Literaturgefluester

2019-10-03

Vater unser

Jetzt kommt Buch acht der deutschen Buchpreisliste, es ist jetzt Schluß mit den österreichischen Büchern darauf, dafür steht das Buch, der 1987 in Klagenfurt geborenen Angela Lehner auch auf der österreichischen Debutliste und sie hat bei dem O Tönen auch gemeinsam mit Marlene Streeruwitz vorgestellt. Da war ich nicht dabei sondern gerade beim Filmfestival in Locarno und hatte auch sonst zwar schon einiges über das Buch, das auch auf der Bloggerdeubtlonglist steht, gehört, aber noch nichts von der Autorin, die offenbar, als die neue Stimme, stark, wie Josef Winkler und Thomas Bernhard vom Feuilleton gehandelt wird und auch auf mehren Debutpreislisten, die es ja wie die Schwammerln zu geben scheint, steht.

Für den „Alpha“ ist die nominiert, den „Franz Tumler Preis“ hat sie vor kurzem gewonnen. Auf die deutsche Shortlist hat sie, was sie auf ihrer Facebookseite bedauert, beziehungsweise rotzig bemotzt, es nicht geschafft.

Denn die starke literarische Stimme ist eine sehr rotzige Erzählerin mit einem neuen frechen Ton und ihre Eva Gruber, die Protagonistin des Buches ist, wie ich überall lesen und hören konnte, eine unzuverläßige Erzählerin, der man nicht trauen kann und das macht es den Lesern wahrscheinlich nicht leicht.

Was passiert in dem Buch? Eva Gruber, eine junge Frau und das ist schon einmal unglaubwürdig, obwohl es die Eva so nicht erzählt, wird von der Polizei von Bayern über Kärntnen, denn da liegt ein Haider-Bild in einer Tankstelle, nach Wien aufs OWS besser unter Baumbartnerhöhe oder Steinhof bekannt gebracht, denn sie hat eine Kindergartenklasse umgebracht.

Da wird man wahrscheinlich eher in die Landespsychiatrie nach  München oder vielleicht auch in Klagenfurt wenn schon die Protagonistin oder ihre Autorin daher kommt, eingeliefert. Aber Evas Bruder Bernhard befindet sich auch dort, wird da wegen seiner Magensucht behandelt und deshalb bekommt man später heraus, hat sich Eva dorthin bringen lassen, um ihren Bruder zu retten.

Sie wird alsbald dem leitenden Psychiater Dr. Korb zugeführt, der mit ihr eine Gesprächstherapie oder Psychoanalyse macht und dabei das Zimmer zusperrt. Das erscheint mir in Zeiten, wie diesen auch nicht sehr realistisch oder ist eine Anspielung auf den dort sicher schon stattgefunden habenden Mißbrauch, aber um den „Spiegelgrund“ geht es in dem Buch gar nicht.

Eva erzählt ihm jedenfalls ihr Vater hätte sich umgebracht und die Mutter ist auch gestorben, was, wie sich herausstellt auch nicht stimmt, denn die Mutter taucht später auf und macht mit dem Geschwistern und Dr. Korb eine Familien oder Grppentherapie.

Zuerst will aber der zum Skelett abgemagerter Bruder, der mit einer Adriana, wegen ihrer großen Ohren von Eva „Dumbo“ genannt, im Garten arbeitet, von der Schwester nichts wissen.

Warum der Bruder magersüchtig ist, kann man sich aus den Rückblenden auf eine katholische Jugend in einem Kärntner Dorf, das sind sicherlich die Anspielsungen auf Josef Winkler, deuten.

Es gab Mißbrauch des Vaters an beide Kinder, die Ehe der Eltern wurde geschieden und jetzt fühlt sich die rotzfreche Eva für ihren Bruder verantwortlich und will ihm retten, indem sie ihm veranlaßt, den Vater zu töten.

Oder besser, sie will das für ihn tun. Deshalb entführt sie den Bruder sozusagen im dritten Teil, der „der heilige Geist“ benannt ist, der erste hieß „Der Vater“, der zweite „Der Sohn“, aha und fährt mit ihm mit dem geborgten Auto der Fußpflegerin, mit der sie sich angefreundet hat, zuerst nach Schönbrunn in den Zoo, was diese Metahper aussagen will, habe ich nicht verstanden und dann mit ebenfall ausgeborgten dreißig Euro nach Kärnten.

Auf dem Weg flüchtet der Bruder, so bleibt  das Auto stehen, rennen durch einen Wald, kommen dann, wie Hänsel und Gretel zu einem Bauern. Die Bäuerin nimmt sie auf, bäckt mit Bernhard Brot, der Bauer geht mit Eva fischen. In der Nacht kotzt der Bruder die Forelle hinaus und die Geschwister flüchten mit einem Bus weiter, dort gibt eine alte Frau dem Bruder Wurstscheiben. Sie werden aus dem Bus geworfen, kommen aber letztendlich in das Vaterhaus. Dazwischen hat Bernhard noch die Schwester beschuldigt Doktor Korb ermordet zu haben, aber der taucht, wenn ich es richtig verstanden habe, mit der Mutter vor dem Haus auf, in dem Eva auf den Vater wartet und am Ende trägt Eva den schon sehr schwachen Bruder in eine Kapelle.

Psychoanalytiker oder Literaturwissenschaftler helft mir beim Deuten, da komme ich nicht ganz mit, mit den vielen Metahern, Schlingen und Irrwegen. Was will uns die Autorin sagen, die uns so rotzfrech durch die Seiten führt?

Es geht um einen Mißbrauch und eine verlorene Kindheit ganz klar, die Stellen im Steinhof sind sehr gut beschrieben und auch sehr gut recherchiert.

Der Dr. Korb ist kein Trottel, der von seiner Patientin hinters Licht geführt wird, wie man meinen könnte, sondern versteht was von seinem Fach. Der Ton ist frisch und klar, die Vergleiche mit Winkler scheinen mir etwas übertrieben. Ein paar Mal fällt ein leichter Thomas Bernhard Ton auf, aber der ist ja sehr leicht zu imitieren und animiert wahrscheinlich auch sehr leicht dazu.

Eine gelungene „Coming of Age-Geschichte“ würde ich sagen, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob sie vielleicht doch flacher ist, als man auf den ersten Blick meinen könnte.

Die Zukunft wird es weisen, was wir noch von der offenbar sehr selbstbewußten jungen Autorin hören und lesen werden?

Also seien wir gespannt, ob sie auf die Bloggerdebutshortlist, dann hätte ich das Buch schon gelesen, kommt, ob sie den „Alpha“ gewinnt, auf der Shortlist steht sie schon, dann bekäme ich das Printbuch, das einen sehr farbigen glänzenden roten Umschlag hat? So habe ich das PDF oder E-Book gelesen oder ob es den österreichischen Debutpreis gewinnt, wird sich Anfang November erweisen.

Und ehe ichs vergessen, Eva Schmidt, die auch nicht auf der Shortlist steht, hat  über eine andere „Lügnerin“ geschrieben, die  auch erst ihr Leben meistern muß.

2019-08-25

Alle unsere Jahre

Filed under: Bücher — jancak @ 09:50
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Nun kommt eine Neuentdeckung, „Wagenbach“ hat einen Roman der 1958 in England geborenen und schon lange in Kanada lebenden Kathy Page, die schon acht Romane geschrieben hat, „Alle unsere Jahre“ im Original „Dear Evelyn“ herausgebracht und will die Autorin, die auch im Herbst nach Frankfurt kommt, offenbar im deutschen Bereich bekannt machen.

So liegt das E pub schon lange in meinem E -Book- Folder. Jetzt ist das Buch  erschienen, wurde auch schon bei MDR vorgestellt und von Rainer Moritz sehr gelobt. Es ist ein Familienroman, der die Szenen der Ehe von Harry und Evelyn in sehr eindrucksvollen Bilder beschreibt und dabei ein langes Nachkriegsleben schildert.

Harry wurde in der Zwischenkriegszeit geboren. Die erste Szene schildert sehr eindrucksvoll die Geburt und erinnert dabei ein bißchen an die „Asche meiner Mutter“, die Eltern gehen in dem ärmlichen London, aber sehr liebevoll mit ihrem zweiten Sohn um und auch das nächste Kapitel ist sehr eindrucksvoll.

Da ist Harry schon älter und wird von einem einäugigen Lehrer unterrichtet, der im Krieg sein Auge verloren hat, den daduruch haßt und den Schülern auf sehr unkonventionelle Art und Weise, die Liebe zur Poesie nahebringen will.

Das mißlingt wahrscheinlich, der Lehrer wird versetzt, schenkt Harry aber zum Abschied ein Buch und die Liebe zu den Gedichten zieht sich durch den ganzen Roman, es werden auch Ausschnitte daraus zitiert.

Im dritten Kapitel ist Harry schon erwachsen, hat nicht studiert, obwohl er ein Stipendium bekommen hätte und lernt Evelyn in einer Bibliothek kennen, die liest dort gerade Daphe du Mauriers „Rebecca“ und man könnte sagen, daß das ganze Buch auch in einem etwas altmodisch wirkenden Stil geschrieben wirkt, obwohl es bis in die Gegenwart hineingeht.

