Literaturgefluester

2017-12-16

Unsere leeren Herzen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:54
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Das nächste Buch ist auch von „Kiwi“ und  handelt auch von Literatur, nämlich Essays des 1964 geborenen Thomas Herttche, von dem ich „Ludwig muß sterben“, gelesen habe und der mit der „Pfaueninsel“ 2014 auf der Long oder Shortlist gestanden ist und ich habe ihn glaube ich 1996 kennengelernt, als ich auf eigene Kosten nach Klagenfurt fuhr, denn da war er, glaube ich, Juror.

Die Essay sind eher kurze Stückchen, wo sich der Autor auf ein Werk bezieht, ein bißchen was dazu sagt, das Buch angibt und auch dazu schreibt, wann und unter welchen Umständen er es gelesen hat.

Thomas Mann, glaube ich, als er auf Lesereise war, da beginnt das Stück mit „Etwas erzählen, aber ich weiß nichts“, und Hettche dachte, es wäre aus der Erzählung „Das Eisenbahnunglück“ es war aber aus dem „Kleiderschrabk“.

So kann man sich täuschen. Dann geht es zu der Sprache der Fische“, das ist aus den „Sonnetten an „Orpeus“ von Rainer Maria Rilke und da ich ja erst vor kurzem „Träumer“ gelesen haben, sind mir beide Namen auch vertraut.

Danach beschäftigt sich Thomas Hettche mit Wilhelm Raabe,  dem Romanschreiben und versucht zu erforschen, warum der Autor derzeit eher wenig gelesen wird.

„Komm an meinen Schreibtisch voll von meinen Träumen!“, hat Wolfgang Koeppen an den Verleger Sigfried Unseld, der „Autoren und keine Bücher“ machte, geschrieben und Thomas Hettche sinniert sowohl darüber, was ein solcher Satz bedeutet und erinnert sich daran an seine Begegnung mit dem berühmten Verleger, der ihm flankiert von zwei schweigsamen Autoren in ein teures Lokal eingeladen hat.

Dann kommen drei Essays, die die Verbindung von Literatur zur Freiheit, Konvention, Zweck und Moral aufzeigen sollen, wobei sich Thomas Hettche sowohl auf Experimente, wie Facebook etwa die Stimmungslage seiner Benützer manipulieren kann oder, wie die Hamster auch in der Freihit die für sie aufgestellten Räder benützen bezieht, als auch Schlüße auf Vladimir Nabokov und Louis Stevenson zitiert und Schlüße zieht, die beim schnellen Drüberlesen gar nicht so leicht zum Nachvollziehen sind.

In „Das Bild einer Toten“ bekommt Hettche das Foto seiner ersten Freundin geschickt und swippt zu Karl Ove Knausgard über, der glaube ich, seine Befindlichkeit in einen Haufen Bücher verpackt und damit ein großes Publikum hat. Interessant, daß er nicht zitiert wird, aber ach ja, das ist ja trotz des Millionenpublikum wahrscheinlich nicht die richtige Literatur.

Thomas Hettches literarische Gelehrtheit, die er mit genialen Rundumschlägen durch die Literatur begründet, sieht man auch an seinen Essay zu Ovid, wo er über Franz Fühmann zu Franz Kafka kommt, dann geht es nach Paris zum Terror, Charlie Hebdo und Michel Houllebeqs „Unterwerfung“ und er zieht auch da Verbindungen zu Bader-Meinhof, Ernst Jünger und vielem mehr.

In „Mitsou“ beschreibt er ein Interview, das David Bowle mit dem Maler Balthus in Genf führte, hier kommt es wieder zu einem Irrtum, Hettche stelt sich nämlich vor wie Bowei aus London kommend in Gef landet, bevor er daraufkam, daß dieser in dieser Zeit schon längst am Genfer See lebte.

Mit einem Seitenhieb auf das Netz, wo ja angeblich jeder jeden Unsinn schreiben kann, geht es weiter und dann geht es in ein Schloß, wo an Künstler Stipendien vergeben werden, Hettche hat, als er jung war, auch einen Aufenthalt dort gehabt, jetzt unterhält er sich älter geworden, mit dem ebenfalls schon älteren Institutsleiter und befragt ihn zu den Veränderungen, die es seither gibt.

In der „Eberjagd“ setzt Hettche sich mit Ernst Jünger auseinander, dessen „Marmorklippen“ ich erst lesen muß.

Dann geht es um „Peter Schlemihl“ seinen Schatten und den Berliner Intellektuellen um 1800 zu denen außer Chamissos auch E.T.A Hofmann gehörte und interessant dieses Motiv oder Figur taucht auch in der „Pfaueninsel“ auf, die ich auch noch nicht gelesen habe.

Dann gehts  zur „Ohm“ oder zu Thomas Hettches Heimatdörfchen, wo er Peter Kurzek bei seiner ersten Lesung hörte und Paulus Böhmers Gedicht „Die Ohm“, der Fluß der Gegend, wird auch zitiert.

In „Theorie“ geht um Kant beziehungsweise um den Briefwechsel, den eine junge Frau aus Klagenfurt mit ihm führte und wo sie von ihm glaube ich die Erlaubnis zum Selbstmord haben wollte. Ob er ihr sie gegeben hat, habe ich nicht ganz mitbekommen, Thomas Hettche ist ja sehr heoretisch und zitert auch aus einem Buch einer Literaturwissenschaftlerin. Maria von Herberts hat sich aber  im Mai 1803 in der Drau ertränkt.

Und in „Wir Barbaren“ habe ich mir den Satz „Lesen bedeutet etwas zu begreifen und dabei stets mitzubegreifen, daß dieses Verstehen die Zeit nicht aufhält, sondern die Geschichte, gerade begriffen, einem schon wieder entgleitet“.

So ganz habe ich dieses Satz, wie vieles andere in Thomas Hettches Essays nicht verstanden und das ist beim schnellen Drüberlesen wohl gar nicht möglich und wer nimmt sich schon die Zeit genauer in die oft sehr kurzen Essays einzulassen, die munter von einem zum anderern Jahrhundert beziehungsweise Buch wechseln, wenn im Badezimmer schon die Bücher von den Frühjahrsneuerscheinungen warten?, habe ich gedacht, während meine Augen über die den letzten Essay, der die „Liebe“ behandelte, geglitten sind und da war noch die Frage, wie das jetzt mit den „Leeren Herzen“ aussieht?

Mein Kopf rauscht, weil ich jetzt einen Parcour durch die ganze Literaturgeschichte in drei Tagen hinter mich gebracht habe und bei jedem dachte,  das und das sollte  ich noch lesen und während ich mich noch fragte, ob sich die Herzen sich dabei gefüllt haben?, habe ich das Buch von seiner Hülle befreit, die mir  Gerda Löffler vor zig Jahren in der Straßergasse einmal zu Weihnachten geschenkt hat  und den einzigen Satz, der am Buchrücken steht, gelesen „Welche Tröstung kann Literatur unseren leeren Herzen heute noch sein?“, gelesen.

„Aha!“, und an meinen Bücherstapel im Badezimmer gedacht und daran, daß ich wahrscheinlich gar nicht so oft Tröstung brauche und meinHerz eigentlich gar nicht so leer ist, sondern pumpt und pumpt und wenn ich von Thomas Hettches Geisteskraft, bei dem ich als Kritikpunkt anbringen könnte, daß er mir manchmal sehr elitär und abgehoben erschien, auch nicht alles verstanden habe,  habe ich doch einen sehr interessanten Parcour durch die Literarugeschichte gemacht, den ich weiterempfehlen kann.

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2017-12-12

Heinrich Böll und die Deutschen

Filed under: Bücher — jancak @ 09:11
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Von dem 1917 geborenen und 1985 verstorbenen Nobelpreisträger Heinrich Böll habe ich vor kurzem seine posthum herausgegebenen und eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmten „Kriegstagebücher“ gelesen.

Denn er würde am einundzwanzigsten Dezember seinen hundertsten Geburtstag feiern und so sind bei „Kiwi“ zwei Bücher über oder von ihm herausgekommen.

Das erste sind die schon erwähnten Tagebücher, das zweite ist die Biografie oder der Essayband „Heinrich Böll und die Deutschen“, des 1943 in Oldenburg geborenen Literaturprofessors Ralf Schnell, den ich in Frankfurt bei „3-Sat“ über die Bücher reden hörte.

Das Buch ist in dreizehn Themenkapitel gegliedert. Das erste „Ich bin ein Deutscher“, das sich auf eine Tagung bezieht, die 1974 in Jerusalem stattfand, befaßt sich mit  „Fremdsein, Heimat, Sprache.“

Dann wird in „… das Herz eines Künstlers“ Bölls Herkunft der in einer christlichen Familie mit sieben älteren Geschwistern aufgewachsen ist, beschrieben und dann geht es schon in den Krieg.

