Literaturgefluester

2017-12-09

Meine Blogger Debut Preis-Entscheidung

Filed under: Buchpreisbloggen,Literaturpreise — jancak @ 00:57
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Die letzten zweieinhalb Wochen war ich intensiv mit dem Bloggerdebutpreislesen beschäftigt, nachdem ich  vorigen Oktober, nach dem ich gerade mit dem doppelten Buchpreislesen fertiggeworden bin, mich im letzten oder leicht verspäteten Moment für die Bloggerjury angemeldet habe.

Heuer war ich etwas früher dran und habe mich auch schon vorher mit den nominierten Bücher beschäftigt, das heißt schon im Frühjahr zwei gelesen, die Juliana Kalnay und den Tijan Sila,  war dann im Sommer wieder bei den O-Tönen wo es ja auch eine Debutlieste gab, habe Bücher vorgeschlagen und bei den Buchpreislisten waren auch einige Bücher darauf, die auch auf der Debutlongliste standen, so daß ich vor der Shortlistenbekanntgabe schon acht Bücher gelesen habe.

So hatte ich dann auch bald meine eigene Shortlist, die bestand dann auch aus Julia Webers „Immer ist alles schön“, das ich vorgemeldet bekommen habe, so daß ich es schon gelesen hatte, als ich meine Shortlist erstellte und sehr erstaunt war, auf der offiziellen vier Bücher zu finden, die vorher an mir vorbei gegangen waren.

Das ist jetzt vorbei. Ich habe alle fünf gelesen und wunderte mich wieder, wie im letzten Jahr, über die heterogene Auswahl.

Das heißt, so ganz hertogen ist sie nicht, waren ja drei sehr poetische, sprachlich anspruchsvolle Bücher von drei Debutantinnen, die auch schon anderen Debutpreise gewonnen haben, dabei und ich dnchte lange, meine Reihung, jetzt sollen wir ja drei Namen nennen und die mit fünf, drei und einen Punkt bewerten, weil ja im letzten Jahr mit nur einer Nennung Sonja Harters „Weißblende“, obwohl mir das Buch gut gefallen hatte, keine einzige Stimme  bekam.

Also habe ich gelesen und dachte lange, meine Auswahl wäre:

  1. Julia Weber „Immer ist alles schön“, weil mich die Metapher von dem Sozialarbeiter, der ein Riese ist und der erste Satz, daß sich der Sohn einen Urlaub ohne Alkohl wünscht und ihn doch nicht bekommt, sehr beeindruckt hat
  2. Juliana Kalnay „Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens“, weil mich auch hier die Poetik der Sprache, den magische Realismjus und das Haus-Thema, ich hatte damals gerade ein paar Bücher gelesen, die sich mit Häusern beschäftigten, sehr beeindruckt hat.

Dann habe ich aber als drittes Buch, die „Chronik“ habe ich schon im Februar gelesen. „Alles ist immer schön“ gleich nachdem ich das PDF bekommen habe, Klaus Cäsar Zehrers „Das Genie“ gelesen. Eine fiktionale Biografie über ein Wunderkind und dachte, das ist mein Buch nummer drei, obwohl das Debut, des  1969 geborenen Journalisten, der dafür schon für den bayrischen Buchpreis nominiert war, eigentlich im Stil und Thema so überhaupt nicht zu den zwei oben Genannten passend.

Aber wer sagt, daß ein Debutpreisbuch immer ein poetisches Sprachexperiment sein muß? Niemand sagt das und die Vorauswahl war wohl auch bewußt heterogen und so habe ich zu Jovana Reisingers „Still halten“ gegriffen und schwankte beim Lesen hin und her, denn jetzt das dritte sprachlich schöne sehr poetische Buch, wo ich auch viele österreichische Vorbilder erkannte, obwohl Jovana Reisinger in München geboren ist.

Es mir aber  ein bißchen zuviel Bernhard und Jelinek enthielt, obwohl die Wende in die persöbliche Psyche, das Burn- Out und das Absetzen der Tabletten, dann wieder gegeben war und für mich das Neue war, das ein Buch ja haben soll, um als literarisch zu gelten.

Aso doch Weber, Kalnay, Reisinger und die anderen Bücher halte ich, eine realistische Autorin, außen vor?

Denn da hatte ich  schon gehört, daß es bei Christian Bangels „Oder Florida“ um einen DDR-Nachwenderoman geht und das ist ja ein Thema das mich interessiert. Allerdings bin ich nicht ganz so leicht in das Buch hineingekommen, vielleicht auch deshalb, weil ich vor kurzem „Peter Holtz“ gelesen habe und mich in der letzten Zeit mehr mit den Patrioten von 2017, als mit den Neonazis von 1998 beschäftigte?

Das hat sich aber geändert, denn eine realistische Autorin soll und kann den Realismus und die politische Situation auch wenn sie schon von 1998 ist und die Welt sich inzwischen sehr geändert hat, vorne weglassen, also hier meine Reihung, wie folgt:

  1. Julia Weber „Alles ist immer schön“, weil das in dem Buch zwar gar nicht so ist, Julia Weber aber gelungen ist, ein sehr bedrückenden Thema  in einer poetisch schönen Sprache auszurdrücken und das auf eine Art und Weise tat, wie ich sie vorher noch nicht gelesen habe, immer noch von der Riesenmetapher beeindruckt bin und ich mich, als Psychologin und Psychotherapeutisch auch sehr für überforderte Mütter und vernachläßigte Kinder interessieren. Also fünf Punkte.
  2. Christian Bangel „Oder Florida“ hier war es das Thema, weil mich DDR Romane sehr interessieren und wenn sich auch die Neonazis inzwischen in Patrioten umgewandelt haben und die Ossis wahrscheinlich mit dem Kapitalismus ein bißchen besser umgehen können, haben mir hier vor allem die Ideen mit mit „Mehr Sonne für Frankfurt!“, eine Wahl gewinnen,  der SPD einen Kaptilastien unterjubeln und den zum Bürgermeister machen zu wollen, sehr gefallen und da man wahrscheinblich immer noch „sowohl politische als auch gefühlvolle Bücher über Deutschland nach der Wende braucht“, vergebe ich hiermit dafür drei Punkte.
  3. Und zuletzt habe ich mich doch für Klaus Cäsar Zehrers „Genie“ entschieden, weil die Psychologie das Geniethema natürlich sehr interessiert und es eine sehr spannende Geschichte war, zu erfahren mit welchen Ehrgeiz man Wunderkinder erzeugen kann und, wie die dann vereinsamen und siebzig Jahre nach ihrem Tod schon ganz vergessen sind. Also ein Punkt für die fiktionale Wunderkindbiografie von der ich viel gelernt habe und die mich ebenfalls sehr beeindruckt hat.

Das war es, kurz und bündig. Nach einigen Hin- und Herschwankungen und Umentscheidungen, was natürlich wieder dem geschuldet ist, daß man Bücher weder vermessen, noch wie Äpfel und Birnen vergleichen kann und eigentlich jede Einkastelung Unsinn ist und ich immer noch gerne auch „Liebwies“, „Tierchen unlimited“ und und und auf der Liste haben möchte.

Jetzt bin ich gespannt auf das Voting der mitstimmenden Blogger und Bloggerinnen und natürlich, was am Ende dabei herauskommt.

Im Vorjahr hats gepasst, da hat mein Tip dann auch gewonnen, aber heuer kann natürlich alles ganz anders sein und letztlich ist es wahrscheinlich gut, die Bücher selbst zu lesen und sich sein eigenes Urteil zu bilden.

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2017-12-08

Oder Florida

Buch fünf der Shortlist des Bloggerdebuts eine Auswahl aus vierundsechzig Longlistbüchern ist wieder komplett anders und eigentlich in meinem Sinn, nämlich ein DDR-Roman und die lese ich doch gerne.

Da waren also drei poetisch sprachlich anspruchsvolle Bücher, die ich wie folgt reihen könnte:

  1. Immer ist alles schön
  2. Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens
  3. Still halten

Dann die Biografie des Genies James William Sadis und jetzt ein „So lustiges und trauriges, ein so politisches und gefühlvolles Buch über das Deutschland nach der Wende, habe ich schon sehr lange nicht mehr gelesen!“, wie Jana Hensel am Buchrücken schreibt.

Die 1976 in Borna geborene Jounalistin und Autorin die  „Zonenkinder“ geschrieben hat, meint das.

Nicht ich, denn ich habe ja erst vor kurem „Peter Holtz“ gelesen und hätte dieses Buch gern auf der Shortlist des dBp haben wollen und  muß auch gestehen, daß ich nicht gleich in den Roman, des 1979 in Frankfurt an der Oder geborenen Christian Bangel hineingekommen bin.

Am Anfang erschien er mir etwas langatmig und unverständlich, aber dann habe ich mich hineingelesen und habe mir gedacht, daß das realistische Erzählen ja etwas für mich ist, obwohl es natürlich auch ironisch und komisch ist.

Natürlich ist es das und damit habe ich auch meine Schwierigkeiten und deshalb hab ich mir anfangs beim Lesen vielleicht ein bißchen schwer getan. Velleicht lag es auch am Format, denn es ist das zweite Buch das ich bei „Netgalley“ öffnen konnte. Das Erste war Kerstin Preiwuß „Nach Onkalo“.

Das habe ich dann aber als Printausgebe gelesen. Als ich aber am Freitag mit diesem Buch anfangen wollte, war die noch nicht da, also habe ich das PDF oder E-Book angefangen und das ist ja ein bißchen schwieriger, obwohl man auch da hineinkommt.

Dann habe ich das Buch bekommen und habe es mir auch ins Literaturhaus mitgenommen und in den Pausen des „Fried Festtivals“, darin gelesen.

