Literaturgefluester

2017-10-17

Miniaturen und eine kurze Erzählung

In der „Alten Schmiede“ gab es heute wieder ein Doppelprogramm und ich habe die Hälfte versäumt, weil eine sechs Uhr Stunde. Aber dann kam der 1977 in Wien geborene Xaver Bayer, „Priessnitz-Preisträger“, von dem ich schon einige seiner bei „Jung und Jung“ erschienenen Bücher gelesen habe und in einem hat mich, glaube ich, eine Stelle, wo eine Schulklasse in Mauthausen  beim MC Donald`s sitzt und sich über den Schrecken des KZs hinweglacht, sehr beeindruckt.

Jetzt habe ich schon länger nichts mehr von dem Autor gelesen und gehört. Das heißt, das stimmt nicht ganz. Im Vorjahr hat er mit Hanno Millesi, dem heurigen „Priessnitzpreisträger“ eine Ausstellung im Literaturhaus über Literaturzeitschriften der Siebzigerjahre kuratiert und ein entsprechendes Buch herausgegegen und diesmal war die „Alte Schmiede“, als ich sie eine Viertelstunde früher betreten habe, sehr leer.

Das  stimmt auch nicht ganz, Gerhard Jaschke, Alice Harmer, Thomas Northoff habe ich später gesehen und Markus Köhle, der ja auch zu Zeitschriften forscht, hat eingeleitet und erklärt, daß Xaver Bayer, der sich seit ich ihm das letzte Mal gesehen habe, optisch sehr verändert hat, aus zwei Büchern lesen würde.

Nämlich aus dem Miniaturband,“Geheimnisvolles Knistern aus dem Zauberreich“, das sind Alltagserlebnisse und Alltagsbeobachtungen, erzählt in schöner Sprache und dann aus der bei „Haymon“ erschienenen Erzählung „Atlas“.

Das ist ein sehr dünnes Bändchen, so an die zwanzig Seiten, die machen das, glaube ich, manchmal und Markus Köhle erzählte noch etwas, daß da einer sich auf einem Atlas Phantasien herbeizaubern würde und es um Flucht ginge.

Das stimmte dann gar nicht, es geht eher, um Religion erläutete der Autor und las dann fünf Miniaturen vor, die damit in Zusammenhang stünden und dann eine sehr skurille, phantastische, märchenhafte Geschichte, von einem Mann , einem Obdachlosen, der sich in eine verfallene Kirche im Wald zurückgezogen hat, dort den Altar mit einem mumizifierten Reh und einem Sack Spielzeuge, die er aus einer Mülldeponie gezogen hat, schmückte. Denn er war vorher Innenraumaustatter und eines Tages komt ein Mann in die derart geschmückte Kirche, setzt sich vor dem Beichtstuhl und erzählt eine ähnlich verworrene Geschichte, wie er einen Kunden besuchen wollte, aber weil sein Auto kaputt war mit einer Kutsche fuhr, wo das Pony hinten angehängt war, er bei einer Rastätte halt machte, die auch schon ziemlich verfallen war, es kam auch niemand, um ihn zu bedienen und auf einmal zog ein Zug vorbei und alles war weg und lag in Trümmern.

An dieser Stelle hat Xaver Bayer zu lesen aufgehört. Man kann das ja selber nachlesen, wie das immer so schön heißt. Es gab dan auch ein Gespräch, wo sich keiner mit Fragen meldete.

Dabei hättte ich wahrscheinlich viele gehabt, aber die fallen einer erst später ein. So las Markus Köhle nur noch einen Satz, aus den Minaturen, glaube ich  vor, daß das Publkum keine Fragen hätte oder so und schloß die Veranstaltung  und ich habe mich noch ein bißchen am Büchertisch umgeblickt. Beziehungsweise versucht, die paar fehlenden Seiten noch weiterzulesen. Hatte dann aber auch keine rechte Lust dazu und Gerhard Jaschke hat mir das „Feribord 29″, Gedichte von Sophie Reyer gegeben und die habe ich ja erst kürzlich in der „Alten Schmiede“ gehört.

Mein Notizbuch, in dem ich ja immer alles mitchreibe, habe ich diesmal zum Mitnehmen vergessen, so habe ich mir die Noizen diesmal auf einem der bunten Kärtchen, wo sich Herbert J. Wimmer ja immer Gedanken über das Gegenwartsgeschehen, nämlich der „Gegenwartskarte“- „dezent rezent rezent dezent“ gemacht.

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2017-09-06

Von der Muse zur Muße

Nach der Sommerpause heute wieder Schreibgruppe in der Krongasse, Peter Czak,  Klaus Khittl, respektive Gloria G, der Egelhofer und Ruth Aspöck waren da.  Doris Kloimstein hat kurzfristig abgesagt, weil sie sich in St. Pölten auf eine Ausstellungseröffnung vorbereiten mußte und der Peter hat die beiden Themen „Muse-Muße“ vorgeschlagen.

Ich hatte „unsichtbar“ im Koffer, weil ich ja mit meiner unsichtbaren Frau beginnen wollte, aber ich kann ja kombinieren und so ist folgendes herausgekommen:

„Muse – Muße!“, dachte Slavenka Jagoda und blickte auf das gelbe Post it-Notizzettelchen, das Lily Schmidt vorhin auf den Schreibtisch gelegt hatte.

Ob sie damit etwas anfangen könne?, hatte sie sie gefragt.  Slavenka hatte eifrig genickt und eilfertig „Natürlich, selbstverständlich!“ geantwortet und dabei geflunkert.

Was tut man denn nicht alles, um bei seinen Vorgesetzten, respektive Stipendiumsbetreuern, einen guten Eindruck zu machen? Man tut sehr viel. Ihr jedenfalls war es sehr wichtig, Lily, ihr Engagement und guten Willen zu beweisen. Dann war die zu ihrem Chef ins  Büro gerufen worden, weil der berühmte Starautor Jonathan Franzen, der heute Abend im Institut gemeinsam mit dem  ebenso anerkannten Daniel Kehlmann, eine Lesung halten sollte und sie war mit dem Zettel und dem Vorschlag mit diesen zwei Worten, ihre unsichtbare Frau auf ihre erste Blogtour zu schicken, in Lilys Arbeitszimmer zurückgeblieben.

Saß an  deren Schreibtisch, schaute den Zettel an und überlegte, wie das mit der Muse gehen könnte? Die Muse war die schöne Dame, die zu den Künstlern zu kommen pflegte, um sie sanft auf die Stirn oder auf den Hals zu küssen, damit diese ihre kreativen Kräfte entfalten konnten und der Welt ein noch nie dagewesenes Opus Magnum schenkten.

Nein, der Hals war es nicht, der dafür in Frage kam. Der war eher Graf Dracula vorbehalten, um die damit getroffenen Opfer zu Vampiren zu machen und es würde sicherlich nicht passen, wenn Jonathan Franzen und Daniel Kehlmann heute, als solche Monster ihre Doppelconference im österreichischen Kulturinstitut von New York halten würde, dachte Slavenka Jagoda und grinste jetzt schon etwas zuversichlicher vor sich hin.