Heinrich Böll wurde ja 1939 einberufen, seine Briefe aus dem Krieg, die er an seine Familie, sowie an seine Frau Annemarie geschrieben hat, wurden 2001 ebenfalls posthum herausgegeben und werden in dem Buch als „Entwicklungsroman“ bezeichnet. Klar, der junge Mann wuchs an der Front heran und wurde dadurch geprägt.

1945 ist er dann mit dem Wunsch Schriftsteller zu werden, zurückgekommen. Geschrieben hat er, glaube ich, schon vorher. Es wird eine Kurzgeschichte erwähnt, in den Kriegstagebüchern gibt es auch einen Bezug darauf.

Das dritte Kapitel „..das Brot der frühen Jahre“, beschftigt sich mit dem literarischen Aufstieg, der schon früh durch die Gruppe 47 gelungen ist. Zuerst wird aber ein Brief eines Verlags erwähnt, an den er den Roman „Der Engel schweigt“ schickte.

Der junge Familienvater hat sich nach dem Krieg zuerst als Hilfsarbeiter verdingt, die Frau Annemarie als Lehrerin die Familie erhalten und ihren Mann literarisch beraten, sie hat auch mit ihm übersetzt.

Der erwähnte Roman  wurde erst viel späterveröffentlicht. Denn Böll hat ihn wieder zurückgenommen und ihn in Kurzgeschichten, wohl des erhöhten Honororas und der Steigerung des Bekanntengrads verteilt, die in Zeitschriften veröffentlicht wurden.

1951 hat er dann mit der Erzählung „Die schwarzen Schafe“ den Preis der „Gruppe 47“ gewonnen und der literarische Aufstieg begann.

Dann kommt ein Kapitel über Heinrich Bölls Katholizismus, der 1976 mit seiner Frau „aus der römisch katholischen Kirche in ihrer Eigenschaft als Körperschaft“ ausgetreten ist, aber sich schon als Schüler sehr mit den Werken des französischen Theologen  Leon Bloy beschäftigt hat.

Der Stadt Köln, in der Böll lebte und der er auch in seinen literarischen Werken ein Denkmal setzte, ist ein Kapitel gewidmet und mit dem Judentum hat Böll sich auch sehr auseinandergesetzt.

So war er mit Paul Celan, dessen „Todesfuge“ ja bei der „Gruppe 47“ nicht sehr gut angekommen ist, befreundet und hat auch die „Germania Judaica“ gegründet.

Es gibt ein Kapitel über Bölls Beziehung zu Konrad Adenauer, dessen Erinnerungen er im „Spiegel“ kritisierte und dort hat er auch einen Artikel über die Bader Meinhof- Gruppe nicht Bande mit dem Titel „Soviel Liebe auf einmal“ veröffentlicht, was ihm jahrelang den Vorwurf ein „RAF- Sympathisant“ zu sein einbrachte und ihm verschiedene Hausdurchsuchungen bescherte, wie er  1977 in einem Brief an seinen Freund Lew Kopelew bemerkte.

Das Verhältnis zur DDR des sehr politischen Autors, der zu vielen gesellschaftspolitischen Themen Stellung genommen hat wird analysiert und dann geht es zu Marcel Reich Ranicki,der zu Böll ein ambivalentes Verhältnis hatte und eines seiner Bücher auch verrissen hat.

„Die fürsorgliche Belagerung“ und „Frauen vor Flusslandschaft“ wurden sehr kritisiert und im letzten Verhältnis geht es, um Bölls Nachruhm. Da meint der Autor, daß die Bücher in großer Auflage immer noch erscheinen und wahrscheinlich in vielen Buichhandlungen zu finden sind, zitiert aber auch einen FAZ-Bericht von 2008, wo MMR schreibt: „Reden wir offen: Schon jetzt ist nur wenig geblieben. Es wird naturgemäß immer weniger werden. Seine Romane sind inzwischen allesamt in Vergessenheit geraten.“

Wenn ich dagegen zu meinem Bibliothekskatalog gehe, finde ich viele Bölls , ob ich alle gelesen habe, kann ich nicht sagen, denke aber, daß dieser thematisch gegliederte Streifzug durch die Biografie, den Bezug zu den „Deutschen“ konnte ich nicht immer finden, außer, daß es das Land war, in dem Heinrich Böll lebte und die Nation der er angehörte, eine Aufforderung zur literarischen Wieder- oder Neuentdeckung sein kann.

Also lesen, lesen, lesen und ich bin gespannt, was ich außer den beiden „Kiwi-Büchern, „Kiepenheuer und Witsch“ ist ja Bölls Verlag und es gibt, glaube ich, eine siebenundzwanzigbändige Gesamtausgabe, noch vom Böll hören oder lesen werde.

2017-12-10

Man möchte manchmal wimmern wie ein Kind

Filed under: Bücher — jancak @ 00:26
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Am 21. Dezember 1917 wurde Heinrich Böll geboren, der 1972 den Nobelpreis bekommen hat und inzwischen, wie man meinen könnte, fast ein wenig vergessen wurde, während ich ihn in meiner Studentenzeit und auch nachher relativ viel gelesen habe.

So kann ich mich erinnern, daß ich den Frühling 1984 mit der kleinen Anna in dem Häuschen am Almweg verbracht habe und dort „Gruppenbild mit Dame“ gelesen habe.

An die „Verlorene Ehre der Katharina  Blum“ kann ich mich auch erinnern. Die habe ich aber schon vorher gelesen und ich habe sicher auch noch ein paar andere Bölls in meiner Bibliothek und sehe solche auch gelegentlich in den Bücherschränken.

Das mit der Vergessenheit wird sich jetzt ein bißchen ändern, hat doch „Kiwi“ zwei neue Bücher über und von ihn herausgebracht  und zufälligerweise habe ich auch vor kurzem, als ich sehr erschöpft von dem langen Marathonschreibens vom „Writersstudio“ nach Hause gegangen bin, im Bücherkasten den es vor der Buchhandlung Kuppitsch gibt, Werner Höfers „Deutsche Nobel Galerie“ gefunden, die anläßlich der Nobelpreisverheihung von 1972 herausgegeben wurde und ein großes Böll-Spezial enthält.

Ralf Schnel,l der den Band „Heinrich Böll und die Deutschen“ herausgebracht hat, habe ich bei meinem Frankfurter Buchmessensurfing, ich glaube bei „3-Sat“ gehört und der ist auch auf die von dem Bölls Sohn und Nachlaßverwalter Rene herausgegebenen Kriegstagebucher von 1943 bis 1945 eingegangen und hat erwähnt, was auch im Vorwort steht, daß die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren.

Dann hat  sich die Familie aber doch entschlossen, daß man sie der Öffentlichkeit vorenthalten sollte und Böll es wahrscheinlich ohnehin so gewollte , weil er sie sonst vorher vernichtet hätte, etcetera.

Bei Thomas Bernhard habe ich  etwas Ähnliches erlebt und gehört und da ich mir das Buch in Leipzig bestellt habe, als ich mit Uli Meier die Herbstvorschau durchgegangen bin, hatte ich auch keine Wahl, als das Buch zu lesen, obwohl es wahrscheinlich schon  sehr private Momentaufnahmen des jungen Wehrmachtsoldaten sind, der 1939 knapp seiner Matura, er hatte da gerade eine Buchhändlerlehre abgebrochen und Germanistik zu studieren begonnen hat, eingezogen wurde.

Er hat, wie ich in den Erläuterungen lesen konnte, seit Beginn des Krieges Tagebuch geführt, die ersten sind aber verloren gegangen und jetzt sind in dem schönen schwarzen Buch drei Tagebücher wiedergegeben die, das muß ich lobend erwähnen, von Rene Bölls Frau digitalisiert wurden, so daß man zuerst die Originalseiten sieht und darunter die abgedruckte Form lesen kann.

Das erste Tagebuch ist ein in Belgien gekaufter Kalender und es ist schön, die alten Tagebücher zu sehen. Die beiden anderen scheinen auch eher kleine Bchlein zu sein, so daß eigentlich nicht sehr viel Platz für die Eintragungen ist, die oft nur aus groß geschriebenen Worten, wie „Das Gelübde! Anne-Marie“ „Post von Anne-Marie“ oder „Ich darf in Urlaub fahren „Das Messer“ „Das Messer“ bestehen, was mich eigentlich auch bestätigt, daß es wohl eher eine Privateintragung ist.

Annemarie ist die Frau, die Ehe wurdem glaube ichm während des Krieges geschlossen, das erste Kind, das schon 1945 gestorben ist, in dieser Zeit geboren und die große Gläubigkeite und das Klammern an Gott ist auch immer wieder zu merken.

