Literaturgefluester

2019-09-15

Nicht wie ihr

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:02
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Wir kommen schon zu Buch drei der deutschen Buchpreisliste, kleiner Scherz am Rande, obwohl es stimmt, daß ich diesmal mit dem Buchpreisbloggen, das ich ja schon zum fünften Mal sozusagen „unautorisiert“ auf mich nehme, spät daran bin, weil  ich bevor ich mit dem ersten, beziehungsweise zweiten Buch beginnen konnte, noch frisch von der Schweiz zurückgekommen, neun  andere Neuerscheinungen gelesen habe, die nicht auf der Liste standen.

Jetzt also Buch drei des dBp, das erste Printbuch, denn sowohl „Winterbienen“, als auch „Cherubino“ habe ich digital gelesen und Tonio Schachingers „Nicht wie ihr“ ist eine Überraschung, da eines der sechs Debuts, ein „Kremayr&Scheriau-Buch“ der mit seiner Literaturschiene, glaube ich, zum ersten Mal auf der Liste steht und, als ich mir das Buch vor einem halben Jahr oder so bestellt habe, habe ich beim Namen Schachinger wohl zuerst an die Marlen gedacht und dann wahrscheinlich erst beim zweiten Blick gesehen, das ist  ein anderer.

Ein Tonio Schachinger, 1992 in New Dehli geboren, in Nicuargua und Wien aufgewachsen, Student der Sprachkunst, von da hätte ich ihn eigentlich kennen sollen, habe ich ihn doch schon bei einer dieser Sprachkunstlesungen im Literaturhaus gehört, da nannte er sich allerdings Antonio und das Thema „Fußball“, ein Ball ziert, so auch das Cover, ist ja eines, wie ich immer schreibe, das mich absolut nicht interessiert.

Aber wieder Überraschung! Um das Fußballspielen geht es eigentlich nicht, sondern um einen Fußballspieler, einen Siebenundzwanzigjährigen mit Migrationshintergrund, weil aus einer bosnischen Familie stammend, der es  geschafft hat, in den ersten Kadern zu spielen, daher hunderttausend Euro pro Woche verdient und mit einem Bugatti durch die Gegend düst.

Klingt, wie ein Märchen oder ein Kitschroman, ist aber Sozialbeschreibung pur und von daher für mich sehr interessant und, wie es der Zufall will, ist es das totale Kontrastprogramm zu Andrea Grills „Cherubino“, wo es auch, um eine Karriere, die einer Sängerin Ende dreißig, die gerade schwanger wird, als sie sowohl an der Met, als auch in Salzburg singen soll.

Das sind wohl die neuen Themen der Literatur und bevor ich zum Inhalt komme, spoilere ich gleich munter weiter, das Malte Bremer vom Literaturcafe, der ja immer einen Buchpreischeck macht, geschrieben hat, daß er nicht weiß, wer dieses Buch auf die Buchpreisliste gesetzt hat?

Das weiß ich natürlich auch nicht, Daniela Strigl oder Petra Hartlieb vielleicht mit den anderen fünf Juroren. Aber, ich denke, es gehört hin, denn so genau wie Antonio Schachinger, der offenbar ein Diplotmatenkind ist, hat, glaube ich, noch keiner, das Schicksal der Fußballer mit Migrationshintergrund beschrieben und ich habe, glaube ich, somit wieder ein bißchen  Einblick in das soziale Leben von heute bekommen, obwohl man das mit den Bugatti und den hunderttausend Euro , die ich eigentlich  bezweifle, vergessen kann und ein solcher, wie der Ivo nur die Spitze des Eisberges ist, während hunderttausend andere mit bosnischen Migrationshintergrund, die von der Fußballkarriere und dem Bugatti träumen, den und das nie erreichen.

Ivo Trifunovic, siebenundzwanzig hat es aber und solche Stars gibt es auch und wir begleiten ihn nun ein Jahr lang durch das Fußballlereben.

Wie schon beschrieben, es beginnt mit dem Bugatti und in diesem trifft er Mirna seine Jugendfreundin wieder, verliebt sich in sie, aber er ist verheiratet, hat schon zwei Kinder und seine Frau Jessy ist die perfekte Fußballerfrau, die alle Geschenke perfekt aussucht und das  Leben, um Ivo auch perfekt cool lächelnd inszeniert.

Das Paar schläft getrennt, weil die Mutter mit dem kleinen Sohn schläft, um den Vater nicht zu stören. Ivo bringt die fünfjährige Lena aber brav in den Kindergarten. Eine Zeit in diesem Jahr lebt die Familie in London und da ärgert sich der Star, weil der Sicherheitskindergärtner vor dem Eingang „Excuse me, Sir, sie stehen nicht auf meiner Liste!“, sagt und ihm das Abholen seiner Tochter verweigert.

Da ruft er wutentbrannt Jessy an und brüllt in das Phone „Der Hurensohn von einem Kindergärtner hat…“

Jessy ist nun wütend auf ihn, weil er sich in Beisein seiner Tochter so gehen läßt und die fragt nun natürlich begierig „Tata, was ist ein Hurensohn und warum darf man das nicht sagen?“

An diesen Passagen sieht man, glaube ich, schon, wie das Buch und sein Autor tickt und diese Szenen finde ich sehr spannend, weil sie mir Einblick in ein Milieu geben, das mir bisher unbekannt gewesen ist.

Ivo wird für drei Wochen gesperrt, bekommt einen Hexenschuß, kann sich nicht bewegen und Jessy auch nicht zu einer Ballettaufführung begleiten. So geht sie mit ihrer Freundin Kata, auf die er eifersüchtig ist und wir erleben ihn mit seinen Schmerzen und sein Warten bis endlich der Not- oder Vereinsarzt zu ihm kommt.

Ivo macht sich auch über sein Leben oder dieses allgemein Gedanken und fragt, nachdem seine Tochter  von ihm wissen will, wieso sie Lena heißt, auch seine Eltern nach seinen Namen und dem seines Bruders, der heißt seltsamer weise Kurt, weil 1986 geboren und diese kleine Szene sagt auch sehr viel aus über Buch und Autor, das eigentlich keinen Plot und keine Handlung hat, sondern aus der Aneinanderreihung solcher Szenen besteht.

