Literaturgefluester

2018-12-28

Das Leben des Vernon Subutex I

Jetzt kommt ein „Welt- oder „Spiegel-Bestseller“,  ein Kultbuch der französischen Autorin  Virginie Despentes, 1969 geboren, das fast an mir vorbeigegangen wäre, denn als ich im Frühjahr 2017 in Leipzig mit einer „Kiwi-Pressedame“, die Verlagsvorschau durchging, hat mir dieser Name noch nichts gesagt. Frankreich war dann im Vorjahr Gastland in Frankfurt und in „Ex Libris“ habe ich dann von dem Buch gehört, es mir und die beiden anderen Folgebände, die glaube ich bis zu „Charly Hebdo“ und die Anschläge von Paris führen, die aber noch nicht gekommen sind.

„Ein Abgesang auf die Grande Nation? Nein, ein Abgebrüll! Viginie Despentes legt mit „Das Leben des Vernon Subtex“ einen grandiosen Roman über die französische Gesellschaft vor – voller Wut, voller Witz, voller Pop!“, steht am Buchrücken und das stimmt, beziehungsweise ist noch hinzuzufügen, daß es die Autorin stark, scharf und deftig angeht und man in eine Welt der Brutalität hineinkommt, die man wahrscheinlich noch nicht so oft gelesen hat.

Dagegen ist Thomas Klupps Jugendroman, ein Kinderspiel, könnte man so sagen und das stimmt auch und ebenfalls, daß man das eine, als Vorspiel ,des anderen betrachten könnte und bei Virginie Despentes geht es natürlich nach Paris.

In das Paris vor 2015 und da hat Vernon Subutex seinen Plattenladen verloren. Na klar, Schallplatten gibt es  keine mehr, die Buchhändler haben es da noch besser und er lebt lange Zeit, Sozialsystem scheint es in Frankreich keines zu geben, so vor sich hin, verkauft seine Restbestände und hat einen Freund, den Sänger Alexandre, der seine Miete zahlt. Der  wird aber tot in einem Hotel aufgefunden und das Buch gebinnt.

Die Gerichtsvollzieher stehen eines Morgens vor seiner Tür, sagen ihm, er soll eine Tasche packen und lassen ihm einen Monat Zeit seine Möbel abzuholen.

Vernon ist aber bei Facebook und hat eine Menge Freunde, so sagt er, er wohne in Kanada, wäre für eine Weile nach Frankreich zurückgekommen, um seine Sachen zu ordnen und sucht eine Unterkunft für ein paar Tage.

So weit so gut und dann geht es eigentlich sehr lange von Vernon weg und es werden stattdessen, die Geschichten von verschiedenen Künstlertypen, Pornostars, Transsexuellen, etcertera erzählt.

Einen Handlungsfaden gibt es doch und der dreht sich um Alexandre. Vernon hat ja Kassetten von ihm. Ein Produzent will sie haben, weil er fürchtet, daß da über ihn etwas zu finden sein könnte. Eine Journalistin will ein Buch über ihn schreiben und so wird Vernon gesucht, der zuerst ein paar Tage hier und ein paar Tage da übernachtet. Mal in einem billigen Hotel für eine Nacht nächtigt, in einer großen Wohung Platten auflegt und sich dabei in eine schöne Frau mit Penis verliebt. Einer anderen Frau, die in ihn versessen ist, stieht er einige Sachen und sie zieht dafür im Facebook über ihn her, bis er wirklich auf der Straße landet, bettelnd am Boden sitzt, von ein paar rechten Jungs angequatscht wird, von anderen Obdachlosen Tips bekommt und ihn eine Mutter eines Freundes retten will.

Die Geschichte führt dann wieder an den Ausgangspunkt zurück, beziehungsweise wird der Freund zusammengeschlagen und Vernon flüchtet in ein wahres Finale kräftiger Stimmen und man kann gespannt sein, wie es weitergeht?

Teil eins ist jetzt als Taschenbuch erschienen, Teil drei im Herbst im Harcover, Teil zwei war schon im Frühjahr dran.

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2018-12-26

Wie ich fälschte log und Gutes tat

Filed under: Bücher — jancak @ 00:44
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Jetzt kommt noch einmal fast ein Weihnachtsbuch, jedenfalls endet es am dreiundzwanzigsten Dezember beim Christbaum schmückem mit dem schönen Strohstern, obwohl es in „Ex libris“ als Jugendbuch bezeichnet wird, was ich auch ein bißchen bezweifle, denn man soll, sagte die fünfundsechzgjährige Pädagogin in mir, die nicht auf schlechte Ideen bringen, reichen doch höchstwahrscheinlich, die, die sie schon haben und füge deshalb hinzu, daß ich glaube, daß dem 1977 geborenen Thomas Klupp der beim „Bachmann-Preis“ gelesen hat und dessen „Paradiso“ ich gelesen habe, da ein hervorragender Schelmenroman gelungen ist.

Einer, der sehr sehr überspitzt, wie es woh Klupps Art zu sein scheint, die schönen Zeiten wie diese schildert, in denen wir aufwachsen und leben müssen und er sucht sich dabei ein Mittelschichtbubi heraus. Benedikt oder Ben ist fünfzehn, sein Vater Chefarzt, die Mutter stammt zwar von einem Bauernhof und ist wahrscheinlich deshalb so darauf bedacht, daß ihre Kinder, wieder in Zeiten, wie diesen Musterschüler sind, weil man es sonst im Leben ja nur zur Putzfrau oderMüllmann bringt.

Also müssen es immer „Einsen“ und höchstens „Zweien“ sein. Benjamin ist auch Tennischampignon und als dieser wird er im Kepler-Gymnasium, das eine sehr fortschrittliche Direktorin hat, mit seinen zwei Freunden dazu ausgewählt, die Coverboys einer Antidrogenkampagne zu sein.

Toll, das Problem ist nur, daß die Freunde, wie wahrscheinlich viele Jugendliche in diesem Alter, ihre Wochenende am „Butterhof verbringen und da wird gedealt, gekokst und wahrscheinlich noch anderes verbraucht, wie es nur so geht.

Die Mutter, die ihren Sohn dafür bezahlte, daß er sie immer, wenn ihre Freuninnen vom „Lions Club“ anwesend sind, anrief, damit sie ihre Sprachkenntnissen beweisen kann, hat als Vorzeigefrau Flüchtlinge in ihrem Haus aufgenommen, die dann die kaputte Spüle reparieren oder bei Charity-Parties mit weißen Handschuhen grillen und damit es noch besser geht, hat sie auf diesen Parties auch die Drogendealer eingeladen, die dann die Schecks für die geplanten Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung stellen.

Man sieht Thomas Klupp geht es scharf an, zeichnet ein scharfes Bild von der Gesellschaft von heute mit allen ihren Schwächen und verwendet einen ultrascharfen <jugendton dabei, der es den ölteren <lesern gar nicht so einfach macht.

Die Schule wird haarscharf geschildet und da können dann die Älteren, die heutigen Zustände mit denen die sie vor zwanzig dreißig oder vierzig Jahren vergleichen, denn damals hat es noch kein elektronisches System gegeben, mit dem die Eltern mit der Schule komminizieren konnten Die Noten wurden noch mit der Hand unterschrieben.

Das heißt, das funktioniert auch heute noch und deshalb tut sich unser guter Ben auch so schwer. Ist er doch in dem Alter, wo ihm das Lernen an  sich egal ist. Die Mädchen sind ihm wichtig und da hat er und auch das ist trefflich geschildert, eine Pseudofreundschaft mit einer Marietta, die ihn auf den Hauptplatz des Stätdchens bestellt, um ihren Freundeinnen ihren tollen Freund zu zeigen.

Abknutschen nach Bestellung sozusagen und in der Klasse setzt sich ben neben die brave Margarete, damit sie ihm abschrieben läßt. Denn er muß ja immer „Einser“ und „Zweier“ nach Hause bringen, steht aber in Wirklichkeit, weil ihn das ja nicht interessiert, auf „vier“ oder „fünf“ und Lehrer Sargnargl, der in wirklichkeit Scharnagel hat und an Krebs leidet, macht es seinen Schülern auch noch besonders schwer. Auch an das können sich die Älteren warhscheinlich erinnern, daß sie solche Lehrer hatten. Die supergeile Direktorin, die den Klassenraum mit „Guten Morgen, liebe Schhüler und Schülerinnen!“, beschallen läßt und sie zu höheren Leistungen anspornt, damit der Notendurchschnitt stimmt und sie eine gute Evaluierung erhält, fehlte wahrscheinlich und das hat mich bei dem Buch auch so beeindruckt wiedermal zu lesen, daß der Leistungsdruck heute wahrscheinlich sehr sehr hoch ist und es den Schülern, nicht so einfach macht und so entwickelt der gute Benny seine Fälscherwerkstatt, sitzt statt in der Stunde im Keller, um seine Zeugnisse und Schularbeiten zu fälschen und der Mutter ein „sehr gut“ vorzutäuschen.

