Literaturgefluester

2022-05-17

LongCovid

Filed under: Bücher — jancak @ 00:09
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Ein wichtiges Buch zu einem wichtigen Thema, das, glaube ich, schon im April oder Mai 2020 aufgekommen ist, als es dazu noch keine Studien gegeben hat und auch jetzt gehen die Erzählung darüber sehr durcheinander, wird Long oder Post Covid ja auch als Argument gebraucht, daß man die Krankheit nicht auf die leichte Schulter nehmen und sich impfen lassen soll, weil auch leichtere Verläufe Spätfolgen, wie Erschöpfung, Müdigkeit, etcetera haben können, so daß man dann arbeitsunfähig ist, keine Stiegen mehr steigen und auch seinen Haushalt nicht mehr erledigen kann.

Irgendwann vor einem Jahr habe ich dann gehört, daß Long Covid auch mit psychosomatischen Reaktionen oder Depressionen verwechselt werden kann. Kein Wunder habe ich gedacht, nach all der Angstmache, in den letzten Jahren und daß das ständige Maskentragen, die Aufmerksamkeitsdefizite erhöhen und die Konzentrationsfähigkeit verringern ist auch ganz klar, aber wahrscheinlich noch nicht so untersucht.

Nun ein Buch dazu, daß mir C. H. Beck freundlicherweise geschickt hat „Long Covid – die neue Volkskrankheit“ von der Chefärztin der MEDIAN Klinik Heiligendamm Jördis Frommhold, das sehr einfach und allgemein verständlich im Jänner 2022 geschrieben, die Problematik dieser Krankheit aufzeigt und es beginnt, damit, daß sie einen kleinen Einblick in ihre Patienten gibt. Da ist die Intensivschwester ehrgeizig und ungeduldig, die von ihr schon am ersten Tag die Heilung all ihrer Beschwerden erwartet und dann in Gesprächen mit anderen Betroffenen erkennt, daß Umschulung auch eine Möglichkeit ist, die Studentin die schon früh mit einen leichten Verlauf erkrankte, Spätfolgen hat, die dann nicht ernst genommen wurden, so daß sie sich den Reha aufenthalt mit einem Anwalt erkämpfen mußte. Die Mutter, die die Aufgaben ihres Sohnes zwar lesen, aber nicht verstehen kann und auf das Schreiben wirkt sich Long Covid auch auf.

Es gibt auch Definitionen, was Long- und was Post Covid ist und Jördgis Frommhold, die dem Genesenen Begeff skeptisch gegenübersteht, teilt ihn in drei Stufen ein, denn da gibt es auch die kranken Genesenen, die mit den leichten Verläufen und den Spätfolgen, die dann nicht ernst genommen werden. Denn es gibt zu wenig Rehaplätze, zu wenig Psycho-Ergo- Physio- etcetera, Therapeuten.

Dann geht es und das fand ich sehr interessant zu den Symptomen und Belastungen, die diese Krankheit auslöst. Das ursprüngliche Virus konnte ja zu schwere Lungenerkrankungen führen, so daß die Betroffenen wochenlang auf der Intensivstation lagen, beatmet und gedreht werden mußten und das belastete natürlich den Körper, so daß die nachträglichen Belastungen, wie auch bei anderen Intensiverkrankungen, die Folge sind. Man muß mühsam wieder atmen und für sich sorgen lernen und das löst wieJordis Frommhold schreibt oft auch posttraumatische Belastungsstörungen und kognitive Beeinträchtigungen aus und wenn man falsch atmet oder nicht anders kann, kann man halt nicht mehr Stiegen steigen und muß das Bauchatmen erst lernen und nicht nur flach vor sich hinzuhyperventilieren. Da gibt es auch Anleitungen zum richtigen Atmen und das finde ich ebenfalls sehr interessant und wertvoll an dem Buch.

Es kommt zur Unterscheidung zwischen Post- und LongCovid. PostCovid sind die Patienten, die nach einem Aufenthalt an einer Intensivstation wieder ins Leben zurück müßen. LongCovid die, die einen leichten Verlauf hatten, nicht ins Spital mußten und dann treten Symptome, wie Erschöpfung, Konzentrationsfähigkeit und vieles andere auf, denen man erst erklären muß, daß man sich das nicht nur einbilden. Die Patienten selbt sind aber oft sehr ehrgeizig und ungeduldig und überfordern sich dabei, weil sie glauben, daß am nächsten Tag schon wieder alles normal sein muß.

Da gibt es ein Beispiel eines Arztes, der unbedingt eine Reha haben wollte, obwohl er noch nicht so weit war, der ist daran gestorben. Die psychologische Begleitung und das hat mich erstaunt findet, Jördis Frommhold, die natürlich an die Impfung glaubt und Impfskeptiker nicht verstehen kann, gut. Auch die Einbeziehung der Angehörigen und sie führt die erste Klinik, wo LongCovid-Patienten behandelt werden, hat selbst das Behandlungskonzept, es gibt noch kein wirkliches und vieles wird erst erprobt, erstellt und beklagt, daß es für so viele Betroffene zu wenig Therapieplötze gibt und die praktischen Ärzte, die erste Anlaufstelle, oft mit den Klagen ihrer Patienten nichts anfangen können. Deshalb schwört sie auf das Internet und Apps, das Buch hat auch eine eigene Website, wohin sich Betroffene wenden können.

Also ein sehr interessantes Buch mit dem auch eine maßnahmenkritische Psychologin nund Psychotherapeutin sehr viel anfangen konnte, also vielen Dak dafür und ich kann es auch den eher kritisch Eingestellten sehr empfehlen.

2022-05-15

Es war schon immer ziemlich kalt

Filed under: Bücher — jancak @ 00:00
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Jetzt kommt ein Buch, das auf der Shortlist des „Blogbusterpreises“ stand, den, glaube ich, Tobias Nazemi initierte, den es ein paar Jahre gegeben hat und vielleicht immer noch gibt, obwohl ich, wenn das so wäre, schon lange nichts davon gehört habe. Da wurden Blogger ausgewählt zu denen man sein Manuskript schicken konnte, die wählten dann eines aus und der Sieger bekam einen Verlagsvertrag.