„Ein Jahr im Leben des Fußballstars Ivo Trifunovic, ein Roman für Fußballfans und Fußballverweigerer gleichermaßen; rotzig, deep & fresh“, steht am Buchrücken und ich spoilere gleich dazu, daß mir das Buch gefallen hat, Fußballfan aber keiner aus mir geworden ist und ich vermute, daß es wahrscheinlich nicht auf die Shortlist kommen wird, empfehle aber jedermann und jederfrau sehr das Lesen.

Und nun geht es gleich an Buch vier und Marlene Streeruwitzs „Flammenwand“ um bei der österreichischen Literatur der neuen deutschen Longlist zu verbleiben.

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2019-09-13

Es wird Zeit

Filed under: Bücher — jancak @ 00:28
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Bevor es doch an das Buchpreislesen geht, da sind schon alle Bücher da, aber bisher erst ein Einziges gelesen, jetzt noch ein Frauenroman von Ildiko von Kürthy.

Ich habe, die ich ja manchmal auch Chicklits und Krimis lesen von der 1968 Geborenen schon einige Bücher gelesen und sie haben mir, glaube ich, nicht so besonders gefallen. Hier ist es anders, aber auch ein bißchen ambivalent.

Geht es doch, um die Bewältigung einer Midlifekrise einer Frau, um die Fünfzig mit drei Söhnen, einen Zahnarzt, als Gatten mit einer Ehe, wo nicht mehr viel läuft, in einem Vorort von Hamburg, wo sie all das macht, was die Mittelschichtfrauen halt so machen, die Kinder zur Schule bringen, dort im Elternverein oder sonstwo helfen, halbtagstätig ist, kocht, putzt, bügelt, mit der Putzfrau verhandeltund mit ständig schlechten Gewissen wegen des Übergewichts doch noch ein bißchen Nutella aus dem Glas nascht.

Das ist Judith Rogge und deren Mutter ist gestorben und nun muß sie zur Beerdigung der Urne und zum Verkauf des elterlichen Hauses in das Dorf, wo sie aufgewachsen ist und das ist keine gute Idee, hat sie dort doch ein großes Geheimnis, das sie die letzten zwanzig Jahre sehr belastet hat.

Das wird nun nach und nach und manchmal durchaus sehr langatmig und so geschrieben, als käme es aus einem Ratgeberbuch aufgeklärt, manche Szenen sind wieder sehr lustig und am Schluß ist alles gut und die Mittelschichtfrau geht glücklich in ihr neues Leben hinein?

Doch nicht so ganz, denn vor zwanzig Jahren, hatte Judith eine beste Freundin und die hatte einen Freund mit dem sie in die Anwaltskanzlei ihres Vater einsteigen wollte, aber der macht zuerst noch eine Reise, kommt von dort nicht mehr zurück und Judith plagt das schlechte Gewissen, hat sie sich doch in Michael verliebt und ist nun schwanger.

Kopflos verläßt sie die Freundin und das elterliche Haus, zieht nach Hamburg, heiratet Joachim, bekommt drei Söhne und nun steht sie am Friedhof des elterlichen Dorfes, um das künftige Grab ihrer Mutter zu besichtigen und fällt dort fast hinein, als Anne sie entdeckt.

So was hatten wir schon ein oder zweimal in der Literatur und es geht auch gleich weiter, denn der der dasHaus kaufen will, ist eine andere Jugendliebe, ich glaube, der, der sie mit Vierzehn oder Fünzehn entjungfert hat und auch ihr Meerschweinchen ermordete, also ein Arsch.

Das ist er noch immer, verheiratet und das Haus will er auch zu Spekulationszwecken, aber Judith verliebt sich in ihm und hält nun während es zu verunglückten Treffen kommt und die Urne doch nicht so schnell, wie gedacht beerdigt werden kann, schier endlose Mologe über das glücklose Leben einer Mittelschichtfrau und dem fluch des Älterwerdens.

Dabei ist das Leben der anderen noch viel schlimmer. Anne hat nämlich Krebs im letzen Stadium. Die Freudinnen versöhnen sich wieder, Judith begleitet sie zu den Behandlungen, beschließt das Haus doch nicht zu verkaufen, sondern mit ihren Freunden in einer Art Altershippiekommune glücklich zusammen zu leben.

Sie erfährt, daß Michael nicht gestorben, sondern nur ausgestiegen und das Kind auch nicht von ihm ist, trennt sich glücklich von ihrem Joachim, der sich mit einer Seljacht statt mit einer Frau fortan vergnügen will und alles wird gut, bis, daß Anne doch stirbt und das den anderen irgendwann auch nicht erspart bleiben wird.

Ein vergnüglicher Roman über die Midlifekrise könnte man so sagen und ich denke, daß er wahrscheinlich hauptsächlich von Frauem, um die fünfzig oder noch älter, wie ich beispielsweise, gelesen werden wird und frage mich, wie das Buch auf sie wirkt?

Ich habe mich ja schon in meiner Jugend mit der Mildlifekrise beschäftigt und als ich noch nicht viel davon verstanden habe, eine Dissertation darüber geschrieben und als ich am vorigen Donnerstag das Buch gerade angefangen hatte, und zum Salten-Symposium ins Rathaus ging, meine Straßergassenfreundin auf der Straße getroffen, die mir von ihrem Krebs und der sechsten Chemotherapie erzählte, die sie erwartete.

So wird es wahrscheinlich auch den anderen Frauen gehen, das Übergewicht ist da, die Ehe im Heimer und das Buch gibt manchmal sehr lustig, beispielsweise die Stelle, wo der achtzehnjährige Sohn mehrmals anruft, weil er nicht weiß, wie man eine Waschmaschine betätigen muß, sich die Mutter gerade in einem Schweigekloster befindet, manchmal sehr langatmig gute Ratschläge, wie man das Leben bewältigen kann, die wahrscheinlich auch mehr oder weniger gut wirken werden.

So bin ich gespannt, wie das Buch von den Lesern aufgenommen wird  und kann auch noch spoilern, daß sich Ildiko von Kürthy derzeit auf Lesereise befindet, war doch dem Buch ein Flyer beigelegt, auf dem man die genauen Termine von September 2019 bis Juni 2020 finden kann.