Genauer gesagt, grinste sie ähnlich lausbubenhaft, wie es ihr Bruder Petr  im Plattenbau im weitentfernten Kosice zu tun pflegte, wenn der Vater ihn aufforderte, ihm doch in der Garage zu helfen oder für die Mutter den Mist in den Müllraum zu kippen.

„Muße, Papa, tief durchchatmen und entspannen!“, pflegte er ihm  frech zu antworten, was den Vater meistens ärgerte und er ihm schon einmal eine Ohrfeige angetragen und sie auch sicher ausgeteilt hätte, wäre die Mutter nicht rechtzeitig aus der Küche gestürzt, um ihren Liebling zu verteidigen.

„Muse  -Muße“, hatte Lilly Schmidt, die Kuratorin im New Yorker Kulturinstitut auf einen kleinen gelben Haftnotizzettel geschrieben und ihn ihr schnell hingehalten, bevor sie in Doktor Hartners Büro geeilt war, um mit Daniel Kehlmann und Jonathan Franzen, den berühmten Starautoren, die heutigen Lesung zu besprechen.

„Kannst du dir vorstellen, Slavenki, daraus einen Text für unseren Blog zu machen!“, hatte sie noch schnell hinzugefügt, bevor sie aus dem Zimmer eilte und dem schon ungeduldigen Dr. Hartner ein „Bin schon unterwegs! I am ready, Mister Franzen und coming soon!“, zuzurufen.

Lily würde mit den beiden also die heutige Abendveranstaltung besprechen, während sie einen Blogartikel schreiben sollte, in dem Amanda Siebenstern, ihre unsichtbare Frau, mit dem Kuß der Muse am Morgen aufwachen würde und danach in aller Muße und nicht in Eile ins weiße Haus zu Donald Trump zu stürzen, um ihm an dem Blitzkrieg in Richtung Norkorea zu hindern, den er heute in seinen Twitternews angekündigt hatte.“

Das wars der Beginn und der Einstieg in mein mögliches künftiges Opus Magnum. Die anderen haben auch ihre Texte zu diesem Tehma präsentiert und es wurde sehr viel darüber diskutiert, ob in einer zwanzigminütigen Schreibezeit wirklich ein literarischer Text entsteht oder, ob das nicht vielmehr  nur ein erster Entwurf sein kann, der noch bearbeitet werden muß.

Der Begriff „Sonntagspredigt“ wurde in die Runde gebracht  und die Frage aufgeworfen, ob Kunst nicht schwarz, negativ und an die Substanz gehen muß, um als solche zu gelten, was ich eigentlich inzwischen bestreiten würde.

Ein interessanter Einstieg in das Schreiben nach der Sommerpause  und ich habe mein neues Werk begonnen und bin gespannt, sowie erwartungsvoll, wie es mir dabei gehen wird.

2017-09-05

Die österreichische Buchpreisliste und ihre Beziehung zu den O-Tönen

Jetzt ist sie da, die zweite österreichische lange Buchpreisliste, die, wie ich höre, in Deutschlan ziemlich unbekannt ist und wenn man sich so die Namen der nominierten Bücher durchsieht und sie mit meiner vor ein paar Wochen getroffenen Schätzung, vergleicht, dann sieht man, es gibt, wenn man regelmäßig zu den O-Tönen geht, nur wenige Überraschungen oder doch. Ein paar experimentelle Bücher von denen ich öfter hörte, die aber irgendwie an mir vorbeigegangen sind, wie das, der Brigitta Falkner oder des Oswald Eggers, und  von Franz Schuhs „Magazin des Glücks“, ein Buch das es meiner Schätzung nach schon seit ewigen Zeiten gibt, war für mich auch eine Überraschung.

An Doris Knecht neues Buch hätte ich ja bei der deutschen Liste gedacht und das ht der Alfred heuer in Leipzig ja gekauft, aber dann der Anna geschenkt, während ich, als er in Amerika war, „Wald“ gelesen habe, was einmal im Schrank für mich lag.

Also keine sonderlichen Überraschungen, aber da hatte ich ja nach den letzten O-Tönen, als Katja Gasser dort bedauerte, dam man Florjan Lipus den großen österreichischen Staatspreis verwehrte, die Idee, daß wir, wenn, er auf der Liste steht, schon genauso den Preisträger hätten, wie es im Vorigen Jahr die Frau Mayröcker war.

Ist er aber nicht uind war auch nicht so. Natürlich, denn Katja Gasser ist ja in der Jury für den deutschen Bp und tüftelt, während ich gerade eine Longlistlesepause mache und mich mit literarischen Reportagen beschäftige, aus, wer da nächste Woche auf die kurze Liste kommt?

In der österreichen Jury sind die Buchhändlerin und Amazon-Hasserin, Petra Hartlieb, deren „Wunderbare Buchhandlung“, ich noch lesen muß, Klaus  Kastberger, der bei den O-Tönen moderierte, Klaus Nüchtern vom Falter und Kristina „Pfoser vom ORF und die mir eher unbekannte Wiebke Porombka, die, glaube ich, schon einmal in der dBpjury war und ich hätte noch gedach,t Brigitte Schwens Harrant, aber die war vielleicht schon im vorigen Jahr dort und wer, werden jetzt meine Leser vielleicht fragen, steht  nun auf der langen Liste und auf der kurzen für die Debuts?

Also als erstes eine Überraschung, obwohl es eigentlich nicht so unerwartet ist.

  1. Oswald Egger „Val di Sol,   dann folgt zweitens wieder sehr experimentell und daher für mich unerwartet
  2. Brigitta Falkner „Strategien der Wirtsfindung, aber da gab es schon eine Ausstellung im Literaturhaus darüber
  3. Olga Flor „Klartraum“ endlich ein OTöne -Treffer, aber auch ein sehr kompliziertes Buch, ob ich es verstehen werde>?
  4. Paulus Hochgatterer „Der Tag an dem mein Großvater ein Held war“, decapo o-tönig und sehr kurz für die Vielleserin also erholsam
  5. Doris Knecht „Alles über Beziehungen“, ein Buch, das an mir bisher vorbei gegangen ist. Aber vielleicht kann ich es mir von der Anna holen, wenn „Suhrkamp“ es mir nicht schickt.
  6. Eva Menasse „Tiere für Fortgeschrittene“ ist auch o-tönig und erholsam, weil schon gelesen
  7. Robert Menasse „Die Hauptstadt“, war nicht bei den O-tönen, weil offiziell noch nicht erschienen, steht aber auf der dBp und liegt in meinem Badezimmer und ich freue mich schon auf das Schwein, das da durch Brüssel rennt
  8. Karin Peschka „Autolyse Wien“ wieder o tönig, wieder ein Treffer und beim Bachmannpreis wurde ein Textauszug auch gelesen.
  9. Doron Rabinovici „Die Außerirdischen“ o-tönig und ein Buch, auf das ich mich sehr freue und bitte, bitte, lieber „Suhrkamp“ schick es mir, denn ich habe Doron Rabonivice schon im MQ gefragt, ob er damit wieder auf die Shortlist kommen wird und
  10. Franz Schuh „Fortuna aus dem Magazin des Glücks“, ein Buch, das Christa Nebenführ, glaube ich, schon bei ihrer Glücksreihe in der „Alten Schmiede“ vorstellte oder darüber sprach. Ich bin nicht sicher, ob ich es verstehen werde,  werde es aber sicher lesen , denn die liebe Frau Rössler von Deuticke, die mir ja schon voraussagte, ihr Verlag steht darauf, es mir bereits mit dem Franzobel-PDF schickte, das nicht auf der Liste steht. Aber macht ja nichts, höre ich ja allethalben, der wird den dBp gewinnen oder zumindestens auf die Shortlist kommen.

