Literaturgefluester

2018-07-24

Madame Hemingway

Im März 2013 habe ich ernsthafte Bücherbeschränkungspläne geschwungen, alle meine ungelesenen Bücher in meine Leseliste eingetragen und mir geschworen mir wahrlich nie und nimmer mehr ein Buch zu kaufen, sowie ein solches aus einem Bücherschrank zu nehmen.

Das habe ich, glaube ich, gerade einen Tag eingehalten, denn dann bin ich in der Karwoche zu diesem verpatzten Vortrag in den Klub logischer Denker gegangen und da natürlich an einigen der Schränke vorbeigekommen.

Im „Wortschatz“ ist glaube ich Norbert Gstreins „Englische Jahre“ gelegen und in dem in der Zieglergasse,  Paula Mc Lain „Madame Hemingway“, ein Buch von dem ich zwar keine Ahnung hatte, um was es ging, das Cover ist aber damals in diversen Blogs aufgeschienen. Ich habe gedacht, du darst, brauchst, mußt nicht und habe dann nach dem Buch gegriffen, nach diesem und auch nach Michael Köhlmeiers „Idylle mit Hund“.

Am nächsten Tag habe ich mir zwar geschworen, die Bücher zurückzubringen, ging aber gar nicht so einfach, weil wir ja nach Harland in die Osterferien gefahren sind, dann habe ich sie behalten, Köhlmeiers „Idylle“ ist noch immer nicht gelesen, „Madame Hemingway“ auf meiner heurige Leseliste, ich habe da inzwischen ein bißchen umdisponiert, gerutscht und ist jetzt die zweite Biografie, in Folge, die ich lese, und nach Ralph Dutlis „Soutine“ wird noch Alfred Polgars „Marlene“ an die Reihe kommen.

„Madame Hemingway“, der Titel läßt schon darauf schließen, daß es sich dabei, um eine Frau oder Geliebte von Ernest Hemingway , dem Nobelpreisträger von 1954, von dem „Wem die Stunde schlägt“ im Bücherkasten meiner Eltern gestanden ist, „Fiesta“ und „in einem fernen Land“ habe ich gefunden, aber noch nicht gelesen, der „Alte Mann und das Meer“ ist, glaube ich, Schulstoff und hat mir nicht so besonders gut gefallen und Alkoholiker war Ernest Hemingway, glaube ich, auch.

Von seinen Frauen hatte ich aber keine Ahung und nicht gewußt, daß die 1891 geborene Hadley Richardson, die erste Frau des acht Jahre jüngeren Hemingway war und die 1965 geborene Paula Mc Lain, die kreatives Schreiben studierte und in einigen Künstlerkolonien gelebt hat, hat aus den biografischen Quellen, wie sie anmerkt, aus Briefen und Tagebüchern einen Ich-Roman mit der Stimme von Hadley daraus gemacht. Ein paar Szenen sind auch dem Meister selbst gewidmet, der dabei ziemlich unsympathisch hardcoremäßig daherkommt.

Hadley Richardsen, eine Pianistin hat den Jüngeren in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren kennengelernt. Sie heiraten bald und  zog mit ihm nach Paris, wo sie in Künstlerkriesen lebten, mit Gertrude Stein, F. Scott Fitzgerald und anderen befreundet war.

Hemingway war in dieser Zeit journalistisch tätig, mußte während der Griechenland-Türkei Konflikte an die Krisengebiete reisen und ließ seine Frau ungerührt, für Monate allein zuirück. Er betrog sie auch mit anderen Frauen. Dafür hat sie seine Manuskripte, die sie in einen Koffer packte und zu ihm bringen wollte, im Zug verloren und schwanger wurde sie auch bald, obwohl Hemingway eigentlich kein Kind wollte.

Es wurde aber sohn Bumby geboren. Da ging das Paar kurz nach Amerika zrück, da Hemingway aber nur einen schlechtbezahlten Redakteursposten hatte und von seinem Chef schikaniert wurde, gingen sie bald, obwohl sie in prekären finanziellen Verhältnissen lebten, wieder nach Paris zurück, beziehungsweise nach Spanien zu den Stierkämpfen.

„Fiesta“ wurde geschrieben, die Sammlung „Three Stories and Ten Poems“ wurde veröffentlicht und Paula  McLain deutet an, daß Hadley Hemingway künstlerisch gefördert hat. Die Winter verbrachte das paar trotz der schlechten finanziellen Verhältnisse in Voralberg, in Schruns und da lernte  Hemingway bald Pauline Pfeiffer kennen, mit der er Hadley ungerührt betrog. Die Ehe wurde geschieden. Pauline wurde Hemingways zweite Ehefrau, die dritte Martha Gellhorn, die vierte Mary Welsh.

Hadley hat auch wieder geheiratet und Hemingway hat sich 1961 umgebracht. Vorher kam es laut Pula Mc Lain noch zu einer Begegnung der beiden und ich kann sagen, daß es sich gelohnt hat, die Vorsätze gebrochen und das Buch nicht zurückgebracht zu haben.

Jetzt habe ich mein Wissen über Ernest Hemingwax, der in dem Buch, wie schon geschrieben, nicht sehr sympathisch erscheint, aufgefrischt und das 2011 bei „Aufbau“ erschienene Buch scheint heute wieder vergessen,  auf jedenfall ist es von den Blogs verschwunden, aber ich habe ja, bevor das Herbstneuerscheungs- und das Buchpreislesen beginnt, vor, meine Backlist aufzulesen und mal sehen, viellecht kommt Hemmingway auch noch  im Original an die Reihe.

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2018-07-02

Zauner lesen

Den am 2. Dezember 1959 in geborene und am 30. Juni 2016 verstorbenen Hans Jörg Zauner habe ich in der GAV und im Umkreis des „Fröhlichen Wohnzimmers“ kennengelernt, obwohl er in seiner Dichtung, glaube ich, radikaler und experimenteller, als Ilse Kilic und Fritz Widhalm war. Er hat auch in der „Editon neue Texte“, die von Heimrad Bäcker herausgegeben wurde, verlegt und war ein „Ritter-Autor“, wenn man bei „Wikipedia“ nachgooglet, staunt man über die Vielzahl der Texte, die er herausgebracht hat. Er hat auch eine Menge Preise bekommen und 1996, wie immer im rosa Anzug und einer futoristischen Brille in Klagenfurt als Erster gelesen, in dem Jahr, wo ich mir den Spaß gegeben habe und einmal auf eigene Faust und eigene Kosten hingefahren bin.

Gewonnen hat er nichts und kam glaube ich auch nicht in die Endauswahlrunde und dann habe ich ihm auch noch ein bißchen später einmal in einer Galerie bei einer experimentellen Lesung gehört. Im vorigen Jahr war ich im Cafe Prückl bei der Sommerlesereihe, als ich von seinem Tod, er ist, glaube ich, nach einer Narkose nicht mehr aufgewacht, erfahren habe.

Heute gab es in der Sommerlesereihe des Lesetheaters eine von Christine Huber initierte Gedenkveranstaltung, wo  wieder Freunde und Weggefährten und nicht die üblichen Lesetheaterleser, sondern Gerald Jatzek, Christian Futscher, Kurt Neumann, Jopa Joakin, Ilse Kilic und Fritz Widhalm, Peter Pessl, Thomas Havlik, Richard Obermayr und Erhan Altan, die ganze experimentelle Riege halt, eingeladen hat, aus dem 2016 bei „Ritter“ erschienenen Buch “ 99.144 gedichtnasenlöcher schiessen auf mich bis alles passt“ und ich muß sagen, ich habe nicht gewußt, daß Hans Jörg Zauner ein solcher Hardcoverexperimenteller war, wie man wahrscheinlich schon am Titel des Buches erkennt.

Eine Aneinanderreihe lauter schöner neu zusammengesetzter Worte und kein Sinn. Ja nicht einmal ganze Sätze. Wo bleibt da der Inhalt, kann die realistisch schreibende Autorin, die ja schon einiges in Sachen Experiment gewohnt ist, fragen? Hat das auch, beziehungsweise große Mühe, alles zu verstehen und die Worte möglichst aufzuschreiben, denn von Sinnerfassen konnte nicht die Rede sein.