2019-09-08

Entführung

Filed under: Bücher — jancak @ 00:31
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Wieder ein Krimi und eigentlich ein Nachtrag meines Schweizer Lesens, denn Petra Ivanov von der ich im Vorjahr schon „Alte Feinde“ gelesen habe, wurde 1967 in Zürich geboren, lebte aber in Amerika und ihr neues Buch, Ende August erschienen, gefiel mir besser als das letzte, obwohl ich mir auch hier mit dem Ermittlerteam schwertat.

Denn Petra Ivanov schreibt Serien und setzt da vieles voraus, was in den vorigen Büchern geschah.

Es geht hier, um einen Anwalt mit kosovarischen Wurzeln, einem Moslem namens Pal Palushi, der wurde zum Pflichtverteidgers eines Entführers, einem zum Islam konvertierten eher unsicheren Burschen, der jetzt Mustafa, vormals Daniel, heißt, der hat eine Studentin entführt, wurde aber geschnappt, weil er sich so ungeschickt anstellte.

Jetzt weiß man nicht,wo die Entführte ist, der Entführer schweigt und Palushi gerät in das Fahrwasser der Presse, wird beschimpft, weil er sich des Täters animmt und er gerät auch in große Schwierigkeiten, was seine Schweige- beziehungsweise Berufsverletzungspflicht betrifft, unternimmt er doch Ermittlungen, um an den Fall, beziehungsweise an die Entführte heranzukommen, was er ja eigentlich nicht darf.

Aber tut er nichts, kommt das Opfer vielleicht um.Interessante Fragen, die hier aufgeworfen werden und ich spoilere gleich, daß es am Ende zu einem Berufsverbot kommt, was ich eigentlich nicht ganz verstanden habe, daß Petra Ivanov das Buch so enden läßt, denn eigentlich hat sich Pal Palushi nichts zu schulden kommen lassen und der Fall wurde auch glücklich aufgeklärt.

Es geht aber weiter, begiehungsweise ist vorher noch so einiges geschehen. So hat Pal Palushi eine Lebensgefährtin, die ExpolizistinJasmin Meyer, die offenbar in einem vorigen Fall entführt wurde. Ihr Entführer sitzt im Gefängnis, Jasmin zu Beginn des Buches in Thailand. Sie kommt aber zurück nach Zürich, wo der Fall offenbar spielt, um Pal zu helfen und der hat auch noch einen Neffen namens Rinor, der sich plötzlich verändert, von seiner Mutter verlangt, daß sie ein Kopftuch trägt und offenbar in die Fänge eines radikalen Imans oder Gebetgruppe geriet und den Onkel aushorchen soll und dann gibt es immer wieder Kapitel, die von einer Ich-Erzählerin handeln, die ein Fotoalbum durchblättert, in dem Fotos ihrer Tochter Delia zu sehen sind. Die wurde, bekommt man nach und nach heraus, Opfer eines islamischen Terroranschlags und nun versucht der Vater sich zu rächeln, der heißt eigentlich Richter, was auf Arabisch Faisal bedeutet. Der will auf einer islamischen Friedenskonferenz eine Bombe schmeißen und Jasmin und Pal haben sehr viel zu tun, den Anschlag zu verhindern und die entführte Lara Blum auch heil in ihrer Familie zurückzubringen.

Das entzweit das Paar während des Geschehens, sie haben Geheimnisse voreinander, kommen am Schluß aber doch wieder zusammen. Nur Pal bleibt über und muß sich rehabilitieren, aber vielleicht gelingt ihm das in einem späteren Buch, das Petra Ivanov gerade schreibt oder schon geschrieben hat und wir haben  einiges über den Islam, die Islamfeindlichkeit und das mulitkulturelle Leben, das offenbar nicht nur in Deutschland und in Österreich, sondern auch in der Schweiz vorherrscht, gelernt, so daß ich das Buch wirklich sehr empfehlen kann.

2019-09-07

Das Licht ist hier viel heller

Filed under: Bücher — jancak @ 00:36
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Der Leseherbst 2019 ist den starken Frauen in allen Varianten und den Debuts natürlich gewidmet, könnte man so sagen, sechs Debuts auf der Longlist des dBps, darauf auch Marlene Streeruwitz und Karin Köhler, Gertraud Klemm nicht und auch nicht Mareike Fallwickl, die 1983 geborene Bloggerin und Texterin, der mit ihrem „Dunkelgrün fast schwarz“, im Vorjahr ein Sensationserfolg, zumindest nach Meinung der Bloggerszene, gelungen ist. Sie stand damit auch auf der Longlist des östBs und hat nun ihr ihr drittes Buch herausgebracht, das sich, 2017 geschrieben mit der „Mee too“ Debatte beschäftigt und was ich sehr interessant finde, auch mit dem Literaturbetrieb.

Maximillian Wenger, so Mitte fünfzig ist ein Erfolgsautor, zumindest war er das einmal. Denn jetzt ist er in der Krise. Seine Frau hat ihn aus der schönen Villa hinausgeworfen und lebt dort nun mit einem viel jüngeren Fitnesstrainer. Der literarische Erfolg ist auch weg, so haust er in Salzburg zwischen Schachteln und Flaschen in einer viel kleineren Wohnung. Seine Schwester Elisabeth, eine Integrationslehrerin, kommt regelmäßig putzen und legt ihm Tupperdosen mit gekochten Essen in den Kühlschrank.

Einmal bringt sie ihm auch einen Brief von einer Unbekannten geschrieben aus San Remo, an den Vormieter. Er macht den Brief auf und bekommt dadurch Inspiration für seinen späteren Romanerfolg. Aber das passiert erst später,dazwischen gibt es noch zwei weitere Romanstränge.

Der eine wären die Briefe, die von Gewalt erzählen. Eine ehemalige Buchhändlerin schreibt sie an ihren Geliebten, einem verheirateten Mann. Der Buchladen wurde ihr von einem Spekulanten wegenommen, der das mit sehr viel Gewalt durchzog, um daraus eine“ Mozartwelt“ zu machen und der dritte Strang kommt von der achtzehnjährigen tochter Chloe oder Zoey die sich  in letzteres umbenannt hat, weil sie in der Schule „Klo“ gerufen wurden.

