Literaturgefluester

2019-10-03

Vater unser

Jetzt kommt Buch acht der deutschen Buchpreisliste, es ist jetzt Schluß mit den österreichischen Büchern darauf, dafür steht das Buch, der 1987 in Klagenfurt geborenen Angela Lehner auch auf der österreichischen Debutliste und sie hat bei dem O Tönen auch gemeinsam mit Marlene Streeruwitz vorgestellt. Da war ich nicht dabei sondern gerade beim Filmfestival in Locarno und hatte auch sonst zwar schon einiges über das Buch, das auch auf der Bloggerdeubtlonglist steht, gehört, aber noch nichts von der Autorin, die offenbar, als die neue Stimme, stark, wie Josef Winkler und Thomas Bernhard vom Feuilleton gehandelt wird und auch auf mehren Debutpreislisten, die es ja wie die Schwammerln zu geben scheint, steht.

Für den „Alpha“ ist die nominiert, den „Franz Tumler Preis“ hat sie vor kurzem gewonnen. Auf die deutsche Shortlist hat sie, was sie auf ihrer Facebookseite bedauert, beziehungsweise rotzig bemotzt, es nicht geschafft.

Denn die starke literarische Stimme ist eine sehr rotzige Erzählerin mit einem neuen frechen Ton und ihre Eva Gruber, die Protagonistin des Buches ist, wie ich überall lesen und hören konnte, eine unzuverläßige Erzählerin, der man nicht trauen kann und das macht es den Lesern wahrscheinlich nicht leicht.

Was passiert in dem Buch? Eva Gruber, eine junge Frau und das ist schon einmal unglaubwürdig, obwohl es die Eva so nicht erzählt, wird von der Polizei von Bayern über Kärntnen, denn da liegt ein Haider-Bild in einer Tankstelle, nach Wien aufs OWS besser unter Baumbartnerhöhe oder Steinhof bekannt gebracht, denn sie hat eine Kindergartenklasse umgebracht.

Da wird man wahrscheinlich eher in die Landespsychiatrie nach  München oder vielleicht auch in Klagenfurt wenn schon die Protagonistin oder ihre Autorin daher kommt, eingeliefert. Aber Evas Bruder Bernhard befindet sich auch dort, wird da wegen seiner Magensucht behandelt und deshalb bekommt man später heraus, hat sich Eva dorthin bringen lassen, um ihren Bruder zu retten.

Sie wird alsbald dem leitenden Psychiater Dr. Korb zugeführt, der mit ihr eine Gesprächstherapie oder Psychoanalyse macht und dabei das Zimmer zusperrt. Das erscheint mir in Zeiten, wie diesen auch nicht sehr realistisch oder ist eine Anspielung auf den dort sicher schon stattgefunden habenden Mißbrauch, aber um den „Spiegelgrund“ geht es in dem Buch gar nicht.

Eva erzählt ihm jedenfalls ihr Vater hätte sich umgebracht und die Mutter ist auch gestorben, was, wie sich herausstellt auch nicht stimmt, denn die Mutter taucht später auf und macht mit dem Geschwistern und Dr. Korb eine Familien oder Grppentherapie.

Zuerst will aber der zum Skelett abgemagerter Bruder, der mit einer Adriana, wegen ihrer großen Ohren von Eva „Dumbo“ genannt, im Garten arbeitet, von der Schwester nichts wissen.

Warum der Bruder magersüchtig ist, kann man sich aus den Rückblenden auf eine katholische Jugend in einem Kärntner Dorf, das sind sicherlich die Anspielsungen auf Josef Winkler, deuten.

Es gab Mißbrauch des Vaters an beide Kinder, die Ehe der Eltern wurde geschieden und jetzt fühlt sich die rotzfreche Eva für ihren Bruder verantwortlich und will ihm retten, indem sie ihm veranlaßt, den Vater zu töten.

Oder besser, sie will das für ihn tun. Deshalb entführt sie den Bruder sozusagen im dritten Teil, der „der heilige Geist“ benannt ist, der erste hieß „Der Vater“, der zweite „Der Sohn“, aha und fährt mit ihm mit dem geborgten Auto der Fußpflegerin, mit der sie sich angefreundet hat, zuerst nach Schönbrunn in den Zoo, was diese Metahper aussagen will, habe ich nicht verstanden und dann mit ebenfall ausgeborgten dreißig Euro nach Kärnten.

Auf dem Weg flüchtet der Bruder, so bleibt  das Auto stehen, rennen durch einen Wald, kommen dann, wie Hänsel und Gretel zu einem Bauern. Die Bäuerin nimmt sie auf, bäckt mit Bernhard Brot, der Bauer geht mit Eva fischen. In der Nacht kotzt der Bruder die Forelle hinaus und die Geschwister flüchten mit einem Bus weiter, dort gibt eine alte Frau dem Bruder Wurstscheiben. Sie werden aus dem Bus geworfen, kommen aber letztendlich in das Vaterhaus. Dazwischen hat Bernhard noch die Schwester beschuldigt Doktor Korb ermordet zu haben, aber der taucht, wenn ich es richtig verstanden habe, mit der Mutter vor dem Haus auf, in dem Eva auf den Vater wartet und am Ende trägt Eva den schon sehr schwachen Bruder in eine Kapelle.

Psychoanalytiker oder Literaturwissenschaftler helft mir beim Deuten, da komme ich nicht ganz mit, mit den vielen Metahern, Schlingen und Irrwegen. Was will uns die Autorin sagen, die uns so rotzfrech durch die Seiten führt?

Es geht um einen Mißbrauch und eine verlorene Kindheit ganz klar, die Stellen im Steinhof sind sehr gut beschrieben und auch sehr gut recherchiert.

Der Dr. Korb ist kein Trottel, der von seiner Patientin hinters Licht geführt wird, wie man meinen könnte, sondern versteht was von seinem Fach. Der Ton ist frisch und klar, die Vergleiche mit Winkler scheinen mir etwas übertrieben. Ein paar Mal fällt ein leichter Thomas Bernhard Ton auf, aber der ist ja sehr leicht zu imitieren und animiert wahrscheinlich auch sehr leicht dazu.

Eine gelungene „Coming of Age-Geschichte“ würde ich sagen, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob sie vielleicht doch flacher ist, als man auf den ersten Blick meinen könnte.

Die Zukunft wird es weisen, was wir noch von der offenbar sehr selbstbewußten jungen Autorin hören und lesen werden?

Also seien wir gespannt, ob sie auf die Bloggerdebutshortlist, dann hätte ich das Buch schon gelesen, kommt, ob sie den „Alpha“ gewinnt, auf der Shortlist steht sie schon, dann bekäme ich das Printbuch, das einen sehr farbigen glänzenden roten Umschlag hat? So habe ich das PDF oder E-Book gelesen oder ob es den österreichischen Debutpreis gewinnt, wird sich Anfang November erweisen.

Und ehe ichs vergessen, Eva Schmidt, die auch nicht auf der Shortlist steht, hat  über eine andere „Lügnerin“ geschrieben, die  auch erst ihr Leben meistern muß.

2019-08-25

Alle unsere Jahre

Filed under: Bücher — jancak @ 09:50
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Nun kommt eine Neuentdeckung, „Wagenbach“ hat einen Roman der 1958 in England geborenen und schon lange in Kanada lebenden Kathy Page, die schon acht Romane geschrieben hat, „Alle unsere Jahre“ im Original „Dear Evelyn“ herausgebracht und will die Autorin, die auch im Herbst nach Frankfurt kommt, offenbar im deutschen Bereich bekannt machen.

So liegt das E pub schon lange in meinem E -Book- Folder. Jetzt ist das Buch  erschienen, wurde auch schon bei MDR vorgestellt und von Rainer Moritz sehr gelobt. Es ist ein Familienroman, der die Szenen der Ehe von Harry und Evelyn in sehr eindrucksvollen Bilder beschreibt und dabei ein langes Nachkriegsleben schildert.

Harry wurde in der Zwischenkriegszeit geboren. Die erste Szene schildert sehr eindrucksvoll die Geburt und erinnert dabei ein bißchen an die „Asche meiner Mutter“, die Eltern gehen in dem ärmlichen London, aber sehr liebevoll mit ihrem zweiten Sohn um und auch das nächste Kapitel ist sehr eindrucksvoll.

Da ist Harry schon älter und wird von einem einäugigen Lehrer unterrichtet, der im Krieg sein Auge verloren hat, den daduruch haßt und den Schülern auf sehr unkonventionelle Art und Weise, die Liebe zur Poesie nahebringen will.

Das mißlingt wahrscheinlich, der Lehrer wird versetzt, schenkt Harry aber zum Abschied ein Buch und die Liebe zu den Gedichten zieht sich durch den ganzen Roman, es werden auch Ausschnitte daraus zitiert.

Im dritten Kapitel ist Harry schon erwachsen, hat nicht studiert, obwohl er ein Stipendium bekommen hätte und lernt Evelyn in einer Bibliothek kennen, die liest dort gerade Daphe du Mauriers „Rebecca“ und man könnte sagen, daß das ganze Buch auch in einem etwas altmodisch wirkenden Stil geschrieben wirkt, obwohl es bis in die Gegenwart hineingeht.

Harry und Evelyn, die wie im Beschreibungstext steht, sehr unterschiedlich sind, heiraten. Der zweite Weltkrieg beginnt. Harry wird eingezogen und kommt nach Westafrika. Evelyn bleibt zu Hause, bekommt ihr erstes <kind Lilly und sehr liebevolle Briefe von Harry von der Front.

Evelyn wurde von ihrer Mutter sehr geliebt und verwöhnt, haßt aber ihren trikenden tuberkolösen Vater und als sie an sein Sterbebett gerufen wird, ist sie nicht imstande „Ich liebe dich Dad!“, zu sagen, wie es die Mutter von ihr fordert.

Eine zweite Tochter, Valerie, wird geboren und ein Haus bezogen. Dazu werden Vorhänge gebraucht. Evelyn entscheidet sich für einen Stoff, der eigentlich noch immer viel zu teuer ist, obwohl ihr die Verkäuferin verrät, daß er im Abverkauf nur mehr die Hälfte kosten wird.

Sehr spät kommt die dritte Tochter Louise, die den Eltern wegen ihrer sexuellen Freizügigkeit Schwierigkeiten macht. So geht Evelyn deshalb auch zur Polizei, als sie einen Brief findet, in dem Louise darüber schreibt, was etwas absurd wirkt.

Dann werden die Eltern selber alt und Evelyn sehr ungeduldig mit Harry, der sehr ausgleichend ist und  ihr nicht sagen möchte, was er essen will, um ihr keine Mühe zu machen. Er braucht eine neue Hüfte, wird inkontinent, was Evelyn nicht aushält. So kommt er in ein Heim, während die Neunzigjährige mit einer der Töchter noch eine letzte Reise macht und Harry in sein Altersheim einen Brief aus Paris schreibt.

Der geht im Heim verloren und die Managerin bemüht sich sehr, ihm zu erklären, daß das vom überforderten Personal keine böse Absicht war und sie ihm auch schon gesagt haben, daß Evelyn ihn deshalb  so lange nicht besuchen kam, weil sie schon vor einigen Monaten, kurz nach ihrer Rückkehr von der Reise, verstorben ist.

Ein sehr interessantes Buch, das auf eine sehr eindruckvolle Art und Weise das Älterwerden und die Schwierigkeiten einer Ehe schildern. Für mich sind es die farbigen Bilder, die ich zu beschreiben versucht habe, die mich besonders beeindruckt haben. Nun bin ich gespannt, wie das Buch im deutschen Raum aufgenommen wird und was ich noch von Kathy Page hören oder lesen werde.