Harry und Evelyn, die wie im Beschreibungstext steht, sehr unterschiedlich sind, heiraten. Der zweite Weltkrieg beginnt. Harry wird eingezogen und kommt nach Westafrika. Evelyn bleibt zu Hause, bekommt ihr erstes <kind Lilly und sehr liebevolle Briefe von Harry von der Front.

Evelyn wurde von ihrer Mutter sehr geliebt und verwöhnt, haßt aber ihren trikenden tuberkolösen Vater und als sie an sein Sterbebett gerufen wird, ist sie nicht imstande „Ich liebe dich Dad!“, zu sagen, wie es die Mutter von ihr fordert.

Eine zweite Tochter, Valerie, wird geboren und ein Haus bezogen. Dazu werden Vorhänge gebraucht. Evelyn entscheidet sich für einen Stoff, der eigentlich noch immer viel zu teuer ist, obwohl ihr die Verkäuferin verrät, daß er im Abverkauf nur mehr die Hälfte kosten wird.

Sehr spät kommt die dritte Tochter Louise, die den Eltern wegen ihrer sexuellen Freizügigkeit Schwierigkeiten macht. So geht Evelyn deshalb auch zur Polizei, als sie einen Brief findet, in dem Louise darüber schreibt, was etwas absurd wirkt.

Dann werden die Eltern selber alt und Evelyn sehr ungeduldig mit Harry, der sehr ausgleichend ist und  ihr nicht sagen möchte, was er essen will, um ihr keine Mühe zu machen. Er braucht eine neue Hüfte, wird inkontinent, was Evelyn nicht aushält. So kommt er in ein Heim, während die Neunzigjährige mit einer der Töchter noch eine letzte Reise macht und Harry in sein Altersheim einen Brief aus Paris schreibt.

Der geht im Heim verloren und die Managerin bemüht sich sehr, ihm zu erklären, daß das vom überforderten Personal keine böse Absicht war und sie ihm auch schon gesagt haben, daß Evelyn ihn deshalb  so lange nicht besuchen kam, weil sie schon vor einigen Monaten, kurz nach ihrer Rückkehr von der Reise, verstorben ist.

Ein sehr interessantes Buch, das auf eine sehr eindruckvolle Art und Weise das Älterwerden und die Schwierigkeiten einer Ehe schildern. Für mich sind es die farbigen Bilder, die ich zu beschreiben versucht habe, die mich besonders beeindruckt haben. Nun bin ich gespannt, wie das Buch im deutschen Raum aufgenommen wird und was ich noch von Kathy Page hören oder lesen werde.

2018-11-06

Laß dich heimgeigen Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:01
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Jetzt  am Vorabend der Buch-Wien geht es ans öst Buchpreisauflesen, denn da hatte ich ja schon fünf Bücher gelesen, als die Liste bekannt gegeben wurde, dann habe ich den Millesi und den Jäger, die ich als PDF bekommen habe, gelesen und beim Rest, was zuerst nur der Josef Winkler und der David Fuchs war, gedacht, das mache ich sopäter, ich habe ja mit dem dBp und den anderen Neuererscheinungen genug zu tun.

Also jetzt der große Favorit und „Büchnerpreisträger“, der 1953 in Kärntnen in dem Dörfchen Kamering geborene Josef Winkler, das inzwischen wohl wahrscheinlich  Berühmtheit erlangte und zumindestens allen Deutschlehrerinnen bekannt sein wird, denn Josef Winkler ist ja auch einer, der ähnlich wie Florjan Lipus und wahrscheinlich noch einige andere, sein Leben aufschreibt und sich dabei wiederholt in endlos Schleifen das Aufwachsen in einem katholischen Bauerndorf der Nachkriegszeit und die Gewalt, die er dort erlebte, beschreibt und er tut es in einer sprachlich schönen Form, so daß die Germanisten Symposien darüber abhalten und die Leser für die der Buchpreis ja eigentlich oder ursprünglich da ist, vielleicht sagen werden „Was interessiert uns das? Das ist uns zu schwer und hochgestochen, wir wollen lieber was Unterhaltsames, nach unserem schweren Arbeitstag!“ und werden vielleicht zum Krimi greifen, der nicht auf den Buchpreislisten steht.

Ich kenne Josef Winkler zumindest vom Namenseit seinen Anfängen, hat er doch, als ich mich noch sehr dafür interessierte und glaubte, daß ich das auch einmal könne, beim Bachmannpreis gelesen und mit „Menschenkind“ gewonnen, das inzwischen ein Teil der Trilogie „Das wilde Kärntnen“ ist.

Das Buch habe ich, glaube ich, vor Jahrzehnten gelesen und wahrscheinlich nicht sehr verstanden, dann war ich  1996 auf eigene Kosten und als Publikum im Klagenfurt, wo er mit einem Kind am Arm herumgelaufen ist und, ich glaube, aus „Domra“, den Bericht seiner Indienreise gelesen, aber nicht gewonnen hat. Das Buch habe ich dann auch vom Karli zum Geburtstag bekommen und die Dramatisierung seiner „Römischen Novelle“ habe im im MQ, ich glaube, im Rahmen der Festwochen gesehen.

Da ist mir also der sich um sein Kindheit kreisende Josef Winkler ein wenig verloren gegangen, könnte man so sagen, stimmt nicht ganz, denn ich war beim Symposium in der „Alten Schmiede“ und da hat er, glaube ich, aus seinem „Abschied von Vater und Mutter“ gelesen und jetzt das öst Buchpreis Buch, das im Frühjahr bei „Suhrkamp“ erschienen ist und da an mir ohne die Nominierung vorbeigegangen wäre, obwohl es, glaube ich, im Vorjahr im „Casino am Schwarzenbergplatz“ aufgeführt wurde, bin ich wieder in die Winklerische Welt des Grauens und des Lamatierens eingetaucht und ich muß sagen, er versteht es ausgezeichnet, das in eine kunstvolle Form zu fassen, obwohl die Inhalte, wie man auch bei „Amazon“ lesen kann, schon sehr bekannt sind.

Neu für mich war, daß der kleine Josef oder Sepp schon als einjähriger mit einem Bleistift, um auf seine spätere Profession hinzuweisen, herumgelaufen ist, aber, daß die schweigsame oder im Schmerz verstummte, später Psychopharmaka nehmende Mutter ihre drei Brüder im Krieg verloren hat, habe ich schon gelesen oder gehört, auch daß er beim Tod des Vater in Tokio war, daher nicht zu seinem Begräbnis kommen konnte oder auch nicht wollte, weil der Vater ihm das verboten hat, weil sich das Dorf naturgemäß wahrscheinlich nicht darüber freute vomJosef oder Sepp in den „Dreck“ gezogen zu werden.

Das Buch, die sich immer wieder wiederholenden Inhalte der Gewalt, die das Kind wohl in der muffigen Bauernstube erlebte, das Blauschlagen des Hinters beispielsweise „Er hat blaue Würste am Arsch!“, ist, muß ich sagen, in eine wirklich künstlerische Form gebracht und darin eingerahmt.

Eingerahmt durch die Gedichte de jiddisch schreibenden Rajzel Zychlinski, die in Polen geboren wurde und 2001 in den USA gestorben wird und dann gibt es noch das Gedicht „Der Herr, der schickt den Jockel aus:/ Er soll den Hafer schneiden“, das, glaube ich, von Fontane ist, das vor jedes Kapitel gestellt wird und daher von Kapitel zu Kapitel immer länger wird, bis es schließlich in „Da geht der Herr nun selbst hinaus/ Und macht gar bald ein End daraus/ Der Teufel holt den Henker nun, / Der Henker hängt den Schlächter nun, /Der Schlächter schlacht’den Ochsen nun, / Der Ochse säuft das Wasser nun,/ Das Wasser löscht das Feuer nun,/ Das Feuer brennt den Prügel nun,/ Der Prügel schlägt den Pudel nun,/Der Pudel beißt den Jockel nun,/ Der Jockel schneidt den Hafer nun,/ Und kommt auch gleich nach Haus.“

Jockel ist, glaube ich, die Abkürzung von Jakob und so heißt Josef Winklers Vater und das Buch ist eine Ltanei, ein Zwiegespräch mit ihm in dem all das, was wir, wenn wir ein bißchen Winkler gelesen haben, schon wissen, aber noch etwas anderes, das der Aufhänger für das Buch ist, enthält.

Den Josef Winkler, steht am Klappentext, hat erst vor wenigen Jahren erfahren, daß in den „Sautratten“, wo die Gerste wuchs, die in der väterlichen Mühle gemahlen und auch das ganze Drautal mit Mehl belieferte, die Leiche des sich 1945 selbst vergiftet habenden, weil die Engländer ihn gefangene nahmen, Odilo  Globocnik, der als Leiter der Aktion Reinhart für die Vernichtung von  Juden in Treblinka Belzek und Sobibor verantwortlich war.

