Literaturgefluester

2017-06-18

Königsallee

Filed under: Bücher — jancak @ 00:19
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2Im Sommer 1954 kommt der fast achtzigjährige Thomas Mann mit seiner Frau Katja und seiner Tochter Erika nach Düsseldorf in den Breidenbacher Hof, der sich offenbar in der Königsallee befindet, um aus seinem „Felix Krull“ zu lesen.

Das ist eine historische Tatsache, der 1956 geborene Hans Pleschinski von dem ich gerne „Ludwigshöhe“ lesen würde, hat einen Roman daraus gemacht, in dem er die Tatsachen mit der Fiktion verbindet und das Nachkriegsdeutschland der Fünfzigerjahre dadurch plastisch macht, in dem er scheinbar einen Skandal erzählt.

Denn Thomas Mann soll da Klaus Heuser getroffen haben, einen Freund seiner Kinder, dem er vor Jahren auf Sylt, als der ein Jüngling war, nahetrat und küsste und ihn später in seiner „Josefslegende“ und auch im „Felix Krull“ verweigt hat.

Der ist jetzt aus Asien zurückgekommen und mit seinem indoneischen Freund Anwar, ebenfalls in dem Hotel abgestiegen und Erika Mann bekommt das, als sie das Meldebuch durchsieht, heraus und bedrängt die Freunde das Hotel zu verlassen, weil man dem „Zauberer“, wie Thomas Mann genannt wird, nicht soviel Aufregung zumuten kann.

In fünfzehn Kapiel mit wechselnden Perspektiven wird die Ankunft der Manns bis zu dem Abend der Lesung und dem anschließenden Empfang erzählt und wir erfahren, wie schon erwähnt, viel  vom Deutschland kurz nach dem Krieg und dem Leben und Wirken von Thomas Mann.

Ich habe das Buch vor einiger Zeit im Schrank gefunden und in meiner Studentinnenzeit sehr viel, fast alles, von Thomas Mann gelesen und das meiste wahrscheinlich nicht verstanden.

In der Straßergasse nahmen wir den Tonio Kröger druch, um die „Biuddenbrocks“ habe ich mich mit meiner Schwester gestritten, den „Felix Krull“ verschlungen und war dann enttäuscht, weil ich mir etwas anderes erwartet habe, der „Erwählte“ hat mich auf eine eigene Idee gebracht und und und….

In der letzten Zeit war nicht mehr viel Thomas Mann in meiner Lektüre und ich sollte den „Zauberberg“, den „Doktor Faustus“, etetera, sicherlich nochmals lesen, was ich aus Zeitgründen wahrscheinlich nicht tun werde, so war mir dieser biografischer Roman  willkommen, wenn ich auch, was die Anspielungen auf das  Erotische betrifft, ein wenig skeptisch bin, weil ich das ja nicht so mag und eher denke, man sollte sich auf die Literatur konzentrieren.

Aer Hans Pleschinski, auch wenn er im Tonfall manchal sehr pathetisch ist, ist ein Meister seines Fachs und läßt und erzählt uns in seinen fünfzehn Kapitel noch sehr viel anderes und am Schluß, bekommen wir noch heraus, daß Katja Mann, Klaus Heuser und seine Begleitung, sie dachte da freilich an eine Frau, doch noch zum Empfang eingeladen hat und die beiden sich im Taxi ausgesprochen haben.

Es taucht auch noch Golo Mann, ein Mann Sohn auf und drängt Klaus Heuser mit dem Zauberer über ihn, beziehungsweise über eines seiner Bücher zu sprechen und eine Nazigröße, ein gewisser Ernst Bertram, der sehr viel mit der Bücherverbrennung zu tun hatte, des Meister Büchers aber doch davor bewahrte, erscheint fast gespenstisch und will des Zauberers Vergebung und ein anderer Nazi wird aus dem Hotel ausgeladen, um mit dem alten Herrn gar nicht in Berührung zu kommen.

Ein Zwergin, die von ihren Eltern vor der Vernichtung bewahrt wurde, interviewt den Meister und fragt ihn, warum seine Protagonistien keine Proletarier sind und die Friseurgehilfin steht vor ihrem Laden in der Hotelhalle und schaut neugierig dem Geschehen zu.

Spannend spannend und als Schnelllektüre, um neugiergi auf den Meister und seine Bücher zu werden, sicherlich sehr geeignet.

Ich habe, seit ich blogge, zwar nicht Tomas Mann gelesen, aber Frido Manns „Mein Nidden“ und vor dem Haus an der kurischen Nehrung, bin ich auch gewesen, aber nicht hineingekommen, weil am fünfehnten August auch in Litauen ein Feiertag und daher geschlossen.

Thomas Mann hat übrigens damals in Deutschland kurz vor seinem Tod zwar die eltern Klaus Heuers aber nicht ihn selbst getroffen.

Und ich könnte noch anmerken, daß ich vor kurzem ein anderes Buch eines Dichters, der in den Fünzigerjahren schlagartig berühmt geworden ist, gelesen habe, das sicher auch sehr zu empfehlen ist.

2017-06-17

Kontinent Doderer

Jetzt kommt, könnte man respektlos schreiben, der dritte Bobo aus der „Falter-Redaktion“nämlich der ehemalige „Bachmann-Juror“ und „Staatspreisträger für Literaturkritik“ Klaus Nüchtern, der zum fünfzigsten Todestag von Heimito von Doderer eine Biografie über ihn schreiben sollte.

Der wollte oder konnte das nicht, so ist ein“Kontinent Doderer“ daraus geworden oder, wie Nüchtern ganz am Anfang schreibt, ein essayistischer Gang durch Leben und Werk des großen oder kleinen, vergessenen oder bekannten österreichischen Dichters.

Mir ist er bekannt, befand ich mich doch nach meiner Knödl-Matura stark in der philosophischen Krise und bin mit dem nicht so kleinen literarischen Wissen, vermittelt durch die Frau Prof Friedl, im Sommer 1973 und noch später, die Buchhandlungen Wiens abgeklappert und habe mich eingekauft und eingelesen.

Ja, damals hat die sparsame Studentin noch zum Normalpreis gekauft und sich nicht vorstellen können, daß die Bücher vierzig Jahre später einfach so auf der Straße herumliegen oder, daß man sie von den Verlagen problemlos zugeschickt bekommt und gelesen hat sie viel, wenn auch wahrscheinlich noch nicht sehr viel verstanden.

1974 im Sommer im Häuschen am Almweg „Den Mann ohne Eigenschaften“ und drei Jahre später glaube ich, frisch verliebt in den Willi und sehr gehemmt, vorwiegend im Stadtpark „Die Dämonen“, was für mich ein prägendes Buch werden sollte und ich jetzt endlich nach der Nüchtern-Lektüre weiß, was ich antworten soll, wenn mich jemand fragt, welche Bücher mich geprägt hätten?

Also unter anderen „Die Dämonen“, vorher schon „Onkel Toms Hütte“, auf der Operbühne hat es der „Don Carlos“ geschafft, Unbehangen hat der „Zerbrochene Krug“ in mir ausgelöst“ weil ich mich mit dem armen Adam identifizierte.

Man sieht, ich hatte schon damals keinen Humor, über die „Alten Meister“ habe ich aber einmal in der Station Hütteldorf, als ich auf den Zug nach st. Pölten wartete, sehr gelacht, mich inzwischen aber trotzdem vom Meister entfertn, während ich zu Meister Doderer wieder zurückgekommen zu sein scheine und das ist ja insofern interessant, da Meister I angeblich nach dem Tod von Meister II im Dezember 1966 aufgejauchzt haben und gesagt haben soll „Jetzt ist der Weg für mich frei!“

In meinen Studentenjahren war ich, glaube ich, von Doder sehr beeinflußt und habe mir sowohl die „Merowinger“, als auch die „Wasserfälle“ in der Taschenbuchausgabe gekauft und erst oder wiedergelesen, als ich im vorigen Jahr nicht so recht wußte, worüber ich schreiben soll und dann die Anne Frank zu Stefan Zweig und Heimito von Dodererim Himmel zusammen frühstücken ließ.

Damals hatte, es war im Frühling, ich den Eindruck Doderer sei inzwischen völlig unbekannt und habe im Netzt nur ein paar alte Interviews von ihm gefunden. Das sollte sich im Herbst, als das Jubliäum nahte, ändern und als die Trude K. die mich ja jetzt immer fragt, von mir wissen wollte, welches Buch ich zum Geburtstag haben will, habe ich dieses genannt und es ist auch das letzte der Geburtstagsbücher, das ich jetzt lese.

Dazwischen hat es in der „Gesellschaft“ ein „Doderer-Symposium“ gegeben und Klaus Nüchtern wurde zu seiner Biografie befragt, er hat sie auch auf der „Buch-Wien“ vorgestellt und er greift in seiner „Durchquerung“ im Kapitel „Eine Gebrauchsanweisung“ auch gleich die Frage auf, wie bekannt oder unbekannt Doderer inzwischen ist und ob man ihn, beziehungsweise, die Fußnoten im Buch lesen soll?

Die Antwort ist natürlich, man muß nicht, könnte dann aber etwas versäumen und natürlich zählt Doderer zum Minderheitenprogramm, aber das tun die anderen D Dante, Dickens, Dostojewsky höchstwahrscheinlich auch.

Bei Dickens wäre ich mir da nicht so sicher, füge aber hinzu, daß ich ihn kaum gelesen habe und wenn ich mir so anhöre, was die Literaturwissenschaftler am heutigen Deutschunterricht beklagen, kommen wahrscheinlich die meisten Maturanten durch diese ohne den Namen Doderer je gehört zu haben und ich muß ehrlicherweise anmerken, daß ihn auch, die Frau Profossor Friedl wahrscheinlich nicht sehr erwähnte, weil die ja ein Faust-Fan war und uns wirklich und wahrhaftig ein ganzes Jahr lang damit beschäftigte, was mir noch heute unvorstellbar vorkommt.

