Literaturgefluester

2018-05-26

Drei Todesfälle

Nun wird er also nicht mehr, wie immer spekuliert und darüber gelächelt, daß er angegeblich jedes Jahr am Tag der Nobelpreisvergabe zu Hause bleiben und auf den Anruf warten würrrde, den Nobelpreis rbekommen und das nicht nur, weil der, da die Kommission zerstritten und Skandal geberutelt, diesen heuer nicht vergeben wird, denn der 1933 in Newark geborene große Amerikaner, Philip Roth, ist am 22. Mai in New York gestorben.

Von der Literatur, beziehungsweise dem Schreiben, hat er sich schon 2012 zurückgezogen. Ich habe von ihm, obwohl ich  die großen amerikanischen Literaturvorbilder, weil mir zu sexlastig, nicht so gerne mag, einige Bücher gelesen. Auf seine Spur bin ich vor einigen Jahren gekommen, als es die „Libro-Bestselleraktion“ gab.

Damals gab es noch keine offenen Bücherschränke, ich war aber schon immmer eine Büchersammlerin und es war für mich, da etwas schüchtern, auch eine gute Übung in die Filiale zu gehen und nach dem Buch zu fragen. Denn war es auf der Bestsellerliste und nicht in die Filiale, hat man es geschenkt bekommen. Das hat beim „Amerikanischen Idyll“ zwar etwas und einige Nachfragen gedauert, aber das war mein erster Roth, den ich damals, das war Ende neunzig, gelesen habe und damals habe ich den Philiph sogar noch mit dem Gerhard verwechselt, beziehungsweise nur den letzteren wirklich gekannt.

Drei Todesfälle heißt der Artikel in dem ich wieder etwas allgemeiner über die Literatur und meine Ansichten über das literarische Geschehen schwatzen möchte und der Erste von dem ich erfahren habe, war der 1933 geborene Tom Wolfe, von dem ich 1989 sehr eifrig und sehr beeindruckt, das „Fegefeuer der Eitelkeiten“ gelesen habe.“

Der ist auch ein großer Amerikaner und am 14. Mai gestorben. Davon habe ich, glaube ich, durch „Lit 21“ den Mega-Literaturblog erfahren, der die wichtigsten literarischen Blogartikel zusammenfaßt.

Philip Kerr, der große Schotte, 1956 in Edinburgh geboren, von dem ich das „Wittgensteinprogramm“ gelesen und den ich sogar einmal bei einer dieser Kriminächte in der Hauptbücherei  gesehen habe, ist  schon am 23. März, in London gestorben. Davon habe ich aber,  glaube ich, erst vor ein paar Tagen durch einen Booktuber gehört, der in seinem Nachruf eine Zusammenfassung seiner wichtigsten Bücher gegeben hat, die er, wie er dazu sagte, sehr gemocht hat.

Mir hat das „Wittgensteinprogramm“, glaube ich, gar nicht so sehr gefallen, habe aber noch ein paar anderer Kerr-Bücher auf meiner Liste beziehungsweise mal im Schrank gefunden. Mal sehen, wann ich zum Lesen komme, das ist ja bei mir nicht immer so einfach, aber der Tod, der drei bekannten internationalen Autoren von denen ich einiges gelesen und gesammelt habe und den jüngeren der drei sogar einmal selbst gesehen habe, hat mich sehr beeindruckt.

Von Tom Wolfe, den man nicht mit dem anderen großen Amerikander, Thomas Wolfe, von dem ich „Schau heimwärts Engel“ in der Altausgabe gelesen habe, verwechselt sollte, was mir ja immer sehr leicht passiert, weil ich auf Philip Kerr ja auch erst durch Judith Kerr, deren „Rosa  Kaninchen“ ich vor langer Zeit im Radio hörte, gekommen bin, beziehungsweise deshalb im Bücherschrank nach dem „Wittgensteinprogramm“ gegriffen und gedacht habe, das ist vielleicht ein Verwandter, habe ich auch noch einige ungelesene Bücher.

Mal sehen, ob ich sie lesen werde. Es ist aber sicher gut, sich von den drei großen Schriftstellern zu verabschieden, in dem man an sie und an die Bücher, die man von ihnen gelesen hat, denkt und sich vornimmt, die ungelesenen zu lesen, obwohl das angesichts der Bücherflut von der wir umgeben sind, sicherlich nicht so einfach ist, aber vielleicht nehmen die Büchhandlungen, die Bücher der drei von der Backlist und legen sie auf ihre Hauptstapel auf.

Bei Philip Roth, dem bekanntesten der drei, wird das wohl so sein. Zumindest hat Gunnar Kaiser, dessen Debut ich kürzlich gelesen habe, das schon mit dem „Menschlichen Makel“, den ich ebenfalls gelesen habe,  getan und das Buch in seinem „Kaiser TV “ besprochen.

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2018-05-24

Schreckliche Gewalten

Jetzt kommt Buch fünf von meiner Backlist in diesem Jahr, um dieses Buchhandelsfachausdruck zu verwenden, den ich eigentlich nicht mag und Buch achtzen des dBp 2017, während die dBp-Jury 2018 zu der interessanterweise auch der „Kaffehaussitzer“ gehört, der ja den „Buchblog-Award“ gewonnen hat und schon bei den offiziellen Buchpreisbloggern war, also diese große Ehre nicht mehr gewinnen konnte.

Ich blogge ja seit 2015 für mich selbst und  die deutschen Buchpreisbücher 2017 und habe jetzt auch alle, siebzehn schon im vorigen Jahr beim offiziellen Lesen, mir Jakob Noltes „Schreckliche Gewalten“ zum Geburtstag schenken lassen und Buch neunzehn und zwanzig,  „Schlafende Sonne“ und Flugschnee“ habe ich im Jänner bekommen, als wir zum Umtrunk der zum Geburtstag bekommmenen Riesenflasche geladen haben und „Schreckliche Gewalten“ des 1988 geborenen Jakob Nolte, leider gibt es in dem „Matthes & Seitz-Bändchen“ keine biografischen Angaben, so daß ich das erst googlen mußte, das im Vorjahr auf der Longlist stand, ist sicher ein sehr interessantes Buch.

Ob es leichter oder schwerer zu lesen, als Lehr „Schlafende sonne“ ist, wird sich, wenn überhaupt, erst nächstes Jahr entscheiden. Es ist aber nicht, wie ich irgendwie dachte, ein Wehrwolfroman, sondern Nolte wird mit Schwitters und dem jungen Georg Klein verglichen, von der experimentellen Sorte und auch der berühmte Satz, der vor einem dreiviertel Jahr überall herumschwirrte:  „Eines Nachts verwandelt sich Hilma Honik in ein Monster und tötet ihren Mann. Ihre Kinder sind von nun an fortan auf sich selbst gestellt. Iselin entscheidet sich dafür in Bergen zu bleiben und Edvard bereist die Ränder der Sowetunion auf dem Weg nach Afghanistan“, steht nicht am Anfang des Buches, wie ich dachte oder in einigen Rezensionen gelesen habe, sondern am Buchrücken und damit ist eigentlich schon alles gesagt oder gar nichts, denn es ist, wie wahrscheinlich schon aus dem bisher Geschriebenen klar wird, kein Buch von dem man den Inhalt so einfach herunterspoilern kann.

Es scheiden sich an ihm auch die Geister, wurde es von einigen doch als sehr toll von anderen wieder als eher enttäuschtend bewertet. Je nach dem von welcher Seite man kommt wahrscheinlich. Hat man sich einen spannenden Wehrwolfroman erwartet, ist man enttäuscht, liebt man Kurt Schwitters oder Georg Klein ist man das wahrscheinlich auch und ruft noch immer: „Warum stand es nicht auch auf der Shortlist oder hat sogar den dbp 2017 gewonnen?“

Ich bin wieder in der neutralen Mitte. Habe mir, ich gebe es zu, etwas anderes erwartet, habe aber vor kurzem Wandeler-Deck und zwar noch nicht Schwitters, aber schon Georg Klein gelesen, habe wie beim „Buch der Zahlen“ nicht viel verstanden. Aber irgendwie immer den Eindruck, daß das ein sehr interessantes Buch ist, das ich da lese und es mir deshalb auch zum Geburtstag gewünscht, da ich es von „Matthes&Seitz“ nicht bekommen habe.