„Zwei Millionen ham`ma erledigt!“, wird immer wieder litaneiartig wiederholt und nun klagt der Sohn, den Vater an, wieso er ihm, der doch sonst soviel vom Krieg erzählte, das nicht gesagt hat und so er und der Rest des Drautals jahrelang, wie er schreibt verseuchtes Brot essen mußten.

Der Lebenslauf des jungen Josef, der mir aus Lesungen schon bekannt war und der auch ziemlich genauso  beschrieben in „Wikipedia“ steht, wird erzählt. Die kleinen bunten Soldatenfiguren, die dieKinder aus den „Linde-Kaffeebohnenschachteln“ sammelten, die die Verwandten bei den Besuchen mitbrachten. Die katholischen Rituale und Aufbahrungen, das Lesen der Winnetou-Bücher, die ihm aus der Sprachlichkeit und der Dumpfheit des Dorfes herausbrachten. Er hat dazu auch Geld aus der Böse seiner Mutter, die er und das finde ich ein bißchen seltsam, obwohl ich den dramaturgischen Effekt nachvollziehen kann, in dem Buch „Mame“ und den  Vater „Tate“ nennt und denke, daß er  als Kind seine Eltern sicherlich nicht so genannt hat, gestohlen.

Hat später auch Camus und Hemingway gelesen, ist nach Klagenfurt auf dieHandelschule gegangen und hat später an der damaligen Hochschule für Bildungswissenschaft, als Schreibkraft gearbeitet. Dann sind seine erste drei Bücher erschienen, die das Dörfchen  wohl erregten und er verstummte. Später kehrte er wieder in sein Elternhaus zurück, um und das mag auf dem ersten Blick seltsam erscheinen, wieder schreiben zu können. Aber ich finde gerade diese Ambivalenz das Wandern zwischen Gut und Böse, das Josef Winkler auch bei sich selbst beschreibt, diese Haßliebe, das nicht loskommen und sich immer wieder fortan wiederholen, als das Bemerkenswerte an dem Buch und an Josef Winkler literarischen Schaffen.

Ein Buch, das wahrscheinlich, wie schon beschrieben an mir vorbeigegangen wäre, ich aber sehr froh bin, daß ich es gelesen habe, denn ich habe dadurch sehr viel von Josef Winkler und seinem Schreiben  gelernt und füge ich noch hinzu, daß als ich 2000, zu Zeiten von schwarz blau eins, was allerdings ein Zufall ist, in Klagenfurt war, wurde dort gerade das Stück des  20011 verstorbenen Werner Kofler „Tanzcafe Treblinka“ aufgeführt, denn Odilo Globocniks Adjutant Ernst Lerch hat sich nicht umgebracht, sondern bis in die Siebzigerjahre in Klagenfurt ein Tanzcafe geführt, in dem Josef Winkler, als es allerdings kein solches mehr war,  öfter war, bevor er von der Abendhandelsakademie nach Hause gefahren ist.

2015-12-21

Die vielen Tode unseres Opas Jurek

Weiter geht es mit dem Buchpreisbloggen könnte man so sagen oder nachdem ich jetzt  alle zwanzig Romane gelesen haben, kommen Dank Mara Giese und ihrem Gewinnspiel noch vier deutsche Romane an die Reihe, die in diesem Jahr erschienen sind und es nicht auf die Longlist schafften.

Einer davon  von dem 1979, in Opole, Polen geborenen und als Kind nach Deutschland gekommenen Matthias Nawrat, der 2012 mit einem Auszug aus seinem zweiten Roman „Unternehmer“ beim Bachmannpreis gewonnen hat, da habe ich ihm kennengelert und der Roman ist 2014  auf der Longlist gestanden.

Und mit diesem, einem wahrscheinlich Schelmen- oder Episodenroman, der die Geschichte Polens vom zweiten Weltkrieg bis zu Wende auf eine etwas andere Art und Weise neu erzählt, habe ich mir am Anfang etwas schwer getan, obwohl mich die deutsch ponische  Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg ja sehr interessiert.

Wahrscheinlich ist es die „umgekehrte Humoristik“, wie Nawrat, die Ironie, die er dabei verwendet, selbst betitelt, die mich etwas störte.

Denn Hitler und Stalin waren wahrscheinlich nicht lustig, auch wenn Humor, das weiß ich schon, ein Abwehrmechanismus ist, aber wenn der Enkel über die Geschichte des Großvaters lacht, in dem er sie sehr verdreht erzählt, weiß man am Ende nicht wirklich, wie sie der Großvater empfunden hat.

Da ist also der Ich-Erzähler, ein Jugendlicher habe ich verstanden, der mit seinem Bruder und seiner Mutter ein paar Jahre nach der Wende zum Begräbnis seines Opas Jurek nach Polen fährt und danach in einem sehr kindlichen Stil, die Familiengeschichte erzählt, kindlich oder mit umgekehrter Humoristik, das letztere wohl und so wächst der Opa in Polen auf, verliebt sich in die Cousine Janka mit der Augenklappe, geht in die Realschule, beginnt zu arbeiten und dann kommt der weltberühmte Politiker mit dem Chaplin Bärtchen daher und der Opa wird von freundlichen Herren zur Befragung zusammen mit der Belegschaft seiner Firma abgeholt und in ein schönes Örtchen namens Oswiciem gebracht.

Da erleidet er dann seine ersten Tode, nämlich Hungersnöte, die zur Folge haben, daß er sich in seinem späteren Leben bei den mehrgängignen Mittagessen immer vier- fünf Nachschläge geben läßt, bis seine Organe nicht mehr mitspielen.

Aber zuerst erleidet er Hunger und hat aus diesem Grund vielleicht sogar einen Mithäftling umgebracht, ja die Menschen sind nicht alle gut und edel, auch die in Auschwitz und im stalinistischen Polen nicht.

Denn der deutsche Chef der ehemals polnischen Firma holt den Opa aus dem Lager heraus und der wird  nach 1945 Direktor eines Warenhauses, wo es keine Waren gibt.So läßt er in dem von einem Deutschen gestohlenen schwarzen Direktorsanzug, die Verkäuferin das Regal hin und herstellen und diskutiert mit seinen Parteigenossen über die Gleichheit, die ja das Ziel der neuen Gesellschaft ist und als statt Weißkraut ein paar Felljacken ankommen, teilen sich die die Direktoren untereinander auf und sagen sie opfern sich für die Allgemeinheit, so weit so gut und auch weiter.

Der Opa findet dann die Oma Zofia, die ihm die mehrgängigen Mittagessen kocht und eigentlich nach Paris möchte, weil er Opa aber so viel ißt, reicht das Geld dazu nicht aus und das Ausreisen war zu Zeiten des weltberühmten Politikers mit der weißen Kellnerjacke, des großen Nachbarlandes wahrscheinlich auch nicht so einfach.

Der Vater des Erzählers will aus aus diesem Polen und möchte über die hohe Tatra und den Rizy nach Canada kommen, dafür läßt er sich in ein Pfadfinderlager stecken, denn nur so kam er nach Zakopane, der Plan scheitert an der mangelnden Kondition des Gruppenleiters, so eröffnet er mit tschechischen Utensilien, ein Sportgeschäft in Opole in dem die Jugendlichen, die Seile, Karabiner, Bergschuhe und Rucksäcke auch gerne kaufen und auch der berühmteste Bergsteiger des Landes besucht einmal seinen Laden.

Da gibt es dann  eine groteske Szene, wo dieser Sportler von der Geheimpolizei bewacht an einer Gala in Warschau teilnehmen und dann den Himalaya besteigen  oder nicht besteigen soll.

Der Vater reist ihm mit seiner besten Grundausrüstung nach, logiert sich in dem Hotel ein, wo auch der Staatspräsident wohnt und klettert an der Fassade in seine Suite. Der ist begeistert, schleift ihn auf die Gala und läßt sich mit ihm fotografieren.

Nur nachher brechen die freundlichen netten Geheimpolizisten seine Beine, so daß es aus mit dem Traum nach Canada zu kommen.

So reist der Vater mit der Mutter und den zwei Söhnen nach Deutschland aus. Das wird auch sehr grotesk geschildert, denn der Opa weigert sich die Familie zu verabschieden, so fangen sie solange zu streiten und auszupacken an, bis er widerwillig zwar, aber doch erscheint und er scheitert als Direktor eines Warenhauspardieses, der er dann geworden ist, an einer Verkäuferin, die gleichzeitig die Frau eines  Polizisten ist.

So wird der Opa wieder in den Keller der Geheimpolizei gebeten, kommt dort lange nicht heraus, verliert seinen Job, wird Hausmeister eines Ferienlagerns und fängt zu schieben an.

Auch eine köstliche Szene, wie er eine Flasche Schnaps, gegen Jeansstoff tauscht, damit nach Budapest auf der Suche nach Kalbfleisch fährt und dieses nicht bekommt, während ihn die Oma von der Plizei suchen läßt.

Dazwischen ändern sich die Zeiten und die Generäle, es wird eine Partei namens Solidarnosc gegründet und am Schluß verliert der Opa seine Organe, sie geben ihre Funktion auf und er verstirbt mit achtunddreißig Kilo und der Enkel kommt mit dem Bruder und der Mutter nach Opole, läpt sich von der Oma bekochen und vom Onkel die Stadt zeigen, während er Episode um Episode aus dem Leben seines Opas neu erzählt.

