Literaturgefluester

2022-04-17

Im Saal von Alastalo

Jetzt kommt das Buch das mich fast die ganzen Ostern beschäftigt hat, Volter Kilpis „Der Saal von Alastalo“, in in den Neunzehnhundertdreißiger Jahren von einem an die sechzigjährigen Finnen geschrieben, der Bibbliothekar in Turku war, in seiner Jugend einige Romane geschrieben hat und dann im Alter seinem Verleger schrieb, er hätte jetzt ein Jahrhundertwerk geschrieben, jahrelang hat er den über tausend Seiten Schmöker geschrieben, der an einem einzigen Nachmittag spielt und das Leben der Schären oder der Handelsheerrn dort im neunzehnten Jahrhundert beschreibt.

Um das zu schaffen, mußte er in der Bibliothek mit seinem eigenen Geld einige Hilfskräfte bezahlen und der Verleger hat das Buch dann gleich genommen, obwohl, wie ihm Kilpi schrieb, keine leichte Lesekost, kein Unterhaltungsroman ist, der gleich mit Proust und dem Ullysses verglichen wurde.

In seinem Heimat gibt es auch Kilpi-Festwochen und Schulbuchlektüre ist das Buch, das jetzt von Stefan Moster zum ersten Mal, glaube ich, auf Deutsch übersetzt wurde und damit auf der Übersetzerschiene des „Preises der Leipzigermesse“ stand und spannend, spannend könnte ich wieder schreiben.

Ich habe vom heurigen Leipziger Buchpreises je zwei Bücher gelesen, dieses ist das letzte und zufälligerweise alle drei Buchpreisbücher erwischt und wenn ich den Kilpi mit dem Buch der Anne Weber oder Cecile Wajsbrot vergleiche, denke ich, ich hätte diesem Buch den Preis zugesprochen, der Übersetzerarbeit wegen auf jeden Fall. Über diesem tausend Seiten Buch muß der ja auch sehr lang gesessen sein und dann auch um das Buch kennenzulernen über das man wieder sagen könnte, da passiert ja nichts und das hat Volter Kilpi auch seinem Verleger so geschrieben.

Und natürlich würde ich jetzt gerne wissen, wer außer mit das Buch noch gelesen hat, aber interessant und sehr zu empfehlen ist es allemal.

Es ist von „Mare“ sehr liebevoll gestaltet mit einem ästhetische schönen Umschlag herausgekommen, besteht aus einem Prolog und dreiundzwanzig Kapitel und diese haben jeweils eine sehr lange Überschrift in der man auch die Ironie Kilpis ablesen kann, denn die Überschriften beschreiben schon den Inhalt.

Genau genommen würde es also genügen, wenn man nur diese lesen würde, denn dann würde man schon wissen, um was es in diesem Buch geht, denn da lädt der Guts- oder Handelsherr Alastalo an einem Nachmittag, die anderen Fischer oder Bauern, der Gegend ein, um über die Anschaffung einer neuen Bark zu sprechen und das geht sehr lang und langsam vor sich.

Denn da braucht man und das hat schon Kilpi seinen Verleger geschrieben, ein paar hundert Seiten bis die Herren am Schaukelstuhl Platz nehmen. Dann wird das Pfeifenregal lang betrachtet, der Kaffee von den Frauen gebracht. Später kommt der Grog und eine Geschichte von einem Mann, der zehn Jahre auf sein Boot wartete, gibt es auch. Dann wird der Vertrag unterschrieben und so weiter und so fort und die Ironie Kilpis kann man beispielsweise sehr schön an der Überschrift von Kapitel sechs „Kapitel, das man bequem auslassen kann, weil darin auch nicht mehr passiert, als in den anderen“, sehen.

Wär aber schade, wenn man es, wie auch all die anderen, nicht gelesen hätte. Denn es gibt darin immer wieder sehr schöne Wendungen und sehr schöne Sprachschöpfungen. Obwohl man hier das Problem hat, daß man, wenn man nicht Finnisch kann, nicht beurteilen kann, was da jetzt von Kilpi oder Stefan Moster ist?

Der hat einen langen Anhang geschrieben, wo er das Leben Kilpis erklärt und dann auch ein paar Anmerkungen zu den Übersetzungsproblemen macht.

Ich denke also, ich habe wieder ein interessantes Buch kennengelernt, daß ich ohne die Übersetzerschiene des Leipziger Buchpreises nicht kennengelernt hätte. Im Vorjahr ist es mir ja mit den „Vögel“ ähnlich gegangen und Jon Fosse ist ja auch sehr interessanter Autor, also mehr skandinavische Autoren lesen, würde ich empfehlen und in Turku, füge ich noch an bin ich vor einigen Jahren auch ein paar Tage gewesen und habe dabei den Norbert, einen ehemaligen Arbeitskollegen vom Alfred besucht.

2022-04-11

Nevermore

Jetzt kommt das Leipziger Buchpreisbuch der Sparte Übersetzung Anne Webers Übersetzung von Cecile Wajsbrot „Nevermore“ ein Buch, das die vielschichtigsten Übersetzungsfragen aufwirft und daher gut zu den beiden anderen prämierten Büchern passt und es ist sehr kompliziert, denn die 1954 in Paris geborene Cecele Wajsbrot, die auch als Übersetzerin tätig ist und teilweise in Deutschland lebt, hat einen Roman geschrieben, in dem eine Übersetzerin nach dem Verlust einer Freundin nach Dresden zieht und dort versucht Virigina Woolf „To the lighthouse“ zu übersetzen und die 1964 in Offenbach am Main geborene und in Frankreich lebenden Autorin Anne Weber, die schon den dBp bekommen hat, hat das Buch übersetzt.