Es ist auch außerlich ungewöhnlich „Schreckliche Gewalten und Jakob Nolte“ steht ganz klein und ganz oben am Cover, „Roman und Matthes & Seitz Berlin“ ganz klein unten. Sonst gibt es ein schwarzes Viereck, das bunt umrandet ist, hinten den oben zitierten Satz und Schande über „Matthes & Seitz“, weil mich das ja immer sehr stört, keine biografischen Anfgaben.

Das Buch besteht dann ähnlich, wie das Cover aus überschriftlosen Kapitel oder Abschnitten, die zwischen einer Zeile und mehreren Seiten variieren und aus zwei Teilen, der erste „Honik“ genannt, so heißt besagte norwegische Familie und einen kürzeren zweiten, die zwischen „Frühling“,“Sommer“, „Herbst“ und „Winter“ unterscheidet und das Leben einer Hyänenfamilie in den afhghanischen Bergen schildert.

Man sieht nochmals, es ist sehr kompliziert und es wird auch im ersten Teil munter hin und hergesprungen und von besagter Wilma Honik ist eigentlich sehr wenig die Rede. Es kann aber sein, ich habe etwas überlesen, denn das Buch springt hin und her. Namen werden ein und wieder ausgeführt, Geschichten erzählt und die Gewaltgeschichte, um auf den Titel zurückzukommen von den Neunzehnsechzigerjahren aufwärts, das besagte Ereignis passierte, glaube ich, 1974 in dem norwegischen Städtchen Bergen, zitiert, den Terroranschlag von München 1972 beispielsweise, Flugzeugentführungen, den schwarzen September und auch Schwesterchen Iselin, die sich ja für Bergen entschied, gründet eine Wohngemeinschaft und setzt sich hier mit zwei anderen Frauen für die Rechte der Prostiutierten ein, in dem sie sie als Geisel nimmt, während der Bruder von Riga aus über Kiew und odesser nach Afghanistan will, sich da auch mit zwei Männern zusammentut und ein norwegisches Flugzeug entführt und dabei einen Anschlag macht.

Es passiert aber auch viel Banaleres in dem Buch. Eine Kuh wird entführt und es wird, glaube ich, auch behauptet, daß die Erde eine Scheibe ist und der Mond im Inneren hohl ist.

Pessoa und Mandelstam werden zitiert. Über Pessoa steht auf Seite zweihundertvierunddreißig „Pessoa war ein loses Kollektiv von Vielschläfern, Protopunks und Hysterikern, deren Hauptwerk  das Buch der unsichtbaten Langweile, eine recht aufwendiger poetisierte  Alltagsbeschreibung darstellt. Aphorismen, wie „Der Besitz besitzt den Besitzer“ oder „Ein Roman ist die Geschichte dessen was nie war“ machten es der Intellegenzia der Partei einfach, sie für ihre Sache umzudeuten.“

Und über Mandelstam heißt es: „Ossip Mandelstam war ein russischer Schriftsteller. Er schrieb Gedichte gegen alles, wofür Stalin einstand (sowohl als Politiker als als Mensch). Mandelstam unterstellte Stalin beispielsweise, dass er Himbeeren mochte. Mandelstam konnte auch nichts mit diesem Schnurrbart anfangen oder dem Gulag oder der Tatsache, dass er seine Meinung nicht ändern durfte. Er verfasste Gedichte gegen die Unterdrückung. Daraufhin kam er in Gefängnis und wieder ins Gefängnis und starb im Dezember 1937 unter den entsetzlichen Bedingungen eines sowetischen Arbeitslager. Heutzutage gilt er als einer der wichtigsten Vertreter der höheren russischen Zensur.“

Es gibt aber auch Haikus oder was sich Noltes Protagonisten darunter vorstellen, wie:

„Dümmer als

Schlau Fauler

Als Wach“    oder

„Viele Dinge

Wären

Romantisch“

oder die Beschreibungen des Inhaltes der Rucksäcke, die Iselin und ihre Gefährten auf ihre Exkursionen mitnehmen:

„Moiras Rucksack

-2 Maschinenpistolen

-3 Kurvenmagazine a 30 Patronen

-2 Sturmmasken

-1Beutel für Wertsachen

-Unterwäsche

-Brems Tierleben, Band 2: die Vielfüßler, Insekten und Spinnenkerle (1915“)

Und so weiter und so fort. Ich könnte hier noch seitenlang interessante Textstellen anführen, der „BH“ wird beispielsweise mit dem Begriff des „Metiers“ verglichen. Es wird erklärt, was ein „Brimborium ist und „Zwei Arten zu sterben“:

„Peng peng peng

bla bla bla“

Man sieht, es ist wirklich kein herkömmlicher Werwolfroman. Wahrscheinlich nicht einmal eine Satire darauf. Aber sicher ein interessantes Buch, was wieder einmal die Bandbreite der besten belletristischen Neuerscheinungen eines Jahres deutlich macht und nun lese ich auf meiner „Backlist“ weiter.

Da steht ja noch sehr viel Interessantes darauf, warte auf weitere Rezensionsexemplare und bin natürlich auf die Longlist des dBp 2018 schon sehr gespannt und rate, wieviele Bücher ich davon schon gelesen habe werde…?

Und um noch auf einen Bloggerartikel zu reagieren, wieviel Druck das Bloggen machen und, wie sehr es einem die Freude am Lesen nehmen kann, den ich bei „Herzpotenal“ kürzlich las.

Nein, ich bin nicht davon betroffen. Ich lese immer noch neugierig und begierig über den Tellerrand und schreibe oder spoilere dann meine Besprechungen für mein persönliches Erinnerungsarchiv eher locker hinunter, weil mich die Flüchtingkeitsfehler, die ich dabei vielleicht übersehe, eigentlich nicht wirklich stören und ich mich auch immer noch darüber freue, wieviel Bücher es gibt und, wie unterschiedlich man schreiben kann.

 

2018-05-20

Cartoons zur Hochzeit

Filed under: Bücher — jancak @ 00:59
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Jetzt kommt wieder was aus dem „Holzbaum-Verlag“, der zu meiner Freunde wieder etwas literarischer  wird, hat er doch im Vorjahr einen Thrillerwettbewerb ausgerufen und da wird im Herbst das Siegerbuch erscheinen.

jetzt geht es aber weiter mit der Cartoon-Reihe von der ich ja schon eine ganze Sammlung in den verschiedensten Größen habe und die „Cartoons zur Hochzeit“ sind ein grün gehaltenes kleines Heftchen, in dem drei Heuchschrecken auf dem Cover zu sehen sind und die Pfarrerschrecke zur Braut „Sie dürfen jetzt den Bräutigam fressen!“, aha, gut in der Naturgeschichte aufgepasst oder jetzt wieder was dazu gelernt und das Thema Hochzeit scheint in Zeiten, wie diesen, wo es ja regelrechte Brautplanungsgesellschaften und solche Geschäfte gibt, die meine Klienten, wenn sie zu solchen Hochzeiten eingeladen sind, mehr als einmal stöhnen ließen, ein heißes Thema und das Büchlein ist sicher auch sehr gut als Präsent zur Hochzeitsfeier geeignet, man kann es ja in ein quadratischen Kuvert stecken und den meist dazugewünschten größeren Schein dazulegen oder es zu einem Röllchen formen und mit einer schönen Schleife dekorieren.

Herausgegeben ist es wieder von Clemens Ettenauer, gezeichnet haben die üblichen Wiederholungstäter Ari Plikat, der den Bräutigam die Braut praktischerweise gleich in die Küche tragen läßt, Dorthe Landschulz, wo sich der wahrscheinlich noch nicht Bräutigam, als beziehungsunfähig erklärt, weil er ihr beim Beziehen der Bettwäsche helfen soll, aber vielleicht ist es auch schon der Ehemann.

Egon forever ist, glaube ich, neu im Bunde der Holzbaum-Cartoonisten, HUSE läßt die Schnecken „zu mir oder zu dir?“, fragen und Jean la Fleur macht sich über die Burkaträgerinnen lustig in dem er „Jeder Topf findet seinen Deckel“ postet, Katzi macht sich an die Statistiken und klärt dabei ein paar wichtige Fragen, etwa die „Wer bei der Hochzeit den meisten Spaß hat“ oder „Was Singlemänner öfter kaufen als die die in festen Beziehungen leben“.