2018-11-06

Laß dich heimgeigen Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:01
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Jetzt  am Vorabend der Buch-Wien geht es ans öst Buchpreisauflesen, denn da hatte ich ja schon fünf Bücher gelesen, als die Liste bekannt gegeben wurde, dann habe ich den Millesi und den Jäger, die ich als PDF bekommen habe, gelesen und beim Rest, was zuerst nur der Josef Winkler und der David Fuchs war, gedacht, das mache ich sopäter, ich habe ja mit dem dBp und den anderen Neuererscheinungen genug zu tun.

Also jetzt der große Favorit und „Büchnerpreisträger“, der 1953 in Kärntnen in dem Dörfchen Kamering geborene Josef Winkler, das inzwischen wohl wahrscheinlich  Berühmtheit erlangte und zumindestens allen Deutschlehrerinnen bekannt sein wird, denn Josef Winkler ist ja auch einer, der ähnlich wie Florjan Lipus und wahrscheinlich noch einige andere, sein Leben aufschreibt und sich dabei wiederholt in endlos Schleifen das Aufwachsen in einem katholischen Bauerndorf der Nachkriegszeit und die Gewalt, die er dort erlebte, beschreibt und er tut es in einer sprachlich schönen Form, so daß die Germanisten Symposien darüber abhalten und die Leser für die der Buchpreis ja eigentlich oder ursprünglich da ist, vielleicht sagen werden „Was interessiert uns das? Das ist uns zu schwer und hochgestochen, wir wollen lieber was Unterhaltsames, nach unserem schweren Arbeitstag!“ und werden vielleicht zum Krimi greifen, der nicht auf den Buchpreislisten steht.

Ich kenne Josef Winkler zumindest vom Namenseit seinen Anfängen, hat er doch, als ich mich noch sehr dafür interessierte und glaubte, daß ich das auch einmal könne, beim Bachmannpreis gelesen und mit „Menschenkind“ gewonnen, das inzwischen ein Teil der Trilogie „Das wilde Kärntnen“ ist.

Das Buch habe ich, glaube ich, vor Jahrzehnten gelesen und wahrscheinlich nicht sehr verstanden, dann war ich  1996 auf eigene Kosten und als Publikum im Klagenfurt, wo er mit einem Kind am Arm herumgelaufen ist und, ich glaube, aus „Domra“, den Bericht seiner Indienreise gelesen, aber nicht gewonnen hat. Das Buch habe ich dann auch vom Karli zum Geburtstag bekommen und die Dramatisierung seiner „Römischen Novelle“ habe im im MQ, ich glaube, im Rahmen der Festwochen gesehen.

Da ist mir also der sich um sein Kindheit kreisende Josef Winkler ein wenig verloren gegangen, könnte man so sagen, stimmt nicht ganz, denn ich war beim Symposium in der „Alten Schmiede“ und da hat er, glaube ich, aus seinem „Abschied von Vater und Mutter“ gelesen und jetzt das öst Buchpreis Buch, das im Frühjahr bei „Suhrkamp“ erschienen ist und da an mir ohne die Nominierung vorbeigegangen wäre, obwohl es, glaube ich, im Vorjahr im „Casino am Schwarzenbergplatz“ aufgeführt wurde, bin ich wieder in die Winklerische Welt des Grauens und des Lamatierens eingetaucht und ich muß sagen, er versteht es ausgezeichnet, das in eine kunstvolle Form zu fassen, obwohl die Inhalte, wie man auch bei „Amazon“ lesen kann, schon sehr bekannt sind.

Neu für mich war, daß der kleine Josef oder Sepp schon als einjähriger mit einem Bleistift, um auf seine spätere Profession hinzuweisen, herumgelaufen ist, aber, daß die schweigsame oder im Schmerz verstummte, später Psychopharmaka nehmende Mutter ihre drei Brüder im Krieg verloren hat, habe ich schon gelesen oder gehört, auch daß er beim Tod des Vater in Tokio war, daher nicht zu seinem Begräbnis kommen konnte oder auch nicht wollte, weil der Vater ihm das verboten hat, weil sich das Dorf naturgemäß wahrscheinlich nicht darüber freute vomJosef oder Sepp in den „Dreck“ gezogen zu werden.

Das Buch, die sich immer wieder wiederholenden Inhalte der Gewalt, die das Kind wohl in der muffigen Bauernstube erlebte, das Blauschlagen des Hinters beispielsweise „Er hat blaue Würste am Arsch!“, ist, muß ich sagen, in eine wirklich künstlerische Form gebracht und darin eingerahmt.

Eingerahmt durch die Gedichte de jiddisch schreibenden Rajzel Zychlinski, die in Polen geboren wurde und 2001 in den USA gestorben wird und dann gibt es noch das Gedicht „Der Herr, der schickt den Jockel aus:/ Er soll den Hafer schneiden“, das, glaube ich, von Fontane ist, das vor jedes Kapitel gestellt wird und daher von Kapitel zu Kapitel immer länger wird, bis es schließlich in „Da geht der Herr nun selbst hinaus/ Und macht gar bald ein End daraus/ Der Teufel holt den Henker nun, / Der Henker hängt den Schlächter nun, /Der Schlächter schlacht’den Ochsen nun, / Der Ochse säuft das Wasser nun,/ Das Wasser löscht das Feuer nun,/ Das Feuer brennt den Prügel nun,/ Der Prügel schlägt den Pudel nun,/Der Pudel beißt den Jockel nun,/ Der Jockel schneidt den Hafer nun,/ Und kommt auch gleich nach Haus.“

Jockel ist, glaube ich, die Abkürzung von Jakob und so heißt Josef Winklers Vater und das Buch ist eine Ltanei, ein Zwiegespräch mit ihm in dem all das, was wir, wenn wir ein bißchen Winkler gelesen haben, schon wissen, aber noch etwas anderes, das der Aufhänger für das Buch ist, enthält.

Den Josef Winkler, steht am Klappentext, hat erst vor wenigen Jahren erfahren, daß in den „Sautratten“, wo die Gerste wuchs, die in der väterlichen Mühle gemahlen und auch das ganze Drautal mit Mehl belieferte, die Leiche des sich 1945 selbst vergiftet habenden, weil die Engländer ihn gefangene nahmen, Odilo  Globocnik, der als Leiter der Aktion Reinhart für die Vernichtung von  Juden in Treblinka Belzek und Sobibor verantwortlich war.

„Zwei Millionen ham`ma erledigt!“, wird immer wieder litaneiartig wiederholt und nun klagt der Sohn, den Vater an, wieso er ihm, der doch sonst soviel vom Krieg erzählte, das nicht gesagt hat und so er und der Rest des Drautals jahrelang, wie er schreibt verseuchtes Brot essen mußten.

Der Lebenslauf des jungen Josef, der mir aus Lesungen schon bekannt war und der auch ziemlich genauso  beschrieben in „Wikipedia“ steht, wird erzählt. Die kleinen bunten Soldatenfiguren, die dieKinder aus den „Linde-Kaffeebohnenschachteln“ sammelten, die die Verwandten bei den Besuchen mitbrachten. Die katholischen Rituale und Aufbahrungen, das Lesen der Winnetou-Bücher, die ihm aus der Sprachlichkeit und der Dumpfheit des Dorfes herausbrachten. Er hat dazu auch Geld aus der Böse seiner Mutter, die er und das finde ich ein bißchen seltsam, obwohl ich den dramaturgischen Effekt nachvollziehen kann, in dem Buch „Mame“ und den  Vater „Tate“ nennt und denke, daß er  als Kind seine Eltern sicherlich nicht so genannt hat, gestohlen.

Hat später auch Camus und Hemingway gelesen, ist nach Klagenfurt auf dieHandelschule gegangen und hat später an der damaligen Hochschule für Bildungswissenschaft, als Schreibkraft gearbeitet. Dann sind seine erste drei Bücher erschienen, die das Dörfchen  wohl erregten und er verstummte. Später kehrte er wieder in sein Elternhaus zurück, um und das mag auf dem ersten Blick seltsam erscheinen, wieder schreiben zu können. Aber ich finde gerade diese Ambivalenz das Wandern zwischen Gut und Böse, das Josef Winkler auch bei sich selbst beschreibt, diese Haßliebe, das nicht loskommen und sich immer wieder fortan wiederholen, als das Bemerkenswerte an dem Buch und an Josef Winkler literarischen Schaffen.

Ein Buch, das wahrscheinlich, wie schon beschrieben an mir vorbeigegangen wäre, ich aber sehr froh bin, daß ich es gelesen habe, denn ich habe dadurch sehr viel von Josef Winkler und seinem Schreiben  gelernt und füge ich noch hinzu, daß als ich 2000, zu Zeiten von schwarz blau eins, was allerdings ein Zufall ist, in Klagenfurt war, wurde dort gerade das Stück des  20011 verstorbenen Werner Kofler „Tanzcafe Treblinka“ aufgeführt, denn Odilo Globocniks Adjutant Ernst Lerch hat sich nicht umgebracht, sondern bis in die Siebzigerjahre in Klagenfurt ein Tanzcafe geführt, in dem Josef Winkler, als es allerdings kein solches mehr war,  öfter war, bevor er von der Abendhandelsakademie nach Hause gefahren ist.

2015-12-21

Die vielen Tode unseres Opas Jurek

Weiter geht es mit dem Buchpreisbloggen könnte man so sagen oder nachdem ich jetzt  alle zwanzig Romane gelesen haben, kommen Dank Mara Giese und ihrem Gewinnspiel noch vier deutsche Romane an die Reihe, die in diesem Jahr erschienen sind und es nicht auf die Longlist schafften.

Einer davon  von dem 1979, in Opole, Polen geborenen und als Kind nach Deutschland gekommenen Matthias Nawrat, der 2012 mit einem Auszug aus seinem zweiten Roman „Unternehmer“ beim Bachmannpreis gewonnen hat, da habe ich ihm kennengelert und der Roman ist 2014  auf der Longlist gestanden.

Und mit diesem, einem wahrscheinlich Schelmen- oder Episodenroman, der die Geschichte Polens vom zweiten Weltkrieg bis zu Wende auf eine etwas andere Art und Weise neu erzählt, habe ich mir am Anfang etwas schwer getan, obwohl mich die deutsch ponische  Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg ja sehr interessiert.

Wahrscheinlich ist es die „umgekehrte Humoristik“, wie Nawrat, die Ironie, die er dabei verwendet, selbst betitelt, die mich etwas störte.

Denn Hitler und Stalin waren wahrscheinlich nicht lustig, auch wenn Humor, das weiß ich schon, ein Abwehrmechanismus ist, aber wenn der Enkel über die Geschichte des Großvaters lacht, in dem er sie sehr verdreht erzählt, weiß man am Ende nicht wirklich, wie sie der Großvater empfunden hat.

Da ist also der Ich-Erzähler, ein Jugendlicher habe ich verstanden, der mit seinem Bruder und seiner Mutter ein paar Jahre nach der Wende zum Begräbnis seines Opas Jurek nach Polen fährt und danach in einem sehr kindlichen Stil, die Familiengeschichte erzählt, kindlich oder mit umgekehrter Humoristik, das letztere wohl und so wächst der Opa in Polen auf, verliebt sich in die Cousine Janka mit der Augenklappe, geht in die Realschule, beginnt zu arbeiten und dann kommt der weltberühmte Politiker mit dem Chaplin Bärtchen daher und der Opa wird von freundlichen Herren zur Befragung zusammen mit der Belegschaft seiner Firma abgeholt und in ein schönes Örtchen namens Oswiciem gebracht.

Da erleidet er dann seine ersten Tode, nämlich Hungersnöte, die zur Folge haben, daß er sich in seinem späteren Leben bei den mehrgängignen Mittagessen immer vier- fünf Nachschläge geben läßt, bis seine Organe nicht mehr mitspielen.

Aber zuerst erleidet er Hunger und hat aus diesem Grund vielleicht sogar einen Mithäftling umgebracht, ja die Menschen sind nicht alle gut und edel, auch die in Auschwitz und im stalinistischen Polen nicht.

