Literaturgefluester

2017-10-16

Klartraum

Jetzt kommt Buch fünf der österreichischen Buchpreisliste, das vierte und das letzte, das ich habe, der kurzen, beim östBp verhält es sich umgekehrt wie beim deutschen, denn da hatte ich am Tag der Shortlistverkündigung noch keines der Bücher gelesen, beim Öst waren es drei und das vierte „Klartraum“ ist jetzt gefolgt.

Daß es sich bei der 1968 in Wien geborenen und in Graz lebenden „Veza-Canetti-Preisträgerin“Olga Flor, um eine komplizierte Autorin, beziehungsweise um ein kompliziertes Buch handeln könnte, habe ich schon geahnt oder gewußt, schließlich hat sie  auch Physik studiert.

Ich habe die Diskussion bei ihrer GAV-Aufnahme verfolgt, sie dann das erste Mal, glaube ich, 2003 gesehen, als es da beim steirischen Fest am Rathausplatz eine Lesung mit steirischen Autoren gab, eine Lesung aus „Die Königin ist tot“, habe ich in der Hauptbücherei verfolgt,den sogeannten Bloggerroman „Ich in Gelb“ gelesen und im Sommer war ich auch bei den O-Tönen, wo ihr neues Buch „Klartraum“ vorgestellt wurde und da erklärte, die Moderatorin, ich glaube, es war Daniela Strigl, es handle sich, um einen Liebesroman. Dann hat Olga Flor sehr schnell und hastig höchstkomplizierte Passagen von Gott und die Welt könnte man so sagen und ich habe nichts verstanden.

Es sind auch, glaube ich, ein paar Leute gegangen und ein paar werden sich vielleicht gedacht haben, daß das Buch der Debutantin, die ja auch auf der Öst steht und die ich erst lesen muß, verständlicher war.

Jetzt steht „Klartraum“ auf der Shortlist, was mich nicht wundert, denn Olga Flor gilt ja als hochlititerarisch:

„Olga Flor gehört zum Besten, was die österreichische Literratur zur Zeit hat“, schreibt auch Helmut Gollner im „Falter“, bzw, am Buchrücken und ihr „Kollateralschaden“ ist auch, 2009 glaube ich, auf der deutschen Longlist gestanden.

Wenn man die Qualität der Literatur an der Sprache, den komplizierten Sätzen, Wenungen und Wortschöpfungen mißt, stimmt das bestimmt, was das Lesevergnügen und die Verständlichkeit, ein Anspruch, den ich vor allem beim zweiteren hätte, wäre ich mir nicht sicher oder würde mich fragen, wer außer Kritikern das Buch zu Ende gelesen hat?

Ich vermute nicht sehr viel und meine Schwiegermutter, eine passionierte Krimileserin würde es wahrscheinlich nicht verstehen und ich eigentlich auch nicht, obwohl mich ja irgednetwas immer wieder zu den Worträuschen einer Andrea Winkler und eines Richard Obermayr zieht.

Olga Flor würde ich auch dazuzählen und sie in eine Reihe mit Lydia Mischkulnig, der neuen „Canetti- Preis Trägerin“ stellen, aber nein, Olga Flor ist ernsthafter, distanzierter und das Buch, wo ich, ich wiederhole es, nicht so ganz verstanden habe, warum es hier eigentlich geht, hat mich mehrmals an die Jelinek und in besonderen an deren „Liebhaberinnen“ erinnert.

Ich glaube, es ist derselbe Grundton oder dieselbe Absicht, die dahintersteckt und wenn ich mich nicht irre hat Olga Flor auch an einer Diskussion zum siebzigsten  Geburtstag der Nobeltreigträgerin mitgewirkt und hier beklagt, daß ihr die Kritiker immer Distanziertheit vorwerfen.

Ich tue das jetzt auch und begründe es damit, daß die Protagonisten in dem Buch keine Nnamen haben sondern A, C, G und vorwiegend P heißen.

Das ist die Frau, die durch das Buch hastet, das in Kapitel, wie „Verlust 1“, „Glück  7“,  „Komik 1“ bis zu „Lust 12“ haben und wenn mich jetzt jemand fragt, was mir ja immer sehr wichtig ist, zu spoilern, was hier eigentlich passiert?

So habe ich verstanden, P hat sich von ihrem Geliebten oder Exgeliebten getrennt, kommt nicht von ihm los, schreibt ihm Abschiedsbriefe, liegt dazwischen in einer Wohnung auf dem Boden oder unterhält sich mit einer Nachbarin darüber, wie teuer Kinder kommen oder ob es peinlich ist, wenn man bei der Elternvertretung um Unterstürzung für den Schikurs ansucht?

Man sieht, Olga Flor ist auch hoch politisch und P denkt, während sie sich die Frage stellt, wo jetzt die Liebe im Zeiten des Neoliberalismus bleibt, sich auch mit der Flüchtlingsfrage beschäftigt, beziehungsweise sich als ehrenamtliche Helferin betätigt, wird wie schon geschrieben, über Gott und die Welt, die Wirtschaft und deren Korrumpierung und noch vieles andere nach.

P dürfte, mit dem Spilern ist es hier wirklich schwer, weil die Handlung fortwährend von einem Thema zum anderen springt, man sich mal in Berlin, dann wieder in Wien oder auf einer Reise mit A., dem Exgeliebten befindet, den P offenbar, während des Studiums kennenlernte.

Beide haben Beziehungen so gibt eine C und, glaube ich, einen T Ob P Kinder hat, wurde mir nicht ganz klar. A. aber schon und P wollte das wohl auch, unabhängig bleiben. A scheint, wie das so ist, höher gestellt als P zu sein, die in prekären Verhältnissen leben dürfte und dann gibt es noch „Möglichkeit“ genannte Kapitel, wo eine G, eine Paketzustellerin, auftrittt, die offenbar ein Verhältnis mit A eingehen könnte. Es gibt auch  einen Fahrradboten, der eigentlich Islamforscher ist und einen Unfall hat und mit dem haben vielleicht P und G zu tun.

Sehr kompliziert für die Spoilerin, die vielleicht in dem Versuch Struktur in dem Buch zu finden, das Eigentlich übersehen hat. Aber ja, da gibt es noch eine Geschichte, wo sich OlgaFlor über den Literaturbetrieb, beziehungsweise über die E- Bookleser und die Fantasyschreiber lustig macht, beziehungsweise ihnen genaue Anweisungen gibt, wie man eine solche Handlung kostruieren muß, damit die Bankdaten am Ende stimmen.

Am Ende löst sich, glaube ich, A von p und C, As Gattin hat ein Problem mit ihrem Computer, geht daher in den ihres Göttergatten , findet die Mails, schickt sie an sich selbst und beschließt genüßlich sich von ihm, nachdem er sich endlich von P getrennt hat,  zu trennen und eine Quellenangabe gibt es in dem Buch auch.

„Die Pallindrome auf Seite 251 stammen von Brigitta Falkner“, die ja mit ihrem neuesten Buch ebenfalls auf der Shortlist steht.

Man sieht, Olga Flor ist tatsächlich kompliziert und experimentell und wenn ich jetzt raten soll, ob sie den Öst gewinnen wird, würde ich aus den schonzitierten Gründen „Nein!“, vermuten. Denn das würden die Buchhändler vermutlich aufschreien und stöhnen „Nicht schon wieder so ein kompliziertes Buch mit Minderheitengeschmack, den unsere Käufer nicht wollen!“ und auf die sicher leichter zu lesende kryptische PTSD-Geschichte von Paulus <Hochgatterer hinweisen.

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2017-10-14

Fortuna: Aus dem Magazin des Glücks

Über Buch vier des österreichischen Buchpreises Franz Schuhs „Fortuna – Aus dem Magazin des Glücks“, war ich etwas erstaunt, als ich es auf der Longlist stehen sah, gut, daß beim österreichischen Bp nicht nur Romane sondern auch Essays, Gedichte, etcetera stehen können, ist bekannt aus dem vorigen Jahr, aber dieser Titel des 1947 geborenen Philosophen, Schriftsteller und Essayisten, „Wespennest-Begründer“ ist er auch, wie man ihn nennen könnte, war mir  ebenfalls sehr bekannt und so konnte ich  im erstenMoment gar nicht glauben, daß das Buch, das auch längere Zeit bei Anna Jeller in der Auslage stand, wirklich erst in diesen Jahr erschienen ist.

Der Iirrtum klärt sich leicht auf, denn das „Magazin des Glücks“ ist auch eine Reihe, die es im Ex Libris, der österreichischen Büchersendung gibt oder gab und die höre ich ja relativ oft und so ist der bei  „Zsolnay“ erschienene Band wahrscheinlich  ein best off zum  siebzigsten Geburtstag sozusagen.

Das Glück ist, sagt man ein Vogerl und war auch das Thema der Podium Sommerreihe im Cafe Prück beziehungsweise der Auftaktveranstaltung in der „Alten Schmiede“ und da war Franz Schuh mit seinem Buch zu Gast und hat, glaube ich, auch die Stelle zitiert, wo Lotte Tobisch, die Schauspielerin und Operballorganisatorin beziehungsweise Schirmfrau des Altersheim für Künstler in Baden, wo jetzt auch Ottwald John zu Hause ist, sagte, daß  man im Alter zwar Freude aber keinen Spaß mehr haben kann und darüber kann man wahrscheinlich genauso diskutieren, wie über Franz Schuhs Thesen, die mir manchmal etwas schwierig und widersprüchig scheinen.

Ich habe auch schon „Schwere Vorwürfe und schmutzige Wäsche“  gelesen, von dem ich nicht viel verstanden habe. Also hatte ich meine diesbezüglichen Vorurteile, als ich das Buch, beziehungsweise das PDF, das mir Susanne Rössler von „Zsolnay“ schickte und war erstaunt, denn es ist gar nicht so philosophisch, wie ich vordergründig dachte.

