Literaturgefluester

2015-03-22

Unterwerfung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:41

Auf Michel Houeelbecqs  neuen Roman „Unterwerfung“, der die Zeit eines Frankreichs in naher Zukunft nach der Machtübernahme durch die muslimische Bruderschaft schildert, bin ich kurz nach den Attentaten in Paris im Jänner aufmerksam geworden und habe ihn am zwölften Februar, als ich schon für mein neues Romanprojekt recherchiertre, bei „Morawa“ etwa zwei Stunden in der Hand gehalten, durchgeblättert und mir sogar ein paar Sätze in eines meiner kleinen roten Heftchen hinausgeschrieben, aber dadurch bekommt man natürlich nicht das ganze Buch mit und so habe ich es mir vom Alfred vor ein paar Wochen kaufen lassen und es auch nach Leipzig mitgenommen und zu Ende gelesen.

Ein sehr interessantes Buch, mit einem sehr brissanten Thema, des französischen Kultautors, der 1958 geboren, mit seinen  „Elementarteilchen“ berühmt geworden ist, der zufällig oder nicht, ein Thema, das uns derzeit alle ja wahrscheinlich sowohl traumatisiert, als auch bewegt, erwischt hat, so habe ich, nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, auf der Rückfahrt von Leipzig, in Radio Bayern, glaube ich, auch eine derzeit aktuelle Debatte über das Kopftuchverbot an deutschen Schulen, gehört.

„Man kann diesen Roman kaum aus der Hand legen“, schreibt Sandra Kegel, die neue Bachmannpreisjurorin und die des „Leipziger Buchpreises“ auch am Buchrücken und die Geschichte des Literaturwissenschaftler Francois, der wahrscheinlich ungefähr so alt, wie sein Autor, über den französischen Romancier Joris-Karl Huysmas forscht, 1848-1907, ist auch sehr  packend, obwohl und da kommt gleich meine feministische Kritik, wieder ein Buch, aus der Sicht eines männlichen Autors, denn dieser Ich-Erzähler, ich weiß jetzt gar nicht, hat er auch einen Nachnamen, ist sehr Sexbesessen.

Er hat über Joris-Karl Huysmas, seine Dissertation oder Habilitation geschrieben und ist nun Professor an der Sorbonne, das heißt er geht Mittwochs an die Uni, hält da seine Vorlesungen vor jungen, desinteressierten Japanerinnen, die in ihre Handies gucken, geht dann mit einem Kollegen essen, hält ein Dissertantenseminar und Freundinnen hat er auch jede Menge.

Meistens Studentinnen, die ihm am Ende des Studienjahrs verlassen, zu Beginn des Buches, ist das gerade Miriam und das Buch beginnt in der Zeit, des Wahlkampfes, wo der muslimische Kanditat gerade dabei ist, die Wahl zu gewinnen und Präsident Frankreichs zu werden.

Sehr eindrücklich und auch ein wenig zynisch erzählt, der Hochschullehrer, der auch sehr viel dem Alkohol zuspricht, diese Geschichte, erzählt sein Leben, wie er sich am Abend asiatische oder andere Fertiggerichte aufwärmt und dabei die neuesten Nachrichten im Fernsehen sieht. Als die Wahl gewonnen wird, flüchtet er aufs Land, kommt dann aber wieder nach Paris zurück, erfährt von Miriams Emigration nach Israel, die ihn noch einige Mails schreibt und ihn dann verläßt, er verliert auch seinen Posten auf der Uni, weil dort nur mehr muslimische Lehrer akzeptiert werden, die Frauen beginnen sich zu verschleiern und er wird schließlich von dem inzwischen zum Islam konvertierten neuen Hochschuldirektor, die vorigen Direktorin, wurde natürlich entlassen, zurückgeholt. Das heiß er kann wieder unterrichten, wenn er  Muslim wird, dann kann er aber auch eine Zweit oder eine Drittfrau haben.

„Ähnlich, wie es mein Vater einige Jahre zuvor erlebt hatte, würde sich mir eine neue Chance bieten, es wäre die Chance auf ein zweites Leben, das nicht besonders viel mit dem vorigen gemein haben würden. Ich hätte nichts zu bereuren“, lauten die letzten Sätze, dieser Utopie, die alles offen läßt, vorher versucht sich Francois noch mit einigen Parallelen, zu dem mir bisher unbekannten „dekatenten Schriftsteller“, wie im Klappentext steht, er geht zum Beispiel in das Kloster, in das sich der zurückgezogen hat und  besucht verschiedene katholische Kultstätten.

Ein interessantes Buch, das den Zeitgeist wahrscheinlich trifft und zum Nachdenken anregt. Um es wirklich ganz zu verstehen, müßte ich mich wahrscheinlich mehr in die französische Literaturgeschichte, in die Welt Zolas, Mallames, etc, einlesen, es ist aber auch eine spannende, wenn auch etwas zynische Schilderung, des heutigen Frankreichs, mit seinen Unruhen und Terroranschlägen.

Wie schon beschrieben, das geschilderte Frauen bzw. Männerbild gefällt mir nicht sehr.

Die Beschreibung der verschleierten Studentinnen in den Burkas, die diese Literaturprofessoren als Studentinnen haben, habe ich als sehr spannend empfunden, wie weit es Utopie oder schon realistisch ist, kann ich nicht ganz einschätzen, aber, das habe ich auch schon geschrieben, ich würde gerne einen so flüßigen Roman, mit der „Bibliophilin“ zusammen bringen, jetzt wo ich ihn gelesen habe, erscheint mir der Roman  vielleicht nicht mehr ganz so logisch, so habe ich die Flucht während des Wahlkampfes nicht ganz nachvollziehen können, kehrt der Held, nach dem er mit dem Gattin, seiner ehemaligen Kollegin, einen Geheimdienstler, der auch in die Pension geschickt wurde, gesprochen hat, ja wieder zurück, bekommt auch seine Pension, bzw. kämpft er mit der Sozialversicherung, besucht einige Escortdienste, wo er von jungen, (wahrscheinlich verschleierten) Musliminnen, exezellent, betreut wird und wird wahrscheinlich in der nicht so fernen Zukunft ein überzeugter Moslem, um zu seinen verschleierten Zweit oder Drittfrau zu kommen.

Ein Machowunschbild könnte man so sagen, aber auch ein Buch, das den Nerv der Zeit trifft und über das man sicher diskutieren kann.

2021-05-23

Eurotrash

Jetzt kommt das vierte Buch der Belletristikliste des „Leipziger Buchpreises“ und ich muß sagen, diese Auswahl ist sehr interessant, äußerst unterschiedlich und zeigt, da würde ich die Frau Mayröcker, die ich nicht gelesen habe, ausnehmen, die Grenzen des Schreibens auf und Christian Krachts „Eurotrash“ kann man irgendwie und irgendwie auch nicht als Pendant zu Helga Schuberts Lebensgeschichtenband vom „Aufstehen“ sehen.

Ähnlich oder nicht, den Erstens ist der 1966 in der Schweiz geborene Christian Kracht sechsundzwanzig Jahre Jünger, als die 1940 in Berlin geborene Helga Schubert und dann gilt der Schweizer Buchpreisträger von 2016, glaube ich, als Skandalautor.

Gelesen habe ich bisher noch nichts von ihm. Habe aber sowohl sein „1979“ als auch „Die Toten“ in den Harlander Regalen stehen und habe die Bücher wohl bei den „Thalia-Abverkäufen“ erworben und wie bei Helga Schubert geht es um etwas Persönliches, um die Reise in sein Leben, heißt der Protagonist doch Christian Kracht und hat auch einen Roman namens „Faserland“geschrieben. Es geht auch um die NS- Vergangenheit seiner Familie. Der Unterschied ist wohl, daß Helga Schubert versuchte ihr Leben ernsthaft und künstlerisch aufzuarbeiten, während der Popliterat wohl wieder versucht seine Leser auf die Schaufel zu nehmen, an der Nase herumzuführen ode reinen Skandal auszulösen.

Muß man das wirklich tun, um aufzufallen oder für einen Buchpreis nominiert zu werden und was wäre, wenn ich das versuchen würde?