Marco Finkenstein klärt in seinem Bild die Eßgewohnheiten.  Markus Grolik führt den „Heirat-O-Mat“ in das Büchlein ein und erklärt uns auch  wie „Bäcker ihre Heiratsanträge machen?“.

Cartoons von Matrattel und und Michael Dufek gibt es auch. Das Coverbild stammt von Olga Hopfauf.

Schilling & Blum läßt Pinguine verwirre „So, so – ich sehe also aus wie deine Deine-Ex“, aber vielleicht sind das auch Burkaträgerinnen, die diese Frage stellen können? Uwe Krumbiegel läßt „die Pfunde purzeln“, ein böser Cartoon füge ich die politisch korrekte Gutmenschin gleich hinzu, am Schluß erfahren wir noch etwas über „Jin und Jan inder Ehe“ und wär es noch genauer will, kann sich am Beschreibungstext orientieren:

„Wie sieht der Heiratsantrag eines Bäckers aus? Warum beenden Polygamisten eine Beziehung? Wie arbeiten Scheidungsfotografen? Und wer hat bei der Hochzeit eigentlich am meisten Spaß? Diese und andere Fragen werden hier beantwortet.“

„Aha!“, kann man da nur sagen und nach dem Büchlein greifen, das auch nur wohlfeile fünf Euro kostet.

2018-05-19

Und Marx stand still in Darwins Garten

Filed under: Bücher — jancak @ 00:07
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Nun kommt, etwas verspätet zum zweihundertsten Geburtstag, ein Buch über Marx oder eigentlich ist es doch eher eines über den berühmten Naturforscher Charles Darwin, denn die am Bodensee aufgewachsene Germanistin und Journalistin Ilona Jerger entdeckte, daß beide Herren nicht nur ungefähr zur selben <Zeit gestorben sind, sondern sie haben auch in unmittelbarer Nähe gelebt.

Marx in seinem Exil in London mit seiner Haushälterin Lenchen, die ein Kind von ihm hatte, seine Frau Jenny ist kurz vor ihm gestorben,  Charles Darwin mit seiner gottesfürchtigen Emma und dem Pudel Polly in der Nähe Londons und obwohl der Buchtitel es vermuten ließe, sind die beiden sich nie begegnet, wie Ilona Jerger in ihrem Nachwort schreibt, in dem sie auch sehr schön erläutert, wie das Schreiben von biografischen Romanen, das mich ja sehr interessiert, vor sich geht.

Einige in dem Buch vorkommenden Personen, wie Marx und Engels, Darwin und sein Vetter Francis Galton sind rela existiert habende Personen und dann gibt es wieder die erfundnen, wie den freidenkenden Arzt Dr. Becket, der das Verbindungsglied zwischen Marx und Darwin stellt.

Denn das Buch spielt 1881, Darwin in den Siebzigern, erforscht gerade das Leben der Regenwürmer, seine fromme Frau leidet unter seiner Gottlosigkeit und überlegt, daß sie ihn dann ja nach seinen und ihren Tod nie wieder sehen wird können, denn ein Ungläubiger kommt ja nicht in den Himme und da er sehr leidend ist, wird er von Dr. Becket betreut, der ihm erzählt, daß er jetzt auch einen anderen berühmten Patienten hat, nämlich den sechzigjährigen Marx, den sein letzter Hausarzt wegen  seiner Zahlungsunfähigkeit verlassen hat, denn Marx  lebt in seinem Exil unter ziemlich prekären Verhältnissen, das Silber wird ins Pfandhaus getragen, obwohl Friedrich Engels seinen „Mohr“ wie Marx genannt wird, sehr unterstützt und auch bereit ist Dr. Beckets Rechungen zu bezahlen.

Der Arzt erzählt beiden Patienten vom jeweiligen anderen und schummelt dabei auch ein wenig. Denn Marx hat dem berühmten Naturforscher zwar einmal sein „Kapital“ mit Widmung geschickt und der hat sich auch brav dafür bedankt. Hat es aber nicht gelesen, denn der Naturforscher ist ja, obwohl von Gott abgewandt, eigentlich sehr büerglich und hält so nicht besonders viel vom Kommunismus.

Dr. Becket eher schon und so ist er auch erfreut, daß Marx einmal bei einem Abendessen bei den Darwis war. Da war nicht nur Emmas Hausgeistlicher, sondern auch drei Herren, die von einem Kongreß aus London kamen und mit Darwin diskutieren wollten, eingeladen. Einer davon war Marx Schwiegersohn und der hat ihn gleich mitgebracht, was zu peinlichen Szenen während des Mahles führte, denn die fromme Emma hält nicht viel von Kommunisten und Gottesleugnern, obwohl sie dem Heiseren bereitwillig durch den ebenfalls fiktiven Diener Joseph Hustensaft offerieren läßt.

Der Priester fällt infolge des Disputes vom Sessel, was zu einem dramatischen Höhepunkt der Szene führt, Marx geht mit Darwin indessen in den Garten und der steht dort still herum, erstens weil ihm die Ärzte das Schweigen emphlen haben, zweitens weil er vielleicht nicht soviel mit Darwin diskutieren will und in den folgenden Kapiteln kommt es zu zwei weiteren Todesfällen.

Zuerst stirbt der Ältere, Marx kommt zum Begräbnis und vorher ließ Emma auch den Priester holen, zündete die Kerzen an und bittet ihn um die heiligen Sakramente, die Darwin aber verweigert.

Marx ist etwas später, nämlich 1883 gestorben und wird auf dem Highwigate Cemetery, in dem Grab beerdigt, in dem schon seine Frau Jenny liegt, die 1881 an Krebs verstorben ist.

Darwin hatte, obwohl von der Kirche ausgestoßen ein, wahrscheinlich gegen seinen Willen, kirchliches Bebgräbnis und Detail am Rande wie Ilona Jerger schreibt, der Hund <polly ist nur einen Tag später als Darwin gestorben.

Ein interessantes Buch, das sicher einen kleinen Einblick in das Werk der beiden großen Köpfe geben kann. Wer also nicht gleich das „Kapital“ oder das „Kommunistische Manisfest“, das ich ja in den berühmten DDR-Ausgaben irgendwo in meinen Regalen stehen habe, beziehungsweise „Über die Entstehung der Arten“ oder das „Buch über die Regenwürmer“ lesen will, kann hier ein bißchen in das Leben und Wirken der Beiden eintauchen.

Darwin ist in dem Buch ein größerer Platz eingeräumt. Hier begleiten wir ihn durch mehrere seiner Träume, die ein bißchen sein Leben und sein Werk erklären. Marx kommt ein bißchen weniger vor.

Trotzdem hat man nach der Lektüre, glaube ich, ein gutes Zeitbild bekommen und, daß Marx und Darwin gleichzeitig gelebt haben ist sicher eine Erkenntnis, die vielleicht nicht so präsent ist. Zumindest schreibt auch Ilona Jerger in ihrem Nachwort, daß ihr das gar nicht so bewußt gewesen ist.

2018-05-12

Signalstörung

Filed under: Bücher — jancak @ 00:39
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Jetzt kommt, obwohl ich ja eigentlich keine Erzählungen mag, ein Erzählband, der 1977 in Chemnitz geborenen Kirsten Fuchs, von der ich „Heile, heile“ gelesen habe und, wie ich dem Klappentext entnommen habe, Star der Berliner Lesebühne ist, ein Buch, das erstaunlich realistische Themen aufgreift, was mir sehr sympathisch ist und mich auch etwas erstaunte, weil ich den Roman ja, glaube ich, als eher „worträuschig“erlebte.

Also erstaunlich interessante Geschichten zu höchst aktuellen Themen sprachlich originell und, wie ich meine, auch etwas vorwitzig erzählt.