Doderer war also ein alter Nazi, ist er doch, kein Witz, am 1. 4. 1933 in die NSDAP eingetreten, was ihm später höchstwahrscheinlich den Nobelpreis kostete. Das deutet Nüchtern nur diskret an, beschäftigt sich in seinem zweiten Essay aber sehr wohl mit den vier S, der Schuld und Sühne, Schicksal und Sibirien“, denn Doderer hat ja in derKriegsgefangenschaft in Russland im World war I zu schreiben angefangen und in seinem ersten Roman, den er später nie mehr auflegen ließ, darüber eschrieben und auch im letzten, den „Grenzwald“, den ich erst lesen muß.

Bekanntgeworden ist er in den Fünfzigerjahren schlagartig durch die „Strudhofstiege“, die ich auch erst finden muß und hat es dadurch, ich glaube, nach der Bachmann auf das Cover des „Spiegels“ gebracht und da Klaus Nüchtern, glaube ich, ein Filmfan oder Kenner ist, vergleicht er im nächsten Kapitel auch gleich Doderer mit Hitschcock und da muß ich passen, denn ich habe die berühmten Filme kaum gesehen, bin ich ja eine passionierte Nichtferseherin und war das schon immer.

Aber es gibt da einen mir gleichfalls unbekannten Roman, wo zwei Herren mit dem Feldstecher, die Damen des gegenüberliegenden Hauses beim Ausziehen ihrer Unterwäsche beobachten und ihre Freunde daran hatte, was waren das für Zeiten in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts?

„Den Mord den jeder begeht“, habe ich auch nicht gelesen. Vielleicht finde ich ihn noch, da fahren jedenfalls ein paar Studenten mit dem Zug und stecken zu ihrem Gaudium einen Totenkopf aus dem Fenster, um das Mädchen im vorigen Coupe zu erschrecken. Die fällt dann aus dem Fenster und stirbt und um die „Suspense“ hat sich Nüchtern auch bemüht und weist nach, wie das mit dieser im Bezug auf Mary Ks. ersten Straßenbahnunfall der Literaturgeschichte ist, der sie um ihre schöne Beinen brachte. Das wird in der „Strudlhofstiege“ am Anfang angedeutet und erst achthundert Seiten später wirklich ausgeführt. Respektdem Meister Nummer II oder natürlich I.

Es gibt ein Kapitel über Doderers Wien. Das wird zum Beispiel  dieStrudlhofstiege genau beschrieben und eines das erläutert wie Doderers literarischer Aufstieg in den fünziger Jahren möglich war. Er war ja, meint Nüchtern, ein Spätzünder, hatte bis zur „Strudlhofstiege“ nicht so viel veröffentlicht oder war nicht so bekannt.

Ein anonymer Brief hat seinen „Nobelpreis“ verhindert. Hilde Spiel hat sich aber sehr für ihn eingesetzt und Nüchtern meint auch im nächsten Kapitel, wo es hauptsächlich um die „Dämonen“ geht, dazwischen kommt ein eher kleiner Bildteil, daß sich Doderer mit diesem Buch, wo er ja den Justizpalastbrandt, ie Ereignisse von Schattendorf und den Aufstieg eines Arbeiters zum Bibliothekar, in dem er sich selbst Latein beigebracht hat, beschrieben hat, sich damitentnazifizieren wollte und ich war ja in den Siebzigerahren, obwohl ich von den gschichtlichen Ereignissen  nicht viel verstanden habe, von Leonard Kakabsas sozialen Aufstieg sehr begeistert.

Der war und ist meine Lieblingsfigur und deshalb ist es wahrscheinlich, wie schon beschrieben, eines mich prägenden Bücher.

Ich habe aber es im Vorjahr wegen seiner Dicke nicht mehr nochmals gelesen und von den anderen Personen, es ja ein Monsterbuch, eines zu dem Doderer wahrscheinlich auch seine preußisch-zwanghaften Pläne zeichnete, ging es ja in einem der vorigen Kapitel, auch um die Frage, wie Österreichisch das penibel Plänezeichen des Heimito von Doderers ist, nicht mehr viel außer der Stelle, wo es, um Quapps, glaube ich, vergebliches Bemühen um die Kunst ging, was mich natürlich sehr beeindruckt hat, in Erinnerung.

Dazu haben mir beim Lesen, was ich ja sehr blauäugig angegangen bin, wahrschlich auch die Vorkenntnisse aus der „Strudlhofstiege“ gefehlt.

Der nächste Essay ist den „Metowingern“, über die ich im Vorjahr auch einen Film gesehen habe, in dem Wiens literarische Avantgarde der Sechzigerjahre mitspielte oder der „Grossen Wut des Doctor D.“ gewidmet und der Docotor Döblinger, der ja in mehreren Werken Doderers eine Rolle spielt, wird als das Alter Ego des Dichters gehandelt.

In den „Posaunen von Jericho“, die in dem „Doderer-Buch“, das ich mir einmal von meinen Eltern schenken ließ enthalten ist, kommen ähnliche Motive und Personen, wie bei den „Merowingern“ vor, zumindestes der Psychiater mit seiner Antiaggressionstheorie und Nüchtern analysiert hier sehr genau, was es mit der Wut, der Aggression und dem Witz, also der Tendenz zu lachen, wenn jemanden Böses passiert und damit seine Triebe zu bewältigen, womit ich ja bekannterweise große Schwierigkeiten habe, auf sich hat.

Eine Stelle, die sich, glaube ich, auf Wendelin Schmidt Dengler bezieht, der ja auch sehr viel über Doderer geforscht hat, finde ich sehr interessant, nämlich die „Wer seine Ästhetik aus der Mappe der Menschlichkeit bezieht, für den muß dieser Roman ein unsympathisches Buch bleiben, keine Ästhetik der Welt kann über dieses Unbehagen hinweghelfen“.

Dem stimme ich ein bißchen zu, weil ich ja, wie oft beschrieben, nicht ganz verstehe, warum geschmipft, beleidigt, geschlagen, gemordet werden muß und, daß dann bei einer Veranstaltung die Leute noch darüber lachen.

Doderer hat aber seine „Merowinger“ selber als sein Ausnahmewerk und als eine große Blödelei verstanden.

Daß er damit auch das dritte Reich aufarbeiten wollte glaube ich auch und so habe ich gar nicht so viele Schwierikeiten mit dem Buch, obwohl man natürlich über manches den Kopf schütteln kann.

Es beweist aber auch Doderers große geschichtliche Kenntnisse, der ja auch als „Spätzünder“ Geschichte studiert hat.

Dann gibts ein bißchen was zu den „Wasserfällen“. Wir erfahren, daß Doderer am  zwölften April 1957 sich mit Theodor Adorno im Hotel Sacher zu einem Mittagessen traf und ihm dort gerne an „die Glatze klatschen“, wollte, um zu erfahren, ob von dort „ein Wölkchen Staub  auspuffen“ würde.

Doderer hat sich in seinen Werken viel mit den Hausmeistern beschäftigte und diese, weil sie wohl an die Blockwarte erinnern gehaßt. Wir erfahren in seinen Büchern viel, wie seine Protagonisten wohnen und das letzte Kapitel, was ich ganz besonders interessant finde, ist dem Namen-Glossar gewidmet.

Haben mich doch, wie ich im letzten Jahr feststellen mußte, seine Namen sehr beeinflußt, so gibt es auch bei mir Figuren mit dem Namen Wewerka und bei Doderer gibt es einen Branntweiner mit dem Namen Freud, was mich an meinen sprechenden Namendisput mit meiner ersten Kritikerin erinnerte und Nüchtern betont, daß der große Meister von der Berggasse dadurch wahrscheinlich nicht beleidigt wurde, hatte es doch damal mindestens drei Branntweiner mit diesem Namen gegeben.

Und so haben wir den Kontinent Doderer durchquert und sind an sein Ende angelangt.

Nüchtern schreibt dazu: „Der  Kontinent Doderer ist nicht nur ein weites Land, er ist auch dicht besiedelt. Wer ihn kennenlernen will, muss nicht nur ganz Sibirien durqueren, sondern auch viele Treppen steigen und zwar nicht nur über die noble Strudlhofstiege, sondern auch in schlecht ausgeleuchteten Stiegenhäusern und Hausfluren, in denen es nicht immer sehr gut riecht.“

Und ich füge hinzu, daß man sich danach wahrscheinlich auch durch das Ouvre lesen sollte, wer das nicht will oder nicht kann, weil er nicht so viel Zeit hat, dem würde ich zu Beginn das „Doderer-Buch“ empfehlen.

Nüchterns Essays sind natürlich auch sehr interessant, aber dafür wäre vielleicht ein wenig Doderer Vorwissen auch nicht schlecht.

2017-06-15

Tschik

Filed under: Bücher — jancak @ 00:56
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Jetzt kommt ein Kultbuch oder ein moderner Klassiker, wie man vielleicht rschon sagen könnte, jedenfalls das 2010 erschienene „Tschik“ Jugendbuch und Roadmovie, das auf mehren Preislisten stand und jetzt auch verfilmt wurde, des 1965 geborenen Wolfgang Herrndorf, der sich 2013 wegen seiner fortgeschrittenen Krebserkrankung in Berlin erschossen hat.

Von Wolfgang Herrndorf dessen Austieg beziehungsweise, die Erfolge seiner Bücher „Tschik“ und „Sand“ ich  hautnah miterleben konnte, habe ich „Plüschgewitter“ sein Debut, im Schrank gefunden und seltsamerweise, obwohl ich mich ja sehr für das Thema interessiere, habe ich „Arbeit und Struktur“, wo er sich mit seiner Krankheit auseinandersetzt, weder im Blog sehr viel gelesen noch ist das Buch bis jetzt zu mir gekommen.

Vielleicht passiert das noch, habe ich ja auch vor kurzem erst Stefanie Sargnagels „Fitneß“ in einem der Schränke gefunden.

