „Leuchtspielhaus“, habe ich mir vor einem Jahr, in einer Trafik, um zwei Euro als „unverkäufliches Leseexemplar“ auch gekauft, in meinen Bücherbergen versenkt und noch nocht gelesen, vielleicht komme ich einmal dazu.

Beim Bachmannpreis hat er aus seinem zweiten Roman „Schimmender Dunst über Coby County“ gelesen, inzwischen ist noch der dritte Roman „Planet Magnum“ erschienen und die einzige Jurorin, die, wie das bei diesem Preis so üblich ist, ihn vorschlug, war Eva Menasse, von der ich „Vienna“ und „Quasikristalle“ gelesen hat, weil sie damit ja vor zwei Jahren beim „Alpha“ gewonnen hat, deshalb war auch Robert Menasse bei der Preisverleihung.

das heißt wahrscheinlich nicht nur deshalb, trat er doch am Abend bei der Tagung „Jüdische Kultur der Gegenwart“ auf, da war ich  im Odeon,  aber als ich in der Früh ins Literaturhaus gegangen bin, lagen schöne Bücher im „Wortschatz“ darunter Robert Mensasses „Schubumkehr“, jetzt bin ich zwar gar nicht sicher, ob ich das Buch nicht schon habe, habe es aber signieren lassen, finde ich es in meiner Leseliste, lege ich es am Montag  mit der taufrischen Unterschrift zurück, wenn ich zum „Round Table Gespräch 1“ ins Literaturhaus gehe.

Es ist mir auch vorgekommen, als wären weniger Leute im Publikum, wahrscheinlich die, die in der „Alten Schmiede“ beim „Werkstattgespräch“ waren, Gustav Ernst war aber da, Herbert J. Wimmer, Karin Invacsics und und…

Christel Fallenstein und Friederike Mayröcker, die früher gern zur Preisverleihung gekommen sind, nicht mehr, aber Julia Franck saß in der ersten Reihe und tritt ja am Montag bei den „Round Table Gesprächen, gemeinsam mit Robert Schindel auf, der auch im Publikum war.

Es kamen dann auch die Grußworte von Robert Stocker vom Bundeskanzleramt und vom deutschen Botschafter, Heinz Lunzer, der derzeitge Präsident der „Fried Gesellschaft“ stellte  Eva Menasse vor und fand für sie sehr launige Lobesworte.

dann kam die 1970 in Wien geborene, die derzeit in Berlin lebt und hielt ihre Laudatio, erklärte, daß es sich bei „Planet Magnum“ nicht oder nicht nur um einen „Science Fiction Roman“ handelt, wie der deutsche Botschafter meinte, da ist auch schon sehr viel Gesellschaftskritik dabei und Leif Randt hielt dann, wie er anmerkte, seine erste Dankesrede, für die er sich sehr bemüht hatte.

Erich Fried kam dabei nicht sehr vor, wohl aber die Texte des Autors, nämlich die, die er gerne schreiben würde und auch die Reisen um die Welt, die er im Rahmen des „Goethe Instituts“ macht und zu denen er, seit er einmal in Sibirien war, oft eingeladen wird.

Dann wollte er ein Video zeigen, das klappte aber nicht mit der Technik, so daß er die Frage stellte, ob die Leute nicht fernsehen würdenund was sie sonst am Abend machen?

„Bücher lesen!“, schrie einer aus dem Publikum und da sowohl Eva Menasse, als auch der Botschafter, den Fernseher in Betrieb setzen konnten, ging es mit der Rede weiter.

Danach gabs Sekt zum Anstoßen, ein bißchen Smalltalk und ich bin  ins „Odeon“ zum zweiten oder dritten Teil des „Japanischen Echos“ gegangen und da die „Fried Tage“ diesmal erst begonnen haben, ist es am Montag mit den Round Table Gesprächen zum „Jüdischen Leben“ weitergegangen und da hat es um fünf mit Edek Bartz, ein im Kasachtan geborener Musiker und Lektor an der angewandten Kunst, de rin Ostberlin geborenen Barbara Hongmann und Robert Schindel, moderiert von Doron Rabinovici zu der Frage „Erinnerung im globalen Zeitalter“ weitergegangen und die Erinnerungen sind der Holocaust, genauso, wie der Auszug aus Ägypten  und der Begriff Holocaust wurde auch erst in den Neunzehnsiebzigerjahren durch den gleichnamigen Film geprägt, an dem ich mich sehr gut erinnern kann, denn da bin ich ja einmal im Wienerwald spazierengegangen, habe am Cobenzel an einem Wirtshaustisch eine Reihe junger Männer in brauen Hemden sitzen geeshen, habe böse geschaut und gedacht, das wären Nenazis, später habe ich dann im Fernsehen gesehen, das waren Filmaufnahmen für die berühmte Serie.

