Literaturgefluester

2016-09-19

Rauschzeit

Nun Buch zehn und das ist ein Flop, könnte man so flapsig bloggen, nein, tue ich natürlich nicht, denn der 1954  in Meßkirch geborene Arnold Stadler hat ja den „Büchner-Preis“ bekommen und sein Name verfolgt mich schon seit einiger Zeit mit dem Geruch von Ansehen und Reputation, ich hab ihn, glaube ich, auch einmal bei „Rund um die Burg“ gehört, mit Alex Steger verwechselt, ja meine legasthene Ader, die meine Leser zur Verzweiflung bringt und mich manchmal auch ein t vergessen läßt. Der „hinreißende Schrotthändler“ steht noch auf der heurigen Leseliste und ich werde ihn höchstwahrscheinlich nicht mehr schaffen, denn mein zehnten LL „Rauschzeit“ ist elendslang.

Fünfhundertvierzig Seiten, dabei könnte man das, was darin geschieht auf einer Seite zusammenfassen. Der Klappentext tut das auch und eigentlich hätte man dann schon alles gelesen und was den „Titel“ betrifft, so habe ich ihn, glaube ich, nicht ganz verstanden, denn mich haben die zwei Tage von Mausi und Alain eher gelangweilt, als in einen Rausch versetzt und mir gedacht, das kenne ich doch alles schon, einiges, weil ja auch in den Fünfzigerjahren geboren und in den Siebzigern studiert, habe ich auch selbst erlebt, nicht alles natürlich, denn das, was da vielleicht auf die SL kommt, würde Tobias Nazemi wahrscheinlich als „Altherrenprosa“ bezeichnen und vielleicht auch aufstöhnen, nicht schon wieder dasselbe von der der Liebe und dem Tod und zu lang ist es außerdem.

Also es geht um das Glück, das hat die jüngere Anna Weidenholzer viel kürzer zusammengebracht, sie hat aber auch noch nicht soviel Lebenserfahrung und um zwei Tage im Juni 2014 eines mittelalten Ehepaars. Sie sind vierzig und reden schon vom Sterben, da setze ich als über Sechzigjährige etwas aus, aber Arnold Stadler ist ja auch nicht viel jünger und bei „Amazon“ hat einer entdeckt, das manches, was in dem Buch vorkommt, erst zwei Jahre später geschehen ist.

Alain und Mausi, die eigentlich Irene heißt, sind ein mittelaltes, intellektuelles Mittelschichtehepaar, wohnen in Berlin und er, Alain fährt auf einen Übersetzerkongreß nach Köln, sie soll mit Freunden in die Oper „Toska“, eine „Folteroper“, wie Stadler lang ausführt, gehen.

Das wäre es eigentlich schon, nun ja die Spannung und die Handlung, er trifft dort eine Jugendliebe wieder, die ihm 1983 bei einem gemeinsamen Meeresaufenthalt, der damaligen Clique mit einem Mann davon gefahren ist, sie trifft einen Dänen in der Oper und bleibt eine Nacht lang wach und betrinkt sich, um seine Telefonnummer zu erfahren.

So weit, so what und eigentlich schon alles, weil man ja auch nicht spoilern soll.

Auf den fünfhundertfünfzig Seiten und den sechs Teilen, die meistens abwechselnd Kapitelüberschriften, wie Mausi und Alain tragen und dann gibt es noch einen zweihundert Seiten Teil, wo Alain von seinem Leben erzählt, passiert trotzdem noch sehr viel, es gibt aber auch sehr viele fast Bernhardsche Wiederholungen, vom World War I und II wird erzählt,  es ist auch eine deutsch französische Freundschaft oder Familie und die Paare, die sich auseinandergelebt haben, so leben Mausi und Alain in zwei Wohnungen mit Verbindungstür nebeneinander, ja die Mittelschicht kann es sich leisten, sind auch familiär verbunden, so tauchen überall Tanten und Erbschaften auf.

Es geht nicht nur, um das Glück sondern auch um den Tod, so hat sich Elfi, eine Freundin aus der damaligen Clique auch umgebracht und die Vierzigjährigen reden schon alle übers Sterben, haben Patientenverfügungen, die Arnold Stadler seltsamerweise irgendwie mit Sterbehilfe und „Dignitas“ in Verbindung bringt oder ist das Ironie?

Aber ein Longlistenbuch sollte schon fachlich stimmen und nicht vielleicht Voruteile und Ängst schüren und verstärken. Gibt es jetzt gar nichts Postives an dem Buch, von dem ich mich wundere, daß es auf der LL steht, weil es mich nicht sehr berührte und auch nicht viel Neues bietet, was ich bei der anderen  Dichter-Altherrenclique nicht schon gelesen hätte?

Doch natürlich, die schöne Sprache, deshalb ist es ja wahrscheinlich auch darauf, in der es immer wieder schöne Sätze und poetische Neuwendungen gibt.

Ich habe also endlich mal einen Arnold Stadler gelesen, freue mich auf den „Schrotthändler“ und mache mit Sibylle Lewitscharoff weiter. Die Halbzeit ist beendet und die Shortlist steht ja auch schon fest.

2019-10-12

Buchpreisaufregungen

Filed under: Buchpreisbloggen — jancak @ 13:20
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Ich lese ja derzeit das fünfte Mal die deutschen Buchpreisbücher, das vierte Mal die des Österreichischen und heuer zum ersten Mal die Schweizer Buchpreisbücher und bin dazu gekommen, weil mich ja das Lesen und die Bücher sehr faszinieren.

Ich schreibe immer wieder, bis 2008 ist der Deutsche Buchpreis so ziemlich an mir vorbeigegangen, da habe ich beim Kochen und beim Abwaschen in Ö1 vielleicht davon gehört und mir gedacht, „Aha!“, interessant.

2008 als ich mit dem Bloggen angefangen habe, hat es Christiane Zintzen mit ihrem Blog „Indadäquat“, den es schon lange nicht mehr gibt, vorgestellt und auch  auf dieses Leseprobenbüchlein hingewiesen. Damals gab es auch in der FAZ, glaube ich, ein „Deutsches Buchpreis-Spezial“, wo die Bücher vorgestellt und von Literaturkritikeren diskutiert wurden.

2009 bin ich in Wien und St. Pölten dem Leseprobenbüchlein nachgejagt, bin dann irgendwann auf „Buzzaldrins-Blog“ gestoßen, der 2013 die Aktion „Fünf lesen vier“ oder „Vier lesen fünf“ ins Leben gerufen hat.

Daraus ist das „Buchrpreisbloggen“ geworden, wo es 2015 sieben offizielle Blogger gab, die sehr stolz darauf waren, ausgewählt worden zu sein.

„Das kann doch jeder machen!“, habe ich trotzig gedacht, die Bücher angefragt, bin in Buchhandlungen gegangen, habe mir vom Alfred die Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke früher kaufen lassen, mir zwei der Bücher vom Otto ausgeborgt, etcetera.

Damals hat es auch das Buchpreistagebuch oder die Longlistnotizen gegeben, denn ich habe mein inoffizielles Buchpreisloggertum sehr ernst genommen, bin damit vielleicht auch den offiziellen Bloggern auf die Nerven gegegangen, denn eine hat meine Kommentare gelöst und gemeint ich solle sie in Ruhe lassen!

Aber mir hat das Bloggen Spaß gemacht, ich habe mir gedacht, in Buchhandlungen setze ich mich nicht mehr, borge mir auch nichts mehr aus, sondern frage an und was kommt wird gelesen, das waren 2016 neunzehn Bücher, aber da gab es schön die österreichische Buchpreisliste und das Lesen wurde ein bißchen Streß oder nicht wirklich, aber die Kritiker, die es ja sicher gibt, könnten das vielleicht so sehen.

Heuer gibt es, weil wir ja nach Basel fahren das dreifache Buchpreisbloggen und da ich vorher in Locarno war, habe ich mit dem deutschen Buchpreislesen erst im September angefangen, bin jetzt beim dreizehnten Buch, habe alle auf meiner Liste, weil man die jetzt ja auch bei der „Netgalley“ anfragen und sich als E-Books schicken lassen kann.

Das Longlistentagebuch und die Glossen darüber sind auf die Art und Weise ein wenig rar geworden, weil ich ja auch zu Veranstaltungen gehe, meine Praxis mache, mir die „Ohrenschmaustexte“ angesehen habe, etcetera, was ich ein wenig schade finde und auch im Netz tat sich heuer weniger, weil es jetzt ja statt den offiziellen Bloggern, die „Buchpreispaten“ gibt.

Da lesen zwanzig Blogger je ein Buch und rezensieren es anschließend, aber es gibt natürlich die „Buchpreisaufregungen“ und das ist ja, glaube ich, auch was der „Börseverein des Buchhandlels“ mit seinem „Deutschen Buchpreis“ will, eine Diskussion über die Bücher von denen dann vielleicht das eine oder andere zu Weihnachten unterm Christbaum für die Frau oder Schwiegermutter landet und dann, wenn man Glück hat, ein paar Tage später noch originalverpackt im offenen Bücherschrank.

Ich denke, obwohl darüber viel diskutiert wird, es gibt keine Regeln, was der deutsche Buchpreis darüber hinaus will, als auf die Bücher aufmerksam zu machen und ich denke auch keine Vorgaben, an die Juroren, wie sie sie sich zu entscheiden hätten.

Das halte ich für ein Gerücht, auch wenn man das im Netz immer wieder findet, was der deutsche Buchpreis bewirken soll? Er ist kein Literaturpreis, wie der „Büchner-Preis“ wahrscheinlich, sondern, wie schon der Name sagt, ein „Buchpreis“ den der Börseverein gestiftet hat.

Früher hieß es für den besten Roman. Das „Beste“ wurde jetzt geweggelassen, wahrscheinlich nicht deshalb, weil ich immer wieder montierte, daß das nicht der beste Roman sein kann, weil die Geschmäcker ja verschieden sind und man Bücher auch nicht vermessen kann und höchstwahrscheinlich nicht wirklich vergleichen.

Die Kritiker haben aber deshalb die Frage aufgeworfen, ob da nicht vielleicht auch ein schlechter Roman nominiert werden könnte und, ob sie sich dann überhaupt noch in eine Jury setzen sollen, wo es vielleicht auch ein oder zwei Buchhändler gibt, die ihre Rolle darin verstehen, ein möglichst gut lesbares Buch, was auch verkauft wird, hinauszupushen.

Diese Diskussion ist nicht neu und sie wurde sicher nicht von Petra Hartlieb, der engagierten Wiener Buchhändlerin und Kämpferin gegen „Amazon“ angeregt, denn es gab sie schon 2013, als es noch das „Fünf lesen vier“ oder umgekehrt gb und da Reinhard Jirgl mit seinem „Nichts von euch auf Erden“ auf der Shortlist stand.

„Ein unlesbaren Buch!“, kommentierten die Blogger und befürchteten, daß es den Preis gewinnen würde. Hat es nicht und 2015 als ich das erste Mal inoffiziell den „Buchpreis“ bloggte, gab es die Diskussion bezüglich Ulrich Peltzer und die „Klappentexterin“, eine Buchhändlerin und „Buchpreisbloggerin“ hat genau das mentiert: „Da sind Bücher auf der Liste, die  Leute nicht lesen und nicht kaufen wollen!“

Das gibt es also, beobachte ich, jedes jahr, 2017 war es Thomas Lehr mit seiner „Schlafenden Sonne“, heuer Ulrich Maess mit den „Gelenken des Lichts“, ein Buch, was ich ja schon geschrieben habe, von den zwölfeinhalb, die ich bis jetzt gelesen habe, für das beste halte, das aber nicht auf der Shortlist steht, denn heuer stehen da drei Debutanten darauf und insgesamt waren es sieben und die großen Namen fehlten eigentlich und auch, was ich eigentlich gut finde, die Romane der Midlifekrisismänner, die ihre Probleme mit dem Sex und den Älterwerden beklagen.

Zufall oder nicht, in der Jury gibt es jedenfallls zwei Buchhändler, eine davon ist Petra Hartlieb, wie schon erwähnt. Dann noch Daniela Strigl, die österreichische Literaturkritikerin und wahrscheinlich noch vier andere Literaturkritiker und die Diskussion, die heuer im Netz ein wenig schwach war, nur drei Blogger haben das Longlistbüchlein durchgesehen und zwei weitere je drei Bücher gelesen, wurde schon im August begonnen.

Ich habe auf den O- Tönen davon mitgekommen, denn das Stand ja „Miroloi“ darauf, ein Jugendbuch, ein Fantasie oder dystopischer Roman. Kann und darf das sein?

Die Diskussion ebbte wieder ab, immerhin hätte Karen Köhler ja auch beim Bachmnnpreis lesen sollen und jetzt, während wir langsam in Richtung der montaglichen Preisvergabe schielen und ich mich frage, wer wird es werden  wird?