„Tschik“ lag jedenfalls im Vorjahr in Margot Kollers Keller und da ich mich von dort bedienen durfte, habe ich das Buch, das inzwischen auch verfilmt wurde, was im Vorjahr in Leipzig sehr beworben wurde, auch gelesen.

In zwei Tagen habe ich es ausgelesen und ich muß sagen, es war eine Überraschung, obwohl ich es für ein Jugendbuch halte und die Roadmovieelemente manchesmal für mich auch zu slapstickartig waren, hat mich vor allem die Beschreibung der Lebensumstände des vierzehnjährigen Maiks gefesselt, denn ich habe es ja sehr mit der realstischen Literatur.

Das Buch ist nicht chrologisch geschrieben, zumindest steht das Ende am  Anfang und dann beginnt die rassante Erzählung des vierzehnjährigen Maik Klingenbergs, den es eigentlich beschissen ging, bevor Tschik in sein Leben kam und den Sommer in dem das Buch spielt, zu dem schönsten seines Lebens machte.

Das erinnert ein bißchen an Andre Kubicek, obwohl West-Berlin, beziehungsweise das wiedervereinigte Berlin, spielt das Buch ja 2010, gemeint ist.

Aber da ist ein Vater, der im Sommer vierzehn Tage mit seiner Sekretärin auf Reisen geht, die Mutter ist in der Entzugsklinik. Er drückt dem Filius zweihundert Euro in die Hand und sagt „Mach es gut und ruf mich an, wenn du was brauchst““

Und Maik geht es beschießen, hat er doch erkannt, daß sie ihn in der Schule für einen Langeweiler halten und das Mädchen in das ersich verliebt hat, Tatjana Cosic lädt ihn und noch ein paar andere Langweiler, als einzige nicht zu ihrer Geburtstagsparty ein.

Ja, das Leben kann hart sein, wenn man vierzehn ist und das ist es egal, daß man der beste in Mathematik und Hochsprung ist.

Aber da ist schon Tschik oder eigentlich Andrej Tschichatschow, der aus der Russland oder der Mongolei kommtoder eigentlich in Deutschland zuerst in der Förderklasse, dann in der Hauptschule war und es jetzt aufs Gym, geschafft hat, in die Klasse gekommen.

Er gehört aber genauso zu den Langweilern oder nicht Eingeladenen wie Maik und während, der am ersten Ferientag im Bett liegt und ihm die Decke auf den Kopf fällt, kreuzt Tschik mit einem gestohlenen Lada auf und die beiden beschließen zuerst kurz bei Tatjana Party aufzutauchen und dann in die Ferien in die Walachei zu fahren.

Das ist, wenn man erst vierzehn ist, nicht ganz so einfach und so fahren die beiden eigentlich in der nächeren Umgebung im Kreis herum, machen mehr oder weniger nette Bekanntschaften, erleben Abenteuer, fühlen sich von der Polizei verfolgt, bevor, um wieder an den Anfang zurückzukommen, Maik auf der Autobahn in einen Schweinetransporter hineinfährt, ein paar Tage ins Krankenhaus muß und es auch zu einer Gerichtsverhandlung kommt, denn er ist schon vierzehn und nicht, wie er irrtümlicherweise glaubte, erst mit Fünfzehn strafmündig.

Muß daher Wiedergutmachung leisten, Tschik kommt dagegen in ein Heim und, als die Schule wieder anfängt, ist alles anders.

Der Langweiler hat sich zum Abenteurer gewandelt und Tatjana fragt sogar brieflich, was ihm passiert ist. Er hat sich aber inzwischen in eine andere verliebt und freut sich auf das Wiedersehen mit Tschik.

So einfach, so what und jetzt habe auch ich dieses Buch gelesen, das ja inzwischen schon fast zu der älteren Bpcherchallenge zählt, die die Blogger im Vorjahr machten, das heißt, wegen der Verfilmung auch nicht so ganz, hat es  ja erst Wolfgang Tischer vom „Literaturcafe“ kürzlich erwähnt, so daß es sogar mein Kritiker Uli, der sonst ja nicht soviel liest, gelesen hat.

2017-06-11

Tram 83

Filed under: Bücher — jancak @ 00:48
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Graz scheint wieder oder immer noch die Literaturhauptstadt Österreichs zu sein oder zumindest eine, die Gespür für die aktuelle Lage und die aktuellen Trends hat.

Hat doch ConstanzeMatthes auf dem „Buchpreis-Blog“ im Vorjahr beklagt, daß es keine aktuellen gesellschaftspolitischen Tendenen, die die sich auf Flucht und Vertreibung beziehen beispielsweise, sondern immer nur den Einheitsbrei des Familienromans und des Männerleidens auf der LL gibt und da lese ich ein halbes Jahr später meine Geburtstagsbücher und merke, das stimmt nicht ganz.

Zwar waren weder Fiston Mwanza Mujila noch Tomer Gardi auf der Liste, können sie vielleicht auch gar nicht, weil der eine Afrikaner, der andere Israeli, der eine lebt aber in Graz, der andere war dort Stipendiat und sie beschreiben diese Tendenzen, spielen damit, gehen darüber hinaus.

Tomer Gardi hat es mit „Broken German“ versucht und damit nicht in Klagenfurt gewonnen, der Debutroman des 1981 in der demokratischen Republik Kongo geborenen Fiston Mwanza Muljia wurde aber sehr gelobt und hat, aus dem Französischen übersetzt, auch schon viele Preise gewonnen.

Ich, die ich beim Lesen ja die Struktur und die Handlung brauche, habe mir beim Lesen zwar etwas schwer getan, das Buch, das mit Hieronymus Boschs Farbenvielfalt verglichen wird, hat mich an Dos Passos „Manhatten Transfer“ erinnert und  bin wieder etwas skeptisch, ob es in einem afrikanischen Nachtlokal so zugeht, aber der Autor den ich ja bei „Literatur und Wein“ in Krems erleben konnte, sprüht wirklich durch seine Sprachgewalt und dazu hat er noch eine sehr laute Stimme mit der er sie einbringen kann.

Was in dem Buch passiert, ist entweder schnell oder wahrscheinlich gar nicht zu erzählen. In dem Nachtlokal „Tram 83“, das in der afrikanischen Großstadt „Stadtland“ liegt, von wo alle aus dem Hinterland herkommen, treffen sich Nacht für Nacht die Prostituieren, die Touristen, die Gauner, die  Mienenarbeiter, die Verlierer, die Profiteure und und, wie im Klappentext steht, um ihre Geschäfte zu machen und ihr Vergnügen zu haben und da treffen sich auch die ungleichen Freunde, Lucien der Schriftsteller und der Klein- oder Großgauner  Requiem, einen belgischen Verleger und einen abtrünnigen General, der das Geschick des Landes lenkt oder in den Untergang führt, gibt es auch.

Das Ganze wird auf über zweihundert Seiten, in dreiunddreißig Kapiteln erzählt und es gibt, wie schon erwähnt, keine Handlung und auch keine Chronologie.

Die Kapitel bestehen eher aus Schreigesängen mit immer gleichen Sätzen, einer starken Sprache und Wortneuschöpfungen.

So besteht das Publikum, das sich in den Lokal trifft aus den „Küken“, beziehungsweise den „Single-Mamis“, die von den Freiern ihr Geld haben wollen und ihnen dafür alles und immer nur das Beste versprechen.

„Eine riesige Aufgabe, die Frauen, die ins Tram 83 kamen, zuzuorden. Alle führten einen eisernen Kampf gegen das Altern. Eine Einteilung war nicht ganz ohne, da waren die unter Sechzehnjährigen, Küken genannt, die Single-Mamis, also die zwischen Zwanzig und Vierzigjährigen, auch dann Single-Mamis genannt, wenn sie gar keine Kinder hatten, und schließlich die Frauen- ohne- Alter, deren festes Alter bei einundvierzig lag. Keine von ihnen konnte sich eine Falte erlauben. Man sah sie nie ohne Schminke, sie trugen falsche Brüste, alle Mittel waren recht um die Kunden zu ködern, und sie trugen fremd klingende Namen, wie Marylyn Monroe oder Sylvie Vartan oder RomySchneider oder Bessie Smidt, Marlene Dietrich oder Simone de Beauvoir, alles war recht um der Welt zu zeigen, dass es sie gab“

Solche Passagen ziehen sich durch das ganze Buch.

Es gibt dann auch immer wieder die Sätze, wie „Was sagt die Uhr?“ oder „Wo ist mein Trinkgeld?“, denn die Kellnerinnen und Aushilfskellnerinnen verlangen das von ihren Kunden und werden sehr ungehalten, wenn man  es ihnen  verweigert.

Seltsamerweise geht es in dem Buch aber auch sehr viel um Literatur und manchmal klingt es wie ein Schreibratgeber:

„Jedem politischen Regime lieferst du die passende Literatur. Du schreibst ein episches Gedicht über die Frisur der Frau des Präsidenten, und man schenkt dir  ein Haus, einen Monolog, der den Traum des Ministers für Wahrsagen, Hellsehen und Prophezeien aufgreifgt, und man bezahlt dir eine Reise nach Venedig.“

Lucien, der seine Frau verloren hat und aus dem Gefängnis in das Lokal zurückkommt, will dort eine Lesung halten. Die mißglückt, er bekommt auch einen Anruf von dem belgischen Verleger, der sein Buch drucken will. Da schaltet sich aber Requiem ein und erpresst ihn das nicht zu tun, denn seine Mädchen machen immer Aufnahmen von den Kunden, die könnte er dann in die Zeitung bringen und den Verleger ruinieren, ins Gefägnis bringen lassen, etcetera.

So stolpern wir durch das Buch von Kapitel und Kapitel, staunen über die Sprachgewalt und die schönen neuen Worte, in denen das Leben hier passiert.

Manchmal kommt Requiem, des Nachts nach Hause und das Blut quillt von seinen Kleidern, er stopft das erbeutete Geld in Müllsäcke ohne es auszugeben und man weiß nicht wirklich, was hier passiert und worum es geht?