Wir gehen, womit man wieder sehen kann, daß die meisten Bücher und auch sehr viele Debuts etwas Autobiografisches haben, nach Frankfurt an der Oder und in das Jahr 1998 und da ist der zwanzigjährige Matthias Freier und der hat gerade seinen Zivildienst hinter sich, ist Redaktuer eines Magazins, das sein Freund  Fliege gegründet hat und der hat noch andere Pläne. Er will nämlich, es sind gerade Wahlkampfzeiten und Gerhard Schröder wird etwas später Helmut Kohl ablösen, einen Kapitalisten zum SPD Bürgermeister machen, der heißt Franziskus und hat sehr neobliberale Ansichten, obwohl oder gerade, weil er aus dem Osten kommt und Freier, wie Matthias genannt wird, wird zu seinem Pressesprecher.

Frankfurt (Oder) heißt der erste Teil des Buches, weil es dort spielt und 1998 ist die Stadt offenbar sehr von den Neo Nazis bevölkert, die Freier auch krankenhausreif zusammenklatschen und der der frisch gebackene Pressesprecher eines Kapitalisten, der ihm von Florida vorschwärmt, weil dort ja alles so kapitalistisch ist, deshalb heißt das Buch auch so, hat gerade genug Probleme.

Lebt er doch in einer leeren Wohnung mit einem leeren Kühlschrank, die Mama, die die Wende in ein Callcenter verpflanzt hat, schickt ihm zwar Carepakete, beiehungsweise stellt sie ihm Letschodosen in die Küche, die Freier dann hinter im Bücherradel versteckt, weil er kein Letscho mag.

Die Mama ruft ihn auch mitten in ihren Meinungsforschungsinterviews an und fragt ihm dann nach seiner Meinung und erst wenn die Luft von den Supervisorn rein ist, wie es ihm geht.

Ja, so sans die Kapitalisten und Franziskus Wahl geht gehörig schief, weil man im Osten 1998 offenbar auch schon das Dirty Campaining kannte und da wird aufgedeckt, daß Franziskus in Florida ein Geschäft aufbauen will ,um die faulen Ossis zur Schulung dorthin zu schicken.

So wird er ausgepfiffen und verliert die Wahl, macht Freier aber, der auch um seine Jugendliebe Nada trauert, die mit ihrer Mutter  in den Westen mußte, weil die im Osten keine Arbeit mehr bekam, die er aber jetzt wiedergesehen und einen Kurzausflug nach Berlin mit ihr gemacht hat, wo er aber auch von den Nazis verfolgt wurde, ein moralisches oder unmorialisches Angebot.

Er nennt ihn jedenfalls einen Rohdiamanten, den er schleifen will. Das heißt Freier soll nach Hamburg und sich im Zoofachgeschöft eines befreudeten Kapitalisten in die BWL einarbeiten, dann nach Florida fliegen, für Franziskus ein Geschäft aufbauen und bekommt dann von ihm hunderttausend Dollear.

Die Mutter rät davon ab. Freier sagt zu und muß bei dem befreundeten Kapitalisten nun Kartons falten, Dosen aussortieren, Fischbecken putzen, etcetera und wird immer wieder vertröstet und zusammengeschißen, so daß er schließlich vor der Wahl steht, ob er sich weiter verskalven lassen oder nach Berlin abhauen und mit Nadja ein schönes neues freies Leben beginnen soll?

Ein interessantes Buch, vielleicht nicht ganz so knallhart iroinisch wie  „Peter <holtz“ erzählt. Aber knallhart komische Stellen hat es schon. Etwa gleich am Anfang, als Fliege mit dem Slogan „Mehr sonne für Frankfurt!“, in den Wahlkampf tzieht oder knallhart grausam, als er im zweiten Teil „(Oder ) Hamburg draufkommt, daß die Kapitalisten die Azubis aus dem Osten alle Udo nennen „unser dummer Ossi“.

Ansonsten ist Deutschland weit von Österreich weg und und das Jahr 1998 weit von 2017, wo die Neo Nazis ja nicht mehr Türken klatschen, sondern sich „Patrioten“nennen,  den Linksfaschismus bekämpfen und auf der Buchmesse „Wir alle hassen Antifa“, einem hilflos daneben stehenden messedirektor ins Gesicht schreien und ich denke mir 1998 ist lang vorbei. Die blauschwarze zweite Wende oder die „Orbanisierung“ Österreichs fängt hier erst an und begann zu überlegen, ob ich für Debutpreis wirklich nur drei poetisch schöne Bücher rangreihen will und, obwohl ja eine realistische Autorin, die realistischer geschriebenen außen vorn lassen will?

Ich will, das kann ich gleich verraten, nicht und werde das noch genauer in einen eigenen Artikel begründen.

2017-10-27

Reibungsverluste

„Reibungsverluste“ der 1981 in Sarajevo geborenen Mascha Dabic, die 1992 nach Österreich kam, hier Translations- und Politikwissenschaften studierte und als Übersetzerin im Asyl- und Konferenzbereich tätig ist und unter anderen auch Barbi Markovic übersetzte, ist das zweite und wahrscheinlich letzte Buch der österreichischen Debutshortliste, das ich gelesen habe und es ist, obwohl das wahrscheinlich draufsteht, kein Roman, sondern, ich weiß nicht, ob man es als Memoir oder Personal Essay bezeichnen könnte. Vieles davon ist wahrscheinlich autobiografisch und aus dem Leben und Erfahrungsschatz der jungen Autorin gegriffen.

Ein Sachbuch ist es wahrscheinlich auch nicht, denn es hat  eine Handlung. Ein Tag im Leben einer jungen prekären Geisteswissenschaftlerin, die zwei Jahre lang in Russland lebte und daher jetzt in Asylheimen bei Therapien Tschetschenen dolmetscht, wird da erzählt.

Ein narrativer Sachbericht ist wahrscheinlich der bessere Ausdruck, der uns viel vom Leben der prekären Geisteswissenschaftler und der Asylsuchenden, ihren Alltag, ihren Sorgenschildert und das ist in Zeiten, wie diesen ein sehr wichtiges Thema, das uns alle angeht, obwohl der Zug nach rechts mit blauer Wolke ja wahrscheinlich schon längst fährt.

Friederike Gössweiner hat im Vorjahr mit ihrer „Traurigen Freiheit“, nur vom Leben eine prekären jungen Akademikerin erzählt und damit den Debutpreis gewonnen.

Ich dachte damals, das wäre deshalb, weil die „Arbeiterkammer“ den Preisträger aussucht und das ist ja ein soziales Thema, während Katharina Winklers „Blauschmuck“, das sicher viel literarischerischer war, leer ausgegangen ist.

Jetzt könnte ich sagen „Liebwies“ ist literarischer,  skurriler und wahrscheinlich ausgedacht, während „Reibungsverluste“ vom Alltag in dem wir leben erzählt, der,auch für mich, die über Sechzigjährige erfolglos schreibenden Psychologin und Psychotherapeutin, die in ihrer Praxis keine Dolmetsch gestützte Therapien, aber eine Zeitling eine solche Diagnostik mit oft auch tschetschenischen Asylwerbern machte, sehr interessant ist.

So weiß ich auch nicht genau, welchen Buch ich den Preis wünschen soll, das von  Nava Ebrahimi, das wahrscheinlich genauso sozialkritisch einzuschätzen ist, habe ich nicht gelesen.

Muß mich aber ohnehin nicht entscheiden und denke, es ist auf jeden Fall sehr interessant „Reibungsverluste“ zu lesen, obwohl ich das Buch nicht als Roman verstehen würde.

Interessant für mich natürlich in den Alltag einer Dolmetsch gestützten Therapie hineinzugleiten. Da erschien mir manches hözern und dahin erzählt. Aber Mascha Dabic ist wahrscheinlich keine Theraupeutin, wie das auch ihre Protagonistin Nora nicht ist und die hat ihre liebe Not, wie sie beispielsweise, die Therapeutenfloskel „Was haben Sie aus dieser Stunde mitgenommen?“, übersetzten soll, ohne daß der Klient empört „Ich habe nichts geklaut!“, antwortet.

Darum geht es in dem Buch, um die Reibungsverluste, die entstehen, wenn der Klient „Doppelgänger“ sagt, die Doolmetscherin „Zwilling“ übersetzt und Klient und Therapeut dann eine Weile aneinander vorbeirreden, bis der Dolmetscher eingreift und neu übersetzt.

Das ist das Interessante an dem Buch, für mich und wahrscheinlich auch für die, die letzte Woche schwarz oder blau wählten, weil man darin Einblick in das Leben von tschetschenischen Flüchtingen bekommt, den man sonst wahrscheinlich nicht erfährt, wenn man sie nur auf der Straße sieht oder in den Medien über die sogenannte Flüchtlingskrise hört.

Mascha Dabic übersetzt wahrscheinlich auch dem Russischen oder Serbischen, deshalb kommen in dem Buch die syrischen Flüchtlinge, die momentaner aktueller sind, nur am Rande vor.

Ich habe es aber und das gehört wahrscheinlich auch zu den „Reibungsverlusten“, das Buch, weil ein PDF und ich meinen Laptop nicht in meine ohnehin viel zu kleine neue schwarze Handtasche stecken kann, parallel mit Eva Rossmanns „Patrioten“ gelesen und da geht es unter anderen, um eine syrische Flüchtilingsfrau und ich hoffe, ich komme dadurch nicht zu sehr durcheinander und die dabei entstandenen Reibungsverluste halten sich in Grenzen.

Mascha Dabic, die ich mit ihrem Buch auch schon bei den „O-Tönen“ hörte, wurde auch von Daniela Strigl für den „Franz Tumler-Preis“, den inzwischen Julia Weber gewonnen hat, vorgeschlagen und steht auch auf der „Blogger Debut-Longlist“.

Sie war schon drauf, als ich von den O-Tönen kommend, auf der Seite nachschaute. Ich mußte sie also nicht vorschlagen, beginnt aber den Tag, durch den sie ihre Protagonistin Nora Kant führt, literarisch und läßt sie beim Aufstehen fluchen. Der Wecker läutet, sie muß los, denn am Montag dolmetscht sie im Flüchtlingsheim, am Mittwoch bei der Caritas, dazwischen gibt sie syrischen Flüchtlingen Deutschunterricht. Das kommt also doch vor und auch die „Flüchtlingsindustrie“ von denen ganze Heerschafen sonst arbeitsloser Geisteswissenschaftler leben und sie sieht schlecht,  hat „sieben Dioptriein und einen Astigmatismus am linken Auge“ und setzte als Kind immer die Brillen ihrer weit- beziehungsweise kurzsichtigen Eltern auf, die sie dann prompft vor dem schecht Sehen warnten.

