Literaturgefluester

2017-06-26

Luftlinie A-B der Sprachkunst

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:59
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Semesterabschlußlesung des „Hochschullehrganges für Sprachkunst“, früher hat das ja einmal „Studentenlesung“ geheißen, jetzt schon schöne Tradition im Literaturhaus, zehn bis elf Lesende und diesmal sind sogar als spezial guests Christel und Matthias Fallenstein sowie Ferdinand Schmatz und Esther Dischereit im Publikum gewesen.

Bei der letzten Lesung war ich ja, glaube ich, die einzige Nichtstudentin im Publikum, diesmal war es besser und Barbara Zwiefelhofer kündigte die Lesungen an.

Was der Titel  bedeuten soll, habe ich auch diesmal nicht so genau erkunden können, als Erstes kam jedenfalls Johanna Wieser und las, sehr modern, ihre Gedichte aus dem Handy, weil sie ja, wie sie sagte, dort entstanden sind und da hätten wir schon die Erklärung für den Titel.

Denn die Gedichte entstanden alle in ihrer Urform auf dem Flughafen und die jungen Leute reisen offenbar auch sehr viel.

Die nächste Lesende, die „wunderbare“ Lena Biertempel, wie manche Ankündigungen lauteten, eine junge Frau ohne Schuhe, die sich gleich auf den Vortragstisch setzte, schloß wie sie sagte gleich dort an und brachte einen Auszug oder vielleicht auch eine ganze melancholische Liebesgeschichte.

Dann kam Muhammet Ali Bas, ein junger Mann mit Bart und hochgebundenen Zöpfchen, der auch noch seinen Zwilling hatte und der verblüffte durch seine durchaus realistischen Erzählungen, wie das ist, wenn man immer gefragt wird, woher man kommt, wenn man doch in Vorarlberg geboren unde und die Vorarlbergische Krankenkassa die Geburt auch zahlte.

Dann folgte Katharina Pressl und die las einen Auszug aus einem längeren Text, wo eine junge Frau mit ihrer Schwester das Haus ihrer Eltern ausräumt und dann noch die Mutter im Altersheim besucht.

Sehr unterschiedliche Texte, was die Spannung sicher erhöhte und als nächste folgte Cornelia Hülmbauer und die ist mir ja eine alte Bekannte, hat die ja vor cirka acht Jahren meinen Blog sehr intensiv verfolgt, dann gewann sie bei den Exil-Preisen, hat ,glaube ich, auch fertig studiert und ein Hans Weigel-Stipendium bekommen, jetzt ist sie Studentin der Sprachkunst und zum Klagenfurter Literaturkurs ist sie heuer auch eingeladen.

Dann folgte eine Pause und weiter ging es mit Frieda Paris, die ich ja durch Christel Fallenstein kenne und die brachte,

glaube ich, einen Auzug aus einem Roma,n der von einer russischen Bildhauerin handelte, der sich sehr viel auf Steine bezog.

Dann kam der Zwilling, nämlich Damon Taleghani, etwas kleiner, aber mit der gleichen Frisur und einem gänzlich anderen Schreibstil, denn der performte, rezitierte einen experimentellen Text und machte dazu rhythmische Bewegungen.

Was danach folgte war auch ein Experiment, nämlich Benedikt Steiner, denn der ließ sich aus dem Publikum via Handy Gedichte schicken, die las er dann vor, was eher keine originale Sprachkunst ist, die Kunst des Schreibens wird dann aber wohl noch kommen, wenn er einen Text daraus machen wird und die Urheberfrage wäre wenigstens für mich nicht geklärt, aber ich habe ja kein Handy, so konnte ich nichts schicken und das ich in der Zwischenzeit für mich gedichtet habe, hat wohl auch eher an Goethe erinnert, also wohl auch eine Art Plagiat:

„Ich besaß es doch einmal, was so herrlich ist, daß es sich von Mal zu Mal nimmer mehr vergißt“

Der nächste junge Mann Stephan-Manuel Eggenweber brachte dann drei eher makrabre Geschichten, die zuerst mit der Monatsblutung der Mutter begannen, was ist daran makaber, für einen Vierjährigen offenbar schon, aber dann wurde dem Bruder der Mund zugeklebt und der Freundin die Finger gebrochen, nun ja, nun ja, die anderen fanden es wieder lustig, ich weniger und die letzte Lesende war Maria Mjuhar, die ein paar Kurztexte brachte, worauf sie sich auf den Schreibprozeß und ihre Figuren bezog und auch aus der Schule ein wenig plauderte, nämlich erzählte, wie man ein verpatztes Gedicht, durch eine andere Sprache retten kann und das nennt sich dann transrepair, interessant, interessant, wieder was gelernt uind einen schönen Eindruck von der Sprachkunstproduktion mitbekommen.

Mal sehen was ich von den Studenten und Studentinnen noch so höre und morgen geht es auf der Sprachkunst, glaube ich, auch noch weiter mit Ausstellungen, aber da werde ich dann nicht dort sein.

2017-06-23

Söbständi

„Der 1962 in Waldhausen geborene Peter Gstöttmeier ist mir inzwischen ein sehr guter Bekannter“, habe ich 2015 für meine „Ohrenschmaus-Laudatio“ geschrieben,“ist er mir doch 2011 mit seinem handgeschriebenText „Söbständi“ aufgefallen und hat da zum ersten Mal den „Ohrenschmaus“ gewonnen und seither hat er Jahr für Jahr Texte eingereiht und wurde auch Jahr für Jahr für einen der Preise vorgeschlagen. So ist er 2012 und 2013 auf der  sogenannten Ehrenliste gestanden.

2014 war sein Gedicht „Is ned beinand“ auf die gute Zoitter-Schokolade gekommen, die es ebenfalls Jahr fürJahr gibt und die nicht nur den anderen Teilnehmern, sondern auch mir sehr gut schmeckt.

2015 hat er mit „Dössöbi“ wieder den Hauptpreis bekommen und im Vorjahr wieder Ehrenliste. Da hat es schon das Buch mit den Lebensberichten und den Gedichten gegeben, in dem man  sehr genau den Lebenslauf des bei der Geburt zu wenig Sauerstoff bekommenden Peter Gstöttmeiers, so daß eine spastische Lähmung, eine Sprach- und Gehstörung überblieb, nachlesen kann.

Das Thema Selbständigkeit scheint, wie man in den Texten lesen kann, für Peter Gstöttmeier, der  1981 in die „Lebenshilfe“ in Grein kam, sehr wichtig zu sein.

Zuerst kam er in die Korbflechterei, dann baute er, weil ihm das Arbeiten innen zuwenig war, eine Außengruppe auf, zog zuerst in eine betreute WG und lebt seit 2010 selbständig, was vielleicht auch der Anlaß für seinen ersten „Ohrenschmaus-Text“ war, der, wie ich mich erinnern kann, uns allen in der Jury auffiel, so daß er, glaube ich, einstimmig ausgewählt wurde.

„Söbständi ist; olles sölba mocha, sölba denka und toan, sölba wolln, sölba kinna, sölba bestimma. Verantwortung übernehma!“

Zu schreiben hat Peter Gstöttmeier, der laut seiner Schwester Heidi, die ihn Jahr für Jahr zu den Preisverleihungen begleitet, in der Schule sehr gut schreiben und weniger gut lesen lernte, glaube ich, auch 2011 begonnen:

„Ich habe voriges Jahr angefangen mein Leben aufzuschreiben, vorerst um Übungen zu machen, daß meine Finger nicht ganz steif werden, jetzt macht es mir inzwischen Spaß von mir und meinem Leben zu erzählen“.

Und das tut er, wie man merkt, wenn man die „Ohrenschmaus-Texte“ liest, zu den Preisverleihungen geht und jetzt auch das Buch, in dem die meisten oder alle Siegertexte enthalten sind, sehr gern und sehr gekommt.

Die Texte werden jetzt nicht mehr handschriftlich eingereicht, die oberösterreichische Mundart ist gleichgeblieben und damit  fällt er Jahr für Jahr  mit seinen lakonisch kurzen Texten, die in knappen Worte, die wichtigsten Gedanken über das Leben, Gefühle, Ängste, aber was auch immer auffällt, eine starke Lebenszufriedenheit und freude wiedergeben, auf.

Peter Gstöttmeier beschäftigt sich mit sehr vielen, die Selbständigkeit ist, wie schon geschrieben,  ein wichtiges Thema, aber auch das Kochen, für ein selbständiges Leben sehr wichtig, beschäftrigt ihn und sein Humor ist vielleicht am besten an seinem Speiseplan zu erkennen:

„Speiseplan von 20. 6. – 27. 6. a Fleischloabal am Montag a Fleischloabal am Dienstag a Fleischloabal am Mittwoch a Fleischloabal am Donnersta in d` Sauna am Freitag a Fleischloabal am Samstag am Sonntag? ZWOAH! Fleischloabal Prost! Mahlzeit!“

Er kann aber auch „Stosuppn“ und „Blunzn“ kochen und ist dafür 2013 auf die Ehrenliste gekommen.

Die Beziehung zu seiner Mutter hat er gekonnt lakonisch in zwei anderen Preistexten ausgedrückt.