Robert Schindel wurde in Wien. als Kind von jüdischen Kommunisten geboren, Barbara Honigmann, von der ich, glaube ich schon einige Bücher gelesen habe, von jüdischen Eltern, die nach dem Krieg nach Ostberlin zurückgegangen sind und die Diskussion schwankte zwischen Erinnerungen, dann gab es eine lange Pause, wo man sowohl ein Glas Wein trinken, als auch den Büchertisch betrachten konnte, ich bin aber wieder schon vorher beim Bücherschrank fündig geworden und habe dort zwei zum Thema passenden Bücher gefunden, nämlich Margot Kleinbergers „Als Kind in Theresienstadt“ und Eva Mozes Kor und Lisa Rojany Buccien „Ich habe den Todenengel überlebt-Ein Mengele-Opfer erzählt“ und habe mich darüber mit meiner Sitznachbarin und Volker Kaukoreit unterhalten.

Dann ging es von Ursula Seeber, der vorigen Leiterin der EXil-Bibliothek eingeleitet, weiter mit dem  zeitgenössischen jüdischen Literatur, die von zwei Lesungen, nämlich von Arnon Grünbergs „Mutermale“ und Deborah Feldmans „Unorthodox“ begonnen wurden.

Dann wurde darüber unter der Leitung von Bettina Banasch, die einen Essay von Mirna Funk, deren Debutroman „Winterende“ sich auch mit diesem Thema befasst, diskutiert und das war sehr interessant, denn die 1986 geborene Deorrah Feldman, die jetzt in Berlin lebt, ist in dem jüdischen Stettl Williamsburg in New York in einer orthodoxen Familie und mit Jiddisch aufgewachsen, hat sich dann davon distanziert und einen Roman darüber geschrieben und das Stück, das sie vorlas, beschreibt, wie sie sich den Talmud kauft und beim Lesen die erstaunlichsten Entdeckungen macht.

Arnolds Grünberg „Muttermale“, der in Amsterdam, als Kind aus Berlin stammender Eltern, 1971 geboren wurde, habe ich schon während meines „Frankfurtsurfens“ kennengelernt, da ja dort Holland das Gastland war.

Er lebt aber jetzt in New York und sagte in der Diskussion, daß er nicht in der Reihe zeitgenössischer jüdischer Literatur eingereiht werden wolle und, daß sich auch natürlich auch Nichtjuden mit diesem Thema beschäftigen können, wie auch er über mexikanische Lesberinnen schreiben würde dürfen und nicht gesagt bekommen wolle, daß er das nicht könne, weil er ein Jude ist.

Das ist ein Vorwurf mit dem ich ja auch öfter konfrontiert wurde, Chris Bader Zintzen hat mir mal gesagt, ich solle mich mit den Depressionen älterer Frauen und nicht mit Transgender beschäftigen und die Ruth, daß es sie stört, daß meine Protagonisten oft ausländische Namen haben, das war in der Schreibgruppe, als ich die „Bierdosengeschichte“ vorgetragen habe.

In der Diskussion im Literaturhaus war noch Julia Frank, die in Ostberlin geborene deutsche Buchpreisträgerin von 2007, deren „Mittagsfrau“ ich gelesen habe und die teilweise auch in Tel Aviv lebt und deren Sohn Hebräisch lernt, beteiligt und sie war sehr interessant, weil Arnon Grünberg und Deborah Feldman sehr unterschiedliche Ansichten hatten und am Dienstag geht es mit noch einer Round Table Runde und dann mit dem „Reden über Liebe oder dem literarischen Werk von Jeffrey Eugeniden“ im Akademietheater weiter, aber da werde ich nicht kommen können, da ich Christel Fallenstein in ihrer Seniorenresidenz besuche, um ihr aus „Paul und Paula“ oder auch aus etwas anderem vorzulesen und dann am Nachmittag zwei Stunden habe, so daß sich das nicht ausgehen wird.

