Literaturgefluester

2019-02-13

Das Leben der Elemente

Unter diesem Motto fand heute offensichtlich eine Veranstaltung des „Fröhlichen Wohnzimmers“ beziehungsweise Ilse Kilic in der „Gesellschaft für Literatur“ statt.

Eine Crossover Veranstaltung, denn Benjamin, der sohn der Rizys, ein Student der Verfahrenstechnik und Musiker, der auch schon Fotoausstellungen im Amerlinghaus veranstaltet hatm hielt einen Vortrag über das „Periodensystem der Elemente“, da habe ich nicht sehr viel verstanden, habe ich ja nicht Chemie studiert und interessiere mich auch nicht besonders dafür, auch von anschließenden Konzert „Aus dem Perdiodensystem“ der Helmhart-Brüder, die dazu Buchstaben auf der Leinwand auf und abtanzen ließen nicht so viel, dafür wurde es schon konkreter bei dem Text den Ilse Kilic und Melamar für eine Anthologie gemeinsam geschrieben haben, denn der hieß „Elemente“ und es ging, um einen Bücherwurm, dem sie seine Bibliothek gestohlen haben, so daß er sich nicht mehr durch die Bücher fressen und dafür die Bekanntschaft mit den Autorinnen Melamar und Ise Kilic machen konnte.

Das erinnert ein bißchen an Vladimir Sorokins „Manaraga“, war aber äußerst spannend und auch Michaela Hinterleitner auch eine bemüht fröhlichlich „Wohnzimmerfrau“, brachte mit auszügen aus ihrem „Im Element des Wassers“ interessantes in die Zuhörerrunde, die aus so ziemlich der “ Fröhlichen Wohnzimmerrunde“ bestand.

Fritz Widhalm, Jopa Joatkin, aber auch die Ruth, die Rizys und Waltraud Haas, etcetera und nachher gab es das Element des Wassers, wie Ursula Ebel die moderierte, fröhlich sagte, zu verkosten aber auch Wein und knabberein.

Ich führte interessante Gespräche mit einem Besucher und einer Besucherin und habe wieder einmal einen netten literarischen Abend erlebt.

Werbeanzeigen

2019-01-20

Und essen werden wir die Katze

Ein Buch mit „Geschichten über Sicherheit und Unsicherheit, Kindheiten und Biografien, Fluchten und Neuanfänge mit Illustrationen und Collagen“, der 1980 in Bludenz geborenen Nadine Kegele, die ich glaube ich, am Volksstimmefest kennenlernte, bei Angelika Reitzers lyrischen „Textvorstellungen“ gelesen, in Klagenburt den „Publikumspreis“ gewonnen hat und die nach einem Roman und einem Erzählband, Maxis Wanders „Guten morgen du Schöne“ neugeschrieben hat und sich jetzt sehr lyrisch und auch sehr gestalterisch mit dem Thema Flucht auseinandersetzt, was in Zeiten, wo Patrioten und Identitären sich darin überbieten, einem Gewaltakt nach dem anderen aufzuzählen, um  in Deutschland etwas zu verändern, was  in Österreich schon so sein könnte. Auch davon erzählt das bunte Buch in dem sich  Collagen mit Interviews und  Erzählungen abwechseln und das auch auf der letzten „Buch-Wien“ vorgestellt wurde.

Nadine Kegele dankt im Anhang „Allen Kindern aus dem Sommer 2016“, da hat sie vielleicht Deutsch unterrichtet, woraus vielleicht eine der Geschichten entstanden ist und „Allen Interviewten – denen ich wünsche, dass sie in Österreich eine neue Heimat finden können und diese Heimat sie gut behandelt“, was ja etwas ist, was sich die Patrioten vielleicht nicht so wünschen und deshalb würde ich ihnen und allen, die vielleicht Angst den Veränderungen haben, das Lesen des Buches sehr empfehlen, das in „Schweinebraten, Freiheit“ schon mit einem Collagenteil beginnt.

In „Kopfweh aus Kuwait“ geht es um ein Interview, da erzählt ein „Bidun“, wie es ihm in Österreich geht und wie er hierhergekommen ist, während es, wenn ich es richtig verstanden haben, in „Syrien ist heimlich in Polen verliebt“ um einen Deutschkurs geht, wo sich die Schülter Ländernamen ausdenken und damit mit ihrer Lehrerin kommunizieren.

In „Schmetterling und Holz“ werden die Erfahrungen einer afghanischen Frau und eines afghanischen Mannes untereinander gestellt, so daß man ihre Schicksale, Ansichten und Lebensläufe schön miteinander vergleichen und viellecht auch besser verstehen kann.

Dann folgen wieder Collagen und musikalisch wird es in „Flügeln die mir wuchsen, weil ich fiel (keine kammermusik mehr). Es werden gleich Anweisungen gegeben, wie man „den folgenden Text“ lesen soll und am Schluß werden die Texte zitiert, die dabei verwendet wurden.

In „Wolfen“, eine Geschichte, die ich sehr berührend fand, geht es um eine alte Frau, die sich einen <hund zugelegt hat.

Sie wohnt bei einem „Lidl“ und neben einem Asylheim, steht den ganzen Tag am Gitter vor ihrem Fenster und schaut hinaus. Sie hat noch eine Freunin, die Anni, die offenbar etwas lieberaler denkt, aber die kann nur mehr telefonieren und sie wegen ihrer Hüften nicht mehr besuchen, so daß ihr nur die Fernsehnachrichten und die Angst vor den Fremden bleibt.

