Literaturgefluester

2019-01-19

Troll

Filed under: Bücher — jancak @ 00:19
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Jetzt kommt ein Buch, auf das ich mich sehr gefreut habe, seit ich bei meinem „Frankfurt-Surfing“ auf dem blauen Sofa davon hörte, das mich aber eher enttäuscht, beziehungsweise ratlos, zurückläßt.

Wahrscheinlich habe ich Michal Hvoreckys dritten oder was auch immer Roman nicht verstanden und ich habe den 1976 in Bratislava Geborenen, ja einmal auf einer Schiffsreise von Bratilsava nach Wien kennengelernt, als er aus seinem „Donau-Roman“ gelesen hat, den ich als sehr originell empfunden habe.

Stephan Teichgräber hat ihn dann einmal bei einem Centrope-Festival, das ich nicht besucht habe, eines seiner anderen Bücher vorgestellt, daß wir auch im Centrope-Workshop besprochen haben und jetzt „Troll“ ein wichtiges interessantes thema, bekomme ich ja manchmal auch negative Kommentare. Es war mir aber muß ich sagen, schon am blauen Sofa nicht so ganz klar, was eine Trollfabrik ist, von der Michal Hvorecky immer gesprochen hat.

Ein Gebäude, wo die Trolle sitzen und ihre Fakenews, in die Welt verschicken? So ist es ja in der Wirklichkeit nicht so ganz.

Michal Hvorecky hat sein Buch auch auf der „Buch Wien“ vorgestellt. Da habe ich ihn gefragt, wann er es geschrieben hat, weil Stephan Teichgräber meinte, es wäre schon ein älteres Buch, das jetzt von Mirko Kraetsch übersetzt, auf Deutsch herausgekommen ist und da habe ich gedacht, daß dann der Inhalt wahrscheinlich schon veraltet wäre.

Er hat es, glaube ich, 2015 geschrieben und Cornelius Hell oder Katja Gasser haben es bei der letzten „Lese.Auslese“ ja auch auf ihre persönliche „Best of List“ gesetzt.

Nun gut, das heißt schon einmal etwas und wäre eine Menge an positiver Vorschußlorbeeren und dann nehme ich das dünne zweihundert Seiten Bändchen in die Hand und bin verwirrt. Es besteht aus zwei Teilen, einem kürzeren und einem längeren.

Der Kürzere heißt „Kukav“ und da wurde mir nicht ganz klar, ob das eine Parodie auf Bratilava zu Zeiten des Kommunismus ist?

Aber nein, das Buch spielt ja in der Zukuinft in der Stadt, die gerade einigen Dikataturen entkommen ist. Da ist von einem „Anführer-Vater“ und einem „Anführer-Sohn“ die Rede. Es gibt einen namenlosen Ich-Erzähler und der litt schrecklich unter seiner Kindheit und seinen Schäden, die ihm seine Mutter durch homöopathische Behandlungen zu Teil werden ließ.

„Hm?“, könnte man da schon fragen. Er wächst in einer Villa einer Funktionärfamilie auf, die aber überwacht wird. Der Vater verläßt mit seinem Bruder ihn und die Mutter und flüchtet wahrscheinlich ins Ausland. Er leidet an Übergewicht und kommt für fünf Jahre ins Krankenhaus, in dem es auch ziemlich skurill zugeht, obwohl die Krankenversicherung schon lange zusammengebrochen ist. So laufen dort die Scharlachtane und Wunderheiler herum. Er lernt aber Russisch und lernt auch die drogensüchtige Johanna kennen, in die er sich verliebt.

So weit Teil eins. Zitate gibt es immer wieder eingeblendet auch, deren Bedeutung und Bezung auf den Inhalt mir nicht ganz klar wurde.

In Teil II „Im Netz“ haben die Zwei dann das Krankenhaus verlassen und gehen in die Trollfabrik, lassen sich dort als Hater anstellen und verbreiten Unwahrheiten und Fake-News im Netz, beziehungsweise in die Welt.

Das wird sehr ausführlich geschildert und jetzt habe ich noch vergessen zu erwähnen, daß das Ganze einen Prolog hat, wo der Troll oder Ich-Erzähler, von der Menge gehetzt mit einem Kaputzenpullover durch die Stadt rennt. Vorläufig aber verbreitet er eifrig Fake-News, obwohl er eigentlich das Gegenteil wollte, solange bis Johanna das Ganze aufdeckt und verhaftet wird.

Dann wendet sich das Blatt und die Trolle werden getrollt. Er läßt sich zum Monster umoperieren, weil er der gehaßteste Mensch der Stadt ist. So kommt es  zu der schon erwähnten Verfolgungsjagd. Es wird aber alles gut, die Beiden finden sich wieder und versuchen das Troll-Chaos aufzuarbeiten und die Wahrheit zu verbreiten.

So weit, so gut und nicht ganz verstanden .Jetzt sollte ich noch den „Donau-Roman“ lesen, der mich damals sehr beeindruckt hat, von dem ich aber auch schon hörte, daß er jemanden nicht gefallen hat.

Seltsam, seltsam, das Trollwesen habe ich, die ich  ja auch manchmal mit solchen News konfrotiert bin, nicht ganz verstanden und würde fast vermuten, da ist die Fantasie mit Michal Hvorecky durchgegangen und er hat wahrscheinlich sehr lustvoll, einen überbordeten Roman geschrieben, dessen Botschaft ich aber nicht ganz nachvollziehen konnte und die mir auch in sich nicht schlüßig, sonder eher unzusammenhängend erschien.

Zum besseren Verständnis kann ich aber noch Michal Nvorecky vom „Blauen Sofa“ zitieren, der meine, daß er eigentlich einen Science Fiction Roman schreiben wollte, von der Wirklichkeit aber eingeholt wurde.

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2019-01-13

Sophies Tagebuch

Filed under: Bücher — jancak @ 22:29
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Ich habe mich ja in den letzten Wochen sehr mit den Stationen des Romanschreibens beschäftigt, was, wie ich bei den entsprechenden Webinaren hören konnte, zur Folge haben kann, daß man dann beim Lesen seiner Bücher daraufschaut und den Autoren sozusagen bei ihren eigenen Romanfahrplänen auf die Schliche zu kommen scheint.

So ist es mir bei dem  1948 geborenen Nicolas Remin gegangen, der in seinem kürzlich erschienenen „Sophie Tagebuch“, glaube ich, das Ploten und Planen, sowie die spannungsbögen so perfekt ausgebaut hat, daß  einiges fast übertrieben und unglaubhaft erscheint.

Es beginnt mit einem Prolog und im Jahr 1945, wo einer in den letzten Tagen des Krieges, eine Leiche in seinem Garten vergräbt und dabei am Schluß der Szene von jemanden ertappt wird.

Dann geht es los und in das Jahr 1989 hinein, nach Berlin, in den Oktober, wo im Osten der Stadt, der vierzigste Jahrestag der DDR gefeiert werden soll, dabei die Bürger schon davonrennen,  beziehungsweise anfangen in Massen zu demonstrieren.

Das rührt jenseits der Mauer die fünfundvierzigjährige Französischlehrerin Erika zur Linde, die eine dicke Brille, Parkas und Wanderschuhe trägt und immer sehr streng zu ihren Schülern ist, sehr wenig. Hat sie doch andere Probleme und wird  von der Sekretärin aus dem Unterricht geholt. Die Haushälterin ihres Vaters hat angerufen. Der alte Herr hat sich in seinem Arbeitszimmer erschoßen und sie soll schnell kommen.

Nein, das sagt sie ihr nicht so direkt und etwas Ähnliches, habe ich auch vor kurzem auch im „Schönen Paar“ so gelesen.

Erika eilt also zu der Villa in Lichtenberg, findet den Vater, die Haushälterin erzählt von einem Brief aus Amerika, den der Vater, ein alter Offizier aus Adelsgeschlecht, vor einiger Zeit bekommen hat und  daraufhin ein paar Tage sein Bett nicht mehr verlassen hat.

Erikas Beziehung zu ihrem Vater war nicht sehr gut, hat er sie doch nach dem Tod der Mutter in den Fünfzigerjahren, als sie gerade sechzehn war, in ein Internat gegeben und jetzt besucht sie ihn nur mehr alle paar wochen zu einem Mittagessen.

Sie erbt trotzdem alles und begibt sich zuerst zum Notar, dann trifft sie seine Verlegerin, denn der Vater war Schriftsteller, hat in den Sechzigerjahren einen Kriegsroman geschrieben, sich dann aber plötzlich völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Die Haushälterin hat den Brief gefunden. Er stammt von einem Paul Singer und der schreibt, daß er der Neffe eines Felix Auerbachs ist, einem Juden, von dem der Vater, seiner <mutter geschrieben hat, daß er 1943 deponiert wurde.