Ihr jüngerer Bruder Spin, heißt eigentlich Finnegan und die Eltern haben nicht viel Zeit für Kinder, die von einer guten Seele namens Barbara aufgezogen wurde.

Jetzt hat die Mutter Patricia einen Fitnewahn, will, daß Zoey Pilates betreibt und nach der Matura in ihre Firma einsteigt. Der Vater will, daß sie Jus studiert, warum ihm das so wichtig ist, wird erst später klar.

Zoej will aber Fotografin werden. So hilft sie, während die Mutter glaubt, daß sie in einem Pilateskurs ist, bei einem Fotografen aus, um sich das Geld für eine analoge Kamera zu erspraren, der versucht sie bei einem Fotoshooting zu vergewaltigen und erkauft anschließend mit derKamera ihr Schweigen.

Zoey hat auch einen Freund, Jonathan, der aber inzwischen mit Maja liiert ist, trotzdem nähert er sich ihr bei ihrer Geburtstagsfeier wieder an, obwohl er die Beziehung zu seiner Freundin nicht aufgibt.

Diese drei Handlungsstränge wechseln einander ab. Interessant dabei ist, daß die Wenger-Kapitel von zehn bis null nach Rückwärts gezählt werden. Die Zoey-Kapitel haben Hashtags und die Briefe sind mit dem Jahr 2017 datiert, denn da ist ja die Mee too- Debatte losgegangen und da beginnt Wenger für den Frauenbeziehungen sehr wichtig sind, wieder zu schreiben. Wie in einem Rausch schreibt er einen Roman, wo ein Politiker eine junge Frau vergewaltigt. Dem Verleger ist das nicht persönlich genug, so fügt er noch die Originalberiefe an, was Zoey, die die Briefe auch gefunden hat, entsetzt.

Die Eltern lassen die Geschwister überhaupt viel allein, sind nie vorhanden, wenn sie sie brauchen. So muß Zoey handeln. Sie verläßt die Dunkelkammer und zertrümmert die Kamera, der Fotograf wird später auch von Wenger und Patricas neuem Freund zusammenschlagen wird und sagt Jonathan beziehungsweise Maja was sie von ihnen hält. Dann bewirbt sie sich mit ihren Fotos, um ein Stipendium und fängt solcherart ein neues Leben an und ich muß feststellen, daß mir „Das Licht ist hier viel heller“, besser als „Dunkelgrün fast schwarz“ gefallen hat, was vielleicht auch logisch ist, da mir Romane über den Literaturbetrieb ja sehr gefallen und auch Gertraud Klemm kürzlich dieses Thema behandelt hat.

Mareik Fallwickl tut das glatter und weniger litaneihaft als Gertraud Klemm. Zeigt aber auch ihr großes Wissen über Literatur. Blogger und Bücher kommen immer wieder vor und sie hat ja jetzt auch gemeinsam mit dem Instagrammer Florian Valerius, der auch am Klappentext ein paar Zeilen geschrieben hat, einige Bücher übers Lesen herausgegeben.

Auf die Longlist des deutschen und des österreichischen Buchpreis ist Mareike Fallwickl mit ihrem dirtten, nicht dem zweiten verflixten Roman, wo sich angeblich das Talent erweist, nicht gekommen, trotzdem kann ich das Buch, das auch irgendwie abgrundtief bösartig ist und wenn man es so pathetisch sagen darf, den Finger auf die Wunden der Zeit und der Gesellschaft legt, sehr empfehlen, obwohl es im letzten Drittel Längen hat, das erste Drittel habe ich sehr spannend gefunden und es sehr begierig gelesen.

2019-08-31

Das letzte rote Jahr

Filed under: Bücher — jancak @ 00:40
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Jetzt kommt wieder eine österreichische Neuerscheinung oder ein bei FVA erschienes  Buch das mir gut gefallen hat, der 1981 in Zilina geborenen Susanne Gregor, die 1990 mit ihrer Familie nach Österreich gezogen ist und bei der „Edition Exil“ ihren ersten Roman „Kein eigener Ort“ herausgebracht hat, obwohl sie bei der Lesung im vorigen Jahr im Literaturhaus ja, glaube ich, sagte, daß sie nicht so gerne solche schreiben würde.

Jetzt ist der neue Roman bei FVA  vielleicht durch Mareike Fallwickls Hilfe, die damals auch gelesen hat, erschienen und ich muß sagen, er gefiälltmir sehr und war für mich eine postivie Überraschung, denn „Kein eigener Ort“ hat mir nicht so gefallen.

Sie ist dann bald zu „Droschl“ gewechselt, wurde vom Literaturhaus als Jungautorin präsentiert, ihren Roman „Terretorien“, der schon bei „Droschl“ erschienen ist, habe ich noch nicht gelesen, wohl aber bei einem der Literaturhaus-Flohmärkte gekauft und nun habe ich ein sehr interessantes Buch gelesen, das das letzte Jahr in der Tschechoslowakei vor dem Weggang in den Westen und den Fall der Mauer schildert.

Misa, Rita und Slavka sind drei Freundinnen oder eigentlich drei vierzehnjährige Mädchen, also etwas älter, als es Susanne Greogor 1989 war, die in der Klein oder Großstadt Zilina, an der wir immer vorüberfuhren, wenn wir in die hohe Tatra wollten, leben.

Die Ich-Erzählerin Misa mit ihren Eltern und ihrem achtzehnjährigen Bruder Alan in der Mitte des Hauses, darunter Slavka mit ihrer Mutter, denn ihr Vater ist einmal von einer Reise nach Stockholm nicht mehr zurückgekommen, darüber Rita mit ihren Ärzteeltern und dem kleinen BruderMarcel, der immer am Hosenzipfel der Mutter hängt.

Die Eltern treffen sich Abends immer beim Wein in Misas Wohnung, die drei Freundinnen verbringen die Zeit abwechselnd miteinander und besuchen die selbe Klasse und in diesem Jahr, wo sie auch aufs Gymnasium wechseln, werden sie sowohl erwachsen, als auch ihre Freundschaft und das sozialistische System in dem sie aufgewachsen sind, zerbricht und das alles erzählt Susanne Gregor durchaus spannend, wenn das Buch auch zum Teil das die „Skizze eines Sommers“ von Andre Kubizek erinnert, der ja etwas Ähnliches schildert, einen Jahrhundertsommer in der DDR, während das Regime bald zerbricht.