Denn der deutsche Chef der ehemals polnischen Firma holt den Opa aus dem Lager heraus und der wird  nach 1945 Direktor eines Warenhauses, wo es keine Waren gibt.So läßt er in dem von einem Deutschen gestohlenen schwarzen Direktorsanzug, die Verkäuferin das Regal hin und herstellen und diskutiert mit seinen Parteigenossen über die Gleichheit, die ja das Ziel der neuen Gesellschaft ist und als statt Weißkraut ein paar Felljacken ankommen, teilen sich die die Direktoren untereinander auf und sagen sie opfern sich für die Allgemeinheit, so weit so gut und auch weiter.

Der Opa findet dann die Oma Zofia, die ihm die mehrgängigen Mittagessen kocht und eigentlich nach Paris möchte, weil er Opa aber so viel ißt, reicht das Geld dazu nicht aus und das Ausreisen war zu Zeiten des weltberühmten Politikers mit der weißen Kellnerjacke, des großen Nachbarlandes wahrscheinlich auch nicht so einfach.

Der Vater des Erzählers will aus aus diesem Polen und möchte über die hohe Tatra und den Rizy nach Canada kommen, dafür läßt er sich in ein Pfadfinderlager stecken, denn nur so kam er nach Zakopane, der Plan scheitert an der mangelnden Kondition des Gruppenleiters, so eröffnet er mit tschechischen Utensilien, ein Sportgeschäft in Opole in dem die Jugendlichen, die Seile, Karabiner, Bergschuhe und Rucksäcke auch gerne kaufen und auch der berühmteste Bergsteiger des Landes besucht einmal seinen Laden.

Da gibt es dann  eine groteske Szene, wo dieser Sportler von der Geheimpolizei bewacht an einer Gala in Warschau teilnehmen und dann den Himalaya besteigen  oder nicht besteigen soll.

Der Vater reist ihm mit seiner besten Grundausrüstung nach, logiert sich in dem Hotel ein, wo auch der Staatspräsident wohnt und klettert an der Fassade in seine Suite. Der ist begeistert, schleift ihn auf die Gala und läßt sich mit ihm fotografieren.

Nur nachher brechen die freundlichen netten Geheimpolizisten seine Beine, so daß es aus mit dem Traum nach Canada zu kommen.

So reist der Vater mit der Mutter und den zwei Söhnen nach Deutschland aus. Das wird auch sehr grotesk geschildert, denn der Opa weigert sich die Familie zu verabschieden, so fangen sie solange zu streiten und auszupacken an, bis er widerwillig zwar, aber doch erscheint und er scheitert als Direktor eines Warenhauspardieses, der er dann geworden ist, an einer Verkäuferin, die gleichzeitig die Frau eines  Polizisten ist.

So wird der Opa wieder in den Keller der Geheimpolizei gebeten, kommt dort lange nicht heraus, verliert seinen Job, wird Hausmeister eines Ferienlagerns und fängt zu schieben an.

Auch eine köstliche Szene, wie er eine Flasche Schnaps, gegen Jeansstoff tauscht, damit nach Budapest auf der Suche nach Kalbfleisch fährt und dieses nicht bekommt, während ihn die Oma von der Plizei suchen läßt.

Dazwischen ändern sich die Zeiten und die Generäle, es wird eine Partei namens Solidarnosc gegründet und am Schluß verliert der Opa seine Organe, sie geben ihre Funktion auf und er verstirbt mit achtunddreißig Kilo und der Enkel kommt mit dem Bruder und der Mutter nach Opole, läpt sich von der Oma bekochen und vom Onkel die Stadt zeigen, während er Episode um Episode aus dem Leben seines Opas neu erzählt.

„Mit poetischer Verdichtung und Verfremdung erschafft Mathias Nawrat eine Welt im Schwebeustand zwischen Wirklichkeit und Phatasie schreibt die Ndeue Zürcher Zeitung.

Wie schon erwähnt, habe ich mir damit ein bißchen schwer getan, kann aber nicht verhehlen, jetzt  mehr über die ponische Geschichte nach 1945 und das Leben in Polen in dieser Zeit zu wissen.

Sabrina Janesch hat in „Katzenberge“ das ich diesen Sommer gelesen habe und das sie auch in Klagenfurt vorstellt, über die ponischen Vorfahren ganz anders geschrieben.

Mit der umgekehrten Humoristik läßt sich das Leben vielleicht ein bißchen besser ertragen, ich mag sie, glaube ich nicht so sehr.

Es gibt aber auch Auschwitz-Romane,  die auf diese Art und Weise beschrieben wurden und natürlich ist es gut, wenn man über die Geschichte lachen kann, auch wenn sie nicht immer lustig ist.

 

2013-09-05

Unser Sonderberichterstatter

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:39

Es beginnt mit einem Urschrei „Sombreroo! von irgendwoher, aus dem Fenster eines Wohnblocks im schlafenden Viertel.“
Dann erwacht Antonje in der 2007 in der Edition Zwei, diesmal noch zweisprachig und mit Anmerkungen über Autor und Übersetzung, erschienenen Erzählung „Unser Sonderberichterstatter“, des 1974 in Rumänien geborenen Florin Lazarscu, offenbar in Himmel, der aber eine Art Werbeabteilung oder Castingshow ist, so erwarten ihn schöne Mädchen und Zigaretten, er wird dann zu einem alten Mann geführt, muß vor Publikum eine Frage beantwortet und wird wieder auf die Erde zurückgeschickt.
Dort geht es ähnlich verwirrend mit wechselnden Perspektiven und wechselnden Zeitabschnitten weiter.
Die Haupthandlung ist aber in Rumänien nach der Wende angesiedelt, in einem also, das mit westlichen und amerikanischen Methoden arbeiten will, aber das Know how und das Equipment dazu noch nicht ganz hat.
So erklärt der Chefredakteur, Antonjes Chef, daß in seiner Zeitung nur Platz für Kultur ist, wenn die Werbeaufträge fehlen und Antonje wird als Mädchen für alles oder als Tolpatsch vom Dienst, zu allen möglichen Aufträgen geschickt.
So berichtet er über Schildkröten, Überschwemmungen und auch mal von seltsamen Ufos.
Aber eigentlich will er zu dem Begräbnis des großen Journalisten, zu dem auch der Präsident kommen soll. Er wird dann auch dorthin geschickt und von den Leibwächtern offenbar ins Koma geschlagen, in dem er dann auch einige Tage liegen soll, um sich vor seinem Chef zu retten, aber vorerst passieren noch einige seltsame Dinge.
So wird das Begräbnis in eine andere Kirche verlegt, weil es dort zu unsicher ist und dem Heiligen in der Reliquie auch ein Finger gestohlen wurde. Das tat offenbar ein drogendealender Zigeuner mit dem Antonje schon vorher in der U-Bahn fuhr und einen Terroristen nahmens Mohammad, der geschäftstüchtig Visitenkarten mit einer Bombe und seiner Mail Adresse verteilt, gibt es auch.
Der ist aber ganz brav in das Land eingewandert und fuhr, weil er sich in seinem Job langweilte, am Sonntag mit dem Zug im Land herum, um dort die Notbremse zu ziehen, später kam er auch zu Dynamit und so wollte er die Bombe werfen.
Es gibt aber auch immer Kapiteln, die in die Vergangenheit in das Regime Ceausecus führen. So wird von einem Lehrer erzählt, der aufs Land strafversetzt wurde und dort von seinem ebenfalls strafversetzten Direktor zu einer Schulung einberufen, zu der er nicht will, so zeigt er ihm den Mittelfinger und kommt daraufhin für Jahre ins Gefängnis und der Vater des Chefredakteurs war ein Komponist und Dirigent, der wie Mozart komponieren wollte, was er aber in der Diktaur des Sozialismus nicht durfte.
Es geht aber auch in die Geschichte zurück und so wird von einem Prinzen erzählt, der die Soldaten seines Vaters, des Königs ärgert, der die Hunnen besiegen will und von einem Mönch namens Ioan, der hat dann den kleinen Antonje nach dem Tod seiner Eltern in einer Höhle auf einem Berg, ganz abgeschieden vom Sozialismus aufgezogen, bis eines Tages die Leute kamen und erzählten „Ceausescu ist tot, wir haben jetzt die Freiheit!“
So fährt Antonje, der dumpfe Tor in die Stadt, wird dort als eine Art Kaspar Hauser bewundert, bekommt vom Präsidenten eine Garconniere und vom Chefredakteur eine Unterstützung, bis dem das zu viel wird und Anonje zum Reporter macht.
Es endet nach noch einigen anderen Einschüben und Seitenhandlungen, so will der junge Pfarrer Ioan zu einem Heiligen machen und sendet im Internet dessen Wunder auf, so daß die Touristen in Scharen mit einem Bus angefahren werden und dann auf den heiligen Berg hinauskriechen, in dem Krankenhaus, in dem Antonje im Koma neben einem autistischen Zwerg liegt, in der Nacht aber mit dem Zwerg aus dem Fenster springt und zu einem See fischen fährt, dort wird er dann wegen Entführung verhaftet und zeigt allen triumphierend seinen Mittelfinger.
Eine köstliche Farce auf das Wende-Rumänien, für nicht Eingeweihte in seinen Zeitsprüngen und Perspektivenwechseln nur nicht ganz so leicht zu verstehen, mit dem Florin Lazarescu, da 2006 den „Bank Austria Literaris“ gewonnen hat.
Ich finde es ja wieder schade, daß im Buch und Internet so wenig über das Buch zu finden ist, obwohl ich die Bemühungen von „Kulturkontakt Austria“ die osteuropäische Kultur zu fördern sehr schätze und da ich regelmäßig zu den Preisverleihungen und anderen Veranstaltungen gehe, auch in den Genuß der Bücher komme, die sonst vielleicht nicht so geschätzt werden.
Man kann sich bei den Preisverleihungen zwar eines mitnehmen, die dann im Internet verkauft werden oder sie werden bei der Buch-Wien an Kinder verteilt, die wahrscheinlich nicht die richtige Altersgruppe sind. Denn es sind sehr interessante Bücher und sehr interessante Lebenswelten, die ich da kennenlerne und wahrscheinlich auch ziemlich alleine darüber schreibe.

2012-07-22

Nachtigall will zum Vater fliegen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:57