Jetzt hat der aber eine Jüdin getroffen, die ihn noch später gesehen haben will und die Schwester hat dem Vater auch kurz vor seinem Rückzug, einen Brief geschrieben, in dem sie nach einem Mansukript des Bruders fragte. Der Neffe will deshalb nach Berlin kommen und mit dem Vater darüber zu sprechen.

Hat sich Ulrich zur Linde deshalb umgebracht?

Erika geht in die Villa, findet im versperrten Schlafzimmer ihrer Mutter ihre Tagebücher, die sie von 1939 bis 1945 geschrieben hat und beginnt darin zu lesen.

Das ist sehr spannend und man erfährt darin wahrscheinlich sehr genau, wie es sich in Berlin in dieser Zeit abgespielt haben könnte.

Die Mutter war 1939 ein neunzehnjähriges Mädchen, Tochter eines Parteimigliedes und Schwester eines SS-Mannes. Sie will nach der Matura Journalistin werden. Darf das aber nicht. Deshalb heiratet sie den Ulrich, der nichts dagegen hat, obwohl er eigentlich nicht sehr attraktiv ist und der hat einen Freund, nämlich jenen Felix Auerbach, einen Juden, der aber ein blonder blauäugiger Traummannn ist, den alle für einen Schweden halten und das ist wahrscheinlich, die Überthese Nikolas Remin, seine Figuren ja nicht klischeehaft wirken zu lassen.

Der blonde Felix entspricht dem Prototyp eines Nazis, will in den Krieg, eine Unform und das Ritterkreuz. Hält Hitlers Feldzüge eigentlich für gut, ist also sehr unsympathisch und die schöne, wahrscheinlich ebenfalls blonde Mutter ist sehr naiv und verliebt sich sofort in den schönen Jüngling. Sie sagt zwar noch sehr lange Dr. Auerbach zu ihm und geht mit ihm trotz aller Rassenverbote spazieren, ins Kino, in Luxusrestaurants und der Ehemann ist im Feld.

Er bekommt das Ritterkreuz und sagt nichts dazu. Sehr unglaubwürdig eigentlicht. Aber glaubwürdig, erscheint mir die Naivität und Unbesorgtheit der Neunzehnjährigen, die das um sie herum nicht versteht und sich eigentlich mehr Sorgen, um ihre Schönheit, als um alles andere macht.

Indessen, während sie all das liest, gehen auch in Erika Veränderungen vor. Sie legt ihre dicke Brille ab, kauft sich teure Jeans, geht zum Friseur , setzt sich Kontaktlisen ein und liest und liest, um all das, was die Mutter schreibt, zu verstehen, während sie Paul Singers Ankunft erwartet und währenddessen wird jenseits der Mauer Weltgeschichte geschrieben.

„Ich liebe euch doch alle!“, gesagt, Erich Honecker tritt zurück, Egon Krenz tritt auf und die Grenzen werden gestürmt, weil die Reisefreiheit, ob eines Versehens plötzlich für alle gilt.

Erika berührt das alles nicht sehr, ist sie doch in ihrer Phantasie vierzig Jahre früher und hat die Frage zu klären, ob der Kriegsroman nicht vielleicht von Felix Auerbach stammt, der besser schreiben konnte und der Vater ein Plagiator ist?

Sie kommt aber noch zu anderen Erkenntnissen, denn der Bechsteinflügel, der in der Villa steht, gehörte eigentlich Felix Auerbach. Gut, der hat ihn, um ihn nicht anderwertig arisieren zu lassen, beim Freund deponiert. Es gibt aber Porzellan und andere Sachen in der Villa, die der  Vater Sophie schekte und die hat er vorher „günstig“ einem ausreisenden Nachbarn abgekauft.

Felix Auerbach wollte eigentlich noch 1939 mit seiner Schwester das Land verlassen, die schöne Sophie hindert ihn wohl daran. So bleibt er, kommt 1940 in eine Sammelwohnung, wo er jene Sarah Spielrein trifft, die später seinem Neffen von ihm erzählt. Er wird dann zwangsverpflichtet und muß sich später, das ist schon 1943, untertauchen. Das heißt, der arglose Ulrich besorgt ihm falsche Papiere und er zieht in die Villa, als Untermieter ein, während Ulrich an der Front ist und nur Stoffe und Kostüme schickt, die Erika später trägt, als sie zu ihren Treffen zu Paul singer geht.

Erika wurde 1944 geboren. 1943 mußten Auersbach und Sophie in den Luftschutzkeller und plötzlich redet sie ihm in ihrem Tagebuch als Felix an und Ulrich kommt jetzt aus einem Sanatorium zurück, hat sich verändert, ist vielleicht eifersüchtig, es kommt zum Streit….

Es gibt aber noch den Bruder Horst, den überzeugten SS-Mann, der nach dem Krieg verschwunden ist, aber jetzt aus dem Osten als SED-Parteimitglied wieder auftaucht.

Hat der Felix denunziiert, denn der wurde 1945 verhaftet. Kommt dann zwar nach ein paar Tagen wieder zurück, wird aber angeblich von Russen verschleppt, während Ulrich wieder angeblich, einen ihm angreifenden Russen tötet und vom Hausmeister beobachtet, im Garten vergraben hat, damit er nicht nach Sibirien muß.

Höchst kompliziert und auch höchst unglaubwürdig, mit all den Wendungen und den Spannungsbögen, von denen ich jetzt, um nicht zu sehr zu spoilern noch einiges ausgelassen habe.

Es ist aber, das will ich nicht bestreiten, sehr spannend zu lesen und scheint mir auch abgesehen von der zum Teil sehr widersprüchlichen Handlung sehr gut recherchiert und die historischen Details zu stimmen.

Jüngere Leser können sich daher vielleicht wirklich ein gutes Bild darüber machen, was in der NS-Zeit  passierrt ist, obwohl mir der kriegsbesessene Dr. Auerbach, schon ein bißchen zu übertrieben scheint und da steht auch irgendwo etwas, von einem zu „plumpen Drehbuchplott“.

Mir würde er als zu überladen erscheinen und der gute Felix vielleicht zu unsymathisch. Gut das sind die Erika und die Sophie vielleicht auch. Das heißt die Naivität der neunzehnjährigen Parteimitgliedtochter, die nur ihrer Karriere wegen in die Partei eintritt und sich ansonsten ihren Spaß mit dem gutaussehenden Juden macht, ist gar nicht so unglaubhaft, warum aber Erika plötzlich kündigt, verstehe ich nicht so ganz. Oder doch, sie hat ja jetzt geerbt, muß also nicht mehr in die Schule gehen und eine Liebesgeschichte, das kann ich noch verraten, erlebt sie auch noch als Überdrüber oder weiteren Handlungspunkt.

2019-01-12

Den Himmel stürmen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Jetzt kommt der vierte Roman des 1982 in Turin geborenen  Paulo Giordano dessen ersten Roman „Die Einsamkeit der Primzahlen“ ich Anfang  2012, als ich mir noch wöchentlich ein Buch vom „Wortschatz“ holen,  um es dann mit einer wahrscheinlich überschaubareren Leseliste demnächst zu lesen, gefunden habe und von dem jungen Italiener sehr beeindruckt war.

Ich habe ein par Jahre später „Den menschlichen Körper“ gefunden, aber noch nicht gelesen und vorigen Frühjahr im Leipzig hat mir Herr Grimm vom „Rowohlt-Verlag“ auf „Den Himmel stürmen“ aufmerksam gemacht, der auch in Frankfurt mit einem italienischen Buffet vorgestellt wurde.

Aber ich fahre ja nicht mehr nach Frankfurt, so habe ich mir das Buch ein paar Wochen später von meiner neuen Nachbarin abgeholt und jetzt gelesen und muß sagen, war ich schon von den „Primzahlen“ sehr begeistert, bin ich es jetzt wieder, auch wenn ich mich zu erinnern, glaube, daß das Buch in einem anderen Stil geschrieben wurde, habe ich von den „Primzahlen“ ja eine Borderlinestörung und eine schreckliche Kindheit der überforderten Jugend in Erinnerung, ist es hier anders, obwohl es eigentlich um ein ähnliches thema geht.

Ich habe mich in den letzten Tage, während des Korrigieren meiner „Magdalena“ viel mit dem Romanaufbau und der Romanschule der Jurenka Jurk beschäftigt, die bietet sie, glaube ich, vor allem den Krimi und Liebesromanschreibern an, aber Paulo Giordano hat sich, glaube ich, auch mit dem Romanaufbau beschäftigt, bekommt ihn sehr spannend hin und die „Bigger als life-Regel“ hat er, glaube ich, auch perfekt ausgeführt.

Dabei geht es höchstwahrscheinlich, um etwas Autobiografisches, ist ja Teresa, seine Heldin, auch 1982 in Turin geboren, sie hat aber, was ich auch sehr originell finde, eine krimilesende Großmutter, die in Apulien eine Villa hat und dorthin fährt Teresa jeden Sommer mit ihrem Vater, die Mutter weigert sich mitzukommen, was auch sehr seltsam ist.