Weiter gehts mit Collagen, von denen die erste das Titelbild darstellt und von denen ich einige zitieren möchte:

„Liebe ist emotionale Mindestsicherung ist finanzielle Katasthrope und sagt Mutter kein Almosen“ oder „Aber ich für meinen Teil kann an Solidarität nichts  Schlechtes finden“ oder „Liebe Mutter hat ein Badeanzug eigentlich auch etwas mit einem Kopftuch zu tun?“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Es kommt aber noch eine Geschichte von einem Bauarbeiter, der sich auch, wie die alte Frau in der vorigen Geschichte, an des neuen Kanzlers Aussehen orientiert und sich für Margritte und andere Maler interessiert.

Ein sehr interessantes Buch, weil es zeigt, daß man sich mit dem Thema Flucht und Migration auch ganz anders, nämlich künstlerisch entspannter, annähern kann und das vielleicht nach dem Lesen eine andere neue Sichtweise auf das momentan sehr aufgeheitzten Thema geben kann.

 

 

2019-01-15

Wiedermal ein Buchgespräch

Heute war ich eine Weile ratlos, was ich am Abend machen sollte? Weil in der „AS“ zwei Debutantinnen, die ich schon bei den O-Tönen gehört habe, eine davon hat sogar den öst Bp gewonnen und da ich mir ja nicht gerne zweimal das Selbe anhöre und im Literaturhaus und in der „Gesellschaft“ nichts war, wäre die Alternative gewesen in der Badewanne „Troll“ auszulesen, was ich auch nicht wirklich wollte, also das Programm der Hauptbücher durchgesehen und da fündig geworden.

Dort am Gürtel, wo ja auch eines meiner Bücher spielt, komme ich jetzt eher selten hin, aber um den Jahreswechsel haben die da immer eine Ausstellung der „Schönsten Bücher der Schweiz, Österreich, Deutschland und Niederlanden mit sogenannten Buchgesprächen darüber und ich kann mich erinnern, daß ich schon einmal am Jahresanfang mangels einer anderer Alternative dorthin gegangen bin, obwohl mich an Büchern ja mehr der Inhalt als die graphische Gestaltung interessiert, ich bin aber auch ein paar Jahre zu der Preisverleihung der „Schönsten Bücher Österreichs“ gegangen.

Also rasch durch die Ausstellung gegangen, ich war eher spät daran, die diesbezüglichen Prospekte eingeholt und dann festgestellt, daß ich eines der prämierten bücher schon gelesen habe und im Vortragssaal waren viele schick gekleidete junge Leute, höchstwahrscheinlich Grafikstudenten und die Autogrammsammlerin, mit der ich mich ein bißchen unterhalten habe, am Vortragstisch tummelten sich wieder ein paar Leute, um den Computer und es hat nicht angefangen und nicht angefangen, weil der eingeladene Teo Schifferli, ein Graphiker aus der Schweiz, der den Katalog der schönsten Schweizer Bücher gestaltet hat, einen Computer hatte, mit dem die Hauptbücherei offenbar nichts anfangen konnte. Dann ging es aber doch und der Vortragende erklärte, daß er jetzt drei Jahre lang den Katalog gestalten würde und erzählte sein Konzept, wie er dabei vorgegangen ist, projezierte Abbildungen, zeigte dann auch noch einen film dazu und im Anschluß gab es eine rege Diskussion.

Interessant, interessant habe ich gedacht und bin dann mit meiner Büchertasche, dem schicken Beutel des „Ghetty Centers“, den mir der Alfred von seiner letzten Amerikareise mitgebracht hat, die ebenfalls mit Büchern voll gefüllt war, denn der Wortschaftz und der Schrank in der Zieglergassen waren beide sehr voll, offenbar räumen die Leute nach Weihnachten ihre Regale aus, nach Hause gegangen.

Etwas wirklich Aufregendes war nicht dabei, aber ein Gang durch den „Harry Potter“ in sechzig Minuten, ein Buch über einen unbekanten Wiener Bürgermeister, eines über die Kindheit vom Maxim Gorki, das ist etwas, das wahrscheinlich eher Stephan Teichgräger interessieren würde, dessen Workshop morgen wegen einer Konferenz, die er besuchcen will, ausfällt und dann noch etwas über einen Poetry Slam, was vielleicht von der Gestaltung wegen, am ehesten zu den schönsten Büchern passt.

2018-10-10

Utopie jetzt

Filed under: Uncategorized,Veranstaltungen — jancak @ 00:00
Tags: ,

Während in Frankfurt die Buchmesse eröffnet wird, fanden in Wien die ganz gewöhnlichen Literaturveranstaltungen statt. So stellten in der „Gesellschaft für Literatur“ Judith Gruber-Rizzy und Patrica Brooks ihre im „Wortreich-Verlag“ erschienenen Bücher vor und im Literaturhaus gab es eine GAV-Veranstaltung, die von  der 1960 in Wien geborenen Monika Gentner organisiert wurde.