„Nachtigall will zum Vater fliegen“, Ulrich Bechers 1950 erschienener New Yorker Novellenzyklus in vier Nächten, ist das zweite Becher Buch, das ich Anfang der Neunzigerjahre in einer Kiste von ausgeschiedenen Büchern der städtischen Bücherei gefunden habe. Damals war mir der Name Johannes R. Becher bekannt, aber von einem Ulrich Becher keine Ahnung, Internet hat es noch nicht gegeben und mit Literaturlexika war ich auch nicht gesegnet. So habe ich ein bißchen orientierungslos in das Buch hineingelesen und weil ich nichts von dem Autor wußte, den Hintergrund nicht verstanden und daher bvald wieder weggelegt. Dann habe ich 2005 wahrscheinlich in Leipzig bei Hugendubel in einer Abverkaufskiste, Aufbau-Verlagsbriefe aus dem Fünfzigerjahren gefunden, in denen es auch welche mit ein bißchen Lebenslauf von Ulrich Becher gab. So daß ich schon mehr Informationen über den Autor hatte, als ich 2010 das andere Buch „Kurz nach 4“ gelesen habe, da war schon die „Murmeljagd“ neuauferlegt und Ulrich Becher wurde von Eva Menasse, die das Buch besprochen hat, als „fast vergessener Teufelskerl“ bezeichnet. Daß er den“Bockerer“ geschrieben hat, hatte ich inzwischen auch herausgefunden und das Theaterstück, habe ich noch vor dem berühmten Film, im Volkstheater gesehen.
Als der Arco Verlag voriges Jahr „Kurz nach 4“ neu auflegte, ist er auf meinen Blog und meinen Besprechung gestoßen und das Buch hat, was mich, für die Biografien sehr wichtig sind, sehr begeistert, ein fünfzig Seiten langes Nachwort mit Bildern und biographischen Angaben von Christoph Haacker, das sich allerdings natürlich auf den 1957 im Rohwohlt Verlag erschienen Roman über die Italienreise des Wiener Künstlers Franz Zborowsky bezieht und nur wenig Informationen über den Novellenzyklus bietet, es gibt allerdings den Satz, daß die Novelle „Die Frau und der Tod“ aus dem Zyklus vorwiegend am 7. August 1945 in Manhattan spielt, das war der Tag nachdem die Atombombe über Hiroshima abgeworfen wurde.
Wenn man nachgooglet findet man über Ulrich Becher viel, über den Novellenzyklus wenig und eigentlich außer Angaben, wo man das Buch antiquarisch kaufen kann, auch nur ein paar Sätze in den Amerikabildern der deutschsprachigen Exilliteratur „Aber hier war alles anderes“ von Valerie Popp, die sich auf den Zyklus beziehen.In dem Buch selbst gibts leider keine Beschreibungen, wie das früher so üblich war, wenn man aber auf die Becher-Homepage geht, die es gibt, findet man immerhin die Abbildung des Schutzumschlages, das mein ausgeschiedenes Exemplar, aus der Stumpergasse, das von 1979 bis 1983 zehn Personen ausgeborgt hatten, nicht mehr hat.
Also war das Leseerlebnis der vier Novellen, obwohl ich über Ulrich Becher inzwischen einiges weiß, wieder ein unbeflecktes Land, daß sie aber in New Foundland N. Y. begonnen, fortgesetzt in New York City und in Blonay, Kanton Waadt abgeschloßen wurden, steht immerhin auf der zweiten Seite. Ulrich Becher hat von 1944 bis 1948 in New York gelebt und das Buch steht weiter dort ist Georges Grosz gewidmet. Das Ulrich Becher auch Graphiker und bildender Künstler war, war mir bisher entgangen, in der „Kurz nach 4“ Neuauflage, gibt es aber Proben davon und eine Ausstellung scheint es vor kurzem auch gegeben zu haben.
Also wieder ziemlich unbedarft in die Lektüre eingestiegen und ein bißchen ratlos gewesen, so daß ich mich jetzt schon auf die Neuauflagen der Novellen freue, weil ich dann vielleicht nachlesen kann, was ich mir jetzt mühsam zusammenkratze.
Der in New York spielende Novellenzyklus besteht aus vier Nächten genannten Texten, die erste „Die Frau und der Tod“, spielt, wie erwähnt in der Nacht nachdem in Hiroshima die Atombombe fiel. Sie spielt vorwiegend in einer Bar und schildert die Erlebnisse, des aus dem Krieg entlassenen Fliegerkäptn Happy Slocum. Die Psychologin würde sagen, sie schildert seine, bzw. Ulrich Bechers Traumatisierungen in einem typisch amerikanischen Stil, wie ich sie auch in dem Buch Manhattan Transfer gefunden habe und schließt auch an das Dialogpingpong, des von mir zuletzt gelesenen Buches „Stellt mir eine Frage“, an. Es gibt aber auch eine Menge französischer Zitate, was für einen New Yorker Novellenzyklus sehr ungewöhnlich ist, so wird die Marseillaise zitiert, die groß geschriebenen Zitate und Überschriften, gibt es, glaube ich, auch im „Manhattan Transfer“ „UNSERN AUS EUROPA HEIMGEKEHRTEN VETERANEN EIN HERZLICHES WILLKOMMEN“ beispielsweise oder UNBEKANNTE SCHÖNHEIT ERSUCHT UM INHAFTIERUNG WEGEN GEISTESKRANKHEIT“.
Die zweite Nacht „Der schwarze Hut“ ist ein wenig leichter zu lesen, das gemeinsame ist auch das Datum der 3. oder 5. Mai 1945. Mit dem zweiteren wird das Ende des zweiten Weltkrieges angegeben, zwei Tage vorher ist die geschlechtskranke zum Skelett abgemagerte Frau des reichen aus Deutschland ausgewanderten Alois Altkammer, le Baron genannt, gestorben, der über ein sehr ausschweifendes Sexualleben verfügte, mit seiner Frau im Fiaker in Bordelle fuhr und sie dann während er dort war, durch den Central Park kutschieren wird, der emigrierte jüdische Arzt, hat ihren Tod schon viel früher vorausgesagt, sie stirbt am 3. Mai. Am 5. findet das Begräbnis statt und zu dem ist auch der taube Dr. Klopstock eingeladen, der sein Gehör in Dachau verloren hat und nun den reichen „Baron“ um sechs Dollar anbettelt, damit er sich Batterien für sein Hörgerät kaufen kann, der Reiche gibt ihm nicht mehr, obwohl das Begräbnis ein Vermögen kostete und schenkt ihm dazu den Wagenrad großen schwarzen Hut seiner Frau, mit dem marschiert der ehemalige Gymnasiallehrer nach Hause und wird dabei für einen Transvestiten gehalten und angepöbelt. Auch hier ist in der makabren Form die Traumatisierung des Krieges stark zu spüren und der Stil ist wohl so, wie Georges Grosz seine Bilder malte.
Mit der dritten kürzesten Nacht „Beim Apfelwein“, im Stil der ersten ähnlich, ein konkretes Datum habe ich nicht gefunden, habe ich nicht viel anfangen können.
Die Vierte „Nachtigall will zum Vater fliegen“ ist wieder verständlicher oder auch nicht. Es geht jedenfalls um John Henry Nightingale, der als Hans Heinz Nachtigall in Gelsenkichen als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns geboren wurde, er studiert Medizin, wird Schiffsarzt, versucht sich aber auch als Dichter der „Zippzipp-Bewegung“ und als die Nazis kommen verfaßt er ein Theaterstück, nach dessen Uraufführung er nach Amerika emigiriert. Dort hat er es zuerst schwer, muß neu studieren, seine Dichtung will niemand haben und seinen Namen sprechen die Amis alle falsch aus, dann hat er aber Glück, bekommt einen reichen Schwiegervater und wird zum Nobelpsychiater und da denkt er an seinen Vater, der Achtzigjährig in Deutschland zurückgeblieben ist. Er will zu ihm fliegen, hat aber Schwierigkeiten mit seinen Patienten, schließlich tut er es doch und kommt enttäuscht zurück.
Wieder würde ich sehr viel Autobiographie und sehr viel Trauma in der sehr tiefgründigen Novelle, die zum Schluß in einen Dialog Nightingale gegen Nachtigall ausartet, vermuten und schließe mich Christoph Haackers Meinung an, daß „Ulrich Becher einer der großen Erzähler unseres Jahrhunderts ist, der mit Hemingway, Faulkner, Günter Grass, Joyce, Döblin, John Dos Passos, Joseph Roth, Rabelais, Nestroy, Thomas Wolfe, Albert Vigoleis, Thelen und Marcel Proust“ verglichen wurde. Einige dieser Vorbilder sind wahrscheinlich in dem Novellen Zyklus zu finden, den ich sowohl sehr interessant gefunden, aber auch nicht ganz verstanden habe, so daß ich auf die kommentierte Neuauflage warte, es aber trotzdem spannend finde, was man aus ausgeschiedenen städtischen Büchereiausgaben alles lernen kann.

2021-04-10

Die fünfzigsten Rauriser Literaturtage

Das Schöne an Corona und den diesbezüglchen Lockdownbedingungen ist, daß man sich per Livestream auch Veranstaltungen ansehen kann, zu denen man sonst live nie gekommen wäre und das betrifft besonders die „Rauriser Lliteraturtage“, die immer wieder neue Literaturtalente entdeckten und die es seit 1971 in dem schönen Salzburger Örtchen gibt und von denen ich bisher höchstens ein bißchen was über die Medien mitbekommen habe, denn ich stehe ja außerhalb des Literaturbetriees, hörte aber immer wieder, daß der oder die, wie beispielsweise Raphaela Edelbauer oder Julyia Rabinowich dort gewonnen haben, denn der Preisträger ist immer ein Debutant und es gibt dan auch einen entsprechenden Förderpreis.

Im Vorjahr hat die Veranstaltung, glaube ich, Corona bedingt nicht stattgefunden, so daß heuer wieder zwei Preisträger geehrt werden, die für 2020 und für 2021 und das viertägige Festival hat am Mittwochabend mit der Verleihung der beiden Hauptpreise begonnen und ein bißchen seltsam ist es natürlich im Livestream den publkumsleeren Raum zu sehen, auf dem ein Rednerpult, zwei Stehtische und ein Lesetisch aufgestellt waren und die Anwesenden mit Masken auftraten. Der testende Gemeindearzt wurde erwähnt, manche der Lesenden und Honoratoren waren auch per Livestream zugeschaltet.

Intentanten sind jetzt der Sazburger Universitätsprofessor Manfred Mittermayer und Ines Schütz, vorher war das lange Britta Steinwendtner und die beiden Hauptpreise sind an Angela Lehner für „Vater unser“ für das Vorjahrund heuer an Benjamin Quaderer für seinen Debutroman „Für immer die Alpen“ gegangen.

Die Eröffnung folgte live durch den Bürgermeister der das C- Wörtchen nicht erwähnen wollte, da verstehe ich diese Ziererei nicht und vom Landeshauptmann Haslauer, der per Zoom zugeschaltet war, die Renovierung des Mesnerhauses, wo die Veranstaltung stattfindet, erwähnte und genau aufzählte, was alles im Jahr1971 geschehen ist, als die ersten „Rauriser Literaturtage“ über die Bühne gingen.

Dann kam der Landeshauptmann Stellvertreter auf die Bühne und forderte Benjamin Quaderer auf seine Urkunde abzuholen, da sie Corona bedingt nicht persönlich übergeben werden konnte, sondern auf einem Tischchen auflag. Eine Musikbeilage gab es auch.

Dann wurde die 1987 in Klagenfurt Angela Lehner aus ihrem Arbeitszimmer zugeschaltet, die den Peis für ihr „Vater unser“ erhalten hat. Die diesbezügliche Laudatio hat ein hat ein Lucas Marco Gisi gehalten und Angela Lehner, die ein bißchen was über die Covid-Situation und, wie es ihr damit ergangen ist, berichtet, hat für ihren Debutroman, mit dem sie, glaube ich, 2019 auf beiden Buchpreislisten gestanden, beim österreichischen fürdas Debut und auch noch auf der Bloggerdebutlist, ist, auch einschon einige Preise erhalten. Es erfolgte eine Lesung daraus. Dann ging es wieder in das Mesnerhaus und da wurde die Laudatio an den Lichtensteiner Benjamin Quaderer, der 1989 in Feldkirch geboren wurde und in Wien und Hildesheim Lliteratur studierte für seinen im vorjahr erschinenen Roman „Für immer die Apen“ von Anne Sophie Scholl gehalten und das Buch wurde im Vorjahr auch prominent besprochen. Benjamin Quaderer war, glaube ich, auch bei den O- Tönen, da habe ich ihn aber versäumt und das Buch auch nicht gelesen, es scheint aber, wie ich derLesungund derLaudatio entnahm sehr originell zu sein.

Am Donnerstag ging es mit der Verleihung der Förderungspreise weiter, die es, glaube ich seit 1973, gibt. Da haben sie Franz Innerhofer und Alf Schneditz bekommen, 1974, wie ich der Archivseite entnehme, Michael Köhlmeier und 2020, als es keine Preisverleihung gab, die 1992 geborene Vanessa Graf, die, glaube ich, in Linz lebt. Es gibt zu der Ausschreibung immer ein Thema und eine Jury, die den Preis vergibt. 2020 waren das Erika Wimmer, Ludwig Hartinger und Liliane Studer. Vanessa Graf Text heißt „Genauso schwarz wie hier“ und schildert die Demenz einer Mutter, die alles in Schachteln, Kisten oder Boxen verpackt. Das Thema hieß „Innehalten“ und die 1957 in Bozen geborene Erika Wimmer, die, glaube ich, GAV- Mitglied ist, hat die Laudatio über Zoom gehalten und die Autorin, die eigentlich nach Rauris kommen wollte, hat auch auf diese Art und Weise gelesen.

