Literaturgefluester

2018-03-22

Unter der Haut

Jetzt kommt, wenn man so will, das dritte Highlight von 2018 und es ist vielleicht eine Antwort auf die Blogbusterdiskussion, daß man da nur Bücher vorschlagen kann, die wirklich das ganz besondere sind, denn ein solches ist offenbar im Vorjahr auf die Longlist gekommen und hat dann, wie ich vor kurzem hörte, schon im März, also noch vor der Entscheidung, einen Verlag gefunden.

Was ich nicht wußte, so daß ich bisher dachte, daß es vielleicht Tobias Nazemi und Dennis Scheck nicht so ganz berühren konnte, es aber trotzdem beim „Piper-Berlin Verlag“ erschienen ist und mich hat es, schreibe ich gleich, berührt und denke einen so frischen und ungewöhnlichen Ton habe ich schon lange nicht gelesen, denn der 1976 in Köln geborene Gunnar Kaiser, der auch Blogger ist und den ich schon von seinem „Kaiser-TV“ kenne, versteht es, glaube ich vorzüglich auszusparen, durch Widersprüche hinwegzugleiten und immer wieder ein Stück voraus zu sein.

So ist das fünfhundert Seiten Ouvre ein sehr vielschichtiges Buch, das und das ist sehr interessant, in Amerika spielt und für mich ganz besonders wichtig, es geht um Bücher.

Um das Sammeln, um die Besessenheit und die Bibliophilie. Es geht um das Nazideutschland und die Frage, ob ein Jude morden kann?

So ganz habe ich das auch nicht mitgekommen, denn Gunnar Kaiser baut ja in sein Ouvre viele Schlefen ein und es ist auch ein Krimi.

Vielleicht hätte es deshalb den Blogbuster nicht gewonnen. Denn dort sind ja die Genres ausgeschlossen. Allerdings ein sehr literarischer. Eine Parodie auf die große amerikanische Literatur, die ich ja nicht so mag, ist es vielleicht auch und natürlich und da können die politisch korrekten Bloggerinnen vielleicht aufschreien, eine über den Sex oder die Jagd der jungen Männer nach den Mädchen mit den kurzen oder längeren Röcken.

Ein vielschichtiges Buch in verschiedenen Zeitebenen und verschiedenen Teilen geschrieben und, was mich etwas verwirrte war, daß der erste Teil nach dem zweiten folgte. Aber halt, es dann der zweite Teil davon und der Roman ist aus zwei Perspektiven geschrieben.

Da gibt es einmal in New York des Jahres 1969, den erfolglosen jüdischen Literaturstudenten Jonathan Rosen, der jagt natürlich, wie kann es anders sein, den Röcken nach und trifft dabei einen bibliophilen Sammler, der gerne klassische Musik hört, namens Josef Eisenstein.

Mit dem begibt er sich, sowohl auf die Frauen- als auch auf die Bücherjagd und schläft, glaube ich, auch mit ihm einmal in einem Keller eines Antiquariats auf Büchern und dann, da ist man in das Buch vielleicht noch nicht so hineingekommen, geht es in einen anderen Kontinent und bis in das Jahr 1918 zurück und in das „Leben eines Verbrechers“, denn da wurde Josef Eisenstein beborren. Der Vater hieß Samuel und war ein bedeutender Literaturwissenschaftler. Die Mutter Fanny  Schauspielerin und die spanische Grippe hat den kleinen Josef sehr geprägt, denn um ihn herum sterben seine Ammen und auch andere Frauen und es geht schon das Gerücht herum, der kleine Josef könnte vom Teufel besessen sein.

Der kommt aber vielleicht in anderer Form in den Dreißigerjahren nach Berlin und da die Mutter nach Wien ins Theater in die Josefstadt geht, kommt Josef zu einer Halbtante nach Berlin, nennt sich fortan Josef Schwarzkopf und entdeckt in dem Gymnasium, das er besucht, die Bibliothek und dort im Hinterkammerl, die Bücher jüdischer Autoren und auch das seines Vaters, die er zu retten beginnt.

Das heißt, er fängt an Bücher zu stehlen, geht da in Antiquariate und berühmte Bibliotheken und fängt später an, das Buchdruckhandwerk zu erlernen.

Mit dem Sterben geht es weiter. Zuerst ist das vielleicht nur ein Zufall, daß ein Mädchen mit einem wertvollen Buch ins Wasser fällt. Dann macht es Josef systematischer und geht „unter die Haut“, denn die kunstvollsten Bücher sind vielleicht mit Frauenhaut gebunden und da Gunnar Kaisers nicht an den skurillen Details spart, übt sich der Meister erstmals an Hitlers „Mein Kampf“ und da könnte man sich natürlich fragen, wieso dieses Buch in den Neunzehnhundertdreißigerjahren schon restauriert werden mußte?

In New York in das wir wieder zurückgehen, werden nun auch Frauenleichen ohne Haut gefunden und dann geht es wieder ein paar Jahrzehnte weiter und zwar nach Israel, wo Jonathan Rosen, der inzwischen  literarische Texte geschrieben hat und wahrscheinlich auch erfolglos versuchte, den großen amerikanischen Roman zu schreiben, in einen Kibbuz lebt und da bekommt er 1990 Besuch von einer schönen Frau. Einer ehemaligen Polizistin, die Josef Eisenstein auf der Spur ist und in Jonathan Rosen einen Zeugen, nämlich, den einzigen, der ihn erkennen kann, vermutet und überredet ihn mit ihr nach Argitienen zu fliegen, wo sie  in einem überschwemmten Hotel einer ehemaligen deutschen Kolonie Eisensteins Leiche finden und ein Buch, daß Rosen mit sich nimmt.

„Ich ziehe das Buch aus meiner Tasche, lege es auf mein Knie und auf ihres. Der Einband schimmert tiefrot im Schein der nacht. Ich befühle es lange, schteichle die weißen Buchstaben. Dann öffne ich die erste Seite.“

So endet Gunnar Kaisers Debutroman, den ich auch schon für den entsprechenden Preis vorgeschlagen habe und das mich einmal wirklich berührte. Mal sehen ob es auf die Shortlist oder die Longlist des dBps kommt?

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2017-02-16

Unter der Sonne

Filed under: Bücher — jancak @ 00:05
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Jetzt kommt wieder etwas ganz Altes, nämlich Daniel Kehlmanns, 1998 bei „Deuticke“ erschienener Erzählband „Unter der Sonne“, da war der 1975 in München geborene und in Wien aufgewachsene Sohn des berühmten Regisseurs Michael Kehlmann, gerade dreiundzwanzig.

„Beerholms Vorstellungen“, das ich mir einmal in einem Antiquariat in der Kirchengasse, um dreißig Cent kaufte, war da schon erschienen und das Buch stammt aus einem der Bücher-Türme der „Literatur im März“, wo ich mir ja damals viel mitnahm und langsam aufzulesen versuchte, als ich mir vor ein paar Jahren alle meine ungelesene Bücher auf meine Leseliste schrieb. Die habe ich im vorigen Herbst mitten meines Buchpreislesens, als sich die Rezensionsexemplare türmten und ich sah, daß ich sie nicht, schaffte, wieder umgeändert.

„Unter der Sonne“ ist daraufgeblieben und das Buch passt jetzt auch ganz gut, wurde gerade ein Theaterstück von Daniel Kehlmann, der ja inzwischen aufgestiegen und berühmt geworden ist, in der Josefstadt aufgeführt, deshalb war er auch in der Sendereihe im Gespräch und eine Frage beim Ö1-Quiz und ich habe von den noch nicht so berühmten Kehlmann „Der fernste Ort“, 2001, bei „Rund um die Burg“ sowie in der „Alten Schmiede“ gehört und die dabei gemachten Erfahrungen in meiner „Viertagebuchfrau“ verarbeitet.

Dann kam 2003 „Ich und Kaminsky“, alles schon bei „Suhrkamp“ erchienen und der kleine österreichische „Deuticke“ und inzwischen „Hanser-Ableger“ leidet ja noch immer, daß der große Khelmann ihn verlassen hat, obwohl schon ein Vertrag, für dann bei einem anderen Verlag erschienenes Buch, geplant oder vorhanden war.