„Utopien jetzt“ lautete der Titel und weil ich wieder zu spät gekommen bin, habe ich die Einleitung versäumt und bis erst gekommen, als der 1982 geborene Tiroler Autor Martin Fritz, der einmal dem Fm4- Preis gewonnen hat von „Laufen und stehen“ gelesen hat und dann kam der sehr vielseitige Autor, Komponist, Verleger, Literaturveranstalter Walter Baco mit einem Essy zu diesem Thema, bis Erika Kronabitter Monika Gentner vorstellte, die aus einem noch namenlosen utopischen Roman las, in der die Menschen über hundert Jahre alt werden und alles von Robotern gesteuert ist.

Sehr interessant und vielseitig die Veranstaltung,  denn Ilse Kilic und Fritz Widhalm hatten sich mit den Utopien in der Popmusik beschäftigt und lasen hier  Texte zu vier Musikbeispielen und nach der Pause in der ich mich sehr intensiv mit Erika Kronabitter, Ruth Aspöck und Irene Wondratsch unterhielt, las der aus Kamerun stammende Germanist und Afrikanist Daniel Romuald Bitouh aus seinem, wie er mir nach der Veranstaltung erzählte, im nächsten Jahr bei „Zsolnay“ oder „Atelier“ erscheinenden Roman, der in den Siebzigerspielen spielt und von der Reise einer Familie durch Angola zu den dortigen ansäßigen Sandwäschern handelt und am Schluß kam Erika Kronabitter und schloß das alles mit einer sehr postiven Utopie ab, die von einer Welt erzählt, wo die Liebe alle Aggression und alles Schlechte der Welt durch die sogenannte Oxegotin Einwirkung wegmachen kann.

2018-09-03

Hofnarr und Poet

In der Sommerreihe des Wiener Lesetheaters, wird wie Susanna C. Aschner in der Einleitung erklärte, jedes Jahr Joe Berger aufgeführt. Drei dieser Veranstaltungen habe ich mir angehört, bin ich ja irgendwie auch ein Fan des von 1939 bis 1991 lebenden Autors und Schauspielers, der irgendwie auch einen sehr skurrilen Experimentellismus hatte. In dem „Hirnhäusl-Symposium“ in der Wien-Bibliothek war ich auch einmal und was das Lesetheater betrifft, so hat der Sommer für mich heuer mit zwei Lesetheaterveranstaltungen mit Ruth Aspöcks  Nicolas Guillen-Aufführung und mit dem „Zauner-lesen“ begonnen und mit Joe Berger geendet.

„Denken Sie!“, hat eine Lesetheateraufführung geheißen, in einer anderen wurden seine Songs aufgeführt und diesmal hat Sara Berger, die Witwe mitgestaltet und mitgelesen und ich denke, sie hat sehr beeindruckende Texte aufgeführt, so daß mir diese Veranstaltung, glaube ich, am besten gefallen hat, denn manchmal ist mir Bergers Humor auch skurril und zu ordinär, diesesmal war es aber nicht so.

Es ging sehr viel um Wien und um den Österreicher, es ging auch um zwei Poeten, wo wie Sara Berger erklärte, Andre Heller und Erika Pluhar gemeint sein könnten.Jedenfalls liegt ein Paar im Beet, die Frau will schlafen, der Mann ist sehr poetisch, enthusiastisch „Du meineSonne!“ oder noch ärger und springt,  als er die Frau auch aufgestachelt hat aus dem Fenster hinaus.

Es ging um „Wien als die Stadt der Hausmeister“, was fast ein wenig an Heimito von Doderer erinnern könnte und da wird Wien in Berger skurrilen Humor mit Moskau, wo es die Birken und mit New York, das es noch nicht gibt, verglichen.

Sehr beeindruckend war auch der Text mit dem „Hausaufgaben“, wo immer Schulaufsätze vorgelesen werden, die dann von der Lehrerin korrigiert wurden. Die Ausätze stammen von einer Elfi, die den Nachmittag bei der Großmutter verbringt, weil die Eltern arbeiten, die Mutter im Büro, der Vater will auch dorthin und als sie Syvester oder Geburtstagfeiern ist die Elfi bei der Großmutter, die erlebt einen Schlaganfall. Elfi kann sie durch Pulver retten, sie stirbt aber trotzdem. Elfi beschreibt im schwarzen Kleid das Begräbnis, spielt dann mit ihren Puppen sterben und mischt sich selbst das Pulver, während die Eltern wieder feiern und die Lehrerin hat dann den letzten Aufsatz zu bewerten.

Beklemmend skurril  diese Textauswahl und sehr literarisch und ein Text aus einer Anthologie, die 1990 Thomas Bernhard parodierte, wurde am Schluß  auch noch vorgelesen, den ich, die ich Thomas Bernhard ja einmal sehr liebte und ihn jetzt als zu negativ empfinde, sehr köstlich fand, wird doch da das Kaffeehaus als der fürchterlichste aller Orte beschrieben, wo man sich jeden Vormittag hinbegibt, um einen kleinen Braunen, auch was fürcherliches, zu trinken, dabei wird man von einem Keller in einem muffelnden Frack bedient und verbrennt sich noch dieZunge, was auch sehr fürchterlich ist, die Parodie aber sehr großartig.

En großartiger Joe Berger Abend, der noch von Musik untermalt wurde, so daß ich mich schon auf das nächste Jahr und den nächste Joe berger freuen kann.