„Mit poetischer Verdichtung und Verfremdung erschafft Mathias Nawrat eine Welt im Schwebeustand zwischen Wirklichkeit und Phatasie schreibt die Ndeue Zürcher Zeitung.

Wie schon erwähnt, habe ich mir damit ein bißchen schwer getan, kann aber nicht verhehlen, jetzt  mehr über die ponische Geschichte nach 1945 und das Leben in Polen in dieser Zeit zu wissen.

Sabrina Janesch hat in „Katzenberge“ das ich diesen Sommer gelesen habe und das sie auch in Klagenfurt vorstellt, über die ponischen Vorfahren ganz anders geschrieben.

Mit der umgekehrten Humoristik läßt sich das Leben vielleicht ein bißchen besser ertragen, ich mag sie, glaube ich nicht so sehr.

Es gibt aber auch Auschwitz-Romane,  die auf diese Art und Weise beschrieben wurden und natürlich ist es gut, wenn man über die Geschichte lachen kann, auch wenn sie nicht immer lustig ist.

 

2013-09-05

Unser Sonderberichterstatter

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:39

Es beginnt mit einem Urschrei „Sombreroo! von irgendwoher, aus dem Fenster eines Wohnblocks im schlafenden Viertel.“
Dann erwacht Antonje in der 2007 in der Edition Zwei, diesmal noch zweisprachig und mit Anmerkungen über Autor und Übersetzung, erschienenen Erzählung „Unser Sonderberichterstatter“, des 1974 in Rumänien geborenen Florin Lazarscu, offenbar in Himmel, der aber eine Art Werbeabteilung oder Castingshow ist, so erwarten ihn schöne Mädchen und Zigaretten, er wird dann zu einem alten Mann geführt, muß vor Publikum eine Frage beantwortet und wird wieder auf die Erde zurückgeschickt.
Dort geht es ähnlich verwirrend mit wechselnden Perspektiven und wechselnden Zeitabschnitten weiter.
Die Haupthandlung ist aber in Rumänien nach der Wende angesiedelt, in einem also, das mit westlichen und amerikanischen Methoden arbeiten will, aber das Know how und das Equipment dazu noch nicht ganz hat.
So erklärt der Chefredakteur, Antonjes Chef, daß in seiner Zeitung nur Platz für Kultur ist, wenn die Werbeaufträge fehlen und Antonje wird als Mädchen für alles oder als Tolpatsch vom Dienst, zu allen möglichen Aufträgen geschickt.
So berichtet er über Schildkröten, Überschwemmungen und auch mal von seltsamen Ufos.
Aber eigentlich will er zu dem Begräbnis des großen Journalisten, zu dem auch der Präsident kommen soll. Er wird dann auch dorthin geschickt und von den Leibwächtern offenbar ins Koma geschlagen, in dem er dann auch einige Tage liegen soll, um sich vor seinem Chef zu retten, aber vorerst passieren noch einige seltsame Dinge.
So wird das Begräbnis in eine andere Kirche verlegt, weil es dort zu unsicher ist und dem Heiligen in der Reliquie auch ein Finger gestohlen wurde. Das tat offenbar ein drogendealender Zigeuner mit dem Antonje schon vorher in der U-Bahn fuhr und einen Terroristen nahmens Mohammad, der geschäftstüchtig Visitenkarten mit einer Bombe und seiner Mail Adresse verteilt, gibt es auch.
Der ist aber ganz brav in das Land eingewandert und fuhr, weil er sich in seinem Job langweilte, am Sonntag mit dem Zug im Land herum, um dort die Notbremse zu ziehen, später kam er auch zu Dynamit und so wollte er die Bombe werfen.
Es gibt aber auch immer Kapiteln, die in die Vergangenheit in das Regime Ceausecus führen. So wird von einem Lehrer erzählt, der aufs Land strafversetzt wurde und dort von seinem ebenfalls strafversetzten Direktor zu einer Schulung einberufen, zu der er nicht will, so zeigt er ihm den Mittelfinger und kommt daraufhin für Jahre ins Gefängnis und der Vater des Chefredakteurs war ein Komponist und Dirigent, der wie Mozart komponieren wollte, was er aber in der Diktaur des Sozialismus nicht durfte.
Es geht aber auch in die Geschichte zurück und so wird von einem Prinzen erzählt, der die Soldaten seines Vaters, des Königs ärgert, der die Hunnen besiegen will und von einem Mönch namens Ioan, der hat dann den kleinen Antonje nach dem Tod seiner Eltern in einer Höhle auf einem Berg, ganz abgeschieden vom Sozialismus aufgezogen, bis eines Tages die Leute kamen und erzählten „Ceausescu ist tot, wir haben jetzt die Freiheit!“
So fährt Antonje, der dumpfe Tor in die Stadt, wird dort als eine Art Kaspar Hauser bewundert, bekommt vom Präsidenten eine Garconniere und vom Chefredakteur eine Unterstützung, bis dem das zu viel wird und Anonje zum Reporter macht.
Es endet nach noch einigen anderen Einschüben und Seitenhandlungen, so will der junge Pfarrer Ioan zu einem Heiligen machen und sendet im Internet dessen Wunder auf, so daß die Touristen in Scharen mit einem Bus angefahren werden und dann auf den heiligen Berg hinauskriechen, in dem Krankenhaus, in dem Antonje im Koma neben einem autistischen Zwerg liegt, in der Nacht aber mit dem Zwerg aus dem Fenster springt und zu einem See fischen fährt, dort wird er dann wegen Entführung verhaftet und zeigt allen triumphierend seinen Mittelfinger.
Eine köstliche Farce auf das Wende-Rumänien, für nicht Eingeweihte in seinen Zeitsprüngen und Perspektivenwechseln nur nicht ganz so leicht zu verstehen, mit dem Florin Lazarescu, da 2006 den „Bank Austria Literaris“ gewonnen hat.
Ich finde es ja wieder schade, daß im Buch und Internet so wenig über das Buch zu finden ist, obwohl ich die Bemühungen von „Kulturkontakt Austria“ die osteuropäische Kultur zu fördern sehr schätze und da ich regelmäßig zu den Preisverleihungen und anderen Veranstaltungen gehe, auch in den Genuß der Bücher komme, die sonst vielleicht nicht so geschätzt werden.
Man kann sich bei den Preisverleihungen zwar eines mitnehmen, die dann im Internet verkauft werden oder sie werden bei der Buch-Wien an Kinder verteilt, die wahrscheinlich nicht die richtige Altersgruppe sind. Denn es sind sehr interessante Bücher und sehr interessante Lebenswelten, die ich da kennenlerne und wahrscheinlich auch ziemlich alleine darüber schreibe.

2012-07-22

Nachtigall will zum Vater fliegen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:57