Sehr kompliziert, aber auch sehr poetisch und interessant und so ist auch das Buch. Spannend sich in die sieben Kapitel und verschiedene Vor- und Zwischenspiele einzulesen, wo die Autorin vom hundersten ins tausendsten kommt. und sich vor allem mit Verlusten und dem Neubeginn beschäftigt.

Es beginnt mit Übersetzungsfragen, wie kann man einen Satz so oder so übersetzen und da werden dann auch verschiedene Möglichkeiten angeführt und das ist eine Frage, die ich schon verschiedene Übersetzungsseminare besuchte und da hörte, daß da manche Übersetzer offenbar ganz neudeuten und dichten und ich selbst ja schon ins Hinid übersetzt wurde und da nicht recht weiß, ob ich da meinen Text noch erkenne, sehr interessiert und interessant ist auch, daß Anne Weber, das auf Französisch geschriebene Buch über eine von Englisch in Französisch übertragene Übersetzung ins Deutsche übertrug.

Es gibt auch einige englische Passagen in den Buch und die Autorin, die sich in einer Dresdner Pension befindet, springt dann von dem englischen Leuchtturm und der Familie, die diesen besuchen will, hin und her. Kommt nach Tschernobyl und zitiert, da Studien, welche Pflanzen dort trotz der Radioktivität in ihnen, glänzend gedeihen. Ein sehr aktuelles Thema, das Wort Ukraine zu lesen, obwohl das Buch schon im vorigen Juli erschienen und naturgemäß im Original früher geschrieben sein mußte, springt dann in das zerbomte Dresden, das sie interessiert, weshalb sie sich zur Übersetzung hingezogen hat. Geht da am Morgen in den Kulturpalast frühstücken, ins Theater oder Oper und des Nachts spazieren. Da hat sie dann geheimnisvolle Begegnungen und um Trennungen und Verluste, die sich vor allem in ihrem Inneren abspielen, geht es auch.

Sehr interesssant, den Klappentext, wo all das zusammengefaßt ist, zu lesen. Geht man dann in die zweihundertfünfundzwanzig Seiten wird es etwas mühsam. Vor allem, wenn man „To the lighthouse“, das auf Deutsch „Zum Leuchtturm“ heißt, nicht gelesen hat und daher keine Ahnung hat, wer Mr. Bankes, Andrew und Prue, etcertera sind und habe öfter gedacht, daß ich Virigina Woolf endlich lesen sollte. Was dann ein Erfolg des Buches wäre, aber wahrscheinlich nicht die alleinige Absicht der Autorin war.

In die Innenwelt der Cecile Wajsmann eindzudringen war dann etwas mühsam. So muß ich zugeben, daß ich mich manchmal nicht recht auskannte und einiges übersprungen habe. Dann bleibt auchnoch die Frage in wieweit sich das Original von der Übersetzung unterscheidet. Anne Weber hat da auf dem „Blauen Sofa“ der nicht stattgefuindenen Leipziger Buchmesse ein wenig Auskunft gegeben.

Interessant ist auch, wie so das Buch nicht „Niemals“ oder „Nichtmehr“ heißt. Aber das ist wahrscheinlich auch der Titel des französischen Originals und interessieren würde mich noch, wer und wieviele Leute das Buch gelesen haben und wieviele es vielleicht nach den ersten Seiten wegschmissen, weil „Da gibts ja keine Spannung, da kennen wir uns nicht aus, das interessiert und nicht!“, dennoch würde ich bei dem innteressanten poetischen Buch bleiben und mich darüber freuen, daß ich durch Anne Weber Cecile Wajsbrot von der ich vorher nie etwas gehört habe, kennenlernen konnte.

2022-04-10

Alles was wir nicht erinnern

Jetzt eines von den zwei nominierten Sachbüchern des heurigen Leipziger Buchpreises, nicht das Gewinnerbuch, sondern Christianes Hoffmann Fußreise auf den Spuren ihres Vaters, der 1945 mit seiner Familie aus dem schönen Ort Rosenthal, heute Rozyna, in Niederschlesien, vertrieben wurde, so daß sie 1967 in dem Hamburger Vorort Wedel aufgewachsen ist.

Sie war Journalistin, hat ein paar Jahre in Moskau als Korrespondentin gelebt und ist jetzt erste stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung und das Buch ist eine Mischung ihrer Erinnerung und schwappt von der Gegenwart in die Vergangenheit hin und her. Der Vater ist 218 gestorben und sie war seit sie ein junges Mädchen war, mit ihrer Familie ein paar Mal im Rosenthal gewesen und ihre ganze Kindheit hat sie dieser Ort geprägt.

Was ist Heimat, dort wo man wohnt oder woran man sich erinnert, ist eine immerkehrende nicht beantwortete Frage und nach des Vaters Tod, den sie auch genau beschreibt, macht sie sich mit Rucksack und Wanderschuhen auf den Weg, diese Flucht, der Vater hat damals ein paar Monate gebraucht über die Tschechei nach Deutschland zu kommen, noch einmal zu Fuß nachzuvollziehen. Davon schreibt sie in ihrem Buch. Es ist Jänner 2020, die Pandemie naht, in irgendeinem Hotel wird sie durch einen russischen Sender davon informiert. Sie bricht die Reise dann ein paar Wochen und ein paar Dörfer später ab und kann dann nicht mehr zurück, weil Pandemie und Grenzsperre. Macht sich also erst im Juni 2020 wieder auf den Weg und dazwischen erzählt sie von ihrer Famliie, dem Vater, die Großeltern den Onkel Manfred, sie hat auch zwei Töchter und besucht auch Jan und Jadwiga, die jetzt in dem Vaterhaus leben und auch aus ihrer Heimat vertrieben wurden.

Die Familie bricht 2005 mit den Enkelkindern zuerst nach Görlitz auf, um dann in das Dorf zu kommen, wo die Polen zwar sehr freundlich sind, mit Kaffee und selbstgebackenen Kuchen aufwarten, aber eigentlich nicht wissen, was sie mit diesen alten Deutschen anfangen sollen?