Mischen sich doch Gedchte mit eher kurzen essayistischen Texten und Franz Schuh, als Dialiektdichter, den ich regelmäßig bei verschiedenen Veranstaltungen sehe, war für mich eine Überraschung und das Vorwort des Buches, habe ich, glaube ich, auch schon einmal gehört.

„Ich schreibe über das Glück, weil ich erstens Glück hatte und zwar so viel, daß ich dem vermeintlichen Unglück trotzen kann.“

Vorher hat er schon von einem „Dummdödl“, „Nicht nachschlagen, das Wort habe ich erfunden“, geschrieben, der in einer Bahnhofhalle steht, mit dem Rucksack einen Schalter berührt, worauf eine Stimme „Hallo!“, sagt, der Dödl „unabsichtlich angekommen“, antwortet „und wenn sie nicht gestorben sind, dann sind noch immer unabsichtlich angekommen.“

Was das mit dem Glück zu tun hat, ist auch nicht ganz klar, aber das ganze Buch, das ursprüglich „Leidenskraft und Lebenswille“ heißen sollte“, aber der Verlag war dagegen, weil es dann kein Mensch kaufen würde, besteht  aus Assoziationen und Gedankensplittern mit denen uns Franz Schuh in seine, wie schon beschrieben vielleicht nicht immer so ganz nachvollziehbare Gedankenwerlt einführt.

Da kommt ein Zitat Schopenhauers „Es gibt nur einen angeborenen Irrtum, und das ist der, das wir da sind, um glücklich zu sein“, das von einem „Schopenhauer am Inn“ genannten, längeren Gedicht oder Text in Gedichtform gefolgt wird.

Dann geht es auf die Mariahilferstraße über die Franz Schuh offenbar gehen mußte, wenn er zu Weihnachten seine Eltern besuchte, die Mutter hatte „Alzheimer“, eine Krankhei, die auch Arno Geigers Vater hatte.

In seinem „Alten König in seinem Exil“ hat er ausführlich geschrieben, was Schuh im nächsten Kapitel immer noch in Beziehung auf seine Mutter zitierte und sich dann interessanterweise mit der Frage beschäftigt, was dieses Buch nun ist?

Ein „Memoir“ würde ich vom „Writersstudio“ geschult sagen, aber Franz Schuh ist ja Philosphph und denkt an die Wiener Schule.

„Nein, Avantadistisch ist es nicht und auch kein Roman!“ und darüber habe ich mich ja einmal mit Ludwig Laher herumgestritten, weil mich das ärgerte, das das Buch immer so genannt wird.

Franz Schuhs Mutter litt also, wie Arno Geigers Vater an Alzheimer, wo man wahrscheinlich auch dieskutieren kann, ob das eine Krankheit oder einfach das Ende eines inzwischen sehr medizinbegleiteten Lebens ist und mit Glück hat die Begleitung dementer Angehöriger wahrscheinlich auch nicht viel zu tun, obwohl die Betroffenen, wie ich höre, das oft sind, wenn sie ins Reich der Kindheit hinübergleiten, aber die war meistens auch nicht sehr glücklich.

Thomas Mann wird mit seinen „Buddenbrocks“ und dem „Hochstapler Felix Krull“, ein Paradebeispiel des Glücks, wie Franz Schuh, meint  zitiert. Karl Kraus kommt mit seiner „Walpurgisnacht“ vor und natürlich der Schelm des Hauses, der braven Soldat Schwejk, der mit dem „Dummdödln“, den ersten Weltkrieg überstand, während sich sein Verfasser, glaube ich, zu Tode gesoffen hat.

Mit dem Zufall beziehungsweise den Lehrern die Franz Schuh im Gymnasium hatte geht es weiter, bevor es zum freien Willen und  zur Sucht und damit zu weiteren sehr persönlichen Bekenntnissen des Autors geht.

Denn Franz Schuh ist ja stark übergewichtig.

„Adipositas“ nennen das die Fachleute, die Wiener meint Franz Schuh wollen vom Lateinischen nichts wissen und beschimpfen ihn als „Fettsack“ und wenn er zum Arzt geht, der natürlich zum Abnehmen und zu mehr Bewegung rät, dann begrüßt er ihm gleich fröhlich mit diesen Worten.

Dann gehts in den Gemeindebau, wo Franz Schuh  im fünzehnten Bezirk aufgewachsen ist. Der Vater war, wie er schreibt, einer der die Staatspolizei kommunistisch unterwandert hat. Das war in den fünziger Jahren vielleicht noch möglich, heute wo das ja schon ein Schimpfwort ist, wahrscheinlich nicht mehr und da kommen wir gleich in den Wahlkampf, beziehungsweise zu unserem derzeitigen Bundeskanzler Christian Kern, der,  als er vor fünfzehn Monaten sein Amt von Werner Feymann übernommen hat, gesagt haben soll, er sei von seiner Herkunft proleatirscher als manch anderer Bundeskanzler, weil auch in einem Gemeindebau aufgewachsen. Ein Proleatirer im Nadelstreif und das hebt sich ab von dem bösen Wort Prolet mit dem der Wiener und wahrscheinlich auch manch anderer die Leute aus der sogenannten Unterschicht, heute heißt das, glaube ich, bildungsfernere Schicht, so gern beschimpft.

Franz Schuh preist aber die Gemeinschaft, die es in den Gemeindebauten in den Fünfzigerjahren gab. Die Kinder trafen sich beim Fußballspielen, der Hausmeister schimpfte dann wenn sie das Gras betraten, was ja damals strengt verboten war und der Vater mußte noch im hohen Alter die Kohlen aus dem Keller holen, denn die Fernwäreme hat es erst später gegeben.

Ernst Hinterberger der ja auch in einem Gemeindebau wohnte und immer viel von den „kleinen Leuten“ hielt und sein „Kaisermühlenblues“ wird zitiert. Da Gänsehäufel und das Schutzhaus zur Zukunft, wo wenn ich nichts durcheinanderbringe, Franz Schuh seine Maturafeier absolvierte.

Und so gehen wir durchs Buch, kommen vom „Haß“ zum „Passt oder passt nicht“.

Dem Wirt, wo Franz Schuh seine Sommerfrische verbringt, passen die vielen Flüchtlinge nicht und Franz Schuh nicht seine Maßschuhe, die er sich einmal anfertigen ließ. Der Schuster verwies ihn an die Firma „Humanic“, die ja immer noch durch ihre avantgardistische Werbung vom „Franz“ berühmt ist. Und der Herr Schuh heißt ja Franz.

Clemes J. Setz und seine „Stunde zwischen Frau und Gittare“ wird erwähnt und Conchita Wurst, die eigentlich Tom Neuwirth heißt und 2014 für Österreich den Songcontest gewonnen hat.

Man sieht Franz Schuh ist ein gelehrter Mann, der sich für alles interessiert und auch ein Udo Jürgens Fan und so ist er zu dessen achtzigsten Geburtstag im Bademantel auf eine Demonstration am Ring, die dort nicht stattfinden durfte mitgegangen.

Er erzählt auch, was ich schon bei einer der Cafe Prückl -Lesungen hörte, daß der Titel seines „Magazins“ eingentlich von Ödon von Horvath stammt und kommt ganz am Schuß des Buches, das immer wieder von Gedichten durchsprenkelt wird, die sich teilweise auf die vorangehenden Gedichte beziehen, ins AKH und auf sein Übergewicht zurück. Denn er soll sich dort einer Operation unterziehen und da muß er erst vom Internisten dafür freigegeben werden.

Ein interessantes Buch und eines das ganz anders war, als ich gedacht hatte. Hatte ich mir doch hochphilosphische Abhandlungen vom Leben erwartet, die ich nicht verstehen würde, man kann aber über das Leben, das Glück und das Unglück auch ganz locker plaudern und Franz Schuh ist mit seinem „Magazin des Glücks“ nicht auf die „Shortlist des österreichischen Buchpreises gekommen“. Ob das ein Glück oder ein Unglück ist, mag sich für ihn erweisen.

 

2017-10-13

Der Tag an dem mein Großvater ein Held war

Die Shortlist des öst Bp wurde am Dienstag bekanntgegeben und ich habe das dritte Buch daraus gelesen.

Die menschlichen Tiergeschichten der Eva Menasse schon im Frühling, „Kiwi“ ist ja so nett und schickt mir die Vorschauen und dann die gewünschten Bücher.

Ihren Halbbruder der ja auf beiden Listen steht, im Rahmen des deutschen Buchpreislesen und Auszuüge aus der kurzen Geschichte des 1961 in Amstetten geborenen Kinderpsychiaters Paulus Hochatterer bei den O- Tönen.

Da war ich ein bißchen verwirrt von der Geschichte und habe mich nicht recht ausgekannt, habe gedacht, nicht schon wieder von den letzten Kriegstagen und mich gefragt, ob die Leute damals ihre Traumatisierungen wirtklich so erlebten, wie der Kinderpsychiater sie heute beschreibt?

Denn es war in dem Gespräch und bei der Lesung viel davon zu hören, daß alles  ganz anders sein könnte, die Nelly lügt, um ihre Wirklichkeit zu verdrängen, etcetera.

Jetzt habe ich die hundertzwölf Seiten lange Geschichte, die in sich noch vier weitere Geschichten hat, gelesen und während des Lesens öfter gedacht, daß da  in dem kurzen Buch eigentlich sehr sehr viel passiert.

Die Geschichte von dem abgesprungenen amerikanischen Kampfflieger, von dem russischen Kriegsgefangenen, der Göring ein Bild gestohlen haben kann, von der von dem Apothekernazi mißbrauchten Isolde und dann natürlich von dem Großvater, der eigentlich gar keiner ist.