Nun ja, die „Vermessung der Welt“ erschien 2005 bei „Rowohlt“ und machte den Autor schlagartig mit einem historischen Roman berühmt, interessant, bei dem Radiointerwiew sagte er, daß er in seinem Literaturstudium gelernt hat, daß man ja nicht, unter gar keinen Umständen mehr einen historischen Roman schreiben dürfe und dann kam vielleicht auch ein Knick, denn die späteren Werke sind möglicherweise nicht mehr so erfolgreich oder bekannt geworden.

„Ruhm“ habe ich jedenfalls gelesen und den Roman „F“ 2013, als ich noch nicht so buchpreisbloggte auf der LL des dBps und jetzt ein Griff zu den Anfängen und die sind, ich schreibe es gleich, sehr interessant.

Richtig, etwas habe ich noch vergessen. In einer der aus Leseproben zusammengeknipsten Gratisbücher zum Welttag des Buches des Hauptverbands, war einmal eine Kehlmann-Geschichte, die mich sehr beeindruckt hat, sonst würde ich den inzwischen auch nicht mehr so ganzen jungen Mann ja eher für einen sehr eifrigen und ehrgeizigen Schreiber halten, der vielleicht auch gut gefördert wurde und jetzt sind diese Kurzgeschichten, die ich ja gar nicht so gerne lese, auch höchst eindrucksvoll.

„Bankraub“ heißt die erste und da wacht ein höchst mittelmäßiger junger Mann mit einem ganz gewöhnlichen Leben, der eine kleine Wohnung hat, gerne Bücher liest, aber sonst keine Interessen, auf und hat, als er seinen Bankauszug ansieht, plötzlich durch einen Irrtum ein paar Millionen auf dem Konto. Er hebt sie ab, bekommt sie sonderbarer Weise auch gleich in einem Koffer, nimmt ein Taxi, fährt zum Flughafen und dann an einemfernen Ort, um dort ein neues Leben zu beginnen.

Geht wahrscheinlich und passiert auch in Echtzeit nicht, ist aber sicher der Traum des kleinen Mannes und sehr gut und sehr präzis erzählt, das ist wahrscheinlich auch Daniel Kehlmanns Stärke.

„Töten“ heißt die zweite und erzählt von genausoviel Mittelmäßigkeit, vielleicht auch ein Kehlmann Thema.

Sommerferien, irgendwo in einer Gartensiedlung, ein gelangweilter Vierzehnjährigerärgert sich über den Hund des Nachbarn, schnappt im rennenden Fernseher ein paar Sätze über das Böse im Menschen auf, geht auf die Straße findet einen Ziegelstein, schmeißt ihn auf ein Auot, geht zurück, klaut der Mutter Wurst aus dem Kühlschrank, vermischt sie mit Rattengift, füttert den Hund damit und die Mutter fragt beim Essen „Wunderbares Wetter, nicht. Genau richtig für die Ferien. War das nicht ein schöner Vormittag?“

„Doch!“, sagte er dann, „doch ja. Er war ziemlich gut!“.

Für mich noch beeindruckender die Titelgeschichte, in der ich  Vorstudien für „Ich und Kaminski“ vermute, denn da geht ein, wahrscheinlich, wie Kehlmann sagen will, wieder mittelmäßiger Literaturdozent auf die Suche nach seinem Idol, der heißt Bonvard und ist ein schon verstorbener Dichter, der einen Roman oder eine Trologie unter dem Titel „Unter der Sonne“ geschrieben hat und Kramer, so heißt der erfolgllose Dozent hat sein ganzes Leben ihm gewidmet. Seine Bücher gelesen, vielleicht wegen ihm Literaturwissenschaft studiert, Diplomarbeit, Dissertation, jetzt die Habilitation, die in einem mittelmäßigen Verlag erscheinen soll, allles ihm gewidmet. Er hat ihm auch öfter Briefe geschrieben und ihm seine Verehrung ausgedrückt, keine Antwort, der Sekretär des Berühmtes hat die Briefe wohl alle weggeschmissen. Jetzt soll das Buch „Bonvards Grab“ heißen. Ein Foto von desselben ist aber nicht aufzufinden. So reist der Wissenschaftler in der Sommerhitze, an den kleinen französischen Ort, wo der Dichter lebte, hetzt einen Berg hinauf auf den Friedhof, um vom Gärtner dort zu erfahren, das Grab liegt in einem anderen Ort. Er fährt dorthin, aber der Zug ist ein schneller, der nicht stehen bleibt, sondern direkt nach Paris fährt, wo der Wissenschafter auch am Abend einen Vortrag halten muß. Jetzt erkennt er seine Mittelmäßigkeit und fängt im Zug zu weinen an und der Schaffner geht betreten hinaus.

Nun, das ist vielleicht ein wenig übertrieben und was soll eine seit über vierzig Jahren erfolglos Schreibende, der öfter von ihren Kriikern geraten wird, doch endlich damit aufzuhören, zu dem Text eines Zwanzigjährigen sagen, der inzwischen viel höher aufgestiegen ist?

Den Nobelpreis, den Bonvard übermütig ablehnte „Solche Ehrungen der Mittelmäßigkeit benötige ich weder künstlerisch noch finanziell“, hat er aber noch nicht und wird ihn vielleicht auch nicht bekommen, denn wir haben ja schon eine Nobelpreisträgerin und Deutschland, wo Kehlmann jetzt wieder zu leben scheint, hat die auch schon und so füge ich nur hinzu, daß ich auch einmal an einem sehr heißen Sommertag auf den Grinziger Friedhof hinausgegangen bin und während die anderen in wahrscheinlich fröhlicher Runde beim Leichenschmaus saßen, vergeblich das Grab unseres Idols Thomas Bernhard suchte und es auch nicht gefunden habe, aber ich bin ja eigentlich kein Fan der großen Meister und also auch von diesem nicht.

Mit der genauen Beschreibung der Sinnlosigkeit des durchschnittlichen Lebens beziehungsweise dessen Extremsituationen geht es weiter.

In „Auflösung“ verschwindet einer in die Psychiatrie, weil er die Zeit verliert. in „Pyr“ legt ein Pyromane seinem Autor die Liebe zum Feuer in die Feder und in „Schnee“ verschwindet der Direktor einer Firma in den weißen Massen und erlebt ein nie geahntes Glücksgefühl dabei.

Wie schon gewußt, sehr präzise und genau erzählt „Ein Fall von früher Meisterschaft“, schrieb die „Abendzeitung am Buchrücken.

Wir wissen  nun inzwischen, wie es mit Daniel Kehlmanns Begabung weitergegangen ist.

 

