Literaturgefluester

2018-10-20

Vom kulturpolitischen Arbeitskreis zur GAV-GV

An diesem Wochenende wieder GAV-GV, die, wie seit schon einigen Jahren am Freitag immer mit einem kulturpolitischen Arbeitskreis beginnt, wo  im meist kleinen Kreis gesellschaftskritische Themen besprochen werden.

Diesmal ging es, um die politische Positionierung in und, um die GAV und für mich ist die Mitgliedschaft in einem Autorenverein sehr wichtig, weil sie, wie auch Fritz Widhalm in der Diskussion erwähnte, für mich die Bestätigung, als Autorin ist, ich also keine bloße Hobbyautorin bin.

Dann soll sie, wie die GAV auch noch links und sozialkritisch sein und so bin ich in den Achtzigerjahren beigetreten, beziehungsweise aufgenommen worden, gehe regelmäßig zu den Generalversammlungen, habe früher auch Veranstaltungen organisiert und wichtig für mich ist auch, daß die GAV nach außen sichtbar ist, was sich seit den Achtzigerjahren etwas verändert hat.

Als ich aufgenommen wurde, war Ernst Jandl der Präsident und Josef Haslinger der Generalsekretär, inzwischen haben sich, wie Ilse Kilic in ihrer Einleitung erwähnte, die Hierarchien verflacht.

Der Verein ist größer geworden und hat derzeit, wenn ich es richtig aufgeschrieben habe, zweihundertsiebzig weibliche und vierhundervierundvierzig männliche Mitglieder.

Man kann einmal im Jahr eine Veranstaltung organisieren und die Frage, die Ilse Kilic an die Runde stellte, war auch, was der Verein von seinen Mitgliedern hat?

Nikolaus Scheibner hielt ein diesbezügliches Grundsatzreferat, dann konnte jeder seine Vorschläge machen, wie sich der Verein besser positionieren und auch besser in der Öffentlichekeit verankert werden kann.

Da ist vielleicht der Name verwirrend, weil sich das „Grazer Autorenversammlung“ auf die Gründung beziehungsweise Abspaltung vom damals sehr konservativen PEN, 1973 in Graz bezieht, ich aber noch immer darauf angesprochen werde, ob ich aus Graz komme, wenn ich die GAV erwähne.

In den letzten Jahren hat es am Abend immer eine Lesung der neuaufgenommenen Mitglieder gegeben, um sie kennenzulernen und sich mit ihren Werken bekannt zu machen.

Seit im Vorjahr sechzig Leute hätten lesen müssen, gibt es das nicht mehr und heuer wurden auch keine neue Mitglieder aufgenommen, so daß ich zum jährlichen Herbstfest der „H und K-Holzwerkstatt“, von der sich der Alfred eimal zwei Küchen und ein Bett machen hat lassen, gegangen bin.

Da gab es Musik, ein Buffet und einen Film von Ludwig Wüst über das „Haus seines Vaters“ und am Samstag ging es mit der Generalversammlung in der „Alten Schmiede“ weiter, wo wichtige Themen besprochen werden.

Denn viele Mitglieder, viele Veranstaltungen und ein gleichbleibendes Budget, das noch dazu von den Einsparungsplänen der türkis-blauen Regierung bedroht wird. Da wurde viel diskutiert, wie man das in Zukunft machen soll, wer bei wievielen Lesungen mitmachen darf und wen man dabei einladen soll?

Neue und alte Bekannte habe ich auch dabei gesehen, einige der neuen Mitglieder kenne ich ja gar nicht mehr und mußte nach ihren Namen fragen.

Aber die Ruth war da, Irene Wondratsch, Erika Kronabitter, die so nett war, in der Mittagspause mit mir und dem Rudi ein kleines Video aufzunehmen, da Jörg Piringer solche sammelt, wo GAV- Mitglieder erzählen, warum sie in der GAV sind und was die für sie bedeutet.

„Ohne GAV bin ich baff!“, hat der Rudi performiert, ich habe eher konventionell, das betont, was ich schon im Arbeitskreis sagte, daß die GAV für mich und mein literarisches Ich sehr wichtig ist und ich durch sie in Kontakt mit anderen Autoren komme.

Margot Koller ist nach der Mittagspause gekommen, die ich lesend auf einer Parkbank mit einem Mc Donald Sackerl verbracht habe und noch viele andere, mit denen ich mehr oder weniger befreundet bin und nach der hitzigen Veranstaltungsdiskussion, sechzig wurden für das nächste Jahr eingereicht und mußten durchbesprochen werden, unser zweiter Spaziergang im öffentlichen Raum, der diesmal in den U-Bahnbereich gehen soll, war auch dabei und wurde angenommen, ist es diesmal zum gemeinsamen Abendessen  ins Cafe Prückl, wo immer die „Podium- Sommerlesereihe“ stattfindet, gegangen.

ich bin mit dem Rudi, der Ruth und Margot Koller, die mir ihr neues Buch „Stichwort Philosophie – ein Kalleidoskop aus zwölf Essays gegeben hat, an einem Tisch gesessen, Ditha Brickwell, die mich ja einmal zu ihrer Veranstaltungsreihe einladen wollte und Lisa Fritsch waren abwechselnd auch dabei, habe einen Gespritzen getrunken, Faschierte Leibchen mit Salat und Kartoffelschmarrn und dann noch einen Topfenstrudel gegessen und Stefan Reiser, den ich ja einmal bei den „Wilden Worten“ hörte, hat mich zu einer seiner Lesungen am nächsten donnerstag in eine Buchhandlung eingeladen, aber da werden wir wieder nach Harland fahren.

Advertisements

2018-10-14

Frankfurter Buchmesse

Ich war, das habe ich schon geschrieben 2000 und 2002 mit dem Alfred in Frankfurt bei der Buchmesse, seither nicht mehr, weil uns das zu teuer war und als ich 2008 zu bloggen anfing, habe ich geschrieben, daß ich die Buchmesse deshalb auslessen werde und bin dann darauf gekommen, daß man sich die Lesungen auf dem blauen Sofa, bei 3 Sat und von ARD per livestream anschauen kann und habe dann die die freien Stunden der fünf Messetage vor dem Laptop verbracht und habe Frankfurt gesurft.

Damals gab es noch die kleinen Videos, der Messeblogger, die die Messeeindrücke schilderten, Türkei war das Gastland und da habe ich in einem der Videos Barbara Frischmuth gesehen, die eine türkische Autorin begleitet und gedolmetscht hat, und von der Messebloggerin nicht erkannt wurde, was mich sehr beeindruckt hat.

Ich habe hier auch Raffael Chirbes kennengelernt, der damals sein „Krematorium“ vorstellte.

Seither verbringe ich die Buchmessetage, so weit wie möglich vor dem Laptop und habe von meinen Kommetiererinnen auch einmal die Aufforderung bekommen, die Messe zu kommentieren, was man natürlich auch dann nicht kann, wenn man live vor Ort wäre und beim Surfen bekommt man ja nur Teile mit, ist aber sicher für eine literarisch Interessierte hochinteressant, obwohl mich JuSophie als sie mir noch kommentierte, einmal aufgefordert hat, mich mit den wichtigeren Dingen, als mit den Buchmessensurfen zu beschäftigen.

Da denke ich, eine Buchmesse ist für eine literarisch Interessierte wichtig, obwohl ich mich ja eigentlich das ganze Jahr mit büchern beschäftigte und heuer auch schon, glaube ich, sechzig oder siebzig Neuerscheinungen gelesen habe. Jetzt beim doppelten Buchpreisbloggen bin und noch an die dreißig Neuerscheinungen in meinem Badezimmer auf mich warten.

Obwohl in Frankfurt, das weiß ich auch, warten hunderttausend Neuerscheinungen, die Promis laufen herum,Preise werden verteilt und das Gastland ist diesmal Georgieen und da bin ich beim Buchpreislesen gerade bei meinem vierten Shortlistbuch, nämlich das von der Georgerin Nino Hartischwilli „Die Katze und der General“ und wenn ich damit fertig bin, werde ich ein von ihr übersetztes, nämlich der „Südseeelefant“ lesen.

Seit ich Buchpreisblogge werde ich von Verlagen auch manchmal zu Bloggertreffen eingeladen und heuer ist eine Karte von „Rowohlt“ zu mir gekommen, die mich am Donnerstag um fünf zu einer itialienischen Stunde, nämlich zu der Buchpräsentation von Paolos Giardano „Die Himmel stürmen“, da muß ich also auf das italienische Buffet verzichten. Da Buch ist aber am Dienstag zu mir gekommen. Das werde ich also später lesen und am Montag habe ich mich auch schon mit der einem Teil des Livestreams von der Buchpreisverleihung eingestimmt.

Am Dienstag war dann die Eröffnung, davon habe ich via lifestream nichts mitbekommen und am Mittwoch bin ich auch nicht sehr zum Bloggen gekommen, denn um zehn und um elf, je eine Stunde und dann bin ich zu einer Fortbildungsveranstaltung in die WGKK gegangen und anschließend in die „Alte Schmiede“ zu einer Lesung von Barbara Frischmuth und habe also zwischen meinen Stunden nur kurz auf dem „Blauen Sofa“, die Lesung oder das Gespräch mit der Buchpreisträgerin Inger Maria Mahlke gehört, während bei „ARD“Nino Haratischwilli saß und ein bißchen was über ihre Romanentstehung erzählte und mich erst am Abend ein bißchen durch die Videos durchgesurft, so daß ich da Wolf Haas, Eckhart Nickel und auch Lukas Rietzschel, dessen „Mit der Faust in die Welt schlagen“, ich ja kürzlich gelesen habe und bin auch aufs „Literaturcafe“ gegangen und habe dort einiges von der „Selfpublisher-Bühne“ gehört, wo wieder diese Statistik rezitiert wurde, daß die Leute weniger lesen und weniger kaufen und man sie dazu begeistern muß, sich die Hardcover, um zwanzig bis fünfundzwanzig Euro pro Stück zu leisten.

Nun ja, ich kaufe mir die Bücher nur aus den Abverkaufskisten, lese aber viel und hatte am Donnerstag wieder Stunden, dann eine längere Mittagpause, wo ich mir Dennis Scheck anhörte, um festzustellen, daß der einen komplett anderen Literturgeschmack besitzt, als ich.

Soll so sein und ist kein Wertzurteil, die mittwöcihge blaue Sofa-Diskussion über Grenzen und die Polarisierung zwischen links unds rechts, die ja derzeit herrscht, über die ich mich auch regelmäßig mit dem Uli streite und die mich auch sehr sehr beunruhigt und dann ging es weiter zwischen den beiden Bühnen, Inger Maria Mahlke war wieder dort und Nino Hiratischwili, deren Buch ich inzwischen beendet und besprochen habe.

Bodo Kirchhof, der Bp-Preisgträger von 2016 stellte seine neue Autobiografie vor.

Die 1970 geborene Anna Katharina Hahn, von der ich einige Bücher, aber noch nichts gelesen habe, ist oder war Stadtschreiberin von Mainz und hat in diesem Zusammenhang eine Dokumentation über Tauben mit dem ZDF gedreht, die auf dem blauen Sofa vorgestellt worde.

