Literaturgefluester

2009-12-09

Vaterspiel und Schreibreflexion

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:25

Mit der Anna und einer ihrer Freundinnen war ich am Feiertag in Michael Glawoggers Verfilmung von Josef Haslingers „Vaterspiel“, das ja am 26. November Premiere hatte. Ich habe das Buch im Jahr 2000 gelesen, der Alfred hat es mir bei einer Lesung im Thalia gekauft, es hat eine Widmung „Mit besten Wünschen für die weitere Arbeit“, ich glaube, Alfred hat Josef Haslinger die „Wiener Verhältnisse“ gegeben, mein erstes Digitalbuch, das gerade fertig war.
Gelesen habe ich das Buch während meiner Fahrten ins SMZ-Ost zur Supervision, da war gleichzeitig die US-Wahl, wo es mit der Auszählung Schwierigkeiten gegeben hat und plötzlich der Falsche gewonnen hat. Sonst habe ich ziemlich viel vergessen, den Film auf jeden Fall surrealer empfunden, die Anna hat gemeint, es hat sehr viel gefehlt, was man in einer Verfilmung eines so dicken Buches auch nicht gut darstellen kann. Mir sind die Vater Sohn Konfliktstellen blasser vorgekommen und habe eigentlich nicht verstanden, warum der Sohn den Vater so haßt, weil er Minister und ein Arschloch ist? Wahrscheinlich hassen alle Söhne ihre Väter und das hat dann nichts mehr mit der NS Vergangenheit zu tun und ist auch traurig.
Josef Haslinger ist ein realistischer Schreiber und da hatte ich bei den Rezensionen, die ich damals gelesen habe, öfter das Gefühl, daß das nicht anerkannt wird und noch eine Erinnerung habe ich, daß mir beim Lesen aufgefallen ist, daß es mit einer Perspektive irgendwie nicht gestimmt hat, mehr kann ich nicht sagen, dazu müßte ich das Buch wiederlesen, aber dazu fehlt einer die Zeit, weil selber schreiben will und das habe ich in den letzten Tagen auch intensiv getan.
Eigentlich bin ich derzeit in der Korrigierphase, die bei mir einen sehr wichtigen Stellenwert einnimmt. Mit der „Sophie Hungers“ bin ich am Sonntag fertiggeworden, die liegt jetzt auf Alfreds Schreibtisch und wartet, daß er wiederkommt und dann gibts noch die kleine Zwischenarbeit, weil mich die Susanne Schneider eingeladen hat, beim Katzenfasching des Lesetheaters mitzumachen.
Die wollen zwar nicht so gern eigene Texte, ich habe mich aber einmal entschlossen, weil ich ja berufstätig bin, keine fremden Texte zu lesen. Außerdem habe ich auch keine Schauspielausbildung. Da reicht es zu Lesungen zu gehen und zuzuhören. Also einen Text dafür schreiben. Das mache ich jetzt ohnehin nur selten, seit ich mich kaum mehr an Ausschreibungen beteilige. Die Idee, da ich keine besondere Katzenliebhaberin bin, etwas Satirisches zu machen, ist mir bald gekommen, dann kam noch der Uni Streik und so habe ich am Montag, statt wie geplant, bei dem KriSu-Literatur-Aktionstag aus der „Sophie Hungers“ zu lesen „Die Schmerzansichten der Kätzin Murana“ geschrieben. Das würde für eine Uni-Protestlesung auch gut passen. Jetzt ist der Text fertig und ich kann mit dem Korrigieren meines Nanowrimo-Novels weitermachen.
Wenn schon ein kleiner Jahresrückblick erlaubt ist, ich war 2009 literarisch enorm fleißig.
Ist da in den ersten zwei Monaten ja „Das Haus“ entstanden, dann die „Sophie Hungers“ und gleich anschließend, die Rohfassung der gar nicht so kurzen Novelle über achtzig Seiten, also wahrscheinlich doch ein Roman.
Pläne für das Jahr 2010 habe ich dagegen nicht. Da ist noch alles offen und ich denke auch, daß es eine gute Idee ist, ein Monat wirklich nur auf Spurensuche zu gehen und mir etwas ganz anderes, noch nie Geschriebenes vorzunehmen, um mich auf diese Art und Weise weiterzuentwickeln.
Anni Bürkl stellte auf ihren Blog wieder einmal die Frage, soll man nur das schreiben, was man will oder sich dem Markt anpassen?
Das habe ich ja nie getan, deshalb vielleicht auch meine Erfolglosigkeit. Aber das Hinaussehen über den Tellerrand wäre schon eine gute Idee. Denn durch das Blogschreiben bin ich sehr selbstbewußt geworden und habe viel gelernt. Mal sehen, noch bin ich nicht so weit, denn noch befindet sich die „Heimsuchung“ in einem ziemlichen Rohzustand.
Ansonsten habe ich am Dienstag ein bißchen herumgegooglet, zum Beispiel über die Ohrenschmaus-Berichterstattung, die ja sehr ausführlich ist, da gibt es eigene Blogs, die darüber schreiben und ich bin auch auf eine Autorin namens Michaela König, eine zweiunddreißigjährige mit Down-Syndrom gestoßen, die literarisch sehr aktiv ist.
Otto Lambauer hat mir schon über sie erzählt, ich habe sie bei der Preisverleihung kennengelernt und sie hat in Ottos Zelt bei „Rund um die Burg“ gelesen. Sie hat schon einige Bücher und publiziert in der Zeitschrift „Ohrenkuß“, schreibt über ihr Alltagsleben, das Essen, das Abnehmen, setzt sich aber auch mit ihrer Behinderung auseinander, beziehungsweise wünscht sie sich mehr Normalität, weil ein Chromosom mehr oder weniger nicht so wichtig ist, wie man meinen könnte. Eine Rezension über „Traust du mir das zu“ habe ich gelesen und die ist interessant, da wird zuerst von dem Down-Syndrom berichtet und dann steht, daß die Autorin eine sehr einfache kindliche Sprache hat und das Buch daher nicht literarisch ist. Da habe ich mir gedacht, manche Rezensenten lernen auch nichts dazu.