Und damit nicht die Frau Professor nach Hause kommt und der Mutter doch erzählt, daß er den Förderkurs in Anpruch nehmen muß, verkauft er die mütterlichen Antiquitäten, um damit dem armen tscheschischen Musterschüler ein Smartphone zu kaufen, damit der ihm dafür auf dem Klo die Schularbeit schreibt.

So etwas habe ich schon in einem Jugendbuch aus den Fünfzigerjahren gelesen „Drei Mädchen am See“ hat das, glaube ich, geheißen und Alfreds Lehrer Sladky von der Wandergruppe hat auch einmal davon erzählt, daß seine Schüler eine Schularbeit einmal fälschen wollten und er hat klar erkannt, daß Schummelzettel vorbereiten, auch viel Lernarbeit erfordert.

In Thomas Klupps Roman ist natürlich alles sehr übertrieben und so kommt es noch zu einem Einbruch in des strengen Lehrers Wohnung und zu einem fast Herzinfarkt, bevor das Weihnachtsfest beginnen kann und die Glocken erklingen und dieses ist ja auch schon fast vorbei.

2018-12-25

Sterne pflücken

Filed under: Bücher — jancak @ 21:55
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Das dritte Weihnachtsbuch, beziehungsweise Buch von meinem Bücherchristbaum habe ich der 1959 in Linz geborenen und in St. Pölten lebenden Doris Kloimstein zu verdanken, die ich zu den Zeiten kennenlernte, als ich von St. Pölten nach Wien in meine Praxis gependelt bin und daher einmal zu einer Regionalversammlung der IG-Autoren dorthin ging.

Das ist lange her. Damals war sie, glaube ich, Obfrau der LitGES oder hat die Zeitscherift „Etcetera“ aufgebaut.

Sie hat mich auch zu einer Lesung eingeladen, wo ich mit Manfred Wieninger lesen hätte sollen, der war aber noch in seinen Plagiatsskandal verstrickt und hat daher abgesagt, dann habe ich sie einmal in St. Pölten getroffen, als gerade die „Frequency“ stattfand und man die Traisen eigentlich nicht befahren durfte.

Am Markt treffen wir uns jetzt öfter und sie war auch ein regelmäßiges Mitglied der Schreibgruppe, die es seit Sommer ja nicht mehr gibt, war Dramaturgin oder Regieassistentin im Stadttheater St. Pölten, hat oder spielt immer noch Geige, arbeitet bei der katholischen Kirche, obwohl sie sehr kritisch ist, ist Mitglied des PEN und veranstaltet diesbezüglich viele Frauenveranstaltungen und Ausstellungen.

Also eine sehr vielseitige Frau und das merkt man dem kleinen Weihnachtsbüchlein, das sie mir zusteckte, als ich sie Anfang Dezember bei einer Veranstaltung zum Frauenwahlrecht im Literaturhaus getroffen habe, auch an.

Klein aber fein, das heißt ein Umfang von nicht einmal vierzig Seiten und dann noch wunderschöne Bilder der ebenfalls in Linz geborenen Karin Köppl.

Engel und auch einmal eine Marienfigur mit dem Kindchen und dem Esel kommen darauf vor und immer wieder eine gut zu erkennende Geige spielende Doris Kloimstein und von ihr sind in dem Büchlein zwei Prosatexte „Wechselgespräch“ und „Weihnachtsstimmung“ genannt und eine Reihe von Gedichte, die eine oder einem mehr oder weniger in Weihnachtsstimmung versetzen können.

Das „Wechselgespräch“ ist, wie ich denke, ebenfalls für Doris Kloimstein typisch, wie sie leibt und lebt. Da hat sich eine doch wieder einmal überarbeitet, so daß sie plötzlich Stimmen hört, die ihren kritischen und  wahrscheinlich auch Widerspruchsgeist rührt.

„Weißt Du“, sagte die Stimme. „Du wirst dich erholen und weitermachen. Einfach weitermachen.“

„Das muß ich sowieso“, brummte ich, ob mit oder ohne Deinen guten Ratschlag.“

„Sicher sagte die Stimme, „morgen wenn Du  am Abend neben dem Christbaum im Ohrensessen sitzt, dann reden wir weiter.“

Dann geht es in die „Weihnachtsstimmung“.

Ein Engel ist da auf linken Seite zu sehen und Doris Kloimstein beginnt ihren Text mit „Weihnachten – ja ich mag Weihnachten“ und fährt bei paar Zeilen weiter fort „Wenn Mitte November die Nikoläuse reihenweise in den Supermärkten herumstehen, dann mag ich Weihnachten nicht.“

Um mit den zeitgenössischen Autoren fortzufahren, die es sich nicht leisten können „Gott zu loben, wenn sie in der Literaturszene ernst genommen werden wollen.“

Dann kommt sie zu den Liedern, die bei ihr zu Hause zu Weihnachten gespielt oder gesungen werden „bevor alle nur mehr in Richtung Küche schauen, aus der Kulinarisches herausduftet.“

„Stille Nacht“ und „Es wird schon glei dumpa“, führt sie an. Aber im letzten Jahr hat sie auch „Dschingl Bells“ geprobt. Dann „hat der Christbaum Feuer gefangen und „Dschingl Bells“ ist für das nächste <Jahr ausgefallen.

Ja, Doris Kloimstein ist sehr hintergründig und kann durchaus zynisch sein, wie man vielleicht auch bei ihren Gedichten merken kann.

„Will die Sterne am Kleid des Engels zählen so wie damals und mich freuen Will die Berechnungen vom Tisch wischen wie ein Kind die Bauklötze und an das Wunder glauben“, heißt es da etwa oder

„Lichterketten, Tannenzweige – niemand sieht den Sinn dahinter Immer wieder wird es Winter heißt der brav gelernte Satz“ um im „Dornenwald unserer Gedanken“ zur Hoffnung zu kommen, denn

„Unendliche Hoffnung auch im Schmerz denn ein Licht und unendliche Liebe dereinst und heute“

So endet das Buch, um zu den beiden Biografien zu kommen und man hat sich, vielleicht neben den Christbaumkerzen schnell durch die fünfunddreißig Seiten durchgeblättert, dabei ein paar Kekse, Villekipferl oder Lebkuchenherzen genascht und ist, je nach dem, wie man zu Weihnachten steht, besinnlich oder rebellisch geworden.

Beides ist, glaube ich, in dem Buch vorhanden, gehört zu Doris Kloimstein, wie ich sie kenne und die zarten schönen pastellfarbigen Bilder von Karin Köppl passen dazu und sind auch ein Gewinn.

2018-12-24

ds`weinochdn

Und jetzt kommt das zweite Buch von meinem Bücherchristbaum und Adventkalender, das zweite Weihnachtsbuch des Jahres, eines das nicht aus der „Wundervollen Buchhandlung“ stammt und eines das  auch  zwischen dem Geburtstagsfest und Weihnachten zu mir gekommen ist, nämlich Franz Blahas in ottakringischen Dialekt, wo er offenbar aufgewachen ist, zwischen 2001 und 2016 für die Weihnachtsfeier im „Häferl“, dem Treff für Haftentlassene, wo ich auch schon mal gelesen habe, geschriebe Gedichte, die er jetzt herausgegeben hat und am dem Tag im Ottakringer Bezirksmuseum vorstellte, als das letzte KAV-ÖAAG- Refelexionstreffen mit Sekt und Brötchen war, so daß ich zu der Präsentation nicht kommen konnte.

Herr Blaha, den ich schon länger von Lesungen zu denen er auch als Besucher geht und auch einige seiner Publikationen kenne, war aber so lieb, mir das „Weihnachtsbuachl“ zur „Poet-Night“ vorbeizubringen, so daß es heuer bei mir doch sehr weihnachtlich wird.

Man sieht, ich komme trotz aller „Winterfestumbauaktionen“ nicht darum herum und kann so am vierundzwanzigsten Dezember nicht nur einen Christbaum, sondern einen besinnlichen Gang durch Franz Blahas Kindheit, wie ich vermute, die sich auch zum Teil mit meiner deckt, denn ich bin ja ab 1953 in Hernals in der Wattgasse aufgewachsen und habe als Kind oft die eine Großmutter, die in Ittakring in den sogenannten Jubiläumsbauten lebte und die andere, die mit ihrer Tochter, meiner Tante Grete und ihrer Enkeltochter Susi, meiner Cousine, in einem Gemeindebau in der Hütteldorferstraße im vierzehnten Berzirk, ein Stückchen weiter unten lebte, geben.