Vorher war Jonas Jonasson, der den „Hunderjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ geschrieben hat, auf dem Sofa und stellte den Nachfolger „Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten“ vor und hatte Verständnisschwierigkeiten, beziehungsweise keinen Dolmetscher, so daß der Moderator, der, glaube ich, Michael Sahr war, auf Englisch moderieren und übersetzen mußte.

Auf der ARD-Bühne wurde dagegen Alexa Henning von Langes, von der ich „Woher ich komme“ gelesen habe, neues Buch  „Kampfsterne“ vorgestellt.

„Tage mit Ora“ beziehungsweise Michael Kumpfmüller bin ich wieder am blauen Sofa begegnet und auf der Selfpublischerbühne gab es wieder Tips zum Schreiben, beziehungsweise die Vermeidung der häufigen Schreibefehler.

Bei 3 Sat gabs dann ein Video über dicke Bücher, wo sowohl das von Nino Haratischwili als auch der fünf Bücher Schieber von Philipp Weiss vorgestellt wurde, der sich auch auf der Buchmesse befindet und seine Bücher auffängt.

Das ist es ein wenig hektisch gewesen, denn ich habe mir zwei bis drei Videos gleichzeitig angeschaut, was wahrscheinlich gut zu dem Massenauftritt vor Ort passt. Dann sind wir wieder nach Harland gefahren, wo das Wetter so schön war, daß ich mich am Samstag mit dem Laptop und einer Jacke auf die Terrasse setzen konnte.

Juli Zeh um 9.30 auf dem blauen Sofa habe ich zwar versäumt, weil ich vorher  ein bißchen radfahren war. Dann wurde es philosophisch-politisch, denn es kam der Slowene Slavoj Zizek mit seinem „Lenin heute-Buch“ und forderte, daß wir die Welt überdenken und ein neues Lenin-Bild bekommen sollten.

Dann kam Dörte  Hansen, die in „Mittagsstunde“ ein Dorf in Nordfriesland beschreibt und das bisher an mir vorbeigegangen ist.

Karin Duve, die auch schon auf der dBp-Liste gestanden ist, hat in „Fräulein Nettes kurzer Sommer“ ein Buch über die Dichterin Annette von Drost- Hülshoff geschrieben.

Adolf Muschg, dessen Longlistbuch ich noch lesen muß, war am blauen Sofa und um zwölf wurde irgendwo auf der Messe der zweite Blogger-Award, diesmal in neun Kategoerien, verliehen. Uwe Kalkowsi, der Vorjahrssieger und diesmaliges dBp-Jurymitglied, hat moderiert. Ich habe mich diesmal nicht selber nominiert, bin also weit weg vom Fenster und bin anschließend wieder auf das blaue Sofa gegangen, wo Sigmund Freuds berühmte Patientin Dora, von ihrer Urenkelin Katharina Adler in dem Buch „Ida“ beschrieben wurde.

Adriana Altaras  stellte ihr neues Buch „Die jüdische Souffleuse“ vor, das ich auch noch lesen muß. Danach folgten die heurigen  Friedenspreisträgers des deutschen Buchhandels das Ehepaar Aleida und Jan Assmann mit ihren Büchern.

Maria Cecilia Barbetta eine von den deutschen Shortlistnominierten diskutierte und las aus „Nachtleuchten“ sowohl auf dem Sofa als auch beim ARD-Forum, so daß man gut hin und herschwitschen konnte und daß Norwegen im nächsten Jahr das Gastland ist, war auch überall hören und wurde mir auch schon mittels Pressemails mitgeteilt.

Am ende des intensiven Frankfurt-Surfing-Tages gab es die zur blauen Stunde wieder ein  Krimi  Speed Dating mit Bernhard Aichners „Bösland“, Natasha Korsakova „Tödliche Sonate“, Miroslav <nemec „Kroatisches Roulette“ und für mich erstaunlich, weil es ja kein wirklicher Krimi ist, Max Anas „Finsterwalde“, das Einzige, das ich von den vier schon gelesen habe.

Am Abend  hätten wir dann nach Krems in die „Kultur-Mitte-Galerie“ zu einer Vernissage von Beate Zelnicek zu einem Glas Wein und Brötchen fahren können. Ich habe es aber vorgezogen im Sinne meines Lesestaus beziehungsweise meiner überlangen Leseliste, die mich noch erwartet, vorgezogen mit dem „Blumensammler“ und einem Glas Schilcher-Sturm in die Badewanne zu steigen und am Samstag bin ich erst wieder erst sehr spät auf das Sofa gekommen, da vorher im Garten sehr viel wegzuräumen war, dann ging es mit dem Rad zum Markt, wo der Erntedank gefeiert wurde und wir uns mit der Doris Kloimstein getroffen habe.

Am Rathausplatz gab es im Rahmen des Literaturfestival „Blätterwirbel“, das derzeit in St. Pölten stattfindet, einen Thalia-Flohmarkt, wo ich mir vom Alfred zehn Bücher um je zwei euro kaufen ließ, die ich auch noch lesen muß, aber zuerst wieder ein bißchen nach Frankfurt, und da gab es um 14. 30, den slowakischen Autor Michal Hvorecky mit dem ich schon einmal von Bratislava nach Wien gefahren ist und den wir auch vor zwei Jahren im Cetrope-Workshop besprachen, der sein neues Buch „Troll“ vorstellte, in dem es um die Gefahren der schönen neuen oder alten Internetwelt geht und Frido Mann, von dem ich einmal in Leipzig das Buch „Mein Nidden“ kennenlernte, trat dann auf dem ARD-Forum auf, der ein Thomas Mann Enkel ist und jetzt ein Buch über das Thomas Mann Haus in Amerika, das jetzt zu einem Museum oder einer Stifutung umgewandelt wurde, geschrieben hat.

Dann hörte ich noch das Gespräch von Katja Gassner mit Max Czollek über sein politisches Sachbuch „Desintegriert euch“, ein Thema, das mich ja, nach dem ich jetzt soviel mit dem Uli diskutiere, sehr interessiert und dann ging es wieder in den Garten.

Danach bin ich ins Archiv gegangen, habe mir das „Lierarische Quartett“ angeschaut, daß am Freitag auf der Messe mit Dennis Scheck als Gast stattgefunden hat und habe mich ein bißchen durch das gesurft, was ich am Samstag und an den anderen Tagen versäumte, bin mit dem Video einer Book-Tuberin durch die Hallen gewandert und am Sonntag, als in der Paulskirche der „Friedenspreis des Buchhandelns“ vergeben wurde, bin ich mit dem Alfred nach Hundheim an der Donau zum Fototreffen von Alfreds Wandergruppe gefahren und habe damit auch den Buchmessensonntag versäumt.

Jetzt ist es vorbei, die Geschäfte abgeschlossen, die Bücher angesehen und ich habe mich, als ich nach Hause gekommen bin, noch ein bißchen auf das blaue Sofa und dort zur blauen Stunde begeben, weil dort die Finalisten des Schweizer Buchpreises, Peter Stamm, Gianna Molinari,  Vincenco  Todisco,  Heinz Helle, der jetzt in der Schweiz wohnt und mit Julia Weber verheiratet ist und Julia von Lucadou vorgestellt wurden, was ich sehr interessant fand.

Schade, daß der österreichische Buchpreis dort keine Stimme hat, aber den Gemeinschaftsstand des Hauptverbandes gab es  in Frankfurt auch und die IG-Autoren mit ihrem Lit-Radio. Davon habe ich  nicht viel mitbekommen und jetzt ist das Buchmessen-Surfen vorbei, mein Buchpreis- und Herbstlesen geht weiter und die „Buch-Wien“ naht in einem Monat auch.

2018-09-13

Über das Spoilern

Ich bin ja, wie ich immer schreibe eine „gnadenlose Spoilerin“, also eine, die gerne die Bücher und auch alles andere von vorn nach hinten erzählt, wahrscheinlich um einen Halt zu haben, eine Struktur zu finden und sich später an alles erinnern zu können. Betrachte das Besprechen von Büchern, wie überhaupt das ganze „Literaturgeflüster“ als Erinnerungshilfe, sprich „Literarisches oder geistiges Archiv“ und, daß es etwas gibt was „Spoilern“ heißt und das man unter gar keinen Umständen darf, weil es ein „absolutes „No go!“, ist!,  habe ich erst durch andere Blogs erfahren.

Das heißt, wenn ich bei Lesungen war, habe ich mich öfter darüber gewundert, daß die Moderatoren sagten „Wie das Buch ausgeht, wollen wir natürlich nicht veraten, da Sie das Buch ja kaufen sollen!“ und das eher für einen Witz oder eine mehr oder weniger plumpe Aufforderung gehalten, der mir ganz ehrlich auch ein wenig lästig war, aber gut, ich habe darüber gelächelt, das Buch meistens nicht gekauft und bin  darüber hinweggegangen.

Daß man bei einem Krimi vielleicht nicht verraten sollte, wer der Mörder war, ist mir noch irgendwie einleuchtend, obwohl ich anfangs bei meinen Besprechungen auch keine Hemmungen hatte, das zu schreiben. Bei Rezensionsexemplaren habe ich dann irgendwann aufgepasst,  eher “ – ..!“. geschrieben und mich immer mehr darüber gewundert, was die Blogger und die Booktuber alles als Spoiler betrachten, was ich eigentlich, ganz ehrlich auch ein wenig lästig oder für unnötig finde, ständig zu schreiben oder zu sagen „Natürlich spoilerfrei!“, weil das ja angeblich den Spaß am Lesen verderben würde, wenn ich weiß, um was es geht.

Im schlimmsten Fall führt das dann dazu, daß man nur mehr schreibt oder sagt „Ein tolles Buch, ein toller Schreibstil, kostet so und so viel Euro, unbedingte Leseempfehlung!“ und das ist dann auch das, was man den Booktubern früher oder vielleicht auch noch immer, anlastete, daß das, was sie präsentieten keine Qualität hätte und ich denke, wenn ich bei einem Buch von Thomas Bernhard oder einem anderen modernen oder älteren Klassiker nachgoogle, dann finde ich im Netz die genaue Inhaltbeschreibung, bis hin zum bitteren oder weniger bitteren Ende und das wird dann wahrscheinlich auch für den Schulunterricht verwendet und mir sind beim Lesen oder auch beim Besprechen Rezensionen eine wichtige Hilfe, weil ich gerne nachlesen will, ob ich das Buch ohnehin richtig verstanden haben und wissen möchte, wie es die anderen empfinden.

Das „Über den Inhalt kann ich nicht soviel sagen!“, hilft mir nicht weiter und ich finde diese Geheimniskrämerei auch eher für lästig, als für kompetent, halte mich  nicht daran und habe eigentlich damit noch nie deshalb Nachteile erlebt.

Ein paar Autoren, die meine Rezensionen gelesen haben, haben dann „Achtung Spoilerarlam!“, auf ihren Blog geschrieben, wenn sies verlinkten. Sollen sie, wenn ihnen das wichtig ist und eine hat mich mal gebeten, ob ich nicht einen Satz weglassen könnte?