Aber so rosig ist es in Misas Leben, die gerne Bücher liest, was ihr Vater, der in einer Elketrofirma arbeitet und daher öfter Auslandsreisen nach Österreich machen darf, gar nicht, der Bruder kapselt sich ab, der Vater will daß sie mehr Sport betreibt und auch die Freundin Rita, die eine überzeugte Pionierin ist, während ihre und auch die anderen Eltern längst nicht mehr so überzeugt von dem Regime sind, kapselt sich ab und geht ihre eigene Wege, was sie zuerst des Nachts in Alans Zimmer führt und als Misas Eltern das erfahren, in eine Katastrophe ende, denn er ist achtzehn, sie vierzehn, also ist es eigentlich verboten, was sie machen und Slavka trainiert eifrig für den Sportkader, ist in ihrem Geschichtslehrer verliebt, ansonsten schminkt sie sich und zieht sich westlich an.

Ihre Karriere wird vor Schluschluß bei einer Sportaufführung unterbrochen, als sie sich den Knöchel bricht und den Sommer liegend mit Gips im Bett verbringen muß.

Ritas Eltern wollen auch nach Ungarn, von den Veränderungen dort, daß da die Grenzen geöffent wurden und die DDR-Bürger von dort in den Westen verschwinden, erfahren die Mädchen durch erlauschte Gespräche ihrer Lehrer oder aus dem Radio.

Ritas Vater Michal will von einem Kongreß in Ungarn nicht mehr zurückkommen. Er will aber auch Abteilungsleiter in seinem Krankenhaus werden, um nicht immer Nachtschichten schieben zu müssen. Trinkt aber so viel,  daß beides nicht klappt und die Katastrophe herannaht, als eines Tages Alan und Rita verschwunden sind, was von ihrem Familien erst einen Tag später bemerkt wird und es noch etwas länger dauert, bis ein Brief von Rita aus Hamburg kommt.

Das Leben geht aber weiter, Weihnachten wird im Haushalt von Misa, einen Brand hat es vorher auch gegeben, etwas chaotisch gefeiert, daß der Weihnachtsbaum fehlt, fiel auch erst später auf. Dafür überraschte aber der Vater, der die Tochter schon vorher zum Deutschstudum verpflichtet hat, daß sie ab Februar nach Österreich ziehen werden und das neue Leben  im westlichen Kapitalismus beginnt.

Das Buch beginnt mit einem Prolog, da ist die Ich-Erzählerin, glaube ich, in Wien und schon Schriftstellerin, kellnert aber nebenbei und sieht im Fernsehen plötzlich Rita, so daß sie sich an das letzte roteJahr in Zilina erinnert und die Geschichte zu erzählen beginnt.

2019-08-25

Alle unsere Jahre

Filed under: Bücher — jancak @ 09:50
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Nun kommt eine Neuentdeckung, „Wagenbach“ hat einen Roman der 1958 in England geborenen und schon lange in Kanada lebenden Kathy Page, die schon acht Romane geschrieben hat, „Alle unsere Jahre“ im Original „Dear Evelyn“ herausgebracht und will die Autorin, die auch im Herbst nach Frankfurt kommt, offenbar im deutschen Bereich bekannt machen.

So liegt das E pub schon lange in meinem E -Book- Folder. Jetzt ist das Buch  erschienen, wurde auch schon bei MDR vorgestellt und von Rainer Moritz sehr gelobt. Es ist ein Familienroman, der die Szenen der Ehe von Harry und Evelyn in sehr eindrucksvollen Bilder beschreibt und dabei ein langes Nachkriegsleben schildert.

Harry wurde in der Zwischenkriegszeit geboren. Die erste Szene schildert sehr eindrucksvoll die Geburt und erinnert dabei ein bißchen an die „Asche meiner Mutter“, die Eltern gehen in dem ärmlichen London, aber sehr liebevoll mit ihrem zweiten Sohn um und auch das nächste Kapitel ist sehr eindrucksvoll.

Da ist Harry schon älter und wird von einem einäugigen Lehrer unterrichtet, der im Krieg sein Auge verloren hat, den daduruch haßt und den Schülern auf sehr unkonventionelle Art und Weise, die Liebe zur Poesie nahebringen will.

Das mißlingt wahrscheinlich, der Lehrer wird versetzt, schenkt Harry aber zum Abschied ein Buch und die Liebe zu den Gedichten zieht sich durch den ganzen Roman, es werden auch Ausschnitte daraus zitiert.

Im dritten Kapitel ist Harry schon erwachsen, hat nicht studiert, obwohl er ein Stipendium bekommen hätte und lernt Evelyn in einer Bibliothek kennen, die liest dort gerade Daphe du Mauriers „Rebecca“ und man könnte sagen, daß das ganze Buch auch in einem etwas altmodisch wirkenden Stil geschrieben wirkt, obwohl es bis in die Gegenwart hineingeht.

Harry und Evelyn, die wie im Beschreibungstext steht, sehr unterschiedlich sind, heiraten. Der zweite Weltkrieg beginnt. Harry wird eingezogen und kommt nach Westafrika. Evelyn bleibt zu Hause, bekommt ihr erstes <kind Lilly und sehr liebevolle Briefe von Harry von der Front.

Evelyn wurde von ihrer Mutter sehr geliebt und verwöhnt, haßt aber ihren trikenden tuberkolösen Vater und als sie an sein Sterbebett gerufen wird, ist sie nicht imstande „Ich liebe dich Dad!“, zu sagen, wie es die Mutter von ihr fordert.

Eine zweite Tochter, Valerie, wird geboren und ein Haus bezogen. Dazu werden Vorhänge gebraucht. Evelyn entscheidet sich für einen Stoff, der eigentlich noch immer viel zu teuer ist, obwohl ihr die Verkäuferin verrät, daß er im Abverkauf nur mehr die Hälfte kosten wird.