Die Gedichte sind, wie Franz Blaha in seinem Vorwort schreibt im Ottakringer Dialekt geschrieben und wurden der besseeinem ziemlichen <hren Verständichkeit wegen, nicht in Hochdeutsch, sondern im „Normaldialekt“ übersetzt und das ist gut so, denn sie wären sonst ziemlich unverständlich, denn ich bin ja auf Wunsch meiner Mutter in Hochdeutsch aufgewachsen, damit ich es einmal besser habe im Leben, wie das damals so  hieß und kann mich an dieses Ottakringisch auch nicht wirklich erinnern und glaube, daß die, in den Siebzigerjahren verstorbene Großmutter, ebenfalls Hochdeutsch, wahrscheinlich mit einem mehr oder weniger starken tschenischen Akzent, gesprochen hat.

Die Gedichte also bei der Weihnachtsfeier für Haftentlassene,Obdachlose und andere Menschen, die es wahrscheinlich nicht so gut im Leben haben und wie schon geschrieben, viel Nostalgisches und Sachen an die ich mich bei meinen Weihnachtsfesten in der Wattgasse, die ich eigentlich trotz der Kinderbücher von Friedrich Feld von Vera Ferra-Mikura, die Weihnachtsgaben der „Kinderfreunde“ für die SPÖ-Mitglieder, was mein Vater ja bekanntlich war und sehr aktiver Berzirksfunktionär mit Kanditat Nummer sechszehn für die Bezirksvorsteherliste, kein sehr angenehmes war, denn die Mutter hat, wenn sie von ihrer Arbeit als Kindergartenhelferin nach Hause gekommen ist, noch bis weit in die Nacht des Vierundzwanzigsten geputzt und gebacken und war dann am nächsten Tag, wo es den Karpfen und die Pute vorzubereiten und den Christbaum aufzuputzen galt, nicht mehr so gut aufgelegt und der Vater drohte mir, daß es keine Geschenke gäbe, wenn ich nicht hoch und heilig an das Christkind glaube, was ich so zwischen dem ersten Trotzalter und der Pubertät ernster genommen habe, als ich es wahrscheinlich sollte.

Nun gut, so waren sie wahrscheinlich die Nachkriegsweihnachten in die Wirtschaftswundergeneration. Einen Christbaum hatten wir, das habe ich schon geschrieben, Krippe ist keine darunter gestanden und so habe ich auch an den „Ochs und den Esel“ nicht so sehr geglaubt, denen Franz Blaha seine erstenGedichte widmete.

Das Cover ziert eine „Hausgrippe“ nach einem Foto von Andreas Praefcke. Vorher gibt es noch ein Gedicht, das wahrscheinlich auch aus Franz Blahas Kindheit stammt, wo sich die dreißig Schilling am Tag verdienende Mutter, die ihrem Sohm ein Buch, um diesen Betrag kaufte, darüber ärgert, daß er es, statt es schön Tag für Tag einzuteilen, um länger davon etwas zu haben, ratzeputz sofort auslas.

Ja damals hat man sich über die lesenden Kinder noch geärgert und sich gefragt, ob sie niechts besseres zu tun hätten? Heute würde man sich darüber freuen, weil sie dann bis zur Matura wüßten was „Pathos“ heißt, vielleicht mehr als fünf österreichische Autoren kennen und sie auch gelesen haben.

Die Zeiten ändern sich, heute biegen sich die Christbäume und die Geschenke darunter sind so teuer, daß die Schuldnerberatungsstellen vor Weihnachten im Radioempfehlen, daß man  nicht mehr ausgeben, als man hat und an den Einkaufssamstagen möglichst keine Kreditkarte mitnehmen soll, während Franz Blahas oder eine andere Oma vor demn schönaufgeputzen Christbaum der Zweitauserjahre steht und sich daran erinnerte, daß früher, als der Bundeskanzler keinen Baum zu Weihnachten versprechen konnte, alles viel schöner und viel besser war, die Gans , die es damals nicht gab, viel besser schmeckte, die Kerzen heller strahlten, etcetera. Ja, die Erinnerung kann trüben oder man hat sie sich verklärt.

Und so erinnert sich auch Franz Blaha an die Zeiten, als er erst ins Zimmer durfte, als der Christbaum schon aufgeputzt war und die Mutter am Fenster stand und ihm verkündete, daß das Christkind gerade hinausgeflogen war, weil es ja noch so viele andere brave Kinder und Franzu Blaha hasste dann diese, bescheren mußte, bevor er sich am Christbaum erfreute, an denen die Zuckerln hingen, die er selbst mit der Mutter eingewickelt hat, „weil man dem Christkind ja helfen mußte.“

Das Christkind trifft er dann an der Straßenbahnhaltestelle, als er vom Ottafkringer Friedhof kam, wo Anmerkung, nicht nur meine Großmutter begraben liegt, sondern auch Gerald Bisinger, Gerhard Kofler, etcetera und das erkundigt sich, ob hier der J-Wagen zum Karlsplatz fährt, aber die Straßenbahnen haben jetzt andere Nummern,  fahren andere Routen und das Christkind war offenbar schon lange nicht mehr da.

Auch kein Wunder, denn der Weihnachtsmann oder Santa Claus mit dem roten Mantel, der mit Renntieren im Schlitten fährt, hat es aus Amerika kommend, längst verdrängt und schmeißt jetzt seine Geschenkpackerl durch den Kamin und ein solches Gedicht, wo der heilige Klaus vorm PC sitzt und nicht gestört werden will, gibt es auch.

Dreizehn länger oder kürzere Weihnachtsgedichte in breiten Ottakringer Dialekt also, die sich in der Übersetzung, El Awadalla und ihr „morgenschtean“ wird auch noch erwähnt, gut verstehen lassen und einen wahrscheinlich in die eigene Kindheit zurückführen, auch wenn man vielleicht viel später und nicht in Hernals oder Ottakring aufgewachsen ist und die ich allen Weihnachtsnostalgikern und auch Weihnachtshassern empfehlen kann, ob sie Petra Hartlieb in ihrer wundervollen Buchhandlung so leicht besorgen kann, weiß ich nicht. Franz Blaha ist aber ein sehr eifriger Literaturvermittler, hat oder hatte jetzt auch eine Schreibwerkstatt in der Pannaschgasse und wird sicher weiterschreiben.

„Ich wünsche euch schöne Weihnacht`n mit Kekserln und Kerzerln und ein schönes neu s Jahr“, das erstere habe ich zwar schon geschrieben, wiederhole es aber gern!

2018-12-23

Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung

Filed under: Bücher — jancak @ 00:51
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Nun kommt am Vorabend des vierzundzwanzigsten Dezember mein erstes Weihnachtsbuch, das eigentlich keines ist, weil es die stressige Zeit davor beschreibt, denn ich habe mir durch das Bloggen angewöhnt im Dezember Weihnachtsbücher zu lesen und zu sammeln.

Im Jahr 2015 habe ich sogar eines geschrieben und mir angewöhnt, an manchen Tagen ein Adventkalenderfenster in den Blog zu stellen, dann ist die Leseliste aber zu lang geworden, daß keine Zeit mehr war für angesammelten Weihnachtsbücher und das neue Kapitel. So habe ich in den letzten zwei Jahren, glaube ich, nur die Weihnachtsbücher gelesen, die Rezeptionsexemplare waren und heuer ist das wieder anders, denn Margit Heumann hat mir ja auf meine Frage was ich mir zu Geburtstagwünsche „Ein Buch natürlich (weil ich ja noch keines habe)?, einen „Thalia-Gutschein“ geschenkt, das war zu Zeiten der „Buch-Wien“ und wenn man dort hin will, muß man  seit einigen Jahren, wie Benedikt Föger bei einer seiner Eröffnungsreden so schön erwähnte, durch eine improvisierte Buchhandlung gehen und da habe ich auf den Stapeln zuerst Petra Hartliebs „Winter in Wien“ die Geschichte von Arthur Schnitzlers Dienstmädchen gesehen. Das kostete circa elf Euro, wenn ich den Nachfolgeband auch gesehen hätte, wär das Problem gelöst gewesen, denn das hätte ich gern gelesen. Es war aber November und Petra Hartlieb hatte auf der „3Sat-Louge“ am Vortag gerade ihr neues Buch „Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung“ vorgestellt, was vom Preis auch passte, denn die 1967 in München geborene, in OÖ aufgewachsene und lange in Hamburg lebende Petra Hartlieb hat ja 2004 in der Währingerstraße eine Buchhandlung übernommen. Krimis hatte sie da oder danach auch schon geschrieben und ich sie daraus auch lesen gehört und dann ist sie mir als  „Gegen-Amazon-Kämpferin“ aufgefallen, die offenbar alle Leute mit einem solchen Päckchen in der <hand ansprcach und „Entschuldigen sie warum kaufen Sie nicht bei mir fragte<ß“

Das hat mir nicht so gut gefallen, aber schreibe ich dazu, ich kaufe weder bei „Amazon“ noch bei „Hartliebs-Bücher“ und da würde ich mir nur ein ein bis höchstens drei Eurobuch aus der Abverkaufskiste ziehen. Ist ein Schlechtpunkt für mich, ich weiß, ist aber so.

