Literaturgefluester

2020-01-26

2019 in Cartoons und Graphiken

Ein weiterer Jahresrückblick und ein weiteres „HolzbaumBuch“, diesmal trotz des Titels, das erste aus dem neuen Jahr gekommene, sozusagen und eine weitere typische „Holzbaum-Reihe“, die ja sehr gerne alles auch in Graphiken abbildet und auch ein politisches Buch und da war ja in diesem noch sehr jungen Jahr schon einiges los von der Regierungsbildung bis zu der Gründung einer neuen Linkspartei, also schauen wir uns das Jahr 2019 und seine politischen und unpolitischen Gechehnisse noch einmal in  Cartoons und Graphiken an.

Katzi, Daniel Jokesch und Michael Dufek haben das Buch gestaltet und beginnen tut es gleich am Cover mit den Sommerhits, denn die bestanden ja wohl angeblich oder auch tatsächlich aus den Vengaboys und dem „We`re going to Ibiza“, dann geht es zu Ex-Minister Kikl, der übrigens inzwischen eine neue Brille hat und seinem „Multifunktionalen Asylpferd“, dann wird dem Bundeskanzler, dem neuen und dem alten, füge ich hinzu „H.C. Straches Handy Entsperrmuster“ präsentiert.

Den Tagesverlauf von Wolfgang Fellner kann man auf einer Tabelle ersehen und man kann auch erfahren „Wie schnell die Österreicher auf der Autobahn fahren“, welche Slogans die SPÖ bei ihrem Wahlkampf verwendete, beziehungsweise die „Antworten des Kaptitalismus auf unser  2 Klassen-Gesundheitssystem“.

„Was tust du eigentlich gegen den Klimawandel?“, fragt dann eine Frau die andere.

„Ich trinke jetzt immer stilles Minieralwasser. Da ist weniger Co2 drin“, lautet die Antwort,  diesmal nicht in Form von Graphikkugeln dargestellt.

In diesen werden dagegen sowohl „Die Gedanken der Grünen vor der Nationalratswahl dargestellt“ , als auch „Wer laut FPÖ an den Skandalen ihrer eigenen Partei schuld ist?“, was beides interessant zu sehen ist.

Dann geht es zu der „Keine Inhalt-Speisekarte“ und zum „Kreislauf von Politikverdrossenheit, Demokratiedefizit, niedriger Wahlbeteiligung und journalistischen Versagen“, man sieht die Cartoon wechseln sich mit den Graphiken lustig ab.

Zwei Pfeile stehen auf der Straße. Auf der einen steht „Mehr Käse“ auf der anderen „Weniger schwarze Mäuse“ mit einer Katzengestalt. Raten wir mal in welche richtung die weißen Mäuse rennen?

Der „Wahlduellanseher“ geht zum Psychiater, denn er braucht ebenfalls eine Analyse und dann wird analysiert, ob der berühmte H. C. für das Ibiza- Video Spesen verrechnet hat.

Und sehr zu empfehlen die Cartoons, in denen die SPÖ beweist, daß die Richtung stimmt.

Kanzler Kurz nicht mehr oder noch nicht im Amt, geht ins Museum, um sich die möglichen Koalitionsvarianten bildlich anzusehen, während Elvis Presley und Bruno Kreisky im Himmel spazierengehen.

Das Schuhmodell für „Die Richtung stimmt“, wurde auch erfunden, dem „Brexist“ wird ein Fußtritt gegeben und zwei Frauen, eine rosa eine blau gekleidet, spazieren  auch immer fragend durch das Buch:

„Was ist eigentlich der Unterschied zwischen links und rechts? – Bei den Rechten sind die Ausländer an allem Schuld, bei den linken die Männer!“

Und am Schluß noch einmal zu Ex-Minister und jetzigen Klubobmann  Kickl, der die FPÖ-Wahlplakate inspziert und sich einen „Straxit jetzt“, wünscht.

„Ein langweiliges Jahr  war 2019 in Österreich sicher nicht – Ibiza-Gate, Neuwahlen und natürlich tonnenweise illegale Teigtascherl, – die Wiederauferstehung des türkisen Messias oder der Sommerhit der Vengaboys – hier bleibt kaum ein Moment unvergessen!“, wirbt der Buchrücken und ich füge hinzu, das Büch,ein ist ein Katalog für die dazugehörige Ausstellung, die bis heute in der „Galerie der komischen Künste“ im Museumsquartier  läuft, die man noch bis achtzehn Uhr sehen kann.

2020-01-25

Der Hammer

Nun kommt die Überraschung des Jahres, wenn man das im Jänner schon sagen kann, das zweite herausragende Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe und ohne Stephan Teichgräbers Centrope-Workshop wäre ich vielleicht nicht darauf gekommen und möglicherweise auf der „Buch-Wien“ beim Wein stehen geblieben, statt zur Lesung von Dirk Stermanns „Hammer“ zu gehen, habe ich den doch bisher eher für einen Kabarettisten gehalten, dessen Scherze mir manchmal zu aufdringlich waren.

Dabei habe ich doch auch die „Sechs Österreicher unter den ersten fünf“ einmal im Schrank gefunden. Wie man sich irren kann, obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob alles, was da über die Lebensgeschichte des bedeutenden Orientalisten Hammer von Purgstall zu lesen ist, wirklich der Realität entspricht oder nicht vielleicht doch von der Feder des Kabarettisten, der aber, glaube ich, auch Historiker ist, zu dick aufgetragen wurde.

Es ist jedenfalls eindeutig ein Buch der Sinne und so glaubt man sich zu Beginn im Mittelalter, weil da alles unerträglich stinkt und in Wien, die Buttenweiber herumgehen, die zum Hineinscheißen für ein paar Kreuzerln auffordern. Die Leute haben alle faule Zähne oder gebrochene Kiefer, dabei sind wir in Zeiten der französischen Revolution, wo ja  die Perücken weggeworfen wurden und der napoleonischen Kriege und als Joseph Hammer da in Wien „ausgebombt“ wurde, erinnerte mich die diesbezügliche Schilderung eher an den zweiten Weltkrieg.

Aber trotzdem interessant in den Lebensweg des großen Orientalisten, der laut Dirk Stermann sehr sehr selbstbewußt war, ein Lobbuch führte und sich schon mit der Bekanntschaft Goethes brüstete, als der ihn noch gar nicht kannte, einzutauchen, von dem ich bisher eher nur den Namen gekannt habe.