Bestseller steht wohl irgendwo über dem Buch und am Buchrückchen hat Peter Handke „Christian Kracht ist ein ganz schlauer Bursch“ schreiben lassen, was mich ein wenig wundert, daß er das so sieht und Daniel Kehlmann hat geschrieben: „ChristianKracht ist ein Meister der wohlgebauten Sätze, hinter deren Eleganz sich das Grauen verbrigt. Seine Romane handeln von Deutschland, von Gespenstern, von Krieg von Wahn und allen erdenklichen Schrecken, aber sie sind auch voll melancholischer Komik, und sie verbergen allesamt ein Geheimnis, dem man nie ganz auf den Grund kommt.“, das würdeich nicht so empfinden. Es wundert mich aber weniger, kommt Daniel Kehlmann in dem Buch doch vor, das heißt, der Held wird ein paarmal mit ihm verwechselt und er widerspricht nicht.

Das habe ich am Mondseeauch einmal erlebt, daß Gerhard Rühm dort von einen Passanten gefragt wurde, wer er sei und der, glaube ich, H.C. Artmann antwortete.

Aber das war ein GAV-Treffen, obwohl literarisch geht es in dem Buch auch hoch her, wohl der Versuch Christian Krachts seine literarische Bildung zu beweisen, trotzdem würde ich das Buch vor dem der Iris Hanika reihen, liest es sich doch leichter, dieses Roadmovie, wo ein Christian Kracht nach Zürich reist, um seine Mutter zu besuchen. Die ist über achtzig, lebt von Wodka und Psychopharmaka, war vor kurzem auch in der Psychiatrie in Winterthur und klagt über ihre Haushälterin, die sie ständig bestehelen würde. Vorher hat er über seine Familie, die autobiografische Züge trägt, resommiert, aber sehr reich und sehr furchtbar war und in NS- Greuel verwickelt und mit Axel Springer und anderen Berühmtheiten verbandelt. Diese Stellen erinnern ein bißchen an Thomas Bernhard und sein Geschimpfe.

Dann wird es aber zum Roadmovie, denn Kracht packt seine Mutter, die zieht sich ein gelbes Chanel oder anderes Kostüm an und macht sich mit ihr aufdie Reise. Vorher halten sie bei einer Bank in der Bahnhofstraße und heben sechshunderttausend Franken ab, packen sie in ein Plastiksackerl und setzen sich mit dem Vorsatz das Geld zu verschenken in ein Taxis. Die Mutter glaubt, er würde sie in ein Hotel bringen. Er hat aber vorher einen Öko-Pullover gekauft und dabei einen Prospekt zugesteckt bekommen, der auf eine Kommune hinweist. Sie fahren mit dem Taxi dorthin und geben dem Fahrer zweitausend Franken. In der Nacht werden sie, weil sie mitdem Geld geprahlt haben, fast überfallen. Sie hauen am nächsten Morgen ab.

Vorher kommt eine eigentlich spannende Szene. Weil die Mutter hat noch einen künstlichen Darmausgang und kann sich ihre Stomabeutel nicht selber wechseln, so daß der Sohn, dem dabei graust, helfen muß. Am nächsten Tag kommen sie zu einem kleinen Flughafen und wollen nach Basel fliegen, da werden sie auch fast um ihr Geld betrogen. Zum Glück taucht aber der Taxifahrer wieder auf und rettet sie. Dann will die Mutter auf einen Gletscher um dort die Edelweiße zu sehen. Sie treffen auf der Hütte aber nur auf drei alte Inderinnen, denen sie auch ihr Geld schenken wollen, das dann durch den Wind verweht wird. Sie bleiben noch in der Gondel stecken, dann will die Mutter nach Afrika, um dort ihr Geld zu verschenken. Der Sohn bringt sie aber in die Psychiatrie nach Winterthur und verabschiedet sich von ihr.

Tut mir leid so toll kann ich diesen „Trash“ nicht finden. Auch wenn es zugegeben, leicht und spannend geschriebend ist und noch eine Stelle hat, die ich zitieren will:

„Aber du solltest dir mal ein Beispiel nehmen an, an wie heißt der an, Knausgard oder an Houllebecq oder an Ransmayr oder Kehlmann oder an Sebald„, sagt die Mutter zum Sohn während sie zu den Edelweißfeldern fahren.

Die Frage warum das Buch „Euro- und nicht Frankentrash“ heißt, da es doch um diese geht, die ein „Amazon-Rezensent“ stellt, kann ich mir auch nicht beantworten.

2021-01-13

Oberkampf

Filed under: Bücher — jancak @ 00:18
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Jetzt kommt der erste Roman in diesen Jahr und der zweite des 1967 geborenen Hilmar Kute von dem ich schon „Was nachher so schön fliegt“ glesen habe, was mir gut gefallen hat. Bei „Oberkampf“ bin ich mir nicht sicher, obwohl es spannend zu lesen war, viele aktuelle Bezüge und schöne Bilder hat, aber eigentlich passiert zwar viel, aber das ist vielleicht banaler, als es der Klappentext verspricht.

Da ist Jonas Becker, ein Agenturbesitzer, der eines Tages beschließt, seine Agentur der „Klugen Köpfe“, die er in Berlin betrieb, aufzugeben, seine Freundin Corinna zu verlasssen und nach Paris zu ziehen, um dort das Leben des berühmten aus Wien stammenden Dichters Richard Stein zu beschreiben.

Es fängt spannend an, wie Jonas mit seinen Rollkoffer in Paris ankommt. Es ist mitten in der Nacht, so kommt er zunächst nicht in sein Appartement, das sein Verlag für ihn in der Rue Oberkampf gemietet hat. Er geht in ein Bistro und lernt dort ein paar junge Leute kennen, eine davon ist Christine, die später seine Freundin wird und als er am nächsten Morgen Kaffee in einem Bistro trinkt und da ein schönes Bild eine Frau mit bunten Zigaretten beobachtet, die ihn später anschreit, als er eine von ihr eine schnorren will, erfährt er von seinen früheren Partner Fabian, es ist etwas Schreckliches geschehen und damit ist der Anschlag auf Charly Hebdo gemeint. Er läuft hin und man denkt, das ist jetzt die Handlung, darum geht es in dem Buch, aber es geht nach einigen Anspielungen auf Michel Houellbeques „Unterwerfung“ weiter.

Er geht mit den saufenden Stein essen, der scih von ihm Champagner bestellen läßt und ihn dann auffordert mit ihm nach Amerika zu reisen, um dort seinen Sohn zu suchen. Der heißt Elias nach Elias Canetti, ein Freund von Stein, ist aber, wie sich herausstellen wird, nicht sein Sohn sondern, der von einem Herrn Altenberg aus Wien, der einen berühmten Vater hat, sein Freund und Expartner Fabian, der sich inzwischen mit seiner früheren Freundin Corinna befreundet hat, bringt sich um und das Buch, ein Interview, will es Stein, kann er auch nicht schreiben oder hat Schwierigkeiten dabei und mit seiner Freudnin Christine geht er am Schluß in ein Konzert.

Eine ein bißchen zerfledderte Handlung, die im Klappentext, als „Hilmar Klute schreibt über den Zauber der Literatur genauso über die Flüchtigkeit unserer Existenz. Dabei gelingt ihm ein Buch voller Sehnsucht und Melancholie, Komik und Schrecken.“

Das habe ich nicht ganz so empfunden, beziehungsweise ist mir das etwas zu hoch beschrieben. Die Welt der Literatur und die der Bücher, was ich ja sehr mag, ist aber sehr schön beschrieben. Es gibt viele Anspielungen, der Waldheim-Skandal kommt vor und das Attentat von Charl Hebdo, was eigentlich der Aufhänger ist, verschwindet irgendwie in der Banalität des lebens.

Ein Intellektueller trennt sich von seiner Frau, steigt aus, findet eine neue Freundin, fliegt nach Amerika und scheitet schließlich an seinem Auftrag sich als Biograf zu betätigen.

Alles sicher schon vorgekommen und Hilmar Klute hat, glaube ich, auch einige Zeit in Paris gelebt und dort wahrscheinlich auch Studien zu diesem Buch gemacht.