Sehr spät kommt die dritte Tochter Louise, die den Eltern wegen ihrer sexuellen Freizügigkeit Schwierigkeiten macht. So geht Evelyn deshalb auch zur Polizei, als sie einen Brief findet, in dem Louise darüber schreibt, was etwas absurd wirkt.

Dann werden die Eltern selber alt und Evelyn sehr ungeduldig mit Harry, der sehr ausgleichend ist und  ihr nicht sagen möchte, was er essen will, um ihr keine Mühe zu machen. Er braucht eine neue Hüfte, wird inkontinent, was Evelyn nicht aushält. So kommt er in ein Heim, während die Neunzigjährige mit einer der Töchter noch eine letzte Reise macht und Harry in sein Altersheim einen Brief aus Paris schreibt.

Der geht im Heim verloren und die Managerin bemüht sich sehr, ihm zu erklären, daß das vom überforderten Personal keine böse Absicht war und sie ihm auch schon gesagt haben, daß Evelyn ihn deshalb  so lange nicht besuchen kam, weil sie schon vor einigen Monaten, kurz nach ihrer Rückkehr von der Reise, verstorben ist.

Ein sehr interessantes Buch, das auf eine sehr eindruckvolle Art und Weise das Älterwerden und die Schwierigkeiten einer Ehe schildern. Für mich sind es die farbigen Bilder, die ich zu beschreiben versucht habe, die mich besonders beeindruckt haben. Nun bin ich gespannt, wie das Buch im deutschen Raum aufgenommen wird und was ich noch von Kathy Page hören oder lesen werde.

2019-08-23

Die jüngsten Tage

Filed under: Bücher — jancak @ 00:38
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Und noch ein Debut bevor es an das „Buchpreislesen“ geht, nämlich Tom Müllers „Die jüngsten Tage“, bei „Rowohlt“ erschienen, das schon länger in meinem Badezimmer liegt, aber erst  nach dem zwanzigsten August besprochen werden soll.

Also voila, Tom Müller wurde, bibografische Angaben gibt es leider keine in dem unkorrigierten Presseexemplar,1982 in Friedrichshain geboren, ging früh nach Italien, um die Sprache zu erlenen, was man in dem Buch auch merken kann und ist Verleger im „Tropen-Verlag“.

Das Buch, dein Roadmovie in die Vergangenheit könnte man so schreiben, ist vielleicht eine  sanftere Variante von Lukas Rietschel „Mit der Faust in die Welt“ schlagen, denn es geht auch um eine Jugend in der DDR, die es jetzt ja bald dreißig Jahre nicht mehr gibt und außerdem ist Strippe gestorben. Der Ich-Erzähler Jonathan, ein Lehrer, soll deshalb zur Beerdigung nach Berlin fahren und mit dessen Mutter sprechen, was er beides nicht will.

So driftet er stattdessen ab in die Vergangenheit, in die Schulzeit, zu den Erlebnissen mit den Mitschülern und den Lehrerinnen, den Erlebnissen beim Eisenbahnfahren und natürlich geht es um das Italienisch, wo man die Zunge rollen lassen muß, um die Wörter richtig auszusprechen.

Er ist ein Fan Gabriele d`Annunzios, der Hund heißt Pasolini und eine Freundin namens Elena gibt es auch. mit ihr macht er urlaub in den Dünendörfern, es geht aber auch nach Italien, der Nonno wird besucht, etecerta.

In Episoden, die Übeschriften, wie „Vita“, „Pythagoras“, „Imperium“, etcetera, tragen, wird das fast zusammenhanglos erzählt, so daß sich Eine beim Lesen etwas schwer tun und wieder denken kann, was ist das Neue an dieser Geschichte, an diesem Roman?

Aber natürlich, es ist ein Debut und da werden die Kindheit, die Jugend und die Schwiergikeiten, die man dabei hat, ausgerollt und aufgearbeitet.

Auf der Longlist des Bloggerdebutpreises steht das Buch auch.

Mal sehen, ob es auf die Shortlist kommt?

2019-08-21

Auftrag für Moving Kings

Jetzt kommt das neue Buch von Joshua Cohen, wieder bei „Schöffling & Co“ erschienen, bei dessen „Buch der Zahlen“ ich mir schon beim Lesen sehr schwer getan habe.

Jetzt wars ein bißchen besser, vermutlich, da ich das Print-Buch vor mir hatte, wo ich mir ja alles anstreichen und anmerken kann, was beim PDF im Laptop nicht so gut geht, aber der 1980 in New Jersey Geborene, den ich, glaube ich, schon einmal in Wien hörte und der auch 2017/2018 Gastprofessor in Berlin war, ist ja bekannt durch seinen sehr modernen, sehr flüchtigen und flapsigen Sprachstil und unterscheidet sich dadurch sehr von Thomas Meyer, der in seinem „Wolkenbruch“ ja auch das moderne jüdische Leben schildert, aber das sehr viel bedächtiger und traditoneller als Joshua Cohen tut, der wahrscheinlich zu Recht zu den zehn besten jüngeren amerikanischen Autoren gilt.

David King hat in New York ein Transportunternehmen, das heißt, er räumt Wohnungen aus, meistens dort, wo eine Hypothek fällig war oder die Leute von einem Bundesstaat in den anderen ziehen, sich scheiden lassen, sterben, etcetera.

Dabei hat er, wie im Klappentext steht, selber alle Hände zu tun mit seinem Privatleben. Seine Büroleiterin Ruth will ihn unbedingt heiraten, seine Tochter Tammy tut auch nicht das was er will und dann holt er noch seinen Neffen von Israel in die Staaten, setzt ihn dort als Möbelpacker ein und all das das wird sehr flott und sehr rasant mit einer sehr flotten lockeren Sprache erzählt, so daß es niemand wundern wird, daß es am Ende des Buches zu einem Desaster kommt, einer der Einssätze mißlingt und David am Ende wieder ganz von Anfang an anfangen kann.

2019-08-17

Hippocampus

Filed under: Bücher — jancak @ 23:56
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Die 1971 in Wien geborene Gertraud Klemm könnte man wohl als eine postfeministische Autorin bezeichnen.