Dirk Stermann scheint sich für das Buch auch sehr viel Mühe gegeben zu haben, in die Welt des Hammers, wie er am Schluß schreibt, einzutauchen. Er hat da die Quellen genannt, die er dazu benützt hatte, so zum Beispiel das Buch von Rudi Palla über die ausgestorbenen Berufe und so hat ja meine Bekanntschaft mit dem Buch in Stephan Teichgräbers Workshop auch angefangen.

War Joseph Hammer doch der Sohn eines grazer  Gubernialrats, das ist ein Steuerbeamte, das damals noch Grätz genannt wurde, der später geadelt wurde. Er kam mit Dreizehn nach Wien und wurde Sprachknabe, das heißt eine Dolmetscherausbildung gemacht.

Hat da unter den adeligen Mitzöglingen aus den besten Familien, so war einer seiner Kollegen der Sohn des damaligen Außenministers Graf von Thugut, gelernt und gelernt, bis ihm die Augen wehtaten, war bald der beste Schüler, der Türkisch, Arabisch, Persisch, etcetera konnte und wurde, als die Ausbildung beendet war, doch nicht nach Konstantinopel geschickt sondern hatte in Wien zu bleiben, um dort die Wissenschaft zu betreiben, wie seine Lehrer gutmütig sagten.

Nach <konstatinopel ist er dann doch gekommen und war auch bald Dolmetscher auf dem Feldzug in Ägypten gegen Napoleopn. Dann wurde er Legationsrat, weil er sich aber mit allen seinen Vorgesetzen verkrachte und wohl nicht sehr diplomatisch war, wurde er ins Fürstentum Moldau versetzt. In Konstatinopel, wie Istanbul wohl damals hieß, hat er auch die „Märchen aus tausend und einer Nacht übersetzt und da beschreibt Stermann, daß er die Originalausgabe von einem Derwisch geschenkt bekommen hat, die ihm aber erst sein einarmiger Diener in Moldau offenbarte. Er übersetzte auf Französisch und Englisch die Ausgabe, die ganz anderere Erkenntnisse, als das uns Bekannte, erbrachte. Leider gingen aber Original und die Übersetzungen verloren.

Nun gut, so wissen wir nicht wirklich, ob der Sultan Sheherazade statt zu heiraten, hinrichten, ließ.

Josep kam jedenfalls mit seinem Diener, der ein absoluter Taussendsaa war, nach Wien zurück und wurde dort diskriminiert und diskriminiert.

Er ließ sich das zwar nicht gefallen und schrieb Beschwerdebriefe an den berühmten Metternich, der ihm aber erklärte, daß er keine großen Geister, sondern einen eher kleinliche brauche, so daß er ihn weiter kleinhielt und überging.

Joseph von Hammer hat mit Vierzig die neunzehnjährige Caroline von Henikstein geheiratet, die aber vor ihm starb, wurde von der Gräfin von Purgstall adoptiert und war schließlich auch kurz Leiter der „Akademie der Wissenschaften“, aber auch dort gab es Querälen und Intrigen, so daß der große Geist vereinsamt unter der <hand seines Dieners, der ihm bis zum letzten Atemhauch Geschichten erzählte,  verstarb. Ein großes orientalisches Grab hat er sich auch bauen lassen und ich bin wirklich sehr entspannt in die Welt Napoleons, Franz I, dem er beim Suchen eines Balls helfen muß, während sein Vater verstarb und Metternicht, der natürlich wußte, in welcher Ritze des Palastes sich dieser befunden hat,  des ertaubenden Beethoovens, Grillparzers, des Wiener Kongreßes, bis zur 1848 Revolution, etcetera, eingetaucht, denn Joseph von Hammer-Purgstall hat 1774-1856 gelebt und ist am Cover des Buches im prächtigen orientalischen Gewand abgebildet.

2020-01-24

Die Wunderkammer der deutschen Sprache

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Jetzt kommt ein weiteres Schmankerl beziehungsweise ein Buch, das wegen seiner Ausstattung und Inhalt auch zu den schönsten Büchern gezählt werden könnte, die ja jetzt wieder in der Hauptbücherei ausgestellt sind, ein Buch über die deutsche Sprache in allen ihren Facetten, schön bebildert und illustriert, „gefüllt mit Wortschönheiten, Kuriositäten, Alltagspoesie und Episoden der Sprachgeschichte“, wie noch am Cover steht, herausgegeben von Thomas Böhm und Carsten Pfeifer und ein paar Bücher, die so ähnlich sind, habe ich ja schon vor längerer Zeit, als es den Blog der Christiane Zintzen noch gegeben hat, die jetzt ja zu einem Chris geworden ist, eine Einladung zu einer Veranstalltung ins Bundeskanzleramt bekommen, wo das Buch „Seitenweise- Was das Buch ist“, vorgestellt wurde, das man sich dann mitnehmen konnte.

Das ist nicht ganz so schön bebildert, sondern eher mit Artikeln gefüllt, ich habe es auch noch nicht gelesen, da ich bei den Rezensionsexemplaren aber schneller bin, ein Gang durch die „Wunderkammer“, was ja auch so ein schönes Wort ist und im Vorwort wird auch gleich erklärt, daß in den „Wunderkammern“ früher die Kuriositäten des Lebens, also „Tierpräparate, Muscheln, Narwahlzähne“, etcetera ausgestellt wurden.

In der „Wunderkammer der deutschen Sprache“ gibt es auch einige Kuriositäten und es beginnt sehr interessant, mit den Brüder Grimm und den Märchensätzen, denn hätten Sies gedacht, nicht alle Märchen enden mit „…und wenn sie nicht gestorben sind….“, sondern eigentlich nur sehr wenige.

„Katze und Maus in der Gesellschaft“, endet beispielsweise mit „…siehst du so gehts in der Welt“ und „Hänsel und Gretel „…mein Märchen ist aus, dort läuft eine Maus, wer sie fängt, darf sich eine große große Pelzkappe daruas machen.“

Es gibt den Nachtjargon“, also das was die Dirnen,  die Zuhälter und die Türsteher vor den Lokalen so sprechen, da ist das oder der „Hachel“ ein „Messer“ und die „Bügelschwalbe“ eine „Amateurprostituierte“.

Schriftsteller wie Karen Duve, Sibylle Lewitscharoff, etcetera, wurden nach ihren Lieblingsworten gefragt und Karen Duve hat den Stab, der an der Supermarkasse liegt einfach „Lunk“ oder „Warenlunk“ genannt und redet nun alle an der Kasse an, ihr doch diesen bitte zu geben.