„Nachtigall will zum Vater fliegen“, Ulrich Bechers 1950 erschienener New Yorker Novellenzyklus in vier Nächten, ist das zweite Becher Buch, das ich Anfang der Neunzigerjahre in einer Kiste von ausgeschiedenen Büchern der städtischen Bücherei gefunden habe. Damals war mir der Name Johannes R. Becher bekannt, aber von einem Ulrich Becher keine Ahnung, Internet hat es noch nicht gegeben und mit Literaturlexika war ich auch nicht gesegnet. So habe ich ein bißchen orientierungslos in das Buch hineingelesen und weil ich nichts von dem Autor wußte, den Hintergrund nicht verstanden und daher bvald wieder weggelegt. Dann habe ich 2005 wahrscheinlich in Leipzig bei Hugendubel in einer Abverkaufskiste, Aufbau-Verlagsbriefe aus dem Fünfzigerjahren gefunden, in denen es auch welche mit ein bißchen Lebenslauf von Ulrich Becher gab. So daß ich schon mehr Informationen über den Autor hatte, als ich 2010 das andere Buch „Kurz nach 4“ gelesen habe, da war schon die „Murmeljagd“ neuauferlegt und Ulrich Becher wurde von Eva Menasse, die das Buch besprochen hat, als „fast vergessener Teufelskerl“ bezeichnet. Daß er den“Bockerer“ geschrieben hat, hatte ich inzwischen auch herausgefunden und das Theaterstück, habe ich noch vor dem berühmten Film, im Volkstheater gesehen.
Als der Arco Verlag voriges Jahr „Kurz nach 4“ neu auflegte, ist er auf meinen Blog und meinen Besprechung gestoßen und das Buch hat, was mich, für die Biografien sehr wichtig sind, sehr begeistert, ein fünfzig Seiten langes Nachwort mit Bildern und biographischen Angaben von Christoph Haacker, das sich allerdings natürlich auf den 1957 im Rohwohlt Verlag erschienen Roman über die Italienreise des Wiener Künstlers Franz Zborowsky bezieht und nur wenig Informationen über den Novellenzyklus bietet, es gibt allerdings den Satz, daß die Novelle „Die Frau und der Tod“ aus dem Zyklus vorwiegend am 7. August 1945 in Manhattan spielt, das war der Tag nachdem die Atombombe über Hiroshima abgeworfen wurde.
Wenn man nachgooglet findet man über Ulrich Becher viel, über den Novellenzyklus wenig und eigentlich außer Angaben, wo man das Buch antiquarisch kaufen kann, auch nur ein paar Sätze in den Amerikabildern der deutschsprachigen Exilliteratur „Aber hier war alles anderes“ von Valerie Popp, die sich auf den Zyklus beziehen.In dem Buch selbst gibts leider keine Beschreibungen, wie das früher so üblich war, wenn man aber auf die Becher-Homepage geht, die es gibt, findet man immerhin die Abbildung des Schutzumschlages, das mein ausgeschiedenes Exemplar, aus der Stumpergasse, das von 1979 bis 1983 zehn Personen ausgeborgt hatten, nicht mehr hat.
Also war das Leseerlebnis der vier Novellen, obwohl ich über Ulrich Becher inzwischen einiges weiß, wieder ein unbeflecktes Land, daß sie aber in New Foundland N. Y. begonnen, fortgesetzt in New York City und in Blonay, Kanton Waadt abgeschloßen wurden, steht immerhin auf der zweiten Seite. Ulrich Becher hat von 1944 bis 1948 in New York gelebt und das Buch steht weiter dort ist Georges Grosz gewidmet. Das Ulrich Becher auch Graphiker und bildender Künstler war, war mir bisher entgangen, in der „Kurz nach 4“ Neuauflage, gibt es aber Proben davon und eine Ausstellung scheint es vor kurzem auch gegeben zu haben.
Also wieder ziemlich unbedarft in die Lektüre eingestiegen und ein bißchen ratlos gewesen, so daß ich mich jetzt schon auf die Neuauflagen der Novellen freue, weil ich dann vielleicht nachlesen kann, was ich mir jetzt mühsam zusammenkratze.
Der in New York spielende Novellenzyklus besteht aus vier Nächten genannten Texten, die erste „Die Frau und der Tod“, spielt, wie erwähnt in der Nacht nachdem in Hiroshima die Atombombe fiel. Sie spielt vorwiegend in einer Bar und schildert die Erlebnisse, des aus dem Krieg entlassenen Fliegerkäptn Happy Slocum. Die Psychologin würde sagen, sie schildert seine, bzw. Ulrich Bechers Traumatisierungen in einem typisch amerikanischen Stil, wie ich sie auch in dem Buch Manhattan Transfer gefunden habe und schließt auch an das Dialogpingpong, des von mir zuletzt gelesenen Buches „Stellt mir eine Frage“, an. Es gibt aber auch eine Menge französischer Zitate, was für einen New Yorker Novellenzyklus sehr ungewöhnlich ist, so wird die Marseillaise zitiert, die groß geschriebenen Zitate und Überschriften, gibt es, glaube ich, auch im „Manhattan Transfer“ „UNSERN AUS EUROPA HEIMGEKEHRTEN VETERANEN EIN HERZLICHES WILLKOMMEN“ beispielsweise oder UNBEKANNTE SCHÖNHEIT ERSUCHT UM INHAFTIERUNG WEGEN GEISTESKRANKHEIT“.
Die zweite Nacht „Der schwarze Hut“ ist ein wenig leichter zu lesen, das gemeinsame ist auch das Datum der 3. oder 5. Mai 1945. Mit dem zweiteren wird das Ende des zweiten Weltkrieges angegeben, zwei Tage vorher ist die geschlechtskranke zum Skelett abgemagerte Frau des reichen aus Deutschland ausgewanderten Alois Altkammer, le Baron genannt, gestorben, der über ein sehr ausschweifendes Sexualleben verfügte, mit seiner Frau im Fiaker in Bordelle fuhr und sie dann während er dort war, durch den Central Park kutschieren wird, der emigrierte jüdische Arzt, hat ihren Tod schon viel früher vorausgesagt, sie stirbt am 3. Mai. Am 5. findet das Begräbnis statt und zu dem ist auch der taube Dr. Klopstock eingeladen, der sein Gehör in Dachau verloren hat und nun den reichen „Baron“ um sechs Dollar anbettelt, damit er sich Batterien für sein Hörgerät kaufen kann, der Reiche gibt ihm nicht mehr, obwohl das Begräbnis ein Vermögen kostete und schenkt ihm dazu den Wagenrad großen schwarzen Hut seiner Frau, mit dem marschiert der ehemalige Gymnasiallehrer nach Hause und wird dabei für einen Transvestiten gehalten und angepöbelt. Auch hier ist in der makabren Form die Traumatisierung des Krieges stark zu spüren und der Stil ist wohl so, wie Georges Grosz seine Bilder malte.
Mit der dritten kürzesten Nacht „Beim Apfelwein“, im Stil der ersten ähnlich, ein konkretes Datum habe ich nicht gefunden, habe ich nicht viel anfangen können.
Die Vierte „Nachtigall will zum Vater fliegen“ ist wieder verständlicher oder auch nicht. Es geht jedenfalls um John Henry Nightingale, der als Hans Heinz Nachtigall in Gelsenkichen als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns geboren wurde, er studiert Medizin, wird Schiffsarzt, versucht sich aber auch als Dichter der „Zippzipp-Bewegung“ und als die Nazis kommen verfaßt er ein Theaterstück, nach dessen Uraufführung er nach Amerika emigiriert. Dort hat er es zuerst schwer, muß neu studieren, seine Dichtung will niemand haben und seinen Namen sprechen die Amis alle falsch aus, dann hat er aber Glück, bekommt einen reichen Schwiegervater und wird zum Nobelpsychiater und da denkt er an seinen Vater, der Achtzigjährig in Deutschland zurückgeblieben ist. Er will zu ihm fliegen, hat aber Schwierigkeiten mit seinen Patienten, schließlich tut er es doch und kommt enttäuscht zurück.
Wieder würde ich sehr viel Autobiographie und sehr viel Trauma in der sehr tiefgründigen Novelle, die zum Schluß in einen Dialog Nightingale gegen Nachtigall ausartet, vermuten und schließe mich Christoph Haackers Meinung an, daß „Ulrich Becher einer der großen Erzähler unseres Jahrhunderts ist, der mit Hemingway, Faulkner, Günter Grass, Joyce, Döblin, John Dos Passos, Joseph Roth, Rabelais, Nestroy, Thomas Wolfe, Albert Vigoleis, Thelen und Marcel Proust“ verglichen wurde. Einige dieser Vorbilder sind wahrscheinlich in dem Novellen Zyklus zu finden, den ich sowohl sehr interessant gefunden, aber auch nicht ganz verstanden habe, so daß ich auf die kommentierte Neuauflage warte, es aber trotzdem spannend finde, was man aus ausgeschiedenen städtischen Büchereiausgaben alles lernen kann.

2020-01-24

Die Wunderkammer der deutschen Sprache

Filed under: Bücher — jancak @ 00:01
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Jetzt kommt ein weiteres Schmankerl beziehungsweise ein Buch, das wegen seiner Ausstattung und Inhalt auch zu den schönsten Büchern gezählt werden könnte, die ja jetzt wieder in der Hauptbücherei ausgestellt sind, ein Buch über die deutsche Sprache in allen ihren Facetten, schön bebildert und illustriert, „gefüllt mit Wortschönheiten, Kuriositäten, Alltagspoesie und Episoden der Sprachgeschichte“, wie noch am Cover steht, herausgegeben von Thomas Böhm und Carsten Pfeifer und ein paar Bücher, die so ähnlich sind, habe ich ja schon vor längerer Zeit, als es den Blog der Christiane Zintzen noch gegeben hat, die jetzt ja zu einem Chris geworden ist, eine Einladung zu einer Veranstalltung ins Bundeskanzleramt bekommen, wo das Buch „Seitenweise- Was das Buch ist“, vorgestellt wurde, das man sich dann mitnehmen konnte.

Das ist nicht ganz so schön bebildert, sondern eher mit Artikeln gefüllt, ich habe es auch noch nicht gelesen, da ich bei den Rezensionsexemplaren aber schneller bin, ein Gang durch die „Wunderkammer“, was ja auch so ein schönes Wort ist und im Vorwort wird auch gleich erklärt, daß in den „Wunderkammern“ früher die Kuriositäten des Lebens, also „Tierpräparate, Muscheln, Narwahlzähne“, etcetera ausgestellt wurden.

In der „Wunderkammer der deutschen Sprache“ gibt es auch einige Kuriositäten und es beginnt sehr interessant, mit den Brüder Grimm und den Märchensätzen, denn hätten Sies gedacht, nicht alle Märchen enden mit „…und wenn sie nicht gestorben sind….“, sondern eigentlich nur sehr wenige.

„Katze und Maus in der Gesellschaft“, endet beispielsweise mit „…siehst du so gehts in der Welt“ und „Hänsel und Gretel „…mein Märchen ist aus, dort läuft eine Maus, wer sie fängt, darf sich eine große große Pelzkappe daruas machen.“

Es gibt den Nachtjargon“, also das was die Dirnen,  die Zuhälter und die Türsteher vor den Lokalen so sprechen, da ist das oder der „Hachel“ ein „Messer“ und die „Bügelschwalbe“ eine „Amateurprostituierte“.