Ich habe sie, glaube ich, vor Jahren bei den „Textvorstellungen“ in der „AS“ kennengelernt, wo sie die Vorläuferform von „Muttergehäuse“ vorstellte. Das Buch ist, glaube ich, zuerst bei „Arovell“ erschienen, dann kamen ein paar Bücher bei „Droschl“ und die Lesung beim „Bachmannpreis“, die von den Juroren als sehr wohlwollend aufgenommen wurde, ich aber eher dachte, das hatten wir doch schon, der Feminismus der Siebzigerjahre, Karin Struck, Gert Brantenberg und so, das was wir auch im „Arbeitskreis schreibender Frauen“, besprachen, ist doch schon vorbei und läßt sich wohl so nicht wieder aufwärmen.

Mit „Aberland“ ist sie dann 2015 auf der LL des dBp gestanden. Dann kam „Muttergehäuse“ bei <kremayr und Scheriau“, 2017 „Erbsenzählen“ bei „Droschl“, das ich nicht gelesen habe und jetzt das neue Buch von dem ich mit guten Grund sehr gespannt bin, ob es auf Longlist, Shortlist des dBp oder gar den Preis bekommt.

Der gute Grund ist, das Buch handelt davon und vom Literaturbetrieb der 1960 und 1970 Jahre, ist eine Abrechnung desselben und das durchaus im Bernhardstil „In Angesicht des Todes ist das Gehorchen lächerlich geworden“, obwohl es ja ein Buch ist, das die Benachteiligung der Atorinnen gegenüber der Autoren aufzeigen will.

Da ist Helene Schulze, Jahrgang 1954 und die ist plötzlich gestorben. Es heißt, sie hätte sich zu Tode getrunken, ist an der Männerwelt und dem Literaturbetrieb zu Grunde gegangen, etcetera.

Elvira Katzenschlager ihre etwas jüngere Freunin soll ihren Nachlaß aufarbeiten und ist deshalb in das Haus nach Hintermoos gefahren, wo die Autorin gestorben ist. Die ist sehr jung mit ihrem ersten Buch namens „Rauhreif“ berühmt geworden und dann vom Literaturbetrieb vergessen worden, obwohl sie beim „Bachmannpreis“ gelesen hat, den Preis aber nicht bekommen hat, weil der kleine dicke Literaturkritiker herausfand, daß ein Satz von ihrem Text schon irgendwo erschienen ist.

Beim Ersteren habe ich an Brigitte Schwaiger, beim Zweiteren an Gabriele Petricek gedacht und bei Hintermoos an Friederike Mayröcker, die ja, glaube ich, mit ihrem Ernstl in einem Ort namens Rohrmoos öfter Urlaub machte. Helene hat dann geiratet, ist nach Kaiserbad, das ist, glaube ich, das Synonym für Baden, wo Gertraud Klemm, glaube ich, lebt oder lebte, gezogen, hat zwei Kinder geboren und sich ihnen und dem Ehemann gewidmet. Dann zog sie aber nach Hintermoos und hat noch einen Roman nämlich der „Drohenkönig“ geschrieben, von dem im Anhang steht, daß das inhaltliche Konzept an die „Töchter Egalias“ angelehnt ist und damit wurde sie für den deutschen Buchpreis nominiert.

Da hat die Kritikerin in mir gleich gedacht, das geht doch nicht, wenn sie schon gestorben ist, aber Brigitte Kronauer ist ja auch im Juli gestorben und bei den Facebooktips für die neue Longlist wird öfter ihr neuer Roman „Das Schöne, Schäbige, Schwankene“, genannt.

Es gibt aber noch ein paar Details, die nicht stimmen. Wird der Preis doch am Abend und nicht am Vormittag vergeben und auf der Shortlist stehen sechs und nicht fünf Autoren. Aber das sind wohl die Verfremdungseffekte, die ein guter Roman ja haben muß.

Helene Schulze wurde jedenfalls nominiert. Elvira Katzenschlager soll ihren Nachlaß ordnen und auch ein Interview geben, zu dem neben der Redakteurin auch ein junger Kameramann namens Adrian kommt.

Elvira Katzenschlager, die nicht mehr ganz gesund und wohl etwas schwierig ist, bricht das Interview ab, bereitet aber eine sogenannte Kunstinstallation vor, in dem sie Scheiße auf einen Hochstand schleppt, um die tote Helene, gegen das Unbill, das ihr die Männerwelt zugefügt hat, zu rächen. Ein Sturz, aber auch die Bandscheiben, lassen sie nach einem Assistenten suchen. So ruft sie Adrian an und heuert ihn für eintausendzweihundert Euro in der Woche an, ein solcher zu werden und der „Roadtrip des feministischen Aktionismus“, wie am Buchrücken steht, beginnt.

Zuerst wird die Scheiße noch irgendwohin geschmissen. Dann geht es nach Kaiserbad in den Kurpark, dort werden die Männerbüsten verkleidet und in Frauen verwandelt, denn Helene hat sich während ihres Hausfrauendaseins vergeblich für ein Frauenmuseum eingesetzt. Sie hat auch ein uneheliches Kind, das sie mit Fünfzehn eigentlich abtreiben wolle, eine bigotte Jungscharführerin hat sie daran gehindert. So ist ihr die nächste Kunstaktion gewidmet. Dann geht es nach Salzburg, wo eine Preisverleihung stattfinden soll, weil Helene aber den Preis nicht bekommen hat, werden der Kulturkritiker und die Jungautorin, die ihn bekommen soll, eingesperrt und Elvira hält auf der Bühne eine flammende Rede und so weiter und so fort, ich soll ja nicht so viel spoilern, höre ich gelegentlich.

Es geht also weiter mit den feministischen Racheaktionen. Elvira geht inzwischen das Geld aus, Helene kommt auf die Shortlist, bekommt den Preis dann nicht und Marlene Streeruwitz, die ja auch aus Baden stammt und dort wohl auch noch keine Denkmal hat, wird in dem Buch mehrmals erwähnt und hat auch schon über den Buchpreis und die dortige Nominierung geschrieben.