In der kleinen Wohnung die, die prekäre Geisteswissenschaftlerin bewohnt, liegen überall Bücherstapeln, über die eine verschwommen Sehende schon mal stolpern kann und Nora hat sich und das finde ich, die „Büchernärrin“, wie die Ruth es einmal nannte, sehr originell sich ein dreimonatiges Leseverbot erteilt.

Bei „Amazon“ gibt es eine Einsternrezension, der das Buch “ eine langweilige Geschichte aus dem langweiligen Leben seines  sehr langweilig Menschen nennt“ nennt, da hat der Rezensent glaube ich  den Hintergrund „der zahlreichen Fluchtgeschichten“ nicht verstanden oder verstehen wollen, der sich aber genau auf das bezieht und das das spannenste Moment der Geschichte hält, daß sie am Abend wenn sie müde nach Hause kommt, nach einem Buch und da zwar zu japanischer Literatur, greift, was ich auch sehr spannend finde.

Die Protagonistin steigt also am Morgen unter die Dusche, macht sich eine Tasse Espresso, denkt dabei an ihren Russlandaufenthalt, wo sie am Geothe-Institut beschäftigt war, von Olgabei der sie zuerst wohnte, Unterricht im Nägelmaniküren bekam, dann mit einem Vladimir zusammenlebte und nach der Trennung von ihm, jetzt in einer kleinen Wohnung lebt und von einem Termin zum nächsten hetzt.

Sie kommt in das Flüchtlingsheim auch zu spät, sagt „Entschuldigung!“, zur Sekretärin Erika, die „Kein Problem!“, antwortet, denn der Klient hat abgesagt. So hat Nora eine Stehstunde, für die sie elf Euro bekommt und übersetzt in dieser Zeit für die Therapeutin Roswitha „Folterprotokolle“, denn nur wenn die selbstverständlich anonymisiert abgegeben werden, bekommt das Heim Subventionen und kann die Therapeuten, die „Sozialkas“ und die Dolmestscher zahlen.

Ich finde das nicht langweilig, sondern im Gegenteil sehr interessant, aber natürlich surrealistisch, experimentell oder sonst literaisch unverständlich ist es nicht, wenn die Klienten erscheinen.

Aber da kommt es eben zu „Reibungsverlusten“ und das fand ich auch besonders interessant, wie es bei diesen Dolmetsch gestützten Therapien zugeht und das ist ein bißchen anders als in meinen Kassentherapien.

Die Therapeutin Roswitha scheint aber auch eher analytisch zu arbeiten und die Dolmetscherin Nora hat sich erst an den Therapeutenjargon gewöhnen müssen und wenn ein Mann der Klient ist, stecken sich beide Eheringe an, um nicht noch unnötigere Reibungsverluste zu haben und wertvolle Zeit zu verlieren.

Es kommen aber ohenhin, wie meist üblich mehr Frauen mit Kopftücher. Malinka, die tschetschenische Zweitfrau mit dem einjährigen Baby auf dem Schioß, das natürlich quengelt und die Stunde verkürzt. Diese Stelle hat Mascha Dabic bei den O-Tönen gelesen und da wird vorher von Dolmetscherin und Sekretärin darüber philosophiert, ob die muslimischen Zweitehen-Gewohnheiten grausamer, als die die Seitensprünge und die Betrügereien einer angeblich monogamen Gesellschaft sind?

Vorher ist Frau Magomadowa zu Roswitha gekommen und da gibt es auch Reibungsverluste, denn sie sollte eigentlich davon erzählen, wie es war, als ihr Mann  geschlagen und gefoltert wurde und der kleine Mustafa unter dem Bett lag, nicht ganz klar war, was er beobachtet hat, aber ihn seine Mutter, die mit dem Kind jetzt alleine in dem Asylheim ist, schon erzählen hörte, daß der Vater auf Dienstreise wäre.

„Man soll nicht lügen!“, eh klar, also auch Reibungsverluste. Frau Magomadowa ist aber ohnehin zu spät gekomen, beziehungsweise hat sie die letzte Stunde abgesagt, weil sie sich mit der afrikanischen Nachbarin, die laut ist und schlecht putzt, zerstritten hat. Sie hat von dem Lärm Kopfweh gekommen, die Folge des PTSD und hat sich bei den Sozialarbeitern und der Heimleiterin über die Frau beschwert. Jetzt hat sie Angst, daß man sie für rassistisch halten könnte. Und als sie von der Stunde in ihr Zmmer geht, um für Mustafa zu kochen, überlegt sie, daß sie der Therapeutin eigentlich von den Geschehnissen damals erzählen hötte sollen,  aber nicht konnte, weil sie die Theapeutin schonen wollte.

Reibungsverluste oder Aspekte, die auch für mich neu und meinen therapeutischen Alltag interessant sein könnten.

Dazwischen wird eingekauft oder Kaffee aus dem Stockwerk geholt, wo die Familien wohnen. Da schüttet Nora den Kaffee aus, sagt „Scheiße!“ und der kleine Jusuf, der mit seinem Vater, einem Witwer und der altklugen Halbschwester  dort lebt, sagt ebenso altklug „Scheiße darf man nicht sagen!“

So geht der“ langweilige Tag einer langweiligen Dolmetscherin“ und Flüchtlingsleben dahin. Am Ende sind trotzdem alle erschöpft. Nora fällt vom Fahrrad, verletzt sich die Wange, fährt mit einem aserbaidschanischen Taxilenker nach Hause, mit dem sie sich tut unterhält und der ihr auch seine Visitenkarte gibt und am Ende stolpert sie wieder über ein Buch und bricht ihren Vorsatz.

Sie liest das Buch im Bett, mit der obligatorischen Zigaretten, denkt kurz an Ingeborg Bachmann,  dann zuerst „Das Bettt ist ein sicherer Ort“.

Aber „Es gibt keinen sicheren Ort. Nirgends“

So schließt das Buch und ich bin gespannt, weil ich wirklich nicht weiß, ob ich Mascha Dabic oder Irene Diwiak den Preis wünschen soll und denke wieder „So eine Scheiße, daß man sich da entscheiden muß und angeblich nur einer gewinnen kann!“, weil man, wie ich ja schon oft schrieb, Äpfel mit Birnen nicht vergleichen kann.

2017-10-26

Liebwies

Jetzt komme ich zu den Debuts der österreichischen Buchpreisliste und habe da als erstes Irene Diviwak „Liebwies“ gelesen, der erste Roman, der 1991 in Graz geborenen, von der ich ja schon einen kleinen Ezählband gelesen habe, der in den Blogs sehr gelobt wurde. Dann habe ich daraus beii den O Tönen gehört, bin neugierig geworden und war jetzt auch bei der Debutlesung, wo in der Bibliothek der Arbeiterkammer, die drei nominierten Bücher präsentiert wurden.

Da hat, ich war gerade mittendrin im Lesen, Ute Weiner, die Moderatorin, die Autorin gefragt, ob das Buch eine Parodie wäre?

Irene Diwiak hat das entschlossen verneint und gemeint, es gehe um den Kulturbetrieb und, um die Frage, warum der eine Erfolg darin hat und der andere nicht und die Handlung hat sie deshalb in die Zwischenkriegszeit verlegt, weil sie sich dafür sehr interessiert.

Ich habe das Buch jetzt ausgelesen und denke es ist eine Parodie und war eine, die es ganz besonders in sich hat und Irene Diwiak gehört höchstwahrscheinlich zu den hochbegabten Jungautorinnen, die gar keine Schreibschulen nötig haben, weil sie gleich ihren eigenen unverwechselbaren Stil einbringen und das scheint Irene Diwiak, die den Roman unter dem titel „Der Klang der Frauen“ herausbringen wollte, der Verlag war dagegen wunderbar zu verstehen.

Zwar würde sie wenn die das Manuskript bei Wolfgang Tischer vom Literaturcafe für den Blogbuster eingereicht hätte, keine Chancen haben, weil ihr Buch hat nicht nur einen Prolog, sondern auch einen Epilog und sonst vier Teile hat und das will der ja nicht, hat der auf Frankfurter Buchmesse gesagt und würde solche Manuskripte gleich in den Mist werfen.

„Deuticke“ sieht das zum Glück anders und Irene Diwiaks Debut ist wahrscheinlich auch deshalb so ungewöhnlich, weil es noch unverfälscht ist und der Kitsch haarscharf neben der starken Skurilität liegt, mit der sie ihre Charaktäre zeichnet.

Es ist nicht alles logisch in dem Buch und wäre ich  schon bei der Lesung  damit fertig gewesen, hätte ich die Autorin einiges fragen können, so zum Beispiel warum Ida August Gussendorff geheiratet hat, wenn sie doch voll lesbisch und offenbar auch sehr selbstbewußt ist.

Aber sonst glänzt das Werk durch seine Skurrilität und die Zwischenkriegszeit ist, glaube ich, die ich ja auch sehr viel über diese Zeit gelesen habe, gut gezeichnet.

Es ist nicht alles, wie es scheint, hat Daniela Strigl, das Buch, glaube ich, bei den O-Tönen vorgestellt. Die gefeierte Sängerin kann nicht singen und die Oper, die sie berühmt machte, wurde eigentlich von der Frau des vorgeblichen Komponisten geschrieben und das steht auch im Prolog,  beziehungsweise Epilog, woran man sehen könnte, daß manchmal ein solcher doch nicht so unwichtig ist und dann geht es hinein in das Jahr 1924, nach dem verlorenen Krieg und ka kommt ein Musiklehrer mit einer halben Nase zurück, die Frau hat ihn betrogen, die Stelle in dem Gymnasium, gibt es nicht mehr und er zieht aufs Land, in ein Dörfchen namens Liebwies und das ist die Stelle, wo der Roman eigentlich beginnt.