Nach zwei Aufwärmgeschichten, die vom Fußballspielen auf einer Insel und einem nächtlichen Schwärmer, der auf Grund eines einschneidenden Erlebnissen zu trinken aufhört, geht es gleich hinein in das Medias res, oder nein, eigentlich zu einem Journalisten, der in einem Club kommt, um eine Band zu interviewen. Er ist zu früh dran, so bringt ihm der Angestellte dort ein Bier und erzählt ihm dann eine Geschichte, wie er zu trinken aufgehört hat, was wie man merken kann, ein Thema für Kirsten Fuchs sein dürfte.

Seine Frau hat ein Haus geerbt, weil sie vorher das Ehepaar, das dort lebte, gepflegt hat. Jetzt steht der tote alte Mann, der, wie der Erzähler meinte, am Ende seines Lebens rassistisch wurde und vorher, weil er wahrscheinlich keine Wahl hatte, bei den Wehrmachtssoldaten, im Garten und erzählt dem nächtlichen Heimkehrer, wie es war im Krieg, wo er in die Leute geschossen hat, aber eigentlich nicht viel davon gesehen hat, weil er beim Schießen immer die Augen schloß.

Man sieht höchst originell, nicht nur die Themenwahl, die das bei dieser Geschichte ja nicht wirklich ist, sondern auch der Ton, in dem erzählt wird und so geht es auch gleich weiter zu einem anderen Hausmeister, einem der in einer Kita arbeitet, also meistens im Keller steht und dort die kaputtgegangenen Spielzeuge reparieren soll. Seine Chefin namens Sabine hat ihm aufgetragen, sich ein wenig herumzuhören, denn sie hat einen „unangemessenen Brief“ bekommen. Also tut er es aus dem Fenster und hört, wie die Mamis ihren Kleinen, die zum Teil „Minala“ oder anders heißen, erklären, warum sie leider leider, obwohl sie es nicht wollen, da die Mami arbeiten muß, in die Kita müssen. Die lebt vom Integrationsbedarf ihrer Integrationskinder und als er den Drucker reapieren mußt, stellt sich Herr Gustav vor, wie der Erzieher auf ihn eigeredet hat und formuliert dabei die Flosklel, die er dabei verwendet hat.

Da ist dann von „Einfühlungsvermögen“, also „Sag mir doch mal, was du hast, hm. Bestimmt versteh ich dich viel besser, wenn du es mir sagst. Hast du ein Blatt quer sitzen?“- bis zu „Soziale Isolation als Strafe“ – „Du kommst jetzt runter zum Hausmeister“, der natürlich sofort weiß, woran es liegt und den Schatten beheben kann.

In diesem Tonfall geht es munter weiter zur „Signalstörung“, der dem Buch den Titel gebenden Geschichte. Und da sitzen zwei Frauen namens Nermin und Jagwida in einem aufgelassenen Schulungscenter der Bundesbahn und sollen die Pläne für die Bahn erstellen. Es sind offenbar die Zeiten der Flüchtlingswelle und Sonderzüge müssen eingeplant, Demonstrationen beachtet werden und die Gerüchteküche spielt  natürlich auch eine große Rolle und ganz besonders zynisch und wahrscheinlich, wie ich, die ich ja auch sehr viel mit vom AMS betreuten Klienten arbeite, ein wenig hilflos, anmerken möchte, ist das „Kleinjobcenter“ und auch ein bißchen autobiografisch, denn da heißt, die Heldin „Frau Fuchs“ und die hatte eine Krise oder eine Schreibhemmung. So kam der schon geplante Vorschuß nicht und sie muß für ein halbes Jahr „Unterhaltsbevorschußung“ beantragen.

Wie das erzählt wird, ist köstlich bis tragisch komisch, denn man stolpert da zuerst über jede Menge von „Hartvierwitzen“, da man zuerst gar nicht lustig findet. Dann kommt die Antragsstellerin zu ihrer Betreuungskraft, macht zuerst ein paar Vorschläge, die auch wohlwollend, „Wir werden einen Antrag stellen!“, aufgenommen werden und dann, als sie gehen will wird sie noch gefragt, ob sie auch einen Antrag auf den ihr zustehenden monatlichen „Hartzvierwitz“ machen will und der Clou der gar nicht so lustigen Geschichte ist, das Geld kommt, ein halbes Jahr später, für das es ja eigentlich gedacht war, so daß sie es gleich ihren wohlwollenden Freunde, die ihr inzwischen aushalfen, zurückgeben und sich wahrscheinlich denken konnte, daß sie sich den Aufwand, wenn er nicht Recherchematerial für eine Geschichte gewesen wäre, sparen hätte können und sie fügt dann noch die Frage an, wie es wohl denen geht, die nicht nur verrübergehend und auch nur recherchieren auf die Leistungen des Jobcenters angewiesen sind?

In „Onkel“ fährt eine Frau von Besuch bei einer Freundin vom Stadtrand im Bus nach Hause und belauscht dabei das Gespräch eininger Jugendlichen, die zu ihrer Clique am anderen Ende der Stadt fahren:

„Hast du was?“ -„Nee“ – „Scheiße. Wo kriegen wir was her?“ – „Weiß nicht.“…., während in „Casablanca“ einer zum Flughafen fährt, sich dort in ein Cafe setzt, wo er schon die Stammgäste kennt und auf seine Freundin wartet, mit der einmal in dem berühmten Film war und die ihn danach verlassen hatte, weil er dabei nicht weinen und auch nicht „Ich liebe dich!“, zu ihr sagen konnte.

Und in „La Schuhkran“ wird 2003 nach Syrien gereist, wo man das noch gefahrlos konnte. Das heißt, so ganz gefahrlos war es auch nicht, wenn man zu Weihnachten eine Freundin besuchen wollte, die auf der deutschen Botschaft arbeitete, wenn man vorher in Israel war. Gut, da konnte man sich einen anderen Pass besorgen, aber weil man das 2004 nicht schon wieder tun konnte, wudre man in Amerika am Flughafen aufgehalten und genau befragt, was man da gemacht hat.

Weihnachten gefeiert ganz klar, aber wo bekommt man in Damaskas Weihnachtsgeschenke her, wenn man am Markt von jeden angesprochen wird, in Geschäfte gelockt und dann mit Datteln herauskommt, so kommt am Schluß ein doppeltes Zungenküßen und vielleicht ein Partnertausch heraus.

In „Erbe“ kommt einer in das verfallene Haus mit Garten in dem verfallenen Dörfchen seiner Jugend zurück, um seinen Vater zu pflegen und wahrscheinlich auch biographisch, fährt ein paar mit Kind einen „Nachtschrank“ zum Schuster, denn der Schlüßel ist verloren und darin steckten Tagebücher, die die Mutter mit zwölf, also im Jahr der Wende geschrieben hat. Die Tochter fragt neugierig nach, was der ganze Aufwand soll und versteht nicht ganz, warum man einem Land, das es nicht gibt, nachspüren will?  Das versteht nur der Schuster Roman, der auch aus einem solchen kommt.

Und dann ist noch eine Frau zu Hause, weil das Kind krank geworden ist. Sie beschließt die Wohnung zu putzen, bleibt aber am Türspion hängen, um von dort das Gespräch der Nachbarn am Gang zu erlauschen, während das Kind Pfirsiche essen will.

Surreal kann es Kirsten Fuchs auch und spielt das in allen Tönen, so habe ich „Maran“ nicht ganz verstanden, während es im „Rosa Mantel“ offenbar, um die  verdrängten Anteile geht. Da liegt eine Frau in der Badewanne hat eine Haarspülung am Kopf, fürchtet sich vor dem Fremden und bekommt die ganze Zeit, die Begegnung und den Geruch der Obdachlosen, die sie in der U-Bahn begegnete, nicht aus dem Kopf und dann ist die plötzlich in der Wohnung und wird von ihr gebadet.

Dann fährt eine junge Frau mit einem Hund mit dem Rad von Berlin an die Ostsee, will Zelten und die Angst,  was da alles geschehen kann, läßt sie nicht aus, obwohl und das ist vielleicht das Teufliche an der Sache, gar nichts passiert und um den Kreis zu schließen, geht es noch einmal in die DDR zurück, in die Zeiten, wo ich Erzählerin zwölf war, die Mauer fiel, das erste Tagebuch geschenkt wurde und auch die erste Monatsblutung passierte, die im Osten offenbar „Besuch aus Moskau“ genannt wurde, natürlich Blut ist rot und das ist die rote Armee offenbar auch und am Schluß wird noch vom ersten Mai erzählt.