Trotzdem war es sehr eindrucksvoll, haben doch Ilse Kilic und Fritz Widhalm im Duett gelesen, Erhan  Altan hat sich seinen Zauner teilweise auf Türkisch übersetzt oder ihn übersetzt bekommen und Richard Obermayr, der zufälligerweise wie ich mich erinner kann 1996 auch in Klagenfurt gelesen hat und der für mich eigentlich zusammen mit Andrea Winkler der Inbegriff der Sprachrauschler ist, aber der bildende Künster Hans Jörg Zauner ist mit Sicherheit experimenteller,  hat eine mich beeindruckende Variation auf die Worte „Ach bleib“ gelesen und hinzugefügt, daß diese Variationen das Thema bis zu Unkenntlichkeit verzerren kann.

Da fällt es der realistischen politischen psychologisch schreibenden Autorin schwer, den Sinn der Sache zu verstehen. Obwohl es sicherlich ein schöner Wortrausch und Neusprachschöpfungsregen war, der von den Lesenden teilweise als Gedicht bezeichnet wurden. Nun Gedichte sind für mich etwas anderes, trotzdem war es interessant, sich an Hans Jörg Zauner in seinen rosa Anzug und seine schmale Brille zu erinnern.

Ich habe mich auch mit einem Chemiker, den ich vorige Woche bei der Ungar-Lesung in der „Alten Schmiede“ getroffen habe, auch lange über die Zaunersche Sprachkunst unterhalten, dabei auf den Alfred gewartet, der wieder aus Amerika zurück ist, der kommen wollte, es aber nicht bis dreiviertel neun, wo ich gegangen bin, schaffte

2018-05-17

Seht, was ich getan habe

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Jetzt kommt, nein, kein Krimi, auch wenn es vielleicht so angekündigt wird, sondern die literarische Aufarbeitung eines realen bis heute ungeklärten Mordfalls, der 1892 in Fall River, USA passierte und dem sich die in Melbourne lebende Sarah Schmidt, die einen Master in kreativen Schreiben und als Bibliothekarin gearbeitet hat,  in ihrem Debut angenommen hat.

Im August 1892 wurden in Fall River Andrew Borden und seine zweite Frau Abby von einer Axt erschlagen  aufgefunden.

Im Haus ist das irische Hausmädchen Bridget und die zweiunddreißigjährige Lizzy, ihre um zehn jahre ältere Schwester Emma, ist bei einer Freundin auf Besuch. Mehrere Indizien weisen auf Lizzy.  Sie wird des Mordes angeklagt. Verbringt zehn Monate im Gefängnis, wird dann freigesprochen und stirbt nachdem sie sich 1905 von ihrer Schwester trennte und nie mehr mit ihr gesprochen hat, 1927.

Das findet man so bei „Wikipedia“ und auch in der Zeittafel, die Sarah Schmidt dem Roman angefügt hat, den sie, sie hat wohl sehr gut  recherchiert und auch einige Zeit in dem Wohnhaus der Bordens, das heute ein „Bed und Breakfast“ ist, zugebracht, aus vier unterschiedlichen Perspektiven erzählt und hier sowohl Lizzy, als auch der älteren Schwester, dem Hausmädchen und einem Mann namens Benjamin, der offenbar fikitiv ist, eine Stimme gibt.

Die meistens Kapitel spielen am Tag des Mordes, beziehungsweise davor, so wird das Geschehen sehr gründlich durchgekaut, beziehungsweise spielen auch Rückblenden in die Vergangenheit eine größere Rolle, eines auch 1905, als Emma, die Schwester verläßt und nun werden die Geschehnisse aus den unterschiedlichen Perspektiven und Blickwinkeln aufgerollt oder wiedergekaut, wie man weniger wollwollend schreiben könnte.

Es beginnt damit, daß Lizzy, den zerstümmelten Vater findet, sie schickt das Hausmädchen zum Arzt, die Nachbarin kommt und danach die Polizei, während Emma zu dieser Zeit noch bei ihrer Freundin ist und eigentlich beschlossen hat, dort Malunterricht zu nehmen und nie mehr zurückzukommen.

Das Hausmädchen erzählt auch ihre Sicht der Dinge. Sie will eigentlich nach Irland zurück, Abby Borden läßt sie aber nicht, nimmt ihr sogar das gesparte Geld weg und Emma ist Lizzy bös, weil die einige Zeit in europa war, was sie nicht durfte.

Emma hat nachdem ihre Mutter bald nach Lizzys Geburt gestorben ist, die Schwester sozusagen aufzezogen, bis eben die Stiefmutter ins Haus kam, die von Lizzy immer noch als Missis Borden angesprochen wird, kümmert sich auch nach dem Mord sehr um sie und verläßt sie erst 1905, denn das hat sie ihrer Mutter so versprochen und als sie doch einmal heiraten will, erwischt sie Lizzy mit ihrem Bräutigam beim vorehlichen Sex, erpresst Emma mit ihrem Versprechen, die sich dann von ihrem Verlobten trennt.

Das ist vielleicht so fiktiv, wie die Tatsache, daß der Vater kurz vor dem Mord, Lizzys Tauben den Kopf abhackte, weil sie Schmutz machen und Krankheiten bringen. Der Einbruch, der früher stattfand und weshalb auch alle Türen abgesperrrt werden, findet man, glaube ich, bei „Wikipedia“ und hier steht auch, daß er Lizzy zugeschrieben wurde.

Es kursieren auch allerlei Krankheiten und Gerüchte, um Vergiftungen, wegen verdorbenen Essen, die in den letzten Tagen passierten und so ist auch der Onkel John zu der Familie gekommen, um sich um die beiden Mädchen zu kümmern.

Hier wird es dann wahrscheinlich wieder fiktiv, denn der Onkel lernt auf seiner Reise einen sehr gewalttätigen jungen Mann namens Benjamin kennen, der sich an seinem Vater rächen will und beauftragt ihn wohl in das Haus einzudringen und Andrew zu ermorden. Der kommt auch, findet eine Gelegenheit in das versperrte Haus zu kommen, findet aber nur die Leichen und man weiß wieder nicht, wer es getan hat, nur wie es vielleicht gewesen sein könnte.

Was bei einem Roman, um einen ungekärten realen Mordfall auch sehr schwierig ist, weil man da ja seine Phantasie nicht zu sehr spielen lassen kann, sondern sich an die Fakten halten sollte. Wenn man das tut, wird es aber vielleicht ein wenig langweilig, beziehungsweise kommt man auch nicht weiter, als zu dem, was  schon in den Polizeiakten steht.

So beklagen sich bei „Wikipedia“ auch einige Leser wegen der nicht stattgefundenen Spannung, die zwar „unheimlich und fesselnd zugleich“ am Buchrücken versprochen wird, wo auch etwas von einem „neuen literarischen Talent“ steht.

Nun das habe ich auch nicht so gefunden. Zwar schafft die Autorin, glaube ich, ein sehr dichtes Bild von dem stickigen Leben im vorvorigen Jahrhundert, das zwei ältere Mittelschichttöchter im Haus eines autoritären Vaters und wahrscheinlich streitsüchtigen Stiefmutter führen mußten, mit allen Sinnen zu zeichnen. so daß man den Miff und den Gestank förmlich riechen kann.

Spannend habe ich es aber eigentlich nicht empfunden, sondern eher langwierig und weitschweifend und am Schluß weiß man wahrscheinlich auch nicht wirklich, was damals in dem Haus geschehen ist, hat sich aber ein bißchen mit dem Fall beschäftigt und ist in die Vergangenheit eingetaucht.

Den gewalttätigen Benjamin habe ich auch als etwas störend, unsympathisch und unrealistisch empfunden. Er war aber wahrscheinlich das Spannungsemelemt, das Sarah Schmidt brauchte, um in in die Geschichte einzutauchen und einen Roman aus den Polizeiakten zu machen.