Ein paar der Bücher habe ich davon gelesen und einmal das Buch mit den Shortlistproben,. Mareike Fallwickl die Bloggerin die ja selbst Autorinnenkarriere machte, hat einmal kein Buch vorgeschlagen, weil ihr die Texte nicht gut genug waren, nun ja, vielleicht deshalb war ich auf Ela Meyers Roman neugierig, die 1973 in Friesland geboren wurde und jetzt in Barcelona lebt und das Buch, ein Roadmovie sozusagen ebenfalls mit einer eigenen Soundlist,, ist durchaus spannend, denke ich doch man merkt ihm die Spannungsbögen an, mit denen es geschrieben wurde. Da gibt es drei Freunde, die zusammen in Friesland aufgewachsen sind, Insa, Nico, Hannes, jetzt lebt der schwule Hannes mit Insa in Hamburg, Nico in Hannover, alle drei haben eine schwierige Jugend hinter sich, Insa ,die als Briefträgerin jobbt, ritzt sich manchmal und zu Beginn des Buches bemerkt Insa ihre tauben Finger und geht zur Ärztin, hat sie multiple Sklerose, man weiß es nicht und muß erst abwarten.

Hannes verkündet, daß er zurück nach Friesland will, um die Werkstatt seines Opas zu übernehmen und Nco will eine Kiste mit den alten Sachen seiner Mutter, die ihn vor Jahren verlassen hat, nach Barcelona wo sie lebt, bringen und die drei beschließen mit ihren alten Bus dorthinzufahren.

Da sind Themen dabei, die ich auch schon bearbeitet habe, in den „Zwillingswelten“ verläßt eine Mutter ihre Kinder und überläßt, als sie stirbt ihr Vermögen einer Katze. In „Und trotzdem“ fährt eine Frau ihren Krebs davon, darüber habe ich auch in einem anderen Buch gelesen und „Im Namen des Vaters“ läßt eine Frau ihren Krebs nicht behandeln.

Ob es bei mir so spannend ist, wie bei Ela Meyer sei dahingestellt. Sie spielt alle Spannungsbögen aus, trotzdem hatte ich beim Lesen manchmal Schwierigkeiten und habe auch länger, als gedacht damit gebraucht.

Es gibt natürlich Spannungen zwischen den drei. Insas Finger zucken und die Schmerzen überollen ihren Körper. Es ist auch schwierig in den schmalen Bus zu dritt zu schlafen. Nach einem Streit verläßt Insa, die zwei, geht spazieren und findet dabei einen Hund, den sie waschen, pflegen, mit sich nehmen und „Pommes“ nennen. Sie lassen sich bei der Reise Zeit. Der Bus versinkt auch fast in einen Sumpf und Insas Exfreund muß auch noch besucht werden. Dann erreichen sie die Mutter und da gibt es auch einige Schwierigkeiten, denn Nicos Vater ist das eigentlich nicht und den Leo, der das ist und der auch in Barcelona lebt, hat er noch nie gesehen. Er will auch das Kind seiner Mitbewohnerin als seines annehmen und als Insa den beiden doch einmal von ihrer beginnenden Krankheit erzählt, gibt es auch Schwierigkeiten, die Freunde geben Ratschläge, mischen sich ein und eine kleine Schwester, die vielleicht Hannes Platz in Insas Wohnung einnehmen kann, gibt es auch.

Bei „Amazon“ kann man in Kürzestrezensionen kann man etwas von „besonderen Schreibstil und glaubwürdigen Charakteren“ lesen, wo es auch absolute Leseempfehlungen gibt.

Wär schön, wenn ich das über meine Bücher auch lesen könnte, denn so ungewöhnlich sind meine Themen ja offensichtlich nicht.

2022-05-13

#Kleingedrucktes

Filed under: Bücher — jancak @ 00:57
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Bücher mit Twitterliteratur habe ich schon einige meistens als Schnäppchen gefunden und durchgeblättert, die kreative Kommunikationsform der zwanzig bis dreißigjährigen, die oft auch als Poetryslamer in Erscheinung treten. So ist das auch bei der 1993 in Flensburg geborenen Selina Seemann, von der im Klappentext ihrer Kurztexte steht, daß sie sehr gut Ikea -Möbel aufbauen kann, Falco liebt und sich deshalb sogar einmal im Zentralfriedhof einschließen ließ und seit 2017 auf Poetry Bühnen steht, außerdem scheint sie in oder vom Internet zu leben und ihr Leben aus Worten“ zu bestehen und ihre Adresse lautet „@selina kristin twitterstr. 154 13337 internet“

„next step zentralfriedhof falco ich hol dich da raus“

„es gibt immer mal wieder originl-falco-autogrammkarten auf eby und mein geburtstag ist am 11.1. ich sags ja nur“.

„mama das internet hat gefragt, ob ich zum spielen reinkomm“

„ich heb mir die bücher auf für wenn das internet leer ist“

„junge ich war nicht einmal offline seit 2003“

„war gerade ohne handy auf toilette wie im mittelalter“

„wo kann ich mir „internet „als zweiten namen eintragen lassen“

Das nur ein paar Beispiele aus den Kurztexte über die Elias Hirschl, der ja auch Slammeister ist, am Buchrückengeschrieben hat „man sollte sich jede zeile von selina seemann auf ein t- shirt drucken lassen“.

So weit würde ich nicht gehen, habe mir aber vorhin in der Badewanne einges in dem Buch angestrichen

„war gerade richtig mad, dass es keine liegeduschen gibt, dann fiel mir das konzept badewanne ein“, das wie im Vorwort steht, nach den uhrzeiten geordnet ist, zu denen sie entstanden sind, wer es sich gut einteilt, kann die lektüre also in 24 stunden schaffen“.

Ich habe zwei Leseeinheiten dazu gebraucht.

Also rein in das Buch, das von Gregor Hinz illustriert wurde und aus „Tweets, Kurztexten und 25 Gedichten besteht.

„siebzehn“ heißt eines davon

„was muss ich tun

damit der mond mich in betracht zieht

ich würd sein zimmer aufräumen

seine steuer erklären

ihn kratzen an der stelle an seinem rücken, an die er nicht rankommt“

Einige Stellen scheinen Selina Seemann, die wie schon erwähnt im Intern et wohnt und Twitter als eine Art Notizbuch benützt, besonders wichtig zu sein.