„Dössöbi: mama sogt ollwei dössöbi jedn tog ruaf ih on mama sogt ollwei dössbi und ollwei ruaf ih sie wieda an“  so wie in

„Is net banond: mama is net banon augn san triab kopf tuat weh haut is grau tuat net locha is net banond d`mama“

Dann gibt es noch Gedanken über das „ICH: Was ist das ICH? woas ih net, is drin in mir, sicha, wohnt vielleicht im kopf, im Herz,im bauch“

Und über den „SINN DES LEBENS“: Hat das Leben einen SINN? freili, jo sicha, freili Was ist der SINN? is schen, olli do san, olli beinonda san Ist nicht alles sinnlos, weil wir ja irgendwann sterben müssen? freili mocht sinn do san, wonna ma ferti san sterbm ma, donn kimmt nächste garnitur, wet muaß si imma drahn, muaß immer weitagehn“

Sehr einfach, sehr lakonisch, sehr richtig erklärt und klipp und klar mit einer sehr lakonischen Sprache ausgedrückt.

Und so geht es weiter. Peter Gstöttmeier macht sich Gedanken über die Zeit, geht zu Weihnachten „bamal stöhln“ und ist damit 2012 auf die Ehrenliste gekommen und Zeichnungen gibt es in dem sehr schönen Buch, das jeden, der wissen will, was Menschen mit sogenannten Lernbehinderungen denken und wie sie schreiben und sich ausdrücken, sehr zu empfehlen ist, auch.

Und das ist, denke ich, gerade in Zeiten wie diesen, wo ich mich beispielsweise mit meinem Kritikern immer wieder auseinandersetze, ob man schreiben und veröffentlichen oder Preise gewinnen, beziehungsweise ein Honorar verlagen darf, wenn man vielleicht nicht ganz fehlerfrei schreiben will, oder ein „Broken German“ verwendet oder Texte in einer leichten Sprache braucht?

Seit 2007, seit es ihm gibt, bin ich in der Jury des „Ohrenschmaus“ und schaue mir seither Jahr für Jahr viele schöne Texte von Menschen mit sogenannten Behinderungen an, habe dadurch viele Taltente, wie Renate Gradwohl, Michaela König, aber auch die Texte von Anton Blitzstein, der eigentlich weil er ein Mensch mit Psychiatrie-Erfahrungen ist, aber trotzdem eine Sonderschule besuchte, eigentlich nicht teilnehmen darf, sich dieses Recht aber trotzdem sehr beharrlich erkämpfte, entdeckt,  habe in der „Mimi“, die ja bei meinen Kritikern auch nicht so gut angekommen ist, darüber geschrieben und bin wie Franz Joseph Huainigg der Meinung, daß auch diese Texte, die vielleicht unter anderen Umständen und anderen Voraussetzungen geschrieben wurden, Wert sind in den Literaturbetrieb hineinzukommen.

Im Vorjahr haben wir ja, da es da  den „Ohrenschmaus“ das zehnte Mal gab, auf der „Buch-Wien“ darüber diskutiert.

Es gibt zwei „Ohrenschmaus-Bücher“, eine CD und auch andere Publikationen mit Texten der Teilnehmer, so ist zum Beispiel das „Springbrettlädle“ in Voralberg sehr aktiv und hat seine Texte auch im Vorjahr bei der „Buch-Wien“ vorgelesen.

Im Herbst wird es sicher wieder einen „Ohrenschmaus“ geben. Vielleicht sollte man sich den Termin schon vormerken und gespannt sein, ob Peter Gstöttmeier wieder bei den Preisträgern ist?

2017-06-18

Erkenntnis am Hochzeitstag

Dann setzte die Musik ein und die Menge begann zu tanzen. Walzer, Donauwalzer, der Braut aus dem schönen Wien an der angeblich genauso schönen Donau zu Ehren und Natalie in dem weißen Kleid mit der Brüsseler Spitze, das sie  selber entworfen hatte und  von einer Schneiderin genau nach ihren Anleitungen nähen hatte lassen, den Schleier hatte sie inzwischen abgelegt, der sollte sie nicht stören, befand sich mitten in der Menge und schmiegte sich an Moritz, ihren Ehemann, der in seinem schwarzen Anzug eine absolut eindrucksvolle Erscheinung war. Imposant und sympathisch, absolut der Held des Abends. Sie jetzt aber so zornig oder auch irritiert anfunkelte, daß sie intuitiv „Uje, Jetzt kommt die Standpauke!“, dachte und tief durchatmenen mußte, damit sie nicht aus der Fassung kam.

Denn jetzt hatte er es geschnallt, daß er Natalie, die Psychoanalytikerin, die einzige und richtige Tochter ihrer Eltern und nicht, wie er geglaubt hatte, Mathilde, das Aschenputtelchen geheiratet hatte. Jetzt hatte er es begriffen, während er vor zehn Tagen, als die Hochzeitsanzeigen geliefert worden waren, noch an einen dummen Druckfehler geglaubt und darüber gewitzelt hatte, weil da N.Schmidt und nicht das erwartete M. stand und sie hatte getan, als ob sie der Fehler ärgere und es hatte sie auch wirklich ein wenig geärgert, daß auf ihrer Trauanzeige, ein schlichtes unscheinbares „N“ und nicht, wie ihr eigentlich zukam und sie es sich immer so vorgestellt hatte: Dr. med Natalie Schmidt, Psychoanalytikerin, gestanden hatte.

Sie hatte es zwar selbst so ausgesucht und wenn man es so wollte, den angeblichen Fehler selber zu verantworten, weil es nicht anders ging, wenn Moritz sie statt ihrer Schwester heiraten sollte und, daß es so gekommen war, hatte sie, wenn sie eherlich war,  für ein Spel und eine Laune des Schicksals gehalten.

Irgendwie hatte sie, seit er sie damals auf der Tautenzienstraße angesprochen und sie für ihre Schwester gehalten hatte, der Teufel geritten und etwas in ihr hatte ausprobieren wollen, wie lange es ging, ihn in sie verliebt zu machen, ohne daß er den Irrtum merkte?

Und es hatte, was sie selbst ein wenig wunderte, geklappt, obwohl sie nur äußerlich, dem grauen Mäuschen ähnlich sah und auch das nicht wirklich. Denn er hatte sie  in der Ritterschen Weinstube in einem eleganten Kleid gesehen, während Mathilde mit der Valentinsrose in Jeans und einem graugestreiften Pullover daneben gesessen war.

Er hätte den Unterschied also merken können, daß sie plötzlich im Designerkostüm, geschminkt und parfumiert auf der Tautenzenstraße auftauchte, obwohl Mathilde in Krankenstand war und das Bett hüten mußte.

Er hatte es nicht getan, weil er es nicht merken wollte. Das war immer noch ihre These und etwas, was sie auch Dr. Gubinger, ihrem Lehranalytiker beweisen wollte und deshalb hatte sie zu spielen angefangen und sich die ganze Zeit gewundert, daß das so einfach ging und er nichts merkte.

Denn sie war mit ihm in seine Wohnung gegangen, hatte nur ein bißchen aufgepasst, daß sie sich nicht verriet und nicht aus Versehen im Besernkammerl statt am Klo landete, denn sie konnte nicht wissen, ob und, wie oft Mathilde schon in dieser gewesen war und, wie gut sie sich darin auskannte?

Sie tat das wahrscheinlich, wie sie später merkte. Aber sie hatte sich in Moritz Junggesellenheim mit den vielen Büchern auch bald ausgekannt. So groß war die Wohnung nicht und hatte die drei Tage ihres angeblichen Krankenstandes dort verbracht. Dazwischen war sie  zweimal bei Mathilde gewesen. Das erste Mal, um ihre Reisetasche abzuholen. Das zweite Mal, um ihr ihre Verlobung zu verkünden, worauf das graue Möuschen prompt reagierte und schreckhaft nach Wien geflüchtet war. Das wärere noch eine Schwierigkeit gewesen, weil sie das nicht ohne den Umweg in den Verlag und ihrem Chef zu kündigen tat.

Aber da war sie mit Moritz selbst in Wien gewesen, hatte ihn den Eltern vorgestellt und sich ihre Papiere abgeholt, um beim Standesamt in Lichtenberg später das Aufgebot zu bestellen. Und das war glatt gegangen, ohne, daß sie sich in den Weg gelaufen waren. Später war Mathilde aus dem Verlag verschwunden, weil sie, wie Moritz allen erzählte,  seine Braut geworden war und sich verändern wollte und auch hier hatte niemand etwas geschnallt. Er hatte nicht nachgefragt. Der Chef, der es anders wissen mußte, nichts verraten.

„Glück muß der Mensch haben!“, dachte sie ein wenig spättisch. Und sie hatte es auch und absolut keine Schuldgefühle. Denn es war ein Spiel, das sie ausprobieren wollte und so fand sie es nur faszinierend, daß es so leicht klappte.

Die nächste Schwierigkeit war die Trauanzeige gewesen. Aber da hatte er nur den Kopf geschüttelt und von den „Deppen!“, geredet die das „M“ mit einem „N“ verwechselten und sie hatte  so getan, als ob sie nichts höre. Sich das Kleid schneidern lassen, die Eltern zu der Hochzeit eingeladen, die natürlich auch nicht nach Mathilde fragten. Denn sie spielten dieses Verwirr- und Verdrängungsspiel selbst perfekt seit fünfunddreißig Jahren. An Mathilde hatte sie, damit, die sich auskannte, auch eine Anzeige geschickt, aber keine Sorge gehabt, daß sie zur Hochzeit kommen würde.

