Literaturgefluester

2016-11-18

Ymir

Buch drei  der Shortlist des „Debut-Bloggerpreises“ und wieder ein sehr interessantes Buch, das schon große Diskussionen auslöste und es auch auf die „Liste für die schönsten Bücher“ schaffen könnte, nämlich Ymir“ des 1988 in Amberg geborenen Philip Krömers, der 2015 den „Open Mike“ gewonnen hat und Lektor sowie Verleger des mir bisher unbekannten „Homunkulus-Verlags“, in dem das Buch auch erschienen ist, was noch bevor ich es gelesen habe, bei den zwanzig beurteilenden Bloggern große Diskussionen auslöste, denn Eigenverlag, ist ja bei diesem Preis, wie auch bei vielen anderen von vornherein ausgeschlossen und ist es nun ein Eigenverlag, wenn ich in einem anerkeannten Verlag mitarbeite, den vielleicht auch selbstbegründet habe, um eine Chance für meine Bücher zu haben, weil „Fischer“ , „Hanser“, etcera mich noch nicht nehmen und ist es nur „böse“ und „pfui“, wenn ich meine ChickLits, Fantasy oder Krimis, bei „Amazon“ hochlade?

Die großen Verleger, die ebenfalls schreiben, wie Michael Krüger, Jochen Jung, erscheinen selbstverständlich in anderen größeren Verlagen und keiner regt sich auf und die unbekannteren Autoren, haben oft, wie beispielsweise Ruth Aspöck, einen Verlag gegründet, um erscheinen zu können, der Rudi schreibt inzwischen einen Verlagsnamen auf seine „Willi-Bücher“ oder ist inzwischen überhaupt wieder zu „Resistenz“ zurckgewandert, ich mache meine Bücher selbst, lasse sie fünfzig Mal ohne ISBN Nummer drucken und ärgere mich immer noch ein wenig, wenn ich bei einer Ausschreibung lese, aber bitte kein „Selbstverlag“ oder im Literaturhaus, beziehungsweise der „Gesellschaft für Literatur“ damit nicht lesen darf.

Ja, der Literaturbetrieb ist groß und die Selbstverleger, die ja inzwischen, wie die Schwammerln aus dem Boden sprießen, Marketinkurse besuchen, sich ein Cover kaufen und einen Lektor und dann in Leipzig und in Frankfurt ganze halle füllen, machen es noch ein bißchen schwierigier.

Aber darum geht es hier ja nicht, es geht um einen Klein oder Indieverlag „Schön gestaltete Bücher mit anspruchsvollen Ideen“, steht auf dem begelegten Lesezeichen und auf dem Cover  ist die Abbildung eines menschlichen Körpers mit offener Speiseröhre und einer Art Fell statt eines Kopfes und solche Abbiuldungen gibt es im ganzen Buch, die, wie ich den Anmerkungen entnehme, der „zweibändigen Jubiläumsausgabe von Friedrich Eduard Bilz „Das neue Naturheilverfahren Lehr- iund Nachschlagebuch der naturgemäßen Lebens- und Heilweise sowie neuzeilichen Gesundheitsführung (1938 bei F.E. Bilz Verlag Dresden)“, entstammen und das Buch führt auch in das Jahr 1938, kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges.

Beziehungsweise führt es zuerst in eine Dachstube, mit alten mottenzerfessenen Samtmöbeln, wo der Erzähler seinen Besucher oder Leser höflich auffordert, Platz zunehmen, es sich bequem zu machen, damit er seine Geschichte erzählen kann.

Und dann geht es los in die „Hirnschale“, denn so lautet ja der ganze Titel des Romans „Ymir oder aus der Hirnschale der Himmel“ und Ymir, das kann ich gleich anmerken ist, wenn ich es recht verstanden habe, ein Riese aus der isländischen Sagenwelt und dorthin, nach Island sollen auch drei Leute, ein Coleurstudent, der Erzähler und offenbar  noch nicht so erfolgreicher Autor, ein SS Mann „Von und Zu“, seiner Adeligen Herkunft wegen genannt und dann noch „Klein-Heinrich“ aufbrechen.

Ausgewählt für eine Expedition, um eine Höhle zu erforschen und ein Erzengel hat den unbekannten Autor sogar höchstselbst auf diese Expedition geschickt.

Man sieht schon, es geht hier sehr ungewöhnlich zu, was eigentlich auch nicht zu verwundern ist, daß ein junger  Autor, die Geschichte wieder aufmal neu und ungewöhnlich frech und rotzig, erzählen will.

Also brechen die drei auf, kommen nach Island, ein Fotoapparat, ein Grammophon und selbstverständlich die Tonaufnahme von „Tristan und Isolde“ sind auch dabei und Adolf Hitlers Rede, die er am 30. Jänner 1939 gehalten hat, werden wir uns mit den rollenden RRRs auch noch anhören müßen.

Die Höhle entpuppt sich, als der Körper des Riesens, die, als eine Art Bunker gefunden werden soll, damit fünfhundert aufrechte Volksgenossen, samt ihrer Dienerschaft und Bewachungspersonals, falls es mit dem tausendjährigen Reich doch nicht so, wie geplant, klappen sollte, Platz finden sollen.

Die drei wackeren Gesellen nehmen also ihre Seile und klettern hinein. Durch, die Speiseröhre, den Magen, vorher haben sie noch ein etwas unapetitliches Menu serviert bekommen, Dünndarm, Blinddarm, immer wieder begleitet mit Abbildungen aus dem Lexikon.

Im Dickdarm kommt es dann zu Komplikationen, KleinHeinrich geht  verloren, bevor die restlichen wackeren Helden wieder hinausgeschissen werden und der Erzähler über bleibt, um seinen Besuchern in den zerschlissenen Samtsesseln, das nächste Mal „die gleiche  oder aber eine ganz andere“ Geschichte zu erzählen.

Irgendwo habe ich gelesen, daß es sich bei „Ymir“, um das originellste Debut der Saison handeln würde, nun denn, auf der Longlist des dBp, was für alle nicht so Informierten, deutscher Buchpreis heißt, wäre es von einigen Bloggern, glaube ich, auch gern gesehen worden.

Dorthin ist es nicht gekommen, ein „Hot-List-Kanditat, 2016“ ist es aber gewesen und nun auf der „Blogger-Debut-Shortlist“.

Mir hat es ein spannendes Leseerlebnis bereitet und wieder mal die Frage aufgeworfen, was nun ein selbstgemachtes Buch ist?

Ob ich es, als für mein „bestes Buch“ vorschlagen werde, bin ich mir noch nicht sicher, dazu hat mich „Blauschmuck“ wahrscheinlich doch zu sehr beeindruckt und „Nachts ist es leise in Teheran“, das gerade zu mir gekommen ist, habe ich, neben dem Roman von Uli Wittstock, auch noch nicht gelesen und das wurde von den Bloggern ja auch sehr gelobt.

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2019-04-07

Dies schwarze Leid – Requiem

Filed under: Bücher — jancak @ 00:03
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Nach dem zwei Halbgeschwister ihre Mutter verloren haben, geht es nun gleich weiter mit dem Verlust einer Mutter, die den Tod ihrer zwanzigjährigen Tochter hinausschreit oder ihn expressionistisch verarbeitet, denn Gutti oder Gustave Alsen, die 1869 in Königsberg geboren und dort 1929 gestorben ist, ist eine, wenn auch nach dem zweiten Weltkrieg komplett vergessene, expressionistische Dichterin.

Der kleine feine „Hommunculus-Verlag“, den ich durch das „Debut-Preis-Lesen“ kennenlernte, hat das posthum erschienene Buch neu herausgegeben und wenn man im Internet nach Gutti oder Gustave, wie sie eigentlich hieß, Alsen googlet, findet man nicht viel, nur daß der „Hommunculus-Verlag“ das „Requiem“, das am Cover, was mir am Buch sehr mißfällt lauter Totenköpfe zeigt, weil es meiner Meinung nach, nicht dem Inhalt des Buches entspricht, herausgegeben hat und beim „Hochroth-Verlag“ ist ein anderes Werk der Autorin erschienen.

Nachwort oder Vorwort gibt es, was ich ebenfalls bedauere, in dem Buch keines, so war das Lesen etwas schwer. Ein Lesen ins Ungewisse, in den absoluten Freiraum sozusagen, was ich  auch nicht so mag, denn googlet man bei „Amazon“ nach, findet man auch nur „Ein Roman, der sich wie ein Gedicht liest – poetische ausdrucksvolle Sprache“

Das ist nicht sehr viel und so muß man sich beim Lesen der hundertsechzig Seiten auf sein eigenes Gefühl verlassen und liest, autobiografischer Roman, steht, glaube ich, am Buchrücken, so die Beziehungsgeschichte, beziehungsweise, die Erinnerungen, die die Lyrikerin und Übersetzerin, die auch einen literarischen Salon führte, an ihre Tochter hatte.

Es beginnt mit den Märchen und Geschichten, die die künstlerisch interessierte Mutter, der Tochter, die „Mütti“ zu ihr sagte, vorlas.

„Der fliegende Robert“ gehörte da zu den Favoriten der kleinen Ellen. Der Vater und die Großmutter sind bald verschwunden. Es gibt Briefe nach oder von Paris von einer Madelon. Es gibt einen Edwin und der erste Weltkrieg, den die beiden durchlebten, wird auch immer thematisiert.

Die spanische Grippe gab es und die größer gewordene Tochter besuchte eine Malschule und studierte, um, wenn sie von der Malkunst nicht leben würde können, die Photografie.

Die Tochter fragt die „Mütti“ warum sie keine Geschwister hat? Besucht später Bälle und Veranstaltungen und wird  von einer Krankheit erfaßt, von der die Ärzte nicht recht wissen, ob es sich dabei, um eine Gippe oderum etwas anderes halten. Die Glocke wird abgestellt, um die Kranke nicht zu stören und am Schluß ist es dann soweit, daß die Mutter:  „Als ich endlich aus diesem Zustand erwachte, als ich begreifen musste, dass du meine Einzige, den anderen nur noch Vorübergegangene warst, geschah jenes Wunder, von dem ich dir sprach. Du warst in mich zurückgekehrt. Nicht als das kleine hilflose Wesen, das sich vor zwanzig Jahren aus mir befreite. Nein, als die Weitgewanderte, Vielerfahrene, Verstehende, die sich von den anderen entfernt hatte.“, schreibt.