Ein wenig mehr auf das Attentat oder die Pariser Situation bezogener Plot hätte wahrscheinlich nicht geschadet, habe ich ich ja vor zwei Jahren auch die drei Teile „Subotex“ gelesen oder wo Charly Hebdo draufsteht, sollte es vielleicht auch enthalten sein oder darum gehen.

2019-09-05

Saisoneröffnung mit Christoph W. Bauer

Der Sommer ist vorbei, die literarischen Veranstaltungen fangen an, könnte man so sagen und in der Tat liegen schon die Programme von der „Gesellschaft“, dem Literaturhaus und der „AS“ auf meinem Schreibtisch, beziehungsweise hängen sie an der Pinwand im Praxiszimmer und wem es interessiert, die „Gesellschaft für Literatur“ hat als Erstes angefangen und da im Rahmen einer Bibliothekstagung zu einem Abend zur neuen österreichischen Literatur eingeladen, was an dem Tag, an dem die österreichische Buchpreisliste veröffentlicht wurde, sicherlich sehr passend ist.

Der 1968 geborene und in Innsbruck geborene Christop W. Bauer steht zwar mit seinem neuen Roman nicht auf dieser Liste, ich kenne ihn aber seit circa 2011 denn da hat ihn mir Gerlinde Tamerl auf der „Buch Wien“ vorgestellt und er sagte auch in seiner Einleitung, daß er heuer sein zwanzigstes „Haymon-Jubläums“ feierte, das neue Buch „Niemandskinder“ aber das erste Mal in Wien und nicht in Innsbruck vorstellte.

Ich habe von Christoph W. Bauer, den ich meistens in Göttweig bei „Literatur und Wein“ sehe, auch schon einiges gelesen.

Das „Alphabet der Häuser“ fällt mir ein und „mein lieben, mein hassen, mein mittendrin du“ und jetzt hat der Lyriker wieder einen Roman geschrieben, der von einem aktuellen Thema handelt und wie Manfred Müller in seiner Einleitung betonte, an der Autobiografie vorbeischrammt, beziehungsweise hat Christoph W. Bauer wieder einmal damit gespielt, sich zu verstecken oder Lebensdaten von sich in seinen Protagonisten einzubauen, die dann nicht ganz stimmen.

Der ist ein Historiker und hat lange in Paris gelebt, in dem Paris von 1999 und 2000 mit einer Samira, die offenbar algarische Wurzeln hat, dann kehrt er wahrscheinlich wieder nach Innbruck zurück und findet dort in einem Archiv einen Zeitungsartikel beziehungsweise, das Foto einer Frau namens Marianne, die seiner Samira erschreckend ähnlich sieht.

Sie ist 1948 geboren und die Tochter eines Besatzungssoldaten, einem Marokkaner ein Niemandkind also, dessen Geschichte in Tirol und Voralberg untern Tisch gekehrt wurde.

Christoph W. Bauer deckt sie auf und verbindet sie mit der „Haiderzeit“ und dem Jahr 2015 mit den Anschlägen in Paris.

Ein sehr aktuelles Thema wie ich finde und ich beobachte ja sehr interessiert, wie und in welcher Art und Weise sich die Schriftsteller der Gegenwart annehmen und sie literarisch verarbeiten.

Das Buch steht nicht auf der öst. Ich wünsche ihm, wie auch Manfred Müller sagte, trotzdem viele Leser.

2019-05-17

Deutschland schafft sich ab

Filed under: Bücher — jancak @ 00:51
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Jetzt kommt ein Fund aus dem Bücherschrank, beziehungsweise aus den Regalen, die es in der Seestadt gibt, denn da habe ich ja, als ich mit der Ruth und dem Alfred das Fotoshooting machte, Thilo Sarrazins Aufreger aus dem Jahr 2010 gefunden und natürlich mitgenommen, denn ich interessiere mich ja  für jede Art der politische Literatur.

Zu lesen hatte ich es vorerst nicht vor. Dann habe ich es aber dem Uli versprochen, als er mich, nachdem er die „Volksstimme Anthologie von 2016“ gelesen hat, mich aufforderte, doch auch mal was „Rechtes“ zu lesen und nun denn, es ist sicher ein geeignetes Buch, obwohl sich die Gesellschaft  inzwischen weiter entwickelt hat und vieles, was damals aufregte, heute wahrscheinlich überholt ist und Thilo Sarrazin inzwischen auch weitere Bücher geschrieben hat.

Damals hat man ja überlegt, das Buch aus den Buchhandlungen zu nehmen und es gab hietzige Diskussionen darüber. Ich bin auch einmal in Leipzig zu einer Lesung zurechtgekommen und da war es bummvoll und natürlich soll man sich damit beschäftigen. Das Rechte und das Linke lesen und sich  sein eigenes Bild machen und da kann ich gleich verraten, daß das Buch viel sachlicher ist, als die Dskussion darüber war.

Denn der 1945 geborene, ehemalige Banker und SPD-Politiker arbeitet mit Tabellen und Statistiken, widmet dem „Staat und der Gesellschaft“ ein Kapitel und blickt in die „Zukunft“ und da ist er sehr besorgt, daß die Gesellschaft immer älter wird und die Deutschen immer weniger Kinder bekommen. Er schreibt auch vom technischen Fortschritt,  meint, daß man da  mathematische Begabung braucht, um da mitzuhalten und fürchtet , daß die heutigen Schüler, das nicht bringen können, um diese Technik zu bedienen.

Der ehemalige Banker sorgt sich darum, daß das in Zukunft der Wettbewerbsfähigkeit schaden könnte, zitiert die sinkenden Pisa-Ergebnisse und führt an, daß die in Korea, Japan und Finnland sehr hoch liegen.

Er sorgt sich auch um die Zukunft der sogenannten „Mintfächer“, Mathematik und Technik und beschäftigt sich danach mit den Zuwandererstatistiken. Die Kinder, die aus Asien stammen, haben gute Schulleistungen, die aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien, sowie Nah-Ost eher schlechte Deutschkenntnisse und Schulergebnisse.

Bezogen auf die Armut und die „Hartz-IV- Empfänger“ meint er, daß man damit seine Kinder auch gesund ernähren, sie Sport machen lassen und ihnnen aus Büchern aus der Leihbibliothek vorlesen könnte, was offenbar nicht genug geschieht.

Bevor er zum IQ kommt und meint, daß Intelligenz bis zu sechzig Prozent erblich ist. Da bin ich mir nicht ganz sicher. Er zitiert aber Studien, wonach die evangelischen Pastorenkinder und die jüdische Bevölkerung fast ausschließlich studiert haben und sorgt sich vor allem um die zunehmend sinkende deutsche Bevölkerung und, daß der Bildungsgrad abnimmt, was der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit Schaden bringt.

Im vierten Kapitel geht es dann um „Armut und Ungleichheit“ und hier zitiert Thilo Sarrazin wieder Statistiken und meint, daß die „Tafel“ mit medialer Unterstützung für die „Hartz-IV-Empfänger“ nicht notwendig ist, weil man sich mit der Unterstützung sehr wohl gut und ausreichend ernähren kann und führt dazu ein paar Beispiele an.

Dafür wurde er beschimpft und kommt an dem Schluß, daß die „Hartz-IV-Empfänger“, eher Verhaltensauffälligkeiten haben, die es ihnen unmöglich machen, seinen Vorschlägen zu folgen.

Dem stimmt die Psychologin, die sich sehr wohl mit wenig Geld ernähren kann zu, denkt aber, daß der Banker und Politiker, der ohne Zweifel über brillante geistige Kräfte verfügen muß, um auf diese Position zu kommen, sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen kann, daß die Leute, die über nicht so brillante Kräfte verfügen, eben wegen ihrer „Verhaltendefizite“ zu „Hartz-IV- Empfänger“ wurden.

Sarrazin zitiert Studien des indischen Nobelpreisträgers Amarytya Sen, obwohl man ja, wie er selber schreibt, die Verhältnisse von anderen Staaten nicht auf deutsche Verhältnisse übertragen kann und kommt dann zu dem berühmten Grundeinkommen, das ja hier und dort bedingungslos gefordert wird, damit man sich ohne Druck seiner Familie, Interessen, Hobbbies, etcetera widmen kann und meint, was sicherlich richtig ist, daß das Unglück der Armen oder Arbeitslosen nicht so sehr die materielle Not, als das Fehlen von Sinn und Anerkennung wäre und das wäre in einer Gesellschaft, wie dieser eben die Erwerbsarbeit.