Das sind beispielsweise die Katzen“

16.10

„will einen kater haben und ihn champ nennen. kann dann immer“ hey champ“ rufen und sein voller name ist champignon -rahmsoße.“

„16.17

@alle katzen ich lieb euch“

„12.30

was ich an katzis mag

-die kleinen öhrchen

-die kleinen pfotis

-die soundeffekte

-die kleinen zähnchen

-den schmus“

„12.32

meine lieblingskatzen? getigerte ganz schwarze, die mit anzug, graue, kleine, die mit großen ohren, weiß-graue, die mit kleinen pfoten, die mit weißer schwanzspitze, die mit viel schnurrharr, orange schauspielkatzen aus blockbustern, freche, die, die air buscuits machen, liebe“

und dann das Wuppertal

„11.44

im wuppertal meines herzens bist du die schwebebahn“,

sowie die Frage, wer jetzt zu ihr passt?

„10.18

wenn er es pockemonn ausspricht, ist er zu alt für dich“

„10:48

wenn er kein t9 beherrscht, ist er zu jung für dich“

und über Bücher und Literatur

0.9:27

top 5 geschenkideen für mich:

-bücher

-romane

-buchgutscheine

-lyrikbände

-kurzgeschichtensammlungen“

212:ö1

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Shetlandpny verwandelt“

„14:39

es heißt ja poeTRY slam, nicht poeCAN slam“

„15:07

poetry slam in the streets, roman schreiben in the sheets“

„17:35

alles, was ich will, ist einen roman schreiben, der den rest meines lebens meine rechnungen bezahlt und mit rechnungen meine ich die raten fürs haus mit meerblick und katzenfutter“

„19:11

es ist keine schande, keinen content zu machen, wenn man einfach nichts zu erzählen hat“

und dann den Tweet für mich oder für all die, die mich fragten ob ich verrückt oder betrunken bin, wenn ich mir das wünsche

„16:26

ich hab den literaturnobelpreis nur als sprungbrett benützt, um poetry slam machen zu können“, nein das stimmt für mich nicht, ich würde schon bei meinen Schreiben bleiben, es trifft also nur für

„12:58

selina seemann sternzeichen sodazitron“ zu, denn so rotzig selbstbewußt bin ich nicht und auch schon ein bißchen älter.

Dann geht es zum „neuen pressetext: selina seemann ist bühnenautorin, moderatorin und eine süße maus“, um

„21:50“ heißt es dann

„bin so viel im internet, ich zahl für das real life zweitwohnsteuer“

Interessant, daß es von zwei bis sieben nur wenige Tweeds gibt. Selina Seemann geht also auch schlafen und um Schluß gibts eine Gedicht zur

„Zeitumstellung

die stille im teletext

und ein vorletzter ozean

haltet die lüfte an, brennesseln

die dachpapp noch warm

laika wär heute 66

keine angst, hier kannst du stehen

sternenstaubenallergie

muscheln sammeln aber wofür

die eisbären werden zuletzt geschlachtet“

2022-05-08

Atemhaut

Jetzt kommt das dritte Buch der „Kremayr&Scheriau“ – Literaturschiene der heurigen Frühlingssaison und das zweite Buch das ich von der1986 in Wien geborenen Autorin und Filmemacherin Iris Blauensteiner und es hat wieder das ästhetisch schöne „Kremayr- Cover“ mit Zeichnungen im Inneren. Es gibt einen Soundtrack von Rojin Sharafi, den man mit den beigefügten IQ-Codes abhören kann, obwohl das Buch zur Jahrtausendwende spielt, wo es das noch nicht gegeben hat.

Dafür kommt die berühmte Sonnenwende vor und der Jugoslawienkrieg, denn von dort ist Edin mit seinen Eltern geflohen. Jetzt ist er um die Zwanzig und Logistikfacharbeiter, wo er sich schon den Rücken kaputt gemacht hat, Panikattacken hat er auch und obwohl er sich in den Job hineinsteigert und für unentbehrlich hält, zu Beginn des Buches den Job verliert, während seine Freundin Vanessa, mit der er die Lehre gemacht hat und mit ihr in einer Einzimmerwohnung lebt, zur Abteilungsleiterin aufsteigt.

Nun beginnt der Gang in den Abgrund könnte man meinen und etwas, was man wohl schon gelesen hat. Edin geht zum AMS, wird zur Umschulung angemeldet. Eines Tages kommt aus dem Bankomaten kein Geld und die Beraterin, die ihm nach einem Bausparvertrag fragen muß, schaut ihn mitleidig an, weil nur mehr hundertfünfzig Schilling auf dem Konto sind. Er geht zur Mutter, pumpt sie an und gerät natürlich in Streit mit Vanessa, die ihm anbietet ihren Mietanteil für ihn zu übernehmen und ihm Geldscheine auf den Tisch legt, dafür aber will, daß er sich nichts Uninniges kauft. Ansonsten versinkt Edin langsam in der Computerwelt in der er mit Vanessa Ego-Shooter-Spiele spielt und baut sich auch eine Maschine mit der er seinen Atem kontrollieren kann.

Das ist wahrscheinlich das Ungewöhnliche mit dem Buch, wo die Außenwelt mit der Innenwelt verschwimmt oder in ihr verschwindet. Einerseits die Schwierigkeiten, die man bekommt, wenn man seinen Job verliert, obwohl das für einen Zwanzigjährigen eher ungewöhnlich ist und das poetische Versinken in die Maschinenwelt, das Surreale an dem Buch, wozu dann auch der elektronische Soundtrack passt, der zu diesem Thema, Arbeitslosigkeit und Arbeitswelt eigentlich ungewöhnlich ist.

Den habe ich als Handylose, die nicht so sehr mit der digitalen Welt verknüpft ist, nicht gehört. Dafür aber eine Lesung und ein Gespräch mit Anton Thuswaldner, das im Salzburger Literaturhaus stattfand, so daß ich verstehen konnte, worum es in dem Buch geht und was Iris Blauensteiners Absicht beim Schreiben war und bei der „Rund um die Burg“, die demnächst stattfindet, wird das Buch, glaube ich, auch vorgestellt.

Ungewöhnlich ist vielleicht auch, daß das Buch in der „Du-Form“ geschrieben ist, wohl wie Iris Blauensteiner im Gespräch meinte, die „Ich-Perspektive“, denn der Held soll ja zu seinem „Ich“ finden, zu unterstreichen.

Ein interessantes widersprüchliches, Buch das in einer sehr ästhetisch schönen Sprache geschrieben ist, die, wieder ungewöhnlich, auch ein paar ungewöhnlich erscheinende Worte dabei verwendet.

2022-05-06

Thronfall

Filed under: Bücher — jancak @ 00:06
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Jetzt kommt der dritte historische Krimi, den ich in letzter Zeit gelesen habe und alles geht schön zurück, von 1945 wo ein Präsident über die westdeutsche Grenze entführt wurde, ins Jahr 1920 wo die Sozialisten Berlin und Leipzig unsicher machten und dann zurück ins deutsche Kaiserreich und ins Jahr 1889.

