Literaturgefluester

2019-10-20

Hier sind Löwen

Buch vierzehn des dBps Katerina Poladjans „Hier sind Löwen“, schließt sich eigentlich ziemlich nahtlos an Alexander Osangs „Das Leben der Elena Silber“, an, wurde die Autorin, die armenische Wurzeln hat und schon beim „Bachmannpreis“ gelesen hat doch 1971 in Moskau geboren und sie hat auch einen Familienroman, in dem es um Wurzeln und die Herkunft ihrer Familie geht, geschrieben.

Die Buchrestauratiorin Helen oder Helena Mazavian, Tochter der Künstlerin Sara, die sie ohne ihrem deutschen Vater allein aufgezogen hat und sie als Kind dadurch verstörte, daß sie ihre Puppen und Stofftiere zerschnitt und neben die Fotos toter armenischer Kinder performiertte, reist nach Jerewan, um dort eine bestimmte Art der armenischen Buchbindekunst zu erlernen.

Sie solle eine Bibel restaurieren und findet in ihr einen bestimmten Satz.

„Hrant will nicht aufwachen!“

Das veranlaßt sie nach ihrer eigenen Familie zu forschen, um herauszufinden, wie das mit ihrer Großmutter war.

Das bleibt aber vage und unbestimmt, weil sie eigentlich keine Informationen dazu bekommt und auch keine wirklichen Spuren findet.

Sie, die in Deutschland ihren Freund zurückgelassen hat, nimmt in Jerewan eine Beziehung zum Sohn der Chefin des Archivs auf, einem Soldaten, der im Laufe des Romans stirbt und die fiktive Geschichte von zwei Kindern, denen die Bibel gehört haben könnte und die mit ihnen während des Völkermordes zu flüchten versuchten und die Helenes Vorfahren sein könnten, wird auch immer wieder eingestreut.

Eine ähnliche vage Geschichte, wie die von Alexander Oslang, die aber doch ein wenig einführt in die armenische Geschichte, die Suche nach den Wurzeln ihrer Familie, die aber auch Helen nicht wirklich findet, wie sie auch ein wenig vage, widersprüchig und undefiniert geschildert wird, die aber doch einen interessanten Einblick und die Motivation geben kann, sich weiter mit der Geschichte der Armenier zu befassen und da habe ich ja erst heute einen Roman darüber im Bücherschrank gefunden, den ich mir aus genau diesem Grund mitgenommen habe und ein Sachbuch über den Völkermord in Armenien habe ich auch einmal zum Geburtstag bekommen.

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2019-10-14

Jurysitzung, Preisverleihung und Buchpromotion

Am zweiten Dezember wird es in der Ovalhalle des Museumsquartier die Verleihung des dreizehnten „Ohrenschmauses- Literaturpreis für und von Menschen mit Lernbschwierigkeiten“erfolgen, den es 2007 gibt.

Der Einsendeschluß der Texte war, glaube ich, Ende August, seit ein paar Wochen liegen die über hundert Einreichung in unserem Schlafzimmer, ich habe sie durchgesehen, Bekanntes und Neues entdeckt und bin heute nach eins auf den Künglberg ins ORF-Zentrum hinausgefahren, wo diesmal die Jurysitzung war, auch ein bekannter Ort, ani dem ich schon lange nicht war, denn ich habe ja in der zweiten Hälfte der Neunzehnsiebzigerjahre, als ich meine Dissertation geschrieben habe und da über die „Midlifekrise“ forschte, Interviews mit Menschen zwischen vierzig und fünfzig gemachtund bin diesbezüglich  öfter am Küniglberg gewesen.

Jetzt hat sich das alles verändert und ist viel größer geworden. Ich bin an einer riesigen Parkgarage vorbeigegangen, an die ich mich nicht erinnern konnte, daß es sie damals schon gegeben hat, bis ich endlich Gerlinde Hofer, die nunmehrige Organisatorin und das Jurymitglied Barbara Rett getroffen habe, die mich in das Zimmer von Franz Joseph Huainigg, der jetzt offenbar beim ORF arbeitet, gebracht hat, wo schon Heinz Janisch auf uns wartete.

Die anderen Juroren, Ludwig Laher, Felix Mitterer und Franzobel waren nicht da und haben ihre Tips per Mail abgegeben, eine Krankheit des „Ohrenschmauses“ oder der diesbezüglichen Jurysitzungen, daß ich da meistens mit einem oder zwei Juroren alleine dasitze, dafür waren wir aber schnell fertig, weil wir seltsamerweise alle, die ähnlichen Favoriten hatten.

Schöne Texte kann ich gleich, ohne zuviel zu spoilern, weil man das ja nicht darf, verraten und auch ein paar neue Talente unter den schon altbekannten.

Also hinkommen zur Preisverleihung am 2. Dezember, wo ich eine Laudatio für den Prosapreis halten werde und eine andere Preisverleihung hat es auch bald gegeben, wurde ja heute am Vorvorabend vor der Frankfurter Buchmesse  im „Römer“ der „Deutsche Buchpreis“, den es zwei Jahre länger, als den „Ohrenschmaus“, nämlich seit 2005 gibt, vergeben, den man sich, per livestream ansehen  und herausfinden konnte, wer von den sechs Shortlistfavoriten, die im September bekanntgegeben wurden, das Rennen machte.

Und da gab es ja in den letzten Tagen durch Petra Hartliebs Presseartikel eine große Aufregung, was jetzt der beste oder eigentlich nicht beste, sondern nur der des Jahres wird?

Der, der am besten geschrieben wurde oder nur der, der sich als gut verkaufen wird und ich habe ja schon einige Höhenflüge bei den Preisverleihungen erlebt, im Vorjahr war ich enttäuscht, weil mir die Qualität des damals ausgezeichneten Romanes nicht so aufgefallen war, heuer dachte ich, daß es vielleicht Norbert Scheuer mit seinem meiner Meinung nach zu skurillen Helden werden könnte oder vielleicht Raphaela Edelbauer mit ihrem Debut, mit dem sie auch auf der östShortlist steht, das mir sehr gut gefallen hat. An Jackie Thomaes Roman und die zwei anderen Debuts dachte ich eigentlich nicht so sehr und war daher sehr erfreut als Heinrich Riethmüller vom deutschen Börseverein Sasa Stanisic als Preisträger verkündete, dessen Buch „Herkunft“ ich als einzigs der sechs Shortlistbücher noch nicht gelsen habe.

Gratulation dem 1978 in Visigrad geborenen, der, glaube ich, auch einmal kurz oder länger meinem Blog folgte, was mir allerdings, ganz ehrlich, weniger gefallen hat, war seine Preisrede, die sein Unbehagen über den halben, wie er sagte „Nobelpreis“ ausdrückte und da ausdrücklich nur Olga Tokarczuk gratulierte .

Verständlich? Ja, wahrscheinlich, aber das muß man vielleicht nicht so deutlich öffentlich sagen. Es genügt, denke ich, das Politische vom Poetischen zu trennen.

Stefan Slupetzky

Stefan Slupetzky

Nun ja, nun ja, Kathrin Schmidt hat sich 2009, glaube ich, sehr gefreut als die die Preisträgerin wurde und ihre Freude über die damalige Nobelpreisträgerin deutlich ausgedrückt.

Nun ja, das Buch lesen, ein paar andere stehen  noch vorher auf meiner Leseliste und jetzt nach der erfolgten Preisverleihung, wo die Leute jetzt wahrscheinlich beim Buffet stehen und bei Wein und Sekt über den Preisträger und seine Preisrede diskutieren, wieder zu den „Wilden Worten“ ins Amerlinghaus gegangen, wo diesmal Stefan Slupetzky an der Reihe ist und dabei mein neues Buch mitgenommen, weil es ja darin wieder ein von Richard Weihs verfaßtes „Wunschgedicht“ gibt.