Den „Tag der Arbeit“, wo die Männer an der Demonstration teilnahmen, die Mutter mit der Neuen ihres Sohnes kocht und am Schluß sitzen alle im Garten und beglückwünschen sich:

„Als die Männer sagten, daß die beiden Köchinnen hoch- hoch- hochleben sollten, schauten beide streng.“

Es ist wirklich die ganze Variante des Lebens in allen seinen Facetten und literarischen Gattungen, die Kirsten Fuchs da in neunzehn Geschichten vor ihren Lesern ausbreitet.

„Nun kann man Kirsten Fuchs als glänzenden, vielseitige Geschichtenerzählerin entdecken: Ihre mal komischen, mal ernsten, schrägen, schnoddrigen und in hundert anderen Farben leuchtenden Storys erzählen so originell von unserer Gegenwart, wie es selten gelingt, und erfassen wie nebenher das Wesentliche, was einem so  beim Leben passieren kann.“, steht so auch am Klappentext.

2018-05-11

Fische

Nun kommt das Debut einer amerikanischen Twitterin Melissa Broder „Fische“, bei „Ullstein“ erschienen, das ein Kultbuch werden könnte und von dem ich nicht recht weiß, ob es mir gefallen hat oder ob ich den sehr packend geschriebenen Roman nicht für Erotik-Kitsch halten soll?

Es geht um Liebe und Einsamkeit, lese ich in der Beschreibung, um die Liebessucht der Frauen an die vierzig und ihre Beziehungslosigkeit und das Ganze sehr flott dahin geschrieben, könnte auch eine Parodie auf die amerikanische Frau vor der Midlifekrise sein.

Es gibt einige Stellen, die mich durchaus in Bahn zogen, die, wie Lucy zum Beispiel in Veenice Einkaufen und zum Friseur geht, um sich auf ihre Dates vorzubereiten und auch die, wo sie in dem teuren Dessoushop angefeuert von der Verkäuferin und einer Freundin, die Reizwäsche für den Sex, der später in einer Hoteltoilette stattfindet wird, ausprobiert.

Alles andere vor allem die Erotikszenen erscheinen mir der wahrscheinlich prüden Mittesechzigerin zu aufgesetzt und auch sonst scheint mir diese Achtunddreißigjährige ein wenig übertrieben.

Da ist also Lucy, sie ist achtunddreißig, wohnt in Phoenix in der Wünste und schreibt schon endlos lang an ihrer Dissertation über „Sappho“. Bekommt, was mich ein wenig verwundert hat, von der Universität auch ein Stipendidum dafür. Das heißt nicht mehr lang. Jetzt soll sie endlich einmal fertig werden und sie hat auch einen Freund namens Jamie, einen Geologen, von dem sie offenbar nicht recht weiß, ob sie ihn liebt.

Sie führt mit ihm jedenfalls eine sogenannte freie ungebundene Beziehung und als er, als sie ihm eine Trennung vorschlägt, unerwartet darauf eingeht und nicht widerspricht, dreht sie durch.

Sie besucht ihm und gibt ihm einen Faustschlag, macht einen Selbstmordversuch und wird dann von der Polizei auf der Autobahn in ihrem Auto im Nachthemd mitten von einem Berg von Donuts erwischt, was zu einer Zwangstherapie führt, damit sie nicht ins Gefängnis muß.

Die Schwester Annika, die in Los Angeles in einer Luxusvilla lebt und den Sommer in Europa verbringen will, bietet ihr an, in den Stadtteil Venice zu kommen, den Hund Dominic zu hüten und die Dissertation fertig zu schreiben. Sie tut das widerwillig, schleppt sich an die Promenade von Santa Monica, beobachtet neidisch die Liebespaare, schläft lustlos mit dem Hund auf ihren Knien und muß in die Zwangsgruppentherapie.

Dann gibt sie eine Kontaktannounce auf, will Sex auf der Straße oder so, lernt zwei Männer kennen, kleidet sich für sie, wie schon erwähnt, neu ein, schläft mit dem einen in der Hoteltoilette und ist enttäuscht von ihm und dann lernt sie und das ist das Höhepunkt des Buches auf einem Felsen, den Fischmann Theo kennen, der auch einiges, als sie jünger ist.

Das heißt, er sieht nur so aus, in Wahrheit ist er schon mindestens vierzig. Und das führt zu Komplikationen. sie schleppt ihn im Bollerwagen an Land. Der Hund Dominic ist eifersüchtig und fängt zu knurren an, so daß sie ihn betäuben muß. Am Schluß will sie reumütig zu Jamie zuirück, der bekommt aber von seiner Liebhaberin ein Kind, der Hund stirbt an der Überdosis der Beruhigungstabletten, die sie ihm gegeben hat. Theo dreht durch, als sie ihn verlassen will und so will sie mit ihm ins Meer gehen. Das geht aber nur als tote Frau, so daß sie es sich doch noch überlegt, den Fisch ziehen läßt und mit ihrem Koffer zu ihrer Schwester und ihrem Schwager zurückgeht und die Dissertation ist auch nicht fertig geworden. Das heißt schon, sie erscheint ihrem Doktorteam aber als zu narriativ und zu wenig wissenschaftlich und so ist in dem Buch eigentlich alles schiefgegangen, was nur schiefgehen kann, obwohl es ohne Zweifel sehr stark frech und rotzig geschrieben ist.

Aber mir der schon erwähnten eher prüden Mitsechzigerin wahrscheinlich etwas zu offensiv erotisch war und das mit dem Fischmann, die Methapher und die Metaphorik dahinter, hat, wie sie zugeben muß, die Psychologin auch nicht so ganz verstanden.

2018-05-10

Super und dir?

Filed under: Bücher — jancak @ 00:13
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Das ist die ewig gleiche Antwort, auf die höchst banale Frage, wie es einem denn so ginge, die höchstwahrscheinlich ohnehin niemand wissen will und nur aufhalten würde, wenn jemand ehrlich „Beschißen!“, darauf antworten würde oder „Ich brauche Zeit und Geld!“ oder so, die aber die Generation über dreißig der prekären Arbeitswelt gerade entkommen, die nach ihrem Studium in den angeblichen Traumberuf eingestiegen ist, zu geben sich veranlaßt fühlt oder denkt und glaubt, daß die Gesellschaft, das von einem erwarten würde, wurde man doch höchstwahrscheinlich  so erzogen.

Die perfekte Fortsetzung  auf das vorher gelesene Buch, hier war es die österreichische Gegenwartsliteratur, die in einem Hochstaplerroman von einem berichtet, den das „Super und dir!“, auch nicht so gelungen ist, hier erzählt die1985 geborene deutsche Kathrin Weßling, die Online-Redakteurin ist und in einem ihrer vorigen Bücher, glaube ich, schon über ihre Depression geschrieben hat.

Da ist es nicht weit zum Burn-Out und zur Drogensucht und Kathrin Weßling könnte man veranfacht sagen, erzählt, wie viele andere, auch hier von der Krankheit der Jugend in einer Gesellschaft wie dieser und sie tut es mit einer unheimlichen Wucht, wenn auch nicht immer linear, nicht immer ganz nachvollziehbar und nicht immer mit der gleichen Dichte und auch in unterschiedlichen Textsorten.

Da ist also Marlene Beckmann, die ist gerade einundreißig geworden und soll ihren Geburtstag feiern und man merkt, da stimmt etwas nicht, denn die Person ist trotz ihrer vielen Facebookfreunde fertig und am Ende.