Eine interessantes Buch, das man jetzt wahrscheinlich „Memoir“ nennten würde. Eine Entdeckung einer mir völlig unbekannten Autorin, wie ich in diesem Jahr ja durch „Wagenhbach“ schon andere Entdeckungen machte.

So habe ich von Jiri Weil vorher auch noch nichts gehört gehabt und Helen Weinzweig war, obwohl erst 2010 gestorben, für mich auch eine literarische Entdeckung und „Hommunculus“ läßt auch nicht nach, kommt doch als nächstes der „vergessene Prag-Roman“ von Auguste Hauschner, die 1924 in Prag gestorben ist.

2018-03-29

Menschenfresser der Liebe

Filed under: Bücher — jancak @ 00:55
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Jetzt kommt eine Anthologie aus einem kleinen, aber feinen Verlag, der sich mit speziellen Themen zwischen Sci-Fi und Experiment gelegen zu beschäftigen scheint und den ich, beziehungsweise seinen Leiter Philip Krömer durch das Debutpreislesen kennengelernt habe.

Ja, man lernt, wenn man sich mit der Literatur beschäftigt und ein Plädoyer für das über den Tellerrand hinausschauen gebe ich damit wieder und somit die Empfehlung sich mit den „Menschenfressern der Liebe“ zu beschäftigen.

Ein eher dünnes zweihundert Seiten Büchlein, das aber nicht zu Trotz vierzig Texte zu diesem Thema, das, wie von den Herausgebern Joseph Felix Ernst und Philip Krömer in einer  Grußnotiz erklärt wird, allmufassend ist und nicht nur, wie man naiv meinen könnte, banale Texte über den Kannibalismus enthält, wie auch die Namen der teilnehmenden Autoren eindeutig beweisen, denn da gibt es, höre und staune, sowohl Texte aus der Bibel, von Wiliam Blake, Dante Alighieri, Ludwig Uhland, Heinrich von Kleist, Walter Benjamin, bis zu Marina Büttner, die ich ja eigentlich als Bloggerin kenne, Paul Peter Wipplinger mit dem ich einmal, lang lang ists her, in einer Jury saß und noch immer nicht so recht weiß, ob er jetzt Mitglied des PEN, der GAV oder vielleicht doch verbotener Weise bei beiden ist, Timo Brandt, der, glaube ich, einmal Sprachkunst studierte, Jan Snela, der beim Bachmannpreis gelesen hat, CRAUSS, den ich einmal bei einer Präsentation des Ritter Verlages in der „Alten Schmiede“ hörte und dessen Buch ich mir dann später bei einem „Morava-Abverkauf“ um zwei Euro kaufte, um es Christel Fallenstein zu zeigen, gelesen habe ich es noch immer nicht, denn ich lese ja keine „Ritter-Bücher“ und und und….

Das Buch ist ganz dem Thema entsprechend, in einem Menüplan aufgegliedert. So gibrt es Kapitel zur „Potage“, dann kommt das „Hors d òuvre“, „Entre“, „Poisson“, „Sorbel“, bis zu „Entremel de fromage“  zum „Dessert“ und nun hinein in die einzelnen Gänge, sich wacker durch das Buch gelesen und sich die Textproben köstlich auf der Zunge zergehen  lassen, von denen, ich kann es nur wiederholen, sich einige, aber nicht alle, mit der Liebe und dem Menschenfressen beschäftigen und die meisten einladen, sich weiter und genauer mit der Thematik zu beschäftigen.

So jagt die 1986 in Wien geborene Lena Rubey, die 2015 Finalistin beim Open Mike war, durch den Wald, während sich der 1980 geborene Jan Snela, der 2016 beim „Bachmann-Preis“ gelesen hat, mit dem „Frühstück“ beschöftigt und Sheik Nefzawi, auch als Abti Abdallah Muhammed an-Nafazawi bekannt, der um 1500 im heutigen Tunesien lebte, gibt ausführliche Anweisungen, wie man seinen Penis lustbringend vergrößern kann und schreibt am Schluß „Die Wirksamkeit aller dieser Mittel ist mir bekannt und ich habe sie selbst ausprobiert.“

„Aha!“, kann man da nur staunend sagen und zu den „Zwischengerichten“ weitergehen und hier besipielsweise ein Stück von Dante oder Ludwig Uhlands „Kastellan von Coucy“ lesen.

Dann kommt man zu den „Fischen“ und hier gibt es wieder erstaunliche Texte zu ergründen, beispielsweise, einen Reisebericht von Hans Staden, der 1525 im hessischen Homburg geboren wurde und als Landsknecht im Dienste Spaniens und Portulgals an mehreren Entdeckungsfahren nach dem heutigen Brasilien teilnahm. Dort in Gegangenschaft von Eigeborenen geriet und Zeuge von an  seinen Mitreisenden praktizierten Kannibalismus wurde, wie er auch in dem hier abgedruckten „Kapitel 29: Mit welchen Zeremonien sie ihre Feinde töten und essen. Womit sie sie sie totschlagen und wie sie mit ihnen umgehen“, schreibt, der wieder mit den Worten „Dies alles habe ich gesehen und bin dabei gewesen“, endet.

Zum  Sorbet gibt es die „Diagloge der Karmeliterinnen“, des 1971 geborenen CRAUSS, dessen „Motorradheld“ ja noch immer bei mir liegt. Dann geht es zum „Kamasutra“ und die 1978 in Linz geborene „Marianne von Willemer-Preisträgerin“ Marlene Gölz bringt in einem Gedicht, die Augen auf die Stirn: „dein auge auf meiner stirn meine lippen an deinen ohren deine nase in meinem mund so hab ich mir das nicht vorgestellt“.

Punktum aus oder weiter zum „piece de resistance“, dem „größten Fleischgang“ und da erzählt uns der 1967 in Saarbrücken geborene Christopher Ecker von seinen Phantasien, die er im Bus hat, wenn er neben jungen Frauen sitzt und sich vorstellt, wie es wäre, deren Arme zart mit Weißwein und Zitronenscheiben zu braten.

„Pervers, pervers!“, könnte man da sagen und zu Heinrich von Kleist übergehen.

Danach kommt bald der 1575 in Neapel georene Märchensammler Giambattista Basile, der von Felix Lebrecht, wie ich vermute sehr frei übersetzte wurde, der uns von einem Floh erzählt, von dem ein Königgebissen wurde, der darauf seine Tochter an einen wilden Kerl verheiratet , die dann von den wundersam starken sieben Söhnen einer alten Frau gerettet wird.

Man sieht, die Anthologie ist äußerst vielseitig in ihren Genres. Denn kurz danach erzählt uns, der schon erwähnte 1939 in Haslach geborene Peter Paul Wipplinger, der vor kurzem einen Unfall hatte, von dem er sich glaube ich, immer noch erholen muß, von seinen Erfahrungen in einem „kindergefängnis“, wo ihm die Erzieherin, ein „ehemaligen bdm-Weib“ in den Keller sperrte, was ihm zwar zum Phanatsieren brachte, ihm aber immer noch, trotz seiner „fünfundsiebzig jahre“ wütend macht, wenn er daran denken muß.

Der 1987 in  Schleswig-Holstein geborene Gorch Maltzen erzählt uns stattdessen in „Was passiert, wenn man in einem Vulkan springt“ von den sadistischen Spielchen zweier Freunde.

Und zum Käse gibt es die Jugenderinnerungen eines ebenfalls 1939 geborenen, nämlich die von Eckhard Sinzig, der in Krefeld geboren wurde, der wegen einer Frau nach Frankreich ging, sie dort in ihrer Wohnung in der Rue Erlanger 40, besuchte, aber als er das „Pflaster auf ihren Oberschenkel“ sah, erschlaffte, worauf sie ihn erstaunt „Est ce que tu ne m` aimes pas?“, fragte. Woran er als alter Mann wahrscheinlich noch ähnlich oft, wie Peter Paul Wipplinger, an sein „kindergefängnis“, beschämt denken muß.

Dann kommt ein Gedicht, des schon erwähnten, 1992 in Düsseldorf geborenen Timo Brandt „Man könnte meinen alles wär Prärie, vor allem die menschliche Seele“ und dann geht es wieder in die Vergangenheit nämlich zu dem Satriker Jonathan Swift, von dem man heute vor allem seine verharmloste Kinderversion von „Gullivers Reisen“ kennt, der aber in seinem „Bescheidenen Vorschlag im Sinne von Nationalökonomen, wie Kinder armer Leute zum Wohle des Staates, am besten benützt werden könnten“, eine sehr böse Anregung gibt, wie man die Armut von der Welt schaffen könnte. Denn die Körper der armen kleinen Kinder schmecken ja sehr lecker, wenn man sie vorher nur ein wenig aufpäppelt und dann sanft bratet. <ich habe gehört der „Gulliver“ soll im Original ähnlich  satirisch scharf gesellschaftskritisch sein.

Und schon gehts, wenn man da noch nicht kotzen muß, aber wir sind ja auch in unserer schönen heilen Welt, starke Kost gewohnt, zum Dessert.

Da nascht der Philosoph Walter Benjamin, der sich, der sich 1940, in Spanien auf der Flucht vor den Nazis, umbrachte von „Frischen Feigen“, der 1965 in Nürnberg, geborene Armin Steigenberger serviert uns „Kannibalische Kirschen“, die 1967 geborene, in Berlin lebende Marina Büttner, die Buchhändlerin war und jetzt Lyrikerin und bildende Künstlerin ist, kredenzt und die „Götterspeise“ und zum Schluß gibt es noch eine sehr witzige Geschichte, des 1951 in Ingelfingen gebornen Eugen Egner, der uns erzählt, was passieren kann, wenn die Eltern einen Dreizehnjährigen in den Konfirmandenunterricht schicken. Ein bißen erinnert es an „Hänsel und Gretel“ kann ich verraten oder spoilern und damit wieder  die Anthologie, die eine wirklich gelungene Mischung von alt und neu und zu meiner Überraschung auch sehr viel Österreichisches enthält, empfehlen.