Sasa Stanisic, den ich noch nicht gelesen habe, Norbert Scheuer, der mir nicht gefallen hat oder Raphalela Edelbauer, die bei beiden Preisen auf der Shortlist steht oder doch die drei anderen, zwei Debuts und Jackie Thomaes „Brüder“, hat sich Petra Hartlieb zu Wort gemeldet und in der „Presse“ einen Bericht über ihre Jurorenerfahrungen veröffentlicht, der wieder etwas Staub aufwirbelete, obwohl ich gleich schreiben kann, daß er sehr sehr harmlos ist und nicht einmal das, mit den zu schwierigen Büchern wirklich thematisiert, aber die Kritiker wie man lesen und hören kann, sehr stark empörte!

Stehpah Teichgräber hat mich am vorigen Mittwoch bei seinem Workshop auf den Bericht aufmerksam gemacht, das heißt, er hat ihn erwähnt, dann hat mir der alfred etwas davon geschickt. Der Artikel war im Netz aber nicht kostenlos zu lesen, da gab es nur ein Video von einem Kritiker mit der Überschrift „Ist der dBp eine Mogelpackung?“, der sich empörte, daß Petra Hartlieb in einem Satz geschrieben hat, daß sie dieses Frühjahr eine Unmenge Bücher gleesen hat, die sie nicht verstanden  und höchtwahrscheinlich nicht verkaufen kann!

Nun habe ich, weil ja alles streng geheim und ich mir nicht die Zeit nehme die Neurerschungen diesbezüglich durchzugehen, welche zwei Bücher, die Mitgliedsverlage vielleicht vorschlagen könnten, die an die zweihundert Nominierungen nicht gelesen, nur ein paar davon wahrscheinlich und da ja auch, wie ich es seit ein paar Jahren mache, eine persönliche Prognose gegeben.

Von den zwölfeinhalb Büchern die ich bis jetzt gelesen habe, war aber nur eines schwierig zu lesen und das ist, wie schon beschrieben, das was ich bis jetzt für das beste halte und von seinem Buchpaten auch schon angefragt wurde, für wen das Buch jetzt außer für Germanisten sein soll?

Die Kritiker haben sich empört, daß Petra Hartlieb da aus dem Nähkästchen des Jjurorenlebens geplaudert hat, „Darf sie das?“, gefragt und sie, was ich für sehr empören halte, als unqualifizere Buchhändlerin soll sie den Mund halten oder so gemeint.

Dabei hat sie, glaube ich, als Literaturkritikerin gearbeitet, Bücher geschrieben und war glaube ich auch in der ersten öst Jury und hat da bedauert daß sie Friederike Mayröckers Bücher nicht verkaufen kann, aber die hat ihren Fankreis und ihre Bcher sind seltsamerweise selten im Schrank zu finden.

Petra Hartlieb ist, glaube ich, wie eigentlich zu erwarten, der Meinung daß es ihre Aufgabe als Jurorin ist, zu versuchen möglichst viele Bücher, die sie für gut hält, bekannt zu machen und das ist es, glaube ich, auch.

Lade ich einen Buchhändler in die Jury, wird der vorschlagen, was ihm gefällt und habe ich zwei Buchhändler und fünf Literaturwissenschaftler, werden sich die zwei immer noch schwer tun, gegen die fünf anzukommen und so ist und war es auch, denn sonst hätten wir ja in den letzten Jahren noch mehr schwer lesbare Bücher auf der Shortlist gehabt und wir hatten immer nur höchstens eines.

Interessant also, daß jetzt so gegen Petra Hartlieb hergefahren wird und der Preis sogar in Frage stellt wird!

Der Börseverein sieht es, glaube ich, gelassen und ich halte die heurige Buchpresliste, wie schon erwähnt für sehr gut. Die ewigen „Midlifekrisesbücher“ fehlen, dafür gibt es sechs Österreicher, sieben Debuts, zwei Bücher über die Mondlandung, die ich noch nicht glesen habe und wieder viel über die DDR, die mich ja, weil ich sehr politisch bin, auch sehr interessiert.

Ob die Diskussion über den „Deutschen Buchpreis“ wirklich durch Petra Hartliebs Erfahrungsbericht angeheizt wurde, weiß ich nicht und denke, daß ich, wenn ich jemanden frage, ob er den „Deutschen Buchpreis“ kennt, wahrscheinlich immer noch zu hören bekomme „Deutscher Buchpreis what?“

Aber jetzt vielleicht auch: „Das ist eine Mogelpackung!“

Was ich sehr schade finde und meiner Meinung nach auch nicht stimmt und meine persönliche Meinung ist auch, daß es mir eigentlich egal ist, wieviel leicht oder schwer lesbare Bücher darauf stehen.

Ich lese drei Bücher in der Woche, habe schon Arno Schmidt gelesen und Sophie Kinsella deren „Schnäppchenjägerin“ ich nach wie für ein sehr gutes Buch halte.

Ich kann also lesen und Bücher verstehen, auch wenn ich hier sehr im Verborgenen blogge und manche meiner Kommentierer meinen, daß ich nur sinnlosen Content verbreite und mir wahrscheinlich auch meine Lesekompetenz absprechen oder sich nicht für sie interessieren.

Und übrigens von mir ist vor ein paar Tagen auch ein neues Buch erschienen, das habe ich jetz bei „Wikipedia“ eingetragen, in den „Bücherschrank“ gelegt und wer sich bei der Lesrunde beteiligen will, soll sich bei mir melden.

2018-08-25

Deutscher Buchpreis

Filed under: — nagl @ 16:14

Gelesene und vorhandene Bücher:

2005

1. Arno Geiger „Es geht uns gut“

2.Friederike Mayröcker „Und ich schüttelte einen Liebling“

3. Daniel Kehlmannn „Die Vermessung der Welt“

4.Wilhelm Genazino „Die Liebesblödigkeit“

5.Matthias Politycki „Herr Der Hörner“

2006

  1. Katharina Hacker „Die Habenichtse“
  2. Sasa Stanisic „Wie der Soldat das Grammafon reparierte“
  3. Ilija Trojanow „Der Weltensammler“
  4. Daniel Glattauer „Gut gegen Nordwind“
  5. Ingo Schulze „Neue Leben“?
  6. Sibylle Lewitscharoff „Consummatus“
  7. Heinrich Steinfest „Ein dickes Fell“
  8. Felizitas Hoppe „Johanna“
  9. Wolf Haas „Das Wetter vor fünfzehn Jahren“
  10. Paulus Hochgatterer „Die Süße des Lebens“
  11. Ferdidun Zaimoglu „Leyla“

2007

1.Julia Frank „Die Mittagsfrau“

2.Thomas Glavinic „Das bin doch ich“

3.Katja Lange-Müller „Böse Schafe“

4. Peter Henisch „Eine sehr kleine Frau“

5.Robert Menasse „Don Juan de la Mancha“?

6. Michael Köhlmeier „Abendland“

2008

  1. Uwe Tellkamp „Der Turm“
  2. Iris Hanika „Treffen sich zwei“
  3. Ingo Schulze „Adam und Evelyn“
  4. Martin Walser „Ein liebender Mann“
  5. Karen Duve „Taxi“

2009

  1. Herta Müller „Atemschaukel“
  2. Thomas Glavinic „Das Leben der Wünsche“
  3. Peter Stamm „Sieben Jahre“
  4. Thomas Stangl „Was kommt“
  5. Terezia Mora „Der einzige Mann auf dem Kontinent“
  6. Kathrin Schmidt „Du stirbst nicht“
  7. Wolf Haas „Der Brenner und der liebe Gott“
  8. Stephan Thome „Grenzgang“

2010

  1. Melina Nadj Abonji „Tauben fliegen auf“
  2. Judith Zander „Dinge, die wir heute sagen“
  3. Alina Bronsky „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“
  4. Olga Martynova „Sogar Papageien überleben uns“
  5. Kristof Magnusson „Das war ich nicht“
  6. Michael Köhlmeier „Madalyn“

2011

  1. Eugen Ruge „In Zeiten des abnehmenden Lichts“
  2. Sibylle Lewitscharow „Blumenberg“
  3. Marlene Streeruwitz „Die Schmerzmacherin“
  4. Ludwig Laher „Verfahren“
  5. Klaus Modick „Sunset“
  6. Judith Scharlansky „Der Hals der Giraffe“
  7. Thomas Melle „Sickster“
  8. Astrid Rosenfeld „Adams Erbe“

2012.

  1. Olga Grjasnowa „Der Russe ist einer der Birken liebt“

2013.

1.Marion Poschmann „Die Sonnenposition“

2.Daniel Kehlmann „F“

3.Nella Verremej „Berlin liegt im Osten“

4.Ralph Dutli „Soutines letzte Fahrt“

5. Clemens Meyer „Im Stein“

6. Mirko Bonne „Nie mehr Nacht“

7.Jonas Lüscher „Frühling der Barbaren“

2014.

  1. Thomas Melle „3000 Euro“
  2. Lukas Bärfuss „Koala“
  3. Michael Köhlmeier „Zwei Herren am Strand“
  4. Martin Lechner „Kleine Kassa“
  5. Charles Lewinsky „Kastelau“
  6. Marlene Streeruwitz „Nachkommen“
  7. Lutz Seiler „Kruso“
  8. Antonio Fian „Das Polykrates-Syndrom“
  9. Mathias Nawrat „Unternehmer“
  10. Christoph Poschenrieder „Das Sandkorn“
  11. Sasa Stanisic „Vor dem Fest“

2015.

  1. Frank Witzel „Die Erfindung der roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969
  2. Jenny Erpenbeck „Gehen ging gegangen“
  3. Rolf Lapert „Über den Winter“
  4. Inger-Maria Mahlke „Wie ihr wollt“
  5. Ulrich Petzer „Das bessere Leben“
  6. Monique Schwiter „Eins im Andern“
  7. Alina Bronksy „Baba Dunjas letzte Liebe“
  8. Ralf Dutli „Die Liebenden von Mantua“
  9. Valerie Fritsch „Winters Garten“
  10. Heinz Helle „Eigentlich müßten wir tanzen“
  11. Gertraud Klemm „Aberland“
  12. Steffen Kopetzky „Risiko“
  13. Peter Richter „89/90“
  14. Clemens J. Setz „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“
  15. Anke Stelling „Bodentiefe Fenster“
  16. Ilija Trojanow „Macht und Widerstand“
  17. Vladimir Vertlib „Lucia Binar und die russische Seele“
  18. Kay Weyand „Applaus für Bronikowski“
  19. Christine Wunnike „Der Fuchs und Dr. Shamura“
  20. Feridun Zaimoglu „Siebentürmeviertel“

2016.

  1. Bodo Kirchhoff „Widerfahrnis“
  2. Reinhard Kaiser-Mühlecker „Fremde Seele dunkler Wald“
  3. Andre Kubicek „Skizze eines Sommers“
  4. Thomas Melle „Die Welt im Rücken“
  5. Eva Schmidt „Ein langes Jahr“
  6. Philip Winkler „Hool“
  7. Akos Doma „Der Weg der Wünsche“
  8. Gerhard Falkner „Apollokalypse“
  9. Michael Kumpfmüller „Die Erziehung des Mannes“
  10. Katja Langen-Müller „Drehtür“
  11. Dagmar Leupold „Die Witwen“
  12. Sibylle Lewitscharoff „Das Pfingstwunder“
  13. Joachim Meyerhoff „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“
  14. Hans Platzgummer „Am Rand“
  15. Arnold Stadler „Rauschzeit“
  16. Peter Stamm „Weit über das Land“
  17. Michelle Steinbeck „Mein Vater war am Land ein Mann und im Wasser ein Walfisch“
  18. Thomas von Steinaecker „Die Verteidigung des Paradieses“
  19. Anna Weidenholzer „Weshalb die Herren Seesterne trugen“

2017.

  1. Marion Poschmann „Die Kieferninsel“
  2. Robert Menasse „Die Hauptstadt
  3. Sven Regener „Wiener Straße“
  4. Ingo Schulze „Peter Holtz“
  5. Monika Helfer „Schau mich an, wenn du mit mir redest“
  6. Feridun Zaimoglu „Evangelio“
  7. Christoph Höhtker „Das Jahr der Frauen“
  8. Michael Waidenhain „Das Singen der Sirenen“
  9. Christine Wunnike „Katie“
  10. Kerstin Preiwuß „Nach Onkalo“
  11. Robert Prosser „Phantome“
  12. Julia Wolf „Walter Nowak bleibt liegen“
  13. Franzobel „Das Floß der Medusa“
  14. Sasha Marianna Salzmann „Außer sich“
  15. Jonas Lüscher „Kraft“
  16. Mirco Bonne „Lichter als der Tag“
  17. Gerhard Falkner „Romeo oder Julia“
  18. Jakob Nolte „Schreckliche Gewalten“
  19. Thomas Lehr „Schlafende Sonne“
  20. Birgit Müller-Wieland „Flugschnee“

2018.