Ich habe zuerst 1989 gelesen und an den Mauerfall gedacht, aber nein, es gibt noch den jungen Kaiser Wilhelm, der viel auf Reisen geht und den August Bebel, der ein Buch über die „Frau im Sozialismus“ geschrieben hat und noch sehr vieles anderes, denn „Thronfall“ ist schon der dritte historische Krimi, den Axel Simon geschrieben hat und daher braucht man wohl ein bißchen länger um sich bei den handelnden Personen auszukennen. Da gibt es einen Gabriel Landow, genannt Gabi, was auch ein bißchen verwirrend ist, der ist Privatermittler der Regierung, hat eine Detektei und einen Kompagnos namens Orsini, sowie eine Geliebte namens Elba Runge zu der ein eher wechselhaftes Verhältnis hat.

Am Anfang passieren gleich ein paar Morde, die von einer Frau ausgeführt werden, die asiatische Augen hat. Die Köpfe der Kaiserdenkmäler rollen dann als nächstes und Botschaften wie „Den Arbeiter holt der Typus, den Kaiser holt der Teufel.

Bis es aber soweit ist, wird noch die Detektei durchsucht, weil Orsini, der einarmige, den Arm wahrscheinlich in einem Krieg verloren, betätigt sich auch als Taschendieb und hat da ein Notizbuch mit einer Zahlenkombination gefunden, als er das zurückgeben will, wird der Überbringer erschossen und drei Revolutipnäre Marat, der eigentlich aus Hollabrunn stammt, Saint Just und Desmoulins, die mit Dynamitstangen hantieren und Kisten bei sich verstecken, gibt es auch, wie die Spielzeugfabrikantenwitwe Grün, die eine Freundi Ebas und ebenfalls Revoultionärin ist und von einem Heiratsschwindler verfolgt wird, der sich in sie verliebt, aber der wird in Auftrag Elbas von Orsini verfolgt und einen Affen namens Franz gibt es inzwischen auch, der von Oorsini während seiner Verfolgungsarbeit im Kinderwagen herumgeführt wird.

Ganz langsam kommen wir ins Geschehen oder fahren nach Norwegen, weil sich dort der Kaiser mit seinem Freund Graf Eulenburg auf eine Schiffsreise begeben hat, aber der hat ein junges Kaiserdouble an Bord geschmuggelt und der wird während eines Picknicks erschossen.

Da kommt Landow auch auf, die Fogorafie die sich gerade entwickelt hat und besucht mehrere Fotografen und, um die Spielzeuge, die in dieser Zeit en Vogue waren, da gibt es einen Superkreisel, geht es auch.

Am Schluß kommt noch der russische Zar auf Besuch und Landow kann ein Attentat auf ihn verhindern, dafür liegt er zwar bandagiert im Spital, kann aber aber wahrscheinlich weitere Fälle lösen, so daß wir auf einen Folgeband gespannt sein können und Axel Simon hat wirkich einen frischen ungewöhnichen Ton und so liest man sich durch das Buch, das eigentlich weniger ein Krimi ist, sondern sich an Hand absurder Situationen, wie beispielsweise, das mit dem Affen durch das vorvorige Jahrhundert und wenn vielleicht auch nicht alles so authentisch ist, daß es außer Dienstmädchen soviel berufstätige Frauen gegeben hat, wage ich zu bezweifeln, hat man trotzdem viel gelernt und so sind historische Krimis, die jetzt ja, wie die Schwammerln aus dem Boden spriessen, sicher sehr interessant.

2022-05-01

Die Wölfe von Pripyat

Filed under: Bücher — jancak @ 00:00
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Dystopische Romane sind ja derzeit en vogue und ich kann mich erinnern, daß ich eigentlich das erste Mal beim deutschen Buchpreislesen bei Heinz Helle darauf gekommen bin. Ja richtig, 1984 habe ich schon als Studentin gelesen und später die „Schöne neue Welt“ und da dachte ich, das wäre es.

Dann habe ich mit Stephan Teichgräber das „Utopie-Workshop“ gemacht und bewußt einige solcher Romane gelesen und ab März 2020 bin ich dann in die dystopische Realität gestoßen und versuche seither aus der Corona-Krise einen dystopischen Roman zu machen. Was derzeit wahrscheinlich nicht geht, denn es ja die Realität in der wir leben, auch wenn vieles sehr skurril erscheint.

In der „Alten Schmiede“ hat es vor kurzem eine Veranstaltung über den politischen Roman gegeben. Da wurde Josef Haslinger, Elias Hirschl und Cordula Simon vorgestellt und die hat einen dystopischen Roman geschrieben, der wegen des Titels, den Pripyat ist ja eine ukrainische Stadt, wo die Kämpfe derzeit stattfrinden, die vorher warscheinlich niemand kannte, jetzt ebenfalls eine besondere Aktualität erleben kann. Die 1986 in Graz geborene Cordula Simon hat aber einige Jahre in Odesso gelebt. Sie hat beim „Bachmann-Preis“ gelesen, war für den „Alpha“ nominiert, da bin ich oder schon vorher im Literaturhaus mit ihr in Kontakt gekommen. Den „Neubauer“ habe ich gelesen und jetzt hat mich das Buch natürlich interessiert.

Vielleicht lerne ich da, wie man einen dystoposchen Roman über Corona, schreibt habe ich vielleicht gedacht und das in dem Buch vielleicht ein bißchen gefunden bin im Großen und Ganzen aber ratlos zurückgeblieben, habe vieles nicht verstanden, denn Cordula Simon hat wieder einmal sehr sehr viel in den Roman gepackt, wo man einige Ebene und zwei Erzählstränge erkennen kann.

Einerseits wird man sofort an „1984“ erinnert und da denke ich, daß das, was in dem Buch steht inzwischen, wenn auch natürlich anders, inzwischen Realität geworden ist. Wir haben jetzt die technischen Möglichkeiten dazu und die werden offenbar auch sehr ausgenützt und so steht am Buchrücken auch, daß das Buch eigentlich in der Realität spielt oder dieser erstaunlich ähnlich ist.