Denn liest man die zweihundert Seiten, hat man wirklich einen Parcour durch die Literaturgeschichte gemacht oder kann sich natürlich nur entschließen, sich mit dem einen oder anderen Meisterwerkt, wie der Bibel oder der „Göttlichen Komödie“, beispielsweise weiter zu beschäftigen oder auch nur ergründen, was man in den Literaturinstituten lernt oder was sonst die jungen oder auch schön älteren deutschsprachigen Schriftsteller in ihren Schubladen haben und, daß es wahrtscheinlich besser wäre, möglichst auf den Fleischkonsum zu verzichten, weil man sich sonst vom Kannibalismus nicht wirklich unterscheidet, lernt man wahrscheinich auch oder nimmt den Gedanken wenigstens mit, wenn man sich vor den nächsten Hamburger oder das nächchste Schnitzel setzt. Aber jetzt haben wir ohnehin noch Fastenzeit und verzehrt am Gründonnerstag seinen Spinat oder Bärlauch mit Spiegeleiern.

2017-12-01

Mr. Holmes Krimi Adventkalender

Filed under: Bücher — jancak @ 08:48
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Es ist der erste Dezember und da werden die ersten Fenster der Adventkalender aufgemacht. Es gibt Teeadventkalender, die mit Schokolade oder kleinen Bildchen, man kann Süßigkeiten in Strümpfe oder kleine Schachteln stecken und die Datumszahl draufschreiben und und und….

Es gibt auch Bücheradventkalender, einen solchen habe ich einmal geschrieben, das heißt eigentlich zweimal, die erste Geschichte, die ich wirklich täglich in der Rohfassung aufnotiert habe, ist im „Best of“ zu finden und dann die „Nika,Weihnachtsfrau“, meinen fünften Nanowrimo, die ich zwar schon im November geschrieben habe, von der man in diesem Monat aber auch hier immer wieder Stückchen finden kann.

Zuerst aber zu etwas anderes, zu Sherlock Holmes nach England oder besser zum „Homunculus Verlag“, denn da haben, sehr schön ausgestattet und bebildert Joseph Felix Ernst, Sebastian Frenzel und Philip Krömer vierundzwanzig kleine Geschichten geschrieben, die man sich kalendermäßig aufstellen, jeden Tag eine  lesen und die Lösung erraten kann.

So steht es wenigstens auf der roten Rückseite mit dem schießenden Pinguin: „Rätseln Sie los und seien Sie schneller als der berühmte Meisterdetektiv!“, geschrieben.

Ich, die ich mich obwohl ja zum Zeitpunkt des Lesens noch gar nicht der erste Dezember war, schon ein wenig durchgeblättert habe, würde bezeweifeln, daß man das kann und das war wohl auch gar nicht die Absicht der wahrscheinlich listigen Autoren, denn auf der einen Seite gibt es die Geschichte, beispielsweise die der „Unheiligen drei Könige“ am Tag 1, da gibt es drei Markthänder mit den schönen Namen Caspar, Melchior und Balthasar. Caspar liegt tot auf dem Boden, hat mit seinem Blut noch „Melch“ geschrieben. Balthasar erzählt die Geschichte und auf der Rückseite klärt Mister Holmes alles mit Indizien auf, die man auf der Vorderseite nicht erkennen konnte.

Soll ich wieder spolern? Er war Linkshändler.  Mehr verrate ich nicht. Denn man soll ja die Geschichten selber lesen. Jeden Tag eine am besten und so verrate ich nur, es geht sehr weihnachtlich zu in dem Buch. Beginnt am ersten mit den drei Marktleuten, dann erweist sich ein Weihnachtsmann als Fassadenkletterer, während ein anderer an seinem Anzug verbrennt und der besoffene Weihnachtsmann zwar keinem Herzschlag erlegen ist, aber weil Weihnachten ist und die arme Ehefrau schon bestraft genug, drückt Mister Holmes auch einmal ein Äuglein zu.

Lustig wird es auch bei der Geschichte, wo der Bäcker verstorben ist und seine Geheimrezepte im Tresor liegen, die Erben aber nur ein Räsel haben um auf den Code daraufzukommen und die Plätzchen backen zu können.

Und denen, die in den Wald gehen, um sich das Bäumchen zu stehlen, wird eine Falle gestellt. aufpassen Weihnachtsbaumdiebe, sonst fällt euch der Baum  auf den Kopf und die Geschichte, wo der Reverend zu einer katholischen Sizilianerin geht, um von ihr ein wertvolles Geschenk für die Kirche abzuholen und sie nur leider, leider tot auffindet, beziehungsweise noch schreien hört, habe ich in einen Allan Wilton Krimi vor Jahren schon ein bißchenanders gelesen, da sitzen die Nonnen am Karfreitag im Gasthaus und essen Fleisch und so bin ich diesmal auf den Täter draufgekommen.

Eine fingierte Weihnachtskarte wird geschrieben, Katzen gestohlen, sowie die für Waisenkinder gedachten Geschenke, die zwar nicht viel Wert waren, aber natürlich steckte wieder etwas anderes dahinter, was man wahrscheinlich nicht erraten kann, wenn man die Hintergründe nicht weiß.

Einen Erpresserbrief gibt es und einen tödlichen Weihnachtsschmaus, bis man an den vierundzwanzigsten Dezember kommt, wo es in den „Diogenes Club“ geht.

Ich habe mich durchgeblättert und werde jetzt das kleine schöne Stück, das als Vorweihnachtsgeschenk Krimifreunden sicher zu empfehlen ist, auf mein weihnachtlich geschmücktes Betttischchen stellen und dann die Geschichten in schöner Reihenfolge vielleicht noch einmal genauer durchlesen, bin ich ja ein sehr strukturierter Mensch,  der Adventkalender nicht gerne vorher und nicht auf einmal liest.

Aber dieser war ein Rezensionsexemplar und so ist es am vierundzwanzigsten Dezember vielleicht schon zu spät, wenn ich die Geschichten einzeln lese und am Weihnachtstag als Gesamtrezension veröffentliche und außerdem will ich ja selber Werbung machen und auf meine Geschichten hinweisen und da passt es vielleicht nicht, wenn ich unter die Ankündigung meines neuen Buches, Geschichte eins der „Nika“ verlinke.

Also voila, nach dem das Buch besprochen und vielleicht auch schon für die Gattin oder Schwiegermutter bestellt ist, kann man sich genüßlich in Tag eins der „Nika“, die ich hier verlinke, begeben.

Dann gibts am 5. eine Geschichte, am  19. 25. 29. und 30 Dezember.

Ob ich Zeit und Raum habe, neue Geschichten als Artikel aufzunehmen, weiß ich nicht, da mein Bücherstapel im Badezimmer noch so hoch ist, daß wahrscheinlich jeden Tag ein Artikel erscheinen wird. Es gibt aber noch ein Weihnachtsbuch, das auf mich wartet und das werde ich ein wenig später lesen.

Einen weiteren Adventkalender gibt es hier,  hier und hier.

2017-05-06

Knallmasse

Nun kommt noch ein Buch aus dem kleinen feinen besonderen „Hommunculus-Verlag“ und eines, das nach Art und Ausstattung eher zu Philiph Krömers „Ymir“, als zu den „Bloggerleseerfahrungen“ passt.

Nämlich die, wie am Buchrücken  steht, vom Autor vollständig überarbeitete Neuausgabe, des schon 1993 erschienenen kosmischen Märchen „Knallmasse“, des 1953 in Erfurt geborenen Ulrich Holbein, den ich im ersten Augenblick mit Wolfgang Hohlbein verwechselt habe.

Aber da scheint es keinen Zusammenhang zu geben, obwohl, die Art des Schreibens vielleicht gar nicht so verschieden ist.

Oder doch natürlich,  selbverständlich, denn der „Weltliebhaber“ und „Ökodandy“, wie in der Biografie  zu lesen ist, scheint den Fotos nach, die von ihm imNetzt zu finden  sind, ein schräger Vogel oder sehr alternativer Typ zu sein.

Von der Geschichte weiß ich das, die ich ja keine besonders Science Fiction Liebhaberin und Kennerin bin und mich bei den verschiedenen Unterformen dieses Genres auch nicht auskenne, nicht so genau.

Denn auf den ersten Blick könnte man Buch fast für ein Jugend- oder Kinderbuch halten und sagen, daß, die darin geschilderten Inhalte, auch wenn sie etwas kompliziert geschrieben und verwirrend aufgebaut wurden, gar nicht so ungewöhnlich sind.

Wenn aber Jörg Drews auf den Buchrücken „Toll technizistisch geht es zu in dieser Mischung aus romantischen Märchen und verjuxter Sciecne und Fantasy-Fiction“, schreibt, kann und wird das nicht stimmen. Noch dazu, wenn ein so kleiner  spezieller „Indie-Verlag“, das Buch herausgebracht hat.

Trotzdem würde ich sagen, die Illustrationen, die auch von Ulrich Holbein stammen, sind das Besondere an dem Buch und sie sind genauso künstlerisch ungewöhnlich, wie die bei „Ymir“.

Der Inhalt, na ja, das habe ich vielleicht schon so ähnlich in einem anderen Jugendbuch gelesen, wenn ich mir auch vorstellen kann, daß Ulrich Holbein, dabei genauso lang und kompliziert herumgetüffelt hat, wie Arno Schmidt bei seinen Werken.

Es beginnt aber wie in einen Science-Fiction-Film. Knallmasse ist ein Roboter und ein Zentralschulpflichtiger im Staate Dezibel, wo alles laut und hart ist und dröhnt und dasLand von der Frau Dr. Dr. Dr. Dr Druckmüller regiert wird, die nie jemals gesehen wurde, aber stündlich „Guten Morgen!“, wünscht und ihrem Volk, ähnlich wie bei „1984“, die Grundregeln erklärt.

Mit dem Omnibus muß der Zentrallschulpflichtige in die Zentralschule, eingepfercht zwischen hundert anderen Robotern, die Namen, wie Quarzschemel, Breitsockel, Randfutter, etcetera haben und ständig „Ich liebe Blindenschrift!“, „Mein Lieblingsfach ist Biologie!“ und ähnliches herunterleiern.

Dann geht es in den Unterricht von Frau Dr. Schallreiter, Frau Dr. Kackflasche, und Frau Dr. Druckbeuter, richtig, die Namen weisen wahrscheinlich auf kein Kinderbuch hin, die ihren Schülern, beziehungsweise das System des Staates Dezebel erklären.

In der ersten Stunde namens „Weltgeschichte“ passiert das. Dann werden die Nachfahren der ausgestorbenen Menschheit die „Wulminetten“, die vom Weltall eigefangen wurden, als  Schauobjekte den Schülern vorgestellt. In der dritten Stunde geht es um Körperertüchtigung der harten Roboter und da passiert Knallmasse ein Mißgeschick. Er entwickelt plötzlich Gefühle für das Weiche, Runde, das in dem Staat verachtet wird und soll deshalb verschrottet werden.