Viel zu viel in hundertzwölf Seiten und ,wie kommt das zusammen?, habe ich gedacht.

Aber es ist eigentlich ganz einfach und Paulus Hochgatter, der am Mittwoch auch in Ö1 zu hören war, hat ganz recht, wenn er immer wieder kryptisch sagte, daß das alles auch ganz anders sein könne und eigentlich ist in dem niederösterreichischen Dorf im März und am ersten April 1945 vielleicht dann wieder nicht so viel passiert oder doch, der Krieg ging zu Ende und die Katastrophe, die Traumatisierung, die Zerstörung bleiben zurück.

Die Geschichte spielt auf einem Bauernhof,  der Bauer, die Bäuerin mit ihren fünf Töchtern, der Sohn ist eingerückt und in Wirklichkeit schon gefallen, aber das hat Laurenz, der etwas spinnerte Bruder des Bauern, wie er von sich selber sagt, verschwiegen und da ist Nelly, die Ich Erzählerin, dreizehnJahre alt und sie war eines Tages da, in einer blauen Jacke, konnte sich an nichts erinnern und es wurde rekonstruiert, daß sie die Tochter einer durch Fliegerbomben ums Leben gekommenen Flüchtlingsfamilie sein könne.

Sie sagt dann später, sie komme aus einem Dorf bei Temesvar, aber sie sagt und denkt sehr viel. Sie denkt sich durch   ihre Traumatisierung, die dissoziiet würden die Kinderpsychiater und Psychologen sagen und siebeobachtet sehr viel dabei.

Sie hat von Laurenz auch ein paar Schreibhefte bekommen und darin schreibt sie Geschichten, die alle dann auch wieder gut ausgehen, so wurde der amerikanische Pilot, der auf der Wiese gefunden wurde, von der aufgebrachten Menge nicht aufgehängt und der Sohn der Agnes, die die Annemarie, die deswegen und auch wegen anderen, ins Bett macht, adoptieren will, das habe ich nicht ganz verstanden, denn sie hat ja eine Familie, der die traumatisierte Nelly ja auch zur Pflege übergeben wurde, aber der Sohn der Agnes ist in einen Bach gefallen und dann wieder von einem Mädchen mit einer blauen Jacke gerettet wurden.

Dazwischen kommt ein Nazi zu dem Bauern, erzählt von der nicht eingehaltenen Verdunkelung und die Bäuerin holt wahrscheinlich Speck und Eier aus der Speisekammer, um noch einmal davon zu kommen. Isolde, die Hutverkäuferin, breitet ein Leintuch über den Ausstellungstisch aus, damit ihr der Apotheker, die Tabletten gibt, die sie für ihre Mutter brauch.

Das  alles wird nur angedeutet und kann, konnte natürlich anders sein, schließlich wurde Paulus Hochgatterer erst 1961 geboren und hat nicht erlebt, wie es wirklich war.

Der Kriegsgefangene Michail, ein Supratemist, taucht mit einem Bild in einer Rolle auf und wird von der Familie aufgenommen. Auch andere Ausgebombte sind am Hof und helfen bei den Erdäpfeln. Es ist die Karwoche, die Bäuerin färbt Eier. Da kommen auf einmal zwei Leutnants herbei, quartieren sich ein, verlangen am Karfreitag einen Braten.  Die katholische Bäuerin hat Schuldgefühle und denkt an das Fegefeuer, der vorwitzigen Nelly, die natürlich ganz anders heißen kann, Elisabeth, beispielsweise und sich für Märtyrer interessiert, ist das egal. Sie hat dem Russen eingeredet, er solle sagen, er würde aus Donauschwaben kommen.

Das glaubt ihm der Leutnant nicht und die Striche, Kreise und Quadrate, der Suprametischten, die Schlößer Häuser, Menschen und abschießende Flugzeuge darstellen sollen, entartete Kunst haben die Nazis dazu gesagt und er soll deshalb auch erschossen werden.

Das ist auch so eine Geschichte aus Nellys Heft wahrscheinlich, denke ich mir und der Großvater, der in Wahrheit keiner ist, Nelly in ihrer Dissoziation aber so zu ihm sagt, sie hat einen Kriegsschaden nennen die anderen das, was wir heute Traumatisierung nennen, taucht auf und sagt „Schämen Sie sich nicht! und der Russe wird nicht erschossen.

Das habe ich schon ganz anders gehört, aber natürlich auch, daß solche Geschichten wirkten und man soll sie natürlich versuchen, ganz klar.

Am Ende macht die Annemarie wieder ins Bett, Nelly weicht ihr Leintuch ein, steckt ihre Hefte in Annemaries Schultasche, dazu das Bild in der Rolle und haut ab.

Aber vielleicht ist auch hier alles anders und es kann natürlich nicht schaden, immer wieder von den letzten Tagen des Krieges zu hören, obwohl sich die Realität durch das fortwährende Erzählen natürlich auch verändert, wie die Kinderpsychiater sicher ebenfalls wissen.

Paulus Hochgatterer ist mit seiner kurzen Erzählung im Vormonat auf der Bestenliste des ORF gestanden und ich habe mir gedacht, er wird den Öst gewinnen, jetzt steht Robert Menasse darauf, dem ich das eigentlich wünsche, aber Doron Rabinovici habe ich noch nicht gelesen und danach kann für mich auch wieder alles anders sein.

2017-10-12

Chikago

Nein, das ist kein Flüchtigkeitsfehler, denn Theodora Bauers zweiter bei „Picus“ erschienener Roman, heißt wirklich so und auf die Idee ist die 1990 in Wien geborene und im Burgenland lebende Autorin, deren „Fell der Tante Meri“ noch  in den Regalen wartet und die von der Schreibwerkstatt des Semier Insaif, die er immer in der „Gesellschaft für Literatur“ vorstellt, glaube ich, gekommen, als sie in Kittsee oder sonstwo eine Siedlung mit diesem Namen sah, denn im armen Burgenland, das erst 1921 zu Österreich gekommen, ist, die Grenze mitten durch das Feld geschnitten und die Burg von Bratilava, das vormals Pressburg hieß, ließ sich auch noch sehen, hat es zwei große Auswanderungswellen gegeben. In den Zwanziger- und in den Fünzigerjahren und von der ersteren war auch Alfreds Tante Ida betroffen, die ich mit ihm und der Anna 1989 das erste Mal in dem Vorort von New York, wo sie lebte besuchte und  Alfred mit der Anna dann noch einmalzu ihrem hundertesten Geburtstag dort war.

Theodora Bauer hat geforscht, ist ins Auswanderungsmuseum gegangen, das es im Burgenland gibt und auch in eines in Hamburg, wo die Leute ausgeschifft wurden. In Chicago ist sie vielleicht auch gewesen und am Schluß des Buches kann man in den Danksagungen  lesen, wer ihr aller bei der Arbeit geholfen hat.

Die „Gesellschaft für Literatur“ wird da erwähnt, das Literaturhotel „Die Wasnerin“ das ja Autoren Aufenthaltsstipendien gewährt und auch der zwanzigste Klagenfurter Literaturkurs, wo der Text vielleicht besprochen wurde und dann ist, wie man am Klappentext nachlesen kann, Theodora Bauer „gelungen ihren Protagonisten Seele, ihrer Geschichte Realsimus, ihrem Schicksal Tragik und Schönheit verleihen.“

So ganz bin ich zumindestens mit dem, was die Realistik betrifft, nicht einverstanden, ist mir doch ein klein Wenig zu viel Sex und Crime dabei, zumindestens, was das Crime betrifft, denn da passieren ja zwei Morden, die dem ganz normalen burgendländischen Auswanderern, der aus seinem Elend heraus in die USA gefahren ist und von dort wieder zurück oder auch nicht gekommen sind, wahrscheinlich nicht passierte.

Trotzdem war das Buch, das in vier Teilen, die  die Jahreszahlen 1921, 1922, 1937 und nochmals 1937 tragen, sehr beeindruckend und es werden in den vier Teilen eigentlich sehr abgeschlossene Geschichten erzählt, für die man vielleicht  ein bißchen braucht, um ganz in sie hineinzukommen, denn Theodora Bauer versteht ihr Handwerk und hat auch eine sehr poetische Sprache, spart vor allem, was, was ich ja auch immer höre,  den guten Roman ausmacht, sehr viel aus.

Es beginnt also 1921 im burgenländischen Dort an der Grenze und da sind die Schwestern Alica oder Ana und Katarina oder Katica, man sieht schon die Sprachvielfalt und vielleicht auch, die der verschiedenen Nationalitäten und den verschieden ausgesprochenen Namen.

Ana und Katica sind Halbgeschwister, denn Anas Mutter ist bei der Geburt gestorben, da hatj sich der Vater eine andere Frau geholt, die dann, wie das damals so war, auch bei der Geburt gestorben ist. Der Vater ist Schmidt, die Zigeunersiedlung liegt  nebenan.

1921 ist auch der Vater gestorben und Katica, die schöne wurde auf einem Fest von Feri, Ferenc, Feric oder Franz, dessen Eltern und Geschwister schon in die USA ausgewandert waren und zum Teil wieder zurückkamen, geschwängert. Jetzt will er auch dorthin, denn die Zeiten sind schlecht, keine Arbeit, keine Aussicht auf eine Lehre, etcetera.

Er kann aber nicht, wie er will, denn eines Tages steht Katica an der Schwelle und sagt, sie kommt mit, denn sie will kein lediges Kind. So rüstet sie schon zur Hochzeit, nimmt das Kleid der toten Mutter, das natürlich nicht mehr passt, aus der Truhe am Dachboden und Feri hat Schwierigkeiten, denn die Schiffspassage für Katica kostet Geld, das er nicht hat. So gerät er in illegale Machenschaften, ein Gendarm wird im Wald erschossen und Anica, die schweigsame oder mutige, Halbkroatin, es werden immer wieder kroatische Sätze in das Buch eingestreut, nimmt das Heft in die Hand, erpresst die Schiffspassage und kommt ebenfalls nicht.