Neben der Villa gibt es einen Ökohof, der einem Cesare gehört, der ist sehr fromm, fast sekterisch angehaucht, hat einen Sohn namens Nicola und zwei Pflegekinder, Bern und Tommasio, die er selbst unterrichtet und Teresa freundet sich in den Sommern mit den Burschen an.

Das heißt, nein, denn es ist eigentlich eine höchst dramtsche Liebesgeschichte, spnnend, wie Romeo und julio und mit einem fast ähnlich tragischen Ende.

Sie ist also schon als Jugendliche von Bern, dem Sohn von Cesares Schwester hingezogen und der ist ein halber Deutscher, obwohl er eigentlich Bernardo heißt, liebt Bücher vor allem den „Baron in den Bäumen“,  ein Baumhaus gibt es auch und natürlich wird Teresa, die eigentlich eine starke Frau ist, von ihm in die Liebe eingeführt. Es gibt aber auch eine Blutbrüderschaft und eine diesbezügliche Eifersucht zwischen den drei Freunden und als Teresa im nächsten Jahr wiederkommt, sagt die Großmutter, Bern ist nicht da und erzählt ihr etwas von einem Kind, das er hätte.

Das passiert im ersten Teil. Der zweite beginnt dann Jahre später eigentlich am Ende. Es ist Weihnachten und die Dreiunddreiígjährige wurde vom betrundenen Tommasio geholt, damit sie auf seine Tochter aufpasst, damit die Mutter nichts von seinem Zustand merkt und das Jugendamt einschaltet. Sie tut es und erpresst ihn damit, daß er ihr erzählt, was damals mit Bern und Violalibera, einem albanischen Mädchen passiert ist.

Psssiert ist, glaube ich, das, was ich auch in der „Brüderschaft“ beschrieben habe. Es gibt aber kein Kind, weil Violalibera schließlich an der Abtreibung verstorben ist und es geht wieder weiter mit der Chronologie, als Teresa dreiundzwanzig ist, da studiert sie schon, stirbt die Großmutter und vermacht ihr die Villa. Im Nachbarhof  haben inzwischen Tommaso, Bern, Corinne,  Danco und Guilana besetzt und führen eine Ökowirtschaft. Cesare und Floriana sind verschwunden, der Sohn Nicola, den der Vater den zwei anderen Kindern immer vorgezogen hat, studiert zuerst Jus und wird dannPolizist.

Teresa verkauft die Villa und kauft den besetzten Hof, die Wohngemeinschaft löst sich auf, Bern und Teresa bleiben über und wollen ein Kind, was aber nicht gelingt.

So kommt es zu künstlichen Befruchtungsversuchen, das Paar braucht zehntausend Euro, damit sich Teresa  den Embrio in der Ukraine einsetzen lassen kann. Dafür heiraten sie sogar und sammeln bei der Hochzeit Geld. Die Schwangerschaft gelingt trotzdem nicht und Bern und Teresa trennen sich.

Sie bleibt allein am Hof, kämpft mit der Landwirtschaft, bis eines Tages die Polizei vor der Türe steht und Bern sucht, denn er und seine Freunde haben sich an einer Besetzung  beteiligt, um das Fällen von Olivenbäumen zu verhindern. Dabei wurde Polizist Nicola ermordet, Bern, Dancio und Guilana stehen unter Mordverdacht und flüchten.

Dann, das ist dann, glaube ich, schon der dritte Teil, wird es wieder seltsam. Tersea bekommt „Amazon- Pakete mit natürlichen Schädlingsbekämpfungsmitteln und Büchern, obwohl sie nichts bestellt hat. Ahnt, daß sie von Bern stammen und eines Tages ruft auch eine Reisebüroangestellt an und sagt ihr Ticket nach Reykjawik liegt beret und sie soll sich dort die Gletscher anschauen.

Das hat sie auch nicht betellt, fliegt aber hin. Wird von Giuliana abgehlt und zu  einer Höhle gebracht, denn Bern, der sich schon bei der Olivenbaumbesetzung tagelang in den Bäumen, wie der berühmte Baron von Italo Calvino aufgehalten hat, ist jetzt in eine Höhle gefallen, hat sich das Bein gebrochen und kann nicht mehr heraus.

Sehr dramaltisch. Er stirbt und Teresa geht noch einmal zu Doktor Sanfelice, läßt sich die eingefrorenen Samen geben, fliegt  mit Tommaso noch einmal in die Ukraie und obwohl es keinen Leichnam gibt, läßt sie Bern  von Cesare, der das den Kindern auch immer gepredigt hat  und an die Seelenwanderung glaubte, beziehungsweise das Buch begraben und bereitet sich auf das die Geburt ihrer Tochter vor.

Ein sehr spannender Roman, leicht zu lesen und raffiniert ausgeführt. Im Nachhinein könnte man ihm ein wenig kitschig nennen. Während des Lesens ist man gebannt und sehr begeistert.Jetzt müßte ich noch Buch zwei lesen oder abwarten, was ich von dem jungen Italiener noch hören und lesen werde.

2019-01-11

Nachtleuchten

Jetzt endlich, es ist schon Jänner 2019, kommt Buch achtzehn des dBp 2018 und das war es dann wahrscheinlich auch, denn Buch neunzehn und zwanzig scheinen nicht zu mir zu kommen, obwohl mir das von Christina Viragh vom Verlag versprochen wurde und ich auch eine diesbezügliche Datenschutzerklärung abgegeben habe.

Macht aber nichts, man braucht nicht alles lesen und 217 waren es auch nur achtzehn gelesene dBp- Bücher, allerdings stehen die restlichen zwei auf meiner Leseliste von 2019 und wenn ich es nicht wieder mit den Neuererscheunugen so übertreibe, hätte ich die Chance, den 2017-Jahrgang, wie den von 2015 mein erstes Buchpreisjahr, komplett zu lesen.

Und es ist ja auch nicht nur Buch achtzehn sondern auch das sechste der vorjährigen Shortlist, denn darauf ist ja die 1972 in Buenos Aires geobrene und in Berlin lebende Maria Cecilia Babetta, von der ich noch nie etwas gehört habe, gestanden und, daß das Buch zu mir gekommen ist, habe ich einer Schlamperei zu verdanken, denn „Fischer“ hat es mir nicht geschickt, dafür „Hanser“ seine zwei Bücher als E Books oder PDFs und da habe ich das der Anja Kampmann in der Mailbox, ähnlich, wie das Buch der Carmen Francesca Banciu verschlampt und habe gedacht, schaue ich da vielleicht bei „Netgalley“ nach, bevor ich nochmals anfrage.

Habe da dann gleich alle restlichen Bücher bestellt, konnte da aber nur „Nachtleuchten“ öffnen, so daß es bei zwei ungelesen bleiben wird und mit dem sechsten Shortlist Buch habe ich mir, ich schreibe es am besten gleich, nicht leicht getan und bin wieder einmal zwischen „fantastisch“ und „unverständlich“ hin und hergeschwankt und das ist es, glaube ich auch.

Da ich das Buch erst sehr spät gelesen habe, habe ich mir vorher das „Buchpreis-Video“ angeschaut und da die Autorin sagen hören, daß sie da Buenos Aires, beziehungsweise den Vorwort Ballester, in dem sie aufgewachsen und, wo auch ihr Großvater eine Autowerkstatt hatte, schildern wollte.

Das Buch spielt in den Siebzigerjahren, also vor der Militärdiktatur in der Zeit, wo Peron stirbt und seine Frau Evita, das Präsidentschaftsamt übernimmt.

„Aha!“, könnte man nun sagen und eine Vorstellung, was einen erwartet wird, haben.

Ich hatte sie und habe mich gänzlich getäuscht, denn die kleinen Leute von denen das Buch handelt, sind sehr spiritistsch angehaucht, um nicht zu sagen mythisch- phantastisch, aber der phantastische Realismus kommt ja von Lateinamerika her und wenn man da jetzt wieder „Aha!“, sagt und zu dem Friseursalon, der „Zur ewigen Schönheit“ heißt, nickt, irrt man sich wieder. Denn es gibt ein Video im Netz, wo Maria Celicilia Barbetta durch Berlin radelt und vor einem solchen Friseursalon steht, bezeihungsweise vor einem Geschäft in dem früher ein diesbezüglicher Laden war und die sehr sprachgewandte Autorin, die offensichtlich Lust an Sprachspielereien hat, zeigt auch auf ein Straßenschild auf dem „Ausfahrt freihalten“ steht und erklärt, daß sie dann immer „Freiheit aushalten“ denkt, wenn sie es sieht.

Das fünfhundert Buch ist in drei Teilen gegliedert, die je dreiunddreißig Kapitel haben und dann gibt es noch ein hundertstes, die „Vierte Dimension“ genannt.