Inzwischen entweichen auch noch die beiden „Wulminetten“, namens Wurlipello und Wammarilli, die auch noch ein nicht ausgebbrütetes Ei in sich trägt  und  entfliehen mit Knallmasse, der aber blind und auch von einem Kraftschlauch abhäng ist, in das „kunterbunte Weltall“.

Das macht den zweiten Teil des Buches aus, und während der erste noch einigermaßen klar und durchschaubar war, wird es nun vollend verwirrend, denn Knallmasse muß lernen, sich zu ernähren, wenn es keinen Kraftstecker gibt.

Er kann aber keine Bananaen behalten, weil sein Mund eine Sackgasse ist, er braucht auch ein Auge, so brechen sie, mit einem alten Zwillingspaar, das sie inzwischen gefunden haben, in eine Brillenfabrik auf.

Verschiedene Verzehrspiegeln erschweren das Unterfangen. Kanallmasse bekommt auch noch Besuch von seinem Freund Kotzbirne, er hat auch den Kopf von Frau Dr. Stuhlmenge, die auf der Jagd nach neuen Schauobjekten im Weltall war, als Geißel gefangen genommen.

Im Traum taucht auch noch die Frau Dr. Dr. Dr. Dr. Druckmüller auf und will die beiden zurückholen.Knallmasse aber widersteht und bleibt, muß noch einige Abenteuer erleben, bevor er auf die „Stundeninsel“ gelangt, das ist die, wo es früher Uhren gab, und dort zu einem blühenden Denkmal werden darf.

Wie schon erwähnt, bin ich vielleicht nicht die richtige Interessentin für das Buch, habe es, da ich mir nicht sicher war, ob das jetzt etwas Trivales oder sehr kompliziert Konstruiertes ist, vielleicht auch zu ungeduldig und schnell gelesen.

Die Illustrationen haben mir aber gefallen  und ich finde es auch spannen durch den „Hommunculus-Verlag“ oder eigentlich durch das „Debutpreislesen“ einen interessanten Autor kennengelernt zu haben, der sonst vielleicht an mir vorbeigegangen wäre.

2017-04-23

Warum ich lese

Jetzt kommen, wirklich nur ganz zufällig zum „Welttag des Buches“ passend, „40 Liebeserklärungen an die Literatur“, denn der Blogger Sandro Abbate hat da vor cirka seinem Jahr seine Bloggerkollegen dazu aufgerufen, diese Fragen zu beantworten und jetzt ist bei „Homunculus“ ein Buch daraus entstanden, das zum „Indie-Bookday“ fertig geworden ist und in Leipzig und auch in einer Buchhandlung in Berlin, glaube ich, vorgestellt wurde.

Jochen Kienbaum, der strenge unerbittliche, dem es nicht gelungen ist, ein Manuskript für den „Blogbuster-Preis“ vorzustellen, hat unter anderen daraus gelesen.

Vierzig Blogger werden meine Leser nun vielleicht fragen, gibt es nicht inzwischen schon an die oder über eintausendzweihundert davon?

Stimmt, glaube ich, aber die Blogger sind ja sehr streng und kritisch und lassen, wie ja am „Buchpreisbloggen“ und wahrscheinlich auch anderswo zu merken ist, nicht jeden in ihre Reihen.

Da „muß“ man ausgewählt werden, um als „offizieller Buchpreisblogger“ zu gelten, obwohl das ja eigentlich jeder machen kann, sich die Bücher der Longlist kaufen oder schicken lassen, sie lesen und dann auf seinen Blog besprechen.

Ich tue das seit zwei Jahren und die Frage, warum ich lese, habe ich im „Literaturgeflüster“, das sehr bald seinen dreitausendsten Artikel feiern wird und in ein paar Monaten seinen neunten Geburtstag hat, auch schon öfter beantwortet.

Ich tue es hier gleich noch einmal, denn alle Blogger sind zum Glück nicht so streng und kritisch „Der Debut-Preis-Blog“ist da ein wenig lockerer und so konnte ich mich vorigen Herbst noch knapp vor oder auch schon nach Schluß melden und beim „Debutpreis“ mitjonglieren und eines der fünf Shortlistbücher ist aus dem „Homunculus-Verlag“, ein junger „Indie-Verlag“, wie ich inzwischen weiß, gekommen und so habe ich ihn kennengelernt und der Verlag mir das Buch geschickt.

Die Frage, was ein guter Blog ist, da stört mich ja auch immer die Diskussion ein bißchen, daß die anderen so schlecht sein sollen, wird auch schon in Sandro Abbatos Vorwort, wenn vielleicht auch nicht beantwortet, so doch angeschnitten.

Denn manche Blogger haben ja Literaturwissenschaften studiert, die meisten wollen nicht mit den Literaturkritikern in Konkorrenz treten, manche schon und die „Booktuber“ halten stolz ihre Neuerscheinungen in die Höhe und sagen sazu: „Das Cover ist sehr schön, mehr weiß ich noch nicht!“

Seit einiger Zeit schaue ich ziemlich viel „Booktube“ und habe dabei auch einige sehr interessante entdeckt und es stört mich auch nicht so sehr, daß das oft eher junge Mädchen sind, die Bücher oder Serien lesen, von denen ich noch nie etwas gehört habe.

Denn, ich denke, man soll sich ja freuen, wenn die jungen Menschen lesen und nicht über sie schimpfen und eine Definition der Literaturkritik, daß Blogger nur Inhalte nacherzählen, ein bißchen Biografie und ihre Meinung dazu schreiben, führt Sandro Abbate auch noch an und distanziert sich davon.

„Es gibt schon Blogger, die sind da qualifizierter!“ und ich fühlte mich ertappt, denn „Uje, uje…!“ und erst viel später, als ich dem Bericht von Katharina Hermann von“Kulturgeschwätz“ gelesen habe, die Thomas Bernhard zitiert:

„Wenn wir den führern zuhören, hören wir doch nur immer das Kunstgeschwätz, das uns auf die Nerven geht, das unerträgliche Kunstgeschwätz der Kunsthistoriker.“ (Alte Meister)“, die das vielleicht auch ein bißchen tut, habe ich aufgeatmet und hinzugefügt „Na und, warum nicht!“

Aber ich bin in dem Buch nicht vertreten und bin eigentlich auch kein Bücherblog, sondern das „Literaturgeflüster“ ist, wie ich mich vielleicht ganz gut definieren kann, das literarische Tagebuch einer seit fünfundvierzig Jahren „erfolgfrei“ schreibenden Frau, die vielleicht ein wenig eigenwillig ist, schon seit Kindertagen liest, seit vierzig Jahren zu literarischen Veranstaltungen geht und das seit 2008 öffentlich zu archivieren versucht und die anderen, wenn sie das wollen, daran teilhaben läßt.

Die wollen das nicht immer, sondern interessieren sich vielleicht nicht dafür oder schreiben und bloggen selber und lesen habe ich, glaube ich, nicht in der Schule, sondern von einem in den Fünfziger- und Sechzigerjahren sehr bekannten Logopäden, dem Herrn Aschenbrenner gelernt, denn ich bin ein Novemberkind  und als meine Mutter mich vor meinen sechsten Geburtstag für die Schule anmelden wollte, hatte ich soviele „Sprachfeheler“, daß die mich nur für die diesbezügliche Sonderschule nehmen wollten.

Da sagte meine Mutter „Mein Kind geht in keine Sonderschule“ und ging mit mir zu besagten Herrn, der sich, wie ich mich zu erinnern glaube, sehr mit mir bemüht hat, denn jetzt kann ich das „r“ und auch „s“ aussprechen und lesen konnte ich auf einmal auch.

Die Rechtschreibung war und ist mir dann noch immer nicht so wichtig gewesen. Ich bin aber, wie ich immer sage und es vieleicht nicht ganz stimmt, ein Arbeiterkind, mein Vater war in der Statistikabteilung der WGKK und, glaube ich, gelernter Buchhalter. Die Mutter, gelernte Stickerin, die später, als Kindergartenwärterin oder Helferin wie das heute heißt, gearbeitet hat.

Mein Vater war aber ein Sozialist und ist daher in seiner Freizeit mit den Büchern der „Büchergilde Gutenberg“ hausieren gegangen und weil ich bei den „Kinderfreunden“ war, habe ich jedes Jahr zu Weihnachten von ihren auch ein Buch geschenkt bekommen.

Es gab dann auch den berühmten Bücherkasten meiner Eltern, dessen Inhalt heute größtenteils in Harland steht und zum Teil auch schon gelesen ist. Ich habe in der Schule die Schulbücherei, wie ich mich erinnern kann, sehr frequentiert und einmal auch versucht, ein Kinderbuch der Erika Mitterer „Kleine Damengröße“ abzuschreiben und bin entsetztlich daran gescheitert. Ja das Netz und wahrscheinlich sogar Kopierer hat es damals noch nicht gegeben.

Als Studentin habe ich mir sehr viele der sehr teuren Buchpreisbindungsbücher gekauft, habe Nietzsche und Schopenhauer gelesen und nicht verstanden, den „Mann ohne Eigenschaften“ auch nicht und bekenne mich dazu. Irgendwann habe ich mit dem Bücherkaufen aufgehört, mit dem Lesen nicht.

Literarisch zu schreiben habe ich nach meiner Matura angefangen, zum selber Publizieren cirka 2000 mit dem Bloggen 2008 mit dem „Rezensionsenschreiben“ durch die „Thalia-Leserrezensionen“ und dann später in meinem Blog und seit es die öffentlichen Bücherschränke gibt, wächst mein Sub und ist nicht nur ein Stapel sonder schon ganze Stöße, die die Schlafzimmerwand zieren und ein paar neue Bücherregale habe ich mir inzwischen auch gekauft.

Ich spoilere entsetzlich, mache also offenbar alles falsch, was man nur falsch machen kann, was meine Kritiker auch manchmal bemerken, lese aber trotzdem, obwohl ich inzwischen auch sehr viel Zeit im Netz verbringe und meine Lieblingsblogs habe.