Die Verlage haben nie etwas beanstandet, nur einer hat mich nur einmal ganz ganz höflich auf meine Flüchtigkeitsfehler aufmerksam gemacht, das war die Zeit, wo ich einen neuen Computer hatte, mit dessen Mausfunktion ich noch nicht so zurecht gekommen hat und im Vorjahr habe ich einer Autorin, die wollte, daß ich ihre Bücher bespreche, geraten, sich meine Rezensionen vorher anzuschauen, denn ich spoilere viel, damit es nachher keine Mißverständnnisse gebe und sie hat geantwortet: „Macht nicht, das ist so in Ordnung!“ und ich denke „Warum kann ich nicht den Inhalt erzählen?“

Nun gut, den Mörder kann man vielleicht weglassen, obwohl es mich nicht stören würde, wenn ich wüßte wer es getan hat und das mit dem Ende, denke ich, kommt darauf an, welche Bücher man liest. Bei denen die ich bevorzuge, denke ich, ist das eigentlich egal und habe schon öfter den letzten Satz zitiert, wenn er mir wichtig oder aufschlußreich erschien und bei manchen Lesungen die Moderatoren sagen gehört „Das kann ich verraten, denn das ist kein Spoiler!“

Da ich eigentlich nicht wirklich weiß, was ein Spoiler ist und warum man eigentlich so geheimnisvoll tut, nur damit sich die Leser das Buch kaufen, habe ich immer weniger verstanden und kann mich erinnern, daß der „Kaffehaussitzer“, als ich ihm einen Kommentar zu Richters „89/90“ mit einer besonders schönen Stelle, die ich zitert haben wollte, schickte,  das  wegen des Spoileralarm wegließ und mich darüber gewundert, denn das, was einer mit seinem Westgeld macht, sollte  eigentlich kein solches Geheimnis sein, sondern eher auf das Buch aufmerksam machen und wenn man über ein Buch nicht mehr diskutieren darf, weil man sonst spoilern würde, was ein angebliches „No go!“, ist, würde ich das eher schwierig finden und habe auch das nicht so ernst genommen, denn schließlich höre ich ja Sendungen wie „Druckfrisch“ und „Literarisches Quartett“ und da wird auch über den Inhalt diskutiert und das muß auch so sein, weil sonst solche Sendungen keinen Sinn mehr hätten und man gleich das Buch in die Höhe halten und „Absolute Kaufempfehlung und mehr werde ich nicht verraten!“, sagen könnte und es wird bei diesen Sendungen, was ich, wie ich betone, sehr angenehm finde, sehr viel diskutiert.

Nun gut, Maxim Biller hat das ein wenig übertrieben, wenn er von schlechter Literatur sprach und das Fingerwackeln des Herrn MRR hat mir auch nicht so gut gefallen, aber der hat, glaube ich, nicht gespoilert und wenn, hätte wahrscheinlich keiner gewagt, sich darüber aufzuregen und als vor kurzem im „Literarischen Quartett Maxims Billers „Sechs Koffer“, der dort nicht mehr diskutiert, besprochen wurde, hat Sasha Mariana Salzmann sogar die Seitenzahl verraten, wo man findet, wer den Großvater an den KGB verraten hat, was ich, ich habs nachgelesen, gar nicht so schlüssig fand, weil ich eigentlich, nach wie vor der Meinung bin, daß es Maxim Biller gar nicht darum gegangen ist, das aufzuklären und der Clou des Buches eigentlich ist, alles ins Leere laufen zu lassen.

Nun gut, es war aber eine interessante Diskussion, die auf das Buch aufmerksam machte. Sie hat mir beim Lesen sehr geholfen und ich mache mir natürlich mein eigenes Bild beim Lesen und komme dann oft genug zu einer anderen Meinung oder finde, was mir in letzter Zeit öfter passierte heraus, daß der Klappentext gar nicht hielt, was er versprach, weil ich es anders verstanden habe. Aber da haben sich auch schon Blogger oder You Tuber darüber aufgeregt, daß die zuviel gespoilert wären.

An ein Booktubervideo über Gianna Molinars “ Hier ist noch ist alles möglich“ kann ich mich aber erinnern, das ich als besonders aufschlußreich empfand, weil es die Frage stellte, ob der Wolf in dem Buch jetzt auf die Flüchtlingskrise, auf die innere Befindlichkeit der Erzählerin, auf die äußere Realität oder auch auf eine ganz anderes hinweist und das finde ich gut, denn dann kann man darüber diskutieren. Kann seinen Eindruck mitteilen und hat, denke ich, dabei gar nicht gespoilert, denn das Spoilern kann sich ja nur auf den Inhalt „Wer war der Täter?“ oder „Wie geht es aus?“, aber nicht auf die Interpretation beziehen, weil man sonst schon in der Sackgasse wäre und nicht mehr diskutieren kann, wie ich denke und das auch für mich betreibe, denn das ist ja der Sinn des Bloggens und der Lesekreise, sich selbst sein eigenes Bild über das Buch zu machen, denke ich, denn für eine reine Kaufempfehung, würde mir der „Böse Amazon“, oder ein Reklamezettel genügen, so habe ich mich über „Booksters“ Rezension, den ich übrigens für sehr kompetent gehalten habe, über „Bis ans Ende Marie“ sehr gefreut, denn das Lesen des Buchs hat mich, wie ich mich erinnern kann, gegen Ende sehr verwirrt und mir da der Gedanke kam, ob die Erzählerin und die Marie nicht am Ende  dieselbe Person wären?

Es war eine Idee, ich war mir nicht sicher, ob ich es mir so richtig interpretiere und habe in meinem Kommentar eine meiner Meinung nach völlig harmlose Frage gestellt und habe mir als Antwort, seine Meinung: „Ich habe es auch so oder ganz anders empfunden!“, erwartet und man könnte darüber diskutieren.

Seine Antwort war aber mehr als harsch, denn er hat es als böswilligen Spoiler empfunden, der jetzt alles zerstört hat, den Kommentar, was mich etwas wunderte, aber stehen gelassen, denn wenn die für mich harmlose und gut gemeinte Frage, schon so ein böswilliger Spoileralam ist und ich auf meiner Seite ein solch absolut unfaßbares „No go!“, nicht haben will, dann veröffentliche ich ihn nicht, sondern schicke ein Mail zurück mit „Das beantwortete ich Ihnen lieber persönlich, denn wir wollen ja nicht zuviel verraten!“

Dann hätte ich mich wahrscheinlich, wie beim Uwe Kalkowski etwas gewundert und „Na ja, das sind die Spoiler-Phobiker!“, gedacht, aber so ist mein Unbehagen geblieben und habe es auch auf meine Radtour um den Neusiedlersee mitgenommen, denn für unfaßbar halte ich eigentlich etwas ganz anderes, als eine harmlose Frage nach einer Buchinterpretation!

Die Interpreationen der Rechten, was die Unruhen in Chemnitz betrifft, beispielsweise oder überhaupt den allgemeinen Rechtsruck und noch vieles anderes,  so daß ich mich allmählich frage, was ein absolutes „No go!“, ist und, wo überhaupt steht, daß man bei einem Buch nicht den Inhalt erzählen darf, ohne gleich, was ich eigentlich für blöd finde, groß „Achtung Spoileralarm!“ darüber zu schreiben?

Ich werde das sicher nicht tun, mache mich bei meinen Rezensionen aber manchmal darüber lustig, wenn ich selber „Jetzt werde ich wieder spoilern!“, schreibe, was ich aber eigentlich eher für einen Witz, als für eine Warnung empfinde, aber gut, die, die mich lesen, wissen, daß ich gegen jede Geheimniskrämerei bin und gern sehr viel verraten, wenn man das nicht will, braucht man das nicht lesen und wenn einem ein Kommentar nicht gefällt, ist es, glaube ich, besser, als loszuschimpfen, ein Mail zu schicken und „Das besprechen wir vielleicht lieber so!“, zu schreiben!

Ich würde das jedenfalls so tun, aber ich habe keine Angst vorm Spoilern und mag auch keinen Spoileralarm!

2018-07-20

Erinnerungen an Christine Nöstlinger

Ich habe ja in den Sechzigerjahren zu lesen angefangen und als Tochter eines engagierten Sozialisten zu Weihnachten immer ein Buch der Kinderfreunde unter dem Christbaum gefunden.

Damals hießen die Autoren Vera Ferra-Mikura und Friedrich Feld und was die Ferra-Mikura betrifft, sind mir da „Meine Freundin Rosine“ und „Peppis doppelte Welt“ und natürlich die „Stanisläuse“ im Gedächtnis geblieben und sie war, da bin ich mir sicher, ein Vorbild von Christine Nöstlinger, die mir als Kinderbuchautorin irgendwie verlorengegangen ist, weil ich, als sie in den Siebzigerjahren zu publizieren begann,  schon erwachsen war.

Trotzdem war sie damals in aller Munde und hat die Kinderbuchliteratur erstaunlich reformiert. Der „Wischer“ ist in den Siebziger- oder Achtzigerjahren in Ö-3 gelaufen, dann gab es das „Austauschkind“ und mit dem habe ich mir oder die anderen Autoren der „Die Mädchen dürfen pfeifen, Buben dürfen weinen- Anthologie“, den Kinderbuchpreis von 1982, glaube ich, geteilt habe.

Denn, die 1936 in Wien-Hernals, ein Bezirk, in dem ich ja auch aufgewachsen bin, geborene Autorin, war in der Jury, als Johanna Dohnal vom Staatssekretariat für Frauenfragen, einen Wettbewerb für ein nicht rollenkonformes Kinderbuch aufgerufen hat.

Ich habe eine Szene aus einem Projekt, an dem ich damals gearbeit habe, als „Güler will kein Kopftuch mehr“, umgearbeitet und eingereicht und ich bin fast sicher, daß ich den Preis den ich damit gewonnen habe, ihr verdanke.

Gelegenheit zu fragen oder mit ihr darüber zu sprechen, gab es keine, obwohl das Buch prominent  aufgenommen wurde, ein paar Auflagen hatten, den besagten Kinderbuchpreis gewonnen hat, als Taschenbuch aufgelegt wurde und und und am vorigen Freitag, als ich in Harland auf der Terrasse sitzend ein wenig herumgegooglet habe, habe ich erfahren, Christine Nöstilinger ist im einundachtzigsten Lebensjahr gestorben.

Das ist, wie mir „Wikipedia“ mitteilte, schon am achtundzwanzigsten Juni geschehen. Bekanntgegeben wurde es aber offenbar erst am letzten Freitag und hat natürlich große Betroffenheit ausgelöst, obwohl ich in einem Interview lesen konnte, daß die Autorin sich zuletzt geweigert hat, weiter Kinderbücher zu schreiben, weil sie meinte, diese mit Achtzig nicht mehr zu verstehen.

Nun, die Kinder haben sich inzwischen sicherlich geändert, die Anna ist aber mit ihren Büchern aufgewachsen und während mich als Kind Vera Ferra-Mikura „Peppis doppelte Welt“ als eine der ersten Schilderung eines Scheidungskindes sehr beeindruckt hat und ich bedauere, das Buch, das man inzwischen wahrscheinlich nur mehr gebraucht bekommen kann, nicht zu besitzen. Denn ich habe als Kind ja viel aus der Bücherlade meiner Hauptschulklasse gelesen, hatte die Anna, glaube ich, mit dem Scheidungsbuch, der Nöstlinger, wo die Welt eines Kindes offenbar viel brutaler durchgeschnitten und zerteilt wurde, mehr Schwierigkeiten, als ich mit dem Peppi, dem halt nach den Würsteln beim Papa schon schlecht war und sich trotzdem nicht traute, das Mittagessen der Mutter, das sie ihm hinstellte, als er von dort zurückkam, zu verweigern. Sie hat es aber verstanden und ihm kleine Portionen hingestellt. Heute würde man das Mittagessen wahrscheinlich ganz weg lassen. Es hat sich aber sicher als tolle Szene erwiesen, das Problem von Scheidungskindern aufzuzeigen.