Das ist, glaube ich, auch die Spezialität Irene Diwiaks, daß sie in ihre Teile Figuren einführt, wo man erst später begreift, wozu sie eigentlich wichtig sind. Der Erfinder beispielsweise, der Idas Geburt miterlebt, weil er offenbar sowas, wie das SMS erfunden hat und das Idas <Mutter, einer energischen Fabrikantin und voll häßlichen Frau, das sind auch so die Merkmalen von Irene Diwaks Figuren, verkaufen will oder die Madamme Femina, die eigentlich ein Herr Mann ist.

Der Lehrer kommt jedenfalls in das verschlafene Dörfchen und braucht drei Tage Fußmärsche bis dorthin, sieht in der Volksschule, wo er sich anstellen läßt, ein abgrundhäßliches blindes Mädchen mit einer wunderschönen Stimme, in die er sich gleich verliebt.

Das wird auch sehr skurril geschildert. Er schreibt seinen Freund Wagenbach, den  Kulturkritiker an und lädt ihm zu einem Konzert ein, damit er seine Schülerin fördern kann. Dann kommen ihm aber Zweifel und er holt die bildschöne Schwester der häßlichen Karoline, das ist eben jene Gisela, die nicht singen kann, damit Wagenbach gleich den Unterschied merkt.

Das geht aber schief. Denn Wagenbach verliebt sich in Gisela, weil sie ihn an seine verstorbene Frau erinnert und hört gar nicht zu, wie sie singt, sonder nimmt sie gleich mit nach Wien oder in die Stadt, wo die Handlung spielt. Ein Name wird da, glaube ich, nicht genannt. Schleppt sie  zum Vorsingen in ein Konserervatorium und erpresst den jüdischen Impressario sie zu unterrichten. Der tut das und braucht nun eine Oper, wo eine Sängerin die Hauptrolle hat, die nicht singen muß. Die gibt er dem Dichter August Gussendorff in Auftrag, der eine solche komponieren will, obwohl er das auch nicht kann.

Man sieht, es ist sehr kompliziert und und Irene Diwiaks Buch hat wieder Stoff für hundert Bücher, denn der, ein Sechzigjähriger hat die unscheinbare Ida, die Tochter jener Fabrikantin geheiratet, die lesbisch ist und komponieren will. Der verbietet der Ehemann natürlich als Erstes das Komponieren. Sie fügt sich und tut es heimlich weiter. Sie ißt dann auch nichts und das erscheint mir unlogisch in seiner Übertriebenheit, denn eigentlich ist diese Ida ja eine selbstbewußte Frau und hat den Komponisten freiwillig geheiratet.

Aber das bietet natürlich Stoff für weitere Skurriliät. So taucht auch noch die Köchin Rosl auf und am ende bleibt Gussendorf nichts anderes über, als seiner Frau die Noten, die natürlich doch komponierte, zu steh.en und sie für seine Oper auszugeben.

Da kommen wir schon zum nächsten Teil. Die Oper „Die stumme Gräfin“ wird aufgeführt. Alle sind von der Schönheit der Sängerin, die nicht singen kann, fasziniert. Die Oper wird berühmt. Gisela Liebwies, wie sie nun gennant wird, auch und Ida, die schon ein Verhältnis mit einem Diensttmädchen hatte, weshalb sie ja von ihrer energischen Mutter auch verheiratet wurde, verliebt sich in sie, schreibt ihr Briefe, trifft sich in Cafes und geht mit ihr, ihr Mann ist inzwischen verstorben auf eine Reise.

Da wird sie als sehr herzlos geschildet. Sein Tod interessiert sie nicht. Sie verreist mit Ida nach Deutschland und verkehrt dort mit ihr in einem Transvestitenlokal. Sie würde mit Gisela dort ewig bleiben. Aber die zieht es in die Stadt und zu ihrem Ruhm zurück und außerdem verlobt sie sich mit einem deutschnationalen Arzt, den sie von der Gesellschaft der Musikfreunde kennt, in die Wagenbach sie einführte.

Der verbietet seiner Frau natürlich auch das Singen. Läßt sie Zwillinge, zwei blonde Mädchen namens Brunhilde und Krimhilde gebären und wir sind nun schon im Jahr 1943. Die Zwillinge spielen Hitlers Geburtstag und entweden dem Vater eine Einladung in jene Gesellschaft. Die bekommt nun Gisela, die inzwischen dick und fett geworden und nicht mehr so schön, wie früher ist, zu Gesicht, will unbedingt dorthin gehen  und erpresst ihren Siegfried damit.

Da kommt es nun zur nächsten Katastrophe, beziehungweise Farce. Nämlich Wagner wird gefeiert, die „Wallküre“ dröhnt aus den Lautsprechern. Bier wird gesoffen, der schöne Siegfried möchte am liebsten mit den prallen Maiden im Bett verschwinden, muß sich aber an den Tisch mit den Gastgebern setzen und die stellen ihm nun Ida mit einem Fräulein Hartmann vor und das hält Gisela, obwohl sie Ida ja vor zwanzig jahren verlassen hat, um eine Frau Dr. Römer zu werden, nicht aus. Sie denunziert sie vor ihrem Mann und so kommt es dann dazu, daß Ida plötzlich von einem jungen Mädchen mit einem Kinderwagen angesprochen wird. Sie soll das Baby einen Moment hüten. Sie tut es bereitwillig. Im Wagen befindet sich aber kein Kind sondern „Nieder mit den Nazis-Parolen“.

Die SA kommt und die unbedeutende Ida, wie schon im Prolog und dann noch im Epilog steht, wird verhaftet und das ist ihr einziger Grund in die Weltgeschichte einzugehehn, daß sie die Komponistin der „Stummen Gräfin“ ist, wird die Welt dagegen nie erfahren.

Jawohl, eine Parodie, denke ich, eine Farce, aber ein erstaunlich vergnüglicher Debutroman und Irene Diwiak ein großes Talent. Ich wünsche ihr den Preis, habe aber die beiden anderen Bücher, die sich mit der Migrationsfrage zu beschäftigen schein und in der Gegenwart spielen, noch nicht gelesen. Bin also gespannt.

2017-10-25

Alles über Beziehungen

Jetzt kommt Buch acht des öst Bp und das wahrscheinlich letzte. Doris Knecht „Alles über Beziehungen“, wieder ein Kultubuch der Vorarlberger „Falter-Redakteurin“ von der ich schon „Besser“ und „Wald“, das mir sehr gefallen hat, gelesen habe und bei diesem Bobo-Rroman, über den fickenden Viktor kann man vielleicht auch nur „Na ja!“ sagen.

Na ja, so sind sie halt, die fickenden Männer, die Kulturmanager der intellektuellen Mittelschicht, mit drei Schwestern, zwei Ex-Frauen fünf Kindern, beziechnenderweise natürlich alles Mädchen, die Fahrrad fahren, viel trinken, kiffen und dabei immer die liebenswerten Kinder gleiben, denen die Frauen, die unzähligen Geliebten, die sie natürlich haben, alles verzeihen, denn sie können ja nicht anders, die armen Männer. Sie sind triebgesteuert und Viktor läßt es sich sogar von einem Psychiater bestätigten, daß das sexbesessen ist, also eine Zwangskrankheit hat und nichts dafür kann. Bezahlt ihm dafür genüßlich hundertfünfundsiebzig Euro in der Stunde, denn die Bobos verdienen ja gut und denkt gar nicht daran etwas daran zu verändern.

Kein Zweifel, daß Doris Knecht für ihren Viktor ein Vorbild hatte, vielleicht ein Mann aus ihrer Redaktion, wahrscheinlich eine Mischung aus vielen und die Szene mit dem Psychiater, wo man zuerst an das Kreditkartengerät muß, bevor man auf die Coutch darf, ist auch gut gelungen.

Die beste ist wahrscheinlich die, die Doris Knecht im Literaturhaus gelesen hat, als sie dem „Schule für Dichtung-Leiter“ über ihr Buch geplaudert hat. Da geht der fünfzigjährige, der als unscheinbarer Mann beschrieben wird, zur Gesundenuntersuchung und weiß nicht, wie er den Fragebogen über seinen Alkoholgewohnheiten ausfüllen soll?

Er fälscht dann natürlich, denn er schummelt sich durchs Leben, hat dafür auch Bluthochdruck und andere Sorgen. Denn Magda, seine Lebensgefährtin, eine tschechische Putztrupporganisatorin, will gehiratet werden. Seine Schwestern und sein Freunde wollen, daß er eine Geburtagspüarty schmeißt, seine Sekretärin ruft an, der Minister oder sonst ein Kulturgewaltiger will mit ihm Mittagessen und so geht  Viktor sich durch das Buch. Durch den langen ersten Teil der „Vorher“ heißt.

Er vögelt seine Freundinnen, Helen die Anwältin, Josy, die Biologin, glaube ich, alles Mittelschichtfrauen und natürlich verheiratet mit Kindern. Darunter tut es Viktor oder Ficktor nicht, denn sonst gäbe es ja Schwierigkeiten und er macht das alles so lieb und charmant, daß man dem Bubi nicht bös sein darf.

Dann kommt sie aber doch, die Katastrophe. Sie passiert in dem Kapitel „Dann“.

Da sitzt Magda mit den Kindern und ihren Freundinnen, Viktors Exgeliebte, die jetzt Zwillinge von einer Frau hat und seine Schwester ist dabei, im Schrebergarten, stopft den Kindern Eislutscher in den Mund und scheucht sie aus dem Swimmingpool. Dann kommt ein SMS. Ihr Viktor hat sie betrogen und alles ändert sich.

Das was wird dann im „Dann“ erzählt. Magda schickt die Kinder zu ihren Eltern auf den tschechischen Bauernhof und schmeißt ihn hinaus. Helen, dieAnwältin, der er rührende SMS schickt, daß sie seine Mails löschen soll, trennt sich von ihrem Paul. Viktor schwört Reue, rasiert sich den Bart ab, den Magda nie leiden konnte. Will jetzt heiraten, läßt sich sogar ein „Magda 4 ever“ auf die Brust tätowieren und landet dann doch, reumütig natürlich, mit Josy im Bett.

Für die, die jetzt ein Resume von mir wollen.