2020-02-10

Josef Haslingers Fall

Der 1955 in Zwettl geborenene Josef Haslinger, der Mitbegründer des „Wespennestes“ und zu der zeit als ich in die GAV aufgenommen wurde, dort Generalsekretär war, den ich also öfter meine Manuskripte geschickt habe, der den „Opernball“, das „Vaterspiel“   und „Jachymov“ geschrieben hat, seit  1996 Professor am Literaturinstitut Leipzig ist und 2006 auch über den Tsunami  in „Phi Phi Island“ geschrieben hat, hat jetzt in einer Art Dokumentarbericht seine Mißbrauchserfahrungen, die er im Zisterzienserkonvikt Zwettl erlebte, aufgearbeitet und, ich glaube, schon bei den „Friedtagen im November“ darüber berichtete, aber da war auch die „Poet-Night“, wo ich mich mit einigen Leuten verabredet habe, so daß ich gerade vorher weggegangen bin und daher froh darüber war, daß Josef Haslinger heute in der „Alten Schmiede“ sein Buch „Mein Fall“ vorstellte und daher gerne die „Wilden Worten“ zu denen ich wahrscheinlich sonst gegangen wäre, ausließ und die „Alte Schmiede“ sehr sehr voll.

Als ich sie zwanzig Minute vorher mit dem Alfred erreichte, war der untere Saal schon voll und man konnte nur mehr das ganze über die Videoleinwand im „Schmiedesaal“, was ich ja nicht so gerne mag und mir einmal schon im ungekehrten Fall passierte, verfolgen.

Katja Gasser moderierte, leitete kurz ein,  dann las Josef Haslinger aus dem Buch in dem er offenbar seine persönliche Geschichte, wie er als zehn- zwölf- und dann auch äterer, sehr gläubiger Sängerknabenschüler, der Priester werden wollte, von den Patres mißbraucht wurde, als auch die Aufarbeitung dieser Mißbrauchsfälle, die es seit zehn Jahren durch die sogenannte Klasnic-Kommission gibt, schilderte.

Er hat offenbar auch schon vorher literarisch fiktional über die Geschehnisse beispielsweise im „Konviktskaktus“ geschrieben, die Namen der Täter aber erst nach ihren Tod genannt und hat sehr lange sehr berührende Stellen aus dem Buch gelesen, die natürlich sehr betroffen machen und eine Dame auch die Fragen stellen ließ, wieso er sich nicht wehrte und seinen Eltern davon erzählte?