„Gott allein kann mir helfen! Gott allein kann mir helfen“, am17. 4. 44 beispielsweise oder am 18. 4. 44 „Das absolute Elend in den Kasernen“ Gott helfe mir!“

Es sind drei Tagebücher, das erste 1944 bis 1945, dasnn eines von 1944 bis 1945,  das dritte betriff nur das Jahr 1945 bis zum Kriegsende.

„Entlassung in Bonn“ lautet  der letzte Eintrag.

Das Buch ist gut kommentiert. so wird im Anhang immer wieder an die Briefe aus dem Krieg hingewiesen, die Böll ebenfalls geschrieben hat und die schon veröffentlicht wurden. Da kann man das Geschehen auch genauer verfolgen, hier kann man wahrscheinlich eher die unmittelbare Emotion mitnehmen.

Das Titelzitat stamm vom 29. Jänner 1943: „Man möchte vor Dreck und Müdigkeit manchmal wimmer wie ein Kind“ und auf den Dreck und den Hunger wird  noch öfter hingeweisen.

Im Nach- oder Vorwort steht noch, daß der junge Böll kein aktiver Kriegsverweiger war, sich aber von der Front öfter durch Urlaube und Krankheiten drücke. Davon kann man auf den Seiten auch lesen. Die Route erfährt man eher aus den Erläuterungen. So war Böll zuerst in Frankreich, kam dann in die Ukraine, war dort auch in den berühmten Stanislau über deren Vernichtung, ich im Vorjahr gelesen habe.

Interessant ist es also schon die unmittelbare Emotionen, die Verzweiflung, die Sehnsucht nach der Geliebten, nach Gott und der Erlösung so hautnah mitzuerleben.

Es gibt im Anhang auch Landkarten und ein paar Fotografien, wo man Böll in der Uniform sehen kann. Ich habe in Harland ja auch ein Album mit Kriegsfotografien meines Vaters und meine Mutter hat auch ein Tagebuch geschrieben, das wir gefunden haben, als wir die Wohnung in der Wattgasse auflösten.

Also interessant ist das Buch allemal und während man noch überlegt, ob man es lesen oder nicht lesen soll, weil man damit vielleicht doch eine Privatsphäre verletzt, kann man zu dem gleichzeitig erschienenen „Heinrich Böll und die Deutschen“ greifen, wo es diese Bedenken nicht gibt und ich werde mich auch noch ein bißchen in das Nobelpreisdossier einlesen und am besten ist es wahrscheinlich überhaupt zu den Originalwerken zu greifen und sie wieder oder vielleicht  erstmals zu lesen.

2017-12-08

Oder Florida

Buch fünf der Shortlist des Bloggerdebuts eine Auswahl aus vierundsechzig Longlistbüchern ist wieder komplett anders und eigentlich in meinem Sinn, nämlich ein DDR-Roman und die lese ich doch gerne.

Da waren also drei poetisch sprachlich anspruchsvolle Bücher, die ich wie folgt reihen könnte:

  1. Immer ist alles schön
  2. Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens
  3. Still halten

Dann die Biografie des Genies James William Sadis und jetzt ein „So lustiges und trauriges, ein so politisches und gefühlvolles Buch über das Deutschland nach der Wende, habe ich schon sehr lange nicht mehr gelesen!“, wie Jana Hensel am Buchrücken schreibt.

Die 1976 in Borna geborene Jounalistin und Autorin die  „Zonenkinder“ geschrieben hat, meint das.

Nicht ich, denn ich habe ja erst vor kurem „Peter Holtz“ gelesen und hätte dieses Buch gern auf der Shortlist des dBp haben wollen und  muß auch gestehen, daß ich nicht gleich in den Roman, des 1979 in Frankfurt an der Oder geborenen Christian Bangel hineingekommen bin.

Am Anfang erschien er mir etwas langatmig und unverständlich, aber dann habe ich mich hineingelesen und habe mir gedacht, daß das realistische Erzählen ja etwas für mich ist, obwohl es natürlich auch ironisch und komisch ist.

Natürlich ist es das und damit habe ich auch meine Schwierigkeiten und deshalb hab ich mir anfangs beim Lesen vielleicht ein bißchen schwer getan. Velleicht lag es auch am Format, denn es ist das zweite Buch das ich bei „Netgalley“ öffnen konnte. Das Erste war Kerstin Preiwuß „Nach Onkalo“.

Das habe ich dann aber als Printausgebe gelesen. Als ich aber am Freitag mit diesem Buch anfangen wollte, war die noch nicht da, also habe ich das PDF oder E-Book angefangen und das ist ja ein bißchen schwieriger, obwohl man auch da hineinkommt.

Dann habe ich das Buch bekommen und habe es mir auch ins Literaturhaus mitgenommen und in den Pausen des „Fried Festtivals“, darin gelesen.

Wir gehen, womit man wieder sehen kann, daß die meisten Bücher und auch sehr viele Debuts etwas Autobiografisches haben, nach Frankfurt an der Oder und in das Jahr 1998 und da ist der zwanzigjährige Matthias Freier und der hat gerade seinen Zivildienst hinter sich, ist Redaktuer eines Magazins, das sein Freund  Fliege gegründet hat und der hat noch andere Pläne. Er will nämlich, es sind gerade Wahlkampfzeiten und Gerhard Schröder wird etwas später Helmut Kohl ablösen, einen Kapitalisten zum SPD Bürgermeister machen, der heißt Franziskus und hat sehr neobliberale Ansichten, obwohl oder gerade, weil er aus dem Osten kommt und Freier, wie Matthias genannt wird, wird zu seinem Pressesprecher.

Frankfurt (Oder) heißt der erste Teil des Buches, weil es dort spielt und 1998 ist die Stadt offenbar sehr von den Neo Nazis bevölkert, die Freier auch krankenhausreif zusammenklatschen und der der frisch gebackene Pressesprecher eines Kapitalisten, der ihm von Florida vorschwärmt, weil dort ja alles so kapitalistisch ist, deshalb heißt das Buch auch so, hat gerade genug Probleme.

Lebt er doch in einer leeren Wohnung mit einem leeren Kühlschrank, die Mama, die die Wende in ein Callcenter verpflanzt hat, schickt ihm zwar Carepakete, beiehungsweise stellt sie ihm Letschodosen in die Küche, die Freier dann hinter im Bücherradel versteckt, weil er kein Letscho mag.

Die Mama ruft ihn auch mitten in ihren Meinungsforschungsinterviews an und fragt ihm dann nach seiner Meinung und erst wenn die Luft von den Supervisorn rein ist, wie es ihm geht.

Ja, so sans die Kapitalisten und Franziskus Wahl geht gehörig schief, weil man im Osten 1998 offenbar auch schon das Dirty Campaining kannte und da wird aufgedeckt, daß Franziskus in Florida ein Geschäft aufbauen will ,um die faulen Ossis zur Schulung dorthin zu schicken.

So wird er ausgepfiffen und verliert die Wahl, macht Freier aber, der auch um seine Jugendliebe Nada trauert, die mit ihrer Mutter  in den Westen mußte, weil die im Osten keine Arbeit mehr bekam, die er aber jetzt wiedergesehen und einen Kurzausflug nach Berlin mit ihr gemacht hat, wo er aber auch von den Nazis verfolgt wurde, ein moralisches oder unmorialisches Angebot.

Er nennt ihn jedenfalls einen Rohdiamanten, den er schleifen will. Das heißt Freier soll nach Hamburg und sich im Zoofachgeschöft eines befreudeten Kapitalisten in die BWL einarbeiten, dann nach Florida fliegen, für Franziskus ein Geschäft aufbauen und bekommt dann von ihm hunderttausend Dollear.

Die Mutter rät davon ab. Freier sagt zu und muß bei dem befreundeten Kapitalisten nun Kartons falten, Dosen aussortieren, Fischbecken putzen, etcetera und wird immer wieder vertröstet und zusammengeschißen, so daß er schließlich vor der Wahl steht, ob er sich weiter verskalven lassen oder nach Berlin abhauen und mit Nadja ein schönes neues freies Leben beginnen soll?

Ein interessantes Buch, vielleicht nicht ganz so knallhart iroinisch wie  „Peter <holtz“ erzählt. Aber knallhart komische Stellen hat es schon. Etwa gleich am Anfang, als Fliege mit dem Slogan „Mehr sonne für Frankfurt!“, in den Wahlkampf tzieht oder knallhart grausam, als er im zweiten Teil „(Oder ) Hamburg draufkommt, daß die Kapitalisten die Azubis aus dem Osten alle Udo nennen „unser dummer Ossi“.