„Im Wald“ hat mir besser gefallen. Dieser Reigen plätschert lang so dahin und wenn man bei „Amazon“ nachschaut, wird das bemängelt, so daß ich Frau Knecht oder „Rowohlt“ auch nur raten könnte, das Lektorat daraufzulassen, zu straffen, zu überarbeiten.

Die zwei Szenen beider praktischen Ärztin und dem Psychiater sind eindeutig die besten. Das andere sind meistens nur Aufzählungen aus dem Boboleben und Viktors Heldentaten und dann bleibt natürlich die Frage, wer das lesen soll und, wieso das Buch auf die Bestenliste kam?

Die sexbesessenen Männer wahrscheinlich nicht, denn Männer lesen ja nicht so viel, die Frauen, die Bücherkäuferinnen offenbar schon. Aber wollen die wirklich dreihundert Seiten von einem lieben, sich durchvögelnden Arschloch lesen, das nichts dafür kann, daß er er seine Frau betrügt, weil er halt so ist, wie er ist oder die Frauen ihn erzogen haben?

Warum kam es also auf die Longlist? Die buchhändler werden wahrscheinlich sagen, weil es lustig und leicht lesbar ist und sich daher gut verkauft.

Da nicke ich und schüttle, siehe oben, gleich den Kopf.

Eine gute Mischung zwischen den drei sprachlich sehr anspruchsvollen Büchern, Franh Schuhs Essays, den zwei politischen und Paulus Hochgatterers „Traumatiserungsgeschiche“ ist es wahrscheinlich allemal.

Für mich wahrscheinlich nichts, denn ich habe ja einen eher konservativen Sexgeschmack und mag keine betrügende Männer. Der Alfred hat das Buch übrigens ins Leipzig gekauft und der Anna geschenkt.

Da habe ich mir schon nach der Lesung im Literaturhaus gedacht „Uje!“

Ihr hat es aber, wie sie mir sagte, gefallen, was ich sehr interessant finde.

2017-10-23

Die Außerirdischen

Buch sieben der österreichischen Buchpreisliste und eines, das es zum meinem Bedauern nicht auf die Shortlist brachte, denn ich habe mich, seit ich auf den „O-Töne“ davon hörte, in „Exlibris“ gab es auch einen Beitrag, darauf gefreut und mich gefragt, ob das jetzt ein Fantasy Roman ist und es diese Außerirdischen gibt oder nicht?

Der Alfred, der auch bei den  „O-Tönen“ war und „Exlibris“ hörte, vermutete es hätte mit der FPÖ und vielleicht auch mit dem Wahlkampf zu tun.

Das letztere sicher nicht, denn das ist für einen Roman sicherlich zu aktuell, um die Chance zu haben, in den Kanon aufzusteigen und der 1961 in Tel Avic geborene und schon lange in Wien lebende Doron Rabonovici, ist ein Profi.

Ich denke aber immer noch an das Symposium für Sprachkunst, wo die Frage diskutiert wurde, ob man in Leipzig oder auch in Wien das Schreiben von Fantasyromanen unterrichten solle, denn das ist es ja, was die Leser wollen und wenn ich mich so in der jungen Book Tuber-Szene umhöre, dann ist es ja genau das, was sie lesen und es auch unzäliche von Dystopien, Weltuntergangszenarien, ecetera gibt.

Es ist aber, nehme ich gleich vorweg und denke da an das diabolisch überlegene Lächeln, das Doron Rabiovici während der Lesung im Museumsquartier aufsetzte. Ein sehr politischer Roman, ein gesellschaftpoltisches Portrait, das da meisterhaft mit allen Regeln der Sprachkunst und des spannenden Romanschreiben, gezeichnet wird und es hat natürlich mit dem Holocaust zu tun, was ja auch Rabinovicis Biografie und sein Engegament gegen Waldheim mit der Gründung des republikanischen Clubs etcetera, vermuten läßt. Es wirft aber auch ganz alltägliche Fragen auf. Schließen essen wir ja alle wahrscheinlich Fleisch und es gibt die Tierfabriken und die Schlachthöfe und auch die Proteste dagegen. Den Holocaust hat es gegeben und die Kriege, die Außerirdiischen warhscheinlich nicht.

Aber die kommen in Rabinovics Roman auf die Erde,  nach Wien, wo der Protagonist Sol wahrscheinlich lebt, genau steht das, glaube ich nie geschrieben. Es wird nur das Morgenjournal erwähnt, das Sol, der Gastrokriiker eines Onlinejournals mit seiner Frau Astrid, einer Museumskuratorim, also bestes Bobo-Milieu, gebildete Mittelschicht, hört und da wird berichtet, die Außerirdischen sind, nicht nur in Wien, sondern überall auf der Welt gelandet, Panik bricht aus, obwohl Astrid das zuerst für einen Scherz oder die nochmalige Übertragung eines Hörspiels hält. Es geht aber der Strom aus. Der Nachbar und sein Kind bleiben im Lift stecken. Sol will hilfe holen und sieht, wie die Supermärkte geplündert werden und Jugendliche mit Stangen auf der Straße stehen. Das hat Rabinovici, glaube ich, nicht erfunden, sondern kann man wahrscheinlich im Fernsehen vom Realgeschehen in Südamerika oder sonstwo, recherchieren.

Die Lage beruhigt sich aber wieder, nach einigen Wochen oder Tagen, das blieb mir unklar, denn zuerst heißt es, die Banken werden geschlossen. Es gibt kein Geld und keine Versorgung, dann geht aber alles sehr bald wieder in geordneten Bahnen über und die Außerirdischen, die niemand gesehen hat, heißt es, wollen den Frieden bringen. So gibt es Friedendemostrationen und Aufmärsche und das Gastromagizin in dem Sol arbeitet und das ist, glaube ich, auch ein besonderer Clou des Autors, verwandelt sich in eine  Politshow die „Brandheiß“ heißt, den Namen hat Sol erfunden und es kommen auch Gerüchte auf, daß die Außerirdischen eine Wettkampfshow wollen, wo man sich freiwillig melden kann. Der Sieger bekommt viel Geld und außerirdische Exomobilien. Der Verlierer aber wird geschlachtet, weil die Außerirdischen gerne Menschen essen, also wieder ein Kannibalismus-Roman, das hatten wir ja schon auf der deutschen Liste und bei dem „O Tönen.“

Aber nein, bei Rabinovici geht es ja um Fiction und zuerst heißt es auch, daß sich kein Mensch da freiwillig melden wird. Dann kommen die aber natürlich, werden Märtyrer genannt, denn die Außerirdischen heißt es, können Krankheiten heilen und die Welt retten. Beweis gibt es dafür zwar keinen, aber das müße man halt, als das kleinere Übel hinnehmen.

Die Talkshow wird berühmt und ein anderer Nachbar  Sols, Elliot, ein Student der Luftfahrtstechnik meldet sich als Freiwilliger. Jetzt kommt es aber zu Protesten und Terroranschlägen gegen die Show und da tauchen dann auch die Sicherheitsleute in dem Haus auf, wo die Talkshow abgehalten wird.

Elliot und andere Champs, wie die Freiwilligen genannt werden, sollen dort auftreten und das Projekt verteidigen. Elliot tut es, bittet Sol dann aber, ihm zur flucht zu verhelfen, denn die Zustände in dem Vorbereitungscamp wären furchtbar und von Freiwilligkeit schon längst nicht mehr die Rede.

Sol tut es und Astrid verschwindet. Sie hat, wie wir erfahren, sich für Elliot geopfert, denn die Behörden haben gewußt, daß er nicht bei dem vorgetäuschten Brandt, ums Leben gekommen ist, sondern Sol ihm zur Flucht verholfen hat. Sol sucht Astrid und kommt jetzt selbst in das Lager und wird auf die Insel geschickt, die sich nicht so paradiesisch erweist, wie den Freiwilligen eingeredet wurde.Kein Luxus, sondern blanker Terror. Ein Konzentrationslager und, um die Schlachtung geht es eigentlich nicht mehr oder doch, um sie schon, es wird aber kein Fleisch verpackt und verarbeitet.

Sol trifft Elliot und Astrid wieder. Elliot wird vom Mitläufer zum Widerstandskämpfer und am Ende sind wir dort, wo wir nach 1945 und wahrscheinlich bis zur Waldheim-Affaire waren.

Sol und Astrid kommen zurück, gelten als Traumatisierte, werden interviewt, sollen aussagen, werden aber auch gefragt, wieso sie zurückkommen konnten und ob sie nicht vielleicht selbst an ihrem Unglück schuld waren?

Die Außeridischen, die ja immer noch niemand gesehen hat, sind abgezogen. Denn sie haben, hört man von den Zuständen auf der Insel nichts gewußt und wollen jetzt kein Menschenfleisch mehr. Elliot soll angeklagt werden, Astrid und Sol werden aber für ihn aussagen und das Leben geht weiter. Wieder hat niemand von etwas gewußt und wir wissen jetzt vielleicht noch immer nicht, ob wir einen Fantasyroman gelesen haben und ich könnte vermuten, daß manche jugendliche oder auch ältere Leser enttäuscht sein werden, wenn sie vielleicht unbedarft nach dem Buch griffen und etwas anderes, als erwartet zu lesen bekommen.

Und ich bin enttäuscht, daß Doron Rabinovice, der ausgefuchste, diabolische nicht auf die Longlist kam. Denn wer soll jetzt den Preis gewinnen?

Robert Menasse, der, wenn auch anders, einen ebenso politischen Roman geschrieben hat, meiner etwas naiven Mainstreamleserseele liegt aber Rabinovicis Art mehr, kommt nachdem schon deutscher Buchpreisträger, vielleicht doch nicht mehr in Frage, denn das wäre ja fad und wohl auch ungerecht, das Geld nur an einen, statt an zwei zu verteilen, Paulus Hochgatterer Geschichte ist mir zu wenig zu wenig neu, Olga Flors Roman zu kompliziert und mit der experimentellen Literatur haben es sowohl ich, als auch die meisten Bücherkäufer nicht so sehr. Da blieben nur noch Eva Menasses raffinierte Kurzgeschichten über, die ich eigentlich auch nicht so mag.