Die kleinen Leute in dem Buch sind die Automechaniker in der Werkstatt von Teresas Großvater und die ist vielleicht das alter Ego der Autorin, jedenfalls ein zwölfjähriges Mädchen, eine Artztochter, die Mutter ist, wie offenbar auch die von Maria Cecilia Barbetta italienische Einwanderin und der Vorort in dem das Buch spielt ist auch ein Einwandererbezirk.

Theresa bekommt zu Beginn des Buches ein Geschwisterchen und besucht außerdem eine katholische Schule, in dem es lauter alte Nonnen und eine junge Sour Maria gibt, die den Schülerinnen das zweite vatikanische Konzil näherbringen will. Sie fährt mit wehenden Schleier unterm Helm auf einer Vespa zu einem Pfarrer, der sich als ihr Bruder entpuppt, vorher hätte man, da es dort auch ein kleines Mädchen gibt, auch an eine verbotene Liebesbeziehuing denken können.

Teresa bringt jedenfalls von ihrer Lehrerin angestachelt eine Plastiknonnenfigur wochenweise zu allen Familien des Ortes und so gleiten wir durch die dreimal dreiunddreißig Kapitel und kennen uns, wenn wir das Buch nicht sehr genau und  am besten mehrmals lesen, höchstwahrscheinlich nicht aus.

Denn es passiert wahrlich viel in den dreimal dreiunddreißig magisch-phantastischenKapitel. Der erste Teil ist der „Bloody Mary“ und den Klosterschülerinnen gewidmet, die aus externen und internen bestehen. Die Internen sind meist die armen Mädchen, die einen Freiplatz haben, die Externen zum Beispiel, die zahlende Arzttochter Teresa. Dann gibt es aber noch eine Adriana, deren Vater Rechtsanwalt ist, in dessen Haus Teresa die Madonna zuerst hinbringt, die könnte also eigentlich auch eine Externe sein. Sie ist aber eine zahlende Internatsschülerin und darf das Kloster nicht verlassen, weil der Vater soviel arbeiten muß, die Mutter ein Hündchen namens Mimi und ständig Migräne hat und das Dienstmädchen deshalb auch ständig beschäftigt ist.

Man sieht, es ist sehr komplziert, wird aber noch komplizierter und im zweiten Teil geht es sowohl in die Autowerkstatt, zu dem Großvater und seinen Gesellen, als auch in den schon erwähnten Friseursalon, der einem Celio gehört oder eigentlich seiner Mutter. Die hat einmal von Evita eine Nähmaschine geschenkt bekommen, die sie dann in eine Trockenhaube umtauschte. Jetzt ist sie alt und verstummt, offenbar ist eine Demenz damit gemeint, so daß sie von ihrem Sohn angekleidet und geschminkt wird und dann als Püppchen in einen Sessel sitzt, wo der Sohn mit ihr redet, während er seine Kunden frisiert. Die stirbt  im Laufe des Geschehens und im dritten Teil geht es, sowohl in das Intstituo Basilo, wo Celio wieder seiner Nutter begegnen will, als auch zu einer Frau und ihren Katzen.

Teresa und ihre Madonna taucht wieder auf und in dem Buch gibt es auch immer wieder experimentelle graphische Gestaltung, Buchstabenspiele, Räseln, seitenlang das selbe Wort, Fots, etcetera und Maria Cecilias Barbettas Sprache ist sowohl überbordend bis zum Kitsch und läßt dann wieder aufhorchen durch  neue Phrasen und Wortwendungen, so daß es sehr schön ist, durch das Buch zu gleiten, auch wenn man nicht sehr viel versteht und ich auch denke, daß die armen Leute in den Siebzigerjahren am Vorabend der Militärdiktatur vielleicht ein wenig weniger mystischer waren.

Aber was weiß man schon genau, Lateinamerika ist bekannt für seinen phantastischen Realismus und, daß der in der Diaspora sich vielleicht besonders schön entwickeln kann, kann ich mir auch vorstellen.

2019-01-04

Der Mönch von Mocca

Filed under: Bücher — jancak @ 00:05
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Jetzt kommt ein interessantes Buch aus der Herbstproduktion, Dave Eggers „Der Mönch von Mocca“, in dem der 1970 geborene amerikanische Kultautor , von dem ich den „Circle“ gelesen und einige andere Bücher im Schrank gefunden habe, selbst darauf besteht, keinen Roman geschrieben, sondern die Lebensgeschichte eines Sohnes jemitischer Einwanderer, der es geschafft hat jemitischen Kaffee nach San Fransico zu bringen und trotz der Kriegswirren einen fairen Kaffeehandel aufzuziehen.

„Die Geschichte des gefährlichsten Kaffees der Welt“, steht am roten Cover und Dave Egger erzählt in seiner biografischen Beschreibung sehr schlicht die Lebensgeschichte des jungen <mannes, Moctahar Alkanshali, der mit seinen Eltern und seinen fünf Geschwistern in einer zwei Zimmerwohnung in San Fransico aufwuchs.

Der Vater war Buschauffeur und Moctahar, der sehr umtriebig und aktiv ist, wollte eigentlich Jus studieren, dafür hat er von einer griechischen Freundin auch einen Tasche geschenkt bekommen, in der sammelte er Geld für einen wohltätigen Zweck, das er gleich an Ort und Stelle überbringen will, leider verlor er auf dem Transport Geld und Tasche, so war es aus mit dem Traum des Studiums.

Er mußte Portier werden, um seine Schulden abzuarbeiten und blieb solange, bis ihm jemand die Geschichte des jemitischen Kaffees erzählte, der der beste ist, so daß er sponta in den Jemen, wo sein Großvater ein einflußreicher Mann ist, flog, alle Kaffeebauern abklapperte, ein Kaffeeimperium aufzubauen beginnt, aber leider in den Krieg hineinkam, so daß es noch eine abenteuerliche Flurchtgeschichte zu erzählen gibt, bis Moctahar mit seinem Koffer, in denen sich die Kafeebohnen befanden, nach Seattle zu einer Kaffeemesse kommen konnte und damit so berühmt wurde, daß er sich ein Zimmer in dem Wohnblock, wo er einst Portier war, leisten konnte.

Eigentlich eine sehr einfache Geschichte und auch sehr einfach, wenn auch spannend erzählt und so erfährt man sowohl von Kaffee sehr viel, als auch von der Geschichte Jemens.

Kein wirklicher Roman würde auch ich sagen, sondern ein spannend aufbereiteter Tatsachenbericht eines amerikanischen Erfolgsautor, der aber wahrscheinlich sowohl allen Islamphobikern, als auch allen Kaffeeliebhabern sehr zu empfehlen ist.

2019-01-02

Dein Fleisch und Blut

Filed under: Bücher — jancak @ 00:02
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Nun kommt ein Buch aus dem „Holzbaum-Verlag“, der mir ja immer so getreulich seine Bücher schickt und zur Abwechslung ist es, was mich besonders freut, kein Cartoon, da liegt noch einer in meinem Badezimmer, sondern ein Thriller, ich bin ja mehr für die Literatur, als die Satire, denn der „Holzbaum-Verlag! hat einen Thrillerwettbewerb ausgeschrieben und den hat die 1976 in Wien geborene Journalistin Nicole Marcarewicz gwonnen, die ich  aus Thomas Wollingers „Texthobelwerstatt“ kenne und auch ihren Erzählband „Jede Nacht“ gelesen habe.

Aus dem Vorliegenden Buch habe ich sie beim letzten „Buchquartier“ lesen hören und jetzt habe ich mich ein bißchen durch das Kinderpornographiethema gelesen und ich muß sagen, es ist eigentlich kein Thriller, obwohl die Handlung Spannungselemente von mindestens drei ausweist, die mehr oder weniger geglückt ineinander verwoben sind.

Es geht, denke ich, Nicole Makarewicz, wie auch im Vorwort steht, um das Thema, das sie gekonnt aufgebreiten wollte. Im Vorspann wird auch noch genau erwähnt, daß alles an der Handlung und an den Personen erfunden ist. Recherciert scheint es dennoch genau zu sein. Im Anhang ist auch weiterführende Literatur und die Adressen von den entsprechenden Beratungsstellen angegeben.

Ein Thema also, das mich als Psychologin sehr interessiert und wo ich denke, daß alles, was hier geschildert wird, sehr realistisch ist.

Sehr viel Psychologisches kommt auch darin vor, die Heldin Leah ist keine Superfrau, sondern eine mit sehr viel Kanten und Schwächen, Emotionen, Allergien und psychischen Zusammenbrüchen. Trotzdem erscheint mir viel zu viel in die zweihundertzwanzig Seiten hingeingepackt zu sein und einiges an der Handlung auch unlogischk, so wußte ich schon in etwa der Mitte, wer der Täter ist, denn Leah hat ja nur einemMenschen von ihrem Verdacht erzählt und auch so ist die Leah, die Journalistin, die sich für das Thema Kinderpornographie interessiert und ein Buch darüber schreiben will, viel zu viel von den Fakten umgeben, als, daß es abgesehen von der Sachlage, wirklich realistisch sein könnte.