Sie haben andere Sorgen. Die Frauen pflegen in Deutschland alte Menschen, das sind ihre Deutschen, die Kinder brechen zum Studium nach Amerika oder auch nach Deutschland auf. Die Höfe verfallen, obwohl es jetzt Rosen in den Gärten gibt, die früher zur Zeit des neunjährigen Vater, der beim schnellen Aufbruch auf seinen halben Matrosenanzug verzichten mußte, die Bluse blieb am Tisch liegen, wer sie wohl bekommen hat, als die rote Armee nahte?

Auf ihren Fußweg hat sie interessante Begegnungen, aber auch Rückenschmerzen, weil sei das Wandern nicht gewohnt ist. Ein freundlicher Apotheker empfiehlt ihr eine Salbe. Es riecht irgendwo nach süßen Blätterteigkuchen. Sie kauft das Stückchen. Es schmeckt aber, wie immer nicht so gut, wie es riecht. Ein alter Mann rät ihr auf den Weg aufzupassen, weil da ein Sumpf ist. Sie ignoriert seinen Rat, hält sich an die App und versinkt fast, seine alten Schokoladenzuckerl stärken und helfen ihr heraus.

Dreimal beschreibt sie, daß sie in ein Haus kommt wo ein alter Mann „dasitzt, als wenn er schon gestorben wäre“

Diese oftmal wiederholte Formulierung, fand ich etwas irritierend. Sonst ist es aber ein interessantes Buch, wo sie manchmal auch einen neunjährigen Jungen, der sie begleitet, visualsiert oder das Buch damit literarisch aufpäppeln will, wo man viel lernen und seine Geschichtskenntnisse auffrischen kann und mit Sprache und Übersetzung, das große heurige Buchpreisthema hat es auch etwas zu tun, mit Flucht und Vertreibung und der vielleicht immer noch nicht aufgearbeiteten Geschichte.

Und noch eine interessante Wiederholung, die freundlichen Begegnungen, die sie hat, mündet oft in der Frage, was sie hier macht ?

„Auf den Weg des Vater!“ Allein?“, etwas, was die polnischen Bauern nicht verstehen und Ausländerfeinden ist sie auf ihren Weg auch öfter begegnet.

2022-04-09

Etymologischer Gossip

Essays und Reden der 1979 in Berlin geborenen Uljana Wolf, die aus dem Englischen und dem Polnischen übersetzt und mit ihrem bei „kooksbooks“ erschienen Buch den Sachbuchpreis in Leipzig gewonnen hat und es ist ein sehr ästhetish künstlerisch gestaltetes Buch, das auch für den „Preis der schönsten Bücher“ nominiert werden hätte können und Uljana Wolf, die mir bisher unbekannt war, ist auch Lehrbeauftragte im „Institut der Sprachkunst“ an der Angewandten und hat bei den „Edition der Korrespondenzen“ verlegt.

Es geht also um das Übersetzen von Lyrik, um das künstlerisch anspruchsvolle Intellektuelle und Uljana Wolf hat auch eine solche Sprache. Es gibt Zeichnungen in dem Buch und wie schon erwähnt eine sehr schöne künstlerische Gestaltung, andere Seitensetzungen, schwarze Seiten, Kapitelumrahmungen, etcetera.

Beginnen tut es mit einer Art Vorstellung und der Beschreibung von wo Uljana Wolf, die auch in den USA gelebt hat, herkommt. Aus einem Ostberliner Pattenbau, den sie überflog, wenn sie von Berlin nach Wien wollte.

In „Dirty bird rtanslation“ geht es um die „Übersetzung und Zugunruhe“ im Gedicht, da ums Übersetzen von Christian Hawkey und da werden die Worte wie Luftburg, Fallenlassen, Landschaft und Holzweg erwähnt.

Ums Übersetzen aus dem Belasrussischen geht es auch, obwohl Uljana Wolf, wie sie schreibt diese Sprachen nicht kann. Sie erwähnt aber Volja Hapeyeva, die ich glaube ich schon in der „AS“ gehört habe und dann geht es um Ilse Aichingers „Schlechte Wörter“, die sie gemeinsam mit den schon erwähnten Christian Hawkey ins Englische übersetzte und über Christine Lavants Gedichte geht es auch.

Es gibt dann die Rede, die sie zum „Peter Huchel-Preis“, 2006 bekommen hat.

Dann gehts zum „Prosagedicht“, da werden so wohl Charles Baudelaire, als auch Friederike Mayröcker , als auch Rosmarie Waldrop, die im Vorjahr auf der Übersetzerschiene gestanden ist und wieder Ilse Aichinger, die Uljana Wolf, glaube ich, sehr schätzt, zitiert.

Es geht um Uljana Wolfs Gedichtband „falsche freunde“ und dann um eine auf Englisch geführte Konversation zwischen ihrund Simen Hagerup zu diesem Gedichtband, den sie auf dem „Audiator-Festival for ny poesi“ in Bergen 2014 führte.

Mit Else Lasker-Schüler und ihre „Ankunftssprachen“, hat sich Uljana Wolf in einem anderen Aufsatz auch beschäftigt.

Um die Mehrsprachigkeit im Gedicht beziehungsweise Text geht es im nächsten Teil und da ist der Bezug zu Tomer Gardis Mehrsprachigkeit beziehungsweise „Broken German“ sehr interessant, der ja ganz praktisch umsetzt, was Uljana Wolf ästhetisch theoretisch ausführt. Haben ja viele Autoren mehrsprachige Identitäten, egal ob migrantischer, touristischer Hintergrund oder das Pndeln von einem Wohnort zum nächsten.

