Literaturgefluester

2017-04-30

Realitätsgewitter

Filed under: Bücher — jancak @ 00:48
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Jetzt kommt ein Buch, von dem ich vor ein paar Monaten in „Ex Libris“ gehört habe, das ich ja gar nicht so oft konsumiere.

Das Buch, der mir unbekannten Autorin Julia Zange namens „Realitätsgewitter„, das im vorigen November erschienen ist und von dem der Moderator sagte, die Eltern hätten die Autorin daraufhin geklagt oder eine einstweilige Verfügung verlangt.

Das ist interessant und macht neugierig, also habe ich mir das Buch gestellt, das nur hundertfünfzig Seiten stark ist und am Cover ein sehr eindringliches Bild einer schwarzen Katze mit gelben Augen trägt. Das macht auch neugierig.

Am Buchrücken, hat dann Maxim Biller, der gestrenge Kritiker, der inzwischen aus dem literarischen Quartett ausgestiegen ist um wieder mehr zu schreiben geschrieben: „Das kann nur Julia Zange:Alle zehn Jahre ein Buch schreiben, das man nicht mehr vergisst!“

Das macht noch mehr neugierig also goolge ich nach und erfahre bei „Wikipedia“, daß die Autorin, eine trotzig dreinschauende blonde junge Frau, entweder 1983 oder 1987 geboren ist, 2006 den renommieren „Open Mike“ gewonnen hat. 2008 den Roman „Die Anstalt der besseren Mädchen“ bei „Suhrkamp“ herausgegeben hat und als Schauspielerin in Berlin lebt.

In der Biografie, die im Buch enthalten ist, steht keine Altersangabe und zusätzlich zu dem schon Erwähnten, steht noch, daß sie  als Redakteurin tätig ist.

Interessant, interessant. Der Klappentext verrät, „daß ‚Marla alles super hingekriegt hätte, die Vorlesewettbewerbe, das Abi und vor allem das richtige Lächeln an den richtigen Stellen. Dann ist sie in die Großstadt gezogen und fühlt sich verloren, bis sie, um ihrer Einsamkeit zu entkommen, sich in ihre Heimat zurück und ans Meer begibt, wo sie sich dann selber findet.“

Das von dem „Erwachsenenwerden und dem sich Selberfinden“, steht auch noch einmal am Buchrücken und irgendwo habe ich noch etwas von sehr vielen Facebookfreunden gelesen.

In den fünfzehn Kapiteln des Buches wird dann gar nicht soviel Vorgeschichte erzäöhlt, sondern man wird gleich hineingeworfen in das Leben, der jungen Frau, die zu Weihnachten allein in ihrer WG ist. Die finnische Mitbewohnerin ist nach Hause gefahren. MarlasEltern sind in Indien,  SMSen, daß es keinen Weihnachtsbaum und keine Weihnachtsgans dort gibt und kündigen ihr später noch den Scheck, weil sie jetzt alt genug ist, für sich selbst zu sorgen.

Sie hat aber ihr Philosophiestudium abgebrochen und kein Geld, aber viele Freunden, einen Ben, einen  Dylan, einen Lorenz, die sie zum Teil schon von ihrer Schulzeit kennt, zum Teil  kennenlernt, während sie durch das Berliner Leben taumelt.

Da sie Geld braucht, sucht sie eine Stellung, so geht sie in ein Geschäft hinein, das eine Aushilfe sucht. Aber dafür ist sie nicht passend genug angezogen und man braucht, als Aushilfe in einer Boutique offenbar auch ein abgeschlossenes Studium und andere Sprachkenntnisse, als Englisch und ein bißchen Französisch. Also wird nichts aus dem Job.

Englisch wird in dem Buch aber ohnehin sehr viel geredet, ist Marla doch total global vernetzt und die Freunde die sie in den Bars und Lokalen trifft, kommen oft auf dem Ausland.

Ein Holger verschafft ihr dann, sie hat inzwischen eine Zara-Klamottentüte zurückgetragen und mit den fünfundzwanzig Euro, die sie dafür bekommen hat, Lebensmittel eingekauft, einen Job als Redakteurin in einem Modemagazin. So reist sie herum und geht zu Pressekonferzenen, interviewt Star und seltsame Typen, die ein „Forever life“ Konzept entwerfen und mißbilligend auf sie schauen, wenn sie sich zwei Stück Zucker in ihren Cappucino kippt und sich ein Tomaten Mozarella Ciabatta bestellt.

Dann wird die Oma neunzig und sie fährt nach Haus. Die Eltern hatten mal eine Fabrik, die der Großvater, der schon vierundneunzig ist, gegründet hat. Jetzt  arbeitet der Vater in einem Center für Medical Research und die Mutter hat in dem Haus, wo sie wohnen eine Praxis als Lebensberaterin.

Als Marla dorthin kommt, empfängt sie nur die ihr unbekannte Haushaltshilfe. Später kommt die Mutter, sagt zuerst „Marla mein Schatz, ich hab dich vermißt. Du siehst gut aus,-viel erwachsener!“

Dann „Ich kann inhaltlich nicht mit dir reden, Marla. Wenn du etwas Tiefergehendes mit mir besprechen möchtest, können wir das gerne mit einem Psychologen oder Mediator machen“

Dann wieder „Natürlich, ich liebe dich mehr als mein Leben, Marla“ und schließlich:

„Ich schlage vor, du übernachtest bei deinen Großeltern oder fährst wieder zurück in dein Drecksloch. Ansonsten werde ich nämlich dieses Haus verlassen!“

Marla geht in ihr ehemaliges Zimmer, die Mutter in ein Hotel, was ihr der Vater, der vor dem Fernseher sitzt, mitteilt, als sie in der Nacht von Schreien, die sie im Garten hört, aufwacht.

Jetzt verläßt sie mit der geklauten Kreditkarte des Vaters das Haus und fährt nach Sylt. Am Bahnhof kauft sie sich noch die ersten Zigaretten ihres Lebens und ein Feuerzeug mit einer Katze. In der Villa der Eltern hing auch ein Katzenbild, das die Kinder einmal den Eltern schenkten, die Mutter aber daran etwas auszusetzen hatte.

In Sylt bekommt sie in einem Hotel, das in einem Hochhaus liegt, ein Zimmer für vier Tage, trifft einen Ole, den sie über eine Kontaktbörse kennenlernte, fährt mit einem Elektrorad den Strand entlang und dann wieder nach Berlin zurück, wo die Mitbewohnerin sie empfängt und sie schließlich zum Essen ruft.

Wie das mit der Selbstfindung und dem Erwachsenwerden ist, habe ich nicht ganz mitbekommen, wie mir überhaupt der Klappentext etwas konstruiert erschien und ich das Buch auch nicht als Roman, sondern, zugegeben als, scharf und pointiert geschriebene Episoden interpretieren würde.

Einen Roman müßte man erst darauf komponieren, würde die Kritikerin in mir sagen und dazu fällt mir auch noch auf, daß das Buch, das zu Weihnachten beginnt und bis zum Sommer 2016 handelt, der Brexit und der Anschlag von Nizza wird erwähnt und immer wieder taucht das Portrait von Andela Merkel auf, wenn es schon im November erschienen ist, sehr schnell geschrieben worden ist.

Der Titel „Realtitätsgewitter“ deutet wohl auf die Überforderung der jungen Frau hin und da habe ich ja schon einige diesbezügliche Romane gelesen, die die Überforderung der jungen Leute von heute zeigen, aber damals vor hundert oder achtzig Jahren, ist es wahrscheinlich auch nicht viel besser gewesen.

Wenn die Eltern von Frau Zange klagten, müßten sie sich wohl betroffen und angesprochen gefühlt haben, in diesem Fall wäre wohl wirklich ein Gespräch mit oder auch ohne Psychologen und Mediator zu empfehlen.

Ansonsten kann ich nur sagen, daß mir die Autorin bisher unbekannt war, daß ich die Episoden scharf und pointiert geschrieben empfunden habe und sie wohl auch sehr viel von der Überfordertheit ausdrücken, denen die jungen Leute heute wohl ausgesetzt sind und was man vielleicht auch lesen will.

Ansonsten ist es dieser Marla, trotz ihrer harten oder neurotischen Eltern, eigentlich nicht so schlecht gegangen. Der Job war ja da und die Freunde, wenn vielleicht auch oberflächlich auch und ob sie sich nach vier Tagen Sylt wohl wirklich gefunden und erwachsen ins Leben zurückgekeht ist, erscheint mir fraglich.

Wär schön wenn das so einfach wäre und wer hat das einmal zu mir gesagt, ein Roman ist etwas ganz anders und braucht wohl auch mehr, als vier Monate, um zu entstehen.Er muß auch berühren und etwas Neues, noch nie dagewesenes beinhalten?

Nun berührt haben mich die pointiert beschriebenen Szenen schon. Neu ist der Inhalt wahrscheinlich nicht und in Berlin, Wien und woanders, werden wahrscheinlich noch viel mehr entwurzelte junge Leute herumlaufen, die per Facebook kommunizieren, moderne Klamotten haben und sich mit ihren Eltern nicht verstehen.

Interessant ist vielleicht auch noch die „Amazon-Bewertung“, die ich ja sehr gerne zu Rate ziehe. Von ein bis fünf Stern ist da alles zu finden und zu den pointierten Bildern, mit denen auch das moderne Szene Berlin beschrieben wird, durch das Marla torkelt, fällt mir noch das „Mimikry-Spiel des Lebens-Buch“ ein, das ja auch bei „Aufbau oder zu der Verlagsgruppe gehörendenen Verlag“ erschienen ist und das in einem Sommer in diversen Künstlerwohnungen entstanden ist, die vielleicht denen gleichen, durch die Marla zieht und literarische Anspielungen kommen in dem Buch auch einige vor, scheint Marla oder ihrer Autorin ja sehr belesen.

2017-04-23

Warum ich lese

Jetzt kommen, wirklich nur ganz zufällig zum „Welttag des Buches“ passend, „40 Liebeserklärungen an die Literatur“, denn der Blogger Sandro Abbate hat da vor cirka seinem Jahr seine Bloggerkollegen dazu aufgerufen, diese Fragen zu beantworten und jetzt ist bei „Homunculus“ ein Buch daraus entstanden, das zum „Indie-Bookday“ fertig geworden ist und in Leipzig und auch in einer Buchhandlung in Berlin, glaube ich, vorgestellt wurde.