Es beginnt mit einem sehr beeindruckenden Bild, ein kleines Mädchen mit leeren Augen wird am Straßenrand gefunden, an ihm hängt ein Zettel „An Leah Sebelia“ , aber eigentlich hat es schon viel früher begonnen. Nämlich mit Leahs Recherchen für ihr Buch, in die sie sich verbeißt und sie bekommt auch einen Zugang zu einen Pädophilenforum geschickt.

Es passiert aber noch etwas anderes. Sie liest plötzlich in der Zeitung, daß ein Mann, der den Namen ihrers Vaters trägt und von dem ihr ihre Mutter immer erzählte, daß er gestorben ist, als sie ein Kleinkind war, jetzt wirklich verstarb. Sie geht zum Begräbnis und lernt da ihre gehörlose Halbschwester Mara kennen, die als Hackerin sehr erfolgreich ist.

Von ihrer Mutter erfährt sie dann noch, daß der Vater sie als Baby mißbraucht  hat, so daß sie sich von ihm trennte, was schon einmal zu einem psychischen Zusammenbruch Leahs führt.

Das ist aber nur eine Nebengeschichte, denn Leah bekommt auch seltsame Mail von einem, der sie auf eine Fährte führen will und wenn sie das tut, Mara heckt für sie die Mitglieder des Pädophilenrings, die alle Namen aus Kinderbücherm, wie „Sindbald“ oder „Baloo“, der Bär tragen, werden die dann ermordet und die Polizei findet Leah am Tatort, während der Täter entwischt.

Sie hat aber einen Zugang zur Polizei, nämlich den Leiter der Kinderportnograhieabteilung, der sie unterstützt und dem sie vertraut und sie hat auch einen Freund namens Max und dann noch einen anderen mit dem sie recherchieren geht.

Aber Max, der, glaube ich, Jurist ist, ist über Leahs verbissene Recherche nicht so erfreut, so trennt er sich von ihr. Sie kommt ihm aber, als sie wegen ihres Vater in der Krise steckt besuchen und da entdeckt sie eine „Winniepuh-Figur“, beginnt ihn zu verdächtigen, teilt ihren Verdacht auch mit und er wird dann auch ermordet, obwohl es offenbar ein Irrtum war.

Der Täter wird dann schließlich entlarvt. Vorher gibt es aber noch eine Spur zu dem entführten Kind einer ukrainischen Prostituierten. Das ist das kleine Mädchen an der Autobahn. Leah recherchiert in „Wolfis Bar“, wo sie arbeitete. Eine andere Ukrainierin, die ihr einiges erzählt, wird ermordet und die Spuren führen und das ist, glaube ich, nach einem realen Fall erzählt, der schon länger her ist, zu einem höheren Beamten eines Ministeriums, der an den entführten Kindern der Prostiuierten, die dann dem Ring als „Frischfleisch“ zur Verfügung gestellt werden, beteiligt sein könnte, wobei hier einiges auf Leahs Speukaltionen beruht und nicht wirklich aufgeklärt wird.

Es geht trotz der vielen Mordfälle gut aus. das heißt die kleine Elina wird gerettet, bekommt eine Psychotherapie und eine Pflegefamilie und Leah besucht sie einmal in der Woche, um mit ihr zu spielen und wir haben viel über das Thema Kinderponrographie in allen seinen Facetten erfahren und einen sehr spannenden, ein wenig zu klischeehaften Krimi gelesen von dem mir vor allem gefallen hat, daß diese Leah ein Mensch mit Emotionen und Schwächen ist, die auch mal zusammenbricht, aber eigentlich viel zu viel erlebt, als daß es realistisch sein könnte.

Aber das lernt man ja in den Schreibwerkstätten und Romanschulen, daß alles spannend und übertrieben sein soll und so hat sich Nicole Markarewicz wahrscheinlich an dieses Prinzip gehalten.

Ich hätte es realistischer gefunden, wenn kurz der Mißbrauch als Baby erwähnt werden würde, um Leahs Besessenheit für dieses Thema zu erklären, statt nach dem Show not tell Prinzip ein Begräbnis und eine gehörlose Schwester zu erschaffen.

2018-12-31

Das Geheimnisgeschichtenlexikon des David Silvester Marek

Filed under: Bücher — jancak @ 20:15
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„David Silvester Mareks Texte zählen zum Eigenartigsten, Unverständlichsten, aber auch Faszinierendsten. Geheimnisvollsten und Poetischsten, was ich je gelesen habe“, hat Franzobel auf den Buchrücken, des bei „Klever“ erschienenen Buches geschrieben und der 1971 in Währing geborene Autor, der seine Texte immer wieder beim „Ohrenschmaus“ einreicht, dort auch gewonnen hat und der erste Stipendiat, des vom Bund gewährten Stipendiums war, so daß er mit Franhzobel einen Geschichtenband entwickelt hat, hat noch „Alle Erinnerungen sind Katastrophengebiete“, dazu geschrieben.

Das erinnert stark an Thomas Bernhard würde ich sagen, das vom“Ohrenschmauslektor“ und „Bachmannpreissträger von 1995 herausgegebene Buch und die von David Silvester Markek zum Preis eingereichten Texte eher nicht.

Da fielen durch ihre originellen Namen und ihre Dialogform auf. Von einem David Bergretter, einer Lena Raubkatze und und war da immer die Rede. Bahnhöfe und Straßennamen spielen da auch immer eine Rolle, zählen Eisenbahnen doch zu David Silvester Mareks liebsten Beschäfrtigungen. Er hat auch seine Lieblingsschutzhütte und und nennt Richard Wagner als seinen Lieblingskomponisten, Luis Trenker zum Lieblingsregisseur und Maxi Böhm zum Lieblingskabarettisten.

Das sagt schon alles und man könnte nun denken, wenn ein solches Ausnahmetalent und beim „Ohrenschmaus“, fallen bei den immer mehr werdenenden eingereichten Texten, immer wieder die gleichen Talente auf, die dann auch gewinnen, auf der Ehrenliste stehen oder ihre Texte auf der Schokolade haben.

Peter Gstöttmeier zählt dazu, Viktor Noworsky, der der neue Stipendiat ist, auf einen Ausnahmeschriftsteller und Sprachkünstler wie Franzobel trifft, daß der in seiner gemeinsamen Arbeit mit dem Stipendiaten, dessen Werk umkrempelt und ihm seine Sprache aufdrängen wird.

Tröstlich gleich im Vorwort von Franzobel zu lesen, das dies nicht der Fall war und sich David Silvester Marek, mit dem ich auch bei der letzten „Buch Wien“ gelesen habe, bei der Buchpräsentation am Badeschiff im September war ich nicht, weil da zeitgleich, sowohl das zehn Jahresfest der Blumenhandlung in der Krongasse als auch der „Kramer-Preis“ in Niederhollabrunn vergeben wurde, durchzusetzen verstand und bei seinem Ton geblieben ist.

Trotzdem ist das Buch, in seiner Form und Struktur ein wenig anders geworden, als die mir bisher bekannten Texte und sei nicht nur, daß bei Bergretter, das Alter Ego des autors, wie ich erfahren habe, der Vorname David fehlt und die Lena, die bei den Geschichten immerwieder auftaucht, keinen Nachnamen trägt. Trotzdem sind die Namen nach wie vor die Spezialität in dem Buch, Frranzobel erwähnt das auch in seinem Vorwort, wo er den Autor  als eine Mischung zwischen  H. C. Artmann,  Fritz Herzmanovsky-Orlando und Elfriede Jelinek beschreibt.

Ansonsten sind die Texte zu einem Lexikon zusammengefaßt, die mit dem Buchstaben A wie „Alpensiedlung“ beginnt und bei Z mit „Zusammenziehungsaufbaustraße“ endet, was schon einmal ein hochkompliziertes Wort ist.

Franzobel beginnt seine Einleitung auch gleich mit „Wer denkt sich  Wörter wie: Klomuschelbeweihräucherungsrosarotbrillenschlangengraben, Wachsbergüberkreuzungssumpfgebierge oder Verbesserungsheimleuchtmüheschuldturm aus?“

„Handlung“ führt er später noch an, wird man in den Texte keine finden, es tauchen aber in den geheimnisvollen Geschichten immer wieder die gleichen Personen auf, wie der schon erwähnte Bergretter, die Lena oder auch zwei Personen wie Friedrich Hilfsberg und Wolfgang Ablenkung und dann wird in den einzelnen Geschichten, die Namen wie „Aufbausuche“ „Aufreißzirkus“ oder „Baustellengräben“ etcetera tragen, munter durch die Bezirke Wiens hin- und hergesprungen. Der Heimatbezirk und seine Straßennamen tauchen öfter auf, von Neuwaldegg ist öfter die Rede und Bergretter sucht in seinen Texten auch öfter nach dicken Damen, wie es ja auch einmal Heimito von Doderer tat oder geht in den Bezirken Wiens überhaupt auf Frauensuche, wo dann immer wieder auch bestimmte Berufsgruppen, wie der „Reiseleiter“ der „Bürgermeister“ oder der „Reporter“, auf.