2014-01-25

Gesundenuntersuchung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:10

Träume bieten, wie man weiß und nachlesen kann, einen Einstieg in das Unbewußte und sind auch eine gute Inspirationsquelle für das Schreiben.
So habe ich mir meine Träume auch immer wieder aufgeschrieben und gelegentlich in meinen Texten eingearbeitet.
In letzter Zeit waren sie aber nicht so intensiv, daß sich das Notieren lohnte, bezeihungsweise gleich nach dem Erwachen vergessen.
Verfolgungen, Gehetztwerden, Gefühle von Hilflosigkeit und unlogischen Handeln beziehungsweise dem nicht richtigen Wehren können, kamen wie in Träumen üblich, vor.
Aber dieser, den ich letzte Nacht hatte war so intensiv und auch interessant, daß ich ihn ins Literaturgeflüster stellen möchte. Es ging dabei um eine Gesundenuntersuchung, dieser Titel ist mir nach dem Aufwachen eingefallen und die Untersuchung war in drei Teile aufgesplittert.
In Bussen wurde man dorthin gebracht, dann mußte man eine Stiege hochklettern, ich war, wenn ich mich nicht irre, bei den Ersten, meine Freundin Elfi war auch dabei. Eine Schwester kam und teilte Pillen aus, die man zur Untersuchung nehmen mußte, meine ist mir gleich einmal aus der Hand gefallent. Eine Frau, war, glaube ich, auch noch dabei. Dann ging es in den zweiten Teil und an einen anderen Ort, das war ein großer heller Raum, wo man zuhören konnte, wie sich die Schwestern oder medizinische Assistenten über ihren Urlaub unterhielten, Gegenstände wurden glaube ich auch herumgeschoben und ich hörte, daß die Frau, die beim ersten Teil gewartet hat, inzwischen verstorben ist, im dritten Teil bin ich wieder in einen Pavillon der im „Steinhof“ gelegen sein könnte, hinaufgeklettert.
Das läßt sich nun herrlich interpretieren oder nachdenken, wie es in den nächsten Text hineinkommen könnte, denn das ist ja ein bißchen mein Problem und für mich ungewöhnlich, daß ich nicht weiß, was ich als nächstes schreiben werde und mich auch dafür fürchte, daß ich eines meiner Themen, das ich schon hatte, wieder aufgreifen und nochmals bearbeiten könnte. Ich glaube zwar an den Satz „Man schreibt immer den selben Roman, sein Leben lang!“ und die meisten haben meine zweiunddreißig literarische Bücher ohnehin nicht gelesen, so daß das gar nichts machen würde.
Der Alfred hat bei den „Dreizehn Kapiteln“ aber gesagt, schreib nicht so viel und wiederhole dich nicht so oft! So daß ich diese Warnung erst nehmen sollte. Ich bin auch noch gar nicht so weit, mich um das nächste zu kümmern. Gibt es da ja noch zwei Bücher, die auf das Fertigwerden warten. Bei den „Kapiteln“ hat mir der Alfred jetzt den Text und den Umschlag zur Endkorrektur gebracht, so daß es die Vorschau bald im Blog geben könnte und auf die Website wird das zweite Kapitel „Die gesprengten Gräber kehren zurück“, die Geschichte des Sinologen Ernst Schwarz kommen.
Dann gibts noch die „Brüderschaft“ und da komme ich nur sehr langsam weiter, denke, macht ja nichts, wenn ich trödle, ich soll mir ohnehin Zeit lassen, also tue ich es und warte auf die Reaktionen der anderen, beispielsweise im „Literaturgeflüster“, aber da kommt ja nicht sehr viel, obwohl ich jetzt einen neuen Follower habe, den ich herzlich begrüßen möchte und Gerhard Jaschke mein „Geflüsterbuch“ mehrmals sehr begeistert lobte, mir zu meinen Erfolg gratulierte und meinte, daß ich ja nicht aufhören soll. Das habe ich ohnehin nicht vor und als ich schrieb, daß der Erfolg noch auf sich warten läßt, hat er mir zur Aufmunterung einen Text darüber geschickt, den er bei den Podiumslesungen im Cafe Prückl vorgetragen hat.
Zu lange sollte ich aber auf die aufmunternden Reaktionen doch nicht warten, obwohl ich ja einen Aufruf nach Ideen und Themen machen könnte.
Denn einfallen würde mir immer noch eine Sechzigjährige, die in ihre Bücher steigt und daraus Geschichten macht und das hatte ich ja schon wirklich öfter bearbeitet, war das ja das Thema der „Dora Faust“, die „Kapitel“ beginnen so, die Tante Lilly liest und beim Nanowrimonovel von 2012 habe ich glaube ich, so etwas Ähnliches geschrieben, daß mich eine Leserin fragte, warum immer über Bücher oder alte Leute schreiben, warum nicht über etwas ganz anderes? Nun gut, ich bin für Ideenspenden offen und werde, wenn ich mit dem Korrigieren fertig bin, mich auch bereitwillig auf Ideensuche machen und kann und will mir auch Zeit dafür lassen.
Bezüglich der Lese- und Reisepläne gibt es eine Änderung, wollte der Alfred ja unbedingt nach Portugal fliegen und dort eine Kreuzfahrt machen. Schon im letzten November und jetzt nochmals, so daß ich mir schon Portugal-Literatur besorgte und mir zu den beiden Saramagos, die schon auf meiner Leseliste stehen, noch einen Lobo Antunes und eine Gedichtesammlung kaufte.
Jetzt wurde auch diese Reise abgesagt und wir werden stattdessen wahrscheinlich noch einmal mit der Schwiegermutter nach Bük ins Bad fahren, was nichts macht, da von den Büchern, die ich mir im November mitgenommen habe, einige ungelesen blieben und ich vorige Woche eine große „Ungarn-Anthologie“ mit neuen Texten im Schrank gefunden habe. Ein Ungar steht auch auf der heurigen Leseliste und ein Buch von der Magda Szabo habe ich auch, das ich das letzte Mal vergessen habe.
Ansonsten lese ich mich sowohl durch den Haruki Murakami, der mir sehr gut gefällt, beziehungsweise den Karel Capek von der Harlander Leseliste, in den ich mich noch ein bißchen einlesen muß.
Susanne Schneider hat sich vor ein paar Tagen bei mir gemeldet und mich an den „Katzenfasching“ erinnert, da habe ich den Text schon zum Jahresende geschrieben und für die „Männer Frauen Lesung“ zu der mich Irene Wondratsch im Mai in den Republikanischen Club eingeladen hat, würde aus den „Dreizehn Kapitel“ die „Frau am Fenster“ passen. Da ist das Buch dann vielleicht schon fertig oder wieder gerade nicht, wie bei der Lesung in der Klimt-Villa oder das „Literaturgeflüstertextebuch“ beim letzten Geburtstagsfest.
Mit den Bücherbeschränkungsplänen klappt es noch immer nicht richtig, habe ich da ja am Monatag, als ich zur „Ernst Kostal-Lesung“ gegangen bin, sowohl ein Buch von Jonathann Tropper gefunden, auf das ich bei den Blogs aufmerksam geworden bin als auch eines über eine lesende Frau, das mich natürlich interessierte und am Dienstag hat dann einer sechshundert oder wahrscheinlich weniger Krimis eingeräumt, die ich ja auch sehr gerne lese.