Also bevor es zum Debutpreis geht, die Trefferanalyse, zwei bis fünf könnte man sagen, denn Olga Flor und Eva Menasse habe ich unter eins bis zehn geschrieben. Hochgatterer, Rabinovici und Menasse dann nur erwähnt und schade, lieber Dietmar Füssel, daß es nichts mit der Longlist wurde.

Aber macht ja nichts, man kann sein Buch trotzdem lesen,  soll es auch und es gibt noch soviel anderes. Ich habe ja inzwischen auf dem Volksstimmefest Gertraud Klemm gefragt, ob sie glaubt, daß sie mit ihrem neuen Buch auf die Liste kommt? Anna Jeller hat es jedenfalls in ihrem Schaufenster liegen und für die, die mich immer unersättlich nennen, Theodora Bauer hat auch ein neues Buch, das nicht auf dieser Liste steht und Picus hat mir schon geschrieben, daß er es mir schicken wird.

Also wieder mehrgleisig und durcheinander lesen und es würde mich auch interessieren, was meine Leser von der Liste halten, aber richtig, es gibt ja noch den Debutpreis und der hat auch zwei O-Töne Treffer, nämlich

1.Mascha Dabic „Streuungsverluste“ und

2.Irene Diwiak „Liebwies“ auf das letztere Buch freue ich mich besonders und  werde es auch lesen, denn die liebe Frau Rössler hat es mir auch geschickt und dann kam noch das für mich völlig unbekannte Buch von

3. Nava Ebrahimi „Sechszehn Wörte“ darauf.

Also lesen, lesen, lesen und ich erwähnte vielleicht der Vollständigheit halber, daß ich da schon sieben deutsche Bp-Bücher hinter mich gebracht habe und jetzt „Refuges Wordwide“, die literarischen Reportagen aus dem „Wagenbach Verlag“ lese und dann mit Uwe Timms „Ikarien“ weitermache. Ein Buch, das auch nicht auf der dLL steht, es aber sicher könnte, bevor ich mit entweder dem „Singen der Sirene“ oder mit „Nach onalko“ weitermache, aber das ist das einzige Buch, das ich von der „Netgalley“ öffnen konnte. Der Verlag hat mir aber inzwischen geschrieben, daß er es mir schicken wird und da ich ja lieber richtige Bücher als Dateien lese, warte ich  lieber noch ein bißchen, umsomehr, daß ich ja auch noch den Seven Regener, den Robert Menasse, die Sasa Mariaa, Salzmann, den Ingo Schulz und und und zur Auswahl habe….

 

2017-06-26

Luftlinie A-B der Sprachkunst

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:59
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Semesterabschlußlesung des „Hochschullehrganges für Sprachkunst“, früher hat das ja einmal „Studentenlesung“ geheißen, jetzt schon schöne Tradition im Literaturhaus, zehn bis elf Lesende und diesmal sind sogar als spezial guests Christel und Matthias Fallenstein sowie Ferdinand Schmatz und Esther Dischereit im Publikum gewesen.

Bei der letzten Lesung war ich ja, glaube ich, die einzige Nichtstudentin im Publikum, diesmal war es besser und Barbara Zwiefelhofer kündigte die Lesungen an.

Was der Titel  bedeuten soll, habe ich auch diesmal nicht so genau erkunden können, als Erstes kam jedenfalls Johanna Wieser und las, sehr modern, ihre Gedichte aus dem Handy, weil sie ja, wie sie sagte, dort entstanden sind und da hätten wir schon die Erklärung für den Titel.

Denn die Gedichte entstanden alle in ihrer Urform auf dem Flughafen und die jungen Leute reisen offenbar auch sehr viel.

Die nächste Lesende, die „wunderbare“ Lena Biertempel, wie manche Ankündigungen lauteten, eine junge Frau ohne Schuhe, die sich gleich auf den Vortragstisch setzte, schloß wie sie sagte gleich dort an und brachte einen Auszug oder vielleicht auch eine ganze melancholische Liebesgeschichte.

Dann kam Muhammet Ali Bas, ein junger Mann mit Bart und hochgebundenen Zöpfchen, der auch noch seinen Zwilling hatte und der verblüffte durch seine durchaus realistischen Erzählungen, wie das ist, wenn man immer gefragt wird, woher man kommt, wenn man doch in Vorarlberg geboren unde und die Vorarlbergische Krankenkassa die Geburt auch zahlte.

Dann folgte Katharina Pressl und die las einen Auszug aus einem längeren Text, wo eine junge Frau mit ihrer Schwester das Haus ihrer Eltern ausräumt und dann noch die Mutter im Altersheim besucht.

Sehr unterschiedliche Texte, was die Spannung sicher erhöhte und als nächste folgte Cornelia Hülmbauer und die ist mir ja eine alte Bekannte, hat die ja vor cirka acht Jahren meinen Blog sehr intensiv verfolgt, dann gewann sie bei den Exil-Preisen, hat ,glaube ich, auch fertig studiert und ein Hans Weigel-Stipendium bekommen, jetzt ist sie Studentin der Sprachkunst und zum Klagenfurter Literaturkurs ist sie heuer auch eingeladen.

Dann folgte eine Pause und weiter ging es mit Frieda Paris, die ich ja durch Christel Fallenstein kenne und die brachte,

glaube ich, einen Auzug aus einem Roma,n der von einer russischen Bildhauerin handelte, der sich sehr viel auf Steine bezog.

Dann kam der Zwilling, nämlich Damon Taleghani, etwas kleiner, aber mit der gleichen Frisur und einem gänzlich anderen Schreibstil, denn der performte, rezitierte einen experimentellen Text und machte dazu rhythmische Bewegungen.

Was danach folgte war auch ein Experiment, nämlich Benedikt Steiner, denn der ließ sich aus dem Publikum via Handy Gedichte schicken, die las er dann vor, was eher keine originale Sprachkunst ist, die Kunst des Schreibens wird dann aber wohl noch kommen, wenn er einen Text daraus machen wird und die Urheberfrage wäre wenigstens für mich nicht geklärt, aber ich habe ja kein Handy, so konnte ich nichts schicken und das ich in der Zwischenzeit für mich gedichtet habe, hat wohl auch eher an Goethe erinnert, also wohl auch eine Art Plagiat:

„Ich besaß es doch einmal, was so herrlich ist, daß es sich von Mal zu Mal nimmer mehr vergißt“

Der nächste junge Mann Stephan-Manuel Eggenweber brachte dann drei eher makrabre Geschichten, die zuerst mit der Monatsblutung der Mutter begannen, was ist daran makaber, für einen Vierjährigen offenbar schon, aber dann wurde dem Bruder der Mund zugeklebt und der Freundin die Finger gebrochen, nun ja, nun ja, die anderen fanden es wieder lustig, ich weniger und die letzte Lesende war Maria Mjuhar, die ein paar Kurztexte brachte, worauf sie sich auf den Schreibprozeß und ihre Figuren bezog und auch aus der Schule ein wenig plauderte, nämlich erzählte, wie man ein verpatztes Gedicht, durch eine andere Sprache retten kann und das nennt sich dann transrepair, interessant, interessant, wieder was gelernt uind einen schönen Eindruck von der Sprachkunstproduktion mitbekommen.