Ansonsten ist Deutschland weit von Österreich weg und und das Jahr 1998 weit von 2017, wo die Neo Nazis ja nicht mehr Türken klatschen, sondern sich „Patrioten“nennen,  den Linksfaschismus bekämpfen und auf der Buchmesse „Wir alle hassen Antifa“, einem hilflos daneben stehenden messedirektor ins Gesicht schreien und ich denke mir 1998 ist lang vorbei. Die blauschwarze zweite Wende oder die „Orbanisierung“ Österreichs fängt hier erst an und begann zu überlegen, ob ich für Debutpreis wirklich nur drei poetisch schöne Bücher rangreihen will und, obwohl ja eine realistische Autorin, die realistischer geschriebenen außen vorn lassen will?

Ich will, das kann ich gleich verraten, nicht und werde das noch genauer in einen eigenen Artikel begründen.

2017-12-07

Still halten

Jetzt kommt Buch vier der heurigen Bloggerdebutpreis-Shortlist. Eine der anderen Mitjurorinnen hat, glaube ich, etwas von der ausgewogeneheit der Verlage geschrieben. „Limmat“, „Diogenes“, Verbrecher-Verlag, „Wagenbach“ und „Piper“.

Daß die Auswahl für mich sehr überraschend war und die Bücher sehr unterschiedlich sind, habe ich schon geschrieben. Das stimmt aber, glaube ich, nur zum Teil, denn drei der vier, die ich jetzt gelesen habe, sind sehr poetisch und das Debut der mir bisher unbekannt gewesenen Jovana Reisinger, eine Filmemacherin, die 1989 in München geboren wurde und in Österreich aufgwachsen ist, hat es in sich.

Es sprüht, glaube ich, von literarischen Anspielungen und Vorbildern, ein weiblicher Thmomas Bernhard habe ich mir  an einer Seite angestrichen und mir sonst überhaupt an die hundert wunderschöner poetischer Sätze herausgeschrieben. Und immer schön, das kann ich gleich anmerken, ist hier auch nichts.

Sehr viel Jelinek würde ich bei den Anspielungen über die armen Frauen heraushören, dabei ist die Heldin, die namenlose Ich- Erzählerin, glaube ich, gar nicht so arm, sondern eine Täterin.

„Die Frau ist immer ein Opfer“ und wenn man nach dem Neuen in dem Debut fragt, was ein gutes Buch ja haben muß, deren Autorin, glaube ich, sowohl Wolf Haas, „Das ist schon wieder nichts passiert!“, als auch Cornelia Travniceks „Chucks“ gelesen hat: „Darf  man denn noch überhaupt  noch Ausflüge machen, wenn die eigene Mutter im Sterben liegt“,  denke ich, daß es der Sprung von der Bernhardschen und Jelinekschen Österreich Beschimpfung zu der eigenen Psyche ist, der das Buch neu macht, obwohl  wieder wahrscheinlich viel zu viel in es hineingepackt wurde und daher manches, wenn man es durchdenkt, nicht so sehr logisch, sondern widersprüchlich erscheint.

Aber das soll die Literatur ja sein, überhöht und poetisch und den Leser von einer Methaper zur nächsten jagen, bis er atmemlos liegenbleibt in dem Wald, wo die Krähen und Füchse kommen und die guten Innviertler Knödeln serviert werdeen.

Ja, richtig, das hätte ich jetzt fast vergessen, an den schönen Heimatroman von Petra Piuk kann das Buch auch erinnern, obwohl Jovana Reisinger wohl mehr  auf Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek anspielt und auch im Tonfall erhabener klingt. Dann wird das „Still halten“ aber wieder alltäglich, wird zum Frauenleiden und dem,was der Durrchschnittsfrau wenn sie nicht aufpasst in diesem schönen Österreich oder auch Deutschland, jeden Tag passieren kann.

Die Heldin wird für ein Jahr krankgeschrieben, hat ein „Burnout“ oder auch ein „Psychose“, das Diabolische an Jovana Reisingers Debut ist wohl, daß sie gekommt den Spagat von der Psychose zu den ganz normalen österreichischen Abgründen a la Bernhard „Es ist alles fürchterlicher, als das fürchterlichste!“, beziehungsweise, Petra Piuks schönen Heimatroman, wo das Grauen nur idyllisch ist, zieht.

Die Erzählerin wird also krankgeschrieben, soll still halten und sich erholen. Ihr Mann fährt daraufhin, wie sich das so gehört, zu einem Kongreß oder einem Symposium und läßt sie allein und dann ruft auch noch ein Pfleger aus einerm Krankenhaus an und verkündet ihr, ihre Mutter liegt im Sterben und sie soll sie doch, bitte schön, besuchen.

Das habe ich noch vergessen, die Erzählerin ist vom Land in die Stadt gekommen und soll jetzt wieder dort zurück in das Krankhenhaus und was dann passiert ist auch ganz schön diabolisch. Denn das arme schwache Weibchen, das Opfer a la Elfriede Jelinek entwickelt jetzt ganz eigenartig durchtriebene Kräfte, als sie beschließt, der Mann, der sie im Auto hinbringen könnte, ist ja weg und Bus und Bahn kommen offenbar erst später in Erwägung, zu Fuß dorthin zu gehen. Dafür kauft sie sich in der Buchhandlung der Frau Pola, die sie vorher im Gasthaus traf, eine Wanderkarte von Österreich und das wird sehr schön fillmschnittartig beschrieben, obwohl ich anmerke, dieser Platz auf dem die Heldin dann sitzt, ist nicht der einer Großstadt, sondern eines Dorfes.

Der Wirt taxiert sie, bevor er ihr das Schnäpschen bringt, der Sparkassendirektor schimpft mit der Putzfrau, aber die ist eine Medizinstudentin und läßt ihn nur lächelnd weiter gestieren. Frau Pola verkauft dieLandkarte und die Heldin wird nun wohl ein paar Tage brauchen, bis sie über „Maria Bitter und Maria Eldend nach Maria Schmoll, etcetera“, die Mutter erreichen wird.

Deshalb gibt sie auch ihr Vorhaben auf, geht in die Wohnung zurück und wartet auf den Anruf, daß die Mutter gestorben ist. Dann nimmt sie den Bus, kauft sogar Blumen und da gibt es wieder eine filmreiche Farce im Krankenhaus, wie die Pfleger und die Oberschwester mit der nicht wirklichen Anteilnahme und des  Mitleides umgehen.

Danach kommt der der zweite Teil, denn der Mann ist nicht da, der sie in die Stadt zurückbringen könnte. Im Krankenhaus kann sie, obwohl ihr das angeboten wurde, doch nicht schlafen. So kommt der Pfleger auf die Idee, sie soll doch in das Haus zu dem auch ein Wald gehört, der Mutter, das sie jetzt erben wird, gehen.

Ein Taxi bringt sie dorthin und dann beginnt sie, während sie auf die Abholung des Mannes wartet, der sich dafür Zeit läß, das Buch spielt von April bis Juli, einen Kampf mit der Natur, wie in der Beschreibung steht.

Und das ist auch eine Farce, beziehungsweise Thomas Bernhard in Reinkultur, allerdings, um wieder realistischer zu werden, steht an einigen Stelle geschireben, daß die Erzählerin ihre Tabletten abgesetzt hat.

Und wer sich schon voher über die scheinbare Herzlosigkeit am Totenbett der Mutter „Der Vater ist hin und die Mutter auch“, wunderte, bekommt jetzt Aufklärung.

Der Vater hat sich nämlich in einer Hütte am Wald erhängt und die Mutter hat daraufhin, wie der Pfleger später erzählen wird, der Tochter  die Schuld gegeben und sie in Hütten und Zimmer eingesperrt.

So fühlt sie sich von den Krähen, die überall lauern, bedroht. Es gibt aber einen Nachbarn, einen Förster namens Jäger, der ihr anbietet, sich statt ihr, weil die Frauen das nicht können, um den Wald zu kümmern. Der läßt also abholzen und bringt bei Besuchen tote Rehe mit. Die Heldin findet indessen in einer ihr verboten gewesenen Hütte im Garten fünfunddreißig Liegestühle und stellt sie dort auf.

Sie überlegt auch, ob sie eine Pension aufmachen soll? Vorerst schießt sie aber auf die Vögel, hat zwar Bezug zu der Katze, die ihr auch ein Kätzchen bringt, die kommt aber um. Ratten und Mäuse liegen im Haus. die toten Vögel werden immer mehr. Die Tiere werden zur Bedrohung. Der Pfleger taucht wieder auf. Läßt sich von ihr zuerst, weil das  das Los der Frauen ist, bekochen. Dann wird sie aber offebar von ihm und vom Förster im Wald erschossen und, als der Mann endlich kommt, um es sich im Eigentum der Frau gemütlich zu machen, macht sie ihm nicht mehr auf. Das stört ihm aber vorerst nicht und offensichtlich auch nicht die toten Tiere, denn er legt sich in einen der Liegestühle und beginnt die ländliche Idylle zu genießen.