2011-07-19

Unter Dreißig

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:41

Als ich Sonntag mit dem Zug von Krems nach St. Pölten gefahren bin, habe ich das Profil durchgeblättert, das sich Alfred am Bahnhof kaufte und bin im Kulturteil unter dem Titel „Etwas kommt ins Rollen“, auf einen der raren Berichte über Literatur und auf den Versuch eine allgemeine Tendenzen im Schreiben jüngerer Österreicher zu orten, gestoßen.
„Namhafte Verlage, renommierte Preise, enthusiastische Rezensionen: Österreichs Schriftstellerinnen und Schriftsteller drängen neuerdings verstärkt an die Öffentlichkeit.“
Dann folgten zehn Namen und zehn Kurzportraits unter Dreißigjähriger, die quer durch den Krautgarten auf jeweils einer halben Seite „über lästige Fragen, Schreibblockaden und das Glück im stillen Kämmerlein zu sitzen“ ausgefragt wurden.
An sich mag ich solche Verallgemeinerungen nicht, da stellt man im hinteren Drittel der Wochenzeitschrift auf ein paar Seiten Clemens J. Setz, Nadja Spiegel, Gerhild Steinbuch, Reinhard Kaiser Mühlecker, Sonja Harter, Bernhard Strobel, Phillipp Weiss, Lukas Meschik, Barbara Aschenwald und Ann Cotten, die meisten acht- oder neunundzwanzig, nur Nadja Spiegel und Lukas Meschik stechen da mit neunzehn und zweiundzwanzig aus dem Reigen, schreibt ein paar Zeilen über die letzte Veröffentlichung, stellt Fragen wie „Müssen Autoren also intensiver leben?“ oder „Wie gehen Sie mit Erfolgsdruck um?“ und wirft in einem Vorwort auch noch ein paar Thesen, wie „Das Arbeitsverständnis dieser Autorinnen und Autoren ist zugleich von Pragmatismus und Professionalismus geprägt, vom Schreiben als Handwerk im besten Sinn“ oder Behauptungen wie „Mit der zumal in Österreich traditionell gepflegten Ansicht vom Autor als Originalgenie hat die junge Generation wenig am Hut“, aufs Papier
Das Nachwort in diesem Literaturschnellkurs fehlte und natürlich auch andere Autoren unter Dreißig, wie Cornelia Travnicek, Sara Wipauer, Martin Fritz, Anna Weidenholzer, Robert Prosser, Magda Woitzuck, Yasmin Hafdeh, Cornelia Hülmbauer, Sophie Reyer, Valerie Fritsch, Emily Walton, um mal elf aufzuzählen und auch die, die meinem gestrigen Artikel zufolge ebenfalls schreiben, aber nicht den Fm4 Wettbewerb gewonnen haben, einen Blog zur Selbstdarstellung führen oder in den renommierten Verlagen aufgefallen sind, also die, die zwar auch schreiben, über die die renomomierten Literaturkritiker nichts wissen, bzw. es nicht der Mühe Wert erachten sie in einem Profil-Artikel vorzustellen und ihnen Fragen wie „Was ist schön daran im stillen Kämmerlein zu schreiben?“, „Muß man wie besessen lesen, um selbst Autor werden“ oder „Sehen Sie sich in Konkurrenz zu anderen jungen Autoren?“ stellen“
Ich mag wie erwähnt, diese Verallgemeinerungen und auch den Versuch aus zehn Kurzportraits eine Theorie über die österreichische Literaturlandschaft der unter Dreißigjährigen auszustellen nicht, fürchte aber fast, daß der Literaturbetrieb so abläuft, habe ich mich doch vor ein paar Jahren gewundert, als ich in der Gesellschaft der Literatur bei der Präsentation des neuen, noch nicht ganz auf Deutsch übersetzten Buches, einer jungen rumänischen Schriftstellerin war, daß es am Buffet mit, ich glaube, Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ verglichen wurde und war baff, wäre mir ein solcher Vergleich bei einem Roman, der von einem Kindertransport in ein rumänisches Ferienlager handelt, nicht eingefallen. Wie kommt der Zuhörer darauf?, habe ich mich gefragt. Inzwischen fürchte ich fast, daß das vielleicht eingefallen ist, weil man Robert Musil eben kennt oder kennen muß, aber damit wird schon wieder vieles ausgeschlossen und das störte mich bei diesem Vergleich und stört mich auch an diesem Artikel, obwohl es sicher gut gemeint ist, der Profil-Leserschaft, die vielleicht nicht so viel, wie ich in die Alte Schmiede geht, die österreichische Gegenwartsliteratur an ein paar Beispielen, in ein paar Zelen mit ein paar Verallgemeinerungen näherzubringen.
Zuerst habe ich „Wow!“, dann habe ich nachgedacht und bin darauf gekommen, daß in diesen Gemeinplätzen gar nicht so viel Erkenntnis steckt.
Gut, ein paar jungen Autoren haben in den letzten Jahren Preise gewonnen, Clemens J. Setz mit seinem Erzählband „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ den Leipziger Buchpreis 2010 und da waren, wie ich mich erinnern kann, alle überrascht, weil die meisten gedacht haben, Arno Geiger würde ihn bekommen. Valerie Fritsch, Martin Fritz und Cornelia Travnicek einen der fm4-Literaturpreise, Anno Cotten und Gerhild Steinbuch den Priessnitz-Preis und Reinhard Kaiser Mühlecker hat schon drei Romane bei Hoffmann und Campe verlegt und all das ist interessant und sicher wichtig für die österreichischen Leser und Leserinnen zu wissen, daß es mehr Autoren, als Elfriede Jelinek, Barbara Fritschmuth und Friederike Mayröcker gibt. Ich glaube ohnehin, daß sich die österreichischen Zeitungen und Zeitschriften viel zu wenig mit Literatur beschäftigen, so sollte ich über „Etwas kommt ins Rollen“ eigentlich nicht Maulen, sondern mich darüber freuen, daß dem Profil die junge Literatur im Sommer sechs Seiten wert war.
Ich schreibe im Literaturgeflüster auch immer wieder darüber und habe, aufmerksame Leser werden es bemerken bei meiner Ergänzung sicher einige genauso wichtige Namen vergessen.
Die Teilnehmer am Hochschullehrgang für Sprachkunst habe ich dabei vollständig ausgelassen, die Autoren vom Ohrenschmaus und sicher auch ein paar Poetry-Slamer, also frage ich mein Publikum, wer fehlt noch?
Für Ergänzungen bin ich dankbar und kann, wenn es gewünscht wird, dem ersten dem was einfällt, sogar mein neues Buch zur Verfügung stellen, allerdings der teuren Posttarife wegen nur innerhalb Österreichs und wenn es geht, gegen Abholung.

2011-07-17

Unterwegs mit den drei S

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:20

Auf der Fahrt nach Wilhelmsburg am Donnerstag ist mir ziemlich schnell eingefallen, wie ich den neuen Roman, ich nehme einmal an, daß es einer wird, beginnen könnte. Wieder wenig originell mit einem Geburtstagsfest, allerdings feiern alle drei Heldinnen eines und jede auf höchst unterschiedliche Art. Daß die Selma im offenen Bücherschrank den „Granatapfelbaum“ findet und ihn Sevim übergibt, wenn sie sie am Rathausplatz trifft und, daß sowohl Sevim, als auch Svetlana einen Tanzkurs zum Geburtstag bekommen, waren weitere Einfälle.
Am Freitag habe ich „Die Frau auf der Bank“ begonnen und die drei Geburtstagsszenen hingeschrieben. Selma feiert um Mitternacht mit einem Fläschchen Hofer Sekt vor dem Springbrunnen im Rathausplatz allein, Sevim wartet auf Bülent, der nicht kommt, dafür kommt ihre Freundin Leila und bringt Rosen, Sekt und den Gutschein für den Tanzkurs mit und Svetlana kommt von ihrem Dienst nach Hause, ihre Familie hat eine Geburtstagsparty vorbereitet und einen Gutschein für einen Tanzkurs bekommt sie auch.
Soweit die Einführung in die drei S und so wirds wahrscheinlich auch heißen „Die Frau auf der Bank oder dreimal S“.
Am Freitag war ich noch mit dem Mailwechsel zwischen dem Alfred und dem digitaldruck.at beschäftigt. Das PDF von „Absturzgefahr“ ist jetzt an die Druckerei gegangen, das Korrekturexemplar als PDF zurückgekommen. Ich war damit zufrieden, dem Alfred ist aber aufgefallen, daß die Buchbeschreibung Schlangenlinien wirft. Mal sehen, wie es weitergeht, ob das Buch kommende Woche kommt und ob auch der Umschlang in Ordnung ist.
Am Samstag bin ich wieder einmal auf den Klangturm hinaufgefahren, habe mir die Ausstellung angeschaut und meinen Roman im Kopf mitgenommen. Vor allem die Figur und die Geschichte der Sevim Erdogan habe ich schon ziemlich plastisch vor mir, die wird sich im Lauf der Handlung scheiden lassen und viel Material habe ich eigentlich auch schon. Bei der Svetlana ist das ähnlich, die wird von ihrer Patientin Selma, die eine Paranoia, keine Borderlinestörung hat, aufgefordert sich in OA Hardenberg zu verlieben, bzw. sich in die Beziehung einzulassen, wie das mit Selma wird, ist noch am unklarsten. Das sind die dunklen Flecken oder auch das Schwammige sozusagen.
Ich bin Donnerstag und Freitag wieder mit meinen Büchern in die Badewanne gegangen, um mich vor allem in die zu vertiefen, wo schon Selma Vorformen zu finden sind und da ist es mir ähnlich, wie beim letzten Mal gegangen, es gibt ein paar Sachen, die finde ich sehr gut und schade, daß das noch nicht aufgefallen ist und ansonsten habe ich natürlich Wiederholungen und Schwachstellen, habe ich ja schon wirklich viel geschrieben und höchstwahrscheinlich fehlt mir wirklich das Lektorat.
Gestern habe ich weitergeschrieben und da kamen schon die ersten Zweifel und Schwierigkeiten. Die vierte Szene war eine über Sevim, schließt an das Geburtsfest an und erzählt, wie es weitergeht, sie fährt mit dem Gutschein auf den Rathausplatz, um in weiterer Folge Selma dort zu treffen. Da kam dann schon die Frage, wie weit soll ich in die Vergangenheit zurück und was ist jetzt die Handlung? Vielleicht zurück zum Start und von vorne anfangen, also erzählen, wie es war, wie die Kinder im Kindergarten einen Ausflug machten, Sevim mitfahren wollte, den Bus versäumte und dann zum ersten Mal in ihrem Leben mit den Zug gefahren ist. Aber wie mache ich das? Zuviele Rückblenden gehen vielleicht nicht, jetzt ist Sevim ja fünfundreißig und Aysha und Aygül zehn und fünfzehn und was ist die Handlung? Daß sie sich scheiden läßt, wie kommt sie dorthin?