Schriftsteller wie Karen Duve, Sibylle Lewitscharoff, etcetera, wurden nach ihren Lieblingsworten gefragt und Karen Duve hat den Stab, der an der Supermarkasse liegt einfach „Lunk“ oder „Warenlunk“ genannt und redet nun alle an der Kasse an, ihr doch diesen bitte zu geben.

Die Herkunft der Speisennamen also, wie der „Kaiserschmarrn“ zu einem solchen wurde, wird hinterfragt, beziehungsweise aufgeklärt, wo dann meistens steht, daß das, was da gedeutet wird, meistens erfunden war.

Es gibt das „Schndahüpfln“: „Mir samma, samma mir! Was kost na die Welt? Hams Gwand volla Taschn und nirgends koa Geld“

Der Unterschied zwischen den „Homonymen“, den „Polysemen“, den „Homographen“ und den „Homophonen“ wird erklärt und dann kommt es zu den „Verdeutschungen“.

Manche Wörter haben sich eingebürgert, wie „Bibliothek“ für die „Bücherei“ oder umgekehrt, manche nicht, so sagt man nicht „Scheidekunst“ zur „Chemie“ und auch nicht „Gesichtskreis“ zum „Horizont“.

Es gibt das erste „Grosswörterbuch der Deutschen Sprache“, das von Johann Christoph Adelung (1732 – 1806) stammt und sehr interessant, weil ich ja erst vor kurzem über das Leben mit einem Dreijährigen gelesen habe, die „50 Wörter, die die Zweijährigen“ wissen müssen. Das wird in einer der „Mutter-Kind-Paß-Untersuchung“ abgegrürft und ein paar solcher Kalauer, wie Jan Dosendorfer sie aufgeschrieben hat und ich mich aus dem Sprachschatz der Anna erinnern kann, gibt es auch zu lesen:

„In meinem Becher sind meine Packterien“, beispielsweise oder „Trägst du die Brille bis du tot bist?“ und da kann ich gleich ein Erlebnis anfügen, das ich mal in der „Sigmund Freud-Uni“ hatte, als da eine ältere Dame, wahrscheinlich eine Psychoanalytikerin, sich sehr bei ihrer Freundin darüber mokierte, als ihre Enkelin oder Enkel sie fragte „Wann sie sterben wird?“

Sie war sichtlich empört darüber und hat das mindestens eine halbe Stunde sprachlich und lachend zu bewältigen versucht. Ich habe mir gedacht, daß,ich, der Lia, füge ich heute hinzu, ganz ungerührt: „Das weiß ich nicht, aber wahrscheinlich in zwanzig Jahren!“, antworten würde.

Nach der „Nachsprache“, gibt es die „Sprache der Burschen“ , die ihren Barbier „Balbuz“ und einen „Studenten, welcher sich in einen Zweikampf einlässt, ohne etwas von der Fechtkunst zu verstehen: „Naturalist“ nannten. Man sieht diese Sammlung ist schon älter, aber vielleicht wird manches noch von unseren Burschenschaftlern gebraucht.

Wie man den „Churfürsten“ und den „Kaiser“ anzureden hat, wird auch erwähnt und dann gibts interessant, das Kapitel, das, sich „Dichter beschimpfen Dichter nennt“ und da erwähne ich nur ein besonders schönes und auch sicher aktuelles Beispiel, hat doch „Du bist doch das Lieblingsbuberl des deutschen Feuilletons. Deine Literatur ist doch nur mit dem Kopf ausgedacht, und zwar mit einem Limonadenkopf“, Herbert Achternbusch zu oder über Peter Handke gesagt und da kann ich an das Literaturcafe erinnern, wo vor kurzem Peter Handke ja als „Einschlafhilfe“ bezeichnet wurde.

Die schwarze Kunst, die Buchdruckkunst“ gibt es auch. Also wer wissen will was „Flattersatz“, ein „Bengel“, ein Furz, ein Schusterjunge“ ist?, bitte auf den Seiten 78 -80 nachlesen.

Das „Vater unser“ wird in seinen verschiedenen historischen Formen von Martin Luther bis ins Altdeutsche dargestellt und die „Worte- beziehungsweise die „Unworte des Jahres“ gibt es auch.

Das hier ist, wie man sicher merken konnte, ein deutsches Buch, in Österreich werden diese Worte jetzt aber auch gezählt und da war 2018 „Schweigekanzler“ das „Wort des Jahres“ und „Datenschutzgrundverordnung“ wurde zum „Unwort“ gewählt.

Es gibt den „Fontane-Code“, denn der hat offenbar in seinem Schreiben sehr lange Worte, wie beispielsweise „Bekleidungszustände“, Erzieherinnenlaufbahn“ oder „Gespensterbedürfnis“ gebraucht.

Dann wird „Luther auf Maul geschaut“ und untersucht, welche Worte er gern verwendete. Die Vogelnamen, die es so gibt, werden aufgezählt und das „Jägerlatein“ bzw. die „Waidmannsprache“.

Georg Klein zitiert „zehn zauberhafte Umstandswörtlein“, wie „vielerorts“ und „offenkundig“.

Kurt Tucholsky ist ein Artikel gewidmet, den er unter dem Pseudonym Peter Panther „Man sollte mal…“ herausgegeben hat. Und im deutsch-österreichischen, beziehungsweise deutsch-schweizerischen Küchenlexikon wird erklärt, daß abbrennen – flambieren, beziehungsweise Pfümi- Plaumenschnaps heißt.

„Verdrehte Weisheiten“, wie „Ein leichter Schlag auf den Hinterkopf ist kein Ponyhof“ oder „Ist die Katze aus dem Haus haben die Krümel“ zu schweigen, gibt es auch und dann die „Scheinanglizismen“, aber da habe ich schon gewußt, daß man im englischen Raum, das Wort „Handy“ nicht kennt, weil das nur „denglisch“ ist.

Der Koran kann man erfahren, wurde schon von Friedrich Rückert und noch anderen ins Deutsche übersetzt und einen Blick in den Wortschatz der DDR gibt es auch, die haben versucht die Anglizismen zu vermeiden und daher „Kaskadeur“ zum „Stuntman“ gesagt, bzw „Arbeiterschließfach“ zum Plattenbau und Walter Ulbricht „Spitzbart“ genannt.

Die Höhen der „Bußgelder für Zungensünder im Straßenverkehr“ werden angeführt, so mußte man beispielsweise bis 4000 Euro für das „Zeigen des Stinkefingers“ zahlen.

Dann gehts zur schwäbischen Mundart und wir erfahren, daß da die Verwandtschaft „Bagasch“ genannt wird und man „Bledda Sogga!“, schimpft. Was da wohl an Bußgeld zu zahlen ist?

Franz Hohler mag die Worte „gehen“, „Postauto“ und „Jässli“ was ein Kartenspiel ist und Felizitas Hoppe hat gleich eine ganze Menge von Lieblingsworten angegeben.

Dann kommen wir zum großen Goethe, der hier natürlich nicht fehlen kann, betrachten zuerst einmal ein wenig seinen Wortschatz und dann höchst aktuell angesichts dieser „Oma-Umweltsau-Debatte“, ein Gedicht, das der Herr Geheimrat geschrieben hat als er sich über seine Kritiker ärgerte:

„Und kaum ist mir der Kerl so satt

Tut ihn der Teufel zum Nachbar führen,

über mein Essen zu räsonnieren:

„Die Supp hätt können gewürzter sein,

Der Braten brauner, firner der Wein.“

Der Tausendsackerment“

Schlagt ihn tot, den Hund“

Es ist ein Rezensent!“

So soll man nicht, ironisch oder nicht, kommentieren, damals und heute nicht, füge ich hinzu und gehe auf die nächste Seite, um zu lesen:

„Goethe ist im Grund nichts anderes als der Heilpraktiker der Deutschen, der erste deutsche Geisteshomöopath. Das ganze deutsche Volk fühlt sich gesund. Aber Goethe ist ein Scharlatan, wie die Heilpraktiker Scharlatane sind, und die Goethesche Dichtung und Philosophie ist die größte Schalatanierie der Deutschen.“

Wer hat das geschrieben? Machen wir ein Rätsel daraus, die ja in dem Buch   auch noch vorkommen. Auf Seite 191 steht die Antwort, ganz unten rechts, füge ich hinzu und ziehe weiter durch das Buch, komme zu den „Anagramen“ und den „Palindromen“, den „Rätseln“, wie schon erwähnt und vielleicht auch ganz spannend, kommen wir zu den hundert Ausdrücken, wie man das männliche Glied noch benennen kann. Das ist im Buch in eine schöne Graphik gebunden, die man sich unbedingt ansehen soll und dann kommen wir schon zur „Schundliteratur“ oder zum Heftchen-, Kriminal- oder Geisterroman, die wie man sieht, gar nicht so triviale Titel haben.