Ein sehr abtrünniger Heimatroman. Ene Satire mit einer sehr schönen Sprache, könnte ich schreiben und mir überlegen, wer ist jetzt Platz drei bei meinem Rankig, wenn ich bei meiner schon gesetzten Reihung bleibe?

Der journalistische Roman über ein Genie oder Jovana Reisingers Österreich Beschimpfung, die vielleicht doch nicht nur so dahingeplappert und abgeschrieben ist, wie ich an manchen Stellen dachte?

Mal sehen, ein Buch habe ich noch zu lesen und da habe ich das, was ich bisher davon hörte, auch sehr interessant gefunden.

Die Shortlist, die Auswahl aus den vierundsechzig vorgeschlagenen Büchern sorgt also für Überraschungen und bleibt spannend und so soll es auch sein!

2017-12-01

Mr. Holmes Krimi Adventkalender

Filed under: Bücher — jancak @ 08:48
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Es ist der erste Dezember und da werden die ersten Fenster der Adventkalender aufgemacht. Es gibt Teeadventkalender, die mit Schokolade oder kleinen Bildchen, man kann Süßigkeiten in Strümpfe oder kleine Schachteln stecken und die Datumszahl draufschreiben und und und….

Es gibt auch Bücheradventkalender, einen solchen habe ich einmal geschrieben, das heißt eigentlich zweimal, die erste Geschichte, die ich wirklich täglich in der Rohfassung aufnotiert habe, ist im „Best of“ zu finden und dann die „Nika,Weihnachtsfrau“, meinen fünften Nanowrimo, die ich zwar schon im November geschrieben habe, von der man in diesem Monat aber auch hier immer wieder Stückchen finden kann.

Zuerst aber zu etwas anderes, zu Sherlock Holmes nach England oder besser zum „Homunculus Verlag“, denn da haben, sehr schön ausgestattet und bebildert Joseph Felix Ernst, Sebastian Frenzel und Philip Krömer vierundzwanzig kleine Geschichten geschrieben, die man sich kalendermäßig aufstellen, jeden Tag eine  lesen und die Lösung erraten kann.

So steht es wenigstens auf der roten Rückseite mit dem schießenden Pinguin: „Rätseln Sie los und seien Sie schneller als der berühmte Meisterdetektiv!“, geschrieben.

Ich, die ich mich obwohl ja zum Zeitpunkt des Lesens noch gar nicht der erste Dezember war, schon ein wenig durchgeblättert habe, würde bezeweifeln, daß man das kann und das war wohl auch gar nicht die Absicht der wahrscheinlich listigen Autoren, denn auf der einen Seite gibt es die Geschichte, beispielsweise die der „Unheiligen drei Könige“ am Tag 1, da gibt es drei Markthänder mit den schönen Namen Caspar, Melchior und Balthasar. Caspar liegt tot auf dem Boden, hat mit seinem Blut noch „Melch“ geschrieben. Balthasar erzählt die Geschichte und auf der Rückseite klärt Mister Holmes alles mit Indizien auf, die man auf der Vorderseite nicht erkennen konnte.

Soll ich wieder spolern? Er war Linkshändler.  Mehr verrate ich nicht. Denn man soll ja die Geschichten selber lesen. Jeden Tag eine am besten und so verrate ich nur, es geht sehr weihnachtlich zu in dem Buch. Beginnt am ersten mit den drei Marktleuten, dann erweist sich ein Weihnachtsmann als Fassadenkletterer, während ein anderer an seinem Anzug verbrennt und der besoffene Weihnachtsmann zwar keinem Herzschlag erlegen ist, aber weil Weihnachten ist und die arme Ehefrau schon bestraft genug, drückt Mister Holmes auch einmal ein Äuglein zu.

Lustig wird es auch bei der Geschichte, wo der Bäcker verstorben ist und seine Geheimrezepte im Tresor liegen, die Erben aber nur ein Räsel haben um auf den Code daraufzukommen und die Plätzchen backen zu können.

Und denen, die in den Wald gehen, um sich das Bäumchen zu stehlen, wird eine Falle gestellt. aufpassen Weihnachtsbaumdiebe, sonst fällt euch der Baum  auf den Kopf und die Geschichte, wo der Reverend zu einer katholischen Sizilianerin geht, um von ihr ein wertvolles Geschenk für die Kirche abzuholen und sie nur leider, leider tot auffindet, beziehungsweise noch schreien hört, habe ich in einen Allan Wilton Krimi vor Jahren schon ein bißchenanders gelesen, da sitzen die Nonnen am Karfreitag im Gasthaus und essen Fleisch und so bin ich diesmal auf den Täter draufgekommen.

Eine fingierte Weihnachtskarte wird geschrieben, Katzen gestohlen, sowie die für Waisenkinder gedachten Geschenke, die zwar nicht viel Wert waren, aber natürlich steckte wieder etwas anderes dahinter, was man wahrscheinlich nicht erraten kann, wenn man die Hintergründe nicht weiß.

Einen Erpresserbrief gibt es und einen tödlichen Weihnachtsschmaus, bis man an den vierundzwanzigsten Dezember kommt, wo es in den „Diogenes Club“ geht.

Ich habe mich durchgeblättert und werde jetzt das kleine schöne Stück, das als Vorweihnachtsgeschenk Krimifreunden sicher zu empfehlen ist, auf mein weihnachtlich geschmücktes Betttischchen stellen und dann die Geschichten in schöner Reihenfolge vielleicht noch einmal genauer durchlesen, bin ich ja ein sehr strukturierter Mensch,  der Adventkalender nicht gerne vorher und nicht auf einmal liest.

Aber dieser war ein Rezensionsexemplar und so ist es am vierundzwanzigsten Dezember vielleicht schon zu spät, wenn ich die Geschichten einzeln lese und am Weihnachtstag als Gesamtrezension veröffentliche und außerdem will ich ja selber Werbung machen und auf meine Geschichten hinweisen und da passt es vielleicht nicht, wenn ich unter die Ankündigung meines neuen Buches, Geschichte eins der „Nika“ verlinke.

Also voila, nach dem das Buch besprochen und vielleicht auch schon für die Gattin oder Schwiegermutter bestellt ist, kann man sich genüßlich in Tag eins der „Nika“, die ich hier verlinke, begeben.

Dann gibts am 5. eine Geschichte, am  19. 25. 29. und 30 Dezember.

Ob ich Zeit und Raum habe, neue Geschichten als Artikel aufzunehmen, weiß ich nicht, da mein Bücherstapel im Badezimmer noch so hoch ist, daß wahrscheinlich jeden Tag ein Artikel erscheinen wird. Es gibt aber noch ein Weihnachtsbuch, das auf mich wartet und das werde ich ein wenig später lesen.

Einen weiteren Adventkalender gibt es hier,  hier und hier.

2017-11-30

Das Genie

Jetzt kommt Buch drei der Blogger-Debut Shorlist, die jetzt ja bekanntgegeben ist und für mich eine große Überraschung war, da drei der dort nominierten Bücher bisher an mir vorbeigegangen sind.

Obwohl von Klaus Cäsar  Zehrers „Genie“ hätte ich eigentlich etwas wissen können, ist das buch doch auch auf der Shortlist des „Bayrischen Debutpreises“ gestanden, den Franzobel schließlich gewonnen hat. War aber nicht so und bei Anna Jeller habe ich es auch erst vor ein paar Tagen in der Auslage entdeckt.

Das Buch, das wieder eher eine fiktionale Biografie als ein Roman ist, befaßt sich mit einem eigentlich psychologisch interessanten Thema, nämlich mit den Schicksal eines Wunderkindes, von dem ich auch noch nie etwas hörte, was vielleicht wieder ein Beiweis ist, wieviele Wunderkinder hundert Jahre später vergessen sind und vielleich,t als Sonderlinge durch das Leben gingen, denn auch von William James Sidis, 1998 in New York geboren, 1944 in Boston verstorben, habe ich noch sie etwas gehört, obwohl er einen Psychologen als Vater hatte und das Buch auch die „Genies“ heißen  hätte können, denn, wenn sie das so zugetragen hat, wie Zehrer es schildert,  war der Vater, Boris Sdis auch ohne die „Sidis-Methode“, die er  für die Erziehung seines Sohnes erfunden hat,  ein solches und wahrscheinlich genauso hochbegabt.