Was mir aber an dem Buch wirklich gefällt und was wahrscheinlich der Grund war, warum ich es mir schicken ließ, ist das schöne Cover. Die Frau in dem schwarzen Kleid mit dem weißen Kragen, von der man nur den Rücken sieht und die ihre Hände auch dorthin verschränkt.

2018-04-24

Zehn Seiten Lesen zum Welttag des Buches

Seit einigen Jahren wird am 23. der Welttag des Buches gefeiert, weil da in Katalonien Blumen und Rosen verteilt werden und Cervantes und Shakespeare gestorben oder geboren worden sind.

Seit einigen Jahren wird da vom österreichischen Hauptverbandein Gratisbuch verteilt, daß ich mir immer sehr begierig hole und das meistens aus Buchproben, die zu einem bestimmten Thema,  besteht, die eben Lust aufs Lesen machen sollen.

„Anfänge“ heißt der heurige Band, der mit Unterstützung der Zeitschrift „News“ von Heinz Sichrovsky herausgegeben wurde und das heurige Thema des schönen grünen Buches sind die ersten zehn Seiten von dreizehn eher jüngeren österreichischen Gegenwartsautoren beziehungsweise Autorinnen.

Ich holfe mir ja immer das Buch und lese es dann nicht, weil erstens keine Zeit, denn meine Leseliste ist ja sehr lang und dann bin ich  auch kein wirklicher Leseprobentyp, das heißt einige der Bücher: „Erlesenes Menü“, „Erlesenes Reisen“ und „Erlesenes Europa“, alle anderen nicht habe ich geschafft.

Also habe ich zuerst überlegt, daß das Büchlein wahrscheinlich weit unten auf meiner Leseliste landen wird und leider leider, wie so viele andere nie gelesen werden wird, obwohl ich es seit einigen Jahren bei der Bücherinsel ganz problemlos bekomme.

So war es auch heuer. Es war zwar eine Dame vor mir in der Buchhanlung die das Buch dann auch bekommen hat und mit einem Blick auf das Buch. beziehungsweise die Gegenwartsrome oder auch des einen Lyrikbandes von dem da als Appetizer, die ersten zehn Seiten abgebildet waren,  damit sich möglichst viele Leute in die österreichische Gegenwartsliteratur einlesen werden, habe ich aufgeatmet und erleichtert gedacht: kein Problem, das Buch kann ich besprechen und auf meine heurige Leseliste setzen, denn die meisten der Bücher habe ich schon gelesen. bezeihungsweise bei den „O-Tönen“ oder anderswo schon davon gehört.

Also los zu meiner Buchbesprechung über ein nicht gelesenes Buch, was ja auch eine sehr originelle Sache ist. Das Cover ist schön grün „Anfänge – neue österreichische Literatur steht darauf.“

Dann gibt es eine Einführung für die, die es noch nicht wissen, was der „Welttag des Buches ist, danach ein Vorwort und ein Bild von Heinz Sichrovsky, der, glaube ich, News-Redakteur“ ist.

Der erzählt, daß die österreichische Literatur sehr vielfältig ist, erwähnt vorher was ja eigentlich nicht so österreischisch ist, Frau Ava und Heinrich Heinre, kommt danach ein bißchen österreichischer, zu Peter Handke und Elfriede Jelinek und dann kommen wir schon zum Inhaltsverzeichnis, beziehungsweise zu der Aufforderung „Entdecken Sie die Anfänge – die ersten zehn Seiten der folgenden Werke.“

Ich weiß nicht, wer das macht und mir bleibt, wie schon erwähnt, gar nicht so viel zu entdecken, aber los mit einem klienen Einblick in meiner Lesestatistik oder meiner Öeseausbeutung, obwohl Nava Ebraimis, der 1978 in Tehern geborene zweiten österreichischen Debutpreisträgerin „Sechzehn Wörter“ habe ich nicht gelesen, obwohl ich es nach Bekanntgabe der österreichischen Buchpreisliste im vorigen September angefragt habe.

Dafür war ich aber bei der Debutpreisvorstellung in der Arbeiterkammer und auch bei der Preisverleihung, habe also einen kleinen Einblick bekommen und wenn ich das Buch mal finden werde, werde ich es natürlich lesen, sofern es zu mir kommen sollte.

Buch zwei ist dann der Unbekannte in der Leseprobensammlung, nämlich Christoph Linhers „Ungemach“, denn von dem 1983 in Bludenz geobrenen, der Germanistik studierte, habe ich noch nie etwas gehört und daher auch sein bei „Müry Salzmanm“ erschienenes Buch noch nicht gelesen. Also ran an die Leseprobe, damit die Neugier wächst und vielleicht habe ich Glück und ich finde es einmal. ich freue mich schon darauf und bin voll gespannt, aber eigentlich keine Leseprobeleserin, weil ich ja am liebsten gern das Ganze haben will.

Zum Glück gehts dann mit etwas Bekannten weiter, nämlich mit Irene Diviaks „Liebwies“, die auch auf der letzten Debutpreisliste gestanden ist. Da habe ich das Buch gelesen und es hat mir auch gut gefallen, so daß ich es sehr gern auf der Shortlist des „Bloggerdebutpreises“ gehabt hätte, wo es aber nicht gestanden ist.

„Chicago“ das zweite Buch der 1990 in Wien geborenen Theodora Bauer habe ich ebenfalls gelesen. Dafür steht noch das „Fell der Tante Meri“ irgendwo in meinen Regalen und warten auf das Lesen und in „Chikago“ geht es für alle, die es wissen wollen, um das Auswandern aus dem Burgenland in die USA und wieder zurück und es ist bei „Picus“ erschienen.

Marie Luise Lehners „Fliegenpilze aus Kork“, ist nicht der Debutroman, der 1995 geborenen Sprachkunststudentin und „Alpha-Preisträgerin“, deren nchstes Buch im Herbst bei „K&S“ erscheinen wird und von mir schon bestellt wurde.

Larua Freudenthaler wurde 1984 in Salzburg beboren. Ihr Debutroman „Die Königin schweigt“ wurde letzten Sommer bei den „O-Tönen“ vorgestellt und sehr gelbot. Ihr erstes Buch, das ich mir einmal von einer „Buch-Wien“ mitgebracht habe, liegt auf meinen Regalen, heißt „Der Schädel von Madeleine“ besteht aus „Paargeschichten“ und auch bei „Müry Salzmann“ erschienen.

Elias Hirschl bei „Jung und Jung“ erschiene Erfahrungen eines Zivildieners „Hunder  schwarze Nähmaschinen“ habe ich auch noch nicht gelesen, aber bei einer Lesung im Literaturhaus gehört. Gespannt auf das Buch bin ich auch und warte, daß ich es einmal finden.

Dann kommt ein Lyrikbändchen, das mir Anita Keiper vor einiger Zeit freundlicherweise zuschickte, nämlich  Mario Hladicz „Gedichte zwischen Uhr und Bett“ , für mich eine Überraschung, das  Heinz Sichrovsky für die österreichische Literatur  Entdeckung der Durchhschnittleser, auch Lyrik aussuchte und ich zitiere aus „Einem Tagebuch“:

„heute ein Tag an dem sich kaum etwas verleugnen ließ.

Die Umgebung leuchtete in den Farben die ihr zugeteilt worden waren.

Vormittag warf ein Nachbar

Erinnerungen weg in rauhen Mengen.

Bald darauf kam die Post nur aus Routine.“

Aufmerksame Leser werden sich jetzt denken, daß ich bei der Behauptung, ich hätte das Leseprobenbüchlein schon gelesen,  ein bißchen hochgestapelt habe, denn auch Sophie Rayers „Schildkrätentage“ habe ich nur bei einer Lesung in der „Alten Schmiede“ gehört und muß das Buch erst finden oder die ersten zehn Seiten lesen.

Dann kommt Cordula Simon „Der Neubauer“ und meine Leser werden genüßlich schreien: „Ätsch, Ätsch, auch noch nicht gelesen, du Angeberin! und ich antworte darauf „Stimmt, aber das Buch liegt schon in meinen Badezimmer, da  es mir „Residenz“ freundlicherweise und ganz unverlangt zusandte.Ich werde noch cirka fünf Bücher vorher lesen und dann ist es schon dran. Lesung habe ich noch keine daraus gehört, obwohl Cordula Simon glaube ich in Leipzig daraus gelesen hat und Alfred hat  das Buch auch für die Anna zum Geburtstag gekauft.