Bekannte waren auch im Weinhaus Sittel, wie Ottwald John, der diesmal im Publkum saß, Hahnrei Wolf Käfer und meine liebe Hauptschulfreundin Christa U. mit der wir uns noch länger unterhielten und die immer sehr gute Tips hat, was man in Wien alles literarisch, filmtechnisch, fotografisch etcetera erleben kann.

2018-08-22

Schweizer Geschichten

Bücherschrank am Genfer See

Bücherschrank am Genfer See

Bern

Bern

So jetzt kommt der letzte Nachtrag von unserer Schweiz- Urlaubs- Zeltreise, nämlich drei Geschichten aus Urs Widmers „Schweizer Geschichten-Buch“, das ich einmal in einem der Wiener Schränke gefunden und mir also auf die Reise mitgenommen habe, denn das tue ich ja gern im Gastland Entsprechendes zu lesen und von dem 1938 in Basel geborenen und 2014 in Zürich verstorbenen Autor habe ich ja schon einiges gelesen und gehört.

Er war einmal zu Gast in der „Alten Schmiede“, da habe ich seinen Schreibstil sehr surreal und schwer zu verstehen gefunden, denn ich bin ja eine, die sich an den Texten immer festhalten und alles nachvollziehen will.

Ein paar Bücher habe ich von ihm gefunden und zwei auch schon gelesen.

2013 ist er mit seiner Biographie auf der Longlist gestanden und jetzt also ein kleines rotes „Diogenes- Büchlein“ im Gepäck. Rot das Cover, da gibt es dann einen weißen Berg und davor steht ein Männchen mit einem Alpenhorn und schlägt Blasen in die Luft und der Autor schreibt in dem 1978 erschienenen Erzählband, daß er jetzt schon sieben Jahre in Frankfurt lebt und in den Schweizer Geschichten, die Schweiz so beschrieben hat, wie er sie sehen würde, so daß sie für ihn wahr wäre.

Camp Eichholz in Bern

Camp Eichholz in Bern

Camp Eichholz in Bern

Camp Eichholz in Bern

Er hätte eigentlich über jeden Kanton eine Geschichte schreiben wollen, aber in einigen Kantons ist er noch nie gewesen. So gibt es dreizehn Geschichten in dem Buch. Drei davon habe ich, das habe ich schon geschrieben gelesen, so bleiben also noch genügend über für den nächsten Schweizer Aufenthalt und ich kann das Lesen des kleines roten Büchleins sehr empfehlen. Denn besonders, die letzte Geschichte, die ich im Auto gelesen habe, als wir Zürich schon verlassen haben, habe ich sehr sehr gut und sehr sarkastisch gefunden, so daß ich schon Lust auf das Weiterlesen, beziehungsweise auf einen weiteren Schweiz- Aufenthalt hätte, weil ja jetzt zuerst das deutsche und dann gleich das österreichische Buchpreislesen dran ist, so daß für das Schweizer Lesen wieder keine Zeit sein wird, aber das war ja schon und ich denke ich habe meinen Schweiz-Aufenthalt eigentlich sehr gut literarisch genützt und wem es interessiert kann hier meine Eindrücke und Impressionen nachlesen.

Bern

Bern

Kino am Kocher in Bern

Kino am Kocher in Bern

Die Geschichten dürften auch irgendwie zusammenhängen, so gibt es zu den ersten zwei auf jedenfall Verbindungen und in der ersten „Flug nach Zürich“, das habe ich schon geschrieben, geht der Erzähler, der zufälligerweise Schriftsteller ist und in Franfurt wohnt, mit einer dicken Frau und einem Pilot mit einem Ballon auf Reise nach Zürich, wo es auch ziemlich skurill zugeht und die Schweizer Zöllner sich die Frage stellen, ob man mit einem Ballon überhaupt in die Schweiz einreisen darf und sie ihn sicherheitshalber vorerst einmal konfiszieren.

Die Einreise ist dann aber doch gelungen, denn in Geschichte zwei, die in „Solothurn“ spielt, sitzen die drei in einer Wirtschaft, wo auch Karl und Otto hinkommen, zuerst über die vielen Ausländer schimpfen, dann eine Wirtshausrauferei beginnen und sich am Schluß wieder versöhnen und zusammen ihr Bierchen trinken.

Geschichte drei „Appenzell“ ist dann besonders ausgefuchst. Denn da geht der Bauer, während die Bäuerin strickt, hin und beginnt einen Brief zu schreiben.

„Was schreibst du da?“, will die Bäuerin wissen und er antwortet „Ene Steuererklärung!“

Bern

Bern

Sie nickt und strickt. Er schreibt aber einen Lebesbrief, den er dann in den Briefkasten steckt, als er zurückommt, ist die Frau nicht mehr da. So zieht er seine Liebesbriefe aus der Unterhose und schaut sich in den Alben, die Bilder seiner Geliebten an. Von oben kommen Stöhngeräusche. Er wundert sich und denkt, die Frau hört sich das Hörspiel an. Es kommt aber der Briefträger und knöpft sich die Hose zu. Der erzählt etwas von einem Brief, den er vom Finazamt bringt. Die Frau kommt auch und der Briefträger erzählt dann dem Paar welche Schweinereien, die verheirateten Leute ihren Geliebten schreiben würden. Er weiß das,  denn er ist ja der Briefträger. Dann verabschiedet er sich, geht zumPostkasten und steckt den Brief, den der Bauer an seine Geliebte geschrieben hat, ein.