Jochen Kienbaum, der strenge unerbittliche, dem es nicht gelungen ist, ein Manuskript für den „Blogbuster-Preis“ vorzustellen, hat unter anderen daraus gelesen.

Vierzig Blogger werden meine Leser nun vielleicht fragen, gibt es nicht inzwischen schon an die oder über eintausendzweihundert davon?

Stimmt, glaube ich, aber die Blogger sind ja sehr streng und kritisch und lassen, wie ja am „Buchpreisbloggen“ und wahrscheinlich auch anderswo zu merken ist, nicht jeden in ihre Reihen.

Da „muß“ man ausgewählt werden, um als „offizieller Buchpreisblogger“ zu gelten, obwohl das ja eigentlich jeder machen kann, sich die Bücher der Longlist kaufen oder schicken lassen, sie lesen und dann auf seinen Blog besprechen.

Ich tue das seit zwei Jahren und die Frage, warum ich lese, habe ich im „Literaturgeflüster“, das sehr bald seinen dreitausendsten Artikel feiern wird und in ein paar Monaten seinen neunten Geburtstag hat, auch schon öfter beantwortet.

Ich tue es hier gleich noch einmal, denn alle Blogger sind zum Glück nicht so streng und kritisch „Der Debut-Preis-Blog“ist da ein wenig lockerer und so konnte ich mich vorigen Herbst noch knapp vor oder auch schon nach Schluß melden und beim „Debutpreis“ mitjonglieren und eines der fünf Shortlistbücher ist aus dem „Homunculus-Verlag“, ein junger „Indie-Verlag“, wie ich inzwischen weiß, gekommen und so habe ich ihn kennengelernt und der Verlag mir das Buch geschickt.

Die Frage, was ein guter Blog ist, da stört mich ja auch immer die Diskussion ein bißchen, daß die anderen so schlecht sein sollen, wird auch schon in Sandro Abbatos Vorwort, wenn vielleicht auch nicht beantwortet, so doch angeschnitten.

Denn manche Blogger haben ja Literaturwissenschaften studiert, die meisten wollen nicht mit den Literaturkritikern in Konkorrenz treten, manche schon und die „Booktuber“ halten stolz ihre Neuerscheinungen in die Höhe und sagen sazu: „Das Cover ist sehr schön, mehr weiß ich noch nicht!“

Seit einiger Zeit schaue ich ziemlich viel „Booktube“ und habe dabei auch einige sehr interessante entdeckt und es stört mich auch nicht so sehr, daß das oft eher junge Mädchen sind, die Bücher oder Serien lesen, von denen ich noch nie etwas gehört habe.

Denn, ich denke, man soll sich ja freuen, wenn die jungen Menschen lesen und nicht über sie schimpfen und eine Definition der Literaturkritik, daß Blogger nur Inhalte nacherzählen, ein bißchen Biografie und ihre Meinung dazu schreiben, führt Sandro Abbate auch noch an und distanziert sich davon.

„Es gibt schon Blogger, die sind da qualifizierter!“ und ich fühlte mich ertappt, denn „Uje, uje…!“ und erst viel später, als ich dem Bericht von Katharina Hermann von“Kulturgeschwätz“ gelesen habe, die Thomas Bernhard zitiert:

„Wenn wir den führern zuhören, hören wir doch nur immer das Kunstgeschwätz, das uns auf die Nerven geht, das unerträgliche Kunstgeschwätz der Kunsthistoriker.“ (Alte Meister)“, die das vielleicht auch ein bißchen tut, habe ich aufgeatmet und hinzugefügt „Na und, warum nicht!“

Aber ich bin in dem Buch nicht vertreten und bin eigentlich auch kein Bücherblog, sondern das „Literaturgeflüster“ ist, wie ich mich vielleicht ganz gut definieren kann, das literarische Tagebuch einer seit fünfundvierzig Jahren „erfolgfrei“ schreibenden Frau, die vielleicht ein wenig eigenwillig ist, schon seit Kindertagen liest, seit vierzig Jahren zu literarischen Veranstaltungen geht und das seit 2008 öffentlich zu archivieren versucht und die anderen, wenn sie das wollen, daran teilhaben läßt.

Die wollen das nicht immer, sondern interessieren sich vielleicht nicht dafür oder schreiben und bloggen selber und lesen habe ich, glaube ich, nicht in der Schule, sondern von einem in den Fünfziger- und Sechzigerjahren sehr bekannten Logopäden, dem Herrn Aschenbrenner gelernt, denn ich bin ein Novemberkind  und als meine Mutter mich vor meinen sechsten Geburtstag für die Schule anmelden wollte, hatte ich soviele „Sprachfeheler“, daß die mich nur für die diesbezügliche Sonderschule nehmen wollten.

Da sagte meine Mutter „Mein Kind geht in keine Sonderschule“ und ging mit mir zu besagten Herrn, der sich, wie ich mich zu erinnern glaube, sehr mit mir bemüht hat, denn jetzt kann ich das „r“ und auch „s“ aussprechen und lesen konnte ich auf einmal auch.

Die Rechtschreibung war und ist mir dann noch immer nicht so wichtig gewesen. Ich bin aber, wie ich immer sage und es vieleicht nicht ganz stimmt, ein Arbeiterkind, mein Vater war in der Statistikabteilung der WGKK und, glaube ich, gelernter Buchhalter. Die Mutter, gelernte Stickerin, die später, als Kindergartenwärterin oder Helferin wie das heute heißt, gearbeitet hat.

Mein Vater war aber ein Sozialist und ist daher in seiner Freizeit mit den Büchern der „Büchergilde Gutenberg“ hausieren gegangen und weil ich bei den „Kinderfreunden“ war, habe ich jedes Jahr zu Weihnachten von ihren auch ein Buch geschenkt bekommen.

Es gab dann auch den berühmten Bücherkasten meiner Eltern, dessen Inhalt heute größtenteils in Harland steht und zum Teil auch schon gelesen ist. Ich habe in der Schule die Schulbücherei, wie ich mich erinnern kann, sehr frequentiert und einmal auch versucht, ein Kinderbuch der Erika Mitterer „Kleine Damengröße“ abzuschreiben und bin entsetztlich daran gescheitert. Ja das Netz und wahrscheinlich sogar Kopierer hat es damals noch nicht gegeben.

Als Studentin habe ich mir sehr viele der sehr teuren Buchpreisbindungsbücher gekauft, habe Nietzsche und Schopenhauer gelesen und nicht verstanden, den „Mann ohne Eigenschaften“ auch nicht und bekenne mich dazu. Irgendwann habe ich mit dem Bücherkaufen aufgehört, mit dem Lesen nicht.

Literarisch zu schreiben habe ich nach meiner Matura angefangen, zum selber Publizieren cirka 2000 mit dem Bloggen 2008 mit dem „Rezensionsenschreiben“ durch die „Thalia-Leserrezensionen“ und dann später in meinem Blog und seit es die öffentlichen Bücherschränke gibt, wächst mein Sub und ist nicht nur ein Stapel sonder schon ganze Stöße, die die Schlafzimmerwand zieren und ein paar neue Bücherregale habe ich mir inzwischen auch gekauft.

Ich spoilere entsetzlich, mache also offenbar alles falsch, was man nur falsch machen kann, was meine Kritiker auch manchmal bemerken, lese aber trotzdem, obwohl ich inzwischen auch sehr viel Zeit im Netz verbringe und meine Lieblingsblogs habe.

Alle tausendzweihundert kenne ich natürlich auch nicht, auch nicht die vierzig, denn irgenwann ist ja Buzzaldrin zu mir gekommen und durch ihre LL-Leseideen habe ich Blogs wie die Von Jochen Kienbaum und Tobias Nazemi kennengelernt, die ich sehr gern lese, aber vielleicht soll ich jetzt zu schwätzen, plappern würde wohl mein Kritiker Uli, sagen, aufhören und etwas über das Buch erählen, das, sage ich jetzt gleich, für sehr interessant halte und der große Vorteil ist, wie auch bei meinen „Literaturgeflüster-Texte-Buch“, man muß es sich nicht kaufen, sondern kann die Texte alle im Netz finden.

Aber Hand aufs Herz, da habe ich sie nicht gelesen, jetzt lese ich sie in kompakter Buchform, von der ich gleich anmerken kann, daß mich die quadratische, in der es das Buch gibt, etwas, beim Lesen in der Badewanne störte, denn ich bin ja eine Badewanneleserin, aber es ist viel kompakter das Buch und nicht die einzelnen Blogbeiträge zu lesen. Man bekommt dabei auch viel mit und kann vergleichen und wer will, kann gleich auf den Blog gehen und ihn kennenlernen und da habe ich, glaube ich, auch ein paar Neuentdeckungen gemacht.

Also zuerst kommt Sandro Abbates Vorwort, dann kommt schon Tobias Nazemi vom „Buchrevier“, den ich ja sehr gerne lesen und der sich mit seinen „Briefen“ vielleicht auch schon ein bißchen schriftstellerisch betätigt, der den „Blogbuster“ ins Leben gerufen hat, einer der offiziellen Buchblogger war und in seinen Beitrag „7 Gründe, warum es jetzt wichter denn je“ ist zu „lesen“ in seinen Beitrag anführt.

Die siebenundzwanzigjährige Buchhändlerin und Studentin Sophie Weigard, die in den Blogs oft als eine der qualifiziertesten Bloggerinen angeführt wird und auch schon Seminare gibt, wie man das macht, kenne ich auch schon seit 2013 von Mara Gieses „Fünf lesen zwanzig-LL-Aktion“ und lese ihren Blog „Literaturen“ oder „Literatourismus.net“ sehr gern und sie führt an, daß die Großmutter Groschenhefterln gelesen hat und der Großvater „Reader Digests-Wälzer“, sie also aus keinem ausgesprochenen Lesehaushalt kam und das ist das, was ich an dem Buch beziehungsweise, der Aktion so interessant, finde, denn einige der Blogger kommen aus Arbeiterhaushalten andere aus Akademikerfamilien, sind Töchter von Buchhändler und Bibliothekaren und alle haben das Lesen gelernt,  tun es gern und bloggen darüber.

Peter Peters von „Peter-liest.de“, hat eine besonders eindrucksvolle Lesegeschichte. Als er fünf war, starb sein Bruder, unmittelbar vor der Geburt, weil die Mutter unglücklich gefallen ist. Sie lag lang im Krankenhaus, das Kind war dazwischen bei der Großmutter, die ihm Mädrchen vorgelesen hat, das Märchenbuch hat er ins Krankenhaus mitgenommen und so getan, als würde er der Mutter vorlesen und alle, auch die anderen Patientinnen haben gebannt zugehört“.