Was nicht ganz stimmt, da ja viele Künstler von Stipendien und Preisen leben und trotzdem Sinn in ihrer Arbeit sehen.

Aber da wären noch die Tugenden, wie Pünktlichkeit, Fleiß und Disziplin, die manchen aus den bildungsferneren Schichten fehlen und es ihnen daher unmöglich machen würden, im Arbeitsleben zurecht zu kommen.

Sie geben das dann an ihre Kinder weiter und ein weiteres Unglück sieht Sarrazin darin, daß diese Schichten  sehr viele Kinder haben.

Jetzt könnte man einwerfen, daß ihnen das vielleicht den Sinn gibt, wenn sie aber ihren Erziehungsauftrag nicht nachkommen können….

Und das wirkliche Problem sieht Sarrazin darin, daß man angeblich oder tatsächlich sechzig Prozent seines Einkommens ohne jede Bedingung bekommt, so daß der Reiz für den kläglichen Rest Arbeit anzunehmen, natürlich fällt, was auch der Grund dafür wäre, daß die Flüchtlinge und Migranten in so großen Mengen nach Deutschland strömen und dann dort sehr viele Kinder bekommen, wie man ja jetzt, neun Jahre nach Erscheinen des Buches und nach der Flüchtlingskrise auch überall sonst hören kann. Thilo Sarrazin ist also für die Streichung von Transferleistungen, wie er es nennt, ohne Gegenleistung und stellt Modelle auf, wie das funktionieren könnte.

Mit der Bildung geht es weiter, das schlechte Abschneiden bei den Pisa-Tests hat Sarrazin schon in den vorangehenden Kapiteln beklagt. Jetzt erzählt er von seinen eigenen Schulerfahrungen, wie er es in den Fünfzigerjahren ins Gymnasium mit einem strengen Lehrer und mit fünfzig Schülern pro Klasse schaffte und meinte, daß zu einem guten Lehrer sowohl die Liebe zu den Schülern, als auch Autorität und Disziplin gehört. Zuneigung hat er, glaube ich, geschrieben, was mich fast ein wenig wunderte, daß er das für wichtig hält.

Sein Bildungsplan für die bildungsferneren Schichten sieht aber sehr viel Disziplin, wenn nicht Zwang und Autorität vor: im ersten LA Betreuung durch das Jugendamt, dann Krippe und Kita, wie das in Deutschland heißt, viel Vorlesen und wenig oder gar kein Fernsehen und keine Computer.

Die ausreichende gesunde Ernährung und die Bewegung wurden schon erwähnt, dann Ganztagschule und natürlich viel Üben, weil nur dadurch wird man zum Meister, was den heutigen Schulen fehlt. Da wird nicht mehr geübt und keine Hausaufgaben gegeben und es wird nicht mehr differenziert, sondern nach unten angepaßt, was dann zu den schon beklagten schlechten Lernergebnissen führt. Er führt noch ein paar schlechte Beispiele von Berliner Schulen an und hat schon vorher erwähnt, daß die Großstädte, wie Berlin Hamburg und Bremen die schlechtesten Bildungsergebnissen haben.

Im Kapitel „Zuwandererung und Migration“ wird dann am Beispiel von Neukölln, über die Türken und Muslime hergezogen, die ab den Achtzigerjahren laut Sarrazin nur kamen, weil sie hier Grundsicherung bekamen. Die meisten seien arbeitslos, meint er, die Frauen unterdrückt und haben viele Kinder, brauchen sie auch wegen dem Kindergeld, das sie dann nach Hause schicken, die Deutschen weniger, so wächst die Bevölkerung an oder dreht sich um und 2004 hat der türkische Unternehmer Viralö Öger bei einem Abendessen scherzhaft gesagt „Im jahr 2100 wird es in Deutschland 35 Millionen Türken geben. Die Einwohnerzahl der Deutschen wird dann bei ungefähr 20 Millionen lieben. Das, was Kamuni Sultan Süleymann 1529 mit der Belagerung Wiens begonnen hat, werden wir über die Einwohner, mit unseren kräftigen Männern und gesunden Frauen verwirklichen!“

Das ist wohl die große Angst hier und dort und erklärt auch den Titel des Buches. Sarrazin, der Fernsehgegener erklärt auch, daß die türkischen Familien nur türkisches Fernsehen sehen, sich nicht integrieren, also Türken und türkisch bleiben, daher nicht Deutsch sprechen oder nur soweit, um den Antrag auf Arbeitslosenunterstützung auszufüllen.

Das, das die Deutschen und auch die Österreicher ärgern kann, ist verständlich. Andererseits denke ich, warum soll ich Deutsch lernen, wenn ich es nicht brauche, die Amerikaner und die Engländer tun das auch nicht? Eine wirkliche Verpflichtung sollte da nicht bestehen, obwohl wir das Punkteprogramm, um den Problemen Abhilfe zu schaffen von Sarrazin schon kennen. Der Banker nimmt es hart, Kindergarten- und Schulpflicht, Ganztagsschule und Arbeitspflicht. Wer der nicht nachkommt, dem wird die Unterstützung unterzogen und ärgert sich darüber, daß das die Regierung nicht macht und ihm sogar nach Erscheinen des Buches aus der SPD ausgeschlossen hat.

Die Schlußfolgerung aus all dem Vorangegangenen, lautet natürlich „Mehr Kinder von den Klugen bevor es zu spät ist“, und führt zu einem wieder sehr sachlichen Kapitel mit Tabellen und Statistiken  über“ Demographie und Bevölkerungspolitik“

Darwin und Mendel wird da zitiert und der Hergang der Familie Sarrazin im vorigen Jahrhundert, bevor man zu der Erkenntnis kommt, daß die deutschen akademischen gebildeten Frauen, die erst mit Ende Dreißig mit ihrem Studium fertig sind und daher keine Zeit für mehr als ein Kind haben, obwohl sie dem ja ihren IQ weitergeben könnten, während die Migranten von der Sozialhilfe leben und dafür ein Kind nach dem anderen bekommen.

Das führt dann zu einer Satire, wie es Sarrazin, glaube ich, nennt, wie es, wenn man  nicht aufpasst „Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“, heißt ja der Untertitel des Buches, in hundert Jahren dazu kommt, daß die Kirchen verfallen und schließlich den Muslimen übergeben werden, die deutsche Sprache abgeschafft oder nur mehr in den Randgebieten und in den Schulen nach Bedarf gelehrt wird oder weil Sarrazin, das ja nicht für seine Kinder und Kindeskinder haben will, zu der Alternative, die schon in den vorigen Kaptieln skizziert wurden: Zwangskindergarten, Zuzuug erst, wenn die Familie, ihn erhalten kann und zehn Jahre keine Sozialleistungen für die zugezogen, das führt dann, gekopptel mit einer höheren deutschen Geburtsrate, wieder dazu, daß Deutschland so wird, wie es war und alle glücklich sind, wie Thilo Sarrazin 2010 geschrieben hat.

Jetzt schreiben wir  2019, Deutschland hat nicht auf ihn gehört, wie die Rechten täglich bloggen oder vloggen und die Qintessenz, die ich mir von dem Buch mitnehme ist, daß ich mir Thilo Sarranzin, der ja inzwischen schon weitere andere Bestseller geschrieben hat und damit mit mehr oder weniger Stolpersteinen ausgestattet, durch das Land reist, als einen sehr konservativen, autoritären,  selbstbewußten, hochintelligenten Mann vorstelle, der mit der Entwicklung Deutschlands, wie auch  viele andere, die sich nicht so gut ausdrücken können, nicht zufrieden ist und für einen Banker sehr erstaunlich, ein eigentlich sehr trockenes soziologisches Buch geschrieben hat, das viele Probleme aufzeigt, die man lösen muß.

Ein Land verändert sich und in Wien vor hundert Jahren hat es auch sehr viel anders, als heute ausgesehen und zwar wurde da oder vielleicht schon zwanzig Jahre früher, auch sehr viel aus Mähren und aus Böhmen zugezogen und die Bosniaken, die zu der Monarchie gehörten, haben, glaube ich einen Turban oder Fez getragen, während es in meiner  Volks- Hauptschule und auch in der  Straßegasse keine migrantischen Kinder gegeben hat.