  1. Arno Geiger „Unter der Drachenwand“
  2. Josef Oberhollenzer „Sültzrather
  3. Inger Maria Mahlke „Archipel“
  4. Maxim Biller „Sechs Koffer“
  5. Carmen Francescas Banciu „Lebt wohl ihr Genossen und Geliebten“
  6. Susanne Röckel „Der Vogelgott“
  7. Franziska Hauser „Die Gewitterschwimmerin“
  8. Nino Haratischwili „Die Katze und der General“
  9. Stephan Thome „Gott der Barbaren“
  10. Gert Loschütz „Ein schönes Paar“
  11. Adolf Muschg „Heimkehr nach Fukushima“
  12. Gianna Molinari „Hier ist noch alles möglich“
  13. Angelika Klüssendorf „Jahre später“
  14. Eckelhart Nickel „Hysteria“
  15. Helene Hegemann „Bungalow“
  16. Anja Kampmann „Wie hoch die Wasser steigen“
  17. Susanne Fritz „Wie kommt der Krieg ins Kind“
  18. Maria Cecilia Barbetta „Nachtleuchten“

2019.

  1. Norbert Scheuer „Winterbienen“
  2. Marlene Streeruwitz „Flammenwand“
  3. Andrea Grill „Cherubino“
  4. Tonio Schachinger „Nicht wie ihr“
  5. Eva Schmidt „Die untalentierte Lügnerin“
  6. Karen Köhler „Miroloi“
  7. Jackie Thomae „Brüder“
  8. Angela  Lehner „Vater unser“
  9. Raphaela Edelbauer „Das flüssige Land“
  10. Miku Sophie Kühmel „Kintsugi“
  11. Alexander Osang „Die Leben der Elena Silber“
  12. Katharina Poladjan „Hier sind Löwen“
  13. Emanuel Maeß „Gelenke des Lichts“
  14. Lola Randl „Der große Garten“
  15. Norbert Zähringer „Wo wir waren“
  16. Sasa Stanisic „Herkunft“
  17. Ulrich Woek „Der Sommer meiner Mutter“
  18. Jan Peter Bremer „Der junge Doktorand“
  19. Tom Zürcher „Mobbing Dick“
  20. Nora Bossong „Schutzzone“

2017-08-11

Archivnachtrag und Listenschätzung

Filed under: Buchpreisbloggen — jancak @ 00:33
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Am Dienstag ist es wieder soweit, da wird die neue Longlist des dBp bekanntgegeben, den es ja seit 2005 gibt und den ich seit 2008, glaube ich, mehr oder weniger intensiv verfolge.

Seit 2015 tue ich das eher intensiv, denn da habe ich mich ja auch zum „Longlistenlesen“ entschlossen, vorher habe ich mir manchmal ein oder zwei der Bücher zum Geburtstag oder Weihnachten schenken lassen und dann nach den Büchern gegriffen, wenn ich sie beispielsweise in einer Abverkaufskiste fand.

2015 habe ich mich im Sommer durch das Buchpreisarchiv gewühlt und die Bücher aufgezählt, die ich damals gelesen oder noch ungelesen zu Hause hatte. Dann habe ich 2015 komplett gelesen und im Vorjahr habe ich bis auf „München“ auch alle Bücher von den Verlagen zugestellt bekommen.

Heuer werde ich, glaube ich, wieder anfragen und lesen was kommt und weil ich zwischendurch auch schon was gelesen habe und immer wieder was Betreffendes finde, ergänze ich die Liste der gelesenen Longlist-Shortlist und Buchpreisbücher, die ungelesenen lasse ich aus, da ich sie ja nicht verlinken kann und was die Schätzung für 2017 begtrifft, da bin ich ja nie sehr gut, weil ich nur wenig oder kaum Vorschauen lese, habe, was ich hoffe, aber diesmal  einiges gelesen.

So würde ich mir, jetzt rein nach meinem Bauch, das heißt, was ich schon zu Hause habe oder auf den Messen, bei Veranstaltungen oder bei den  Bloggern so hörte, folgendes wünschen und nächste Woche kann man wieder schauen, wie gut ich im Schätzen oder besser Wünschen bin:

  1. Olga Grjasnowa „Gott ist nicht schüchtern“
  2. Feridun Zaimoglu „Evangelio“
  3. Tiljan Sila „Tierchen „Unlimited“
  4. Juliana Kalnay „Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens“
  5. Simon Strauß „Sieben Nächte“
  6. Uwe Timm „Ikarien“
  7. Hannes Stein nach uns die Pinguine“ (Da weiß ich aber nicht ob der als deutscher Autor gilt)
  8. Julia Wolf „Walter Nowak bleibt liegen“
  9. Tim Krohn „Herr Brechbühl sucht eine Katze“ (oder auch der Folgeband)
  10. und dann noch: Jonas Lüscher „Kraft“
  11. Christoph Hein „Trutz“
  12. John von Düffel „Klassenbuch“
  13. Anna Kim „Die große Heimkehr“
  14. Franzobel „Das Floß der Medusa“
  15. Karin Peschka „Autolyse Wien“
  16. Olga Flor „Klartraum“
  17. Paulus Hochgatterer „Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war“
  18. Doron Rabinovici „Die Außerirdischen“
  19. Mariana Leky „Was man von hier sehen kann“
  20. Lukas Bärfuß „Hagard“

 

Und jetzt die Rückschau:

2005

1. Arno Geiger „Es geht uns gut“

2.Friederike Mayröcker „Und ich schüttelte einen Liebling“

 

2006

  1. Katharina Hacker „Die Habenichtse“
  2. Sasa Stanisic „Wie der Soldat das Grammafon reparierte“
  3. Ilija Trojanow „Der Weltensammler“
  4. Daniel Glattauer „Gut gegen Nordwind“
  5. Ingo Schulze „Neue Leben“?

 

2007

1.Julia Frank „Die Mittagsfrau“

2.Thomas Glavinic „Das bin doch ich“

3.Katja Lange-Müller „Böse Schafe“

4. Peter Henisch „Eine sehr kleine Frau“

5.Robert Menasse „Don Juan  de la Mancha“?

 

2008

  1. Uwe Tellkamp „Der Turm“
  2. Iris Hanika „Treffen sich zwei“
  3. Ingo Schulze „Adam und Evelyn“
  4. Martin Walser „Ein liebender Mann“

 

2009

  1. Herta Müller „Atemschaukel“
  2. Thomas Glavinic „Das Leben der Wünsche“
  3. Peter Stamm „Sieben Jahre“
  4. Thomas Stangl „Was kommt“

 

2010

  1. Melina Nadj Abonji „Tauben fliegen auf“
  2. Judith Zander „Dinge, die wir heute sagen“
  3. Alina Bronsky „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“
  4. Olga Martynova „Sogar Papageien überleben uns“

 

2011

  1. Eugen Ruge „In Zeiten des abnehmenden Lichts“
  2. Sibylle Lewitscharow „Blumenberg“
  3. Marlene Streeruwitz „Die Schmerzmacherin“
  4. Ludwig Laher „Verfahren“
  5. Klaus Modick „Sunset“
  6. Judith Scharlansky „Der Hals der Giraffe“

 

2012.

  1. Olga Grjasnowa „Der Russe ist einer der Birken liebt“

 

2013.

1.Marion Poschmann „Die Sonnenposition“

2.Daniel Kehlmann „F“

3.Nella Verremej „Berlin liegt im Osten“

 

2014.

  1. Thomas Melle „3000 Euro“
  2. Lukas Bärfuss „Koala“
  3. Michael Köhlmeier „Zwei Herren am Strand“
  4. Martin Lechner „Kleine Kassa“
  5. Charles Lewinsky „Kastelau“
  6. Marlene Streeruwitz „Nachkommen“

 

2015.

  1. Frank Witzel „Die Erfindung der roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969
  2. Jenny Erpenbeck „Gehen ging gegangen“
  3. Rolf Lapert „Über den Winter“
  4. Inger-Maria Mahlke „Wie ihr wollt“
  5. Ulrich Petzer „Das bessere Leben“
  6. Monique Schwiter „Eins im Andern“
  7. Alina Bronksy „Baba Dunjas letzte Liebe“
  8. Ralf Dutli „Die Liebenden von Mantua“
  9. Valerie Fritsch „Winters Garten“
  10. Heinz Helle „Eigentlich müßten wir tanzen“
  11. Gertraud Klemm „Aberland“
  12. Steffen Kopetzky „Risiko“
  13. Peter Richter „89/90“
  14. Clemens J. Setz „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“
  15. Anke Stelling „Bodentiefe Fenster“
  16. Ilija Trojanow „Macht und Widerstand“
  17. Vladimir Vertlib „Lucia Binar und die russische Seele“
  18. Kay Weyand „Applaus für Bronikowski“
  19. Christine Wunnike „Der Fuchs und Dr. Shamura“
  20. Feridun Zaimoglu „Siebentürmeviertel“

 

2016

  1. Bodo Kirchhoff „Widerfahrnis“
  2. Reinhard Kaiser-Mühlecker „Fremde Seele dunkler Wald“
  3. Andre Kubicek „Skizze eines Sommers“
  4. Thomas Melle „Die Welt im Rücken“
  5. Eva Schmidt „Ein langes Jahr“
  6. Philip Winkler „Hool“
  7. Akos Doma „Der Weg der Wünsche“
  8. Gerhard Falkner „Apollokalypse“
  9. Michael Kumpfmüller „Die Erziehung des Mannes“
  10. Katja Langen-Müller „Drehtür“
  11. Dagmar Leupold „Die Witwen“
  12. Sibylle Lewitscharoff „Das Pfingstwunder“
  13. Joachim Meyerhoff „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“
  14. Hans Platzgummer „Am Rand“
  15. Arnold Stadler „Rauschzeit“
  16. Peter Stamm „Weit über das Land“
  17. Michelle Steinbeck „Mein Vater war am Land ein Mann und im Wasser ein Walfisch“
  18. Thomas von Steinaecker „Die Verteidigung des Paradieses“
  19. Anna Weidenholzer „Weshalb die Herren Seesterne trugen“

2016-11-06

Von Debuts und Debutpreisen

Daß Debuts, also die ersten Romane von jungen Autoren, sehr wichtig sind und in letzter Zeit besonders beachtet und vorgestellt werden, ist zu bemerken.

So kümmert sich „Kremayr & Scheriau“ in seiner neuen Literaturschiene hauptsächlich und bevorzugt, um junge Autoren und da die mir ja ihre Bücher schicken, habe ich in letzter Zeit einige dieser Debuts gelesen und dann gab es bei den O-Tönen, dem großen Sommerliteraturfestival im Museumsquartier, heuer, ich glaube, erstmals eine Debutschiene, wo Daniela Strigl sich mit den Debuts des letzten Jahres auseinanadersetzte und diese vor dem jeweiligen Hauptautor vorstellte und lesen ließ.

Daß es dabei manchmal zu Ungenauigkeiten oder Überschneidungen kommen kann, ist mir auch aufgefallen, ist ja Richard Schuberths „Chronik einer fröhlichen Verschwörung“ schon 2015 erschienen und ist auch nicht das erste Buch des Autors und Cornelia Travnices „Chucks“ wurde als Debutroman betrachtet, obwohl die „Asche meiner Schwester“ schon 2008 erschienen ist und, glaube ich, so etwas wie ein Roman oder zumindestens eine längere Erzählung ist.

Sonja Harter gilt glaube ich schon als sehr bekannte Lyrikerin und hat jetzt einen Debutroman geschrieben, aber die Beachtung und die Aufmerksamkeit auf Werk und Autor ist ja glaube ich das Wichtigste und da brauchen junge Autoren wahrscheinlich schon ein bißchen Bevorzugung, weil sie sonst vielleicht leicht neben den großen Romanen von Martin Walser, Thomas Glavinic, Michael Köhlmeier, Norbert Gstrein, etcetera, untergehen können.

Das mag sich vielleicht auch das Initiatorenteam um den österreichischen Buchpreis, den es heuer ja das erste Mal gibt und der kommenden dienstag am Vorabend der „Buch-Wien“ vergeben wird, gedacht haben und so gibt es neben der Long und der Shortlist, auf der Peter Henisch, Sabine Gruber, Anna Mitgutsch, Peter Waterhouse und Friederike Mayröcker, von der ich ja annehme, daß sie den Preis bekommt, auch einen Debutpreis mit Katharina Winklers „Blauschmuck“, Sacha Battyhays „Und was hat das jetzt mit mir zu tun?“ und „Friederike Gösweiners „Traurige Freiheit“ stehen.