Sie war auch nicht gekommen. So kam der Tag heran und sie war in dem weißen Kleid mit dem Schleier zuerst zur Kirche, dann aufs Standesamt gefahren und da mußte die Erkenntnis natürlich kommen und tat es auch, denn der Standesbeamte, ein Herr Rainer Schneider, wie sie sich erinnern konnte, hielt ihr das Vermählungsbuch hin und forderte sie lauf auf ihren Namen: Dr. Natalie Schmid hineinzuschreiben, was sie auch tat.

Die Mutter und sein Vater unterschrieben, als Trauzeugen und sie sah an seinem Gesichtsausdruck, daß er jetzt etwas zu schnallen begann. Es war aber zu spät, einen Einwand zu machen, denn das Dr. Moritz Lichtenstern stand schon da. Der Standesbeamte gratulierte, die Eltern und die anderen Gäste taten das ebenfall und es ging auf in das Seehotel und dort zur Tafel, wo auch keine Gelegenheit zur Aussprache war.

Dann begann, die engagierte Musikkapelle den Donauwalzer zu spielen. Moritz mußte sie der Sitte nach auf das Tanzparkett führen und mit ihr allein die erste Runde tanzen.  Danach gesellte sich die Menge dazu. Sie tanzten mittendrin und Moritz sah sie jetzt scharf an, rückte etwas von ihr ab und fragte streng „Natalie? Du heißt Natalie und bist die Psychoanalytikerin und nicht Mathilde?“

Sie hatte sich inzwischen gefaßt, schaute spöttisch  und tat erstaunt.

„Natürlich, hast du das nicht gewußt? Mathilde ist meine Zwillingsschwester, die bei euch Sekretärin ist oder besser war, denn sie ist inzwischen nach Wien zurückgekehrt und hat eine andere Stelle angenommen. Wir sehen uns sehr ähnlich und man hat uns immer gesagt, daß wir leicht zu verwechseln sind, wie das bei eineigen Zwillingen üblich ist, obwohl wir grundverschieden sind. Im Charakter sind wir gänzlich anders und auch unser Berufsweg ist unterschiedlich verlaufen. Ich habe Medizin studiert. Math ist zuerst in die Hauptschule, dann auf die Handesakademie gegangen, weil sich die Eltern kein zweites Studium leisten konnten. Math ist danach nach Berlin gegangen und weil diese Stadt sehr interessant ist, bin ich ihr nach Abschluß meiner Lehranalyse gefolgt und habe in der Tautenzienstraße, wo wir uns, nachdem wir uns in der Weinstube kennenlernten, wiedergetroffen haben, meine Praxis aufgemacht. Ich finde, daß ich Math eigentlich nicht wirklich ähnlich sehe und auch einen gänzlich anderen Kleiderstil habe! Läuft sie doch, wie du sicher weißt, fast auschließlich in Jeans und Schlapperpullis herum, während ich mich dafür nicht erwärmen kann! Ich mag schlampig gekleidete Frauen nicht und schminke mich auch gern!“, versuchte sie möglichst harmlos zu sagen und nicht rot  dabei zu werden. Was ihr auch zu gelingen schien, obwohl er sie immer noch anstarrte, ihren Arm ergriff und sie, weil jetzt die Musik verstummte, zuerst auf die Terrassse und dann auf die Seepromenade hinausführte.

„Du bist nicht Mathilde, hast mich betrogen und dich bei mir eingeschlichen!“, sagte er jetzt scharf und sie schüttelte den Kopf und versuchte weiter harmlos dreinzusehen.,

„Wie kommst du darauf, daß ich Mathilde bin? Das kann nur ein Blinder sein, der mich mit ihr verwechselt! Aber ja, ich erinnere mich, auf der Tautenzienstraße hast du mich mit diesem Namen angesprochen! ich habe gedacht, das ist ein Scherz, weil ich ihr in meiner Kleidung  nicht ähnlich sehe und habe dir gesagt, daß sie wegen ihrer Halsschmerzen zu Hause ist und dann bin ich mit dir in deine Wohnung gegangen, weil du mich dorthin eingeladen hast und ich mich-“ jetzt schwankte ihre Stimme etwas, weil sie nicht ganz sicher war, ob er ihr das glauben würde- „in dich verliebt habe! Ist etwas zwischen dir und Mathilde gewesen? Habe ich eure Kreise gestört?“, fragte sie daher in der Angreiferpostion weiter und versuchte spöttisch aufzulachen.

„Hat sie vielleicht deshalb so überstürzt ihre Stelle augegeben und ist nach Wien zurückgefahren? Ich habe mich schon darüber gewundert und auch, daß sie nicht zur Hochzeit gekommen ist! Ich habe sie, wie du weißt, eingeladen! Hast du wirklich geglaubt, daß ich Mathilde und nicht Natalie bin?“, wiederholte sie lauter und sah ihn dabei herausfordern an.

„Dann bist du sicher enttäuscht!“, setzte sie in dieser Art und Weise hinzu „daß wir jetzt verheiratet sind! Aber ich dachte, du liebst mich genauso sehr, wie ich dich! Glaubte, es wäre Liebe auf den ersten Blick gewesen, daß wir so schnell geheiratet haben und jetzt ein Ehepaar sind!“, sagte sie energisch und atmete noch einmal durch.

„Geglückt!“, dachte sie dabei.

„Er scheint mir zu glauben oder hat zumindest keine Möglichkeit auszuweichen ohne zuzugeben, daß er ein Trottel war und was soll es? Ich habe mich wirklich in ihm verliebt und wenn er so blöd ist, nicht zu merken, daß ich Natalie und kein graues Mäuschen bin , dann ist er selber schuld und ich kann ihm auch nicht helfen!“

2017-06-16

Die Verwechslung

Am nächsten Tag hatte Mathilde Halsschmerzen, sich krank gemeldet und war zum Arzt gegangen, während sich Natalie auf Praxissuche an die ihr angegebenen Adressen machte und auf der Tautenzienstraße zusammenuckte, war sie doch gerade in Begriff in Moritz Lichtenstern, den jungen, an sich bedeutungslosen Lektor hinauzulaufen, in dem sich ihre noch farblosere Schwester anscheinend so verliebt hatte, daß sie ihre gestrigen Anwesenheit so durcheinanderbrachte, daß sie heute  mit Fieber und mit Halsschmerzen aufgewacht war, dachte die Psychoanalytikerin in ihr und lächelte verächtlich.

Dann zuckte sie aber zusammen, hatte er sie doch gesehen und rief  überrascht „Du bist es, Mathilde, ich habe gedacht, du liegst krank im Bett und habe mir schon überlegt dich, wenn ich mit der Arbeit fertig bin, zu besuchen!“ und schmachete sie genauso an, wie er gestern in der Richterschen Weinstube Mathilde angeschmachtet hatte, was der in ihrer Gegenwart unangenehm gewesen war und sie  zum Lachen brachte.

Es machte sie sogar so sehr vergnügt, daß sie versuchte ein kränkliches Gesicht zu machen und eine krächezende Stimme vorzutäuschen und ihn damit genauso schmachtetnd musterte, wie es das Gänschen Mathilde getan hatte.

„Ich habe fürchterliche Halschmerzen und etwas Fieber und bis deshalb beim Arzt gewesen, der mir heiße Wickel, Lutschtabletten und drei Zage Bettruhe verordnet hat! Aber jetzt-„, sagte sie und sah ihm noch ein bißchen tiefer in die Augen,“-jetzt ist es schon viel besser!“ und ließ keinen Zweifel daran, daß es er und seine Anwesenheit war, der diese Gesundwerdung in ihr verursachte. Der Ahnungslose hatte es geglaubt und hörte auch nicht auf, sie weiterhin für ihre Schwester zu halten, was sie, obwohl sie solche Verwechslungen aus ihren Kindertagen gewohnt war, wieder etwas ärgerte.

War sie doch Dr. med Natalie Schmidt, die Psychoanalytikerin und keine verhuschte Hauptschülerin, die sich zur Verlagssekretärin hinaufgearbeitet und ihr ganzes Leben darunter gelitten hatte, im Schatten ihrer Schwester zu stehen. Sie war, das hatte man ihr immer wieder gesagt und sie hatte auch nie die Spur eines Zweifels daran empfunden, die Strahlendere, Gebildetetere, Elegantere, trug auch ein Designerkostüm und hochackige Stöckelschuhe, während die Schwester sicher mit flachen Tretern, Jeans und einem mausgrauen Pullover zum Arzt gegangen war und der angebliche Verliebte merkte es nicht oder merkte er es vielleicht schon und wollte nur die Prächtigere, Schönere, als Freundin haben. Was auch ohne Lehranalyse leicht zu verstehen war, daß niemand ein graues Mäuschen wollte und so war es eigentlich klar, daß er sie verliebt anblinzelte und keinen Unterschied zwischen ihr und ihrer Schwester bemerkte oder diesen gekonnt verdrängte.

„Sind doch die Männer alle blöd oder die Seele ist ein sehr sehr weites Land, mit vielen Tiefen und Unebenheiten!“, we es ihr Lehranalytiker Dr. Gubinger ihr immer gepredigt hatte, dachte sie, versuchte ein heiseres Husten.  In ihren Augen blitzte schon der Schalk.