Der große und vielleicht auch kontrollierte Zuzug von 2015, der in dem Buch noch nicht enthalten ist, haben die Unzufriedenheit der Leute auch noch verstärkt. In Deutschland rüstet sich die AfD zur Europawahl und schimpft gegen die Antifa, SPPD und Grünen in Österreich haben wir eine blau schwarze Regierung mit der der Chef der Patrioten, aber, glaube ich, nicht sehr zufrieden ist und Houllebecq hat ja 2015 auch eine Utopie geschrieben, wie es in Frankreich aussehen kann.

Aufpassen muß man, glaube ich, und die Probleme lösen und sicher auch über das Buch, das ja sehr umstritten ist  und vielleicht auch über die anderen diskutieren, aber das passiert im Augenblick, wo die einen nur auf die anderen schimpfen, nicht sehr, obwohl das Miteinander gerade in schwierigen Zeiten, wie, ich glaube, sehr notwendig ist.

2019-03-03

Das Leben des Vernon Subutex III

Filed under: Bücher — jancak @ 00:01
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Jetzt kommt Band drei der SubutexReihe, des „Gesellschaftsromans unserer Zeit“, wie Volker Weidermann im „Literarischen Quartett“, sagte und auch auf den Buchrücken schreiben ließ und es stimmt, es ist ein gewaltiges Gesellschaftsbild, das die 1996 in Nancy geborene französische Autorin Virginie Despentes, da in drei Bänden aufzeichnet, die eigentlich ganz harmlos im ersten Teil mit dem Gang in die Obdachlosigkeit des ehemaligen Plattenhändlers beginnt.

„Aha!“, habe ich damals gedacht, als ich von St. Pölten nach Wien fahrend im Auto die „Ex Lbris-Rezension“ hörte, ein Thema das mich interessiert und an das ich mich auch schon literarisch gemacht habe.

Dann habe ich um Weihnachten den ersten Teil gelesen, war etwas verwirrt, ob der Vielfalt der Personen, die da auftauchten und auch über den rauhen Ton, wie die Autorin die französische Gesellschaft schildert. In Band zwei gibt es dann ein Personenverzeichnis und die Obdachlosigkeit ist verschwunden, beziehungsweise wird Vernon von seinen Freunden aufgefunden und sie ziehen  alle aufs Land hinaus, um dort „Convergences“ zu veranstalten, denn Vernon ist ein begnadeter Plattenaufleger und in Band drei, das konnte man schon überall lesen geht es um das Jahr 2015 in dem die Anschläge auf Charly Hebdo passierten und Michelle Houllebeque seinen berühmten Roman geschrieben hat.

Ich habe warhscheinlich wieder „Aha!“, gedacht und „Das interessiert mich!“ und wieder gingen die Ansprüche weit über die Erwartungen hinaus und während mir Band zwei eigentlich recht klar erschien, war es hier wieder sehr verwirrend und ich würde sagen, der strikte Handlungsfaden fehlte, aber das war höchstwahrscheinlich gar nicht der Anspruch der Autorin.

Denn es beginnt mit einem Zahnarztbesuch Vernons, der deshalb wieder nach Paris zurückfährt, dort sucht er den alten Charles auf, der ihm  am Beginn von Band zwei aus der Obdachlosigkeit half.

Der hat einen großen Llottogewinn gemacht, ihn aber vor seiner Llebensgehhrtin geheimgehalten. Jetzt ist er gestorben und die Lebensgefährtin muß Vernon mitteilen, daß Charles den „Subutexen“ die Hälfte des Vermögens vermacht hat.

Das löst natürlich einiges aus und dann geht es auch, um den Anschlag auf den Produzenten Laurent Dopolent weiter, der ja von der jungen Muslima Aicha und Celeste zwangstätowiert wurde. Das ließ er entfernen, will sich aber an den zwei Frauen, die von der Hyäne versteckt wurden, rächen. Die hat sie ins Ausland gebracht, Aicha nach Berlin oder Frankfurt, das kommt nicht so ganz klar heraus oder doch Aicha, die bei einer muslimischen Familie Kindermädchen ist, geht am Main spazieren, wird dort vom Hausherrn, den sie ja  nicht ansehen darf, angemacht und geschwängert, während Celeste in Spanien entführt und gefangengehalten wird.

Es kommt dann der November 2015 und das Leben verändert sich. Es kommt auch zu einem großen Anschlag während der „Convergences“, wo alle außer Subutex umkommen. Der verbringt dann den Rest seines Lebens bei Aicha und ihren Nachkommen, stribt mit zweiundsiebzig Jahren, wird vorher noch eine berühmte Mangafigur und die „Convergencens“ werden wohl auch wegen der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung verboten, bestehen aber im Untergrund weiter und im Jahre 2286  wird von einem Nachkommen  Aichas,  „die offizielle Anerkennung des „Subutext-Kults“ bei der Weltregieung beantragt.

Die Anerkennung wurde abgelehnt. Angesichts des großen Interesses für die von den ersten Anhängern geöffenten Tore wurden jedoch die Gesetze, die seine Befolgung befahlen, außer Kraft gesetzt. Gegen jede Erwartung wird also weitergetanzt, im Dunklen und zu einer primitiven Musik, deren Kult auch am Ende des dritten Jahrtausends nicht aussterb en wird.“

So endet die Trilogie und wir haben wirklich eine gigantische Gesellschaftbeschreibung gelesen, die mich zwar nicht, wie Antje Deistler, vom „Deutschlandfunk“, am Buchrücken schrieb,  süchtig machte, ich habe mir mit Teil eins und drei sogar eher schwer getan, aber doch angesichts der momentanen Gesellschaftszustände und Umstrukturierungsversuche nachdenkelich macht und auf jedenfall sehr sehr eindrucksvoll ist.

2019-02-15

Gotteskind

Filed under: Bücher — jancak @ 00:12
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Nun kommt meine erste oder zweite 2019 Neuerscheinung, die erste ist das Camilleri-Bekenntnisbuch gewesen, aber das ist schon Mitte Dezember zu mir gekommen, während ich John Wrays „Gotteskind“ erst im Jänner bekommen habe in den letzten Tagen aber schon einiges über das Buch, das in Ö1 vorgestellt wurde und auch auf die Feburar ORF- Bestenliste gekommen ist.

Bestellt habe ich es mir, dem Autorennamen nicht dem Inhalt nach, habe ich den Namen des 1971 in Washington geborenen US- Amerikaners, der eine Känrtner Mutter hat und deshalb auch beim „Bachmannpreis“ gelesen und gewonnen hat, das erste Mal auf einer meiner Frankfurt Surfings  und auch in Göttweig gehört, als dort sein Zeitreiseroman vorgestellt wurde und im Dezember oder so habe ich auch einen Wray auf Englisch im Schrank,“Lowboy“, das auf Deutsch unter „Der Retter der Welt“ erschienen ist, gefunden und durch Ö1 habe ich erfahren, daß John Wray ein Meister des Stilwechsel ist und jetzt in die Welt der Dschihadisten eingetaucht ist.

Als ich das Buch bekommen habe, war ich erst einmal durch Cover und Titel verwirrt, „Gotteskind“ ist einer, der mich unvorbenommen nicht vom Sessel reißen kann und der Hahn mit dem roten Turban konnte es auch nicht, eine Geschichte über eine junge Dschihadistin konnte das dann schon viel mehr, habe ich mich als ich die „Unterwerfung“ gelesen und „Die Pensionsschockdepression“ geschrieben habe, ja auch mit diesem Thema beschöftigt.

In den Ö1 Berichten wurde noch erwähnt, daß John Wray 2015 in Afghanistan war und daß es 2001 einen amerikanischen Taliban namens John Walker Lindh gegeben hat, der das Vorbild für das Buch war, dessen Heldin eine achtzehnjährige Amerikanerin namens Aden ist, die einen Vater als Islamwissenschaftler und eine Trinkerin als Mutter hat, alles hinter sich läßt und mit ihrem Freund Decker, einem gebürtigen Pakistani nach Pakistan reist, um dort den Koran zu studieren.