Damals konnte man das wohl nicht und Josef Haslinger hat auch die sehr autoritären Strukturen in dem Stift geschildert und seine Abhängigkeit beziehungsweise emotionale Zugehörigkeit zu den Tätern, die sehr freundlich zu ihm waren.

Zölibat abschaffen, wären da meine Forderungen und in die Internate gehören auch Frauen, die auf die Geschehnisse achten und vor allem natürlich, die Kinder so selbstbewußt erziehen, daß sie sich das nicht gefallen lassen und sie wehren.

Ein sehr beeindruckendes Buch, ein sehr beeindruckendes Thema mit dem man sich beschäftigen sollte und eine lange Warteschlange vor dem Signiertisch, den Rudi habe ich gesehen, die Astrid Nischkauer, die Frau Schmidt-Dengler, die Helene Hofmann, aber auch sehr viele Leute, die ich nicht kannte und vielleicht zum ersten Mal in der „Alten Schmiede“ waren.

2012-01-23

Jachymov

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:21

„Jachymov“ der biografische Roman von Josef Haslinger über den tschechischen Eishockyspieler Bohumil Modry, der 1950 mit seiner ganzen Mannschaft verhaftet wurde, in das Uranbergwerk in Jachymov verlegt wurde, wo er mit bloßen Händen Uran schürfen mußte, fünf Jahre später amnestiert wurde und neunzehnhundertdreiundsechzig noch nicht einmal siebenundvierzigjährig an Leukämie starb, beginnt ganz anders als erwartet, was aber auch nicht verwunderlich ist, ist der 1955 in Zwettl geborene Autor ja seit 1996 Professor am Literaturinstitut in Leipzig und daher Spezialist im spannenden Romanschreiben und ein Realist ist er auch, war er doch Redaktuer im Wespennest, als ich noch meine Texte hinschickte und Generalsekretär der GAV, als ich dort aufgenommen wurde, hat „Opernball“, „Vaterspiel“ und 1980 als erste Veröffentlichung den Erzählband der „Konviktskaktus.“ geschrieben.
Es beginnt also mit einer phantastischen Geschichte, eine Propellermaschine landet auf der Sandpiste, die Ich-Erzählerin steigt aus „Taxi Mam!“, sagt eine unzuverläßige Gestalt, es kommt zu einer Flucht und zu zwei Männern, die über ihren Vater reden.
Man kennt sich nicht recht aus, hat man doch schon vorher in den Medien, viel über den neuen Haslinger-Roman gehört und ich habe im Sommer davon gefahren, als wir von Polen zurück durch die Tschechei fuhren, schon Ö1 empfangen konnten und das Buch spielt auch dort, beziehungsweise in Jachymov, Karlsbad, Prag, was ich jetzt brauchen kann und natürlich auch in Wien. In einer Verlegerwohnung und bei einem versoffenen Arzt in der Klagbaumgasse, denn der Verleger Anselm Findeisen, der von der DDR 1972 oder 1973 nach Wien kam, hat Morbus Bechterew und Dr. Wachsmann emfiehlt die Kur in Jachymov. Aber das kommt erst später, vorher kommt noch was von Briefen einer Tänzerin und einem Manuskript, bevor Anselm Findeisen, am 26. Oktober in seinen Verlag geht und erst nach und nach draufkommt, weil niemnand kommt, daß ja Nationalfeiertag ist, also beschließt er an Kleinhaugsdorf und den vietnamesischen Verkaufsständen vorbei, nach Jachymov ins Erzgebierge zu fahren, geht ins Grandhotel und trifft dort einen „Struweelpeter“, beziehungsweise, eine ältere Frau, später auch, als die Tänzerin bezeichnet. Damit geht es mir ein bißchen ambivalent, denn das tue ich manchmal auch in meinen Texten, da gibt es ja immer wieder einen „Anzugmann“ und in „Der Frau auf der Bank“ auch eine „Brillenschlange“, aber das wurde mir beim Probelesen in der Schreibfabrik kritisiert und ich dachte sofort schuldbewußt „So darf man nicht schreiben, das ist herablassend!“