Es gibt dialogartige Text mit den sprechenden Namen auch wenn Franzobl oder David Silvester Marek, die bei den Einreichungen noch vorhandenen Vornamen gestrichen haben und auch märchenhafte Texte, wie bei „Feenlicht“ oder beim „Hoffnarr.

Ein „Ferkel“ taucht auf, verläßt seinen Bauernhof, wahrscheinlich um nicht geschlachtet zu werden und beginnt zu suchen oder zu wühlen: „Doch nichts ist zu finden. Das Ferkel rennt wieder im Kreis herum. Doch wohin es schaut, ist nichts zu finden. Es wird immer heißer.“, endet es geheimnisvoll.

An Motiven taucht das „Kinderheim“ immer wieder auf. Vielleicht eine Lebenserinnerung von David Silvester Marek, der hier seinen Vornamen nennt und auch die Lena, die Johanna und die Christina kennt, wo mir zumindestens die erste und die letzten aus den „Ohrenschmaus-Texten“ bekannt sein dürften.

Es gibt einen „Komödienphotograpen“ und der hat auch seine sprechenden Protagonisten. Nämlich einen Joseph Scherbenstrahl, eine Maria Strudelfladenkuh, einen Dieter Spritztrümmerleuchturm, sowie einen Ludwig Distelkloster und so weiter und so fort.

Da könnte die auch an sprechenden Namen interessierte Autorin und Jurorin direkt neidisch werden.

Da sich das aber nicht gehört, gehe ich zum letzten Satz weiter, wo es „Die wunderliche Betrachtung der Moderatoren ist das Wechselkonzert für die rauchenden einfachen Erklärer, die nicht mehr weiter wissen bei ihren Überlegungen zur Unterhaltung.“

Was verstanden? Ich auch nicht viel, aber Franzobel hat ja in seinem Vorwort nicht umsonst von den „sowohl unverständlichsten, als auch faszinierendsten poetischen Sätzen, die er je…“ geschrieben.

Die „Krokodiklwüstenstadtbahn“ gibt es auch, mit der Station „Krokodilnetzzeitungsfischer“, wenn man es noch nicht wüßte, hat man es jetzt begriffen, daß es stimmt, das David Silvester Marek ein großer Sprachschöpfer und wahrer Wortakrobat ist und sehr berührend finde ich seinen Text „Liebe“:

„Vieles gäbe es hier zu tun, wenn es nur nicht so schwierig wäre, in die verwirrendsten Werkstätten Ordnung zu bringen. Da braucht dieliebe sehr lange.“,setzt David Silvester Marek lakonisch dazu.

Und beim Buchstaben „M“ sind sowohl, wem wundert es, die „Mädchen“, als auch das „Märchenabenteuermuseum“, zu finden.

Vom „Quadratsiedlungsberg“ geht  es über den „Quellengrabenmisttiergarten“ zum „Räuberhöhlenwald“, wo die „Räuber“ verfolgt werden und am Ende der Reiseleiter kommt und sagt: „Lange Umbaudämme mit vielen neuen Siedlungen bringen Erlebnisabenteuer.“

Wie schon beschrieben, höchst geheimnisvoll. Dagegen geht es beim „Trost“ entgegen der Ankündigung erzählender zu. Denn da kommt „Lena verzweifelt durch den Bahnhof Tullnerbach-Pressbaum gelaufen, fällt einem Mann umarmend um den Hals und sagt weinend „Der Boasim hat meinen Namen blöd ausgelegt.“

Es folgt eine eine Irrfahrt von Purkersdorf-Gablitz, nach Hadersdorf-Weidlingau und am Schluß hat der Mann Lena noch versprochen sich mit ihren Fragen zu beschäftigen, hat er ja doch viele Bucher dazu.

Jetzt habe ich den Buchstaben „S“ ausgelassen und da begegnen wir einen mir schon bekannten Protagonisten, der uns auch bis jetzt begleitet hat und noch weiter begleiten wird, nämlich den „Sucher“ und der ist ein „Sammler“ und sucht oder hat „Sinn.“

Viele Bücher hat und sammelt er auch, so zum Beispiel, das mit der Aufschrift „Vom Klodeckel bis in die Unterwelt“ oder das mit dem Titel „Der gefährliche Umbau zwischen den Siedlungsschluchtspalten.“

Wenn wir  im Alaphabet weitergehen kommen wir zum Buchstaben „V“ und da gibt es, sowohl die „Versorgungsschulratshofinseln“, als auch das „Versorgungsterrassenhofgebirge“, als auch den „Vertröstungszirkus“ und über „X“ und „Y“ zum „Z“ und da zun „Zipfenmützenschneider“, bevor es mit der schon erwähnten „Zusammenziehungsaufbaustraße“ zu einem Ende geht.

Zu einem Vorläufigen nur, hat doch Franzobel in seinem Vorwort geschrieben, daß es sich bei den vorliegenden Texten nur um eine kleine Auswahl handelt, denn die Texte, die allesamt ziwschen 2010 und 2017  entstanden sind, stellen nur ungefähr ein Zehntes des Gesamtumfanges dar, den das „Geheimnisgeschichtenlexikon“ eigentlich umfassen könnte.

„Viel Vergnügen!“, beim Lesen dieser Auswahl“, hat Franhzobel noch gewünscht und ich kann noch ergänzen, daß ich, die ich David Sylvester Mareks Texte wohl schon seit 2010 kenne, durch das Lesen seines Lexikons auf viele mir bisher unbekannte Facetten gestoßen bin und von der Sprachgewalt des Wortakrobaten wirklich sehr beeindruckt war.

Wieder einmal Jahresrückblick

Es ist soweit, 2018 geht zu Ende und man kann sagen, es war auf der einen Seite, ein ganz gutes Jahr, gab es doch zwei literarische Höhepunkte und da waren, sowohl der April, als auch der November besonders intensiv.

Denn ich habe im April in der „Alten Schmiede“ zwar etwas verspätet, aber immerhin mein „Literaturgeflüster-Texte-Buch“ vorgestellt, da war dann schon der „Hammer“ mit meinen und Ruths Texten zur „Kunst im öffentlichen Raum“ herausgekommen und am achtzehnten April gab es den ersten diesbezüglichen Spaziergang, wow, ein bißchen so, wie es eigentlich sein sollte und im November gab es noch einmal einen Spaziergang durch den neunten Bezirk und auf der „Buch-Wien“ habe ich im Rahmen  des „Ohrenschmauses“ ein Stückchen aus der „Mimi“ gelesen.

Ansonsten war ich im März wiedermal  in Leipzig und vorher in Essen bei der „Bloggerdebutpreisverleihung“, wo ich Klaus Cäsar Zehrer und Christian Bangel kennenlernte.

Danach gab es den Osterspaziergang der LitGes, wie gewohnt und auch die Lesung beim „Linken Wort“ beim „Volksstimmefest“, die Lesung bei der „Poet Night“ und mein „Literarisches Geburtstagsfest“, wo ich  jeweils mehr oder weniger ein Stück aus der „Unsichbaren Frau“ gelesen habe, dem Buch, in dem ich den Herbst 2017 im Rahmen des „Nanowrimo 2017“ beschrieben habe und daraus habe ich auch im „Bepop“ gelesen, die man, wenn man so will, auch als eine außertourliche Lesung bezeichnen kann, zu der mich der liebe Rudi eingeladen.

Buch ist in diesem Jahr nur eines herausgekommen, nämlich die Bloggeschichten „Besser spät als nie“, zu Jahresanfang, aber die Fortsetzungsgeschichte, „Die Unsichtbare Frau“ ist schon in der Druckerei und ich werde sie demnächst bekommen.

Geschrieben habe ich ab Sommer den Rohentwurf zur „Magdalena Kirchberg“, bei der ich jetzt beim Korrigieren bin und da habe ich vorher auch ein paar Artikel zum „Zeitmanagement“, „Regelmäßig schreiben“, „Konzeptänderungen“ etcetera verfaßt. Das war im Sommer.

Vorher ab Jahresbeginn habe ich wieder ein bißchen mein Schreiben vorgestellt, über meine „Kinderbücher“, die „Depressiven Frauen“, die „Politischen Bücher“, die „Bekannten Gestalten“, die „Schreib- und die Bücherschrankmotive“, etcetera, geschrieben.

Außer in Leipzig war ich wieder auf der „Buch-Wien“ und beim „Buchquartier“, bei vielen Veranstaltungen, wie den „Wilden Worten“, den „O-Tönen“,„Literatur und Wein“ in Göttweig und in Krems, beim „H .C. Artmann-Festival“, bei einigen Preisverleihungen, den „Bachmann-Preis“, den Tanja Maljartschuk gewonnen hat, hat es gegeben  und ich habe wieder tüchtig gelesen, wenn auch weniger als in früheren Jahren, ich habe Buchpreis gebloggt und mich durch die österreichische und die deutsche Liste gelesen.