Aber ich weiß schon, der Lesergeschmack ist auch nicht der gesellschaftspolitische Fantasyroman, der keiner ist und so wird wahrscheinlich, vermute ich jetzt mal, Eva Menasse oder Paulus Hochgatterer den öStBp gewinnen und ich habe einen sehr  spannenden Roman gelesen, der uns zeigt, wie die Welt leider ist.

Die Menschen schlecht, Fleischfresser, politisch  unlorrekt, Hassposter und Dirty-Campainer, ecetera und was man dagegen machen kann, hat Doron Rabinovici uns auch nicht geseagt. Aber das weiß er wahrscheinlich ebensowenig, wie ich und es wäre auch  zu vermessen, das von einem Autor zu verlangen. Also ich habe einen sehr spannenden politischen Roman gelesen, der mit sehr gefallen hat und jetzt bin ich gespannt, wer den österreichischen Buchpreis gewinnen wird?

2017-10-22

Val di Non

Die österreichische Literatur hat den Ruf sehr experimentell zu sein und wenn man, wie ich regelmäßig in die „Alte Schmiede“ geht und vielleicht auch“Manuskripte“ und „Kolik“ liest, kommt auch, als realistisch schreibende Autorin, nicht um sie herum.

Ich lästere manchmal darüber, laße mich aber, glaube ich,  gern verführen und hinein- oder hinüberziehen und das Interessante am österreichischen Buchpreis ist, glaube ich, im Gegensatz zum deutschen, der sich ja auf den Roman beschränkt (und da sehr oft und sehr viel von den sprachgewaltigen Männern in der Midlifekrise auf ihren Listen hat), daß er sich auch mit der experimentellen Literatur beschäftigt  und bisher immer ein oder zwei  dieser „Minderheitenbücher“ nominierte  und so machte ich im vorigen Jahr in Peter Waterhouse „Auswandernden“ einem wirklich schönen und auch graphisch gestalteten Buch, eine  Entdeckung , die sonst wahrscheinlich an mir vorbeigegangen wäre.

Bei Oswald Egger, dem zweiten Experimentellen auf der heurigen Liste, ist das nicht ganz so, denn der 1963 geborenen Südtiroler, war mir nicht  unbekannt.

Bin ich doch 2003 auf ihn gestoßen, als er in Neuberg an der Mürz beim „Ernst Jandl-Preis“ las und in der „Alten Schmiede“ habe ich ihn gehört, als er dort,  „Die ganze Zeit“ vorstellte und im Vorjahr im Literaturhaus, als er den damailigen Preisträger der Literaturhäuser Ulf Stolterfoht bei seiner Tour durch diese, vorstellte.

Jetzt ist er auf der Longlist des öst Bp und „Val di non“, eine Mischung zwischen Prosa und gedichtartigen Texten mit vielen Zeichnungen ist ein wahrlich schönes Bilderbuch.

Ich habe es als PDF gelesen, was den Lesegenuß wahrscheinlich  erschwerte, ist es doch ohnehin nicht leicht, sich in die Bild- und Sprachwelt Oswald Eggers einzulassen und das Ganze dann noch auf einer Seite in eigene Worte zu fassen.

„In Oswald Eggers Val di Non wird man fabelhaft wandern oder einfach nur spazieren gehen“, schreibt „Suhrkamp“ in seinem Klappentext und Paul Jandl, der in der Zürcher Zeitung“ eine Rezension geschrieben hat und ein Egger Spezialist zu sein scheint, meint: „Val di non ist ein raffiniertes Verneinungsbuch, ein topographischen Experminent mit dem Sehen. Beim Durchwandern einer Landschaft zieht es uns in die Gesteinsmassive der Wörter und in eine  literarischeBotanik, die wirklicher sein kann und detailgetreuer, als die Wirklichkeit selbst.

Es ist das Sütdtiroler Nontal bei Lana, das im Buch durchstreift wird und das in einem Akt des Durchstreifens und der schreibenden Neuschöpfung zu irrealer Größe wächst.“

Das ist sehr wortgewaltig ausdrückt. Wenn man in das Buch hineinsieht, kommt man zuerst zu einem Zitat: „Ich singe, also bin ich, singe ich“, dann zu einer Geschichte von einer zweiköpfigen und fünffüßigen Eidechse, die auf der Aaler Alm elf Monate gelebt hat.

Das ist ein halbseitiger Prosatext, der  von einer Zeichnung, dem „Nonstaler Störungsbündel“ abegelöst wird.

So geht es durch die zweihundert Seiten.

Es kommt ein Prosatext, der sich oft, nicht immer, auf das Nontal beieht „Die Bergformen sind hier schiere, und wellig geschwungen mit einzelnen größeren Kuppeln“, beispielsweise.

Es kommen aber auch Pinien und Löwen vor, die die Realistin in mir, nicht im Nonntal zu finden glaubt und immer wird  es abgelöst von einem kurzen gedichtartigen Text, der sich oft mit der Tierwelt beschäftigt, mit dem Nonntal noch weniger zu tun hat und öfter für mich  nicht nachzuvollziehen war:

„Wie ein Hengst

der ein Elsternherz

verzehrt hat

mich verängstigt!“  oder

 

„Daß Bienen, die

der Frost oft

herabfallen ließ

Drohnen sind, stimmt?

Die von kleinen oder auch größeren meistens kopfüßerartigen Zeichnungen umgeben oder gefolgt  werden, die öfter auch eine ganze Seite ausmachen, bis dann wieder ein Landschaftstext in einer einer sehr komplizierten Sprache mit vielen Wortschöfungen, die das Lesen nicht sehr einfach machen, folgt.

Einer Bloggerin,  eine Germanistikstudentin, die das Buch zu meinem Erstaunen, auch schon besprochen hat, hat diese Textform wie sie schreibt „zunehmend verwirrend und anstrengend“, gefunden.

Da bin ich schon abgebrühter , habe mich aber auch eher rasch durch das Buch geblättert,  damit ein paar schöne Stunden verbracht und mich vielleicht nicht richtig in den Text eingelassen.

Ich habe das Lesen trotzdem genoßen, vielleicht nicht mit derselben Begeisterung, wie bei Peter Waterhouses Buch.

Dazu waren mir die Texte wohl zu abstrakt und zu verschieden in ihrer Sprachform. Wenn man aber ein paar Stunden in eine schöne Sprach- und Zeichenwelt hineinkippen will, vielleicht auch, um sich von der Alltagsrealistik, die  einen umgibt, zu erholen,  ist das wirklich schöne Longlistenbilderbuch zu empfehlen.

Da das zweite Experiment auf der Liste nicht zu mir gekommen ist und ich nur die Ausstellung von Brigitte Falkners „Strategien zur Wirtsfindung“ im Literaturhaus gesehen habe, kann ich die beiden Bücher nicht vergleichen, glaube aber fast, daß ich mir eher Oswald Egger auf die Shortlist gewünscht hätte und bin gespannt, was ich von Oswald Egger noch lesen oder hören werde.

Einen kleinen Einblick in das Buch gibt es auch hier.

2017-10-19

Short List Debut Lesung

Beim österreichischen Buchpreis, den es ja seit einem Jahr gibt, gibt es neben der Longlist der nomierten Größen, auch  eine Shortlist mit drei Debuttitel und die werden dann in der AK-Bibliothek bei einer Lesung vorgestellt.

Im Vorjahr war die Veranstaltungt gleichzeitig mit der „Veza-Canetti–Preisverleihung“ an ilse Kilic im MUSA, so daß ich sie versäumte, aber ich habe alle drei Bücher gelesen und eines davon war ja auch beim „Alpha“ nominiert und auf der Blogger Debut Shortlist, hat aber nichts davon gewonnen.

Heuer wurde der „Veza Canetti-Preis“ an an Lydia Mischkulnig schon vor zwei Wochen vergeben, so daß nichts dagegen stand zu der Lesung in die Prinz Eugen Straße zu gehen und ich erinnere:

Mascha Dabic  stand mit „Reibungsverlusten“

Irene Diwiak mit „Liebwies“ und

Nava Ebrahimi mit „Sechzehn Wörter“ auf der Liste.

Deie ersten beiden Bücher wurden auch bei den O-Tönen vorgestellt und ich habe bei beiden das PDF bekommen und bin gerade mittendrin beim Lesen von „Liebwies“, das mir sehr gefällt und ich die junge Autorin auch für sehr begabt halte, auch wenn es manchmal haarscharf am Kitsch vorbeischrammt ist es dann mit seiner Absurdität wieder sehr originell und einzigartig, was es in der österreichischen Literatur abseits von allen Sprachkunstbemühungen doch zu geben scheint.

Die Veranstaltung in Lesesaal in der AK-Bibliothek auch sehr voll, in der zweiten Reihe aber Platz, denn seltsamerweise sind die Lesenden weiter hinten gesessen. So habe ich den Literaturhausleiter Robert Huez begrüßt und mit einer Stammbesucherin über die Störaktionen der rechten Verlagen in Frankfurt diskutiert. Dann habe ich Eva Rossmanns „Patrioten“ zum Thema passend herausgezogen, denn „Liebwies“, wo ich  den dritten Teil noch lesen muß, ist als PDF zu mir gekommen und ich habe den Laptop nicht mitgenommen und der E Book Reader liegt ohne die aktuellen Bücher in Harland auf dem Küchenschreibtisch.

Dann kam Ute Weiner, die Bibliotheksleiterin und hielt ein Plädoyer fürs Lesen und für die Debuts, die noch nicht so bekannte Literatur und interviewte die 1981 in Sarjewo geborene Mascha Dabic, die seit 1992 in Wien lebt und hier auch als Dolmetscherin und Übersetzerin tätig ist. Sie dolmetscht bei PTSD-Therapien und „Reibungsluste“ handelt auch davon, beziehungsweise von der Übersetzerin Nora, die schlecht sieht und dann Probleme damit hat, wie sie die Traumatisierung der tschetschenischen Klientin bei der Therapeutin Roswitha übersetzen soll.