Und weil der 1962 in Wien geborene Krimiautor, den ich auch schon öfter mit seinem „Trio Lepschy“ hörte, schon recht bekannt ist, war es im Amerlinghaus auch recht voll, als ich dieses knapp nach acht erreichte und Stefan Slupetzky, der im Programm unter dem Titel „Mischkulanz“ angekündigt war und, wie Richard Weihs in seiner Einleitung erwähnte, sehr politisch ist, brachte drei Szenen aus seinem noch nicht erschienen neuen „Lemming-Roman“, „Im Netz des Lemmings“, wo es gegen die politische Korrektness und für das Rauchen ging, was auch sehr diskutiert wurde.

Der Lemming, ein ehemaliger Polizeibeamter, der jetzt als Nachtwächter im Tierpark Schönbrunn, glaube ich, arbeiteit, fährt mit einem Kind in der Straßenbahn nach Schönbrunn und das springt dann in Hietzing von der U-Bahnbrücke, so daß der Lemming in Verdacht gerät, war eine der Stelle die Stefan Slupetky vorgelesen hat. Dann gabs eine Diskussion über das Gendern, denn eine ehemalige Bezirksrätin, die jetzt ein Kaffehaus hat, gibt es in dem Buch auch und eine Stelle an einem Würstlstand ist ebenfalls noch vorgekommen.

Und weil ich heute schon, was bei mir ja nicht so häufig ist, schon eine recht literarischen Tag hatte, hatte ich gar keine so große Lust, meine „Maria Mattuschek-Szene“ in der freien Wildbahn vorzulesen.

So habe ich Richard Weihs, das Buch nur überreicht und ihn gefragt, ob ich vielleicht doch ein zweites Mal als Gast bei ihm lesen darf, andere tun das ja auch.

Geht vielleicht, hat er gesagt und dann doch einen Wildbahngast gehabt, der ein „Haiku“ bei ihm vorstellte und das nächste Mal wird, wie ich hörte, Christl Greller bei den „Wilden Worten“ lesen.

2019-10-13

Gelenke des Lichts

Jetzt kommt Buch zwölf der deutschen Longlist und das ist eine Überraschung, ist Emanuel Maeß „Gelenke des Lichts“ das ich ja eigentlich von dem, was ich bisher über das Buch hörte, für ein Sprachrauschbuch al al Andrea Winkler oder Richard Obermayr, beziehungsweise, als das schwierige Buchpreisbuch, das die Literaturwissenschaftler loben, die Buchhändler aber stöhnen, weil das keiner lesen will, wie das von Reinhard Jirgl, Ulrich Petzer oder Thomas Lehr gehalten habe, das beste Buch, das ich bisher von den zwölf gelesen habe.

Interessant, interessant, es gibt also immer noch Überraschungen und ganz so leicht bin ich in den Bildungs- oder Entwicklungsromans des 1977 in Jena Geborenen, der mit seinem Debut auch für den „Tumler-Literaturpreis“ nominiert war, nicht hineingekommen, denn es ist ja ein Sprachrauschbuch ohne wirkliche Handlung oder doch, denn eigentlich ist es ein autobiografischer Roman, erzählt der Autor, der in Heidelberg, Oxford und Wien studierte doch sein Leben, sein Aufwachsen in der DDR, die Wende, sein Studium und tut das und das finde ich das Geniale und Ungewöhnliche an dem Buch in der  Sprache des Bildungsromans des neunzehnten Jahrhunderts, obwohl in dem Buch auch worte wie SMS, Internet, etcetera vorkommen.

Beginnen tut es mit einer Art „Odje an den Mond“ oder mit der Anbetung an eine Angelika, der der Autor das Buch widmet.

Das ganze Buch ist an sie geschrieben, die er als Kind in einem Ferienlager in der Ostsee kennenlernte, aber dann nicht bekommen konnte, „denn die Gräben waren viel zu tief…“

Der Ich-Erzähler ist der Sohn eines Landpfarrers und einer Landärztin, wächst wie beschrieben in einemn DDR-Dörfchen auf, maturiert in Meiningen und geht dann nach der Wende als Philologie- und Literaturstudent nach Heidelberg, später studiert er in Cambridge, arbeitet als Wissenschaftliche Hilfskraft hat einen Freund und eine Freundin dort, reist mit ihnen in die Schweiz, um bei einem Kongreß einen Vortrag zu halten und am Schluß fliegt er dann und das ist auch so ein genialer Streich mit ausgebreiteten Armen durch die Luft von England in die Ex- DDR zurück.

Das klingt jetzt alles sicher sehr banal nacherzöhlt, ist das Buch ja sehr <handlungsarm, die Sprachvielvalt und auch dieIronie, die immer zwischendruch aufblitz macht es aber aus, ein Beispiel wäre der Satz „Offenbar aber war die Anzahl der Bewerber, die irrsinnig genug waren, heutzutage noch Literatur zu studieren, so gering, dass ich kaum zwei Monate auf meine Zusage warten mußte“, als er sich entschließt von Heidelberg nach Cambrigde zu gehen.

„EinJüngling liebt ein Mädchen, gewinnt es, verliert es, nimmt Anlauf und springt – Ein unkonventioneller Zauberhybride aus Bildungs- Schelmen  und Campusroman- faszinierende Erzählkunst“, steht am Buchrücken und „Bookster“ der Buchpate für dieses Buch, fragt sich, für wen es wohl geschrieben ist und führt als Beispiel, die Germinsten an.

Was wohl stimmt, die, die irrrsinng genug sind, heutzutage noch Literatur zu studieren, würde Emanuel Maeß wohl antworten. Aber die erwartet dann ein besonderes Vergügen, wie die Leserin merken konnte, die sich eigentlich mehr für realistische Romane als für Sprachräusche interessiert und interessant ist auch, daß es wieder ein Ex-DDR Roman ist, da hat ja schon Jackie Thomae auf ganz andere Art und Weise ein bißchen was über die Wende erzählt und Lola Randl und Miku Sophie Kühmel haben die Uckermark gewählt.

Wenn man also die DDR in ihren Sprachräuschen und Spracheskapaden, die von Neptun,Friedrich Rückert, Richard Wagner,, etcetera handeln, erleben will, ist das Buch gerade richtig, auch wenn man vielleicht nicht alles versteht, denn was es mit dem Titel auf sich hat, ist mir nicht ganz klar geworden.

2019-10-12

Buchpreisaufregungen

Filed under: Buchpreisbloggen — jancak @ 13:20
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Ich lese ja derzeit das fünfte Mal die deutschen Buchpreisbücher, das vierte Mal die des Österreichischen und heuer zum ersten Mal die Schweizer Buchpreisbücher und bin dazu gekommen, weil mich ja das Lesen und die Bücher sehr faszinieren.

Ich schreibe immer wieder, bis 2008 ist der Deutsche Buchpreis so ziemlich an mir vorbeigegangen, da habe ich beim Kochen und beim Abwaschen in Ö1 vielleicht davon gehört und mir gedacht, „Aha!“, interessant.

2008 als ich mit dem Bloggen angefangen habe, hat es Christiane Zintzen mit ihrem Blog „Indadäquat“, den es schon lange nicht mehr gibt, vorgestellt und auch  auf dieses Leseprobenbüchlein hingewiesen. Damals gab es auch in der FAZ, glaube ich, ein „Deutsches Buchpreis-Spezial“, wo die Bücher vorgestellt und von Literaturkritikeren diskutiert wurden.