Vera Ferra-Mikura hat sehr sozialkritisch geschrieben, Christine Nöstlinger ist ihren Spuren gefolgt und hat die „Feuerrrote Friederike“, glaube ich, auf dem Küchentisch geschrieben.

Ich war ja, wie schon erwähnt, für ihre Kinderbücher zu alt und bin wahrscheinlich auf Christine Nöstlinger durch das Buch von Hilde Schmölzer „Frau sein und schreiben“ aufmerksam geworden, die ein Interview mit ihr brachte. Das heißt so ganz wird das nicht stimmen, Christine Nöstlinger war in den Siebziger- und Achtigerjahren sehr populär und hat wahrscheinlich, sowohl in der Arbeiterzeitung, als auch in der sozialistischen Frau, die Frauenzeitschrift, die meine Mutter gelesen hat, regelmäßig publiziert.

Es sind dann auch bald die Gedichtbände über die ganz armen Kinder, die ganz armen Frauen und später, glaube ich, auch über solche Männer herausgekommen.

Die „Geschichten vom Franz“ habe ich der Anna vorgelesen und noch früher, war ich mal auf einer Veranstaltung, wo Christine Nöstlinger gelesen hat und ein bißchen verwirrt darüber war, daß die wahrscheinlich antiautoritär erzogenen und sehr selbstbewußten Kinder ihr nicht so recht zuhören wollten. Da hatte sie es als Autorin nicht so leicht, obwohl sie wahrscheinlich selber dazu beigetragen hat, die Kinder so zu erziehen und rotzfrech, hat sie ja in Interviews öfter  gesagt, ist sie als Kind auch gewesen.

Ihre ersten Geschichten hat sie, glaube ich, am Küchentisch geschrieben und ist, glaube ich, auch über das Zeichnen zum Schreiben gekommen. Ihre Literatur hat aber eingeschlagen. Die Kinder der Siebziger- und achtzigerjahre selbstbewußt gemacht und jetzt fehlt in den neobliberalen Zeiten wahrscheinlich ihre rotzfreche emanzipatorische Literatur und hat, obwohl ich mich bei den heutigen Kinderbuchtrends nicht so auskenne, weil ich ja keine Enkelkinder habe, denen ich Bücher vorlesen könnte, eigentlich auch keine richtige Nachfolger gefunden, die in ihrem Sinne die Emazipation in die Kinderzimmer weitertragen könnten und dort wird, höre ich ja immer, ohnehin immer weniger gelesen und immer weniger Kinder lernen das und die Lust dazu, auch in der Schule.

So ist der Tod der großen Kinderbuchautorin natürlich ein großer Verlust für die Kinderzimmer, obwohl man ihre Bücher ja weiter kaufen und lesen kann und das natürlich auch sollte.

Und an noch ein Bonmot der großen alten Dame kann ich mich erinnern. Als Johanna Dohnal gestorben bin, bin ich zu einer Gedankveranstaltung auf den Ballhausplatz gegangen. Da ist sie aufgetreten und hat gesagt, daß sie den Feminismus nie aufgegeben und ihn, wenn nötig auch noch mit der Krüke verteidigen wird. Was mich in Zeiten, wo ja die jungen rechten Frauen sehr energisch dagegen ankämpfen, sehr beeindruckt hat.

Jetzt kann sie das weder mit noch ohne Krüken tun, so daß wir, die wir den Feminismus wollen, ihn wohl selber verteidigen müssen und mit Vera Ferra-Mikuras und Christine Nöstlingers Büchern gehet das wahrscheinlich immer noch sehr gut.

2018-07-14

Manuskripte lesen

Alfred KolleritschDie „Manuskripte“, die steirische Literaturzeitschrift, herausgegeben von Alfred Kolleritsch und inzwischen glaube ich, auch von Andreas Unterweger, gehört sicher zu den wichtigsten österreichischen Lliteraturproduktionen und es hat sie auch schon geben, als ich in den späten Siebziger oder frühen Achtzigerjahren anfing meine literarischen Werke in die Welt zu verschicken.

Die „Manuskritpe“ aus dem legendären Graz und in Wien gab es das „Wespennest“, die Zeitschrift für brauchbare Texte von Gustav Ernst, Peter Henisch, etcetera, herausgegeben und gegründet.

Aus Graz ist keine Antwort gekommen, aus Wien vorerst auch nicht, Josef Haslinger hat mir, glaube ich, einmal geschrieben, daß er dafür gewesen wäre, sich in der Redaktionssitzung aber nicht durchsetzen konnte, etwas von mir zu bringen.

Die „U-Bahngeschichten“ sind dann, als ich die GAV aufgenommen wurde, doch dort erschienen und so habe ich bei meiner nächsten literarischen Aussendung trotzig an Alfred Kolleritsch geschrieben, daß er mich schon noch veröffentlichen würde, womit ich mich, wie sich herausstellen sollte und mein Kritiker Uli wird jetzt wahrscheinlich aufschreien, obwohl er sich in der österreichischen Literaturzeitschriftenlandschaft vielleicht nicht so auskennt, gehörig überschätzte.

Aber damals in den spätern Siebziger- und frühen Achtzigerjahren waren die Grazer „Manuskripte“ gehörig experimentell, brachten Elfriede Jelinek, Friederike Mayröcker, Ernst Jandl, was sie, was zumindestens die beiden Erstgenannten betrifft, immer noch tun. Inzwischen ist die Zeitschrift dem allgemeinen Trend entsprechend, auch etwas realistischer geworden und wieso ich das weiß?

Ich habe in den Neunzigerjahren, glaube ich, von Hans Jörg Waldner den Rat bekommen, mich an das Kulturamt der Stadt Wien wenden soll, wenn ich kostenlos Literaturzeitschriften  zugeschickt bekommen will, was ich auch tat und seither bekomme ich die „Manuskripte“, die ich regelmäßig mehr oder weniger intensiv durchblättere und dann zur Seite lege und selber Manuskripte hinschicken, tue ich, wie meine Leser wissen werden, schon lang nicht mehr.

Aber als Elfriede Jelinek 2004 den Nobelpreis bekommen hat, habe ich mich am darauffolgenden Samstag vor die Harlander Regale gesetzt und in den dort lagernden Manuskripten, nach Erstveröffentlichungen von ihr gesucht, denn die Zeitschrift bringt nur solche.

2008 habe ich zu bloggen angefangen und mich da eine Zeitlang regelmäßig mit dem Otto, meinem literarischen Verstärker, wie ich ihn nannte, ausgetauscht, der sowohl die „Mansukripte“ als auch die Zeitschrift „Kolik“ abonniert hat, die Gustav Ernst gegrünndet hat, als er das „Wespennest“ verlassen hat.

Und der hat ja eine kurze Zeit auch einen Blog geführt und dort regelmäßig über die „Manuskripte“ berichtet, so daß wir auf diese Art und Weise Andrea Stift, die dort mitarbeitete und oder auch publizierte kennenlernten.

Ich habe, weil ich ja auch keine gerne Kurzgeschichtenleserin bin, die Zeitschrift nicht besprochen, war aber in der „Alten Schmiede“ bei einer diesbezüglichen Festveranstaltung und habe Ende 2017 so zwischen Weihnachten und Neujahr plötzlich einen Brief aus Graz mit der Aufforderung mein Abo zu bezahlen bekommen, was ich zuerst für einen Irrtum hielt, aber durch einen Anruf imKulturamt von Julia Daniecyck erfuhr, daß die Stadt Wien das Abo schon 2012 beendet hat, was von den „Mansukriüten“ offenbar nicht bemerkt wurde.

Eine sehr liebe Dame schickte mir dann eine Abo-Kündigung und erklärte daß ich ab Nummer 218 keine Zusendung mehr bekommen würde, als ich aber von Leipzig zurückkam, war das Heft 2019 da, weil das Computersystem offfenbar noch immer nicht funktionierte. Ich habe es durchgeblättert und bin  vor einigen Wochen zu den H. C. Artmann Festival in die Breitenseer Lichtspiele gegangen, wo Erwin Einziger aus seinen „Verstreuten Märchenbaumkalenderblättern“ las und verkündete, daß die in den nächsten Wochen in den „Mansukripten“ erscheinen würden.

„Schade!“, habe ich wohl gedacht und mich gefreut, vorige Woche, Heft 220″ im Postkasten gefunden zu haben und der lieben Dame vorgeschlagen, mir das Heft, als Rezensionsexemplar weiter zu schicken, ich würde es im „Literaturgeflüster“ besprechen, was ich hiermit auch tue und mich also trotz meiner Bücherberge wieder etwas genauer mit der österreichischen Literaturzeitschriftenlandschaft auseinanderzusetzen, obwohl das Heft leider zum gegebenen Anlaß mit einem Nachruf begann.

Ist doch  Jürg Laederach am  10. März 2018 in Basel verstorben und Alfred Kolleritsch, beziehungsweise die Mansukripte“ hatten wohl eine besondere Verbindung mit dem 1945 geborenen Schweizer Dichter, der offensichtlich gerne Bücher und CDs verschickte und in seinen Texten gerne von „Riesenschnitzeln“ schrieb. Ein solcher Text ist im Nachruf abgedruckt und dann gibt es Texte von Elfriede Jelinek, Marianne Schroeder, offensichtlich der Lebensfrau, Ilma Rakusa, Friederike Kretzen, Kerstin Kemper etc, die dem Verstorbenen gedenken und Felix Phillph Ingold hat sogar Boris Pasternaks „Lyrische Variationen zum Thema Krieg und Revolution“ für ihn neu übersetzt.

Danach kommen wir zum heimischen Literatubetrieb nämlich zum österreichischen Fischer und Dichter Hans Eichhorn und seinenProsastpücken „Ungeboren“, bevor es zu dem schon erwähnten Erwin Einziger und seinen „Märchenbaumkalenderblättern“ geht.

Und von Valerie Fritsch, dem jungen Grazer Literaturtalent, habe ich, seit sie mit „Winters Garten“ auf der Longlist des Bp stand und den „Alpha-Literaturpreis“ wieder Erwarten nicht damit gewonnen hat, nichts mehr gehört habe, gibt es den sehr berührenden Text „Morbus“, wo ein Mann zu seiner dementen Frau nach Hause kommt und sich ihren Tod beziehungsweise ihr Sterben herbeiwünscht.

Dann kommen Auszüge aus einem Roman der1981in Wolfsburg geborenen Silvana Cimenti, von der ich noch nie etwas gehört habe und  der in Hiroshima lebende  Leopold Ferdermair, der auch schon in Klagenfurt gelesen hatt, brachte eine „Kinderverlustgeschichte“ in der er sich auf Peter Handke bezieht.

Die 1958 in Klagenfurt geborene Helga Glantschnig, die bei „Droschl“ veröffentlicht und schon ein Buch ihre Einlaufschue herausgebracht hat, beschäftigt sich in ihrem Text mit dem Hörzendorfer See, ist also wieder  sportlich unterwegs und der ebrenfalls in Klagenfurt geborene  Werner Lassnig, zieht, mit einigen Fußnoten versehen musikalisch durch die Stadt, während die „Wildganspreisträgerin“ von 2018 Sabine Scholl von ihren „Täuschungen“, die sie in Venedig erlebte, erzählt, man sieht die „Manuskripte 220“ halten es sehr sommerlich und der Schweizer Peter K. Wehrli brachte  sogar 77 Auszüge aus seinem „Kalifornischen Katalog“.