Dafür waren die Laudatorin und der Gewinner des heurigen Preises da. Das Thema hielt natürlich „Abstand“ Pandemie geschuldet und der Text des 1987 in innsbruck geborenen Martin Mader der, wie Zita Bereuter in ihrer Laudato erwähnte, sowohl Philosophie, Theaterwissen- als auch vergleichende Literaturwissenschaften studierte, „Abstand ist überall“ und hier kann man, glaube ich, lernen einen Pandemietext zu schreiben, ohne dieses Wort zu erwähnen. Denn da hastet der Erzähler mit seiner Freundin durch die menschenleeren Gassen, steckt seinen Schlüßel durch eine Kinotür vor dem vermoderte Prospekte liegen, die nach alter Pilzsuppe riechen. Die Menschen auf den menschenleeren Straßen schreien und flüstern und noch ist nicht alles verloren. Denn es geht in eine verlassene Fabrik, wo ein Zahnloser mit drei Frauen tanzt und allen Hoffnung gibt. Das ist ein Spiel und das ist noch nicht verloren und der Erzähler schlägt den Hoffnungsträger nieder und interessant dabei ist, daß Martin Mader alles dabei wiederholt und ich habe wieder was gelernt. Waren mir doch sowohl Vanessa Graf, als Martin Mader bisher unbekannt.

In Rauris ist es, glaube ich, gleichzeiting mit einer Lesung in einem Kindergarten weitergegangen, denn das gehört auch zu den Besonderheiten der Literaturtagen, daß es die Bevölkerung einbezieht. Eine Ausstellung über fünfzig Jahre Rauris sollte es auch geben, die entfällt, wie die „Spoken Wort- Veranstaltung“, die es am Nachmittag geben sollte oder wird nachgeholt, so daß es, wie Ines Schütz nach Martin Maders Lesung sagte, um siebzehn Uhr mit Lesungen von ehemaligen Gewinnern weitergeht.

Der erste Hauptpreisträger war 1972 Bodo Hell, im Gründungsjahr hat es offenbar keinen Preis gegeben und der wurde um fünf als Erstes eingeladen. Das heißt, er war nicht allein. Das Musikduos schon bei der Eröffnung aufspielte, nämlich Peter Angerer und Fritz Moßhammer verbanden sich mit ihm zu einer Performanceeband. Sie spielten. Bodo H ell saß dazwischen, hielt dann ein Plakat in die Höhe und performte durch die fünfzig Jahre Rauris-Geschichte. Moderiert wurde das ganze von Manfred Mittermayer, der neben den 1946 geborenen Peter Rosei saß, der 1973 gemeinsam mit Gerhard Amanshauser den Preis gewonnen hat. Bodo Hell wurde 1943 in Salzburg geboren, von ihm, dem Performer und experimentellen Autor, sowi e Almwirt, habe ich, glaube ich, noch nichts gelesen. Von Peter Rosei schon und der hat ein Stück aus dem Buch gelesen mit dem er in Rauris gewonnen, „Landstriche“, dann kam ein Gespräch mit Manfred Mittermayer, wo es um seine vielen Bücher ging. Rosei, der ja auch über das Geld und die Banken geschrieben hat und Jus studierte, gilt als sehr ökonomischer Autor, zumindestens stellt er sich oft so vor.

Er hat aber auch über das Glückgeschrieben „Das Märchen vom Glück“ heißt sein letztes oder vorletztes Buch. Dann gibt es noch das „Schnelle Glück“, 1980 erschienen. Das wurde auch zitiert. Dann läutete meine Klientin und da es in Rauris erst um zwanzig Uhr weiterging, hatte ich noch Zeit in die „Alte Schmiede“ und da in die Wien-Reihe, zu der mich ja immer Julia Danielczyk so nett einlädt. Das Internet macht das möglich und da wurden Zarah Weiss und Thomas Stangl vorgestellt. Beide sind Stipendiaten, Thomas Stangl Canetti-Stipendiat. Die 1992 in Düsseldorf geborene Zarah Weiß hat ein Arbeitsstipendium bekommen und die, eine sehr junge Frau wäre wohl auch eine Kanditatin für den nächsten oder übernächsten Förderungspreis, um damit in den Literaturbetrieb einzusteigen. Mal sehen, ich bin gespannt. Ihr Text heißt „Die Geister“, eine spannende Geschichte aus der Sicht eines Kind am Land aus einer nicht intakten Familie, die von ihrer um sechs Jahre älteren Schwester verlassen wird und der 1966 geborene Thomas Stangl von dem ich schon einiges gelesen und gehört habe, schloß mit seinem Romanprojekt „Quecksilberlicht“ gleich daran an. Da habe ich aber nur, weil ich um acht wieder nach Rauris wollte, die Lesung gehört und wurde bestätigt, daß Thomas Stangl eine sehr kunstvolle Sprache hat. Der Erzähler schwankte von einer Großmutter und den Geschwistern Bronte hin und her. Virginia Woolf und wohl noch einige Romanfiguren kamen darin vor und ich bin gespannt den Roman dann vielleicht zu lesen und in Rauris ging es mit jüngeren Preisträgern weiter. Das heißt, Erwin Einzinger ist so alt wie ich, hat den Preis 1984 gewonnen und ihn habe ich vor kurzem auch in der „Alten Schmiede“ gehört, als er dort den vor einem Jahr verstorbenen Hans Eichhorn würdigte, der hat 1983 in Rauris ein Arbeitsstipendium bekommen und wäre im Vorjahr zur Lyrik-Schiene eingeladen gewesen, war aber schon zu krank dazu. Petra Nagenkögl hat die Lesung mit Erwin Einzinger moderiert, der sehr viel plauderte, erklärte, daß er sehr chaotisch sei, die kleine Form liebe und dann noch eine für mich sehr interessante Anekdote erzählte, denn als er sich für Rauris testen mußte, hatte ihm die Rotkreuzschwester erkannt und ihm erklärt, daß sie schon einige seiner Bücher gelesen hat und auch schon mal in Rauris war. Da fragte sich Erwin Einzinger wer seine Bücher lesen würde? Ich glaube, ich habe noch nicht, mir zwar eines einmal bei einem Literaturhausflohmarkt gekauft und ihn, den ich für sehr sympatsch halte, auch schon auf einigen Lesungen, wie in Krems Göttweig oder in dem Breitenseerkino gehört.

Dann wurde es noch jünger, denn es ging in das Jahr 2009, denn da hat Julya Rabinowich mit ihrem „Spaltkopf“ gewonnen, der ja in der „Edition Exil“ erschienen ist, das war ihr einstieg in den Literaturbetrieb, der seither unaufhaltsam war, sie hat beim „Bachmannpreis“ gelesen und die „Erdfreßerin“ geschrieben. Aus der „Krötenliebe“, glaube ich, bei der https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/04/06/april-musa/„Literatur im Musa“, wie die“ Wien-Reihe“ damals hieß. Da hat sie, glaube ich, die Stelle von dem Reserl, das sich Kokoschkas Initialen in die Brust schneidet, während der mit Almas Puppe schlief, gelesen. Das tat sie jetzt über „Zoom“ und hat dann noch viel über die Entstehung des Buches mit dem sie, wie sie sagte, Wien entdecken wollte, erzählt.

Am Donnerstag ging es am Vormittag mit Gesprächen zwischen den Eingeladenen und Studenten weiter und am Nachmittag mit den Parcour durch die fünfzig Jahre und da begann es mit dem Jahr 2018, wo die Debutantin Raphaela Edelbauer mit ihrer Debut „Entdecker – Eine Poetik“ aus dem „Klever-Verlag“ ausgezeichnet wurde. Das ist sehr theoretisch und davon habe ich 2017 im Literaturcafe bei der „Buch Wien“ gehört und war nahe daran Ralph Klever um das Buch zu bitten, habe die Sprachkunststudentin damit kennengelernt, die später beim „Bachmannpreis“ gelesen hat und mit dem Kapitel aus dem „Flüßigen Land“, den Publikumspreis gewonnen hat. Dann kam das „Flüßige Land“ 2019 auf beide Buchpreislisten und jetzt ist „DAVE“ erschienen, das ich vor kurzem gelesen habe. Raphaela Edelbauer stellte im Gespräch mit Manfred Mittermayer dieses vor und erläuterte sehr theoretisch, was sie damit bezwecken wollte, was ich offenbar alles nicht verstanden hatte. Für mich bleibt es ein dystopischer Roman und die Beziehung zu der Covid 19- Dystopie obwohl Raphaela Edelbauer mit dem Schreiben schon früher begonnen hat.

Dann ging es zurück ins Jahr 1996 und zu dem Debutanten Raoul Schrott, der der erste Preisträger von Ines Schütz war, die damals offenbar mit ihm eine studentische Lesung hielt und Raoul Schrott hat damals mit „Finis Terrae“ gewonnen und war heuer aus dem Bregenzer Wald nach Rauris zugeschaltet und ich habe von dem 1964 in Landeck geborenen, glaube ich, noch nichts gelesen, ihm aber einmal im Naturhistorischen Museum und auch bei anderen Gelegenheiten gehört. Jetzt las er aus „Ener Geschichte des Windes oder Vom deutschen Kanonier der erstmals die Welt umrundete und dann ein zweites und ein drittes Mal“ beziehungsweise wurden Ausschnitte aus einem Film gezeigt in dem die Lesung enthalten ist, wo es offenbar um die Umsegelung Magellans ging und Raoul Schrott sehr viel und sehr launig über sein Buch erzählte.

Wenn die lesungen live in Rauris stattgefunden hätten, wäre man wahrscheinlich zwischen halb sieben und acht bis zum nächsten Programmpunkt in ein Wirtshaus gegangen. So können sich die Zuhörer mit sich selbst beschäftigen, was in meinem Fall einen Kurzbesuch ins Literaturhaus bedeutete, denn da fand der „Großartige Zeman Leseklub“ statt, den Barbara Zeman im Vorjahr gegründet hat und damit ins Literaturhaus übersiedelt ist. Da hat es schon im Winter einen Adventkalender gegeben. Diesmal wurde mit der Schauspielerin Katharina Pichler und einer Musikerin Brigitte Schwaiger vorgestellt. Die Barbara Zeman-Veranstaltungen sind ja alle genreübergreifen, so waren Bilder hinterm Lesepult ausgestellt und Barbara Zwiefelhofer leitete auch mit einer Vorstellung, der am 6. April 1949 in Freistadt geborenen Brigitte Schwaiger, die sich im Juli 2010 das Leben genommen hat, mit ihrem Debut „Wie kommt das Salz ins Meer“ sehr berühmt geworden ist und dann den Literaturbetrieb nicht ausgehalten hat, in der Nähe des Literaturhauses wohnte und dort auch oft Statmmgast war, ein. Da habe ich sie und im „Siebenstern“ auch öfter getroffen und einmal auch am Rathausplatz am ersten Mai. Barbarara Zeman erzählte aus ihrem Leben, während Katharina Pichler verschiedene Textstellen las. „Das Salz ins Meer“ wäre vielleicht auch ein Rauris-Buch gewesen oder vielleicht nicht, weil das Frauenschreiben ja anders, wie das der Männer bewertet wird, wie Barbara Zeman erwähnte, aber in Rauris haben natürlich schon viele Frauen die Haupt- und die Förderungspreise gewonnen, wie 2015 Birgit Birnbacher, mit deren Debut ich 2016 meine Schwierigkeiten hatte, weil es mir zu wenig Romanhaft war, die dann um acht im Mesnerhaus auftrat und von Magdalena Stieb von der Zeitschrift „Salz“ moderiert wurde. Sie hat dann 2019 den „Bachmann-Preis“ gewonnen. 2020 ist „Ich an meiner Seite“ über den Haftentlassenen Arthur herausgekommen, das auf der dBp– Liste stand und auch bei den O-Tönen vorgestellt wurde. Aus dem Buch hat Birgit Birnbacher auch gelesen und viel über die Entstehung und die Schreibweise erzählt, wie beispielsweise, daß die Figur des ausgeflippten Bird ursprünglich als brave Psychologin konzipiert war, die Arthur beraten sollte, aber wie Birgit Birnbacher erwähnte, fürchterlich zum Lesen gewesen wäre, also Romanhaft übertrieben und am Schluß wollte Magdalena Stieb von der Autorin noch wissen, was sich bei ihr seit 2015, wo sie ja sehr erfolgreich wurde, verändert hat?