„Der Bauer nickt Er räuspert sich. Der Briefträger ist eine Sau!“ ,sagt er „Immer redet er von so Sachen.“

So endet fast die Geschichte und ich habe das Buch im Auto weggelegt und nach Arno Geigers „Unter der Drachenwand“ gegriffen. Zum Lesen von Elisabeths Junkers „Villa“ und den anderen Schweizer- Bücher, die ich noch in meinen Regalen liegen habe, bin ich nicht mehr gekommen.

Aber mal sehen, vielleicht komme ich wieder in die Schweiz, wo ich mir die Schweizer Geschichten dann mitnehmen und zu Ende lesen kann. Literarisch interessant und anregend ist es immerhin und Urs Widmer offenbar viel viel ausgefuchster, als es Thomas Küng in seinen „Gebrauchsanweisungen“ war.

2018-08-18

Auftritt Schweiz

Filed under: Uncategorized — jancak @ 13:07
Tags: ,

2014 war die Schweiz Gastland in Leipzig und da gab es neben vielen anderen, ein Gratisbuch zum Mitnehmen „Auftritt Schweiz Das Lesebuch“ von Scheidegger & Spieß, das raffiniert gestaltet, ein Schweiz ABc von „Alemannisch“ bis zur „Zuwanderung“ auf zweihundert Seiten und dazwischen gibt es immer wieder eingestreute Texte.

Der Erste ist ein Gedicht von Eugen Gomriger dessen „Bewunderer-Gedicht“ auf einer Kunsthochschule kürzlich großes Aufsehen erregte „schwiizer: luege aaluege zueluege nöd rede sicher sii nu luege nüd znäch nu vu  wittem ruig bliibe, schwiizer sii schwitzer bliibe nu luege“

 

Peter Bichsel, auch ein echter Schweizer, von dem ich in meinen Wiener Regalen noch einiges Ungeleses habe, erzählt  von „Des Schweizers Schweiz“.

Der  1950 in Zug geborene  Thomas Hürlimann hatte in „Himmelsöhi, hilf!“, auch seine einsichten „Über die Schweiz und andere Nester“

Urs Widmer von dem ich noch später etwas schreiben werde erklärt in seinem Text, daß es keine „schweizer Literatur“ gibt.

Es gibt einen Ausschnitt aus Melinda Nadj Abonjis „Tauben fliegen auf“, beim deutschen Österreich- Verleger „Jung und Jung“ erschienen und mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichneten, als Beispiel für die Schweizer Migrantenliteratur.

Franz Hohler von dem ich mir ja ein Buch im „Berner Weltbild-Laden“ um einen Franken kaufte, erzählt von seinem „Spaziergängen“ in „Neu-Oerlikon“. Es gibt einen Ausschnitt aus Peter Webers „Wettermacher“, bei „Suhrkamp, 1993, erschienen.

Die 1948 in Schwyz geborene Gertrud Lutenegger behauptet munter „Gleich nach dem Gotthard kommt der  Mailänder Dom“. Giovanni  Orelli erzählt von einem „Langen Winter“ und, wie schon geschrieben, gibt es auch ein paar Zeilen aus Angelika Overaths „Senter Tagebuch“, das ich in Bern in einem Schrank gefunden habe.

Von Max Frisch, dem großen Doyen gibt es Ausschnitte aus seinem Tagebuch , es gibt das Hugo Loetscher  Lesebuch oder natürlich nur einen kleinen Ausschnitt daraus.

Nora Gomringer, die Bachmannpreisträgerin und Jurorin behauptet „Wandern ist eine Lust“ und richtig jetzt hätte ich es fast vergessen, von Tim Krohn gibt es auch ein Stückchen was zu lesen und von dem ist ja jetzt der Dritte teil der Herrn BrechbühlBücher herausgekommen, was wahrscheinlich schon in Wien auf mich wartet und sich also als Reiselektüre nicht ausgegangen ist.

Aber Bücher haben ja kein Ablaufdatum und Schweizerisches läßt sich immer lesen, soweit mich das deutsche, das österreichische und das Blogger-Debutpreislesen dazu kommen läßt und in dem Buch gibt es außer dem Schweizer ABC,  den Textausschnitten, sowie den dazugehörigen Biografien auch immer wieder schöne Illustrationen, so daß ich das auch optisch sehr schön gestaltete Buch jeden literarischesch interessierten Schweiz-Reisenden nur empfehlen kann. Aber jetzt wird es höchstwahrscheinlich, wie ich befürchte, schon vergriffen sein.

2018-07-24

Madame Hemingway

Im März 2013 habe ich ernsthafte Bücherbeschränkungspläne geschwungen, alle meine ungelesenen Bücher in meine Leseliste eingetragen und mir geschworen mir wahrlich nie und nimmer mehr ein Buch zu kaufen, sowie ein solches aus einem Bücherschrank zu nehmen.

Das habe ich, glaube ich, gerade einen Tag eingehalten, denn dann bin ich in der Karwoche zu diesem verpatzten Vortrag in den Klub logischer Denker gegangen und da natürlich an einigen der Schränke vorbeigekommen.