Bibelzitate kommen immer wieder vor und eine Diva, die wie die Callas ausschaut und sehr schön singt .

Und der Verleger von Requiem erpresst versucht dann auch Lucien hinzuhalten, in dem er ihn seit Stück zuerst von zwanzig auf zehn Personen, dann auf zwei umarbeiten und es ihm dann auch noch in den brasilanischen Urwald versetzen läßt.

Ich bezweifle eigentlich, daß so etwas in einem Nachtclub einer afrikanischen Großstadt passiert und, daß sich die Verlierer und Gewinner dort für Literatur interessieren.

Aber richtig, die Lesung ist  mißlungen, obwohl ich auch nicht wirklich mitbekommen habe, wieso und Fiston Mwanza Mujia unterrichtet in Graz afrikanische Literatur und kennt sich deshalb auch sehr gut aus.

Eine groteske Stelle gibt es in dem Buch auch noch, die ich erwähnen sollte. Lucien  wurde ja verhaftet, kommt ins Gefängnis, wird dort gefoltert und dann von einer Frau ausgelöst.

Das Kapitel, das das beschreibt hat die Überschrift „Das Wiener Konservatorium“, weil der Genera,l der dort foltert sich sehr für klassische Musik interessiert und daher den Gefangenen in ihren Zellen Rimski – Korsakow, Tschaikowski, Strawinsky, etcetera, vorspielen läßt.

Dazu habe ich Assozioen und Anknüpfpunkte. Es werden in den Lokal oder in dem Land auch Hunde gegessen und es gibt dann Hundeschützer, die die armen Tiere vor ihrem Tod retten wollen. Denn in Europa haben es die Hunde besser werden von ihren Besitzern gehätschelt und getätschelt, es gibt Hundecafes, Hundegeschäfte, Hundekliniken, etcetera und am Schluß geht das Gerücht um, daß der abtrünnige General, das Lokal schließen läßt, so daß die drei Freunde, Requiem, Lucien und der Verleger wieder fliehen müssen.

2017-06-09

Chucks

Heuer ist, könnte man so sagen, ein Cornelia Travnicek-Lesejahr, habe ich doch von der 1987, ich glaube, im Krankenhaus St. Pölten geborenen und in Traismauer aufgewachsenen, schon sehr viel gelesen.

„Junge Hunde“ ihren zweiten bei DVA erschienen Roman, das Weihnachtsbuch von 2015, dann den kürzlich erschienenen Gedichtband „Parablüh“, eine Hommage auf Sylvia Plath und jetzt „Chucks“, das, glaube ich, 2011 erschienen ist.

Mein Buch, es ist die dritte Auflage, stammt aus 2013 und ich habe es, als ich mich auf einen Recherchetag befand, bei „Thalia“ auf der Mariahilferstraße, ich glaube, um einen Euro neunundneunzig, gefunden.

Es wird irgendwie als Jugendbuch gehandelt, hat doch Cornelia Travnicek, die inzwischen auch schon dreißig ist, ein Jugendstipendium dafür erhalten und mit einem Kapitel daraus, einen der der „Fm4-Preise“.

Beim Lesen bleibt wahrscheinlich immer der letzte Eindruck hängen. So würde ich fast sagen, es ist die beste Travnicek, die ich gelesen habe und ich habe mit dem Otto auch öfter darüber diskutiert, welche literarische Bedeutung sie hat.

Was auffällt sind die genauen Beschreibungen und immer wieder sehr schöne ungewöhnlich klingende Sätze.

Da bleibt ja schon das Anfangszitat „Ich unterdrücke ein Gähnen, weil sich das nicht gehört, dass man gähnt, wenn jemand stirbt.“, haften.

Ich habe mir aber eine Menge solcher schöner Sätze angestrichen und für mich sehr angenehm, daß das was da erzählt wird, erstaunlich realistisch ist, wenn auch nicht linear beschrieben wird.

Da hüpft Cornelia Travnicek sogar auffällig anstrengend herum, so daß das Lesen und Mitkommen und das Beantworten der Frage „Wann war das jetzt?“, gar nicht so einfach ist.

Und die junge Mae, sie ist, glaube ich, Mitte zwanzig, wie ihre Autorin beim Zeitpunkt des Schreibens, hat, wie das heute leider auch nicht mehrso ungewöhnlich ist, sehr viel erlebt.

Sehr viele Traumatisierungen kommen da zusammen. Auch wenn Cornelia Travnicek da dick aufträgt. Wahrscheinlich auftragen muß, weil das die Lektoren und die Leser so wollen, daß alles übertrieben ist und nur das Schlimmste, was man erlebt hat,uählt und wer hat davon mehr aufzuweisen?

Mae verliert also ihren Bruder an Krebs, als sie acht ist und er zwölf oder sie zwölf und er vierzehn und sie stellt sich die Krankheit Krebs, wie das ihre Eltern ihr erklärten, auch so vor, daß ein kleiner Krebs im Inneren des Körpers sitzt und frißt und frißt.

Er hinterläßt ein paar nagelneue teure Chucks, die sie fortan trägt und die Mutter entdeckt ein fremdes Unterhöschen im Koffer des ständig abwesenden Vaters und schmeißt ihn hinaus.

Mae bekommt dann Mitten in der Pubertät Probleme mit  der Mutter, will nicht mehr in die Schule gehen und schließt sich der Punkerin Tamara an.

Mit ihr zieht sie eine Zeitlang durch die Straßen, kommt aber davon los und zieht zu einem Jakob, einen als sehr fad und gewissenhaft beschriebenen Architekten. Trotzdem hat sie noch eine Jugendstrafe anzuarbeiten und tut das im Aidshilfe-Haus.

Dort lernt sie Paul kennen, verläßt Jakob, zieht zu ihm, schaut ihm dann irgendwann einmal zu, wie er stirbt und verkneift sich dabvei das Gähnen.

Vorher versöhnt sie sich noch mit ihrer Mutter und sammelt, was man ein wenig zu dick  aufgetragen und kitschig empfinden könnte, Pauls Sperma, seine Haare,  seine Atemluft und seine Zehennägel in Tupperdöschen, um die Erinnerung an ihn zu bewahren.

Trotzdem oder vielleicht deshalb zieht sie wieder zu dem ruhigen Jakob zurück und das Leben geht weiter.

Wär schön, wenn das immer so einfach wäre. Aber trotz der linearen Sprünge ist das Buch angenehm zu lesen oder natürlich nicht. Denn einmal, als es an das Sterben ging, hat es mich erwischt und die Augen wurden feucht, was mir nicht so oft passiert.

Trotzdem würde ich wieder sagen. Es ist sehr schön konstruiert und vielleicht deshalb nicht so ganz glaubhaft, aber was weiß man schon so genau?

Das hat einmal, Cornelia Travnicek zu mir gesagt, als ich sie zu der Besprechung zu den „Mittleren IV“, wo sie ja gelesen hat, einlud und sie nicht wußte, ob sie kommen könne.

Jetzt muß ich nur noch „spannung, spiel und schokolade“ lesen, was sie mir einmal zu meinem Geburtstagsfest mitbrachte und ich hätte die Travnicek durch.

Das heißt, stimmt gar nicht, das erste Buch, das jetzt vergriffen ist, habe ich nicht gelesen und auch nicht den in der „Edition Berger“ erschienenen Gedichtband.

Und verfilmt ist „Cucks“ übrigens inzwischen auch schon geworden.

2017-06-05

Broken German

Filed under: Bücher — jancak @ 00:06
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Weiter geht es mit den Geburtstagsbüchern und diesmal ist es eines, das polarisieren könnte, nämlich Tomer Gardis „Broken German“ mit dem er im Vorjahr beim „Bachmannpreis“ gelesen hat und bei „Amazon“ gibt es gleich drei „Ein-Stern-Rezensionen“:Unglaublich schlecht. Definitiv nicht empfehlenswert, zumindest für Leute mit Anspruch auf gute deutsche Literatur, welche nicht in einem Satz gleich mal 10 Rechtschreibfehler hat“, steht da geschrieben und am Buchrücken steht „Eine erfrischende Antwort auf die „German Kulturangst“ vor der Überfremdung – für alle, die Lust auf Grenzüberschreibtung und Regelbrüche haben.“

Ja wir leben in bewegten Zeiten, wo sich viel, aber nicht alles verändert, denn daß die Leute sehr happig sind, wenn einmal die Orthographie nicht ganz stimmt und die alte statt der neuen Rechtschreibordnung verwendet wird, kann ich bei meinen Kommentaren merken, dabei habe ich kein gebrochenes, sondern wahrscheinlich ein Hauptschuldeutsch, mit dem ich mich, aufmüpfing wie ich einmal bin, wehre mich den Regeln und den sogenannten Rechtschreibordnungen anzupassen.

Andererseits kann man ja schon in Hochschulvorträgen Sätze hören, wo das German mit dem  Englisch sehr vermischt ist, wir gehen shoppen, schreiben mails etecetera, brauchen, da viele Kinder in der Schule nicht richtig Lesen lernen, eine leichte Sprache und die Kinder, die in mehreren Sprachen aufwachsen, verwenden wahrscheinlich sehr selbstbewußt ein Sprachgemisch und ich war auch einmal in Bozen und hörte einer Frau beim Reden zu, wie sie sehr selbstverständlich mitten im Satz das Deutsch ins Italienische kippte, weil ja zweisprachig aufgewachsen und beides  die Mutter oder Vatersprache, wie das so schön heißt, ist.

Aber eigentlich geht es auch, um die Flüchtlingsströme, die polarisieren und die „Gutmenschen“ und „Multikultis“ dann vielleicht auch einmal aus Trotz dazu veranlaßen, Leute zum „Bachmannpreis“ einzuladen, die vielleicht wirklich oder auch nur konstruiert, ein  broken German haben.

Bei dem 1974 in Israel geborenen Tomer Gardi, der sowohl in Tel Aviv, als auch in Berlin Literatur studierte, bin ich mir gar nicht so sicher, wie gebrochen er wirklich Deutsch spricht.