Das wird in den Texte der polnischen Autoren Dagmara Kraus, die als Kind mit ihren Eltern nach Deutschland kam, ausgeführt oder in einem Text, wo es um den Tod von Sklaven während Sklaventransporte geht. Sterben sie eines natürlichen Todes hat der Besitzer den Schaden, sonst die Versicherung, also wurden sie über Bord geworfen.

Wie übersetzt man das?, fragt Uljana Wolf. Dann geht es noch um eine koreanische bildendende Künstlerin die verschiedene Identitäten und Sprachen hatte und das in ihren Werken ausdrückte und zum Schluß kommt Uljana Wolf und da schließt sich wieder der Bogen zu Tomer Gardi „Rundungen, zum Wiegenlied bzw. und Märchen und das hat der Belletristikpreisträger auch im ersten Teil seiner „Runden Sache“ meiner Meinung nach sehr satirisch und schalkhaft ausgedrückt.

Also eine sehr interessante Preisvergabe und jetzt bin ich noch auf das Buch in der Sparte Übersetzung grespannt, aber da wird das Lesen noch etwas dauern.

2022-04-06

Eine runde Sache

Jetzt komme ich endlich zum „Preis der Leipziger Buchmesse“, da habe ich ja von jeder Kategorie zwei Bücher bekommen. Den Dart habe ich schon beim „deutschen Buchpreis“ gelesen und Tomers „Runde Sache“ schon in der „Gesellschaft“ gehört. Andere Belletristik habe ich nicht bekommen und jetzt Tomer Gardi s“Runde Sache“, den Belletritik-Sieger, den 1974 in Israel geborenen und in Berlin lebenden Tomer Gardi habe ich beim „Bachmann-Preis“ kennengelernt.

Sein „Broken German“ habe ich gelesen und jetzt eine „Runde Sache“ oder zwei Romane in einem Buch. Denn zuerst stürmt ein Schriftsteller namens Tomer Gardi aus einem Theater, holt sich im Foyer Bier und belegte Brote und verliert das Gürkchen dabei. Der Intendant rutscht darauf aus und verletzt sich sein Gesicht und das Bein.

Tomer Gardi geht aufs Ko, zieht sich eine Plastikvagina aus einem Automaten und lernt dann einen Markus kennen, einen Literaturagenten, der ihm auf eine Yacht einlädt und Tomer Gardi erzählt ihm, daß er ein Lügenworkshop vorbereitet, denn so ist das bei der Literatur, alles nur Erfindung.

So entpuppt sich die Yacht auch als eine Jagd und der ewige Jude trifft auf einen Schäferhund namens Rex, der nur in „Üs“ spricht. Vor ihm flieht er auf einen Apfelbaum. Dann verwendet er die Vagina als Maulkorb, was den deutschen Rex nicht gefällt. Sie treffen dann in dem Wald in dem sie sich befinden auf den Erenkönig oder den toten Elfenkönig, der seine Elfen verloren hat. Der alte Goethe ist also da und die Brüder Grimm rund die drei wanden bis zum Bad Obdach, sammeln dort Flaschen für den Supermarkt und treffen auch noch auf eine Oma, die sie auf einen Braten einlädt. Denn der Jäger hat ihr offensichtlich das Wild serviert, das wegen dem Adrenalin besser schmeckt.

Über die Arche Noah geht es dann ins Theater zurück, wo der Erlkönig und der Hund zwar verloren wurden. Tomer Gardi aber ziemlich ramponiert den Intendanten trifft und sie beschließen dem Publikum die Geschichte mit der Salzgurke zu erzählen.

Im zweiten Teil der „Runden Sache“, Tomer Gardi sagte auf dem „Blauen Sofa“ nach der Preisverleihung, daß für ihn eine runde Sache eigentlich zwei gegenseitige Bedeutungen hat. Auf der einen Seite ist ein Kreis nie abgeschlossen, hat also keinen Anfang und kein Ende, die Bedeutung der „Runden Sache“ besagt aber genau das.

So gibt es in dem Buch noch einen Roman der „Eine runde Sache“ heißt, auf Hebräisch geschrieben und von Anne Birkenhauer übersetzt und da geht es um den indonesischen Maler und Prinzen Raden Saleh, der von 1811 bis 1888 lebte und viele Jahre in Europa, der Niederlande, Deutschland und in Paris gelebt und gemalt hat.

Tomer Gardi schildert seine Reise nach Europa und wieder zurück, spricht von seinen Kleidern, den „bohemischen“, den javanischen und anderen und, daß er nicht tanzen konnte. Er wurde an den verschiedenen Höfen herumgereicht, erhielt von Prinzen und Diplomaten Stipendien, hielt auch Beziehungen zu Arbeiterkreisen und versuchte auch die Bewegungen zu malen. Es gibt auch einen geheimnisvollen Erzähler aus der Gegenwart oder dem Jahr 2030, der all das erzählt.

Dieser Teil, der mit dem ersten nichts zu tun hat, obwohl er den gleichen Titel trägt, ist abgesehen von den immer wieder eingesprenkelten Bezügen aus der Gegenwart viel konventioneller erzählt.

Zwei Romane in einem oder eigentlich zwei Erzählungen und Tomer Gardi ist ein sehr weitläufiger Erzähler, der die verschiedensten Sprachstile oder Spiele perfekt beherrscht.

Teil eins würde ich als eine Farce bezeichnen. Alexander Carmele, der meinen Blog ja sehr verfolgt, sieht Bezüge bis zu Thomas Mann und den verschiedensten Philosophen darin. Soweit würde ich nicht gehen, sondern überlege immer noch das „Broken German“, das darin, wenn auch viel weniger, als in dem anderen Buch, enthalten ist.