Darüber kann man und hat man wohl auch schon Romane geschrieben, man kann aber auch darüber bloggen und zum Leser werden.

Katharina Herrmanns Blog „Kulturgeschwätz“, hat mich, das habe ich schon geschrieben, sehr beeindruckt, weil ich ihn als sehr unkonventionell finde und das ist ja für mich auch das Tolle an den Blogs, daß da jeder anders sein kann und es keine Regeln gibt und wenn man jetzt versucht durch Seminare oder Bloggerakademien solche einzuführen, würde ich das eigentlich sehr schade finden.

Andrea Blank ist 29,und hat seit März 2016 einen Blog, der „Lohnt sich das Lesen“ heißt und kann sich auch an die „Stimme ihrer Oma erinnern, als die ihr aus den Grimmschen Märchen vorgelesen hat“.

Jochen Kienbaum, den Anspruchsvollen, der nicht aus „Flucht sondern als Expedition“ liest, habe ich schon erwähnt. Ich kenne ihn als Buchpreisblogger, lese ihn gern und wünsche ihn mir vielleicht ein wenig weniger kritisch, streng und anspruchsvoll und, ich glaube auch nicht, daß einen ein Buch, nach dem berühmten Zitat von Kafka, auch immer erschrecken muß.

Er zitiert auch Goethe „Es ist ein großer Unterschied, ob ich lese zu Genuß und Belebung oder zu Erkenntnis und Belehrung“, das kann ich für mich nicht so sehen und, ich glaube, ich lese inzwischen auch, weil ich herausbekommen will, wo und wie die anderen besser, als ich schreiben können und ich bin, wahrscheinlich im Gegensatz zu Jochen Kienbaum, eine bekennende „Über den Tellerrand-Leserin“, „ein Buch muß mich nicht immer mit der Axt am Kopf rütteln“, im Gegenteil das würde mich wahrscheinlich sogar abhalten.

Zuviel Gewalt mag ich ja nicht, obwohl ich es trotzdem lese und auch das Experimentelle und den „Ulysses“ habe ich noch immer nicht gelesen, auch nicht den Marcel Proust, aber Robert Musil,  Kafka auch noch nicht sehr viel im Original.

Konstanze Matthes Blog, deren Beitrag, in dem sie von ihrer DDR-Jugend und dem Aufwachsen in der örtlichen Bücherei, zu der sie die Mutter mitnahm, mich sehr berührte, kenne ich auch durch den „Buchpreis-Blog“ und der ist ja etwas anderes, als das „offizielle Buchpreisbloggen“.

Ich kann aber von mir sagen, ich bin keine Bibliotheksleserin, denn ich wollte die Bücher ja immer haben, sie sammeln und sie anstreichen und ich gebe sie auch ungern her.

Die Schulbibliothek in der Hauptschule war offenbar eine Ausnahme und die städitischen Büchereifilialen beziehungsweise, die älteren Bibliothekarinnen, die mir damals mit zwölf, dreizehn die Krimis verweigerten und mich mit einer verstaubten Grillparzer Ausgabe nach Hause schickten, sind mir immer noch ein Horror.

Ich hoffe, es gibt sie inzwischen nicht mehr und habe ihnen in den „Berührungen“, in der Figur der Esther Silberstein, eigentlich ein liebevolles Denkmal gesetzt.

Dann kommt Sarah Reul von „Pinfisch.net“, die war, glaube ich, auch bei dem Bloggertreffen, das ich in Leipzig besuchte, ist, glaube ich, meistens rosa angezogen,  Buchhänderlin und sehr engagiert für das Lesen, die unabhängigen Verlage und hat sich, glaube ich, auch sehr für dieses Buch eingesetzt.

Sie beschreibt in fünfzehn Punkten ihre Leseentwicklung. Da kann ich vielleicht auch ein bißchen zusammenfassen, Karl May wird bei den Bloggern öfter genannt, der gehört wahrscheinlich zu den Büchern und den Autoren, die ich niemals lesen werde.

Harry Potter gehört, glaube ich, auch zu, bei „Shades of Grey“ ist das, glaube ich, anders. Das habe ich auf meinen SUB und möchte ich, wenn ich es bei den vielen Neuerscheinungen schaffe, gerne lesen und zu meinen unwürdigen Lektüren, die mache Blogger anführen, gehört auch die Courths-Mahler und Krimis lese ich auch ganz gerne, obwohl ich keine Gewalt mag und daher eigentlich keine richtigen schreiben kann.

Den nächsten Blogger, den ich zitieren möchte, alle vierzig, kann ich, glaube ich, nicht anführen, ist Marc Richter von „Lesen macht glücklich“ und den habe ich durch die „Debutpreis-Jury“ kennengelernt, mich da mit ihm ausgetauscht, habe von ihm auch ein Buch gewonnen, das ich noch lesen muß und muß ihm auch bezügtlich seines Blognamens widersprechen.

Denn glücklich macht das Lesen, glaube ich, nicht. Mich jedenfalls nicht, dafür lese ich eindeutig die falschen Bücher, denn die ich lese, schildern oft das Elend der Welt und lenken nicht ab und beschönigen nicht.

Aber das ist ja, habe ich bei den anderen Bloggern gelesen, auch ein Kriterium, das für sich spricht und als „Bloggername“ ist es auch schön und es ist einer, über den man herrlich nachdenken und dann widersprechen kann.

Claudia Pütz vom „Grauen Sofa“, kenne ich vom „Longlistenlesen 2014“, denn da habe ich „Kastelau“ von ihr gewonnen und sie erwähnt in ihrem Beitrag, daß sie durch „Blauschmuck“ in das Leben der jungen Türkin Filiz eindringen konnte. Da kann man natürlich sagen, daß es wahrscheinlich nützlicher wäre, direkt zu der geschlagenen Hausmeisterfrau im Parterre unten zu gehen, umsie anzusprechen und das Lesen natürlich Lebensersatz ist, Flucht vielleicht auch, aber natürlich Abenteuerlust und Eindringen in fremde Welten, in die man sonst nicht kommen würde. Und für mich würde ich auch sagen, daß das gar nichts macht, denn das reale Leben habe ich in meiner psychotherapeutischen Praxis und wenn ich spazierengehe, erlebe ich auch sehr viel, dann gibt es meine Familie, die Menschen um mich rum und noch vieles andere mehr.

Es gibt in dem Buch noch andere Stars der Bloggerszene, wie Gerard Otremba, ein „Buchpreisblogger“ des letzten Jahres, von „Sounds and books“, der sich auch für Musik und das Laufen interessiert und auf seinen Blog drei redakionelle Mitarbeiter hat und noch andere sucht oder den „Kaffeehaussitzer“ Uwe Kalkowski, auch ein „Buchpreisblogger“, der sich einmal mit mir sogar nin Verbindung gesetzt hat.

Berührend die Erfahrungen der Krankenschwester Vanessa Palmen, die erzählt, wie sie in ihrer Intensivstation abstumpfte und keine Gefühle mehr hatte, das ist ein Selbstschutz würde ich sagen und so gesehen wahrscheinlich ganz natürlich, das Lesen hat sie aber herausgerettet und Janine Rumrich von „Kapri-Zioes“ erzählt, daß sie mit Vierzehn keine Lust zum Lesen hatte.

Marina Büttner kenne ich auch durch mein „Buchpreislesen“ Sie liest manchmal dieselben Bücher, ich kommentiere ihr dann und sie antwortet darauf. Sie liest auch Lyrik und einen anderen Lyrikblogger oder Schreiber, gibt es in dem Buch auch, wie auch einige Menschen, die schreiben.

Fabian Neidhard, den ich vom „Debut-Preis“ kenne und der auch im „Literaturcafe“ publiziert, ist, glaube ich, ein Selfpublisher und er schreibt so schön „Bis heute sind Geschichten der größte Teil meines Lebens. Ich konsumiere sie. Ich produziere sie, ich liebe sie.“ Wie wahr würde ich ihm antworten und die vier Literaturwissenschaftlerinnen vom „Debutpreis-Blog“ sind auch in dem Buch vertreten.

Dann gibt es noch Chris Popp von „Booknerd.de“, der auch schon „mittlerweile zwanzig Mitschreiber“ und eine sehr berührende Lesegeschichte mit Wankungen und Schwankungen aufzuweisen hat, wie es eben gehen kann, wenn man aus einer Arbeiterfamilie kommt, auch musizieren und anderes will und dann erfährt, das die Sachen, die einen einmal langweilten, auf einmal faszinieren können.

Man sieht, ich könnte seitenlang über die Lesegeschichten der Bücherblogger schreiben und mit meinen Erfahrungen verknüpfen, begnüge mich aber darauf hinzuweisen, daß Henri Vogel von „Filmtheaterlesesaal“ aus „Warum lese ich“ eine Kühlschrankgeschichte gemacht hat, in der saure Gurken, Apfelmus und Chili vorkommen.

Da sage ich, lesen ist vielfältig und das schreiben darüber auch und ganz am Schluß gibt es ein paar leere Seiten „Und warum liest du?“ steht darüber geschrieben.

Die lasse ich leer, habe ich hier ja schon genug darum herumgeflüstert und füge daher nur an daß mir „Buzzaldrins“, „Bücherwurmlochs“, „Sätze und Schätze“, „Atalantes“ und noch einige Leseerfahrungen anderer Bologger, die ich kenne, fehlen und mich frage, warum sie in dem Buch nicht enthalten sind?

Aber natürlich, es gibt über tausendzweihundert Bücherblogs und ein Buch hat nicht Platz für alle. Also ins Internet gehen und selber nachschmökern, lesen, entdecken und ich kann das Buch nicht nur am „Welttag des Buches“ wirklich allen empfehlen und raten, die weißen Seiten für sich selbst zu benützen und bedaure auch etwas, daß es beim Lesen seine Spuren hinterlassen hat, was fast den Verdacht aufkommen lassen könnte, daß das Internet vielleicht doch haltbarer ist?

2017-04-22

Gott ist nicht schüchtern

Von der 1984 in Baku geborene Olga Grjasnowa, die am Leipziger Literaturinstitut studierte, habe ich das erste Mal vor dem blauen Sofa gehört, als sie dort ihr Debut „Der Russe ist einer der Birken liebt“ vorstellte, das ich mir dann zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken ließ.