Sollte er bekommen, was er wollte. Sie würde mitspielen, weil es Spaß machte, der verhärmten Schwester, die sie haßte, sich ihr das aber nicht zu sagen traute, eines auszuwischen. Wenn er so blöd war, sie für Mathilde zu halten, obwohl sie zwar so aussah, aber ganz anderes gekleidet war und einen anderen Backround hatte, würde sie mitspielen und die Schwester war selber schuld, daß sie sie gestern nicht hinausgeworfen hatte und auch noch so blöd war, ihr die Adresse, der Weinstube zu nennen, in der sie sich mit ihrem Liebsten traf. Dann hatte sie das zwar bereut und sich so darüber geärgert, daß sie krank geworden war und nicht in ihren Verlag konnte und das Schicksal spülte ihr ausgerechnet in der Tautenzienstraße, wo sie  auf Nuummer 112 eine eventuelle Praxis besichtigen wollte, ihren Liebsten über den Weg.

„Fein!“, sagte der und drückte sie an sich, wieder ohne zu bemerken, daß es ein ganz anderes Parufm war, daß sie verwendet, beziehungsweise war sie sicher, daß Mathilde überhaupt kein solches in ihrem Bad stehen hatte.

„Sehr fein, dann können wir, da ich für heute fertig bin und nicht mehr in den Verlag brauche, das ein wenig feiern! Dich Gesundfeiern, Liebste, was hältst du davon? Daß ist doch sicher besser, wenn du mich nach Haus begleitetest und dich bei mir auskurierst, als wenn du das allein in deinem Stübchen tust!“

„Sehr gut, ausgezeichnet!“, hatte Natalie gedacht und konnte sich auch später nicht daran erinnern, daß sie Schuldgefühle dabei empfunden hatte. Sie hatte stattdessen wieder nur gedacht „Selber schuld, wenn du so blöd bist und jetzt warte ich darauf, daß du erkennst, daß ich nicht Mathilde bin und mache dabei meine diesbezüglichen Studien der menschlichen Seele, die ich dann Dr. Gubinger schicken kann!“

„Gern!“, antwortete sie schmachtend, versuchte dabei ihre Stimme heister klingen zu lassen, griff sich an den Hals und hüstelte etwas. Vielleicht war wirklich eine Schauspielerin an ihr verloren gegangen und sie hatte nach ihrer Matura auch kurz daran gedacht, sich im Reinhardt-Seminar anzumelden, dann aber doch das Medizinstudium vorgezogen und so würde sie eben in ihrer Freizeit spielen und dabei ihre psychoanalytischen Erfahrungen machen und es war auch nichts dabei. Denn wenn sie mit ihm in seine Wohnung ging, konnte nichts passieren. Da das graue Mäuschen sicherlich in seinem Zimmer lag, Salbeitee inhalierte, Lutschtabletten schluckte und wohl gar nicht auf die Idee kam, ihren Moritz anzurufen. Es wäre nur schwierig geworden, wenn er ihr Mathildes Wohnung vorgeschlagen hätte. Das machte er aber nicht. Er dachte nur an sich, wie die Männer eben waren und so hustete sie noch einmal schaute dabei aber spöttisch und unternehmungslustig vor sich hin und dachte „Nun denn, schauen wir uns an, wohin das führt und wie blöd die Männer sind!“

2017-06-11

Noch einmal drei öffentliche Kunstprojekte

Filed under: Schreibbericht,Uncategorized — jancak @ 19:38
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Diesmal hätte ich die Ruth als ich sie um zwei an der Ecke Oper beim Hotel Bristol treffen wollte, fast verfehlt, ist sie doch auf einer Bank bei der Straßenbahnhaltestelle gessen. sie hat mir aber schon einen Brief an Frau Danielcyck geschickt, will sie unser Projekt ja auch im MUSA vorstellen und so sind wir wieder, der Kunst im dritten Reich auf der Spur, das inzwischen von einer modernen Künstlerin transkribiert wurde, in den neunten Bezirk hinausgefahren, denn dort wurde am Thury Hof, einem Gemeindebau des roten Wiens, nach 1938 ein Recke angebracht und darunter war ein Spruch von Adolf Hitler zu lesen:

„Wir bitten dich Herr Gott, laß uns niemals wankend werden und feige sein, laß uns niemals die Pflicht vergessen, die wir über nonmmen haben“

Das steht noch immer dort, das Adolf Hitler wurde nach dem Krieg entfernt und Maria Theresia Litschauer hat 2013, eine Klammer, um die Figur angebracht und sie mit einem Band zu einer Inschrifttafel verbunden, worauf man lesen kann, daß 1938 den jüdischen Mietern die Wohnung gekündet wurde.

Das war sehr interessant zu sehen, was es alles noch an Rest- NS-Kunst zu bemerken gibt. Dann wurde es noch historischer oder vielmehr moderner, denn wir sind wieder nach Aspern hinausgefahren.

Da war ich in den letzten Wochen schon zweimal, habe die Seestadt bewundert und auch auf einer Informationstafel erfahren, daß es dort bis 1927 den damals größten Flughafen gab.

Daß es schon viel früher die Schlacht von Aspern, die Napoeon verloren hat, habe ich schon in der Schule gelernt und nun gibt es in der U-Bahn Station Aspern Nord, die „Aspern Affairs“ des deutschen Künstlers Stephan Huber, an den beiden Seitenwänden und auch sonst überall angebracht, die meiner Meinung nach eine Themenverfehlung sind, denn Aspern hat 1809, glaube ich, noch nicht zu Wien gehört.

Er hat aber auf der einen Tafel all die Ereignisse, die zwischen 1800 und 1830 in Wien geschehen sind, also beispielsweise die Eröffnung des Theaters in der Josefstadt und auf der anderen Seite das Ganze ein Jahrhundert später und hat hier so vermerkt, daß Sigmund Freud beklagte, daß die Psychoanalyse nirgendswo mehr mißachtet, wie in Wien werden würden.

Dann ging es, weil es so weit in der  Pampa wahrscheinlich kein Kaffeehaus gab in dem wir uns stärken konnten, nach Wien zurück, zum Rathaus und in die Konditorei Sluka, wo sich auch ein paar Jungbürger niederlassen haben, die wahrscheinlich gerade im Rathaus gefeiert wurden und ein Gläschen Wein tranken.

Wir wollten uns aber noch mit Fritz Wotrubas „Großer stehendder Figur beschäftigen, die dieser 1962, als er aus der Schweizer Emigration zurückgekommen war, dorthin stellte, um zu zeigen, daß man das Gegenständliche zugunsten der geometrischen Abstraktkion auflösen kann.

Interessant, elf Kunstwerke haben wir auf diese Art schon beschrieben. Am Mittwoch wollen wir uns am Karlsplatz noch einmal treffen. Das Projekt ist bei der GAV eingereicht und wird bei der GV besprochen werden.Ich schreibe die letzten Texte noch rein, bin dann gespannt und werde mich wieder mehr meinen Fortsetzungsgeschichten widmen, die ja mein persönliches Schreibprojekt sind, mit dem ich mich in den Monaten Mai und Juni beschäftige.

2017-06-07

Vom Centrope ins Literaturhaus und in die Galerie Lindner

Heute war wieder ein literarischer Tag könnte man so meinen oder eigentlich auch nicht.

Am Vormittag vier Stunden, dann mit einem Umweg über den Bücherschrank, wo ich nicht fündig wurde, in die „Dokumentationsstelle für Mittel- und Osteuropäische Literatur zum Centrope Workshop“, wo wir uns inzwischen mit den Sujets befassten und Stephan Teichgräber Bücher von Beppo Beyerl, Anna Kim und den Peter Esterhazy, den ich vor ein paar Wochen gefunden habe, als ich zum orkshop oder vielleicht auch in die Hauptbücherei ging.

Ich habe das Buch jedenfalls einmal mitgenommen, dann auf meinen Schlafzimmerstapel gelegt, der inzwischen schon riesig ist und wenn man in den Büchern das Sujet analysiert, erklärte Stephan Teichgräber, kann man eine diesbezüpgliche Analyse machen und weiß alles bezüglich der Motive und der Fabeln und braucht keine Inhaltsanalyse mehr geben.

Davon komme ich so schnell wohl nicht los und will das auch nicht wirklich und der Philosoph, der mit mir das Workshop besucht, bot sich an, das nächste Mal „Den Meister und Margarita“ zu analysieren.

Das gehört zwar zur russischen Literatur und nicht zu der des Centropes, ist aber sicher interessant und bezüglich des Abendprogramms hätte es auch einige Alternativen gegeben.

So gab es ein „Worldpress-Treffen“ ganz in meiner Nähe, irgendwo im fünften und in der Hauptbücherei stellte Sybille Haman Shida Bazyar die „Bloggerdebutpreisgewinnerin“ vor.

Das wäre zwar ganz interessant gewesen, mich ihr als ein Mitglied der Jury vorzustellen, aber ich gehe eigentlich nicht so gerne zu Veranstaltungen, wo ich schon das Buch gelesen habe, außerdem hätte man sich anmelden müssen und im Literaturhaus gab es eine Performance zum Thema Kannibalismus, beziehungsweise zum „Menschen fressen“.

Das ist zwar nicht ganz mein Thema, aber sicher interessant, wie Barbara Zwiefelhofer in der Einleitung erwähnte und Maria Seisenbacher, die mit Hermann Nikklas zur „Wortwerft“ gehört, habe ich schon einmal in der „Gesellschaft für Literatur“ gehört.