Josef Haslinger darf offenbar und es kommt viel später in der Geschichte auch noch die „goldene Adele“ im Cafe Schwarzenberg vor, aber da hat Anselm Findeisen schon das Manuskript in Händen und verliert es erst wieder. Im Grand Hotel trifft er erst eine Frau, die sich ihm als die Tochter jenes Bohumil Modry vorstellt, der fünf Jahre dort interniert war, wo es jetzt die Heilquellen gibt, die Anselm Findeisen Linderung bringen. Das kommt aber auch erst später, denn der Roman geht nicht chronologisch voran. Man gewöhnt sich aber daran und lernt ein bißchen was vom Memoirschreiben oder der literarischen Fiktion.
Es gibt also zwei Handlungsstränge, die erfundene, des kranken Verlegers, der aus der DDR geflüchtet ist und die wirkliche des besten Eishockyspielers der Tschechoslowakei, der auch Architektur oder Bautechnik studierte und eigentlich schon als Torwart ausgestiegen war, als er verhaftet wurde und das wird wahrscheinlich sehr authentisch in dem Manuskript erzählt, daß die Tänzerin auf des Verlegers Aufforderung schließlich schreibt und das in Wahrheit von Josef Haslinger geschrieben wurde, der es von Blanca Modra erzählt bekommen hat, die am Burgtheater Tänzerin und Choreographin war. Und es ist eine sehr spannende Doppelgeschichte in der man ein Stück der tschechischen Vergangenheit erfährt, von der man keine Ahnung hatte, als es noch den eisernen Vorhang gab.
Josef Haslinger scheint sehr genau und gründlich recherchiert zu haben, hat bei den tschechischen Namen die korrekten Apostrophe und hat auch am blauen Sofa in Frankfurt davon erzählt und zwar um zehn Uhr Morgens, so daß ich den live stream versäumte und das Video erst gestern nachhörte, da erfuhr man auch, was ich schon beim Shortcuts Festival von Robert Huez hörte, daß Josef Haslinger vor kurzem einen Literaturpreis gewonnen hat, der aus hundertelf Flaschen Wein besteht und Stadtschreiber von Mainz war er auch. Ich kenne ihn schon lange, seit den frühen Achtzigerjahren, als ich meine Texte noch zum Wespennest schickte, als ich dann in der GAV war, hat er auch die „U-Bahngeschichten“ dort veröffentlicht und in der „ROTWEISSBUCH“-Österreichanthologie gibt es einen Satz aus „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“, ich sehe ihn auch immer, zum Beispiel bei den Literaturhaus Festivals und als der Alfred das „Vaterspiel“ bei einer Lesung kaufte und es signieren ließ, hat er ihm auch die „Wiener Verhältnisse“ gegeben, die damals als mein erstes Digibuch erschienen sind.
Es gibt also Paralellen zwischen mir und dem ebenfalls realistischen Autor, zum Beispiel, daß ich gerade auch über Prag recherchierte und da gestern ein Video gefunden habe, daß er offenbar in seiner Funktion als Mainzer Stadtschreiber drehte, das „Nachtasyl“ heißt und um ein Wiener Lokal geht, in dem die Exiltschechen und auch Vaclav Havel verkehrten.
Wird wahrscheinlich in die „Wiedergeborene“ kommen und von dem dritten Haslinger-Roman nehme ich mir, glaube ich, das genaue Schreiben mit und das Stück Geschichte von dem, was in meiner frühen Kindheit hinter dem eisernen Vorhang passierte, ist natürlich auch sehr interessant, obwohl ich mich fürs Eishockeyspielen ja nicht sehr interessiere.
Und während ich das schrieb, gab es in den Tonspuren eine Sendung über „Die Rezensenten – vom Ende und Unsinn der Literaturkritik“ in der Sigrid Löffler beispielsweise auch über das Internet, wo jeder seine Meinung über Bücher schreiben und öffentlich lesen kann, stöhnte und etwa „Wenn es halbwegs verständlich ist, sollen das diese Leute tun, aber Rezensionen sind das nicht!“, sagte.