Mal sehen was ich von den Studenten und Studentinnen noch so höre und morgen geht es auf der Sprachkunst, glaube ich, auch noch weiter mit Ausstellungen, aber da werde ich dann nicht dort sein.

2017-06-23

Söbständi

„Der 1962 in Waldhausen geborene Peter Gstöttmeier ist mir inzwischen ein sehr guter Bekannter“, habe ich 2015 für meine „Ohrenschmaus-Laudatio“ geschrieben,“ist er mir doch 2011 mit seinem handgeschriebenText „Söbständi“ aufgefallen und hat da zum ersten Mal den „Ohrenschmaus“ gewonnen und seither hat er Jahr für Jahr Texte eingereiht und wurde auch Jahr für Jahr für einen der Preise vorgeschlagen. So ist er 2012 und 2013 auf der  sogenannten Ehrenliste gestanden.

2014 war sein Gedicht „Is ned beinand“ auf die gute Zoitter-Schokolade gekommen, die es ebenfalls Jahr fürJahr gibt und die nicht nur den anderen Teilnehmern, sondern auch mir sehr gut schmeckt.

2015 hat er mit „Dössöbi“ wieder den Hauptpreis bekommen und im Vorjahr wieder Ehrenliste. Da hat es schon das Buch mit den Lebensberichten und den Gedichten gegeben, in dem man  sehr genau den Lebenslauf des bei der Geburt zu wenig Sauerstoff bekommenden Peter Gstöttmeiers, so daß eine spastische Lähmung, eine Sprach- und Gehstörung überblieb, nachlesen kann.

Das Thema Selbständigkeit scheint, wie man in den Texten lesen kann, für Peter Gstöttmeier, der  1981 in die „Lebenshilfe“ in Grein kam, sehr wichtig zu sein.

Zuerst kam er in die Korbflechterei, dann baute er, weil ihm das Arbeiten innen zuwenig war, eine Außengruppe auf, zog zuerst in eine betreute WG und lebt seit 2010 selbständig, was vielleicht auch der Anlaß für seinen ersten „Ohrenschmaus-Text“ war, der, wie ich mich erinnern kann, uns allen in der Jury auffiel, so daß er, glaube ich, einstimmig ausgewählt wurde.

„Söbständi ist; olles sölba mocha, sölba denka und toan, sölba wolln, sölba kinna, sölba bestimma. Verantwortung übernehma!“

Zu schreiben hat Peter Gstöttmeier, der laut seiner Schwester Heidi, die ihn Jahr für Jahr zu den Preisverleihungen begleitet, in der Schule sehr gut schreiben und weniger gut lesen lernte, glaube ich, auch 2011 begonnen:

„Ich habe voriges Jahr angefangen mein Leben aufzuschreiben, vorerst um Übungen zu machen, daß meine Finger nicht ganz steif werden, jetzt macht es mir inzwischen Spaß von mir und meinem Leben zu erzählen“.

Und das tut er, wie man merkt, wenn man die „Ohrenschmaus-Texte“ liest, zu den Preisverleihungen geht und jetzt auch das Buch, in dem die meisten oder alle Siegertexte enthalten sind, sehr gern und sehr gekommt.

Die Texte werden jetzt nicht mehr handschriftlich eingereicht, die oberösterreichische Mundart ist gleichgeblieben und damit  fällt er Jahr für Jahr  mit seinen lakonisch kurzen Texten, die in knappen Worte, die wichtigsten Gedanken über das Leben, Gefühle, Ängste, aber was auch immer auffällt, eine starke Lebenszufriedenheit und freude wiedergeben, auf.

Peter Gstöttmeier beschäftigt sich mit sehr vielen, die Selbständigkeit ist, wie schon geschrieben,  ein wichtiges Thema, aber auch das Kochen, für ein selbständiges Leben sehr wichtig, beschäftrigt ihn und sein Humor ist vielleicht am besten an seinem Speiseplan zu erkennen:

„Speiseplan von 20. 6. – 27. 6. a Fleischloabal am Montag a Fleischloabal am Dienstag a Fleischloabal am Mittwoch a Fleischloabal am Donnersta in d` Sauna am Freitag a Fleischloabal am Samstag am Sonntag? ZWOAH! Fleischloabal Prost! Mahlzeit!“

Er kann aber auch „Stosuppn“ und „Blunzn“ kochen und ist dafür 2013 auf die Ehrenliste gekommen.

Die Beziehung zu seiner Mutter hat er gekonnt lakonisch in zwei anderen Preistexten ausgedrückt.

„Dössöbi: mama sogt ollwei dössöbi jedn tog ruaf ih on mama sogt ollwei dössbi und ollwei ruaf ih sie wieda an“  so wie in

„Is net banond: mama is net banon augn san triab kopf tuat weh haut is grau tuat net locha is net banond d`mama“

Dann gibt es noch Gedanken über das „ICH: Was ist das ICH? woas ih net, is drin in mir, sicha, wohnt vielleicht im kopf, im Herz,im bauch“

Und über den „SINN DES LEBENS“: Hat das Leben einen SINN? freili, jo sicha, freili Was ist der SINN? is schen, olli do san, olli beinonda san Ist nicht alles sinnlos, weil wir ja irgendwann sterben müssen? freili mocht sinn do san, wonna ma ferti san sterbm ma, donn kimmt nächste garnitur, wet muaß si imma drahn, muaß immer weitagehn“

Sehr einfach, sehr lakonisch, sehr richtig erklärt und klipp und klar mit einer sehr lakonischen Sprache ausgedrückt.

Und so geht es weiter. Peter Gstöttmeier macht sich Gedanken über die Zeit, geht zu Weihnachten „bamal stöhln“ und ist damit 2012 auf die Ehrenliste gekommen und Zeichnungen gibt es in dem sehr schönen Buch, das jeden, der wissen will, was Menschen mit sogenannten Lernbehinderungen denken und wie sie schreiben und sich ausdrücken, sehr zu empfehlen ist, auch.

Und das ist, denke ich, gerade in Zeiten wie diesen, wo ich mich beispielsweise mit meinem Kritikern immer wieder auseinandersetze, ob man schreiben und veröffentlichen oder Preise gewinnen, beziehungsweise ein Honorar verlagen darf, wenn man vielleicht nicht ganz fehlerfrei schreiben will, oder ein „Broken German“ verwendet oder Texte in einer leichten Sprache braucht?