Das über sechshundert Seiten Buch widmet auch einen großen Teil, ein Drittel würde ich mal schtzen, der Vorgeschichte, erzählt also, wie Boris Sidis aus der Ukraine nach Amerika kam.

Er war der Sohn wohlhabender Juden, es wurde ihm auch eine ausgezeichnete Erziehung zuteil. Er kam aber, weil er das Volk  unterrichten wollte, mit der Obrigkeit in Konflikt, kam ins Gefängnis, wurde dort mißhandelt und flüchtete  nach Amerika.

Dort verschenkt er als erstes das Geld das ihm die Eltern mitgegeben haben, trennt sich von seinen Gefährten, dann mietet er sich in einerm Obdachlosenasyl ein, nimmt Arbeit in einer Fabrik an, nur um drei Tage später dem Besitzer zu sagen, wie er alles besser machen kann.

Der macht das auch und entläßt Boris, der verbringt die nächsten Tage in einer Bibliothek und staunt über das viele Wissen das es dort gibt, er kann aber ohnehin schon ein paar Dutzend Sprachen, Englisch muß er noch lernen, verdingt sich weiter in Fabriken, unterrichtet in seiner Freizeit Arme.

So lernt er Sarah Mandelbaum kennen, auch eine Auswanderin aus der Ukraine und bekommt mit ihr 1998 den Sohn William James, der nach dem berühmten Psychologen William James genannt wurde, bei dem Boris inzwischen studiert hat. Sarah hat als eine der ersten Frauen Medizin studiert, ist aber viel lebenspraktischer als ihr Mann, der die Hypnose entdeckt und Freud für einen Scharlatan hält, gegen den er kämpfen muß.

Da unterliegt er, wie die Geschichte beweist, denn Boris Sidis ist inzwischen wahrscheinlich vergessen.

Als das Kind auf die Welt kommt, beschließt er mit Sarah gemeinsam es mit der Sidis-Methode zu einem Wunderkind zu machen.

Bei „Wikipedia“ kann man klar und knapp nachlesen, daß der einen IQ über 250 hatte, mit achtzehn Monaten lesen konnte, mit acht schon vier Bücher geschrieben hat,  mit elf an der Harvard University zu studieren begann, dort einen Vortrag über die „Vierte Dimension“ hielt, vierzig Sprachen konnte und sich für Eisenbahn und Straßenbahnsysteme interessierte. Er zog sich  später zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück und starb 1944 an einer Gerhinrblutung, steht da lapidar.

Klaus Cäsar Zehrer macht ein über sechshundert Seiten dickes Buch daraus, das interessant und leicht zu lesen ist, wie schon einige der Mitblogger bemerkten und viel aus der Psychologiegeschichte und dem Leben der Wunderkinder erzählt und so faßbar macht, daß die meist sozial hinter ihrer intellektuellen Entwicklung nachhinken und wenig Freunde haben, weil sie mit den Menschen, die sie nicht verstehen, nicht viel anfangen können.

Der Vater ist ja auch ein bißchen so. Die praktische Mutter muß ihn zu einem Sanatorium zwingen, dort putzt und schrubbt sie selbst, während der Vater gegen Freud hetzt, seine Patienten verliert und schließlich an einem Schlaganfall stirbt.

Es gibt noch eine jüngere Schwester, für die aber wahrscheinlich zu deren Glück, keine Zeit war, die Wundermethode an ihr anzuwenden. Wahrscheinlich hielt man die für Mädchen auch nicht  so wichtig. So studierte sie zwar auch Soziologie, konnte später ihren Bruder, als der aus sämtlichen Systemen hinausgefallen war, aber immer unterstützen.

Der Vater war in den Systemen auch nicht drinnen und wahrscheinlich war William James Sidis ein Asperger-Typ den man damals noch nicht kannte, wie der Vater an der sozialen Verbersserung der Menschheit aber interessiert. So war er auch an einer Demonstration beteiligt, wo er Martha Foley, die Liebe seines Leben kennenlernte, die aber von dem Sonderling nicht viel hielt und er hielt nicht viel von der Sexualität, nannte sie verächtlich oder angewidert „koitieren“ und verärgerte damit seine Studenten, als er nach seiner Promotion, er war ein Universalgenie, als Assistent beginnen wollte.

Er arbeitete in Zeiten des ersten Weltkrieges an einem Institut, das vom Kriegsministerium bezahlt wurde und kündigte dort entsetzt, als er entdeckte, zu was er mibraucht werden hätte können oder wurde. Er nahm  aus diesem Grund nur mehr einfache Arbeiten an, verwarf sich mit seiner Mutter, die ihm Undankbarkeit vorwarf, floh auch vor der Presse, beziehungsweise hatte er einen Prozeß mit dem „New Yorker“, die seinen Sonderlingstatus genüßlich auf einigen Seiten zelibrierte.

Er liebte schon als Kind das Straßenbahnfahren, war später auch Schaffner, sammelte die Fahrkarten und gab unter einen anderen Namen, auch Bücher über Straßenbahnsystem hinaus.

So taumelte er durch das Leben, er verlor sämtliche Prozesse, denn über eine öffentliche Person kann man ja die Wahrheit sagen, daß sie ungepflegt ist und soziale Probleme hat, ohne daß es die Persönlichkeitsrechte verletzt. Es kommt dann  doch zu einer Einigung mit der Zeitung. So hat er sechhundert Dollar in der Unterhose, als ihm die Wirtin bewußtlos am Gang findet. Er kommt ins Spital und da kommt es nach Zehrer zu einer Verwechslung, die ihm den Gang ins Jenseits erleichtet, aber wahrscheinlich etwas kitschig ist.

Die Schwester und die Mutter kommen angereist, die Mutter wartet am Gang, die Schwester sagt ihm „your mother is here!“

Er versteht Martha, ist entzückt und stirbt mit dieser Information selig vor sich hin.

Ob es so oder anders war, wissen wir wahrscheinlich nicht. Ich werde dem Buch bis jetzt, die zwei anderen habe ich noch nicht gelesen, den dritten Platz geben und mich für Platz eins für Julia Webers Poetik entscheiden, die ja auch in die Sozialkritik geht und dann an Juliana Kalnays Surrealismus und kann nur wieder betonen, wie unterschiedlich diese Shortlist von ihren Stellen her ist.

Aber das ist wahrscheinlich das Tolle daran, obwohl man diese journalistisch aufbreitete Biografie des 1969 geborenen Zehrers, nicht wirklich mit der sprachlichen Poetik der beiden Sprachschulabsolventinnen vergleichen kann.

Äpfel und Birnen, wie ich  immer schreibe und Bücher sind auch nicht vermessbar. Es gibt aber sehr viele und sie sind sehr unterschiedlich geschrieben und so haben Bozena Anna Badura, Janine Hasse und Sarah Jäger aus den vierundsechzig eingereichten Büchern sehr unterschiedliche Bücher ausgewähl und bin auf die zwei anderen, die mich noch erwarten, schon sehr gespannt.

2017-11-27

Toni und Moni

Filed under: Bücher — jancak @ 17:16
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„Oder Anleitung zum Heimatroman“. Über das zweite Buch von Petra Piuk, die schon am Volksstimmefest gelesen hat und mit ihrem Debut „Lucy fliegt“ auch bei den „O Tönen“ gelesen hat, habe ich schon einiges gehört.

War ich doch beim „Literarischen Heimatabend“ im Weinhaus Sittl und auf der „Buch-Wien“ wurde es im Literaturcafe auch gestellt.

Da habe ich, glaube ich, gehört, daß die 1975 in Güssing geborene, die glaube ich, die „Leondinger Akademie“ absolvierte, während oder nach der Van der Bellen Wahl, ja die hat  zum darüber Schreiben animiert, auf die>Idee einen „Heimat- oder besser „Antiheimatroman“ zu schreiben ,gekommen ist, denn darauf können ja eine oder einen, die entsprechenden Videos oder Posting zum Thema „Heimat“, „Ausländer“ oder „Überfremdung“ leicht bringen.

Petra Piuk geht es programmatisch an und hat auch einige Ebene in ihren Roman eingebaut, um das „Anti“ besonders deutlich zu machen. So gibt es immer wieder Fußnoten, wo die Verlegerin Tanja Raich mit ihrer Autorin schimpft oder sie mahnt, schneller zu sein, Leserwünsche zu erfüllen, die Handlung umzuändern, weil ein guter Roman ja spannend sein muß.

Ich weiß oder glaube eigentlich nicht, daß man in der „Leondinger Akademie“ nach der „Heldenreise“ vorgeht. Vielleicht hat Petra Piuk auch nur ein Buch darüber gelesen, wie ein spannender Roman sein oder nicht sein soll?