Im „Wortschatz“ ist glaube ich Norbert Gstreins „Englische Jahre“ gelegen und in dem in der Zieglergasse,  Paula Mc Lain „Madame Hemingway“, ein Buch von dem ich zwar keine Ahnung hatte, um was es ging, das Cover ist aber damals in diversen Blogs aufgeschienen. Ich habe gedacht, du darst, brauchst, mußt nicht und habe dann nach dem Buch gegriffen, nach diesem und auch nach Michael Köhlmeiers „Idylle mit Hund“.

Am nächsten Tag habe ich mir zwar geschworen, die Bücher zurückzubringen, ging aber gar nicht so einfach, weil wir ja nach Harland in die Osterferien gefahren sind, dann habe ich sie behalten, Köhlmeiers „Idylle“ ist noch immer nicht gelesen, „Madame Hemingway“ auf meiner heurige Leseliste, ich habe da inzwischen ein bißchen umdisponiert, gerutscht und ist jetzt die zweite Biografie, in Folge, die ich lese, und nach Ralph Dutlis „Soutine“ wird noch Alfred Polgars „Marlene“ an die Reihe kommen.

„Madame Hemingway“, der Titel läßt schon darauf schließen, daß es sich dabei, um eine Frau oder Geliebte von Ernest Hemingway , dem Nobelpreisträger von 1954, von dem „Wem die Stunde schlägt“ im Bücherkasten meiner Eltern gestanden ist, „Fiesta“ und „in einem fernen Land“ habe ich gefunden, aber noch nicht gelesen, der „Alte Mann und das Meer“ ist, glaube ich, Schulstoff und hat mir nicht so besonders gut gefallen und Alkoholiker war Ernest Hemingway, glaube ich, auch.

Von seinen Frauen hatte ich aber keine Ahung und nicht gewußt, daß die 1891 geborene Hadley Richardson, die erste Frau des acht Jahre jüngeren Hemingway war und die 1965 geborene Paula Mc Lain, die kreatives Schreiben studierte und in einigen Künstlerkolonien gelebt hat, hat aus den biografischen Quellen, wie sie anmerkt, aus Briefen und Tagebüchern einen Ich-Roman mit der Stimme von Hadley daraus gemacht. Ein paar Szenen sind auch dem Meister selbst gewidmet, der dabei ziemlich unsympathisch hardcoremäßig daherkommt.

Hadley Richardsen, eine Pianistin hat den Jüngeren in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren kennengelernt. Sie heiraten bald und  zog mit ihm nach Paris, wo sie in Künstlerkriesen lebten, mit Gertrude Stein, F. Scott Fitzgerald und anderen befreundet war.

Hemingway war in dieser Zeit journalistisch tätig, mußte während der Griechenland-Türkei Konflikte an die Krisengebiete reisen und ließ seine Frau ungerührt, für Monate allein zuirück. Er betrog sie auch mit anderen Frauen. Dafür hat sie seine Manuskripte, die sie in einen Koffer packte und zu ihm bringen wollte, im Zug verloren und schwanger wurde sie auch bald, obwohl Hemingway eigentlich kein Kind wollte.

Es wurde aber sohn Bumby geboren. Da ging das Paar kurz nach Amerika zrück, da Hemingway aber nur einen schlechtbezahlten Redakteursposten hatte und von seinem Chef schikaniert wurde, gingen sie bald, obwohl sie in prekären finanziellen Verhältnissen lebten, wieder nach Paris zurück, beziehungsweise nach Spanien zu den Stierkämpfen.

„Fiesta“ wurde geschrieben, die Sammlung „Three Stories and Ten Poems“ wurde veröffentlicht und Paula  McLain deutet an, daß Hadley Hemingway künstlerisch gefördert hat. Die Winter verbrachte das paar trotz der schlechten finanziellen Verhältnisse in Voralberg, in Schruns und da lernte  Hemingway bald Pauline Pfeiffer kennen, mit der er Hadley ungerührt betrog. Die Ehe wurde geschieden. Pauline wurde Hemingways zweite Ehefrau, die dritte Martha Gellhorn, die vierte Mary Welsh.

Hadley hat auch wieder geheiratet und Hemingway hat sich 1961 umgebracht. Vorher kam es laut Pula Mc Lain noch zu einer Begegnung der beiden und ich kann sagen, daß es sich gelohnt hat, die Vorsätze gebrochen und das Buch nicht zurückgebracht zu haben.

Jetzt habe ich mein Wissen über Ernest Hemingwax, der in dem Buch, wie schon geschrieben, nicht sehr sympathisch erscheint, aufgefrischt und das 2011 bei „Aufbau“ erschienene Buch scheint heute wieder vergessen,  auf jedenfall ist es von den Blogs verschwunden, aber ich habe ja, bevor das Herbstneuerscheungs- und das Buchpreislesen beginnt, vor, meine Backlist aufzulesen und mal sehen, viellecht kommt Hemmingway auch noch  im Original an die Reihe.

