Literaturgefluester

2021-07-27

Aberleben

Filed under: Bücher — jancak @ 11:14
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Wieder eine Neuerschenung und ein Buch, das sowohl auf der deutschen, als auch auf der Schweizer Buchpreisliste stehen könnte,

„Aberleben“, des 1934 in Zollikon geborenen Adolf Muschg, von dem ich „Heimkehr nach Fukuschima“ gelesen habe und ich muß sagen, es ist wieder ein sehr kompliziertes Buch, eine Altherrenphantasie könnte man munken, den die alten Herren schreiben offenbar öfter und lieber über sich selbst, als die Frauen oder haben Protagonisten, die vor oder nach dem siebzigjährigen Geburtstag vor ihren Krembsdiagnosen und ihren Frauen fliehen und ein neues Leben oder Liebe finden.

Philip Roth und Martin Walser sind Meister darin, Adolf Muschg ebenso, aber der geht nicht nur in die Vergangenheit, beispielsweise ins Mittelalter oder zu Schillers Urururenkel zurück, sondern nach vorn und bindet, wie Ulrich Woelk, die Genderdebatte aber auch, hört her das Corona-Virus ein.

„Und wasdasVirus betrifft, fuhr Wohllebe fort, Epidemien hat es in der Geschichte der Menschheit immer gegeben. Und wie sie gekommen sind, sind sie auch wieder gegangen. Leider hat man dafür erst mal Sündenböcke gebraucht. Damals waren es die Juden, heute der Kapitalismus. Es ist immer nur eine Frage der Zeit, bis das passende Gegenmittel gefunden ist. Das Gewinnstreben, das Sie geißeln, wird für Tempo sorgen. Und dann ist der Impfstoff eine Goldmiene.“

Das steht auf Seite 349. Also zurück zum Anfang. Der Held ist ein PeterAlbisser, offenbar Held früherer Muschgs Romane. Der ist siebzg und verläßt Zürich und seine Frau Henny, um seiner Krebstherapie zu entfliehen und geht nach Berlin,wo er an einer Sitzung der Akademie der Wissenschaften teilnehmen will. In seiner Jackentasche findet er eine Einladung im Osten eine Weihnachtspredigt zu halten und sich dort in einer Mühle in Aberleben einzuquartieren. Vorerst quartiert er sich aber im Gästetrakt der Akademie ein und triff eine Judith, das ist eine Filmemacherin, die er einmal zur Präsidentin derAkademie vorgeschlagen hat, wieder.

Später quartiert er sich in einem seltsamen Haus, das einer seltsamen Adeligen gehört, ein, der Hausmeister ist der schon erwähnte Schiller Urururenkel und redet alle in der dritten Person an. Welch Gelehrigkeit könnte man sagen, das typische Buch für die Mittelschicht-Muschg-Vereherin. Einen Vortrag über das ewige Leben eben hat es vorher auch schon gegeben und Albisser wollte eigentlich einen seiner früheren Romane umschreiben und die krebskranke Ruth darin wieder erleben. Die trifft er dann später in Marokko bei einer Theateraufführung, denn die Filmmacherin Judith ist dortin gegangen, um „Amphitryon“ neu zu inszenieren und da auch Männer Frauen spielen zu lassen und umgekehrt.

Aber vorher reist Albisser ja noch in die Ex-DDr zu seiner Weihnachtspredigt. Da hat er eine merkwürdige Begegnung mit einem altem Ritterfräulein oder Schloßgespenst, denn das gehört einem Verein an, der eine alten Burg renovierten, die ihnen jetzt an einen Investor wegverkauft wurde. Dieser Investor taucht immer wieder auf. Vorher war er in Berlin bei dem Vortrag, nachher in Marokko.

In der Mühle, die später abbrennt, erfährt Albisser, daß er Großvater geworden ist, seine Frau Henny taucht auch auf und spielt in Marokko beim Theater mit denn Albisser sagt den Vortrag ab und begibt sich zu der Aufführung. Dort begegnet er nicht nur Judith und seiner Tochter, von der vorher nichts wußte, sondern sogar seiner Romanfigur, die plötzlich zum Leben erwacht ist.

Sehr kompliziert? Absolut und ein Sprühregen von Einfällen, die der Dichter, der ja hübsch älter, als sein Protagonist ist, auf seine Leser niedermäßt und ich muß wieder schreiben, daß ich vieles nicht verstanden, beziehungsweise überlesen habe und wenn mich wer fragt, was das Neue an dem Roman ist-?

Die vielen Einfälle und der sprunghafte Wechsel vom Mittelalter, Schiller, der Holocaust und die Juden kommen auch noch vor, zu der Genderdebatte und dem Virus, denn einer stirbt bei der Aufführung daran. Das habe ich noch zu erwähnen vergessen. Das ist alles sehr gelehrt und kompliziert, aber mir würde wieder mal der strigente Handlungsfasen fehlen und schreibe daher, da passiert wieder so viel, daß man zehn Romane darüber schreiben könnte. Das ist mir auch chon mal vorgeworfen worden, ich weiß und die Idee mit den Romanfiguren, die plötzlich zum Leben geraten oder den umgeschriebenen Büchern, ist ja auch etwas was mir gefällt, aber hier denke ich, sehr kompliziert, daher unrealistich, aber eine sehr schöne Sprache und viel Gelehrsamkeit und jetzt bin ich gespannt, ob Adolf Muschg, wenn schon nicht den deutschen Buchpreis, den Schweizer gewinnt?

2021-07-24

Für ein Leben

Filed under: Bücher — jancak @ 00:33
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Ich sage immer, daß man man oft das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt erwischt und so ist es auch mit „Für ein Leben“, des 1960 geborenen Ulrich Woelk, der 2019 mit „Der Sommer meiner Mutter“, auf der Longlist des dBps gestanden ist, beschäftige ich mich doch gerade in meinem neuen Projekt mit dem Feminismus und dem Gendern und Ulrich Woelk tut das in seinem Monsterroman, der über sechshundert Seiten besitzt auch und das ist ihm wohl ein ironischer Schachzug zwischen den Genres gelungen. Denn was ist der Roman? Ein feministischer Erotikroman, so könnte man es wohl am besten bezeichnen,der manchmal etwas ktschig ist oder haarscharf daran vorbeischifft. Kein noch so plattes Thema ausläßt oder docheines,wasichamSchlußanführen würde,wie ich den Romanbeendet hätte und der dabei höchst spannend und auch leicht lesbar ist, obwohl man mehrmals sagte könnte „Stop, Halt, spar deine Phantasie ein, das geht denn doch zu weit!“

Um was geht es? Um zwei Frauen in Berlin nach der Wende. Um Niki oder Nikisha Sri Lamont,1989 fünfundzwanzig Jahre alt, die als Kind von Hippieeltern in Afghanistan geboren wurde. Gezeugt wurde sie in Lourdes füge ich noch an.Vier Jahre in einem Ashram lebte, dann mit ihren Eltern nach Mexiko ging, dort Medizin studierte und 1989 als Ärztn in einem Weddinger Krankenhaus zu arbeiten anfängt und dort gleich einmal eine Fehldiagnose stellt und um Ljubina Sellen, genannt Lu, Kind einer kroatischen Mutter, die als sie, glaube ich, Dreizehn ist, an Lungenkrebs stirbt, worauf ihr Vater ausrastet und sie hintereinander zu zwei Mietern des Wohnhauses flüchtet.

In zwanzig Kapitel, die Namen tragen, wie „Die Töchter Egalias“, „Die Erfindung des Paradieses“ wird das erzählt und erzhltechnscht ist hier interessant, daß jedes Kaptel eigentlich in sich abgeschlossen ist und zu Beginn ein bißchen weiter ist, so daß die Handlung dann rückläufig aufgerollt wird und da ist viel zu erzählen.

Es beginnt also, daß Niki fünfundzwanzig ist und da gleich, während die Ostberliner die westdeutschen Spitäler stürmen, einen Patienten mit einer Hodenentzündung hat. Dem stellt sie die falsche Diagnose und heiratet ihn später. Auch das erfährt man gleich auf der ersten Seite. Niki hat ein Helfersndrom, wurde von ihren Hippieeltern, wie beschrieben in Lourdes gezeugt, als die von Paris kommend nach Indien aufbrachen. In Mexiko wurde sie dann für einen Engel gehalten. Deshalb konnte sie sich auch ihr Studium finanzieren, hat sie doch den Sohn eines Bauern geheilt und den dann zu einem Kind verholfen. Der kann ihr nichts als einen Lottoschein als Dank schenken mit dem gewinnt sie dann aber gleich einmal 123 574,87 DM gewinnt, was für das Studium reicht und man sieht schon, wohin es geht.

Es passiert wirklich viel in diesem Buch und manches ist, wie erwähnt sehr übertrieben, so daß man denkt, jetzt hör mal auf und man kann es zuläßig sein, daß sich ein Mann auf diese Art und Weise lustig über den Feminsmus und die Lesbenbewegung macht?