Also doch nicht so einfach. Ich habe noch eine Selma Szene geschrieben und mich dann entschloßen in die Vergangenheit der Sevim zurückzugehen.
Ich werde mir auch drei Hefte anlegen für jede S eines und die Biografie bzw. den Charakterbogen ausfüllen und Materila sammeln.
Viel mehr Handlung habe ich bis jetzt nicht, nur den Vorsatz, mir diesmal wirklich viel Zeit zu lassen, die drei Geschichten ineinander verknüpfen und wenn es geht so oft umschreiben bis es wirklich passt. Damit bin ich in den Sonntag, da habe ich noch kurz Thomas Wollinger einen Kommentar auf seine neue Erfolglos Schreiben Folge mit diesen Problemen geschrieben, dann bin ich mit dem Alfred mit dem Rad nach St. Pölten gefahren und von dort mit dem Zug nach Melk, wollte er er doch zum Glatt und Verkehrt Festival und da trat am Nachmittag in Rossatzbach bei einem Heurigen das Kollegium Kalksburg auf. In Schwallenbach haben wir die Gaby getroffen, die sich dort, nachdem sie auf Ruth Aspöcks Dichterradkarawane 2007 mitgefahren ist, ein Haus kaufte und die wir immer besuchen, wenn wir dort vorbeikommen. Mittagessen in Spitz mit der Fähre auf die andere Donauseite, dazwischen eifrig Marillensammeln, was ja auch ein Highlight der sommerlichen Radtouren durch die Wachau ist.

Um drei waren wir bei dem Heurigen, sind in der Hitze und dicht an der Bühne gesessen, haben Wienerlieder gehört und uns mit den Leuten am Tisch unterhalten, dann mit einer kleineren Fähre über die Donau und bis Krems gefahren. Von dort mit dem Zug nach St. Pölten. Inzwischen gab es einen Wetterwechsel, wurde es doch sehr windig und meine drei Frauengestalten sind mir inzwischen irgendwie auch entschwunden. Ich werde mir morgen aber die achtzehn Seiten ausdrucken. Morgen besucht mich auch meine Cousine Irmi und als ich ds letzte Mal bei ihr war, bin ich kurz darauf mit der „Absturzgefahr“ fertiggeworden und zu den „Zwillingswelten“ hat sie mich auch ein bißchen inspiriert. Mal sehen ob das diesmal auch so wird und, daß ich vielleicht versuchen sollte, mich besser zu verkaufen, ist vielleicht ein auch nicht unwichtiger Aspekt, denn möglicherweise krankt es schon ein bißchen, daß ich da nicht sehr erfolgreich bin, nur wie ich das machen soll, ist noch schwieriger, als aus dem vorhandenen Material einen Roman zu schreiben.

2011-04-01

„sechs österreicher unter den ersten fünf“

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:50

Das ist eine Werbepostkarte, die in der Wohnung des Protagonisten hängt und der Roman einer Entpiefkenisierung des 1965 in Duisburg geborenen und seit 1987 in Wien lebenden populären Kabarettisten und TV-Moderator Dirk Stermann, ein Buch das 2010 erschienen ist, soviel ich weiß, noch immer in großen Stößen bei Thalia und Morawa zu finden ist, das von mir im Jänner im offenen Bücherschrank gefundene, ist die 7. Auflage und offenbar ein nicht passendes Weinachtsgeschenk, denn ein silbernes Sternchen verklebt noch immer den Preis. Aber das Duo Stermann und Griessemann aus dem Salon Helga von FM4 mag nicht jeder, mir waren die diversen Scherzchen, die ich hören mußte, wenn wir früher Freitagabend mit der Anna nach Harland gefahren sind, auch ein wenig zu plump, aber ich habe ja keine Vorurteile gegen Bücher und so habe ich das Buch gelesen und war angenehm überrascht, fand ich ja nicht den Superblödler, wie ich es eigentlich erwartet hatte, obwohl ein bißchen mit Vorurteilen fängts schon an.
Da beschreibt der Autor, wie er im Wintersemester 1987/88 mit dem alten Taxi eines Freundes von Düsseldorf nach Wien gekommen ist, da fuhren sie zuerst in den Süden, dann nach Osten und da kamen auch die Familienvorurteile auf, über die DDR und, daß den Ostberlinern Wien vertrauter als Westberlin ist und von der alten Tante Olga, die den kleinen Dirk im Westen besuchen durfte und für all die schönen Westgeschenke wie Jeans und Salami ein selbstgehäkeltes Taschentuchsackerl mitbrachte, von dem der Dirk im Taxi noch nicht wußte, daß es ein solches ist, denn die Deutschen oder Piefke sagen ja „Tüte“ dazu und so kommt er in das fremde Ausland und versteht erst einmal die Sprache nicht, da trifft er auf der Uni aber einen deutschen Kommilitonen und der drückt ihm ein Vokabelheft in die Hand, wo man lernen kann, wie es heißt.
„Links das österreichische Wort, rechts das richtige also Karfiol statt Blumenkohl, Fiolen statt Bohnen“, weil es hier aber um Österreich und nicht nur um das k u. k angekränkelte Wien geht, lernen wir auch daß die Kärrntner „Strankalen“ sagen. Trotzdem ist es schwer mit diesem Österreich, wo man statt Weißweinschorle einen Gespritzen trinkt, der Köllner Hartmut, der geizig ist, nimmt den Dirk erstmal auf eine Party in ein wunderschönes Altbauhaus, in eine WG mit Friedenszins mit,“ wo es zwölf Zimmer mit riesigen Flügeltüren und Doppelstock“ und einen uralten Aufzug in dem nur die Hausbewohner fahren dürfen, dafür aber mit Spiegel und mit roter Plüschsitzbank gibt, dort lernt er zwei Frauen kennen, betrinkt sich mit einem Viertel Sliwowitz und hört, wie es Hartmut mit dem Qualtinger versucht, den er natürlich nicht parodieren kann.
So schleppt der unbedarfte Dirk die zwei betrunkenen Frauen die Stockwerke hinunter, läßt sich an Mezzanin und Hochparterre verwirren und den goldenen Wienercharme trifft er dabei auch, er landet schließlich im Bett der einen, wo er seinen späteren Freund Robert kennenlernt und weil die Freundin Interviews für den Jugendsender macht, nimmt sie ihm am nächsten Morgen mit und Dirks Karrere als Radiomoderator beginnt.
Das Buch hat eine Rahmenhandlung, es beginnt mit der Fahrt nach Wien, führt zu Roberts dreißigsten Geburtstag, am Schluß steht er kurz vor dem Vierzigsten, das will Dirk feiern, in dem er für Robert die Rache in Cordoba nachinszenieren will, also ein deutsch-österreichisches Fußballspiel zusammenstellt.
Er ist inzwischen verheiratet, hat in Sophie eine friedliche Frau gefunden, die die Endemiten studiert und eine kleine Tochter nahmens Kina, da kann man jetzt philosophieren, wie sich das aussprechen läßt?
„Oachkatzerlschwoarf“, kann er inzwischen sagen und er ist auch von Papgenogasse, wo er ins Theater an der Wien hineinsah und immer die Darsteller bedauerte, die sich für „Cats“ schminken ließen.
„Daß die Mullahs im Iran Verbrecher vor die Wahl stellen: Hand ab oder Cats ansehen und sich die meisten für die Hand entscheiden“, ist ein böser Witz, aber zum Glück sind nur wenige in dem Buch enthalten, dafür ein paar treffende Charakterbeschreibungen, die so weit ich es nachvollziehen kann, auch Wahrheitsgehalt haben.
So gab es in der Wohnung in der Papagenogasse eine brustamputierte Alkoholikerin, die jeden Abend Männer nach Hause schleppt, aber keinen Schlüßel hat und eine mit Kleinkind die regelmäßig betrunken im Treppenhaus liegt, das wird vielleicht übertrieben sein, im Laufe der Jahre übersiedelt er in die Kettenbrückengasse in Schuberts Sterbehaus und schreibt da von der „Wie spät ist es Frau“, die immer aus dem Fenster nach der Zeit fragte und die habe ich gesehen und gehört, da ich ja auch öfter durch die Kettenbrückengasse gehe, ich glaube allerdings, sie rief aus ein paar Häusern weiter unten.
Dirk wohnt mit Kira und Sophie jedenfalls in dieser Gegend und trifft auch seine Freunde dort und das sind ein paar urige Typen, der ostdeutsche Rocco, der Geschichte studierte, dann in Tirol Gastarbeiter war und beim Fußballspielen über die Berge kullerte, so daß er in einem Gefangenenspital einen Zahnarzt kennenlernte, der sämtliche alte Zahnarztinstrumente aus sämtlichen Museen auf Bestellung stiehlt und dadurch reich und berühmt wurde, das mag vielleicht auch nicht stimmten, dann gibt es noch den patscherten Architekten, dem den Hund seiner Freundin aus dem Fenster springt und den sie dann ins Krematorium führen müßen.
So wird Wien und Österreich erklärt und sich dem fremden Land mit der ähnlichen Sprache angenähert, bzw. ein Verkaufserfolg erzielt, denn Bücher über Österreich werden ja auch in Deutschland gern gelesen, so erfährt man auch ein bißchen was über Vorarlberg und das, was die Deutschen immer schon über Wien und Österreich wissen wollen, daß der 71 zum Zentralfriedhof fährt, beispielsweise, vom Nachmarkt mit seinen Würstlfrauen, die die Gäste, die ihren Stand beschmutzen, mit der Zange in die Nase zwicken und dem Cafe „Donauwelle“, wo Dirk der nicht weich genug Frühstücksei aussprechen kann, seine erste Moderation verpatzt, er macht aber auch mit einem überheblichen Vorarlberger eine Sendung, wo sie die Wohnorte berühmter Persönlichkeiten vorstellen wollen, der H.C. Artmann nicht erkennt, sondern für einen Vollkoffer hält und auch keine Ahnung von Ernst Jandl hat und damit man aus dem Buch auch ein bißchen einen Reiseführer machen kann, wenn man sich schon von Ostfriesland oder Bayern etc hierher begibt, gibt es auch ein paar Original Torbergzitate und diese Geschichte von Corduba von der ich nicht viel Ahnung habe, weil ich mich nicht für Fußball interessiere, spielt auch eine wichtige Rolle. Also ein interessantes Buch, das die Wienkennerin mit dem literarischen Anspruch überraschte, das meiste scheint zu stimmen und ist charmant beschrieben und ich hoffe nur, daß sich die „Wie spät ist es Frau“ nicht wirklich umebrachte, ich habe sie aber schon länger nicht gehört.