Dann ging es wieder in die „Alte Schmiede“, aber halt, bevor mir meine Kritiker wieder Aufmerksamkeitsschwankungen vorwerfen, das war eine Kooperation mit Rauris, denn Peter Henisch, der 1976 mit seiner „Kleinen Figur meines Vaters“ einen Sonderpreis, weil es nicht mehr ein Debut war, bekommen hat, wurde dort von Johannes Öttl moderiert. Vorher stellte Ines Schütz den 1943 geborenen Autor vor, von dem ich ja immer schreibe, daß ich ein Fan von ihm bin und in meinem Schreiben Ähnlichkeiten zu ihm sehe. Ich habe auch schon viel von ihm gelesen und war bei vielen Lesungen und „Die kleine Figur meines Vaters“, das erste Vater Buch in der Literaturgeschichte, wie Ines Schütz erwähnte, wurde vom Autor 1987, als auch 2003 überarbeitet, was, glaube ich, eine Spezialität Peter Henisch ist. Jetzt las er neben Johanna Öttl eine Stelle aus dem Buch, welche Fassung hat er nicht verraten und ich habe das Buch, glaube ich, auch einmal gelesen.

Der 1913 als Walter Hemis geborene Vater war sowohl Kriegsberichterstatter der deutschen Wehrmacht, später dann bei den Sozialdemokraten oder der AZ. Dann kam ein Ausschnitt aus dem neuen Buch, das im Sommer erscheinen soll.

„Jahrhundertroman“ wird der heißen und so heißt auch der Roman, den ein alter Buchhändler schreiben will, aber nicht mehr kann, weil er einen Schlaganfall hatte, so daß ihm eine junge Frau namens Lisa dabei helfen soll. Thomas Bernhard und sein „Heldenplatz“, Ödon von Horvath, der doch nicht von einem Ast erschlagen wurde, Friederike Mayröcker, Ernst Jandl, Ingeborg Bachmann, Robert Musil und andere kommen dabei vor und ich bin gespannt, ob es im Sommer wieder O-Töne gibt, die ich besuchen kann und dann schon aus dem Buch höre?

Am Samstag ging es weiter mit der Lyrik-Reihe und da begann die 1989 in Polen geborene Dagmara Kraus ,die derzeit in Straßburg lebt und als Übersetzerin tätig ist, das Leipziger Lliteraturinstitut absolvierte und schon einige Gedichtbände herausgebracht hat, denen ihre Mehrsprachigkeit anzumerken ist.t

Die nächste der zweisprachigen Lyrik-Reihe war die zweisprachige Maja Haderlap, die1961 in Eisenkappel geboren wurde und die einzige der drei Lyrikerinnen ist, die auch Romane schreibt. So hat sie mit ihrem „Engel des Vergessens“ 2011 beim „Bachmannpreis“ gewonnen und 2012 damit den Rauriser-Literaturpreis bekommen. Seit damals den Roman auf Deutsch, die Gedichte auf Slowenisch geschrieben. Ab 2014 hat sie das mit ihrem Band „Langer Transit“ auch auf Deutsch begonnen.

Auch die 1983 geborene Performancekünstlerin Kinga Toth, die ich, glaube ich, schon einmal im Literaturhaus hörte, hat aus Ungarn nicht ausreisen können. Sie ist in einem Thermalort aufgewachsen, war immer schon von deutschen Sprache fasziniert. So hat sie ihre Uhr abgehängt, um mit den deutschen Touristenins Gespräch zu kommen. Sie war 2018/2019 Stadtschreiberin von Graz, hat im letzten Jahr den „Hugo Ball-Preis“ bekommen“ und las letzt aus ihren „Koffergedichten“. Ballalll-preis“

Am Nachmittag ging es mit einem Gespräch über Literatur, das Manfred Mittermayer mit Anton Thuswaldner, Johann Holzner, Britta Steinwendter und Christa Gürtler, das in die Vergangenheit aber auch in die Zukunft der Literatur führte, weiter und habe auf diese Art und Weise die verbotene Megademonstration im Schweizergarten, die offenbar auch eskalierte, versäumt, aber da ich ja weder Maske tragen noch kriminalisiert werden will, war das vielleicht nicht so eine schlechte Option.

Um fünf kam dann der 1963 im Kanton Thurgau geborene Peter Stamm von dem ich schon einiges gelesen habe. in Rauris hat er 1999 mit „Agnes“ gewonnen, das irgenwie sehr berühmt geworden ist. Maturastoff für verschiedene deutsche Bundesländer, verfilmt etcetera und zum „Welttag des Buches“ wurde es auch einmal verschenkt und da wunderte sich, glaube ich, Wolfgang Tischer vom Literaturcafe, daß es niemand haben wollte.

2018 hat Peter Stamm mit „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“den „Schweizer Buchpreis“ gewonnen. Jetzt hat er nach dem Gespräch mit Ines Schütz, die Erzählung „Wenn es dunkel wird“ gelesen, wo esum eine Polizistin geht, die in einem Kartstgebiet im kanton Schwyz auf einer Hütte nach einer Frau und zwei verschwundenen Kindern sucht. Das Ganze ist ziemlich surreal. Ines Schütz nannte das Kippelemente, denn am Schluß stellt sich heraus, die Frau gibt esvielleicht gar nicht und die Polizistin hat einen verschwundenen Bruder.

Dann kam die 1959 in Westfalen geborene Judith Kuckart von der ich zwar den Namen kannte, aber noch nichts gelesen habe. Sie hat1991 mit ihrem Debutroman „Wahlder Waffen“ wo es um eine RAF-Terroristin geht, gewonnen und hat jetzt aus ihrem neuen Buch „Kein Sturm nur Wetter“ gelesen, der am Flughafen Tegel beginnt und alle Männer der Protagonistin sechsunddreißig sind. Interessant ist auch, daß Judith Kuckart eineTanzausbildung hat und lange Zeit Choreografineines Tanztheaters war und einen Film den Studenten im Vorjahr über Judith Kuckart gedreht haben, gibt es auch In der nächsten Session trat der 1949 in Hard geborene Michael Köhlmeier auf, der sowohl der Förderungspreis, als auch den Hauptpreis bekommen hat. 1974, als er noch Student war, den Förderungspreis mit einen Bob Dylan- Stück, 1983 den Hauptpreis mit dem Roman „Der Peverl Toni und seine abenteuerliche Reise durch meinen Kopf“ von dem ich noch nie etwas gehört habe und der 1982 bei“Hoffmann und Campe“, erschienen ist.

Ich habe viel von Michael Köhlmeier gelesen und viele seiner Bücher in meinen Regalen und der Sagenerzähler und Radiovorleser, der früher einmal Musiker war, hat sehr viele Bücher geschrieben und auch viele Preise gewonnen, beziehungsweise auf vielen Buchpreislisten gestanden und erzählte Tomas Friedmann vom Salzburger Literaturhaus der ihn per Zoom interviewte, daß er sich über den kleinen Rausier Förderpreissich mehr gefreut hat, als wenn er den Nobelpreis bekommen hätte, weil er sich dachte, daß er jetzt als freierSchriftsteller leben könne. Er las dann ein Stück aus dem „Peverl Toni“ und erzählte Tomas Friedmann, daß er den Roman mehrmals umgeschrieben hat, weil er nie damit zufrieden war und die Anfangsworte „Aus vorbei“ hat ihm Monika Helfer, die er damals kennengelernt hat, am Telefon angesagt.a

Dann las Michael Köhlmeier noch, wie es auch Peter Henisch tat, ein Stück aus seinen im Herbst erscheinden Roman,der ebenfalls ein Jahrhundertroman sein scheint oder die sieben Leben einer Katze schildert, die in der französischen Revolution sprechen und bei E. T. A. Hoffmann oder seinem „Murr“ schreiben gelernt hat, was ich sehr interessant finde.

Im nächsten Jahr soll Michaela Köhlmeier das Buch dann in Rauris vorstellen,da bin ich auch gespannt und als letzter Leser kam der 1961 in Mils geborene Norbert Gstrein, der 1989 mit „Einer“ den Preis gewonnen hat, der in diesem Jahr auch beim „Bachmannpreis“ gewonnen, ich kenne seinen Namen seit Klagenfurt und Norbert Gstrein hat 2019 mit „Als ich jung war“ den österreichischen Buchpreis gewonnen, da war er krank, hat aber ein Stück aus seinem neuen Roman vorlesen lassen und das scheint vielleicht „Der zweite Jakob“ zu sein. Wieder ein sehr vielschichtiger Roman, eine Spezialiät von Norbert Gstrein, der von einem sechzigjährigen Schauspieler und seinem Biografen handelt. Eine Tochter gibt es auch und es geht wieder um Schuld und Sühne und um das Beschützen und auch um Matscho-Männer.

Damit wären die Rauriser Literaturtage wenigstens für mich vorbei. Am Sonntag gibt es noch eine Lesung aus Texten von einer Schreibwerkstatt die Bodo Hell mit Raurisern gehalten hat und Herta Müller, die Preisträgerin von 1985, die 2009 den Nobelpreis bekommen hat, hätte am Sonntag auch noch lesen sollen. Das ist aber Corona bedingt ausgefallen und habe viel über den Literaturbetrieb gelernt, die Online-Veranstaltung sehr interessant gefunden und warte jetzt auf das „Rauris1971-2021-Buch“ um mein diesbezügliches Wissen noch zu erweitern.

2020-10-29

Mutter

Nun kommt schon Buch drei der österreichischen Buchpreisliste, obwohl ich noch zwei der deutschen zu lesen habe, aber die“Chronik eines Abschieds“ der in Karpfenberg geborenen Melitta Breznik, die vom Beruf Ärztin ist und wenn ich mich nicht irre auch einmal die Partnerin Norbert Gstreins war, der ein Buch über sie geschrieben hat, ist ein Printbuch und da ich gelegentlich auch mal in die Badewanne gehen will, ahabe ich es zwischen den Netgalley Exemplare, die jetzt auf mich warten, schnell eingeschoben.

Abschiede, Tod der Mutter, des Vater, Bücher über das Sterben der eigenen Eltern werden ja ofter von Schriftstellern geschrieben, die damit die Trauerarbeit bewältigen, ich habe mich nach dem Tod meines Vaters, den ich ja auch einige Jahre nach dem Tod meiner Mutter betreut habe, schreibend damit beschäfigt. Elfriede Haslehner hat über den Tod ihrer Mutter geschrieben und mir das Manuskript, glaube ich, zu einem meiner Geburtstage gebracht, Julian Schutting und und- glaube ich, daß es auch sehr wichtig ist, sich mit dem Tod und dem Abschiednehmen, das ja jeden einmal betrifft, vor allem in Zeiten, wie diesen, wo alles so durcheinadergeht, Operationen aufgeschoben werden um Covid 19- Betten freizuhalten und man seine Anghörigen in der Sterbphase oft nicht besuchen darf, zu beschäftigen.

Ich habe, das, glaube ich, auch sehr intesiv gemacht, habe ich ja auch in der Zeit, wo ich meinen Vater betreute im Geratriezuentrum am Wienerwald Pflegehelferinnen in Pschologie unterrichtet, wo auch Sterbeseminare enthalten waren.