Er war jedenfalls Stipendiat in Graz und hat da, glaube ich, das bei „Droschl“ erschienene Buch geschrieben. Klaus Kastberger hat ihn nach Klagenfurt eingeladen und ich habe das Buch gelesen und muß schreiben, ich habe mir beim Lesen auch ein wenig schwer getan, all das zu verstehen, ist man das fehlerfrei korrigierte Hochdeutsh ja gewähnt und erwartet es wahrscheinlich auch und ich kriege ja auch manchmal Kommentare, daß ich zu unverständlich bin.

Ein Roman oder eigentlich ist es eine Kurzgeschichtensammlung, die mit der Sprache, der Geschichte und noch mit vielen anderen spielt, um Kafka und Goethe, Nabokov und die Herren der Akademie geht es auch und die Leichen, die man im jüdischen Museum findet und Koffer, die am Flughafen vertauscht werden und auch die Protagonisten werden das ständig, taucht doch Tomer Gardi himself auf, sitzt in Graz und schreibt sein „Broken German“, dann sind wir in Berlin und im jüdischen Museum.

Es geht, um ein nur scheinbar vergrabenes Messer und den Film der darüber gedreht werden soll. Aber eigentlich wurde das ja gar nicht vergraben, sondern von der Flughafenpolizei abgenommen, weil man damit ja in kein Flugzeug  darf und sowas habe ich 1991 in Japan auch tatsächlich erlebt, daß eine alte Dame, ein solches in ihrem Koffer hatte und auch Brot und Konserven, weil sie sich in den zehn Tagen Japanaufenthalt vorwiegend durch Mitgebrachtes ernähren wollte. Das war noch lange vor nine elefen, also auch da kein großes Tamtam und ich bin ja eine, die sehr tolerant ist und die Frage was gute Literatur ist noch immer nicht beantwortet hat.

Das heißt, ich glaube, es gibt eigentlich keine besondere und alle ist gut, die ehrlich und authentisch ist und eigentlich ist es ja auch nicht wirklich sehr verständlich, warum man keine Rechtschreibfehler haben darf, aber sehr wohl Mäuse in heißes Fett tauchen, wenn man ein Stipendium haben will.

Ich denke, daß alle Leute schreiben sollen, die das wollen, daß man dafür keine Matura und auch keine Hochschulbildung braucht und, daß sich die Sprache natürlich verändert wird, wenn die jungen Autoren Türkisch als Muttersprache haben,  Serbisch oder Albanisch, etcetera.

In dem Buch geht es sicher auch um Politik und ich wäre sehr gespannt, was mein Kritiker Uli dazu sagen würde, oder lieber nicht, denn, daß dem das auch nicht sehr gefallen könnte, daß da einer herkommt und mit der Sprache mehr oder weniger mutwillig spielt, aus dem „Goethe Institut“ eines für Kafka machen will und ständig den Herren der Akademie von seinem Besuchen im jüdischen Museum und den Leichen, die er dort gefunden hat erzählt, kann ich mir vorstellen

Wahrscheinlich eine Einbahnstraße der Literatur und ein Experiment, daß da Klaus Kastberger und „Droschl“, der ja als er noch dem Vater gehörte,  ein sehr sehr experimenteller Verlag gewesen ist und heute einer dessen Bücher man regelmäßig auf den dBp-Listen kann, wagten.

Der gebildete Durchschnittsleser wird sich wahrscheinlich schwer mit solchen Büchern tut, und „Kann der kein Deutsch?“, schreien, aber das tut Tomer Gardi ja auch und schreibt mehrmals „Wie heißt das jetzt auf Deutsch?“ oder „Was für Sprache redet ihr da? Was wir reden ist Deiutsch, sagt er. Was ihr da redet ist kein Deutsch. Die drei wollen uuns, sagt er zu seine Freude, die drei wollen uns anscheint verarschen“.

Das vielleicht auch und mich würde wirklich interessieren, wie echt oder konstruiert dieser Text, den ich für sehr wichtig, gerade in Zeiten wie diesen halte und ihn auch interessant zu lesen fand, ist und die Sprache wird sich und hat sich natürlich verändert.

Vor hundert Jahren haben die böhmischen Köchinnen in den Wiener und wahrscheinlich auch Berliner Herrschaftshaushalten „Kucheldeutsch“ gesprochen, in den Kabaretts wurde geböhmakelt und gejiddelt und sich lustig darüber gemacht.

Das mag ich wahrscheinlich genauso wenig, wie die Tschechen, wenn es um das böhmakeln des Joseph Schwejk geht, der das in Prag sicherlich nicht gemacht hat, weil seine Muttersprache ja Tschechisch nicht Dutsch war und heute reden wirm je gebildeter wir sind, alle selbstverständlich „denglisch“, wollen aber bestes Hochdeutsch oder vielleicht auch etwas Experimentelles lesen und wenn etwas einfach und linear geschrieben ist, dann ist es keine gute Literatur. Fehler darf es natürlich auch keine haben, aber dafür gibt in den Publikumsverlagen, ja die Lektoren, sofern diese in Zeiten, wie diese noch existieren, die sie ausmerzen sollen.

Ein spannendes Stück Literatur also mit der wir über uns, über die politische und gesellschaftliche Situaton nachzudenken und vielleicht auch mehr Toleranz einzufordern können.

Aber beim „Bachmannpreis“ und noch viel mehr beim „Bloggerbusterpreis“ wird natürlich nach wie vor ausgewählt und Tomer Gardi konnte, da Graz-Stipendiat in Klagenfurt lesen und bei „Droschl“ erscheinen, wenn der sein Manuskript aber einfach so und ohne Erklärung zu den Bloggern geschickt hätte, währe er höchstwahrscheinlich nicht in die Longlist gekommen, denke ich, bin gespannt, was weiter in der Sprache und in der Literatur passiert und freue mich in diesem Sinn schon auf den nächsten „Bachmannpreis“, der ja demnächst stattfinden wird.

2017-06-04

Das Blogbuster-Longlistenlesebuch

Filed under: Bücher — jancak @ 00:16
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Während meines „Schreib- und Recherchecamps“, das ich ja bin Ende Juni machen will, habe ich mir vorgenommen, mir das „Blogbuster-Leseprobenbuch“, also die vierzehn von den Literaturbloggern für die Longlist vorgeschlagenen Texte durchzulesen, um einen Eindruck zu bekommen, was da als das beste von den sechshundert eingereichten Mansukripten von den auserwählten Bloggern angesehen wurde, beziehungsweise was so ein wenig abseits vom Literaturbetrieb und noch in der Vorliga  geschrieben wird.

Über den „Blogbuster-Preis“, der von Tobias Nazemi ins Leben gerufen wurde, um das Profil der Literaturblogger ein wenig aufzuwerten, habe ich mich, als Jochen Kienbaum geschrieben hat, daß er leider leider keines der Manuskripte vorsschlagen konnte, weil es ihm nicht gut genug erschien, schon kritisch geäußert.

Ich habe mir auch den Livestream angesehen, als der Sieger Torsten Seifert bekanntgegeben wurde, habe da gehört, daß wahrscheinlich auch die zwei anderen Shortlistkanditaen einen Verlag finden werden und mindestens bei einer konnte man ja sehen, daß ihr Manuskript ohne diese Initative wahrscheinlich bei der Agentur, wo sie es hinsandte, verkommen wäre.

Ja, ja es ist schon ein Kreuz mit dem Lesen und dem Schreiben. Denn das Estere wollen ja nicht mehr so viele, das zweite aber die meisten von den ersten und die lesen dann vielleicht nichts mehr, die Ansprüche der Blogger sind so hoch und wenn ich mich so unter den neunzig- oder was auch immer tausend jährlichen Neuerscheinungen umsehe, kann ich mich nur wundern, wer alles einen Verlag findet, wenn er einen bekannten Namen hat und was manche, die in in einem Publkimsverlag erscheinen so schreiben, was weit nicht an die obigen Ansprüche reicht.

Ja, ja das Leben ist ungerecht, viele oder einige, ich zum Beispiel finden keinen Verlag, aber inzwischen kann man es ja selber machen, hat dann, wie wieder ich wahrscheinlich nur wenig Aufmerksamkeit, weil ja die Leute nicht mehr so viel lesen, sondern nur mehr schreiben wollen, etcetera….

Aber ich wolte ja über die Leseproben schreiben durch die ich mich, ein wenig skeptisch, denn als ich 2013 das „Longlistenbüchlein des dBps“ gebloggt habe, habe ich keine wirkliche Ahnung von den auserwählten Büchern bekommen und beim „Bachmannpreis“ ist es irgendwie auch so ähnlich. Man muß schon die ganzen Bücher lesen um einen Eindruck zu bekommen und vielleicht kann ich das bei dem einen oder anderen auch, wenn sich doch ein Verlag findet oder die Leute es vielleicht selber machen.

Beim „Leseprobrenbuch“ gibt es jeweil eine kurze Inhaltsangabe, dann ein Bild von Autor und Blogger, der Autor wird vorgestellt, der Blogger sagt, warum er ihn gewählt hat und dann kann man sich ein bißchen in das Manuskript hineinlesen.

Der erste vorgestellte Autor ist Luksas Vering, der Kanditat von „Kulturgeschwätz“, wie so schön dabei steht und sein Manuskript „Air“ war für mich insogern eine Überraschung, weil es Sci Fi ist und ich dachte, ich hätte irgendwo gelesen, Genres wären ausgeschlossen.

Die Bloggerin Katharina Hermann hat den Journalisten Lukas Vering aber ausgewählt und dieLeseprobe ist sehr verwirrend, denn bei Sci Fi, muß man sich ja in eine eigene Welt einlesen und das ist bei den zwazig oder so gebotenen Seiten etwas schwierig. Es geht jedenfalls um zwei Leute, die sich vielleicht bei einem Dating kennenlernen und die Biografie von einem, der seinen Eltern entfremdet wurde, um der Wissenschaft oder so zu dienen ist, auch zu lesen.