Dann erschien 2014 die „Wundervolle Buchhandlung“.

Die Blogs überboten sich an Lobpreisungen und ich bin in Harland in diesem Jahr glaube ich, um Weihnachten mit dem Rad nach St. Pölten gefahren, habe mich in den „Thalia“ gesetzt, das Buch durchgeblättert und mich gewundert, denn soviel Tolles, wie die Blogs schwärmten, habe ich nicht darin gefunden.

Dann bin ich ein paar Jahre später wahrscheinlich nicht um Weihnachten wahrscheinlich vom Literaturhaus nach Hause gegangen, vom „Wortschatz“ stehen geblieben und habe die „Wundervolle Buchhandlung“ dort gefunden.

Vielleicht war es sogar ein Leseexemplar, die die „Bücherinsel“ aussortiert hat, die tun das manchmal und stempeln dann ihren Namen hinein oder einer der anderen Literaturkritiker oder Blogger die in der Gegend wohnen, ist es gewesen.

Das weiß ich jetzt gar nicht so genau, habe aber bei „Amazon“ und auch bei einigen Bloggern über das Nachfolgebuch gelesen und dort erfahren, daß gar nicht soviel Neues drinnen stehen soll und ein „Amazon-Leser“ hat sich sogar über die genervte Buchhändlerin beschwert, die über ihre Arbeit jammert und die Bücher von einer Asylwerbertin einpacken läßt.

„Uje!“, habe ich gedacht „wenn ich jetzt schon alles weiß!“

Denn wahrscheinlich hat mich das altmodische Cover mit dem Bäumchen und dem Mann im roten Anhzug mit einem Buch in der Hand vor den Bücherregal angezogen und muß sagen, ich bin postiv überrascht, denn wirklich bekannt war wahrscheinlich nur das erste Kapitel, wo Petra Hartlieb erzählt, wie sie zu ihrer wundervollen Buchhandlung kam.

Dann kommen die Weihnachtsanekdoten und die mag ich ja sehr gern und es interessiert mich auch, wie es in einer Buchhandlung zugeht.

Petra Hartlieb hat inzwischen eine Filiale in der Porzellangasse, einen Lagerraum gegenüber, so daß sie nicht mehr zur Weihnachtszeit ihre Bestellungen im Eßzimmer lagern muß, in das sie aber noch heute offenbar im Dezember nie kommt, um gemütlich Punsch zu trinken, denn Weihnachten  beziehungswweise das Monat davor, ist die streßigsteZeit für den Buchhändler. Wird da doch zwanzig Prozent des Umsatzes gemacht und Petra Hartliebs Buchhandlung ist um diese Zeit auch immer bummvoll. Der Herr Primar, wahrscheinlich vom naheliegenden AKH, kommt kurz nach Geschftsschluß noch mit seinem Bestellzettel herein. Die Kunden bringen Vanillekipferln und nur eine Dame will sich fünf vor sechs noch vierundzwanzig „Pixie-Büchlein“ einpacken lassen. Sie tut es dann selbst, nimmt sich aber das Papier dafür mit und zu Petra Hartliebs Kunden gehören neben Ärzten und Kammersänger auch Doris Knecht, oder ist sie mit der nur befreundet und verkauft ihre Bücher, die lädt sie jedenfalls auch im Dezember zu ihrem berühmten Parikahendl, Rezept im Anhang, was ich sehr unnötig finde, ein und Petra Hartlieb sitzt dann da und schweigt, weil sie zu müde zum Reden ist, hat sie doch den ganzen Tag hunderte Bücher beschrieben und genauso viele eingepackt, obwohl sie jetzt ja die besagte Syrierin hat, die früher Mathematiklehrerin war, ihr jetzt aber zur improvisierten Weihnachtsfeier einen selbstgemachten Brunnen bringt.

Wenn plötzlich ein Virus herumgeht und Petra Hartlieb und ihr Mann Oliver, der in der Nacht, die Bestellungen abarbeitet, zu kotzen anfangen, ist das genauso eine Katastrophe, die sich gut auflöst, wie wenn plötzlich der Strom ausfgällt oder der Computer nicht mehr funktioniert und dann kommt einmal ein Herr Mayerhofer mit seinen abgeholten Bestllungen zurück, denn das waren nicht seine Bücher und ein paar Tage später kommt sein Bruder, denn der heißt auch so und bestellt ebenfalls bei Petra Hartlieb, also werden fortan auch die Vornaamen auf die Bestellungen geschrieben und natürlich sollen die Kunden kommen und bestellen, denn Weihnachten ist ja zwanzig Prozent des Jahresumsatz, auch wenn die Buchhändler und die anderen Verkäuferinnen, wie der unzufriedene „Amazon-Kunde“ erwähnte, am Vierunzwanzigsten um dreizehn Uhr kaputt aus dem Geschäft gehen und unter dem christbaum einschlafen, während das kleinereKind beseelt mit seiner Puppe spielt.

Ein amüsantes Buch das ich, die Nichtkäuferin“ in zwei Schwüngen beschwingt in der Badewanne ausgelesen habe und „Fein!“, denke, „wenn die Leute vor Weihnachten so viele Bücher kaufen!“

Obwohl ich ja immer höre, daß die Zahl der Leser zurückgeht und auch der Buchhandel vor kurzem eine Zahl veröffentlicht hat, um wieviel Prozent der Umsatz zurückgegangen ist. Bücher gibt es ja immer noch in Hülle und in Fülle, weil die Leute zwar offensichtlich weniger lesen, aber gern selber schreiben wollen, aber in einem kann ich dem „Amazon-Kritiker“ zustimmen, daß achtzehn Euro, in Österreich sind es wegen der Mehrwertsteuer noch einmal fünfzig Cent mehr für das sehr dünne kleine Büchlein wirklich sehr viel sind und ich mir das zum Normalpreis nicht kaufen würde, obwohl ich vor kurzem dem Schuster achtzig Euro für die wiederholte Reperatur meiner zwei Paar Waldviertlerschuhe gegeben habe und dann bin ich zum abverkaufenden Antiquariat nebenan gegangen und habe mir zwei Bücher um je drei Euro gekauft und bevor meine Leser jetzt aufstöhnen und sagen, daß ich den Weihnachtsfrieden mit meinen Bemerkungen störe, kann ich auf morgen und übermorgen hinweisen, wo noch zwei dünne Weihnachtsbüchlein kommen, die mir zwei befreundete Autoren geschenkt haben.

2018-12-22

Im Blick

Nun kommt das zweite Buch aus der „Kremayr& Scheriau“ Frühjahrsproduktion, da hat mir Tanja Raich schon in Leipzig die Frühjahrsvorschau übergeben.

Barbara Riegers Debut habe ich noch vor unserem Urlaub besprochen. Danach kamen die „Buchpreise“ und die Bücherflut. Die zwei anderen Bücher habe ich noch später bekommen, so daß sich das Lesen in diesem Jahr wahrscheinlich nicht mehr ausgegehen wird.

Barbara Riegers „Bis ans Ende Marie“ ist ein, wie das so schön heißt „Coming of Age“- Roman, also einer der vom Erwachsenwerden handelt und da habe ich mich ja mit „Bookster“ zerstritten, weil ich ihm die Frage „spoilerte“, ob die Marie und die Erzählerin dieselbe Person wären?

Ich weiß das noch immer nicht so genau, aber bei Marie Luise Lehners dritten Buch, das wieder als Roman gehandelt wird, obwohl es keiner ist „Im Blick“ stellte sich mir eine ähnliche Frage, ob das „Du“ zu dem, die Erzählerin spricht, ein Mann, eine Frau oder überhaupt geschlechtlos ist?

Darum geht es auch in dem Buch, das man vielleicht auch als ein „Coming of age“ bezeichnen könnte, um das Erwachsenen werden als Frau in dieser Gesellschaft, um Frauenfreundschaft, lesbische Beziehungen, Gewalt an Frauen und noch um vieles mehr.

Die 1995 geborene Marie Luise Lehner habe ich, glaube ich, bei einer Lesung der Sprachkunst im Literaturhaus kennengelernt, da hatte sie, glaube ich, schon ein Buch, das zweite, ihr erstes bei „Kremayr & Scheriau“ „Fliegenpilze aus Kork“ habe ich gelesen und war dann beim vorigen „Alpha“ sehr erstaunt „And the winner is…“ zu hören.