Tomer Gardi spricht gut Deutsch, spielt also damit und das erregte viel Widerstand oder Diskussionen, als er in Klagenfurt seinen ersten Text las und ich bin auch irgendwie davon betroffen, da ich, weil ich mich immer noch gegen die Festlegung auf Rechtschreibregeln wehre und wahrscheinlich auch die Grammatik einer österreichischen Hauptschülerin habe, die irgendwie auch anders, als die deutsche ist, nicht und nicht in den Literaturbetrieb hineinkomme, obwohl ich das so gerne will.

Tomer Gardi, der in Israel geborene, spielt damit und die heurigen „Leipziger- Buchpreisgewinner“ spielen alle mit der Sprache und den Problemen der Übersetzungen und das deutete Tomer Gardi in den Interview am „Sofa“ auch so an, daß er natürlich eine andere Sichtweise durch seine Herkunft und Lebenserfahrungen, als beispielsweise die Interviewerin hat.

So entstehen Mißverstänisse oder können das und das ist natürlich eine Frage, die uns alle betrifft. Also ist die die Sache gar nicht so rund, wie es vielleicht den Anschein hat.

2022-02-17

Die neuen Leipziger Buchpreisbücher

Die Leipziger Buchmesse, bei der ich 2018, wegen meines Knöchelbruchs, das letzte Mal war, wurde jetzt ja das dritte Mal abgesagt, verschoben oder auf den digitalen Raum verlegt. 2020 gab es es einen Messe Onlinetag, voriges Jahr im Mai eine Online Messe und heuer wurde die Messe, als ich mich schon über das Gastland Portugal informulierte, vor einer Woche abgesagt.

Den „Preis der Leipziger Buchmesse“ wird es aber geben und wird am siebzehnten März in der Glashalle vor Medienvertretern gestreamt werden.

Da habe ich ja einige Jahre die Vergabe verfolgt, manchmal auch per stream aus meinem Zimmer, wenn der Alfred auf Reisen war und seit zwei Jahren habe ich mich auch entschlossen mitzulesen und die Bücher anzufragen.

Da bin ich ja vom deutschen Buchpreis, den ich seit 2015 blogge, über den österreichischen den es seit 2016 gibt und den Schweizer den ich seit 2019 verfolge, auch zum Leipziger Buchpreis gekommen, der ja insofern etwas Besonderes ist, da da ja außer der Belletristik, auch Sachbücher, Essays auch Übersetzungen nominiert werden und da bin ich auf einige Schmankerln, gekommen bzw habe ich Bücher kennengelernt, die sonst wahrscheinlich an mir vorübergegangen wären.

Also sehr interessant, obwohl ich mich wahrscheinlich alternbedingt oder ist es doch die Corona-Depression momentan in einer Leseflaute befinde, also sehr langsam lese und mich daher erst durch zehn Neuerscheinungen lesen muß, bis ich an die Buchpreisbücher komme und der Preis daher dann wahrscheinlich schon vergeben ist, wenn ich soweit bin, habe ich mich wieder auf die Bücher gestürzt und voila, da ist sie schon da die neue „Leipziger Buchpreisliste“, die von Insa Wilke, Moritz Baßler, Anne-Dore Krohn, Andreas Platthaus., Myriam Schellbach, Shirin Sojitrawallaund Katharina Teutsch ausgesucht wurden:

In der Abteilung Belletristik wurden:

  1. Dietmar Darth „Gentzen oder betrunken aufräumen“, der Experimentalklassiker, der schon auf der deutschen Buchpreisliste stand.
  2. Tomer Gardi „Eine runde Sache“, da habe ich schon das PDF oder E-Book und durch eine Lesung habe ich mich auch schon gestreamt.
  3. Heike Gessler „Die Woche“
  4. Emine Sevgi Özdamar „Ein von Schatten begrenzter Raum“, davon habe ich, glaube ich, schon auf der letzten Frankfurter Buchmesse gehört.
  5. Katharina Poladjan „Zukunftsmusik“, die auch schon mal auf einer deutschen Liste stand.

Sachbuch/Essay:

1. Horst Biedenkamp „Michelangelo“, das habe ich, wie auch das nächste Buch nicht angefragt.

2. Hadija Haruna-Oelker „Die Schönheit der Differenz“

3.Christiane Hoffmann“ Alles was wir nicht erinnern“

4.Juliane Rebentisch „Der Streit um die Pluralität. Auseinandersetzungen mit Hannah Arendt“.

5.Uljana Wolf „Etymologischer Gossip“, PDF ist schon gekommen

Übersetzungen:

1.Hiromi Ito „Dornauszieher. Der fabelhafte Jizo von Sugamo“

2.Volter Kilpi „Im Saal von Alasto“

3.Hamid Ismailov „Wunderkind Erjan“

4.Marieke Lucas Rijeneveld „Mein kleines Prachttier“

5.Cecile Waajsbrot „Nevermore“ schon zugesagt.

Interessant und jetzt lesen, lesen, die Wagenbach Quartalbücher, die anderen Neurerscheungen und die Leipziger Buchpreisbucher, soweit sie kommen, damit ich weiß, was literarisch auf der Welt passiert und für die, die was von mir lesen wollen, kann ich verkünden „Wo wir waren oder Hundert Seiten Depression“ ist schon aus der Druckerei gekommen. Beteiligt euch an der Leserunde, das würde mich sehr freuen.

2022-02-01

Meine Bloggerdebutpreisentscheidung

Filed under: Buchpreisbloggen,Literaturpreise — jancak @ 10:20
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Seit 2016 bin ich ja in der Jury des Bloggerdebutpreises und habe mich da durch die Shortlist, gelesen und meine Meinung dazu gegeben beziehungsweise bei der Entscheidung mitbestimmt. Bin auf diese Art und Weise so auf interessante Bücher gekommen, die sonst vielleicht an mir vorbeigegangen wären und so war es auch heuer. Auf meiner Bloggerdebutlonglist 2021 stehen sechzehn Bücher. Davon hätte ich

Ferdinand Schmalz „Mein Lieblingstier ist Winter“

für die Shortlist vorgeschlagen. Meine anderen Favoriten sind erst beim Shortlistlesen dazu gekommen, die aus

  1. Sharon Dodua Ottoo „Adams Raum“
  2. Jessica Linds „Mama“
  3. Ariane Koch „Die Aufdrängung“
  4. Stefanie vor Schulte „Junge mit schwarzen Hahn“ und
  5. Thomas Arzt „Die Gegenstimme“

bestanden.