Seit 2007, seit es ihm gibt, bin ich in der Jury des „Ohrenschmaus“ und schaue mir seither Jahr für Jahr viele schöne Texte von Menschen mit sogenannten Behinderungen an, habe dadurch viele Taltente, wie Renate Gradwohl, Michaela König, aber auch die Texte von Anton Blitzstein, der eigentlich weil er ein Mensch mit Psychiatrie-Erfahrungen ist, aber trotzdem eine Sonderschule besuchte, eigentlich nicht teilnehmen darf, sich dieses Recht aber trotzdem sehr beharrlich erkämpfte, entdeckt,  habe in der „Mimi“, die ja bei meinen Kritikern auch nicht so gut angekommen ist, darüber geschrieben und bin wie Franz Joseph Huainigg der Meinung, daß auch diese Texte, die vielleicht unter anderen Umständen und anderen Voraussetzungen geschrieben wurden, Wert sind in den Literaturbetrieb hineinzukommen.

Im Vorjahr haben wir ja, da es da  den „Ohrenschmaus“ das zehnte Mal gab, auf der „Buch-Wien“ darüber diskutiert.

Es gibt zwei „Ohrenschmaus-Bücher“, eine CD und auch andere Publikationen mit Texten der Teilnehmer, so ist zum Beispiel das „Springbrettlädle“ in Voralberg sehr aktiv und hat seine Texte auch im Vorjahr bei der „Buch-Wien“ vorgelesen.

Im Herbst wird es sicher wieder einen „Ohrenschmaus“ geben. Vielleicht sollte man sich den Termin schon vormerken und gespannt sein, ob Peter Gstöttmeier wieder bei den Preisträgern ist?

2017-06-18

Erkenntnis am Hochzeitstag

Dann setzte die Musik ein und die Menge begann zu tanzen. Walzer, Donauwalzer, der Braut aus dem schönen Wien an der angeblich genauso schönen Donau zu Ehren und Natalie in dem weißen Kleid mit der Brüsseler Spitze, das sie  selber entworfen hatte und  von einer Schneiderin genau nach ihren Anleitungen nähen hatte lassen, den Schleier hatte sie inzwischen abgelegt, der sollte sie nicht stören, befand sich mitten in der Menge und schmiegte sich an Moritz, ihren Ehemann, der in seinem schwarzen Anzug eine absolut eindrucksvolle Erscheinung war. Imposant und sympathisch, absolut der Held des Abends. Sie jetzt aber so zornig oder auch irritiert anfunkelte, daß sie intuitiv „Uje, Jetzt kommt die Standpauke!“, dachte und tief durchatmenen mußte, damit sie nicht aus der Fassung kam.

Denn jetzt hatte er es geschnallt, daß er Natalie, die Psychoanalytikerin, die einzige und richtige Tochter ihrer Eltern und nicht, wie er geglaubt hatte, Mathilde, das Aschenputtelchen geheiratet hatte. Jetzt hatte er es begriffen, während er vor zehn Tagen, als die Hochzeitsanzeigen geliefert worden waren, noch an einen dummen Druckfehler geglaubt und darüber gewitzelt hatte, weil da N.Schmidt und nicht das erwartete M. stand und sie hatte getan, als ob sie der Fehler ärgere und es hatte sie auch wirklich ein wenig geärgert, daß auf ihrer Trauanzeige, ein schlichtes unscheinbares „N“ und nicht, wie ihr eigentlich zukam und sie es sich immer so vorgestellt hatte: Dr. med Natalie Schmidt, Psychoanalytikerin, gestanden hatte.

Sie hatte es zwar selbst so ausgesucht und wenn man es so wollte, den angeblichen Fehler selber zu verantworten, weil es nicht anders ging, wenn Moritz sie statt ihrer Schwester heiraten sollte und, daß es so gekommen war, hatte sie, wenn sie eherlich war,  für ein Spel und eine Laune des Schicksals gehalten.

Irgendwie hatte sie, seit er sie damals auf der Tautenzienstraße angesprochen und sie für ihre Schwester gehalten hatte, der Teufel geritten und etwas in ihr hatte ausprobieren wollen, wie lange es ging, ihn in sie verliebt zu machen, ohne daß er den Irrtum merkte?

Und es hatte, was sie selbst ein wenig wunderte, geklappt, obwohl sie nur äußerlich, dem grauen Mäuschen ähnlich sah und auch das nicht wirklich. Denn er hatte sie  in der Ritterschen Weinstube in einem eleganten Kleid gesehen, während Mathilde mit der Valentinsrose in Jeans und einem graugestreiften Pullover daneben gesessen war.

Er hätte den Unterschied also merken können, daß sie plötzlich im Designerkostüm, geschminkt und parfumiert auf der Tautenzenstraße auftauchte, obwohl Mathilde in Krankenstand war und das Bett hüten mußte.

Er hatte es nicht getan, weil er es nicht merken wollte. Das war immer noch ihre These und etwas, was sie auch Dr. Gubinger, ihrem Lehranalytiker beweisen wollte und deshalb hatte sie zu spielen angefangen und sich die ganze Zeit gewundert, daß das so einfach ging und er nichts merkte.

Denn sie war mit ihm in seine Wohnung gegangen, hatte nur ein bißchen aufgepasst, daß sie sich nicht verriet und nicht aus Versehen im Besernkammerl statt am Klo landete, denn sie konnte nicht wissen, ob und, wie oft Mathilde schon in dieser gewesen war und, wie gut sie sich darin auskannte?

Sie tat das wahrscheinlich, wie sie später merkte. Aber sie hatte sich in Moritz Junggesellenheim mit den vielen Büchern auch bald ausgekannt. So groß war die Wohnung nicht und hatte die drei Tage ihres angeblichen Krankenstandes dort verbracht. Dazwischen war sie  zweimal bei Mathilde gewesen. Das erste Mal, um ihre Reisetasche abzuholen. Das zweite Mal, um ihr ihre Verlobung zu verkünden, worauf das graue Möuschen prompt reagierte und schreckhaft nach Wien geflüchtet war. Das wärere noch eine Schwierigkeit gewesen, weil sie das nicht ohne den Umweg in den Verlag und ihrem Chef zu kündigen tat.

Aber da war sie mit Moritz selbst in Wien gewesen, hatte ihn den Eltern vorgestellt und sich ihre Papiere abgeholt, um beim Standesamt in Lichtenberg später das Aufgebot zu bestellen. Und das war glatt gegangen, ohne, daß sie sich in den Weg gelaufen waren. Später war Mathilde aus dem Verlag verschwunden, weil sie, wie Moritz allen erzählte,  seine Braut geworden war und sich verändern wollte und auch hier hatte niemand etwas geschnallt. Er hatte nicht nachgefragt. Der Chef, der es anders wissen mußte, nichts verraten.

„Glück muß der Mensch haben!“, dachte sie ein wenig spättisch. Und sie hatte es auch und absolut keine Schuldgefühle. Denn es war ein Spiel, das sie ausprobieren wollte und so fand sie es nur faszinierend, daß es so leicht klappte.

Die nächste Schwierigkeit war die Trauanzeige gewesen. Aber da hatte er nur den Kopf geschüttelt und von den „Deppen!“, geredet die das „M“ mit einem „N“ verwechselten und sie hatte  so getan, als ob sie nichts höre. Sich das Kleid schneidern lassen, die Eltern zu der Hochzeit eingeladen, die natürlich auch nicht nach Mathilde fragten. Denn sie spielten dieses Verwirr- und Verdrängungsspiel selbst perfekt seit fünfunddreißig Jahren. An Mathilde hatte sie, damit, die sich auskannte, auch eine Anzeige geschickt, aber keine Sorge gehabt, daß sie zur Hochzeit kommen würde.