„Was eine so junge Frau?“

Und ihr jetziges Buch, das aus längeren oder kürzeren sprachlich kunstvollen  Sequenzen besteht, ein paar Gedichte sind auch dabei, macht es einer oder einem vom Inhalt her, auch nicht sehr leicht, es zu lesen. Sind die Fragen oder die Antworten, die es darauf gibt, oft sehr unbequem, verstörend oder überhaupt nicht so leicht zu stellen und zu beantworten.

Es gibt zwei Handlungsstänge. In dem einen wird das Aufwachsen  der namenlosen Erzählerin, einer lesbischen Frau, wie sie sich outet, zu einer Anja von deren zehnten bis einundzwanzigsten Lebensjahr erzäht.

„Anja und ich sind gemeinsam zehn…, etcetera.“

Im Zweiten, die Beziehung des Ichs zu einem du, von dem mir obwohl es bei „Amazon“ anders steht, nicht so klar wurde, ob das jetzt die Liebhaberin ist?

Es gibt lange blonde Haare und einen schmalen Körper, ja, dann aber auch wieder sehr männliche Verhaltensweisen. Es gibt auch eine Beziehung, „Die Wölfin“, von der sich das „du“ nicht so ganz lösen will und das Ich dann nicht vom „du“ obwohl, sie es will, es versucht, sehr unglücklich darüber ist, ihr Wort bricht, etcetera.

Bis mir klar wurde, daß das vielleicht genau das ist, was Marie Luise Lehner erzählen will, daß die Geschlechterzuordnung eben nicht so eindeutig ist und sie wanken und schwanken kann.

Im dritten Strang oder besser zwischendurch wird die Gewalt an den Frauen in allen ihren Facetten und Formen thematisiert.

Marie Luise Lehner ist eine sehr junge Frau und wenn man davon ausgeht, daß sie das Buch mit vielleicht zwei- oder dreiundzwanzig Jahren geschrieben hat, ist klar, daß es eine sehr junge, für eine über Sechzigjährige vielleicht auch verstörende und nicht so leicht zu verstehende Sprache ist, in der sie das tut.

Die Erlebnisse in der Schule der beiden Mädchen werden thematisiert. Die Schüler zwingen die Lehrer ihnen endlich Sexualaufklärungksunterricht zu geben. Es gibt einen Konstatnin von dem alle behaupten, daß er schwul wäre.

Er dementiert das lange, hat eine Freundin namens Charlote, die er dann auf einem Ball unfair behandelt. DieMädchen der Schule sind deshalb lang bös auf ihn. Die Lehrer rufen die Mutter in die Sprechstunde, sagen „Ihr sohn ist schwul, er soll sich aber anders anziehen, weil er so in der Hierarchie unten durch ist und sich nicht wehren können wird!“

Reagieren Lehrer wirklich so? In meiner Schultzeit nicht und auch in der Rahlgasse wo die Anna war,  würde ich es nicht vermuten, obwohl die Rahlgasse eine sehr fortschrittliche Schule war und vielleicht auch noch ist.

Konstantin outet sich der Erzählerin dann doch. Trifft sich auch mit einem, den er auf einer Plattform kennengelernt hat. Er trifft ihn in einer U- Bahn-Station. Da geht einer auf ihn zu, er umarmt ihm. Es stellt sich aber heruas, daß er ihm nur ein WFF- Abuchauftrag verkaufen wollte.

Die jungen Frauen wachsen sehr selbstbewußt auf, nehmen Drogen, interessieren sich für Kunst, studieren Kunstgeschichte oder Tanz. Reisen viel in der Welt herum und wollen auch den arabischen Raum per Auostop und Coachsurfing erobern.

Aber wie tut man das, als junge Frau in einer Welt der männlichen Gewalt, wo man von den Eltern immer gehört hat, daß man aufpassen muß und zu keinen fremden Mann ins Auto steigen oder in die Wohnung gehen soll?

Da muß muß man schon Strategien entwickeln, sich zu wehren, um einigermaßen unverletzt durch dieWelt zu kommen und da sind wir schon beim Thema von Bettina Wilperts Debutroman, denn es ist auch eine Welt, wo der Alkohol und die Drogen fließen. Pillen werden einen zugesteckt und dann kann es schon sein, daß man sich dann plötzlich in einem Bett befindet, einer Sex von einer will und man sich vielleicht nicht wie man will, wehren und ihn wegstupsen kann.

Dazu gibt es auch eine Szene über die sich nachdenken und diskutieren läßt. Es geht um eine Paula, eine Freundin oder Kollegin von irgendwem. Sie steigt zu einem Mann ins Auto, der zeigt ihr dann seinen Schwanz und streichelt ihr über den Schenkel.

Was jetzt? Soll sie ihn anzeigen?

„Ja!“, raten die engagierten Frauen. Sie tut es und er wird wegen mangelnden Beweisen freigesprochen.

Die über Fünfundsechzigjährige würde auch hier raten, aufpassen zu wem man ins Auto steigt, die Hand wegnehmen und „Steck deinen Schwanz weg!“, energisch sagen.

Anzeigen würde ich das nicht und denke auch, daß das wahrscheinlich nicht nötig ist und auch, wenn die jungen Feministen jetzt aufschreien, denke ich schon, daß ich nicht ganz „unschuldig“ bin oder mich vielleicht nicht wundern sollte, daß da eine Hand auf meinen Schenkel liegt, wenn ich zu einem fremden Mann ins Auto steige.

Aber ich bin mit Achtzehn während meines Praktikums in St. Christoph am Arlberg auch öfter nach Innsbruck oder Vorarlberg oder auch nur nach St. Anton Auto gestoppt und es ist nie etwas passiert, obwohl die Älteren natürlich mahnten, daß man das nicht tun soll!

Ein sehr interessantes Buch also, in einer sehr schönen modernen Sprache geschrieben und die politischen Situation, die Demonstration der Identitären, gegen die das Ich mit seinem du, wenn ich mich nicht irre,  demonstriert, wird erwähnt, die Einsparungen der Regierungen bei Frauenprojekten, also hat Marie Luise Lehner das Buch wahrscheinlich später als mit Zweiundzwanzig, sondern in diesem oder letzten Jahr geschrieben.

Es ist kein Roman und Anfangs habe ich gedacht, daß ich damit nicht viel anfangen kann. Dann habe ich weitergelesen. Es ist mir klar geworden, daß es vielleicht nicht so wichtig ist, herauszufinden, ob das „du“ jetzt ein Mann oder eine Frau ist und, daß es wahrscheinlich doch sehr interessant und wichtig ist, was uns Marie Luise Lehner da mit ihrer frischen Sprachkunstsprache da erzählt.

 

2018-12-21

Römisches Fieber

Nun kommt wieder  ein Buch der Herbstleseliste, im September erschienen, eines das nicht auf der deutschen Liste stand, das wahrscheinlich an mir vorbei gegangen wäre, obwohl ich es, glaube ich bei „Morawa“ liegen gesehen habe, was schade gewesen wäre, denn dem 1965 geborenen, in Tokio lebenden Christian Schnalke ist im „Römischen Fieber,“ übrigens ein Debut, das, glaube ich, nicht auf der Bloggerdebutlonglist gestanden ist, in leichter lockerer Manier, ein würde ich sagen, moderner Gespenster- oder Schauerroman gelungen.

Susanne Röckl hat ja mit dem „Vogelgott“ etwas Ähnliches versucht und ist damit auf der Shortlist des dBp gestanden, Christian Schalkes Buch ist dazu wahrscheinlich zu locker und zu spannungsgeladen, dafür weniger sprachgewaltiger und, ich glaube, daß man hier, was mir ja bisher eher schwer gefallen ist, die Anwendung der „Heldenreise“ gut nachvollziehen kann.

Es beginnt mit einer Anmerkung des Autors, daß man an einem 1818 gemalten Bild des Künstlers Carl Fohr alle damals in Rom lebenden deutschen Künstler sieht. Einer davon ist bis heute unbekannt, diesen hat er das Buch gewidmet, beziehungsweise eines über ihn geschrieben und in der Nachbemerkung kann man lesen, daß das Buch eineMischung zwischen Dichtung und Wahrheit ist. Einige der handelnden Personen wie etwa Caroline von Humboldt hat es tatsächlich gegeben. Andere wie das Geschwisterpaar Cornelius und Isolde Lohwaldt  oder den Helden Franz Wercker nicht und bei wieder anderen hat er gemischt, beziehungsweise hat ihn die Phantasie von der Wirklichkeit weggetrieben, so ist aus Angelika Kaufmann eine Aura geworden, etcetera.