„Mama“ hatte ich schon im Frühling gelesen.

Von dem „Jungen mit schwarzen Hahn“ noch nie etwas gehört. Von der „Aufdrängung“ schon, da hat mich das Lesen aber nicht so sehr gereizt, weil ich es eher in die Reihe „Biedermann und die Brandstifter“ gereiht hatte. Von „Adas Raum“, das auch bei der „Literatur im Herbst“ vorgestellt wurde, auch. Das hätte ich auch auf der dBp-Longlist erwartet. Das Thomas Arzts „Gegenstimme“ auf die Liste gekommen ist, hat mich gefreut, denn ich interessiere mich ja für das dritte Reich oder den Anschluß Österreichs an Deutschland. Habe mich da auch in eine Lesung gestreamt. Das Buch aber nicht angefragt, weil ich ja eine lange Warteleseliste hatte.

Also eine spannende Shortlist durch die ich mich jetzt gelesen und wieder einen Eindruck bekommen habe, was die Debutanten so schreiben und das ist sehr vielschichtig, wie man an dieser Auswahl sieht.

Also meine Punktereihung und da kann ich nur von Sharon Dodua Otoos „Ada Raum“ schwärmen, weil die meiner Meinung nach, eine sehr originelle frische Tonlage in die deutschsprachige Literatur bringt. Läßt sie doch Gegenstände, wie einen Besen, einen Türöffner oder einen Reisepass sprechen. Sie wechselt auch die Protagonisten aus, so ist „Ada“ immer wieder eine andere, mal die Frau in Afrika im fünfzehnten Jahrhundert, der gerade ein Kind gestorben ist, oder die erste Computerpionierin Englands im neunzehnten Jahrhundert oder die Schwangere mit afrikanischen Wurzeln im Berlin Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Also fünf Punkte für „Adas Raum“.

Dann folgt, wahrscheinlich nicht so überraschend, weil ich ja für das politisch Realistische bin, obwohl Thomas Arzt durchaus eine Kunstsprache verwendet, seine „Gegenstimme“, für die ich drei Punkte vergebe, da es den 10. April 1938 und eine reale Begebenheit, die Gegenstimme seines Großonkels in seinem Heimatdorf, sehr eindrucksvoll schildert, gefolgt von

Ariane Kochs „Die Aufdrängung“, die mit ihrem „Absurden Theater“ schon den „Aspekte-Debutpreis“ gewonnen hat. Also ein Punkt für ihren Coming of Age-Roman, der eigenlich eine Aneinanderreihung von kurzen Szenen ist, die in einer sehr schönen Sprache sehr kunstvoll erzählt wird.

Das ist also meine Reihung. Die Reihung der anderen Jurymitglieder und das Gewinnerbuch ist im Debut-Blog zu finden und zu meiner Überraschung hat „Mama“ vor Thomas Arzt „Gegenstimme“ gewonnen.

2022-01-20

Grillparzers hundertfünfzigster Todestag und Impfpflichtdebatte im Parlament

Franz Grillparzer der grantige Rebell und österreichische Hofdichter ist am einundzwanzigsten Jänner 1872 in Wien gestorben, deshalb sind ihm diese Woche die „Gedanken für den Tag“ gewidmet, in denen ihm der Germanist Arno Dusini neu beleuchtet. Denn er war offenbar gar nicht so grantig und verstaubt, wie ich als Hauptschülerin seine Gesamtausgabe gehalten habe, sonder hat seine Mitarbeiter in dem Hofarchiv, das heute das Literaturmuseum ist, mit den Worten „Ich freue mich bei Ihnen zu sein!“, begrüßte und am Mittwoch hat er den „Witz der Zensur“ beleuchtet. Ich habe mir die Sendung vier Minuten vor sieben vor dem Morgenjournal angehört und dann die Ruth, die ja ein Buch über seine Reisen geschrieben und im Frühjahr vor dem Denkmal drei Privatissimenveranstaltungen abgehalten und aus ihrem Buch gelesen hat, darauf aufmerksam gemacht, weil ich dachte, es würde sie interessieren und die ist ja Mitglied der Grillparzer-Gesellschaft und die hat mir gesagt „Donnerstag um drei legt die Gesellschaft einen Kranz vor dem Denkmal nieder!“

Nun bin ich ja nicht so ein besonderer Fan des grantigen alten Herrn, bin aber schon von diversen Impfkritikern auf Demonstrationen aufmerksam gemacht worden, die am Donnerstag ab neun vor dem Parlament stattfinden würden, denn da wird heute das Impfpflichtgesetz abgestimmt.

„Scheiße!“, habe ich gedacht, denn da hatte ich zwei Stunden, aber wenn ich um drei zum Grillparzerdenkmal marschiere und die Ruth treffe kann ich schauen, ob noch Reste von der Demo treffe.

Dann habe ich gehört, es gibt eine Bannmeile dreihundert Meter um das Parlament, aber das wird jetzt renoviert und ist derzeit in der Hofburg untergebracht und um das Impfpflichtgsetz das ja heute beschlossen werden soll, geht es rund her. Es hat sich um Madleine Petrovic eine Gruppe „Grüne gegen Impfpflicht“ gebildet und verschiedene Abgeordnete haben gemeldet, daß sie dagegen stimmen würden, so zum Beispiel einige der Neos. Es gibt große Diskussionen, wie verfassungswidrig der Entwurf ist und ob es Angesichts Omikron, das ja bald durchgeschoßen sein wird, noch notwendig sein wird? Elga kann es vor April auch nicht abwickeln, deshalb soll es drei Phasen geben, die erste, wo es eine Impflotterie als Anreiz geben soll. Jeder zehnte gewinnt einen Gutschein, dann wird von der Polizei kontrolliert und anschließend bekommt man den Strafbescheid, wenn noch notwendig.