Übersetzungsprobleme hat es auch in der AK-Bibliothek gegeben, denn da fielen plötzlich die Mikrophone aus und Masche Dabic  mußte noch einmal von vor anfangen, beziehungsweise nützte der AK-Direktor die Gelegenheit zu betonen, wie wichtig es ist, daß die AK nicht, wie es blau schwarz vielleicht will, finaziell ausgehungert wird, denn man braucht eine gute Infrostruktur.

Dann kam Irene Diwak eine sehr große, sehr junge Frau, die mit ihrem Buch,  das damals noch einen anderen Titel hatte, schon den „Körner-Preis“ bekommen hat und sie las den Anfang vor, den ich schon gelesen habe und dann kam die für mich unbekannte, 1978 in Teheratn geborene, in Köln aufgewachsene und jetzt in Graz lebende, Nava Ebrahimi, von der ich noch nicht viel gehört habe und deren bei Btb erschienenes Buch „Sechzehn Wörter“ auch nicht zu mir gekommen ist.

Alle drei Bücher stehen aber auch auf der Longlist des Boogger Debut-Peises“, beziehungsweise, die ersten zwei.

Nava Ebrahimi habe ich vorgeschlagen und wird vielleicht noch kommen und das Buch hat eine ähnliche Thematik, wie „Nachts ist es leise in Teheran„, das voriges Jahr den „Blogger Debutpreis“ bekommen hat.

Da gibt es ja noch keine Shortlist und jetzt können wir wieder raten, wer in zwei Wochen den Debutpreis bekommen wird?

Wahrscheinlich Irene Diwiak deren Buch sicher das literarischte ist, vielleicht auch das der Mascha Dabic wegen des aktuellen Bezugs  der Flüchtlingsfrage. Aber den Preis vergibt die offizielle >Jury und nicht die AK, da habe ich mich bei Ute Weiner erkundigt und ich werde jetzt „Liebwies“ zu Ende lesen, dann die „Reibungsverluste“ und danach Eva Rossmanns „Patrioten“ was ja zum Thema passt und falls das hier jemand lesen sollte und ein Leseexemplar von „Sechszehn Wörter“ hat, das er gerne mit mir tauschen möchte, ich bin bereit und würde mich sehr freuen. Sonst macht es aber auch die Lücke und nachher gab es wieder Wein und Brötchen und interessante Gespräche über den Debutpreis und die Buch-Wien, die ja bald kommt.

2017-10-16

Klartraum

Jetzt kommt Buch fünf der österreichischen Buchpreisliste, das vierte und das letzte, das ich habe, der kurzen, beim östBp verhält es sich umgekehrt wie beim deutschen, denn da hatte ich am Tag der Shortlistverkündigung noch keines der Bücher gelesen, beim Öst waren es drei und das vierte „Klartraum“ ist jetzt gefolgt.

Daß es sich bei der 1968 in Wien geborenen und in Graz lebenden „Veza-Canetti-Preisträgerin“Olga Flor, um eine komplizierte Autorin, beziehungsweise um ein kompliziertes Buch handeln könnte, habe ich schon geahnt oder gewußt, schließlich hat sie  auch Physik studiert.

Ich habe die Diskussion bei ihrer GAV-Aufnahme verfolgt, sie dann das erste Mal, glaube ich, 2003 gesehen, als es da beim steirischen Fest am Rathausplatz eine Lesung mit steirischen Autoren gab, eine Lesung aus „Die Königin ist tot“, habe ich in der Hauptbücherei verfolgt,den sogeannten Bloggerroman „Ich in Gelb“ gelesen und im Sommer war ich auch bei den O-Tönen, wo ihr neues Buch „Klartraum“ vorgestellt wurde und da erklärte, die Moderatorin, ich glaube, es war Daniela Strigl, es handle sich, um einen Liebesroman. Dann hat Olga Flor sehr schnell und hastig höchstkomplizierte Passagen von Gott und die Welt könnte man so sagen und ich habe nichts verstanden.

Es sind auch, glaube ich, ein paar Leute gegangen und ein paar werden sich vielleicht gedacht haben, daß das Buch der Debutantin, die ja auch auf der Öst steht und die ich erst lesen muß, verständlicher war.

Jetzt steht „Klartraum“ auf der Shortlist, was mich nicht wundert, denn Olga Flor gilt ja als hochlititerarisch:

„Olga Flor gehört zum Besten, was die österreichische Literratur zur Zeit hat“, schreibt auch Helmut Gollner im „Falter“, bzw, am Buchrücken und ihr „Kollateralschaden“ ist auch, 2009 glaube ich, auf der deutschen Longlist gestanden.

Wenn man die Qualität der Literatur an der Sprache, den komplizierten Sätzen, Wenungen und Wortschöpfungen mißt, stimmt das bestimmt, was das Lesevergnügen und die Verständlichkeit, ein Anspruch, den ich vor allem beim zweiteren hätte, wäre ich mir nicht sicher oder würde mich fragen, wer außer Kritikern das Buch zu Ende gelesen hat?

Ich vermute nicht sehr viel und meine Schwiegermutter, eine passionierte Krimileserin würde es wahrscheinlich nicht verstehen und ich eigentlich auch nicht, obwohl mich ja irgednetwas immer wieder zu den Worträuschen einer Andrea Winkler und eines Richard Obermayr zieht.

Olga Flor würde ich auch dazuzählen und sie in eine Reihe mit Lydia Mischkulnig, der neuen „Canetti- Preis Trägerin“ stellen, aber nein, Olga Flor ist ernsthafter, distanzierter und das Buch, wo ich, ich wiederhole es, nicht so ganz verstanden habe, warum es hier eigentlich geht, hat mich mehrmals an die Jelinek und in besonderen an deren „Liebhaberinnen“ erinnert.

Ich glaube, es ist derselbe Grundton oder dieselbe Absicht, die dahintersteckt und wenn ich mich nicht irre hat Olga Flor auch an einer Diskussion zum siebzigsten  Geburtstag der Nobeltreigträgerin mitgewirkt und hier beklagt, daß ihr die Kritiker immer Distanziertheit vorwerfen.

Ich tue das jetzt auch und begründe es damit, daß die Protagonisten in dem Buch keine Nnamen haben sondern A, C, G und vorwiegend P heißen.

Das ist die Frau, die durch das Buch hastet, das in Kapitel, wie „Verlust 1“, „Glück  7“,  „Komik 1“ bis zu „Lust 12“ haben und wenn mich jetzt jemand fragt, was mir ja immer sehr wichtig ist, zu spoilern, was hier eigentlich passiert?

So habe ich verstanden, P hat sich von ihrem Geliebten oder Exgeliebten getrennt, kommt nicht von ihm los, schreibt ihm Abschiedsbriefe, liegt dazwischen in einer Wohnung auf dem Boden oder unterhält sich mit einer Nachbarin darüber, wie teuer Kinder kommen oder ob es peinlich ist, wenn man bei der Elternvertretung um Unterstürzung für den Schikurs ansucht?

Man sieht, Olga Flor ist auch hoch politisch und P denkt, während sie sich die Frage stellt, wo jetzt die Liebe im Zeiten des Neoliberalismus bleibt, sich auch mit der Flüchtlingsfrage beschäftigt, beziehungsweise sich als ehrenamtliche Helferin betätigt, wird wie schon geschrieben, über Gott und die Welt, die Wirtschaft und deren Korrumpierung und noch vieles andere nach.

P dürfte, mit dem Spilern ist es hier wirklich schwer, weil die Handlung fortwährend von einem Thema zum anderen springt, man sich mal in Berlin, dann wieder in Wien oder auf einer Reise mit A., dem Exgeliebten befindet, den P offenbar, während des Studiums kennenlernte.

Beide haben Beziehungen so gibt eine C und, glaube ich, einen T Ob P Kinder hat, wurde mir nicht ganz klar. A. aber schon und P wollte das wohl auch, unabhängig bleiben. A scheint, wie das so ist, höher gestellt als P zu sein, die in prekären Verhältnissen leben dürfte und dann gibt es noch „Möglichkeit“ genannte Kapitel, wo eine G, eine Paketzustellerin, auftrittt, die offenbar ein Verhältnis mit A eingehen könnte. Es gibt auch  einen Fahrradboten, der eigentlich Islamforscher ist und einen Unfall hat und mit dem haben vielleicht P und G zu tun.

Sehr kompliziert für die Spoilerin, die vielleicht in dem Versuch Struktur in dem Buch zu finden, das Eigentlich übersehen hat. Aber ja, da gibt es noch eine Geschichte, wo sich OlgaFlor über den Literaturbetrieb, beziehungsweise über die E- Bookleser und die Fantasyschreiber lustig macht, beziehungsweise ihnen genaue Anweisungen gibt, wie man eine solche Handlung kostruieren muß, damit die Bankdaten am Ende stimmen.

Am Ende löst sich, glaube ich, A von p und C, As Gattin hat ein Problem mit ihrem Computer, geht daher in den ihres Göttergatten , findet die Mails, schickt sie an sich selbst und beschließt genüßlich sich von ihm, nachdem er sich endlich von P getrennt hat,  zu trennen und eine Quellenangabe gibt es in dem Buch auch.

„Die Pallindrome auf Seite 251 stammen von Brigitta Falkner“, die ja mit ihrem neuesten Buch ebenfalls auf der Shortlist steht.

Man sieht, Olga Flor ist tatsächlich kompliziert und experimentell und wenn ich jetzt raten soll, ob sie den Öst gewinnen wird, würde ich aus den schonzitierten Gründen „Nein!“, vermuten. Denn das würden die Buchhändler vermutlich aufschreien und stöhnen „Nicht schon wieder so ein kompliziertes Buch mit Minderheitengeschmack, den unsere Käufer nicht wollen!“ und auf die sicher leichter zu lesende kryptische PTSD-Geschichte von Paulus <Hochgatterer hinweisen.