Dafür habe ich Mascha Dabics „Reibungsverluste“ gelesen, denn das Buch stand ja auf der österreichischen Debutpreisliste und es hat mir sehr gefallen. In der „Alten Schmiede“ und bei den „O-Tönen“ habe ich auch daraus gehört.

Jakob Pretterhofers „Tagwache“, die Erfahungen eines Wehrdieners habe ich auch bei den „O-Tönen“ kennengelernt. Gelesen ist es auch noch nicht. Es liegt aber in den Regalen und vorher ist es beim Literaturhaus-Flohmarkt gelegen und da habe ich es mir vor ein paar Wochen kurz nach Ostern gekauft.

Dann gibts noch Raphaela Edelbauers „Entdecker, eine Poetik“ und die ist glaube ich auch eine Sprachkunststudentin. Ich habe sie bei der letzten „Buch-Wien“ lesen gehört und mir überlegt, ob ich Ralph Klever wegen dem Buch anschnorren soll, ihn dann aber nicht gesehen und Raphalela Edelbauer hat inzwischen mit ihrem Buch in „Rauris“ gewonnen.

So durchgelesen durch das Leseprobenverzeichnung. Leser, habt ihr mitgezählt? Fünf Bücher habe ich gelesen. Zwei werde ich früher oder später lesen. Die meisten Anderen auf einer Lesung gehört und eines ist mir völlig unbekannt. Also vielleicht doch auf die Leseproben stürzen…?

Ansonsten ist dieser „Tag des Buches“ eher ziemlich an mir vorübergegangen, obwohl Ingrid J. Poljak ja schon am Samstag diesbezügliche Lose verteilte. Vor einigen Jahren gab es bei Anna Jeller zwei Blinddates mit ihren Leseexemplaren und bei einem Grätzelfest habe ich einmal auch aus meinen Büchern gelesen.

Im Vorjahr gab es eine Lesung im Hauptverband, vor zwei Jahren ein Bild von dem Buch auf meinen Blog und ein anderes Bildshooting habe ich in St. Pölten auch einmal gemacht und noch ein paar andere Welttagartikel geschrieben.

Ansonsten habe ich gestern zwei Bücher im offenen Bücherkschrank gefunden, eines wieder zurückgegeben, weil doch nicht so ganz zu meinem Bücherschema passend. Melissa Broders „Fische“ habe ich von „Ullstein“ ein zweites Mal zugeschict bekommen und jetzt kann ich mir aussuchen, ob ich es der Anna schenken oder in den Bücherschrank legen kann und Gerlinde Hofer vom „Ohrschmaus“ getroffen. Ihr „Mimis Bücher“ gegeben und mit ihr über eine mögliche Lesung daraus gesprochen, aus der ich ja schon einmal bei einer „Bücherschrank-Lesung“ gelesen habe.

So und jetzt auf in die Badewanne um bis zu meiner ersten Stunde ein Stückchen in Antonia Baums „Still leben“ weiterlesen, damit ich bald zu Cordula Simon komme.

2018-04-16

Alte Engel

Noch ein Debut, diesmal eines, das schon auf der „Blogger-Debutlonglist“ steht und das ich mir aus Leipzig mitgebracht habe. Simon Grimm vom „Rowohlt-Verlag“ hat es mir mit freundlichen Grüßen mitgegeben und mir auch ein bißchen was zu der Autorin und dem Buch erzählt, von der ich noch nie etwas gehört habe.

Mareike Schneider wurde 1881 geboren, lebt in Leipzig, studierte in Hildesheim und hat 2014 beim „Open Mike“ einen Preis gewonnen und dann würde ich noch vermuten, daß ihr erster Roman ziemlich autobiografisch ist.

Denn da geht es um Franka Raben, eine abgebrochene Kunststudentin, die mit ihrer Katze Käthe in das Haus ihrer Großmutter Marie fährt, um ihren Vater, der Maries Schwiegersohn ist, bei der Betreuung der alten Frau zu helfen.

Franka hat, wird angedeutet keine andere Wahl, weil keine Wohnung, die prekären Verhältnisse der Generation Dreißig wird wieder einmal thematisiert. Sie sucht sich auch einen Job und verkauft dann Brötchen in einer Billigbäckerei oder steht in der Kantine des Kulturhauses und das alles wird sehr skurril bizarr erzählt.

Mehr frech und rotzig, als poetisch, würde ich sagen und das Buch ist in drei Kapitel: Sommer, Herbst, Winter eingeteilt, die sich dann in jeweils mit einem bis drei Kreuzen markierten Abschnitten untergliedern. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Mareike Schneider, das wirklich komplett durchgehalten hat, daß ein Stern, die Vergangenheit der Großmutter, zwei Kreuze das Leben mit ihr und  drei die, prekäre Arbeitssituation und die Zukungsperspektiven der jungen Frau thematisieren. Es könnte aber so sein, vielleicht auch in anderer Reihenfolge.

Denn es geht in den über fünfhundert Seiten, in denen auch ein kurzer Anhang über die vogtlädische Sprache angefügt ist, denn die Oma kommt aus dem Vogtland und spricht noch diesen Dialekt, ein wenig ungeordnet zu.

Hier meine ich, hätte eine Kürzung und Straffung des Inhaltes und vielleicht eine Reduktion von hundert oder so Seiten genützt, denn es kann einem beim Lesen so vorkommen, als würde hier ungeordnet dahin erzählt.

Die Sprache ist frech und rotzig, hat durchaus originelle Wendungen, wie, wenn Franka ihrem Vater von der Herfahrt im Bus erzählt. Da saß sie mit dem Katzenkorb auf den Knien vor einer Frau, die sich darüber aufregte, daß man sowas ihrer Katzenallergie antuen könne.

Die Großmutter wird auch ein wenig rotzig frech geschildert. Sie ist Diabetikerin, ist blind oder stellt sich vielleicht nur so, jedenfalls hat sie die Augen ständig geschlossen, so daß ihr ein Zivi zugeteilt wurde, der sich um sie kümmern soll, den sie aber nur mit Keksen fütterte, so daß alles andere liegenblieb. So beschloß die Verwandtschaft, Hagen, der Schwiegersohn muß her. Die Mutter, die Wohnungsausräumerin ist, wollte oder konnte das offenbar nicht schaffen und Hagen, der auch ein origineller Mann ist und davon lebt, alte Sachen zu reparieren und seltene Plfanzen zu züchten, hat auch unkonventonelle Betreuungsmehthoden. Er baut im Winter aus dem Schnee auch einen Iglu und setzt die Oma dann auch einmal hinein.traße

Die Oma ist eine, die in der vogtländischen Sprache ständig schimpft und Hagetraßen immer noch detraßen „Moa“ nennt und Franka das „Madl“. Sie versteckt ihre Süßigkeiten an allen Ecken und Enden und schmatzt sie dann auf, während die Familie sich bemüht, ihr Diabetikeressen zu servieren.

Es geht aber auch in die Vergangenheit, der jungen Marie, die im World War II zwangsverpflichtet war. Ihr Haushaltsjahr bei verschiedenen Familien absolvierte. Sich dann mit dem Sohn der einen verlobte, der aber gefallen ist. So kam sie zu dem Opa in die DDR, der war Alkoholiker und meldete Oma vom Kindergarten, ihren Traumberuf, gleich ungefragt ab.

Mit der Katze gibt es natürlich auch Probleme , was wieder zu bizarren Szenen führt, wenn Franka versucht die schwarzgefärbte Katze in der Badewanne abzuduschen.