Lu flüchtet, nach dem Tod der Mutter, als der Vater in seiner Verzweiflung zu trinken beginnt und dann alles zusammenschägt, zuerst in die Nachbarwohnung zu dem Musiker Hans, der Katzen hat, die Musikernamen tragen und sich mit der Stille in der Musik beschäftigt und weil sie das nicht aushält etwa sspäter einen Stock hinunter zu Victor Belkow, der aus dem Osten geflohen ist oder abgeschoben wurde und der sie einmal erschreckte, weil sie seinen Penis sah, als er einen Ventilator verrückte. Das führte zu ihrem Entschluß niemal Sex mit Liebe zu haben, aber vielleicht war daran auch ihr Vater schuld, der sich immer Frauen aus dem Osten bolte, sie dann in seine Draga zu verwandeln versuchte und später wieder alles kurz und klein zuzsammenschlug,was zu einem Koma führte, so daß er in das Krankenhaus kam, wo Niki Ärztin war.

Die wohnte inzwischen bei einem Maler in Untermiete, wo sie ein Vagina-Diptychon in ihrem Zimmer hatte, das sie mit Büchern verstellte, der Niki ständig fragte, ob sie vielleicht lesbisch sei und vermutete, daß mit ihrer Sexualität etwas nicht in Ordnung sei. Um das aufzuklären, reiste sie nach Lourdes, macht da die Bekanntschaft mit einem Pater Leo, der sie einteilte, die behinderte Bernarda, die nach einem Impfschaden im Rollstuhl saß, zu betreuen. Die sollte, um die Aufmerksamkeit der Presse zu erregen, auf einer Bahre zur Prozession getragen werden. Dasklappte aber nicht, also legte sich die hilfsbereite Niki darauf, flüchtete aber kurz darauf, weil, die Sanitäter, die Bahre fallen ließen und das neue Wunder von Lourdes war geboren, das natürlich in die Zeitung kam. Die las Clemens Rubener, der sich als ein ausgebrannter Schriftsteller entpuppte, der mit seinem zweiten Roman nicht und nicht weiterkam, in seiner Writer in Residence Wohnung in Aix en Provence. Erinnerte sich an seineÄrztin und reiste nach Berlin, um sie zuheiraten,was sie auch prompt tat.

Zur Hochzeit ließ sie sich ganz nach indischen Brauch den ganzen Körper bemalen, wurde aber auf der Hochzeitsfeier ins Spital zurückgerufen,denn der Komapatient Herbert Sellen war plötzlich wach gdeworden, stand am Dach und wollte hinunterspringen und das Krankenhaus war ratlos. Mutig pirschte Niki sich im Hochzeitskleid an ihn heran, wo Herbert Sellen dann vor ihre Füße fiel und versuchte ihr Strumpfband zu küßen, weil er glaubte, sie wäre Draga und man das nach kroatischen Brauch so machte. Kurz darauf fiel er wieder ins Koma. Niki verließ aber ihren Ehemann, um eine Beziehung mit Lu zu beginnen, die inzwischen Schauspielerin geworden ist und in einem alternativen Theater im Sommernachtstraum statt dem Lysander eine Lysandra spielte. Dazu war sie auch am ganzen Körper mit Henna bemalt und stand, als die Nachricht aus dem Krankenhaus kam, gerade nur mit einem Mantel bekleidet, in der Pause vor dem Theater. Die Beiden zogen zusammen und ein besonderes Detail ist Ulrich Woelk auch noch eingefallen, ließ er Niki doch schwanger sein und das war dann eine unbefleckte Empfängnis, denn die Ehe wurde ja nicht vollzogen und Sex vor der Trauung wird von der Kirche ja nicht anerkannt.

Die beiden Frauen reisten mit dem kleinen Pablo ein paar Jahre später nach Mexiko zu Nikis Eltern, wo Lu wieder bei einem Film mitzuspielen begann. Sie verließ,weil sie ja nicht glücklich werden durfte, Niki, verheiratete sich in LA, begann noch einmal in einem Film zu spielen und bekam dann auch noch den Morbus Wilson, den Niki diesmal richtig diagnostizierte und wir sind mit Ulrich Woelk durch ein halbes Jahrhundert der Lesben- und Frauengeschichte gewandert und ich kann nur wiederholen, sehr gut recherchiert, das Ganze sicher auch ironisch zu interpretieren. Aber leicht und gut zu lesen, obwohl es manchmal, wie schon geschrieben haarscharf an der Grenze zum Kitsch dahinschrammt und auch wieder viel zuviel des Guten ist.

Es hat mir wirklich gut gefallen, wieder eines der 2021 Highlighst, neben den „Vögel“ und der „Muttermilch“ und da geht es ja auch um Sex und lesbische Liebe und ich bin jetzt nur neugierig, ob das Buch wieder auf die deutsche Buchpreisliste kommt? Ich würde es empfehlen, denn „Der Sommer meiner Mutter“ hat mir, glaube ich, nicht sogut gefallen

Und wie hätte ich den Roman beendet? Meine Leser wissen es wahrscheinlich. Ich hätte Clemens Rubener einen Roma schreiben lassen, in dem er Nikis seltsame Verwandlungen schldert mit dem er dann den deutschen Bchpreis gewinnt.

2021-07-17

Inneres Wetter

Filed under: Bücher — jancak @ 19:26
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Jetzt kommt wieder eine Neuerscheinung, nämlich“Inneres Wetter“, der 1961 geborenen Elke Schmitter, von der ich „Frau Satoris“ gelesen habe, das von Marcel Reich-Ranicki sehr gelobt wurde und hier geht es um einen Geburtstag des siebenundziebigjährigen Georg Kupfer, der verwittwet ist und drei Kinder hat, Sebastian, Huberta, Bettina, alle in den Sechzigerjahren geboren, also über fünfzig, da das buch 2014 zu spielen scheint. Zumindest gibt es Mails, die darauf hinweisen, da möchte Bettina nämlich ihre Geschwister veranlaßen für den Vater eine Überraschungsparty zu veranstalten.

Alles sher banal und gewöhnlich würde man sagen, daß man den Geburtstag seines Vaters feiert. Meistens ist der auch darauf vorbereitet. Aber hierzieht sich alles auf zweihundert Seiten hin und ist auch in drei Teilen gespaltet, findet der Geburtstag des Vaters, glaube ich, im Oktober statt. Es beginnt aber im Frühling, da wird dann ein Tag beschrieben. Dann folgt der zweite Teil, der „Zwei Tage im Sommer“ heißt und der dritte wenig originell „Drei Tage im Herbst“ und dazwischen plätschert es dahin und wir erleben das „innere Wetter“ oder das Alltagsleben der Geschwister, bis es soweit ist, daß sie den Vater in einem Restaurant treffen und sich von der Kellnerin die Speisekarte erklären lassen.

Die drei Geschwister und ihre Familie gehören wahrscheinlich, wie auch Elke Schmitter der Mittelschicht an. Am Interessantesten ist aber Sebastians Frau Mora, die aus Dalamtien stammt und von der wir relativ viel erfahren. Sie verkauft tageweise in einer Boutique, da werden ihr einmal einige Schals gestohlen. Die Diebin trifft sie dann am Elternsprechtag ihres Sohnes Ben oder ist es der der Tochter Adiana wieder. Ben spricht jedenfalls wenigmit den Eltern und steht im Verdacht Autist zu sein.

Gesellschaftls- und Alltagsereignisse, wie julian Assange oder die Flüchtlingsfrage werden erwähnt und Bettina hat auch zwei Freudninnen, Angelika und Selma. Zu Beginn des Buches gibt es ein Personenverzeichnis. Angelika hat Probleme mit ihrer Wohnung. Selma berichtet von einer Tagung, Huberta ist Ethnologin und warlange in Äthiopien und die Handlung, der Plot und die Spannung fehlen wieder.

Es wird, das habe ich auch in einer Rezenson gelesen, dahin geplätschert. Der Vater weiß natürlich von der Party die Geschwister haben es ihm verraten und sich auch Sorgen gemacht ob er am Tage der Überraschung daheim sein wird und muß tun, als wüßte er von nichts und das Interessanteste an dem Buch ist wahrscheinlich der Stil. Da gibt es Briefe und Mails und vieles ist auch kleingeschrieben.

Schwierig ist auch der ständige Perspektivenwechsel. Denn da wußte ichoft nicht,wo ich jetzt bin und wer jetzt spricht, denkt oder handelt. Aber natürlich ist das Midlifeleben der intellektuellen Mittelschicht und ihre Probleme interessant und das war wohl auch die Absicht des Romans, den ich eigentlich wieder nicht als solchen bezeichnenwürde das aufzuzeigen.

Ich finde trotzdem es wurde zuviel bla bla und zuviel Auwand, um so etwas Alltägliches wie den Geburtstag des alten Vaters gemacht,obwohl natürlich klar ist, daß jedes der Kinder, Schwiegerkinder und auch die Freundinnen ihre Probleme haben, die sie trotz des Geburtstags bewältigen müssen. Aber da das Buch in Vor-Corona-Zeiten spielen, haben sich diese inzwischen auch schon überschlagen, sind andere und vielleicht auch größer geworden.

2021-07-15

Die Obstdiebin

Filed under: Bücher — jancak @ 10:53
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Weiter gehts mit den Harlander Backlistbüchern, sprich denen, die ich mir von dem Geburtstagsgutschein der Anna 2019 besorgte, nämlich Peter Handkes, des damaligen Nobelpreisträgers Peter Handke und der 1942 in Griffen geborene, gehört wohl zu den umstrittensten Schriftsteller, wie auch die Nobelpreisdiskussion im Literaturcafe deutlich zeigte.