Die Herkunft der Speisennamen also, wie der „Kaiserschmarrn“ zu einem solchen wurde, wird hinterfragt, beziehungsweise aufgeklärt, wo dann meistens steht, daß das, was da gedeutet wird, meistens erfunden war.

Es gibt das „Schndahüpfln“: „Mir samma, samma mir! Was kost na die Welt? Hams Gwand volla Taschn und nirgends koa Geld“

Der Unterschied zwischen den „Homonymen“, den „Polysemen“, den „Homographen“ und den „Homophonen“ wird erklärt und dann kommt es zu den „Verdeutschungen“.

Manche Wörter haben sich eingebürgert, wie „Bibliothek“ für die „Bücherei“ oder umgekehrt, manche nicht, so sagt man nicht „Scheidekunst“ zur „Chemie“ und auch nicht „Gesichtskreis“ zum „Horizont“.

Es gibt das erste „Grosswörterbuch der Deutschen Sprache“, das von Johann Christoph Adelung (1732 – 1806) stammt und sehr interessant, weil ich ja erst vor kurzem über das Leben mit einem Dreijährigen gelesen habe, die „50 Wörter, die die Zweijährigen“ wissen müssen. Das wird in einer der „Mutter-Kind-Paß-Untersuchung“ abgegrürft und ein paar solcher Kalauer, wie Jan Dosendorfer sie aufgeschrieben hat und ich mich aus dem Sprachschatz der Anna erinnern kann, gibt es auch zu lesen:

„In meinem Becher sind meine Packterien“, beispielsweise oder „Trägst du die Brille bis du tot bist?“ und da kann ich gleich ein Erlebnis anfügen, das ich mal in der „Sigmund Freud-Uni“ hatte, als da eine ältere Dame, wahrscheinlich eine Psychoanalytikerin, sich sehr bei ihrer Freundin darüber mokierte, als ihre Enkelin oder Enkel sie fragte „Wann sie sterben wird?“

Sie war sichtlich empört darüber und hat das mindestens eine halbe Stunde sprachlich und lachend zu bewältigen versucht. Ich habe mir gedacht, daß,ich, der Lia, füge ich heute hinzu, ganz ungerührt: „Das weiß ich nicht, aber wahrscheinlich in zwanzig Jahren!“, antworten würde.

Nach der „Nachsprache“, gibt es die „Sprache der Burschen“ , die ihren Barbier „Balbuz“ und einen „Studenten, welcher sich in einen Zweikampf einlässt, ohne etwas von der Fechtkunst zu verstehen: „Naturalist“ nannten. Man sieht diese Sammlung ist schon älter, aber vielleicht wird manches noch von unseren Burschenschaftlern gebraucht.

Wie man den „Churfürsten“ und den „Kaiser“ anzureden hat, wird auch erwähnt und dann gibts interessant, das Kapitel, das, sich „Dichter beschimpfen Dichter nennt“ und da erwähne ich nur ein besonders schönes und auch sicher aktuelles Beispiel, hat doch „Du bist doch das Lieblingsbuberl des deutschen Feuilletons. Deine Literatur ist doch nur mit dem Kopf ausgedacht, und zwar mit einem Limonadenkopf“, Herbert Achternbusch zu oder über Peter Handke gesagt und da kann ich an das Literaturcafe erinnern, wo vor kurzem Peter Handke ja als „Einschlafhilfe“ bezeichnet wurde.

Die schwarze Kunst, die Buchdruckkunst“ gibt es auch. Also wer wissen will was „Flattersatz“, ein „Bengel“, ein Furz, ein Schusterjunge“ ist?, bitte auf den Seiten 78 -80 nachlesen.

Das „Vater unser“ wird in seinen verschiedenen historischen Formen von Martin Luther bis ins Altdeutsche dargestellt und die „Worte- beziehungsweise die „Unworte des Jahres“ gibt es auch.

Das hier ist, wie man sicher merken konnte, ein deutsches Buch, in Österreich werden diese Worte jetzt aber auch gezählt und da war 2018 „Schweigekanzler“ das „Wort des Jahres“ und „Datenschutzgrundverordnung“ wurde zum „Unwort“ gewählt.

Es gibt den „Fontane-Code“, denn der hat offenbar in seinem Schreiben sehr lange Worte, wie beispielsweise „Bekleidungszustände“, Erzieherinnenlaufbahn“ oder „Gespensterbedürfnis“ gebraucht.

Dann wird „Luther auf Maul geschaut“ und untersucht, welche Worte er gern verwendete. Die Vogelnamen, die es so gibt, werden aufgezählt und das „Jägerlatein“ bzw. die „Waidmannsprache“.

Georg Klein zitiert „zehn zauberhafte Umstandswörtlein“, wie „vielerorts“ und „offenkundig“.

Kurt Tucholsky ist ein Artikel gewidmet, den er unter dem Pseudonym Peter Panther „Man sollte mal…“ herausgegeben hat. Und im deutsch-österreichischen, beziehungsweise deutsch-schweizerischen Küchenlexikon wird erklärt, daß abbrennen – flambieren, beziehungsweise Pfümi- Plaumenschnaps heißt.

„Verdrehte Weisheiten“, wie „Ein leichter Schlag auf den Hinterkopf ist kein Ponyhof“ oder „Ist die Katze aus dem Haus haben die Krümel“ zu schweigen, gibt es auch und dann die „Scheinanglizismen“, aber da habe ich schon gewußt, daß man im englischen Raum, das Wort „Handy“ nicht kennt, weil das nur „denglisch“ ist.

Der Koran kann man erfahren, wurde schon von Friedrich Rückert und noch anderen ins Deutsche übersetzt und einen Blick in den Wortschatz der DDR gibt es auch, die haben versucht die Anglizismen zu vermeiden und daher „Kaskadeur“ zum „Stuntman“ gesagt, bzw „Arbeiterschließfach“ zum Plattenbau und Walter Ulbricht „Spitzbart“ genannt.

Die Höhen der „Bußgelder für Zungensünder im Straßenverkehr“ werden angeführt, so mußte man beispielsweise bis 4000 Euro für das „Zeigen des Stinkefingers“ zahlen.

Dann gehts zur schwäbischen Mundart und wir erfahren, daß da die Verwandtschaft „Bagasch“ genannt wird und man „Bledda Sogga!“, schimpft. Was da wohl an Bußgeld zu zahlen ist?