Es gibt stark körperbezogene Textstücke der 1983 geborenen visuellen Klangdichterin Kinga Toth, die ich schon einmal im Literaturhaus hörte, da wurde die Veranstaltung von Zoltan Lesi moderiert, der in dem Band auch zwei Gedichte hat und der heuer auch beim „Literarischen Lenz“ im Theaterbrett aufgetreten ist.

Andere Gedichte gibt es auch und eine Textstelle von Friederike Mayröcker und dann für mich besonders  hilfreich, weil ich ihm ja auch nicht verstanden habe, einen erklärenden Nachruf zum ersten Todestag von Hans Jörg Zauner von Harald Miesbacher unter dem Titel „Der Sprachschneider“.

Da gibt es erklärende Worte, sowohl zum Leben, des wie Miesbacher meinte, in den letzten Jahren unter sehr prekären Umständen gelebt habenden Avantgardisten, der auch immer wieder in den „Manuskripten“ veröffentlicht hat, als auch zu dessen Werk, das wie Miesbacher meint „den Nimbus einer Schwer- bis Unverständlichkeitsliteratur“ hatte, was ich im Weinhaus Sittl bei der Gedenklesung, sowohl hören, als auch selbst empfinden konnte.

„Und so will man ihm gerne wünschen, dass sich seine Hoffnung doch wenigstens im Nachhinein erfüllen möge und es schließlich heißt „als wortaufbolzschenderer wurde er dann endlich weltbekannt“, lautet der letzte Satz des erklärenden Nachrufes.

Ob das die „Manuskripte 220“ schaffen werden, ist nicht sehr wahrscheinlich. Ich bin über die kurze Werkeinführung aber sehr dankbar, habe mich, die realistisch schreibende Autorin, wieder gern durch die neue oder ältere mehr oder weniger experimentelle Literatur gelesen und so bin ich sehr froh, wenn auch nur durch einen Computerfehler, Heft 220 bekommen habe.

Daß ich mit dem Otto wahrscheinlich nicht  darüber diskutieren kann, finde ich sehr schade, weil wir ja heuer wegen unseres Schweizurlaubs auch bei der zweiten Sladky-Wanderung nicht mitgehen können. Aber vielleicht sehe ich ihn wiedermal im Literaturhaus, wie bei der Margret Kreidl-Veranstaltung,  vor ein paar Wochen und von der gibt es in den „Manuskripten 220“ auch ein Gedicht zu lesen. Wenn auch nur auf der Werbeseite, auf der auf ihr in der „Edition Berger“ erschienenes Bändchen „Hier schläft das Tier mit Zöpfen“ hingewiesen wird.

2018-07-08

Zweiundvierzigstes Bachmannlesen

Filed under: Literaturbetrieb,Literaturpreise — jancak @ 12:04
Tags: ,

Ich bin ja ein großer Fan des Bachmannpreises, verfolge ihn eigentlich seit seiner Gründung 1977, als in Nachfolge der Gruppe 47 von Marcel Reich Ranicki, Humbert Fink und ich glaube Ernst Willner ins Leben gerufen, obwohl es damals für eine Nichtfernseherin wahrscheinlich sehr schwer war, etwas mitzubekommen.

Nicht desto trotz hat Gert Jonke ihn gewonnen und ich habe oder hätte immer gerne dort gelesen, aber als realistisch schreibende Selbstdarstellerin wahrscheinlich keine Chance.

Das weiß ich jetzt, damals habe ich es nicht gewußt und habe auch, glaube ich, zweimal oder dreimal einen Text an die Juroren geschickt.

Seit man aber eine Verlagsempfehlung haben muß, tue ich das nicht mehr. Obwohl was würde passieren, wenn ich es trotzdem täte? Würde ich da eine Verwarnung kriegen?, habe ich mich damals, als das eingeführt wurde, bei den Orgnisatoren beschwert und seit es Internet gibt verfolge ich die Texte und das Lesen natürlich ganz besonders und war einmal, ein einziges Mal in meinem Leben, nämlich 1996, auf eigene Faust und eigene Kosten sozusagen live dort.

Jetzt würde ich wahrscheinlich auch eine Einladung brauchen, um am Eröffnungsabend teilzunehmen, aber die würde ich als „Literaturgeflüsterin“ wahrscheinlich bekommen und ich habe meistens auch Spekulationen angestellt, wer da eingeladen wird und die österreichischen Teilnehmer auch meistens gekannt. Die Deutschen, die Schweizer oder anderen Deutschhreibenden nicht so sehr und heuer sind die Teilnehmer erst sehr spät, nämlich am vierten Juni bekannt gegeben worden, dafür folgten die Videos, auf die ich immer wartete, gleich bald hernach und ich habe von den vierzehn Autoren, die von den sieben Juroren, von denen es heuer zwei neue gibt, nämlich Nora  Gominger, die Bachmannpreisträgerin von 2015 und Insa Wilke, sowie schon bewährt Hildegard Keller, Klaus Kastberger, Stefan Gmünder, Michael Widerstein und als sogenannter Vorsitzender Hubert Winkels, ausgesucht wurden, nur die einzige Österreicherin Raphaela Edelbauer und dann die in Wien lebende Ukrainerin Tanja Maljartschuk gekannt und von den deutschen Jakob Nolte, weil er mit seinem doch nicht Vampirroman „Schreckliche Gewalten“ im letzten jahr auf der DBp-Longlist gestanden ist und dann habe ich noch vom Namen Stephan Lohse und dessen Debutroman der „Ein fauler Gott“ ein Begriff und, daß  Bov Bjerg mit seinem Bestseller „Auerhaus“, der berühmtesten der heuer Eingeladenen ist, habe ich erst heute durch Wolfgang Tischers ersten Bachmannpodcast erfahren, der dafür die einzige Österreicherin vergessen hat. Die anderen Autoren werde ich wohl in den nächsten Tagen kennenlernen, denn ich werde mir  das Ganze, soviel, wie möglich geben, obwohl ich am Donnerstag, den ganzen Tag Stunden habe und am Samstag Omas Geburtstag zu feiern ist.

Zuerst ging es aber an die Eröffnung, die wieder nach bewährten Muster musikalisch begonnen wurde. Es spielte das „World Sounds Ensemble“ unter dem Jazzsaxophonisten Michael Erlan. Christian Ankowitsch moderierte und dann wurden zuerst wieder die Honoratoren vorgestellt und die Politiker und Preisstifter interwiet.

Die vierzehn Autoren waren hinten auf einer langen Bank aufgereiht, die Jury ist später feierlich einmarschiert und wurde platziert. Der Vorsitzende begann mit seiner Rede, wobei er erwähnte, daß Deutschland  in den letzten Tagen eine Krise erlebte und stellte die Frage, ob man sich Angesichts der bewegten Zeiten, wo an der Flüchtlingsfrage, eine Koalition  am Zerplatzen ist, vier Tage lang im schönen und schon viel regideren Österreich der schönen Literatur widmen kann, was er natürlich bejahte.

Ich denke zwar, daß das nicht so einfach ist, werde das aber ebenfalls tun und dann kam schon der Justitiar mit der Box und die Autoren durften anmarschieren und sich ihre Zettelchen mit der Lesereihenfolge ziehen. Raphaela Edelbauer wird am Donnerstag beginnen und dann folgte, mit Spannung erwartet, Ferdiun Zaimoglus Rede, der 2003 in Klagenfurt gelesen und gewonnen hat.

„Der Wert der schönen Worte“ hieß seine Rede, die sich sprachlich sehr kompliziert,  gegen die Rechten und die Patrioten wandte und für die Schwachen und die Menschlichkeit eintrat und großen Applaus bekam.

„Er rennt offene Türen ein, aber in Österreich sind die ja schon geschlossen!“, witzelte Wolfgang Tischler auf Twitter und dann ging es in Klagenfurt  ans Buffet in den schönen Garten, was wie ich später hörte, aber durch starken Regen nicht möglich war und am Donnerstag habe ich zwar in der Küche, die ganze Zeit den Livestream laufen lassen, aber zwischendurch meine Stunden gemacht, so daß ich nur zur Diskussion über Raphaela Edelbauers Text „Das Loch“, wo es um die Seegrotte in Hinterbrühl, einen Techniker und die Ermordung der Juden im dritten Reich ging, zurechtkam, der von Klaus Kastberger, der die Autorin und „Rauris-Preisträgerin“, auch eingeladen hat, verteidigt hat.

Mit  „Schnittmuster“ dem Text, der 1979 geborenen Schweizer Autorin Martina Clavadetscher, die von Hildegard Keller eingeladen wurde, in dem es um das Sterben einer alten Frau geht, ist es mir ähnlich gegangen und auch bei dem 1964 in Hamburg geborenen Stephan Lohse, dessen Text „Lumumbaland“  heißt, bin ich nur in die Diskussion gekommen, da war die Jury begeisteter, so daß sich da wahrscheinlich ein erster Favorit abzeichnen könnte.

Bei den zwei anderen Lesenden der 1990 in Rorschach geborenen und in Zürich lebenden Anna Stern, deren Text „Warten auf Ava“ heißt  und dem 1989 in Bayern geborenen Joshua Groß mit „Flexen in Miamai“ bin ich in meinen Pausen jeweils ein Stück in den Text hineingekommen und habe die Diskussion erst später nachgehört, wie ich auch die Texte, der schon erwähnten Autoren erst hören oder lesen mußte.

Dann sind wir, während die Prominenz in Klagenfurt zum Empfang nach Loretto pilgerte, nach Harland gefahren, so daß ich mir die Freitagstexte ganz und per livestream geben konnte und da hat es der in Zürich lebenden Zahnärztin Corinna T.  Sievers angefangen und die, deren Text „Der nächste Bitte“ heißt, eine  1965 geborene geschminkte Frau mit langen blonden Frauen und großer Brille, die, als ihre Vorbilder Michel Houllebecq, Martin Walser und Philip Roth angibt, scheint die besondere Variante des  heurigen Bachmannslesen zu sein, zuerst einmal ihr Beruf und dann ihre Fixierung auf die Sexualität, denn da steht dieZahnärztin mit ihren Instrumenten und wahrscheinlich Mundschutz vor ihrem Patienten, hat die Sprechstundenhilfe vorsorglich ins Wartezimmer hinausgeschickt und läßt  ihre erotischen Phantasien spielen „Weder die Länge des Penis…“ etcetera, während die Ärztin vor Lust ins Koma fällt und zu einem Psychiater geht sie natürlich auch. Und dann war ich gespannt, was die Jury zu diesem Text sagen wird, die dann sehr wissenschaftlich darüber diskutierte und interessant, die mangelnde Radikalität bemängelte, was Huberts Winkels bemerkte und Wolfgang Tischer hat unter dem Text, glaube ich, sehr gelitten, wie ich seinen Twitternotes entnehme.

Und wenn jemand meine Meinung wissen wollte, ich fand den Text lustig und interpretiere ihn auch, als eine Parodie auf  die männlichen Sexphantasien und hätte ein Mann diesen Text geschrieben, lieber Klaus Kastberger, hätte ich auch aufgeschrieeen.