Melitta Breznik von der ich schon „Figuren“ gelesen habe, tut das sehr knapp in vierzig Kapitel mit einem Vor- und einem Nachwort, die oft mit dem Wort „Mutter“ beginnen. Im Oktober ruft die an, sagt, es geht ihr nicht gut, sie ist vor kurzem in eine seniorengerechte Wohnung gezogen, Melitta Breznik recherchiert gerade an einem Buch, hat ein freies Jahr will sich aber um eine Stelle in der Psychiatrie in der Schweiz, wo sie lebt, bewerben, so ruft sie den Bruder an, der in der Nähe der Mutter lebt, weil sie aus Erfahrung weiß, daß es der Mutter nach Anfällen oft schnell wieder besser geht.

Diesmal aber nicht, der Bauch ist geschwollen, dieMutter erbricht, kann nichts mehr essen, ein Krebs wird diagnostiziert.Bei meiner Mutter war das, als ich zu Oster 1991 von einer Japanreise zurückgekommen bin, ebenso.

Bei Melttta Brezniks Mutter dauert das Sterben länger, die Tochter übernimmt die Pflege. Die Mutter verlangt das auch von ihr, will niemanden anderen, als sie für die Körperpflege haben, Melitta Breznik fühlt sich oft überfordert dabei, berät sich mit befreundeten Ärzten ist erstaunt, daß die Mutter zu den Kirchenglocken, die zu hören sind, das „Vater unser“ betet, sie ist im Alter wieder zur Religiositöt zurückgekommen, bei meiner Nutter war das ebenso.

Der junge Pfarrer besucht die Mutter, läßt für sie extra die Kirchenglocken läuten, Weihnachten naht allmählich, Melitta Breznik ist es jedoch gelungen, eine Pflegehelferin zur Unterstüzung zu engagieren. Sie geht in ihre Kindheit zurück, denkt an den trinkenden Vater von dem sich die Mutter scheiden ließ, einen Selbstmordversuch gab es auch und als Melitta Breznik noch zu Schule ging, hat die Mutter sie zur Abtreibung gezwungen.

Jetzt wäre das Kind schon erwachsen, Melitta Breznik hat keine Kinder, ihr Bruder, der sie bei der Pflege unterstützt, glaube ich, schon, die Haushaltshilfe kommt und verabschiedet sich von der Mutter und einer der letzten Sätze laute „Aufgewacht um halb vier am 1. Dezember – Mutter ist fortgereist für immer.“

Ein sehr eindrückliches Buch, das helfen kann mit den eigenen Schmerzerfahrungen fertig zu werden, aber auch anderen sich mit dem Tod auseinanderzusetzen, ob es der Mutter wirklich recht wäre, daß andere Leute über ihre Intimitäten lesen, darüber läßt sich diskutieren und auch über die Frage, wieviel man bei solchen Bücher verfremden muß und ob das, was dann herausskommt, noch authentisch sein kann.

Auch darüber, ob es ein Roman ist, wie es natürlich bezeichnet wird, „Chronik deines Abschiedes“ der Untertitel passt natürlich besser. Ich würde es wieder als Memoir bezeichnen und auf der Orf oder Ö1- Bestenliste ist es im Frühjahr, glaube ich, auch gestanden. Auf die Shortlist des Öst ist nicht gekommen und jetzt geht es wieder zurück nach Deutschland, aber da, glaube ich, auch um das Abschiednehmen, bevor es mit der Öst weiter geht, wo der Preis ja am neunten November, meinem siebenundsechzigsten Geburtstag, verliehen wird.

2020-01-24

Die Wunderkammer der deutschen Sprache

Filed under: Bücher — jancak @ 00:01
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Jetzt kommt ein weiteres Schmankerl beziehungsweise ein Buch, das wegen seiner Ausstattung und Inhalt auch zu den schönsten Büchern gezählt werden könnte, die ja jetzt wieder in der Hauptbücherei ausgestellt sind, ein Buch über die deutsche Sprache in allen ihren Facetten, schön bebildert und illustriert, „gefüllt mit Wortschönheiten, Kuriositäten, Alltagspoesie und Episoden der Sprachgeschichte“, wie noch am Cover steht, herausgegeben von Thomas Böhm und Carsten Pfeifer und ein paar Bücher, die so ähnlich sind, habe ich ja schon vor längerer Zeit, als es den Blog der Christiane Zintzen noch gegeben hat, die jetzt ja zu einem Chris geworden ist, eine Einladung zu einer Veranstalltung ins Bundeskanzleramt bekommen, wo das Buch „Seitenweise- Was das Buch ist“, vorgestellt wurde, das man sich dann mitnehmen konnte.

Das ist nicht ganz so schön bebildert, sondern eher mit Artikeln gefüllt, ich habe es auch noch nicht gelesen, da ich bei den Rezensionsexemplaren aber schneller bin, ein Gang durch die „Wunderkammer“, was ja auch so ein schönes Wort ist und im Vorwort wird auch gleich erklärt, daß in den „Wunderkammern“ früher die Kuriositäten des Lebens, also „Tierpräparate, Muscheln, Narwahlzähne“, etcetera ausgestellt wurden.

In der „Wunderkammer der deutschen Sprache“ gibt es auch einige Kuriositäten und es beginnt sehr interessant, mit den Brüder Grimm und den Märchensätzen, denn hätten Sies gedacht, nicht alle Märchen enden mit „…und wenn sie nicht gestorben sind….“, sondern eigentlich nur sehr wenige.

„Katze und Maus in der Gesellschaft“, endet beispielsweise mit „…siehst du so gehts in der Welt“ und „Hänsel und Gretel „…mein Märchen ist aus, dort läuft eine Maus, wer sie fängt, darf sich eine große große Pelzkappe daruas machen.“

Es gibt den Nachtjargon“, also das was die Dirnen,  die Zuhälter und die Türsteher vor den Lokalen so sprechen, da ist das oder der „Hachel“ ein „Messer“ und die „Bügelschwalbe“ eine „Amateurprostituierte“.

Schriftsteller wie Karen Duve, Sibylle Lewitscharoff, etcetera, wurden nach ihren Lieblingsworten gefragt und Karen Duve hat den Stab, der an der Supermarkasse liegt einfach „Lunk“ oder „Warenlunk“ genannt und redet nun alle an der Kasse an, ihr doch diesen bitte zu geben.

Die Herkunft der Speisennamen also, wie der „Kaiserschmarrn“ zu einem solchen wurde, wird hinterfragt, beziehungsweise aufgeklärt, wo dann meistens steht, daß das, was da gedeutet wird, meistens erfunden war.

Es gibt das „Schndahüpfln“: „Mir samma, samma mir! Was kost na die Welt? Hams Gwand volla Taschn und nirgends koa Geld“

Der Unterschied zwischen den „Homonymen“, den „Polysemen“, den „Homographen“ und den „Homophonen“ wird erklärt und dann kommt es zu den „Verdeutschungen“.

Manche Wörter haben sich eingebürgert, wie „Bibliothek“ für die „Bücherei“ oder umgekehrt, manche nicht, so sagt man nicht „Scheidekunst“ zur „Chemie“ und auch nicht „Gesichtskreis“ zum „Horizont“.

Es gibt das erste „Grosswörterbuch der Deutschen Sprache“, das von Johann Christoph Adelung (1732 – 1806) stammt und sehr interessant, weil ich ja erst vor kurzem über das Leben mit einem Dreijährigen gelesen habe, die „50 Wörter, die die Zweijährigen“ wissen müssen. Das wird in einer der „Mutter-Kind-Paß-Untersuchung“ abgegrürft und ein paar solcher Kalauer, wie Jan Dosendorfer sie aufgeschrieben hat und ich mich aus dem Sprachschatz der Anna erinnern kann, gibt es auch zu lesen:

„In meinem Becher sind meine Packterien“, beispielsweise oder „Trägst du die Brille bis du tot bist?“ und da kann ich gleich ein Erlebnis anfügen, das ich mal in der „Sigmund Freud-Uni“ hatte, als da eine ältere Dame, wahrscheinlich eine Psychoanalytikerin, sich sehr bei ihrer Freundin darüber mokierte, als ihre Enkelin oder Enkel sie fragte „Wann sie sterben wird?“

Sie war sichtlich empört darüber und hat das mindestens eine halbe Stunde sprachlich und lachend zu bewältigen versucht. Ich habe mir gedacht, daß,ich, der Lia, füge ich heute hinzu, ganz ungerührt: „Das weiß ich nicht, aber wahrscheinlich in zwanzig Jahren!“, antworten würde.

Nach der „Nachsprache“, gibt es die „Sprache der Burschen“ , die ihren Barbier „Balbuz“ und einen „Studenten, welcher sich in einen Zweikampf einlässt, ohne etwas von der Fechtkunst zu verstehen: „Naturalist“ nannten. Man sieht diese Sammlung ist schon älter, aber vielleicht wird manches noch von unseren Burschenschaftlern gebraucht.

Wie man den „Churfürsten“ und den „Kaiser“ anzureden hat, wird auch erwähnt und dann gibts interessant, das Kapitel, das, sich „Dichter beschimpfen Dichter nennt“ und da erwähne ich nur ein besonders schönes und auch sicher aktuelles Beispiel, hat doch „Du bist doch das Lieblingsbuberl des deutschen Feuilletons. Deine Literatur ist doch nur mit dem Kopf ausgedacht, und zwar mit einem Limonadenkopf“, Herbert Achternbusch zu oder über Peter Handke gesagt und da kann ich an das Literaturcafe erinnern, wo vor kurzem Peter Handke ja als „Einschlafhilfe“ bezeichnet wurde.

Die schwarze Kunst, die Buchdruckkunst“ gibt es auch. Also wer wissen will was „Flattersatz“, ein „Bengel“, ein Furz, ein Schusterjunge“ ist?, bitte auf den Seiten 78 -80 nachlesen.

Das „Vater unser“ wird in seinen verschiedenen historischen Formen von Martin Luther bis ins Altdeutsche dargestellt und die „Worte- beziehungsweise die „Unworte des Jahres“ gibt es auch.

Das hier ist, wie man sicher merken konnte, ein deutsches Buch, in Österreich werden diese Worte jetzt aber auch gezählt und da war 2018 „Schweigekanzler“ das „Wort des Jahres“ und „Datenschutzgrundverordnung“ wurde zum „Unwort“ gewählt.

Es gibt den „Fontane-Code“, denn der hat offenbar in seinem Schreiben sehr lange Worte, wie beispielsweise „Bekleidungszustände“, Erzieherinnenlaufbahn“ oder „Gespensterbedürfnis“ gebraucht.

Dann wird „Luther auf Maul geschaut“ und untersucht, welche Worte er gern verwendete. Die Vogelnamen, die es so gibt, werden aufgezählt und das „Jägerlatein“ bzw. die „Waidmannsprache“.

Georg Klein zitiert „zehn zauberhafte Umstandswörtlein“, wie „vielerorts“ und „offenkundig“.

Kurt Tucholsky ist ein Artikel gewidmet, den er unter dem Pseudonym Peter Panther „Man sollte mal…“ herausgegeben hat. Und im deutsch-österreichischen, beziehungsweise deutsch-schweizerischen Küchenlexikon wird erklärt, daß abbrennen – flambieren, beziehungsweise Pfümi- Plaumenschnaps heißt.

„Verdrehte Weisheiten“, wie „Ein leichter Schlag auf den Hinterkopf ist kein Ponyhof“ oder „Ist die Katze aus dem Haus haben die Krümel“ zu schweigen, gibt es auch und dann die „Scheinanglizismen“, aber da habe ich schon gewußt, daß man im englischen Raum, das Wort „Handy“ nicht kennt, weil das nur „denglisch“ ist.

Der Koran kann man erfahren, wurde schon von Friedrich Rückert und noch anderen ins Deutsche übersetzt und einen Blick in den Wortschatz der DDR gibt es auch, die haben versucht die Anglizismen zu vermeiden und daher „Kaskadeur“ zum „Stuntman“ gesagt, bzw „Arbeiterschließfach“ zum Plattenbau und Walter Ulbricht „Spitzbart“ genannt.