2017-10-14

Fortuna: Aus dem Magazin des Glücks

Über Buch vier des österreichischen Buchpreises Franz Schuhs „Fortuna – Aus dem Magazin des Glücks“, war ich etwas erstaunt, als ich es auf der Longlist stehen sah, gut, daß beim österreichischen Bp nicht nur Romane sondern auch Essays, Gedichte, etcetera stehen können, ist bekannt aus dem vorigen Jahr, aber dieser Titel des 1947 geborenen Philosophen, Schriftsteller und Essayisten, „Wespennest-Begründer“ ist er auch, wie man ihn nennen könnte, war mir  ebenfalls sehr bekannt und so konnte ich  im erstenMoment gar nicht glauben, daß das Buch, das auch längere Zeit bei Anna Jeller in der Auslage stand, wirklich erst in diesen Jahr erschienen ist.

Der Iirrtum klärt sich leicht auf, denn das „Magazin des Glücks“ ist auch eine Reihe, die es im Ex Libris, der österreichischen Büchersendung gibt oder gab und die höre ich ja relativ oft und so ist der bei  „Zsolnay“ erschienene Band wahrscheinlich  ein best off zum  siebzigsten Geburtstag sozusagen.

Das Glück ist, sagt man ein Vogerl und war auch das Thema der Podium Sommerreihe im Cafe Prück beziehungsweise der Auftaktveranstaltung in der „Alten Schmiede“ und da war Franz Schuh mit seinem Buch zu Gast und hat, glaube ich, auch die Stelle zitiert, wo Lotte Tobisch, die Schauspielerin und Operballorganisatorin beziehungsweise Schirmfrau des Altersheim für Künstler in Baden, wo jetzt auch Ottwald John zu Hause ist, sagte, daß  man im Alter zwar Freude aber keinen Spaß mehr haben kann und darüber kann man wahrscheinlich genauso diskutieren, wie über Franz Schuhs Thesen, die mir manchmal etwas schwierig und widersprüchig scheinen.

Ich habe auch schon „Schwere Vorwürfe und schmutzige Wäsche“  gelesen, von dem ich nicht viel verstanden habe. Also hatte ich meine diesbezüglichen Vorurteile, als ich das Buch, beziehungsweise das PDF, das mir Susanne Rössler von „Zsolnay“ schickte und war erstaunt, denn es ist gar nicht so philosophisch, wie ich vordergründig dachte.

Mischen sich doch Gedchte mit eher kurzen essayistischen Texten und Franz Schuh, als Dialiektdichter, den ich regelmäßig bei verschiedenen Veranstaltungen sehe, war für mich eine Überraschung und das Vorwort des Buches, habe ich, glaube ich, auch schon einmal gehört.

„Ich schreibe über das Glück, weil ich erstens Glück hatte und zwar so viel, daß ich dem vermeintlichen Unglück trotzen kann.“

Vorher hat er schon von einem „Dummdödl“, „Nicht nachschlagen, das Wort habe ich erfunden“, geschrieben, der in einer Bahnhofhalle steht, mit dem Rucksack einen Schalter berührt, worauf eine Stimme „Hallo!“, sagt, der Dödl „unabsichtlich angekommen“, antwortet „und wenn sie nicht gestorben sind, dann sind noch immer unabsichtlich angekommen.“

Was das mit dem Glück zu tun hat, ist auch nicht ganz klar, aber das ganze Buch, das ursprüglich „Leidenskraft und Lebenswille“ heißen sollte“, aber der Verlag war dagegen, weil es dann kein Mensch kaufen würde, besteht  aus Assoziationen und Gedankensplittern mit denen uns Franz Schuh in seine, wie schon beschrieben vielleicht nicht immer so ganz nachvollziehbare Gedankenwerlt einführt.

Da kommt ein Zitat Schopenhauers „Es gibt nur einen angeborenen Irrtum, und das ist der, das wir da sind, um glücklich zu sein“, das von einem „Schopenhauer am Inn“ genannten, längeren Gedicht oder Text in Gedichtform gefolgt wird.

Dann geht es auf die Mariahilferstraße über die Franz Schuh offenbar gehen mußte, wenn er zu Weihnachten seine Eltern besuchte, die Mutter hatte „Alzheimer“, eine Krankhei, die auch Arno Geigers Vater hatte.

In seinem „Alten König in seinem Exil“ hat er ausführlich geschrieben, was Schuh im nächsten Kapitel immer noch in Beziehung auf seine Mutter zitierte und sich dann interessanterweise mit der Frage beschäftigt, was dieses Buch nun ist?

Ein „Memoir“ würde ich vom „Writersstudio“ geschult sagen, aber Franz Schuh ist ja Philosphph und denkt an die Wiener Schule.

„Nein, Avantadistisch ist es nicht und auch kein Roman!“ und darüber habe ich mich ja einmal mit Ludwig Laher herumgestritten, weil mich das ärgerte, das das Buch immer so genannt wird.

Franz Schuhs Mutter litt also, wie Arno Geigers Vater an Alzheimer, wo man wahrscheinlich auch dieskutieren kann, ob das eine Krankheit oder einfach das Ende eines inzwischen sehr medizinbegleiteten Lebens ist und mit Glück hat die Begleitung dementer Angehöriger wahrscheinlich auch nicht viel zu tun, obwohl die Betroffenen, wie ich höre, das oft sind, wenn sie ins Reich der Kindheit hinübergleiten, aber die war meistens auch nicht sehr glücklich.

Thomas Mann wird mit seinen „Buddenbrocks“ und dem „Hochstapler Felix Krull“, ein Paradebeispiel des Glücks, wie Franz Schuh, meint  zitiert. Karl Kraus kommt mit seiner „Walpurgisnacht“ vor und natürlich der Schelm des Hauses, der braven Soldat Schwejk, der mit dem „Dummdödln“, den ersten Weltkrieg überstand, während sich sein Verfasser, glaube ich, zu Tode gesoffen hat.

Mit dem Zufall beziehungsweise den Lehrern die Franz Schuh im Gymnasium hatte geht es weiter, bevor es zum freien Willen und  zur Sucht und damit zu weiteren sehr persönlichen Bekenntnissen des Autors geht.

Denn Franz Schuh ist ja stark übergewichtig.

„Adipositas“ nennen das die Fachleute, die Wiener meint Franz Schuh wollen vom Lateinischen nichts wissen und beschimpfen ihn als „Fettsack“ und wenn er zum Arzt geht, der natürlich zum Abnehmen und zu mehr Bewegung rät, dann begrüßt er ihm gleich fröhlich mit diesen Worten.

Dann gehts in den Gemeindebau, wo Franz Schuh  im fünzehnten Bezirk aufgewachsen ist. Der Vater war, wie er schreibt, einer der die Staatspolizei kommunistisch unterwandert hat. Das war in den fünziger Jahren vielleicht noch möglich, heute wo das ja schon ein Schimpfwort ist, wahrscheinlich nicht mehr und da kommen wir gleich in den Wahlkampf, beziehungsweise zu unserem derzeitigen Bundeskanzler Christian Kern, der,  als er vor fünfzehn Monaten sein Amt von Werner Feymann übernommen hat, gesagt haben soll, er sei von seiner Herkunft proleatirscher als manch anderer Bundeskanzler, weil auch in einem Gemeindebau aufgewachsen. Ein Proleatirer im Nadelstreif und das hebt sich ab von dem bösen Wort Prolet mit dem der Wiener und wahrscheinlich auch manch anderer die Leute aus der sogenannten Unterschicht, heute heißt das, glaube ich, bildungsfernere Schicht, so gern beschimpft.

Franz Schuh preist aber die Gemeinschaft, die es in den Gemeindebauten in den Fünfzigerjahren gab. Die Kinder trafen sich beim Fußballspielen, der Hausmeister schimpfte dann wenn sie das Gras betraten, was ja damals strengt verboten war und der Vater mußte noch im hohen Alter die Kohlen aus dem Keller holen, denn die Fernwäreme hat es erst später gegeben.

Ernst Hinterberger der ja auch in einem Gemeindebau wohnte und immer viel von den „kleinen Leuten“ hielt und sein „Kaisermühlenblues“ wird zitiert. Da Gänsehäufel und das Schutzhaus zur Zukunft, wo wenn ich nichts durcheinanderbringe, Franz Schuh seine Maturafeier absolvierte.

Und so gehen wir durchs Buch, kommen vom „Haß“ zum „Passt oder passt nicht“.

Dem Wirt, wo Franz Schuh seine Sommerfrische verbringt, passen die vielen Flüchtlinge nicht und Franz Schuh nicht seine Maßschuhe, die er sich einmal anfertigen ließ. Der Schuster verwies ihn an die Firma „Humanic“, die ja immer noch durch ihre avantgardistische Werbung vom „Franz“ berühmt ist. Und der Herr Schuh heißt ja Franz.

Clemes J. Setz und seine „Stunde zwischen Frau und Gittare“ wird erwähnt und Conchita Wurst, die eigentlich Tom Neuwirth heißt und 2014 für Österreich den Songcontest gewonnen hat.

Man sieht Franz Schuh ist ein gelehrter Mann, der sich für alles interessiert und auch ein Udo Jürgens Fan und so ist er zu dessen achtzigsten Geburtstag im Bademantel auf eine Demonstration am Ring, die dort nicht stattfinden durfte mitgegangen.

Er erzählt auch, was ich schon bei einer der Cafe Prückl -Lesungen hörte, daß der Titel seines „Magazins“ eingentlich von Ödon von Horvath stammt und kommt ganz am Schuß des Buches, das immer wieder von Gedichten durchsprenkelt wird, die sich teilweise auf die vorangehenden Gedichte beziehen, ins AKH und auf sein Übergewicht zurück. Denn er soll sich dort einer Operation unterziehen und da muß er erst vom Internisten dafür freigegeben werden.

Ein interessantes Buch und eines das ganz anders war, als ich gedacht hatte. Hatte ich mir doch hochphilosphische Abhandlungen vom Leben erwartet, die ich nicht verstehen würde, man kann aber über das Leben, das Glück und das Unglück auch ganz locker plaudern und Franz Schuh ist mit seinem „Magazin des Glücks“ nicht auf die „Shortlist des österreichischen Buchpreises gekommen“. Ob das ein Glück oder ein Unglück ist, mag sich für ihn erweisen.

 

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