Das klingt einmal gut und ist sehr spannend und so war ich bis zum Ende des ersten Teils in das Buch auch sehr hineingezogen. Es beginnt mit Briefen an den „Lehrer“, das ist Adens Vater, den sie so anspricht und man erfährt, sie ist in der Pubertät von ihren Eltern enttäuscht worden und nun reißt sie aus, um die Welt zu erobern.

Das das vielleicht nicht die übliche Pubertätsreaktion ist, einfach alles hinzuhauen, sich die Haare abzuschneiden, den Busen zu bandagieren und dann monatelang den Koran zu studieren, diese Idee ist mir erst später gekommen, so  sehr hat es mich in das Buch hineingezogen.

Es gibt auch spannende Szenen, so gehen sie noch am Flughafen in Kalfornien zuerst in den Gebetsraum und wissen da gar nicht so genau wo der Osten ist, ihr Gepäck lassen sie draußen stehen und müßen es dann bei der Sicherheitskontrolle abholen. Sie kommen aber problemlos nach Pakistan, im Flugzeug wird Aden noch von einem pakistinischen Geschöftmann instruiert sich ja nicht den Dschihad anhzuschließen und der Lehrer der Koranschule erkundigt sich auch gleich besorgt, warum sie sich seine kleine Schule dicht an der afghanischen Grezne ausgesucht hat?

In den Ö1 Besprechungen habe ich gelesen, daß Aden sich erst dort zum Kampf entschieden hat, mir war aber immer klar, daß sie dorthin will, erst später habe ich mich gefragt, warum eigentlich, nur weil die Mutter trinkt und der Vater sie betrogen hat?

Aber gut,  es sind sehr viele frustrierte Jugendliche in den Dschidhad gezogen, da ist diese Aden Sawyer nur ein Beispiel von John Wray, der im interview erzählte, daß er viel recherchierte, danach alles vergaß und die Geschichte frei erfunden hat und es ist wirklich plastisch geschildert, obwohl ich meinen Geschmack nach zu aprupt in die Geschichte hineingeworfen wurde und den reiligösen Fanatismus der jungen Frau, die sich als Mann verkleidet und fortan Suleyman, wie auch jeder John Walker Lindh genannt wurde, nicht so ganz nachvollziehen konnte.

Es kommt auch zu Zerwürfnissen mit ihrem Freund Decker, der nicht so fromm, wie sie scheint und nicht versteht, daß sie keinen Sex und auch nicht mehr fluchen will. Er ist es, aber der zuerst über die Grenze geht. Der alte Lehrer hat einen Sohn namens Ziar, der schon ein Kämpfer ist und immer in die Schule seines Vaters kommt, um von dort Rekruten abzuziehen.

Aden will auch dorthin und im zweiten Teil wird dann die Ausbildung in dem Lager in Afhghanistan beschrieben, Decker kommt durch eine Explosion ums Leben, Aden schließt sich Ziar an und muß einen alten Mann erschießen, was sie widerspruchslos tat.

Ab da kippte bei mir die Lesefreude, denn der Alltag in der Koranschule, wo man den ganzen Tag Suren hinunterbetet, war durchaus spannend geschildert, aber warum Aden umbedingt kämpfen will,  war mir dann nicht so klar?

Irgendwann erfährt man dann vom Anschlag an die Twintowers und da habe ich erst kapiert, wir sind im Jahr 2001 und nicht 2018 und, daß sich dann der Suleyjman, jener fromme Superkämpfer plötzlich in Ziar verliebt und der erkennt, daß sie ein Mädchen ist, war mir auch nicht ganz klar.

Ab dann ist es für mich völlig verwirrend geworden und vielleicht die Phantasie mit John Wray durchgegangen, denn jener Ziar verhält sich durchaus widersprüchig. Aden ebenfalls und sie wird dann auch fast mit einem alten Mann verheiratet, dem sie nur dadurch entkommt, daß sie ihm umbringt und dann flüchtet sie offenbar nach Hause und ist geläutert oder nicht und das Buch hat mich ein bißchen ratlos zurückgelassen und ich habe nach John Walker Lindh gegoogelt und mir das Interwiev mit John Wray in Ö1 nochmals angehört.

Ein spannendes interessantes Buch wo man etwas mehr über den Dschihad und Afghanistan erfahren kann, war es trotzdem, wenn mir auch einiges unlogisch erschien, ich wahrscheinlich mehr Erklärung gebraucht hätte, mir das Ende eher unwahrscheinlich erschien und ich auch Adens Beweggründe für den Fanatismus genauer erkärt haben hätte.

Daniel Kehlmann ist es nicht so, wie mir gegangen, schreibt er doch am buchrücken „Ich stehe mit hilfloser Bewunderung davor, was John Wray hier fertiggebracht hat“, aber vielleicht  hat er sich besser informiert.

2019-01-31

Manaraga

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„Manaraga – Tagebuch eines Meisterkochs“, der neue Roman des 1955 bei Moskau geborenen Vladimir Sorokin, den ich schon mehrmals in Wien, in der Hauptbücherei, im Literaturhaus und im Odeon gehört und gesehen habe.

Das „Eis“ habe ich gelesen und das Spannende an dem „Meister der Grosteske“, wie er im Klappentext bezeichnet wird, ist wohl die Mischung zwischen Sci Fi und tradioneller Erzählweise, so habe ich mich jedenfalls beim „Schneesturm“ gewundert, daß das, was ich hörte, wie aus dem vorvorigen Jahrhundert mit Kutsche und Landarzt und so klang.

In „Manaraga“ geht es in die Zukunft, in das Jahr 2037, das ja bald gegenwärtig sein wird und wird man dann das Buch noch lesen? Und wieder, wie ich in letzter Zeit in einigen Büchern gelesen habe, hat der große neue Krieg Europa zerstört, die islamische Revolution hat stattgefunden und die Menschen tragen sogenannten „Flöhe“ also Chips im Ohr, die ihnen die sogenannte Weisheit zuflüstern und damit maniupulieren und richtig, gedruckte Bücher gibt es auch nicht mehr.

Das heißt die wertvollen Erstausgaben werden in Museen aufbewahrt und von dort gestohlen, denn es gibt ein Event für die Reichen und die Schönen, die sich das leisten können. Sie lassen diese Bücher stehlen und veranstalten ein sogenanntes Book´n Grill, das heißt die Meisterköche, Geza, der Ungar, auf russische Literatur spezialisiert, ist einer davon, sich ihre Steaks, etcetera auf Tolstois oder Bulgakov grillen lassen, oder das Schnitzel auf Schnitzler.

Der Phantasie ist da keine Grenze gestellt. Man könnte sich höchstens fragen, wie man ein Schnitzel oder Austern grillt? Aber dazu läßt einen Sorokins überbordendePhantasie, der oft deutsche Wörter oder Phrasen im Original verwendete, keine Zeit. Denn es ist köstlich, was er da seinen Meister über seine skurillen Erlebnisse mit seiner skurillen Kundschaft erleben läßt. Da wird ein Menü auf einem Schiff serviert. Meister Tolstoi tritt sogar persönlich oder nachgeklont auf und läßt sich seine Originalausgabe verbrennen.

Gefakt und gefläscht wird natürlich auch dabei. Einmal sind die Seiten feucht und so läßt die Crew, die gerade den „Meister und Margarita“ dreht, den Kochmeister vermöbeln und ein gefälschter „Nabokov“ taucht auch auf und die Handlung beginnt oder dreht sich weiter und da muß man eigentlich sagen, daß der Einfallsreichtum des Meister Sorokins eigentlich begrenzt ist und der sogenannte Plot einer ist, den man wahrscheinlich schon hundert oder tausendmal lesen konnte.

Der Einheitsbrei eben, wie er für die Massen, in diesen Fall digital bereitgestellt wird, während sich die Elite ihre Orignale zubreiten läßt.

Es taucht also eine gefälschte „Ada“ auf, hunderttausend Mal das selbe Original mit den selben Kaffeeflecken und die Kochgilde ruft eine Sondersitzung ein. Geza muß einige Termine deshalb absagen, der Verräter wird entlarvt und gleich hingemordet und Geza ausgewählt auf den Berg Manaraga zu fahren und die Druckmaschinen abzustellen.