Die Höhen der „Bußgelder für Zungensünder im Straßenverkehr“ werden angeführt, so mußte man beispielsweise bis 4000 Euro für das „Zeigen des Stinkefingers“ zahlen.

Dann gehts zur schwäbischen Mundart und wir erfahren, daß da die Verwandtschaft „Bagasch“ genannt wird und man „Bledda Sogga!“, schimpft. Was da wohl an Bußgeld zu zahlen ist?

Franz Hohler mag die Worte „gehen“, „Postauto“ und „Jässli“ was ein Kartenspiel ist und Felizitas Hoppe hat gleich eine ganze Menge von Lieblingsworten angegeben.

Dann kommen wir zum großen Goethe, der hier natürlich nicht fehlen kann, betrachten zuerst einmal ein wenig seinen Wortschatz und dann höchst aktuell angesichts dieser „Oma-Umweltsau-Debatte“, ein Gedicht, das der Herr Geheimrat geschrieben hat als er sich über seine Kritiker ärgerte:

„Und kaum ist mir der Kerl so satt

Tut ihn der Teufel zum Nachbar führen,

über mein Essen zu räsonnieren:

„Die Supp hätt können gewürzter sein,

Der Braten brauner, firner der Wein.“

Der Tausendsackerment“

Schlagt ihn tot, den Hund“

Es ist ein Rezensent!“

So soll man nicht, ironisch oder nicht, kommentieren, damals und heute nicht, füge ich hinzu und gehe auf die nächste Seite, um zu lesen:

„Goethe ist im Grund nichts anderes als der Heilpraktiker der Deutschen, der erste deutsche Geisteshomöopath. Das ganze deutsche Volk fühlt sich gesund. Aber Goethe ist ein Scharlatan, wie die Heilpraktiker Scharlatane sind, und die Goethesche Dichtung und Philosophie ist die größte Schalatanierie der Deutschen.“

Wer hat das geschrieben? Machen wir ein Rätsel daraus, die ja in dem Buch   auch noch vorkommen. Auf Seite 191 steht die Antwort, ganz unten rechts, füge ich hinzu und ziehe weiter durch das Buch, komme zu den „Anagramen“ und den „Palindromen“, den „Rätseln“, wie schon erwähnt und vielleicht auch ganz spannend, kommen wir zu den hundert Ausdrücken, wie man das männliche Glied noch benennen kann. Das ist im Buch in eine schöne Graphik gebunden, die man sich unbedingt ansehen soll und dann kommen wir schon zur „Schundliteratur“ oder zum Heftchen-, Kriminal- oder Geisterroman, die wie man sieht, gar nicht so triviale Titel haben.

Die Zitate über die deutsche Sprache sind auch sehr interessant:

„Ich beherrsche die deutsche Sprache, aber sie gehorcht nicht immer.“, hat Alfred Polgar beispielsweise gesagt  und Friedrich Torberg meinte „Deutsch ist die gemeinsame Sprache, die Deutsche und Österreicher trennt.“

„Wir Deutschen haben die Welt beherrscht, fremde Völker, die Nordsee und die Natur – den Konjunktiv nie.“ unkt Dieter Hildebrandt scharf, während der gute alte Fontane viel sanfter ist und „Mit gutem Deutsch und schlechten Französisch kommt man überall durch.“

Daß man heute dazu wohl Englisch beziehungsweise Denglisch braucht, steht vorher schon geschrieben.

Und was Heinrich Heine über Deutschland gedacht und geschrieben hat „Denkt man an Deutschland in der Nacht…“ ist auch sehr interessant.

Dann wird es wieder modern und wir kommen in die Neuzeit und zu der leichten und einfachen Sprache um die man sich jetzt ja sehr bemüht, um Menschen mit Lernschwierigkeiten oder denen die noch nicht so gut Deutsch oder nicht sinnerfassend lesen können, das Verstehen von Texten zu erleichtern.

Der Einfluß der Zensur wird am Beispiel eines Briefes von Bruno Vogel „Es lebe der Krieg“, weitere Hinweise auf Seite 229 erwähnt.

Und dann kommen oder bleiben wir bei oder „Über Bücher, Literatur, Kritik und den Buchmarkt“

„Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns“, hat Kafka ja einmal gesagt, ein Zitat, das in den Bücherblogs oft zu finden ist und dem ich eigentlich nicht so ganz zustimme und wenn wir wieder zu Goethe schielen:

Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu sein, nicht damit man daraus lerne, sondern damit man wisse, dass der Verfasser etwas gewusst hat.“

Goethe wird wohl auch das scharfe „ß“ verwendet haben, wie wahrscheinlich Franz Kafka und ich natürlich und, um nochmal Theodor Fontane zu zitieren, ein Zitat, das mir diesmal gefällt:

„Bücher haben Ehrgefühl. Wenn man sie verleiht, kommen sie nicht mehr zurück.“

Wie wahr, deshalb verleihe ich auch nicht und borge mir nicht aus, obwohl ich, ganz ehrlich, ein paar Bücher in meinen Regalen stehen habe, die ich nicht zurückgegeben habe, aber das ist lange her und sicher schon verjährt, ich würde sie auch nicht mehr finden.

Und schon sind wir, was auch sehr interessant, sowie berührend ist, bei den „Letzten Worten“ angekommen:

„Herr Pfarrer, in wenigen Minuten werde ich mehr wissen als Sie“, hat der Jesuit und Widerstandskämpfer Alfred Delp vor seiner Hinrichtung am 2. Februar 1945 gesagt und Dietrich Bonhoeffer, am 9. April 1945 „Das ist das Ende. Für mich der Beginn des Lebens.“

Und um von den Hinrichtungen und dem zweiten Weltkrieg wegzukommen „Jetzt ist es an der Zeit, ein wenig über Gott nachzudenken“, E. T. A. Hoffmann, 1822 und Johannes Brahms hat sich wohl auch Sekt servieren lassen, wie der Maler Moritz von Schwind, der eine hat geschiwegen und die Augen geschlossen, der andere „O, das schmeckt gut. Danke!“, gesagt und Heinrich Heine hat wohl ein gutes Französisch gehabt, als er sagte „Dieu me pardonnera, c` est son metier.“, das war am 17. Februar 1856.

Ich bin durch das Buch gekommen, habe fast zweitausend Worte dazu gebraucht und vieles weggelassen, das man sich unbedingt ansehen soll, denn es ist sehr interessanter, lehrreicher und spannender Durchgang durch die deutsche Sprachen in wahrscheinlich allen ihren Formen und Facetten, das ich jetzt schnell, wie es meiner Art entspricht, überflogen habe. Manches habe ich überlesen,  manches genauer angeschaut und es ist auch ein Buch, das man öfter benützen sollte, das  zum Weiterlesen und  Weiterbeschäftigen anregt.

Und spannend auch, daß der Verlag, in dem es erschienen ist, sich „Das kulturelle Gedächtnis“, nennt.

2020-01-06

Zum Bloggerdebutpreis 2019

Filed under: Buchpreisbloggen,Literaturpreise — jancak @ 09:57
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Und hier kommt sie, meine Begründung für das Bloggerdebut von 2019, womit ich mich in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr auseinandergesetzt habe, denn da habe ich ja  drei Bücher der von Janine Hasse, Bozena Anna Badura und Sarah Jäger ausgesuchten Shortlist gelesen und mir ein bißchen den Kopf darüber zerbrochen, wie ich das mit meiner Punktvergabe halten soll?

Katharina Mevissen „Ich kann dich hören“ habe ich ja schon im Februar gelesen und Angela Lehners „Vater unser“ im Oktober im Rahmen meines deutschen Buchpreisbloggens, ist sie da ja auf der Longlist gestanden und dann noch auf der des österreichischen Debutpreis, den sie dann auch gewonnen hat.

Von der Longlist, die ja aus achtzig Titel bestanden hat, habe ich zwanzig Bücher, also ein Viertel gelesen und hatte, als die Shortlist im November bekanntgegeben wurde, schon meine Vorstellung, was ich gerne darauf hätte.

Ein Buch hat es davon geschafft, zwei hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon gelesen und die drei anderen waren mir bis dahin eher unbekannt, obwohl ich Martin Peichls „Wie man Dinge repariert“ zusammen mit Malte Borsdorf „Flut“ schon auf dem Badezimmerstapel liegen hatte, weil sie ja mit Angela Lehner auch auf der „Alpha-Shortlist“ gestanden sind.

Jetzt habe ich alle Shortlistbücher gelesen und habe auch meine Entscheidung getroffen, die mir diesmal leichter gefallen ist, weil ich nicht wie im Vor- und im Vorvorjahr ein Buch hatte, dem ich gerne auch noch einen Punkt gegeben hätte, was ich aber nicht drufte.

Diesmal habe ich die Punktereihung im Kopf hätte aber, was ich hiermit tun möchte, gerne eine andere gegeben, da mir von den zwanzig gelesenen Büchern

Anna Lehners „Vater unser“

Raphaela Edelbauers „Das flüssige Land“ und

Marco Dinic „Die Guten Tage“ am besten gefallen haben und ich darunter

Emaneul Maess „Gelenke des Lichts“ und

Karin Köhler „Miroloi“ gereiht hätte.

Geht aber nicht, also voila, hier meine Bewertung:

Fünf Punkte für Angela Lehner, weil „Vater unser“, das ja in diesem Herbst schon viele Preise gewonnen hat, ein sehr ungewöhnliches erfrischendes Buch mit einem sehr ungewöhnlichen rotzigen Tonfall ist, das mir wirklich gut gefallen hat und ich das OWS, in das man wahrscheinlich, wenn man angeblich einen Kindergarten überfallen hat, nicht aus Bayern oder Kärnten  eingeliefert wird, noch einmal ein bißchen anders kennenlernen konnte.

Drei Punkte für Nadines Schneiders „Drei Kilomekter“, weil mich diese  leise Erzählung, auch wenn sie manchmal ein paar zu geläufige Metaphern hat, sehr beeindrucken konnte und ich mir ein  klares Bild von dem Rumänien im Sommer 1989 und dem was damals dort geschehen ist, von einer damals noch nicht Geborenen geschildert, machen konnte und schließlich

einen Punkt für Martin Peichls Statusmeldungen und Kurzepisoden mit denen er in einem sehr biergeschwängerten Ton ohnen großen Plot und Handlung, aber mit einer sehr schönen Sprache von der ich mir sehr viele Sätze und Wendungen angestrichen habe, vom Leben und Leiden eines Dreißigjährigen zwischen Schreiben, Kindheit und eben diesem Bier erzählt.

Jetzt kann ich meinen Lesern nur empfehlen möglichst viele der Debuts zu lesen, um sich ein eigenes Bild von den Büchern zu machen.

Und nun zur Entscheidung der dreizehnköpfigen Jury, genauer auf der Debutpreisseite nachzulesen, gewonnen hat also, was mich sehr freut Nadine Schneider mit ihren „Drei Kilometern“, die auch auf der Schätzstelle hochvertreten war, dann als zweitgereihte Angela Lehners „Vater unser“, die sich sicher etwas ärgern wird, aber im letzten Jahr schon sehr gewonnen hat und wenns so bleibt, wie es war, auch zur Preisverleihung eingeladen werden wird, danach was mich etwas überrascht, Katharina Mevissen mit „Ich kann dich hören“, weil mich das Buch Anfang des Jahres ja nicht so beeindruckt hat. Marttin Peichl, dessen Debut mir ja auch sehr gefallen hat, folgt und last not least Ana Marwans „Weberknecht“, der vom Verlag ja als das beste Debut des Jahres beworben wurde.

Die Entscheidungen der anderen Blogger gibt es auf ihren Seiten und ich würde nun noch gerne das Buch von Hannic Jan Federer finden oder geschenkt bekommen, das ich ja gerne auf der Shortlist gehabt hätte und Malte Borsdorf „Flut“ muß ich auch noch lesen.

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