Eine Schlaftablette, ein Langweiler, wie das dort diskutiert wurde und der O -Ton der dortigen Kommentierer war, daß man ihn, auch wenn er den Nobelpreis bekommen hat, nicht lesen müße. Muß man natürlich nicht, aber dann hat man keine Ahnung von seinem Schreiben und interessant ist es sicherlich sich in die Langsamkeit und das Flanieren des sicherlich umstrittenen Schriftsteller, der wahrscheinlich auch ein schwieriger Mensch ist, einzulassen. Ich habe Peter Handke von dem ich in der Schule, ich habe 1973 maturiert schon ein bißchen was gehört, aber damals habe ich Thomas Mann und Hermann Hesse gelesen, mir aber, glaube ich, auch den „Hausierer“ gekauft. Das „Wunschlose Unglück“ zuerst abgelehnt, weil für experimentell gehalten, dann als ich es gelesen habe war ich erstaunt, wie realsistisch es war.

Ein Buch über den jungen Handke habe ich gelesen, war auch auf einigen Diskussionsveranstaltungen und die „Fahrt im Einbaum“ wo es um die Jugolsawiendebatte ging. Da wurde Handke für sein Eintreten für die Serben ja sehr angegriffen und beschimpft, was mich besonders störte, als das auch Sascha Stanic anläßlich seiner Buchpreis-Rede tat. Er hat da als bosnischer Flüchtling wohl eine andere Sicht darauf, aber das Leben ist vielseitig und es hätte sicherlich auch gereicht,“Da habe oder will ich nichts dazu sagen!“, dadazu sagen oder sich einfach für den Preis zu bedanken und sich zu freuen.

Ich habe mich über den Nobelpreis gefreut, war über die Hatz, die Handke da entgegen schlug überrascht und befremdet und nun hinein an einem Sommerfrischenwochenende in die“ Obstdiebin“. Was erwartet mich da? Habe ich wohl gedacht und zuerst auf die über fünfhundertfünfig dünn bedruckten Seiten geschaut. Im Beschreibungstext steht etwas von Roman oder Geschichte, das zweitere ist ein O- Ton Handkes, der seine „Einfache Fahrt ins Landesinnere“, als das „Letzte Epos“ bezeichnet und da verläßt er die Niemandsbucht. Das ist der Titel eines anderes Handke Werks, das ich nicht gelesen habe, um sich auf die Suche nach einer Obstdiebin zu machen. Ein Bienenstich den er sich zuzog, als er mit nackten Füßen durch das Gras ging, hat ihn dazu veranlaßt, so daß er das Buch, das noch auf seinen Tisch lag, liegen ließ und los maschierte. Das Ganze ist in einem durchgeschrieben undeinDauermonolog. Es gibt Absätze, aber keine Kapitelüberschriften und schon gar nicht einzelne Teile, nur eine wahrscheinlich vom Verlag angefügte Kapittel oder Iinhaltsangabe, die“Der Gare-Saint-Lazare bis hin zu „Einer Festrede“ lautet, damit man sich wahrscheinlich in den fünfhundert Seiten Labyrinth doch nicht so sehr veriirrt. Für die, die also einen Plot, eine Handlung mit dem entsprechenden Spannungsbögen wollen, werden sich vielleicht enttäuscht abwenden und „Da passiert ja nichts!“, schreien.

Irrtum, es passiert eigentlich sehr viel. Man muß aber wahrscheinlich geduldig sein und einen langen Atem haben um Peter Handke auf seiner Reise durch Frankreich zu folgen. Denn es sind eigentlich ganz banale Dinge, die ihm da auf seiner Suche nach der Obstdiebin passieren. So fallen ihm, als er über den Markt stolpert, er ist durch seinen Stich da auch etwas behindert, die Kanalsationsplatten auf, die da am Boden verlegt werden, um das Kabelfernsehen, die Telefonnetze, das Gas, etcetera zu verlegen. Vorher hat er sich über das Auto des Therapeuten, der täglich seinen Nachbarn pflegen kommt, gewundert. Dann trifft er die Clochards beim Bahnhof, grüßt sie, trinkt mit ihnen ein Schlückchen Wein und dann bei einem Buffet, um den Rauchgeschmack aus dem Mund zu bekommen noch ein Glas Wein. Er wünscht sich für seine Reise nach Paris Segenwünsche, gibt den dortigen Clochard nochmals Geld, wird als er das beim Zweiten verweigert, von diesen wüst beschimpft. Das sind dann die Segen, dann will sich der ältere Mann, die jungen Frauen im Zug ansehen und blickt in Kopftücher und Verschleierungen. Sieht dann die Doppelgängerin der Obstdiebin, die als der Zug an der Provinzgrenze kontrolliert wird, die Kontrolleure wüst beschimpft.

Ein schöner Handke-Satz ist der von denFrauen im Zug, die sich nach dem Aufwachen schminken, obwohl sie ans Meer und nichts ins Landesinnere fahren. Dann geht es schon zur Obstdiebin und wir erfahren ab etwa Seite hundertzwanzig etwas mehr von ihr und was es mit ihr auf sich hat. Da ist auch interessant, daß Handke schreibt, daß er keine Kriminalgeschichte schreiben will, weil er die als nicht Plotschriftsteller natürlich haßt. Die Obstdiebin ist eine junge Frau heißt Alexia oder auch nicht, war in Russland, will Russisch lernen, hat einen russischen Vater und eine verschollene Mutter, aber auch das stimmt wahrscheinlich nicht so ganz. Sie wird als Streunerin und Herumtrampende beschrieben, obwohl sie mal hier mal dort als Kellnerin, Zimmermädchen oder auf Flußfischmärkten gearbeitet hat. Es wird beschrieben, wie sie zur Obstdiebin wurde. Der Vater hat sie dazu, wie zu einer Mission oder Berufung, die sie hätte, dahingetrieben. Mit Ausnahmen von Trauben und Nüßen klaut sie immer nur einzelne Früchte, wie beispielsweise Birnen, die sie dann oft gar nicht ißt. Handke verfolgt sie auf ihrer Reise und da sieht sie an der Oise chinesische Flußfahrer bei deren Anblick sie beschließt das Obstdiebstum aufzugeben.

Sie flüchtet dann von Handke in einer einfachen Sprache erzählt, nach Cergy, telefoniert mit ihrem Bruder, nimmt ein Abendessen ein, landet dann in Courdimanche und nimmt dort an einer Totenwache teil. In dieser Außensicht geht es mit dem auktorialen Erzählen auf der Suche nach der Mutter, die Bankfrau ist, weiter. Der Krieg wird erwähnt, findet die Obstdiebin doch einen Napf aus Aluminium, der von einem Soldaten stammen könnte, „versteinert, wie ein Stock“ dabei, wieder so eine eine schöne Handke Wendung und die Frage der Schuld wird thematisiert.

Die Obstdiebin Alexia wandert dann durch die Au und begegnet verschiedene Tiere dabei, so kreuzt ein Hund, ein Rabe, ein Wal, ein Goldfasan und auch eine vermißte Katze ihren Weg und dann der Pizzabote Valter, der ihr das Gepäck trägt, Mühlenbrot für sie beaorgt und dann mit ihr Essen geht.

Im Cafe l´ Universe bekommen sie dann die Geschiche von dem Selbstmörder Zdenek erzählt und ein alter Mann hält eine Hymne auf Haselnüße. Sie gehen in eine kurdische Kebabbude, dort trifft Alexia eine Schulfreundin, die sie dann mit Valter verläßt, um weiter an der Grenze zwischen der Ile de France und der Picardie in einen Dschugel geraten, wo sie auch das Kätzchen wiedertreffen, das dann von seinem Besitzer abgholt wird.

Wir treffen auf eine alternde Lehrerin die im Sommer, die Geschichte spielt in derSommerhitze einen Kriminalroman schreiben will und Alexia und Valter ziehen dann in derAuberge deDieppe ab, wo si esich nacch einem Tanzabend trennen und einen Traum von der Muttter gibt es auch.

Nach einigen Hin- und her, geht es dann an die Baustelle, wo der Bruder Lehrling ist., Sie gehen auf ein Fußballspiel und am Schluß gibt es noch ein Familienfest und ich habe eine Woche lang einen sehr spannenden Text des „Deutschreibenden in der französischen Niemandsbucht“, wie auf Seite 525 steht, gelesen und bin etwas erstaunt, wie scheinbar einfach Handke es sich da macht, wenn ich so schreiben würde, würde es sicher heißen, da passiert ja nichts! Da ist keine Spannung, Handlung drinnen und außerdem ist es oft surreal und schwankt von einem Thema zum anderen. Einmal sind wir im Krieg, dann wieder im Dschungel und Uli aufgepaßt, der Nobelpreisträger gendert ebenfalls nicht, sondern schreibt von „weiblichen Maurern, Dachdeckern, Elektrikern, Zmmerleuten“, die Sprache ist sehr schön und irgendwo habe ich gelesen, daß das ein sehr ungewöhnlicher Handke ist. Das kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht so viel von ihm gelesen habe, habe das Lesen aber sehr genoßen und nein, liebes Literaturcafe, eingeschlafen bin ich dabei nicht!