Das von den Facebookfreunden steht schon so im Klappentext: „Marlene Beckmann Anfang dreißig. Social Media Managerin in einem multiinternationalen Unternehmen, hat es geschafft. Sie hat 532 Freunde auf Facebook, einen Freund, der sie liebt und einen Job den alle haben wollten. Und wenn sie noch weniger schläft, noch produktiver ist, fröhliche Selfies postet und dabei in ihren Chacren atmet, wird das Leben noch besser.“

Dann wechselt das Bild von der eher schwachen Person, die unfähig ist, trotz Anruf ihrer Mutter, ihre Geburtstagsparty zu planen und wir kommen zu einer Jugendlichen, deren Welt zusammenbricht, als ihre Eltern ihr bekannt geben, daß sie sich trennen wollen. Das heißt für die Mutter ist das eigentlich die Katastrophe, sie greift zum Alkohol und zu dem vom Arzt verschriebenen Beruhigungsmittel, der Vater säuselt, es wird alles gut und verschwindet, die Tochter räumt die Flaschen weg und verspricht der Englischlehrerin, die sie in der Schule auf ihr gelegentliches Fehlen und ihren Leistungsabfall anspricht, daß alles Super ist und sie sich zusammenreißen würde, was zu den dichtesten Stellen des Buches zählt

Das tut sie dann auch, denn sie ist die Beste ihres Abisjahrgangs, Vater und Mutter sind zur Feier gekommen, spielen heile Welt, der Direktor hält eine Lobesrede. Dann schafft sie ihr Studium und tritt die oben erwähnte Stelle an. Die Firma in die sie einsteigt, wird ein bißchen wie Dave Eggers „Circle“ geschildert, neben ihr wird noch eine zweite Volontärin aufgekommen und nur eine wird, besonderes grausiges Spiel, den Job bekommen.

So lächelt sich Marlene durch, betreut Bloggerinnen, macht für ihren Chef die Präsentationen, die er dann als seine ausgibt, weist Maya, die ein bißchen zu viel getrunken hat, bei einer Afterwork-Party zurecht, schläft zuwenig und ißt ihren Freund Jakob, weil sie nicht zum Einkaufen kommt, den Lieblingspudding weg. Der spricht sie darauf an, daß offenbar etwas nicht in Ordnung ist, sie verspricht ihm, sich zu ändern. Ein Ulraub wird geplant, den sie aber, weil in der Firma zu viel zu tun, verschieben muß.

So weit der erste Teil. Im Zweiten ist Jakob  offenbar allein in den Urlaub geflogen. Sie bricht nicht zusammen, geht nicht zur Arbeit, sondern zum Arzt, erzählt ihm, nachdem sie ihm etwas von einem Darmvirus vortäuscht, um zu einer Krankschreibung zu kommen,  weinend von ihrer Drogensucht, der nimmt sie nicht erst, sagt „Sie sind doch kein Junkie!“ und verschreibt ein sanftes Beruhigungsmittel und von Stefan, ihrem Chef kopmmt die Nachricht, daß leider, leider, sie solle es nicht persönlich nehmen und es ist auch nichts gegen sie, sich die Firma doch für Maya entschieden hat.

Dazwischen wird noch eine Abtreibung erwähnt, die Marlene einmal hatte, weil es mit ihren damaligen Freund Davind nicht der richtige Zeitpunkt zum <kind war und am Ende geht es wieder zu dem nicht gefeierten Geburtstag zurück und zu den Anrufen, die vom Vater, der den üblichen Scheck verspricht, der Mutter und der glücklicheren Kollegin Maya kommen.

Ein sehr beklemmend dichtes Buch, in dem wahrscheinlich viel selbst Erlebtes und viel von dem Druck, den unsere Gesellschaft auf die Jugend von heute, den erfolgreichen Superkindern, die immer lächeln und leisten müssen und damit überfordert sind, macht, steckt.

Eines das sich nahtlos an die traurigen Freiheit und auch noch einige andere Bücher einiger anderer Dreißigjährigen reiht und das auch schon von „Literaturen“ und „Herzpotential“ gelesen wurde, die glaube ich, ebenfalls beeindruckt waren.

2018-05-08

Der Neubauer

Jetzt kommt der  vierte Roman, der 1986 geborenen Cordula Simon, die ein paar Jahre in Odessa studierte und beim „Bachmann-Preis“ gelesen hat. Ich habe sie, glaube ich, im Literaturhaus persönlich kennengelernt, treffe sie regelmäßig beim „Alpha“ wo sie einmal auf der Shortliste stand und habe, ich schreibe es gleich, ihren sehr modernen und hippen Schelmenroman, sehr sehr spannend und auch originell gefunden.

„Schlechten Menschen geht es immer gut!“, ist ein Satz der im Klappentext steht und einer mit dem sich der Held und namenslose Ich-Erzähler durchs Leben und durchs Buch schummelt, dabei öfter auf die Schnauze fällt, vielleicht auch ganz durchkommt, je nach welcher Perspektive man es betrachten will und der titelgebende Neubauer ist eine ominöse Figur, die sich durch das Buch durchzieht, alle sprechen auf den Parties, die sie besuchen, von ihm. Am Ende taucht er auch höchst originell auf einem Friedhof auf, verschwindet aber wieder, als wäre er nie dagewesen und nur eine Phantomgestalt.

Und das Buch spielt in der hippen Welt der Mittelschichtstudenten und Pesudoontellektuellen, die sich vielleicht auch nur von einem prekären Job zum nächsten hanteln, das aber nie zugeben würde und der Held, der Hochstapeler, der nicht „Felix Krull“ heißt, vielleicht aber auch ein „Taugenichts“ ist, kommt aus anderen, weniger priveligierten Schichten, könnte also auch „Kevin“ heißen, aber so niveaulos tut es Cordula Simon nicht.

Er arbeitet in einem Supermarkt und weil er das nie zugeben darf, weil er sonst alle seine Freunde auf deren Parties er sich herumtreibt, verlieren würde, wird er, als einmal doch Bekannte dort auftauchen, entlassen.

So beginnt die Geschichte, die vielleicht nicht ganz logisch ist, denn er geht nach Hause, kann dort seinen Mietzinsrückstand nicht zahlen, verstaut seine Sachen im Keller und taucht bei seinen Freunden auf, um sich dort für die nächsten Tage einzuquartieren.

Und weil er auf ihre Frage nach dem „Warum?“ natürlich nicht sagen kannn, daß er wohnungs- und mittellos ist, erfindet er eine Verfolgung von der Mafia, was ihn erst recht in Schwierigkeiten bringt.

Er hat auch eine Freundin „Die Taran“ genannt, daß sie mit Vornamen Violetta heißt, erfährt man erst am Schluß des Buches und die pflegt auf rumänisch zu denken.

Ja, das habe ich jetzt noch vergessen, eine kleine surreale Wendung von Cordula Simon ist, daß sie ihren Helden, wenn er Akohol getrunken hat, die Gedanken seiner Freunde lesen läßt. Man kann auch sagen, daß sich Leute, die sich durchs Leben pumpen, eine gehörige Menschenkenntnis und Feinfühligkeit dazu benötigen und so geht es höchst amusant voran oder bergab.

Er kommt dadurch in Schwierigkeiten, verrät der Klappentext, was heißt, er zieht von Wohnung zu Wohnung, denn Wiesner, wo er es zuierst versucht, wird er von dessen Freundin Moni behindert, die bei ihm auch nur eingezogen ist, weil sie zu faul ist, sich selber eine Wohnung zu suchen, wie uns derHeld oder Cordula simon etwas schnoddedrig verraten.

Bei einem anderen Freund gibt es nur veganes Essen, ein Horratrip, nicht nur für den Schnorrer, sondern auch für des Hausherren Katze, namens Gina, die heftet sich, was ich sehr köstlich finde, fortan an des Helden Spuren und läßt ihn nicht mehr los. Denn der hat ein Herz für Tiere, so nimmt er sie in ein Restaurant mit, in das er von Wiesers Mutter eigeladen wurde.

Er muß auch vor der Polizei flüchten, denn die Mafia-Geschichte macht unter den Freunden die Runden und weil er Geld für den Eintritt in einen Club braucht, geht er in ein Autohaus, gibt sich dort als Verkaäufer aus und zieht einer Dame, immer mit Gina an seiner Seite, hundertdreißig Euro aus der Tasche.

Man sieht, Cordula Simon mangelt es nicht an skurrilen Einfällen, wie auch der es ist, daß er bei dem Clubbesitzer einbrechen will. Dazu selber den Aufsperrdienst holt, aber in der falschen Wohnung landet, wo ihn eine alte Dame mit einem Gewehr erwartet, die ihn mit Braten und Knödel füttert und ihn dann noch einen Ring und ein bißchen Kleingeld in die Tasche steckt.