Damit habe ich mich also in den letzten Wochen und Monaten intensiv beschäftigt, habe fast die ganze deutsche Longlist mit Ausname von Philip Winklers“Hool“, der ja, glaube ich, auch ein Debutant ist und der den „Aspekte-Literaturpreis“, der sich an solche Autoren wendet gewonnen hat und  Ernst Wilhelm Händlers „München“, die halbe öst LL und dank „Alpha“ alle drei Debutanten, gelesen, so daß ich mich jetzt ein bißchen in der gegenwärtigen Literaturszene und auch, was ihre Debutanten betrifft, auszukennen glaube.

Bezüglich der deutschen Longlist wurde auch allgemein beanstandet, daß sie nur wenige Romane junger Autoren enthält, die sich mit der gegenwartigen Flüchtlings- und anderen Situationen beschäftigen und die stammen zum Teil auch von jungen Debutanten und sind Erstlingsromane.

Vorige Woche, als ich gerade Friederike Gösweiner und Katharina Winkler gelesen habe, bin ich auch auf einen Debut-Blog gestoßen, der sich bevorzugt mit diesen Romanen beschäftigt und jetzt zum ersten Mal auch einen „Blogger Debutpreis“ ausgeschrieben habe, wo man bis Ende Oktober Debutromane einreichen konnte und ein bißchen kürzer konnte man sich auch melden, wenn man einen Literaturblog betreibt und daher in der „Bloggerjury“ mitmachen wollte, was ich insbesondere bemerkenswert fand, weil ja zum Beispiel die „Buchpreisblogger“ von der offiziellen Seite offiziell ausgesucht und die anderen, die auch die Bücher lesen mehr oder weniger ignoriert werden und beim „Blogbuster-Preis“, den Tobias Nazemi ins Leben gerufen hat, wurden auch sechzehn Blogger ausgewählt, die mitmachen dürfen.

Hier konnte man sich aber melden, wenn man schon ein Jahr bloggte und wurde vorgestellt.

Zwanzig Blogger hatten das schon getan, als ich am 30. Oktober, glaube ich, auf diese Seite kam und mich ärgerte, daß ich wieder einmal zu spät am falschen oder richtigen Ort war.

Dann habe ich aber hingeschrieben und es ist sich noch ausgegangen, für die offizielle Vorstellungsrunde zwar zu spät, wurde ja inzwischen aus den fünfzig vorgeschlagenen Büchern, die Shortlist mit den fünf, aus denen dann die einundzwanzig Blogger, wählen dürfen, ausgesucht, so daß ich diese Fragen für mich selber hier beantworten möchte, warum ich mich für Debutromane interessiere, ob ich einen Unterschied zwischen ihnen und anderen Romane mache und ob Debutanten, bei mir „Welpenschutz“ genießen?

Mit diesen Ausdruck tue ich mir auch ein wenig schwer, obwohl ich nicht glaube, daß ich besondere Auswahlkriterien anwende, wenn ich lese.

Ich verrreiße ja nie oder nur eher selten, sage höchstens, wenn etwas falsch ist oder ich mit etwas Geschilderten meine Schwierigkeiten habe und habe auch mit dem, daß ein guter Roman angeblich berühren muß und etwas Neues in ihm dargestellt werden soll, meine Schwierigkeiten.

Obwohl ich natürlich auch bemerke, ob mich das, was ich lese, interessiert. Aber ich lese  fast alle Bücher fertig, versuche mich auf sie einzulassen, komme oft erst am Schluß darauf, daß ich was versäumt oder das Buch nicht verstanden hätte, wenn ich es, wie es in Zeiten, wie diesen, wo die Zeit begrenzt und die Konzentration immer weniger wird, andere machen, weggeschmissen hätte.

Habe aber gerade bei meinen heurigen Loglistenlesen mehrmals bemerkt, daß die Autoren mit den sogenannten großen Namen, wie Arnold Stadler, Bodo Kirchhoff, Gerhard Falkner, etcetera, oft sehr maniriert und abgehoben schreiben und, daß die Themen, die sie behandeln, oft dieselben sind, was mache Blogger, dann wieder langweilt.

Alter Mann hat Schwierigkeiten mit dem Sex, wird krank und fürchtet sich vor dem Sterben beispiesweise, ein wichtiges Thema auf jeden fall und auch wichtig für den Autor, sich damit zu beschäftigen.

Man hat es aber vielleicht schon öfter gelesen, wird ungeduldig und schimpft im schlechtesten Fall, daß er endlich zu schreiben aufhören sollte.

Ich tue das nicht, habe mir aber andererseits gerade bei iris Blauensteiners „Kopfzecke“, die da ja den Umgang mit einer dementen Mutter beschreibt, ob eine so junge Frau, das schon wirklich so beschreiben kann, als jemand, der schon älter ist.

Die jungen Autoren, die bei den Bloggern, wie die öfter schrieben „keinen Welpenschutz“ genießen, kommen schon sehr oft aus den Literaturinstituten aus Leipzig, Hildesheim, Biel oder Wien und werden, wie ich mir sagen ließ, da auf den Markt und die Veröffentlichbarkeit trainiert.

So schreiben sie vielleicht sehr professionell von etwas, was sie persönlich noch so gar nicht erleben konnten und so habe ich mit den „Sommertöchtern“ von  Lisa Maria Seydlitz, die andere sehr toll fanden, gar nicht so viel anfangen können.

Aber natürlich sind Debuts und die ersten Romane von jungen Autoren sehr interessant und wenn ich so auf diese fünfzig Bücher Langlist schaue, zum selber vorschlagen, wie man das auch hätte können, bin ich aus den bewußten Zeitgründen nicht gekommen, so finde ich sehr viel interessantes darauf stehen.

Da ich ja sehr Österreich zentriert bin habe ich die meisten diesbezüglichen Bücher schon gekannt und habe sowohl „Lucy fliegt“, als auch die „Notunterkunft“ und „Kofpfzecke“ schon gelesen, auch „Blauschmuck“, obwohl da die Autorin ja in Berlin lebt und die „Traurige Freiheit“.

Das Buch der Sonja Harter war für mich eine Überraschung und ich werde es demnächst lesen.

Ansonsten hört man ja auch auf den Blogs, die ich  regelmäßig lese, von neuen Büchern und die der jungen Migranten wurden sehr gelobt.

Also steht sowohl Shida Bzayar mit „Nachts ist es leise in Teheran“, als auch Rasha Kayat „Weil wir längst woanders sind“, Bücher, die an mir bisher vorbeigegangen sind, darauf.

Ich habe wohl kurz einmal überlegt, ob ich sie mir nicht zum Geburtstag schenken lassen sollte, mich dann aber über Isebelle Lehns „Binde zwei Vögel zusammen“ entschieden, das ebenfalls auf der Liste steht und für Tomer Gardis „Broken German“, das steht nicht auf der Liste, weil es kein Debut ist, beide Bücher  bzw. Autoren habe ich aber beim letzten Bachmannlesen kennengelernt und Debuts, die mir außer dem von Philiph Winkler fehelen, wären Ronja von Rönnes „Wir kommen“, das bei den Bloggern ja nicht so gut angekommen ist und das  dBp Longlist- und Schweitzer Shortlist Buch der Michelle Steinbeck.

Aber Schweizer stehen, glaube ic,h überhaupt keine auf der Liste, nur Österreicher und Deutsche und auf die Debuts der Paula Fürstenfeld und der Nelle Pollatschek bin ich ich auch schon vorher aufmerksam geworden und habe sie angefragt, wie auch das „Jung und Jung- Buch“ der Birgit Birnbacher, das dem Blogger Marc ja, glaube, ich sehr gefallen hat.

Ich habe also fünf der fünfzig Bücher schon gelesen, zwei weitere stehen auf meiner Leseliste und zwei werden wahrscheinlich noch kommen, abgesehen von den Shortlistbüchern, die ja noch nicht offizielle bekanntgegeben wurden, aber schon angefragt sind.

Also lesen, lesen, lesen, seit August tue ich es sehr intensiv und finde es sehr spannend.

Von einer Lesemüdigkeit keine Spur, obwohl mich auch das andere, jenseits des Tellerrandes, also auch die Älteren, die Krimis, die Chick Lits, etcetera sehr interessieren und mein geplanter Vicki Baum Schwerpunkt noch immer wartet.

Ob ich den heuer wirklich so noch schaffe wird immer fraglicher.

Aber selber schuld und kein Grund sich  zu beschweren und für das nächste Jahr habe ich ja wieder vor. meine Bücherstapel hinunterzulesen.

Mal sehen, ob ich es schaffe, ich bin sehr gespannt und freue mich, als nächstes auf die Vergabe des österreichischen Buchpreises und die „Buch-Wien“, die darauf folgt.

2016-10-23

Frankfurter Messesplitter

Am Mittwoch um zehn begann die Frankfurter Buchmesse, die größte Buchmesse Europas oder der Welt, glaube ich, wahrscheinlich die berühmteste und zu der alle „Möchtegern“- und richtige Autoren, Leser, Verleger, Buchhändler, etcetera ehrfürchtig aufschauen und Selfpublisher, wie beispielsweise Annika Bühnemann schon Videos drehen, in dem sie erklären was man dafür mitnehmen soll, gutes Schuhwerk und eine Wasserflasche, einen Müsliriegel, etcetera.

Ich war zweimal dort 2000 und 2012 und das ist gar nicht so einfach, weil ja beispielsweise, der gewöhnliche Leser erst am Wochenende hineindarf, Mittwoch bis Freitag sind dem Fachpublikum vorbehalten.

So sind wir 2000 mit einer Ausstellerkarte, die mir Gerhard Ruiss gegeben hat, hingereist und haben in Mainz gewohnt, weil in Frankfurt kein Hotel zu bekommen, 2002 hatte ich dann eine Einladung von einem dieser Selbstzahlverlage, womit ich mir für den doppelten eintritt eine Fachbesucherkarte kaufen konnte und in Wiesbaden wohnte.

Dann habe ich mir geschworen, nie wieder Frankfurt, außer sie laden mich zu einer Lesung ein und zahlen mir die Fahrt und das Hotel und das habe ich  auch 2008, als ich schon bloggte so geschrieben und ein paar Tage später bin ich durch einen anderen Blog daraufgekommen, man kann sich sehr viel davon im Netzt anschauen, die „3 Sat“, die „ARD“ und die „blauen Sofaveranstaltungen“ beispielsweise und die IG Autoren haben auch ein Literatur-Radio und 2008 hat es, was es jetzt, glaube ich, nicht mehr gibt, auch Blogger gegeben, die dort herumgelaufen sind und lauter sehr interessante kleine Filmchen einstellten.

„Wow!“, habe ich gedacht und war im Himmel und habe seither immer Frunkfurt gesurft, bis mir 2011, glaube ich meine Kritikerin JuSophie, die, wenn ich mich nicht irre, jetzt in anderer Gestalt wieder aufgetaucht ist, geschrieben hat, „Machen Sie was praktischeres, als da bloß herumzuschauen!“ und das stimmt ja auch, Annika Bühnemann hat,  glaube ich, auch ein anderes Video gedreht, in dem sie den Autoren, wahrscheinlich den Selfpublishern, verdeutlicht, warum Buchmessen für sie wichtig sind!

Ja, natürlich, 2000 habe ich mir auch die „Wiener Verhältnisse“ mitgenommen. Aber wem sollte ich sie zeigen, von Stand zu Stand marschieren und „Hallo, ich bins, eure neue Autorin!“, sagen?

Das tun wahrscheinlich hundert andere und Bücher zu verkaufen und dort für sie zu werben ist auch, wenn man keinen Stand gemietet hat, glaube ich verboten und ich bin ja auch eine Leserin, so bin ich dort herumgerannt, habe eingesammelt und eingesammelt und schon zu Mittag meine volle Tüten, am Stand der IG Autoren deponiert und am nächsten Tag wahrscheinlich mein Buch, weil ich nicht so viel schleppen wollte, nicht mehr mitgenommen, das tue ich jetzt jedenfalls wenn ich in Leipzig oder auf der „Buch-Wien“ bin.

Ich interessiere mich  für Bücher und Literatur, wenn ich entsetzlich spoilere, Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehler mache, so daß auf meine Kommentare kaum geantwortet wird und so betrachte ich die Messe wahrscheinlich wirklich hauptsächlich als Möglichkeit mich dort umzuschauen und umzuhören und vielleicht nicht so sehr, um Kontakte als Autorin zu knüpfen, obwohl ich die natürlich schon sehr gerne hätte.