Ein sehr beeindruckendes Debut von einer überforderten jungen Frau und einen toten Hasen, aus ihrem zweiten Buch habe ich sie im Wiener Literaturhaus lesen gehört und jetzt ist ihr dritter Roman bei „Aufbau“ erschienen und er begleitet zwei hoffnungsvolle junge Syrier, durch die Revolution, durch den Krieg, bis sie dann beide mit Booten geflüchtet, in Berlin wieder aufeinander treffen.

Endlich ein politisches Thema in der Gegenwartsliteratur, wie die Blogger schon länger fordern, beziehungsweise auf der letzten LL vermißten, aber Jenny Erpenbecks „Gehen ging gegangen“ vom Vorjahr, nicht als literarisch genug durchgehen lassen.

Bei Olga Grjasnowa, die groß in Leipzig vorgestellt wurde, erging es zumindest den „Amazon-Lesern“ ähnlich, denn ein Roman muß ja abgehoben sein, um als literarisch zu gelten.

Wenn da eine nur vom Leben im umkämpften Damakus berichtet, wird das schnell als Journalistisch und Reportagenhaft abgetan.

Dennoch, trotzdem kann ich mir jetzt ein realistischeres Bild von der Flüchtlingskrise machen, mir das Schicksal der Menschen, die zu uns gekommen sind, wie das so schön heißt, vielleicht ein bißchen besser vorstellen und, daß das Buch nicht literarisch wäre, ist mir nicht aufgefallen, aber ich gelte ja auch nicht dafür und habe in den letzten Jahren in meiner sogenannten Flüchtlingstrilogie auch ein bißchen darüber geschrieben und gelesen.

Olga Grjasnowa ist vielleicht ein bißchen besser mit der syrischen Küche und dem Mittelschichtleben in Damaskus vor und während dem Krieg vertraut, irgendwo habe ich gelesen, sie wäre mit einem Syrier verheiratet und so erzählt sie die Geschichte von Hammoudi und Amal, die irgenwann 2011 zu beginnen scheint, auch sehr packend.

Da ist Hammoudi gerade mit seinem Medizinstudium, das er in Paris absolvierte, fertig. Er hat auch schon eine Stelle als kosmetischer Chirgurg und eine Beziehung, muß aber nach Hause in die Grenzstadt Deir az Zour, um seinen Paß zu verlängern.

Von dort wir er nicht mehr hinausgelassen, muß seine Approbation machen, fällt dabei mit einem zweiten ausländischen Arzt durch, weil er das Schmierkuvert vergessen hat, „Zu lange im Ausland gewesen!“, sagen dieKollegen, die zwar nichts wissen, das Kuvert aber dabei hatten, beginnt dann ein geheimes Lazarett aufzubauen und die Angeschossenen und Verletzten zu operieren und zu operieren….

Amal hat dagegen bei ihrem Vater durchgesetzt, Schauspielerin zu werden, beginnt jetzt mit ihren ersten Rollen, geht zu Demonstrationen, wird verhaftet, lebt  mit dem Regisseur  Youssef zusammen und erfährt dann, die eine russische Mutter hat, die aber irgendwann aus ihrem und dem Leben ihres Bruders Ali verschwunden ist, daß der Vater schon längst eine zweite fromme Familie hat.

Sie flüchtet mit Youssef nach Beirut, beginnt dort in einer Küche zu arbeiten, das Geld geht aus. Sie flüchten in die Türkei und beginnen dann die Übefahrt nach italien zusammen mit einer jungen Mutter und deren Baby Amina. Die Mutter kommt um, als das Schiff untergeht, Amal, das Baby und Joussuf können sich retten.

Amal gibt Amina, als ihr Kind aus. Sie kommen nach Berlin, wo Amal in Kochshows zu arbeiten beginnt und Angst hat, daß man ihr das Baby wegnehmen könnte.

Hammoudi muß auch flüchten und kommt ebenfalls nach Berlin, wo er Amal, die er schon in Damaskus kurz gesehen hat, wieder trifft. Die beiden verlieben sich ineinander und verbringen ein paar schöne Stunden in einem Hotel.

Dann wird Hammoudi in ein anderes Flüchtlingsheim verlegt und kommt dort bei einem Bombenanschlag um, während Amal ein Angebot hat, für eine Kochshow nach L.A. zu reisen. Sie tut es auch, dreht aber, weil sie Angst vor dem Meer und dem Wasser hat, am Flughafen dort wieder um und fliegt zurück nach Berlin.

Ein sehr interessantes Buch, das ich jeden empfehlen kann, der sich für die Flüchtlingssituation interessiert. Es gibt auch drei Landkarten in dem Buch, die die drei Teile voneinander trennen.

Die erste zeigt die Staaten am Mittelmehr, Syrien, Türkei, Libanon, Irak,  in der zweiten ist schon Europa mitabgebildet, während auf der dritten, die Sterne am Firmanent aber auch Tiernamen stehen und ein Zitat von Brecht gibt es auch:

„Der Pass ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überal zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Pass niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch  nicht anerkannt wird.“

Es ist aus den „Flüchtlingsgesprächen“ und ich vermute, Bertold Brecht hat es in einem ganz anderen Zusammenhang  geschrieben.

Und der Titel bezieht sich wohl darauf, daß der liebe Gott sehr viel Gewalt und Kriege zuläßt und nichts dagegen tut oder tun kann.

2017-04-18

Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Jetzt kommt Susann Pasztors Buch, das in Leipzig bei dem „Kiwi-Bloggertreffen“ vorgestellt wurde. Eine Mischung zwischen einem Jugend- und einem All-Age Buch würde ich mal schätzen oder nein, ein reines Jugendbuch ist es wohl nicht, dazu ist das Thema zu schwierg, geht es dabei doch um das Sterben.

Ein Thema für mich könnte man so schätzen, denn ich habe ja meinen Vater betreut, dazwischen Sterbeseminare im damaligen Geiatrie-Zentrum Wiederwald gemacht, dort dort die Pflegehelferinnen in Kommunikation ausgebildet und habe auch manchmal Klienten, die ihre Angehörigen verloren haben oder verlieren werden und mich in meinen Büchern auch schon mehrmals mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Zum „Kiwi-Blogger-Treffen“ bin ich etwas zu spät gekommen, weil ich ja vorher mit dem Alfred in diesem Messerestaurant essen war und habe, als ich das Zimmer im dem Congreßzentrum endlich gefunden habe, Susann Pasztor, die 1957 in Solenau geboren wurde, jetzt ihr drittes Buch bei „Kiwi“ herausbrachte und auch eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin machte, daraus schon lesen gehört und zwar ziemlich bald die Stelle, wo Max der Schulfreund von Phil, dem dreizehnjährigen Jungen, der eine wichtige Rolle in dem Buch spielt, großschneuzig davon spricht, daß Sterbebegleiter, die sind, die den Menschen streng geheim, die Giftcocktails überreichen, als der ihm von der Ausbildung seines Vaters erzählt und habe schon befürchtet, daß da vielleicht etwas vermischt wird, denn ein Sterbegleiter gibt ja keine Sterbehilfe, zumindest keine mit dem Cocktail.

Aber natürlich wird in der Öffentlichkeit bei diesem Tabuthema viel gewitzelt, verdrängt,  gelästert und die Literatur ist ja dazu da zu übertreiben und zu erhöhen.

Aber Susann Pasztor umschlifft diese Kurve und das ist auch die einzige Stelle, wo es darum geht, sonst geht es um etwas ganz anderes, nämlich, um Fred, den vierzigjährigen übergewichtigen alleinerziehenden Vater, der in irgendeinem Amt sitzt und Pensionsanträge bearbeitet und endlich was Sinnvolles machen will.

So wird er ehrenamtlicher Hospitzmitarbeiter und soll nun seinen ersten Fall übernehmen, nämlich die sechzigjährige krebskranke Klara begleiten.

Susann Paszor schildert den Übergewichtigen am Anfang des Buches etwas tolpatschig. So, wie gut gemeint ist das Gegenteil von gut.

Auch da nimmt das Buch eine Wende, denn Klara weiß, wie es wahrscheinlich wohl vielen Hospitzpatienten geht, nicht, ob sie wirklich einen Sterbebegleiter will.

No na, so gelingt der Start etwas schwierig, obwohl Fred ja eine Supervisonsgruppe hat und da gibt es auch eine sehr aufmüpfige Theolgiestudentin namens Maria, die immer kritische Fragen stellt.

Fred hat auch eine Mappe, wo Unterlagen über Klara stehen, zum Beispiel die Telefonnummer der Schwester, die im Todesfall benachtrichtigt werden soll.

Sonst scheint es aber Spannungen zwischen ihr und Klara zu geben, über die Klara nicht spricht und nun hat Fred, das Buch spielt kurz vor Weihnachten, einen Einfall, der eigentlich ganz natürlich sein sollte, aber entsetzlich schiefgeht, er lädt beide Schwestern zu sich und zu seinem dreizehnjährigen Sohn Phil zu einer Weihnachtsfeier ein.

Klara verläßt, sobald sie die Schwester sieht, die Wohnung und bricht die Begleitung ab. Fred muß sich deswegen auch in der Supervisionsgruppe entsetzt ansehen lassen.

Wie kann man denn nur, diese Grenze überschreiten und wird stattdessen den Nachtwachen zugeteilt, wo man nichts mehr falsch machen kann.

Denn dort ist immer das Fenster offen, damit die Seele leichter hinausgleiten kann, wenn einer gegangen ist und solche Geschichten habe ich auch schon bei meinen Supervisionen gehört.

Klara hat aber vorher schon den dreizehnjährigen Phil, der ein heimlicher Dichter ist und Schwierigkeiten mit seiner esoterischen Mutter hat, die ihm immer Wachstumspräperate schickt, weil er ein wenig kleinwüchsig ist, engagiert, um ihre Fotos zu scannen.

Klara war Tänzerin oder Musikerin. In ihrer Wohnung hängen Bilder von einer Rockgruppe aus den Siebzigerjahren namens „Grateful Dead“.

Sie hat auch lange in Spanien gelebt,  einen Spanier geheiratet, so heißt sie Jenner-Garcia und ist erst zum Sterben wieder nach Deutschland zurückgekommen und so ist Phil eine Zeitlang, der Ersatz- Sterbebegleiter, weil Fred ja nicht mehr zu ihr darf.

Es gibt aber auch eine junge Frau namens Rona, die in in einem Cafe jobbt und sich in Prostituiertenkleidung von einem Maler im Haus malen läßt, was auch zu Mißverständnissen führt und einen Hausmeister namens Leo Klaffki, ein Althippie, der im Gegensatz zu Fred, die Rockband kennt und sich, um Klara kümmert, gibt es auch.