Die Zitate über die deutsche Sprache sind auch sehr interessant:

„Ich beherrsche die deutsche Sprache, aber sie gehorcht nicht immer.“, hat Alfred Polgar beispielsweise gesagt  und Friedrich Torberg meinte „Deutsch ist die gemeinsame Sprache, die Deutsche und Österreicher trennt.“

„Wir Deutschen haben die Welt beherrscht, fremde Völker, die Nordsee und die Natur – den Konjunktiv nie.“ unkt Dieter Hildebrandt scharf, während der gute alte Fontane viel sanfter ist und „Mit gutem Deutsch und schlechten Französisch kommt man überall durch.“

Daß man heute dazu wohl Englisch beziehungsweise Denglisch braucht, steht vorher schon geschrieben.

Und was Heinrich Heine über Deutschland gedacht und geschrieben hat „Denkt man an Deutschland in der Nacht…“ ist auch sehr interessant.

Dann wird es wieder modern und wir kommen in die Neuzeit und zu der leichten und einfachen Sprache um die man sich jetzt ja sehr bemüht, um Menschen mit Lernschwierigkeiten oder denen die noch nicht so gut Deutsch oder nicht sinnerfassend lesen können, das Verstehen von Texten zu erleichtern.

Der Einfluß der Zensur wird am Beispiel eines Briefes von Bruno Vogel „Es lebe der Krieg“, weitere Hinweise auf Seite 229 erwähnt.

Und dann kommen oder bleiben wir bei oder „Über Bücher, Literatur, Kritik und den Buchmarkt“

„Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns“, hat Kafka ja einmal gesagt, ein Zitat, das in den Bücherblogs oft zu finden ist und dem ich eigentlich nicht so ganz zustimme und wenn wir wieder zu Goethe schielen:

Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu sein, nicht damit man daraus lerne, sondern damit man wisse, dass der Verfasser etwas gewusst hat.“

Goethe wird wohl auch das scharfe „ß“ verwendet haben, wie wahrscheinlich Franz Kafka und ich natürlich und, um nochmal Theodor Fontane zu zitieren, ein Zitat, das mir diesmal gefällt:

„Bücher haben Ehrgefühl. Wenn man sie verleiht, kommen sie nicht mehr zurück.“

Wie wahr, deshalb verleihe ich auch nicht und borge mir nicht aus, obwohl ich, ganz ehrlich, ein paar Bücher in meinen Regalen stehen habe, die ich nicht zurückgegeben habe, aber das ist lange her und sicher schon verjährt, ich würde sie auch nicht mehr finden.

Und schon sind wir, was auch sehr interessant, sowie berührend ist, bei den „Letzten Worten“ angekommen:

„Herr Pfarrer, in wenigen Minuten werde ich mehr wissen als Sie“, hat der Jesuit und Widerstandskämpfer Alfred Delp vor seiner Hinrichtung am 2. Februar 1945 gesagt und Dietrich Bonhoeffer, am 9. April 1945 „Das ist das Ende. Für mich der Beginn des Lebens.“

Und um von den Hinrichtungen und dem zweiten Weltkrieg wegzukommen „Jetzt ist es an der Zeit, ein wenig über Gott nachzudenken“, E. T. A. Hoffmann, 1822 und Johannes Brahms hat sich wohl auch Sekt servieren lassen, wie der Maler Moritz von Schwind, der eine hat geschiwegen und die Augen geschlossen, der andere „O, das schmeckt gut. Danke!“, gesagt und Heinrich Heine hat wohl ein gutes Französisch gehabt, als er sagte „Dieu me pardonnera, c` est son metier.“, das war am 17. Februar 1856.

Ich bin durch das Buch gekommen, habe fast zweitausend Worte dazu gebraucht und vieles weggelassen, das man sich unbedingt ansehen soll, denn es ist sehr interessanter, lehrreicher und spannender Durchgang durch die deutsche Sprachen in wahrscheinlich allen ihren Formen und Facetten, das ich jetzt schnell, wie es meiner Art entspricht, überflogen habe. Manches habe ich überlesen,  manches genauer angeschaut und es ist auch ein Buch, das man öfter benützen sollte, das  zum Weiterlesen und  Weiterbeschäftigen anregt.

Und spannend auch, daß der Verlag, in dem es erschienen ist, sich „Das kulturelle Gedächtnis“, nennt.

2020-01-06

Zum Bloggerdebutpreis 2019

Filed under: Buchpreisbloggen,Literaturpreise — jancak @ 09:57
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Und hier kommt sie, meine Begründung für das Bloggerdebut von 2019, womit ich mich in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr auseinandergesetzt habe, denn da habe ich ja  drei Bücher der von Janine Hasse, Bozena Anna Badura und Sarah Jäger ausgesuchten Shortlist gelesen und mir ein bißchen den Kopf darüber zerbrochen, wie ich das mit meiner Punktvergabe halten soll?

Katharina Mevissen „Ich kann dich hören“ habe ich ja schon im Februar gelesen und Angela Lehners „Vater unser“ im Oktober im Rahmen meines deutschen Buchpreisbloggens, ist sie da ja auf der Longlist gestanden und dann noch auf der des österreichischen Debutpreis, den sie dann auch gewonnen hat.

Von der Longlist, die ja aus achtzig Titel bestanden hat, habe ich zwanzig Bücher, also ein Viertel gelesen und hatte, als die Shortlist im November bekanntgegeben wurde, schon meine Vorstellung, was ich gerne darauf hätte.

Ein Buch hat es davon geschafft, zwei hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon gelesen und die drei anderen waren mir bis dahin eher unbekannt, obwohl ich Martin Peichls „Wie man Dinge repariert“ zusammen mit Malte Borsdorf „Flut“ schon auf dem Badezimmerstapel liegen hatte, weil sie ja mit Angela Lehner auch auf der „Alpha-Shortlist“ gestanden sind.

Jetzt habe ich alle Shortlistbücher gelesen und habe auch meine Entscheidung getroffen, die mir diesmal leichter gefallen ist, weil ich nicht wie im Vor- und im Vorvorjahr ein Buch hatte, dem ich gerne auch noch einen Punkt gegeben hätte, was ich aber nicht drufte.

Diesmal habe ich die Punktereihung im Kopf hätte aber, was ich hiermit tun möchte, gerne eine andere gegeben, da mir von den zwanzig gelesenen Büchern

Anna Lehners „Vater unser“

Raphaela Edelbauers „Das flüssige Land“ und

Marco Dinic „Die Guten Tage“ am besten gefallen haben und ich darunter

Emaneul Maess „Gelenke des Lichts“ und

Karin Köhler „Miroloi“ gereiht hätte.

Geht aber nicht, also voila, hier meine Bewertung:

Fünf Punkte für Angela Lehner, weil „Vater unser“, das ja in diesem Herbst schon viele Preise gewonnen hat, ein sehr ungewöhnliches erfrischendes Buch mit einem sehr ungewöhnlichen rotzigen Tonfall ist, das mir wirklich gut gefallen hat und ich das OWS, in das man wahrscheinlich, wenn man angeblich einen Kindergarten überfallen hat, nicht aus Bayern oder Kärnten  eingeliefert wird, noch einmal ein bißchen anders kennenlernen konnte.

Drei Punkte für Nadines Schneiders „Drei Kilomekter“, weil mich diese  leise Erzählung, auch wenn sie manchmal ein paar zu geläufige Metaphern hat, sehr beeindrucken konnte und ich mir ein  klares Bild von dem Rumänien im Sommer 1989 und dem was damals dort geschehen ist, von einer damals noch nicht Geborenen geschildert, machen konnte und schließlich

einen Punkt für Martin Peichls Statusmeldungen und Kurzepisoden mit denen er in einem sehr biergeschwängerten Ton ohnen großen Plot und Handlung, aber mit einer sehr schönen Sprache von der ich mir sehr viele Sätze und Wendungen angestrichen habe, vom Leben und Leiden eines Dreißigjährigen zwischen Schreiben, Kindheit und eben diesem Bier erzählt.

Jetzt kann ich meinen Lesern nur empfehlen möglichst viele der Debuts zu lesen, um sich ein eigenes Bild von den Büchern zu machen.

Und nun zur Entscheidung der dreizehnköpfigen Jury, genauer auf der Debutpreisseite nachzulesen, gewonnen hat also, was mich sehr freut Nadine Schneider mit ihren „Drei Kilometern“, die auch auf der Schätzstelle hochvertreten war, dann als zweitgereihte Angela Lehners „Vater unser“, die sich sicher etwas ärgern wird, aber im letzten Jahr schon sehr gewonnen hat und wenns so bleibt, wie es war, auch zur Preisverleihung eingeladen werden wird, danach was mich etwas überrascht, Katharina Mevissen mit „Ich kann dich hören“, weil mich das Buch Anfang des Jahres ja nicht so beeindruckt hat. Marttin Peichl, dessen Debut mir ja auch sehr gefallen hat, folgt und last not least Ana Marwans „Weberknecht“, der vom Verlag ja als das beste Debut des Jahres beworben wurde.

Die Entscheidungen der anderen Blogger gibt es auf ihren Seiten und ich würde nun noch gerne das Buch von Hannic Jan Federer finden oder geschenkt bekommen, das ich ja gerne auf der Shortlist gehabt hätte und Malte Borsdorf „Flut“ muß ich auch noch lesen.