2011-01-28

Transformationsfragen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Das Sprachkunstsymposium und die Diskussion, die sie auf diesen Blog auslöste, haben einige Fragen aufgeworfen, mit denen ich mich auseinandersetzen will. Irgendwie geht es ja immer um das schlechte Schreiben oder um die Frage, wieso es nicht gelingt in den Literaturbetrieb hineinzukommen, bzw. als Autor, Autorin wahrgenommen zu werden.
Es gibt sehr viele Leute, die sich schreibend verwirklichen oder auch damit berühmt werden wollen und immer weniger, die lesen. Dafür wahre Bücherberge, wenn man nach Frankfurt, Leipzig oder auch in die Buchhandlung Morawa, bzw. zum Thalia geht, sieht man sie in großen Stößen liegen und ich denke schon, daß es auch am bekannten Namen liegt, daß ein Buch gekauft wird. Das bemerke ich immer bei den blauen Sofa Diskussionen, wenn da Schauspieler oder andere Prominente ihre neuen Bücher präsentieren, die sie wahrscheinlich gar nicht selbst geschrieben haben. Bieten sich inzwischen ja genügend Autoren als Ghostwriter an und dann stoße ich auch immer wieder auf Autoren, die beim Bachmannpreis gelesen haben, ein Buch bei Suhrkamp oder sonst wo hatten und dann irgendwie vergessen werden.
Ludwig Roman Fleischer und Alfred Paul Schmidt, die ich beide diese Woche in der Alte Schmiede hörte, würde ich dazu zählen, aber auch Uwe Bolius, mit dem ich einmal in einer sehr leeren Alten Schmiede las oder Kurt Bracharz mit dem ich 2005 bei der Text und Kritikveranstaltung in Vorarlberg war und der gerade ein Portrait in den Tonspuren hatte.
Dann gibt es natürlich die Großen, die Frau Mayröcker beispielsweise, die den Bremer Literaturpreis aber auch erst gewonnen hat, als sie es nicht mehr schaffte, persönlich zur Preisverleihung zu kommen und die auch, glaube ich, immer ein bißchen im Schatten von Ernst Jandl, aber auch von Elfriede Jelinek stand und die jungen Talente, wie z.B. Dorothee Elmiger, Judith Zander und Verena Rossbacher und da bin ich schon beim Symposium für Sprachkunst, wo bei der Diskussion, um die kreativen Prozesse, die Klage aufkam, daß viele Leute, die sich für ein solches Studium interessieren, ihre Erlebnisse eins zu eins aufs Papier bringen, zuwenig verdichten und verfremden und daher schlecht schreiben würden, weil die guten Texte nicht durch das autobiografische Erleben, sondern am Schreibtisch entstehen. Daran füge ich meine Beobachtung, daß auf der einen Seite, das realistische, narrative Schreiben sehr scheel angesehen wird, obwohl es auf der anderen, das ist, was die Leser wollen. Den verdammt spannenden Roman, den Krimi oder die Fantasygeschichte, aber das gilt nicht für gute Literatur, daher bietet Leipzig ein solches Studium nicht an und über Josef Haslingers Bücher „Opernball“ bzw. „Vaterspiel“, der ja wahrlich ein bekannter Autor ist, habe ich schon Rezensionen gelesen, die mich den Kopf schütteln ließen.
Als ich 2002 und 2003 in der Jury bei den GAV-Neuaufnahmen war, habe ich Kistenweise experimentelle Texte und beispielsweise Ritter oder Fröhliche Wohnzimmer-Bücher zum Beurteilen gehabt und mich gefragt, ob die wohl jemand außer Jurymitglieder liest und als ich bei einem der Feste für Ernst Jandl oder Gerhard Rühm in Mürzzuschlag und Neuberg an der Mürz war, habe ich Literaturkritiker, wie Jörg Drews über die vielen schlechten narrativen Romane schimpfen hören, was mich sehr gewundert hat, weil ich so ja schreiben will.
Ein Widerspruch, der sich nicht auflösen läßt, auch Reinhard Urbach ist bei seiner Einführung zu Alfred Paul Schmidt darauf gestoßen und hat darüber gesprochen, daß man die Wirklichkeit nie direkt in Sprache umformen kann und die Tricks angeführt, wie das Alfred Paul Schmidt gelingt.
„Warum eigentlich?“, habe ich mich gefragt, weil ich mir nicht so sicher bin, daß man das nicht doch kann und es die Autoren auch praktizieren.
Da lese ich ja sehr oft in Romanen von Helden, Protagonisten, Ich-Erzählern, die eine ganze ähnliche Entwicklung, wie der Autor haben. Wilhelm Genazino, wäre da ein Beispiel, das mir einfällt. Der ältere Intellektuelle, der in seinen Büchern seine Schwierigkeiten mit dem Leben, den Frauen und dem Älterwerden schildert und man denkt, wenn man im Lebenslauf des Autors nachsieht, das ist Autobiografie. Fragt man in der Diskussion danach, wird es der Autor verneinen.