2011-02-21

unter uns

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:07

Angelika Reitzers Familienroman ohne Familie „unter uns“, im Herbst bei erschienen, von dem ich schon mehrmals berichtet habe, ist vom Stil und Inhalt schwer einzuordnen, wird da ja in achtundvierzig Szenen, zeitlich nicht linear, mit wechselnden Perspektiven, Traumsequenzen, etc sehr viel erzählt.
Beginnen tut es mit einem Familienfest, die Eltern der Hauptperson und Ich-Erzählerin Clarissa, Besitzer eines Gasthauses verkaufen dieses und ziehen sich von der Familie zurück, drei Monate später stirbt auch der Vater, so daß die Familie wahrscheinlich noch einmal zu seinem Begräbnis zusammenkommt.
Der zweite Strang des patchworkartigen Gesellschaftspanorama spielen meist Kulturberufe ausübende Paare zwischen dreißig und vierzig, Vera und Kevin, Marie und Jörg, Florian und Susanna, etc, die ihre Feste feiern, ihre Berufe ausüben, Häuser kaufen, erben, Kinder bekommen die sie auf ihre Parties mitnehmen, alles brüchig, vage, Lebensabschnitt begrenzt, auch wieder schick und schillernd.
Dann gibt es die schon erwähnte Clarissa, eine ehemalige Chefassistentin, die von ihrem schicken Loft in den feuchten Keller des Hauses von Tobias und Klara, die dort mit ihren Kindern wohnen, zieht, den Job hat sie irgenwann auch hingeschmissen, in dem Haus herumgeistert, sich alten Familienfilme ansieht und in Erinnerungen schwelgt, eine Schwester die Schriftstellerin ist, aber sonst nicht auftaucht, hat sie auch, sich arm, unangepasst, ausgegrenzt etc empfindet und am Ende Selbstmord begeht.
Die vierte Ebene ist der scharfe Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse. Ist es ja ein Buch, daß das Prekatriat beleuchtet. In einigen Szenen kommt der Uni-Protest vor eineinhalb Jahren vor, die Gewalt in der U-Bahn, das Verschwinden des öffentlichen Raumes und der Kaufzwang in den Einkaufszentren, den Klara dort vermutet und der Chef, der sich über Clarissas Einsatzbereitschaft mokiert und sie mangelnde Delegationsfähigkeit nennt, wird thematisiert.
Eine Hausgeburt wird geschildert, obwohl diese, wie ich bemerkte, im Augenblick eher von den gewünschten Kaiserschnitten ersetzt werden, während derer, Clarissa ihren Keller verlassen soll und bei Freunden bzw. einem Seminar untergebracht wird, was sie aber nicht tut und es ist auch das erste Buch, das ich gelesen habe, das sich auf die Rauchphobie bezieht, die derzeit bei uns herrscht, so gibt es eine Stelle, wo sich Clarissa, die Raucherin ist und sich auch deshalb als Außenseiterin fühlt, Zigaretten kaufen will, aber keine Kreditkarte hat, also muß sie warten, bis sie jemanden findet, der sie für sie kauft, ein Bild das sehr scharf die Unmündigkeit unserer Gesellschaft zeigt.
Das Ganze ist irgendwie vage, geheimnisvoll und unzusammenhängend, das scharfe Gesellschaftsbild, das manchmal aufblitzt, wird gleich durch die vielen Perspektivenwechseln, es kommen eine Menge Leute vor, die nur Vornamen tragen, die irgenwo eine meist sehr kleine Rolle spielen und nicht wirklich wichtig sind, zurückgenommen, vielleicht auch um unsere Bussi Bussi Gesellschaft zu zeigen, die letztlich unverbindlich ist, obwohl sich die Freunde, um die Aussteigerin Clarissa erstaunlich kümmern. Der Keller in dem Haus ist zwar feucht und es tauchen dort auch Mäuse und Ameisen auf. Clarissa zahlt für die Benützung, hat ihn dann aber nicht für sich allein, weil ihn Tobias offenbar mitbenützt, sie kann sich im Haus oben aber Kaffee kochen und das Internet beützen, bzw. tut sie das. Alle sind besorgt, niemand schmeißt sie hinaus, hilft aber auch nicht wirklich, nur sie hat Schuldgefühle und die Gründe, warum Clarissa aussteigt und Selbstmord begeht, bleiben auch vage angedeutet undangerissen. Sind es die prekären Gesellschaftsverhältnisse oder hat sie eine Depression? Genauso, wie die Schwester, die berühmte Schriftstellerin, vielleicht ein alter ego Angelika Reitzers, nur angedeutet bleibt.
Das fünfte ist die perfekte Sprache, der Germanistin, die über Jandl dissertierte und die schönen Bilder, die Rehe zum Beispiel, die bei dem Familienfest auftauchen, was ja auch irgendwie unwirklich ist, das die bei einer Grillparty im Rudel zu sehen sind.
„Ein großes Panorama einer Gegenwart der neuen Lebens- und Arbeitsverhältnisse, in der alles nur mehr auf Zeit ist“, steht im Klappentext. Ja aber nicht nur, eigentlich ist es ein Patchworkparnorama, in dem von allem etwas enthalten ist. Die psychische und gesellschaftliche Situation der Clarissa in ihrem Keller, die Geschichte der Familie und dann natürlich die Geschichten Vera-Kevins, Tobias-Klara, Florian-Susanna ect, die hingeworfen, angedeutet, angerissen werden. Über die schriftstellernde Schwester mehr zu erfahren, wäre auch sehr interessant. Wie die Traumszenen in diese Patchworkwelt hineinpassen, habe ich nicht ganz verstanden.
Angelika Reitzer, die ich von ihren Veranstaltungen in der Alten Schmiede sehr gut kenne, beim Lesezirkel in der Hauptbücherei, wo sie eine Zeitlang mitmachte, kennenlernte und die ich als eine an der Sprache Interessierte einschätze, hat mich durch ihren sozialen Blick überrascht, auch wenn die Sozialkritik dann wieder in den literarischen Ansprüchen verschwindet.

2019-04-05

hell dunkel

Filed under: Bücher — jancak @ 00:13
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Es ist erstaunlich, welche Themengebiete, die zufällig zusammengewürfelten Frühjahrsneuerscheinungen haben, die ich in der letzten Zeit gelesen habe.

Da geht es vom Mißbrauch und Pädophilie zur Zwangsprostituation. Die Nymphomanie einer Zahnärztin gibt es auch und die 1990 geborene Julia Rothenberg, deren Debut ich im Vorjahr gelesen habe, die eine noch sehr junge Frau und noch eine unter Dreißigjährige ist, setzt mit dem Thema Inzest auch noch einmal ein Tüpfelchen drauf.

Ja, wir wissen, Sex sells und Bücher sind nur interessant, wenn das, was drinnen steht, das Schlimmste ist, was man erlebte oder sich vorstellen kann und noch ein Stückchen mehr.