1922 sind sie dann in Cicago, haben zuerst bei der Familie von Feris Bruder gewohnt, Feri beginnt zu arbeiten und zu trinken, obwohl da ja damals, glaube ich, Zeiten der Probibition waren, es hat aber versteckte Lokale gegeben, wo Branntwein ausgeschenkt wurde und Katica stirbt ebenfalls bei der Geburt. Feri gerät in eine Schlägerei und dieses Kapitel endet, daß Maria, die Schwägerin, die ebenfalls schwanger ist, Ana das Kind, den kleinen Josip, der später Joe oder Josef heißen wird, aus der Hand nimmt und sagt, sie weiß für sie eine gute Stelle, als Haushälterin.

Dann kommen wir ins Jahr 1937 und da gibt es in Chicago Probleme, denn Joe hat von Cathy, seiner Schwester, erfahren, daß sie das gar nicht ist, das löst in ihm einen Schock aus, denn Maria und Kristof haben ihn verschwiegen, daß sie nicht seine richtigen Eltern sind. So kommt er erbost in das vornehme Haus, wo seine Teta Ana, Haushälterin ist und die junge Lily White, die die Welt ergründen und sich auch, um die Armen von Chicago kümmern will, verlangt von Auntie Ana, daß ihr Neffe Josip sie dort hinführen will.

Da wird es jetzt auch ein bißchen kryptisch, denn es wird sehr viel geschwiegen in dem Buch, was ja psychologisch nachzuvollziehen ist. Der Geist der Missis, die im Haus herumspukte und sich als nervenkrank erwies und in eine Klink abgeschoben wurde, hat mich aber ein bißchen an Daphe de Maurier oder die englischen Gespensterromae erinnert.

Sei es, wie es ist, Herr White, wie er sich nennen läßt, ist nach dem Tod seiner Frau, der wenige Jahre später in der Nervenheilanstalt erfolgt ist, viel auf Reisen und seine Tochter Lily, der schweigsamen Haushälterin, die immer knickst, obwohl Lily, das gar nicht will, überlassen und Josip führt die unsichere, sie scheinen alle so, um die fünfzehn, sechzehn zu sein, zu einer Demonstration, weil die Arbeiter der Fleischfabriken streiken und Lily steht imit ihrem Hut und den teuren Schuhen in der ersten Reihe und sieht zu, wie die Polizei auf die Streikenden schießt und sie mit Tränengas betäubt.

Das versetzt sie und das erscheint mir unglaubwürdig, wenn nicht wieder so, wie in den Romanen aus dem neunzehnten Jahrhundert, kitschig, in eine Art von Katatonie. Josip schleppt sie, wie einen Mehlsack auf seinen Schultern heim und die Tante verlangt von ihr, daß er sie fortan jeden Tag besucht. Das macht er eine Zeitlang und sitzt am Bett, der sich schlafend Stellenden und das denke ich, hätte, in der Welt der Klassenunterschiede, wie sie damals herrschten, wo man alleine nicht in die „schlechten“ Vierteln gehen konnten, eine Haushälterin niemals gemacht und das mit den verrückten Mädchen, die dann in den Nervenheilanstalten verschwinden, sollte eine 1990 geborene Autorin, wenn sie über das Amerika von 1937 schreibt, vielleicht auch nicht verwenden.

Sei es wie es ist, Cathy, die Cousine und nicht wirkliche Schwester ist Josip bei seinen Besuchen in die reiche Villa, eifersüchtig gefolgt und steht vor der Tür. Lily, am Fenster und läuft den beiden im Nachthemd in den Park zu dem See nach, wo Cathy schließlich ertrinkt und Ana muß wieder handeln, beziehungsweise mit dem Neffen zurück ins Burgenland flüchten.

Aber das hat sich ja inzwischen auch verändert, zwar ist die Armut nicht kleiner geworden, ganz im Gegenteil, aber die blonden Burschen, die illegalen Nazi, marschieren für die Zukunft und streuen, die noch verbotenen Hakenkreuze aus und wenn man das mit den Videos der Identitären, die heute im Netz zu sehen sind, vergleicht, wird einer schlecht und kann nur hoffen, daß Theodora Bauer da wieder übertrieben hat.

Josip, der jetzt nicht mehr Joe, weil ein echter Deutscher ja nicht so heißt, gerät in die Fänge solcher  Jungnazis, marschiert mit, streut Hakenkreuze aus, was man ja für eine Kinderei halten könnte, aber dann trägt er die Fahne, als es an das Haus einer aufmüpfigen offenbar sozialistischen alten Frau gegen soll, das angezündet wird. Es wird auch ein Stein auf dem das Wort „Zigeuner“ steht, in Anas Elternhaus geworfen und die jüdischen Geschäfte werden sowieso beschmiert.

Ana steht daneben, beobachtet, schweigt und ist, wie das bei den kleinen Leuten halt so ist, unfähig sich zu  wehren und kann nur hoffen, daß die Zukunft, keinen „Faschingsumzug bringt, von dem dann später  niemand etwas gewußt haben will“.

Das können, denke ich, wir auch so hoffen und vielleicht noch etwas dagegen tun. 1937 ist achtzig Jahre vorbei und der Roman  trotz seiner meiner Meinung nach unnötigen Übertreibungen, sehr interessant und ich kann das Lesen sehr empfehlen.

2017-10-08

Wer hier schlief

Weiter geht es mit der österreichischen Literatur. Es gibt aber zwischen dem deutschen, da habe ich ja siebzehn Bücher geschafft und dem österreichischen Buchpreislesen eine kleine Pause, beziehungsweise gibt es jetzt zwei österreichische Neuerscheinungen, die es es nicht auf die Listent schafften.

Beim Ersten bleiben wir zumindestens, was den Verlag betrifft in Deutschland, denn Isabella Straubs zweiter Roman „Wer hier schlief“, ist bei „Blumenbar“ erschienen und ich kenne die 1968 geborene, seit sie den FM4 Preis gewonnen hat.

Dann kam ihr erster Roman „Das Fest des Windrads“ , das hat sie bei einem der Literaturhausfeste vorgestellt. Ich hätte es, glaube ich, auch bei „Thalia“ um zehn Euro kaufen können, habe es aber liegenlassen und fange mit dem Straub lesen also erst mit „Wer hier schlief“ an und das war ein Erlebnis, nämlich ein sehr frischer Ton, mit der diese Aussteigergeschichte wiederum sehr ironisch, aber nicht so abgehoben, sondern eher leicht zu lesen, geschrieben ist.

Da geht es um Philipp Kuhn und der spaziert in Wien herum. Das heißt, ich denke, es ist Wien, wird auch so erwähnt, aber viele Straßennamen sind, glaube ich, erfunden, während es das Museumsquartier und das Kindermuseum, etcetera gibt.

Und für Philipp Kuhn fängt es eigentlich sehr euphorisch an. Er hat seine Freundin Vera in deren Sicherheitstürenfirma, er gearbeitet hat und mit der er auch in einer Villa lebte, verlassen, um mit Miriam zusammenzuziehen. In deren Wohnung hat er schon seinen Laptop und seine Sparbücher deponiert, denn mit ihr will er eine Firma aufmachen. Jetzt trägt er nur den Adam, ich glaube ein Kopie des Bildes von Rudolf Hausner im Arm, um sich mit ihr zu treffen.

Wegen einer Demonstration verpasst er sie aber, kann sie am Handy nicht erreichen und als er bei ihr klingelt, öffnet eine fremde Frau. Er geht in das Hotel, wo sie als Rezeptionistin arbeitet, aber dort erscheint die Polizei, Miriam scheint irgendetwas veruntreut zu haben, während er noch auf sie wartet, kommt er ins Gespärch mit einem alten Mann, der ihm Locum anbietet und ihm erzählt, daß er sehr oft in das Hotel kommt, um Leute zu beobachten, etcetera.

Ach ja, das habe ich vergessen, Philipp ist nicht ganz gesund, er leidet an Reflux, muß Tabletten nehmen und Diät halten. Er hat aber kein Rezept mehr, so bekommt er einen Anfall und in ein Krankenhaus und vorher oder nachher besucht er seine Mutter um bei ihr zu übernachten, denn er hat ja jetzt keine Wohnung mehr.

Die ist aber eine seltsame Frau, die mit ihrer Nachbarin befreundet ist, hat in seinem ehemaligen Zimmer längst einen Untermieter einquartiert und will von ihm nichts wissen. Seine Schwester Andrea, die in Amerika lebt, ist auch nicht sehr hilfreich, obwohl sie regelmäßig anruft, so bleibt ihm nichts anderes über, als im Fitneßstudio, wo er eine Jahreskarte hat zu übernachten. Das geht aber nicht unbegrenzt, denn das ist ja verboten. Er lernt in der Ruhekammer aber Tamara kennen und die bringt ihn in einer seltsame Wohngemeinschaft oder Hausbesetzterszene unter, die sich in Altersheimen einquartiert, dort die leerstehenden Wohnungen renoviert und während dieser Zeit dort wohnt und für den Abend organisieren sie einen Dienst, die die öffentlichen Buffets abklappern und die Buffets abräumen.

Man sieht Isabella Straub räumt ganz schön mit dem Kapitalismus ab und das ist auch etwas, das ich selber früher manchmal machte und auch darüber geschrieben hat.