Franz Hohler mag die Worte „gehen“, „Postauto“ und „Jässli“ was ein Kartenspiel ist und Felizitas Hoppe hat gleich eine ganze Menge von Lieblingsworten angegeben.

Dann kommen wir zum großen Goethe, der hier natürlich nicht fehlen kann, betrachten zuerst einmal ein wenig seinen Wortschatz und dann höchst aktuell angesichts dieser „Oma-Umweltsau-Debatte“, ein Gedicht, das der Herr Geheimrat geschrieben hat als er sich über seine Kritiker ärgerte:

„Und kaum ist mir der Kerl so satt

Tut ihn der Teufel zum Nachbar führen,

über mein Essen zu räsonnieren:

„Die Supp hätt können gewürzter sein,

Der Braten brauner, firner der Wein.“

Der Tausendsackerment“

Schlagt ihn tot, den Hund“

Es ist ein Rezensent!“

So soll man nicht, ironisch oder nicht, kommentieren, damals und heute nicht, füge ich hinzu und gehe auf die nächste Seite, um zu lesen:

„Goethe ist im Grund nichts anderes als der Heilpraktiker der Deutschen, der erste deutsche Geisteshomöopath. Das ganze deutsche Volk fühlt sich gesund. Aber Goethe ist ein Scharlatan, wie die Heilpraktiker Scharlatane sind, und die Goethesche Dichtung und Philosophie ist die größte Schalatanierie der Deutschen.“

Wer hat das geschrieben? Machen wir ein Rätsel daraus, die ja in dem Buch   auch noch vorkommen. Auf Seite 191 steht die Antwort, ganz unten rechts, füge ich hinzu und ziehe weiter durch das Buch, komme zu den „Anagramen“ und den „Palindromen“, den „Rätseln“, wie schon erwähnt und vielleicht auch ganz spannend, kommen wir zu den hundert Ausdrücken, wie man das männliche Glied noch benennen kann. Das ist im Buch in eine schöne Graphik gebunden, die man sich unbedingt ansehen soll und dann kommen wir schon zur „Schundliteratur“ oder zum Heftchen-, Kriminal- oder Geisterroman, die wie man sieht, gar nicht so triviale Titel haben.

Die Zitate über die deutsche Sprache sind auch sehr interessant:

„Ich beherrsche die deutsche Sprache, aber sie gehorcht nicht immer.“, hat Alfred Polgar beispielsweise gesagt  und Friedrich Torberg meinte „Deutsch ist die gemeinsame Sprache, die Deutsche und Österreicher trennt.“

„Wir Deutschen haben die Welt beherrscht, fremde Völker, die Nordsee und die Natur – den Konjunktiv nie.“ unkt Dieter Hildebrandt scharf, während der gute alte Fontane viel sanfter ist und „Mit gutem Deutsch und schlechten Französisch kommt man überall durch.“

Daß man heute dazu wohl Englisch beziehungsweise Denglisch braucht, steht vorher schon geschrieben.

Und was Heinrich Heine über Deutschland gedacht und geschrieben hat „Denkt man an Deutschland in der Nacht…“ ist auch sehr interessant.

Dann wird es wieder modern und wir kommen in die Neuzeit und zu der leichten und einfachen Sprache um die man sich jetzt ja sehr bemüht, um Menschen mit Lernschwierigkeiten oder denen die noch nicht so gut Deutsch oder nicht sinnerfassend lesen können, das Verstehen von Texten zu erleichtern.

Der Einfluß der Zensur wird am Beispiel eines Briefes von Bruno Vogel „Es lebe der Krieg“, weitere Hinweise auf Seite 229 erwähnt.

Und dann kommen oder bleiben wir bei oder „Über Bücher, Literatur, Kritik und den Buchmarkt“

„Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns“, hat Kafka ja einmal gesagt, ein Zitat, das in den Bücherblogs oft zu finden ist und dem ich eigentlich nicht so ganz zustimme und wenn wir wieder zu Goethe schielen:

Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu sein, nicht damit man daraus lerne, sondern damit man wisse, dass der Verfasser etwas gewusst hat.“

Goethe wird wohl auch das scharfe „ß“ verwendet haben, wie wahrscheinlich Franz Kafka und ich natürlich und, um nochmal Theodor Fontane zu zitieren, ein Zitat, das mir diesmal gefällt:

„Bücher haben Ehrgefühl. Wenn man sie verleiht, kommen sie nicht mehr zurück.“

Wie wahr, deshalb verleihe ich auch nicht und borge mir nicht aus, obwohl ich, ganz ehrlich, ein paar Bücher in meinen Regalen stehen habe, die ich nicht zurückgegeben habe, aber das ist lange her und sicher schon verjährt, ich würde sie auch nicht mehr finden.

Und schon sind wir, was auch sehr interessant, sowie berührend ist, bei den „Letzten Worten“ angekommen:

„Herr Pfarrer, in wenigen Minuten werde ich mehr wissen als Sie“, hat der Jesuit und Widerstandskämpfer Alfred Delp vor seiner Hinrichtung am 2. Februar 1945 gesagt und Dietrich Bonhoeffer, am 9. April 1945 „Das ist das Ende. Für mich der Beginn des Lebens.“

Und um von den Hinrichtungen und dem zweiten Weltkrieg wegzukommen „Jetzt ist es an der Zeit, ein wenig über Gott nachzudenken“, E. T. A. Hoffmann, 1822 und Johannes Brahms hat sich wohl auch Sekt servieren lassen, wie der Maler Moritz von Schwind, der eine hat geschiwegen und die Augen geschlossen, der andere „O, das schmeckt gut. Danke!“, gesagt und Heinrich Heine hat wohl ein gutes Französisch gehabt, als er sagte „Dieu me pardonnera, c` est son metier.“, das war am 17. Februar 1856.

Ich bin durch das Buch gekommen, habe fast zweitausend Worte dazu gebraucht und vieles weggelassen, das man sich unbedingt ansehen soll, denn es ist sehr interessanter, lehrreicher und spannender Durchgang durch die deutsche Sprachen in wahrscheinlich allen ihren Formen und Facetten, das ich jetzt schnell, wie es meiner Art entspricht, überflogen habe. Manches habe ich überlesen,  manches genauer angeschaut und es ist auch ein Buch, das man öfter benützen sollte, das  zum Weiterlesen und  Weiterbeschäftigen anregt.

Und spannend auch, daß der Verlag, in dem es erschienen ist, sich „Das kulturelle Gedächtnis“, nennt.