2021-07-11

Machtkampf im Ministerium

Jetzt kommt ein Buch, das eigentlich schon veraltet ist, denn von einem „Machtkampf im Klassenzimmer“ oder diesbezüglich im Ministerium hat man schon länger nichts gehört, ging es im letzten Jahr ja eher um das Dauertesten, das Maskentragen und ob die für die Kinder schädlich, neurotisieend, traumatisierend oder nicht ist. Aber die Spannungen, die es in den Schulen gab, werden sich durch den mangelnden Unterricht dort, sicher nicht verbessert haben und die Deutschkenntnissse werden durch den Digitalunterricht auch nicht besser geworden sein. Es gibt vordergründig aber andere Probleme, da wird da die Abschiebung von Afghanen gefordert und der Delta Cluster im U- Ausschluß diskutiert, etcetera.

Aber der Reihe nach. 2018 hat die sozialistische Gewerkschafterin und Lehrerin an einer Schule im zehnten Bezirk, glaube ich, Susanne Wiesinger, ein Buch über den „Machtkampf im Klassenzimmer“ geschrieben, im dem sie auf die Probleme, die es an den sogenannten Problemschulen, wo alle kinder migrationshintergrund haben, gibt. Hat sie da ja beobachtet, daß sich ihre Schüler nach den Anschlag von Charly Hedo Anfang 2015, darüber eher freuten und daß es auch schwierig ist, wenn an den Schulen Broschüren verteilt werden, die die Mädchen dazu aufforderten zu ihren lesbischen Bedürfnissen zu stehen, die muslimischen Mädchen sich aber nicht einmal ihren ehepartner aussuchen dürfen und oft noch zwangsverheiratet werden.

Das Buch hat Aufsehen erregt. Ich habe es nicht gelesen aber mehrere Interviews darüber gehört und Bildungsminister Fassmann hat sie deshalb zur Leiterin einer Ombudsstelle bestellt, in der die Probleme aufgezeigt und Lösungen erstellt werden sollten.

So ist Susanne Wiesinger ein Jahr durch alle Bundesländer gereist und hat mit Lehrern, Schülern, Eltern Interviews gemacht und dabei gleich beklagt, daß ihr da zu ihrer Sicherheit Berater oder Spitzel zur Seite gestellt wurden, die ihr immer sagten, daß sie das und das, den Journalisten nicht sagen dürfe. Sie hat deshalb öfter überlegt, ihren Job hinzuschmeißen und wieder an die Schule zurückzugehen. Bildungsminister Faßmann hat sie aber immer ermutigt zu bleiben und so ist Anfang 2020, also noch vor Corona ein weiteres Buch herausgekommen, wo sie diese Schwierigkeiten, bezeihungsweise den Machtkampf, den sie im Ministerium erlebte, beschrieb. Ich habe das buch von Doris Kloimstein, die ja an Bildungsfragen auch sehr interessiert ist, überrreicht bekommen, angesichts meiner langen Leseliste es aber auf der nächste Jahr verschoben und jetzt ist ja vieles anders geworden. Also spannend zu sehen, was sich in dem Jahr verändert hat. Anfang 2020 habe ich noch einige Diskussionen darüber gehört. Susanne Wiesinger wurde, glaube ich, nach Erscheinen von ihrer Ombusfrauposition abgesetzt.Seither habe ich nichts mehr von ihr gehört und keine Ahnung, ob sie jetzt wieder an ihrer Schule ist und, wie die Situation dort ausschaut?

Jetzt sind aber ohnehin Ferien. Die Kinder ab zwölf werden geimpft, die ab sechs sollen sich in Wien dreimal wöchentlich testen lassen, um ins Bad und ins Eisgeschäft zu dürfen. Aber das fällt ja, wie in Susanne Wiesingers Buch steht, für die muslimischen Mädchen ohnehin aus, weil die ja weder mitturnen noch schwimmen gehen dürfen.

Es gibt ein Vorwort von Konrad Paul Liessmann, der auf die hohen Ansprüche, die man von der Bildung hat, hinweist, die vom jeweiligen Standpunkt gesehen, sehr widersprüchig ist und, daß die Kinder, die betroffen sind, überbleiben, beziehungsweise von den jeweiligen Parteien lustig hin und hergeschoben werden.

Von den Kontrollmaßnahmen, die Susanne Wiesinger gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit erlebte, habe ich schon geschrieben. Sie beklagte vor allem, daß die Schulleiter und die Lehrer ihre Meinung nicht frei äußern, sonder nur das sagen dürfen, was die Partei von ihnen verlangt, obwohl sie vielleicht ganz anders denken oder in den Schulen etwas anders erlebten und, daß man gleich als rechts hingestellt wird, wenn man auf Probleme aufmerksam macht. Was jetzt auch die Corona-Kritiker sehr stark erleben.

Dann kommt man gleich zu den verpflichtenden Deutschklassen. Da wurden ja seit der türkis- blauen Regierung die Schüler getrennt und die, die nicht gut Deutsch sprachen, wurden seperat unterrichtet und waren nur beim Zeichnen und dem Turnen in der Klasse. Dagegen gab es ja massiven Widerstand, weil es als diskriminierend erlebt wurde. Ich sehe es aber eher als postiv, denn wenn ein Kind aus Afghanistan kommt, nicht Deutsch kann und dann gleich in der NMS sitzt, wird es nichts verstehen und daher auch nichts lernen. Susanne Wiesinger meint aber, daß es eher, die schon hier geborenen Kinder sind, die in die Schule kommen und nicht Deutsch können und meint hier,was mich erstaunte, weil ich es anders erlebte, daß hier oft die Eltern besser Deutsch, als die Kinder können. Erstaunlich deshalb weil es ja auch eine Kindergartenpflicht gibt und die Kinder ja ständig auf ihre Deutschkennsse überprüft werden. Eine Frage ist auch das Kopftuchverbot, daß es ja, glaube ich, inzwischen in den Schulen gibt. Iinteressant ist hier auch, daß ich dle im letzten Jahr, wo ich ja in Wien wenig auf der Straße war, auch kaum Kopftücher gesehen habe und der verpflichtende Ethikunterricht, gegen den sich, glaube ich, die katholische Kirche sträubt, wurde jetzt, soviel ich weiß, auch eingeführt.

Ein Problem sieht Susanne Wiesinger in der, we sie sagt, mangelnden Mischung in den Schulen, gibt es ja offenbar Problemschule mit hundert Prozent Migrantionshintergrund, die landen dann alle in den Rest- sprich neuen Mittelschule, wie die Hauptschule jetzt vornehm genannt werden, um die Kinder oder Eltern vor dem Ran in die AHS abzuhalten, will die ÖVp ja keine Gesamtschule und sträubt sich mit Händen und Füßen dagegen. So gehen alle, die das können ins Gymnasium. Die verlieren dadurch auch an Niveau und Susanne Wiesinger beklagt auch, daß in den Unterstufen schon viele Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen gehen, die dann Schwierigkeiten haben dem Schulstoff zu folgen. Susanne Wiesinger spricht auch von sekundären oder primären Analphabetismus oder der Schweiergkeit sinnerfassend lesen oder verstehen zu können.

„Nenne drei innere Organe?“ lautet eine Frage „Ottakring und Simmering“, lautet die Antwort, das sind aber Wiener Randbezirke. Es gibt Schwierigkeiten mit der Evolutionstheorie, dem Schwimmen und Turnen, wie schon erwähnt, so daß sich manche Lehrer das nicht durchzunehmen trauen oder sich auch weigern mit ihren Schülern nach Mauthausen zu fahren, denn die könnten sich dort antisemitisch äußen und dann wären die Lehrer schuld.

Susanne Wiesinger schreibt von einer tschetschenischen Schülerin, die ihre Mitschülerin zwang den Hjiab zu tragen und von einem anderen Mädchen dem die Haare abrasiert wurden, weil sie sich zu wenig bedeckte. Dem Jugendamt hat das Mädchen dann erklärt, sie hätte sich mit Kaugummi verklebt und eine Lehrerin war sehr hilflos, daß sie ihrer Schülerin nicht helfen konnte, die sich ritze oder schnitt. Sie hat das Jugendamt verständigt, das hat aber auch nicht sehr viel getan, als eine Therapie zu empfehlen, die dann nicht angenommen wurde und Schwierigkeiten hatte Susanne Wiesinger auch bei ihrem Ombudsfraujob, da beklagte sie das mangelnde Interesse der Wiener bildungsdirektion, wie der Stadtschulrat heute, glaube ich, heißt, die Wiener SPÖ warf ihr Verrat vor und unterstellte ihr ÖVP- oder FPÖ- lastig zu sein. Sie zitiert aber auch einen Besuch in Vorarlberg, wo die Lehrer und Schuleiter alle behaupteten keine Probleme zu haben und lieber mit ihr über Politik diskutieren wollten. Susanne Wiesinger meint, daß Problemschüler, aber auch Problemschüler von einer Schule zur anderen verlagert werden, ohne daß die Schulleiter Informationen über die Problemlage bekommen.