2016-10-05

Die Erziehung des Mannes

Ein Mann mit fünfundsechzig blickt zurück auf seine Leben, das kann doch nicht alles gewesen sein und das, ich bin noch nicht so weit, ist vorüber, jetzt sind die Kinder erwachsen, die ersten Beziehungen geschieden, die Jugendliebe wieder da, da Leben ist gelungen und das Todesdatum wird immer weiter hinausgeschoben.

Michael Kumpfmüllers „Die Erziehung des Mannes“, Buch vierzehn auf meiner Longleseliste, das ich schon in Leipzig auf dem blauen Sofa hörte, ich glaube beinahe zeitgleich mit Peter Stamms „Weit über das Land“, das als Buch achtzehn und vorläufig letztes der dBp-Bücher an die Reihe kommen wird, ist ein leises Buch, das Buch eines stillen Mannes, eines Zauderers und Sensiblen, der am Schluß doch noch alles auf die Reihe bringt oder solches zumindest von sich behauptet und wenn man von Michael Kumpfmüllers Geburtsdatum 1961 ausgeht, der Sohn eines Achtundsechziger, der in Zeiten studierte und sozialisiert wurde, wo es schon die Frauenbewegung gab und die Frauen sich emanzipierten, obwohl die Mutter den despotischen Vater noch fragen mußte, ob sie arbeiten gehen darf?

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im Ersten ist Georg Musikstudent und lebt seit sieben Jahren mit Kathrin zusammen, zu der er, was ich ungewöhnlich finde, keine sexuellen Beziehungen hat, als er Jule oder Julinka in einem Seminar kennenlernt.

Eine Beziehung zu ihr, die Lehramt studiert, entwickelt sich, die von Anfang an, ein wenig schiwerig ist, so betrügt sie ihn mit einem Arzt, will dann Kinder von ihm, vorher hat sie schon einmal abgetrieben und als Georg sie mit Sonja, einer Cellistin betrügt, wirft sie ihn hinaus. Da gibt es schon Kinder, die altkluge oder ebenso sensible Greta und, die um ein paar Jahre jüngeren Zwillinge.

Im zweiten Teil geht es zurück ins Elternhaus, zum despotischen Vater, der nie zu Hause ist, die Mutter ständig betrügt, als Abteilungsleiter im Unterrichtsministerium Entscheidungen trifft und obwohl er selbst für den Krieg zu jung war, die Kinder zu Anstand und Sitte erzieht, so muß der Sohn mit ein paar Büchern unterm Arm Mittagessen, und wenn die Kinder der Freunde beim Essen schmatzen, bekommen sie die Ohrfeigen, die Mutter steht daneben und kann sich nicht wehren. Die Schwester Ruth rebelliert und hat in der Pubertät grüne und blaue Haare, Georg ist der brave, entscheidet sich dann aber doch gegen des Vaters Willen in Freiburg Musik und nicht Jus zu studieren.

Im Teil drei lebt er mit Sonja, der die musikalische Karriere gelungen ist und die die meiste Zeit des Jahres auf Konzertreisen ist, es gibt den Rosenkrieg mit Jule, die die Kinder gegen den Vater ausspielt.

Die verbringen die Zeit abwechselnd bei beiden Eltern und werden dadurch überfordert, Greta fängt zu lügen und zu stehlen an, die Zwillinge gehen nicht mehr in die Schule, es muß etwas geändert werden. Jule hat Georg schon früher zu einer befreundeten Paartherapeutin geschleppt, mit der sie ihm dann gemeinsam sagt, was für ein Schuft er ist.

Sonja hält die Überforderung durch die Kinder nicht aus, das eigene hat sie verloren, verläßt ihn später und er bleibt zurück.

Die Kinder werden erwachsen, Greta studiert Mathematik und wird Lehrerin werden, Lotte wird Schauspielerin und bekommt ein Kind, Felix hört zu schreiben auf und Georg trifft nach einer Krise Therese wieder, mit der noch vor dem Abitur, die erste Beziehung hatte.

Jetzt zieht er mit ihr zusammen, der Kreis schließt sich und die männliche Sozilisation in Zeiten der Krisen und der Frauenbewegung ist abeschlossen.