Das Buch beginnt 1818 am Gardasee. Dahin ist der Held Franz Wercker, der von Kindheit an Dichter werden wollte, Sohn eines Zimmermanns war und eine schwere Kindheit hatte, was Schnalke leicht und locker mit heutigen Worten erzählt, gefohen, weil er seinen Vater, der ihn lebendig begraben wollte, erschlagen hat und ihm die Polizei schon sucht.

Er will sich in den See stürzen, da sieht er aber einen jungen Mann hineinfallen. Es ist der Dichter Cornelius Lohwaldt, der mit einem Stipendium des bayrischen Königs ausgestattet, auf den Weg nach Rom ist.

So nimmt er dessen Gestalt, Sachen und Papiere an und wird in der deutschen Künstlerkolonie, die es in Rom gibt, liebevoll aufgenommen.

Er verliebt sich in die junge Malerien Carla Seidler, die es offenbar auch wirklich gab, aber Louise geheißen hat, beginnt ein Liebesverhältnis mit Aura Kaufmann und schreibt einen Roman, der von einem Kritiker gegen den er E.T. A Hoffmann verteidtigte verrissen wird.

Die tapfere Carla schickt ihn aber an den alten Goethe mit dem sie im Briefwechsel steht. Der berühmte Verlag „Cotta“ wird ihn verlegen, indessen aber beginnen die Wolken des Schicksals heranzuwuchten beziehungsweise sich die Spannungsbögen zu verdichten.

Isolde, die lugenkranke Schwester von Cornelius, merkt in dem Brief den Franz in verstellter Schrift an die Eltern geschrieben geschrieben hat, daß da etwas nicht stimmt und fährt nach Rom, den Bruder zu überraschen. Der will zwar gerade abrreisen, weil ihm Cornelius Mutter die Ankunft Isoldes mitteilte, weil er aber auch zum Kronprinzen soll, der sein Manuskript hat und sich das wegen des Verrisses nicht ganz traut, rät ihm Carla „Wollen wir mutig sein!“ und so packt er seine Sachen, um erst am nächsten Tag mit ihr nach Neapel zu reisen.

Als er aber nach geglückten Besuch zurückkommt, findet er Isolde in seinem Zimmer. Sie hat eine gespensterhafte Gesellschafter und einen buckligen unheimlichen Kutscher bei sich, läßt ihn von diesen fortan überwachen und zwingt ihn, mit ihr in einen Palazzo zu ziehen, denn sie möchte in Rom einen Salon aufbauen, kann das aber als Frau vor zweihundert Jahren nicht ohne den Schutz eines Verwandten tun.

Der Ereignisse überschlagen sich. Das geheime Liebesverhältnis zwischen Aura und Franz hat sich aufgelöst. Sie kommt stattdessen in sein  Zimmer und raubt ein Amulett, in dem die Geschwister zu sehen sind und als sie bei einem Künstlerfest Franz und Isolde zur Rede stellen will, erschlägt diese sie und befiehlt Franz ihre Leiche in den Tiber zu werfen.

Franz wird, da Cornelius homosexuell war und deshalb nach Rom flüchten wollte, selbst dieser Neigung angeschuldigt und  verhaftet. Kommt aber wieder frei, beichtet seinem Freund, dem Maler Georg, wer er wirklich ist, wofür dieser dann von Isolde und Teresa, der Gesellschafterin, vergiftet wird und als er Carla auch noch beichtet, werden beide vom unheimlichen Kutscher in die Katakomben gezerrt. Carla soll dort verhungern. Franz in den Tiber geworfen werden, damit die Schwester sich von ihm lösen kann. Der unheimliche Kutscher entpuppt sich aber doch als ein Mensch mit Seele, der sich von Carla malen lassen wollte. So  wird das Paar gerettet. Es kommt aber alles ans Tageslicht und Franz des merhfachen Mordes angeklagt, in den Kerker, um hingerichtet zu werden.

Um nicht alzu sehr zu spoilern, es ist ja ein Rezensionsexemplar, verrate ich nur, es nimmt alles ein mehr oder weniger glückliches Ende, so weit es nach diesen Spannungsbögen möglich ist. Carla reist nach Weimar zurück, um ihren Vater zu pflegen und Franz verläßt Rom, um unter einen anderen Namen ein neues Leben zu beginnen und ich kann schreiben, ich habe selten ein so spannendes Buch gelesen, das mich sogar veranlaßte, länger als geplant in der Badewanne zu bleiben, weil ich mit dem Lesen nicht aufhören wollte und kann das Buch also beispielsweise als Weihnachtsgeschenk sehr empfehlen, wenn man etwas Spannendes lesen will aber auch einen guten Einblick in das Leben in Rom vor zweihunder Jahren, in manche politischen Ereignisse und in die damalige deutsche Künstlerwelt bekommen woll.

2018-12-20

Deppentango

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Im Amerlinghaus habe ich das Lesen des Buchs angefangen, das mir Paul Jaeg vom „Aroell-Verlag“ an dem Tag schickte, an dem ich ihm im Amerlinghaus getroffen habe. Das war Ende August, es hat also ein bißchen gedauert, bis ich zum Lesen von Dietmar Füssels Kurzgeschichten gekommen bin, obwohl ich den 1958 geborenen schon lange kenne, auf seine Homepage 2008 oder 2009 gestoßen bin und mich eine Zeitlang auch an seinen monatlichen Gewinnspielen beteiligt habe und schon sehr viele seiner Bücher gelesen habe.

Der Oberösterreicher ist ein sehr origineller Autor, der immer wieder skurrile Themen für seine Bücher findet und so sind die „literarische Kurzgeschichte“ wie am Buchrücken steht, diesmal den „Versagern, Unglücksraben und Idioten“, wie der Untertitel lautet, gewidmet und Dietmar Füssel geht es in seinen kurzen Texten auch rasant an.

So wird hier in der „Operation Adele“ von einem Experiment berichtet, wo der britische Geheimdienst aus Adolf Hitler  eine Adele machen wollte, weil Frauen ja viel friedlicher sind, was, wie Dietmar Füssel behauptet, leider mißlungen ist, weil stattdessen aus Ernst Braun eine Eva wurde.

Es geht um einen Herrn mit „Grillenangst“, der an einer Insektizidvergiftung zugrunde geht, um einen „Ewigen Versager“, das ist ein Mensch, der soviel Pech in seinem Leben hatte,  daß er nicht eimal den Kannibalen schmeckt und ein „Interview mit einem  Vampirjäger“, gibt es auch.

Es gibt den „Spaghettifeind“, der diese Sorte Nudeln nicht mag, nicht weiß warum und deshalb schaut, daß sein Sohn einen Grund dafür hat und den, der wegen der Muttermilch, keine solche in seinem Kaffee mag.

Ein Arbeitsloser schreibt, um sich selbst einen Posten zu verschaffen, einen Brief an den Finanzminister mit Vorschlägen, wie man durch „Gesundbeten“, die Leute schneller gesund werden lassen kann und Sir James wird, als er seine Frau weggeschickt hat und genüßlich mit der Zofe ins Bad steigen will, zweimal durch das Telefon herausgeholt.

Weiter geht es mit dem Mann, der seiner gewöhnlichen oder auch ungewöhnlichen Maus ein Mausoleum um zwölftausen Euro setzte,  dem „Ziegenbockpeter“, der sich aus hygienischen Gründen nicht duscht und dem Märchen von dem Knecht, der sich von seinem Bauern mit einer angeblichen „Zauberwindel“ abspeisen ließ.

Es gibt den „Leichensammler“ und den Mann, der sich an einem Sonntag auf einen zwanzig Kilometer Fußweg zu seinem Zahnarzt begibt, um sich seine Schneidezähne ziehen zu lassen, um den Frauen besser zu gefallen und in der Geschichte vom „Königstiger“ geht es um einen Säufer, der sauft und sauft, zuerst weiße Mäuse, dann weiße Katzen, weiße Hunde und zuletzt einen weißen Königstiger sieht, das beunruhigt ihn  so sehr, daß er die Polizei anruft, die schickt ihm die Sanitäter mit den weißen Jacken und die werden dann, wem wundert es bei Dietmar Füssels schrägen Humor, prompt aufgefressen.

Das „Kind mit den Blumen“, die zu allem nicken, ist vielleicht ein wenig einfach , wie bei einigen der kurzen Texten auffallen kann, daß sie, wie schnell hinunter geschrieben wirken.

Dietmar Füssels Stil und skurriler Humor ist auch der „Magischen Kriegsführung“ gut zu erkennen. Da geht der Leutnant Pospischil zu General Weissfuß, der gerade mit „gezückten Zeigefinger durchs Zimmer hüft und dabei laut „Päng! Päng Du bist tot!“, brüllte und der ihm dann Befehl gibt, einen Zauerspruch zu finden, mit dem man die feindliche Armee in Schweine verwandeln kann.