Dann kam die 1984 geborene  Ally Klein, deren Debutroman „Carter“ erst erscheinen muß. Sie las mit stark empathischer Stimme einen Teil daraus, wo ein „Ich“ durch die Gegend rennt, dann ein Haus erreicht und  mit einer Person namens Carter konfrontiert wird. Die Jury war von der sprachlichen Gewalt begeistert und rätselte, wie der Text, der zu viele Adjektive hat, zu interpretieren ist? Ob das eine der Preisträgerinnen ist?

Dann kam Tanja Maljartschuk mit ihrem Text „Frösche im Meer“, eine sehr packende Geschichte von einem Mann ohne Pass, der in einem Park kehrt und eine demente alte Frau, die in einer Wohnung mit Frösche lebt, versorgt und dabei verhaften wird, während seine Mutter in der Ukraine ohne ihn begraben wird, den ich aber vorläufig  versäumte, weil ich mit der Anna und dem Ouzo mit dem Rad zum Bootshaus fuhr und dort den Alfred und die Oma traf und nach dem gebackenen Zander, erst wieder zurückkam, als ich Christian Ankowitsch abschließend über Bov Bjergs  Text „Serpentinen“ sagen hörte, daß er sehr stark wäre, der handelt von einem Mann, der mit einem Jungen einen Tag lang in seiner ehemaligen Heimat spazierenfährt, an seine Familie denkt, dabei das Handy in einer Dose versteckt und einen falschen Namen angibt.

Applaus tönte auf und dann kam der letzte Freitagleser, nämlich der 1973 in Hamburg geborenen Anselm Neft, der heute Geburtstag hat und der schon viel literarische Erfahrung hat. Sein Text heißt „Machs, wie Miltos“ undhandelte von einem Obdachlosen, der ebenfalls mit seiner Familie spricht, Hefte seiner Tochter verbrennt, weil die schon verstorben ist und den überfahren wordenen Hund, beerdigen muß.

Das wars für den Freitag und am Samstag habe ich noch vor der ersten Lesung, hoffentlich nicht wieder voreilig, wie vor ein paar Jahren, im Literaturcafe für Klaus Kastberger als den besten Juror abgestimmt, weil ich ja zu Mittag wieder ins Boothaus radeln werde, um mit der Oma ihren Geburtstag zu feiern.

Und in Klagenfurt hat der 1988 geborene Jakob Nolte, der von Hubert Winkels eingeladen wurde, mit seinem Text „Tagebuch einer jungen Frau, die am Fall beteiligt war“, begonnen, ein strebsam wirkender junger Mann in einem hochgeschlossenen hellblaugemusterten Hemd und runder Brille, der diesmal nicht von „Schrecklichen Gewalten“, sondern in einem Tagebuch von einem Mexiko-Aufenthalt und zwei Niederländerinnen las.

Die Lesung mußte wegen eines Kreislaufzusammenbruchs einer Zuschauerin kurz unterbrochen worden, was für einige Irritierung und Unsicherheiten sorgte. Es ist aber bald wieder weitergagen und bei der Diskussion waren sich die Juroren nicht einig, ob man ein Tagebuch so schreiben kann und warum man Kokain nimmt? Hildegard Keller war wieder sehr kritisch und unzufrieden und es wurde diskutiert, was ein“Unbedarftes Delirium“ ist und, ob der Autor seine Textfehler bewußt eingesetzt hat und das ein schlechter oder guter Text ist?

Dann kam ein noch surrealerer Text, den von Nolte habe ich gar nicht so verwirrend empfunden, des 1965 in Hamburg geborenen Stephan Groetzner, ein Romanauszug aus „DESTINATION AUSTRIA“, der von Gagausien, Haus der Landwirtschaft und Kultur, einem Grazer Kino und und ständig hinundherschwankte, der von Wolfgang Tischer, „als sprach schön gebauter reiner Nonsensetext“ beurteilt wurde und mir wahrscheinlich auch zu überdreht war, wenn er auch wahrscheinlich sehr politisch zu interpretieren ist.

Die letzten zwei Texte habe ich nach dem Mittagessen und der Geburtstagsfeier mit Annas Cremeschnitten und Omas alten Schulfreundinnen, Schwägerin und Schwager, Alfred und Andreas, wieder nachgehört und da gab es, wie ich Wolfgang Tischers Twitternotes entnahm, in der 1983 in Solingen geborenen türkischen Autorin Özlem Özgut Dündar, wieder eine Shortlistfavoritin, die  einen Romanauszug aus “ und ich brenne“ gelesen hat, in dem verschiedene „mütter“ eine Rolle spielen und es trotz der poetischen Form einen real politischen Hintergrund zu geben scheint, während der letzte Leser in der Runde, der 1992 in Braunschweig geborene Lennardt Loß, einen sehr überfrachteten Text hatte, in dem ein Mann sich zuerst in einem Flugzeug an einem Katalog, die Finger aufschneidet, dann stürzt das Flugzeug ab. Er sitzt mit einem schönen Mädchen, dem ein Zahn fehlt, er ist Zahntechniker, auf einem Flugzeugsitz im Pazifik und rast sein Leben durch. Es könnte aber auch, wie einer der Juroren bemerkte, auch nur seine Flugangst sein, die ihm dieses tuen läßt. Er hat jedenfalls eine Kugel im Bauch, deshalb ist er den Flug überhaupt erst angetreten, denn er war RAF-Terrorist und sein Ausbildner ein SS-Mann, der auch eine tötliche Tätowierung mit sich herumschleppte…

Vierzehn sehr unterschiedliche Texte also, die da in den letzten Tagen in Klagenfurt zu hören waren. Erstaunlich welch unterschiedliche Genres, da jetzt zugelassen werden und ab Samstag fünzehn Uhr bis Mittermacht konnte man wieder für seinen Favoriten abstimmen.

Weil ich das Ganze diesmal ein bißchen lockerer angegangen bin und mir auch nicht eine eigene Shortlist zusammenbastle, um dann am Sonntag enttäuscht zu sein, welche Namen auf der, der Jury stehen, die dann doch nur Platzhalter waren, verrate ich jetzt nur, daß mir die Texte von Tanja Maljartschuk und der, der erotikbesessenen Zahnärztin, den ich immer noch für eine Parodie auf die Männersexphantasien a la Martin Walser und Philip Roth halte, sehr gut gefallen haben und abgestimmt habe ich für die  „Frösche“, weil ich erotikbesessene Zahnärztinnen eigentlich doch nicht haben will.

Der Text über den Obdachlosen hat mir auch ganz gut gefallen, über die Politsatire von Stephan Groetzner müßte ich noch nachdenken und von Wolfgang Tischer, der ja wieder im Literaturcafe einen täglichen Podcast hatte und dort seine Einschätzungen gab, hörte ich, daß der Böv Bjerg für den Preisträger hält.

Am Sonntag kam wurde dann als Erstes die Shortlist verlautet:

  1. Raphaela Edelbauer
  2. Joshua Groß
  3. Ally Klein
  4. Anna Stern
  5. Tanja Malatschuk
  6. Bov Bjerg
  7. Özlem Özgül Dundar

Und dann habe ich diesmal recht gehabt,  Tanja Maljartschuk, dessen nächstes Buch, aus dem sie schon ein Stück damals im Literaturhaus geboren hat, wird demnächst bei  „Kiwi“ erscheinen wird, wurde die neue „Bachmannpreisträgerin“, gefolgt von Böv Bjerg mit seiner Vater Sohn Geschichte, die von Klaus Kastberger vorgeschlagen wurde.

Die dritte Preisträgerin wurde  Özlem Özgul Dündar, mit ihren vier Müttern, die ihren Text klein und ohne Punkt und Beistriche geschrieben hat.

Und die vierte Jurypreisträgerin wurde für mich überraschend, weil sie in der Diskussion gar nicht so gut weggekommen ist, die Schweizerin Anna Stern mit ihren Text „Warten auf Ava“ und was den Publikumspreis betrifft, ging die Folge, daß der an  Österreich geht, wie das glaube ich seit Cornelia Travnek so üblich ist, an Raphaela Edelbauer weiter, die aber diesmal in der Shortlist war und  bei der Jury über geblieben ist.

Dann zog Hubert Winkel den Vorhang zu und mokierte sich ein bißchen über Marlene Streeuwitz und Daniel Kehllmann, die im Vorfeld den Preis kritisiert haben und zu kapitalistisch hielten und ein paar Reden und Interviews gab es auch, bevor es im nächsten Jahr weitergehen wird und ich habe wieder einmal vier Tage interessante Literatur erlebt.

2018-05-26

Drei Todesfälle

Nun wird er also nicht mehr, wie immer spekuliert und darüber gelächelt, daß er angegeblich jedes Jahr am Tag der Nobelpreisvergabe zu Hause bleiben und auf den Anruf warten würrrde, den Nobelpreis bekommen und das nicht nur, weil der, da die Kommission zerstritten und Skandal geberutelt, diesen heuer nicht vergeben wird, denn der 1933 in Newark geborene große Amerikaner, Philip Roth, ist am 22. Mai in New York gestorben.

Von der Literatur, beziehungsweise dem Schreiben, hat er sich schon 2012 zurückgezogen. Ich habe von ihm, obwohl ich  die großen amerikanischen Literaturvorbilder, weil mir zu sexlastig, nicht so gerne mag, einige Bücher gelesen. Auf seine Spur bin ich vor einigen Jahren gekommen, als es die „Libro-Bestselleraktion“ gab.

Damals gab es noch keine offenen Bücherschränke, ich war aber schon immmer eine Büchersammlerin und es war für mich, da etwas schüchtern, auch eine gute Übung in die Filiale zu gehen und nach dem Buch zu fragen. Denn war es auf der Bestsellerliste und nicht in die Filiale, hat man es geschenkt bekommen. Das hat beim „Amerikanischen Idyll“ zwar etwas und einige Nachfragen gedauert, aber das war mein erster Roth, den ich damals, das war Ende neunzig, gelesen habe und damals habe ich den Philiph sogar noch mit dem Gerhard verwechselt, beziehungsweise nur den letzteren wirklich gekannt.

Drei Todesfälle heißt der Artikel in dem ich wieder etwas allgemeiner über die Literatur und meine Ansichten über das literarische Geschehen schwatzen möchte und der Erste von dem ich erfahren habe, war der 1933 geborene Tom Wolfe, von dem ich 1989 sehr eifrig und sehr beeindruckt, das „Fegefeuer der Eitelkeiten“ gelesen habe.“

Der ist auch ein großer Amerikaner und am 14. Mai gestorben. Davon habe ich, glaube ich, durch „Lit 21“ den Mega-Literaturblog erfahren, der die wichtigsten literarischen Blogartikel zusammenfaßt.

Philip Kerr, der große Schotte, 1956 in Edinburgh geboren, von dem ich das „Wittgensteinprogramm“ gelesen und den ich sogar einmal bei einer dieser Kriminächte in der Hauptbücherei  gesehen habe, ist  schon am 23. März, in London gestorben. Davon habe ich aber,  glaube ich, erst vor ein paar Tagen durch einen Booktuber gehört, der in seinem Nachruf eine Zusammenfassung seiner wichtigsten Bücher gegeben hat, die er, wie er dazu sagte, sehr gemocht hat.