Also die Tage der „Frankfurter Buchmesse“ reserviert und zwischen meinen Stunden und eventuellen Klinikbesuchen mich schnell aufs „blaue Sofa“ setzen oder bei Dennis Scheck nachhören, was ich lesen soll?

Seit 2005 gibt es ja auch den „deutschen Buchpreis“, der am Montag davor vergeben wird, am Dienstag wird dann offiziell eröffnet und für den Buchpreis interessiere ich mich ja auch, seit dem ich blogge und lese seit dem vorigen Jahr ja auch sehr eifrig mit und die Buchpreisübertragung habe ich mir wenigsten halb in den letzten Jahren auch meistens angeschaut.

Am Montag hat das, wie beschrieben nicht ganz geklappt, daß Bodo Kirchhoff, nicht Thomas Melle, der Preisträger wurde, ich hoffe, Maxim Biller und das „Literarische Quartett“, sind nicht schuld daran, trotzdem mitbekommen und gestern wurde dann offiziell eröffnet.

Die Könige von Flandern und Holland waren da, denn diese beiden Länder sind ja heuer Gastland, 2000 war es Polen und 2002 Litauen, ich habe mir ein paar Videos angeschaut und einige der offiziellen und auch inoffiziellen Bücherblogger sind schon in Frankfurt und zeigen erste Eindrücke von dort her, sie vergeben inzwischen auch einen Debutpreis, das heißt sechzehn ausgewählte Superblogger wählen Manuskripte aus, die man bei ihnen einreichen darf und spielen sie dann einer offiziellen Jury zu, der unter anderen auch Dennis Scheck angehört.

Nun ja, nun ja, die Blogger freuen sich über ihre Wichtigkeit, ich werde da aber wohl auch nichts gewinnen und nicht ausgewählt werden, so reiche ich gar nicht ein, sondern habe mir inzwischen nur die „blauen Sofa“ und „3 Sat Programme“ ausgedruckt, denn um elf geht es am „blauen Sofa“ mit der Vorstellung des neuen Buchpreisträgers los und werde heuer vielleicht auch gar nicht so viel Zeit zum Surfen haben, denn Donnerstag möchte ich ins Literaturhaus, um mir einen Teil eines Jelinek-Symposium zu deren siebzigsten Geburtstag anzuhören und am Freitag ist um zwei, der „Kulturpolitische Arbeitskreis“ in der „Alten Schmiede“ und am Samstag dann GAV-GV, so daß eigentlich nur der Sonntag überbleibt, wo der Friedenspreisträger in der Paulskirche seinen Preis bekommt und wenn ich den entsprechenden Livestream finde, kann ich dort auch hineinsehen.

Das mit dem „blauen Sofa“ war dann nicht so einfach, denn da kam ich nur zur „Leipzig-Schiene“, bei „3-Sat“ nahm aber der Programmdirektor des Holland-Flanders-Schwerpunkt Bart Moeeyaert, einem Kinderbuchautor, Platz und erzählte etwas von seinen und den niederländischen Büchern. Dann kam Torben Kuhlmann, der ein ein Buch über eine Maus im Weltall gezeichnet hat.

Dann wurde es bekannter, denn auf „3-Sat“ traten dann meine LL-Lieblinge, Katja Lange-Müller und Sybille Lewitscharoff auf und erzählten etwas über ihre neuen Bücher.

Auf der „ARD-Bühne“, wo ich ebenfalls die Videos empfangen konnte, demonstrierte Dennis Scheck den Bücherherbst und dann gab es ein Gespräch mit dem türkischen Journalisten Can Dünder über die politische Situation in der Türkei und Jörg Armbruster hat ein Buch geschrieben über Deutsche die  in israelischen Altersheimen leben.

Danach erzählte der neue Buchpreisträger über seine Gefühle während der Preisverleihung und bei „3 Sat“ kam Dagmar Leutpold auf die Bühne.

Es gibt eine Biografie über eine englische Freundin Hitlers, Michaela Karl hat über Unity Mitford geschrieben, Aron Grünberg, ein Holländer, Sohn deutscher Emigranten, der jetzt in NewYork lebt hat zum Niederlandschwerpunkt seinen neuen Roman „Muttermal“  vorgestellt und der ARD-Journalist Tilman Bünz berichtete in seinem Buch „Fünf Meter unter Meer. Niederlande für Anfänger“, von den Eigenarten und Schönheiten, die  man in Holland erleben kann.

So habe ich mich neben meiner Praxis, zwischen der „ARD-Bühne“ und dem „3 Sat Stand“, nachdem ich kapiert habe, daß es heuer wohl nichts mit dem „Blauen Sofa“ werden wird, hin- und hergezapt, habe auf www. buecher.at nachgelesen, daß  der österreichischen Gemeinschaftsstand  sowohl von Benedikt Föger als auch von Minister Drozda feierlich eröffnet wurde.

Die fünf Shortlistbücher und die drei Debuts liegen dort wohl auch auf und die gestrige Eröffnungsrede vor den beiden Majestäten von EU-Parlamentspräsident Schulz, der früher einmal Buchhändler war und die Besucher zum „Aufstand der Anständigen“ aufrief, habe ich mir auch angehört, so daß ich nun, während in Frankfurt die Eingeladenen zu den Empfägen und Festen wandern, mich ins Literaturmuseum begeben werde, wo es ein Archiv-Gespräch über Franz Grillparzer gibt.

Am Abend bin ich dann zu den blauen Sofas Videos gekommen und habe mir einige Interviews mit den Buchpreisbuch-Autoren angehört, die mich in den letzten zwei Monaten sehr beschäftigt haben, so zum Beispiel das von Philipp Winkler, der auch den „Aspekte-Literaturpreis“ gewonnen hat und dessen Shortlist-Buch „Hool“ ich leider nicht gelesen habe.

Gerhard Falkner, schon ein älterer Herr habe ich dann kennengelernt, der eine sehr genaue Analyse seiner „Apollokallypse“ gab, kurz habe ich in das Stadler-Video, dessen Buch mir ja nicht so gefallen hat, hineingehört und dann besonders interessant, das Interview mit Wolf Biermann, der ja 1976 aus der DDR ausgebürgert wurde, jetzt achtzig ist, ein Buch über sein Leben geschrieben hat und der ein besonderes Darstellungstalent ist.

Am Donnerstag hatte ich dann nicht sehr viel Zeit für Frankfurt, sondern drei Stunden, so daß ich nur zu Mittag kurz auf das Sofa und zu den anderen Kanälen konnte und so das Interview mit Carolin Emcke, der heurigen Friedenspreisträgerin hörte, die ein Buch „Gegen den Hass“ geschrieben hat, das sich mit der „Begida-Bewegung“ beschäftigt, die ja in Deutschland ganz besonders stark vertreten ist.

Danach bin ich ins Literaturhaus zum „Jelinek-Symposium“ gegangen, wo zu erfahren war, wär aller wegen Frankfurt nicht zu der Veranstaltung kommen konnte und ich habe mich am Abend wieder eingesurft, war aber zu müde, um mir wirklich alle versäumten Vidos anzusehen.

So surfte ich erst am Freitag zwischen einigen Telefonaten und einem Blogbeitragsentwurf kurz weiter, hörte Katha Lange-Müller, ich glaube noch einmal über „Drehtür“ sprechen und auf „3Sat“ Marcel Beyer, der ja der heurige „Büchner-Preisträger“ ist  und werde dann wahrscheinlich mit dem Alfred in den „Waldviertlerhof“ essen gehen und danach in die „Alte Schmiede“ zum „Kulturpolitischen Arbeitskreis“, wo es, glaube ich, um Kleinverlage geht.

Damit war war ich dann auch noch am Samstag, wo es ja die Generalversammlung gab noch sehr beschäftigt, so daß ich mir am Abend gerade jeweils noch die Videos Annika Bühnemann und das von der Blogbuster-Konferenz anschauen konnte, wo Tobias Nazemi mit Dennis Scheck und einigen anderen, den neuen „Blogger-Literaturpreis“ vorstellte.

Ich habe mich dann auch noch ein bißchen auf dem „Blauen Sofa“ umgesehen, mir einen Teil der Zusammenfassungen angesehen, bin dabei auf Donna Leon und immer wieder auf die niederlängischen und flamischen Autoren, wie Arnold Grünberg, Connie Palmen, etcetera, denen ich auch noch einen extra Artikel widmen möchte.

Anna Weidenholzer ist auf dem blauen Sofa gesessen und viele andere.

Am Sonntag wurde dann der „Friedenspreis“ an die 1967 geborene Carolin Emke verliehen, die ich mit Verzögerung im Live Stream gefunden habe, eine türkische Philosphin hielt, die Laudatio und die Journalistin, die bei Habermas studierte, eine große energisch aussehende Frau, schüttelte dem Börsevereinvorsteher oder wer der Herr ist, der die Urkunde überreichte, sehr kräftige die Hand und hielt dann eine Dankesrede, in der sie erwähnte, daß sie bisher diese Preisverleihung immer von „unten“ vorm Fernsehapparat oder im Publikum gesehen hat.

Sonst wird der Frankfurter Sonntag höchstwahrscheinlich wieder ein Resterlessen werden, eine Mischung von alten Sendungen und neuen.

Es gibt  Videos übers die Öffnung der Messe für das sogenannte allgemeine Publikum, dem Leser, der zwischen ein und neun Bücher pro Jahr liest.

Angeblich lesen die Niederländer wenig, obwohl es vierhunderfünfzig deutsche Neuübersetzungen gibt, die auf der Messe aufliegen und ein holländerischer Gast tritt täglich auf, der durch die Messe marschiert und die sogenannten Goodies, die man dort bekommen kann, einsammelt oder im Zug, der die holländischen Autoren nach Frankfurt führte, interviewte.

Olga Martynova kam um zwölf mit ihrem Roman „Der Engelherd“ auf das blaue Sofa und hielt ein Playoyer gegen den einfach linear erzählten Roman, der ich mich nicht anschließen würde.

Der achtundachtzigjährige Hardy Krüger hat ein Buch geschreiben, das, wie er betonte, keine Autobiografie, sondern ein Playoder gegen den Rechtsruck ist und der Rest des „Blauen Sofas“ war, sowohl Arnold Grünbergs neues Buch „Muttermal“, sowie in der blauen Stunde dem „Schweizer Buchpreis“ gewidmet, wo Sacha Battyany, Christoph Höhtker, Christian Kracht, Charles Lewinsky und Michelle Steinbeck, nominiert waren, gewidmet und das war es dann mit der heurigen „Frankfurter Buchmesse“, auf die ich nur sehr sporadisch gesurft bin, so daß ich wahrscheinlich keine Meinung darüber abgeben kann, sondern nur ein paar Blitzlichter auf die siebzig- oder achtzigtausend Bücher, die dort ausgestellt waren, werfen konnte, dafür aber auch ein bißchen mitbekommen habe, was in dieser Zeit in Wien literarisch so passierte.

2016-10-17

Verpasste Buchpreisverleihung

Am Abend wurde in Frankfurt zum Auftakt der Buchmessse der neue deutsche Buchpreisträger bekanntgegeben und da ich ja nicht nach Frankfurt fahre, war für mich der Livestream interessant, der schon ein paar Tage vorher auf der Buchpreisseite bekanntgegeben wurde.

Ich interessiere mich ja erst seit dem ich blogge genauer für den Buchpreis, habe die Bücher  früher eher nicht gelesen, nur das Probeheftchen durchgeblättert und den Livestream habe ich meistens auch nur halb oder kurz angeschaut, denn die Buchpreisverleihung beginnt ja um sechs und da war ich meistens auf den Weg in die „Alte Schmiede“, einmal war ich bei einer Lesung von Judith Gruber Rizy im Republikanischen Club, einmal habe ich in der Bezirksvorstehung Mariahilf selbst gelesen.

Seit vorigen Jahr, seit ich selber Buchpreis blogge, das heißt mich durch die Bücher lese, ist das anders, da habe ich glaube ich, die erste Veranstaltung in der „Alten Schmiede“ versäumt und bin erst zur zweiten gegangen damit ich mir vorher anschauen konnte, wer den Preis gewonnen hat, es war der Frank Witzel, das einzige Buch das ich damals noch nicht gehabt habe, das hat mir erst die Trude K. zum Geburtstag gebracht und im Vorjahr habe ich zum ersten Mal die Verlage angeschrieben, zehn oder elf Bücher bekommen, zwei in Buchhandlungen gelesen, mir vier vom Alfred kaufen lassen und mir zwei vom Otto ausgeborgt.

Heuer habe ich erstaunlicherweise fast alle Bücher, wofür ich den Verlagen sehr herzlich danke, außer „Hool“ und „München“ bekommen und auch gelesen und so hatte ich auch wieder einen guten Einblick in die Büchervielfalt und das ist ja das interessante, wenn man sich selber durch die Bücher liest.