Es gibt zwei Erzählstränge. Einer spielt im „Jahr des Konsuls“ und der andere sechzehn Jahre später und im Teil eins geht es um einen Wettermann namens Sandor Karol, der mit seiner Frau Kata, Tante Brause, der Märchenerzählerin, die Tochter Lyrie hat und da werden jetzt alle gechipt oder geloggt und dieser fragt ständig, ob er etwas speichern soll und schlägt einem zum Wohle aller, ständig etwas vor. Ablehnen kann man nicht und Sandor gerät in Mißgekredit indem er einmal über das Wetter die Wahrheit erzählt, nämlich, daß dieses schon manipuliert werden kann.

Da kommt er dann ins Umerziehungslager, „Oase“ genannt, verschwindet schließlich und der andere Strang, die Beiden werden abwechselnd erzählt, geht es um einige Jugendliche, die in den Ferien in ein Umerziehungslager geschickt werden und dort ausbrechen, um die „Goldene Stadt“ und den Konsul zu suchen. Nach und nach erfährt man, daß dieser Sandor Karol ist, wie der von seinen Umerziehungslagern und Log-Kontrollen dorthin gekommen ist, habe ich nicht ganz verstanden. Am Schluß erfährt man aber, daß es ihn ohnehin nicht gegeben hat und seine Frau wurde irgendwo Präsidentin, was ich auch nicht ganz nachvollziehen konnte

Da gibt es eine Emma, die in der Märchenwelt der Tante Brause lebt und da muß ich schreiben, daß Cordula Simon, einerseits sehr dystopisch ist und höchst aktuelle Dinge, wie die Ungleichheit der Sprache ,die abgeschafft werden soll, erzählt.

„Schokolade“, sagt man nicht mehr, heißt es da beispielsweise, dann aber wieder sehr märchenhaft altmodisch ist. So heißt der Ort, wo das Lager stattfindet „Untermürbwies“, was mich an die Ortsbenenneungen in Barbara Frischmuths Kinderbücher denken ließ und eines der Märchen, an die sich Emma, die von ihren Eltern ja bei Tante Brause vor dem Fernsehapparat abgestellt wurde, sind die „Wölfe von Pripyat. Die sind aber gleichzeitig eine Terrorgruppe, die das System brechen wollen und Potz, ein anderer Jungendlicher ist ein solcher. Der such also mit Emma die „Goldene Stadt“, was ja auch ein bißchen altmodisch klingt, während Jacky in einem Lager sitzt und Briefe an ihren „Liebsten“ schreibt und Gruber sucht nach Jacky und glaubt ,er wäre dieser. Jacky wurde auch von Tante Brause aufgezogen oder bei ihr abgegeben, nachdem sich ihre Mutter umgebracht hat und so geht es auf fast vierhundert Seiten dahin und ich denke wieder, man könnte drei bis fünf ganz verschiedene Romane daraus machen und bin ich mir über das Ende auch nicht ganz klar. Aber trotzdem war es interessant das Buch zu lesen, um zu sehen, wie andere dystopische Romane schreiben und habe auch sehr lang dazu gebraucht.

2022-04-23

New York und der Rest der Welt

Filed under: Bücher — jancak @ 23:37
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Jetzt kommt offensichtlich ein hipper Kolumnenband, jedenfalls ist das Cover von Fran Lebowitz „Rowohlt-Buch“ auf vielen Blogs zu sehen und am Klappentext steht zu lesen, daß Fan Lebowitz Taxifahrerin und Putzfrau war, bis sie von Andy Wahrhol entdeckt wurde. Jetzt ist sie offensichtlich ein New Yorker Star und sie hat auch einen sehr frischen frechen Stil.

Das Buch ist in verschiedene Teile geteilt und beginnt, was man vielleicht schon ahnen kann, mit dem „Großstadtleben“ oder mit der Einführung, wie ein Tag der Fran Lebowitz beginnt. Sie träumt vom Nobelpreis, quasselt dann mit verschiedenen Verlegern oder Anrufern, geht in Pubs, fährt im Taxi und kommt wieder nach Hause und dann kommt sie zum Kapitel „Manieren“, das wieder in verschiedene Unterkapitel eingeteilt ist und da arbeit Fran Lebwotz offenbar gern mit Fragebögen. Sie beginnt aber damit „Ich bin keineswegs gefühllos. Ich finde, alle Menschen sollten warme Kleidung, ausreichend zu essen und eine angemessene Unterkunft haben. Ich finde aber auch, daß sie sich gut einpacken, irgendetwas essen und gleich zu Hause bleiben sollten, wenn sie nicht bereit sind, sich halbweghs vernünftig zu benehmen“, aha könnte man da sagen und irgendwo später steht da noch, daß nicht alle Leute glauben sollten, daß sie Talente haben und vielleicht einen Roman über Familiengeschichte schreiben können, weil sie glauben, daß das jemanden interessiert.

Fran Lebowitz schreibt dann gleich eine solche über ihre Großmutter Margaret Lebowitz, die im Fin de Siecle im ungarischen Ghetto Point aufgewachsen ist mit dem Titel „Auf die Herkunft kommt es an.“

Vorher gibt es noch die schon erwähnten Listen, die die „Nebenwirkungen von Unterdrückung und/ oder Repession“ bzw. „Die Nebenwirkungen von Freiheit und/ oder Freizügigkeit“ bei „Teenagern“ „Homosexuellen“ ,“Juden“ und „Frauen“ beschreibt.

Es gibt dann auch eine „Berufsberatung für die wahrwahft Ehrgeizigen“. Da kann man einen Fragebogen ausfüllen, wenn man beispielsweise „Papst“, „reiche Erbin“,“ unumschränkter Diktator“, „Aufsteiger“ oder „Kaiserin“ werden will.

Dann geht es um den „Sport heute“ oder wie man den am besten in einer Großstadt betreibt. Es geht um „Disco-Tipps der neuen Etikette“ und darum, wie lange man in Russland bzw. USA arbeiten muß, um einen „Laib Brot“ oder einen „Fernseher“ kaufen kann oder, wie lange ein „Kommunist“ bzw. ein „New Yorker“, braucht um ein Abo des „New Yorkers“ zu erwerben. Das hat sich in der letzten Zeit vielleicht geändert. Die Kolumnen scheinen aber schon vor längerer Zeit geschrieben zu sein.

Es geht aber gleich über das „Pro oder contra Kinder?“ weiter. Es gibt ein „Training für Mieter“. Da erwähne ich nur die Frage, ob ein Vermieter einen begehbaren Schrank als Zimmer benennen kann?