2020-01-23

Zornfried

Filed under: Bücher — jancak @ 00:05
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Nun kommt ein satirischer Roman auf die rechte Szene, „Zornfried“, des 1960 in Bremen geborenen Jörg-Uwe Albig, der 2017, beim  „Bachmannpreis“ gelesen hat und der sein Buch im November beim „Fried Festival“ vorstellte, das mich natürlich interessierte,  mit dem ich aber ein bißchen meine Schwierigkeiten hatte, da die Satire und das allzu grotesk Komische ja vielleicht nicht ganz das Meine ist.

Da gibt es jedenfalls einen pathetisch schwultisgen Blut- und Bodendichter,  Storm Linne genannt, dessen Gedichte einem „Frankfurter Nachrichten- Journalisten“ in die Hände Fallen. Er zerreißt das Buch in seiner Zeitung und bekommt daraufhin eine Einladung in die Burg Zornfried ins Spessart, dort wo sich die rechten Recken treffen.

Wo auch der Blut- und Bodendichter lebt und wird vom Hausherrn, einem Herrn von Schierling empfangen, der hat eine Frau namens Brigitte mit blonden Zöpfen, die zu ihm „Sie“ sagt und offenbar eine unmenge blonder Töchter, die  Freyer mal Gertrud, mal Frigga oder Erdmunte heißen, das Essen servieren, in der Küche das Geschirr spülen und ansonsten unterwürfig schüchtern lächeln, worin Götz Kubitschek und Ellen Kostrica mit ihren sieben Kindern wohl unschwer zu erkennen sind.

Der Erzähler Jan Brock erweist sich, als eher willenschwach und auch etwas farblos. Zuerst verspottet und kritisiert er die Tischgesellschaft, als dann aber plötzlich eine andere Reporterin auftaucht, die sich dem Hausherrn anbiedert, will er zuerst abreisen, überlegt es sich dann doch, fällt  in Ungnade, wird von den „W-Bubis“, das sind ein paar junge Männer, in gelben T- Shirts, die im Hof des Schloßes ständig Wehrübungen machen, angegriffen, verirrt sich im Wald, findet aber wieder hinaus.

Vorher hat er noch den berühmten Dichter, der bisher das Gespräch verweigerte, in einer seltsamen Position gefunden.

Das Blatt wendet sich, die andere Journalistin eine Frau Jenny Zerwien fällt in Ungnade, eine Demonstration findet statt, wo im Hof „Nazis raus!“, gerufen wird, während der Hausherr mit seinen Getreuen sektschlüfend am Schloßturm steht und am Schluß verläßt der Journalist geläutert oder auch nicht das Feld und  die Burg.

„Storm Linne war nun ein Fall fürs Vermischte, nicht mehr fürs Feuilleton“, lautet der letzte Satz.

Jedem der kurzen Kapitel ist eines dieser Blut- und Boden Verse, von Jörg-Uwe Albig höchstpersönlich gedichtet, vorangestellt:

„Dort wo der fuchs in scharfer waid den hasen schlägt

wo raupen schmaus erstirbt durch schnabels wucht

Wo grauer rudel hunger nachts durch tannen schnurrt

Der kitze frevel zahl din fraß zu bannen sucht“, beispielsweise, die in den Rezensionen sehr gelobt werden und es soll auch, habe ich gelesen, um die Frage der Willfährigkeit der Journalisten in dem Buch gehen, von dem ich mir, wie schon beschrieben, vielleicht ein bißchen mehr Ernsthaftigkeit gewünscht hätte, da man die neuen Rechten ja nicht unterschätzen soll.

2020-01-21

Der Ball ist nicht aus Kuchen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:34
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Das vorläufig letzte „Holzbaum-Buch“ ist mit etwas mehr Text versehen, da habe ich auch schon einige gelesen und ganz am Anfang hat es sogar ein bißchen was Literarisches gegeben, in letzter Zeit eher nur, die „Tagebuchslam-Texe“, „Stilblüten eines Lehrers“ oder wie jetzt die Aufzeichnungen eines Vaters „Der ersten drei Jahre mit Kind“, des Bäckers und Humoristen Jan Dosenwerfer.

Das Cover des kleinen Büchlein ist schön mädchenhaft rosa obwohl der Basti oder Bastian ja ein Knabe ist.

Ein blauer Kreis ist darauf zu sehen, umrandet mit ein paar niedlichen Kinderspielsachen und der  Sohn Bastian wurde im März 2016 geboren, wird also jetzt bald vier.

Die übrigen handelnden Personen des hundert Seiten Büchleins bestehen aus dem Vater Jan, der Mutter Katja, der Katze Felix. Schöne Zeichnungen gibt es zwischendurch immer wieder auch und die  erste Aufzeichnung stammt von 1. 10. 2015: „Wenn man Vater wird, zeigt einem facebook Werbung für den „<kinderwagen Turbo 4 an.“, klingt gut, die letzte vom 27. 10. 2019, so schnell wird ein „Holzbaum-Buch“ gemacht, das ich jetzt ja schon einigeZeit bei mir liegen habe:

„Ich: Du solltest wieder mal zum Friseur gehn, deine Haare sind schon wieder ur lang. Sohn: Nein, ich will die Haare wachsen lassen! Ich: Wie lange? Bis wir zum Friseur gehen.“

Ja, wenn ein Kind sprechen lernt, kommt man auf viele urgute und komisch klingede Wendungen, die eigentlich und genau genommen, ganz logisch sind und ich kann mich da an einen Satz der Anna erinnern, die sagte, wir sollten irgendetwas nicht heiß, sondern nur warm kochen und der Enkelsohn der Bruni, hatte, glaube ich, keine Zeit zum spazierengehen, weil er zu beschöftigt war.

Jan Dosendorfers Basti hat auch einige so schöne Wendungen, drei vier sind besonders orginelle, der Vater hzeichnet aber viel mehr auf so, daß man vor allem. wenn man selber Vater oder Mutter ist oder, wie ich, vor kurzem Oma eines noch nicht sprechenden Kindes, die Entwicklung des kleinen Basti beobachten und mit der des eigenen Sprößlings gut vergleichen kann.

Ein paar Beispiele gefällig?