Zwanzig für mich sehr überraschende Bücher wurden da am 23. August aus glaube ich hundertvierundsechzig ausgwählt und die sind ja auch nur eine kleine Auswahl aus den drei oder dreißigtausend Romane, die dieses Jahr im deutschen Sprachraum erschienen, also habe ich nur einen kleinenen Einblick, aber den habe ich bekommen, als ich mich in den letzten zwei Monate durch die Liste las.

Sehr viele Bücher von älteren Männern, die sich mit der Midlifekrise oder der letzten Liebe beschäftigen, zwei experimentelle Texte von jüngeren Frauen, ein bißchen was zur schönen Sprache von Dagmar Leupold, Eva Schmidts Episodenroman, sehr viel Konstruiertes, ein Abenteuerrroman und und und, als die Shortlist bekanntgegeben wurde, war ich gerade beim elften Buch, Sybille Lewitscharoffs „Pfingstwunder,“, für mich eine Überraschung und lange Zeit meine Favoritin, gefolgt von Thomas Melles Bericht über seine bipolare Krankheit.

Der ist dann tatsächlich mit Bodo Kirchshoffs „Widerfahrnis“ auf die Shortlist gekommen. Gefolgt von Eva Schmidt und Reinhard Kaiser Mühlecker, den ich dann halb auf meine Liste setuzte, sehr spät gefolgt von Katja Lange Müllers „Drehtür“, meine zweite oder erste Favoritin, Andrej Kubiczeks „Skizze eines Sommers“ und wiederum nur halb von Peter Stamms „Weit über das Land“.

Daß Bodo Kirchhoff und Thomas Mellen die offiziellen Favoriten wären, habe ich durch die Blogs mitbekommen, eigentlich mehr der Melle, der ja auch mein Favoriti gewesen wären, wenn die Frauen, weil nicht auf der Shortlist das nicht konnten.

Eigentlich habe ich nicht wirklich daran gezweifelt, daß Thomas Melle der neue Buchpreisträger wird, stand er ja schon mit seinen zwei anderen Romanen auf der langen und der kurzen Liste, obwohl sein Buch eigentlich kein Roman ist, Bodo Kirchhoffs „Widerfahrnis“ aber schon, obwohl er das Buch selber „Novelle“ nennt.

Einigen Bloggern wars auch zu nahe oder zu langweilig und dann wurde das Buch auch noch gemeinsam mit Andrejs Kubiczeks „Skizze eines Sommers“, auch ein Shortlistfavorit im „Literarischen Quartett“ besprochen und vor allem von Maxis Biller auf eine meiner Meinung nach sehr unqualifizierte Art verrissen.

„Quatsch oder Katastrophe!“, hat er es glaube ich genannt, den Kubiczek von dem ich aber eigentlich nicht glaubte, daß er gewinnen wird, obwohl mir das Buch gut gefallen hat, hat er auch verissen und wieder diabolisch lächelnd „Quatsch!“ gesagt. Ich habe mich geärgert, einen Blogartikel geschrieben und  mir dann gedacht, hoffentlich hat das Thomas Melle nicht geschadet und hoffentlich gewinnt er deshalb nicht nicht.

Nun, wir wissen es inzwischen, er hat nicht gewonnen und ich habe die Preisverleihung auch nicht gesehen, obwohl ich mich schon zehn Minuten vor sechs mit einem Glas Wein ins Schlafzimmer zurückgezogen  und den Laptop eingeschaltet habe, auf den Besuch der „Alten Schmiede“, der auch angestanden wäre, habe ich verzichtet, sondern stattdessen mit dem Alfred ausgemacht, um acht ins Kino zu gehen.

Dann habe ich den Livestream einschalten wollen und es ist nicht und nicht gegangen und im Hintergrund hatte ich die 2015 Bücher und via Twitter sah ich die Preisträger, bekam auch ein bißchen, was mit von der Preisverleihung und um sieben, daß der Preisträger Bodo Kirchhoff ist.

Nun sein Buch hat mir nicht so besonders gefallen, bis auf die Stelle mit dem Flüchtlingsmädchen und dem Wirt der die Polizei holt, als die beiden Protagonisten, das ältere Paar, sie zum Essen einladen, habe ich es sehr konstruiert gefunden.

Das Melle Buch ist aber sehr speziell und eigentlich kein Roman, sondern eine Krankengeschichte, aber ich wiederhole es, sehr sehr gut, auch wenn das der Herr Biller vielleicht nicht verstanden hat oder ihm zu nahe kam.

Nun ich habe achtzehn der zwanzig Buchpreisbücher gelesen und viel über die deutsche Gegenwartsliteratur erfahren, ich habe auch wieder eifrig bei den offiziellen und inoffiziellen Bloggern kommentiert, die diesesmal gar nicht so viel gelesen haben, aber jetzt zum Teil in Frankfurt sind, während ich ja in Wien verbleibe und gerade genauso eifrig den österreichischen Buchpreis lese, der ja in einem Monat vergeben wird.

Da bin ich gerade beim dritten Buch, dem der Anna Mitgutsch, zwei warten noch und zwei der Buchdebuts und heute habe ich auch noch zwei Bücher von meinem Kritiker Uli geschickt bekommen, so daß mir der Lesestoff nicht ausgeht und ich auch wieder von meinem Zimmer aus ein wenig Frankfurtsurfen werde, nicht so viel wie sonst wahrscheinlich, weil ja am am Samstag GAV-GV ist und am Freitag Nachmittag kulturpolitischer Arbeitskreis und nun haben wir wieder einen neuen Buchpreisträger und das Schöne ist ja daran, daß hat, glaube ich, auch ein Juror so gesagt, dessen Video ich mir angesehen habe, während ich auf den Livestream wartete, daß man  lesen kann, was man will und ich habe mich schon ziemlich durch die deutsche Buchpreisliste gelesen und das war für mich, ich wiederhole es, sehr interessant,  die österreichische Liste ist auch sehr spannend und die Buchmesse, die Holland und Flandern zum Gastland hat, wird das sicher ebenfalls werden.

2016-10-16

Literarische Fernsehformate

Literatur und Fernsehen, wie geht das zusammen? Gar nicht wahrscheinscheinlich oder so wie Literatur und Internet, aber ich verbringe wahrscheinlich mehr Zeit mit dem Bloggen, als mit dem Lesen und Büchersendungen, die den Leuten das Lesen näherbringen sollen, gibt es natürlich auch.

Die kenne ich als Nichtfernseherin vom Hörensagen oder wieder durch das Netz, weil man sie sich dort ja anschauen kann und die legendärste und berühmteste, war, als es noch kein Netz gab, wohl das „Literarische Quartett“ mit dem legendären Marcel Reich-Ranicki, dem streitbaren alten Herrn mit dem dramatischen Lebenslauf. Als er gestorben ist, habe ich mir ein paar Tage lang, glaube ich, alle Videos, die es über ihm gegeben hat, samt dem berühmten Film, im Netz angesehen, der die Faust hochgehoben hat und laut „Das ist keine Literatur!“, geschrieen hat.

Er hat, glaube ich, auch, als die „Gefährliche Geliebte“ von Haruki Murakami besprochen wurde, seine Mitstreiterin  Sigrid Löffler bedleidigt und, als einmal einer der Zuhörer mitdiskutieren wollte, wurde er autoritär des Platzes verwiesen.

Er hat aber auch, als er 2008 oder 2009 einen Fernsehpreis bekommen sollte, diesen abgelehnt, weil die Büchersendungen im Fernsehen so spät stattfinden, daß die meisten Bücherleser schon schlafen, worauf ihn Elke Heidenreich, auch eine legendäre Bücherstreiterin unterstützte und ihre Fernsehleiste „Lesen“, die es dann eine Weile im Internet gab, verlor.

Das „Literarische Quartett“ gibt es inzwischen mit Maxim Biller, Christine Westermann, moderiert von Volker Weidermann mit jeweils einem Gast, wieder, wo offenbar nach dem berühmten Vorbild jeweils vier Bücher besprochen werden und dem 1960 in Prag geborenen Schriftsteller Maxim Biller, von dem ich einmal den Erzählband „Wenn ich einmal reich und tot bin“ gefunden habe, kommt offenbar die Rolle des Krokodils im Kasperltheater zu, der auftritt und zu dem jeweils zu besprechenden Buch „Das ist der größte Quatsch auf Erden!“, sagen soll und dabei lausbubenhaft grinst. Da wird er dann meistens von der mütterlich wirkenden Journalistin Christine Westermann unterbrochen, die soweit sie neben dem energischen Streibaren zu Wort kommt, das Buch verteidigt.

Ein paar dieser Sendungen habe ich mir schon angesehen, im Literaturcafe werden sie auch moderiert und den Leuten scheint der streitbare Herr Biller, der offenbar Peep in die Sendungen bringen soll, damit die Leute nicht einschlafen, auch zu gefallen.

Ich war bis jetzt indifferent, habe mir die Sendungen angesehen und die Achseln gezuckt, denn es ja irgendwie auch bei  mir so, daß ich für meine Bücherempfehlungen das Fernsehen nicht brauche.

Ich weiß nicht woher ich sie beziehe, aber ich habe keinen Büchermangel und bin derzeit sowieso wild beim Buchpreisbloggen, das heißt mit dem deutschen, wo der Preis ja Morgen abend vergeben wird, bin ich schon fast fertig und habe außer „Hool“ und „München“ schon alle Bücher gelesen und habe auch schon meine höchstpersönlichen Preisfavoriten, das heißt eigentlich zwei Katja Lange Müller, dicht gefolgt von Sybille Lewitscharoff und dann ist ja noch Thomas Melles „Die Welt im Rücken“  im Gespräch, das im Gegensatz zu den beiden anderen Büchern tatsächlich auf der Liste steht und obwohl das Buch ja kein Roman ist und den Preis wahrscheinlich bekommen wird.

So könnte ich es mir jedenfalls vorstellen und das meinen auch die meisten anderen Bücherblogger, dann steht noch Andrej Kubiczek mit seinem DDR-Roman auf der Shortlist, der mir  auch sehr gut gefallen hat.

Mir haben dann noch die Bücher von Reinhard Kaiser Mühlecker und Peter Stamm wenigstens tur Hälfte so gut gefallen, daß sie auf meiner persönlichen Shortlist wären und einige andere, wie beispielsweise Arnold Stadlers „Rauschzeit“ und Joachim Meyerhoffs „Ach diese Lücke, diese entsetztlich Lücke“, eher nicht.

Aber da merke ich mein Mißfallen an, beispielsweise diese eher schiefe Metapher in „Am Rand“ und schreie nicht „So ein Quatsch!“, denn ich habe es, da ich ja auch nicht so gerne verissen werden, nicht so mit dem Verreißen und denke, das muß man auch nicht tuin.

Im Fernsehen aber offenbar schon, obwohl es da auch Gegenbeispiele gibt, auf die ich noch zurückkommen werde, aber am Freitag wurde im „Literarischen Quartett“ mit den drei erwähnte n Stammmoderatoren und Thomas Glavinic, als Gast unter anderen die Buchpreisbücher von Thomas Melle und Andrej Kubiczek vorgestellt und Maxim Biller ist bei dem Memoir von Thomas Melle, wie schon beschrieben hergegangen und hat „Ich finde es eineKatastrophe, daß dieses Buch erschienen ist!“, gesagt und bei dem von Andrej Kubiczek hat er es ein paar Minuten später auch getan und hinzugefügt, daß man da sieht, daß die Buchpreise ein Quatsch oder Mist wären, wenn solche Bücher darauf kämen.

Da kam es dann zu einem Streitgespräch und einem mehr oder weniger kurzen Schlagabtausch zwischen Christine Westermann, die sich verteidigend einschaltete und dem Moderatur Weidermann, der glaube ich, den Melle vorgeschlagen hat und ich bin ein paar Minuten lang dagesessen und habe mir „Ho?“ gedacht.

Denn jenseits aller Kritik, die glaube ich, speziell das „Literaturcafe“ bezüglich dieser Sendeleistung hat, habe ich mir schon gedacht, daß das eine qualitätsvolle Sendung ist und es interessant ist, der Dikskussion zuzuhören, aber hier kann ich eigentlich auch nur „So ein Quatsch!“ sagen, denn ein bißchen Einwand habe ich ja auch, wenn Thomas Melle, morgen vielleicht den „Deutschen Buchpreis“ für den besten Roman des Jahres bekommt, denn „Die Welt im Rücken“ ist kein solcher, sondern ein Bericht über seine bipolare Depression und wenn ich dann einen anerkannten Fernsehmoderator sagen höre, daß das Buch nicht auf diese Liste soll, weil es etwas für Voyeure ist, dann setze ich aus.