Am Ende treffen sich alle, wie shon erwähnt, am Friedhof bei einer nächtlichen Party, da taucht dann auch  der ominöse Neubauer auf, der aber, wie ebenfalls schon erwähnt, vielleicht nur ein Phantom ist.

Der Held und die Taran, die ihm gesteht, daß sie auch nur Kellnerin in einem Coffeeshop war und dort entlassen wurde, kommen zusammen. Sie verliert dabei noch einen Finger, den ihr der Held bricht, als er ihr den von der alten Dame bekommen Ring an den Finger stecken will.

Aber das Leben geht weiter oder „Die Welt ist schlecht mein Liebchen, so wie wir.“, wie der Held resumiert und am Schluß Cordula Simon „Wir hatten uns etwas Schönes ausgedacht. Eine neue Geschichte für die neue Stadt. Jeder erzählt sich sein Leben zurecht“, Cordula Simon schreiben läßt, die im „Neubauer“ eine köstliche Parodie auf die Zustände unserer heutigen schönen Hipsterwelt mit der Flüchtlingskrise, den „Paradeflüchtling“, der dann in der Hipsterwohnung auf den Parties das syrische Buffet serviert oder den anderen Fragen, ob man  seine Kinder anti-oder autoritär erziehen soll, in einer starken rotzigen Sprache geschaffen hat.

„Eindeutig mein bisher liebstes Buch von Simon!“, hat eine Rezensentin auf „Amazon“ geschrieben. Das kann ich, weil ich sonst noch keines von ihr gelesen habe, nicht so  beurteilen. Dieses hat mir aber, das habe ich schon erwähnt, sehr gefallen.

Und es ist das sechste Buchanfang, das dem Gratisbuch, das der Hauptverband des Buchhandels zum heurigen „Welttag des Buches“ herausgegeben hat.

2018-05-06

und Vietnam und

Filed under: Bücher — jancak @ 00:48
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Von der aktuellen deutschen Gegenwart geht es jetzt zurück in das Jahr 1968, denn da wird ja die Studentenbewegung gefeiert und „Wagenbach“ hat dazu eine eigene Buchreihe „Politik ist lesbar“ herausgegeben, von der ich nur „Paris, Mai 68“ gelesen habe. Aber da hat es ja auch den Vietnamkrieg gegeben, der an mir in meiner Volksschulzeit so ziemlich vorübergegangen ist und wenn ich „Paris, Mai 68“ schon im April gelesen habe, so las ich Erich Frieds Vienamgedichte am ersten Mai, bevor ich mit dem Alfred zur Alberta und dann zum Parlament gegangen bin und Erich Fried ist zu seinen Lebzeiten muß ich gestehen, auch so ziemlich an mir vorbeigegangen. Einmal war glaube ich eine Großveranstaltung mit ihm im NIG.

„Magst gehen?“, hat der Alfred mich wohl gefragt und ich habe irgendwie keine Lust gehabt. Heute tut  das einer Leid, was sie da versäumt hat und auch an die Gedichte bin ich erst später rangekommen und zitierte sie manchmal als Vorwort bei meinen Büchern oder vor meinen Kritikern „Es ist was es ist sagt, die Liebe“, wenn beispielsweise wieder jemand sagt, daß ich nur Schwachsinn schreiben würde.

Gelesen habe ich, muß ich gestehen, auch nicht viel, zwar immer wieder, die Textproben, die es in der „Ziwebel“ „Wagenbachs-Programmheftchen“, die ich gesammelt habe und zum „Fried Symposium“ und zur „Friedpreis-Verleihung“ gehe ich auch seit Jahren aber da wird in der letzten Zeit auch nicht mehr sehr über Erich Fried gesprochen und auch das schöne Portrait, das Heidi Heide einmal machte und das früher bei dieser Veranstaltung im Literaturhaus aufgehängt wurde, ist jetzt verschwunden.

Erich Fried also im Original.

„Wagenbach“ macht es möglich, denn es hat seine 1966 Vietnam einundvierzig Gedichte wieder  aufgelegt mit einem Nachwort von Klaus Wagenbach versehen und eine Chronik und eine Landkarte, die, glaube ich von Fried stammt, gibt es auch, so daß ich mein geschichtliches Wissen, das, wie ich schon geschrieben habe, sehr lückenhaft ist, auffrischen kann.

Also hinein in das politische Geschehen von 1968 und früher und Klaus Wagenbach schreibt in seinem Text, den ich als Erstes gelesen habe, daß die Gedichte damals kaum Resonanz und auch kaum Rezensionen hatte. Also totgeschwiegen, während der politische Liebesdichter erst ein paar Jahre später von der Jugend so richtig entdeckt wurde und heute, glaube ich, bei jedem Maturanten im Bücherschrank steht oder vielleicht auch nicht mehr so ganz, denn der Mai ist vorbei, hat Peter Henisch schon vor Jahrzehnten geschrieben und die Zentralmatura interessiert sich ja, wie ich immer höre, nicht für Literatur. Also wird es da keine Lyrik-Interpreationen als Thema geben und ich muß es selber machen und schreibe gleich dazu, daß der kurze lyrische Gang durch die Geschichte sehr beeindruckend war undich es wirklich jeden nur empfehlen kann, Erich Fried zu lesen und sein Geschichtswissen aufzufrischen:

„Das land liegt sieben Fußtritte

und einen Schuß weit

seine südliche Hälfte

heißt Demokratie

In ihrer Hauptstadt Sodom

regiert ein Soldat der Mein Kampf lernt

Die Mönche sind buddhistisch

oder katholisch

Die buddhistischen Mönche

werden oft Rote genannt

In Wirklichkeit sind sie gelb

aber nicht wenn sie brennen“

Geht es gleich direkt hinein in die Landeskunde und man staunt über die Detailkenntnisse Frieds, der meines Wissen nach nicht vor Ort gewesen ist, sondern in London lebte.

Ich füge noch rasch die biografischen Daten an.

1927 in Wien geboren, 1938 vor den Nazis nach London geflohen, wo er bis 1988 lebte und er war, glaube ich, auch der Trauzeuge Arthur Wests, der ebenfalls nach London emigrierte.

Nach diesem Vorgedicht wird es  konkreter und es werden die „Gründe“ angeführt, warum man eben manches tut und manches unterlassen hat.

„Weil das alles nichts hilft

sie tun ja doch nur was sie wollen

Weil ich mir nicht nochmals

die finger verbrennen will“

und so weiter und so fort bis zu

„Weil man nie weiß

wie einem das schaden kann“

„Aha!“, kann man da nur sagen und hat wahrscheinlich schon seine diesbezüglichen Ausredeerfahrungen gemacht.

Also gleich zu „Pastor R. in Hamburg“,

der keine Ausreden gelten läßt

„Ich habe gesprochen

gegen russische Panzer in Ungarn

Soll ich heute schweigen?“

In „Was alles heißt“  wird es wieder konkreter:

„Schwarze Jacken und Hosen tragen

heißt Bauer sein

nicht Vietcong sein

Getötet werden

heißt nachher

Vietcong gewesen sein.“

Und „Zun vietnamesischen „Fest der Kinder“ warfen U.S Flugzeuge Spielzeug ab, auch auf Dörfer, in deren ihre Bombn noch kurz zuvor Kinder getötet hatten.“, heißt es als Fußnote zu:

„Gezieltes Spielzeug

Hätte das Flugzeug

lieber vor vierzehn Tagen

Spielzeug heruntergeworfen

und jetzt erst die Bomben

hätten meine zwei Kinder

noch vierzehn Tage

durch eure Güte

etwas zum Spielen gehabt“

Man sieht, sehr dicht, die Fried-Gedichte und so geht es gleich auch in

„Beim Zeitungslesen in London“ weiter

„Außerdem ist es eine „nichtgiftige Abart“

ein „nichttödliches Reizgas“

es „verursacht nur Kopfweh und Brechreiz

und In einigen Fällen

vorrübergehende Blindheit.““

Und so weiter und so fort, könnte man sagen. In  drei Abteilung lyrisch durch die Geschichte. Sehr beeindruckend auch das „Greuelmärchen“ vom Menschenfresser.