Alle tausendzweihundert kenne ich natürlich auch nicht, auch nicht die vierzig, denn irgenwann ist ja Buzzaldrin zu mir gekommen und durch ihre LL-Leseideen habe ich Blogs wie die Von Jochen Kienbaum und Tobias Nazemi kennengelernt, die ich sehr gern lese, aber vielleicht soll ich jetzt zu schwätzen, plappern würde wohl mein Kritiker Uli, sagen, aufhören und etwas über das Buch erählen, das, sage ich jetzt gleich, für sehr interessant halte und der große Vorteil ist, wie auch bei meinen „Literaturgeflüster-Texte-Buch“, man muß es sich nicht kaufen, sondern kann die Texte alle im Netz finden.

Aber Hand aufs Herz, da habe ich sie nicht gelesen, jetzt lese ich sie in kompakter Buchform, von der ich gleich anmerken kann, daß mich die quadratische, in der es das Buch gibt, etwas, beim Lesen in der Badewanne störte, denn ich bin ja eine Badewanneleserin, aber es ist viel kompakter das Buch und nicht die einzelnen Blogbeiträge zu lesen. Man bekommt dabei auch viel mit und kann vergleichen und wer will, kann gleich auf den Blog gehen und ihn kennenlernen und da habe ich, glaube ich, auch ein paar Neuentdeckungen gemacht.

Also zuerst kommt Sandro Abbates Vorwort, dann kommt schon Tobias Nazemi vom „Buchrevier“, den ich ja sehr gerne lesen und der sich mit seinen „Briefen“ vielleicht auch schon ein bißchen schriftstellerisch betätigt, der den „Blogbuster“ ins Leben gerufen hat, einer der offiziellen Buchblogger war und in seinen Beitrag „7 Gründe, warum es jetzt wichter denn je“ ist zu „lesen“ in seinen Beitrag anführt.

Die siebenundzwanzigjährige Buchhändlerin und Studentin Sophie Weigard, die in den Blogs oft als eine der qualifiziertesten Bloggerinen angeführt wird und auch schon Seminare gibt, wie man das macht, kenne ich auch schon seit 2013 von Mara Gieses „Fünf lesen zwanzig-LL-Aktion“ und lese ihren Blog „Literaturen“ oder „Literatourismus.net“ sehr gern und sie führt an, daß die Großmutter Groschenhefterln gelesen hat und der Großvater „Reader Digests-Wälzer“, sie also aus keinem ausgesprochenen Lesehaushalt kam und das ist das, was ich an dem Buch beziehungsweise, der Aktion so interessant, finde, denn einige der Blogger kommen aus Arbeiterhaushalten andere aus Akademikerfamilien, sind Töchter von Buchhändler und Bibliothekaren und alle haben das Lesen gelernt,  tun es gern und bloggen darüber.

Peter Peters von „Peter-liest.de“, hat eine besonders eindrucksvolle Lesegeschichte. Als er fünf war, starb sein Bruder, unmittelbar vor der Geburt, weil die Mutter unglücklich gefallen ist. Sie lag lang im Krankenhaus, das Kind war dazwischen bei der Großmutter, die ihm Mädrchen vorgelesen hat, das Märchenbuch hat er ins Krankenhaus mitgenommen und so getan, als würde er der Mutter vorlesen und alle, auch die anderen Patientinnen haben gebannt zugehört“.

Darüber kann man und hat man wohl auch schon Romane geschrieben, man kann aber auch darüber bloggen und zum Leser werden.

Katharina Herrmanns Blog „Kulturgeschwätz“, hat mich, das habe ich schon geschrieben, sehr beeindruckt, weil ich ihn als sehr unkonventionell finde und das ist ja für mich auch das Tolle an den Blogs, daß da jeder anders sein kann und es keine Regeln gibt und wenn man jetzt versucht durch Seminare oder Bloggerakademien solche einzuführen, würde ich das eigentlich sehr schade finden.

Andrea Blank ist 29,und hat seit März 2016 einen Blog, der „Lohnt sich das Lesen“ heißt und kann sich auch an die „Stimme ihrer Oma erinnern, als die ihr aus den Grimmschen Märchen vorgelesen hat“.

Jochen Kienbaum, den Anspruchsvollen, der nicht aus „Flucht sondern als Expedition“ liest, habe ich schon erwähnt. Ich kenne ihn als Buchpreisblogger, lese ihn gern und wünsche ihn mir vielleicht ein wenig weniger kritisch, streng und anspruchsvoll und, ich glaube auch nicht, daß einen ein Buch, nach dem berühmten Zitat von Kafka, auch immer erschrecken muß.

Er zitiert auch Goethe „Es ist ein großer Unterschied, ob ich lese zu Genuß und Belebung oder zu Erkenntnis und Belehrung“, das kann ich für mich nicht so sehen und, ich glaube, ich lese inzwischen auch, weil ich herausbekommen will, wo und wie die anderen besser, als ich schreiben können und ich bin, wahrscheinlich im Gegensatz zu Jochen Kienbaum, eine bekennende „Über den Tellerrand-Leserin“, „ein Buch muß mich nicht immer mit der Axt am Kopf rütteln“, im Gegenteil das würde mich wahrscheinlich sogar abhalten.

Zuviel Gewalt mag ich ja nicht, obwohl ich es trotzdem lese und auch das Experimentelle und den „Ulysses“ habe ich noch immer nicht gelesen, auch nicht den Marcel Proust, aber Robert Musil,  Kafka auch noch nicht sehr viel im Original.

Konstanze Matthes Blog, deren Beitrag, in dem sie von ihrer DDR-Jugend und dem Aufwachsen in der örtlichen Bücherei, zu der sie die Mutter mitnahm, mich sehr berührte, kenne ich auch durch den „Buchpreis-Blog“ und der ist ja etwas anderes, als das „offizielle Buchpreisbloggen“.

Ich kann aber von mir sagen, ich bin keine Bibliotheksleserin, denn ich wollte die Bücher ja immer haben, sie sammeln und sie anstreichen und ich gebe sie auch ungern her.

Die Schulbibliothek in der Hauptschule war offenbar eine Ausnahme und die städitischen Büchereifilialen beziehungsweise, die älteren Bibliothekarinnen, die mir damals mit zwölf, dreizehn die Krimis verweigerten und mich mit einer verstaubten Grillparzer Ausgabe nach Hause schickten, sind mir immer noch ein Horror.

Ich hoffe, es gibt sie inzwischen nicht mehr und habe ihnen in den „Berührungen“, in der Figur der Esther Silberstein, eigentlich ein liebevolles Denkmal gesetzt.

Dann kommt Sarah Reul von „Pinfisch.net“, die war, glaube ich, auch bei dem Bloggertreffen, das ich in Leipzig besuchte, ist, glaube ich, meistens rosa angezogen,  Buchhänderlin und sehr engagiert für das Lesen, die unabhängigen Verlage und hat sich, glaube ich, auch sehr für dieses Buch eingesetzt.

Sie beschreibt in fünfzehn Punkten ihre Leseentwicklung. Da kann ich vielleicht auch ein bißchen zusammenfassen, Karl May wird bei den Bloggern öfter genannt, der gehört wahrscheinlich zu den Büchern und den Autoren, die ich niemals lesen werde.

Harry Potter gehört, glaube ich, auch zu, bei „Shades of Grey“ ist das, glaube ich, anders. Das habe ich auf meinen SUB und möchte ich, wenn ich es bei den vielen Neuerscheinungen schaffe, gerne lesen und zu meinen unwürdigen Lektüren, die mache Blogger anführen, gehört auch die Courths-Mahler und Krimis lese ich auch ganz gerne, obwohl ich keine Gewalt mag und daher eigentlich keine richtigen schreiben kann.

Den nächsten Blogger, den ich zitieren möchte, alle vierzig, kann ich, glaube ich, nicht anführen, ist Marc Richter von „Lesen macht glücklich“ und den habe ich durch die „Debutpreis-Jury“ kennengelernt, mich da mit ihm ausgetauscht, habe von ihm auch ein Buch gewonnen, das ich noch lesen muß und muß ihm auch bezügtlich seines Blognamens widersprechen.

Denn glücklich macht das Lesen, glaube ich, nicht. Mich jedenfalls nicht, dafür lese ich eindeutig die falschen Bücher, denn die ich lese, schildern oft das Elend der Welt und lenken nicht ab und beschönigen nicht.

Aber das ist ja, habe ich bei den anderen Bloggern gelesen, auch ein Kriterium, das für sich spricht und als „Bloggername“ ist es auch schön und es ist einer, über den man herrlich nachdenken und dann widersprechen kann.

Claudia Pütz vom „Grauen Sofa“, kenne ich vom „Longlistenlesen 2014“, denn da habe ich „Kastelau“ von ihr gewonnen und sie erwähnt in ihrem Beitrag, daß sie durch „Blauschmuck“ in das Leben der jungen Türkin Filiz eindringen konnte. Da kann man natürlich sagen, daß es wahrscheinlich nützlicher wäre, direkt zu der geschlagenen Hausmeisterfrau im Parterre unten zu gehen, umsie anzusprechen und das Lesen natürlich Lebensersatz ist, Flucht vielleicht auch, aber natürlich Abenteuerlust und Eindringen in fremde Welten, in die man sonst nicht kommen würde. Und für mich würde ich auch sagen, daß das gar nichts macht, denn das reale Leben habe ich in meiner psychotherapeutischen Praxis und wenn ich spazierengehe, erlebe ich auch sehr viel, dann gibt es meine Familie, die Menschen um mich rum und noch vieles andere mehr.

Es gibt in dem Buch noch andere Stars der Bloggerszene, wie Gerard Otremba, ein „Buchpreisblogger“ des letzten Jahres, von „Sounds and books“, der sich auch für Musik und das Laufen interessiert und auf seinen Blog drei redakionelle Mitarbeiter hat und noch andere sucht oder den „Kaffeehaussitzer“ Uwe Kalkowski, auch ein „Buchpreisblogger“, der sich einmal mit mir sogar nin Verbindung gesetzt hat.

Berührend die Erfahrungen der Krankenschwester Vanessa Palmen, die erzählt, wie sie in ihrer Intensivstation abstumpfte und keine Gefühle mehr hatte, das ist ein Selbstschutz würde ich sagen und so gesehen wahrscheinlich ganz natürlich, das Lesen hat sie aber herausgerettet und Janine Rumrich von „Kapri-Zioes“ erzählt, daß sie mit Vierzehn keine Lust zum Lesen hatte.

Marina Büttner kenne ich auch durch mein „Buchpreislesen“ Sie liest manchmal dieselben Bücher, ich kommentiere ihr dann und sie antwortet darauf. Sie liest auch Lyrik und einen anderen Lyrikblogger oder Schreiber, gibt es in dem Buch auch, wie auch einige Menschen, die schreiben.