Ganz schwierig wird es zu Weihnachten. Da wird die Oma vorher, damit der Vater sich erholen kann, in ein Spital gebracht, das natürlich unterbesetzt ist und wo es ihr auch nicht gefällt. dann holen sie sie zu Weihnachten wieder ab, der Arzt ist trotz der Unterbesetzung dagegen und die Familie ist mit ihren selbstgebastelten Geshenken, die man früher „Aus der Not eine Tugend machen“ jetzt „recyclet“ nett, angekommen und auch mit den neunerlei Schnittchen, mit den man im Vogtland schon zu Weihnachten, das neue Jahr begrüßte.

Brot mit neun verschiedenen Aufschnitten, von denen man immer nur von jedes eines essen durfte. Das war früher ein arme Leute essen. Ein Brot mit Butter, eines mit Salz, eines mit Pfeffer, dann mit Pfeffer und Salz und so weiter und so fort, bis man satt gegessen war.

Jetzt gibt es natürlich viel bessere Aufstriche und als die Mutter mit den Platten kommt, muß sie sich über die Neffen und Cousins ärgern, die sich einfach gleich zwei der selben Sorte ergreifen und auf den Brauch pfeifen.

Weihnachten wird trotz des echten Weihnachtsbaumes, den Franka ihrer Oma schenkte, damit sie nicht immer im Plastikmüll leben muß, schrecklich, denn die Dilalyseschwester gibt ihr nur noch ein paar Tage und die Mutter steht schon am Dachboden und räumt sie Sachen aus, denn das ist ja ihr Beruf, während Franka das streng unterbindet.

Schließlich ist man eingeschneit, die Dialyseschwester kann nicht kommen und man diskutiert, ob man die Oma mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus bringen oder selber „Sterbehilfe“ leisten soll. Das sind die Stellen, wo die junge Frau vielleicht ein wenig übertreibt oder die Emotionen überschwappen. Aber ansererseits auch wahrscheinlich das, was man empfindet, wenn man mit zwanzig oder fünfundzwanzig  seine Großmutter beim Sterben begleiten soll.

Am Schluß gibt es das Begräbnis und die Pastorin lobt den Vater und Franka geht in ihren Erinnerungen in ihre Jugend zurück, wo sich alle manchmal mit Schneebällen auf einen Jungen stürzten, bis dieser am Boden lag und erzählt auch von den Aprilscherzen, die die Oma mit ihren beiden Töchtern machte, die ihr immer darauf hineinfielen und einmal, ein einziges Mal war es umgekehrt.

2018-03-06

Die dritte Schreibgruppenvariante

Heute also wieder Schreibgruppe, die unter einem ungünstigen Stern gestanden ist. Seit Februar 2017, seit das Cafe Fortuna, vormals Ludwig geschlossen wurde, finden ja die einmonatigen Schreibtreffs bei mir statt und seit die Kilics nicht mehr dabei sind, sind wir sechs Personen, Peter  Czak, der sich ja schon einmal krankheitshalber zurückgezogen hat, Klaus Khittl, Doris Klomstein aus St.Pölten, Ruth Aspöck, Robert Eglhofer und ich.

Im Jänner war Margit Heumann einmal Gast und die Schreibtreffen bei mir klappten immer erstaunlich gut, im Herbst 2016 noch im Cafe Ludwig waren sie ja ohne dem Peter eher schwach besucht und diesmal war das Treffen besonders wichtig, hatte Peter Czak ja um eine Verschiebung von Dienstag auf Montag gebeten, was ich mit der Gruppe besprechen wollte, er hat dann aber auch für heute abgesagt, die Ruth ist noch krank und der Robert hatte, obwohl er ja mit der Ruth zu Jasminka Derveaux Vortrag über dieLiteratur in Triest in den Pensionistenclub gehen sollte, eine Vorlesung und ist später gekommen. Er kann am Montag nicht, die Ruth auch nicht und zu dritt oder viert kann man ja eher keine Gruppenentscheidungen treffen.

Der Robert ist dann um sieben gekommen, obwohl wir die Treffen der St. Pöltner wegen auf sechs vorverlegt haben und als Thema habe ich, weil ich ja immer schon an meinem neuen Projekt arbeiten will, „Anfänge“ vorgeschlagen, das war dem Klaus aber zu allgemein, so schlug die Doris ein seltenes Tier vor, das war dann wieder zu konkret, also einigten wir uns auf „Auschluß“ weil der Doris vor kurzem etwas Derartiges passierte oder sie miterlebte und ich dachte, klar ich kann ja bezüglich meiner Magdalena Kirchberg über alles schreiben oder eigentlich auch über nichts, denn so wirklich weiß ich ja schon wieder nicht, über was ich jetzt schreiben will. Über eine Frau, die sich in ihrer Pension zuirückgezogen hat, die eine gleichnamige Tochter hat, ihr Leben ins Netz stellen will und am Abend vom Literaturhaus nach Hause geht und an der Kreuzug Ecke Hofmühlgasse-Pilgramgasse einen weißen BMW stehen sieht.

Das hatten wir nicht nur ein sondern sogar schon zweimal und für allle Kontrollfreas ich habe jetzt wirklich die selbe Szene dreimal geschrieben. Die Jänner und die Februarvariante gibt es oben zu sehen und, wie es weiter geht, werden wir vielleicht im April wissen und ebenfalls, wie und wann es mit der Schreibgruppe weitergeht, die ja jetzt schon sehr lang besteht und die eigentlich sehr lustig ist und zu der ich ja einmal nur dem Robert zuliebe als Gast hingehen und sie mir ansehen wollte.

„Ausschluß- ausgeschlossen- finito aus. Was sind denn das für Worte, die mir da durch den Kopf gehen, dachte Magdalena Kirchberg und seufzte aus. Sehr böse Worte, die an unangenehme Momente ihres Lebens erinnern konnten. An Ausschlußmomente- Kündigungserfahrungen-  und Abgrenzungen. Traumatische Ereignisse ihres Lebens, die sie geprägt hatten, noch prägen konnten und jetzt doch vorüber waren. Vorbei- finito- aus. Dabei hatte sie doch noch gar nicht mit ihrem Leben abgeschlossen, sondern war gerade erst einmal in Pension gegangen.

Ein Anfang also sozusogen, ein Neubeginn, eine neuen Lebensphase, in der sie sich gerade befand. Die sie seit Beginn des Monats angetreten hatte und auch genoß, weshalb ihr eigentlich unklar war, wieso sie sich ausgerechnet heute, als sie  von der Abendveranstaltung im Literaturhaus kommend, mit der Ausschlußfrage beschäftigte.

Ausschluß- ausgeschlossen- finito, aus, hatte sie gedacht, als sie den weißen BMW vorhin an der Kreuzung Wienzeile – Hofmühlgasse stehen sehen hatte und sie die Silouetten, der drei sich darin befindenden Personen, an Oberarzt Dr. Rössler von der Station 6B der psychiatrischen Universitätsklinik des  AKHs erinnert hatte und die sich im Fond befindende Frauengestalt erinnerte  an Schwester Hildegard. Was eigentlich ein Wahnsinn war und gänzlich unwahrscheinlich, denn ihr Aufenthalt auf Station 6B im AKH, war  dreißig Jahre her, so daß sich Dr. Rössler längst in Pension befinden mußte und die psychiatrische Krankenschwester Hildegard würde auch schon an die sechzig sein, während die  im Auto befindene Frauen zwischen zwanzig und dreißig gewesen war und sie sich also auf einer Reise in die Vergangenheit befand.

In ihre Vergangenheit, in eine unangenehme Phase ihres Lebens, an das sie das weiße Auto erinnert hatte. An eine schlimme Lebensphase, wo sie sich sehr ausgeschlossen, ausgegrenzt und abgeschoben gefühlt hatte, was zu dem damaligen Psychiatrieaufenthalt geführt hatte, der heute, da sie ihre Pension inzwischen angetreten hatte, lange schon vergessen war. Zumindest hatte sie das geglaubt. Das weiße Auto an der Kreuzung vor der sie auf das Grünwerden der Ampel gewartet hatte, hatte aber  alte Wunden wieder aufgerissen und sie eines anderen belehrt.