Bei der Diskussion um das kreative Schreiben mit Thomas Klupp und Verena Rossbacher am Samstag im Literaturhaus, hat eine Frau gefragt, wie sehr sie entfremden muß, daß man sie in ihren Texten nicht erkennt? Interessanterweise hat ihr Thomas Klupp geantwortet, daß es Beispiele berühmter Bücher gibt, wo die Autoren ganz offen über sich geschrieben haben. In jünger Vergangenheit wäre mir dazu „Rabenliebe“ von Peter Wawerzinek, dem letzten Bachmannpreisträger eingefallen. Thomas Klupp hat aber an „Axolotl Roadkill“ gedacht und um wieder zur Transformation und dem realistischen Schreiben zurückzukommen. Ich schreibe schon siebenunddreißig Jahre realistisch und wenn man sich die „Hierarchien“ hernimmt, den Roman, der 1990, in einem Kleinstverlag erschienen ist, so hat die Heldin Anna sehr viel mit mir zu tun, ist sie doch gerade von der Klinik weggegangen, wo sie als Soziologin sehr unglücklich war, ich habe ein paar Jahre vorher, die HNO Klinik verlassen und bin in die freie Praxis gegangen und die Mitglieder aus Annas Wohngemeinschaft hatten auch ganz reale Vorbilder. Heute würde ich das nicht mehr so schreiben. Im Laufe meiner Schreiberfahrung habe ich gelernt, zu verfremden, weiß, daß das Roman-Ich nicht unbedingt, das Autoren-Ich bedeutet oder wie ich es gern definiere, es ist alles autobiografisch und alles wieder nicht.
Um so weit zu kommen, braucht es aber Zeit. Das ist sicher ein Lernprozeß, bis man gelernt hat, das, was man in der U-Bahn, auf der Straße, im Kaffeehaus oder wo auch immer erlebt, so zu transformieren, das daraus ein literarischer Text entsteht, der in meinem Fall immer realistisch werden wird. Bei meinen früheren Texten haben mich manchmal die Rückmeldungen verwirrt, so habe ich in „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“ über den Prater und eine Ringelspielbesitzerfamilie geschrieben, die erfunden war und von Karin Jahn, damals beim Europa-Verlag erklärt bekommen, wie es mit den Ringelspielbesitzverhältnissen im Prater wirklich ist und, daß ich das, wenn ich realistisch schreiben will, berücksichtigen muß.
Dann schreibe ich vielleicht doch nicht so realistisch, denn natürlich fließt die Phantasie in meine Texten ein, das soll, darf und muß auch so sein und so war ich auch ein wenig von JuSophies Kommentar verblüfft, die meinte, daß es ihr zu fad wäre, etwas so niederzuschreiben, wie man es erzählen könnte.
Das ist vielleicht der Widerspruch, auf den man in der Diskussion, ob man jetzt realistisch oder experimentell schreiben soll, immer wieder stößt.
Den experimentellen Autoren ist die Wirklichkeit zu fad, sie wollen die schönen Sätze am Schreibtisch konstruieren, das narrative Schreiben wird nicht anerkannt, weil es zu einfach ist, obwohl es die Leser spannend haben wollen. Aber da darf es wieder phantasievoll sein, sind ja jetzt gerade Vampirromane in, obwohl die nicht für große Literatur gelten. Sie werden aber gekauft, auch wenn man sie vielleicht nicht öffentlich lesen darf, außer man ist sehr selbstbewußt.
Ich habe ja eine eher tolerante Einstellung, was das Lesen und das Schreiben betrifft, lasse alle lesen, was sie wollen und schreiben, so gut sie es können und würde beides fördern.
Für mich, das bemerke ich immer wieder, muß es außer der schönen Sprache, aber auch die Handlung geben und die sollte nicht zu sehr am Schreibtisch konstruiert sein, wenn es geht.
Die Regeln, habe ich letzte Woche wieder bei dem Symposium gehört, sind dazu da, um gebrochen zu werden. Man muß sie vorher nur beherrschen, mahnen die Sprachkunstlehrer. Daher ermuntere ich zur Transformation in realistische Romane und glaube, daß man das, was man erzählt, sowieso nicht eins zu eins umsetzen wird, wenn man ein bißchen Erfahrung hat.
Daß es, nachdem ja wirklich schon so viel geschrieben wurde, nicht leicht ist, seinen eigenen Stil zu finden, lehrt das Beispiel von Wolf Haas, der erzählt in Interviews immer, daß er einige unbrauchbare Romane geschrieben hat, bis es ihm bei seinen Brenner-Krimis gelungen ist, mit einer künstlichen Sprache, berühmt zu werden.
Es ist nicht leicht, man soll es aber trotzdem versuchen und durch Erleben und Erfahrung besser werden, was in der Reihe „Im Gespräch“ auch Josef Winkler betonte. Er bezog sich allerdings auf das,“wie“ des Schreibens und meinte, daß das „was“ nicht so wichtig sei, was ja nicht nur Richtung Elfenbeinturm geht, sondern auch gefährlich sein kann, zitierte Handke und meinte, daß er den täglich lese und gern, wie er schreiben können würde.
Noch eine Transformation bzw. eine Beobachtung habe ich am Schluß anzumerken, die vielleicht nicht so erfreulich ist und auf die Rezensionsdebatte der Bücherblogs um Weihnachten zurückzuführen sein könnte. Habe ich bei den letzten drei Anfragen, die ich machte, zweimal keine Antwort und eine Absage bekommen, was vor einem halben Jahr nicht so war.
Schade denke ich, obwohl ich ja an keinen Büchermangel leide und genug aufzulesen habe, was ich auch will, schade nur, wenn das Schreiben und das Sprechen, die Situation verändert, es kann aber auch Zufall sein.