2009 bin ich in Wien und St. Pölten dem Leseprobenbüchlein nachgejagt, bin dann irgendwann auf „Buzzaldrins-Blog“ gestoßen, der 2013 die Aktion „Fünf lesen vier“ oder „Vier lesen fünf“ ins Leben gerufen hat.

Daraus ist das „Buchrpreisbloggen“ geworden, wo es 2015 sieben offizielle Blogger gab, die sehr stolz darauf waren, ausgewählt worden zu sein.

„Das kann doch jeder machen!“, habe ich trotzig gedacht, die Bücher angefragt, bin in Buchhandlungen gegangen, habe mir vom Alfred die Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke früher kaufen lassen, mir zwei der Bücher vom Otto ausgeborgt, etcetera.

Damals hat es auch das Buchpreistagebuch oder die Longlistnotizen gegeben, denn ich habe mein inoffizielles Buchpreisloggertum sehr ernst genommen, bin damit vielleicht auch den offiziellen Bloggern auf die Nerven gegegangen, denn eine hat meine Kommentare gelöst und gemeint ich solle sie in Ruhe lassen!

Aber mir hat das Bloggen Spaß gemacht, ich habe mir gedacht, in Buchhandlungen setze ich mich nicht mehr, borge mir auch nichts mehr aus, sondern frage an und was kommt wird gelesen, das waren 2016 neunzehn Bücher, aber da gab es schön die österreichische Buchpreisliste und das Lesen wurde ein bißchen Streß oder nicht wirklich, aber die Kritiker, die es ja sicher gibt, könnten das vielleicht so sehen.

Heuer gibt es, weil wir ja nach Basel fahren das dreifache Buchpreisbloggen und da ich vorher in Locarno war, habe ich mit dem deutschen Buchpreislesen erst im September angefangen, bin jetzt beim dreizehnten Buch, habe alle auf meiner Liste, weil man die jetzt ja auch bei der „Netgalley“ anfragen und sich als E-Books schicken lassen kann.

Das Longlistentagebuch und die Glossen darüber sind auf die Art und Weise ein wenig rar geworden, weil ich ja auch zu Veranstaltungen gehe, meine Praxis mache, mir die „Ohrenschmaustexte“ angesehen habe, etcetera, was ich ein wenig schade finde und auch im Netz tat sich heuer weniger, weil es jetzt ja statt den offiziellen Bloggern, die „Buchpreispaten“ gibt.

Da lesen zwanzig Blogger je ein Buch und rezensieren es anschließend, aber es gibt natürlich die „Buchpreisaufregungen“ und das ist ja, glaube ich, auch was der „Börseverein des Buchhandlels“ mit seinem „Deutschen Buchpreis“ will, eine Diskussion über die Bücher von denen dann vielleicht das eine oder andere zu Weihnachten unterm Christbaum für die Frau oder Schwiegermutter landet und dann, wenn man Glück hat, ein paar Tage später noch originalverpackt im offenen Bücherschrank.

Ich denke, obwohl darüber viel diskutiert wird, es gibt keine Regeln, was der deutsche Buchpreis darüber hinaus will, als auf die Bücher aufmerksam zu machen und ich denke auch keine Vorgaben, an die Juroren, wie sie sie sich zu entscheiden hätten.

Das halte ich für ein Gerücht, auch wenn man das im Netz immer wieder findet, was der deutsche Buchpreis bewirken soll? Er ist kein Literaturpreis, wie der „Büchner-Preis“ wahrscheinlich, sondern, wie schon der Name sagt, ein „Buchpreis“ den der Börseverein gestiftet hat.

Früher hieß es für den besten Roman. Das „Beste“ wurde jetzt geweggelassen, wahrscheinlich nicht deshalb, weil ich immer wieder montierte, daß das nicht der beste Roman sein kann, weil die Geschmäcker ja verschieden sind und man Bücher auch nicht vermessen kann und höchstwahrscheinlich nicht wirklich vergleichen.

Die Kritiker haben aber deshalb die Frage aufgeworfen, ob da nicht vielleicht auch ein schlechter Roman nominiert werden könnte und, ob sie sich dann überhaupt noch in eine Jury setzen sollen, wo es vielleicht auch ein oder zwei Buchhändler gibt, die ihre Rolle darin verstehen, ein möglichst gut lesbares Buch, was auch verkauft wird, hinauszupushen.

Diese Diskussion ist nicht neu und sie wurde sicher nicht von Petra Hartlieb, der engagierten Wiener Buchhändlerin und Kämpferin gegen „Amazon“ angeregt, denn es gab sie schon 2013, als es noch das „Fünf lesen vier“ oder umgekehrt gb und da Reinhard Jirgl mit seinem „Nichts von euch auf Erden“ auf der Shortlist stand.

„Ein unlesbaren Buch!“, kommentierten die Blogger und befürchteten, daß es den Preis gewinnen würde. Hat es nicht und 2015 als ich das erste Mal inoffiziell den „Buchpreis“ bloggte, gab es die Diskussion bezüglich Ulrich Peltzer und die „Klappentexterin“, eine Buchhändlerin und „Buchpreisbloggerin“ hat genau das mentiert: „Da sind Bücher auf der Liste, die  Leute nicht lesen und nicht kaufen wollen!“

Das gibt es also, beobachte ich, jedes jahr, 2017 war es Thomas Lehr mit seiner „Schlafenden Sonne“, heuer Ulrich Maess mit den „Gelenken des Lichts“, ein Buch, was ich ja schon geschrieben habe, von den zwölfeinhalb, die ich bis jetzt gelesen habe, für das beste halte, das aber nicht auf der Shortlist steht, denn heuer stehen da drei Debutanten darauf und insgesamt waren es sieben und die großen Namen fehlten eigentlich und auch, was ich eigentlich gut finde, die Romane der Midlifekrisismänner, die ihre Probleme mit dem Sex und den Älterwerden beklagen.

Zufall oder nicht, in der Jury gibt es jedenfallls zwei Buchhändler, eine davon ist Petra Hartlieb, wie schon erwähnt. Dann noch Daniela Strigl, die österreichische Literaturkritikerin und wahrscheinlich noch vier andere Literaturkritiker und die Diskussion, die heuer im Netz ein wenig schwach war, nur drei Blogger haben das Longlistbüchlein durchgesehen und zwei weitere je drei Bücher gelesen, wurde schon im August begonnen.

Ich habe auf den O- Tönen davon mitgekommen, denn das Stand ja „Miroloi“ darauf, ein Jugendbuch, ein Fantasie oder dystopischer Roman. Kann und darf das sein?

Die Diskussion ebbte wieder ab, immerhin hätte Karen Köhler ja auch beim Bachmnnpreis lesen sollen und jetzt, während wir langsam in Richtung der montaglichen Preisvergabe schielen und ich mich frage, wer wird es werden  wird?

Sasa Stanisic, den ich noch nicht gelesen habe, Norbert Scheuer, der mir nicht gefallen hat oder Raphalela Edelbauer, die bei beiden Preisen auf der Shortlist steht oder doch die drei anderen, zwei Debuts und Jackie Thomaes „Brüder“, hat sich Petra Hartlieb zu Wort gemeldet und in der „Presse“ einen Bericht über ihre Jurorenerfahrungen veröffentlicht, der wieder etwas Staub aufwirbelete, obwohl ich gleich schreiben kann, daß er sehr sehr harmlos ist und nicht einmal das, mit den zu schwierigen Büchern wirklich thematisiert, aber die Kritiker wie man lesen und hören kann, sehr stark empörte!