In diesem Fall glücklich und erfüllt und Georg, seine Symphonien und Konzerte werden auch aufgeführt, hat sein Ziel erreicht.

In vielen anderen Fällen wird es anders sein und Michael Kumpfmüller, der, glaube ich, mit Eva Menasse zusammen ist oder war, ist ja noch zehn Jahre jünger, als sein Held,  hat ein leises Buch geschrieben, das viel über die Mittelschichtmänner, die Softies, die vielleicht von Nazivätern aufgezogen wurden und im Laufe ihres Leben ihre Träume und Iedalen verloren oder aber wiederfanden, beziehungsweise immer hatten, erzählt.

Unterschiedlich ist die Rezeption natürlich, Tobias Nazemi fühlt sich darin angesprochen, die Frauen haben dagegen  mehr Schwierigkeiten und sehen es anders und mir hat es eigentlich gefallen, obwohl ich am Anfang auch dachte, da passiert ja nichts und der gute Georg ist ein ziemlicher Zauderer.

Also ein interessantes Buch, das den Männern und den Frauen vor und nach der Midlifekrise sehr zu empfehlen ist.

Von Michael Kumpfmüller habe ich übrigens schon „Nachricht an alle“ gelesen, das mir glaube ich, nicht so gefallen hat.

2016-04-19

Eine Gedenktafel für Soma Morgenstern

Den Namen Soma Morgenstern habe ich, glaube ich, 2007 oder 2008 zum ersten Mal gehört, als es im Literaturhaus eine große Joseph Roth Ausstellung gab. Da wurde er, beziehungsweise die Biografie, die er über ihn verfaßt erwähnt.

Das habe ich dann auch ein bißchen in der „Radiosonate“, die ich 2008 geschrieben habe, verarbeitet und irgendwie ist der Morgenstern Roman „Der Tod ist ein Flop“zu mir gekommen, beziehungsweise steht er in meinem Bibliothekskatalog.

Ich kann mich aber gar nicht mehr daran, daß ich ihn gelesen habe. Der Name hat sich mir aber eingeprägt und so war ich auch sehr interessiert, als ich im Programm der „Gesellschaft für Literatur“ lesen konnte, daß zum vierzigsten Todestag, des aus Ostgalizien stammenden jüdischen Schriftstellers, eine Gedenktafel an dem Haus in der Belvederegasse Nummer 10, in dem er von 1934 – bis März 1938, wo er emigrieren mußte, wohnte und das auch zufällig das ist, in dem die „Auge-Weihnachtsfeiern“ stattfinden, enthüllt wird.

So ein Zufall und wieder ein Stückchen mehr über das Wien vor achtzig Jahren und die Bigografien, der nicht so bekannten Schriftsteller, erfahren, das mich ja sehr interessiert. Bei der Gedenktafelenthüllung von Veza Canetti in der Ferdinandstraße, bin ich vor drei Jahren gewesen und Erika Mitterer hat eine in der Rainergasse und das ist ja die Verlängerung der Belvederegasse.

Über Joseph Roth, mit dem er befreundet war, gibt es ja jedes Jahr Veranstaltungen im Literaturhaus.

Soma Morgenstern, der 1890 geboren wurde und in New York starb, muß erst eintdeckt werden, betonte Manfred Müller bei der Enthüllung dann auch und erzählte, daß Georg B. Deutsch, die Idee zu der Gedenktafel hatte.

Er ist vor einem Jahr damit zu ihm gekommen, hat dann das Geld dafür aufgetrieben. Schriftsteller, wie Karl Markus Gauss, Andre Heller, Eva und Robert Menasse, Doron Rabinovici, Robert Schindel, aber auch Barbara Rett, der Hausherr und andere, haben sich beteiligt und nun ist die in Amerika lebende Familie, der 1929 geborene Sohn Dan zum Beispiel, nach Wien gekommen, um der Enthüllung beizuwohnen.

Soma Morgenstern ist 1912 zum Studium nach Wien gekommen, hat dann in sechundzwanzig Jahren fünfundzwanzig Wohnungen gehabt. Er war auch, glaube ich, eine Zeit in Berlin und war Korrespondent einer Frankfurter Zeitung und hat die Jahre in der Belvederegasse, als sehr glückliche bezeichnet.

Am Abend gab es dann noch  eine Gedenkverantaltung im Jüdischen Museum, die Morgensterns Wiener Jahre und seiner Flucht ins Exil gewidmet war.