Magdalena Kirchberg hatte inzwischen ihre grüne Jacke ausgezogen und sie auf den Garderobenständer gehängt, danach die kleine Küche betreten. Hatte ein Glas von einem der offenen Regale genommen und sich Rotwein eingeschenkt. Einen tiefen Schluck genommen und danach, ein- beziehungsweise ausgeatmebnt. Sich zugeprostet und „Ausschluß- ausgeschlosen finito aus“, den Gedanken wiederholt, den sie seit einer halben Stunde ununderbrochen dachte und der nicht, obwohl er solange nicht vorhanden war, aus ihrem Kopf zu bekommen war.

In der Pension, das hatte sie sich schon  lange vorgenommen, würde sie sich ihrer Vergangenheit stellen und ihre Memoiren schreiben, beziehungsweise diese in Form eines Blogromans ins Internet stellen. Das hatte sie geplant und trotzdem, obwohl sie nun schon seit zwei Wochen Pensionistin war, noch nicht damit begonnen. Wahrscheinlich, weil es ihr nicht gelungen war, einen diesbezüglichen Anfang dafür zu finden. Was jetzt anders werden könnte, wie sie energisch dachte, als sie einen zweiten tiefen Schluck nahm und sich zuprostete. Ganz anders, denn wenn sie sie über ihren Ausschluß damals, die Ausgrenzung und Kränkung, die ihr einmal widerfahren war, schreiben wollte, könnte sie doch mit der Begegnung im weißen BMW mit Dr. Rössler, Schwester Hildegard und auch mit dem Unfallchirurgen Joachim Sandter, der eigentlich und ganz genau genommen, am Anfang ihrer Ausgrenzung stand, beginnen.“

2018-03-02

Lucky Lawyer

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:21
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Ich habe ja vor kurzem erst ein Buch gelesen, das von dem Autor stammte, von dem mir Frau Führer vor Jahren eines meiner ersten Rezensionsexemplare zukommen hat lassen. Dann hat sie zur „Buch-Wien“ gewechselt, „Braumüller“ vertreten und mir jetzt Ulrich Mannsfeldts Krimi über das Frankfurter Anwaltsmilieu zuikommen lassen. Das Debut eines Frankfurter Rechtsanwalts, der offenbar im Ruhestand zu schreiben begonnen hat, ein Buch das mir höchstwahrscheinlich sonst entgangen wäre und das in vieler Hinsicht sehr interessant ist.

Ich mag ja irgendwie Krimis, obwohl ich keine schreiben kann, weil ich Gewalt ablehne und meine Morde daher immer an den Haaren herbeigezogen und auch keine sind, ich lese sie aber eigentlich gerne, obwohl das ein Genre ist, bei dem die Literaturblogger meistens die Nasde rümpfen, einige Autoren, die ich kenne, aber welche zu schreiben anfangen, weil man damit offenbar noch immer Leser findet und die Herren Rechtsanwälte in Ruhestand dabei offenbar ein schönes Hobby haben, in dem sie vielleicht auch ihre Berufserlebnisse aufarbeiten können. Sie scheinen auch einen Verlag zu finden und wenn man jetzt die Nase rümpt, kann man auch gleich den Kopf schütteln, denn das Buch ist verdammt spannend geschrieben könnte man so sagen.

„Ein außergewöhnlicher Thriller aus dem Frankfurter Anwaltmilieu mit einem ganz eigenen rasanten selbstironischen Stil“, steht am Buchrücken, solches findet man glaube ich auch bei „Amazon“ und das stimmt genau.

Denn das Buch ist wieder einmal so nahe an der Autobiografie, daß man wahrscheinlich nicht so leicht unterscheiden kann was jetzt wahr ist und was erfunden oder doch natürlich alles, denn es geht ja hier um Ebola-Viren, um Spionage und auch um einen rasanten Sturzflug in die Arme oder geschützt durch den des CIA und dann beginnt es, Wolfgang Tischer aufgepasst, aber es geht ja hier nicht um den Blogbuster, mit einem Prolog, wo der  Ich-Erzähler erklärt, daß er jetzt wo er im Ruhestand ist, alles aufschreiben möchte und dann beginnt, die rasante Geschichte, die sich in sechs Tagen von Mittwoch oder Dienstag bis zum darauffolgenden Montag abspielt und sie fällt auf, daß sie sich einerseits fast bis zur Lächerlichkeit an das Krimimuster, das wir vom „Tatort“ und Konsorten kennen hält, dann aber wieder drüber steht und sich gehörend darüber lustig gemacht.

Der Ich-Erzähler ist, wie sein Autor Partner einer renomierten Anwaltskanzlei und er muß mit seinem Partner eine Pharmafirma vertreten, die nach Amerika verkaufen will. Da kommt es zum Streit mit dem Partner, Jochen Ehring, dem der Erzähler Paul Balmer Geldgier und Unehrlichkeit vorwirft. Der kommt dann,  um sich zu entschuldigen. Balmer weist ihn ab und als er dann auf der Autobahn zurück nach Frankfurt fährt, kommt er in einen Unfall und sieht das Auto seines Partner, das gegen eine Brücke gefahren ist.

War es Selbstmord, Mord, ein Unfall, der Sturm oder was auch immer? Die Ereignisse überschlagen sich rasant und das was ich mit der Lächerlichkeit meine, ist die Stelle, wo Balmer zu Imogen, Jochens Witwe, in die er heimlich verliebt ist, geht, um ihr zu kondolieren und die bittet ihm gleich in ihr Schlafzimmer ins Bett.

Nicht so kitschig, habe ich gedacht und etwas später vermutet, daß sich der Autor hier ganz bewußt lustig über die herkömmlichen Krimis macht und er macht sich auch über anderes lustig, über seine oder Paul Balmers Schwierigkeiten mit dem Computer. Er kann gerade mal E-Mails lesen und das Internet benützen, so daß ihm die <juniorpartner, die ja unter ihm stehen, in dieser Weise über den Kopf wachsen und er auch ihre Hilfe braucht.

Er braucht auch die hilfe seiner Putzfrau, die ihm immer die Blumenarrangements besorgt und seiner Sekretärin, da ist dieser Paul Balmer ganz konservativ und auch überheblich, andererseits gibt es aber berührende Stellen, wie beispielsweise, die mit der wahrscheinlich ukrainischen Reinigungsberaterin, einer Putzerei, die noch nur gebrochen Deutsch spricht und der Rechtsantwalt ahmt sie automatisch nach und schämt sich dann darüber.

Es geht auch um Low und order, um die Fragen, wie viel man lügen muß, um durch das Leben zu kommen, ob Geld alles ist und, wie korrupt man als Anwalt wird und ob man eine Chance hat, dem zu entkommen?

Die Ex-DDR spielt eine Rolle, Jochen Ehrling kam von dort und war ein Stasi-Mitarbeiter, wie auch der Pharmamann, dessen Firma er betreute und die war in miese Geschäfte mit Ebola-Viren verwickelt, wie Paul Balmer bald herausfindet, als er plötzlich von zwei Arabern verfolgt wird, die ihn für den dritten Geschäftspartner halten und von ihm ein Päckchen wollen.

Es geht dann auch, um eine CD hinter der, der CIA her ist und Imogen, die schöne Witwe ist, als Paul zu dem Date mit ihr kommen will, plötzlich verschwunden. Zuerst vermutet er, daß sie von dem Pharmamann entführt wurde, fährt zu ihm und wird bedroht, da gibt es auch ganz schön spannende Stellen mit viel gewollter Action, bis zum Mord durch einen Polizisten und der Gewissensfrage, wie es einem solchen nachher geht.

Sie wurde aber vom CIA entführt, soll den Namen eines Anrufers bekanntgeben, tut das aber nicht, weil sie ein Gewissen hat, und der CIA ihr nicht garantieren kann, daß er nicht zum Opfer wird, wenn er denPakistani, inzwischen geht es auch um terroristische Anschläge der IS, die mit den Viren ausgeführt werden sollten, in die Hände fällt.

Jetzt schalter sich Paul Balmer ein, wird vom CIA nach Amerika geflogen, die Szenen die sich da in dem Flugzeug abspielen, sind durchaus köstlich und sehr zum Lesen zu empfehlen und am Ende, das kann die spamerin in mir, auch noch verraten, geht alles gut aus.