Fabian Neidhard, den ich vom „Debut-Preis“ kenne und der auch im „Literaturcafe“ publiziert, ist, glaube ich, ein Selfpublisher und er schreibt so schön „Bis heute sind Geschichten der größte Teil meines Lebens. Ich konsumiere sie. Ich produziere sie, ich liebe sie.“ Wie wahr würde ich ihm antworten und die vier Literaturwissenschaftlerinnen vom „Debutpreis-Blog“ sind auch in dem Buch vertreten.

Dann gibt es noch Chris Popp von „Booknerd.de“, der auch schon „mittlerweile zwanzig Mitschreiber“ und eine sehr berührende Lesegeschichte mit Wankungen und Schwankungen aufzuweisen hat, wie es eben gehen kann, wenn man aus einer Arbeiterfamilie kommt, auch musizieren und anderes will und dann erfährt, das die Sachen, die einen einmal langweilten, auf einmal faszinieren können.

Man sieht, ich könnte seitenlang über die Lesegeschichten der Bücherblogger schreiben und mit meinen Erfahrungen verknüpfen, begnüge mich aber darauf hinzuweisen, daß Henri Vogel von „Filmtheaterlesesaal“ aus „Warum lese ich“ eine Kühlschrankgeschichte gemacht hat, in der saure Gurken, Apfelmus und Chili vorkommen.

Da sage ich, lesen ist vielfältig und das schreiben darüber auch und ganz am Schluß gibt es ein paar leere Seiten „Und warum liest du?“ steht darüber geschrieben.

Die lasse ich leer, habe ich hier ja schon genug darum herumgeflüstert und füge daher nur an daß mir „Buzzaldrins“, „Bücherwurmlochs“, „Sätze und Schätze“, „Atalantes“ und noch einige Leseerfahrungen anderer Bologger, die ich kenne, fehlen und mich frage, warum sie in dem Buch nicht enthalten sind?

Aber natürlich, es gibt über tausendzweihundert Bücherblogs und ein Buch hat nicht Platz für alle. Also ins Internet gehen und selber nachschmökern, lesen, entdecken und ich kann das Buch nicht nur am „Welttag des Buches“ wirklich allen empfehlen und raten, die weißen Seiten für sich selbst zu benützen und bedaure auch etwas, daß es beim Lesen seine Spuren hinterlassen hat, was fast den Verdacht aufkommen lassen könnte, daß das Internet vielleicht doch haltbarer ist?

2017-04-03

Blogbuster-Preis

Die Literaturblogger und auch die Booktuber sind eine sehr engagierte Gruppe. Die sogenannten Booktuber sind meist eher junge Frauen, die mehrmals im Monat Videos ins Netz stellen, wo sie über ihre im Vormonat gelesenen Bücher sprechen, die zeigen, die sie im Monat darauf lesen wollen, Fragen, sogenannte Tags, zu bestimmten Themen, beispielsweise, wie hoch ihr SUB ist, etcetera, beantworten, auf Buchmessen fahren und sich dort auf Booktubertreffen  versammeln und das dann meistens auch ins Netz stellen.

Sie besprechen ihre Leselisten und ärgern sich manchmal auch über die, die zu viel oder zu wenig lesen, zu viel jammern, sich mit ihren Büchern unter Druck setzen, etcetera und insgesamt gibt es  auch das Gerede, daß sie vielleicht zu wenig professionell seien, aber eigentlich betonen sie, daß sie das Booktuben Hobbymäßig betreiben und großen Spaß an der Sache haben.

Bei den Buchbloggern, von denen es inzwischen, glaube ich, schon an die tausendzweihundert im deutschen Sprachraum gibt, ist das ein wenig anders, da sind, wie ich in Leipzig sehen konnte, auch Männer und durchaus ältere dabei und einige von ihren streben durchaus in die Proffessionalität und haben auch Berufe, wie Journalisten oder Verleger und haben auch Literaturwissenschaft studiert.

So haben sich nach dem Mara Giese von Buzzaldrin 2013 mit ein paar anderen, die Idee hatte, die Longlist des dBps zu lesen, dann zwei Jahre später, die sogenannten offiziellen Buchpreisblogger gegründet, die sehr viel Werbung dafür machten und auch sehr selbstbewußt auftraten und inzwischen haben sich gerade in diesem Umkreis einige weitere interessante Aktionen gegründet.

So gibt es seit dem Vorjahr den Bloggerdebutpreis, bei dem einundzwanzig Blogger, da war ich auch dabei, aus einer Shortlist von fünf Debutanten Shida Baziyar „Nachts ist es leise in Theran“ ausgewählt haben. Ein Preis, der glaube ich,demnächst in Essen vergeben wird und für 2017 wurde der Preis wieder ausgeschrieben.

Da war die Teilnahme  sehr offen und, ich glaube, es konnteeigentlich jeder Blogger, der mehr oder weniger regelmäßig Literatur bespricht daran teilnehemen, bei anderen Aktivitäten wie bei dem „offiziellen Buchpreisbloggen“, muß man ausgesucht sein, um sich so nennen zu können, obwohl ja eigentlich jeder, die Buchpreisbücher lesen und darüber schreiben kann und ich angestachelt davon, das auch auf eigene Faust seit 2015 betreibe und 2016 höre und staune sogar neunzehn der Bücher von den Verlagen zugeschickt bekam.

Einer der Shortlistfavoriten beim „Bloggerdebut-Preis“, dem unter anderen auch Sophie Weigand von „Literaturen“, und Marina Büttner von „Literatur“ erleuchtet in der Jury angehörten, war Philiph Krömers „Ymir“ aus dem „Homunculus-Verlag“, das ist ein kleiner aufstrebender unabhängiger Autorenverlag und der hat jetzt ein anderes Bloggerprojekt herausgeeben, nämlich ein Buch mit dem Titel „Warum ich lese – 40 Liebeserklärungen an die Literatur“, dem ein Aufruf des Bloggers Sandro Abbate vorausgegangen ist, der vierzig  bekannten Blogger, wie Tobias Nazemi, Sophie Weigand, Jochen Kienbaum, Marc Richter von „Lesen macht glücklich“, Claudia Pütz vom „Grauen Sofa“, etcetera, diese Frage gestellt wurde.

Ein Buch das ich demnächst lesen und besprechen werde und Tobias Nazemi vom „Buchrevier“ auch einer der „Buchpreisblogger“, auf dessen Blog ich auch  gern kommentiere und ihn lese hat noch eine andere Idee gehabt, nämlich den sogenannten „Blogbuster-Preis“, wo er, glaube ich vierzehn oder fünfzehn Blogger, die sich für die Gegenwartsliteratur interessieren, aussuchte, an die man dann, wie er auf letzten „Frankfurter Buchmesse“ bekannt gab, ein Mansuskript schicken konnte und diese  Blogger haben dann aus über zweihundertfünfzig eingereichten Manuskipte eine sogenannte Longlist zusammengestellt.

Das heißt, jeder hat sich aus den ihm zugesandten Manuskripten einen Favoriten oder Favoritin ausgesucht, die dann auf seinen Blog vorgestellt und inzwischen gibt es auch ein sogenannte Longlistlesebuch mit einer Textprobe der ausgewählten Romane, die werden jetzt von Tobias Nazemi, Dennis Scheck und noch einigen anderen professionellen Kritiern, durchgeschaut, im April gibt es eine Shortlist und im Mai wird dann in einem Literaturhaus der Sieger oder die Siegerin vorgestellt, bekommt einen Verlagsvertrag und bei der nchsten „Frankfurter Buchmesse“ gibt es dann das ausgesuchte Buch.

Toll, könnte man so sagen und ich finde Bloggeraktivitäten und Selbstbewußtsein auch sehr schön. Das Ausgewähltwerden  gefällt mir weniger, aber beim „Buchpreisbloggen“ ist das ja kein Problem, da kann  ja jeder die Bücher lesen und darüber schreiben und ich kann auch inoffiziell in Leipzig über das blaue Sofa bloggen, die offizielle Bloggerin war da heuer Mara Giese und wenn sie etwas dafür bekommen hat, ist das auch sehr schön.

Der „Bloggerdebutpreis“ war auch sehr toll, denn da durfte  jeder mitmachen und ich habe mich sogar noch angemeldet, als der Anmeldeschluß schon fast vorüber war.

Beim „Blogbusterpreis“, bin ich wie beim „Bachmannpreis“ ein wenigskeptisch, denn ich habe jetzt das Longlistenlesebuch vor mir liegen, die Proben noch nicht gelesen und werde da wohl auch nicht wirklich fündig werden, denn was sagen schon zwanzig dreißig Seiten, daß müßte ich wohl alles lesen, um einen Eindruck zu bekommen, bin aber sicher, daß mir mehr als ein Text gefällt und, was mich wirklich stört ist die Frage, was passiert da mit den zweihundertneundvierzig oder so anderen Manuskripten, die eingereicht haben und nicht ausgesucht wurden.

Ich habe nicht eingereicht, weil ich sicher war mit meinen Rechtschreibfehlern nicht ausgewählt zu werden, denn die Blogger  und die vierzehn Texte, die in dem Buch drinnen sind, sollen, habe ich gehört, eine große Qualität haben, also die Besten von den Besten sein, denn die Blogger sind ja nicht nur sehr selbstbewußt, sondern auch sehr streng, so hat Jochen Kienbaum keinen Kanditaten ausgewählt, weil keines der Manuskripten seinen Ansprüchen genügt hat. Er hat das auf seinen Blog ausführlich begründet. Aber ich denke mir jedesmal wenn ich mir Literatursendungen, wie beispielsweise die „Literarische Soiree“ oder den „Literaturclub“ ansehe, daß da Bücher sehr sehr unterschiedlich besprochen werden.

Was dem einen gefällt, nennt der andere Schwachsinn oder umgekehrt und ich habe beispielsweise mit dem Longlistbuch von Joachim Meyerhoff im letzten Jahr nicht viel anfangen können, obwohl die meisten andern sehr davon schwärmten.

Also denke ich, vielleicht hätte Dennis Scheck oder die anderen Großkritiker ausgerechent Jochen Kienbaum Kanditaten, der jetzt keine Chance hat ausgewählt. Aber wenn das so wäre, bleiben noch die anderen über und das ist etwas was mir ja, wie ich sehr oft schreibe, nicht so gefällt.