Sie war auch nicht gekommen. So kam der Tag heran und sie war in dem weißen Kleid mit dem Schleier zuerst zur Kirche, dann aufs Standesamt gefahren und da mußte die Erkenntnis natürlich kommen und tat es auch, denn der Standesbeamte, ein Herr Rainer Schneider, wie sie sich erinnern konnte, hielt ihr das Vermählungsbuch hin und forderte sie lauf auf ihren Namen: Dr. Natalie Schmid hineinzuschreiben, was sie auch tat.

Die Mutter und sein Vater unterschrieben, als Trauzeugen und sie sah an seinem Gesichtsausdruck, daß er jetzt etwas zu schnallen begann. Es war aber zu spät, einen Einwand zu machen, denn das Dr. Moritz Lichtenstern stand schon da. Der Standesbeamte gratulierte, die Eltern und die anderen Gäste taten das ebenfall und es ging auf in das Seehotel und dort zur Tafel, wo auch keine Gelegenheit zur Aussprache war.

Dann begann, die engagierte Musikkapelle den Donauwalzer zu spielen. Moritz mußte sie der Sitte nach auf das Tanzparkett führen und mit ihr allein die erste Runde tanzen.  Danach gesellte sich die Menge dazu. Sie tanzten mittendrin und Moritz sah sie jetzt scharf an, rückte etwas von ihr ab und fragte streng „Natalie? Du heißt Natalie und bist die Psychoanalytikerin und nicht Mathilde?“

Sie hatte sich inzwischen gefaßt, schaute spöttisch  und tat erstaunt.

„Natürlich, hast du das nicht gewußt? Mathilde ist meine Zwillingsschwester, die bei euch Sekretärin ist oder besser war, denn sie ist inzwischen nach Wien zurückgekehrt und hat eine andere Stelle angenommen. Wir sehen uns sehr ähnlich und man hat uns immer gesagt, daß wir leicht zu verwechseln sind, wie das bei eineigen Zwillingen üblich ist, obwohl wir grundverschieden sind. Im Charakter sind wir gänzlich anders und auch unser Berufsweg ist unterschiedlich verlaufen. Ich habe Medizin studiert. Math ist zuerst in die Hauptschule, dann auf die Handesakademie gegangen, weil sich die Eltern kein zweites Studium leisten konnten. Math ist danach nach Berlin gegangen und weil diese Stadt sehr interessant ist, bin ich ihr nach Abschluß meiner Lehranalyse gefolgt und habe in der Tautenzienstraße, wo wir uns, nachdem wir uns in der Weinstube kennenlernten, wiedergetroffen haben, meine Praxis aufgemacht. Ich finde, daß ich Math eigentlich nicht wirklich ähnlich sehe und auch einen gänzlich anderen Kleiderstil habe! Läuft sie doch, wie du sicher weißt, fast auschließlich in Jeans und Schlapperpullis herum, während ich mich dafür nicht erwärmen kann! Ich mag schlampig gekleidete Frauen nicht und schminke mich auch gern!“, versuchte sie möglichst harmlos zu sagen und nicht rot  dabei zu werden. Was ihr auch zu gelingen schien, obwohl er sie immer noch anstarrte, ihren Arm ergriff und sie, weil jetzt die Musik verstummte, zuerst auf die Terrassse und dann auf die Seepromenade hinausführte.

„Du bist nicht Mathilde, hast mich betrogen und dich bei mir eingeschlichen!“, sagte er jetzt scharf und sie schüttelte den Kopf und versuchte weiter harmlos dreinzusehen.,

„Wie kommst du darauf, daß ich Mathilde bin? Das kann nur ein Blinder sein, der mich mit ihr verwechselt! Aber ja, ich erinnere mich, auf der Tautenzienstraße hast du mich mit diesem Namen angesprochen! ich habe gedacht, das ist ein Scherz, weil ich ihr in meiner Kleidung  nicht ähnlich sehe und habe dir gesagt, daß sie wegen ihrer Halsschmerzen zu Hause ist und dann bin ich mit dir in deine Wohnung gegangen, weil du mich dorthin eingeladen hast und ich mich-“ jetzt schwankte ihre Stimme etwas, weil sie nicht ganz sicher war, ob er ihr das glauben würde- „in dich verliebt habe! Ist etwas zwischen dir und Mathilde gewesen? Habe ich eure Kreise gestört?“, fragte sie daher in der Angreiferpostion weiter und versuchte spöttisch aufzulachen.

„Hat sie vielleicht deshalb so überstürzt ihre Stelle augegeben und ist nach Wien zurückgefahren? Ich habe mich schon darüber gewundert und auch, daß sie nicht zur Hochzeit gekommen ist! Ich habe sie, wie du weißt, eingeladen! Hast du wirklich geglaubt, daß ich Mathilde und nicht Natalie bin?“, wiederholte sie lauter und sah ihn dabei herausfordern an.

„Dann bist du sicher enttäuscht!“, setzte sie in dieser Art und Weise hinzu „daß wir jetzt verheiratet sind! Aber ich dachte, du liebst mich genauso sehr, wie ich dich! Glaubte, es wäre Liebe auf den ersten Blick gewesen, daß wir so schnell geheiratet haben und jetzt ein Ehepaar sind!“, sagte sie energisch und atmete noch einmal durch.

„Geglückt!“, dachte sie dabei.

„Er scheint mir zu glauben oder hat zumindest keine Möglichkeit auszuweichen ohne zuzugeben, daß er ein Trottel war und was soll es? Ich habe mich wirklich in ihm verliebt und wenn er so blöd ist, nicht zu merken, daß ich Natalie und kein graues Mäuschen bin , dann ist er selber schuld und ich kann ihm auch nicht helfen!“

2017-06-16

Die Verwechslung

Am nächsten Tag hatte Mathilde Halsschmerzen, sich krank gemeldet und war zum Arzt gegangen, während sich Natalie auf Praxissuche an die ihr angegebenen Adressen machte und auf der Tautenzienstraße zusammenuckte, war sie doch gerade in Begriff in Moritz Lichtenstern, den jungen, an sich bedeutungslosen Lektor hinauzulaufen, in dem sich ihre noch farblosere Schwester anscheinend so verliebt hatte, daß sie ihre gestrigen Anwesenheit so durcheinanderbrachte, daß sie heute  mit Fieber und mit Halsschmerzen aufgewacht war, dachte die Psychoanalytikerin in ihr und lächelte verächtlich.

Dann zuckte sie aber zusammen, hatte er sie doch gesehen und rief  überrascht „Du bist es, Mathilde, ich habe gedacht, du liegst krank im Bett und habe mir schon überlegt dich, wenn ich mit der Arbeit fertig bin, zu besuchen!“ und schmachete sie genauso an, wie er gestern in der Richterschen Weinstube Mathilde angeschmachtet hatte, was der in ihrer Gegenwart unangenehm gewesen war und sie  zum Lachen brachte.