Ein ehemaliger Arbeitskollege taucht auf, verspricht daß Philipp ein paar Nächte bei ihm schlafen kann, als er aber dort läutet, macht ihm keiner auf. Er erzählt ihm aber, daß Miram offenbar auch Betriebsspionage betrieben hat und die Polizei ermittelt.

So bleibt Philipp nichts anderes über, als bei dieser Hausrenovierungssekte mitzumachen. Er besucht aber den alten Herrn, der auch sehr karank ist, in seiner Wohnung. Der führt ihn in ein Erinnerungskabinett und serviert ihm ein Gesundheitselexier, obwohl Philipph ja keinen Alkohol trinken darf. Später trifft er ihn  im Krankenhaus, wo er seine, inzwischen dort eingelieferte Mutter besuchen will, wieder.

Auch da kommt es zu grotesken Szenen, denn die Patienten werden ständig verlegt und Philipp, der während er auf seine Mutter wartet, die Geburtstation besucht, klaut dort einen Blumenstrauß, weil ihm ja inzwischen auch das Geld ausgegangen ist. Aber den bekommt dann der alte Herr Solak und nicht seine Mutter, weil die sich  inzwischen ohnehin mit ihrem Untermieter, beziehungweise den Chefarzt, für den sie sich von ihrer Nachbarin schminken läß,t vergnügt.

Der alte Mann stribt. Philipp zieht in seine Wohnung und am Ende geht er mit seinem „Adam“ zu einer Vernissage, wo auch die Hausners ausgestellt sind, sperrt sich dort am Klo ein und legt sich schließlich mit seinem Bild vor das Original.

„Es wurde ganz leicht, sein Körper löste sich vom Boden, wog nichts mehr, schwebte jetzt, das fühlte er ganz klar und es überrasche ihn nicht.

Als ein milchiger Himmel das Ende der Nacht ankündigte, schlief er ein“.

Ein eindrucksvolles Buch, das mir sehr gut gefallen hat. Schade daß es nicht auf eine der LLs gekommen ist. Es macht aber auch nichts wirklich, denn man kann es ja trotzdem lesen und soll das meiner Meinung nach, auch tun.

2017-10-07

Das Floß der Medusa

Jetzt kommt Buch siebzehn des deutschen Bp 2017 und das letzte das ich wahrscheinlich lesen werde, Franzobels „Floß der Medusa“, eines das sehr gelobt wird und von dem ich schon im Sommer 2016 eine Lesung in der „Alten Schmiede“ hörte.

Damals war das Buch noch nicht fertig. Franzobel hat viel von der Entstehungsgeschichte und auch von der Geschichte der 1816 gestrandeten Medusa erzählt, wo die unteren Chargen auf einem selbstgebastetelten Floß sich selbst überlassen wurden und vierzehn Tage später nur mehr fünfzehn ausgemergelten Gestalten, die ihren Urin tranken und sich von Mernschenfleisch ernährten, gefunden wurde.

Darunter war der Schiffsarzt Savigny und der Wissenschafter Correard, die dann einen Bericht darüber geschrieben haben. Der französische Maler Gerricault hat ein Bild gemalt, das im Louvre hängt. Andere Schriftsteller, wie Julian Barnes haben auch schon über das Schiffsunglück geschrieben, bis Franzobel auf die Spur kam und, glaube ich, drei Jahre daran gearbeitet hat.

Zum Zeitpunkt der Lesung hatte er, glaube, ich dreihundert Seiten, zumindesten habe ich mir das so aufgeschrieben. Jetzt ist es mit fast sechshundert Seiten das zweidickste Buch der Liste geworden. Die Danksagung ist mit November 2016 datiert. Das Buch ist im Frühling erschienen und wurde auch bei den O- Tönen vorgestellt.

Also hatte ich schon ein bißchen was darüber gehört, kenne Franzobel mit dem ich ja auch in der „Ohrenschmaus-Jury“  bin, seit seinem Gewinnen des Bachmannpreises 1995 sehr gut.

Vorher hat er in Kleinverlagen wie das „Fröhliche Wohnzimmer“ publiziert und seine GAV-Aufnahme wurde auch heftig diskutiert. Dann kam der Erfolg und viele Lesungen des Autors, der immer mit einer Flasche Bier auftritt, die er aus seinen Rucksack nimmt.

Ich war bei vielen Lesungen, er schreibt ja auch Theaterstücke und überhaupt sehr  vielen Stilen. Bei seinem Krimi „Wiener Wunder“, den ich bei der „Buch Wien“ gewonnen habe, habe ich erkannt, daß er ein sehr sehr guter Schreiber ist. Ein Fabulierer und Wortspieler in allen Stilen zuhause mit einer überbordeten Phantasie und das ist ihm wohl auch hier zu Gute gekommen, wo er sich immer wieder als Erzähler einmischt und von Sachen erzöhlt, die erst später erfunden wurde. Es gibt auch immer wieder lockere Wendungen, wie „Dreimal neun ist Donnerstag“.

So machts das Lesen wahrscheinlich  spannend. Denn eigentlich ist es ja ein Thema, das mir nicht so besonders liegt.  Abenteuerromane, wie das Schiffsunglück, das vor zweihundert Jahren passierte, interessierem mich, die auch nicht, die ich  Karl May nie gelesen habe, so sehr.

Trotzdem ist das Buch lehrreich, obwohl, ich schreibe es gleich, ich es mir nicht auf die Shortlist wünschte und mir bei dem Sieger, der am Montag bekanntgegeben wird, eigentlich Marion Poschmann wünsche und für den Öst  Robert Menasse. Franzobel hat aber höre und lese ich immer gute Chancen und die meisten Buchblogger und Vlogger sind auf das Buch sehr neugierig.

Es beginnt mit der Entdeckung des Floßes am 18 Juli, 2016 .

„Nach einer wahren Begebenheit“, steht unter dem Roman und das ist, wie geschildert, eine bescheidene Untertreibung ist diese Begebenheit ja sehr gut dokumentiert.

Franzobel hat aber drastische Schilderungen mit denen er beschreibt, wie die Männer sich bei der Rettung wahnsinnig gebährdeten und von dem vielen Essen schwärmten, das sie nun zu sich nehmen würden.

Savigny kommt nach Frankreich zurück. Dort soll die Angelegenheit natürlich vertuscht werden. Es gibt dann noch ein Kapitel von einem in Frankreich herumirrenden Vollmatrosen, der in einem Armenspital landet, bevor die Geschichte von vorne erzählt wird.

Von der Abfahrt des Schiffes  und seinen Passagieren, ein Apotheker ist mit seiner Familie an Bord, ein Gouveneur, der mit seiner Truppe nach Senegal will, einige Wissenschaftler, ein Jude,  der ständig Witze erzählt, ein Missionar und der Kapitän ist eigentlich unfähig ein Schiff zu leiten, weil er früher Zöllner war. Er wird auch von einem angeblichen Freund, der sich als Hochstapler entpuppt, immer wieder Fehlgeleitet.

Zuerst wird aber die Auspeitschung eines Matrosen oder Soldaten, nur weil er fluchte, geschildert, der dabei stirbt. Ein anderer Matrose wird über Bord geschmissen.

Zwei Todesfälle, die das Unglück ankündigen und die Ratten, hat Franzobel geschrieben, haben das Schiff sowieso nicht erst betreten. Dafür gibt es einen Küchenjungen, namens Vikto. Einen Sohn einer begüteten Familie, der von zu Hause ausgerissen ist,er zuerst vom Schiffskoch schikaniert wird und später zu Savigniys Assistenten wird, der auf den Schiff Studien betreibt.

Als die Gefahr der Sandbank sichtbar wird, versuchen die Offiziere, den Kapitän zum richtigen Verhalten zu bringen, der wird aber von seinem Freund überredet, das falsche zu tun. Dann weigert man sich auch noc,h die unnötigen Sachen von Bord zu schmeißen. Zuwenig Rettungsboote sind da. Die Idee mit dem Floß kommt auf, auf die die niedigen Chargen geschickt werden.

Savigny ist aber auch darunter. Die versprochenen Leinen werden auch noch gelöst und so schaukelt das Floß vierzehn Tage am Meer und die Anwesenden reduzieren sich. Leichen werden gegessen, getötet und am Schluß sind nur noch die Fünfzehn übrig.

Es kommt dann doch zu einer Verurteilung des Kapitän. Aber die Strafe fällt sehr mild aus und wir können und auch bei Franzobel nachlesen, was da vor zweihundert Jahren geschehen ist.

Wie beschrieben, die vielen launigen Anmerkungen störten mich etwas und Abenteuergeschichten sind sowieso nicht das meine. Ich kann aber nicht verhelhlen, daß das Lesen durchaus interessant und spannend war und nun bin ich auf den Montag neugierig.

2017-10-06

Schau mich an, wenn ich mit dir rede

Buch sechzehn des dBp, ein Longlistbuch und wir bleiben in Österreich und sind  beziehungsweise dort angekommen, Monika Helfers kleiner feiner Roman über die Patchworkfamilie oder ist es eine Episodensammlung, das, was sich die 1947 im Bregenzerwald geborene Frau von Michael Köhlmeier und Mutter der früh verunglückten Paula, so ausdenkt, wenn sie eine Frau in der U-Bahn sitzen und mit ihrer Tochter schimpfen hört.

Ich denke, es ist eine Episodensammlung und das Besondere an der Geschichte ist, daß es über die reine Patchworksammlung, wie sie etwa Ruth Cerha oder Elfriede Hammerl schreiben, hinausgeht, aber auch etwas, das man nicht gleich bemerkt.