In „Erfolgreich ohne College“ werden die verschiedenen „Mütter-Typen beschrieben. Da gibt es die „Bühnenmutter“, die „Architektenmutter“, die „Talkshow-Moderatoren-Mutter“, die „Bestatter-Mutter“, die „Oberkellner-Mutter“ und die „Restaurantkritiker-Mutter“.

Ein Kapitel pber die „First-Women Bank“ gibt es auch und dann unter der Überschrift „Jeder hat das Recht, zu tun und zu lassen, was ich für richtig halte“, um Gesetze und im „Ein Blick in die Welt“ geht es um das Reisen. Da wird Italien und Frankreich beflogen. Aber wir wissen schon, an New York kommt natürlich keiner ran. Also kann man vielleicht auch zu Hause bleiben.

Dann gehts zur „Wissenschaft“ und da gibts eine Kolumne über die Nagelstudio oder die „Nagelbank“, wo Fran Lebowiz darüber phantasiert, wie man zu schönen Nägeln kommt. Dann macht sie sich Gedanken über das Telefonieren und macht Vorschläge über die besten Sprechunterstützer, wie den „Oskar Wilde“ oder „Dorothy Parker-Typ“.

Ums Schlafen geht es auch und dann natürlich über das Wetter. Da behauptet sie „dass das kühle Wetter im Sommer von New York nch Southhampton zieht, weil es keine Lust hat, mit lauter unterbezahlten Autoren und Puerto Ricanern in New York zu bleiben.“

Pflanzen sind für sie „Die Wurzeln allen Üblels“ und dann gehts zur „Kunst“, die wird erstmal in die verschiedenen Sparten aufgeteilt und dann gehts nach Soho und da wird geklärt wieso „Mr. Art nichts mit der Kunst anfangen kann.“ und dann zur „Literatur“ und da ist ja schon angeklungen, daß Fran Lebowitz nicht davon hält, daß sich ihre Leser für das Schreiben interessieren, weil das ja ein sehr „unangenehmer Beruf“ ist.

„Nur weil man in der Highschool keine Freund hatte, ist das noch kein Grund, ein Buch zu schreiben“ oder „Daß man in der Highschool viele Freunde hatte, sollte einen genügen. Das muss die lesende Öffentlichkeit nicht erfahren.“ und über „Lyrik -Sollten Sie der Meinung sein, dass Selbstmordgedanken bereits von einer poetischen Natur zeugen, dann vergessen Sie nicht, dass es auf Taten ankommt, nicht auf Worte“, denn „Schreiben“ ist für Fran Lebowitz, wie schon erwähnt offensichtlich „Eine lebenslängliche Strafe“. Daher gibt gleich die Listen „Woran Sie merken, dass ihr Kind ein Autor ist“

„Vor der Geburt- Wenn Ihr Geburtshelfer beim Aufsetzen des Stethokops aus dem Bauch ausreden hört.“

Bei der „Geburt -Das Baby kommt mindestens drei Wochen zu spät, weil es kein Ende finden konnte.“

„Das Baby schläft sofort die Nacht durch. Den Tag auch.“ im „Krabbelalter lehnt der Kleine Teddybären als Plagiat ab“, während „Mit sieben denkt er über eine Namensänderung nach. Und einen Geschlechtswechsel“. Jetzt wissen wir es und können darauf reagieren und beispielsweise unserem Nachwuchs dieses Buch entziehen, damit er es nicht nachahmen kann.

Was „CB“ ist, habe ich dagegen immer noch nicht verstanden. Aber vielleicht habe ich zu schnell gelesen.

Über „Schriftsteller im Streik“ geht es natürlich auch und da habe ich vergessen, daß das Autorenkind seinen Lehrern sagt, „dass es keine Hausaufgaben machen konnte, weil es eine Schreibblockade hatte.“

Jetzt ruft ein Autor einen anderen Autor an und unterhält sich mit ihm darüber, daßzu er nicht schreiben kann und dazu gibts dann ein paar Varianten. Also „Lieber keine Nachrichten“, auch wenn sie “ wichtig, informativ oder unterhaltsam“ sein können, schließt Fran Lebowitz diesen Leseteil.

Dann gehts zu Teil zwei, den „Sozialstudien“,wo im Kapiel „Leute“ Ratschläge gegeben werden, wie sich reiche Leute einen armen Partner oder umgekehrt fischen können und Fran Lebowitz in ihrem frechen Ton die verschiedensten Milieustudien gibt oder diese umdeutet.

Dann wird ein neuer Papst besucht, er heißt Ron und hat Frau und Kind, man sieht wieder Fran Lebowitz ist sehr originell und so gehts gleich mit Portraits von zeitgenössischen Heiligen weiter.

Weiter gehts mit dem Dienstbotenproblem, da sucht Fran Lebowitz eine Putzfrau, bestellt sich ein paar Kanditaten, der erste ist ein Mann der gleich ihr Schlafzimmer besichtigt, dann kommen ein paar Frauen, die aber nicht in der Nacht putzen wollen und die will ihr Haus nicht verlassen, so daß der Versuch schließlich scheitert.

Dann werden noch die Kapitel „Dinge“, „Orte“ und „Ideen“ von Fran Lebowitz erforscht und bei den Dingen gibts gleich „Hinweise für Haustiere“, beziehungsweise gibt die bekennende Nichttierliebhaberin Ratschläge für die solchen wie „Wenn du ein Hund bist und dein Besitzer findet, dass du ein Mäntelchen tragen sollst… schlage ihm vor, dass er sich einen Schwanz anschafft“ oder „Kein Tier sollte je auf ein Esszimmermöbel springen, sofern es nicht absolut sicher ist, dass es sich beim Tischgespräch behaupten kann“, was wieder ein Beispiel für den Lebowitschen Humor ist..

Dann gehts zur „Frances-Ann-Lebowitz-Sammlung“, da werden alte Herdplatten oder Toaster angepriesen und bei den „Orten“ wird Los Angeles beschrieben. Ein „Tagebuch einer New Yorker Wohnungssuchenden“ gibt es auch.

„Ideen“ hat Fran Lebowitz auch sehr viele. Sie beginnt wieder mit Listen, erklärt den Unterschied von Einfällen und Ideen und empfiehlt uns eine Wunderdiät. Du kannst essen soviel dein Magen erlaubt, wenn du nachher nur genügend Streß hast und dich über deinen Anwalt oder Agenten ärgerst, geht alles wieder weg.