So erzählte Georg B. Deutsch, der auch eine „Morgenstern-Homepage“ hat, über die Wiener Jahre und der Schauspieler Peter Matic las ein paar Stellen aus den entsprechenden Büchern vor.

Es gibt glaube ich eine elfbändige Werkausgabe, die zum größten Teil erst nach dem Tod von Morgenstern erschienen ist.

Morgenstern war, wie schon beschrieben mit Joseph Roth, aber auch mit Alban Berg befreundet, über beide hat er Biografien geschrieben und Joseph Roth, der von sich behauptete, unmusikalisch zu sein, hat er auch ein Lieblingslied beigebracht. Das wurde dann auf Deutsch gelesen und auf Jiddisch gesungen und nach der Emigration ist es für Morgenstern nach Frankreich gegangen, seine Frau ist mit dem Sohn dagegen zuerst nach Dänemark geflüchtet, bevor sich die Familie in New York wiederfand.

Es hat  einen Vortrag über Morgenstern in Frankreich von dem französischen Germanisten Jaques  Lajarrrigue gegeben.

Dann kam der Sohn, der ein bekannter Jazzforscher war und berichtete, daß er nach achtundsiebzig Jahren, die Wohnung, in der er seine Kinderjahre verbrachte, wiedergesehen hat.

Die hatte sechs Zimmer, im Badezimmer gab es ein Fenster, von wo aus man den Kahlenberg sehen konnte und Alban Berg hat dem kleinen Dan, die ersten Jazzplatten geschenkt.

Sehr interessant, denn jetzt wurde mein Morgenstern Interesse wieder geweckt und ich werde mich wohl auf die Suche „Der Tod ist ein Flop“ machen, obwohl ich ja bezüglich meines „Work in progress“, einen Stefan Zweig Schwerpunkt, der auch mit Soma Morgenstern berfreundet war, einlege und jetzt gerade „Die Ungeduld des Herzens“ lese, die mich sehr beeindruckt hat.

2016-02-24

Israelische und palästinesische Spannungsfelder und Konflikte

Norbert Gstrein hat einen neuen Roman geschrieben „In der freien Welt“, der gerade erst erschienen ist und der heute Morgen im Morgenjournal vorgestellt und wahrscheinlich angekündigt wurde, daß daraus am Abend in der „Alten Schmiede“ gelesen wird. Das habe ich zwar ein wenig verschlafen, mir aber gedacht, daß ich früher hingehen soll, weil vielleicht viele Leute kommen werden. War aber nicht so, ein Platz in der ersten Reihe war jedenfalls noch frei und Kurt Neumann leitete, das neue Buch dann lange und umständlich ein.

Daß es um den israelisch palästinenischen Konflikt, beziehungsweise die Kriege dort, geht, habe ich schon im Morgenjournal mitbekommen und auch gewußt, daß der 1961 in Tirol geborene Norbert Gstrein, bekannt für seine provokanten Themen, beziehungsweise Spannungsfelder ist, so hat er auch über den Jugoslawienkrieg geschreiben und wurde, glaube ich „Beim Handwerk des Tötens“ angegriffen, daß man so nicht über den Krieg schreiben darf, hat über das Haus „Suhrkamp“ einen Schlüßelroman geschreiben, den ich mit Vergnügen gelesen habe, seine ersten beiden Bücher waren, glaube ich, experimentell und bei „Selbstportrait mit einer Toten“ geht es, glaube ich, um den Wiener Literaturbetrieb, mit „Eine Ahnung vom Anfang“ ist er auf LL von 2013 gestanden und den „Wildganspreis“ hat er auch bekommen.

Ich habe einiges von ihm gelesen, die „Englischen Jahre“, wo ich auch einmal bei einer Lesung im Literaturhaus war, stehen auf meiner Leseliste und jetzt also der israelisch-palästinensiche Konflikt.

So ganz habe ich bei der Einleitung von Kurt Neumann nicht ganz verstanden, worum es in dem Buch geht, er erzählte jedenfalls von einem amerikanischen Schriftsteller namens John, der Jack gerufen wird, der, Sohn einer jüdischen Mutter, um etwas Nützliches zu tun, nach Israel zuerst in den Kibuz und dann in die Army geht, danach in Amerika verkommt, trinkt, im Untergrund lebt und einen anderen österreichischen Schriftsteller namens Hugo kennenlernt.