Im Verein der „Wildenwerwolfwürger“ hat noch keiner der Mitglieder einen Werwolf weder gewürgt noch gesehen und gehört und als er das bemerkt, verläßt Herr F. der, den Verein  zu Recherchezwecken besucht hat, diesen frohgemut, denn „Ich hatte soeben feststellen dürfen, dass es tatsächlich Leute gab, die noch verrückter waren als ich selbst.“

Was die Frage aufwirft, ob es sich bei Herrn F. um den Autor selbst handelt, was vermutlich stimmen könnte, da der Herr F. der in „Die wichtige Angelegenheit“ zu einem Grafen Tox gerufen wird, Schriftsteller ist und am Schluß noch hintergründig an seine Leser, die Frage stellt: „Bist du aus dieser seltsamen Geschichte schlau geworden? Ich nämlich nicht.“

„Na dann ist Hopfen und Malz verloren!“, mag sich die Leserin denken, die eigentlich gar keine „Idiotengeschichten“ mag, aber die vom „Angsthasen“ enthält Eemente, die der Psychologin gefallen können.

Da fürchtet sich einer vor allem, hat „Höhenangst, Platzangst,  Versagensangst, Angst vor Wespen, Hornissen, Spinnen, Mäusen, Hunden, Schlagen, Betrunkenen und Psychiatern“.Dann geht er in eine Bank „um einige Erlagscheine einzuzahlen“, beobachtet einen Bankräuber und steckt ihm aus Angst „in der Zukunft für einen erbämlichen Feigling gehalten zu werden“, „den rechten Zeigefinger in den Rücken und sagt barsch: Pech gehabt Freundchen, Kriminalpolizei. Weg mit der Waffe und Hände hoch!“

Das nenne ich  originell, während zugegeben, die anderen Geschichten, die sich zum Teil in ihren Elementen wiederholen, so bildet sich einer ein, ein Indianer zu sein, geht auf eine Bank, um sein Geld abhzuholen und landet dann in der Gummizelle, weil der Bankbeamte die Rettung holt, nachdem er mit „Wilder Büffel“ statt seinem Namen unterschreibt,  manchmal etwas nerven, weil die Menschen wahrscheinlich doch nicht so eindimensional deppert sind, wie sie Dietmar Füssel genüßlich schildert.

„Es gibt den harmlosen Spinner“, der seinem Psychiater beweisen will, daß er „ein gemeingefährlicher Psychopath ist“ und es dann nicht zusammenbringt, ihn zu erschlagen oder zu erschießen und dann den „Verständnisvollen“, der alles versteht, daß ihn seine Frau betrügt, sein Chef entläßt, der Räuber ausraubt und dafür nicht einmal in den Himmel, sondern in die Hölle kommt und vom Teufel belehrt wird, daß „wer sich nicht wehrt, verkehrt lebt.“

Am Schluß wird noch das „Denkmal“ der Gerechtigkeit nicht enthüllt, was vielleicht auch eine „Hinterfotzigkeit“ Dietmar Füssel ist, darüber eine Geschichte zu schreiben.

Dietmar Füssel Skurrilität und  Vielschreiberfleiß ist also beeindruckend und ich bin gespannt, was dem „Kurzgeschichtenmeister“, der zu seinen größten Erfolgen die Teilnahme an einem „Hundert Kilometer Lauf von Biel mit einer Endzeit von knapp über vierzehn Stunden“, zählt, noch so alles einfallen wird.

Am Cover ist auch noch einer zu sehen, der genußvoll lächelnd, den Ast abzusägen beginnt, auf dem er sitzt.

 

2018-12-15

Anmut und Feigheit

Filed under: Bücher — jancak @ 00:55
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Jetzt kommt ein Erzählband, obwohl ich Erzählumgen ja gar nicht so gerne mag, da es mir immer schwer fällt mich so schnell von einem Sujet auf das andere einzulassen, des 1956 geborenen Frank Schulz, einem deutschen Dichter, der mir bisher unbekannt war, der aber schon viel geschrieben und viele Preise gewonnen hat und die  dreiundzwanzig Erzählungen, in denen es in allen Varianten um die Liebe geht, „Liebe ist nichts für Feiglinge -Frank Schulz  blickt in einen Erzählungen hinauf zu Wolke 7 und hinab in die Abgründe der Seele“, steht am Buchrücken, sind auch genau datiert.

Mit denen die im  Jahr 2018 geschrieben wurden, fängt es an und geht bis in das Jahr 1955-1950 hinunter, wo der Autor noch ein Kleinstkind war. Und es beginnt in einer  auffällig sorgsamen Sprache, in der immer wieder für mich seltsame Worte, wie beispielweise das “ voll krass“ auftauchen, die die heutige Jugend offenbar gern verwendet, während man früher „echt geil“ sagte.

In „Szenen in beige“ geht es um einen „Juniorsenior“, einen gerade sechzigjährigen, der aber schon einen Schlaganfall hatte und daher ein Langzeit-EKG benötigt, mit dem er durch die Stadt rennt, um sich mit seiner jungendlichen Betreuerin oder Gefährtin  Yvonne zu treffen und sich mit ihr mit Worten zu duellieren.

In „Rotkehlchen“ geht es um das Sterben einer Mutter, der Erzählung ist ein langes Gedicht hineingepackt:

„Jeden Morgen vier Uhr dreißig

weckt die Mama einen Hahn,

auf dass dann seinerseits der fleißig

krähen und sie wecken kann“.

Sehr originell und beeindruckend, die 2016 geschriebene Erzählung „Zwei Briefe in die Zukunft“, wo sich 1997 zwei Klassenkameraden, ein Mann und eine Frau ausmachen, einander Briefe zu schreiben, die man aber erst zwanzig Jahre später aufmachen und lesen darf.

In „Hüli mit Füll“ geht es um die Leiden eines arbeitslosen Journalisten, der auf eine Verlagsparty seines ehemaligen Chefs eingeladen ist, mit dem er Schwierigkeiten hat, seit er ihm noch als Schulfreund einmal einen zigarillo verweigert hat. Jetzt ist der sein Vorgesetzter und einen Bestseller hat er außerdem auch noch geschrieben. Wieder auffällig sorgsam mit vielen neuen Wendungen und Neuschöpfungen, die Sprache, in der es von Worten und Wendungen, wie „Neuranze“ eine Mischung aus Roman und Neurose oder „Ein Schlittschuh für das gefroene Meer in uns“ nur so kreucht und fleucht.

Gruselig wird es dann wenn die zweiundsechzigjährige Unternehmerin Annelene Borsig zum Feiern ihres Ruhestand ein Luxusspa bucht und dort nicht schlafen kann, weil Gillenzirpen, sie hat eine Insektenphobie sie stört und der Horrortrip beginnt, lernt sie doch an der Bar einen älteren und einem jüngeren Herrn kennen, dem jüngeren erzählt sie ihre Geheimnisse und eine weitere Alptraumnacht beginnt, die zu einer Horrorszene während eines Schneespaziergangs führt, bevor sie sich von ihren Alpträumen und den jungen Männern lösen kann.

Die nächsten zwei Geschichten führen wahrscheinlich in das Heimatdörfchen des Autors und hier hat sich Frank Schulz mit einem Nachlaßredner, wenn ich mich nicht irre, selbst ein Grab gesetzt, während er in der nächsten Geschichte wieder sprachgewaltig mit vielen schönen fast altertümlichen Ausdrücken, das Leben und Sterben einer Roßkastanie erzählt.

Es gibt Schnurren, Anekdoten,  Farces und andere Textsorten in dem schönsprachlichen Liebesgesang durch die Jahrzehnte, die immer wieder durch ihre Aufarbeitung verblüffen und gar nicht so einfach zu lesen sind.

In „Flaschenpost für Ekke Nekkepen“ geht es um eine Frau, die in einer Konditorei am der Nordsee drei Burschen, einer in einem Norwegerpulli, beobachtet, die sich über die Flaschenpost belustigen, die sie beim Liebesspiel zu Silvester am Strand zurückließ und der „Korfiotische Kuss“ schildert  die Tragik, die durch das maßlose Saufen entstehen kann.

Denn da quartiert sich ein Promipaar aus Hamburg auf einer Insel in Korfu ein, im Nebenappartement logiert ein langweiliges Pärchen. Heißt sie jetzt Martinia oder doch Mar- weil das Charlotte nicht langweilig genug ist. Jedenfalls kann sich Evchen ihr Gesicht nicht merken. Man ißt aber mitsammen, besäuft sich am Ouzo und ein Jahr später klingelt in Hamburg das Telefon und Char- oder Marlotte fragt unschuldig, ob Evchen mit ihrem Michael Oralverkehr gehabt hat und dann sitzt in einer anderen Geschichte einer am Balkon, stopft Cola und Schokoriegel in sich hinein und beobachtet in der Nebenwohnung, Vorhänge kennt man in der Gegend nicht, eine schöne Frau, mit der allmählich alt wird.