Sie macht sich auf den Frußnoten, ganz klein auch darüber lustig und dann ist vielleicht auch verwirrend, wer schreibt eigentlich den Roman, ist das Petra Piuk, der Name kommt häufig vor oder ist es die „Frau Schriftstellerin“?

Da scheint es auch mir nicht immer so ganz klar zu unterscheidende Unterschiede zu geben. Aber wahrscheinlich ist die Frau Schriftstellerin, das Geschöpf der Autorin P. P. und beide mischen sich aber ein und bekämpfen sich auch gegeneinander oder werden von der Lektorin auch dazu aufgestachelt und dann, das wissen, die, die sich für die „Heldenreise“ interessieren oder Schreibratgeber lesen, sicher, ein guter Roman muß einen Antogonisten haben.

Die Harmoniebedürftige, die ich offenbar bin, hat bei ihren Büchern manchmal Schwierigkeiten damit.

Petra Piuk führt da die böse Cousine ein, die das schöne Dorf Schöngraben an der Rauscher, verlassen hat, um in die Stadt zu gehen. Das man das in einem „schönen Heimatroman“ nicht darf und, daß in einem schönen Heimatroman auch keine Fremden erwünscht sind, liest man auf den ersten Seiten.

Da kommt die Cousine zur Taufe des kleinen Toni, des Neujahrsbaby, zurück und will ihn nicht halten. Sie kommt aber noch einmal, als Romanschriftstellerin und deren nicht so schöner erster Roman, den sich die Dorfbewohner entsetzt nacherzählen, hat eine Handlung wie „Lucy fliegt“  und jetzt will die Cousine auch einen Heimatroman schreiben, also sehr verwirrend oder besonders ausgefuchst.

Das Buch ist auch nicht in der üblichen „schönen Heimatromanform“ geschrieben, sondern in programmatischen Kapiteln, die uns erklären, was ein schöner Heimatroman, eine schöne Tradition, eine ehrliche Gastfreundschaft ist oder wie man es in dem schönen Dorf, mit dem Alkohol, der Tierliebe, der Ehe, etcetera hält.

Das liest sich dann in etwa so:

„1. Schöngraben ist ein schönes Dorf.

2.In Schöngraben fühlt sich jeder Gast daheim.

3.In der Heimat gibt es: ein gutes Essen, ein gutes Trinken und gute Menschen. Aber keine Gutmenschen. Das darf man bitte nicht verwechseln.

4. Außerdem gibt es: eine gesunde Landluft, eine gesunde Jause und eine gesunde Watschen.

5.Außerdem gibt es: eine schöne Natur, eine schöne Tradition und eine schöne Heimatmusik.

6. Natürlich gibt es noch viel mehr Schönes in der Heimat. Die Dirndlkleider sind schön. Die Lederhosen sind schön. Die Leich ist schön“.

Man sieht schon, glaube ich, wie der Hase läuft. Ich-Erzähler ist der Toni, der Sohn vom Friedl und der Gabi. Am Schluß gibt es ein Personenregister und die geben so alle zwei Jahre, gemeinsam mit den Eltern in der Zeitung eine Geburtstagsanzeige auf, die sie dem Bubi dann zum Geburtstag schenken und überall aufhängen

Das liest sich dann, schön eingerahmt so:

Lieber Toni!

(Neujahrtsbaby von Schöngraben an der Rauscher)

Du wirst heuter vier, darauf trinken wir Bier und schenken dir

die Geburtstagsanzeige hier.

Alles Gute zum Geburtstag! Papa, Mama, Oma, Opa“

Das führt durch die Handlung des schönen Heimatromans und der muß ja, wie man lesen kann, ein glücklches Ende, also eine schöne Hochzeit haben. Die Braut  soll die Moni sein, wie schon der Name sagt, die Nachbarstochter, die will aber nicht, weil ein schöner Roman ja auch seine Konflikte und seine Antagonisten braucht, bis die Hochzeitsglocken läuten und Roy Black „Ganz in weiß“, ja richtig, Schlager spielen auch eine große Rolle, singt, so ganz, obwohl der Toni mit ihr  schon frühzeitg „Vater Mutter Kind“ und auch Hochzeit am Dachboden spielt.

Deenn sie will zuerst einen Michael, so daß der Toni ihre Katze töten muß, um sie auf den richtigen Weg zu bringen, dann will sie in die Stadt, eine Lehre als Fotografin zu machen, was sie aber nicht soll, denn die Stadt ist ja gefährtlich und da wird man gleich, wie man  auch in diversen Postings lesen kann, in der  U-Bahn vergewaltigt.

Da mischt sich dann die Cousine ein und, daß es auf dem Land nicht ganz so idyllisch ist, wie oben geschildert, läßt uns die Autorin auch noch wissen, denn da geht der Toni in den Stall, um den Bauern nach Kalbfleisch zu fragen und der hat seinen Penis schon darin und der Toni ist vielleicht vom Poldi Opa, so daß der Opa zuerst die Oma, die das verraten will und dann sich selber umbringt und so weiter und so fort.

Lauter Schwierigkeiten und so muß die Lektorin ihre Autorin öfter mahnen, doch bitte bald zu dem glücklichen Ende zu kommen, denn es gibt  schon Vorbebestellungen und Lesetermine und das kommt dann auch, die Hochzeitsglocken läuten, aber auch nicht für lang, denn jetzt mischt sich auch noch die Moni ein, entpuppt sich als die wahre Autorin und sprengt die ganze Idylle mit Schwung in die Luft.

Man sieht, es ist sehr viel los in diesem Heimatroman und er ist vielleicht auch nicht für allle Gemüter geeignet, denn die die sich Dirndln, Kuhglocken und ein Happyend erwarten, werden vielleicht enttäuscht sein und „So ein Schmarrn!“, der Frau Lektorin.

Ein klein bißchen hatte ich mit dem „Verarschen“ auch meine Schwierigkeiten, obwohl ich ja selber manchmal abgebrochen schreibe und denke, daß man sich in Zeiten, wie diesen, durchaus politisch äußern kann und darf. Robert Menasse, Doron Rabinovici, Mascha Dabic und auch ich selbst natürlich, tun das auch und jetzt bin ich auf das dritte Buch von Petra Piuk gespannt.

 

2017-11-25

Die Datei und die zweite Datei

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Jetzt kommt die Fortsetzung des „Circles“ könnte man so sagen. Arnon Grünbergs „Datei“, schließt aber auch ein bißchen an Doron Rabinovicis „Außerirdische“ an und den 1971 in msterdam geborenen Autor, der glaube ich sowohl da, als auch in New York und Berlin lebt, habe ich vor Jahren einmal bei „Rund um die Burg“ gehört.

Voriges Jahr als Niederland das Gastland in Frankfurt war, ist sein „Muttermale“ erschienen, daraus habe ich ihn dann bei den „Fried Tagen“ lesen gehört, das Buch nicht mehr bekommen, aber entdeckt, daß ich einen anderen Grünberrg mal gefunden habe und jertzt ist bei „Kiwi“ als Taschenbuch die „Datei“ und daran anschließend, noch „die zweite Datei“, eine kürzere Erzählung, erschienen.

Es geht um Lillian, Mitte zwanzig und sie ist ein Nerd, das heißt in ihren Fall, eine ditgtal Native, die eine Menschenallergie hat, weil ihr Leben fast ausschließlich im Netz stattfindet.

Damit macht sie ihren Eltern, einem Lehrer und einer Sozialarbeiterin, bei denen sie, obwohl schon erwachsen, noch lebt, große Sorgen. Denn sie sperrt sich tagelang in ihr Zimmer ein und frißt sich vorm Computer mit Paprikachips fett, so daß sie einen dicken Hintern hat, auf dem sie sich noch die Namen ihrer Eltern, mit denen sie kaum spricht, eintätowieren lassen will.

Das war früher einmal, als sie einen Pädophilen, der sie zu einem Nacktfoto erpresste, mit Hilfe von drei Hackern in den Selbstmord trieb.

Jetzt gibt es einen Freund im Netz namens Banri Watanuki, der sie überredet, eine Stelle als Rezeptionistin in einer Internetfirma, die wohl ein bißchen dem Circle ähnlich ist, anzunehmen.

Alex, der Gründer, stellt sie ein und will sie später zu seiner Assistentin ausbilden lassen und eines Tages setzt sich in der Kantine, hier wird, wie das auch Lillian tut, kein Fleisch gegessen, nur Obst und Gemüse, Seb zu sich, der Nerd, der in den oberen Etagen hackt und  eigentlich keinen Kontakt zu ihr haben soll.