2018-07-02

Zauner lesen

Den am 2. Dezember 1959 in geborene und am 30. Juni 2016 verstorbenen Hans Jörg Zauner habe ich in der GAV und im Umkreis des „Fröhlichen Wohnzimmers“ kennengelernt, obwohl er in seiner Dichtung, glaube ich, radikaler und experimenteller, als Ilse Kilic und Fritz Widhalm war. Er hat auch in der „Editon neue Texte“, die von Heimrad Bäcker herausgegeben wurde, verlegt und war ein „Ritter-Autor“, wenn man bei „Wikipedia“ nachgooglet, staunt man über die Vielzahl der Texte, die er herausgebracht hat. Er hat auch eine Menge Preise bekommen und 1996, wie immer im rosa Anzug und einer futoristischen Brille in Klagenfurt als Erster gelesen, in dem Jahr, wo ich mir den Spaß gegeben habe und einmal auf eigene Faust und eigene Kosten hingefahren bin.

Gewonnen hat er nichts und kam glaube ich auch nicht in die Endauswahlrunde und dann habe ich ihm auch noch ein bißchen später einmal in einer Galerie bei einer experimentellen Lesung gehört. Im vorigen Jahr war ich im Cafe Prückl bei der Sommerlesereihe, als ich von seinem Tod, er ist, glaube ich, nach einer Narkose nicht mehr aufgewacht, erfahren habe.

Heute gab es in der Sommerlesereihe des Lesetheaters eine von Christine Huber initierte Gedenkveranstaltung, wo  wieder Freunde und Weggefährten und nicht die üblichen Lesetheaterleser, sondern Gerald Jatzek, Christian Futscher, Kurt Neumann, Jopa Joakin, Ilse Kilic und Fritz Widhalm, Peter Pessl, Thomas Havlik, Richard Obermayr und Erhan Altan, die ganze experimentelle Riege halt, eingeladen hat, aus dem 2016 bei „Ritter“ erschienenen Buch “ 99.144 gedichtnasenlöcher schiessen auf mich bis alles passt“ und ich muß sagen, ich habe nicht gewußt, daß Hans Jörg Zauner ein solcher Hardcoverexperimenteller war, wie man wahrscheinlich schon am Titel des Buches erkennt.

Eine Aneinanderreihe lauter schöner neu zusammengesetzter Worte und kein Sinn. Ja nicht einmal ganze Sätze. Wo bleibt da der Inhalt, kann die realistisch schreibende Autorin, die ja schon einiges in Sachen Experiment gewohnt ist, fragen? Hat das auch, beziehungsweise große Mühe, alles zu verstehen und die Worte möglichst aufzuschreiben, denn von Sinnerfassen konnte nicht die Rede sein.

Trotzdem war es sehr eindrucksvoll, haben doch Ilse Kilic und Fritz Widhalm im Duett gelesen, Erhan  Altan hat sich seinen Zauner teilweise auf Türkisch übersetzt oder ihn übersetzt bekommen und Richard Obermayr, der zufälligerweise wie ich mich erinner kann 1996 auch in Klagenfurt gelesen hat und der für mich eigentlich zusammen mit Andrea Winkler der Inbegriff der Sprachrauschler ist, aber der bildende Künster Hans Jörg Zauner ist mit Sicherheit experimenteller,  hat eine mich beeindruckende Variation auf die Worte „Ach bleib“ gelesen und hinzugefügt, daß diese Variationen das Thema bis zu Unkenntlichkeit verzerren kann.

Da fällt es der realistischen politischen psychologisch schreibenden Autorin schwer, den Sinn der Sache zu verstehen. Obwohl es sicherlich ein schöner Wortrausch und Neusprachschöpfungsregen war, der von den Lesenden teilweise als Gedicht bezeichnet wurden. Nun Gedichte sind für mich etwas anderes, trotzdem war es interessant, sich an Hans Jörg Zauner in seinen rosa Anzug und seine schmale Brille zu erinnern.

Ich habe mich auch mit einem Chemiker, den ich vorige Woche bei der Ungar-Lesung in der „Alten Schmiede“ getroffen habe, auch lange über die Zaunersche Sprachkunst unterhalten, dabei auf den Alfred gewartet, der wieder aus Amerika zurück ist, der kommen wollte, es aber nicht bis dreiviertel neun, wo ich gegangen bin, schaffte

2018-05-17

Seht, was ich getan habe

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:06
Tags: , , ,

Jetzt kommt, nein, kein Krimi, auch wenn es vielleicht so angekündigt wird, sondern die literarische Aufarbeitung eines realen bis heute ungeklärten Mordfalls, der 1892 in Fall River, USA passierte und dem sich die in Melbourne lebende Sarah Schmidt, die einen Master in kreativen Schreiben und als Bibliothekarin gearbeitet hat,  in ihrem Debut angenommen hat.

Im August 1892 wurden in Fall River Andrew Borden und seine zweite Frau Abby von einer Axt erschlagen  aufgefunden.

Im Haus ist das irische Hausmädchen Bridget und die zweiunddreißigjährige Lizzy, ihre um zehn jahre ältere Schwester Emma, ist bei einer Freundin auf Besuch. Mehrere Indizien weisen auf Lizzy.  Sie wird des Mordes angeklagt. Verbringt zehn Monate im Gefängnis, wird dann freigesprochen und stirbt nachdem sie sich 1905 von ihrer Schwester trennte und nie mehr mit ihr gesprochen hat, 1927.