Da gibt es mal das Eingangzitat, aber auch das, was am Buchrücken steht:

„Der Sohn (nachdem er eine Ribisel gegessen hat): Oh sauer! Aber das macht nix, es ist nur schlimm.“

Jan dosenwerfer zeigt auch widersprüchiges auf, wie das Zitat mit dem Friseur oder „Ich: Bist du müde? Sohn: (verzweifelt) Ja!! Ich: willst du schlafen gehn? Sphn:verzwifelt: Nein!!“

Jan Dosenwerfer freut sich aber auch, daß der kleine Basti so bescheiden ist und sich über eine Semmel mit Paradeier freut oder, daß er im Supermarkt die Milchschnitte gegen Erdbeeren austauscht.

Lustig auch, wenn er auf die Frage, ob er eine Schwester oder einen Bruder möchte, mit  „1 Banane“ antwortet oder in den „Elefanten-Kindergarten“ gehen möchte. Er spielt auch gerne Arzt und wünscht sich zum Geburtstag zuerst eine Kerze, später dann nicht mehr ganz so bescheiden, eine Torte und seine Eltern tyrannisiert er manchmal auch.

„Ich: Trinkst du deinen Milchshake noch? Sohn schüttelt den Kopf. Ich: Darf der Papa den Rest haben? Sohn schüttelt den Kopf. Ich: Darf der Felix den Rest haben? Sohn nickt.

Lustig diese Aufzeichnungen über das Aufwachsen und die ersten Lebensjahre des ersten, zweiten oder dritten Kindes und spannend auch, wenn man am Heimweg vom Kindergarten vom Sohn gefragt wird: „Wo warst du? Warst du im Park? Ich: Nein, ich hab an dem Buch über dich gearbeitet. Es kommt nämlich jetzt dann mal ein Buch, wo es um dich geht. Sohn (ungläubig) Waaaaas?“

Ja, lieber Bastian, da hat dein Vater über dich geschrieben und du kannst das Buch später, wenn du lesen kannst, in dein Regal stellen, während ich vor kurzem erst ein anderes gelesen habe, wo ein Urgroßvater seiner Urenkelin Matilda einen Brief über sein Leben geschrieben hat.

2020-01-20

Die Kakerlake

Filed under: Bücher — jancak @ 00:12
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jetzt kommt ein kleines dünnes Büchlein, das im November bei „Diogenes“ erschienen ist und auf das ich durch die Sendung „Leporello“ oder das „Morgenjournal“ aufmerksam wurde.

Der 1948 geborene britische Autor Ian McEwan, von dem ich einige Bücher in meinen Regalen, aber noch nichts gelesen habe, hat eine Satire auf den Brexit und das englische Parlamentsgeschehen geschrieben und  dabei Anleihein von Franz Kafkas „Verwandlung“ genommen, beziehungsweise sich vor dem großen Autor verbeugt.

Wui, das klingt interessant, das Büchlein also bestellt und ich muß sagen, daß ich mich der Meinung mancher „Amazon-Leser“ anschließe, daß hier schnell nach der Idee von der „Verwandlung“ eine Satire hinuntergeschrieben wurde, die wahrscheinlich mehr die Briten überzeugt, wahrscheinlich nicht zur großen Literatur gereiht werden wird, was vermutlich auch nicht geplant war und, ob es Franz Kafka gefallen würde, ist wahrscheinlich eine Frage, die nur er beantworten könnte.

Also da wacht eines Morgens in der Downigstreet eine Kakerlake im Bett des Premierministers Jim Sams auf und stellt fest, er hat sich in diesen verwandelt. Nicht nur das, denn, als er dann in das Parlament hinüber wankt, mit dem Sprechen und dem aufrecht Gehen tut er sich noch anfangs schwer , stellt er fest, daß die meisten der Minister ebenfall seine Artgenossen sind oder waren und nun geht es im zweiten Kapitel des vier Kapitel starken hundertdreißig Seiten Buchs, zu der Idee vom „Reversalismus“, das Wort Brexit wird an keiner einzigen Stelle, höchstens in einem aufgehefteten Schildchen am Cover erwähnt und der amerikanische Präsident heißt Archi Tupper statt Donald Trump und Premier Sams stellt ihm oder sich die Frage, ob er vielleicht auch eine ehemalige Kakerliake war?

Diese Frage wird nicht beantwortet, dafür ein neues System eingeführt, also, daß man für die Arbeit Geld abgezogen bekommt, dafür aber umsonst einkaufen kann, Bargeldbesitz wird bestraft und alle wollen einen höher bewerteten Job bekommen um mehr Geld ausgeben zu können.

Das wird dann als des Volkeswille ausgegeben, für die der Premier sich einsetzt. Widersacher werden beseitigt und am Schluß, als das Gesetz eingeführt wurde und die Ersten merken, daß es offenbar doch nicht so, wie angepriesen funktioniert, sondern in den Abgrund führen wird, ziehen die Minister und ihr Premier wieder aus den Körpern hinaus, die lassen sie auf den Sitzen liegen.

Durch, die einen Spalt offengelassene Tür ziehen sie auf die Straße, nur leider wird der Premier dabei von einem Auto überfahren. Seine Artgenossen tragen ihn auf den sechs Füßen, die er nun wieder hat, weg und die Rache der Kakaerlake, an der sie unterdrückenden Menschheit ist vollzogen.

So einfach, aus. In England wird der Austritt aus dem Brexit und das politische Geschehen sich wohl ein wenig schwieriger gestalten. Man liest es aber sicher schnell und amüsiert dieses kleine Buch, das einen wahrscheinlich Kafka, um keinen Deut näherbringt, aber vielleicht hat man von der Politik etwas etwas besser verstanden und das wäre ja auch nicht schlecht.

„In einer solchen Zeit fragt sich ein Schriftsteller, was er machen kann. Darauf gibt es nur eine Antwort: schreiben“ Ian McEwan“, steht am Buchrücken

2020-01-19

Unter den Armen und Elenden Berlins

Filed under: Bücher — jancak @ 00:35
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Nun kommt eine Neuauflage, eines Buches, das im Herbst 1887 in Berlin herausgegeben wurde. Peter Graf von „Walde + Graf“, hat es herausgegeben, der Verlag oder eine Agentur hat es mir angeboten und ich die ich ja sehr an den soziologischen Aspekten interessiert bin und auch schon die Sozialreportagen von Max Winter und Egon Erwin Kisch gelesen habe, habe begierig danach gegriffen,  um so mehr da in den kritischen oder patriotischen Blogs, wie sie sich selber nennen, ja viel von Berlin der ZweitausendzehnerJahre zu lesen ist, das nach Ansicht der Autoren von den Grünen kaputt regiert wird und unter den Flüchtlingsströmen versinkt.