Macht ja nichts, kann man denke, wenn die Manuskripte so gut sind, werden sie schon eine Agentur und einen Verlag finden und die Blogger wollen wahrscheinlich gerade mit ihrer Strenge ihre Professionalität beweisen und man kann sich seine Bücher auch inzwischen selber machen.

Viele tun das, aber trotzdem haben zweihundertfünfzig Leute ihre Texte eingereicht, vierzehn wurden für die Endbewertung ausgewählt, dann gibts bald eine Schortlist  und schließlich entsteht ein Buch. Die Blogger frohlocken, und die anderen schönen Texte bleiben über, finden eine andere Option und machen es selbst…

So ist es auch in Klagenfurt und abgesehen, daß ich immer die Frage nach den zweihundert anderen Texte stelle, bin ich natürlich  auch gespannt, wer da am Ende das Rennen macht? Glaube aber, wie auch beim dBP nicht, daß am Ende das beste Buch gewinnt, stehe dieser Auswahl- und Bestensucht skeptisch gegenüber und auch das andere lesen und mich für die Selfpublisher interessiere.

Man kann zu diesem Preis auch noch anmerken, daß man da auch schon etwas selber verlegt haben durfte, das ist ja bei den deutschen oder österreichischen oder Debutpreisen ausgeschlossen, da dürfen keine Selfpublisher ran, hier darf man keine Genres also keinen Krimi und keine Phantasy schreiben, was die Selfpublisher oft tun. Man sieht immer Regeln, Grenzen Stolpersteine.

Die Blogger sind aber sehr stolz auf ihre Favoriten, urteilten hart und zweihundertdreißig Bewerber bleiben über oder haben vielleicht gar nicht erst eingereicht.

Ich wnsche aber allen viel Erfolg und viele Leser, wenn sie dann ihr Buch trotzdem bei einem Verlag oder auch selbst herausbringen. Freue mich über die Bloggeraktivitäten, habe gestern wieder mein interessan am Bloggerdebutpreis angemeldet und da auch zwei Vorschläge für die Longlist gemacht, werde höchstwahrscheinlich wieder Buchpreisbloggen und auch selber publizieren, sowie gespannt sein, wer  den Preis gewinnt und auch neugierig, ob ich von den übergebliegenen Longlistkanditaten noch etwas hören oder lesen werde.

2016-12-22

Kryptozän

„Liebe Blogger und Bloggerinnen!“, hat mir vorige Woche der „Wagenbach-Verlag“ geschrieben.

„Die Zukunft läßt sich nicht aufhalten. Zeitenwenden kommen ungeplant und unverhofft. Lange schon wurde spekuliert und gerätselt. Monatelang hatte sich der Anbruch eines neuen Zeitalters angekündigt und nun ist es geschehen. Das Kryptzän hat begonnen!“

Dazu gibt es eine Website und das Angebot sich Pola Oloixaracs ersten auf Deutsch erschienen Roman zu bestellen, in dem es in drei Handlungssträngen um die Verknüpfung von Überwachungs- und Genmanupulationsstrategien geht.

Die Grundlage dazu, habe ich in einer Rezension gelesen, ist „daß Argentinien die biometrischen  und genetischen Daten seiner Bürger in einem Ausmaß erfaßt, wie kein anderes Land.“

Und die 1977 geborene Autorin ist eine argentinische Schriftstellerin und hat, wie es scheint, nicht nur mit ihrem ersten, sondern auch ihrem zweiten, bei „Wagenbach“ erschienenen Roman großes Aufsehen erregt.

Denn das Thema Überwachung und, wie weit das Internet manipulieren kann, wenn man vielleicht zu bereitwillig oder auch unfreiwillig seine Daten hergibt, ist ja in aller Munde und da habe ich auch zufällig vor kurzem zwei Romane gelesen, die das Thema auf jeweils sehr unterschiedliche Weise erfassen.

Vereinfacht ausgedrückt, kann man Pola Oloixaracs Roman wahrscheinlich genauso ungewöhnlich, wie den von Jarett Kobek beschreiben. Er ist auch genauso schwer zu lesen, denn höre und staune, der Zukunftsroman, der uns wieder eine Dystopie vor Augen führt und ich weiß, was das ist, auch wenn mir das mein Kritiker Uli nicht zu glauben scheint, beginnt im Jahr 1892, denn da geht der Pflanzenforscher Niklas Bruun auf eine Expedition nach Patagonien, um die „Crissida pallida“ zu erforschen, macht von den beobachteten Pflanzen schöne Zeichnungen, die auch im Buch abgebildet sind, gerät wahrscheinlich in einen Drogenrausch, kommuniziert mit Ratten, die in dem Buch überhaupt eine große Rolle spielen und so weiter und so fort.

Und hundert Jahre später macht sich eine argentinische Studentin auf eine Forschungsreise nach Brasilien auf, wird dort geschwängert, unterbricht ihr Projekt, heiratet kurz den den Kindesvaters, kehrt aber bald schon mit dem Söhnchen zu ihren Eltern zurück und der, ein dickliches, ein wenig asoziales Kind, wie die Wunderkinder halt sind, entwickelt sich zu einem begnadeten Hacker, wo schon, als er zwölf ist, die Herren von der Bank bei der Mutter anklopfen, den das Söhnchen hat die Daten stillgelegt.

Der geht nun, weil das Hacken ja langweilig ist, auch nach Patagonien in  ein ehemaliges Atomforschungsinstitut, wo er nun die Vermischung digitaler und genitaler Daten erforschen soll.

Da sind wir jetzt schon im Jahr 2024, also ein bißchen in der Zukunft, Cassio, wie der begnadete Hacker heißt, ist schon über vierzig und eine schöne junge Biologin namens Piera, die den Sonderling an Monica Lewinsky erinnert, gibt es auch.

Das Wunderkind erkennt die Gefahren, die in einer solchen Firma liegen, nicht umsonst hat der Gründer beziehungsweise, der Freund, der Cassio dorthin brachte, die Firma still und heimlich verkauft und so macht er sich auf, die Computer dieser Welt mit Viren zu verseuchen und sich auf den Weg nach Chile, um dort in die Einsamkeit zu entkommen.

Ein interessantes und schon wegen seiner Zeichnungen, so ungewöhnliches Buch, wie Philiph Krömers „Ymir“, das beim „Bloggerdebutpreis“ an zweiter Stelle, hinter Shida Bazyar gekommen ist.

Die Nazis und die bösen Deutschen, die ja in Patagonien dieses Atomzentrum einmal errichtet haben, kommen vor und noch vieles anderes.

Sex und erotische Phantasien, die mich ja nicht so interessieren, etcetera, ein sehr ungewöhnliches Buch, für das der Verlag, wie  oben beschrieben, auch einen sehr ungewöhnlichen Aufwand machte, eine eigene Website anlegte, wo man einen Trailer und auch Interviews mit der schönen Autorin und anderen lesen kann.

Spannend zu lesen und darüber nachzudenken, wie wir den Gefahren unserer Datenverschmelzung entgehen können, nicht umsonst habe ich mich in letzter Zeit ja auch mit den „Wissenschatlichen Cartoons“ aus dem „Holzbaum-Verlag“ beschäftigt, wo das Ganze viel harmloser gezeichnet wird.

Spannend sich durch die drei Handlungsstränge zu lesen und, um auf die Frage, des „Amazons-Rezensenten“ zurückzukommen oder sein Erstaunen zu beantworten, wieso ein Hackerroman im Jahr 1882, beginnt?

Der Anfang ist das Ende und alles führt in die Vergangenheit zurück, denn „ohne es zu wissen, wandelt er so auf den Spuren anderer Forscher, die schon am Ende des 19. Jahrhunderts einen radikalen Transhumanismus predigten. Als er erkennt welch finsteres Kalkül hinter dem Projekt steckt, steht Cassio vor der Frage, die jahrelang  auf seinem T-Shirt prangte: Hacker oder Beherrschte? Mit atemberaubenden Tempo und abgründigen Humor erzählt Pola Oloixarac von den alten und neuen Kontrollphantasien desMenschen – und schreibt ganz nebenbei noch eine Biografie des Internets. Kryptozän beweist, was wir spätestens seit Edward Snowdon ahnten. Der politische Held unerer Zeit ist der Hacker – ob wir wollen oder nicht!“, steht noch am Klappentext.

Interessant in letzter Zeit soviel über das Internet, aber auch über die Gentechnik gehört zu haben, denn Elisabeth Reichart hat ja auch einen diesbezüglichen Roman geschrieben, aber der ist noch nicht zu mir gekommen.

2016-12-18

Bücherweihnacht in der Grünangergasse und andere Adventstimmung

Über Weihnachten habe ich heuer noch gar nicht so viel geschrieben und wegen meiner überlangen Leseliste mit der ich jetzt langsam fertig werde,  zwei Weihnachtsbücher,  die dort standen auch schon heruntergestrichen.

Trotzdem war ich mit dem Alfred ein paar Mal Punsch trinken, am letzten Sonntag im Museumsquartier und am Montag im Amerlinghaus nach den „Wilden Worten“ und Weihnachtsfilme schaue ich mir seit Anfang Dezember auch wieder regelmäßig an.

Nicht so viel wie vor zwei Jahren, aber doch regelmäßigen einen pro Tag und in den letzten Tagen habe ich meine „Kroatiengeschichte“, die ja im Sommer spielt, mir wieder ein paar Mal laut durchgelesen, so daß ich am Samstag Mittag mit den Korrigieren fertig wurde, also den Text wieder den Alfred schickte, der das Buch daraus macht und den Beschreibungstext geschrieben habe.

Also fertig für das nächste Projekt.

„Vor dem Frühstück  kennt dich keiner“ lautet da der Arbeitstitel und die erste halbe Szene, die ich in der Dezemberschreibgtruppe geschrieben habe, habe ich jetzt abgetippt. Viel mehr als ein paar Namen und ein paar vage Ideen, wen die Dorothea Wewerka in ihrer Bibliothek, in der sie die Nächte verbringt, kennenlernen wird, habe ich noch nicht und muß mir da erst das Rohkonzept machen.

Dafür habe ich ja wieder, so wie auch im letzten Jahr ein paar Recherchetage vor, aber ob sich das noch vor Weihnachten ausgeht, da ich in der nächsten Woche ja meine Stunden habe, zum Friseur will ich meistens auch gehen, bevor ich was Neues anfange und die Fenster putzen, weiß ich nicht.