Die Lehrer meint Susanne Wiesinger erleben in den Klassen viel, wogegen sie nichts machen können, werden immer mehr zu Sozialarbeitern und sind beispielsweise hilflos, wenn immer mehr Mädchen von den Schulen verschwinden, weil sie verheiratet wurden, etcetera. Susanne Wiesinger führt hier das Beispiel einer türkischen Maturantin an, die es geschafft hat und nicht versteht, warum das bei den anderen nicht so ist? Ihre Eltern kommen ja auch aus der Türkei, hatten aber nichts gegen die Bildung ihrer Kinder und das von drei tschetschenischen Modeschülerinnen. An der Maschine mußten sie Hijab lüften, die Männer waren dagegen. Es könnte ja ein Mann vorbei kommen und ein Stückchen Haut sehen. So wurde verdunkelt und Susanne Wiesinger bespricht die Dilemmen vor denen viele Lehrer stehen. Anpassung an die muslimischen Normen oder die Schüler verschwinden. Die Mädchen fahren nicht am Schikurs mit, weil sie dort angeblich ihr Jungfernhäutchen verletzen. Das kommt aus den Muscheen meint Susanne Wiesinger und beklagt, daß die Eltern nicht mitarbeiten wollen und ist für Strafen und Abschafffung der Mindestsicherung, wenn sie ihre Kinder nicht auf den Ausflug schicken. Da bin ich grspalten, den die türkischen Familien haben einen anderen kulturellen Hntergrund. De Kinder nur an die Werte der Schule anzupassen, trifft es da wohl auch nicht. Die Lösung wäre der Kompromiß und das Gespräch. Das ist aber mühsam und in den Schulen ist die Autonomie von den vielen Vorschriften, die aus den Ministerien von Leuten, die nichts von der Praxis verstehen, ohnedies immer mehr bedroht.

Am Schluß gibt es eine zehn Punkteempfehlung und ein sehr schöner Graphikteil wo an Hand von Schultaschen und Belistiften, die Problemlage noch einmal optisch erklärt wird. Das Buch wurde unter Mitarbeit eines Jan Thies geschrieben und ich füge am Schluß noch an, daß es trotzdem sehr gut ist, daß ich es erst jetzt, nach der Pandemie in der wir ja immer noch stecken, gelesen habe.

Denn jetzt verstehe ich den Machtkampf zwischen der Stadt Wien und dem Bund und die Entmündigung, die inzwischen ja alle getroffen hat noch viel besser und mich würde wirklich interessieren, was sich in den eineinhalb Jahren in unseren Schulen geändert hat? Ein bißchen bekomme ich das, die ich ja meine Berufslaufbahn in den Kindergärten der „Kinderfreunde“ und im schulpschologischen Dienst begonnen habe, sowie bei „Rettet das Kind“ Gastarbeiterkinder betreut habe, in meiner Praxis auch mit.

2021-07-09

Da war ich eigentlich noch nie

Filed under: Bücher,Reisebericht — jancak @ 00:40
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Im Sommer liest man Sommerbücher, auf diese idee hat mich eigentlich „leselustfrust“ vor jahren einmal gebracht, mein langer Sub hindert mich inzwischen daran, das zu tun, aber manchmal kommen die Bücher auch so auf mich zu, wie es mir mit“Der Wunderkammer des Reisens in Deutschland so“ ging, denn da gibt es ja den „Verlag des kulturellen Gedächtnisses“ das,wie soll ich sagen schöne bibliophile Raritäten verlegt. Mit der „Wunderkammer der deutschen Sprache“ hat es angefangen und jetzt geht es um das Reisen durch Deutschland, was ja in Zeiten, wie diesen ein bißchen schwierig ist oder eigentlich auch nicht, denn es sollen ja jetzt alle reisen,womit sich das Delta Virus dann auch munter verbreitet,die Maturanten es aus Mallorca nach Österreich brachten oder wie es das Cover zeigt, eine Reise in die Vergangenheit, sieht man da ja einen alten Fotoapparat, eine Frau mit einer Reisetasche und Stöckelschuhen, einenSchifahrer und und und…

„Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an das Reisen in Deutschland denken?“, wird da im Vorwort gefragt und ich, die ich ja im Nachbarland wohne, denke da an die Reisen nach Hamburg und Hannover, als Zehnjährige, dann meine Leipzig Frühlinge, die Radreise mit der Ruth 2007 von Ybbs nach Regensburg, dann die Radreise von Ulm nach Regensburg und und und von oder nach Passau sind wir auch ein paarmal mit der Anna geradelt und die ersten Reisen habe ich mit meinen Eltern auch in ihrem altenVW-Käfer unternommen.

Also in der Badewanne oder am Balkon liegen und zumindestens geistig in dem schön illustrieren Buch durch Deutschland reisen,wo wieder einmal alle diesbezügliche Bereiche erwähnt werden und es von der Vergangenheitdurch in die Gegenwart geht. Mit dem Finger auf der Landkarte kann man das natürlich ebenfalls machen und da die diesbezüglichen Zuordnungen treffen und dann gibts auch noch das Brauchtum, also die „Waldkirchner Rauhmacht“,die „Oldenburger Kohlfahr“tbis hin zur „Leipziger Buchmesse“, die ja früher im März stattfand. Es gibt das Reisen mit der Kutsche, wie man das um 1840 machte oder die Fußreisen, die früher en vogue waren. Da gibt es dann Ratschläge, was man dazu alles mitnehmen soll? Die literarischen Museen und Gedenkstätten werden auch angeführt, wie den „James Krüss Turm“ oder das „Michael Ende Museum“ in Bayern. Die Zoos werden auch angeführt und da habe ich gelernt, daß es auch einen in Leipzig gibt, da war ich noch nie führe ich an. Aber vielleicht komme ich noch einmal dorthin. Und um die ganze Welt kann man ja angeblich mit der Eisenbahn fahren oder sollte das einmal können und das Buch führt eine lyrische Kritik an „Oh Eisenbahn,was bist du kommen, hast WanderersRuhe uns genommen!“

Schon 1880 hat man sich um denUmweltschutz Sorgen gemacht und dann geht es auch schon zu den Nationalparks. Souveniers sind natürlich auch ein Thema, da gibt es die Stocknägel, die man sich mit einem hübschen Bildchen auf seinen Spazierstock pinnen kann und dann sind wir auch schon bei den Hotels und was die machen, damit die Gäste nicht die Bademäntel oder das Leintuch als Souvenier mitnehmen?

Da fällt mir Heinrich Spoerls „Wenn wir alle Englein wären“, ein Buch von meiner Großmutter, ein ,wo das da auch einmal ein Thema war. Dazu passen dann die Kurorte mit ihren Kurschatten. Das hat ja Stefan Zweig, glaube ich im „Brennenden Geheimnis“ ganz schön beschrieben, wo der Knabe eifersüchtig auf den Liebhaber der Frau Mama war, sie dann aber nicht verriet. Das Rotlichtmilieu muß natürlich auch erwähnt werden. Da gab es ja in Berlin in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren regelrechte Bordellführer, die die Touristen anlockten oder auch in die Irre führten und eine „Dampfschifffahrt ins Reintal“ und wie das 1828 so war, wird auch beschrieben. Zum Kunstgenuß gehören außer den schon erwähnten Schriftstellerstuben, auch die Freiluftmuseen.

1862 ist Theodor Fontane durch die Mark Brandenburg gewandert und hat ein Buch darüber geschrieben, das Sagen, Ortsbeschreibungen, Geschichen, etcetera, enthält. eine über das Schloß Freienwalde, das Witwe von Friedrich Wilhelm II bewohnte, die von ihren Enkelkindern dort oft besucht wurde, ist in dem Buch auch abgedruckt und Johanna Schopenhauer hat sich 1828 über die reisenden Engländer im Rheinland die ihrer Meinung nach arrogant auftraten und „Die ganze Ordnung“ störten, mokiert.

Dazu passen die Auszügeaus einem Englisch- Lehrbuch für Kellner ,1924, denen beigebracht wurde, wie man sich auf der Station im Hotel und auch beim Billardspielen unterhält. Dann kommen die Zimmermädchen an die Reihe, die 2019 beschrieben, wie sich die an den Gästen revanchieren, die Zahnbürsten benützen, mit den Handtücher das Klo reinigen, die Kleider anprobieren, etcetera.

Otto Julius Bierbaum hat 1909 das „Erste Autoreisebuch der deutschen Literatur“ geschrieben und meinte „Es wird zwar, wie ich glaube, nicht mehr lange dauern und das Reisen im Automobil ist etwas gewöhnliches , vor der Hand aber gehören löngere Reisen dieser Art noch zu den Seltenheiten“

Hinweise für den Familienausflug gibt es auch, sowie eine kurze Geschichte des Verkehrsfunks, wo das Bild von einer Reihe von VW-Käfers die im Stau stehen am Beeindrucksten ist und Ludwig Ganghofer hat 1892 den Radführerschein gemacht, den man damals offenbar brauchte und dann über seine Radtouren geschrieben.

Radtouren für Frauen, beziehungsweise Bücher darüber gibt es auch. Das hat die Radfahrpionierin Amalie Rother 18987 geschrieben und darin auch erklärt, warum sich die Französinnen nicht auf Radtouren machen. Denn Ersten waren sie zu unselbständig, zweitens konnten sie ihren Kosmetikkoffer nicht auf das Rad mitnehmen. Obwohl es schon damals den Service gab, sich seinen Koffer ins Hotel vorschicken zu lassen.

In der DDR war das Campen sehr beliebt, weil es zu wenige Hotels gab. Die Campingplätze haben meist auch sehr schöne stimmige Name und wenn man in der DDR schon campte, hat man da wahrscheinlich auch fotografiert. So hat in den Neunzehnhundertfünfzigerjahren Walter Dreizner, der 1961 bei seinem Bruder in den USA war, in die DDR zurückkehrte, was er bereute, 1957 einen „Urlaubsfotoratgeber“ herausgegeben, wo er Tips gab, wie man „Die Sonne ins Bild“ bringt oder die Köpfe auf den Fotos nicht abschneidet.