Ein wenig hat mich das an „Knallmasse“ von Ulrich Holbein erinnert und ich fand es interessant, obwohl ich ja keine Sci Fi Spezialistin bin, beim letzten dBp habe ich mich aber auch durch ein solches Werk gelesen.

Dann kommt der mir bekannt Blogger „Kaffeehaussitzer“, weil der ja 2015 einer der Buchpreisblogger war und stellt GunnarKaisers „Unter der Haus vor. Der ist Schriftsteller, Youtuber und Lehrer und bei „Unter der Haut“ geht es, wie in der Beschreibung steht, um einen Mörder. Um die Lebensgeschichte eines Josef Eisensteins und in der Leseprobe,  ist der Ich-Erzähler auf der Suche nach einem Mädchen, aber noch bevor er es ansprechen kann, kommt ihm ein Maler, wahrscheinlich jener Josef Eisenstein zuvor und fordert ihn auf das Mädchen, das e rmalen will, zu fotografieren.

Mariki Fallwickl von „Bücherwurmloch“ ist mir auch bekannt, die hat Heiken Duken, eine Psychotherapeutin und ihr Werk „Rabenkinder“ ausgewählt, ist mit ihr sogar einen Tag durch Salzburg gegangen und beschreibt ihre Begeisterung für das Werk, in das man sich aber auch erst ein oder es auslesen muß, um sich auszukennen, da es um eine Fanmilie,  in verschiedenen Zeitebenen geht.

Im ersten Kapitel stellt die Mutter 1975 ihren Kindern Nele, Karen und Hannes ihren neuen Freund vor. Dann ist Nele schon erwachsen und in Shanghai, Karen hat 2007 Schwierigkeiten mit ihrem Sohn und dann gibt es noch einen verhaltensgestörten Max, der in eine „Idsiotenschule“ geht.

Verwirrend auch die Leseprobe von Micaela Dascheks „Polareule“, das ist die Kanditatin von „Muramez“, der eine Zeitlang meinen Blog besuchte. Das Buch spielt im Russland in den Siebzigerjahren, handelt von Wölfen, von einer Familie und von Dissidenten und ich müßte es auch ganz lesen, um es zu verstehen und mitzukommen.

„Schneestolz“ von Katharina Radtke hat Petra Lux von“Die Liebe zu Büchern“ ein mir eher unbekannter Blog ausgewählt und schon der Lebenslauf der 1990 geborenen Germankistin klingt interessiert, hat sie sich doch vorgenommen, nach der Geburt ihres Sohnes ein Buch zu schreiben und „Schneestolz“ klingt manchmal etwas Chicklitartig, hat auch kitschige Wendungen und ist dann wieder erstaunlich modern geschrieben.

Da ist Clio und sie  ieht sich, da sich der Kinderwunsch ihres Mannes nicht erfüllen läßt, in eine weiße Villa am Meer zurück. Aha, eine Putzfrau, die die Post geordnet hat, erwartet sie da auch und ein Brief oder Buch eines Jugendfreundes, der Schuld an der Unerfüllung sein könnte. Am Ende der Leseprobe besucht sie sein Grab, pflanzt ihm Tulpen an und geht ins Leben und zu ihrem Mann zurück?

Dann kommt „Das schwarze Loch“ von Chrizzi Heinen, ausgesucht von „Zeilgensprünge“ und eine der Shortlistkanditaten und die Idee ist sehr originell. Da erbt eine ein schwarzes Loch, bei der Livestreamlesung war noch so eine originelle Stelle, die Protagonistin kann wegen des Lochs nicht schlafen, so geht sie den „Ein-Euro-Laden“. Dort bekommt man aber nicht, wie zu erwarten wäre, allerhand Klumpert, das nur einen Euro kostet, sondern zahlt denselben und kann dann eine Stunde oder auch länger in dem Laden sitzen bleiben.

„In Buthan steckt Hut“ hat die mir sehr bekannte und sehr rührige Sophie Weigand ausgewählt, die dBp-Bloggerin ist, beim „Debut“ dabei, auch beim „Warum ich lese“ einen Beitrag hat und inzwischen Seminare über das Bloggen gibt.

Doris Brockmann, die sie ausgewählt hat, ist auch keine Unbekannte, assistiert sie doch Wolfgang Tischer im „Literatucafe“https://literaturgefluester.wordpress.com/2017/03/18/zwoelf-indies-bei-lhotzkys-literaturcafe/ bei den „Bachmannpreis-Berichten“, hat auch schon was veröffentlicht, sogar im Wiener „Krill-Verlag“ und Rosa ist eine Putzmacherin, also eine Modistin oder Hutmacherin, die ihr Dorf nie verlassen sondern ihren Salon in diesen errichtet hat und dort mit allen Sinnen und Farben ihre schönen Hüte ausstellt, obwohl man inzwischen ja nur mehr Baseballkappen trägt.

„Sie nannten ihn den Mnn mit den goldenen Schuhen“ stammt von Ina Elbracht und wurde vomBuchpreisblogger des letzten Jahres Gerard Ottembra von“Sounds and Books“ ausgewählt.

„Kein Wunder!“, könnte man da sagen, geht es da doch um die fiktive Autobiografie  des Schlagernachwuchsstars Theo Medardus Hoffmann und wem das bekannt erscheint.  Ja es ist eine Paradoie oder Nachdichtung von E.T. A Hoffmanns „Die Elixiere des Teufels“, den ich in meiner Studentenhzeit ja sehr gelesen habe, also sehr interessant. Leider nicht auserwählt, aber vielleicht bekomme ich es mal zu lesen und dann geht es auf die „Krim“ und das ist eine Mischung zwischen Krimi und Reisebericht. Stammt von Helmut  Pöll, der das Mansuskript schon im „Create Space“ veröffentlicht hat und da geht ein Ehepaar, Wilhelm der Hausmeister und seine Frau Erika auf eine „Krimfahrt“.

Die Bloggerpatin ist hier Constanze Matthes, die ich, glaube ich, bei „Buzzaldrin“ kennengelert habe und die mir auch auf meine Kommentare, was sonst ja eher selten ist, antwortet.

„Hundeseele“,ein Roman von der 1962 in der Schweiz geborenen Biologin Brigitte Morgenroth, vorgeschlagen von der engagierten Bloggerin und Buchhändlerin Sara Reul, die ich, glaube ich, in Leipzig getroffen habe, spielt in den Neunzehnfünfziger Jahre in einenm allgäuischen Dorf und handelt von einem verwahrlosten oder traumatisierten Kind, das bei Hunden gelebt hat und jetzt von einer Lehrerin zu sich genommen wird.

„Das Magenkomplott“ ist ein surrealer Roman des1971 geborenen Psychiaters Stefan Zott, der von Sandro Abbato, der auch das „Warum ich lese-Projekt“ intitierte, vorgeschlagen wurde. Erinnert an Kafka und handelt von einem, der aufwacht, keinen Magen mehr hat und sich dann in den Untergrund gebibt um einen skrupellosen Bauchirurgen auf die Spur zu kommen.

Dann kommen die zwei anderen Shortlist-beziehungsweise das Preisbuch, das ja dann im Herbst in Frankfurt  noch einmal bei einem Publikumsverlag erscheinen wird.

Es ist die Mischung zwischen Biografie und Fiktion des Lebens des geheimnisvollen Autors B. Traven, von dem ich einige Bücher im Bücherschrank meiner Eltern hatte und der sich Zeit seines Leben einer identifizierung entzog.

Bei dem ebenfalls schon selbst herausgegebenen „Der Schatten  des Unsichtbaren“,  des in Görlitz geborenen Torsten Seifert wird eIn Reporter auf die Spur des möglichen Nobelpreisträgers nach Mexiko geschickt.

Der andere Shortlistenkanditat ist der gebürtige Schwabe Kai Wieland, dessen „Ameerikah“ entgegen des Namens in einem „schwäbischen Kaffe“ spielt und Sonja Gaus von „lustauf lesen“ hat Buch und Autor vorgeschlagen.

Jetzt feht noch, da Jochen Kienbaunm ja keinen Vorschlag machte, der von „Sätze und Schätze“ und die schickte auch ein ungewöhnliches Buch, beziehungsweise „Die weltbeste Geschichte vom Fallen“ von Daniel Faßbender ins Rennen, wo es, glaube ich, vom Leben auf Dächer, dem sogenannten „Roofing“ geht und von einem Entwurzelten, der einen Halt in einer Bojana findet, den er aber wieder verliert.

So, das waren vierzehn aus sechshundert oder so und ich kann und will natürlich keine Einschätzung geben, finde aber die unterschiedlichsten Themen, Stile und Schreibweisen in den Texten,spannend und bin, ich schreibe es noch einmal, auch auf das andere Eingereichte neugierig. Mich würde interessieren, wie sich die die anderen Texte von den Auswerwählten unterscheiden und natürlich ganhz besonder, wo ich mit meinen  einzureihen wäre.

Ich habe ja nichts hingeschickt, weil ich sehr sehr sicher war, nicht ausgesucht zu werden, habe zwschen dem Lesen aber wieder zwei meiner Texte nämlich „Zwillingswelten“ und „Anna kämpft gegen das Vergessen“, die zufällig etwas mit dem, was ich demnächst schreiben will, zu tun haben könnten, geht es ja in dem einen um Zwillinge,im anderen, um einen pensionierten Verlagsleiter und das wäre der Moritz Lichtenstern ja auch und die Mathailde ist eine zurückgebliebene Zwillingsschwester und dachte eigentlich wieder, „So schlecht sind meine Texte nicht,!“, was mir aber, wenn das außer mir niemand bemerkt, nicht viel nützt und jetzt also gespannt sein auf das erste Blogbuster-Buch und die anderen, die vielleicht auch einen Verlag finden und ich lese ja auch das Selbstgemachte, wenn es zu mir kommt und bin um auch das zu wiederholen, eigentlich gegen das Auswählen und die allzu strengen Ansprüche.