Es machte sie sogar so sehr vergnügt, daß sie versuchte ein kränkliches Gesicht zu machen und eine krächezende Stimme vorzutäuschen und ihn damit genauso schmachtetnd musterte, wie es das Gänschen Mathilde getan hatte.

„Ich habe fürchterliche Halschmerzen und etwas Fieber und bis deshalb beim Arzt gewesen, der mir heiße Wickel, Lutschtabletten und drei Zage Bettruhe verordnet hat! Aber jetzt-„, sagte sie und sah ihm noch ein bißchen tiefer in die Augen,“-jetzt ist es schon viel besser!“ und ließ keinen Zweifel daran, daß es er und seine Anwesenheit war, der diese Gesundwerdung in ihr verursachte. Der Ahnungslose hatte es geglaubt und hörte auch nicht auf, sie weiterhin für ihre Schwester zu halten, was sie, obwohl sie solche Verwechslungen aus ihren Kindertagen gewohnt war, wieder etwas ärgerte.

War sie doch Dr. med Natalie Schmidt, die Psychoanalytikerin und keine verhuschte Hauptschülerin, die sich zur Verlagssekretärin hinaufgearbeitet und ihr ganzes Leben darunter gelitten hatte, im Schatten ihrer Schwester zu stehen. Sie war, das hatte man ihr immer wieder gesagt und sie hatte auch nie die Spur eines Zweifels daran empfunden, die Strahlendere, Gebildetetere, Elegantere, trug auch ein Designerkostüm und hochackige Stöckelschuhe, während die Schwester sicher mit flachen Tretern, Jeans und einem mausgrauen Pullover zum Arzt gegangen war und der angebliche Verliebte merkte es nicht oder merkte er es vielleicht schon und wollte nur die Prächtigere, Schönere, als Freundin haben. Was auch ohne Lehranalyse leicht zu verstehen war, daß niemand ein graues Mäuschen wollte und so war es eigentlich klar, daß er sie verliebt anblinzelte und keinen Unterschied zwischen ihr und ihrer Schwester bemerkte oder diesen gekonnt verdrängte.

„Sind doch die Männer alle blöd oder die Seele ist ein sehr sehr weites Land, mit vielen Tiefen und Unebenheiten!“, we es ihr Lehranalytiker Dr. Gubinger ihr immer gepredigt hatte, dachte sie, versuchte ein heiseres Husten.  In ihren Augen blitzte schon der Schalk.

Sollte er bekommen, was er wollte. Sie würde mitspielen, weil es Spaß machte, der verhärmten Schwester, die sie haßte, sich ihr das aber nicht zu sagen traute, eines auszuwischen. Wenn er so blöd war, sie für Mathilde zu halten, obwohl sie zwar so aussah, aber ganz anderes gekleidet war und einen anderen Backround hatte, würde sie mitspielen und die Schwester war selber schuld, daß sie sie gestern nicht hinausgeworfen hatte und auch noch so blöd war, ihr die Adresse, der Weinstube zu nennen, in der sie sich mit ihrem Liebsten traf. Dann hatte sie das zwar bereut und sich so darüber geärgert, daß sie krank geworden war und nicht in ihren Verlag konnte und das Schicksal spülte ihr ausgerechnet in der Tautenzienstraße, wo sie  auf Nuummer 112 eine eventuelle Praxis besichtigen wollte, ihren Liebsten über den Weg.

„Fein!“, sagte der und drückte sie an sich, wieder ohne zu bemerken, daß es ein ganz anderes Parufm war, daß sie verwendet, beziehungsweise war sie sicher, daß Mathilde überhaupt kein solches in ihrem Bad stehen hatte.

„Sehr fein, dann können wir, da ich für heute fertig bin und nicht mehr in den Verlag brauche, das ein wenig feiern! Dich Gesundfeiern, Liebste, was hältst du davon? Daß ist doch sicher besser, wenn du mich nach Haus begleitetest und dich bei mir auskurierst, als wenn du das allein in deinem Stübchen tust!“

„Sehr gut, ausgezeichnet!“, hatte Natalie gedacht und konnte sich auch später nicht daran erinnern, daß sie Schuldgefühle dabei empfunden hatte. Sie hatte stattdessen wieder nur gedacht „Selber schuld, wenn du so blöd bist und jetzt warte ich darauf, daß du erkennst, daß ich nicht Mathilde bin und mache dabei meine diesbezüglichen Studien der menschlichen Seele, die ich dann Dr. Gubinger schicken kann!“

„Gern!“, antwortete sie schmachtend, versuchte dabei ihre Stimme heister klingen zu lassen, griff sich an den Hals und hüstelte etwas. Vielleicht war wirklich eine Schauspielerin an ihr verloren gegangen und sie hatte nach ihrer Matura auch kurz daran gedacht, sich im Reinhardt-Seminar anzumelden, dann aber doch das Medizinstudium vorgezogen und so würde sie eben in ihrer Freizeit spielen und dabei ihre psychoanalytischen Erfahrungen machen und es war auch nichts dabei. Denn wenn sie mit ihm in seine Wohnung ging, konnte nichts passieren. Da das graue Mäuschen sicherlich in seinem Zimmer lag, Salbeitee inhalierte, Lutschtabletten schluckte und wohl gar nicht auf die Idee kam, ihren Moritz anzurufen. Es wäre nur schwierig geworden, wenn er ihr Mathildes Wohnung vorgeschlagen hätte. Das machte er aber nicht. Er dachte nur an sich, wie die Männer eben waren und so hustete sie noch einmal schaute dabei aber spöttisch und unternehmungslustig vor sich hin und dachte „Nun denn, schauen wir uns an, wohin das führt und wie blöd die Männer sind!“

2017-06-11

Noch einmal drei öffentliche Kunstprojekte

Filed under: Schreibbericht,Uncategorized — jancak @ 19:38
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Diesmal hätte ich die Ruth als ich sie um zwei an der Ecke Oper beim Hotel Bristol treffen wollte, fast verfehlt, ist sie doch auf einer Bank bei der Straßenbahnhaltestelle gessen. sie hat mir aber schon einen Brief an Frau Danielcyck geschickt, will sie unser Projekt ja auch im MUSA vorstellen und so sind wir wieder, der Kunst im dritten Reich auf der Spur, das inzwischen von einer modernen Künstlerin transkribiert wurde, in den neunten Bezirk hinausgefahren, denn dort wurde am Thury Hof, einem Gemeindebau des roten Wiens, nach 1938 ein Recke angebracht und darunter war ein Spruch von Adolf Hitler zu lesen:

„Wir bitten dich Herr Gott, laß uns niemals wankend werden und feige sein, laß uns niemals die Pflicht vergessen, die wir über nonmmen haben“

Das steht noch immer dort, das Adolf Hitler wurde nach dem Krieg entfernt und Maria Theresia Litschauer hat 2013, eine Klammer, um die Figur angebracht und sie mit einem Band zu einer Inschrifttafel verbunden, worauf man lesen kann, daß 1938 den jüdischen Mietern die Wohnung gekündet wurde.

Das war sehr interessant zu sehen, was es alles noch an Rest- NS-Kunst zu bemerken gibt. Dann wurde es noch historischer oder vielmehr moderner, denn wir sind wieder nach Aspern hinausgefahren.