Paul bekommt seine Imogen, wird sogar zum späten Vater und einen Epilog gibt es auch und ich, die ich das Frankfurter Milieu, ja nur von den zwei Buchmessen kenne, ich ich einmal dort besucht habe, habe ein sehr interessantes Buch gelesen, das ich jeden Krimilieser, der die spannende Unterhaltung liebt und vielleicht auch noch ein bißchen Drumherüber haben will, nur empfehlen kann.

2018-02-27

BuK mit Lyrik

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:52
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Der März, der Monat der Lyrik naht, wo es das Podium mit seiner Gedichtsonderausgabe gibt, die „Gesellschaft für Literatur“, die Lyrik feiert und die GAV hat  auch ihren speziellen Tag mit der speziellen Veranstaltung, weil das Gedicht ja ein Genre ist, das sonst weitgehend untergeht, in den Buchhandlungen höchstens die Nischen füllt, aber sonst alle stöhnen oder aufjubeln, wenn den Leipziger Buchpreis einmal ein Lyrikband bekommt.

Es gibt sie aber die Nischen und die Nischenverlage und die die eigene Lyrik herausbringen, wenn sie auch nicht den Mainstream füllen und sich die Buchhändler wahrscheinlich auch nicht den Lyrikpreisträger wünschen, wenn sie schon mit dem Buchpreisträger meistens unzufrieden sind.

Es gibt aber auch  Joachim Ringelnatz, Eugen Roth und H. C Artmann, man sieht wie vielfältig und widersprüchig dieses Thema ist und da bin ich noch gar nicht bei der Einleitung, die das BuK Team, dieser Buchhändler oder Verlagsstammtisch zu dessen Veranstaltungen ich seit einiger Zeit regelmäßig gehe, für ihre heutige Veranstaltung „You don`t realy care for lyric, do you“, entworfen haben und auf jeden Fall haben sie eine hochkarätige Diskutantenrunde aufgestellt. das Who is who der Wiener Szene könnte man so sagen, Stephan Eibel Erzberg, der Paradedichter, ser sein wöchentliches Gedicht in der Wienerzeitung hat und damit angeblich oder auch tatsächlich hunderttausend Leser findet, Michael Hammerschmid, der „Alte Schmiede-Lyric-Festival“ Veranstalter und „Priesnitz-Preisträger,“ Johanna Öttl, die glaube ich, Assistentin in der AS ist oder war und Verlegerin des kleinen aber feinen „Hochroth-Verlages“, den ich in letzter Zeit ständig überm Weg laufe und Violetta Parsini, die Sänger Songweritering, die ich  bei den O Tönen hörte und moderiert wurde, das Ganze von Slamer Robert Prosser, ein hochkarätiges Programm also für das gar nicht so große Buchhändlerpublikum, aber vielleicht war das kalte Wetter schuld daran.

Und das Thema ist ja vielfältig, wir alle haben oder die älteren von uns Gedichte in der Schule gelernt, dann schreibt man sie vielleicht auch, aber wer liest sie schon? Aber wenn es Poetry Slam im Literaturhaus gibt, muß man eine Stunde vorher dort sein, um einen Platz zu kommen, aber Slams sind keine Lyrik, natürlich klar und so eröffnete Robert Prosser die Diskussion auch mit einem Rundumschlag und einem Anriß sämtlicher Themengebiete, erzählte von einer Lyrikveranstaltung bei der er gestern war und die ein durchaus junges Publkium und durchaus junge Lyriker hatte und er hatte ja auch erst vor kurzem eine Veranstaltung in der AS , wo er für die „Lichtungen“ die lyrischen Vereine zusammenstellte.

Johanna Öttl, dieHochroth Verlegerin stellte ihre Reihe vor, Michael Hammerschmid seine Festivals, jetzt wird ja auch bald wieder eines in der AS geben und das gibt es das kleine „Dichterloh“ und die größere „Poliversale“ und er meinte seine Organisationstätigkeit würde aus dem Lesen bestehen und darauf würde dann das Programm für seine Veranstaltungen entstehen.

Violetta Parsini meinte, daß sie gar nicht massentauglich sein wolle und wurde prompt von Stephan Eibel Erzberg unterbrochen, der mit seinen Ideen für die Gedichte ja die Runde macht, er hat zwar einen anderen Lyrikbegriff, wie Johanna Öttl, spricht aber Politiker an, mit der Idee Wien am fünfzehnten März zur „Stadt der Poesie“ zu machen, wo alle Schwarzfahrer keine Strafe zahlen müßen, wenn sie ein Gedicht aufsagen können und da  wären wir, wenn das ginge, schon bei den Massen und ich muß Viloetta Parsini auch widersprechen wenn sie meint, daß man zumLyriklesen länger braucht, ich eher nicht, wenn ich das mit den langen Romanen vergleiche, die ich sonst eher lese, dieLyrikbändchen blättere ich durch, auch wenn ich da vielleicht nicht immer so aufmerksam bin und Stephan Eibel Erzbergs Lyrik ist ja auch nicht so komploiziert auch wenn die Tageszeitungen die er Ansprucht keine mit erotischen Symbolen haben wollen. Zu politisch sollen sie auch nicht sein, aber Stephan Eibel Erzberg ist als politischer Provakateur sehr erfolgreich und Ernst Jandl hat ja auch einst die Carnegie gefüllt.

Die Lyrik ist also, wie man sieht, sehr widersprüchlich, schwer zu verkaufen, aber schnell zu schreiben, weshalb vielleicht auch soviele Leute Lyrik schreiben, angeblich mehr, als die die welche lesen. Aber dann ist die Lyrik wieder sehr verdichtet, weshalb ja Rainer Kunze seine Gedichte auf aufforderung bereitwillig auch zweimal liest. <man kann sie schnell schreiben und lesen, hat sie aber dann vielleicht nicht verstanden, beziehungsweise versteht sie jeder vielleicht auch anders, etcetera.

Diskussion und das ist vielleicht auch interessant, gab es diesmal keine,Johanna Öttl forderte aber die buchhändler und die Verlagsleute zum Lyrikkaufen auf, beziehungsweise verwies sie auf den Büchtertisch den es diesmal gab. Stephan Eibel Erzberg hat auf seinen neuen Gedichtband und seineä nchste Veranstaltung im Literaturhaus am Tag der Lyrik, der werden wir in Leipzig sein, hingewiesen und es ist ja auch der Auftakt für die vielen Veranstaltung zum Tag oder dem Monat der lyrik im März, auch wenn sie in den Buchhandlungen vielleicht nicht so viel verändern wird, war der heutige Buchhändler und Verlegerstammtisch trotzdem sehr interessant.

2018-02-26

Die zweite Ernst Lothar Neuerscheinung

Herbert Ohrlinger, Doron Rabinovici, Manfred Müller

Herbert Ohrlinger, Doron Rabinovici, Manfred Müller

Ich bin ja ein Fan der Zwischen- und Nachkriegsliteratur in Originalausgaben und werde da in den offenen Bücherschränken fündig und von dem 1890 in Brünn geborenen Ernst Lothar, der bis 1938, Direktor des Theaters der Josefstadt war, dann nach Amerika emigirierte und 1974 in Wien gestorben ist, habe ich, glaube ich, einmal einen Film gesehen, an dessen Namen ich mich nicht mehr sehr genau erinnern kann.

Danach den berühmten Film mit der Paula Wessely „Der Engel mit der Posaune“.

Das Buch habe ich dann im Schrank gefunden, es gelesen und war eigentlich nicht so begeistert und danch die „Mühle der Gerechtigkeit“, ein früher oder später Roman über Sterbehilfe, vor dem Krieg geschrieben,  danach wieder herausgekommen und dazwischen lag der Holocaust, nach dem ich dann „Im Namen des Vaters“ geschrieben habe, weil mir die Frauenfigur, die krebskranke Pauline zu passiv erschienen ist und der Landesgerichtsrat, der dann frei gesprochen wurde, irgendwie hilflos patschert und Sterbehilfe kann man wahrscheinlich ohnehin nur an sich selbst durchführen.