Also sehr turbulent und viele Demos, bevor wir in Richtung Volksgarten aufbrachen, hörte ich in Oe24 TV, der Ring ist gesperrt und es gibt eine Demo am Platz der Menschenrechte, aber wir haben nur ein paar „Grüne gegen Impfpflicht“ vor dem Parlament gesehen, sowie ein paar Polizeiautos und haben auch lange den Eingang in den Volksgarten gesucht, wo es vor dem Denkmal um dreiviertel drei nur eine Dame mit Hund zu sehen war. Deshalb bin ich den Volksgarten abgegangen, um die Absperrungen zu suchen. Der Hmmel war dunkel, aber der Blick zum Burgtheater sehr sonnig und als Fotomotiv geeignet und als wir zurückkamen, lag ein kleiner Kranz schon vor dem Denkmal und ein Foto wurde auch geschossen. Die Ruth war noch nicht da, weil sie eine Vorlesung hatte.

Kam aber später, als es schon zu schneien angefangen hatte und innerhalb zehn Minuten war der Boden schneebedeckt, trotzdem hat eine Dame eine Rede vorgelesen, die zu seinen achtzigsten Geburtstag gehalten wurde. Dann zerstreuten sich die circa acht Teilnehmer. Morgen wo der Todestag sein Jubeläum hat, wird am Hietzinger Friedhof noch ein Kranz niedergelegt, aber ich bin ja kein Mitglied der Gesellschaft. So sind wir mit der Ruth in Richtung Oper gegangen, wo wir am Ring ein paar Leute mit einer Österreichfahne, also Restdemonstranten, stehen sahen und wir wollten am Würstlstand bei der Oper einen Glühwein trinken, aber der war schon aus, so sind wir über den Naschmarkt nach Hause gegangen, wo mich dann OE24 -TV darüber informierte, daß es doch Demonstranten gab und die habe ich auch schon am Vormittag via TV gesehen, wo sie von der Polizei in den Volksgarten abgedrängt wurden. Jetzt standen sie in der Rotenturmstraße und wurden von der Polizei zur Ausweiskontrolle aufgefordert und Wolfgang Fellner informierte, daß sich einige Abgeordnete krank gemeldet haben, weil sie nicht für die Impfpflicht stimmen wollten, so daß schließlich achtzig Prozent der anwesenden Abgeordneten, hauptsächlich ohne FPÖ für die Impfpflicht stimmten.

Am Abend hat es dann eine Zoom-Sitzung mit dem Bloggerdebut gegeben, wo ja am ersten Februar das neue Gewinnerbuch bekanntgegeben wird und darüber gerätselt wurde, ob die Leipzigerbuchmesse heuer stattfinden wird.

2022-01-08

Die Gegenstimme

Jetzt kommt schon das fünfte Buch der Bloggerdebutshortliste, und es ist eines über dessen Wahl ich, wie bei „Adas Raum“ sehr froh bin, denn ich lese mich ja gerne durch die österreichische Gegenwartsliteratur, habe da auch eine Lesung gestreamt und hätte es mir wahrscheinlich bestellt, wenn ich nicht so eine elendslange Leseliste hätte. Jetzt habe ich es gelesen und, daß es ein politisches Buch ist, das auf die Liste gekommen ist, freut mich auch, denn ich lese ja gerne politische Bücher und das Thema „Anschluß“ interessiert mich ja auch sehr.

Der 1983 in OÖ geborene Thomas Arzt, ist, wie Ferdinand Schmalz Dramatiker und das merkt man seinem Text auch an. Verwendet er doch eine Art Kunstsprache, in der die Sätze nicht zu Ende geschrieben werden und bei den Worten oft das „e“ fehlt. Das habe ich bei meiner „Mimi“ auch gemacht. Hier wird dadurch der oberösterreichische Dialekt, glaube ich, erhöht, denn die Geschichte, die in einem oberösterreichischen Dorf, am zehnten April 1938 spielt, der Tag, wo man für den Anschluß stimmen konnte oder mußte, hat, glaube ich, autobiografischen Hintergrund.

War es doch der Großonkel des Autors, der damals als einziger im Ort mit „Nein“ gestimmt hat. Meine Mutter hat das in Wien, glaube ich, auch getan und Thomas Arzt macht nun aus dem Tag ein literarisches Szenario, denn es gibt eigentlich keine Handlung und auch keinen Spannungsbogen, deshalb tut man sich, speziell im deutschen Raum mit dem Lesen Anfangs wahrscheinlich ein wenig schwer, denn Thomas Arzt reit in seinem Buch die Stimmen der Dorfbewohner aneinander.

Da gibt es den zweiundzwanzigjährigen Karl Bleimfeldner, den Schustersohn, der in Innsbruck Geschichte studiert. Der kommt zur Abstimmung heim ins Dorf und hat die einzige Gegenstimme abgegeben. Die anderen wollen das zum Teil vielleicht auch, traun sich oder können das dann aber nicht. Denn es gab zwar eine Wahlkabine, aber da sollte man eigentlich nicht hinein und die nationalsozialistische Dorfjugend ist auch von Haus zu Haus gegangen und hat die Leute zur Abstimmuing getrieben, beziehungsweise markiert, wenn sie noch nicht dort waren.