Ähnlich ist es mit der Steuererklärung. Da sieht man den Unterschied zwischen den Armen und den Reichen, denn die ersten müssen, weil kein Geld, keine Steuern zahlen und fühlen sich dadurch ungerecht behandelt und keine Frage, daß Fran Lebowitz dagegen Abhilfe weiß.

Ein interessantes Buch mit dessen Humor ich manchmal meine Schwierigkeiten hatte oder ihn schlicht und einfach nicht verstanden habe, während sich die Lobsagungen am Buchrücken überhäufen.

„Der Goldstandard für Intelligenz und Humor. Jetzt und immerdar“, schreibt beispielsweise David Sedaris. Aber mit den habe ich ja auch meine Schwierigkeiten.

2022-04-21

Engel des Todes

Filed under: Bücher — jancak @ 00:13
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Wieder ein Krimi und wieder ins Jahr 2020, denn dar hat Thomas Ziebula eine ganze Reihe von Romanen geschrieben, was da in Leipzig passierte, als der traumatisierte Paul Stainer vom Krieg zurückkam, seine Frau, die aber schon mit einem anderen zusammen war verlor, trank, eine Katze rettete und zum Kriminalkommissar wurde. Vom Februar bis März spielen die Bände, den „Roten Judas“ und „Abels Auferstehung“ habe ich schon gelesen.

Jetzt sind wir im März und da fand ja in Berlin und auch in Leipzig ein großer Putsch statt, die Spartakisten und die Weißen Garden stießen da zusammen und in Leipzig rannte bei Thomas Zibula ein wieder traumatisierter Exflieger herum, wird von einem Engel verfolgt, der ihn, wie er glaubt, den Auftrag gibt, die Welt vom Bösen zu erlösen, um seine Schuld zu sühnen.

Verfolgungswahn oder Schizophrenie nannte sich das damals wahrscheinlich, wie auch heute und Adam von Gehrwald, der Sohn von einem Oberstleuntnant, der sich gnädiger Herr nennen ließ und seinen Sohn oder Stiefsohn gehörig mißbrauchte, schickte ihn auch zu einem Psychoanalytiker.

So beginnen die verschiedenen Teile mit Therapiesitzungen und Adam, ein Musiker der mit einer Gitarre herumläuft und im Krieg vier oder dreiunddreißig Flieger abschoß, irrt jetzt durch die Stadt, um allen Schuldigen die Köpfe und die Zunge abzuschneiden, wohl damit sie sein Geheimnis nicht verraten können.

Das habe ich, glaube ich, schon bei Henning Mankell gelesen, daß die grausamsten Mörder einen Schuldkomplex hatten und ihre Schuld mit noch größerer Gewalt tilgen wollen und so geht die Gewalt dann munter weiter.

Es gibt aber auch eine Tänzerin, Valerie Schwarz, die nackt im Staatstheater auftritt und von der Sittenpolizei verfolgt wird, aber während des Putsches wird auch die Sittenpolizei eingesetzt und einer der eigentlich schon verhaftet war, löst die größten Greueltaten aus und läßt harmolse Passanten niederschießen und hier irrt nun Paul Stainer herum, der inzwischen in der Straßenbahnfahrerin Fine eine neue Liebe gefunden hat.

Rosa Schilling tritt auch wieder auf und verliebt sich in Valerie Schwarz aber die ist mit dem Offizier August von Herzberg verlobt, der die Aufstände kontrollieren und die Stadt wieder in Ruhe versetzen soll. Der ist natürlich auch kriegstraumatisiert und will aussteigen, schreibt Gedichte und kommt weil er seine Verlobte, die auch auf der Abschußliste des Verrückte steht, retten will, ums Leben.

Grausig, grausig war es damals in Leipzig könnte man sagen oder wurde von Thomas Ziebula noch thrillermäßig verstärkt, der auch die ganzen modernen Traumen oder Moden der Neunzehnhundertzwanziger einbezieht und so gefällt mir der dritte Band, glaube ich, besser, als der zweite, mit dem war ich, wenn ich mich richtig erinnere, nicht so ganz zufrieden und Leipzig kenne ich durch die Messen und die Hundertmarks ja auch ein bißchen. So war ich schon im Gohliser Schlößchen wo auch von Herzberg seine Villa hat und Großzschocher und andere Örtlichkeiten, wie das neue Rathaus, das inzwischen wahrscheinlich zu einem alten montiert ist, kommen auch darin vor.

2022-04-18

Für diesen Sommer

Jetzt kommt eigentlich kein Sommerbuch, obwohl es in einem spielt, sondern ein Familienroman, wo es um das Altern geht und die 1964 geborene Gisa Klönne, die schon verschiedene Romane und Krimis geschrieben hat, springt hier munter hin und her, wechselt wild die Zeiten und packt in diese Familiengeschichte auch sehr viel hinein und einiges störten mich auch dabei, obwohl es eigentlich ein Roman mit meinen Themen ist, denn über das Alter, Krankheiten und das Sterben habe ich ja auch schon viel geschrieben.

Da gibt es den vierunachtzigjährigen Heinrich, er ist seit einigen Jahren Witwer und wird in den Augen seiner Töchter oder eigentlich in denen seiner Tochter Monika, die ihm betreut immer sonderbarer. Er kann sich nicht mehr gut bewegen, zeichnet Ameisenbären und so will sie ihn auf Kur schicken und währed dieser Zeit sein Haus umbauen, so daß er im Erdgeschoß wohnen kann, was für ihn und seine beginnende Polyneuropathie bequemer ist.

Das Problem ist nur, er will nicht und sagt die Kur ab, darauf explodiert die bisher immer gut funktionierende, erfolgreiche Monika, bekommt ein Burnout, muß in eine Klinik und da muß die anderen Schwester her und in dieser Zeit den Vater betreuen.

Das ist die Ausgangslage und das Verhältnis zwischen Franziska und dem Vater ist sehr schlecht. Da gibt es viele Schuldgefühle, denn der pflichtbewußte und etwas spissige Vater hatte mit der unsteten Franziska seit seines Lebens Schwierigkeiten, denn die ging schon im Gymnasium statt mit dem Vater laufen, in eine Friedensarbeitsgruppe, engagierte dann für Umweltschutz, ging auf Demos und kommt jetzt von einen Ashram zurück.

Der Vater hat dann einen Sturz, muß ins Krankenhaus und Franziska kann nun das machen, was die anderen Schwester wollte, aber zu der ist kein Kontakt zu bekommen, wird sie doch in der Klinik abgeschirmt.