Aber toll ist bei diesem Projekt sicher, daß man auch schon selbst veröffentlichtes einreichen darf!

 

2017-06-02

Wald

In der „Falter-Redaktion“, der „Stadtzeitung für Wien“ scheinen lauter Bobos zu sitzen, beziehungsweise gibt es dort einige Redakteure, deren Bücher darüber höchstwahrscheinlich zu Bestsellern wurden.

Anna Maria Dusl ist eine davon, sowie Doris Knecht und der Alfred, der ein Faible dafür zu haben scheint, schenkt mir ihre Bücher auch bevorzugt zu Weihnachten oder zum Geburtstag.

Doris Knecht „Wald“, 2015 erschienen und wie ich glaube auch der Wunsch einiger Blogger für die Buchpreis-LL, habe ich aber im Schrank gefunden und es hat mir auch besser als „Besser“ gefallen und besser, als die Bobo-Visionen der Anna Maria Dusl.

Aber interessant sich vorzustellen in welchen Weltbild die „Falter-Redakteure“ leben und für selches Zielpublikum sie schreiben.

Marianne Malin, die sich längst trendiger Marian nennt, das ist zwar glaube ich ein slowakischer Männername, aber immerhin, gehörte wahrscheinlich zu den „Falter-Abonennten“. Früher, vor 2008, als es ihr noch gut ging und die Wirtschaftskrise, beziehungsweise die Leman-Brothers nicht einen Strich pber die aufsteigende Karriere der Jungdesignerin machte.

Und die hat, erfolgsgewohnt nicht so schnell geschnallt, daß es jetzt vorbei sein könnte mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und sich die Leute, die anderen Bobos, fortan ihre Kleider wieder von der Stange, als in ihrem schicken Atelier kaufen würden. So hat sie investiert, noch einmal einen Kredit aufgenommen, ein neues Studio eröffnet, ein paar Stores und alles verloren. So sitzt sie zu Beginn des Buches im Wald, das heißt im ererbten Häuschen ihrer Tante, das nicht mehr ihr sondern ihrer Tochter Kim gehört, so daß man es ihr auch nicht wegnehmen und auch nichts mehr pfänden kann.

Marian hat sich, als sie schon ganz unten war dorthin zurückgezogen, hat sich wie Doris Knecht das so trendig schreibt „aus dem System ausgeklinkt“, beziehungsweise von dort geflohen und überlebt den ersten Winter in der Kälte. Klaut sich von den bauern der Umgebung, die Kartoffeln, das Gemüse, die Hendln. Läßt sich von der Schwester, die Stromrechnung zahlen und Handy-Wertkarten schenken und versucht mühsam zu überleben.

Das geht nicht ohne einige Verletzungen oder Drohungen ab, so droht ihr der Bauer, dem die Kartoffeln oder auch die Hendln gehörten, mit dem Abfackeln ihres Hauses, denn das geht, da soll sie aufpassen, sehr schnell!

Und dann trifft sie den Franz. Das ist ein schon älterer Grundbesitzer der Umgebung. Einer von denen, der sicher nie die „Seitenblicke“ sah, in denen Marians schicke Mode präsentiert wurde. Er erwischt sie beim Wildern. Der Onkel hat ihr auch ein Gewehr hinterlassen und schießen hat sie früher einmal in ihrer Bobo-Zeit gelernt. Man sieht die Ähnlichkeiten zur Streeruwitz, obwohl die  1966 in Vorarlberg geborene, das Buch hätte ich mir also auch auf den Bodensee mitnehmen können, ganz anders schreibt.

Franz knallt ihr eine hinunter, zeigt ihr aber dann, wie man das Reh ausnimmt und schickt ihr später die einzelnen Portionen schön verpackt nach Hause. Dafür kommt er sie am Nachmittag besuchen, legt ihr die Hand aufs Knie und zieht ihr den  Pullover aus. Auch das kann man bei der Streeruwitz finden und auch hier über die Unterdrückung der Frau nachdenken.

Bei Knecht tut das Marian selbst, den die resumiert an dem Tag in dem das Buch spielt, über ihr bisheriges Leben nach und auch darüber, was Prostitution ist?

Wo hat sie sich mehr prostiuiert, wenn sie mit Franz dafür, daß er ihr Holz liefern läßt, eine Angel schnenkt und auch das Fischrecht über seinen Besitz gibt, ins Bett steigtoder als sie einer Opernball-Pomeranze, als es ihr schon sehr schlecht ging, ein Kleid nach ihren Wünschen nähte und dafür ihre Grundsätze über Bord warf?

Sie hat aber nicht nur Feinde in dem Dorf. Es gibt auch eine alte Nachbarin, auf deren behinderten Sohn sie manchmal aufpasst, die ihr eine alte Nähmaschine schenkt und ihr auch sagt, daß sie beim  Hendl-stehlen aufpassen soll, denn die Bauerin, der es entlaufen ist, hat sie dabei gesehen und hat an der Kasse des Genossenschaftmarktes gesagt, daß sie sie anzeigen wird und irgendjemand hat „HUR“ auf Marians Tür geschrieben, als sie in der Früh fischen war.

Marian überdenkt das alles. Das schöne, schicke Bobo-Leben, wo man das Geld nur so hinaufswar.  Sojamilch statt der normalen kaufte, weil man ja leider allergisch ist. Jetzt, wo sie von der Hand in den Mund lebt, ist sie das seltsamerweise nicht mehr, also nur eine Modekrankheit der schönen reichen Bobos?

Und sie stellt sich auf vor, auf wieviel schönes gutes Essen sie wegen Diäten, die ihr auch die Schickeria und die Modezeitschriften verordnenten, damals verzichtete.

Sie reift, es ist also wieder ein Entwicklungsroman, der zeigt, wo das schöne wahre Leben ist, in der Natur. Und ein bißchen hat Doris Knecht vielleicht auch übertrieben, wenn sie vom Mäusefangen schreibt und Marian zusehr zu den Wurzeln zurückkehren läßt, denn nach einem normalen Abstieg geht man wahrscheinlich zum AMS und in einen Sozialmarkt einkaufen.

Es kommt aber und das finde ich gut, zu einem Happy-End. Sie spricht sich mit Franz aus, darf sich von ihm, der sie jetzt endlich so und nicht mehr altmodisch Marianne nennt, etwas zum Geburtstag wünschen. Sie wünscht sie ein Hendl oder zwei, so daß sie nicht mehr stehlen muß und in dem alten Gasthaus, das Franz Sohn wiederöffnen will, soll sie auch mithelfen und dem Sohn unter die Arme greifen.

So trinkt sie zuversichtlich von Franz guten Wein, wischt dann das „HUR“, Franz wird dafür sorgen, daß das nie mehr passiert, von der Türe weg und geht ins Haus im endlich ihre Tochter anzurufen, was sie solange vermieden hat.

Ein wirklich spannendes Bhuch, das ich sehr interessiert gelesen habe und dabei, glaube ich, meine Knecht-Vorurteile, daß das ja keine Literatur ist, reviderte.

Vorbilder gibt es natürlich auch. Da wäre vor allem die „Wand“ und die hat Doris Knecht sicherlich gelesen. Bei Sophie Kinsella, die ja etwas Ahnliches auf ChickLit Art beschrieben hat, wäre ich mir da nicht ganz sicher und ein Debut, das sich mit dem Überleben beschäftigt, hat es im Herbst ja auch gegeben.

2017-05-28

Babys in leiwanden Grafiken

Filed under: Bücher — jancak @ 00:41
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Ich bin ja eine eifrige Leserin der „Holzbaum-Publikation“ und habe sehr viele, fast alle sogar von ihnen gelesen, seit mir Clemens Ettenauer vor ein paar Jahren das erste Heftchen zuschickte.

Finde den kleinen Verlag, der seinen Shop im Museumsquartier hat sehr fein und bedaure nur, daß er kaum mehr literarische Publikationen, statt dessen WienBücher, Cartoons und in letzter Zeit vermehrt die „Leiwanden Grafiken“ bringt, wo das Weltgeschehen in Kugeln und Strichlinien beschrieben wird. Da habe ich, glaube ich, nur ein Buch gelesen, weil das ja nicht wirklich literarisch ist.

Jetzt sind Katja und Clemens Ettenauer, die Herausgeber, Eltern geworden und haben, wen wunderts, dazu ein Büchlein mit den leiwanden Baby Grafiken herausgebracht und richtig, das ist auch nicht literarisch, absolut nicht, das Gegenteil davon und trotzdem, das wundert vielleicht auch, kann die Psychologin in mir das Buch allen, die sich für Kinder interessieren oder welche haben, sehr empfehlen.

Denn es ersetzt, glaube ich, so manchen Ratgeber, obwohl es ja nur aus Kugeln und Strichen und richtig, aus vielen weisen Überschriften ersteht, die einen nachdenken, schmunzeln, nicken oder was auch immer lassen.

Dabei bin ich für das kleine Heftchen wahrscheinlich gar nicht die richtige Zielgruppe, denn ich gehöre  weder zu den „frischgebackenen“ oder den „werdenden Eltern“.

Aber da ist die Grafik vielleicht werbemäßig gleich verteilt. Zwanzig zu zwanzig, kommen da noch die „noch nicht Eltern“, „deine Eltern“ und „überhaupt alle Eltern“ vor.

Also für jeden etwas, obwohl ich es den frischgebackenen und den werdenden Eltern und vielleicht auch noch den Freunden und Verwandten von diesen am wärmsten empfehlen würde.

Also wieder ein Gang durchs Buch, ein kurzer nur, wer mehr wissen will, sollte es selber lesen. Das geht schnell. Es ist auch klein und handlich und hat in jeder Tasche Platz. Teuer ist es mit fünf Euro auch nicht und das kommt noch dazu. Es ist als Geschenk für frischgebackenen Eltern bestens geeignet, steht doch auf der ersten Seite „Zur Geburt von:…“ und man kann den Namen des Kindes eintragen.