Dazu kam noch eine Tänzerin, nämlich Marlene Wolfsberger und die drei, barfuß mit schwarzen T-Shirt und Jeans, hatten ein Programm erarbeitet, wo sie vom Hänsel und Gretel wo, es ja auch um das Menschenfressen, bis zu japanischen Texten, Krimifällen, da gibt es ja einiges an Kaniballismus in der Kriminalgeschichte, bis zu eigenen Texten, eine interessante Performance bote.

Das Publikum war mir wieder gänzlich unbekannt, hat also vermutlich aus Freunden und Verwandten der Veranstalter bestanden und Maria Seisenbacher, das muß ich  erwähnen, war sehr freundlich und hat mir ganz genau erklärt, wie es zu der Veranstaltung gekommen ist.

Ich habe mich mit ihr länger unterhalten und  am Rückweg dann doch noch in der Galerie Lindner vorbeigeschaut, wo es eine Vernissage gab.

„Weissbruch“ von Annete Haas und Denise Winter.

Die Frau Lindner und die Anna Lindner mit ihrem Sohn waren da und ich habe mich bei derletztern erkundigt, ob sie morgen zum „Gerstl-Symposium“ in die „Alte Schmiede“ kommt.

Sie kommt, hat sie mir gesagt und ich habe das auch vor, so daß auch der morgige Tag wahrscheinlich auch sehr literarisch werden wird.

2017-05-26

Von der Seestadt zum Museumsquartier

Eine aktive Phase meiner zweimonatigen Textrecherche- und Geschichteschreibezeit hat begonnen, als der Alfred am Donnerstag früh mit dem Karli in das Flugzeug nach Amerika gestiegen ist, um dort dreieinhalb Wochen zu bleiben und ich habee speziell für das erste „freie“ Wochenende sehr viel vor.

Mich selbst, beziehungsweise das Literaturgeflüster ein bißchen feiern, auf Einkaufstour gehen, obwohl ich mir da ja am Freitag im Traisencenter und am Samstag in St. Pöltenschon ein bißchen was zum Anziehen gekauft habe und Geschichten-, beziehungsweise Romanstudien schreiben.

Da bin ich Dank Annika Bühnemanns Schreibimpulsen ja schon fleißig unterwegs und habe bereits drei Geschichten, bezüglich meiner einsamen Pizzeria-Frau und ein ungefähres Handlungskonzept, das ich zwar, nach dem ich die Marlene Streeruwitz gelesen habe, nicht so besonders fetzig finde, habe ich auch und vor mit den Schreibimpulsen bis Ende Juni weiterzumachen. Fortetzungsgeschichte für Fortsetzungsgeschichte schreiben und dann schauen, wie weit ich damit gekommen bin.

Daß ich für ein neues Konzept durch Wien spaziere, zum  Friseur gehe und wenn nötig, mir auch was zum Anziehen kaufe, ist  nichts Neues. Da bin ich ja schon einmal im Oktober mit der U2 in die Seestadt Aspern hinausgefahren, habe dort aber eigentlich nur eine Baustelle gefunden, obwohl ich im MUSA ja von einem diesbezüglichen Schreibprojekt gehört habe, es auch eine eigene Buchhandlung gibt und mir ein E.A. Richter auch einmal sagte, er würde dort wohnen.

Was lag also näher als den Versuch zu wiederholen, obwohl ich ja ein bißchen skeptisch war, was ein Touristentag mir für mein Pronjekt bringt und da am Donnerstag ja Feiertag war, fiel das Einkaufen auch aus oder wird am Samstag nachgeholt.

Ein bißchen hatte ich Angst, daß mir nach zwei drei Stunden die Lust ausgeht, da in Wien herumzuspazieren, so habe ich mir in der vorigen schlaflosen Nacht, Gedanken gemacht, was das bringen könnte?

Daß ich wieder die Seestadt suchen werde, das war schon fix und ich hatte auch vor dort zu essen, neben dem Mc Donald`s nehme ich ja auch ganz gern einen Asia Snack, wie Beispielsweise ein Nudelbox mit Huhn. Aber das bringt nicht viel für mein Projekt und ist nichtr unbedingt literarisch. Denn große literarische Einblicke werde ich in Aspern oder in der U-Bahn nicht machen, obwohl ich am Mittwoch Michael Hammerschmid auf einem Scooter getroffen habe, als ich in die Spengergasse ging und als ich das letzte Mal von Aspern kam oder war das nach der Buch-Wien Pressekonferenz zu der Frau Führer mich einmal eingeladen hat, Stephan Eibel Erzberg, der mir sagte, daß er zum Arzt gehen müße.

Die literarischen Begegnungen passiren ja eher, wenn ich in die „Alte Schmiede“ oder ins Literaturhaus gehe und auch da nicht wirklich, denn da stehe ich meistens daneben und schaue zu, wenn sich die anderen begrüßen und Küsschen auf die Wangen drücken, aber in der Phantasie läßt sich ja einiges herstellen und da passiert derzeit auch einiges in Wien und anderswo. So wurden ja am Mittwoch, die heurigen „Bachmannpreiskanditaten“ bekanntgegeben. Also könnte ich Karin Peschka in der Seestadt treffen, wie sie sich auf ihren Text vorbereiten und vielleicht sogar schon das obligarorische Filmchen dreht oder Katja Gasser könnte ich an der alten Donau sitzen sehen, wo sie in ihr Handy oder Laptop schaut, um sich die neuen dBp-Kanditaten auszusuchen und Klaus Nüchtern und Petra Hartlieb sitzen daneben und tue das für den östBp.

Das ist ja interessant und da bin ich schon neugierig, obwohl man diese Vorschauen, wenn man viel Zeit und Geduld hat, auch selber machen kann und ich auch immer im August meine diesbezüglichen Tips abgebe.

Also gut, sehr literarisch ist ein Touristen-Spaziergang durch Wien höchstwahrscheinlich nicht, ich kann aber etwas darüber schreiben und vielleicht auch schon Beobachtungen bezüglich mein neues Konzept machen, das ja sowohl in Berlin, als auch in Wien und New York spielt und wahrscheinlich drei Handlungstränge hat.

Da ist der Ex Verleger Mortitz Lichternstern, der nach dreißig Jahren, seine Jugendliebe Mathilde Schmidt wiedertrifft und erfährt, daß er ein Kind mit ihr hat. Er hat auch Angst an Parkinson oder Alzheimer zu erkranken, weil das auch seinem Vater und Großvater so passierte oder weil ihm in letzter Zeit, statt der schönen Gedichte, wie vorher, lauter kindische Versreime einfallen.

So fährt er nach Wien zum Begräbnis seiner Ex Frau, von der er seit siebenundzwanzig Jahren geschieden ist und lädt Mathilde ein mit ihr in seinem Bus einfach wegzufahren.

Die weiß nicht recht, ob sie das angebot annehmen soll, reflektiert aber ihre eigene Familiengeschichte. Se war ein unerwünschter Zilling und wurde immer hinter ihre Schwster Natalie die ihr auch Moritz weggenommen hat, gereiht und dann gibt es  noch Lily und die könnte, außer daß sie in New York das österreichische kulturinstitut kuratiert, auch einen Blog betreiben oder eine Dissertation schreiben in der sie solche erforscht und da ist mir gestern eingefallen, daß ich ja auch eine Stipendiatin nehmen könnte, die ihre Recherchen auf den Spuren einer Bloggerin oder eines Blogpreises macht.

So weit so gut und so habe ich am Donnerstag zuerst nach einem guten Frühstück in der Badewanne „Yseut“ fertiggelesen und bin dann ohne Wasserflasche, das Wetter war ja nicht so schön und ich wollte auch nicht so viel schleppen, aufgebrochen. Das heißt, mit der U2 in Richtung „Seestadt“ gefahren, nur leider ist mein Zug nur bis zur „Aspernstraße“ gefahren. So hbin ich da ausgestiegen, habe mir eine kleine, „All you can eat Nudelbox“ vom Buffet zusammengesucht, die auf einer Bank gegessen und bin dann zwei Stunden auf der Suche nach der Seestadt herummarschiert, bin durch Kleingärten und Neubauten gegangen, bis ich wieder am Ausgangsort angelangt war.

Die Seestadt will sich von mir nicht entdecken lassen, könnte man so sagen, so bin ich am Rückweg beim Museumsquartier ausgestiegen und erlebte dort eine Überraschung, nämlich einen veganen Biomarkt, mit Gratiskostproben, grüner Tee und veganer Austrich wurde verteilt. Man konnte koste und so habe ich schon einen kleinen Vorgeschmack, auf das Buffet, das ich mir ja heute machen will, wenn ich meine Recherchen zu Hause weitermachen möchte und so läßt sich ein Feiertag auch angenehm verbringen und die Touristenströme dabei vermeiden, denn nach Schönbrunn, in den Prater, zur Stephanskirche oder in die Hofburg, wollte ich nicht wirklich marschieren.

Das habe ich schon vor ein paar Jahren gemacht, als ich, als „Strohwitwe“ einen „Pfingstmarathon“ durchführte und dabei Marlene Streeruwitz „Verführungen“ las. Einen Pfingst- oder Lesemarathon werde ich aber nächste Woche wieder machen, dabei vielleicht meine eigenen Bücher lesen und die Termine für den öffentlichen Raum, den ich ja mit der Ruth erforschen will, habe ich mit ihr auch schon abgemacht.