Johanna Schopenhauer, die Mutter des Philosophen,die sich ihr Leben, als Reiseschriftstellerin verdienen mußte und die offensichtlich sehr kritisch war, hat noch einen Artikel über lärmende Kinder im Hotel, die sie störten geschrieben und dann geht es beim Thema Reisen auch sehr wichtig, zur Eisenbahn und da um den Knigge, beziehungsweise dem richtigen Benehmen im Zugabteil eine „Mitropa-Speisekarte“ aus dem Jahr 1957 ist abgedruckt. Da konnte man Ochsenschwanzsuppe und PragerSchinkenbrot um drei Mark neunzig zum Frühstück essen und ein Gedicht aus der „Mitropa-Zeitung“, wo einer die „Kraftsuppe“ lobte ist auch abgedruckt:

„Ich sitze gern an schönen Tagen, so mittags zwischen zwölf und zwei, im weißgedeckten Speisewagen, bei einer Tasse Kraft mit Ei“.

Dann gehts um Fliegen und das ist auch interessant. Denn darüber haben sowohl Kafka als auch Ringelnatz gedichtet.

Das Kegeln und das Golfen wird beschrieben und dann natürlich auch das Schifahren und wir haben uns durch das Buch gelesen. Der Urlaub ist vorbei. Da gibt es auch einen Artikel und ich kann das schön illustrierte Buch wieder nur in den höchsten Tönen loben und das Lesen in Zeiten, wie diesen, wo man nach seinem Mallorca- oder wo auch immer Urlaub vielleicht in Corona-Zeiten in Quarantäne muß, sehr empfehlen. Am Balkon oder auf der Terrasse kann man das vortrefflich, muß dabei weder Maske tragen noch einen 3G-Nachweis bringen und ist so auf diese Art und Weise sowohl durch Deutschland, als auch durch das letzte Jahrhundert gereist.

2021-07-08

Micky Cola

Filed under: Bücher — jancak @ 00:43
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Jetzt kommt ein ungewöhnliches buch, mit einem ungwöhnlichen Cover und einem ungewöhnlichen Autor aus dem „Gmeiner-Verlag“ Nein der „Gmeiner-Verlag“ ist für den 1957 in Wien geborenen Gerhard Loibelsberger, der die „Naschmarktmorde“ und das „Schönbrunner-Finale“ geschrieben hat,nicht ungewöhnlich. Das Genre ist es, handelt es bei seinem neuen Werk doch, wie am buchrücken stehtum einen „futuristischen Thriller“ und dann steht noch „Dies ist die Story eines Songwriters, der seine Epoche in Liedern von seltener Kraft und archaischer Schönheit beschrieb.“

„Aha, könnte man da sagen, denn daß Gerhard Loibelsberger vielleicht auch nochMusiker ist oder war ist nicht so ungewöhnlich, da hat er anerkannte Kollegen, auf die das auch zutrifft, vielleicht sind also die elf Songsm die man sich auf sein Hand hinunterladen kann, von ihm sein. Auf einer der ersten Seiten steht noch, daß das Buch einem Mike Lynn gewidmet ist, mit dem er vor vielen jahren die Figur des Micky Cola erfunden hat und dann noch, daß alle schokierenden Passagen der Ex-Frau gewidmet sind. Die arme Frau könnte man denken, denn wahrscheinlich kann viel in dem Buch als kraftvoll oder schockierend empfunden werden. Es gibt zwischen den Kapitiln, die englische Namen tragen Illustrationen, ein „City Rap Glossar“ gibt es auch, wo erklärt wird, daß „bitsch“ „Hündin,Schlampe“ und „bien sur“, „na sicher“ heißt, was insofern erwähnendswert ist, daß in dem Buch viel Französisch gesprochen wird und dann sind wir schon in der schönen neuen Zukunftswelt und natürlich ist die nicht schön sondern dystopisch.Das kann in Corona-Zeiten garnicht anders sein. Es ist eineWelt wo das Coca Cola, das Einheitsgetränk ist. Das mag vielleicht noch von früher stammen und der Micky Cola wird eigentlich nur MC genannt. Der ist ein Popstar oder Rocksängder und irrt im ersten kapitel durch eine regendüstere Welt in seinem Trenchcoat, findet überall verstümmelte Leichen, hat auch kraftvolle Sexerlebnisse und eine bmt-Technologie (brainsteered micortechnolgy), das ist ein plasmartiger Mikrochip, die den humanoiden Normalverbrauchern hinterm Ohr implantiert wurde. Es gibt kein Geld mehr und nur die Außenseiter wie auch MC einer ist, verwenden noch solches. Aber der hat auch einen Avatar oder eine kyernetische Hündin, die er durch Kaugummi kauen ernährt. Klingt ganz schön kompliziert und ist es auch das erste Kapitel, wo noch vieles von der futruristischen Gewalt in der futoristischen Welt erklärt wird.

Dann wird MC verhaftet, muß in die „Mmines of Waste“ zur Zwangsarbeit. Aber von dort wird er von der schönen la Madame der das „South Florida Mines of Waste“ gehört, wo es noch Sonne und Gemüse gibt, während der Normalverbraucher ja in einer Regenwelt lebt, befreit. Buns fliegen herum und im dritten Kapitel kommt er dann in „Hells <kitchen“ wohnt dort in einem Hotel, das von einem halben Zebra geführt wird. Das er dann auch fick. Der Koch ist eine Fledermaus, und die erklärt ihm, wie die Normalverbraucher ernährt werden. Dda gibt es „Frankn´ furter Dogs, Champignon gratinee, Monkey burgers, die alle aber aus was ganz anderem, als erwartet, bestehen. Reis ist die Mangelware und den bekommen nur die Oligarchen und im nächsten Kapitel zieht MC überhaupt in den Krieg gegen die „Wiedervereinten Nationen“.

Da wird er dann Wolfsmann genannt und begegnet im nächsten Kapitel Gott, der sein Vater ist und der ihm dann alles, was man vielleicht bisher noch nicht verstanden hat, noch einmal erklärt. Es git die „Knights of knowledge“ und auf einigen Seiten sind nur Großbuchstaben geschrieben, die das Lesen fast unmöglich machen.

Das Cover ist bunt und im Coca-Cola Stil. Es könnte, fürchte ich, Kinder auf das Lesen aufmerksam machen, wofür dasBuch absolut nicht geeignet ist. Aber interessant schreibe ich mal, die Altherrenphanatsien des ersten Weltkriegsspezialisten und die aktuelle Corona Situation, die einen ja wirklich in Dystopien bringen kann, mag da wohl auch förderlich gewesen sein.

2021-07-07

Das Duell

Filed under: Bücher — jancak @ 00:58
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jetzt kommt ein Geburtstagsbuch au dem Jahr 2019, ja ich bin spät daran, denn da habe ich mir von der Anna ja einen „Thalia-Gutschein“ schenken lassen, mir fünf Bücher dort besorgt und erst den „Hammer“ davon gelesen. Jetzt kommt Volker Weidermanns, dem FAZ- oder Spiegelredakteur, der das literarische Quartett geleitet hat „Ostende“, „Träumer“, über die Weimarer Rebublik geschrieben hat, „Duell“, die Beziehung zwischen dem deutschen Kulturpapst Marcel ReichRanicki und dem Nobelpreisträger Gunter Grass daran. Und das ist ja zweifellos ein Buch,das mich interessiert, habe ich ja, glaube ich, sogar ein Buch Reich Ranickis über Günter Grass, habe ein paar seiner „Quartette“, ich bin ja keine Fernsehfrau, gesehen, sein Buch „Mein Leben“ gelesen und nach seinem Tod, 2013, den sehr berührenden Film darüber gesehen.Von Günter Grass habe ich glaube ich, einiges, aber nicht sehr viel gelesen, ihn einmal bei einer Ausstelungseröffnung im Wien Nuseum, wo er grüßend hereingekommen ist, er war damals, glaube ich, schon Nobelpreisträger und auch später einige Male in Leipzig gesehen.

Volker Weidermann beginnt mit einem Foto,wo zwei alte Herren in Lübeck zeigt, als Grass „Weites Feld“ erschienen ist, das ich gelesenhabe, hat MRR es im „Quartett“ zerissen, was dann auf dem „Spiegel-Cover“ abgebildet war und als sie sich das letzte Mal gesehen habe, hätten sie sich, wie, einer ausrief, umarmen sollen,es aber nicht getan.