So ruft Leo Klaffki Fred auf einmal an, als Klara im Lift steckengeblieben ist und es dauern kann, bis der Reparaturdienst erscheint. Er soll kommen und sich mit Klara unterhalten.

So darf Fred wieder zu ihr und betreut zusammen mit Phil, der unbedingt noch alle Fotos einscannen will, obwohl die Zeit wahrscheinlich nicht mehr dazu reicht, in Verbindung mit dem Hausarzt und der Frau vom Pflegedienst, weiter Klara, die beschließt, ihr Sterben etwas zu beschleunigen, in dem sie nichts mehr ißt und trinkt.

Rona schläft bei ihr in der Nacht, Vater und Sohn wachen am Tag, der Hausmeister stiftet eine Fußballkerze. Phil, der ihre Kameria geschenkt bekommen hat, liest ihr vor und am Schluß übergibt Klara noch das Fotoalbum, das sie mit Achtzehn ihrer Schwester davongetragen hat und weshalb es vielleicht zum Bruch kam, damit er es an sie zurückschicken kann.

Ein sehr einfühlsames Buch, das alle Konflikte eines alltäglichen Leben leicht überhöht, wie es für einen Publikumsverlag wahrscheinlich sein muß, enthält und das ich allen, die sich mit diesem schwierigen Thema, das man, wie ich glaube, nicht verdrängen soll, weil es einen ja einholen und betreffen wird, nur empfehlen kann.

2017-04-17

Der Liebesdilettant

Noch ein Buch aus dem „Wortreich-Verlag“ und eine Entdeckung eines wahrscheinlich nicht so bekannten oberösterreichischen Autors.

Dabei habe ich den1961 in Bad Ischl geborenen Andreas Tiefenbacher, der deutsche Philologie studierte, in Wien und in  Bad Goisern lebt und seit 1995 bei der GAV ist, schon bei mindestens einer Lesung gehört.

Thomas Bernhard läßt grüßen, könnte man bei der zart melancholischen Geschichte über den jungen Wenzel Wurm, zitieren, die Bücherliebe, ein Thema, das mir ja auch sehr vertraut ist, wenn ich es auch wahrscheinlich ganz anders verarbeite, taucht auf, die anbeblich so Wienerische Todessehnsucht und noch vieles anderes.

Wenzel Wurm, man beachte den wahrscheinlich nicht zufällig gewählten Namen, ist achtundzwanzig und lebt als Zivildiener im Salzkammergut. Er hat ein Germanistik und Kunstgeschichtsstudium hinter sich, lebt bei einer Freundin namens Marion, die ganz anders ist als er, nämlich schnell und sportlich, während er als Rettungsfahrer durch die Gegend fährt und am Leben scheitert, sich in dieses nicht hinein traut, ihm nicht gewachsen ist, etcetera.

Ein sehr bekanntes und beliebtes Klischee könnte man meinen, vielleicht ist es auch nur eine ganz normale Entwicklungsstufe, die die jungen Menschen in das Leben machen. Zuerst kommt die Schule und das Studium, dann der Zivildienst oder das Heer bei den Männern. Eine Freundin braucht man auch und wenn man da nicht entsprechend hart genug, sondern sensibel ängstlich oder schüchtern ist, kommt es leicht zum sogenannten Scheitern.

In der Literatur muß man das Normale, das, was wahrscheinlich in der einen oder anderen Form alle durchmachen, natürlich entsprechend überhöhen und verstärken.

So zitiert der Germanist Tiefenbacher Arthur Schnitzer und meint, er hätte Wenzel Wurm, einen Liebesdilettanten genannt.

Aber zuerst wird einmal ein wahrscheinlich ganz normaler Arbeitsalltag des Zivildieners geschildert, der alte Leute zur Dialyse fahren muß oder auch mal zu einem Unfall gerufen wird. Als Zivildiener bei der Rettung sieht man wahrscheinlich viel, was man mit Neunzehn oder auch schon mit Achtundzwanzig vielleicht nicht so leicht verkraften kann. So kauft sich Wenzel nach dem Arbeitstag eine Kiste Bier, verzieht sich damit auf dem Balkon. Die Freundin ist natürlich nicht zu Hause, geht danach in die Badewanne und schneidet sich die Pulsadern auf. Als Zivildiener bei der Rettung weiß man natürlich, wie das richtig geht, dennoch ist Wenzel so betrunken, daß der nicht tief genug trifft, so findet ihn die Freundin. Er wird gerettet, wird, nachdem er verspricht sich psychotherapeutisch behandeln zu lassen, auf dem Spital entlassen und kann weiter bei der Rettung arbeiten.

Der Zivildienst ist auch bald aus und so beschließt Wenzel, um seine Beziehung zu retten, Marion auf eine Reise nach Griechenland einzladen. Die Rettung bleibt aber aus, denn Marion läßt ihn allein am Strand mit seinen Büchern liegen, trifft sich vielleicht mit anderen Männern. So kneift er aus, fährt zurück, sucht in Wien seinen Freund Konstantin auf und fragt ihm ob er vorläufig bei ihm wohnen kann?

Das geht, denn Stani kann nicht nein sagen. Wenzel braucht aber trotzdem einen Job und eine Wohnung, fängt, obwohl ja Germanist zuerst bei „Thalia“ am Westbahnhof, als Verkaufsberater an. Verdient dort aber nicht genugt, so wechselt er ins Musikhaus Döblinger und im Lentos in Linz bewirbt er sich auch.

Dabei trifft er im Zug auf eine Schöne, die er sich nicht recht anzusprechen traut. So gibt er wochenland Announcen auf, um sie zu finden. Trifft sie dann auch in einem Konzert wieder und als sie zu Ostern in die Musikalienhandlung kommt, um nach einem Lied zu fragen „Bist du bei mir geh ich mit Freuden zum Sterben und zu meiner Ruh“, eine Arie von Bach, kneift er wieder aus, verläßt den Landen und rennt davon. So weit, so what.

Er wird entlassen, fängt an Rezensionen zu schreiben, eine Wohnung hat er inzwischen auch gefunden und geht in Internetforen, wo er verschiedene Frauen trifft, deren Liebschaften und das Scheitern mehr oder weniger genau beschrieben werden.

Rückblenden in die Kindheit, zu der schlagenden Mutter und den Großmüttern gibt es auch und dann tauchen kurz eine Nadja, eine Lea, die sich aber Cosima nennt auf, bis es ein Kapitel über eine Franka oder Franiska gibt, die eine Liebe zu einem Italiener hat, nach dem sie ihren Zwerghasen nennt.

Zu der beginnt er eine Beziehung, die ziemlich kompliziert verläuft. Sie tötet seinetwegen auch ihren Hasen, den sie dann weinend am Donauhafen versorgt, magert ab, und macht noch allerlei, was meiner Meinung nach viel zu flüchtig erzählt wird, bis sich dann Wenzel in der Berndhardschen Manier aus dem Fenster  und auf einen Lastwagen mit Textilplane stürzt.

Das hat sein Schutzengel für ihn arrangiert, daß ihm nicht viel passiert. Das Leben geht wahrscheinlich weiter, das Buch ist aus und ich habe dank „Wortreich“ eine sehr interessante Entdeckung eines nicht so bekannten österreichischen Autors gemacht, denn mir hat die Schilderung eines eher schüchternen jungen Mannes und sein Weg in das Leben sehr gefallen, obwohl ich wahrscheinlich zwei Bücher daraus gemacht hätte.

Das erste hätte den Tag als Zivildiener,  seine Arbeits- und Liebessuche in Wien, das alles eher episodenfhaft beschrieben, umfasst. Das zweite Buch wäre eine genauer ausgeführte Beziehung zu Franka geworden. Ein bißchen hätte ich das Buch von den Klischees und literarischen Anspielungen befreit, obwohl die wie Wenzel in das Gasthaus Blauensteiner strümt und dort Fotos von Hermann Schürrer und Heimito von Doderer sieht und dazu Anekdoten erzählt, sehr interessant ist und das zuviel an den Geschehen und  Zufällen weggenommen.

Aber sonst hat mir das Buch des oberösterreichischen Autors gefallen und kann es jeden, der sich für die österreichische Literatur abseits von Bernhard und Schnitzer interessiert, empfehlen.

Erich Hackl hat dazu noch: „Tiefenbacher ist ein unerbittlicher Chronist der Ungleichzeitigkeit, der Tatsachen also, dass der Alltag der Menschen nicht mit ihren Wünschen und Trieben Schritt hält“, auf den Buchrücken geschrieben.

2017-04-16

Cartoons zum Ruhestand

Filed under: Bücher — jancak @ 00:25
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Nach den Cartoons über Wien, Literatur, Kunst, Katzen, Hunde, Fußball, Weihnachten, etcetera, kommt nun richtig, etwas über den „Ruhestand“ und interessant, daß es sich dabei, um kein Hochglanzbuch, wie bei den genannten Bänden, sondern ein eher kleines Heftchen, um fünf Euro handelt.

Ob das eine Frage des Themas oder der Sparsamkeit ist?

Des letzteren würde ich vermuten, denn der Ruhestand ist ja ein Thema, das uns früher oder später wahrscheinlich alle erreichen wird.

Ein Thema für alle sollte man also meinen, das auch alle interessiert und das kleine Cover, merke ich, die über sechzigjährige, die keine Brillen hat, noch an, ist vielleicht für die ältere Generation gar nicht so gut lesbar, wie das größere Format.

Egal, egal, Ari Plikat, Christian Habicht, Dorte Landschulz, Elisabeth Semrad, FEICKE, HUSE, Johann Mayr, Karl-Heinz Brecheis, KATZI, Marko Finkenstein, Markus Grolik, Martin Zak, Matrattel, Michael Dufek, Miriam Wurster, Pascal Heiler, Petra Kaster, Rainer Schwalme, Rene Lehner, Schilling & Blum, Steffen  Gumpert und Uwe Krummbiegel, alles mehr oder weniger Bekannte, haben ihre Cartoons zu dem Büchlein beigetragen, das wie der Rücken verrät, Fragen wie „Was machen eigentlich Staatsanwälte im Ruhestand? Wie sieht die Sturm und Harnandrangperiode aus? Ist ein Arbeitssiumlator das richtige Geschenk zur Pensionierung? Und warum werden manche Menschen 278 Jahre alt?“, beantwortet.