2017-05-19

Es geht uns gut

Auf unsere Bodenseeradrundfahrt zu Ruths siebzigsten Geburtstag, habe ich ja, wie ich das bei Reisen immer mache, versucht mir die entsprechende landesspezifische Literatur aus meinen Bücherschränken herauszusuchen und da habe ich ja einmal Arno Geigers ersten dBp- Buchpreisroman von 2005 im Schrank gefunden und da habe ich gedacht, das passt, weil ja Arno Geiger in Bregenz geboren wurde, wenn er auch längst inzwischen in Wien lebt und mit den Bodensee vielleicht gar nicht so viel zu tun hat.

Aber ich will ja für mein Buchpreisbloggen, die Buchpreisbücher auch auflesen und Arno Geiger kenne ich seit 1996, denn da bin ich auf eigene Kosten, zum Zuhören nach Klagenfurt gefahren und da war er ein sehr junger Autor und hat dort wahrscheinlich einen seiner ersten Texte gelesen, ist dort, glaube ich, auch nicht so aufgefallen oder doch wahrscheinlich, einmal mir und dann hat auch seine Karriere, wie ich einmal in einem Interview mit Martina Schmidt vom „Deuticke-Verlag“, wo dann seine ersten Bücher erschienen sind, damit begonnen.

2004 hat er mit einem Ausschnitt aus „Es geht uns gut“ noch einmal dort gelesen und ist, glaube ich, auch nicht sehr aufgefallen, aber dann kamm 2005, das österreichische Jubiläumsjahr mit fünfzig Jahre Staatsvertrag und genau davon handelt der Famimilienroman, der in meiner Lizenzausgabe, einen rötlichen VW mit zwei kleinen Kindern in jetzt altmodischen Badeanzpgen auf dem Titelbild hat.

Als wir den Bodensee schon umrundet hatten und zum zweiten Mal nach Bregenz zurückgekommen sind, um dort das Wochenende mit Erika Kronabitter zu verbringen, habe ich das Buch zu lesen begonnen und bin jetzt damit fertig geworden, das auch in einer Hietzinger Villa im Jahr 2001 beginnt.

Da hat wohl Arno Geiger den Roman zu schreiben begonnen und sein Protagonist Philipp hat da von seiner verstorbenen Großmutter Alma, die Villa geerbt, jetzt geht erauf den Dachboden und ein Schwall Tauben und ihr Dreck empfängt ihn dort, sowie seine Vergangenheit und Familiengeschichte, von der er eigentlich nichts hören will.

Ein raffinierter Zug, um die Handlung in Schwung zu bringen, denn während sich Philipp über seine verheiratete Freundin Johanna ärgert, die am Küniglberg beim ORF, Wettervorhersagerin ist, schwarz zwei Handwerker bestellt, um das Dach zu sanieren und die Sachen ausräumt und wegwirft, wird diese Geschichte aufgerollt.

Denn da gibt es die Großeltern Richard und Alma. Alma hat glaube ich, wie das früher so war, ihr Studium für die Familie aufgegeben und züchtet jetzt Bienen.

Richard ist dafür 1955 Minister und am Staatsvertrag beteiligt, kann aber zu dem Festakt nicht higehen, weil er von Zahnschmerzen geplagt wird, auch so ein Kunstgriff, außerdem betrügt, er seine Frau ständig mit seinen Sekretärinnen und Kindermädchen, das braucht man für einen Familienroman, der die letzten fünfzig Jahre des vorigen Jahrhunderts behandelt, vielleicht auch oder die Leser, beziehungsweise der Verlag, wollen es haben.

Es gibt auch zwei Kinder Otto und Ingrid. Otto, der Hitlerjunge überlebt glaube ich, das Jahr 1945 nicht, dafür verliebt sich die Tochter Ingrid in einen anderen ehemaligen Hitlerjungen nahmens Peter, von dem der Vater nichts wissen will.

Sie heiratet ihn trotzdem, bekommt zwei Kinder Sissi und Philipp, studiert Medizin, was ihrer Mutter wohl nicht glückte und eine Szene beschreibt, wie sie in den Siebzigerjahren Nachdienst hat, dann nach Hause kommt und sich ärgert, daß ihr Peter nicht beim Haushalt hilft, der ist Straßenexperte, hat aber auch ein „Österreich-Spiel“ entwickelt, das sich durch das ganze Buch zieht und am Ende des Romanes, wie der Vater dem Sohn am Telefon erzählt, eingestellt werden soll.

Ingrid stirbt sehr früh bei einem Badeunfall und Philipp ist irgendwie orientierungslos. Das Dach wird von den zwei Schwarzarbeitern, von denen einer ein Ukrainer ist, der dorthin zu seiner Hochzeit muß, repariert und am Ende fährt Philipp mit ihnen mit, die ihn eigentlich gar nicht dabei haben wollten, aber die Vergangenheit ist vorbei und Philipp winkt dem Haus zum Abschied nach.

Es gibt in dem nicht chronologisch erzählten Roman, der immer wieder durch seine Detailgetreuheit auffällt, noch eine Szene, wo der Vater schon Witwer ist und mit seinen halbwwüchsigen Kindern, das heißt, der siebzehnjährigen Tochter, die das gar nicht mehr will, auf Zelturlaub nach Jugoslawien fährt und die hat Arno Geiger einmal bei einer der „Rund um die Burg-Veranstaltungen“ gelesen, wie ich mich erinnern kann.

2017-05-11

Parablüh

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:29
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Cornelia Travnicek, die nun schon dreißigjährige Autorin, deren literarischen Weg, ich von Anfang meines Bloges an ziemlich kontinuierlich verfolge, hat einen neuen Gedichtband geschrieben, auf den ich auf ihrer Facebookseite,  aufmerksam geworden bin.

„Parablüh – Monologe mit Sylvia heißt er“ und ist in einem schönen Cover, weiße Regenschirmchen auf dunkelblauen Hintergrund bei „Limbus-Lyrik“ herausgekommen und damit ist natürlich die berühmte Dichterin Sylvia Plath gemeint, deren „Glasglocke“ ich vor einiger Zeit gelesen habe.

Bernd Schuchter vom Verlag, ein GAV-Kollege, war so freundlich mir das Buch zu schicken, das mich vorerst, ich sage es gleich, einmal verwirrte.

Denn der deutliche Plath- Bezug ließ ja die Vermutung zu, daß die Gedichte gegenübergestellt wären, so daß man  vergleichen beziehungsweise die Unterschiede mitverfolgen kann.

Mitnichten, das Wort Sylvia kommt außer im Titel einmal in dem achtzig Seiten Buch vor.  Dafür gibt es aber ein ausführliches Nachwort mit dem Titel  „Eigensinn und Widerrede“, der Literaturkritikerin Daniela Strigl, die erklärt, daß Sylvia Plaths Gedichtband „The Colossus and Other Poems“, 1960 bei Heinemann in London erschienen ist. Da war sie achtundzwanzig. Zwei Jahre später ist das Buch leicht verändert in New York erschienen und erst 2013 in der Übersetzung von Judith Zander auf Deutsch erschienen.

„Diese zweisprachige Ausgabe“, schreibt Daniela Strigl „bildete die Vorlage für Cornelia Travnices ungewöhnliches Projekt“ und fügt hinz,u daß es sich bei den vierundvierzig oder fünfzig Gedichten,um keine „Nachdichtung, sondern um  „Dichtung“ handelt, so daß man das Buch lesen kann, auch wenn nicht viel über Sylvia Plath und ihr Leben weiß , was aber, wie sie weiteranmerkt, „eine zusätzliche Dimension“ wäre „notwendig ist sie aber nicht“.

Das klingt sehr beruhigend, denn über Sylvia Plaths Leben, weiß ich so ziemlich Bescheid, habe ich ja nicht nur ihren berühmten Roman oder ist es ein Memoir gelesen, sondern auch  Sigrun Höllrigls „Odysseus X“ und könnte mich nun dirket in Cornelia Travniecs Monologpoesie einlassen.

Daniela Strigl scheint aber auch die zweisprachige Gedichtausgabe gelesen zu haben und gibt nun auf einigen Seiten weitere Einblicke in das Buch, beziehungsweise in seine Irrungen und Wirrungen.

So heißt Cornelia Travnices Antwort auf Sylvias Plaths „Colosssus“ in dem die sich mit ihrem Nazi-Vater auseinandersetzte nun „Standbild“ und beschäftigt sich mit der EU „Du sammelst Sterne für dein Banner“ und aus „Two views of a Cadaver room“ ist Cornelia Travniceks „Titelgedicht geworden, in dem es, um einen Dialog mit einer Mutter und einem Kind geht: „Paraplui, sagt die Mutter: Dunkles Blau auch zwischen Regen und sie. Parablüh, sagt das Kind und pflanzt Schirme in die Landschaft.“

Ganz schön verwirrend.

„Was mache ich nun?“, dachte ich  in der Badewanne, besorge ich mir nun die zweisprachige Gedichtausgabe, um zu vergleichen oder lasse ich  das und auch mein Vorwissen weg und  mich naiv in Cornelia Travniekes Monologe ein?

Für das Erstere spricht die Gründlichkeit, denn der Bezug zu der amerikanischen Dichterin, die sich 1963 das Leben nahm, in dem sie ihren Kopf in das Backrohr steckte, während ihre Kinder nebenan schliefen, ist ja schon da, für das Zweite die Bequemlichkeit und ich bin ja eine ungeduldige Leserin….