Ansonsten dieses Jahr sehr viele Neuerscheinungen und in zwei Jurien bin ich nach wie vor auch.

Da gibt es schon länger den „Ohrenschmaus“, den Literaturpreis für Menschen mit Lernschwierigkeiten und seit 2016 juriere ich auch beim „Bloggerdebut-Preis“ mit, was mir großen Spaß macht, denn ich interessiere mich ja sehr für Literatur.

Reisen hat es auch gegeben, eher kleinere, denn ich bin ja im Gegensatz zum Alfred nicht sehr reiselustig, war aber heuer vor Leipzig, zwei Tage in Würzburg und zwei Tage in Essen, dann sind wir im Sommer zehn Tage in die Schweiz, nach Genf, Bern und Zürich gefahren, wo ich die Bücherschränke erforschte und einige Buchhandlungen besuchte und kurz danach sind wir noch ein paar Tage mit der Ruth um den Neusiedlersee gefahren.

Das waren die erfreuelichen oder die gewöhnlichen Dinge, zu den eher unerfreulichen würde ich die politischen Entwicklungen, den Rechtsruck, etcetra bezeichnen.

Es gibt wieder Donnerstagsdemonstrationen, da war ich auf vier und das ganze Jahr habe ich mich mit dem Uli gecatscht, was manchmal mehr, manchmal weniger erfreulich war, aber ich denke, man soll es wenigsten versuchen politische Korrektheit einzufordern, auch wenn das, wie es aussieht, ein Faß ohne Boden ist.

Das war im Großen und Ganzen 2018 und richtig, daß ich „zehn Jahre Literaturgeflüster“ mit Sekt und Torte gefeiert habe, das hätte ich jetzt fast vergessen!

Und zwei Workshops bei Stephan Teichgräber einen zum Thema „Utopie“ und einen zur „Revolution“ habe ich auch besucht, um mich ein wenig literaturwissenschaftlich weiterzubilden, während es, was wahrscheinlich auch ein wenig schade ist, die „Schreibgruppe“ seit Herbst nicht mehr gibt.

Verluste gibt es auch zu vermelden, so ist in diesem Jahr der „Büchner-Preisträger“  Wilhelm Genazino,  am 12. Dezemer in Frankfurt verstorben, den ich sowohl einmal in Gottweig bei der „Literatur und Wein“, im Literaturhaus und in der „Alten Schmiede“ hörte, sondern auch der ewige Nicht-Nobelpreisträger Philp Roth, der andere große Amerikaner Tom Wolfe am 14. Mai, Philip Kerr am 23. März und auch die österreichische Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger mit ihren ganz armen Kindern und Frauen, die eine hervorragende Oma  gegen Rechts gewesen wäre, die mit dem Krückstock, wie sie einmal am Ballhausplatz beim Johanna Dohnal- Gedenken verkündete, gegen die Nazi-Verharmloser angetreten wäre.

Und außerdem habe ich gerade erfahren, ist der israelische Schriftsteller Amos Oz von dem ich noch einiges zu lesen habe, vor drei Tagen gestorben.

Außerdem, hat es in diesem Jubuläumsjahr außer fünfundvierzig Jahre Matura und fünfundvierzig Jahre erfolgfrei schreiben, dem fünfundsechzigjährigen Geburtstag und Ende meines Diagnostikkassenvertrages, auch die Erinnerung an den März 1938, das Wien unterm Hakenkreuz, fünfzig Jahre 1968 und hundert Jahre Republik gegeben, was zu einigen literarischen Veranstaltungen und Büchern führte, die ich noch im nächsten Jahr lesen werde.

2018-12-30

Leni weint

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Jetzt kommen dreißig Essays, die der 1943 in Budapest geborene Peter Nadas  zwischen 1989 und 2014 geschriebenen hat und die unter anderes von Akos Doma, Zsuzsanna Gahse, Ilma Rakusa, um nur die mir bekannten Autoren zu nennen, übersetzt wurden.

Über Peter Nadas habe ich ja zu Jahresbeginn ein ganzes Symposium gehört und 2017 auch einmal im Literaturhaus, wo er seinen neuen Roman vorstellte und im Literaturmuseum hat er auch einen Vortrag oder einen Essay gehalten und die im Herbst bei „Rowohlt“ erschienen Essays wurden auch in der letzten Lese.auslese in der „Gesellschaft für Literatur“ als leicht zu lesende, weil sehr erzählerische Essays empfohlen.

Der gut Deutsch sprechende Autor ist, wie ich mich bei den drei Veranstaltungen, wo ich ihn erlebte, überzeugen konnte, ein sehr sympathischer Mann. Eine Klientin hat mir auch einmal erzählt, daß sie ihm ein Mail geschrieben und er ihr sofort geantwortet hat und die Essays, die sich sowohl mit Details, als auch mit sehr weltbewegenden Momenten beschäftigen, sind trotz der angekündigten erzählerischen Leichtigkeit, recht kompliziert.

Springt Peter Nadas doch von Hunderste ins Tausendste und macht sehr gekonnte Assoziationen, die das Nachvollziehen nicht sehr einfach machen, wie auch die Lektorin Katharina Raabe in ihrem Nachwort über die „Parallelgeschichten“, die ich nicht gelesen habe, schreibt, daß man sie wohl mehrmals lesen muß um alles zu erfassen.

Bei den Essays wohl auch, füge ich mit Bedauern, daß ich  dazu wohl nicht die Zeit habe, hinzu und bin dann bei der „Behutsamen Ortsbestimmung“, gleich über die „Betrachtung eines Wildbirnenbaums, der vor Peters Nadas Fenster steht, zu der Analyse des Dorfs, in dem Peter Nadas seit vierzig Jahren lebt, den Eigenheiten seiner Bewohner und ihr Verhalten während des zweiten Weltkriegs bis Jahrhunderte zurück in die Zeiten des Prager Bischofs Adalbert, gekommen.

„In der Körperwärme der Schriftlichkeit“, geht es um die Kunst des Schreibens und um Europa.

Peter Nadas meint hier, daß nicht jeder, der das Schreiben erlernte, das auch wirklich kann, obwohl es jeder von sich behauptet. Er übt diese Kunst am Vormittag aus und am Nachmitttag, die des Nichtschreibens. Er muß auch mit der Hand schreiben, um die Sinnlichkeit der Buchstaben zu erfahren und davon ausgehend, kommt er zu Europa und macht sich Gedanken über dessen Identität, während es im  „Das große weihnachtliche Morden“ um die Gefühle geht, die die Fernsehübertragung, die im Jahr 1989, die Hinrichtung des Ehepaares Ceausescus zeigte, in ihm auslöste.

Es geht dann in den „Kalten Krieg“. Danach wird eine „Skizze zweier psychoanalytischer Grenzfälle “ gegeben, in der Peter Nadas von einem jungen Mann erzählt, der ihm sagte „Daß ihm die Kommunisten zugrunde gerichtet hätten“, das aber weiter nicht sprachlich ausdrücken konnte, so daß der Nichtanalytiker mit Hilfe einer Kinderpsychologin ihn erfolgreich mit paradoxer Intetion behandelt hat.

Thomas Manns Tagebücher werden analysiert. Hier denke ich, die ich mich als Studentin durch seine Werke gelesen, aber wahrscheinlich nicht viel verstanden hat, ist es sicher besser sich zuerst die Primärliteratur zu besorgen, wie Tagebücher und Analysen daraus wahrscheinlich überhaupt sehr vorsichtig zu interpretieren sind, um nicht zu falschen oder dilettantischen Schlüßen zu kommen.

Thomas Mann hat auch seine frühen Tagebücher verbrannt und die späteren sehr vorsichtig, vielleicht schon für die Nachwelt geschrieben, die von 1932 sind aber erhalten geblieben und vorsichtig oder nur unter Auslassungen ins Ungarische übertragen worden und so stehen wir vor den Deutungen, aber wie gesagt, ich würde hier sehr vorsichtig sein.

In seiner Dankesrede bezüglich des „Kafka-Preises“ hat Peter Nadas eine Zugfahrt beschrieben in dem sich ein Mann und eine Frau gegenüber oder nebeneinandersitzen und in Kafkas „Prozeß“ lesen und dann beschreibt er eine Reise mit dem Journalisten Richard Swarzt in das Ceauscescu-Rumänien, wo man von Spitzeln bewacht wurde und es in den Hotel nichts zu essen gab. Die Kellner sich das aber nicht anmerken ließen.

Sehr zu empfehlen die Essays, die die derzeitge politische Situation in Ungarn un den Weg dorthin, erklären.

Um die Demokratie geht es auch, hier versucht  Peter Nadas „Das  Individuelle, das Kollektive, das Einzellne und das Allgemeine“ zu analysieren  und greift dann den Vorschlag auf den Vaclav Havel offenbar Madeleine Albright machte.