Julia Rothenberg scheint es mit dem Thema Krankheit und Sterben zu haben, ob autobiografisch erlebt oder fiktiv nachempfunden, habe ich keine Ahnung und in „hell dunkel“ geht es auch um ein sehr wichtiges Thema.

Da sind Valerie und Robert, Halbgeschwister. Das „hell dunkel“ symbolisiert ihre Verschiedenheit, suggeriert der Klappentext. Das habe ich gar nicht so empfunden, sondern gedacht, daß es hier, um etwas  anderes geht.

Valerie ist neunzehn und geht noch zur Schule. So beginnt das Buch auch beim Sportunterricht. Die Freundinnen heißen Nathalie und Ivana, der Freund Ali oder eigentlich Andreas und da kommen Mails von der Mutter, daß sie gerade mal ins Spital gegangen ist.

Valerie geht nach Hause. Da findet sie den dreiundzwanzigjährigen Halbbrunder Robert, dessen Vater Italiener ist, Valerie scheint keinen Vater zu haben, der in Marburg lebt und dort eine Leere macht, weil er die Schule vor einiger Zeit abgebrochen und Mutter und Schwester verlassen hat.

Er scheint da auf die schiefe Bahn oder in eine Krise geraten zu sein, jedenfalls hat ihn seine Freundin Sandra zu einer „Psychotante“ geschickt, aber wenn die anruft, geht er nicht ans Telefon.

Robert ist der fürsorgliche. Er besucht die Mutter im Spital, während Valerie die Schule schwänzt und die Mutter erfahren wir, hat Darmverschluß und schön länger einen Krebs. Aber jetzt ist es unheilbar,  bald zu Ende und sie sollen sich aufs Sterben vorbereiten, erklärt der freundliche Arzt, der selber sehr früh seine Mutter verloren hat.

Er schlägt auch ein Hospitz für die Mutter vor. Die will aber zu Hause sterben und organisiert sich ein mobiles Pflegeteam, so daß die überraschten und alleingeleassenen Geschwister, früh am Morgen, während sie am Wohnzimmerboden miteinander kuscheln, von einem Sanitäterteam aufgeschreckt werden, das die energische Mutter nach Hause bringt.

Sie haben noch  mehr als gekuschelt. Sie haben ungeschützen Verkehr gehabt und wissen jetzt nicht so genau, ob das nicht verboten ist, aber die Pille danach, kann das ja vertuschen.

Blöd nur, daß sie von Mutters besten Freundin im Schwimmbad überrascht wurden und die überrascht sie auch im Wohnzimmer, teilt das Gesehene dann gleich brühwarm der Mutter mit, so daß die ihr Notfallsmorphium nimmt. Robert flüchtet zum Bahnhof, kommt dann aber wieder zurück, die Mutter ruft Valerie herein, teilt ihr mit, daß sie Birigt, den Auftrag sich um ihr Begräbnis zu kümmern, entzogen hat und will sonst nichts anders wissen oder haben, als Valeries Hand.

Als Tüpfelchen dearauf kommt dann noch der mobile Pfleger, schickt die Geschwister hinaus, spritzt der Mutter etwas, was er ihnen nicht verraten will,  rät die Heizung abzudrehen und wir können nur vermuten oder uns fragen, ob, das die Todesspitze war? Die Geschwister gehen jedenfalls am Ende „nachgucken“ und sagen „Okay“  und ich schüttele den Kopf und sage, „Nein, das nicht, so weit sind wir noch nicht!“

Obwohl in der Literatur,  wie schon beschrieben , alles noch ein bißchen mehr, als in der Wirklichkeit überhöht und übertrieben sein muß, um wahrgenommen zu werden.

Und, um jetzt nicht mißverstanden zu werden. Ich habe ein sehr gut geschriebenes, sehr eindrückliches und für eine unter Dreißigjährige erstaunlich stimmiges Buch gelesen, das mir schließlich besser, als das der Corinne T. Sievers gefallen hat, auf das ich auch sehr neugierig war, denke daß es ein sehr sehr wichtiges Thema ist, wenn Zwanzigjährige, die sonst niemanden auf der Welt haben, ihre Eltern verlieren, daß sie sich dann in ihrer Verwirrung aneinanderkuscheln, ist auch verständlich. Die Grenze zum Inzest, der ja, ich weiß auch nicht warum, ein großes Tabuthema ist, denn, wenn man aufpasst, daß man nicht schwanger wird, ist ja eigentlich nichts dabei, müßte vielleicht nicht überschritten werden und das dramatische Ende auch nicht, denn liebe Leser und Autoren, das Sterben passiert  ganz von allein und die energische liebevolle Mutter war ja mit ihrer Schmerztherapie auch gut versorgt.

Ich habe auch schon über dieses Thema geschrieben, als mich das Buch von  Ernst Lothar sehr aufregte, hätte aber, füge ich hinzu, mit neunundzwanzig so ein Buch nicht schreiben können.

2018-07-06

Tausend deutsche Diskotheken

Jetzt kommt ein tolles Debut, das fast an mir vorbeigegangen wäre, denn ich habe, ganz ehrlich Michel Decars „Tausend deutsche Diskotheken“ vor allem des Covers wegen mit dem schreienden oder lachenden Männergesicht für ein Klamaukbuch eines Kabaretisten gehalten, die ich ja nicht mag,  da ich ab bezüglich Büchern schlecht nein sagen kann…

Dann habe ich auf der „Ullstein-Blogseite“ noch etwas von „Entweder ist es Literatur oder es macht Spaß“ gefunden. Bin auch nicht viel klüger wurden und habe dann eine herrliche Parrodie auf einen Thriller oder Krimi, die ja im Sommer von den Urlaubsfreifen so gern gelesen oder auch für sie geschrieben werden, gefunden.

Einen in totaler Thomas Bernhardscher Manier, hat sich da der 1987 in Augsburg geborene Schriftsteller, Dramatiker und Hörspielregisseur, also auch einer unter dreißig, der aber schon mit dem „Kleist Förderpreis“ ausgezeichnet wurde und mit Jakob Nolte, der ja heuer in Klagenfurt liest, eine Zeitlang unter dem namen Decar Nolte, schrieb, ausgedacht.

„Passen Sie auf, sagte ich zu Courcelles, im Prinzip fing es damit an, dass Mauke zu mir sagte..!“, fängt es an und geht dann auf ungefähr dreihundertfünfzig Seiten so weiter, daß einer, ein abgefakelter Privatdetektiv, der, sehr schön realistisch, sowohl Schwierigkeiten mit dem Finanzamt, als auch mit den Frauen, der Alice, der Conny und der Marlene hat, erzählt, wie imJahr 1988, die BRD fast von der DDR übernommen wurde und ich fragte ich, nach dem ich den hunderttausendsten Thomas Bernhard-Verschnitt mit wirkliche Vergnügen gelesen habe, warum das nicht im Sommer 1989 geschah, denn das wäre ja noch einmal eine Parodie aufs Auge gewesen, aber nun ja, es ist auch so ganz schön faustisch, wie Decar da den Krmilesern einen Spiegel vor die Augen hält, aber ob, die eine Thomas Bernhard-Parodie in der nichts, aber auch gar nichts passiert, so einfach lesen wollen!

„Falsch!“, werden jetzt die Lektoren und die Kritiker schreien.

„Falsch, Tante aus Wien, da bist du wieder einmal schön eingefahren, denn es passiert ja sehr viel darin!“

Jawohl, natürlich, selbstverständlich, die Bundesrepublik wird auf den Kopf gestellt oder ist in Gefahr zusammenzubrechen, wie ja heute, wie ich höre und lese, genau das gleiche mit der EU passiert und die Rechten und vielleicht auch die Linken darüber streiten, ob jetzt Angela Merkel zurücktreten soll oder nicht und ob es gut oder schlecht war, daß Deutschland schon aus der WM hinausgeschmissen wurde?

Aber schön der Reihe nach. Da ist also Frankie, der Privatdetektiv der eigentlich das Finanzamt München verklagen will, sein Rechtsanwalt Branco Invancic, der eigentlich ein Bauspezialist ist, hält ihn davon ab und der verbringt seine Nächte damit, daß er Baccardi Cola in denMünchener Diskotheken sauft. Da spricht ihm um 22 Uhr an einem Montagabend im Juli eine Schöne an und fragt ihn, ob er mit zu ihr kommen will?