2009-11-28

laut lauter lyrik

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:27

Erich Fried Tage 2009, die Veranstaltung der internationalen Erich Fried Gesellschaft im Wiener Literaturhaus mit einem viertägigen Literaturfest, das den unerschöpflichen Ausdruck von Lyrik in allen ihren Seiten und Facetten beleuchtete, aber eigentlich hat es schon mit der Ausstellung „Alles Liebe und Schöne, Freiheit und Glück“ – Briefe von und an Erich Fried begonnen.
Die Buchpräsentation am Mittwoch habe ich versäumt, weil ich im Nanowrimo Fieber alles nicht unbedingt Nötige ausgeblendet habe und Donnerstags war ich in der alten Schmiede, um ein eigenes Stück Literaturgeschichte zu erleben und daher die Performance von Saul Williams versäumt.
Es hat für mich also erst gestern Nachmittag mit dem Thema „Die Freiheit dern Mund aufzumachen – wenn Lyrik eine Botschaft hat“, bzw., der sehr beeindruckenden Performance von Yuri Lane aus Chicago begonnen.
Das ist ein Schauspieler und Wortkünstler mit Hut, der einen Ausschnitt aus seinem Hip-Hop-Musical „Von Tel Aviv to Ramallah“ zeigte, das was wirklich sehr beeindruckend war. So etwas habe ich noch nie gesehen. Da ist einer herumgehüpft und hat seinen Körper als Maschinengewehr, Hubschrauber etc. benützt.
Dann gabs eine Diskussion zu dem bewußten Thema, bzw. eine Pause, weil erst die Technik adaptiert werden mußte, mit Saft und Wasser und einer Automatenliteraturaktion, wo man sich in einem dieser Fotoautomaten fotografieren lassen konnte und Thomas Ballhausen, Jörg Zemmler, Sophie Reyer, bzw. Judith Pfeiffer saßen im Hintergrund vor einem Computer und schrieben eine Textzeile auf die Rückseite des Fotos und der, der im Automaten saß, sollte „Los!“ schreien, bzw. sich auf die Nase greifen, wenn er fotografierbereit war und da die Rückmeldung fehlte, habe ich mein Foto erst heute mit einem starren Gesichtsausdruck und dem Satz „Was in meinem Kopf ist weiß nur er selbst“, von wahrscheinlich Jörg Zemmler, den ich nicht kenne, gefunden.
Lyrik also in allen ihren Formen, das berühmte Fried Bild von der Heide Heide auf der Literaturhauswand fehlte, Robert Huez sagte mir, es wurde heute in der Bibliothek aufgehängt, aber das Plenum eins unter der Moderation von Klaus Amann mit Esther Dischereit, der heurigen Preisträgerin, Robert Schindel, Nora Iuga aus Rumänien, Visar Zhiti aus Albanien und Barbara Hindegger war sehr interessant.
Zwei Nachkommen von Holocaust-Betroffenen, die ihr Leben im Versteck und Untergrund begannen und zwei Autoren, die aus Ländern kommen, in denen lang die Freiheit verboten war.
Nora Iuga las trotzdem ein in der Rumänischen Diktatur erschienenes, sehr offenes Gedicht vor, während Visar Zhiti, der von Andrea Grill übersetzt wurde, wegen eines solchen Gedichtes jahrelang im Gefängnis war.
Wie Barbara Hundegger dazu passte, habe ich nicht ganz verstanden, sie ist aber eine bekannte österreichische Avantgarde Dichterin.