In“Die weiße Fee von Töwerland“, 1986-1990, steht darüber, geht es um die Feriensommer von Lisa und Swante, wo Lisa un ter dem Namen“Arrassica“, „bei der Errettung der Welt mithelfen“, beziehungsweise, die „unendlichen Weiten des Planeten Fu erkunden“ wollten, damit sie „ihre Puppe und Kuscheltiere dorthin evakuieren konnten, wenn die Welt unterging.“

Eine abenteuerliche Fahrt von „Chalatanango nach San Antonio Los Ranchos „am „11.November 1989“ gibt es in den „Ballistischen Augen“, und dann geht weit in eine vielleicht autobiografisch oder auch nur ausgedachte Kindheit und Jugend zurück, nämlich  in „Drachen über der Alster“, 1973- 1977, in die Lehrlingsjahre von Hans und dem Ich-Erzähler, die sich, während sie arbeiten und zur Schule gingen, an manchen Bierchen in den Alsterstuben erfreuten. Dann gibt es noch die Geschichte vom „Sommer, in dem ich ein Zebra ritt“, 1972, da geht es um die ersten journalistischen Erfahrungen, die ersten Gedichte und natürlich um die ersten Begegnungen mit den Frauen“.

Es folgt, 1968, ein „Tagebucheintrag“ oder ein Schulaufsatz über „Heiligabend, in dem sich der Schreiber über die vier Bücher, die neuen Schuhe und die Süßigkeiten freut, die es für ihn zur Bescherung gegeben hat und dann wird es ein wenig kryptisch, ist doch das „ausgemalte Memoir“ „Mamapapamamapapa“ mit 1950-1055 datiert. Der Autor aber erst 1957 geboren und so kann man sich über die dichterische Freiheit wundern, den Kopf schütteln, sie hinnehmen, den Erzähler mit dem Autor oder was auch immer verwechseln und damit vielleicht den Autor ärgern.

Die dreiundzwanzig Geschichten, beziehungsweise das „Prosa-Album über Leidenschaft“ und der Weg zurück vielleicht in ein Erzählerleben war aber sehr spannend, obwohl ich, wie schon geschrieben, eigentlich keine Erzählungen mag, weil ich nicht so schnell von einem Sujet ins andere hinüberspringen will.

Klaus Kastberger, der Literaturprofessor, Literaturhausleiter und“ Bachmann-Juror“ hat aber auf Twitter vor einiger Zeit nach einem aktuellen Erzählband gefragt und im „Literaturcafe“ gibt es auch einen Artikel, wo sich Vito von Eichborn mit den „Chancen von Kurzgeschichten“ beschäftigt.

Man müßte wahrscheinlich mehr Zeit haben, um sich in sie einzulassen. Dafür dürfte man wahrscheinlich nicht von sovielen Bücherbergen umgeben sein, für die langsam und vor dem Einschlafen Leser wäre das Buch aber als Adventkalender zu empfehlen, jeden Tag eine Geschichte  und einen Freitag zum Verschnaufen hätte man dann auch und die „Weihnachtsgeschichte“ läßt sich vielleicht unter dem Christbaum lesen, damit sich die Kinder wundern können, was es 1968 so unter Christbaum gab.

2018-12-13

Sungs Laden

„Sungs Laden“ den bei „Droemer“ erschienenen Roman der 1965 geborenen Karin Kalisa, habe ich, glaube ich, im vorvorigen Jänner im Bücherkasten beim Zimmermannplatz gefunden und habe ihn mitgenommen, weil ich das Cover in dieser Zeit auf mehreren Blogs gesehen habe. Der Rechnungszettel der naheliegenden Buchhandlung ist noch darin gelegen, was rätseln läßt, ob das Buch verloren wurde oder für den Bücherschrank gekauft wurde.

Ich habe es in meine Regale gestell unt hätte es angesichts der übrigen Bücherfülle wahrscheinlich vergessen, wenn es nicht Walter Famler und Ilija Trojanow in das Programm für die heurige „Literatur im Herbst“ genommen hätten, was mich schon stutzig machte, daß das ein utopischer Roman wäre, denn das hätte ich, die ich ja im vorigen Semester mit Stephan Teichgräber  fast   allein einen Workshop zur utopischen Literatur gemacht habe, nicht gedacht.

Interessant war dann auch, daß sich die Autorin im „Odeon“ offenbar dieselbe Frage stellte, die Ilija Trojanow angesichts der derzeitigen Zustände des Rechtspopulismus und der Ausländerhetze, wo man mit jemanden nur fünf Minuten zusammensein muß, um ihn gleich über die vielen Ausländer im Viertel stöhnen zu hören, eindeutig mit „Ja!“, beantwortet hat und ich habe mir gedacht, nach den strengen Kriterien, die wahrschein „1984“ und „Schöne neue Welt“ zu den utopischen Romanen zählt, ist es es wahrscheinlich keiner, angesichts der realen Umstände aber schon.

Habe das gebloggt, den Uli auf die Spur gebracht, der wieder gleich alles besser wußte und mit ihm ausgemacht, was ich für einen kreativen Akt der „Völkerverständigung“ halte, das Buch gemeinsam zu lesen und voila, hier  mein Eindruck über „Sungs Laden“, das Buch in dem alles, nämlich das Welt- oder Viertelverändern damit beginnt, daß ein Schüler in einer Schule am Prenzlauerberg einem anderen eine hinunterknallte oder so, womit der Schulamtsleiter auf den Plan gerufen wurde und den Direktor zu einer „Weltoffenen Woche“ aufgefordert hat.

Der war, angesichts, daß sich die Adventzeit nahte und der Weihnachtsbaum schon in der Aula aufgestellt war, nicht sehr erfreut darüber, hatte aber eine Idee wie das schnell vorn statten gehen konnte.

Die Lehrer riefen ihre Schüler auf, ein „Kulturgut“ aus ihrer ehemaligen Heimat mitzubringen und vorstellen, worauf der kleine Minh seinein Vater, Sohn von vietnamnesischen Vertragsarbeiter der ehemaligen DDR und jetziger Ladenbesitzer danach fragte, der ihn zur Großmutter schickte und so trippelte am Tag der „Weltoffenen Woche“ die Großmutter in einem schönen grünen fremdländischen Kleid mit ihrem Enkel und einer Holzpuppe in der Mitte zur Schule und schrie fröhlich „Good morning Vietnam“ in die schon schläfrig gewordenen Klassen und erzählte, wie sie als junges Mädchen nach dem Krieg mit der Puppe nach Ost-Berlin gekommen ist, dort bald schwanger wurde, das erste Kind aber nach Vietnam zurückschicken mußte. Erst das zweite, den kleinen Sung konnte, sie weil in Ost-Berlin schon die Wende nahte, behalten

Die Werkslehrerin zeigte sich beigeistert, suchte einen vietnamnesischen Tischler im Kiez auf, ließ sich von ihm solche Puppen, die eigentlich für das Wasserpuppentheater bestimmt waren, zimmern und rief damit zu einer Protestveranstaltung gegen die Raumnot in der Schule auf, was das Interesse der Bevölkerung an den schönen vietnamnesischen Stoffen, der vietnamnesischen Garküchen und der Läden im Kietz schlagartig steigern ließ.

Die Puppen und die typischen Kegehüte die „Non las“ lagen in jeden Geschäft auf und wurden von den Einheimischen auch getragen. Hien, die Großmutter wurde von den Lehrerinen zu Deutschkursen für die Vietnamnesen  und Vietnamnesisch für die Einheimischen engagiert. Imbisse begannen aus dem Boden zu schießen und schließlich begannen erheben noch die typischen „Affenbrücken“ von Geschäft zu Geschäft in der Nacht in geheimnisvollen Arbeit von Höhenarbeitern geknüpft wurden, sich in der Luft beitzumachen und eine Aufführung der typischen Wasserpuppenspiele gab es auch und das alles, höre und staune, führt zu keinen Protestmärchen der Bevölkerung, sondern zu Freude und Begeisterung.

Wirklich ein utopischer Roman, der zeigt das Multikulti mit ein bißchen guten Willen, vielleicht doch nicht gescheitert ist. Eine postive Gegendarstellung und keine Dystopie, wie wir es sonst in der utopischen Literatur gewöhnt sind, ist mein Resume und ich froh bin, das Walter Famler und Ilija Trojanow, das Buch in ihr Programm setzen, so daß ich es jetzt gelesen habe und sehr gespannt, was der Uli dazu sagt.

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