Das findet man so bei „Wikipedia“ und auch in der Zeittafel, die Sarah Schmidt dem Roman angefügt hat, den sie, sie hat wohl sehr gut  recherchiert und auch einige Zeit in dem Wohnhaus der Bordens, das heute ein „Bed und Breakfast“ ist, zugebracht, aus vier unterschiedlichen Perspektiven erzählt und hier sowohl Lizzy, als auch der älteren Schwester, dem Hausmädchen und einem Mann namens Benjamin, der offenbar fikitiv ist, eine Stimme gibt.

Die meistens Kapitel spielen am Tag des Mordes, beziehungsweise davor, so wird das Geschehen sehr gründlich durchgekaut, beziehungsweise spielen auch Rückblenden in die Vergangenheit eine größere Rolle, eines auch 1905, als Emma, die Schwester verläßt und nun werden die Geschehnisse aus den unterschiedlichen Perspektiven und Blickwinkeln aufgerollt oder wiedergekaut, wie man weniger wollwollend schreiben könnte.

Es beginnt damit, daß Lizzy, den zerstümmelten Vater findet, sie schickt das Hausmädchen zum Arzt, die Nachbarin kommt und danach die Polizei, während Emma zu dieser Zeit noch bei ihrer Freundin ist und eigentlich beschlossen hat, dort Malunterricht zu nehmen und nie mehr zurückzukommen.

Das Hausmädchen erzählt auch ihre Sicht der Dinge. Sie will eigentlich nach Irland zurück, Abby Borden läßt sie aber nicht, nimmt ihr sogar das gesparte Geld weg und Emma ist Lizzy bös, weil die einige Zeit in europa war, was sie nicht durfte.

Emma hat nachdem ihre Mutter bald nach Lizzys Geburt gestorben ist, die Schwester sozusagen aufzezogen, bis eben die Stiefmutter ins Haus kam, die von Lizzy immer noch als Missis Borden angesprochen wird, kümmert sich auch nach dem Mord sehr um sie und verläßt sie erst 1905, denn das hat sie ihrer Mutter so versprochen und als sie doch einmal heiraten will, erwischt sie Lizzy mit ihrem Bräutigam beim vorehlichen Sex, erpresst Emma mit ihrem Versprechen, die sich dann von ihrem Verlobten trennt.

Das ist vielleicht so fiktiv, wie die Tatsache, daß der Vater kurz vor dem Mord, Lizzys Tauben den Kopf abhackte, weil sie Schmutz machen und Krankheiten bringen. Der Einbruch, der früher stattfand und weshalb auch alle Türen abgesperrrt werden, findet man, glaube ich, bei „Wikipedia“ und hier steht auch, daß er Lizzy zugeschrieben wurde.

Es kursieren auch allerlei Krankheiten und Gerüchte, um Vergiftungen, wegen verdorbenen Essen, die in den letzten Tagen passierten und so ist auch der Onkel John zu der Familie gekommen, um sich um die beiden Mädchen zu kümmern.

Hier wird es dann wahrscheinlich wieder fiktiv, denn der Onkel lernt auf seiner Reise einen sehr gewalttätigen jungen Mann namens Benjamin kennen, der sich an seinem Vater rächen will und beauftragt ihn wohl in das Haus einzudringen und Andrew zu ermorden. Der kommt auch, findet eine Gelegenheit in das versperrte Haus zu kommen, findet aber nur die Leichen und man weiß wieder nicht, wer es getan hat, nur wie es vielleicht gewesen sein könnte.

Was bei einem Roman, um einen ungekärten realen Mordfall auch sehr schwierig ist, weil man da ja seine Phantasie nicht zu sehr spielen lassen kann, sondern sich an die Fakten halten sollte. Wenn man das tut, wird es aber vielleicht ein wenig langweilig, beziehungsweise kommt man auch nicht weiter, als zu dem, was  schon in den Polizeiakten steht.

So beklagen sich bei „Wikipedia“ auch einige Leser wegen der nicht stattgefundenen Spannung, die zwar „unheimlich und fesselnd zugleich“ am Buchrücken versprochen wird, wo auch etwas von einem „neuen literarischen Talent“ steht.

Nun das habe ich auch nicht so gefunden. Zwar schafft die Autorin, glaube ich, ein sehr dichtes Bild von dem stickigen Leben im vorvorigen Jahrhundert, das zwei ältere Mittelschichttöchter im Haus eines autoritären Vaters und wahrscheinlich streitsüchtigen Stiefmutter führen mußten, mit allen Sinnen zu zeichnen. so daß man den Miff und den Gestank förmlich riechen kann.

Spannend habe ich es aber eigentlich nicht empfunden, sondern eher langwierig und weitschweifend und am Schluß weiß man wahrscheinlich auch nicht wirklich, was damals in dem Haus geschehen ist, hat sich aber ein bißchen mit dem Fall beschäftigt und ist in die Vergangenheit eingetaucht.

Den gewalttätigen Benjamin habe ich auch als etwas störend, unsympathisch und unrealistisch empfunden. Er war aber wahrscheinlich das Spannungsemelemt, das Sarah Schmidt brauchte, um in in die Geschichte einzutauchen und einen Roman aus den Polizeiakten zu machen.

Was mir aber an dem Buch wirklich gefällt und was wahrscheinlich der Grund war, warum ich es mir schicken ließ, ist das schöne Cover. Die Frau in dem schwarzen Kleid mit dem weißen Kragen, von der man nur den Rücken sieht und die ihre Hände auch dorthin verschränkt.

Nächste Seite »

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.