Mir hat das „Wittgensteinprogramm“, glaube ich, gar nicht so sehr gefallen, habe aber noch ein paar anderer Kerr-Bücher auf meiner Liste beziehungsweise mal im Schrank gefunden. Mal sehen, wann ich zum Lesen komme, das ist ja bei mir nicht immer so einfach, aber der Tod, der drei bekannten internationalen Autoren von denen ich einiges gelesen und gesammelt habe und den jüngeren der drei sogar einmal selbst gesehen habe, hat mich sehr beeindruckt.

Von Tom Wolfe, den man nicht mit dem anderen großen Amerikander, Thomas Wolfe, von dem ich „Schau heimwärts Engel“ in der Altausgabe gelesen habe, verwechselt sollte, was mir ja immer sehr leicht passiert, weil ich auf Philip Kerr ja auch erst durch Judith Kerr, deren „Rosa  Kaninchen“ ich vor langer Zeit im Radio hörte, gekommen bin, beziehungsweise deshalb im Bücherschrank nach dem „Wittgensteinprogramm“ gegriffen und gedacht habe, das ist vielleicht ein Verwandter, habe ich auch noch einige ungelesene Bücher.

Mal sehen, ob ich sie lesen werde. Es ist aber sicher gut, sich von den drei großen Schriftstellern zu verabschieden, in dem man an sie und an die Bücher, die man von ihnen gelesen hat, denkt und sich vornimmt, die ungelesenen zu lesen, obwohl das angesichts der Bücherflut von der wir umgeben sind, sicherlich nicht so einfach ist, aber vielleicht nehmen die Büchhandlungen, die Bücher der drei von der Backlist und legen sie auf ihre Hauptstapel auf.

Bei Philip Roth, dem bekanntesten der drei, wird das wohl so sein. Zumindest hat Gunnar Kaiser, dessen Debut ich kürzlich gelesen habe, das schon mit dem „Menschlichen Makel“, den ich ebenfalls gelesen habe,  getan und das Buch in seinem „Kaiser TV “ besprochen.

2018-03-24

Vollversammlung zu fünfundvierzig Jahre GAV

Als ich in die GAV aufgenommen wurde, das war, glaube ich, 1987, wurde ich zu einer Vollversammlung, die, glaube ich wieder, im Mai stattfand, eingeladen. Damals war Josef Haslinger der Generalsekretär und stellte die neuen Mitglieder vor. Außer mir wurde damals, glaube ich, noch Ronald Pohl aufgenommen und die Vollversammlungen gab es eine Zeitlang im Frühling, ich glaube, zu einem bestimmten Thema und im Herbst die Generalversammlung. Damals gab es drei oder vierhundert Mitglieder inzwischen sind es schon siebenhundert, die jeweil bei den Generalversammlungen aufgenommen wurden und die Vollversammlungen wurden irgendwann, ich glaube wieder aus Kostengründen eingespart.

Das heißt vor zehn Jahren hat es eine in Graz gegeben, da habe ich noch nicht gebloggt und da habe ich mich damals, glaube ich, beschwert, daß mich das Literaturhaus nicht mehr meine Veranstaltungen machen läßt. Genützt hat das nicht viel und ich reiche inzwischen auch keine Veranstaltungen mehr ein, habe aber von 2001 bis 2009 den „Tag der Freiheit des Wortes“ organisiert und auch einige Frauenlesungen gemacht.

Es hat dann vor einigen Jahren noch eine Vollversammlung gegeben, nur leider war die zeitgleich mit Leipzig, also habe ich sie versäumt, diesmal ist es sich aber ausgegangen, weil schon wieder zurück aus Leipzig und beim „Tag der Lyrik“ der anderen großen GAV-Veranstaltung, die inzwischen oder auch schon immer Präsidentensache ist, bin ich gestern auch  gewesen.

Da kann ich vielleicht noch anmerken, daß es den „Tag der Lyrik“ einmal, ich glaube, 2007 in Leipzig gegeben hat. Wir waren mit der Ute dort, die Silvia Bartl hat den Büchertisch gemacht, ich habe aber noch nicht gebloggt, kann also nur aus dem Gedächtnis zitieren.

Und das Thema der heutigen Vollversammlung war die Positionierung der GAV, denn ein Verein, der fünfundvierzig Jahre besteht verändert sich und da ist es wohl sehr gut einmal darüber nachzudenken wer er ist und wohin er will?

Die GAV, die Grazer Autoren Autorinnenversammlung, die auch so heißt, weil sie sich 1973 in Graz gegründet, beziehungsweise vom damals sehr konservativen  PEN abgespaltet hat, war zu ihrer Gründung sehr avantargardistsisch, waren doch Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Friedrich Achleitner, Gerhard Rühm also Mitglieder der Wiener Gruppe Gründungsmitglieder. Sehr linkspolitisch war sie auch und inzwischen sind eine Reihe ihrer Gründungsmitglieder gestorben oder vielleicht auch ausgetreten und es waren heute bei der Vollversammlung in der „Alten Schmiede“ auch einige neue Gesichter, die ich nicht kannte.

Die große Prominenz könnte man so sagen, fehlt oder kommt nicht mehr, obwohl ja auch Clemens J. Setz, Olga Flor, Valerie Fritsch, Thomas Stangl und viele andere Mitglieder sind.Inzwischen sind Mgdalena Knapp-Menzel und Jopa Joakin im Sekretariat und Petra Ganglbauer ist die Präsidentin, die die Versammlung auch begrüßte und ein Eingangsstatement verlas, in dem sie auf die angesprochenen Probleme hinwies, bezeihungsweise darauf, daß die GAV kaum mehr in der Öffentlichkeit präsent und ihre Mitglieder vielleicht auch zu wenig selbstbewßt sind.

Danach gab es zwei Impulsreferate, eines kam von Stefan Schmitzer, der sich mit der „Positionierung des Schreibens in der politischen Wirklichkeit“ auseinandersetzte, beziehungsweise sehr kritische Fragen aufwarf, für wen die Autoren schreiben? Ob sie ihr Publikum erreichen und, ob es das ist, was die Leser auch lesen wollen?

In der Diskussion wurde dann auf den „bösen Amazon“ hingewiesen und die Selfpublisher, die ihre Texte da einfach einstellen können und die Rollen der Schreibschulen wurden auch diskutiert. Da gab es Widerstand, denn viele Autoren leben ja von den Schreibseminaren die sie veranstalten, aber wenn sie das Schreiben lehren, gibt es wieder mehr Konkurrenz und die Zahl der GAV- Mitglieder, die dann kommen und ihre Veranstaltungen machen, steigt an, könnte man so polemisch formulieren.

Das zweite Impulsreferat von Ilse Kilic und Christa Nebenführ vorbereitet, beschäftigte sich mit der Frage, warum ein Verein? Bezwiehungsweise damit, was ein Verein kann und was er will oder seine Mitglieder von ihm haben.

Da habe ich auch schon die Frage öfter gehört, was die GAV einem bringen könne? Nun für mich ist der der Kontakt zu anderen Mitgliedern. Ich habe, wie erwähnt eine Reihe von Veranstaltungen organisiert, werde manchmal noch immer zu solchen eingeladen und freue mich auch, wenn ich bei Veranstaltungen, die anderen Mitglieder treffe. Aber wie gesagt, inzwischen, da jetzt jetzt auch keine Neuaufnahmelesungen mehr gibt, kenne ich gar nicht mehr alle, sondern eigentlich nur die die in Wien lesen oder zu den Versammlungen kommen.

Danach gab es eine Mittagspause, die ich allein verbrachte, das heißt mir am Schwedenplatz Chickennoodles, ein Eis und einen Kaffee kaufte und in der „Frick-Abverkaufsbuchhandlung“, habe ich was mich sehr freut Natalka Sniadankos „Frau Müller hat nicht die Absicht mehr zu bezahlen“ um zwei Euro bekommen, die ich schon einmal in der „Gesellschaft für Literatur“ hörte. Den Rest der Zeit habe ich beim „Morava“ verbracht, wo es keinen Abverkauf gab, ich mich bei den Büchertischen aber umgesehen habe, was ich von den Neuerscheinungen schon gelesen habe, beziehungsweise welche noch zu mir kommen müssen.

Am Nachmittag ging es dann um die Regionalversammlungen. Jedes Bundesland hat ja eine eigene Regionalgruppe und ein kleines Budget, so daß es auch Veranstaltungen machen kann. So habe ich in den Achtzigerjahren, als wir von St. Pölten nach Wien pendelten, ja dort auch ein paar Veranstaltungen organisiert.

Ruth Aspöck moderierte die Veranstaltung und befragte die Regionalvertreter Patricia Brooks, die jetzt für NÖzuständig ist, Karin Ivancsics für das burgenland, Bernd Schuchter für Tirol, Martin G. Wanko für Graz, Josef  K. Uhl für Kärnten und Kurt Mitterndorfer für OÖ nach ihren Projekten, Plänen und Problemen.

Erika Kronabitter die Vorarlberg vertritt, fehlte, ebenfalls Christine Haidegger, die das für Salzburg macht, da hat Margot Koller ein bißchen was über die Situation erzählt und als Schwierigkeit scheint sich der Name zu erweisen, weil da die Subventionsgeber mahcnhal sagen, daß in in OÖ oder Salzburg keine Grazer-Veranstaltung untersützen möchten.

So kam der Wunsch nach einer Broschüre auf, die man den Politikern in die Hand drücken könnte. Es gibt,  glaube ich, schon eine und ein Buch über die GAV habe ich mir auch einmal gekauft und es kam sogar der Wunsch zu einer Umbenennung in „Österreichische Autorenversammlung“, wogegen ich sehr wäre, weil die GAV ist ja, da ich  nun schon lange Mitglied bei ihr bin, ein Stück meiner Identität, obwohl ich ja höchstens fünf oder sechsmal in meinem Leben in Graz war und auch schon die Frage hörte, ob ich aus Graz käme, wenn ich meine Veranstaltungszettel ausgeteilt habe.

2018-03-16

Leipziger Messeimpressionen II

Gretchen Dutschke im Gespräch mit Susanne Führer

Gretchen Dutschke im Gespräch mit Susanne Führer

Superman bei Energiezufuhr

Superman bei Energiezufuhr

Mit der Messe und mit dem Winterwetter geht es weiter, Regen am Morgen, der sich dann in leichten und später in dichten Schnee umeandelte, der auch auf der Straße liegenblieb. Ziemlich kalt für Mitte März und auf der Messe hatte ich ein dichtes Programm.  Hatte ich mich doch um elf mit einem Herr vom „Rohwolt-Verlag“ verabredet, dann hat noch Bozena Anna Badura ein Treffen der Debutpreisblogger, die auf der Messe waren, um elf in der Bloggerlounge angesetzt, also habe ich versucht das Treffen nach vorzuverlegen, was auch gelungen ist, ich habe zwar ein bißchen auf ihn gewartet, dabei aber einen Herrn beobachtet, der eifrig in Daniel Kehlmanns „Tyll“ geblättert hat und Georg Klein, der auch für den Leipziger Buchpreis nominiert war, habe ich auch am Stand gesehen.

Allerdings ist es mir dann nicht so schnell gelungen von der Halle vier in die Halle fünf zu kommen, wo schon fünf oder sechs der Debutpreisblogger und Bozena Anna Badura wartete und es auch die „leckeren Kekse“ zum Knabbern gab und um zwölf gab es schon wieder ein Bloggertreffen, so daß ich diesmal das gemeinsame Mittagessen mit dem Alfred ausfallen ließ.