Es wird ihr am Schluß wird auch gedankt und ich denke, man könnte Gertraud Klemm durchaus als ihre Nachfolgerin betrachten und füge gleich hinzu, daß mir das Buch, die ich mich ja in meinem Schreiben auch öfter mit dem Literaturbetrieb befasse, gefallen hat und nun, wie schon erwähnt sehr neugierig bin, ob es auf die Longlist, Shortlist, etcetera, kommt, der österreichische Buchpreis wäre ja auch noch zu erwähnen und am nächsten Donnerstag das kann ich auch noch erwähnen, liest Gertraud Klemm daraus bei den O-Tönen.

2019-08-14

Itlimoos

Bücherschrank

Bücherschrank

Nachdem ich am Montag mit dem Peter Stamm, meinem fünften Urlaubsbuch fertig geworden bin, hatte ich noch drei Bücher von Schweizer Autoren in meiner Büchertasche. Alain Claude Sulzers „Privatstunden“, Adolf Muschgs „Das gefangene Lächeln“ und Martin Suters „Letzter Weynfeldt“ und begann zu überlegen, welches davon ich noch lesen sollte, bevor es wieder nach Hause geht und ich mit Gertraud Klemms „Hyppocampus“, das ich ja auch noch im Gepäck hatte, weitermachen würde?

Zwischen dem Sulzer und den  Suter wollte ich mich entscheiden, da mich die Geschichte von dem Josef in Ägypten in der Sommerfrischenwelt von Locarno doch nicht so passend erschien und war auch des Timings wegens fast bei Martin Suter angelangt, von dem ich, glaube ich „Business Class“ gelesen habe, aber sonst nicht viel, obwohl ich einiges von ihm gefunden habe, als wir bei nicht sehr guten Wetter in den kleinen Bergdörfchen herumfuhren und ich in einem solchen Caff bei Castaneda plötzlich einen Bücherschrank beziehungsweise eine diesbezüglich umfunktionierte Telefonzelle stehen sah.

„Da halten wir an!“, habe ich zum Alfred gesagt und noch dazu gefügt „Da wird es wahrscheinlich  nur was auf Italienisch geben!“, stand dann vor einem gefüllten Schrank, ähnlich, wie der in Altmannsdorf. Italienische Bücher hat es auch gegeben, aber auch ein Buch von einer Silvia Götschi und deren neuen Krimi „Itlimoos“ habe ich ein paar Tage vorher in der Buchhandlung beim Bahnhof in Locarno in mehren Exemplaren stehen gesehen, also habe ich danach und noch nach einem Paul Auster gegriffen und wußte, was ich als sechstes Buch der Urlaubslektüre lesen würde.

Das Buch, das ich in den nächsten Tagen in meine ohnehin sehr volle Handtasche stopfte, um es auf der Piazza Grande, während ich auf den Filmbeginn wartete, zu lesen, ist auch einige Male naß geworden und schaut jetzt ziemlich ramponiert aus, ein Einwegkrimi sozusagen, stammt  von einer 1958 in Stans geborenen Autorin, die sich sehr für Psychologie interessiert, wie in der Beschreibung steht, die schon mehrere Valerie Lehmann-Krimis geschrieben hat.

„Itlimoos“, ist der fünfte und 2019 bei „Emons“ einem deutschen Verlag, erschienen und Itlimoos ist, glaube ich, ein Ort am Zürichersee.

Das Buch spielt, nicht ganz passend, im Winter und da wird eine Leiche gefunden. Vorher gibt es  ein Kapitel, wo man den nicht sehr sympathischen Tobias Bauer kennenlernen kann, der in Itlimoos oder am Zürichsee eine Luxusvilla hat, wo er jeden Freitag wilde Parties mit viel Sex und jungen Frauen, die er mit Schmuck beschenkt, aber sonst mies behandelt, feiert. Beruflich ist er der Chef einer IT-Firma und das untersuchende Team ist eine  Frau Leuntnant namens Valerie Lehmann, die Silvia Götschi schon vier Fälle aufklären hat lassen. So gibt es schon einiges an Vorwissen, in das die Neuleserin eher informiert hineingeworfen wird.

So hatte Valeries Kollege Louis etwas mit einer Kollegin, die sich gerade kurz vor einer Geburt befindet, der Chef hat ein Burn-Out und soll abgelöst werden und eine neue Kollegin namens Dodo übernimmt, die Stelle der bald gebärenden Fabia. Da gibt es viel Konkurenzkampf und Geplänkel und man ist sich nicht sicher, wer jetzt der neue Chef werden wird?

Dazwischen wird ermittelt. Die Haushälterin wird  verletzt, man hat versucht ihr die Hand aufzuschneiden und, wie sich später herausstellen wird, ihr von dort einen Chip herausimplantiert, in der Villa aufgefunden. Tobias Bauer hatte zwei Partner. Roger Bulliard, der für das Wirtschaftliche zustäbdig war und dann einen Phil Williams mit Rasterlocken, der im Keller der Villa ein 6 D- Studio eingerichtet hat.

Dorthin war es zuerst für die Poizei unmöglich hineinzudringen.Später führt Phil Valerie hinein und läßt sie einen Flugzeugabsturz erleben, was in der Buchbeschreibung, als große Sensation angekündigt wird, aber eigentlich eher flach und gar nicht so sensationell neu geschildert wird.

Es ist auch nicht ganz klar, warum Tobi Bauer ermordet wurde, war es wegen des 6 D-Programms oder doch, weil er seine letzte Freundin brutal hinausgeschmissen hatte?

In der Villa gibt es auch eine Galerie mit den Portraits der verflossenen Freundinnen Bauers und das Gerücht, daß er eine neue, namens Madeleine haben sollte, die aber niemand kennt und deren Portrait auch verschwunden ist.

Der Maler wird ermordet und am Schluß stellt sich eine Polizistin, als Täterin heraus und ich schreibe wieder, es war äußerst spannend das Buch zu lesen.

Ich mag Krimis ja eigentlich gerne, obwohl ich auf der anderen Seite Gewalt ja ablehne und deshalb auch nicht wirklich welche schreiben kann. Freue mich, eine neue Schweizer Krimiautorin entdeckt zu haben und als ich mit dem Alfred in der Buchhandlung war, wurde ich wieder erinnert, daß auch Petra Ivanov Schweizerin ist, von der ich das neueste Buch im Wiener Badezimmer liegen habe und es Ende August lesen werde.

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