Ich habe es jedenfalls nicht sofort und bin nach Robert Menasses „Hauptstadt“ auch nicht sofort in das Buch hineingekommen und habe mir bei der ersten Geschichte nur gedacht „Hey, was soll das und das ist jetzt jener platter Realismus, wie ich ihn ja angeblich immer schreibe und wie es dem Obdachlosen damals in der „Augustin Schreibwerkstatt“ auch nicht gefallen hat!“

Ist es nicht, aber das habe ich erst bei der zweiten Lesetrache gemerkt und Mariki Fallwickl, die offizielle Bücherbloggerin, hat es vielleicht auch zu wenig überhöht gefunden. Es sind aber kleine feine Geschichten, die sich Monika Helfer da ausdachte und sie haben mit der simplen Patchhcworkrealität, wie sie jetzt ja so viele Kinder erleben, gar nicht so viel zu tun und das Buch hat, denke ich, auch mit den Beschreibungen am Büchrücken und am Klappentext nicht so viel zu tun, jedenfalls würde ich es anders interpretieren.

Da fährt also eine Frau, ich denke, es ist die Erzählerin in der U-Bahn, beobachte,t wie eine Frau vor ihrem Kind über dessen Vater schimpft, bei dem die Kleine offenbart jetzt wohnt und dann denkt sie sich in den folgenden vierunddreißig Kapiteln Geschichten und zuerst einmal Namen für ihre Personen aus.

Die Kleine könnte Genoveva, Vev genannt, heißen, die Mutter Sonja, der Vater Milan und die Mutter wird als drogensüchtige, von einem Sozialarbeiter betreute Frau, die auch in einer Klinik war, beschrieben, was ich, die ich ja öfter solche Geschichten höre, nicht so ganz realitätsgerecht beschrieben fand.

Es geht aber gleich weiter und geht dann wirklich in die Phantasie und da wird es wirklich schöne heile Welt-Geschichte, die dann gar nicht kitschig ist.

Sonja geht nämlich nach der  Begegnung mit ihrer Tochter, die beim Vater und dessen neuer Frau Nati, einer Krankenschwester und deren zwei Töchtern lebt, auf den Karlsplatz, für die Nichtwiener, das ist ein Drogenumsatzplatz oder war zumindestens mal einer und  trifft dort, the Dude, den Weltretter, der eigentlich Eric heißt, der nimmt sie mit in seine Wohnung, putzt das Bad, gibt ihr Geld für schöne Kleider, etcetera. Das alles wird nach und nach in den kleinen Geschichten erzählt.

Milan ist vielleicht auch ein wenig unrealistisch, denn er arbeitet nichts und lebt vom Geld, das ihm seine Mutter zusteckt. Nati oder Natalie, ist die einzige, die arbeitet und die hat sich auch eine Traumwelt, nämlich „Natis schöne Welt“ oder so ausgedacht und da kommen  bei einer Krankenschwester natürlich die Ärzte vor.

Nati trifft sich in der Mittagspause öfter mit ihrer Freundin Eva in der Kantine, die zwar eigentlich nicht im Krankenhaus arbeitet, aber Nati hat ihr den Zutritt  verschafft und eines Mittags landet Nati im Zimmer vom Oberarzt Doktor Traxler, im sechstten Stoc, beziehungsweise auf seiner Liege, sie will nämlich noch ein Kind. Milan nicht, so will sie ihm eines unterschieben, während Milan inzwischen zu der Trafikantin geht, den Vev hat  bei dem letzten Besuch bei ihrer Mutter den Hund Nemo, das heißt Niemand, mitgenommen, der eigentlich Eric, genannt, the Dude, gehört.

Milan bringt ihn zu der Traffikantin, die auf ihn aufpassen soll, fängt mit ihr ein Verhältnis an und kümmert sich dann nicht mehr um den Hund, so daß ihn die Trafikantin zu sich mit nimmt und schließlich kommt ein Brief von the Dude, der die ganze Familie, Milan, Nati und die Kinder zu sich und Sonja in ihre neue große Wohnung, die er sich irgendwie ergaunert hat, zum Essen einlädt und die Wohnung ist so groß, daß sie für alle Platz hat.

So überlegt Vev, wenn sie dorthin geht, den Hund mitzunehmen, Nati geht wieder in Dr. Traxler Sprechzimmer und macht mit ihm Schluß und nur Milan überlegt abzuhauen und auszuwandern.

Ein schöne Traumgeschichte von der schönen heilen oder auch nicht so heilen Familienwelt, denn Milan wird in dieser von der Lehrerin in die Schule gebeten um über Vevs Aufsatz zu sprechen, in dem sie über ein Problem schreiben sollte, aber offensichtlich nur eines erfunden hat, was die Lehrerin, die ja über die Probleme der Kinder Bescheid wissen woll oder muß, erboste, so daß sie Themenverfehlung darunter schrieb.

So geht es auch und das ist, denke ich, Monika Helfer meisterhaft gelungen, obwohl ich mir ganz ehrlich, auch nur einen ganz gewöhnlichen Patchworkroman erwartet habe.

2017-10-01

Die Hauptstadt

Buch fünfzehn der dBpl und das vierte dortige Shortlistbuch sowie das zweite der österreichischen Liste, ja allmählich nähere ich mich dieser an, Robert Menasses“Hauptstadt“, der sogenannte Brüssel-Roman, der eigentlich keiner ist, was man aber wahrscheinlich erst nach dem Lesen erkennt und ich sage es gleich, ein tolles Buch. Ich bin ja kein Menasse- Fan, den ich oft als sehr zynisch empfand und bei Sitzungen auch erlebte, wie er andere angriff oder fertigmachte.

Gelesen habe ich schon etwas von ihm, ich glaube, den „Don Juan“ und dann noch etwas, aber nichts gebloggt und bei Lesungen und Veranstaltungen habe ich ihn, weil ja Wiener und ehermaliger oder noch immer Stammgast des „Sperls“ auch öfter erlebt. Er geht auch gerne zu Preisverleihungen und spricht dort dien Bürgermeister oder andere Größen auf Skandale an, also ein interessanter Mann und was ich jetzt erst enrtdeckte, ein genialer Autor, denn das Buch, in dem es  genau genommen, um gar nichts geht, hat mir sehr gut gefallen.

Wenn ich so den Blogprognosen folge, bekommt Franzobel den bBp, dann würde ich Robert Menasse den Öst wünschen, obwohl, Franzobel muß ich wie Doron Rabinovici, der mir wahrscheinlich auch sehr gut gefallen wird, erst lesen.

Mein viertes Shortlist Buch unds zweite das mir dort gefällt, mit den ersten beiden hatte ich es nicht so und die anderen zwei sind sehr verschieden.

Marion Poschmanns lyrisches Prosastück, das sehr poetisch,auch einiges anprangert, Robert Menasse realistisch politisch, satirisch, sarkastisch, also etwas, was ich vom Sarkasmus abgesehen, sehr mag und auch so schreiben möchte und so finde ich es sehr toll, daß neben den vielen „Midlifemännerkrisengeschichten“, da auch was handfest Politisches auf der Liste steht, weil ich ja selbst auch so zu schreiben versuche und mit meiner „Unsichtbaren Frau“ auch gerade wieder dabei bin.

Es ist aber auch ein Buch über das Sterben und den Tod, was ich erstaunlich fand, denn Robert Menasse ist ja eigentlich noch ein junger Mann, ein paar Monate jünger als ich, also in der Blüte seines Lebens und er jongliert auch gekonnt und zynisch mit den Genres.

So würde ich „Die Hauptstadt“ als EU-Krimi bezeichnen und Auschwitz, der Holocaust, diese ewigen Themen, gibt es auch.  Robert Menasse trägt sie vielleicht zu Grabe, denn er letzte Auschwitz Überlebende stirbt ja in dem Buch und kommt daher der EU für ihre Jubiläumsfeier abhanden.

Aber zuerst geht es ja um das Schwein, das es vielleicht nicht wirklich gibt und sich letztlich als ein Phantom herausstellen könnte, das da durch Brüssel rennt.

Der Prolog fasst schon schön alle <hHauptpersonen zusammen, denn denen begegnet ja das Schwein und passiert jetzt viel oder nichts in Brüssel?

Beides natürlich, denn der letzte Auschwitz-Überlebende David de Vriend zieht in ein Altersheim, vornehm Seniorenrsidenz genannt und auch darüber macht sich Robert Menasse,  gehörig lustig.

„Wir wollen doch, daß es uns gut geht!“, sagt Schwester Josephine, die nicht als solche genannt werden will,ständig und entpuppt sich am Schuß doch als mitfühlende Frau und nicht, wie der Drachen oder der Inbegriff eines neuen Pflegeskandals, wie wir ihn in Österreich ja jetzt wieder haben.

David de Vrien,d der ehemalige Lehrer, der damals seinen Eltern und seinem Bruder im Zug nach Auschwitz, gerade noch entsprang und deshalb lebenslange Schuldgefühlen, begibt sich langsam in die Demenz und auch das wird von Robert Menasse sehr schön beschrieben.

Show not tell, liest der Zyniker etwa Schreibratgeber? Denn da liegt das Notizbuch, das die untersuchende Psychologin ihm bei seinem Einzug vorsorglich übergibt, im Eiskasten und das Wort vergessen wird kein einziges Mal erwähnt, zumindestens in diesem Strang nicht, denn es gibt ja noch andere. Den des Mordes der Anfangs passiert und der dann auf höhren Befehl und Auftrag vertuscht wird und daher einfach verschwindet und wir wissen das ganze Buch lang nicht, wer da eigentlich ermordet wurde?

Oder doch, die katholische Kirche hat es sich zum Auftrag gemacht, die isamistischen Attentäter, bevor sie morden können, selbst zu eliminieren. Ein ehemaliger Priesterzögling führt das aus und tut dabei irgendeinen Fehlgriff, so daß er auch verschwinden muß und dann gibt es ja das Schwein, das durch Brüssel rennt und natürlich auch die Schweinebauern und die Schweinelobby und Martin Susmann, der Sohn eines österreichischen Schweinebauers, der studieren konnte und jetzt in Brüssel in einer Kulturkommission sitzt, soll ein sogenanntes Jubiläumsprojekt vorbereiten.