Ich hatte aber noch vom Vortag Brezeln und Croissants und Susanne Bühler von „Diogenes“ hat den Bloggern, die den gesamten Vortragssaal füllten, ich habe auch einige bekannte Gesichter entdeckt, das Herbstprogramm vorgestellt. Da wird es einen neuen Erich Hackl geben, „Liebwies“ errscheint als Taschenbuch und und…

Leider waren die Namen der Neuproduktionen nicht immer leicht zu verstehen und die Cover ohne Projektionshilfsmittel,  das Programmheft wurde nur in die Höhe gehalten, nicht immer so leicht zu erkennen. Der Herbst ist aber noch weiter entfernt und es gab  auch eine Kurzlesung von und mit Anneke Reineckes „Leinsee“, was manche Blogger schon erwartet hatten und ich bin wieder in die Halle vier hinübergegangen.

Schlecky Silberstein

Schlecky Silberstein

Preis der Literaturhäuser

Preis der Literaturhäuser

Denn da gab es es einen Festakt. Wurde doch das europäische Übersetzternetzwerk „Traduki „vor zehn Jahren ins Leben gerufen“, so daß ein deutscher Politiker und eine albanische Politikerin eine Rede hielten und Chrstoph Ransmayr, der österreichische Schriftsteller  in einem Essay erklärte, wie wichtig  das Übersetzen  für die Verständigung wichtig ist.

Es gab ein Glas Wein, bevor das Programm im Cafe Europa mit einem ungarischen Roman weiterging und ich bin zum blauen Sofa hinuntergegangen, wo der Preis der Literaturhäuser an den Teschechen Ladislav Rudis vergeben wurde, den ich, glaube ich, einmal in Krems bei der „Literatur und Wein“ kennenlernte. Leider war im Programm  als Ort das Cafe Traduki angegeben, so war ich vorher dort bei einer Lesung und habe da meinen schönen Block mit den Schneeglöcken und meinen Kugelschreiber vergessen. Ich habe zwar inzwischen ein anderes Schreibeheftchen, aber all meine Notizen sind verloren und so zitiere ich aus dem Gedächtnis.

Es gab dann  noch eine „Blaue Stunde“ zum Thema 1968, mit Gretchen Dutschke und Wolfgang Kraushaar.  Die Messe war zu Ende, das Programm von „Leippzig liest“ ging aber weiter und wir mit der Ute in ein Hospitz, beziehungsweise in  ein „Haus des Lebens“, da ja die Ute ehrenamtliche Sterbebegleiterin ist, wo es auch, um die Verständigung, wenn auch auf eine andere Art und Weise ging und zwar hat der Arzt und Schriftsteller Jalid Sehouli, der auch schon literarische Texte geschrieben hat, sein Buch „Von der Kunst schlechte Nachrichten gut zu überbringen“ vorgestellt, was wahrscheinlich auch eine Kunst des Übersetzen ist, die Nachricht des Krebes mit Achtung und Wertschätzung dem Patienten und seinen Angehörigen zu überbringen und  genauso an Grenzen stoßen wird, wie die Kunst des Übersetzens, wohl nicht immer zum Miteinander führt, da es  auch in Leipzig, wie im Herbst in Frankfurt rechte Verlage gibt, die das Messegeschehen dominieren und vielleicht mehr Aufrmerksamkeit erzeugen, als das Bemühen um Verständnis und Toleranz. Hat es doch schon bei der Eröffnung diesbezüglich Prosteste gegeben und Armin Baumgartner hat mich, als ich ihm in der Halle 4 zufällig getroffen habe, auch gleich darauf angesprochen.

2018-02-25

Treffen der IG der Autoren

Ich bin ja Mitglied der IG Autoren, seit vielen Jahren bin ich das, weil das jeder österreichische Autor sein kann, der einmal irgendwas publiziert hat. Es gibt keine Mitgliedsbeiträge und irgendwann wurde ich auch delegiert für die Generalversammlungen. Das wird wohl jeder, der einmal zu den Regionalversammlungen geht. Ich dachte aber „Wow, jetzt bin ich in der großen Autorenwelt, wie schön!“

„Welch ein Irrtum!“, hätte hier Ernst Jandl wohl wieder gesagt. Aber der war, glaube ich, gar nicht dort. Als ich aber das erste Mal, das war noch vor den Literaturhauszeiten, in einem Presseclub in der Annagasse dort schüchtern eintraf, sah ich gleich Gerhard Kofler jemanden sein Buch  übergeben.

Wiedereinmal „Woh, jetzt bin ich in der schönen großen Autorenwelt!“

Gerhard Kofler ist inzwischen schon gestorben, Ernst Jandl auch und die IiG Autoren sind in das Liiteraturhaus übersiedelt und seit einigen Jahren sind die GVs auch im Februar und nicht mehr, wie früher im November oder Dezember.

Jedes zweite Jahr ist eine Wahl, vorher gibt es die Anträge abzuarbeiten und jedes zweite Jahr auch eine Regionalversammlung, die heuer im Jänner war und dieses Mal, höre und staune, besonders viele Gesichter und zuerst dachte, ich lauter Unbekannte, nämlich die neuen Mitglieder aus den Bundesländern.

Später trafen dann auch die Bekannten ein, Christl Greller, Hlde Langthaler, Susanne Ayoub, Marlen Schachinger, Helmuth Rizy, Judith Gruber-Rizy, Erika Kronabitter und und und…

Einige andere, wie Helma Giannone und Eleonore Zuzak die mit ihren Bruder früher regelmäsig kam, sind verschwunden, andere vielleicht auch schon gestorben.

So ändern sich die Zeiten. Es gab ein Frühstück, das heißt Kaffee und Kuchen und dann eröffnete Gerhard Ruiss, die Sitzung und gab die Neuigkeiten bekannt. Das heißt zuerst den Kassabericht, später ging es dann, um die Leistungen der IG Augtoren. Das sind ihre Teilnahme auf den Messen. Da gibt es Lesungen und das Literaradio und der Stand der IG der Autoren ist der Ort, wo man alle bücher der österreichischen Autoren finden kann.

Wirklich alle? Richtig, nein, meine gibt es dort nicht.

„Denn Selfpublishing, nein das wollen und können wir nicht und dich auch nicht in den Neuerscheinungskatalog aufnehmen, weil das nur über Verlagsempfehlung möglich ist. Aber sonst sind wir für alle  offen und grenzen niemanden aus.

Richtig ja, sehr fein und ich komme auch regelmäßig und gerne zu den Sitzungen, obwohl ich mich manchmal ein wenig außerhalb fühle, aber das bin ich schon gewohnt und die große  Stars der Literaturszene gibt es auch nicht zu sehen. Denn die haben wahrscheinlich etwas anderes zu tun, als sich die Errungenschaften der IG- Autoren anhzuhören, die aber Verlagsberatungen macht, die ich schon in Anspruch genommen habe, bei Steuerfragen und die der Künstlersozialversicherung, die mich ja nicht betrifft.

Aber natürlich war es interessant, vor allem die neuen Gesichter und Del Vedernjak aus Kärnten, der sehr rebellisch klang, nickte mir auch freundlich zu und fragte mich später beim Buffet, ob mein Name tschechisch oder slowenisch sei?

Die neue Regierung und die Verunsicherung, die sie vielleicht auslöst, war auch ein Thema und am <nachmittag nach den traditonellen Würstlbuffet, gab es eine Überraschung, nämlich einen Antrag von Sylvia Treudl „Gegen Zensur- gegen Ehrabschneidung- gegen fadenscheinige Vorwände“, wo es um das Gedicht des in Deutschland lebenden bolivianisch- schweizer Lyrikers Eugen Gomriger, dem Begründer der konkreten Poesie ging, der ein Gedicht an der Wand, der Alice Salomon Hochschule in Berlin hat, dessen Zeile „avenidas y flores mujeres y un admiirador – Allen Blumen und Frauen und ein Bewunderer“, die dortige Hochschülerschaft sehr erregte, weil sie es als sexistisch und frauenfeindlich empfanden und es deshalb abgekratzt werden sollte.

Eigentlich eine sehr harmlose Zeile könnte man sagen und die Frauenfeinlichkeit und der Sexismus ist eigentlich sehr weit hergeholt und interessant, daß es der Uli schon viel früher entdeckte und deshalb gegen die „linksverstrahlte AstA“ hetzte und ich habe an die Kronenzeitung gedacht, die in den frühen Siebzigerjahren, glaube ich, gegen ein Gedicht von Helmut Heissenbüttel herzog und an die „F“, die in den Neunzigerjahren „Lieben Sie Scholten, Jelinek, Häupl, Peymann, Pasterk… oder Kunst und Kultur?“, postete.

Da häben sich die Zeiten sehr gewandelt, daß jetzt die „Rechten“, die konkrete Poesie gegen die Linken“ verteidigen und die Kunst ist natürlich frei,  das Gedicht ist eigentlich harmlos und die feministische Hochschülerschaft sicherlich nicht linksverstrahlt, aber es schon ein bißchen engstirnig gegen ein Gedicht zu hetzen, daß man sich vielleicht selbst bestellt hat und da dachte ichm die Rechten hätten etwas gegen die moderne Kunst….

Und so formulierten wir den Antrag „sich entschieden gegen Zensur zu wenden“, denn „Erst kratzt man Gedichtzeilen ab, dann kratzt man Unliebsame aus dem Bild einer „sauberen“ gesellschaft“ und interessant, daß diesmal links und rechts für die konkrete >Poesie eintraten, aber wie hat schon Ernst Jandl einmal gedichtet: „lechts und rinks, kann man nicht vewechsern, werch ein Illtum?“

Es gab dann noch  einen Antrag eines älteren Kollegen, der offenbar erst nach der Pensionierung zu schreiben begonnen hat und der sich sehr gegen die Alternsklausel und für die Anonymisierung bei den Stipendien einsetzte, ein Antrag, den ich nur unterstützen kann, obwohl ich ja dort nicht mehr einreiche  und noch eine Pause, wo ich mich mit Stephan Teichgräber unterhielt, den ich ja kürzlich Vorschläge für den Utopie-Workshop, den er im Sommersemesgter abhalten will, schickte und jetzt schon wieder eine Dystopie gelesen habe, die ich für sehr interessant halte  und am Sonntag ging es weiter mit der Wahl, die wie schon gehabt erfolgte, der Vorstand wurde wieder gewählt und eine Unterstützungserklärung für die Kärtner Kollegen gab es auch und habe mir dann überlegen, diesmal nicht mehr zzu der anderen anderen Buchmesse zu gehen die inzwischen, glaube ich, schon zum neunten Mal stattfindet, da es den Literaturslam, bei dem ich ja gerne gelesen, aber nie etwas gewonnen habe,  nicht mehr gibt, es nach Döbling, wo das jetzt stattfand, sehr weit ist und ich ja auch kein so besonderer Science Fiction Fan bin. Das heißt ich habe mit dem Alfred unser Wiener Sonntagsprogramm auf die Mostalm gemacht und er wollte dann nicht mehr zum Erwachsenenprogramm, obwohl sich das ausgegangen wäre und wir das 2010 auch so machten.

Nächste Seite »

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.