Dann geht es in die Jugend und in das dritte Reich zurück, denn der eine wurde ja 1920 in Wloclawek, der andere 1927 in Danzig geboren, MRR oder Marcel Reich, wie er damal hieß, war der Sohn einer von der deutschen Literatur sehr begeisterten Mutter, die ihm die Liebe zu dem Land beibrachte. Der Neunjährig ewurde in das Land Goethes geschickt, machte dort Abitur und wurde noch bevor er studieren konnte, nach Polen ausgewiesen, lebte dort mit seinen Eltern in der Wohnungseines Bruders, der Zahnarzt war, lernte seine Tosia kennen, deren Vater sich erhängte, wurde, als die Deutschen kamen, Dolmetscher im Judenrat, wurde ins Ghetto einquartiert, wo er die Todeslisten schreiben mußte. Seine Eltern wurde deportiert, er floh mit Tosia im Februar 1943 überlebte den krieg durchs Geschichten erzählen bei einem Arbeiterpaar und meldete sich dann mit Tosia bei der polnischen Armee, wo sie in der Zensurabteilung beschäftigt waren, während GG in Danzig ein begeisteter Hitler-Junge, aber auch von der deutschen Literatur sehr begeistert war, beide haben viel gelesen und Karl May, glaube ich, nicht besonders gemocht, grass hat sich dann, bevor der Kunstbegeisterte studieren konnte, mit siebzehn zur Waffen SS gemeldet, worüber er lang geschwiegen hat und sich erst später in der „häutung der Zwiebel“,glaube ich,outete. er wurde 1948 an der Kunstakademie in Düsseldorf aufgenommen,seine Anna heiratete, die 1954 mit seiner Schwester, seine Gedichte an die „Gruppe 47“ schickte, worauf er dann dort eingeladen wurde. Er lernte dort die Bachmann und Celan kennen, ging mit Anna nach Paris, wo er an seiner „Blechtrommel“ zu schreiben begann.Reich-Ranicki oder Ranicki wie er seinen Namen in Polen umwandeln mußte wurde erst 1994 entlarvt, daß er für den polnischen Geheimdiest gearbeitet hat. Er ging mit Toisia als Botschafter nach London, wurde dort aber, weil zu arrogant und nur über Literatur und Musik schwafelnd, diffamtiert ,zurück beordert, kam ins Gefängnis wo er Anna Sehers „Siebentes Kreuz las, die neben Thomas Mann ein weiteres Idol für ihn wurde. 1958 lernte er im Hotel Bristol inWarschau Günter Grass kennen, den er zuerst für einen bulgarischen Agenten hielt. Bei der Gruppe 47 gewann die „Blechttrommel“ aber den Ppreis der Gruppe. Reich Ranicki, derinzwischen nach Deutschland zurückgekehrt war,veriß und hielt „Katz und Maus“ den dritten Teil, der „Danziger Trilogie“ für das bessere Buch, schrieb in allen Redaktionen wieder unter den Namen Reich Kritiken und stieg bald, als haber Pole, halber Deutscher und ganzer Juder zum gefürchtesten Kritiker Westdeutschlands auf, der alles wollte, nur nicht als unterwürfig und sich als Bittsteller gebärdend.

Das Duell, der Konkurrenzkampf zwischen Kritiker und Staatsdichter, der manchmal auch als privat bezeichnet wird, Weidermann nennt es auch Boxrunden,geht weiter, Grass schreibt den dritten Teil seiner Danzinger Trilogie, schreibt auch Gedichte, die außer die, die politisch sind, MMR gefallen, Grass beginnt für Willy Brandt, dem SPD-Politiker Partei zu ergreifen und erregt sich auch über den Bau, der Berliner-Mauer am 13. August 1961 und empört sich da über das Schweigen der Schriftsteller, etwas, was man, wie vieles andere, in dem Buch, auch auf die heutige Situation beziehen kann.

Nach den „Hundejahren“ kam das „Tagebuch einer Schnecke“, da ist, glaube ich, MRR als Geschichtenerzähler verewigt. Dafür will er Honor, bekommt ein Auqarell versprochen und einen „Butt“ serviert. Er haßt zwar Fische und hat Angst vor den Gräten. Der nächste große Roman wird aber erscheinen und MRR bekommt endlich in der FAZ eine fixe Anstellung. In der Hamburger „WELT“ hat man sich vor den „Rabauken“ gefürchtet. Er geht dann auch in Pension, und bekommt das „Literarische Quartett“ als Gegenleistung. Da wird dann zuerst das Indientagebuch, denn dorthin ist GG vor MRRs scharfer Zunge geflüchtet, zerrissen. Später passiert das dann, wie schon beschrieben mit dem „Weiten Feld“, den Fontane-Roman, der in den Neunzigerjahren, nach dem Zerfall der DDR erschienen ist und eine lebenslange Haßfreudschaft scheint geboren.

1999 ist dann MRRs berührende Biografie herausgekommen,der den arroganten überheblichen Kritiker in einem anderen Licht sehen ließund GG hat den Nobelpreis bekommen. Da gab es, glaube ich ,noch einen Kampf bezüglich der Gratulation und dann kommt es, schreibt Weidermann zu der Frage, wer den Kampf grwinnt?

Der, der länger lebt? Das wäre Günter Grass der am 13. April 2015 in Lübeck gestorben ist, da waren wir gerade in Ungarn, Marcel Reich-Ranicki, da gab es vorher noch den Skandal um den Fernsehpreis, den er nicht genommen hat und Werbung für das Telefon hat er, glaubeich, auch gemacht, ist am achtzehnten September 2013 gestorben, war aber älter.

Also hätte er das Duell wenn es wirklich eines gegeben hat, gewonnen, der eine hatte eine Holocaust- Vergangenheit und ist dann zum scharfen deutschen Kritikergeworden. Der andere hat seine Hitler Jugend vielleicht nie kompensiert, hat sich dem Realsozialismus und der SPD zugewandt und so waren die beiden, die beide aus Polen kamen, sehr verschieden und ich schließe das Leseerlebnis mit der Feststellung, daß ich mehr GG lesen sollte und auch das „Mein Grass-Buch“ wiederlesen., Ich habe da ja einiges in den Regalen, aber leider keine Zeit. Die Weiderische Kurzfassung ist wahrscheinlich nurein Ersatz und eine Erinnerung und, daß es keine Kritiker mehr a la MMR gibt, bin ich eigentlich sehr froh, denn ,ich glaube, daß niemand beurteilen, kann was jetzt ein gutes oder ein schlechtes Buch ist. Dieses füge ich an, war aber interessant und wieder viel gelernt.

2021-07-04

Corona in Buchenwald

Filed under: Bücher — jancak @ 00:54
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Jetzt habe ich meinen vor einer Woche geposteten Vorsatz,diesmal kein bei der Lese.Auslese vorgestellten Bücher zu bestellen, gebrochen, denn ich bin ja eine Sammlerin von CoronaBüchern und habe einige von ihnen schon gelesen, bin aber an dem Corona-Buch des 1929 geborenen ivan Ivanij, dem österreichisch- serbischen Diplomaten und Schriftstellers, der einmal Dolmetscher Titos war,vorüber gegangen, habe ich von ihm doch schon einige Bücher gelesen und wahrscheinlich „Nicht schon wieder Buchenwald!“, gedacht und „Was kann ein über Neunzigjähriger über Corona schreiben?“ Wieder einmal weit gefehlt und sich sehr geirrt. Denn das Buch, ich habe wieder ein E-Book gelesen, ist höchst interessant, humorvoll geschrieben und zeigt eine ganz andere Seite des Themas auf, mit dem ich mich ja selber sehr intensiv beschäftigt habe. Wir schreiben April 2020, der fünfundsiebigjste Jahrestag der Befreiuung des KZ-Buchenwalds und da war eine große Feier geplant. Neunundvierzig Überlebende sollten mit ihren Begleitern anreisen. Dann kam Corona und alles wurde natürlich abgesagt. Zwölf der alten Herrn hielten sich nicht daran und stellten den Antrag auf eigene Kosten doch kommen zu können. Es wird beraten. Lehnt man ab, hat man schlechte Nachrede. Also müßen alle unterschreiben, daß sie es auf eigenes Risko unternehmen und werden in dem berühmten Hotel Elephant in Weimar einquartier. Einer der alten Herren ist offenbar ein Alter Ego des Autor, Sascha oder Alexander Mihalyi-Mihajlovic, der seinen Namen öfter gewechselt hat. Er kommt mit Sohn und dessen Freundin angereist und wird gemeinsam mit dem Amerikaner Franco, der eigentlich ein Italiener ist in das Hotel gefahren. Dort werden sie begrüßt, eine junge Ärztin bringt einen Fragebogen und verspricht eine spätere Untersuchung. Die anderen reisen an und am nächsten Morgen erleidet Franco schon beim Frühstück einen Hustenanfall. Er wird sofort ins Universiätsklinkum in Jena transportiert. Vor der Türe formieren sich die maskierten Wächter, die allen befiehlt im Speisesaal zu bleiben. Der russische Militär Igor spricht von der SS. Die eleganten Politiker beruhigen, Alle müssen in ihre Zimmer in Quarantäne. Dorthin wird eine Videokonferenz verlegt, Saschas Sohns übernimmt die Moderation und Sascha, der sich den „Decamerone“ mitgebracht hat, schlägt vor, den in den Quarantänetagen nachzuspielen. Denn da war ja im vierzehnten Jahrhundert, die Pest in Florenz und so haben sich zehn junge Leute mehr oder weniger schlüprige Geschichten erzählt. Die junge Ärztin, die alle untersuchen muß, heißt Gerda Meier. Ihr Urgroßvater war ein großer Nazi. Sie hat deshalb Schuldgefühle und sich von ihrer Familie getrennt. Das Hotel übernimmt alle Kosten und bietet sogar koschere Küche an, die die elf Atheisten nicht wollen und außerdem in der Hotelküche höchstwahrscheinlich gar nicht richtig durchzuführen ist. So erzählen die alten Herren, die aus allen Teilen der Welt kommen, Botschafter oder Zeugen Jehovas sind und nicht alle Juden waren ihre Geschiche. Einige handeln von den Zuständen im KZ, wo es einen griechischen Boxer gab,einen spanischen Freihitskämpfer, der von JorgeSeprun geschützt wurde. Der Dichter H. G. Adler, dessen Gedichte ich gelesen habe und die auch in der „Gesellschaft für Literatur“ vorgestellt wurde, wird erwähnt, sowie Ovids Verbannung an das schwarze Meer und der Golem wird natürlich auch erwähnt.