Stehpah Teichgräber hat mich am vorigen Mittwoch bei seinem Workshop auf den Bericht aufmerksam gemacht, das heißt, er hat ihn erwähnt, dann hat mir der alfred etwas davon geschickt. Der Artikel war im Netz aber nicht kostenlos zu lesen, da gab es nur ein Video von einem Kritiker mit der Überschrift „Ist der dBp eine Mogelpackung?“, der sich empörte, daß Petra Hartlieb in einem Satz geschrieben hat, daß sie dieses Frühjahr eine Unmenge Bücher gleesen hat, die sie nicht verstanden  und höchtwahrscheinlich nicht verkaufen kann!

Nun habe ich, weil ja alles streng geheim und ich mir nicht die Zeit nehme die Neurerschungen diesbezüglich durchzugehen, welche zwei Bücher, die Mitgliedsverlage vielleicht vorschlagen könnten, die an die zweihundert Nominierungen nicht gelesen, nur ein paar davon wahrscheinlich und da ja auch, wie ich es seit ein paar Jahren mache, eine persönliche Prognose gegeben.

Von den zwölfeinhalb Büchern die ich bis jetzt gelesen habe, war aber nur eines schwierig zu lesen und das ist, wie schon beschrieben, das was ich bis jetzt für das beste halte und von seinem Buchpaten auch schon angefragt wurde, für wen das Buch jetzt außer für Germanisten sein soll?

Die Kritiker haben sich empört, daß Petra Hartlieb da aus dem Nähkästchen des Jjurorenlebens geplaudert hat, „Darf sie das?“, gefragt und sie, was ich für sehr empören halte, als unqualifizere Buchhändlerin soll sie den Mund halten oder so gemeint.

Dabei hat sie, glaube ich, als Literaturkritikerin gearbeitet, Bücher geschrieben und war glaube ich auch in der ersten öst Jury und hat da bedauert daß sie Friederike Mayröckers Bücher nicht verkaufen kann, aber die hat ihren Fankreis und ihre Bcher sind seltsamerweise selten im Schrank zu finden.

Petra Hartlieb ist, glaube ich, wie eigentlich zu erwarten, der Meinung daß es ihre Aufgabe als Jurorin ist, zu versuchen möglichst viele Bücher, die sie für gut hält, bekannt zu machen und das ist es, glaube ich, auch.

Lade ich einen Buchhändler in die Jury, wird der vorschlagen, was ihm gefällt und habe ich zwei Buchhändler und fünf Literaturwissenschaftler, werden sich die zwei immer noch schwer tun, gegen die fünf anzukommen und so ist und war es auch, denn sonst hätten wir ja in den letzten Jahren noch mehr schwer lesbare Bücher auf der Shortlist gehabt und wir hatten immer nur höchstens eines.

Interessant also, daß jetzt so gegen Petra Hartlieb hergefahren wird und der Preis sogar in Frage stellt wird!

Der Börseverein sieht es, glaube ich, gelassen und ich halte die heurige Buchpresliste, wie schon erwähnt für sehr gut. Die ewigen „Midlifekrisesbücher“ fehlen, dafür gibt es sechs Österreicher, sieben Debuts, zwei Bücher über die Mondlandung, die ich noch nicht glesen habe und wieder viel über die DDR, die mich ja, weil ich sehr politisch bin, auch sehr interessiert.

Ob die Diskussion über den „Deutschen Buchpreis“ wirklich durch Petra Hartliebs Erfahrungsbericht angeheizt wurde, weiß ich nicht und denke, daß ich, wenn ich jemanden frage, ob er den „Deutschen Buchpreis“ kennt, wahrscheinlich immer noch zu hören bekomme „Deutscher Buchpreis what?“

Aber jetzt vielleicht auch: „Das ist eine Mogelpackung!“

Was ich sehr schade finde und meiner Meinung nach auch nicht stimmt und meine persönliche Meinung ist auch, daß es mir eigentlich egal ist, wieviel leicht oder schwer lesbare Bücher darauf stehen.

Ich lese drei Bücher in der Woche, habe schon Arno Schmidt gelesen und Sophie Kinsella deren „Schnäppchenjägerin“ ich nach wie für ein sehr gutes Buch halte.

Ich kann also lesen und Bücher verstehen, auch wenn ich hier sehr im Verborgenen blogge und manche meiner Kommentierer meinen, daß ich nur sinnlosen Content verbreite und mir wahrscheinlich auch meine Lesekompetenz absprechen oder sich nicht für sie interessieren.

Und übrigens von mir ist vor ein paar Tagen auch ein neues Buch erschienen, das habe ich jetz bei „Wikipedia“ eingetragen, in den „Bücherschrank“ gelegt und wer sich bei der Lesrunde beteiligen will, soll sich bei mir melden.

Kintsugi

Buch elf des dBps und das fünfte auf der deutschen Shortlist hat sehr viel mit Buch zehn gemeinsam, spielt es doch auch in der Uckermark oder in Brandenburg und es könnte sogar um das Dorf gehen, in dem Lola Randl ihren „Großen Garten“ hat, gibt es dort doch, haben wir gelesen, viele Japaner, die sich angesiedelt haben und dort ihre Kuchen und ihre Tees zubereiten, denn Kintsugi kommt aus dem Japanischen und bedeutet, die Technik aus Porzellanscherben mittels Gold wieder etwas Neues und Wertbolleres herzustellen und die 1992 in Gotha geborene Miku Sophie Kühmel, die es mit einem anderen Manuskrit im Vorjahr auf die Shortlist des Blogbusters schaffte, könnte, wenn man nach dem Namen geht japanische Vorfahren haben, auf jedenfalls kennt sie sich mit dem Japanischen gut aus, tragen ihre Kapitel doch japanische Überschriften.

Das weiß ich nicht so genau, auf jedenfall finde ich die Verbindung zwischen Japan und der Uckermark, der wir jetzt in gleich zwei Longlistbüchern begegnen, sehr interessant.

Das Buch wird von den Bloggern sowohl gelobt, als auch verteufelt, manche wünschen sich stattdessen Angela Lehner auf die Shortlist, manche sind begeistert, manche fragen sich warum das Buch darauf kam und bezeichnen es als Kammerstück und das ist es auch.

Ein Kammerstück in einem sehr frischen jungen Gewand. Kunststück ist die Autorin doch auch unter Dreißig, obwohl der Inhalt wieder nichts wirklich Neues ist oder doch vielleicht, die Beziehung zwischen drei Männern, von denen einer  eine Tochter hat, die eigentlich ohne Mutter, dafür von allen drein aufgezogen wurde, habe ich in dieser Form noch nicht gelesen und was noch  interessant an dem Buch ist, war für mich der Leistungsdruck, da steht doch an mehreren Stellen, daß es nur das Besondere macht und der Durchschnitt oder das Mittelmaß zu verachten ist.

Interessant, würde ich sagen, das von einer so jungen Frau zu lesen und schüttle  gleichzeitig den Kopf, denn wenn sie das so erlebt und auf diese Art und Weise vielleicht von Stufe zu Stufe, die literarische Karriereleiter hinaufhetzt, ist das nicht dasm was ich will, trifft aber vielleicht den modernen Ton des Lebens und das finde ich auch nicht gut.

Aber schön der Reihe nach. Das Buch spielt an einem Wochenende in einem Häuschen in der Uckermark, das Max und Reik gehört. Das ist ein schwules Pärchen, das sein zwanzigjähriges Zusammensein feiert. Max ist Archäologe und wahrscheinlich der Japanbesessene, denn er hat das Haus und  den Garten in diesen Stil eingerichtet. Reik ist ein berühmter Künstler. Maler oder Bildhauer wahrscheinlich oder einer, der seine Scheiße auf einen Teller drückt und dann teuer verkauft.