Aber vorher fliegt er nach Auschwitz zu er einer Gedenkfeier. Zieht sich dafür so warm an, daß er im Flugzeug schwitzt, wie ein Schwein und dort bekommt er die geniale Idee in dem Projekt Auschwitz als den Ursprung der EU zu demonstrieren und den letzten Überlebenden zu präsentieren.

Aber auch dieses Projekt wird untergaben und Fenia Xenopoulou, die griechische Zypriotin, will eigentlich weg aus der Kulturkommission, denn sie will ja Karriere machen und dafür ist die Kultur ein zu unwichtiges Ressort.

Dann gibt es noch einen österreichischen Professor, der auch als Experte in einem Think Tank sitzt und über die Krise der EU referien soll. Er kommt auch auf Auschwitz bei seinen Überlegungen und reist ab und wir haben uns durch vierhundert Seiten herrlichen Zynismus gelesen, so daß ich RoberrtMenasse den einen oder den Sieg, obwohl er mir persönlich, wie schon beschrieben,  zu zynisch ist, von Herzen wünsche.

Ein tolles Buch, in dem es um alles und nichts und daher auch ein bißchen, um die europäische Union, die ich ja auch nicht so mag, geht und interessant ist auch, daß „Literaturlärm“ bei ihrer „Buchpreisbücher-Vorstellungsrunde“, das Buch als zu politisch ablehnte und Mariki Fallwickl, eine der offiziellen Buchpreisbloggerinnen scheint beim Lesen damit auch nicht weiter zu kommen.

Nun mir hat es gefallen und ich habe dasLesen sehr genossen, werde mich jetzt an das letzte LL und das letzte SL der deutschen Liste machen, die ich noch habe und mir den Lehr und den Nolte und dann noch die Peschka vielleicht zum Geburtstag wünschen und mir die zwei anderen fehlenden Buchpreisbücher, wenn es geht, beim Literaturhaus-Flohmarkt, um ein paar Euro kaufen, da mir Bücher zum Normalpreis ja zu teuer sind.

2017-09-30

Die Kieferninseln

Nun kommt Buch vierzehn der LL und das dritte Buch der Shortlist, eines das ich mir darauf gewünscht habe, denn ich habe Marion Poschmann 2013 als sie mit der „Sonnenposition“ nominiert war, sehr poetisch gefunden und es ist auch das Shortlistbuch, das mir bis jetzt am besten gefällt.

Die zwei österreichischen Bücher muß ich noch lesen und mir den Lehr erst schenken lassen, aber bis jetzt würde ich ihr den Preis wünschen, da ihn Ferdun Zaimoglu, mein ursprünglicher Wunschkanditat nicht bekommen kann.

Denn Marion Poschmann ist es mit den „Kieferninseln“ gelungen, einen sehr poetischen Roman zu schreiben, einen in dem es um die Natur, um die vielen Grünschattierungen beispielsweise und die vielen Nadelbäumesorten geht, die es in Japan gibt, aber auch einer, so würde ich es mir  interpretieren, der sehr ironisch mit dem Janpanmythos, sie zeigt auch seine Schattenzeiten auf, als auch mit dem beliebten Longlistthema der Sorgen des mittelalten intellektuellen Schriftstellers oder Professors umgeht.

Denn hier haben wir auch einen solchen, Gilbert Silvester, Privatdozent, weil es ihm entweder wegen der prekären Verhältnisse, weil ja jetzt schon alle sutdieren und er auch kein betuchtes Elternhaus hat, er scheint aber jede Menge Geld zu haben, nicht gelungen ist, an eine Professur zu kommen und sich jetzt von Projekt zu Projekt hantelt.

Momentatn forscht er über die Beziihung zwischen Bart und Gott im Film, man sieht schon die Ironie, denn gibt es das überhaupt?

Er ist verheiratet mit Mathilda einer erfolgreichen Lehrerin und er ist offenbar sehr frustriert, denn er träumt  seine Frau würde ihn betrügen und bricht deshalb gleich nach Japan auf.

So beginnt das Buch und scheint auch in der Leseprobe enthalten zu sein, denn die Blogger oder You Tuber, die sie durchsahen, haben sich an dieser Formulierung gestört und auch mir schien es anfangs unrealistisch, daß das jemand wegen eines Traums gleich tun kann, also wieder einmal viel zu viel konstruiert.

Dann schlägt man das Buch auf, ich habe das PDF gelesen und versteht , daß das durchaus nachvollziehbar ist, denn dieser Gilbert Silvester ist sehr unzufrieden. So schnappt er seine Reisetasche begibt sich auf den Flugplatz und  bucht den ersten Langstreckenflug den er bekommen kann.

Der führt ihn nach Tokyo und das ist, so scheint es, gar keine gute Wahl, denn Gilbert Silvester ist ein Vegetarier und Kaffeetrinker. In Japan trinkt man aber nur Tee. Jedenfalls schenkt ihm schon die ewig lächelnde Stewardess mit dem Geishaknoten im Flugzeug sofort Grüntee ein.

Er versucht Mathilder telefonisch zu kontaktieren. Kann sie aber nicht gleich erreichen. Dann glaubt sie ihm nicht, daß er in Tokyo gelandet ist und legt auf. Da merkt man schon, daß der Traum mit dem Betrügen ein Vorwand war, denn warum sollte er  dann versuchen sie zu erreichen, wenn er sie verläßt, weil sie ihn betrogen hat.

Am Flughafen in Tokyo kauft er sich japanische Literatur und zwar ein Buch von oder über den Dichter Basho, dann ißt er Sushi, obwohl er rohen Fisch auch nicht mag und entdeckt am Bahnhof einen jungen Mann mit einer Sporttasche und einem Ziegenbart.

Vorher hat er schon darüber nachgedacht warum die Japaner sowenig Bärte haben und der junge Mann, es ist der Student Yosa Tamagotchi, man beacgte die Namen, die offenbar auch zur genialen Ironiekonzeptierung gehören, hat vor, aus Prüfungsangst auf die Gleise zu springen und aus Angst überhaupt zu versagen, hat er sich dieses Bärtchen angeklebt, denn damit wird ihn keine japanische Firma einstellen und er erspart sich den Frust.

Gilbert Silvester, den einige der anderen Leser, als unsympathisch erlebten, tut was man in solchen Fällen tuen muß. Er beginnt zu reden, um den Studenten von seinem Vorhaben abzulenken und nimmt ihn in sein Hotelzimmer, das nur aus einem Bett und zwei spartansichen Würfel besteht, in denen aber eine ganze Minibar mit Teekocher eingebaut ist., mit. In der Reisetasche des Studenten befindet sich ein anderes Buch, nämlich ein Ratgeber zum Selbstmord, denn offenbar werden die Japaner, wenn sie versagen, in diesen gewzungen und Gilbert überredet ihn nun mit ihm zu kommen und einen besseren Platz für den Selbstmord zu finden, als ein Eisenbahngleis.

Gilbert hat aber inzwischen ganz andere Pläne, will er doch auf den Spuren der beiden Dichter Basho und Saigyo, die einmal ausgestiegen sind, eine Pilgerreise nach den Kieferinseln in Matsuschima machen. Aber erst muß er den Studenten nach den besseren Selbstmordorten begleiten. Dazwischen schreibt er immer wieder Briefe an Mathilda, um sie von seinen Erlebnissen zu unterrichten.

Der erste Ort ist ein Dach eines japnischen Sozialwohnbausilos, das scheint es in Japan auch zu geben und ist ebenfalls erbärmlch, dann fahren sie in einen Selbstmordwald, der von Marion Poschmann sehr skurril beschrieben wird.

Zuerst gibt es überall Warntafeln, „Tun Sie das Ihren Eltern und dem Staat der Ihre Ausbildung finanzierte nicht an!“

Dann liegen dort die Leichen herum, weil es kommennur einmal im Jahr die Tagelöhner, um sie wegzuräumen. Den anderen Müll lassen sie aber liegen. Also auch kein sehr geeigneter Ort. Sie müssen aber, weil es schon finster ist, dort übernachten und als sie am nächsten Morgen vor der Busshaltestelle stehen, um nach Tokyo zurückzufahren, hält er Chauffeur, es ist derselbe mit dem sie hergekommen sind nicht an, weil er sie für Geister hält, denn aus diesem Ort ist noch keiner zurückgekommen.

Von Tokyo soll es weiter zu den Kieferninsel gehen. Gilbert Silvester will aber zuerst zu den Kirschbäumen, der Student will ihm den kaiserlichen Park zeigen und ins Kabuki-Theater gehen sie auch.

In der Nacht erzählt der sehr  unsichere Student von einer Begegnung mit einem Mädchen, das er in ein Restaurant einlud, dann aber so gehemmt war, sie anzusprechen und, als sie aufs Klo ging, hat er  ihren Rock rot leuchten sehen, so daß er sie für einen Fuchs hielt.

Über die Fuchserscheinungen in Japan hat mich der deutsche Buchpreis auch schon ein Buch lesen lassen und der etwas überhebliche Gilbert meint sarkastisch, daß seine Studenten ihre Hemmungen nicht so mythisch beschreiben würden.

Sie reisen also weiter zu den Kieferinseln, beginnen Haikus zu schreiben und an einer unscheinbaren Zwischenstation, die aber einen sehr mondänen Bahnhof hat, verliert Gilbert, den Studenten. Er scheint ihn dann zwar wieder zu treffen. Aber da ist es nicht ganz klar, ob es sich dabei nicht, um Visonen handelt und es sein Geist ist, der sich vor ihm verbeugt und verrät, daß er schon seint jahrhunderten tot ist, man sieht es ist ein sehr mystisches Buch, wo die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit sehr oft verschwimmt.