Also dafür entschieden und die Plath- Bezüge sind trotzdem im Kopf und wer weiß, vielleicht finde ich einmal das Original und dann kann ich mich  dann auf Corneleia Travnices Monologe beziehen, die, wie Daniela Strigl noch anmerk,t nun auch schon dreißig ist, wie es die Dichterin war, als ihr „Koloss“ erschienen ist.

Vierundvierzig Gedichte also und ein letztes langes in sieben Teilen, das bei Cornelia Travnicek „Gedicht für Rauhnächte“ heißt.

Ich kenne Cornelia Travnicek ja  zuerst als Prosaschreiberin, habe die „Asche meiner Schwester“, „Fütter mich“, das jetzt bei „Haymon“ neu herausgekommen ist und von ihren zwei Romanen bisher nur die „Jungen Hunde“, bei denen sie auch beim „Bachmannpreis“ gelesen hat, gelesen.

„Chucks“ muß noch warten und ihre Gedichte sind eher an mir vorbeigegangen, habe eines einmal in ihren Blog, den sie jetzt nicht mehr so ausführlich betreibt, ein anderes, in den „Podium-Lyrik Flyer“ zum „Tag der Lyrik“ gelesen und im letzten Jahr war ich auch in der „Gesellschaft für Literatur“ als dort ihr bei „Berger“ erschienenen Gedichtband herausgegeben wurde.

Jetzt also Lyrik geballt oder die Antworten auf Sylvia und ich kann gleich sagen, es sind sehr lyrische Monologe, in die ich aber, geschuldet  meiner Verwirrung, ich habe das Nachwort zuerst gelesen und später noch einmal, nur langsam und zögernd hineingekommen bin.

Dann ist es mir aber gelungen, den Kopf draußen zu lassen, Sylvia Plath zu vergessen und mich auf Cornelia Travniceks Verse zu konzentrieren, von denen ich hier mit ein paar Beispielen einen kurzen Rundgang durch das schöne blauweiße Büchlein geben möchte, dessen Lektüre ich sehr empfehlen kann, obwohl ich jetzt noch immer nich so weiß, ob man es eher mit oder ohne Sylvia Plath lesen soll.

Die Titelgedichte habeich schon zitiert.

„Ach Sylvia“, heißt es dann auf Seite siebenunddreißig und das ist, wie schon geschrieben, der einzige Plath-Bezug für mich, wenn man von dem Nachwort und dem Unterttitel absieht.

„Der Ausflug ist kurzgehalten, für Reisekrankheit bleibt keine Zeit: vierundzwanzig Bilder lang, wässrig verlaufene Schnappschüsse. Der Herbst ist es, der mit den Fingern durch diese Farben malt. – Weggeschickt hatten: Hochwasser & Touristen“

Bei „Ratespiel“, das, wie Daniela Strigl verrät, bei Sylvia Plath „Hurenlied“,  wird, wie es weiter heißt „das Urteil über die Frau, durch Fragen aufgelöst“:

„Da kommt die Frau, die vielleicht oder vielleicht auch nicht ein selbstbestimmtes Leben führt — Und von der anderen Seite tritt auf: Ein Mann, der vielleicht oder vielleicht auch nicht ein guter ist“

„Es gibt Aufschwung“ heißt es auf Seite einundsechzig:

„Die einen spielen hier seit vierzig Jahren Theater, die anderen jagen Dinosauriern nach – sie reiten eine Spielzeugeisenbahn. Wo früher die Umverteilung geprobt wurde, bräunen sich unzureichend die Schnitzeln.“

Ganz schön kryptisch oder geheimnisvoll poetisch, schön gedichtet, könnte man so sagen und  bei der „Ausgebombten Zeit“, wurde ich ein bißchen an die Bachmann erinnert.

„Hier wurde ein Krieg beendet – Zu sehen dafür sorgen die Bagger“

So geht es weiter und sofort, bis zu den schon zitierten „Rauhnächten“ und, um die poetische Verwirrung noch ein bißchen zu steigern, empfehle ich auf Cornelia Travniceks Seite zu gehen, weil es hier sowohl eine japanische, als auch eine Übersetzung auf Russisch „für alle“ gibt.

Die Buchpräsentation, wo das alles vielleicht ein bißchen genauer erklärt wurde, habe ich versäumt. Da habe ich den „Welttag des Buches“ vorgezogen, jetzt mußte ich mich allein  durch Cornelia Travniceks poetische Sprache lesen, was ich, wie schon erwähnt, mit oder auch ohne Sylvia Plath nur empfehlen kann.

 

2017-03-18

Wieder einmal Indie-Bookday

Den „Indie-Bookday“ gibt es jetzt schon seit einigen Jahren, eine Initiative eines kleinen und sogenannten unabhängigen Verlags, um sich gegen die großen Konzernen, die mit ihren Büchern den Markt überschwemmen zu wehren oder auf sich aufmerksam zu machen.

Da soll man, rufen die Blogger und die, die sich um die unabhängigen Verlage kümmern, auf, die Buchhandlungen stürmen, sich irgendein Buch, egal welches, es muß nur aus einem dieser Verlage sein, kaufen, sich damit fotografieren und das Foto auf Facebook, Instagram etcetera posten und auf den Begriff „Indie“ bin ich ein bißchen früher in Zusammenhang mit einer Autorin, die sich darüber sorgte, daß die sogenannten Selfpublisher, die es ja auch immer stärker gibt, ihr mit ihrer sogenannten schlechten Qualität den Rang ablaufen könnten, gestoßen.

Mich hat sie nicht damit gemeint und mich gar nicht gekannt, aber ich habe damals die „Wiedergeborene“ geschrieben und bin damit nicht recht weitergekommen, weil ich mir dachte, was soll es, wenn ich damit fertig bin, schaut es ja wieder niemand an.

Das war dann auch so, durch meine damalige Krise bin ich aber durch das „Literaturgeflüster-Texted-Buch“, das ich danach machte, herausgekommen und den Begriff „Indie-Autor“ und „Indie-Bücher“ habe ich dann begonnen für mich zu verwenden, habe einen diesbezüglichen Artikel geschrieben, dann dam der sogenannte „Indie-Bookday“, wo ich lernte, daß ich mit meinen fünfzig „Selbstdruck-Büchern“ nicht damit gemeint bin, sondern, daß man die Bücher der Autoren aus kleineren Verlagen damit fördern soll, habe aber trotzdem einen Artikel darüber geschriebe oder bei meinem Tagesaktuellen einen Hinweis darauf gestellt und den dem es interssiert ein Buch von mir angeboten.

Hat sich wie üblich niemand gemeldet, der es haben wollte, eh klar, denn der Markt ja von den jährlich neunzigtausend  Neuerscheinungen, die ja auch nächste Woche in Leipzig liegen werden, überschwemmt und wenn man acht bis neun Bücher im Jahr liest, wird man wahrscheinlich jetzt im Frühjahr zu Julian Barnes „Der Lärm der Zeit“ oder Hanya Yanagiharas „Ein wenig Leben“ greifen, denn das sind die Bücher von denen man jetzt überall hören und lesen kann und die sind wahrscheinlich in keinen „Indie-Verlag“ erschienen, wobei mir die Definition, was ein solcher ist, überhaupt eher schwer fällt, denn da gibt es ja eine Liste, wo die Namen darauf stehen und das ist glaube ich, um in Österreich zu bleiben, wo ich mich besser als im großen deutschen Raum auskene „Haymon“, „Droschl“ „Resisdenz“ dabei, die ich eigentlich für keine kleinen Verlage halten würde, aber eh klar zu „Bertelsmann“ etcetera, gehören sie nicht.

Bei „Deuticke“ ist dann dann wahrscheinlich schon wieder anders, denn der gehört ja zu der „Hanser-Gruppe“ und das ist, glaube ich, kein „Indie-Verlag“ und da bin ich schon bei dem Problem, zu dem ich ja immer komme, wenn ich was bezüglich „Indie-Bookday“ schreibe oder kommentiere, denn mir ist es eigentlich wurscht in welchen Verlag die Bücher, die mich interessieren erscheinen und ich möchte mich eigentlich weder dem „Amazon“ noch dem „Großverlag-Mobbing“ anschließen sondern, so weit ich das kann und das kann ich, habe ich erst unlängst geschrieben, ohnenin nicht wirklich, allles lesen.

Also dann wenigstens eine bunte Mischung und da kann meiner Meinung nach ruhig einmal Mainstream dabei sein, dagegen habe ich nichts und auch nichts gegen den „Deutschen Buchpreis“, den das ja ursprünglich, glaube ich, auch angeprangert wurde, daß da nur der Mainstream gefördert wird.

Stimmt, glaube ich, so nicht, aber natürlich wenn ich zwanzig aus hunderttausend aussuche, bleibt der Großteil über. Dem versuche ich mit meiner Leseliste und meinem Leseverhalten entgegenzusteuern und ich lese ja durchaus Kleines und wenn ich da an beispielsweise an das „Fröhliche Wohnzimmer“ oder an den experimentellen „Ritter-Verlag“ denke, weiß ich gar nicht, ob die jetzt in der „Indie-Definition“ drinnen sind, beziehungsweise, glaube ich nicht, daß dann sovoviele Leute sich mit diesen Büchern posten.