Das ist ein Zitat aus dem Buch und sie haben zu ihrem Fest nur Tonio und Pega eingeladen. Tonio ist ein begabter Musiker italienischer Abstammung, der sein Talent aber Nachts als Barpianist verschleudert, war früher mit Reik zusammen, dann hat er Bettina in einer der Bars, wo er spielte kennengelernt und von ihr Pega bekommen, die ihm die Tochter sozusagen zur Erziehung überlassen ist und nach, glaube ich, Mailand verschwunden ist.

Wie das mit dem jugendamt geklärt wurde, wird nur am Rande erwähnt. Pega ist jetzt jedenfalls zwanzig und studiert Psychologie und das erste Kapitel schildert die Ankunft, der vier in dem Häuschen.

Dann ist je ein Kapitel je einem der vier Protagonisten gewidmet, die ihre Sicht der Dinge erzählen und am Schluß gibt es jeweils und das ist interessant und finde ich sehr ungewöhnlich, einen Dialog, wo sich die vier zerstreiten und die Fetzen fliegen, so daß die Scherben am Ende, wie der Titel sagt, mit dem Gold gekittet werden muß oder auch nicht, denn Tonio hat eine neue Freundin gefunden, die so alt wie Pega ist und wünscht sich von ihr ein Kind. Max und Reik entzweien sich und Max haut ab, um ins Ausland, nach Japan wahrscheinlich zu gehen und läßt die Freunde oder den Scherbenhaufen zurück.

Aber der wird ja, wie wir schon wissen, mit Gold gekittet oder das Leben geht weiter,  jeder macht vielleicht das Beste daraus und entwickelt sich trotz der Narben und der Traumen, die übergeblieben sind, weiter, würde die Psychologin sagen und vermuten, daß Miku Sophie Kühmel vielleicht nicht die nächste Buchpreisträgerin wird, bin aber sehr gespannt, was ich  von ihr noch lesen und hören werde oder, wie weit es ihr gelingt, die literarische Erfolgsleiter am besten ohne Narben und Traumen, die gekittet werden müßen,hinauf zu kommen.

Im Internet gibt es übrigens einige Filmchen, wo Miku Sophie Kühmel über das Buch erzählt oder an einem See spazieren gehend daraus gelesen wird.

Und das kann ich schon verraten, das zwölfte dBp Buch spielt auch in der DDR und ist heuer das wahrscheinlich, was in den Vorjahren das Schwierige war.

2019-10-08

Lauter weiße alte Männer oder doch ein paar junge Frauen?

Am 8. Oktober wird die Shortlist des heurigen österreichischen Buchpreises bekanntgegeben, den es seit 2016 gibt und dank der Verlage und der „Netgalley“, dem Internetportal für, wie es nennen, professionelle Leser, habe ich alle der nominierten Bücher in meinem Badezimmer oder im E-Book Folder, habe, da ich noch immer und das sehr engagiert, aber vielleicht auch recht langsam, weil ich ja auch zu Veranstaltungen gehe und daher am Abend dann keine Bedezimmerleserunde einlege, den „Deutschen Buchpreis“ lese, da erst die Bücher gelesen, die auch auf der dBp-Longlist standen und kann da, beim dBp bin ich über der Halbzeit, zufällig standen die österreichischen Bücher aber weit vorne auf meiner Leseliste und einige andere österreichische Neuerscheinungen habe ich inzwischen auch schon gelesen, schon einen Unterschied zwischen den beiden Listen gesehen.

Bei der deutschen Liste war diesmal auffällig daß sechs oder sogar sieben Debuts auf der Longlist standen und dann weit mehr Frauen als Männer, eine junge frische Liste, die zum Hineinschnuppern und Lesen anregen möchte, könnte man so sagen.

Bei der Österreichischen sind es aber und das ist ein Ausdruck, der mir eigentlich nicht gefällt und den ich vielleicht sogar für blödsinnig halte, die weißen alten Männer oder die schon bekannten Literaturprofis, die gewählt wurden, obwohl es auch einige jüngere Frauen und Männer aus nicht so bekannten Verlagen auf der Liste gibt und die Shortlistdebutantin Raphaela Edelbauer, von der ich das erste Mal  auf  einer „Buch Wien“ etwas gehört habe, und deren „Flüßiges Land“ mir sehr gut gefallen hat, steht auch darauf.

Aber trotzdem Florjan Lipus, der österreichische slovenische Autor mit seinem „Schotter“, der, wenn ich mir die flapsige Bemerkung erlauben darf, sein ganz Leben sein persönliches Trauma und seine persönlichen Erfahrungen abarbeitet und den ich mir obwohl ich sein Buch noch nicht gelesen habe, ähnlich wie 2016 Friederike Mayröcker den „Buchpreis“ wünsche und das auch schon 2017 angenommen habe, obwohl er da nicht nominiert war.

Der zweite Promi ist sicher Gerhard Roth, den ich auf der Shortlist sehe oder dorthin wünsche und dann Norbert Gstrein natürlich, dessen „Kommende Jahre“ habe ich vor kurzem gelesen. Das neue Buch kommt erst nach dem deutschen Lesen und der Buch-Basel wahrscheinlich dran.

Dann möchte ich die Liste der 1937 und der 1942 geborenen österreichischen Promiautoren unterbrechen und zu der 1951 geborenen Marlene Streeruwitz übergehen, deren „Flammenwand“ ich schon gelesen habe, weil ich mir das Buch, obwohl ich ziemlich sicher war, daß es auf der einen oder anderen Longlist stehen würde, vom Alfred im Juni kaufen ließ und die ich mir auch auf der Shortlist wünsche, obwohl ich sie manchmal für etwas übertrieben und auch unverständlich halte, ich habe aber Dank der Bücherschränke sehr viel oder fast alles von ihr gelesen und eine Grand Dame auf der Shortlist ist natürlich nicht nur schön sondern wichtig und wesentlich.

Dann wird es wieder schwieriger, denn ich hätte, weil ja einen weiten und sicher auch sehr toleranten Literaturbegriff mehr als nur fünf Shortlist kanditaten zur Auswahl auch wenn ich da die jüngeren wie Ivna Zik, die mir immer noch ziemlich unbekannt ist, obwohl sie ja auch für den Schweizer- Buchpreis nominiert wurde und dann auch die jüngeren Autoren, wie Sophie Reyer und Harald Darer von dem ich schon etwas gelesen habe, weglassen würde.

Aber der 1954 geborene Karl- Markus Gauss, der mir einmal einen sehr persönlichen Brief geschrieben hat und der mich bei Veranstaltungen auch immer freundlich grüßt, gehört darauf und dann, weil ich das Buch ja schon gelesen habe, die 1990 geborene Debutantin Raphaela Edelbauer.

Da wären wir jetzt schon bei Buch sechs und  was ist mit Clemens J. Setzs Erzählband, der wäre zwar ein eher jüngerer Mann, ist aber sicher sehr bekannt begabt und preiswürdig und daher ein Shortlistfall?

Ich weiß es nicht und bin also gespannt, wie sich die Jury entscheiden wird und natürlich für Überraschungen offen, wenn es vielleicht Ivna Zak, Harald Darer oder Sophie Reyer schaffen werden und der eine oder andere meiner  Vorschläge nicht darauf sein werden, denn da kann man ja, wie ich immer schreibe, für sich selbst entscheiden, wenn man auf seine Leseliste setzt und ich werde ja höchstwahrscheinlich die zehn oder jetzt nur noch acht Nominierten schön der Reihe nach hinuterlesen.

Kann nur wieder schreiben, schade, daß Gertraud Klemm nicht darauf steht, Susanne Gregors Buch ist das Buch des Monats von Ö1 geworden.