Nach und nach erweitert sich auch der Bewegungsradio der elf Buchwaldianern, am 11. April, dem Befreiungstag dürfen sie sogar von einem Kamerateam begleitet ins KZ fahren. Da kommt auch der alte Franco mit dem Krankenwagen hin, wird von seiner Enkelin, einer indianischen Ureinwohnerin, wie man das jetzt ja sagen muß, begrüßt. Es gibt auch eine junge Holländerin, die nach Anne Frank benannt wurde und ihrer Namensvetterin, beziehungsweis deren Vater Otto, eher kritsch gegenübersteht und eine schöne Geschichte von einem Jungen, der operiert werden mußte, aus der narkose dann hinuausgeprügelt wurde und enttäuscht war, weil er da gerade in dem Lager Bergen Belsen, wo er sich befand, von Zwetschenknödeln träumten.

Franco kommt auch zurück und erzählt seine Geschichte, die Quarantäne ist herum, die Arztin betont, daß man noch so wenig über dieses Virus weiß, rät allen sich weiter untersuchen zu lassen und wundert sich, daß von den zwölf nur einer erkrankte und dieanderen negativ waren. Dann verläßt man wieder Buchenwald und kehrt zurück in sein Leben und ich denke, daß die Verknüpfung zwischen Buchenwald und Corona eine interessante Variante ist, die sich da der alte Dichter über die Pandemie ausdachte oder, wie er sie für seine Themen verwendete.

2021-07-01

10 Tage im Herzen der Ferne

Filed under: Bücher — jancak @ 00:46
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Ein neugierig machender Titel und ein Buch über Albanien, was für mich der Ausschlag war, mich dafür zu interessieren. Im Sommer einen Roadtrip machen. Eine Reise in ein mir unbekanntes Land, das ist interessant und, wie dann in dem Buch zu lesen stand, daß von einem Manager namens Nico Mateew stand, der bulgarische Wurzeln zu haben scheint, mehr biografische Angaben waren nicht zu finden, kommt oft manches anders, als man denkt und das ist dann der Reiz daran. So ist das Buch, das ist auch interessant im „Book on Demand Verfahren“, das die „Randome Verlagshausgruppe“ anbietet, erschienen ist, sondern eher die Geschichte eines Ausstiegs mit anschließender Sinnerfüllung. Wieder etwas Philosphoisches, aber leichter zu lesen als der Liebeskrimi von Sabine Haupt und auch gut nachvollziehbar. Beginnen tut es mit den Ferien bei der Großmutter und ihren Kalendersprüchen. Der Sinnvollste davon lautet „Wer wenig braucht ist frei“, etwasm was das Kind oder Jugendliche damals nicht verstanden hat. Dann kommt das Öpkonomiestudium und der der Einstieg in eine Firma, was alles im ersten Teil „Der Werdegang“ an Hand von leicht erfaßbaren Metaphern erklärt wird. So erlebt er gleich die Pensionsfeier eines Kollegen. Der Chef lobt ihn sehr, am nächsten Tag ist er vergessen. Ein Kollege fragt ihn, warum er den ganzen Tag in den Computer schaut? Die Kollegen tragen alle Anzüge und Kostüme und verbergen darin ihre Persönlichkeit. Eines Tages übergibt ihm der Chef ein paar Schachteln mit dem Auftrag das Archiv zu ordnen. er verschiebt die Schachteln, weil er nicht weiß, was er damit anfangen soll. Eine Woche später räumt der Portier die Schchteln weg und der Chef bringt neue, was fast an Kafka erinnernd könnte. So geht es ins erste, zehnte, elfte Jahr. Er findet eine Frau, bekommt drei Kinder und fährt einmal zu der väterlichen Familie nach Bulgarien, wo ihn der Onkel erstaunt fragt, was er so macht? Er kommt zurück, erleidet einen Bandscheibenvorfall, muß in die Röhre und beschließt sich dann nochmals Urlaub zu nehmen und nach Albanien zu fahren und dort einen Film über das Land und seine Küche zu drehen. Dazu sucht er sich zwei Filmemacher ,einen Chinesen und einen Amerikaner, bucht sich einen Fremdenführer und bricht in das arme Land auf,über das er sich vorher bei „Wikipedia“ informierte. im Flugzeugkommen sieschon mit dem abgeschobenen Edy ins Gespräch, der Chinese hat sich für das arme land underdressend angezogen und fällt damit auf und der Fremdenführer bringt sie statt, wie ausgemacht zu einem Taxifahrer, zu seinen Schwiegereltern, wo das erste Essen stattfindet. Der Schwiegervater serviert Raki, das selbstgebraute Nationalgetränk und hat Schwierigkeiten, die, wie auch die anderen, vorgefertigen Fragen, wie „Was verdienen Sie?“ und „Was sind ihre größten Sorgen?“ zu beantworten. Am nächsten Tag kommt der Fremdenführer zu spät in das Hotel, dann kommen sie auch zu spät zu dem Biobauern, wo das nächste Interview stattfinden soll. Das macht aber nichts, stellt sichheraus, denn der Koch, den sie am Nachmittag interviewen, wäre auch zu spät gekommen. Der ging in den Neunzigerjahren nach Italien als Hilfsarbeiter, lernte dort das Kochen, errichtete in Rom ein Restaurant und ging dann, eine typische Antwort, um seinem Land etwas zurückzugeben nach Albanien zurück und errichtete auch ein Restaurant, wo er die traditionelle Küche etwas revolutionieren wollte. Vier Großmütter sollen das laut plan in der küche ausprobieren und über das land schimpfen. Sie kommen aber herausgeputzt, bekommen im Extrazimmer serviert und sind eigentlich recht zufrieden oder merken keinen Unterschied. Der Kindergarten Nr. 34 wird besucht, denn die sind, wie, glaube ich, auch in der SU alle nummeriert und tragen keine putzigen Namen, wie „Schneewittchen“ oderso.Die Kindergärtnerinnen tragen, was für uns ein wenig altmodisch wirkt, sterile weiße Kittel und die Köchinheißt Salije, was auf Albanisch die „Tugendhafte“ bedeudet, was Nico Mateew immer genau anführt, will ihrem Land auch was zurückgeben und kocht daher immer frisch mit naturbelassenen Lebensmittel und schüttelt den Kopf auf die Frage, ob das biologisch ist, weil sie mit diesem Begriff nichts anfängt und auch interessant in Albanien gibt es keinen McDonald`s weil, wie der Fremdenführer meint, sich niemand dafür interessiert oder die Lebensmittel nicht aus heimiischen Anbau hätten stammen dürfen. Sie reisen dann nach Berat der Stadt mit den tausend Fenstern und erleben unvergeßliche Stunden bei einer Familie in einem kleinen Haus, wo sie keine Ahnung haben, wo die Bewohner schlafen, verspeisen dann in einer Tankstelle, den von einem TV-Koch bekommenen kuchen, besuchen ein Galadinner, das der Präsident für seine Bürger gibt. Da kommen sie zu spät, weil der Fremdenführer vorher auf einer Autobahn halt macht, um sich mit einer Frau, die dort auf einem Fahhrad Popcorn verkauft, zu unterhalten. Kommen aber doch rechtzeitig und erfreuen sich an den Tanzenden, die alle glücklich „Albanien, Albanien!“, singen, was man in Deutschland wohl nicht so tun könnte.

Von einem Restaurant geht es zum anderen. Eines befindet sich in einem Bunker, in einem anderen Spitzenrestaurant werden in Vorraum die Speisen billig an die Leute verkauft, die sich die Sternpreise nicht leisten können. Ein anderer Restaurantbsitzer dreht den Fragebogen, den Nico Mateew mitgebracht hat, einfach um und stellt die Fragen an die Filmemacher. Aber da ist es schon klar, daß die Aussteiger, die Seele und die Zufriedenheit in dem kleinen, angeblich so armen Land, das auf Nachhaltigkeit setzt, weil ihm gar nichts anderes überbleibt, gefunden haben. Nach zehn Tagen geht es dann zurück .Nico Mateew erflebt ein Weihnachtsfest mit seiner Familie und reist dann später mit dieser nochmals hin, um die Großmutter Domenica zu besuchen und auch die Töchter erkennen, daß es in Albanien glückliche Menschen gibt.

Ein interessantes Buch, das einen sehr ungewöhnliches Blick auf ein bisher wahrscheinlich unbekanntes Land bietet. Ein richtiges Sommerbuch könnte man meinen, das Lust auf eine Reise nach Albienen macht, die der Alfred auch starten will, obwohl Nico Mattew seine unvergeßliche Reise ja im Dezember machte und zehn Tage, sowohl für einen Film, als auch für einen Selbsterfahrungstrip wahrscheinlich viel zu kurz sind.

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