Das Plenum II beschäftigte sich mit den verschiedenen Spielarten der Poesie. Geleitet hats der Josef Haslinger, der Yuri Lane nach Wien gebracht hat, es gab dann noch einen berühmten deutschen Poetry Slammer, der auch diese Text Box erfunden hat, bzw. dort mitarbeitet, mir im Vergleich zu Yuri Lane und Markus Köhle, den Slammer, den ich kenne, als eher leise erschienen ist, Michaela Falkner mit ihren Manifesten, die sich bei ihren Performances auf den Boden legt und einige Tage liegen bleibt, war auch dabei und Ann Cotton, die Priessnitz-Preisträgerin, die sich damals in eine Kiste setzen wollte und einen Band bei Suhrkamp hat.
Unterschiedliche Lyrikformen, die mit Erich Fried nicht viel zu tun haben, mehr mit Ernst Jandl und von dem gab es einen Film, wo er in der Royal Albert Hall aufgetreten ist.
Danach gab es, glaube ich, endlich was zu essen und die Poetinnennacht mit Lyrik aus Österreich, nämlich Gedichte von Elfriede Czurda, Maja Haderlap, Sonja Harter, Friederike Mayröcker, Judith Pfeifer und Angelika Reitzer und das war sehr interessant und spannend.
Bei der Präsentation von Friederike Mayröckers neuem Gedichtband war ich schon mit dem Alfred in der alten Schmiede, in Sonja Harter und Judith Pfeifer habe ich aber zwei sehr junge neue Stimmen erkannt, wobei ich Judith Pfeifer wirklich kennenlernte, von Sonja Harter habe ich schon einiges in den Manuskripten gefunden, bzw. hat Andrea Stift einen Link zu ihrem Blog und auch interessant, das Gedicht „feuertod, ins Wasser“ bezieht sich auf den Briefwechsel Bachmann-Celan, den ich gerade lese und da ich bis zur Besprechung noch etwas brauche, ist das ein Tip für den Otto und auch andere, inzwischen dieses Gedicht zu lesen.
Enthalten ist es in dem Gedichtband „laut lauter lyrik“, herausgegeben von Robert Huez und Anne Zauner, der zu dem Symposium bei Skarabaeus erschienen ist.
Zwei sehr interessante junge Frauenstimmen also, dann gabs nach einer Pause, die „Rotten Klinck Show“ mit Ann Cotten, Monika Rinck und Sabine Scho mit der ich nicht viel anfangen konnte, da mir hier die Poetik fehlte.
Drei jüngere Frauen streuten nach dem Motto „Gewalt an Dinge“ Zucker, steckten Brötchen in eine Mikrowelle und warfen sie ins Publikum, wobei sie theoretische Texte verlasen und ein drogensüchtiges Pferd tanzen ließen, was mir sehr improvisiert erschien.
Heute gings mit poetischen Kurzfilmen aus Österreich und anderswo weiter, die mir sehr interessant erschienen, darunter einen nach Celan-Gedichten, was wieder zum Briefwechsel passt. Dann gabs den Kuchen früher und vor dem Plenum drei, wo es um die Vermarktung von Gedichten ging, las Oswald Egger sehr beeindruckende Gedichte.
Nach einer weiteren Pause wurde es im Literaturhaus sehr voll, denn dann kamen „Attwenger goes Goas“ und unterhielten die Gäste mit oberösterreichischen Dialekt, Gesang und Zieharmonika.
Small talk heute und gestern, gelegentliche Gefühle von Isolation und Einsamkeit, aber mit der sehr kommunikativen rumänischen Autorin habe ich mich lang unterhalten, Josef Haslinger von meinem Blog erzählt und von ihm erfahren, daß er am Donnerstag nur deshalb nicht in der alten Schmiede war, weil die Filmpremiere seines „Vaterspiels“ stattgefunden hat und morgen geht es weiter mit der Verleihung des Preises an die Berlinerin Esther Dischereit und ich habe in Bezug auf Lyrik wirklich viel gelernt.

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