Denn in der Firma wird nicht viel miteinander gesprochen, weil alles ein Geheimnis ist. Er bringt sie aber am Abend, Lillian ist Radfahrerein und es regnet, nach Hause. Beide wohnen in Den Haag, die Firma ist in Delft. Sie darf aber seine Wohnung nicht sehen, denn die ist geheim, trotzdem kommt sie am nächsten Tag dorthin mit, weil sie in ihn Banri zu erkennen glaubt. Sieht seine Katzen, er streicht ihr über die Schenkel und sie bekommt prompt Quaddeln, wegen ihrer Menschenallergie, die sie zu einerÄrtzin treibt, bei der sie seit Jahren nicht mehr war.

Jetzt kommt Alex an den Plan und lädt sie zu einem vegetarischen Abendessen ein.Er erzählt ihr von seinen Plönen und nimmt sie mit auf eine Konferenz und als Seb, der eigentlich Sebastian heißt, ein paar Tage lang nicht zur Arbeit erscheint, kauft sie Muffins und bringt sie in seine Wohnung. Dort sind die Katzen, seine lieben, tot.Er hat sie getötet, weil er sich von der Firma übernommen und sich von ihnen bedroht und auspioniert glaubte und verschwindet in den Untergrund oder in die portugiesische Botschaft, während Lillian ein paar Tage mit Alex in einer  Hütte an der Cote d` Azur, wo man sich nackt aufhält, verbringt  und er ihr anvertraut, daß er eigentlich Almond, einer der früheren Hacker ist.

Ein wenig geheimnisvoll und verwirrend und vielleicht auch nicht ganz logisch, diese Geschichte, die mich aber trotzdem sehr beeindruckt hat.

In der zweiten Geschichte die noch surrealer beziehungsweise unverständlicher ist, geht es um einen Christus-Virus. Den will Lillian, die sich inzwischen nicht mehr so nennt, arbeitslos geworden ist, aber immer noch im Haus ihrer Mutter lebt, in die Welt setzt. Der nicht sie, kommuniziert mit der Mutter, die sich darüber freut und Lillian ist, Vater unbekannt, schwanger. Sie sagt es ist der Virus, die Polizei kommt, beschlagnahmt den Computer, läßt sie aber frei und die Hebamme hält nichts von einer Hausgeburt. So wird Lillian von der Feuerwehr in den Krankenwagen gehieft. Die Gynäkologin mit der häßlichen Brille bedauert, daß sie nichts mehr tun konnte.

„Dein Sohn ist gestorben!“, sagt die Mutter, die nunmehr alte Frau genannt wird. Lillian aber drückt fest den Arm der Gynäkologin und betdeuert „Der Virus lebt!“

Vielleicht ist es das, wie sich der 1971 geborene Schriftsteller, die moderne Computerwelt und ihre Sprachlosigkeit vorstellt, die Nerds, die sie betreiben sind voll gestört und sehnen sich doch nach Liebe, verstehen sie aber nicht auszudrücken.

Dem Buch ist übrigens, lese ich im Beschreibungstext ein Experiment vorausgegangen, wo man sich die Hirnströme bei der Lektüre messen lassen konnte.

Interessant, denke ich darüber, obwohl ich den Zusammenhang nicht ganz nachvollziehen kann.

2017-11-24

Immer ist alles schön

Filed under: Bücher — jancak @ 00:17
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Jetzt kommt noch ein Debut, nämlich der Roman, der 1983 in Tansia geborenen und in Zürich lebenden Julia Weber, die damit den „Franz-Tumler-Literaturpreis“ gewonnen hat. Ein sehr poetisches Buch, das auf eine sehr poetische Art und Weise, wie man sagen könnte, das Leben von zwei Kindern und ihrer alleinerziehenenden Mutter erzählt, das eigentlich gar nicht so schön ist. Ganz und gar nicht ist das Leben solcher vom Jugendamt betreuten Kinder, die nicht zur Schule gehen, deren Müutter Bartänzerinnen sind, in der Realität höchstwahrscheinlich.

Julia Weber macht ein Poem daraus und es gibt im Anhang oder im letzten Teil des Buches auch Zeichnungen, die das Ganze noch einmal auf eine ganz andere Art und Weise sehr poetisch erklären.

Im Interview erklärte Julia Weber, die  am Literaturinstitu von Biel studierte und Daniil Charms, Aglaia Veterany und Nathalia Ginzburg, also auch sehr poetische Autoren, als ihre Vorbilder angibt, daß sie für das Buch länger keinen Verlag gefunden hat, weil es denen zu unfertig schien.

Jetzt ist es fertig und in dem wahrscheinlich eher kleinen „Limmat-Verlag“ erschienen, der mir auch die „unbekümmerten Anarchistinnen“ zugeschickt hat und es ist wirklich ein sehr beeindruckendes Buch und eines, wie man es vielleicht noch nicht sehr oft gelesen hat und es beginnt auch sehr beeindruckend.

Ich wünsche mir einen Urlaub voller Feuer und Fernweh und Bruno wünscht sich einen Alkohol!“, ist der Beginn und dann ziehen Anais, die Ich-Erzählerin, ihr jüngerer Bruder Bruno, der weise und intellektuelle mit der Mutter Maria los und sie landen auf einen Campingplatz.

Die Mutter nennt die Kinder „Meine Tierchen“ und das könnte auf der einen Seite abwertend klingen. Tiere spielen in dem Buch aber eine große Rolle und man merkt es gleich oder auch nicht, diese Mutter liebt ihre Kinder, auch wenn in dieser Beziehung, alles sehr ungewöhnlich ist.

Denn der kritische Bruno will  keinen Alkohol, die Mutter aber liebt einen Becher Wein, den sie auch trinkt und dann kommt noch ein Mann und führt die Mutter zum Tanzen aus. Sie wehrt sich zuerst, einigt sich dann auf einen Tanz und kommt nicht zurück, so daß die Kinder sie erst holen müßen.

Die Mutter ist, erfährt man etwas später, Bartänzerin und der Besitzer der Bar, Fred ist ihr Freund. Es kommen dann auch Kapitel, in denen die Mutter von ihren Schwangerschaften und wieder sehr poetisch von ihrer Lebe zu den Kindern spricht.

Aber ganz scheint sie das nicht zu schaffen, denn es kommt zu einem Besuch von einem Riesen, das ist, stellt sich heraus oder man kann es sich so deuten, ein Sozialarbeiter vom Jugendamt auf Hausbesuch, weil die Kinder nicht zur Schule gehen. Die Wohnung scheint auch vermüllt. So ganz einfach ist das durch die poetische Sprache nicht zu erkennen und gerade diesen Kontrast finde ich, die ich ja heuer schon einige Debuts gelesen und gehört habe, sehr ungewöhnlich und neu.

Die Mutter verschwindet dann auch, läßt die Kinder mit einem Brief zurück, daß sie zur Nachbarin gehen sollen, wenn sie was brauchen. Es kommt der Riese wieder, um die Kinder zu betreuen oder sie aus der Wohnung zu locken. Er bringt ihnen auch Essen und erzählt ihnen von seinen Kindern, was ein Sozialarbeiter wahrscheinlich normalerweise auch nicht so einfach tut und in dem Teil „Zeichnungen“ wird die Geschichte dann noch einmal in der Bildersprache nacherzählt.

Spannend, spannend dieses ungewöhnliche Debut und fast eine wenig an Michelle Steinbecks „Mein Vater war im Land ein Mann und ein Wasser ein Walfisch“ erinnernd, aber eigentlich viel weniger verstörend, obwohl das, was hier erzählt wird, auch nicht gerade lustig ist und bei „Amazon“ gibt es, und das ist auch sehr interessant, derzeit sowohl eine Einstern als auch eine Fünfstern Rezension, die Fünfsternrezension ist sehr genau und erzählt von den Unterschieden der beiden Kinder und dem Sinn des Buches, das ein Leben erzählt, in dem eigentlich gar nicht so viel Schönes passiert.

Die Einstern Rezension meint, das Buch wäre langweilig geschrieben, stimmt so ganz leicht zu verstehen ist es nicht und man muß sich wohl auch auf die poetische Sprache einlassen und die Realistin in mir schreit auch gleich, ganz so einfach ist es nicht.

Trotzdem bin ich von Julia Webers Bildern und Poetik sehr beeindruckt, denn einen Sozialarbeiter mit einem Riesen zu vergleichen, muß einer erst einmal einfallen und so würde ich sagen, daß manche Stellen, wie beispielsweise, der erste Satz oder die Riesenmetapher sehr beeindruckend sind, während manches vielleicht nicht so ganz einfach zu verstehen ist und, ob die schöne Sprache über eine triste Wirklichkeit hinwegtäuschen kann, ist wohl immer die Frage, obwohl ich zugeben muß, daß das Julia Weber beeindruckend gelungen ist.

 

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