Alos wieder ein Gang durch die Cartoons, die mir, ich kann es gleich verraten, zum Teil sehr gut, zum Teil gar nicht gefallen haben und einige von ihren habe ich auch nicht verstanden.

Was vielleicht auch am Thema und an der Betroffenheit dazu liegen könnte. An den Vorstellungen vielleicht, die jüngere Leute  zum Thema Alter haben und den Vorurteilen, die uns wahrscheinlich alle plagen oder plagten. Ist das ja ein Thema, das man leicht verdrängt und so wirken die Witzchen darüber vielleicht auch sehr leicht platt, geschmacklos und abgedroschen, aber manches, vielleicht das noch nicht so oft gehörte, wirkt wieder gut und regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.

Martin ZAK hat das Cover beigesteuert. Ein alter Mann sitzt mit einer fetten Katze am Polstersthuhl, daneben stehen zwei Prothesengläschen. Nun ja, nun gut, so wars einmal und wird vielleicht noch immer kommen und auch die Katzen werden älter. Selbstverständlich, kann ja gar nicht anders sein.

„Einer geht noch!“, denkt sich vielleicht die Frau Blauensteiner,  als sie mit ihrem Hündchen, die Grabsteine vom „Erwin“, „Karl“ und „Heinz“ verläßt. Aber vielleicht ist sie eine ganz gewöhnliche Dreifachwitwe und wir haben ihr nur etwas Schlechtes unterstellt.

„Unheilbar? Und wenn ich reich wäre?“, fragt der Patient den Arzt. „Dann wären Sie länger unheilbar krank!“, antwortet der kryptisch.

„Wie wahr!“, denke ich und merke ich  an, daß mir dieser Cartoon von Ari Plikart ausgezeichnet gefällt.

Der von Christian Habicht, wo ein alter Herr neben seinem Geburtagskörcbchen zum Achtziger sitzt und von seinem Sohn oder Enkel eine gute und eine schlechte Nachricht „Gleich kommt eine  Striptease-Tänzerin. Sie ist in deinem Alter“, bekommt, gefällt mir natürgemäß dagegen nicht.

Dagegen finde ich den von Dorthe Landschulzu, wo sich zwei alte Damen über den Sex unterhalten, wieder witzig:

„Ich bin für meinen Mann ja nur noch die Krankenschwester!“, klagt die eine.

„Oh je, ist er pflegebedürftig?“, fragt die andere.

„Nein, Quatsch. Er steht auf  diese albernen Verkleidungspielchen beim Sex!“

Dazu gleich der nächste worst case, beziehungsweise Geschmacklosigkeit, die auch von Dorthe Landschulzu, uje, uje, stammt.

Denn da zieht sich der Prinz am Zopf zum Rapunzel hoch, aber  uje, die ist eine alte Dame mit Brille und empfängt ihn grimmig lächelnd mit ihrer Brille „Hallo, mein Hübscher!“

Ob er jetzt loslassen wird?

Ach ja und was machen jetzt die Staatsanwälte im Ruhestand.

FEICKE verrät es uns auf Seite 12. Sie fordern ihre Gattin, zu einer „klitzekleinen Straftat auf, damit sie ermitteln können“.

Und Frage, ist es jetzt witztig, wenn die Frau im Rollstuhl „keinen Altenplfeger, sondern einen jungen!“, fordert. Der Gleichberichtigung wegen, müßte man auch das wahrscheinlich anmahnen. Aber ja, ich gebe es zu, ich hab geschmunzelt.

Und wieder sehr grimmig und hoffentlich nicht ganz wahr, die Statistik: „Ruhestand vor dreißig Jahren“, teilte sich gleichmäßig zwischen „Geld, Familie und Freizeit „auf. In dreißig Jahren wird man dann nur noch, befürchtet Katzi die „Ruhe haben.

Michael  Dufeks Cartoon, der die Frage beantwortet soll, warum „Herr Weber letztendlich 278 Jahre alt wurde“, ist einer, den ich nicht verstanden habe.

Oder sollte sich Gevatter Tod, wirklich durch die Aufforderung „Weißt was, geh scheißen!“, abhalten lassen. Wär schön, wenn das so einfach wäreoder auch nicht, denn alle Leute wollen vielleicht auch nicht dreihundert werden.

Wir erfahren dann noch etwas über die „Biologische Uhr des Mannes“ und welche Geschichten, die Enkel nerven werden.

Ein solcher Cartoon war auch schon auf Seite vier von Ari Plikat zu sehen und kann man Teenager  wirklich schocken, wenn man ihnen was über den Sex im Alter erzählt?

Ich denke eher, wenn sie erfahren, daß es das dann auch noch gibt, denn zu meiner Zeit, glaubte man vielleicht noch, das hört automatisch im Ruhestand auf, wäre das  eine Veränderung, wozu das „Holzbaum Büchlein“ einige witzige und einige ein wenig klischeehafte Cartoons anzubieten hat.

Neugierig geworden? Also auf zum Lesen. Wenn man schon älter ist, wird man vielleicht eine Brille brauchen, um das Kleingedruckte zu entziffern und Uwe Krummbiegel bringt es ganz am Schluß noch auf den traurigen Punkt. Auch ein Cartoon, den ich sehr empfehlen könnte.

„Benachrichtigung: Sie gehören ab sofort keiner Zielgruppe mehr an!“, steht in dem Brief, den  der Senior aus dem Postkasten zieht.

Aber so sollte es eigentlich nicht sein. Denn wir alle werden älter und wenn man dann nicht nur die Ruhe, sonder auch noch ein wenig Spaß, Gesundheit und Freude hat, wäre schon viel gewonnen und vielleicht gibt es dann auch Cartoons zum Ruhestand, die nur mehr klischeefrei sind.

Aber dazu muß man sich wohl schon in jungen Jahren mit dem Alterwerden auseinandersetzen. Also wieder ein Grund das Büchlein zu lesen und sich seine Gedanken darüber zu machen.

 

2017-04-14

Ich Dylan Ich

Filed under: Bücher — jancak @ 00:27
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In Leipzig  hat mir der „Wortreich-Verlag“ ein paar Bücher mitgegeben, darunter die 2015 erschienene Thomas  Dylan Hommage des 1954 in Rostock geborenen Peter Wawerzinek, von dem inzwischen bei „Transit“ „Bin ein Schreiberling“ erschienen ist.

Der Bachmannpreisträger von 2010 hat darüber am blauen Sofa diskutiert und interessant, daß er dabei etwas erzählte, was auch in „Ich Dylan Ich“ vorkommt.

Nämlich, daß er, der in einem Waisenhaus aufgewachsen sist, weil seine Mutter 1956,  die Kinder in der Wohnung zurückgelassen hat, um in den Western zu gehen, dann von einem Lehrerehepaar adoptiert wurde und dort in der Lehrerwohnung zwei Erfahrungen machte. Im Keller hat er nämlich die Literatur entdeckt, im Wohnzimmerschrank der Lehrer standen dagegen nur einige Lexika und Gesundheitsbücher und Alkohol hat er  da auch zu trinken angefangen.

Er hat dann auch noch im Radio eine Entdeckung gemacht, nämlich Gedichte des walisischen Dichters Thomas Dylan, der übrigens an meinem Geburtstag, den 9. 11. 1953, gestorben ist.

Von da an war er ihm verfallen und hat in seinem Sinn zu  dichten angefangen, auch davon ist wahrscheinlich in dem neuen Buch zu lesen, zumindest hat Peter Wawerzinek in Leipzig ein paar seiner Stehgreifgedichte vorgetragen.

Später als er dann erwachsen und die Mauer schon gefallen war, durfte er nach Wales, seinem Idol nachreisen und hat das, mit einigen Freunden, weil man allein nicht reisen soll, auch mehrfach getan.

Nach Swansea, dem Geburtsort des Dichters ist er mit seiner Freundin gefahren, hat dort sogar in dem Haus gewohnt und in den Kleidern des Dichters in seinem Bett geschlafen.

Das soll man aber nicht, denn er Schlaf war, wie Wawerzinek schreibt, der übrigens, was ich, obwohl ich  2010 für ihn stimmte und daher ein Teilchen dazubeigetragen habe, daß er auch Publikumspreisträger geworden ist, so genau noch gar nicht wußte, ein ausgezeichneter Schreiber ist, der die Töne ganz genau trifft, beschreibt, sehr unruhig.

So hat er die Kleider des Idols wieder ausgezogen, das Zimmer gewechselt und dem Dichter weiter nachgereist, nach dem sich Bob Dylan, der Nobelpreisträger von 2016 übrigens genannt haben soll und dessen Werke von Erich Fried in Deutsche übersetzt wurde.

Ich bin, was sich jetzt rächt, keine Pop-Poetin, so war mir der Name des Dichters, der an dem Tag gestorben ist, als ich zur Welt kam, bisher ziemlich unbekannt.

Peter Wawerzinek, der auch Stadtschreiber von Klagenfurt war und 2015, die diesbezügliche Festrede gehalten hat, führte mich aber in sein Leben ein, reiste zu den Schreiberhütten, die er bewohnt, erzählt von seiner Frau Caitlin, der er kein guter Gatte war und auch auf seine Kinder nicht besonders schaute, obwohl er gut verdiente, mit dem Geld aber nicht umgehen konnte und zu Tode hat er sich 1953 auch gesoffen.

Das ist auch eine Verbundenheit mit seinem Autor, hatte ja auch Peter Wazerinek Alkoholprobleme und darüber geschrieben und er meinte auch, daß er wenn er eine tötdlich Diagnose bekommen würde, an Meer reisen und dort achtzehn Whiskys trinken würde.

Thomas Dylan hat aber die Whiskys, die er nicht mehr vertragen hat und daher ins Koma fiel, in New York City getrunken und ich denke, daß mein Körper, wenn er Krebs hat, soviel Alkohol auch schon vorher auspeien würde.

Ein schönes Bild und auch das der Fürsorge, die Wawerzinek hat, der meint, daß er, wenn er könnte, zu dem Dichter reisen würde,  vom Trinken abhalten und ihm eine bessere Erhährung beibringen würde, ist sehr schön.

Ich bezweifle aber, daßes funktionieren würde. Der Dichter würde sich wohl auch von seinem Dichterkollegen nicht abhalten lassen, ihn wahrscheinlich eher mitreißen, mit ihm die  achtzehn Whiskys zu trinken.