Franziska findet während es Umbaus Briefe, die die dominante Schwester ihr unterschlagen hat und kommt auch darauf, es gab zwischen ihr und Monika einen Bruder, der als Baby gestorben ist, die Eltern haben das den Töchter verschwiegen und das Testament, das der Vater ändern wollte, sowie in seinem Safe verschlossen hat gibt es auch.

Da kommen wir nun zu den Stellen, die mir nicht gefielen, daß die Tochter gegen den Willen des Vaters das Haus umbaut und, daß sie auch den Safe knackt.

Vater und Tochter versöhnen sich dann und die Tochter beginnt eine neue Beziehung, zieht zum Vater und baut im Nebenhaus ein Yogastudio auf. Sie versöhnt sich auch mit ihrer Schwester und Rückblenden, wo der Vater sein ganzes Leben, das mit dem Krieg beginnt, durchlebt gibt es auch.

Ein ganzes Nachkriegsleben, eine ganze Familiengeschichte, wie es die Neunzehnsechzigerjahren geborgenen, wohl oft erlebt haben.

So steht auch im am Buchrücken „Kunstvoll verwebt Gisa Klönne Zeit- und Familiengeschichte zu einem Portrait zweier Generationen. Mit großer Wärme erzählt sie von Hoffnung und Scheitern, verpassten Chancen und dem schweirgen Weg zu Versöhnung“

Mir war das, wie schon beschrieben zu viel und vor allen die vielen Rückblenden, die meiner Meinung nach auch zu ungeordnet waren, haben mich gestört.

In der Danksagen beschriebt Gisa Könne dann, was mir wieder gefallen hat, was in diesem Roman von ihr erfunden wurde und was sie selbst erlebte und, wie sich beides in jeden Roman immer wieder vermengt.

2022-04-17

Im Saal von Alastalo

Jetzt kommt das Buch das mich fast die ganzen Ostern beschäftigt hat, Volter Kilpis „Der Saal von Alastalo“, in in den Neunzehnhundertdreißiger Jahren von einem an die sechzigjährigen Finnen geschrieben, der Bibbliothekar in Turku war, in seiner Jugend einige Romane geschrieben hat und dann im Alter seinem Verleger schrieb, er hätte jetzt ein Jahrhundertwerk geschrieben, jahrelang hat er den über tausend Seiten Schmöker geschrieben, der an einem einzigen Nachmittag spielt und das Leben der Schären oder der Handelsheerrn dort im neunzehnten Jahrhundert beschreibt.

Um das zu schaffen, mußte er in der Bibliothek mit seinem eigenen Geld einige Hilfskräfte bezahlen und der Verleger hat das Buch dann gleich genommen, obwohl, wie ihm Kilpi schrieb, keine leichte Lesekost, kein Unterhaltungsroman ist, der gleich mit Proust und dem Ullysses verglichen wurde.

In seinem Heimat gibt es auch Kilpi-Festwochen und Schulbuchlektüre ist das Buch, das jetzt von Stefan Moster zum ersten Mal, glaube ich, auf Deutsch übersetzt wurde und damit auf der Übersetzerschiene des „Preises der Leipzigermesse“ stand und spannend, spannend könnte ich wieder schreiben.

Ich habe vom heurigen Leipziger Buchpreises je zwei Bücher gelesen, dieses ist das letzte und zufälligerweise alle drei Buchpreisbücher erwischt und wenn ich den Kilpi mit dem Buch der Anne Weber oder Cecile Wajsbrot vergleiche, denke ich, ich hätte diesem Buch den Preis zugesprochen, der Übersetzerarbeit wegen auf jeden Fall. Über diesem tausend Seiten Buch muß der ja auch sehr lang gesessen sein und dann auch um das Buch kennenzulernen über das man wieder sagen könnte, da passiert ja nichts und das hat Volter Kilpi auch seinem Verleger so geschrieben.

Und natürlich würde ich jetzt gerne wissen, wer außer mit das Buch noch gelesen hat, aber interessant und sehr zu empfehlen ist es allemal.

Es ist von „Mare“ sehr liebevoll gestaltet mit einem ästhetische schönen Umschlag herausgekommen, besteht aus einem Prolog und dreiundzwanzig Kapitel und diese haben jeweils eine sehr lange Überschrift in der man auch die Ironie Kilpis ablesen kann, denn die Überschriften beschreiben schon den Inhalt.

Genau genommen würde es also genügen, wenn man nur diese lesen würde, denn dann würde man schon wissen, um was es in diesem Buch geht, denn da lädt der Guts- oder Handelsherr Alastalo an einem Nachmittag, die anderen Fischer oder Bauern, der Gegend ein, um über die Anschaffung einer neuen Bark zu sprechen und das geht sehr lang und langsam vor sich.

Denn da braucht man und das hat schon Kilpi seinen Verleger geschrieben, ein paar hundert Seiten bis die Herren am Schaukelstuhl Platz nehmen. Dann wird das Pfeifenregal lang betrachtet, der Kaffee von den Frauen gebracht. Später kommt der Grog und eine Geschichte von einem Mann, der zehn Jahre auf sein Boot wartete, gibt es auch. Dann wird der Vertrag unterschrieben und so weiter und so fort und die Ironie Kilpis kann man beispielsweise sehr schön an der Überschrift von Kapitel sechs „Kapitel, das man bequem auslassen kann, weil darin auch nicht mehr passiert, als in den anderen“, sehen.

Wär aber schade, wenn man es, wie auch all die anderen, nicht gelesen hätte. Denn es gibt darin immer wieder sehr schöne Wendungen und sehr schöne Sprachschöpfungen. Obwohl man hier das Problem hat, daß man, wenn man nicht Finnisch kann, nicht beurteilen kann, was da jetzt von Kilpi oder Stefan Moster ist?

Der hat einen langen Anhang geschrieben, wo er das Leben Kilpis erklärt und dann auch ein paar Anmerkungen zu den Übersetzungsproblemen macht.

Ich denke also, ich habe wieder ein interessantes Buch kennengelernt, daß ich ohne die Übersetzerschiene des Leipziger Buchpreises nicht kennengelernt hätte. Im Vorjahr ist es mir ja mit den „Vögel“ ähnlich gegangen und Jon Fosse ist ja auch sehr interessanter Autor, also mehr skandinavische Autoren lesen, würde ich empfehlen und in Turku, füge ich noch an bin ich vor einigen Jahren auch ein paar Tage gewesen und habe dabei den Norbert, einen ehemaligen Arbeitskollegen vom Alfred besucht.

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