„Der Menschenfresser frißt keinen

der nicht sein Feind ist

Wen er fressen will

den macht er sich erst zum Feind.“

Und am Schluß, wenn sich der Reigen wieder schließt und der Krieg vielleicht beendet ist, kommt es natürlich zur

„Anpassung

Gestern fing ich an

sprechen zu lernen

Heute lerne ich schweigen

Morgen höre ich

zu lernen auf.“

Hoffentlich nicht zu lesen, denn ich habe ja nur wenige Gedichtzeilen zitiert. Also wieder selber lesen. Erich Frieds Vietnam-Gedichte und natürlich auch all die anderen und wenn möglich auch in die „Alte Schmiede“ zur „Poliversale“ gehen, von der ich heuer wegen meiner Stunden und anderen Ereignissen, auch sehr viel versäumte.

2018-05-05

Die Politik und ihr Wahnsinn

Jetzt kommt wirklich etwas leichter zu Lesendes und, auch wenn es der Titel nicht verrät, etwas sehr viel Spannenderes. Ein Krimi, ein Politthriller, eine Satire auf das gegenwärtige Unbehagen auf die Zustände im deutschen Lande, das ja sowohl die Rechtspopulisten, die AfD, als auch die sogenannte Reichsbürgerbewegung, von der ich bis vor kurzem noch nicht wußte, daß es eine solche gibt, auf den Plan ruft und natürlich die Autoren und da ich ja gerne etwas Politisches lese und mich gerade auch selbst darin versuche, eine unsichtbare Frau auf den Plan zu rufen, die nächtesns die Mächtigen der Welt besucht, um sich aus ihrer Hilflosigkeite zu befreien, habe ich gerne zugegriffen, als mir „Literaturtest“ ein solches Buch angeboten hat, das mir noch dazu vom  Ralph Llewellyn, seinem Autor, der in den USA geboren wurde und heute in Heidelberg lebt, als <Informatiker und Gesellschafter einer Immobilienfirma gearbeitet hat und seit 2005 Fanatsy-Romane und mystische Thriller schreibt, handschriftlich gewdmet hat.

„Für Eva, ich wüsche Dir viel Spaß beim Lesen!“, hat er  geschrieben und ich kann gleich spoilern, den habe ich gehabt und das Buch fast nicht mehr aus der Hand gelegt und in zwei Zügen ausgelesen, obwohl der Inhalt natürlich völlig unrealistisch ist, aber das wünschen sich ja auch manchmal realistisch schreibende Autoren und hoffen auf das Unmögliche und so ganz unrealistisch beziehungsweise mystisch-phantastisch ist es auch nicht, denn es wird im Gegenteil  sehr viel Politik zitiert und es beginnt auch gleich mit den berühmten Worten der deutschen Kanzlerin, die in den letzten zwei Jahren soviel Unmut erregten und Bewegungen, wie die oben genannten ausriefen oder verstärkten und die ich eigentlich ganz ehrlich immer noch für selbstverständlich halte und aus der deutschen Geschichte heraus auch gut verstehen kann.

Es bleibt dann auch gleich realistisch, denn es geht in die Welt von vier Iimmobilienmaklern, das heißt eigentlich dreien, denn die vierte heißt Susanne und ist eine Maklerin und die sind, wie auch im Beschreibungstext steht, so unterschiedlich, wie es gar nicht anders sein kann.

Hans ist ein Zwangsneurotiker und ich, die ich ja einige solcher Klienten habe, finde die Charatasierung eines Mannes, der sich niemanden die Hand zu geben traut, überall Bakterien und Viren vermuten, die ihn auch in zwischenmenschliche Schwierigkeiten beziehungsweise in ein starkes Vermeidungsverhalten bringen, treffend geschildert.

Dann gibt es Frank, den Alkoholiker, der sich gern so stark betrinkt, daß er am Morgen an der Seite von fremden Frauen und manchmal auch Männern aufwacht und er sich an das Davorgeschehende nicht mehr erinnern kann und ihn, obwohl  nicht gläubig, zu Gesprächen mit dem lieben Gott veranlaßt.

Ronaldo, ein schwuler Jüngling, der gerade von seinem Freund verlassen wurde und die schon erwähnte Susanne, die sehr ordentlichund sehr ehrgeizig ist, bei ihren Geschäften aber auch manchmal ihren weiblichen Charme einzusetzen weiß.

Sie alle haben einen schlechten Tag gehabt, denn das Maklergewerbe ist  von der Politik und der Gesellschaft nicht hoch angesehen und so finden sie sich, die alle an einem Symposium teilnehmen, am Abend in einer Bar ein, betrinken sich  schandhaft und beschließen in diesem Zustand sich an der Welt und den Politikern zu rächen und den Reichstag zu verkaufen.

„Ja, dürfen sie denn das?“, würde der alte österreichische Kaiser nun sicherlich fragen und die Leser werden aufschreien, den Kopf schütteln und „So ein Unsinn!“, murren.

Aber es gibt auch einen Notar, den Susanne offenbar spät nachts angerufen hat, der zwar auch den Kopf schüttelt, aber nachdenklich dazusetzt, daß das eigentlich gehen dürfte. Denn der Reichstag gehört dem deutschen Reich und dafür ist die BRD eigentlich kein Rechtsnachfolger oder so, wie sich die Gelehrten streiten und die Verschwörungsfanatiker auf den Plan gerufen haben.

Die Nacht vergeht und die vier wollen eigentlich nur nach Hause,  um den Kater auszuschlafen. Hans kotzt sich dabei noch ein bißchen an. Aber da, wie Ralph Llewellyn genüßlich ausführt, Deutschland ein Überwachungsstaat ist und der CIA sogar das Handy der deutschen Kanzlerin überwacht, hat die besoffene Geschichte der vier längt den BND, den CIA und den KGB auf den Plan gerufen.

Russland will den Reichstag kaufen, der amerikanische Präsident zitiert seine Berater, der CIA den deutschen Botschafter, der BND wird aktiv, Susannes Wohnung untersucht, was sie wieder aktiv werden läßt und so weiter uns sofort….

Was jetzt passiert ist eigentlich wieder die ganz banale und schon oft gelesene Thrillergeschichte. Die vier werden überwacht und bedroht. Der russische Käufer bietet die Millionen, aber wenn das schiefgeht, sind die Helden tot, der Bundesnachrichtendienstt ein Schweigegeld und rät der entsprechenden Ministerin den Reichstag selbst zu kaufen, damit die Russen ihn nicht bekommen.

Es kommt noch zu einigen Verkleidungs- und Verwirrungssspielchen, bevor sich die vier bei dem schon erwähnten Notar, der das Geschäft vermittelt in seinem eleganten Büro in der Bundeshauptstadt treffen. Die Überwachungsdienste haben sich auch eingefunden.

Der Deutsche wird als ein bißchen vertrottelt geschildert, Russland droht mit Waffengewalt und der amerikanische Übervater weiß zu vermittelt, so daß der Coup gelingt. Am Ende sind alle zufrieden und die vier können, „Wir schaffen, das!“, sagen und befinden sich schließlich auf einem herrlichen Sandstrand, mit dem nur Hans seine Schwierigkeiten hat und lieber seine Schuhe anläßt, schlürfen Champagner und können sich  schon den nächsten Cooup überlegen.

„Wißt ihr eigentlich, wenn die golden Gate Bridge in San Fransico gehört“, fragt Frank und lächelt breit.

Nein, das ist nicht das Ende des Buches. Denn dem gehört noch ein  Epilog, wo die politische Lage noch einmal phiosophierend moralisch belehrend zusammengefaßt wird, was zwar eine Spezialtät von Ralph Llewellyn sein dürfte.

Ich aber weglassen würde, weil es dem Ganzen, glaube ich, die Spannung nimmt und ich hätte auch das Buch reißerischer genannt „Der Reichstag wird verkauft“, beispielsweise. Und auch der Beschreibungstext ist nicht so dramatisch, wie er sein könnte. Hat da dem Autor vielleicht der Mut gefehlt?

Und spannend wäre es natürlich sich zu überlegen was passieren würde, wenn jemand wirklich versucht, den Reichstag zu verkaufen, aber wahrscheinlich ist das noch niemanden eingefallen.

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