Ein Festival in Gmunden gibt es auch und Hugo schreibt einen Schlüßelroman. Der eine hat dem anderen eine Freundin weggekommen, deshalb sind sie Freunde geworden, sagte Kurt Neumann. Da kannte ich mich schon nicht mehr recht aus, daß John bei einem Attentat ums Leben kam und Hugo über ihm schreiben wird, hat er auch erwähnt und noch hinzugefügt, daß er jetzt auf etwas vergessen hätte, da hat ihm das Publikum unterbrochen und gesagt, daß sie das selber lesen wollen.

Ja, ja, das Spoilern, was ich ja auch so gern betreibe, gilt als  inzwischen als Unart und „Amazon“ streicht, glaube ich, solche Kritiken hinaus, Kurt Neumann hat sich aber nicht unterbrechen lassen, weil Norbert Gstrein aus dem zweiten oder dritten Kapitel seines Buches lesen wollte, das aus drei Kapiteln und einen Epilog besteht und dann würde man es nicht mehr verstehen.

Norbert Gstrein hat dann auch ziemlich hinten mit einer Stelle, wo John, dem Hugo sagt, daß er alles über ihm, aber ein gutes Buch schreiben soll, denn was hat er davon, wenn er ein Held ist und das Buch ist schlecht und sich dann etwas nach vorn und wieder zurück gelesen.

Eine Stelle, wo Hugo in Amerika in eine Buchhandlung kommt und einen Nachruf auf den toten Freund halten soll und da von einem nackten drogensüchtigen Mädchen erzählt, das er gerettet hat und das  später die jüngste Physik Profesorin von Tel Aviv wird und dann noch eine Stelle, wo Hugo nach Israel fliegt und im Flugzeug von einer pensionierten Lehrerin angesprochen wird, die ihm erzählt, daß sie leider keine Jüdin wäre, aber gern und oft nach Isreal fliegt, worauf er ihr erzählt, daß er ein Eisverkäufer wäre, der den Israelis besondere Sorten andrehen will.

Nachher hätte es laut Programm eine Gespräch zwischen Norbert Gstrein und Kurt Neumann geben sollen, der war aber vielleicht  beleidigt, jedenfalls hat er das Wort an das Publikum weiter gegeben und seltsamerweise haben sich mehrere Damen, darunter Evely Holloway gemeldet den Autor angegrifen, warum die Frauen bei ihm so schlecht wegkämen und warum er meint, daß die jungen Leute glauben, alle Juden umarmen zu müßen, um die Schuld ihrer Väter und Großväter gutzumachen, worüber sich Gstrein, glaube ich, lustig machte.

Auch, daß sich John für seine Schwäche schämt und stark sein will, um sich zu wehren, wurde kritisiert, was mir aber ebenso logisch, wie Norbert Gestrein erscheint, der mit den Angriffen erstaunlich locker umzugehen wußte, da habe ich bei Daniel Kehlmann ja schon einmal etwas anderes erlebt und auf die Frage, wieviel er für das Buch recherchierte, erzählte, daß er einen Schriftsteller und einen Journalisten als Berater gehabt hätte, die in dem Buch auch vorkämen und, daß er nicht unbedingt von dem israel palästinensichen Konflikt schreiben hätte wolle, sondern daß sich das im Lauf des Schreibens so ergeben hätte.

Er las dann noch ein Stück, nämlich von einer Literaturveranstalterin in Bad Ischl, die unbedingt Philip Roth zu ihren Lesungen einladen will, der aber ablehnte, weil er nicht in Deutschland oder Österreich lesen beziehungsweise von ihr umarmt werden will.

Ein spannender Roman und eine  interessante Lesung, denke ich, die ich bezüglich Norbert Gstrein bisher vielleicht ein wenig skeptisch war, spannend auch, ob ich das Buch einmal finden werde und ob es auf die neue LL kommt, aber ich habe ja noch die „Englischen Jahre“ und auch einiges andere zu lesen.

Das Buch passt auch sehr gut zu der gestrigen Veranstaltung, denn ich interessiere mich ja sehr für den Holocaust und die Zeitgeschichte, obwohl ich keine Schuldgefühle habe und eigentlich nicht so viel umarmen will.

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