Gilbert bezieht inzwischen ein Hotel, auch hier verbeugt sich der Rezeptionist, läßt ihn aus einem Fächer eine Karte ziehen und sagt, die gezogene Insel gibt es nicht mehr, die sei bei dem Tsunami umtergegangen und das Erdbeben, das es gegeben zu haben scheint, scheint überhaupt die Touristen vertrieben zu haben, so, daß Gilbert der einzige Gast ist, der die Kieferninseln mit ihren verschiedenen Farbschattierungen besichtigen will, ansonsten sind nur Baukräne zu sehen.

Es werden Haikus geschrieben, dann kehrt Gilbert ins Hotel zurück, wo der Rezeptionist gerade eine verbeulte Reisetasche wegträgt und er begibt sich auf sein Zimmer, um Mathilda anzurufen.

„Liebste Mathilda!“, würde er sagen. „Wir treffen uns Tokyo, es ist ganz einfach. Die Laubfärbung beginnt“

So endet das Buch, das eine wirklich sehr eindrucksvolle poetische Mischung zwischen Sozialkritik, Landschaftsbeschreibung und japanischer Mystik ist und in dem Marion Poschmann, wie ich es mir interpretiere, auch den vielen lebensmüden Midlifekrisismännern, ein sehr ironisches Pendant in weiblicher Sprache gesetzt hat.

2017-09-26

Romeo oder Julia

Buch dreizehn der LL und Buch zwei der kurzen Liste und das ist interessant, denn das dreizehnte Kapitel spielt in Gerhard Falkners „Romeo und Julia“, der schon im vorigen Jhr auf der LL gestanden ist, eine besondere Rolle.

Ich  habe beim ersten Lesen des Titels wohl ich auch  „Romeo und Julia“ gelesen und vielleicht gedacht „Hej, das gibt es ja schon!“

Aber Romeo und Julia sind ein berühmtes Liebespaar, das unbedingt zusammenkommen wollte, das aber durch Intrigen nicht konnte. Heute ist das aber anders, denn da trennt man sich. Da läßt Romeo schon einmal seine Julia zurück, um sich einen Literaturpreis abzuholen oder für ein Jahr nach New York zu gehen und Julia rächt sich dann, in dem sie Romeo entsetzlich stalkt und zum Schluß natürlich beim Fassadenklettern in die Tiefe stürzt.

Aber natürlich das ist alles nur Phantasie und der 1952 geborene Lyriiker versteht es vortrefflich daraus  einen Shortlistroman zu machen, der vielleicht sogar den Preis gewinnt, wie eine Vloggerin vermutet, die das Buch aber nicht beendet hatte, weil es ihr zu sexistisch und zu freauenfeindlich war.

Dafür hat sie sich allerdings einige Male entschuldigt, denn der Schsundsechzigjähjrige ist ja ein sehr sympathischer Mann, wie sie merhmals betont und noch hinzufügte, daß er, weil sie das Buch abgebrochen hat, jetzt sicher den Preis bekommt.

Das weiß ich nicht so genau und bin, was den Sexismus betrifft wohl auch ein wenig abgebrühter, als die jüngere Frau, denke mir nur, schon wieder ein Mainstreambuch mit schöner Sprache, wo einer künstlerisch 1a seine Midlifekrise schildert, aber was interessiert mich das?

Das Buch hat aber schon etwas Interessantes, etwas, was für mich unter das Neue oder vielleicht das Berührende fallen würde, was ja jeder „gute Roman“ haben muß.

Es beruht auf einen wahren Vorfall. Das tut zwar wahrscheinlich jeder Roman, aber Gerhard Falkner spricht das offen in einem Interview an und hat das dem Buch auch als Nachsatz angefügt.

Daß ihm bei einem Kongreß in Innsbruck wirklich einmal seine Schlüßel und seine Notizbücher in seinem Hotelzimmer gestohlen wurde und, daß dort auch eine verwirrte Frau ihr neugeborenes Kind aus dem Fenster warf, was für ihn Anlaß war, diese Geschichte zu einem Roman zu verarbeiten.

Das Buch, das ich ja ziemlich spät lese, hat für mich auch eine Vorgeschichte, denn „Literaturlärm“ hat es bei ihrem „Longlist-Rundgang“, ja als eher uninteressant bezeichnet. Mir erschien die Vorschau aber ziemlich spannend und so freute ich mich auf das Lesen und das tat besagte Vloggerin, die dann später abgebrochen hat, auch und mir erging es beim Lesen fast ebenso.

Das heißt, ich habe nicht abgebrochen, das tue ich ja nie, bin aber über das erste Kapitel gestolpert, weil es mir viel zu konstruiert und abgehoben geschrieben erschien.

Das wird später besser und man kommt in das Buch hinein, das in drei längere und einem kurzen Teil geschrieben ist, die alle Städtenamen tragen. Innsbruck, Moskau, Madrid, Berlin.

Man sieht, die Shortlistschriftsteller kommen viel herum und werden überall von den den Goethe- und andere Instituten eingeladen, fahren zu Kongreßen und Festivals, wohnen dort in großen Hotels und saufen und vögeln sich durch die Veranstaltungen.

Das ist für mich nicht wirklich neu, obwohl ich ja an der anderen Seite sitze. Es ist aber, wie auch einige andere auf der LL, ein sehr gelehrtes Buch.

Anspielungen aus  Literatur, Kunst und Musik fliegen herum und Kurt Prinzholrn, so heißt der Held, hat auf seinen Kongreßen auch zwei Bücher mit, wo er nicht zu lesen kommt und ich rätsle jetzt herum, welches anderes Longlistbuch es war, wo der Protagonist, da gibt es ja auffällige viele Universitätsprofessoren und Schriftsteller, zwei Bücher mithatte.

Warhscheinlich war es „Das Singen der Sirenen“, denn „Die Kieferninseln“ muß ich noch lesen. Aber da habe ich schon gehört,  kommen auch ein Forschen und Bücher vor. Soviel nur zu dem Neuheitsanspruch der „guten Bücher“ und jetzt zurück zum Plot.

Kurt Prinzhorn reist also zu einem Schriftstellerkongreß oder Festival, das ist nicht so ganz klar und wird auch, glaube ich, doppelt benannt, nach Innsbruck und wird dort gestalkt.

Das heißt, in seiner Badewanne liegen lauter schwarze Haare, das Notizbuch und die Schlüßel sind weg und niemand glaubt ihm das sorecht.

Dann reist er weiter nach Moskau, weil er dort wieder auf einen Schriftstellerkongreß erwartet wird. Dort werden kleine Zettelchen in sein Hotelzimmer geschoben. Er logiert in einem Riesenhotel am roten Platz, wo man sich mit einer Schlüsselkarte ausweisen muß, um in sein Zimmer zu gelangen. Die Prostiutierten schmieren aber die Wächter und wecken dann früh Morgens die westlichen Touristen auf und Prinzhorn macht und das ist eine sehr schöne Schilderung, die Bekanntschaft mit einem streundenden Hund, den er „“Raskolnikov“ nennt.

Für den stiehlt er die Wurst vom Frühstücksbuffet und wenn man beim Frühstücken nicht aufpasst, zieht einem die Servierin Olga, die vollen Frühstücksteller weg. Man sieht, der Lyriker hat schöne Bilder und schiebt sie in seinem Stalkerkrimi, wo der mittelalteSchriftsteller sich durch seine Lesungen vögelt und säuft, auch immer wieder ein.

Er beginnt sich auch dem Rätsel auf die Spur zu begeben, sieht in dem Hotel mehrmals eine Frau mit Kapuzenjacke auftauchen und wird von ihr, als er weiter nach Madrid zu einem Vortrag und zu seiner Freundin Elsa reist, auch nicht verschont.

Er trifft die Verfolgerin, die Julia, die zwanzig Jahre später eine Pistole auf ihren Romeo richtet, weil er sie schmählich verlassen hat, in einer dunklen Gasse. Sie schießt aber noch nicht auf ihn, denn wir haben ja gelernt, in einem Roman muß alles spannend sein. So dringt sie erst einen Tag später in das Hotelzimmer ein, als unser Kurt Prinzhorn sich schon wieder in Berlin befindet. Dort erwartet ihn dann auch die Polizei und fragt ihn nach seinem Alibi, beziehungsweise zeigt sie ihm eine Postkarte, die des Rätsels Lösung ist, das ich zwar, weil das Ganze ziemlich kompliziert aufgebaut ist, nicht so ganz verstanden habe, obwohl andere Vlogger meinten, daß sie das Ende durch seine Banalität enttäuscht hätte.

Gerhard Falkener, glaube ich, ist aber sehr gewifft und versteht es, gekonnt seine Leser zu narren und ich muß schon schreiben, obwohl ich das mit den vögelnden Schriftsteller schon hundertmal gelesen habe, daß das Buch durchaus spannend war, vorallem weil Falkner offenbar versuchte, die Krimiform hineinzubringen, was bei einem Shortlistbuch, ja, glaube ich, als ziemlich unstatthaft gilt.

Also wieder ein Spiel der Ironie und noch etwas hätte ich jetzt fast vergessen, in Innsbruck taucht auf einmal unter lauter mir unbekannten und daher für fiktiv gehaltene Schriftstellernahmen Robert Schindel auf, aber vielleicht habe ich die anderen trotz meines weiblichen Lerserinneninteressen nicht erkannt. Was weiß man schon so genau und ich wünsche Gerhard Falkner für das Gewinnen natürlich alles Gute und werde mich jetzt an die drei anderen SS machen, weil ich den Lehr, der ja wahrscheinlich auch ganz gute Chancen habe, noch nicht bekommen habe.

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