Robert Prossers „Gemma Habibi“ ist sicher auch sehr interessant und dann haben ja auch noch Anna Weidenholzer, Christoph W. Bauer und und und…., Bücher geschrieben die neu erschienen und sicher sehr interessant zu lesen sind und ehe ich es vergesse und zu den tatsächlichen Shorlistkanditaten kommt, meine „Magdalena Kirchberg“, die heute ausgeliefert wird,  ist natürlich auch sehr interessant und wer sie lesen  und mit mir auf dem Promotionsartikel darüber diskutieren will, soll sich bitte melden.

Und nun zur realen Shortlist, die wieder einmal ganz anders als erwartet ist und nur zwei der von mir erwarteten Bücher enthält.

Die „alten weißen Männern“ wurden zu meinem Bedauern hintweg gelassen, also kein Lipus, kein Roth, dafür aber Karl Markus Gauß und leider auch keine Marlene Streeruwitz, was ich persönlich sehr sehr schade finde, dafür stehen aber Sophie Reyer und Clemens J. Setz auf der Liste, also an das Lesen und etwas später an das Raten, ob

Raphaela Edelbauers „Flüßiges Land“

Norbert Gstreins „Als ich jung war“

Karl Markus Gauß „Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer“

Sophie Reyers „Mutter brennt“ oder

Clemens Setz „Trost aller Dinge“, den österreichischen Buchpreis gewinnt?

Da würde ich wieder auf Karl Markus Gauß tippen, aber was weiß man schon genau, noch dazu, da ich von den fünf Shortlistbüchern, ja erst „Das flüßige Land“, gelesen habe und Clemens J. Setz bei den O-Tönen, Karl Markus Gauß bei den O Tönen, sowie in Göttweig aus ihren Büchern lesen hörte.

2019-10-06

Der große Garten

Und schon bin  ich bei Buch zehn des heurigen dBps, Halbzeit also und das ist ein besonderes Buch, schon wegen seines bunten Covers und dann weil es, obwohl das ja die Kritierien wären, wieder kein Roman ist, sondern ein Memoir, vielleicht sogar ein Personal Essay oder eine Aphorimensammlung. Kleine feine poetisch schöne Stückchen vom Leben auf dem Land, das Tagebuch einer Aussteigerin.

Im Internet steht zu lesen, daß die Autorin, die 1980 in München geborene Filmemacherin Lola Randl in die Uckermark gezogen ist, um das Leben am Land zu erleben.

Im Buch sind leider, was mich wieder sehr stört, weder eine Beschreibung, noch eine Bbiografie der Autorin zu finden.

Ich weiß aber, daß es ein Debut ist und, daß Lola Randl dafür auch für den „Tumler-Preis“ nominiert war und den Publkumspreis gewonnen hat.

In den kleinen feinen Stückchen, die Namen wie „Pastinake“, „Samen“, „Saatgutbörse“, etcetera, tragen, steht etwas von einem Burn-out zu lesen und daß die Ich-Erzählerin mit ihren Kindern, ihrem Liebhaber und ihrem Mann  aufs Land gezogen ist, um ein Gartenbuch  zu schreiben. Eine Therapeutin und einen Analytiker, zu dem auch, was ja streng verboten ist, intime Beziehungen zu bestehen scheinen, gibt es auch und allgmein könnte man sagen, daß sich Lola Randl in einem ironischen bis sarkastischen Ton über das Aussteigerleben lustig macht.

Denn in dem kleinen Dörfchen, wo sich das Haus befindet, sind auch Japaner eingezogen, die dort ein Cafe errichten und japanisch kochen. Ganze Aussteigerkolonien gibt es auch, die sich dann als Knechte beim Liebhaber verdingen, um dessen kaputtes Dach zu reparieren, was sie nicht zusammenbringen oder Workshops besuchen, wo sie die Achtsamkeit oder die Permakulturen erlernen sollen.

Immer wieder wird zwischendurch von der DDR berichtet, denn da gibt es die Irmi und den Hermann, die bald ihre goldenen hochzeit feiern, die waren früher Melker in der LPG. Jetzt haben sie das schönste Gemüse. Nur fällt der Hermann einmal aufs Kreuz, muß deshalb monatelang ins Krankenhaus und ist nachher ein Pflegefall, der nur mehr die schönen DDR-Marken sammeln kann, die eigentlich sehr wertvoll ist.

Ein interessantes Zwischenspiel zwischen all den realistischen Romanen mit ihren multiplen Problemstrukturen, könnte man sagen. Eine kleine ästhetisch schöne Verschnaufspause zum Atemholen und Entspannen. Aber halt habe ich weiter oben nicht von Sarkasmus und Ironie geschrieben?#

Natürlich und es ist natürlich auch kein Gartenbuch, auch wenn es im Anhang sogar ein Register gibt, es ist eher ein ironisch sich über all das lustig machende Aphorismensammlung, einer mir bisher unbekannten Autorin, die es gleich zu einigen Nominierung und Preisen brachte.

Interessant ist auch, daß es bei den „Amazon Rezensenten“ zu sehr unterschiedlichen Bewertungen brachten und, daß es dort sowohl, als „Mist“, als auch als „sehr lesenswert“ bewertet wurde.

2019-10-05

Brüder

Buch neun des deutschen Buchpreises und das vierte das auf der Shortlist steht, ist das der 1972 in Leipzig geborenen und Berlin aufgewachsenen Jackie Thomae, die 2017 beim Bachmannpreis gelesen hat und es ist ein sehr verwirrendes Buch, dasm glaube ich, nicht hält, was der Klappentext verspricht, zumindest könnte man sich etwas anderes darunter vorstellen.

Es geht, wie schon der Name sagt, um zwei Brüder, um Mick und Gabriel beide 1970 in Ostberlin geboren, aber von zwei verschwiedenen Müttern, Monika und Gabriele, der Vater Idris, ein Senegalese, der um Medizin zu studieren, in die DDR kam, ist derselbe.

Als er mit dem Studium fertig war, ist er wieder nach Afrika zurückgeflogen, wurde dort als Zahnarzt oder Kieferchirurg erfolgreich und das Buch erzählt mit einigen Intermezzis und Epilogen zwei verschiedene Geschichten, die von Michael und Gabriel, in denen unzählige Themen behandelt werden und die munter von vorn nach hinten und wieder zurück in der Biografie der jeweiligen Protagonisten springen.

Daß beide einen schwarzen Vater haben, den sie nie oder erst als Erwachsene kennenlernen, ist nur ein Teil des Roman, um Rassismus und Diskriminierung geht es auch, aber auch um Eßstörungen, um prekäre Verhältnisse und wahrscheinlich noch, um hunderttausend andere Dinge, die das Lesen schwer machen und  mich den Zusammenhalt, die Struktur, die mir ja immer sehr wichtig ist, vermissen ließen.

Mick wird als eher haltloser Mensch geschildert, er ist mit seiner Mutter Monika, eine progressive lockere Seele, früh nach Westberlin gegangen, hat eine Zimmermannlehre abgebrochen, dann mit einem Freund und seiner Freundin Delia Drogen geschmuggelt, später hatte er einen Club, der aber nicht steuerlich angemeldet war und am Schluß des ersten Teiles wird er von seiner Freundin noch verlassen.

Dann kommt ein Intermezzi nämlich die Europareise von Idris und dann wird im zweiten längeren Teil von Gabriel erzählt, der mit seiner Frau Fleur und seinem Sohn Albert in London lebt.

Er ist ein erfolgreicher Architekt, hat aber ein Burnout und Schlaftprobleme. Am Anfang seines Teiles wird er auch in eine Me too Geschichte verwickelt, die eigentlich keine ist. Er begegnet auf der Straße einer seiner Studentinnen, deren Hund sein Fahrrad bescheißt uind die sich dann weigert den Dreck wegzumachen. So wird er wütend und schmiert die Scheiße auf ihre Perücke. Sie erkennt ihn und holt die Polizei, so daß er sich rechtfertigen muß.