Sie bringt ihn aber in kein Liebesabenteuer, sondern zu Bahnvorstand Mauke, der ihm einen Auftrag gibt. Denn der wurde am sechsten Juli aus einer Diskothek angerufen, wo es gerade einen Madonna-Song zu hören gab. Ein Erpresser oder sonstiger Anrufer wollte ihm treffen, ist dann nie erschienen und Frankie Boy soll nun danach suchen.

Das alles erzählt unser Bernhard-Typ dem Herrn Courcelles von dem wir erst auf seite Dreihundert oder so erfahren, daß er ein Vernehmungsbeatmer ist, denn Frankie wurde inzwzischen, als er mit einer Waffe in der Hand gegen die ostdeutsche Grenze lief,  in ein Wiesbadener-Gefängnis eingeliefert.

Der Vernehmer, der von Franke großspurig über das Fürchterlichste vom Fürchterlichsten auf Dreihundertseiten belehrt wird, hört ihm zu und lutscht und das ist wohl auch eine vergnüglichesSpitze in der Satrie an einem Himbeerzuckerl, während frrankie Eiskaffee und Fritten mag  und natürlich Barcardi- Cola an dem er sich durch seineTour durch die deutschen Diskotheken hemmungslos betrinkt und auch noch geschlagen wird, so daß er eine ramponierte Nase und noch einige andere Blessuren auf seiner Tour abbekommt, wo sich niemand erinnern kann, wo um Mitternacht dieser Song gespielt wurde?

So nährt sich das Buch von Vermutungen, der oberste Bahnvorstand, also Maukes Chef ist ein „Maulwurf“ und er muß ihn ans Messer liefern, belehrt Mauke seinem Detektiv, als der keine Lust mehr hat und aussteigen will. Dann wird der Gute aber selbst verhaftet und die Tour weitet sich über den Münchener Raum, wo alles begonnen hat, auf ganz Deutschland aus.

Frankie fühlt sich dazwchen verfolgt, entwickelt auch eine Parnoia und muß nach Berlin, bevor er   gegen die Grenze rennt und vom Verfassungsschutz, er ihn offenbar tatsächlich schon beobachtet hat, einkassiert wird,  in ein Wiesbadener Gefängnis gebracht wird und dort dem Beamten großspurig seine Geschichte erzählt:

„Bis hierher sind Sie astrein gewesen, lieber Courcelles, also werden Sie jetuz bitte nicht dilettantisch. Bekennen Sie sich zur westlichen Zivilisation, zum Rechtsstaat. Meine Mutter wird sich schreckliche Sorgen machen, wie Sie sich denken können, wird krank vor Angst sein. Ich fordere Sie also ein letztes Mal dazu auf, Beweise vorzulegen, die mich belasten, oder diese lächerliche Anklage fallen zu lassen. Es liegt ganz in Ihrer Hand. Ich weiß, wie sehr Sie hier unter Druck stehen, Courcelles, mehr, als jeder andere weiß ich, wie groß die Gewalt derer ist, die auch Sie bedrohnen. Aber ich weiß, dass sie die richtige Entscheidung treffen werden!“

Und so weiter und so fort. Großmaul Frankie wird  aus dem Gefängnis entlassen. Fährt mit seiner Mutter am Schluß der Geschichte nach Italien, wo er Postkarten kauft und dann natürlich eine an seinen Verfassungsschutzbeamten Courcelles schreibt und ich frage mich, wie Thomas Bernhard dieses herrliche Sommerbuch, das die Leser auch ein bißchen auf die Schaufel nimmt, gefallen hat?

Und würde mich wirklich freuen wenn es auf die Dpb-Liste kommt, wo man dann auch sehen kann, wie das mit der Unterscheinung zwischen U und E funktionier und wie die professionellen Kritiker damit umgehen werden?

2018-06-26

Zwei junge Männer

Heute ist es sich wieder gerade für die Abschlußveranstaltung, hetz, hetz, in die „Gesellschaft für Literatur ausgegangen“. Der Sommer naht und da werden ja in Wien die Gehsteige aufgerollt, die Theater schließen, die Sommerfestivals machen auf, man geht auf Sommerfrische oder fliegt in den Urlaub und in der „Gesellschaft für Literatur“ tagte offenbar ein Seminar für Bibliotheksmitarbeiterinnen oder hielt hier ihre Abschlußveranstaltung ab.

Das stand so im Programm, denn die Einleitung einer Frau Ulla Krauss-Nussbaumer habe ich versäumt, dafür bin ich höchstwahrscheinlich neben ihr in der ersten Reihe gesessen, denn alles andere war schon besetzt und im zweiten Raum saßen auch ein paar Menschen, aber den mag ich ja nicht sehr. Also hat Zuspätkommen doch seinen Vorteil, liebe Frau Elisabeth, obwohl es wieder nicht anders ging, denn die Lesung der zwei jungen Männer, die heute in der „Gesellschaft“ auftraten, hat mich sehr interessiert und das ist auch, für alle, die es noch nicht wissen sollten, der Grund, warum ich so regelmäßig und so oft zu literarischen Veranstaltungen gehe.

„Reduktion auf das Wesentliche“, hat es Manfred Müller genannt und das habe ich gehört, bin ich doch gerade in die Einleitung von Lukas Meschiks „Die Räume des Valentin Kemp“ geplatzt und gerade der  1988 in Wien geborene Autor hat, war der Grund warum ich mich für den Gesellschaftsbesuch entschloßen habe, habe ich doch seine 2010 erschienenene „Anleitung zum Fest“, erstanden, glaube ich, aus einem „Morawa-Abverkauf“ gelesen, denn ich lese ja sehr viel, auch wenn das momentan bei mir sehr sehr langsam vor sich geht und als der junge Mann  das Lesepult betreten hat, war ich erstaunt, wie jung der Dreißigjährige, der auch Musiker ist, aussah und richtig „Unter Dreißig“, hätte man diese Veranstaltung auch nennen können.

Manfred Müller hat vorher viel über das bei „Limbus“ erschienene Buch erzählt, da wacht eines Tages ein junger Mann auf und befindet sich in einem Raum oder eigentlich in fünf Räume, denn er wird nach und nach in diese verlegt. Zuerst ist er aber nur in einem, ein Tisch, ein Bett ein Kasten, in dem immer wieder die Lebensmittel, die er braucht, hineingelegt werden, ein Klo, eine Duschkabine und auf dem Tisch Papier und ein gut gefülltes Federpenal, die zum Aufschreiben einladen, also ist es auch eine Schreibpoetik, wie Manfred Müller erklärte und das plötzliche Gefangensein läßt wahrscheinlich an die „Wand“ denken“ und den Kafka-Experten natürlich an den Franticek.

Manfred Müller hat ein bestimmtes Werk erwähnt, das die Nicht-Kafka-Expertin gar nicht kennt. Ich habe, ich gestehe es, auch wenn ich mich damit als unliterarisch qualifiziere an die „Verwandlung“ gedacht und an die „Wand“ natürlich auch und Lukas Meschik hat das Ganze sehr sehr genau beschrieben und hinzugefügt, daß der gute Valentin Kemp nach und nach in andere Räume verlegt wird und Menschen kommen auch vor, aber mehr hat er nicht verraten, denn man soll sich das Buch ja kaufen, aber ich habe gestern Martin Horvaths „Moor im Hemd oder wie ich auszog die Welt zu retten“ gefunden und die letzte Woche an der neuen Autobiografie von Bodo Kirchhoff gelesen.

Also keine Zeit, keine Zeit, obwohl mich das Buch schon interessieren würde und dann kam der noch jüngere, nämlich 1992 geborene Lehrer Mario Wurmitzer und der hat eine Fluchtgeschichte in eine Märchenwelt verpackt.

Da sitzt eine schwangere Frau am Spinnrand, um für den König Gold zu spinnen, der von seinen Untertanen immer mehr und mehr verlagt, so daß ein Ich und ein Du, ein junger Mann und eine unge Frau, erklärte Manfred Müller zu den Partisanen flüchten wollte und das bei „Luftschacht“ erschienene Buch heißt „Im Inneren desKlaviers“, denn dorthin ziehen sich die Beiden offebnar zurück und es ist kein Debut, hat doch Mario Wurmitzer schon einen Jugendroman geschrieben und Theaterstücke schreibt er auch.

Interessant, interessant, die Abschlußveranstaltung. Manfred Müller wünschte noch einen schönen (Lese)sommer und morgen und übermorgen wird es für mich noch in die „Alte Schmiede“ gehen.

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