Ernst Lothar war ursprünglich Jurist, deshalb spielen seine Romane wohl vorzüglich in diesem Milieu und „Zsolnay“ scheint sic2h jetzt des Werks des inzwischen wahrscheinlich vergessenen Autors anzunehmen. So ist der „Engel mit der Posaune“- The Angel with the trumpet“ 1944 auf Englisch in Amerika geschriebern und dann ins Deutsche von ihm übersetzt, 2016 herausgekommen und jetzt „Die Rückkehr“, der heute in der „Gesellschaft für Literatur“ mit dem Herausgeber  Herbert Ohrlinger, mit dem ich einmal in einer Jury für das Nachwuchsstipendikum war und Doron Rabinovici vorgestellt wurde und ich dachte, als ich um dreiviertel den Veranstaltungssaal erreichte, jetzt werde ich eine der Ersten sein und es werden nur wenige Leute kommen. Es war aber schon pummvoll und ich habe einen der letzten Plätze erwischt. So kann man sich täuschen und die meisten älteren Leuten scheinen, wie ich an den Fragen merken konnte Ernst Lothar Experten, Freunde der Familie oder ein reines Fachpublikum zu sein.

Es war aber auch Doris Glaser von Ö1 da, Ottwald John, die Frau Schmidt-Dengler, Dine Petrik und und…..

Manfred Müller leitete wieder sehr ausführlich in die Viografie Ernst Lothars ein, der 1946 nach Österreich zurückgekommen ist, dort seine Karriere fortsetzte, mit Adreinne Gessner verheiratet war und der Schwiegervater von Ernst Häussermann, der dann statt ihm Burgtheaterdirektor wurde und und….

Und der Held des Romans Roman ist ein Felix von Geldern, ein Ministerialbeamter, der Österreich nach dem Anschluß verließ, weil er kein Deutscher werden wollte, 1946 zurückkam und einige Ähnlichkeiten mit seinem Autor aufwies und Manfred Müller wies auch noch daraufhin, daß man in dem Buch ein Nachkriegs-Wien wie sonst nie kennenlernen könnte.

Da fiel mir dazu Hans Weigels „Unvollendete Symphonie“ ein, die das meiner Meinung nach auch sehr gut schildert, aber dieser Ernst von Geldern, der zu Beginn des Buches mit seiner Mutter oder Großmutter mit der Straßenbahn vom Westbahnhof in die Innenstadt fährt, erlebt da gleich alle Wiener Typen und interessant war für mich wieder einmal, wie sehr sich der Dialekt inzwischen gewandelt hat, das Wienerisch des Buches wird inzwischen. glaube ich, nicht mehr gesprochen.

Doron Rabinovici, der das Nachwort geschrieben hat, verwies auf die Hinterfotzigkeit des Buches und seiner Typen und dieser Ernst von Feldern muß dann als Zeuge für einen Minister Kurz auftreten, was vielleicht auch eine Spezifizität des Buches oder ein zufall ist.

Ein interessantes Buch und eine interessante Neuentdeckung, die mir durchaus spannend und aktueller, als der „Engel mit der Posaune“ erschien, bei dem ich eigentlich nicht entdecken konnte, was das Großartige an der Familiegeschichte der Familie von Alt war.

Ḿanfred Müller fragte dann nach witeren möglichen Neuauflagen, hier deutete Herbert Ohrlinger an, daß nicht alle Werke dazu geeignet wären und sprach von einem Roman namens „Heldenplatz“, der in einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager spielt, was sehr interessant wäre, aber eine  kitschigeLiiebesgeschichte, die er dem Autor nicht an tun wolle und da ist interessant, daß ich gerade einen Roman lese, der auch in einem deutschen Kriegsgefangenenlager in Amerika spielt und daß auch  Hans Werner Richter einen solchen Roman geschrieben haben soll.

Ein kundiger Herr im Publikum verwies noch auf einen anderen Roman der unbedingt aufgelegt werden sollte und ich denke mir, daß ich ja  in den Schränken fündig werden könnte und vielleicht noch das eine oder andere Gustostück endecke, wenn „Zsolnay“ nicht so schnell mit den Neuauflagen und Wiederentdeckungen ist.

2018-02-07

Zwei sehr sehr unterschiedliche Canetti-Stipendiaten

Wieder einmal „Literatur im „MUSA“ und die diesmaligen Leser zeigen, daß die Autorenauswahl bei den Preisen und Stipendien zum  Glück sehr unterschiedlich ausfallen können und also nicht nur ein Hort der emperiementellen Sprachrauschliteratur sein muß.

Nämlich Daniel Wisser und Olga Flora, beide sind im Musa alte bekannte, beide haben auch in Klagenfurt gelesen, Olga Flor, glaube ich, sogar zweimal und beide sind von ihrem Stil sehr unterschiedlich obwohl sich beide, wie Julia Danielcyck erwähnte, den gegenseitigen Partner ausdrücklich gewünscht haben.

Daniel Wisser habe ich, lang lang ists her, im Amerlinghaus bei einer von Ilse Kilic moderierten Veranstaltungen kennengelernt, da hat er sein „Ritter-Buch“ vorgestellt und ich dachte, wenn jemand der so realistisch schreibt, bei „Ritter“ erscheinen kann,  habe ich wohl auch Chancen.

„Welch ein Irrtum!“,würde wohl Ernst Jandl sagen und so realistisch ist Daniel Wisser auch nicht, aber jedenfalls ganz ganz anders als Olga Flor, mit deren komplizierten Sprachstil ich ja bekanntermaßen meine Schwierigkeiten habe.

Olga Flor, die erste „Veza Canetti Preisträgerin“, wie Julia Danelczyk in ihrer Einleitung erwähnte, hat mit der Lesung begonnen. Sie hat aus ihrem Buchpreis-Shortlist Buch „Klartext“ gelesen, obwohl bei „Residenz“ soeben ein neuer Essayband von ihr erschienen ist. Den werde ich wohl so bald nicht lesen. „Residenz“ schickt mir ja nicht mehr seine Vorschauen.

„Klartraum“ habe ich gelesen und noch immer nicht verstanden und Olga Flor ist ganz in schwarz mit einerm roten Schal der Stola aufgetreten und war so schnell und hastig, wie weiland wohl nur Wendelin Schmidt- Dengler. Seine Witwe saß im Publikum und Olga Flor erwähnte in ihrer Einleitung, daß es ihr schon fast zu viel Canetti wäre.

„Canetti Stipendium“, „Veza Canetti Preis“, aber dem Preis ist sie dankbar, weil sie sich dadurch mit Veza Magd oder Veronika Knecht ausführlich beschäftigt hat und aus ihrem „Klartraum“ hat sie „Verluste“ I und I, „Komik“ I und II gelesen und Daniel Wisser, den ich schon einmal im Musa hörte, hat ja bei“Jung und Jung“, wie Olga flor und nicht mehr bei „Klever“ den Roman „Löwen in der Einöde“ geschrieben und da geht es um einen Michael Braun, der im <meldeamt arbeitet und immer allen seine jugend aus den Siebzigerjahren erzählt. Das ist wohl auch die von Daniel Wisser und einen Folgeband gibt es auch „Zwischen Null und Eins“ heßt der und Daniel Wisser hat im Stehen und auswendig zwei Stellen aus beiden Büchern vorgetragen und dann im Gespräch mit Julia Danielcyck gesagt, daß der Roman keine Handlung hätte.

Jedenfalls keine so komplizierte Sprachexperimentelle, wie Olga Flor, sondern eher Alltagsgeschichten in Alltagssprache linear erzählt, etwas, was ja eigentlich nicht als so literarisch gilt und trotzdem, „Bachmannlesen“, „Canetti Stipendiat“, es geht also auch, höre und staune, aber wahrscheinlich irre ich mich schon wieder und Daniel Wisser gilt als der sprachexperimentelle Geheimtip.

Er ist ist jedenfalls immer sehr freundlich zu mir und nicht so abgehoben, wie andere Stipendiaten und Preisträger die auch im MUSa oder anderswo lesen, was mich sehr freut.

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