Also habe ich vor dem Mittagessen nur den Kroatiendekor, der am Tischchen neben der Weihnachtsdekoration stand, weggeräumt, zum Wiederlosen von „Bora“, wie ich das eigentlich wollte, bin ich ja wegen, meines eigentlich dreifachen Buchpreisbloggen, es ist da ja auch noch der „Bloggerdebutpreis“, den tatsächlich Shida Bazyar gefolgt von Philip Krömer, mit acht zu fünf Stimmen gewonnen hat, dazugekommen, bin ich nicht gekommen und für den neuen Text habe ich eigentlich noch keine Lesepläne und muß mir da wohl auch erst das Konzept erstellen.

Also Mittagschlafen und dann wollte ich mir eigentlich wieder einen Weihnachtsfilm ansehen, aber dann sagte der Alfred, daß er zum „Thalia“ und zum „Morawa“ will, Weihnachtsgeschenke einkaufen und es war ja auch der Flohmarkt des Hauptverbandes in der Grünangergasse, von dem ich eigentlich nicht wußte, ob ich hingehen soll oder nicht?

Habe ich ja schon genügend Bücher, andererseits…, also habe ich mich dem Alfred angeschloßen, beziehungsweise mich von ihm getrennt, weil er zuerst in den „Thalia“ wollte, mich aber, um viertel sieben mit ihm vor dem Punschstand der Ute Bock auf der Mariahilferstraße verabredet.

Punsch hat es dann in der Grünangergasse auch gegeben und eigentlich gar nicht so viele aufregende Bücher, dann haben sich  aber doch ein paar Schmankerl gefunden und sogar das “ deutsche Buchpreisbuch“ von 2010, Melinda Aadj Abonjis „Tauben fliegen auf“, dann Gustav Ernsts Monolog „Die Frau des Kanhzlers,“ Hanna Sukare „Staubzunge, Michaela Frühstücks „Tata Jelka überfänhrt ein Hendl“, das ich einmal in der „Alten Schmiede“ hörte und Emily Waltons „Mein Leben ist ein Senfglas“, das ja vor einigen Jahren sehr viel Staub aufwirbelte und ich auch bei einigen Lesungen war.

Gut angelegte zehn Euro, die, glaube ich, dem Hospitz am Rennweg zu Gute kommen.

Daniela Emminger „Die Vergebung mjuss noch warten“, eine Longlistnominierte des ersten östBp habe ich dabei liegen gelassen, aber nach dem Punsch im „Wortschatz“ gefunden.

Jetzt muß ich das alles noch lesen, bin aber cirka um fünf sehr beladen, durch einige Weihnachtsmärkte und die überfüllte Innenstadt in Richtung Mariahilferstraße gegangen und werde demnächst  das Weihnachtsbuch lesen, das ich noch auf meiner Leseliste habe, nämlich Uli Lucas „Weihnachten im Weltall“ und wenn ich das Weihnachtswochenende in Harland bin, kann ich da vielleicht ein bißchen Vicki Baum lesen, die ja auch noch wartet und mich an mein neues Konzept machen.

Ja und voriges Jahr habe ich am siebzehnten Dezember im „Read!!ingroom“ aus der „Nika“ gelesen und war vorher auch bei einem Bücherflohmarkt im Literaturhaus, wo ich mir ein paar Bücher der Andrea Winkler kaufte, die ich auch noch nicht gelesen habe.

Die „Nika“ habe ich mir übrigens vorgenommen, werde ich, wenn ich demnächst zum „Wortschatz“ oder einen anderen der offenen Bücherschränke komme, am nächsten Donnerstag will ich ja noch einmal zum klinischen Mittag gehen,  hineinlegen, um jemanden mit meinen Adventkalender ein kleines Weihnachtsgeschenk zu machen und wem es auf den Blog interessiert, am neunzenten und am fünfundzwanzigsten Dezember gibt es vom vorigen Jahr schon ein offenes Fenster zu dem ich dann jeweils verlinke und wenn ich, weil ja jetzt  nicht mehr so viele Veranstaltungen sind, vielleicht auch noch ein oder zwei weitere Fenster in den Blog hineinstellen,  kann die „Nika“ nach und nach zum kompletten Blogroman werden wird, den man auch in den nächsten Jahren finden kann.

2016-12-16

Hool

Weiter gehts mit dem „Aufbau-Verlag“ und dem Buchpreisbloggen, ja richtig gehört, Buch neunzehn der LL des dBp 2016 und das sechste Shortlistbuch ist doch noch zu mir gekommen und der Debutroman des 1986 geborenen Philipp Winkler, der in Hildesheim studierte und in Leipzig studierte, in der Nähe von Hannover, um das es in dem Buch geht, ist er aufgewachsen und für Auszüge aus „Hool“ hat er 2015 den „Retzhof-Preis für junge Literatur“ des Literaturhauses Graz bekommen  und ein Jahr später auch noch den „Aspekte-Preis“.

So prominent besprochen und hochgelobt wurde es wohl wegen des Thema, das ja für die hehre E-Literatur ein wenig abseitig ist.

Es geht, um die Hooligans und um die Loser dieser Gesellschaft, die jungen Männer, die höchst wahrscheinlich keine Literaturpreise gewinnen, weil sie die Schule abgebrochen haben, in ihrem Elternhaus Gewalt und Mißbrauch erlebten, dann mit Drogen und Alkohol in Kontakt kamen und nun den Sinn des Lebens darin sehen, die gegenseitigen Fußballfans zusammenzuschlagen.

Heiko Kolbe ist ein solcher mit einer sehr deftigen Sprache, manchmal abgehackt, manchmal mit Dialekt versehen „Nich so nah, Joko. Du hast`nen Kafeemüffel. Ach fick dich doch.“,wird rasant nach vorne und nach hinten in der Ich-Perspektive erzählt, was das Lesen und das Verstehen, manchmal etwas schwierig macht.

Die Mutter hat die Familie jedenfalls verlassen, der Vater sich eine neue Frau aus Thailand geholt, die Schwester Manuela hat studiert und versucht jetzt tapfer mit ihrer „Lehrerinnenart“ Bürgerlichkeit zu leben und die Normalität aufrechtzuerhalten. Das heißt sie bringt den Vater Hans in die Reha Klinik, um gegen sein Trinken was zu machen, Heiko soll sich inzwischen um die Tauben kümmern, was schwierig ist, weil es böse Assoziationen in ihm hochruft, hat er bei den Tauben doch einmal den Großvater gefunden.

Er wohnt jetzt bei einen Kleinkriminellen umsonst und muß sich dafür, um seine Hunde kümmern, den Geier namens Siegfried füttern und weil Arnim auf einen Tiger steht, muß er für den auch den Zwinger ausheben und ihn in der Nacht von der polnischen Grenze abholen.

Ansonsten arbeitet er im Fitneßstudio seinen Onkel Axel, das „Wotan Gym“ heißt, nicht umsonst wird der Onkel, der auch für die Hooligansangriffe zuständig ist, von den Rechten oder „Natzen“ besucht und so ist es verständlich, daß Heikos Familie, seie Freunde Kai, Ulf und Joho sind.

Mit denen fährt er zu den Matches der Hannoveraner, schlägt die Braunschweiger zusammen und dann wir Kay zusammengeschlagen, bekommt einen Nezthautriß, kann nichts mehr sehen und will aussteigen, nach London gehen und fertigstudieren und auch die anderen haben keine Lust mehr mitzumachen.

Nur Heiko schwärmt von der Revanche, muß seinen Vater aber im Krankenhaus besuchen, weil der gestürzt ist, legt seiner ehemaligen Freudnin Yvonne, eine Krankschwester, die inzwischen süchtig ist, den Schlüßel hin und als Armin überfallen wird, bleibt ihm nichts anderes über, als dem Tiger den Gnadenschuß zu geben, sich von Siegfried, der nicht in die Freiheit fliegen will, zu verabschieden und mit einem der Kampfhunde an der Seite in die ungewiße Zukunft zu fahren.

Nach vorne oder zurück? Der junge Shortlistennominierte, läßt das offen, macht bei Interview einen sehr sympathischen Eindruck und dort wird auch betont, daß er kein Holligan ist, aber durchaus Freunde in der Szene hat und am Buchrücken steht, wieder etwas, wie „Einen so knallharten, tieftraurigen und todkomischen Debutroman hat es seit Clemens Meyers „Als wir träumten“ in Deutschland nicht mehr gegeben.“

Thomas Klupp, ebenfalls ein Schreibschulenabsolvent und Literaturpreisträger hat das geschrieben, wie das bei den hochgelobten Romanen, die auf Buchpreislisten stehehen wohl auchsein muß, um die Kritiker zu begeistern und vielleicht auch den berühmten Schiwegermüttern für den Weihnachtstisch schmackhaft zu machen.

Ansonsten ist der deutsche Buchpreis schon einige Monate vorbei und das Leben und das Lesen ist weitergegangen. Wir wühlen jetzt wahrscheinlich schon in den „Frühjahrsvorschauen“ und bestellen die Bücher, die dann 2017 vielleicht auf der dBp stehen werden und lang wird es vielleicht nicht mehr dauern bis man „Hool“, das übrigens nicht auf die Longlist des „Bloggerdebutpreises„, der heute vergeben wird und den,  wie es aussieht wahrscheinlich Shida Bazyar gefolgt von Philip Krömer, gewinnt, gekommen ist, in den Abverkaufskisten oder bei den Bucherflohmärkten finden wird.

Mich hat das Buch nicht so sehr vom Sessel gerissen, obwohl es gut geschrieben ist, keine Sprachräusche sondern harte und wahrscheinlich gut recherchierte Realität aufzuweisen und auch keine so plotmäßige Spannunghandlung hat, was mir ja eigentlich gefallen müßte.

Ich habe es aber, wie schon erwähnt, ein wenig schwierig zu lesen gefunden und mußte mich sehr konzentrieren, um mit der Handlung einigermaßen mitzukommen.

Trotzdem ein interessantes Buch, eine interessante Neuentdeckung eines gerade Dreißigjährigen und jetzt habe ich bis auf „München“ alle der diesjährigen deutschen Buchpreisbücher gelesen.

2015 waren es alle, aber da habe ich ja nachgeholfen und bin auch zum Lesen in Buchhandlungen gegangen. Jetzt warte ich ab, ob ich das Buch vielleicht doch noch finde oder lasse die Lücke  so stehen, warten ja noch andere Bücher von längst vergangenen Buchpreislisten auf mich.

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