Denn das  unterscheidet die Genies wahrscheinlich doch von den Normalmenschen, daß sie nicht Maßhalten können und sowohl geniale Verse schreiben, als auch sich selbst ruinieren.

Der Vergleich zu Till Eulenspielel, Dyl Ulenspiegel kommt auf und Peter Wawerzinek hat mich, wofür ich ihm sehr danke, den  1914 geborenen Dichter  nähergebracht, dem „Wortreich-Verlag“ von dem ich eigentlich dachte, daß er nur österreichische Autoren verlegt, danke ich natürlich auch dafür und ehe ich es vergessen,  Raben dürften sowohl bei Wawerzinek, als auch bei Thomas Dylan eine wichtige Rolle gespielt haben.

So heißt, das Buch mit dessen Ausschnitt, Wawerzinek, 2010 den „Bachmannpreis“ bekommen hat, ja „Rabenliebe“ und das Cover von „Ich Dylan Ich“, ist ein Gemälde, das die Künstlerin Alice Haring angefertigt hat.

2017-04-12

Chiru

Der „Wagenbach-Verlag“ ist unter anderem ein Spezialist in italienischer Literatur. Da habe ich mir vor Jahren im Abverkauf bei der Buchlandung auf der Mariahilferstraße, eine Reihe ein Euro Büchlein gekauft und noch nicht sehr viel davon gelesen.

Der Alfred hat mir einmal einen Spezialband geschenkt und seit einem halben Jahr bekomme ich auch vom Verlag  Bücher angeboten, habe da ein sehr interessantes Debut entdeckt und jetzt auch etwas Italienisches gelesen.

Den neuen Roman der 1972 geborenen Sardin Michela Murgia und ich fühlte mich in die Zeiten eines Alberto Moravia versetzt, von dem ich ja auch einiges gelesen habe und kann nur staunend feststellen, daß die italienische Literatur offenbar etwas Besonderes ist, wo es knarscht und knistert voll geheimnisvoller Erotik, auch wenn die Autorin eine fünfundvierzigjährige Frau ist und in dem Buch Handies, SMS und blaue Fingernägel vorkommen.

Zum Glück tun sie es, denn sonst würde ich mich im Rom eines Alberto Moravia wähnen oder in Sizilien oder bei „Erica und ihren Geschwistern“ und es ist ein Buch mit vielen Fragezeichen.

Noch nie habe ich in eines soviele Fragezeichen hineingemacht, wie in diesen, wo es um die Beziehung einer achtunddreißigjährigen Schauspielerin zu ihrem achtzehnjährigen Schüler geht.

Die, die jetzt wissend nicken und „Aha!“, sagen, kann ich belehren, sie wissen nichts, denn darum geht es nicht.

„Um was geht es dann?“, wird man nun fragen.

Um das Knistern und die Spannung, die geheime Erotik, die heutzugtage vielleicht gar nicht so nötig wäre und auch, um das viele andere, was man nicht braucht oder doch. Doch nattürlich und das ist so wichtig, daß man dafür Lehrer braucht und die Schauspielerinnen sich Schüler halten.

Denn Chiru, der Achtzehnjährige ist Musikstudent, wozu braucht er also eine Schauspielerin als Lehrerin? Für den Sprechunterricht?

Nein, denn dieses Schüler-Lehrertum, von dem ich nicht sicher bin, ob es das tatsäöchlich in Italien gibt oder gab, ist eine Art Mentorentum oder auch nicht wirklich.

Eleonora soll Chiru in das Leben und in die Gesellschaft einführen. Und sie hat im Laufe ihres achtunddreißigjährigen Lebens schon einige solcher Schüler gehabt, drei um genau zu sein und sie waren alle jünger als Chiru. Deshalb ist ihr Ex-Geliebter Fabrizio auch besorgt und rät ihr davon ab, ihn anzunehmen, als sie ihm davon erzählt. Auch das ist etwas was ich nicht verstanden habe, was ist das Risiko daran?

Eleonora, die Ich-Erzählerin ist jedenfalls eine scharfsinnige Frau, die schon als achtjährige, das Unglück dieser Welt erkannte und es gibt ein paar sehr eindrucksvolle Szenen in den Buch, in eben diesen Moravia-Ton, würde ich meinen, die das belegen.

So hat Eleonra mit acht ihre Unschuld verloren, als sie mit Papa und Mama und dem älteren Bruder in dem Dörfchen, wo sie groß wurde, auf ein Fest ging und dort nicht den Eiswagen bekam, den sie sich wünschte, während der Bruder selbstverständlich, die Spritzpistole bekam.

Warum der Vater, das verwehrte habe ich auch nicht verstanden und auch nicht die Bedeutung darum herum.

Eleonora hat sich das Spielzeug aber offenbar selber gekauft, denn es steht jetzt in der Wohnung der erwachsenen Frau und es gibt noch so eine beeindruckende Sezne.

Das ist Eleonora schon über zwanzig, trägt ein schwarzes Kostüm und geht vorsprechen. Nachher wird sie von dem Regisseur zu einem Sushi-Essen eingeladen. Sie hat aber noch nie mit Stäbchen gegessen, kann es nicht, ist ungeschickt dabei, der Fisch fällt auf den Tisch oder auf den Boden und die Peinlichkeit beginnt.

Zwei wirklich sehr eindrucksvoll geschilderte Szene, obwohl mir die Bedeutung darum herum, wohl etwas zu pathetisch war. Denn natürlich muß man in Sardienien erst mit Stäbchen umgehen lernen, wenn man zu Hause mit Spaghetti aufgewachsen ist.

Eleonora entscheidet sich jedenfalls ihren Schülker anzunehmen und geht mit ihm in ein Stoffgeschäft, um ihn die unterschiedlichen Satmsorten anfassen zu lassen. Sie geht mit ihm auch auf Parties und dann geht sie auf eine Tournee nach Stockholm, Prag und noch wo anders hin.

Da soll er eigentlich mitkommen, aber in Stockholm beginnt sie ein Verhältnis mit dem dortigen Operndirektor Martin de Lorraine. Der war schon auf der Party in Italien und Chriu, der nicht wußte, daß er ein Operndirektor war, war unhöflich zu ihm.

Jetzt will der Eleonoras „Patensohn“ zum Vorspielen einladen, sie wehrt aber ab und als sie Chiru in Florenz dann doch trifft, bittet er sie darum und sie nennt das  genauso „ungehörig“, wie ihr damals der Vater den Wunsch nach dem Spielzeug versagte.

Es gibt dann noch eine Schlußszene, wo Eleonora mit dem Direktor in einem Restaurant ißt und Chiro dort mit einen anderen Direktor trifft und den beiden auch das Essen bezahlt und als Martin Eleonora fragt, ob das ihr Patensohn war, schüttelt sie den Kopf und verleugnet ihn.

Es tut mir leid, das war mir wohl zu viel bedeutungsschwangere und zu geheimnisvolle Erotik, beziehungweise eine solche, die ich in Zeiten, wie diesen eigentlich für unnötig und schon überwunden halte.

Vor ein paar Jahren habe ich Alberto Moravias „Romerin“ gelesen, die mir eigentlich ganz gut gefallen hat. Denn sie spielt ja in einer vergangenen Zeit, wo die armen Mädchen vielleicht wirklich nicht anders konnten, als sich und ihren Körper zu verkaufen.

Vor einem Jahr habe ich „Mimikri-das Spiel des Lesens“ gelesen und da sollte der Roman  erraten, beziehungsweise umgeschrieben werden und ich war erstaunt, als der Autor oder Gastgeber ihn sehr kitschig nannte.

„Nein!“, habe ich gedacht.

„Das war eben damals so!“

Jetzt lese ich einen Roman von einer fünfundvierzigjährigen Frau, die sich genauso in geheimnisvollen Andeutungen übt und lese am Buchrücken, daß das den Kritiker gefallen hat und sie den Roman auch sehr loben.

Ich denke, die Zeit der erotischen Spielchen ist oder sollte vorbei sein und habe vor einigen Jahren auch einen  italienischen Roman gelesen, der einer anderen Tradition entstammte, womit ich mir leichter tat.

2017-04-08

Ach, Wien

Filed under: Bücher — jancak @ 23:19
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Während meines Pendels von Harland nach Göttweig oder Krems, lese ich Maximilan#bezirkowitschZirkowitschs „Hommage an das Zufällige in der Stadt“, ein Büchlein aus, wie könnte es anders sein, dem „Holzbaum-Verlag“, denn das ist der junge Mann, der bei den Präsentationen von „Kafee“, Frühstück“ etcetera „in Wien“ mit einem Bällchen an der Spitze steht, es in die Menge wirft und nachher an die glücklichen Gewinner Goodietüten verteilt.

Das Buch des Fotografen, der durch die Stadt marschiert, den Alltag abknipst und seine Geschichten dazu schreibt, scheint es schon länger zu geben, denn Maximilian Zirkowitsch hat beim „Buchquartier“ im Dezember daraus gelesen. Jetzt ist es auch zu mir gekommen und so kann ich, bevor es zur Sektmartinee nach Krems geht, ein bißchen darin schmökern und meinen Flüstereindruck geben.

„Maximillian „Bezirkowitsch“-Zikowitsch fotografiert gern komische Alltagsbegebenheiten, die Geschichten erzählen. Seine liebsten Bilder hat er hier gesammelt. Herausgekommen ist ein Stadt- und Landportrait der etwas anderen Art, eine Liebeserklärung an den Alltag“, steht am Rücken  des achtundvierzig Seiten Heftchens das um wohlfeile fünf Euro zu haben ist.

Also gehen wir es an und schauen hinein:

„I love  VOLKSTOD“ steht auf einem Pickerl. „Wien 15; Märzstraße #RHSH bleibt real und hat keine Angst“, hat Maximilian Zirkowitsch draunter geschrieben.

„#Opfa“ ist offenbar ein beliebter Hashtag-Index, denn da gibt es ein überklebten H.C.Strache-Plakat. Am Donaukal steht „I love you“ auf einen Stein und auf einem anderen „Opfa-Foto“, ist „Dein Vater“ zu lesen.

Weiter geht es mit den „Maggi-Suppen“, die offenbar ihre Faschingseditionen haben. „Prinzessinnn“ und „Feuerwehr“, steht auf den rosa und blauen Tüten.

„Jetzt neu im Angebot: schwule Suppe und Heterosuppe“, hat der Bezirksflaneur dazugeschrieben.