Daran sieht man ganz schön, wie das Buch, das für mich kein richtige Roman ist, tickt.

Dann geht es auch von hinten nach vorn in Gabriels Leben, zu seinen ostdeutschen Großvater, zu seiner Mutter die gestorben ist, als er sieben war, zu seiner Frau Fleur, die in Afrika aufgewachsen ist, obwohl sie eine Weiße ist und zum Sohn Albert, der auch seine Pubertätsprobleme hat.

Am Schluß des Buches, den sogenannten Epilog, holt Idris Mick dann vom Flughafen ab. Er hat versucht mit beiden seiner Söhne Kontakt aufzunehmen, uneheliche Töchter gibt es auch noch,  Gabriel hat sich aber geweigert zu kommen.

So kommt nur Albert, um seinen Großvater kennenzulernen und die Leserin bleibt etwas ratlos zurück, denkt, daß sie das Buch wohl auch nicht auf sie Shortlist getan hätte, weil es zwar viele Probleme ansc hneidet aber höchstwahrscheinlich nichts wirklich durcherzählt, aber eigentlich die ziemliche Beziehungslosigkeit unserer heutigen Zeit schildert.

2019-10-03

Vater unser

Jetzt kommt Buch acht der deutschen Buchpreisliste, es ist jetzt Schluß mit den österreichischen Büchern darauf, dafür steht das Buch, der 1987 in Klagenfurt geborenen Angela Lehner auch auf der österreichischen Debutliste und sie hat bei dem O Tönen auch gemeinsam mit Marlene Streeruwitz vorgestellt. Da war ich nicht dabei sondern gerade beim Filmfestival in Locarno und hatte auch sonst zwar schon einiges über das Buch, das auch auf der Bloggerdeubtlonglist steh,t gehört, aber noch nichts von der Autorin, die offenbar, als die neue Stimme, stark, wie Josef Winkler und Thomas Bernhard vom Feuilleton gehandelt wird und auch auf mehren Debutpreislisten, die es ja wie die Schwammerln zu geben scheint, steht.

Für den „Alpha“ ist die nominiert, den „Franz Tumler Preis“ hat sie vor kurzem gewonnen. Auf die deutsche Shortlist hat sie, was sie auf ihrer Facebookseite bedauert, beziehungsweise rotzig bemotzt, es nicht geschafft.

Denn die starke literarische Stimme ist eine sehr rotzige Erzählerin mit einem neuen frechen Ton und ihre Eva Gruber, die Protagonistin des Buches ist, wie ich überall lesen und hören konnte, eine unzuverläßige Erzählerin, der man nicht trauen kann und das macht es den Lesern wahrscheinlich nicht leicht.

Was passiert in dem Buch? Eva Gruber, eine junge Frau und das ist schon einmal unglaubwürdig, obwohl es die Eva so nicht erzählt, wird von der Polizei von Bayern über Kärntnen, denn da liegt ein Haider-Bild in einer Tankstelle, nach Wien aufs OWS besser unter Baumbartnerhöhe oder Steinhof bekannt gebracht, denn sie hat eine Kindergartenklasse umgebracht.

Da wird man wahrscheinlich eher ins Landespsychiatrie nach  München oder vielleicht auch in Klagenfurt wenn schon die Protagonistin oder ihre Autorin daher kommt, eingeliefert. Aber Evas Bruder Bernhard befindet sich auch dort, wird da wegen seiner Magensucht behandelt und deshalb bekommt man später heraus, hat sich Eva dorthin bringen lassen, um ihren Bruder zu retten.

Sie wird alsbald dem leitenden Psychiater Dr. Korb zugeführt, der mit ihr eine Gesprächstherapie oder Psychoanalyse macht und dabei das Zimmer zusperrt. Das erscheint mir in Zeiten, wie diesen auch nicht sehr realistisch oder ist eine Anspielung auf den dort sicher schon stattgefunden habenden Mißbrauch, aber um den „Spiegelgrund“ geht es in dem Buch gar nicht.

Eva erzählt ihm jedenfalls ihr Vater hätte sich umgebracht und dieMutter ist auch gestorben, was, wie sich herausstellt auch nicht stimmt, denn die Mutter taucht später auf und macht mit dem Geschwistern und Dr. Korb eine Familien oder Grppentherapie.

Zuerst will aber der zum Skelett abgemagerter Bruder, der mit einer Adriana, wegen ihrer großen Ohren von Eva „Dumbo“ genannt, im Garten arbeitet, von der Schwester nichts wissen.

Warum der Bruder magersüchtig ist, kann man sich aus den Rückblenden auf eine katholische Jugend in einem Kärntner Dorf, das sind sicherlich die Anspielsungen auf Josef Winkler, deuten.

Es gab Mißbrauch des Vaters an beide Kinder, die Ehe der Eltern wurde geschieden und jetzt fühlt sich die rotzfreche Eva für ihren Bruder verantwortlich und will ihm retten, indem sie ihm veranlaßt, den Vater zu töten.

Oder besser, sie will das für ihn tun. Deshalb entführt sie den Bruder sozusagen im dritten Teil, der „der heilige Geist“ benannt ist, der erste hieß „Der Vater“, der zweite“Der Sohn“, aha und fährt mit ihm mit dem geborgten Auto der Fußpflegerin, mit der sie sich angefreundet hat, zuerst nach Schönbrunn in den Zoo, was diese Metahper aussagen will, habe ich nicht verstanden und dann mit ebenfall ausgeborgten dreißig Euro nach Kärnten.

Auf dem Weg flüchtet der Bruder, so bleibt  das Auto stehen, rennen durch einen Wald, kommen dann, wie Hänsel und Gretel zu einem Bauern. Die Bäuerin nimmt sie auf, bäckt mit Bernhard Brot, der Bauer geht mit Eva fischen. In der Nacht kotzt der Bruder die Forelle hinaus und die Geschwister flüchten mit einem Bus weiter, dort gibt eine alte Frau dem Bruder Wurstscheiben. Sie werden aus dem Bus geworfen, kommen aber letztendlich in das Vaterhaus. Dazwischen hat Bernhard noch die Schwester beschuldigt Doktor Korb ermordet zu haben, aber der taucht, wenn ich es richtig verstanden habe, mit der Mutter vor dem Haus auf, in dem Eva auf den Vater wartet und am Ende trägt Eva den schon sehr schwachenBruder in eine Kapelle.

Psychoanalytiker oder Literaturwissenschaftler helft mir beim Deuten, da komme ich nicht ganz mit, mit den vielen Metahern, Schlingen und Irrwegen. Was will uns die Autorin sagen, die uns so rotzfrech durch die Seiten führt?

Es geht um einen Mißbrauch und eine verlorene Kindheit ganz klar, die Stellen im Steinhof sind sehr gut beschrieben und auch sehr gut recherchiert.

Der Dr. Korb ist kein Trottel, der von seiner Patientin hinters Licht geführt wird, wie man meinen könnte, sondern versteht was von seinem Fach. Der Ton ist frisch und klar, die Vergleiche mit Winkler scheinen mir etwas übertrieben. Ein paar Mal fällt ein leichter Thomas Bernhard Ton auf, aber der ist ja sehr leicht zu imitieren und animiert wahrscheinlich auch sehr leicht dazu.

Eine gelungene „Coming of Age-Geschichte“ würde ich sagen, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob sie vielleicht doch flacher ist, als man auf den ersten Blick meinen könnte.

Die Zukunft wird es weisen, was wir noch von der offenbar sehr selbstbewußten jungen Autorin hören und lesen werden?