2019-12-29

Das Bücherjahr

Filed under: Bücher,Büchergeschichten — jancak @ 00:17
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Zu Jahresende soll man ja Rückschauen anstallen, meine allgemein gehaltende mit all den Höhen und den Tiefen, den dieses Jahr für mich hatte, kommt auch noch.

Das Bücherranking will ich hier abgeben, denn obwohl ich ja immer schreibe, daß man Bücher nicht rankreihen kann und soll, tue ich es allenthalben und habe heuer schon viermal „Buchpreis“ gelesen, den deutschen, den Schweizer und den österreichischen Buchpreis bewertet, beim Bloggerdebutpreis mitgevotet und dann noch einiges anderes gelesen.

Auch einiges von den älteren Bürgerbergen und den Büchschränken, obwohl ich auch dieses Jahr sehr von den Neuerscheinungen dominiert war, was, wenn ich weiter „Buchpreislese“, auch bleiben wird, denn da bin ich ja ab August ausgebucht und komme kaum mehr dazu mich den Weihnachtsbüchern zu widmen, die ich inzwischen ebenfalls sammle und mir ab Dezember in Harland und in Wien je auf den kleinen Beistelltischchen aufstaple.

Was waren meine Highlight so ungefähr und aus dem Gedächtnis will ich das hier zitieren, obwohl ich merke, daß ich da imNachhinein milder werde und da öfter was im Gedächtnis habe, was ich beim Lesen gar nicht als so gut empfunden habe.

Soll aber so sein und bleiben, wie ich ja noch immer glaube, daß es das „beste“ Buch nicht gibt und da muß man sich ja nur die diversen Leseclubs anhören, wo der eine Kritiker sagt „Das ist das beste Buch forever!“ und der andere kontert „So was Schlechtes hab ich noch nie gelesen!“

Das ist interessant und sollte zu denken geben. Trotzdem will ich jetzt mein Ranking machen und aus meiner 2019 Leseliste, die aus ungefähr hundertsechzig gelesenen Bücher besteht.

„Wow!“, werden da meine Leser sagen. Der Durchschnittsmensch liest, wenn überhaupt acht oder neun Bücher pro Jahr, aber „Netgalley“ zählt mich ja zu den professionellen Lesern, was immer das auch ist, wahrscheinlich, die, die beruflich irgendwas mit Büchern zu tun haben und daher Rezensionsexemplare beziehen können, die die mir am besten gefallen haben, am besten erschienen sind, den bleibensten Eindruck hinterlassen habe, etcetera, heraussuchen.

Über eine Diskussion und eine Schilderung der eigenen Eindrücke, wäre ich, wie immer dankbar. Mal sehen, ob was kommt?

  1. Tanja Maljartschuk „Blauwalt der Erinnerung“
  2. Jiri Weil „Mendelssohn auf dem Dach“
  3. Thomas Meyer „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schicke“
  4. Andrej Kurkow „Grauen Bienen“
  5. Gertraud Klemm „Hippocampus“
  6. Marlene Streeruwitz „Flammenwand“
  7. Andrea Grill „Cherubino“
  8. Karen Köhler „Miroloi“
  9. Angela Lehner „Vater unser“
  10. Raphaela Edelbauer „Das flüßige Land“
  11. Emanuel Maess „Gelenke des Lichts“
  12. Sasa Stanisic „Herkunft“
  13. Jan Peter Bremer „Der junge Doktorand“
  14. Gerhard Roth „Der Himmel ist leer, die Teufel sind alle hier“
  15. Marco Dinic „Die guten Tage“
  16. Florjan Lipus „Schotter“
  17. Jon Fosse „Der andere Name“
  18. Alain Claude Sulzer „Unhaltbare Zustände“
  19. Sibylle Berg „GRM-Brainfuck“
  20. Thomas Meyer „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“
  21. Martin Peichl „Wie man Dinge repariert“
  22. Nadine Schneider „Drei Kilometer“
  23. Jörg Fauser „Ich habe große Städte gesehen“

Und hier gehts noch zur „Nika, Weihnachtsfrau“, weil es da am 29. Dezember ja noch ein Adventkalender-Türchen gibt.

2019-12-27

Wie man Dinge repariert

Jetzt kommt Buch drei der „Bloggerdebutshortlist“, schon oder erst, denn in den letzten Jahren habe ich die Shortlistbücher gleich nach Bekanntgabe der Liste gelesen und war Ende November, Anfang Dezember damit fertig, da man aber diesmal seine Jurybegründung erst am sechsten Jänner veröffentlichen soll, habe ich zuerst die die öst und die Schweizer Buchpreisliste fertig gelesen und werde mich jetzt zwischen Weihnachten und Neujahr den drei noch nicht gelesenen Debutbüchern widmen.

Martin Peichls „Wie man Dinge repariert“ erschienen in der „Editon Atelier“ mit einem ästehtisch schönen Cover, eine zerdrückte Bierdose „Peichl Bräu“ und „Reparaturseidl“ steht darauf und aus der Dose ragen ein paar zerknickte Rosenknospen heraus, die man als Metahper für den Roman verstehen könnte, der natürlich  wieder einmal keiner ist, ist also nach den SchweizerDystopien als Nächstes an der Reihe und ich habe aus dem Debut des 1983 in Waldviertel geborenen und in als Lehrer in Wien lebenden Martin Peichl schon ein Stück bei der „Alpha-Preisverleihung“, wo er neben Angela Lehner und  Malte Borsdorf auf der Shortlist gestanden ist, schon ein Stück gehört.

Das Buch, das ich benützte, stammt auch von dort her und ich kann wieder schreiben, daß ich bei der Lesung von dem Buch, von dem ich durchaus sehr beeindruck bin, wieder nicht viel mitbekommen habe und erst jetzt, ähnlich wie bei der Marie Gamilschegg seine poetischen Vorzüge erkenne, denn es ist ein durchaus lyrisches von der Sprache lebenden Buch, wie Martin Peichl auch im Interview auf der Debutseite bekennt, daß ihm die Sprache mehr als der Inhalt interessiert, allerdings würde ich das Buch, das wohl aus einer Reihe von Metapher über das Gelingen oder Mißlingen des Lebens garniert und umrankt von diversen Statusmeldungen, auch als ein, wie schon die Bierdose verrät,  etwas Zerdrücktes und Zerknautschtes beschreiben, eben eines, das man reapieren muß, wie das bei den Leben und den Lebensläufen halt so ist.

„Beziehungsstatus: Es gibt die große und die kleine Liebe so wie es im Wirtshaus  ein großes und ein kleines Bier gibt“, steht am Buchrücken und klappt man das Buch auf, findet man als Nächstes wieder einen „Beziehungsstatus: Ich schreibe schon wieder einen Text über dich“, heißt es da und das ganze Buch, das ich nicht als Roman, sondern eher als eine poetische Bestandsaufnahme bezeichnen würde, besteht aus Monologen an  ein vielleicht wechselnden oder auch bleibendes „du“, umrankt von den schon erwähnten Statusmeldungen, des Dreißigjährigen, wie ich im Netz, nicht im Buch, gelesen habe, der sein Leben leben, reparieren oder verweigern will, immer auf der Suche nach dem du, ist er vom Waldviertel aufgebrochen, nach Wien zum Studium, könnte man so sagen und nun sitzt er da, zählt seine Bierflaschen, schreibt seinen Roman, erzählt von seiner Lektorin, zitiert Thomas Bernhard, Elfriede Jelinek, Friederike Mayröcker, dabei ist er auch, was mir naturgemäßt sehr gefällt, sehr politisch dabei und der „Krebs“ ist auch so eine Metapher für das Leben oder das Buch.

„Der Nachbar hat Krebs“, hat die Mutter dem kleinen Buben erzählt und ist mit ihm ihm besuchen gegangen. Der findet dann ein Pornoheft in seiner Lade, sieht, was ihm auch sein Leben begleitet, den schönen Frauen auf den Busen. Später stirbt der Vater wahrscheinlich auch an dieser Krankheit, vermacht ihm den Wald, wo er früher den Großvater auf einem Baum höngen gesehen hat und noch später hat er sein Leben gelebt, die Haare gehten ihm aus und er braucht eigentlich nicht mehr zur Frisörin gehen, weil es gar nichts mehr zum Wegschneiden gibt und das Ganze wird in einer Reihe von poetisch schönen Geschichten erzählt, wo man gar nicht nachkommt, die schönen Sätze und Formulierungen aufzuschreiben und zu unterstreichen.

Kein Roman, aber eine Statuserklärung eines wegen der vielen Bierflaschen wahrscheinlich doch nicht so geglückten Lebens, obwohl die Lektorin begeistert ist und das Buch, wie man sieht, schon das zweite Mal auf einer Shortlist gelandet ist und ich es, weil ich ja wahrscheinlich, die kleinen feinen poetisch formulierten Bücher doch sehr mag, bis jetzt nach Angela Lehners“ Vater unser“, an zweiter Stelle reihen  würde.

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