Da gibt es die Cilli, die Bürgermeistertochter, die ist ein nationalsozialistisches Mädel oder doch nicht so ganz, denn sie schminkt sich und raucht und das sollte, glaube ich, die „Deutsche Frau“ nicht tun. Ihr Freund Oskar ist ein strammer Nazi und so zieht sie mit ihren Geschwistern in die Berge hinauf, um nach dem Karl zu suchen, denn der ist mit seinen Eltern und Geschwistern nach der Abstimmung zu einer Jausenstation gezogen und dann im Wald verschwunden. Vorher hat er sich noch mit seinem Vater überworfen, weil der ein „Ja-Sager“ war und gefragt ob er in Zukunft sein Geschäft aufmöbeln will, in dem er Soldatenstiefel schustert?“

Aber der hat den Patres im Koster die Schue kostenlos gemacht, damit der Sohn studieren durfte und die Mutter hat dort die Wäsche geflickt.

Man sieht, es ist nicht so einfach mit dem „ja“ oder „nein“ sagen und das kann man auch an der heutigen Situation merken.

Ein interessantes Buch und ich bin froh, es jetzt gelesen zu haben und schon sehr gespannt, was die Bloggerjurie dazu sagen wird?“

2022-01-05

Adas Raum

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 10:36
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Buch vier des Bloggerdebuts „Adas Raum“ von der 1972 in London geborenen Sharon Dodua Otoo, die 2016 mit einem sprechenden Ei, glaube ich, den Bachmannpreis gewonnen hat und dann dort einmal die Eröffnungsrede ,hielt und da fragt man sich warum stand das nicht auf der „Deutschen Buchpreisliste“ oder besser noch warum hat es nicht gewonnen, ganz ehrlich ich würde es vor die „Blaue Frau“ reihen, aber mal sehen, vielleichts klappts mit dem Bloggerdebut. Meine Stimme hat es, glaube ich, aber ich muß ja noch den Thomas Arzt lesen, also nicht vorgreifen. Es ist jedenfalls, was ja nicht schwer ist, das beste Buch das ich in diesem Jahr gelesen habe und das letzte von 2021 war Martina Cavaldetschers „Erfindung des Ungehorsams“ und da ist interessant, daß man da schon die namensgebende Ada, die mir bisher unbekannt war, kennenlernen konnte.

Augusta Ada King-Noel, Countess of Lovelace, 1815-1852, die Tochter des Lord Byron, Mathematikerin und Computerpionierin, die wie Sharon Dodua Otoo andeutet auch ein Verhältnis mit Charles Dickens hatte.

Martina Cavaldetscher beschreibt sie in Verbindung mit einer Sexpuppe und deren Erzeugerin, Sharon Dodua Otoo macht es noch tiefgründiger und ausgefuchster und geht nach Westafrika ins fünfzehnte Jahrhundert zurück. Da stirbt ein Kind der ersten Ada, dem sie unbedingt ein Fruchtbarkeitshalsband ins Grab oder ins Wasser in das sie den Leichnahm schmeißen will, mitgeben will und es endet in Berlin mit der Geburt eines Kindes, das die dortige Ada dort zu Welt bringt, die kommt aus Ghana und hat einen Putzmann als Vater. Das Armband spielt auch eine Rolle und zieht sich durch das ganze Buch, das den Feminismus, wenn ich ihn richtig deute, mit der Fruchtbarkeit verbindet und Ada ist viele.

Die Urmutter im fünfzehnten Jahrhundert, die schon erwähnte Ada Lovelace und dann eine Ada die in einem KZ 1945 das Bordell bedienen muß.

Da wurde Sharon Dodua Otoo, glaube ich, bei der „Literatur im Herbst“ gefragt, ob eine Frau mit afrikanischen Wurzeln über ein deutsches KZ und den Holocaust schreiben darf?

Sie darf natürlich, wie eine weiße Frau über den afrikanischen Kolonialismus, eine Hetero Frau über Lesben oder Tran oder eine, die wie ich, nie einen haschte über den ersten Joint,, denn man muß ja nicht in der Bratpfanne liegen um zu wissen, was ein Fisch dort fühlt, ein Zitat das Jurenka Jurk, glaube ich, gern erwähnt.

Aber zurück zum Buch, das in Schleifen erzählt wird und ständig von einer Ada zu der anderen switscht und ,um das Ganze noch komplizierter oder origineller zu machen, der Erzähler wechselt auch ständig seine Identität. Einmal ist er ein Besen mit dem Ada I geschlagen wird, dann der Türkneifer von Ada Lovecrafts Residenz, dann das Zimmer im KZ-Bordell oder der Paß in dem die letzte Ada von London , glaube ich, nach Deutschlad reist oder war es von Ghana nach London?

Autobiografische Details der Autorin sind wahrscheinlich auch zu finden und was auffällt, ist die Originalität die ja schon im Frühstückei beim „Bachmmann-Preis“ zu finden war und der Paß, der Türöffner, etcetera spricht dann auch noch mit dem lieben Gott und läßt sich von ihm die Welt erklären.

„Nu is aba jut, sagte Gott, Jib ihm das Ding zurück“.

Nun ja, wir sind in Berlin oder auch in Totope, bzw. in Khonstein bei Nordhausen oder in Stratford-le-Bow und die einzelnen Kapitel tragen Namen, wie „Unter den Zahnlosen“, „Unter den Betrogenen“,“ Unter den Glücklichen“ und das wird dann, weil es ja die Schlefen gibt, auch noch wiederholt.

Ein tolles Buch. Ein originelles mit einer starken wortgewaltigen Sprache. Illustrierte Frauenbildchen gibt bei den Kapitelanfängen auch und ich wiederhole, das erste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe und wenn ich ein wenig schneller gewesen wäre, hätte ich es auch noch nach dem der Martina Cavaldetscher, das den Schweizer Buchpreis bekommen hat, aber kein Debut ist, gereiht.

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