Die berühmte Schwiegermutter, die sich für Joachim Meyerhoff interessiert und den toll findet und keinen Sohn und keine Tochter mit Psychoseerfahrung hat, wird zugegebenerweise mit dem Buch vielleicht nichts anfangen können, aber sonst finde ich, sehr wohl, daß man über diese Krankheitsbilder sprechen soll und wenn das dann noch am letzten wissenschaftlichen Stand und in einer literarischen Sprache passiert, ist es vielleicht nicht nur ein Buch für angehende Psychiater sondern eigentlich eines für alle, die sich für das Leben und seine Tücke interessieren und Thomas Melle ist mit seinen zwei früheren Büchern „3000 Euro“ und „Sickster“ schon auf der Long- oder sogar Shortlist gestanden und da ist er um den Brei herumgeschlichen und hat die manisch depressive Krankheit in Romanform beschrieben, also literarisiert und jetzt damit ein „Memoir“ oder einen „Personal Essay“ geschrieben.

Wie das geht, kann man im „Writerstudio“ lernen, in die Moderatorenwelt scheinen sich diese Begriffe noch nicht herumgesprochen zu haben, so fragte der streitbare Herr Biller, ob er nur den Inhalt oder die literarische form besprechen soll,  grinste diabolisch  und meinte dann, literarisch ists ein Schmarrn, da haben ihn dann die anderen widersprochen, die fanden, daß die Sprache literarischer, als der leichte lockere Plauderton, des Andrej Kubiczek ist  und ich habe von einigen Bloggern gehört, daß das Buch sie langweilen würde, weil da ja immer das gleiche passiert.

Natürlich, die Manie folgt der Depression und umgekehrt und einen Roman kann ich weglegen und sagen, das will ich nicht lesen!

Wenn ich selbst betroffen bin und die Phasen durchmache, werde ich wahrscheinlich daran scheitern und das ist es wahrscheinlich auch, was das Buch tatsächlich von einem Roman unterscheidet, weil ich das manisch depressive Krankheitsbild von dem sich die nicht Betroffenen auch gern herumdrücken, ja nicht wirklich kritisieren kann.

Die vier Kritiker haben es versucht, daß heißt Weidermann war begeistert, Westermann hat verteidigt und Thomas Glavinic mit dem ich als Schriftsteller  manchmal meine Schwierigkeiten habe, weil zu aggressiv, hat ja, glaube ich, auch einmal gesagt, er würde keine Bücher lesen, weil er sonst nicht zu schreiben kommt.

Das hört man manchmal von Schriftstellern und ist wahrscheinlich legitim, aber dann kamm man wahrscheinlich auch keine kritisieren. Thomas Glavinic hat sich aber trotzdem redlich bemüht und hat es, glaube ich, gar nicht so schlecht gemacht, obwohl die Kritiker im Netz von einem „stotternden Glavinic“ sprachen.

Ich meine eher, er hat sich nicht wirklich ausgekannt und nur ein paar Klischees widergegeben, wie das, das ich, glaube ich, einmal von Daniel Kehlmann hörte, daß alle Schriftsteller lügen würden und daß das Melle Buch daher natürlich ein Roman wäre.

„Ist es nicht!“, würde ich hier wieder antworten, obwohl es natürlich stimmt, daß es wahrscheinlich trotzdem literarisch aufbereitet wurde und, daß das gar nicht anders geht.

Aber ich würde mich nicht dem Satz anschließen, daß die Schriftsteller lügen, wenn sie fabulieren und hier geht es, um eine Autobiografie und spannend für mich war, die großen Namen des literarischen Quartett haben das Buch nicht verstanden.

Kann ja sein, aber dann sollen sie nicht darüber in diesen Ton reden, auch wenn das Fernsehen vielleicht einen Kasperl oder ein Krokodil haben will, um die Leute an der Stange zu halten, das brav „So ein Mist!“ schreit“

Zwei Bücher, die auf der Shortlist des dBp stehen werden das wahrscheinlich nicht sein, denn die Juroren dieses Preises werden sich ja etwas gedacht haben, als sie sie daraufsetzten und weil ich jetzt ja Buchpreis blogge habe ich die beiden Bücher gelesen und bin zu einem anderen Urteil gekommen.

Bei Beiden. Beim Melle habe ich gedacht, das ist kein Roman und dürfte den Ausschreibungskriterien nach also nicht gewinnen und bei Andrej Kubiczeks DDR-Roman in dem er das Leben mit Sechzehn in einem leichten lockeren Erzählton beschreibt, hat mir auch gefallen.

Auch, daß die Quintessenz ist, daß das Leben, wenn man sechzehn ist, tausend Mark inder Tasche und eine sturmfreie Bude hat, rauchen und trinken und den Mädchen nachschielen kann, auch in einer Diktarur sehr schön sein kann und ich war im Sommer 1985 mit dem Alfred und der kleinen Anna in der DDR, dort haben wir Alfreds Verwandten besucht, die uns bekochten und die Sehenswürdigkeiten zeigten und dabei habe ich sehr wohl die bösen Blicke der DDR-Bürger gesehen, die sie uns zuwarfen, weil wir schöner und bunter angezogen war.

Daß das Buch also ein wenig verklärt ist und  Renes Vaters ein Parteifunktionär ist, weil er sechs Wochen in die Schweiz reisen darf, habe ich mir  auch gedacht, sonst aber sehr wohl Kritik in dem Buch gesehen, Maxims Biller, der wieder losschimpfte, aber nicht und hier wurde er auch von Volker Weidermann, der auch Schriftsteller ist und das  Buch „Ostende“, wo sich Stefan Zweig und  einige andere Emigranten  im Sommer 1936 trafen, geschrieben hat, unterstützt, der ebenfalls meinte, daß man die DDR nicht verklären darf.

Warum eigentlich nicht, wenn man es so erlebte? Die realen Fakten kann man ja in anderen Büchern nachlesen und, daß die Sprache so niedlich und einfach ist, habe ich auch nicht empfunden, wenn es vielleicht auch ein Buch ist, daß sich an Jugendliche richtet und die beiden streitbaren Herren haben und deshalb schreibe ich diesen Artikel, meiner Meinung nach den beiden Büchern sehr geschadet, denn ich gehe ja davon aus, daß die meisten Zuhörer dieser Sendung, die Bücher nicht gelesen haben. Wenn die jetzt das Fernsehen abdrehten und mit der Erkenntnis schlafengingen, daß die beiden Shortlistbücher Quatsch sind und Buchpreise überhaupt das letzte, dann ist,  glaube ich, erstens etwas schiefgelaufen und zweitens stimmt es nicht und ich erwarte mir von Büchersendungen eigentlich qualifizierte Moderatoren, die ihr Geschäft verstehen und mich qualifiziert beraten  und nicht von vornherein „Quatsch und Mist!“, schreien, damit eine mütterlich wirkende Frau, die sich meistens nicht durchsetzen kann, die Bücher erfolglos lächelnd verteidigen kann.

So nicht, denke ich, die ich ja froh darüber ist, daß es keine Literaturkritik a la Reich Ranicki mehr gibt und, daß der auch sehr viel Schaden angerichtet hat, hat ja Michael Köhlmeier in seiner Rede zum „Bachmannpreis“ vor ein paar Jahren bewiesen.

Eine solche Literaturleiste brauche ich also nicht, es gibt aber noch andere.

In Österreich gibt es, glaube ich, die Sendung „Lesart“ die ich kaum kenne, weil ich kein Fernsehen habe und im Netz auch nicht darauf stoße, ich war aber zweimal live dabei, einmal im Literaturhaus als Katja Lange Müllers „Böse Schafe“ vorgestellt wurden und einmal zur Eröffnung der Buch-Wien in der „Grünangergasse“, da wird mit dem Publikum vorher der Applaus eingeübt und man muß sonst den Mundhalten und dann gibt es noch den Dennis Scheck mit seinem „Druckfrisch“.

Da gibt es eine Leiste, wo er sich an eine Rutsche stellt und die Spiegel-Bestsellerliste entweder hinunterschmeißt oder einbehält, auch etwas was mir mißfällt und man nicht machen sollte.

Wolfgang Herles hatte eine solche Sendung, wo er, glaube ich, Ferdinand von Schirach einmal sehr kritisierte, daß ich den Kopf schüttelte und es gab noch eine andere mit Amelie Fried, glaube ich, die inzwischen ebenfalls eingestellt wurde.

In der Schweiz gibt es den „Literaurclub“ und der gilt, glaube ich, als positives Gegenbeispiel zum „Literairschen Quartett“, da wird auch meist sachlicher dikutiert, als aber Elke Heidenreich vor ein paar Jahren, ein falsches Zitat brachte, hat man  nicht sie, sondern den Moderator abgesetzt und durch eine hübsche blonde Moderatorin ersetzt, was ich seltsam fand, während Elke Heidenreich noch immer mitstreitet und das vor letzte Mal, glaube ich, Michelles  Steinbeck mit  ihrem sehr experimentellen Debutroman, mit dem sie inzwischen auch auf der Scheizer Shortlist steht, eine Krankheit diagnostizierte.

So nicht, liebe Kritiker, würde ich da sagen, es geht auch anders, man kann würde ich zumindestens hoffen, auch im Fernsehen Bücher besprechen ohne sie zu verreißen und wenn man das schon unbedingt tun will, dann sollte man das differenzierter tun und nicht einen Moderator dafür einsetzen, der nur „Das ist schlecht!“ sagt und die qualfizierte Begründung dafür schuldig bleibt!

Es gibt aber wie ich bei den Bloggern lesen kann, auch eine deutsche Alternative, die deutlich besser ist und die ich mir vielleicht einmal ansehen sollte.

2016-10-12

Weit über das Land

Buch achtzehn der deutschen Longlist und das letzte was ich von dieser Liste habe, „Hool“ und „München“ fehlen mir, führt in die Schweiz und zu Peter Stamm und hat mich, ich gestehe es, etwas verwirrt und ratlos zurückgelassen. Denn jetzt habe ich ja einiges von Aufbrüchen älterer Männer, ihren Krisen und schließlich auch die umgekehrte Rückkehr einer Frau in ein Land, wo sie sich nicht willkommen fühlt, gelesen und es beginnt wieder mit einer Midlifekrise.

Ein Paar um die Vierzig mit zwei Schulkindern, sitzt nach der Rückkehr vom Spanienurlaub Ende August vor dem Haus, liest Zeitung, trinkt ein Glas Wein, dann steht die Frau auf, sieht nach den Kindern, beginnt die Koffer auszupacken und der Mann steht auf und geht, geht immer weiter und kommt nicht mehr zurück….

Die alte Geschichte von dem Zigarettenholen und diesen Anfang habe ich ja schon in Leipzig auf dem blauen Sofa gehört, da hat es mich gar nicht so besonders fasziniert, jetzt schon, die ersten zwei Drittel lang.

Denn da wird sehr bedächtig alles ganz genau beschrieben, immer in zwei Strängen, Astrid und Thomas, Thomas geht, durch den Wald, versteckt sich, schläft in einem Campingwagen, gerät durch Zufall in ein Bordell, trinkt dort zwei Bier, orientiert sich an den Bäumen, wäscht seine Wäsche im Fluß, während Astrid den Kindern am Morgen nach dem Aufstehen erzählt, der Papa ist schon weg, dann ruft sie die Sekretärin an, später erzählt sie ihr, ihr Mann ist krank und hat die Gürtelrose, später geht sie, obwohl man es nicht erwartet, zur Polizei, macht eine Vermißtenanzeige, die, ein freundlicher Polizist namens Patrick mit einem kleinen Kind, rät ihr seine Kontobewegungen zu beobachten.

Ja, da sind die zwei Flaschen Bier von dem Bordell und dann noch eine größere Abbuchung in einem Sportgeschäft bei einem Berg, denn Thomas hat sich dorthin bewegt, hat Rucksack, Bergschuhe, etcetera, eingekauft und marschiert los, jetzt fängt Patrick an, ihn mit einem Hund zu suchen, obwohl er Astrid vorher erklärte, daß man das Recht aufs Verschwinden hat.

Astrid fährt ihm auch nach, kommt in das Gasthaus, wo er die Nacht vorher geschlafen hat und dann, bis jetzt hat sich das Ganze innerhalb von ein paar Tagen abgespielt, sehr genau und sorgfältig erzählt, beginnt es über die Zeit zu springen und für mich verwirrend zu werden.

Denn plötzlich, es ist, glaube ich, Ende September,  Patrick kommt und sagt, „Wir haben ihn gefunden!“

Thomas ist auch in eine Felsspalte gefallen und hat sich den Fuß verknöchelt, er kraxelt aber wieder hinauf und geht in eine Almhütte, es hat inzwischen zu schneien begonnen und verbringt dort einige Zeit, Wochen oder Monate. Astrid läß ihn inzwischen für tot erklären, obwohl sie sich nicht, als Witwe fühlt und eine Leiche gibt es ja auch nicht, wieso also ein Begräbnis?