Nun es mag in einer so großen Stadt sicher Probleme geben,  1887 gab es die auch und da hat ein junger Journalist Hans Richard Fischer, von dem der Herausgeber schreibt, daß seine vier Bücher vergriffen sind und es nur noch Artikel von ihm in der „Vossischen-Zeitung“, sowie zwei Lebensläufe gibt, die in dem Buch abgedruckt sind, einen Rundgang durch die Armen- und die Siechenhäuser, durch die Cafes, die Straßen gemacht, um die Armen dieser Stadt aufzuspüren und sie ein bißchen ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken und da ist interessant, daß Hans Richard Fischer, das eigentlich sehr modern also auch Undercover, wie Günter Wallraff tut, sich also einen alten Anzug, sowie einen zerlumpten Hut aufsetzt und sich im Obdachlosenasyl einquartiert und interessant ist auch, daß er ein sogenanntes „Idiotenhaus“ besucht, wie das damals wohl hieß, Sonderschule für geistig Behinderte, sagt man heute auch nicht mehr, aber sie wurden schon damals unterrichtet und der Lehrer hat für sie eigene Zeichnungen angefertig, um ihnen das Rechnen beizubringen.

Geistige Heime für gefallene Mädchen gab es auch, die von geistigen Schwestern bewacht, nähen und waschen lernten und fromme Lieder sangen und das sogenannte Arbeitshaus, in das die eingeliefert wurden, die mehr als fünf Tage im Monat, das Obdachlosenasyl aufsuchten, also angeblich arbeitsscheu waren oder sich durch Betteln durchs Leben brachten. Dort hatten sie Arbeit, aber auch saubere Kleidung und Essen und wenn sie dann nach drei Monaten oder zwei Jahren je nach Schärfe ihres Vergehens entlassen wurden, hatten sie meist wieder keine Wahl, als zu betteln und das Obdachlosenasyl aufzusuchen.

Ein Cafehaus wird besucht, kein Wiener, wie Hans Richard Fischer schreibt und die Straße, wo die Prostituierten nach ihren Freiern suchen, noch ein Irrenhaus, wo  laut dem Direktor auch einige sehr begabte Kinder herumliefen, aber das war schon in der Besserungsanstalt und am Schluß geht es zuerst in Siechenhaus, wo ein damals sehr berühmter Dichter, der den „Schiller-Preis“ bekommen hat, dahinvegiterte und Hans Richard Fischer sich wunderte, daß die Stadt keinen anderen Unterhalt für ihren einstmal großen Sohn hat und ins Leichenschauhaus, die „Morgue“, wo die Toten landen.

Das Buch ist in einer etwas altmodischen Manier gestaltet, die damalige Orthographie wurde beibehalten und zum Lesen sehr zu empfehlen, so daß ich dem Verlag für die Neuauflage und das mich darauf aufmerksam machen, wirklich nur sehr danken kann.

2020-01-18

Cartoons für Juristen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:32
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Weiter geht es mit dem „Holzbaum-Lesen“ und den Cartoons, denn da gibt es jetzt, neben den für „Therapeuten“, zum „Ruhestand“, zur „Hochzeit“, für „Hunde“, „Katzen“, „Fußball“, „Wien“, „Kunst“, „Weihnachten“, etcetera, jetzt auch die für „Juristen“, ein kleines blaues Heftchen, gibts die „Holzbaum-Cartoons“ ja in unterschiedlicher Größe und Stärke.

Die „Cartoons für Juristen“, sind schmal und zart,  wieder blau geprägt und vor dem Richter sitze eine Taube.

„Sie sind angeklagt wegen Sachbeschädigung in 6000 Fällen!“, sagt die Richterin streng.

„Als ob Sie nie bescheißen“, motzt Täubchen zurück.

„Das perfekte Geschenk für Juristen (und alle, die wegen ihnen einsetzen)

Was machen Juristen, wenn sie beim Fremdgehen erwischt worden sind? Wie sieht ein Verjährungshelfer aus? Und was passiert, wenn Existentialisten vor Gericht stehen? Die Antworten liefert dieses kleine Buch“, steht am Rücken.

Neugierig geworden, schauen wir hinein.

„Was war dein persönlichster Fall?“, fragt da einer den anderen.

„Einmal habe ich mich selbst verklagt!“, lautet die Antwort.

Das „Fertiggericht“ gibt es auch und bei einer Scheidungssklage, zeigt der Junior dem Richter seinen Wunschzettel:

„Ich will bei dem wohnen, der mir diese Sachen kauft!“

„Es tut mir leid, daß wir verloren haben, aber mit etwas Glück werden Sie nur die Hälfte Ihrer zweihunder Jahrte absitzen müßen!“, sagt der Verteidiger zum Sträfling in der Zelle. Wahrscheinlich nicht einmal das, sondern nur zwanzig, dreißig Jahre setzte ich hinzu.

Bei der „Juristischen Früherziehung“ kann man wählen, ob man sein Zimmer aufräumen, soll, muß, darf, kann oder will.“

Und wenn ein Jurist heiraten will, fragt er die Ausgewählte „Willst du mit mir einen Ehevertrag unterzeichnen?“

Stimmt ja irgendwie.

Dann kommen zwei Polizisten zu dem Sandler  und der juristisch geschult, will den „Hausdurchsuchgsbefehl“ sehen. Es ist aber nur eine Brücke da, füge ich wieder hinzu.

„Wir haben ihn Dragoslav Juri genannt. Da braucht er später nicht zu studieren und kann sich trotzdem Dr. Jur abkürzen!“, sagt die klevere Mutter mit dem Kinderwagen.

Wie werden Richter geweckt? Natürlich mit „Erheben sie sich!“

„Danke ich kann klagen!“, antworten die Richter auf die Frage, wie es geht?

Matrattel hat wieder seine Schattenmännchen gezeichnet und Michael Dufek läßt den lieben Herrgott klagen „Da schicke ich ihnen zehn einfache Gebote und was machen sie draus?“ – „100.000 Paragraphen!“, lautet die Antwort.