Der elfte September wird thematisiert, bevor es zu einer  sehr beeindruckenden Geschichte kommt, die ich gar nicht so sehr als Essay bezeichnen würde.

Das Ich oder Peter Nadas baut ein Haus mit einem Handwerker und kommt ihm bei der körperlichen Arbeit, wobei ihm der andere natürlich überlegen ist, näher. Irgendwann beginnt der Arbeiter seinen Judenhass zu thematisieren, Nadas widerspricht. Ein paar Tage später geht es gegen die Zigeuner, die er so sehr hasst, daß er sie am liebsten ermorden würde. Nadas beginnt zu schreien und als es dann gegen die Schwulen geht, schweigt er. Die Arbeit an dem Haus geht natürlich weiter und in der Endrunde kommen andere Arbeiter hinzu, die der Handwerker organisiert, während Nadas weiter hinten arbeitet und hören kann, daß nun die Arbeiter gegen die Zigeuner hetzen und sein Freund zu schreien beginnt.

So etwas würde ich mir bei meinem Freund Uli wünschen, aber ich weiß schon, das Leben ist kein Wunschkonzert und so einfach machen es einer die anderen nicht und auch Peter Nadas zieht weiter und kommt zur der „Walser-Bubis-Debatte“.

Da hat Martin Walser ja 1998 den „Friedenspreis des deutschen Buchhandels“ erhalten und diesbezüglich eine Rede gehalten, die die Gemüter erregte. Es kam zum Streit mit Ignaz Bubis, dem 1999 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrates für Juden, Frank Schirrmacher, der 2014 verstorben ist, hat ein Buch darüber geschrieben, über das sich Peter Nadas Gedanken macht, bevor es zu dem Titelgebenden Essys kommt.

Hat sich Hitlers Paradekünstlerin Leni Riefenstahl   ja auch schon sehr früh als Kriegsberichterstatterin ausbilden lassen, um an der Front zu fotografieren. Dann kam es zu den ersten Massenerschießungen und die Tränen kollerten, wurden wohl auch dokumentarisch festgehalten und von Peter Nadas gekonnt mit Viktor Klemperer, seinem mitleidigen Briefträger und der Sprache des dritten Reiches in Beziehung gesetzt.

Es gibt Texte über Camus, Imre Kertesz, Alexander Solschenizyn, der vor kurzem seinen hundertsten Geburtstag gefeiert hätte,  den mir bisher unbekannten ungarischen Dichter und Universitätsprofessor Milan Füst, sowie einen über die Memoiren der Schwiegertochter von Milos Horthy, Ilona Edelsheim-Gyulai.

Dann geht es über den 1933 in Budapest geborenen Maler Alexandre Hollans und seine gemalenen Bäume zurück zum Wildbirnenbaum des Dörfchen Gomboszeg, wo Nadas außer in Budapest auch noch wohnt, wo sich die männlichen Dorfbewohner am Abend unter dem Baum versammeln und sich austauschen, während es auf der ganzen Welt noch andere Baumrituale und Mythen gibt.

Mit dem Museum geht es gleich weiter, dort steht Nadas  länger, weil er den „Punkt sucht, von dem aus der Maler das Bild gemalt hat“, wobei er vom Wärter mißtrauisch beobachtet wird, er sich aber nur seine philosophischen Gedanken über Monet und  seine Malkunst macht.

An Hand Klimts „Goldenener Adele“, beschäftigt Nadas sich mit Skandalen und kommt erst recht spät auf den Ausgangspunkt der Geschichte.

In „Ein zu weites Feld“ geht er auf Grund Fontanes letzten Satz aus der „Effi Briest“ noch einmal auf sein Schreiben, beziehungsweise das Schreiben eines Romanes ein, bevor es im letzten Text, um seine Nahtoderfahrung, die er 1993 nach einem Herzinfarkt hatte.

Ein interessantes Buch in dem man sowohl in das Leben Nadas, als auch in die Geschichte Ungarns, seine politischen Entwicklung und noch viel mehr  eintauchen und über den Zustand der Welt und ihre Verknüpfungspunkte philosophieren kann.

2018-12-29

Der Südelefant

Nach der Weihnachtslesereihe gehts noch immer weiter mit dem Herbstlesen und da kommt ein Buch, das ich eigentlich schon zur Frankfurter Buchmesse lesen hätte wollen, denn da war Georgien das Gastland und Nino  Haratischwilli, deren Shortlistbuch, dem ich den Buchpreis gewünscht hätte, ich damals gelesen habe, hat Arche Kikodzes „Südelefant“ übersetzt, aber dann hätte ich es einigen andere Büchern vorziehen müßen, was ich auch nicht wollte.

Also jetzt, wo ich langsam, langsam, an das Ende kommen, zumindestens was das 2018 Lesen betrifft.

Und der Roman, des 1972 geborenen georgischen Autors, Fotografen, Regisseurs, Schauspielers  und Naturführers, der wahrscheinlich wieder keiner ist, ist sehr zu empfehlen für den, der sich für Georgien interessiert und vielleicht noch keine Ahnung von dem Land und seiner Hauptstadt Tiflis oder Tblissi,“heiße Quelle“, wie das jetzt heißt, hat.

Oder auch nicht, denn wenn man keine Ahnung von der Stadt, wie sie ausschaut und welche Geschichte sie hat, tut man sich wahrscheinlich schwer mit dem Ich-Erzähler, ein, ich glaube, namenloser Regisseur, der für einen Tag seine Wohnuing verlassen muß, und in der Stadt herumstreicht, weil sein Freund Tazo sie für ein Liebesverhältnis braucht.

Einen Tag herumschweifen, ist es etwas, was ich auch öfter mache, ich suche da meistens Impressionen für mein nächstes Werk und diesbezüglöich kann man sich an dem Buch ein Vorbild nehmen, denn wenn man es so Achil Kikodze angeht, kommt am Ende vielleicht wirklich ein Roman heraus, obwohl das Buch keinen Plot oder Handlung hat oder doch vielleicht ein Höhepunkt und ein Spannungsbogen, der vom Anfang gekonnt zum Ende führt.

Er verläßt also sein Haus in dessen Flur ein Spiegel hängt, so daß sich die Liebespaare in der Nacht dort treffen und ihre Kippen hinterlassen, trifft dabei Medico seine Nachbarin und schon kommt es  zur ersten Geschichte, denn dem Park in dem er kurz darauf verweilt, trifft er Leo, das ist ein Strafentlassener und der war oder ist in Medico verliebt, hat ihr vor Jahren einen weißen BWM geschenkt, den sie aus Stolz nicht anrührte, so daß er bis zum Verrosten vor der Haustür stand.

Er geht dann in ein Cafe und sucht in seinem Handy nach einer Nachricht von seiner Tochter, die in Amerika studiert, er findet die Fotos, die ihm seine verflossene Geliebte Nelly von ihrer Israel und Jordanienreise schickt, die sie mit ihrem Mann, einen Tierarzt macht und ärgert sich darüber.

Dann geht es weiter durch die Stadt, in ihre Geschichte und in seine Vergangenheit, seine Eltern, seine Filme, seine Freunde und Dozenten werden erwähnt und auch das Stadtgeschehen, was der nicht so Tiflis Kundigen ein wenig Schwierigkeiten macht und wer sich jetzt fragt, wieso heißt das Buch so komisch?

Ich habe, muß ich gestehen, lange auch „Südseeelefant“ gelesen. Ein solcher steht vor dem Museum und es gibt ein Foto vom Protogonisten und seinem Freund Tazo mit dem er studierte und der jetzt seine Wohnung braucht.

Er findet in seinem Handy dann ein Foto von Tazos Sohn, der hat eine geballe Faust herumgeschickt und macht sich Sorgen um ihn. So ruft er Taios Frau an, die ihren Mann auf Geschäftsreise wähnt, verlangt des Sohnes Nummer, trifft sich mit ihm in einem Mc Donald und erfährt von ihm, daß er gemobbt wird.

So ruft er die Mobber an und bestellt sie um sechs in den Park. Dorthin erscheint dann auch Leo, das ist der mit dem BMW um ihn beizustehen. Es klärt sich alles auf, das heißt doch nicht so ganz oder der Regisseur hat geschickt eine dramatische Wendung eingebaut, denn ein Schuß löst sich unbeabsichtigt, trifft Leo an der Zehe, so daß er ihn in seine Wohnung schleppen will, aber nein, dorthin kann er ja nicht, also bei Mediko anläuten, die ihn dann verarztet.

So daß wars, der noch weihnachtliche Gang durch Tiflis, in dem ich nie war, weiter als bis Litauen, Estland, Lettland und eineinhalb Tage in Lemberg bin ich, was die ehemalige SU betrifft ja nie gekommen, so daß es gut ist, sich vielleicht ein paar Tiflis-Videos anzusehen, um den Weg des Stadtstreichers  ein bißchen nachvollziehen zu können.

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