Dann kommt es natürlich anders, als erwartet und das ist eigentlich platt und traugig und wenn mans bösartig will, eine simple Nachahmung von George Orwells „1984“, die Chips im Ohr werden einfach ausgewechselt und Geza ist wieder glücklich und überwältigt von der schönen neuen Welt, die ihm da geboten wird „Und der Strom meiner Tränen ergißt sich über die zarten Lenden“, lautet der letzte Satz.

Trotzdem, um nicht mißverstanden zu werden, ein spannendes Buch und ein absolutes Lesevergnügen, das sich auch leicht und schnell hinunterlesen läßt, weil es wahrscheinlich die packenden Bücherszenen sind und nicht die eher einfallslose Handlung, die hier bewegen und das im November erschienene Buch, von dem ich in den anderen Blogs und in den Medien noch nicht so viel hörte, zu einem „Meisterwerk“ werden läßt.

2019-01-23

Workshopplaudereien

Ich besuche ja seit zwei Jahren jeden Mittwoch von drei bis fünf bei Stephan Teichgräber in der Dokumentationsstelle fpr ost und mitteleuropäische Literatur, den Workshop, der er dort anbietet.

Vor zwei Jahren hat es mit der Literatur des Centope begonnen, das heißt Literatur aus Österreich, Slokwakei und der Tschechei und diese Literatur wird ja auch immer beim Centrope Festival angeboten, das in dem kleinen tschechischen Theater in der Münzwardeingasse stattfindet.

Mit Herrn Eder haben wir da unter anderen einen Roman von Michal Hvorecky und den von Ilija Trojanow erforscht, die damals dort gelesen haben. Ich habe für mich auch anderes gelesen, denn die osteuropäische Literatur interessiert mich sehr und das Semester darauf ist es mit der Partisanenliteratur weitergegangen und hat mir Herr Eder das „Engelchen“ von Ladislav Mlacko geschickt, das ich dann auch gelesen habe.

Im vorigen Sommersemester war die utopische Literatur an der Reihe und da habe ich  schon einige Dystopien gelesen und für mich eine eigene Liste erstellt, bei Stephan Teichgräber zuerst mit der anderen Teilnehmerin, Herr Eder ist nicht mehr gekommen und soll auch, wie mir Stephan Teichgräber sagte, inzwischen verstorben sein, später allein, den George Orwell erforscht und dieses Semester ist die Revolution an der Reihe und da hat Stephan Teichgräber was für mich gar nicht so typisch für die Revolutionsliteratur ist einen Roman von Alexex Tolstoi einen drei Bänder und einen Vierbänder von Alexander Döblin ausgesucht.

Sie ersten zwei Male ist die Ruth mitgekommen, dann wurde es ihr, weil sie inzwischen ja evangelische Theologie studiert und Griechisch lernen muß, zuviel geworden und so komme ich jeden Mittwoch, wenn Stephan Teichgräber, der auch auf der Uni unterrichtet, nicht auf einer Sitzung oder einen Kongreß ist, allein und plaudere mit ihm über Literatur.

Das ist  mein Anliegen das ich an den Workshop habe, weil ich von den literarischen Analysen nicht so viel halten und Stephan Teichgräber ist da sehr genau und hat  schon einige Skriptumfassungen, die er sich jeweils erstellt, so daß wir mit den beiden Werken nicht sehr weiterkommen und jeweils immer noch auf den ersten Seiten sind, die aber inzwischen sehr genau erforscht haben.

Das Lesen des Drei- und des Vierteilers schaffe ich, ob meiner elendslangen Leseliste derzeit nicht, obwohl ich mit Stephan Teichgräber vor einigen Wochen die drei Toilstoi Bände bei einem Antiquar in der Margaretenstraße erstanden habe und da wir ja oft das schon Erarbeitete wiederholen, habe ich eigentlich auch nicht soviel Stoff über die zwei Stunden einen eigenen Artikel zu schreiben.

Das kombiniere ich dann wenn ich am Abend zu einer Veranstaltung gehe dann damit, aber heute habe ich eine neunzehn Uhr Stunde, so daß ich es weder in die „Alte Schmiede“ noch in das Lteraturhaus schaffe, habe mir den Platz aber freigehalten und beim Nachhausegehen gedacht, uje, uje, was soll ich da bloggen? Der Uli beschwert sich ohnehin, daß ich nur sinnlosen Content schreiben würde, ich das „Literaturgeflüster“ aber als mein literarisches Tagebuch betrachte, so daß eigentlich Platz für eine literarische Plauderei, was ja meine ursprüngliche Absicht des „Geflüsters“, ein lockeres Plaudern über die Literatur und mein literarisches Leben wäre, aber was schreibe ich?

Wirklich Neues haben wir heute nicht erarbeitetet, ich hatte Stephan Teichgräber, der ja als Slavist, die Bücher immer in der Originalsprache liest, einiges zu erzählen, habe ich  in der letzten Zeit, ein Buch des Centrope, nämlich Michal Hvoreckys „Troll“, was mir gar nicht so sehr gefallen hat und ich eigentlich eher als „dahingeschluddert“ halten würde, gelesen und heute Morgen in der Badewanne auch Vladimir Sorokins „Manaraga“ ausgelesen und das hat eigentlich einen Bezug zum Workshop oder zumindestens zum Tolstoi, wenn schon nicht zum Lew, der in dem Buch ja vorkommt, beziehungsweise dort verbrannt wird, dann doch zum Alexej und in dem Sorokin Buch geht es ja um russische Literatur, also habe ich darüber mit Stephan Teichgräber geplaudert, beziehungweise ihm das Buch schmackhaft zu machen versucht und ein drittes, eine Frühjahrsneuerscheinung, die im Februar erscheinen wird, habe ich auch schon in meinem Baqdezimmer liegen, nämlich Tanja Maljartschuks „Blauwal der Erinnerung“, worüber ich sie schon einmal im Literaturhaus reden hörte und da geht es um einen ukrainischen Volksshelden, der zwar nicht ganz exakt zum Centrope gehört, von Stephan Teichgräber aber schon erwähnt wurde und wenn ich dann das Buch über Donald Trump, das ja eigentlich nicht meinen primären Lesegeschmack entspricht und Robert Seethalers „Feld“ mein letztes östBp-Buch ausgelesen haben werde, werde ich mich an den „November 1918 in der österreichischen Literatur“ machen, was ja, glaube ich, auch nicht ganz der Revolution zuzuorden ist, aber wichtige Informationen zur Republickgründung geben kann.

Nächste Woche ist ja noch ein Workshop, bevor es in die Semesterferien geht, Stephan Teichgräber hält sich da genau an den Universitätslehrplan, da werde ich mir, weil eine achtzehn und neunzehn Uhr Stunde, vielleicht auch nicht so viel zu plaudern habe, mir den Platz aber wahrscheinlich trotzdem freihalten, also für die, die mein literarisches Leben interessiert, die entsprechenden Infos geben und so kann ich jetzt nachdenken, was sonst noch zu erzählen ist.

Ich korrigiere immer noch an der „Magdalena Kirchberg“ und während ich das, während des Szenekorrigierens immer mit Videos übers Schreiben getan habe, die meine Konzentration vielleicht verringerte, meine Motivation an der Sache aber entsprechend erhöhten, bin ich jetzt in der Lautlesephase und werde das wahrscheinlich  noch ein paar Wochen, wenn nicht Monate so tun und bin jetzt bei 97 Seiten und 46.170 Worten und für die Leipziger Buchmesse zu der wir auch heuer wieder fahren werden, habe ich mich inzwischen ach akkreditierte. Ich wollte das zwar erst ein bißchen später machen, habe dann aber vom „Diogenes Verlag“ schon eine Einladung zum Bloggertreffen bekommen  und mit Susanne Bühler auch schon einen Einzeltermin ausgemacht.