Der „Paragraphendschungel“ endet auch einmal, in dem kleinen blauen Buch auf Seite neununddreißig, wieder von Michael Duffek gezeichnet und ich kann der Vollständigkeit noch anfügen, daß die übrigen Cartoons von Adam, Andreas Prüstel, Bettina Bexte, Clemens Ottawa, Daniel Jokesch, Elisabeth Semrad, Erich Rauschenbach, Erik Liebermann, Feicke, Greser & Lenz, Gunga, La Razzia, Lo Graf von Blickendorf, Markus Grolik, Michi Brezel, von dem auch die Covertaube stammt, Petra Kaster, Reibel, Rene Lehner, Ruedi Widmer, Ruth Hebler, Tobias Schülert, und Uwe Krumbiegel stammen und wer die dazugehörenden Cartoons sehen will, muß sich das Büchlein besorgen.

 

2020-01-14

Brief an Mathilda

Filed under: Bücher — jancak @ 00:10
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Ich bin ja keine so besondere Freundin der Krimis des 1925 in Sizilien geborenen und im letzten Sommer in Rom verstorbenen Autors Andrea Camilleri, den meine Schwiegermutter sehr mochte.

Ein paar von ihnen habe ich gelesen, die ich aber als eher langatmig fand, ein paar weitere liegen in meinen Regalen und ungefähr vor einem Jahr gab es auch ein Camilleri Buch „Gewisse Momente“ wo er von seinen Freunden und seinen Begegnungen schrieb und 2017 hat er in einem Brief an seine jüngste Urenkeltochter, damals keine vier, er über neunzig und fast blind geschrieben, in dem er ihr „Ein italinischen Leben“ erklärte.

Was die Vierjährige mit dem Buch anfangen kann, weißich nicht.

„Kindler“ hat es herausgegeben und mir geschickt und es ist ein schneller Durchgang durch sein Leben, er ist im Faschismus Mussolinis aufgewachsen, war mit zehn ein glühender Faschist und hat dem Duce sogar einen Brief geschrieben. Später hat er sich davon abgewendet, ist Kommunist geworden und in die Schule ist er seltsamerweise auch nicht gerne gegangen.

Obwohl er schon frühzeitig Bücher las, später in Rom Regie studierte, die Liebe seines Lebens Rosetta heiratete, von ihr drei Töchter und vier Enkelkinder hatte und als Schriftsteller nicht sehr schnell, aber mit seinen Krimis, die er eigentlich selber nicht leiden konnte, sehr berühmt geworden.

Er war auch immer ein politischer Mensch, ist aber nicht in die <politik gegangen und äußert der Keinen oder auch seinen erwachsenen <lesern, das, was er von der EU, der Korruption und der Migration hält.

Ein  interessantes Beispiel führt er diesbezüglich an, wie er vor einigen Jahren mit seiner Frau und einer seiner Töchter in Wien, das kunsthistorische Museum besuchte und dort plötzlich Nasenbluten bekam. Die Frau und die Tochter suchten ein Taxi, er saß offenbar im Freien herum, die lieben Wiener oder andere Personen rannten an ihm vorbei, nur ein Araber hat ihm geholfen, ihn als seinen Freund bezeichnet und den ihm offerierten Geldschein auch noch abgelehnt.

Später steht dann noch, daß keine Angst vor dem Tod hat, nur die seine Freunde und Familie zu verlieren und am Schluß fordert er die kleine Matilda noch auf, ihm von seinem Leben zu erzählen.

Eine interessante Idee so seine Memoiren zu veröffentlichen, da er aber viele Leser und wahrscheinlich noch mehr Leserinnen hat und das hundertfünfundzwanzig Büchlein auch leicht und schnell zu lesen ist, wird es auch erfolgreich werden.

2020-01-12

Das kleine Wiener Orakel

Filed under: Bücher — jancak @ 00:16
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Weiter geht es mit dem „HolzbaumVerlag“, da habe ich ja noch einiges auf Lager und zwar mit einer anderen, nämlich der Wienerischen  Seite, denn da gibts ja Bücher zum „Unnützen Wien Wissen“, „Wien in Cartoons“, „Schimpfen wie ein echter Wiener“, „Kaffee in Wien“, etcetera, sicher ein interessantes Büchlein, das von einer Hanna Jungwirth herausgegeben oder zusammengestellt wurde, das ich jetzt, wenn auch ein bißchen verspätet, gelesen, beziehungsweise durchgeblättert habe, denn Wahrsagen, Bleigießen oder auch das Orakel befragen, tut man ja am besten zu Silvester, ich komme jetzt erst dazu im „Wienerischen“ oder in „Lingua vindobonesis“, die Wahrheit zu suchern und da zunächst einmal den Buchrücken zu lesen:

„Nicht im Wein, sondern im Wienerischen liegt die Wahrheit. Ob kleine Nichtigkeiten oder die großen Sinnfragen des Lebens – das kleine Wiener Orakel hat für alles einen Rat. Aber Vorsicht: Auch auf grantige und böse Antworten muß man sich gefasst machen, schließlich hat man es mit einem Wiener Orakel zu tun.“

Und auf den ersten Seiten gibts gleich eine Gebrauchsanweiseung.

„Orakeln auf Wienerisch – so funktioniert`s: Stelle eine Frage an das Orakel, die mit Ja oder nein beantwortet werden kann. Anschließend blätterst du durch das Büchlein (ohne dabei hineinzusehen, du kannst beim Blättern auch die Augen schließen) und öffnest es an einer beliebigen Stelle, die dir zusagt. Lies nun die Antwort – das Wiener Orakel hat gesprochen oder gegratelt“

Dann kommt das umkreiste Auge, das auf jeder linken Seite zu sehen ist und auf gehts, probieren wir es einmal:

Also „Wird die Regierung gut?“-„Trau di hoit“, ist die Antwort. Interessant.

Oder „Wie wird das Wetter heute? „Ned aufhoitn lassen?“ heißt es hier.

Oder „Wird 2020 ein gutes Jahr?“- „Bessa wiads nimmer!“ Man sieht es wird interessant.

Probieren wir es noch mit „Soll ich mich mehr anstrengen?“ – „Goaned leiwand!“, sagt das Orakel und wenn ich mich noch fragenlos ein bißchen umblättere, kann ich noch“Jo sicha!“ „Mochs ned“, „Heast,wos soi des?“ und vieles andere finden, was ich meinen Lesern, wieder schade, daß der Silvester schon verbei ist, aber die Zukunft läßt sich ja immer befragen, sehr empfehlen kann.

Also auf ein Letztes: „Wie wirds mit „grün“ in diesem Jahr in Wien?“- „Bessa wiads nimma!“, hat das Orakel da wieder mal gesagt. Also auf in die neue Regierung, in das neue linke Wien und nochmals in das neue Jahr, in dem wir ja schon ein bißchen drinnen sind!

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