Also seien wir gespannt, ob sie auf die Bloggerdebutshortlist, dann hätte ich das Buch schon gelesen, kommt, ob sie den Alpha gewinnt, auf der Shortlist steht sie schon, dann bekäme ich das Printbuch, das einen sehr farbigen glänzenden roten Umschlag hat? So habe ich das PDF oder E-Book gelesen oder ob es  den österreichischen Debutpreis gewinnt,  wird sich Anfang November erweisen.

Und ehe ichs vergessen, Eva Schmidt, die auch nicht auf der Shortlist steht, hat  über eine andere „Lügnerin“ geschrieben, die  auch erst ihr Leben meistern muß.

2019-09-29

Miroloi

Nun kommt Buch sieben des dBps und ein Kontrast zu Gertauds Klemms „Hippokampus“ und Marlene Streeruwtz „Flammenband“, nämlich  ein Plädoyer gegen die Unterdrückung der Frau.

Nur ganz  anders geschrieben. Nicht so elitär abgehoben, akademisch, sondern, was ist es? Eine Dystopie, ein Jugendbuch und was hat das dann auf der deutschen Buchpreisliste verloren?

Das haben sich, glaube ich, manche Kritiker gefragt und einen Skandal daraus gemacht. Auf der anderen Seite werden die Buchhändler wieder darüber jubeln und „Endlich ein gut lesbaren Buch, das die Leute haben wollen!“, sagen.

Aber wieder schön der Reihe nach. Die 1974 geborene Karen Köhler hätte vor ein paar Jahren in Klagenfurt lesen sollen, konnte das dann aber nicht, weil sie, glaube ich, Windpocken hatte.

Ihren Erzählband „Wir haben Raketen geangelt“, habe ich vor kurzem im Schrank gefunden aber noch nicht gelesen. Ich hätte ihn auch vor ein paar Wochen bei einem „Kuppitsch-Abverkauf“ kaufen können und „Miroloi“ ist ihr Debut.

Der erste Roman also und auf der heurigen dBp-Liste standen ja sechs oder sieben Debuts und das Buch ist eigentlich keine Dystopie, denn wenn man genau hinschaut, gibt es alles, was es beschreibt in der einen oder anderen Form, nur nicht alles zusammen auf einen Platz.

Es gibt den Berg Athos, mit einem Kloster, wo  Frauen, glaube ich, nicht einmal aufs Klo gehen dürfen. Es gibt das Zölibat, das Männern, die Priester werden oder sind, die Sexualität verbieten und es gibt natürlich die Unterdrückung der Frau, die ihnen vorschreibt, sich zu verschleiern, weil die Männer sie sonst vergewaltigen. Es gibt den sexuellen Mißbrauch und auch die Kinder, die andern Kindern in der Schule „Hurensohn!“ oder „Fettsack“ nachschreien.

Und Miroloi ist ein griechisches Klagelied, das die Frauen singen und das ganze Buch, was auch einigen Kritikern nicht gefallen hat, ist ein Klagegesang in hundertachtundzwanhzig Strophen.

Die Protagonistin ist ein namenloses Findelkind, das auf einer Insel, es könnte in Griechenland sein, aber auch etwas ganz anderes, Karen Köhler hat sich hier nicht festgelegt, lebt, weil sie vor sechzehn Jahren dort gefunden wurde.

Deshalb ist sie namenlos und darf keinen Besitz haben und das Dorf, das schöne, wird es genannt, lebt in einer seltsamen Rückständigkeit. Die Frauen dürfen nicht lesen, die Männer nicht singen und tanzen. Es gibt keinen Strom. Einmal im Monat kommt ein Schiff auf die Insel, um den Leuten, die Sachen, die es dort nicht gibt, zu bringen.

Der Ältestenrat entscheidet, was man nehmen darf und was nicht. So gibt es Bananen und Kaffee, aber keinen Fernseher und als der Strom verlegt werden soll, wehren sich die Ältesten. Die Frauen aber sind dafür, denn dann müßten sie weniger arbeiten, wenn sie beispielsweise Waschmaschinen oder Staubsauger hätten.

Das namenlose Mädchen wurde vom Betvater gefunden, der hat sie mit Hilfe von Mariah aufgezogen, so ist sie seine Gehilfin, gibt die Signale, damit das Dorf weiß, wie spät es ist und lernt von ihm auch, was ja verboten ist, das Lesen. Sie wurde als Kind vom Lehrer mißbraucht und auch an den Pfahl gebunden, das ist die Dorfstrafe, als sie sich gegen die Unterdrückung wehrte und weglaufen wollte, deshalb hinkt sie auch.

All das wird in den Strophen nach und nach erzählt, das Dorfleben, die Regeln, es gibt die Betschüler und die Khorabel, den Wunschbaum, wo die Männer, die das können, ihre Wünsche aufschreiben, die vom Betvater dann gelesen werden.

Die erste Wendung kommt, als sich das Mädchen in den Betschüler Yael verliebt und sich mit ihm in den Vollmonden trifft, was natürlich streng verboten ist.

Er gibt ihr auch einen Namen, Alina. Das wird dann in den Buch in Ich-Szenen und Alina-Szenen unterteilt, was wohl genauso schwierig, wie Karen Köhlers Sprache ist,  die Langatmigkeit und auch der Stil, wo Sachen erklärt werden, wie sie vielleicht für eine Sechzehnjährige cool, aber nicht für die geübte Leserin, ist, die darüber vielleicht ein bißchen genervt ist.

„Beim Kochen soll man nur kochen“, beispielsweise oder es gibt auch Wortschöpfungen, wie „Angstmann“, etcetera, das stört vielleicht ein wenig den elitären Lesekanon.

Mir würde es gefallen, wenn es kürzer wäre, denn es passiert wieder viel zu viel in dem Buch, in Karin Köhlers Versuch die Welt auf fünfhundert Seiten darzustellen.

Die Zweite und eigentliche Katastrophe kommt mit dem Tod des Betvaters, denn da ändern sich die Zeiten. Der neue Betvater oder seine Gemeinde  läßt die Khorabel umschreiben. Die Frauen müssen jetzt sowohl ein Kopftuch, als auch einen Mundschutz tragen. Sie dürfen Nachts nicht mehr aus dem Haus, die Männer keinen Alkohol trinken, was das Dorf komplett durcheinanderbringt, denn jetzt können die Frauen weniger arbeiten und die Männer sind mehr zu Hause stören oder mißhandeln sie.

Alina beginnt dagegen aufzubegehren, schneidet sich die Haare ab, dringt Nachts in Männerkleidung, sowohl in das Ältsten-als auch in das Bücherhaus ein. Wird schließlich schwanger, das Schwimmen hat sie sich auch noch angeeignet, um mit Yael von dem Dorf wegzukommen. Das geht aber nicht, Karen Köhler ja ja auch noch alle Spannungselemente eingebaut. Die Beiden werden beim Vögeln erwischt und kommen an den Pfahl. Yael wird gesteinigt und Alina findet die Kraft für ihr Baby zu flüchten und davonzuschwimmen.

Spannend eigentlich und interessant, wenn auch wie schon erwähnt ein wenig langatmig und vielleicht auch etwas zu belehrend und natürlich nicht wirklich neu. Ich hätte aber nichts dagegen gehabt, wenn das Buch auf die Shortlist gekommen wäre und den neuen Literaturskandal sehe ich darin nicht.

Man könnte ja wenn es in den Gymnasien noch Literaturunterricht gäbe, die Bücher der Klemm, der Streeruwitz und der Köhler miteinander vergleichen und herausfinden, wo der Feminismus am besten ausgedrückt wird.

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