Es kommen dann auch Erinnerungen von beiden, die sich vor Jahren in einer Buchhandlung, wo Astrid gearbeitet hat,  kennenlernten, das ist eigentlich die erste Stelle, wo Thomas an Astrid denkt.

Sie denkt öfter an ihn und er verläßt die Alm wieder, kommt in  einen Ort, wo er in einer Pension wohnt, schwarz zu arbeiten anfängt, er ist Steuerberater, jetzt arbeitet er für einen Schreiner, dann verläßt er den Ort wieder und kommt mit falschen Paß durch ganz Europa und die Monate wechseln in Jahre, während, die Kinder inzwischen das Gymnasium besuchen, eine Lehre beginnen, zu studieren anfangen, die Tochter ein Kind bekommt und so aus den paar Tagen zwanzig Jahre wurden.

Dann hängt Thomas schon sechzig in einem Gerüst und am Schluß kehrt er in sein Haus und zu Astrid zurück, als wäre er nie fortgewesen und das Ganze ist so erzählt, daß man nicht immer ganz klar unterscheiden kann, wo sich jetzt die Realität in Phantasie verwandelt,  ob das jetzt real passiert oder Astrid sich das vielleicht nur ausdenkt und mit den allzu unlogischen Sachen und den Zeit- und den Handlungssrpüngen habe ich ja meine Schwierigkeiten.

Spannend ist es natürlich und man kann viel darüber nachdenken, über den Sinn des Lebens, denn eigentlich hat Peter Stamm ja zwei Romane geschrieben, einen langsamen und einen schnellen und man kann sich fragen, ob das jetzt ein Buch über den Sinn des Lebens ist und natürlich auch, warum steht der Mann plötzlich auf und geht weg, einfach so?

Beiindruckend war für mich, glaube ich, der Angfang bis zu der Stelle wo der Polizist, mit dem Astrid auch eine Beziehung anzufangen scheint, obwohl er ja ein schreiendes Baby hat, kommt und „Wir haben ihn gefunden!“, sagt, denn bis dahin wird alles sehr genau und auch sehr spannend erzählt und ich fragte mich die ganze Zeit, wie geht das weiter, wie ist das, wenn man auf einmal ohne viel Geld und Ausrüstung in den Wald und immer weiter geht?

Der Rest, der sich dann von Weihnachten und Ostern und von der Matura der Tochter bis zur Geburt des Enkelkindes und durch ganz Europa, ein paar Monate hier und ein paar Monate da, spannte, erschien mir unlogischer und auch der Wechsel von der Wirklichkeit in den Traum und umgekehrt,  denn ich mag ja lieber die realistischen Romane.

So bin ich mir nun nicht ganz sicher, ob ich es auf Platz sechs meiner persönlichen Shortlist reihen soll oder nicht?

Denn da hätte ich ja bis jetzt  Thomas MelleReinhard Kaiser-Mühlecker,  Andrej KubiczekSibylle Lewitscharoff und als ganz besonderes Highlight „Drehtür“ von Katja Lange-Müller.

Muß ich auch nicht und „Hool“ und „München“ können ja auch noch kommen, obwohl ich jetzt als nächsten ein Jugendbuch lesen umd mich dann an die österreichische Short- und Longlist mache, wo ich ja erst ein Buch gelesen habe und noch vier auf mich warten.

Von Peter Stamm habe ich jedenfalls den Erzählband „Wir fliegen“, „Agnes“ und „Sieben Jahre“ gelesen und ich kann noch erwähnen, daß er mit „Weit über das Land“ nicht auf Schweizer Shortlist gekommen ist, auf der aber interessanterweise unter anderen Michelle Steinbeck steht und ein bißchen an zwei Stellen hat mich das Buch auch an Anna Weidenholzers „Herren“, bzw ihre „Fische“ erinnert, obwohl es nicht wirklich damit zu vergleichen ist.

2016-10-10

Drehtür

Buch siebzehn der LL ist auch mein fünftes auf der SL, das geht jetzt Schlag für Schlag, auf die echte ist es nicht gekommen, obwohl es ein Episodenroman ist, der glaube ich, die Kriterien erfüllt, die manche Blogger auf der Liste vermißten, den sozialen Anspruch und die gesellschaftliche Relevanz, statt des eweigen Jammers um den Tod und das Sterben der sich in der Mildlifekrie befindenden älteren Herrn.

Das heißt, vielleicht geht es auch darum, obwohl es von keinem Mann geschrieben wurde, die 1951 in Ostberlin geborene Katja Lange-Müller, die 1986 den Bachmannpreis gewonnen hat und die ich einmal im Rahmen einer der Studentenlesungen im Literaturhaus hörte, ist eine von den sechs Frauen auf der langen Liste und ihre Heldin, die Krankenschwester Asta Arnold, ist genauso alt, wie sie, nämlich fünfundsechzig und  zur Krankenschwester wurde  Katja Lange-Müller, glaube ich, auch ausgebildet.

Der Unterschied befindet sich aber in der Idee und die finde ich sehr sehr originell, es ist kein Roman würde ich wieder sagen, sondern, wie bei Eva Schmidt, eine Ansammlung von Episoden, aber die sind eigentlich nicht zusammenhanglos, sondern drücken die pure Tragik des Lebens aus und die kann eine, wenn man so darüber nachdenkt,  eigentlich umhauen, so daß ich, wie einige andere auch nicht verstehen kann, wieso das Buch nicht auf die Shortlist kam, auf meiner wäre es und es ist sogar neben oder vor Sibylle Lewitscharoff mein Favorit.

Das Ganze spielt sich am Flughafen von München ab, wo ja nicht nur  Asylwerber stranden und von der Polizei aufgegriffen werden, sondern sich auch eine umgekehrte Rückkehr abspielen kann.

Die Krankenschwester, Asta Arnold fünfundsechzig, kommt vom jahrelangen Hilfseinsatz aus Nicaragua zurück. Nicht freiwillig, weil sie nicht mehr einsatzfähig war, sondern vermehrt Fehlleistungen brachte wurde sie mit einem Einway-Ticket sozusagen in Pension geschickt und Detail am Rande, weil das Geld nur bis Münschen reichte, dorthin, obwohl sie eigentlich in Berlin oder Leipzig wohnhaft ist.

Nun steht sie vor der Drehtüre, die in die vermeintliche Freiheit führt, muß noch auf ihr Gepäck warten, raucht eine Zigarette nach der anderen, Euro,s um sich etwas zu essen zu kaufen hat sie nicht und sie hat auch Schwierigkeiten mit dem Vaterland und der Muutersprache, was, angesichts der Tatsache, daß sie zweiundzwanzig Jahre im Ausland war, verständlich ist.

Sie hat jauch schon vorher ihr Vaterland verloren, gibt es die DDR ja nicht mehr.

So steht sie da, denkt an ihren Namen, sie heißt Asta, wie ein Schäferhund oder Asta Nielsen und sieht jedesmal, wenn sie daran denkt, daß sie etwas essen oder unternehmen sollte, einen Menschen, der sie an einen Bekannten oder eine Episode ihres Lebens erinnert.

Das Themen Helfen wird auch angeschnitten. Wozu macht man das, wenn ohnehin alles links und rechts herum, den Bachh herunter geht? Hat man ein Helfersyndrom? Asta, die noch in der DDR zur Krankenschwester ausgebildet wurde, höchstwahrscheinlich, denn der Erste den sie sieht, erinnert sie an einen Koreaner, den sie als junge Frau, in den Siebzigerjahren, von der Straße aufgegabelt hat, in ihr Zimmer brachte und weil er Zahnweh hatte, mit Tabletten versorgte. Am nächsten Morgen läuten dann die Angehörigen der Nordkoreanischen Botschaft, die dicht neben ihrer Wohnung angesiedelt ist, bei ihr, verneigen sich und überreichen einen Strauß Rosen für die erbrachte Hilfsbereitschaft.

Man sieht Katja Lange- Müller hat Humor oder auch eine gehörige Portion Sarkasmus und dafür ist sie auch berühmt geworden.

Die nächste Episode ist länger und passt eigentlich und genau genommen nicht ganz in die Geschichte hinein, dafür ist sie aber höchst beeindruckend und vielleicht sogar der Autorin selbst passiert.

Es ist nämlich die Geschichte einer Kollegin, einer Tamara, die auch als Erzählerin auftritt, die, bevor sie Krankenschwester wurde, Romane geschrieben hat und eine Kurzgeschichte, die von einer Singer-Nähmaschine handelt, die soll sie im Rahmen der Frankfurter Buchmesser einer Delegation indischer Schriftsteller vorlesen und wird daraufhin von einer indischen Feministin nach Indien eingeladen. Das Flugticket wird auch hier nicht ganz und zu spät bezahlt. Sie soll aber vor zweihundert verstümmelten Frauen lesen, die verätzte Gesichter haben, weil ihre Schwiegermütter sie in Feuer stießen und nur Singer-Nähmaschinen können sie vor dem Verhungern retten. So soll Tamara solche auftreiben.

Wieder eine Geschichte, um das Helfen, die Asta durch den Kopf geht, während sie überlegt, ob sie in den Supermarkt gehen und sich etwas zu Essen kaufen soll.

Sie kann es nicht, der Kulturschock, beziehungsweise, die Sozialphobie oder einLogophobie, die sie sich diagnostiziert, hindern sie daran.

So kreist sie munter weiter in der Flughafenhalle, wird an ihren Ex-Freund und einen Urlaub in einem tunesischen Touristenressort erinnert, wo sie eine schwangere Katze namens „Fettknäuel“ fand, die sie aufpäppelte und mit Essen versorgte, um ihren Freund zu ärgern, schließlich verschwand die Katze und ließ sie mit ihren sieben Jungen zurück, die nun sie versorgte, aber ihr Abreisedatum war auch schon längst festgelegt.

Ein Schauspieler der einen Naziarzt spielte, der nicht töten konnte, weil er immer, wenn er in die Augen seines Opfers sah, in Ohnmacht fiel, kommt vor und noch einiges anderes.

Dazwischen kreist Asta herum,  jüngere Leser fragen sich vielleicht, was das Ganze soll und sehen keinen Zusammenhang in der Geschichte, ich schon, denn ich denke an die Bruatiltälität des Lebens, die Krankenschwestern nach jahrelangen Auslandsaufenthalt einfach zurückschicken, weil sie nicht mehr können.

Natürlich gibt es in Deutschland einen Rentenanspruch, aber den muß man erst beanstragen. Dazu muß Asta den Kulturschock überwinden, die Sprache wiederfinden, sich in den Bus oder Zug nach Leipzig oder Berlin setzen und zuerst in ein Hotel und dann in ein ensprechendes Amt gehen.

Sie ist nicht dazu imstande, obwohl sie das könnte und die Asylwerber, die auf der anderen Seite stehen, werden vom Staat  gehindert, der lustig diskutiert, ob fünf Euro in der Stunde für den Hilfseinsatz nicht vielleicht viel zu viel für einen Asylsuchenden sind?

Am Ende, als sie schon beschloßen hat , doch wieder nach Nicuargua zurückzufliegen und sich dort mit einer eigenen kleinen Hilfsstation selbstständig zu machen, muß sie doch aufs Klo, diagnostiziert sichselbst einen Herzinfarkt oder Schlaganfall und liegt die Tasche mit den vorher im Duty free Shop eingekauften Zigarettenpäckchen am Boden:

„Asta schiebt sich ihre Umhängetasche unter den Kopf und die rechte Hand zwischen die Brüste, mit der linken umklammert sie die Duty-free-Tüte. Da sind noch neun Päckchen Camel drin, denkt sie, acht volle und eine angerissene, hundertneunsiebzig Zigaretten. Schade, daß ich die nicht mehr rauchen kann…“

Vielleicht irrt sie sich,  wird gefunden und in ein Krankenhaus gebracht, bekommt eine Rente und eine Sozialwohnung und das Leben, der verzweifelten Helferin geht noch zwanzig oder fünfundzwangig Jahre weiter. Von Burnout, Demenz oder Alzheimer war in anderen Besprechungen auch die Rede.

Wir wissen es nicht so genau, was ich weiß ist, daß das ein sehr beeindruckendes Buch ist, das genau mit dieser episodenhaften Erzählweise von dem Elend unseres Lebens ezrählt. Ein höchst gesellschaftskritischer Roman, der uns vielleicht dafür entschädigt, daß keines der Debutromane der jungen Flüchtlinge aus Saudiarabien oder  dem Iran, die in diesem Jahr erschienen sind, auf die lange Liste kamen.

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