Eine Termin für eine Lesung aus der „Unsichtbaren Frau“ habe ich für 14.Mai im „Republikanischen Club“ auch vereinbart und der „Bremer Literaturpreis! wird nächste Woche an Arno Geiger und an Heinz Helle vergeben, Daniela Striegl hält da die Laudatio kann ich vermelden, obwohl ich natürlich nicht nach Bremen zur Preisverleihung fahre und heuer auch nicht nach Essen zur Verleihung des „Blogger Debutpreises“ an Bettina Wilpert, da diese schon am zwölften Februar stattfindet, da werde ich wahrscheinlich einen Comic über den 12. Februar 1934 lesen und vielleicht auch Thomas Bernhard gedenken, obwohl ich ja kein besonderer Bernhard Fan bin und höchstens nach Leipzig nach Essen zur Lesung von Wlada Kolosowa fahren, zumindestens würde sich das ganz gut ausgehen, da die am Mittwoch nach der Messe ist.

Mal sehen, das wäre interessant, aber vielleicht kommt die auch einmal nach Wien oder  Göttweig und das Buch habe ich auch schon gelesen.

Jetzt ist mir, glaube ich, zum „Plaudermittwoch“, den ich ja für alle Interessierte als eigene Rurik einführen könnte, doch eine ganze Menge eingefallen

2018-07-15

Elementarteilchen

Jetzt kommt ein Klassiker von meiner Backleseliste, nämlich Michel Houellebeqcs, 1999 erschienener Kultroman „Elementarteilchen“, den ich mir einmal beim Rotary Flohmart in St. Pölten vom Alfred kaufen ließ und auf den ich schon sehr gespannt war, obwohl das Buch jetzt im Schutzumschlag und die erste Seite angelesen,  ein halbes Jahr lang im Harlander Badezimmer lag, denn als ich es im Jänner zu lesen angfangen wollte, habe ich nach der ersten Seite überlegt, daß es doch besser wäre mit dem PDF von Joshua Cohens „Buch der Zahlen“ anzufangen und bin seither mit dem Neuerscheinungslesenlesen nicht wirklich fertig geworden.Das heißt, doch im Juni, aber da war der Alfred in Amerika und ich bin in Wien geblieben.

Ein Kultbuch also von dem man schon viel gehört hat und mit dem auch, glaube ich, der 1956 oder 1958 geborene Autor, der  etwas exzentrisch sein dürfte, berühmt wurde und von dem ich einmal einen Gedichtband, der mir sehr gefallen hat und dann „Unterwerfung“ gelesen habe.

Hier, schreibe ich gleich, war ich anfangs etwas enttäuscht, beziehungsweise habe ich gedacht, daß man dem zwanzig Jahre alten Buch sein Erscheinungsdatum deutlich anmerkt, denn das, was da über diese Sommerakademie mit den kreativen Writingkursen geschrieben wurde, habe ich nicht so sensationell, sondern alltäglich gefunden.

Es dürfte auch ein bißchen Autobiografisch sein, denn ich habe bei den beiden Brüdern Bruno und Michel, die da beschrieben werden, 1956 der eine 1958 der andere geboren, einige Parallelen zum Lebensweg des Autors gefunden.

Aber dann ist es natürlich ein das ganze Jahrhundert umfassende, breitgefächertes Buch, das das Nachkriegsfrankreich mit all seinen sexuellen Phantasien, dem Leiden von Söhnen von neunzehnhundertachtundsechziger Mütter, obwohl oder weil, die zehn Jahre früher geboren wurden, den wissenschaftlichen Fortschritten, den sexuellen Abartigkeiten und und genau darstellt wird und es ist, weil es ja bis in die Hälte des einunzwanzigsten Jahrhunderts geht, wahrscheinlich auch ein utopischer Roman, den ich mit Stephan Teichgräber im Workshop behandeln hätte können, wenn das, das sich im letzten Kapitel abspielt, nicht nur eine listige Variante des Autors sein sollte, ich neige dazu, das zu glauben und stelle schließlich fest, daß es doch ein sehr beeindruckendes Buchist, obwohl soviel männliche sexuelle Besessenheit  immer ein bißchen abtörnend auf mich wirkt, so daß ich ganze Seiten nur überflogen habe und trotzdem länger, als geplant zum Lesen gebraucht habe.

Es gibt ein Vorwort und ein Nachwort, das sich, um das Leben des Molekularbiologen Michel  Djerzinski, man sieht schon den autobiografischen Bezug, handelt, der in Irland das neue menschliche Leben klonte oder den wissenschaftlichen Beweis dazu lieferte und dann nachdem er die Artikel an die entsprechenden Fachzeitungen schickte, ins Wasser ging.

Das wird in der sogenannten „Nachrede“ ausgeführt und dann noch bis 2050 oder so die wissenschaftlichen Folgen der Forschung erklärt.

Dazwischen liegen aber drei lange Teile, die das Leben der beiden Brüder Bruno und Michel, der eine, wie geschrieben 1956 der andere 1958 beboren, erzählt. Die Mutter hieß Janine und war eine Ärztin, die die sexuellen Ausschweifungen von 1968 sehr genoß, ihre beiden Buben von zwei Vätern hatte, sie bei den Großmüttern aufwachsen ließ, so war der eine Zeitlang in Algerien,  der andere bei der anderen Großmutter in Frakreich, beziehungsweise bei seinem Vater, auch einem Arzt, der Frankreichs Frauen, die Schönheitschirurgie bescherte, dann aber den Trend versäumte.

Bruno kam bald in ein Internat, wo er von den älteren Schülern gequält und mißhandelt wurde, mit den Mädchen Schwierigkeiten hatte und Zeit seines Lebens sich seines zu kleinen Penis wegen schämte. In der Jugend erlebte er mit seinem Bruder und mit Annabelle, einen wahrscheinlich nicht so flotten Dreier, in einer dieser Komunen, der Zeltanlage mit kreativen Angebot, die wohl an den Wiener Aktionismus und an Otto Mühl erinnern soll, denn das Buch ist wissenschaftlich unterminiert, die Wiener Ferkeleien werden erwähnt und auf der anderen Seite auch Albert Einstein und Werner Heisenberg.

Bruno wird Lehrer, verheiratet sich auch, wird bald geschieden, hat seinen Sohn Victor nur am Wocheneinde bei sich und versteht ihn nicht. Die Geschichte der sexuellen Revolution wird nebenbei erläutert und Bruno, der dann als Lehrer an das Internat kommt, wo er gedemütigt wurde, wird fast verrückt an den Miniröcken seiner Schülerinnen, holt sich wahrscheinlich hinter einem Schulheft verborgen, einem nach dem anderen hinunter und berührt dann eine nordafrikanische Schülerin, weil er die afrikanischen Schüler schon längst, wegenihrer angeblich längeren Pimmel beneidet.

Das Mädchen schweigt, Bruno sucht einen Psychiater auf und wird ins Ministerium versetzt. Dann hat er eine Zeitlang eine ebenfalls sexbesessene Freundin namens Christiane, als die aber nach einem Rückenmarkleiden gelähmt wird und sich umbringt, läßt er sich wieder in die Psychiatrie einweisen, besucht nur mehr die Mutter, die in ihrer Glückskommune, wo sie den Rest ihres Lebens verbringt und der auch allen ihren Besitz vermicht, stirbt, während Michel, nachdem seine Großmutter exhuminiert wurde, an dem Ort, wo er mit seiner Jugendfreunin Annabelle aufgewachsen ist, diese wiedersieht. Die will mit vierzig nochmals schwanger von ihm werden, was sich aber zu einer Katastrophe auswächst, die Ärzte entdecken einen Krebs an ihr, so daß sie schließlich nach einem Selbstmordversuch ins Koma fällt und stirbt und Michel nach Irland geht, wo er die oben schon beschriebenen Forschungen anstellt, wovon das Buch wohl auch seinen Namen hat.

Ganz am Anfang gibt es eine sehr berührende Stelle, über Michel, der als eine Art Autist beschrieben wird,  von einem Kanarienvogel, den er gerne loslassen will, der aber an panischer Angst vor der Freiheit stirbt, so daß Michel bis er nach Irland geht,  jahrelang mit einem leeren Vogelkäfig in der Wohnung lebt.

Die zwei Seiten des Michel Houllebecqs, könnte man so deuten, ein stark sexlastiges Buch, eines das wohl skandialierte und das ich mir auch etwas anders vorgestellt habe. Es aber sicher wichtig und gut es gelesen zu haben, um sich in der Welt der  starken Männer vielleicht wieder ein bißchen besser auszukennen und auch, um auch eineLücke im literarischen Kanon zu schließen.

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