Also die Sprüche, die der Psychologin in mir am besten gefallen und die sie „So ist es!“, denken ließen.

„Wann beginnt das Baby also zu schreien?“ Natürlich nicht, wenn es naß ist oder Hunger hat, sondern „wenn sich die Eltern gerade aneinander kuscheln.“

Selektive Wahrnehmnung nennt man das, glaube ich.

Welches ist das schönste Baby?“. Das Eigene natürlich. Da gibt es keinen Zweifel und als man noch keine Kinder hatte, brauchte man nur den Schlüßel, die Geldbörse und das Handy mitnehmen. Jetzt kommt noch sehr viel anderes dazu.

Babyeltern brauchen natürlich keinen Wecker mehr und wieder selektiv subjektiv, für das Baby, wahrscheinlich ist da schon ein größeres Kind gemeint, ist das Spielzeug am interessantesten, „was ich gerade wegräume“ und die Eltern, kaufen dem Kind am öftesten die Spielsachen, die sie selber einmal haben wollten und bauen wahrscheinlich auch den „Stapelturm“ öfter das das Kind zusammen.

Was ich nicht ganz glasube ist, daß das Baby nur den Mund verzieht, wenn es das erste Mal Karotten zum Essen bekommt, das passiert bei anderen Sachen, Spinat, vielleicht, wahrscheinlich auch, aber wahrscheinlich haben das die Ettenauer beim Ettenauer-Baby so erlebt.

Und statt sich zu freuen, daß das Baby endlich schläft, kontrolliert man vielleicht alle fünf Minuten nach, ob es noch atmet. Ja, am Anfang ist man noch unsicher. Später kommt die Routine und natürlich schadet man sich selbst damit, aber wahrscheinlich lernt man beim zweiten Kind dazu und nimmt es gelassener, sofern man eines hat.

Und klar fürchten sich die Eltern vor der ersten Impfung mehr, als das Kind. Denn dieses weiß ja nicht, was das ist und schreit erst nachher.

Und so geht es weiter fort und durch das unnummerierte Heftchen. Die Eltern patzen sich beim Füttern an, obwohl nur Baby ein Lätzchen trägt und die besten Eigenschaften hat es natürlich nur vom Vater und nur von der Mutter und von beiden wird das natürlich gleichzeitig behauptet.

Man kann sich ein bißchen selber reflektieren, wenn man das Buch gelesen hat, obwohl es ja hauptsächlich aus bunten Kugeln besteht. Das habe ich schon geschrieben und möchte es noch einmal betonen und vielleicht auch dazu setzen, daß ich daraus, obwohl meine Tochter ja schon über dreißig ist und ich mich schon über vierzig Jahre mit Entwicklungspychologie beschäftige, einiges aus dem Buch gelernt habe, von dem ich vorher nicht dartüber nachgedacht habe, daß es so ist.

2017-05-27

Yseut

Jetzt kommt das dritte Geburtstagsbuch von meiner Leseliste, nämlich Marene Streeruwitz „Yseut“, die, wie man dem Buchrücken entnehmen kann, ihre Autobiografie in Form eines Abenteuerromans in siebenunddreißig Kapiteln erzählt.

Ja, die 1950 Geborene liebt es mit den Genren zu spielen und sich auch einmal in die Trivialliteratur zu begeben und sie verblüffte mich auch, daß sie, als ich das Buch ja für Stephan Teichgräbers „Centrope-Workshop“ analysieren wollte, schon auf Seite elf mit dem „Präfix“ kommt.

Sie ist aber eine, die wenige Metaphern verwendet, ihre oft sehr kurzen Sätze immer wieder abhackt und unvollendet läßt und dann gibt es auch immer wieder die so typischen Strreruwitz -Phasen:“Yseut hat dann…“. zum Beispiel oder „Yseut mußte lachen.“

Ich habe dank der offenen Bücherschränke beziehungsweise den Geburtstagsgeschenken schon sehr viel von Marlene Streeruwitz gelesen, war auch bei einigen ihrer Veranstaltungen und da fällt sie durch ihre starke Gesellschaftskritik auf.

Sie fährt gegen die Gewalt der Männer  und der Gesellschaft ins Feld, macht sich über alles lustig und hat eine sehr starke Sprache mit sicher einigen Übertreibungen dabei.

Ich habe nicht so ganz problemlos zu Marlene Streeruwitz gefunden, habe einiges von ihr, beispielsweise „Die Schmerzmacherin“ glaube ich, auch recht schwierig zu lesen gefunden.

Bei „Yseut“ war das nicht so, da habe ich diesen „Abenteuerroman trozt seiner wahrscheinlich gewollt und konstruierten trivialen Handlung und der eher einfachen Sprache, die auch von den „Amazon-Rezensenten“ prompt bemerkt und bekritelt wird, sehr spannend gefunden und das Buch auch gern gelesen.

„Verschlungen!“, würden die Blogger wahrscheinlich sagen und was mir dabei auffiel, ist die Passivität womit sie ihre Protagonistin beschreibt. Ist doch die Yseut eine, die alles mit sich machen läßt, mit den Männern wahllos ins Bett geht, mit ihnen von einem Abenteuer zum anderen taumelt, was mich bei einer so kritischen Person, wie es Marlene Streruwitz sicher ist, ein wenig wunderte.

Aber wahrscheinlich war das so in den fünziger und sechziger Jahren, in denen sowohl Yseut, als auch Marlene Streeruwitz aufgewachsen ist. Interessant ist auch, daß Yseut in dem Buch als „alte Frau“ beschrieben wird, aber so verhält sich sich gar nicht. Sie verhält sich eher, wie eine junge, die sich durch das Leben und durch die Betten treiben läßt.

Yseut ist also im Nachkriegs-Wien aufgewachsen. Die Mutter war berufstätig, der Vater Frühpensionist und mußte von ihr mitversorgt werden. Es gibt zwei Großmütter. Großmutter Münster und Großmutter oder Oma Köbrunner werden sie genannt, was auch typisch Streeruwitz ist.

Das Buch wird in in zwei Handlungssträngen erzählt. Es gibt Kapitel mit Überschriten, wie „Wie es kam, dass Yseut nach Kalifornien ging und Feministin wurde“, beispielsweise, in dem Yseuts bisheriges Leben erzählt wird.

Yseut ist die alt oder mitteldeutsche Form von Isolde und Yseut wird  abwechselnd Isabella, Yseut falsch oder richtig ausgesprochen, Isi oder Isilein genannt. Ein Buch aus dem Bücherschrank des Vaters kommt vor, daß Yseut, als Kind lesen durfte und ihre Verehrung für Lord Byron.

Yseut besucht zu erst das „Sacre Cour“, dann die öffentliche Volksschule, als sich die Mutter, die Privatschule nicht mehr leisten kann, studiert Linguistik, heiratet früh und geht mit ihrem Mann Ed nach Amerika. Dort wird sie Bigamistin, bekommt von einem anderen Mann ihren Sohn Gogo, kehrt nach Wien zurück, geht dann als Schauspielerin nach Frankfurt, erlebt die wilden und die weniger wilden Zeiten, bis zu dem Überwachungsstaat in dem das Buch, es dürfte sich, um eine nahe Zukunft handeln, denn das Geld ist schon abgeschafft, spielt und da in dem zweiten Handlungsstrang reist Yseut auf den Spuren Byrons nach Italien, mietet sich dort in eine alte Villa ein, wo das Zimmermädchen knickst und Rüschen trägt. Eine Contessa, die Besitzerin im Salon sitzt und als Yseut nach einem Restaurant fragt, ihr gleich die Gesellschaft eines alten Mayors, der offenbar eine Kehlkopfoperation hinter sich hat, vermittelt.

Hinter Yseuts Brokatbett halten sich grüne Wanzen auf, vor denen Yseut sich ekelt. Sie wickelt sie in Handtücher und hält sie, während sie mit dem Mayor in das Restaurant fährt mit ausgespreitzten Fingern aus dem Autofenster.

„Grüne Wanzen gibt es nicht!“, hat Stephan Teichgräber bei der Analyse zu mir gesagt. Richtig wahrscheinlich und es gibt noch vieles anderes nicht, was in dem Buch vorkommt. Denn Yseut gerät gleich in einen ganzen Trubel von Trivialitäten. Die Mafia, die Geheimpolizei und jugendliche Gewalttäter tauchen auf und Yseutt, das habe ich jetzt vergessen, die eine Pistole mit sich trägt, wird gleich am nächsten Tag von der Polizei verhört, weil sie einen falschen Namen angegeben hat, sie nannte sich „Isabella“, aber das ist ja die französische oder was auch immer Form von Isolde und hatte die Waffe trotz Waffenschein nach Italien geschmuggelt, aber die hat ihr der Mayor ohnehin schon  abgenommen.

Ein geheimnisvolles Altersheim kommt vor, wo die Insassen in Sechzigerjahrekleider fröhliche Feste feiern und vor der Villa gibt es ein Barockkonzert, während Yseut von einer Flüchtlingsfrau nach Lebensmittel gefragt wird, die sie dann gemeinsam mit der Contessa in eine Fattoria schmuggelt, wo sich einige Flüchtlingskinder versteckt haben.

Sehr aktuell also Marlene Streeurwitz Autobiografie und sehr amüsant zu lesen, denn man merkt den Spaß, den die Autorin hat, wahrscheinlich alle an der Nase herumzuführen und die Literaturkritiker zu verwirren.

Denn Marlene Streeruwitz darf wahrscheinlich allles schreiben, auch Austrozismen und wird bei „Fischer“ verlegt, die Leser haben aber vermutlich ihre Schwierigkeiten, denn ein wirklicher Trivialroman ist es ja nicht, sondern eine Gesellschaftskritik, eine Art Autobiografie oder was auch immer und so ganz trival scheint auch die Sprache nicht zu sein, kommen ja immer wieder Anspielungen und Verknüpfungen vor, bei denen man scharf mitdenken muß, um zu verstehen und sich auch nicht in die Irre führen zu lassen.

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