Es gibt Fotos von Kinderwägen und eines, wo auf der Kleiderbox der „Caritas“ das Wörtchen „kills“ dazu geschrieben steht und für alle, die es noch nicht wissen: „NOTHING WILL MAKE YOU PERFEKT EXCEPT ALLAH“.

„Aha!“

Und wenn man wissen möchte, was Maximilian Zirkowitsch von der Werbung hält;: „WILLST DU GUT UND BILLIG KAUFEN, MUSST DU ZUM SOCKENKAISER LAUFEN“

Wiederum „Aha!“ und weiter in dem Alltagsbüchlein, das nicht nur Fotos, sondern auch Texte anzubieten hat.

In einem, den Maximilian Zirkowitsch, glaube ich, auch im Museumsquartier gelesen hat, geht es, um den Fund einer „Seekuh“ in seiner „Heimatgemeinde Bad Vöslau“.

Es gibt aber auch politische Texte, beziehungsweise solche, die sich mit den Zeitungsmeldungen nach den Terroranschlägen in Frankreich von 2015 beschäftigen und sehr erbaulich, das Alltagsgespräch zweier künftiger Sozialarbeiter: „In welchen Bereich soll ich als Sozialarbeiter gehen, wenn die FPÖ Präsident und Kanzler stellt und alles kürzt?“ Sozalarbeiter im Burnout „Gefängnissozialarbeit“

Zum dritten Mal aha und alles ändert sich oder doch nicht so ganz, beziehungsweise sind wir noch nicht so weit und als die Neonazis von der Polizei in Plauen in der Höhe der Karl-Marx-Grundschule von der Polizei mit Wasserwerfern gestoppt wurden, haben sich die Kinder mit Zäunen auf den Plakaten gewehrt.

Es gibt also auch ein bißchen Hoffnung in unserem neoliberalen Leben und Facebool-Postings von unserem Alltagsmeister, der offenbar auch U-Bahn fährt, gibt es natürlich auch.

Denn da will eine junge Mutter ein Kind beim Ausziehen stoppen, schreit es an und erklärt den staunenden Passanten „Ich glaub nicht, dass die Leute das sehen wollen.“ Das Kind bleibt unbeirrt bei seinem Vorhaben. Darauf wird sie wieder lauter. „Hast du die Mama schon einmal so was machen gesehen?“ Das kind schaut und murmelt „Ja.“ „Da prustet eine alte Frau neben mir los „Heit is haaß, Leiite denkt nix!“, hat Maximilian Zirkowitsch offenbar dazu geschrieben und macht sich auch Gedanken, wie man den „Bachmann“ oder sogar den „Mörike-Preis“ mit Hilfe seines Handies gewinnen kann.

„Aus meinen ganzen ‚Autocorrect Fehlern könnte ich auch einen lyrischen Text machen“,gibt es dazu zu lesen, den Rest müßte man sich wohl anschauen, um ganz zu verstehen.

Spannend  also in Maximilian Zirkowitsch literarisches Nähkästchen zu sehen und mit ihm auf eine Wiener Alltagstour zu gehen.

Ob es auch eine Buchpräsentation gegeben hat, in dem man, wenn man das Bällchen fing, das Buch gewinnen konnte, weiß ich nicht.

In dem Bananenblatt übers Reisen, habe ich aber, glaube ich, auch eine diesbezügliche Werbung gesehen und jetzt auf  nach Krems, wo ein bißchen „geFIANT“ und „geJANDELT“ werden wird, was wohl auch zum  literarischen Alltag von Wien gehört.

2017-04-07

In jedem Augenblick des Lebens

Filed under: Bücher — jancak @ 17:38
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Das Memoir über den Tod seiner Frau, die nach einem Kaiserschnitt an Leukämie gestorben ist, des schwedischen Dichters Tom Malmquist hat mir „Klett-Cotta“ zur Verfügung gestellt und ich habe es, bevor ich es gelesen habe,  schon in großer Auflage bei „Thalia“ liegen sehen.

Ist es doch ein Buch mit einem interessanten Thema, das viele Leute interessieren könnte und Tom Malmquist hat sich damit, wie man im Klappentext lesen kann, durch seine Trauer geschrieben, als er mit der kleinen Livia zu Hause war undseine Vaterschaft gerichtlich einklagen mußte.

Ein Buch das daher schon viele Rezensionen bei „Amazon“ hat, die von ein bis fünf Sterne gehen und auch einiges zu bemängeln haben, daß es keine Ausrufungszeichen hat und man daher nicht sofort erkennen kann, wer hier spricht, beispielsweise oder auch, daß es sich teilweise wie ein medizinischer Bericht liest und keine Gefühle zu erkennen sind.

Die fehlenden Ausrufungszeichen haben mich auch ein bißchen irritiert und ich hatte Anfangs  Schwierigkeiten mich bei den vielen Vornamen, die genannt wurden, auszukennen, wer jetzt wer ist?

Die Gefühle habe ich mir vorstellen können, beziehungsweise denke ich, daß es einem, wenn man plötzlich mit einem Baby alleine ist, von der Neonatologie in die Intensivstation hetzt und dann noch seinen Vater an Krebs verliert genau so ist und alles geht ja die Öffentlichkeit auch nicht an und ich habe sogar die Art wie Tom Malmquist die Zeit in dem Krankenhaus beschreibt und wie er  sich mit Distanz gegen den medizinischen Apparat in den er da hineingeraten ist, wo jeden Augenblick, die Tür zu den einfachen Familienzimmern aufgerissen werden, jemand hereinkommen und „Hallo, ich bin John Perrson, Oberarzt in der CIVA und zuständig für Karins Zeit hier“ sagen kann, wehrt.

Die Patienten werden in Schweden offenbar mit Vornamen angesprochen, alles ist licht und modern und Karin mit der Tom seit zehn Jahren zusammen ist, hat eineinhalb Monate vor dem Geburtstermin offenbarAtemprobleme und mußte ins Krankenhaus. Dort wird eine Myeloische Leukämie festgestellt, das Baby mit Kaiserschnitt herausgeholt und Tom rennt von der einen in die andere Abteilung, kämpft mit den Krankenschwestern, weil er unbedingt die Decken austauschen und mitbringen will, um Karin den Geruch Livias und der, den der Mama zu übermitteln.

Er kämpft auch mit den Angehörigen und darum, daß er als erster von den Ärzten die Informationen bekommt, die er dann an Sven und Lillemor, Karins Eltern, weitergibt, weil die das offenbar so haben wollte. Auch das wird bei „Amazon“ bekritelt, daß den Eltern den Zutritt zur sterbenden Tochter verwehrt.

Im ersten Teil wird das geschildert und man bekommt einen guten Einblick von der modernen Medizinallmacht, wo man warten muß „bis Karin installiert ist“ bevor Tom an ihr Krankenbett darf und dann kommen auch noch die Genetiker und Psychologen, die reden und Informationen austauschen wollen und manchmal kommen sie im falschen Moment, weil Tom mit der kleinen Likva schon wieder an einem Krankenbett sitzt und jetzt seinem Vater beim Sterben zuschaut. Aber ich greife vor.

Im zweiten Teil ist Tom mit Liva zu Hause und bekommt, seltsam könnte man denken, aber vielliecht ist das in Schweden so oder auch wieder Tom Malmquist Schreibstil sich gegen die Behörden zu wehren, einen Brief vom Jugendamt, daß er die Vermögensverhältnisse des „Kindes weiblich, Unbekannt Lagerlöff deklarieren soll“.

Seltsam, denn eigentlich sollte es ja um das Sorgerecht gehen, war Tom doch nicht mit Karin verheiratet. Aber als er am Jugendamt anruft, wird er ans Finanzamt verwiesen und die Vaterschaft muß er auch einklagen, beziehungsweise muß das das Gericht für die Tochter tun.

Dazwischen reflektiert er seine Beziehung zu Karin mit der er zehn Jahre zusammen war. Sie war Literaturkritikerin und hat auch geschrieben, Tochter eines Psychoanalytikers und einer Lehrerin und im nächsten Teil ist Livia vier Monate, die Vaterschaft ist noch nicht ganz erstritten, aber Tom sitzt schon wieder in einem Intensivzimmer einer Palliativstation, eine Krankenschwester kommt herein und erklärt, bevor er in sein Zimmer darf, den Zustand seines des krebskranken Vater.s

Der war Sportreporter, hat einen großen Skandal aufgedeckt, hat auch zuviel getrunken und seiner Frau im Haushalt und in der Kindererziehung offenbar alles überlassen.

Auch das wird reflektiert und dann kann Livia schon „Papa!“ sagen und krabbeln, muß in die KITA und auch da kommen die Erzieher und stecken dem Papa Formulare in die Hand, wo er die nächsten Angehörigen, das sind die beiden Großmütter angeben muß und Reservewäsche für den Regen in die Spind legen.

Dann geht er hinaus, darf der kleinen Livia am Arm der Erzieherin nachwinken, die zuerst keine Ahnung zu haben scheint, wie man das tut, dann aber „unterm Kirschbaum steht und winkt“

Man kann und es wurde schon, darüber dieskutieren, ob man Bücher über seinen Krebs, seine bipolare Störung etcetera schreiben darf und soll, ob sie wichtig oder eine Zumutung sind und den anderen belästigen?

Es ist aber sicher interessant, daß sie meistens, wenn sie von einem bekannten Autor stammen, in großen Auflagen erscheinen.

Wie bekannt der 1978 geborene Dichter, Musiker und Songwriter in Schweden ist, habe ich keine Ahnung. Mir war sein Name jedenfalls völlig unbekannt.

„In jeden Augenblick unseres Leben“ ist sein erster Roman, entnehme ich dem Klappentext, ergänze wieder etwas oberlehrerhaft, daß es eher ein Memoir ist, daß mich die angeblich fehlenden Gefühle nicht gestört haben, mir die Distanz mit denen er den medizinischen und den Sozialapparat Schwedens beschreibt, gut gefallen hat und man natürlich darüber diskutieren kann, wie authentisch, geschönt, überarbeitet, etcetera, die dreihundert Seiten jetzt sind. Gehe aber davon aus, daß es wichtig für den Autor war, über diese Erfahrungen seines Lebens zu schreiben und es ist sicherlich auch sehr interessant darüber zu lesen, obwohl, da das Kindbettfieber jetzt ja überwunden ist,  es zum Glück inzwischen nicht mehr so oft  passiert, daß man seine Frau bei der Geburt eines Kindes verliert, während es viel wahrscheinlicher ist seinen krebskranken Vater oder Mutter durch die letzten Tage zu begleiten.

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