Da ist dann wahrscheinlich eher Julia Wolf, die beim vorigen „Bachmannpreis“ gelesen hat, dabei,  deren „Herr Nowak bleibt liegen“ in der „FrankfurterVerlagsanstalt“ erschienen ist und das ist, glaube ich, ein „Indie“ und hat auch den letzten „Buchpreisträger“ Bodo Kirchhoff verlegt.

Es ist also kompliziert oder ich würde sagen spannend und ich möchte alles lesen, Indies Großǘerlage, selbstgemachte, Krimis ChickLits und und und das Alte und das neue und die Mischung machts, habe ich auch erst unlängst geschrieben.

Aber natürlich ist es gut und wichtig auf die vielen schönen Bücher der vielleicht kleineren Verlage aufmerksam zu machen und heuer im Frühjahr nicht nur Hanya Yanagihara und Julian Barnes zu lesen, sondern vielleicht auch Tiljan Silas „Tierchen Unlimeted“.

Ist „Kiwi“ jetzt ein „Indie-Verlag“?

Wahrscheinlich nicht, aber Sofi Oksanens „Die Sache mit Norma“ würde ich sehr empfehlen, ganz egal, wie groß oder klein, der Verlag jetzt ist und natürlich möchte ich auch wieder auf meine Bücher hinweisen, die ja sonst immer überbleiben. Denn da ich mich nicht dazu aufraffen kann, sie bei „Amazon“ hochzuladen und, daß der den „Selfpublishern“, die Türen und die Tore weit geöffnet hat, rechne ich ihm hoch an, falle ich ja auch bei „Selfpublisher-Preisen“ heraus. Aber sonst sind die ja nach, wie vor bei allen Preislisten ausgeschlossen. Deutscher oder österreicherischer Buchpreis und sogar Buchbloggerdebut, bitte nicht.

Die „Selfpublisher“ sind aber zumeist sehr selbstbewußte junge Frauen, die, wie mir Annika Bühnemann vor cirka einem Jahr geschrieben habt, sich um den Literaturbetrieb nicht viel scheren. Sie wollen vom Schreiben leben, machen Coachings, kaufen sich ein Lektorat und ein Cover, besuchen vielleicht noch einen Marketingkurs und schreiben und ich lese auch das sehr gerne und habe mir im Vorjahr auch aus Leipzig ein paar selbstgemacht Bücher mitgebracht, die ich noch lesen muß und die „Selfpublisher“ hatten vor kurzem, glaube ich, auch ihre „Indie-Aktion“, wo sie ihre Bücher zum Sonderpreis von achtzig oder neunzig Cents anboten.

Es gibt also sehr viel. Viel mehr als die vier Bücher, die da vierteljährlichh beim „Literarischen Quartett“ hochgehalten wurden und das hat Wolfgang Tischer vom „Literatucafe“ sehr beklagt, daß da immer nur Mainsrtream gezeigt wird. Die zwei drei Bücher von denen jetzt alle sprechen und in einem halben Jahr sprechen alle von den zwanzig, die auf der deutschen Longlist stehen und die Buchhändler beklagen sich daüber, daß zwanzig für den Durchschnittsleser viel zu viel sind und sich ihre Kunden, wenn überhaupt nur für Shortlist interesssieren.

Denn sechs gehen sich gerade aus und da kann man auch noch ein paar davon zu Weihnachten verschenken.

Es gibt aber viel viel mehr , das Alte und das Neue und für mich ist ja an den offenen Bücherschränken besonders interessant, daß ich dort das finde, was sonst an mir vorübe gegangen wäre.

Die Bestseller von vorvorgestern beispielsweise, denn Bücher haben ja inzwischen eine irrsinns kurze Verkaufs- oder Haltbarzeit. Das heißt, sie halten natürlich sehr lange, haben eigentlich kein Ablaufdatum, aber trotzdem fliegen sie nach ein paar Wochen von den Bestsellerlisten und landen, was ich auch sehr schön finde, in den Abverkaufskisten, weil ich sie mir dann von dort herausziehe und auf meinen Bücherstapel lege. Aber weil ich jetzt schon so viele Neuerscheinungen habe, auch nicht alles lesen kann.

So hoffe ich, daß ich wenn ich in zwei Monaten mit der Ruth und den Alfred, um den Bodensee radeln werde, mir doch Michael Köhmeier „Zwei Herren vom Strand“ mitnehmen kann, das wenn ich mich nicht irre, mir die „Bücherinsel“ einmal in den „Wortschatz“ gelegt hat und Arnos Geigers „Uns geht es gut“ und nach Leipzig habe ich mir eigentlich „Clemes Meyer „Im Stein“ mitnehmen wollen, denn das ist ja, glaube ich, ein Leipziger. Jetzt wird es wahrscheinlich Feriduns Zaimoglus Luther-Roman werden, denn die Wartburg ist ja, glaube ich, von Leipzig nicht so weit entfernt.

In einem Blog, den eine Buchhändlerin betreibt, habe ich einmal gelesen, daß sie bedauert, daß sie keine Bücher lesen kann, die inzwischen vergriffen sind.

ich weiß nicht, ob sie sich das selbst auferlegte, oder ob die Buchhandlungen, das tatsächlich von ihren Verkäufern verlangen. Ich habe ihr jedenfalls energisch abgeraten sich daran zu halten und so gesehen ist es auch immer gut, daß Bücher wiederaufgelegt werden.

„Kurz nach 4“ vielleicht, was ja für mich ein Parradebeispiel ist, aber wenn ich von der „Alten Schmiede“ nach Hause gehe und dabei an Anna Jellers Schaufesnter vorbei komme, ist es mir schon mehr als einmal passiert, das dort etwas liegt, was ich eigentlich für vergriffen hielt und auf meinen Stepel habe.

Die „Moravias“, Sagans, etcetera werden Gottsei Dank wieder aufgelegt, für mich ein weiterer Beweis, daß man alles lesen soll, was man will.

Auch Kerstin Gier und Donna Leon, die Mainstreambücher, die die Leser lieben und  Verkaufsumsatz bescheren, auch darüber braucht man nicht die Nase rümpfen.

Dank der offenen Bücherschränke habe ich Donna Leon recht viel gelesen, Kerstin Gier habe ich auch schon gefunden, komme, wie ich fürchte, aber in der nächsten Zeit nicht dazu sie zu lesen und denke wieder die Mischung machts.

Nicht nur die zwischen alt und neu, sondern auch die zwischen Mainstream und Nische, Indie und Konzern, Krimi, Chick Lit oder die sogenannte Hochkultur, von der ich, trotz der entsprechen Ratgeberlektüre noch immer nicht weiß, was das ist, aber ich möchte ja eigentlich offen sein und mich für alles interessieren und da wurde ich ganz ehrlich eigentlich auch noch nicht enttäuscht.

Natürlich auch mir gefallt nicht alles und mit den zu witzigen Autoren, wie Radek Knapp, David Sedaris oder Wladimir Kaminer beispielsweise habe ich meine Schwierigkeiten und manche Chicklits halte ich für übertrieben, machne wieder, wie Sophie Kinsells „Schnäppchenjägerin“, für ein tolles und sehr empfehlenswertes Buch und ich war oder bin noch immer ein Courths-Mahler Fan, obwohl ich auch nicht mehr dazu komme sie zu lesen.

So gesehen freue ich mich auf den „Indie-Bookday“ auch wenn ich mir wahrscheinlich kein Buch kaufen werde, habe aber einmal daran gedacht, den Hunderter, den ich zu Weihnachten immer von der Schwiegermutter bekomme bei „Thalia“ auszugeben oder mich von der Frau Jeller beraten zu lassen.

Ich habe es nicht gemacht, denn wann soll ich die Bücher lesen? Würde mir aber sehr sehr wünschen zu Weihnachten oder zum Geburtstag einmal einen „Thalia-Gutschein“ zu bekommen.

Die Anna, die mir eigentlich nicht gerne Bücher schenkt, hat das zum letzten gemacht und ich habe mir Tillmann Rammmstdts „Morgen viellecht und Fiston Mwanza-Mujilas  „Tram 83“ gekauft..

Die Bücher liegen jetzt im Badezimmer und ich muß mich wahrscheinlich sehr anstrengen, sie heuer noch zu lesen, werde aber versuchen es zu tun und freue mich auch auf die Bücherberge, die nächste Woche in Leipzig auf mich warten.

Also allen einen schönen „Indie-Bookday“ mit schönen Bücherkäufen oder -funden und wenn ein Mainstream oder ein selbstgemachtes Buch dabei sein sollte, stört mich das nicht, sondern biete wieder gerne den Ersten oder auch Zweiten, der sich bei mir meldet, ein solches aus meiner  Produktion an.

Eine ganz aktuelle Neuerscheinung habe ich diesmal zwar nicht. Die Sommergeschichte „Claire-Klara-Clarisse“ wäre da mein letztes, wil ich am „Frühstück“ ja noch korrigiere.

Aber voriges Jahr ist zum „Indie-Bookday“ die Sommerfrischengeschichte mit der Sandra Winter, der Fatma Challaki, der Jelena Malatschuk und der Elenei Soulaki erschienen.

Da habe ich auch noch Exemplare, also wer übeer den Tellerrand schauen will und sich dafür interessiert, was eine seit über vierzig Jahren schreibende Frau, die ihre Bücher selber macht und sich mit ihren Kritikern darüber streitet, ob sie jetzt eine Hobbyautorin ist oder nicht, verfaßt, dem schicke ich es gerne zu.

Und hier noch ein Programmpunkt beziehungsweise österreichischer Werkschautip

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