Da war ich in den letzten Wochen schon zweimal, habe die Seestadt bewundert und auch auf einer Informationstafel erfahren, daß es dort bis 1927 den damals größten Flughafen gab.

Daß es schon viel früher die Schlacht von Aspern, die Napoeon verloren hat, habe ich schon in der Schule gelernt und nun gibt es in der U-Bahn Station Aspern Nord, die „Aspern Affairs“ des deutschen Künstlers Stephan Huber, an den beiden Seitenwänden und auch sonst überall angebracht, die meiner Meinung nach eine Themenverfehlung sind, denn Aspern hat 1809, glaube ich, noch nicht zu Wien gehört.

Er hat aber auf der einen Tafel all die Ereignisse, die zwischen 1800 und 1830 in Wien geschehen sind, also beispielsweise die Eröffnung des Theaters in der Josefstadt und auf der anderen Seite das Ganze ein Jahrhundert später und hat hier so vermerkt, daß Sigmund Freud beklagte, daß die Psychoanalyse nirgendswo mehr mißachtet, wie in Wien werden würden.

Dann ging es, weil es so weit in der  Pampa wahrscheinlich kein Kaffeehaus gab in dem wir uns stärken konnten, nach Wien zurück, zum Rathaus und in die Konditorei Sluka, wo sich auch ein paar Jungbürger niederlassen haben, die wahrscheinlich gerade im Rathaus gefeiert wurden und ein Gläschen Wein tranken.

Wir wollten uns aber noch mit Fritz Wotrubas „Großer stehendder Figur beschäftigen, die dieser 1962, als er aus der Schweizer Emigration zurückgekommen war, dorthin stellte, um zu zeigen, daß man das Gegenständliche zugunsten der geometrischen Abstraktkion auflösen kann.

Interessant, elf Kunstwerke haben wir auf diese Art schon beschrieben. Am Mittwoch wollen wir uns am Karlsplatz noch einmal treffen. Das Projekt ist bei der GAV eingereicht und wird bei der GV besprochen werden.Ich schreibe die letzten Texte noch rein, bin dann gespannt und werde mich wieder mehr meinen Fortsetzungsgeschichten widmen, die ja mein persönliches Schreibprojekt sind, mit dem ich mich in den Monaten Mai und Juni beschäftige.

2017-06-07

Vom Centrope ins Literaturhaus und in die Galerie Lindner

Heute war wieder ein literarischer Tag könnte man so meinen oder eigentlich auch nicht.

Am Vormittag vier Stunden, dann mit einem Umweg über den Bücherschrank, wo ich nicht fündig wurde, in die „Dokumentationsstelle für Mittel- und Osteuropäische Literatur zum Centrope Workshop“, wo wir uns inzwischen mit den Sujets befassten und Stephan Teichgräber Bücher von Beppo Beyerl, Anna Kim und den Peter Esterhazy, den ich vor ein paar Wochen gefunden habe, als ich zum orkshop oder vielleicht auch in die Hauptbücherei ging.

Ich habe das Buch jedenfalls einmal mitgenommen, dann auf meinen Schlafzimmerstapel gelegt, der inzwischen schon riesig ist und wenn man in den Büchern das Sujet analysiert, erklärte Stephan Teichgräber, kann man eine diesbezüpgliche Analyse machen und weiß alles bezüglich der Motive und der Fabeln und braucht keine Inhaltsanalyse mehr geben.

Davon komme ich so schnell wohl nicht los und will das auch nicht wirklich und der Philosoph, der mit mir das Workshop besucht, bot sich an, das nächste Mal „Den Meister und Margarita“ zu analysieren.

Das gehört zwar zur russischen Literatur und nicht zu der des Centropes, ist aber sicher interessant und bezüglich des Abendprogramms hätte es auch einige Alternativen gegeben.

So gab es ein „Worldpress-Treffen“ ganz in meiner Nähe, irgendwo im fünften und in der Hauptbücherei stellte Sybille Haman Shida Bazyar die „Bloggerdebutpreisgewinnerin“ vor.

Das wäre zwar ganz interessant gewesen, mich ihr als ein Mitglied der Jury vorzustellen, aber ich gehe eigentlich nicht so gerne zu Veranstaltungen, wo ich schon das Buch gelesen habe, außerdem hätte man sich anmelden müssen und im Literaturhaus gab es eine Performance zum Thema Kannibalismus, beziehungsweise zum „Menschen fressen“.

Das ist zwar nicht ganz mein Thema, aber sicher interessant, wie Barbara Zwiefelhofer in der Einleitung erwähnte und Maria Seisenbacher, die mit Hermann Nikklas zur „Wortwerft“ gehört, habe ich schon einmal in der „Gesellschaft für Literatur“ gehört.

Dazu kam noch eine Tänzerin, nämlich Marlene Wolfsberger und die drei, barfuß mit schwarzen T-Shirt und Jeans, hatten ein Programm erarbeitet, wo sie vom Hänsel und Gretel wo, es ja auch um das Menschenfressen, bis zu japanischen Texten, Krimifällen, da gibt es ja einiges an Kaniballismus in der Kriminalgeschichte, bis zu eigenen Texten, eine interessante Performance bote.

Das Publikum war mir wieder gänzlich unbekannt, hat also vermutlich aus Freunden und Verwandten der Veranstalter bestanden und Maria Seisenbacher, das muß ich  erwähnen, war sehr freundlich und hat mir ganz genau erklärt, wie es zu der Veranstaltung gekommen ist.

Ich habe mich mit ihr länger unterhalten und  am Rückweg dann doch noch in der Galerie Lindner vorbeigeschaut, wo es eine Vernissage gab.

„Weissbruch“ von Annete Haas und Denise Winter.

Die Frau Lindner und die Anna Lindner mit ihrem Sohn waren da und ich habe mich bei derletztern erkundigt, ob sie morgen zum „Gerstl-Symposium“ in die „Alte Schmiede“ kommt.

Sie kommt, hat sie mir gesagt und ich habe das auch vor, so daß auch der morgige Tag wahrscheinlich auch sehr literarisch werden wird.

2017-05-26

Von der Seestadt zum Museumsquartier

Eine aktive Phase meiner zweimonatigen Textrecherche- und Geschichteschreibezeit hat begonnen, als der Alfred am Donnerstag früh mit dem Karli in das Flugzeug nach Amerika gestiegen ist, um dort dreieinhalb Wochen zu bleiben und ich habee speziell für das erste „freie“ Wochenende sehr viel vor.

Mich selbst, beziehungsweise das Literaturgeflüster ein bißchen feiern, auf Einkaufstour gehen, obwohl ich mir da ja am Freitag im Traisencenter und am Samstag in St. Pöltenschon ein bißchen was zum Anziehen gekauft habe und Geschichten-, beziehungsweise Romanstudien schreiben.

Da bin ich Dank Annika Bühnemanns Schreibimpulsen ja schon fleißig unterwegs und habe bereits drei Geschichten, bezüglich meiner einsamen Pizzeria-Frau und ein ungefähres Handlungskonzept, das ich zwar, nach dem ich die Marlene Streeruwitz gelesen habe, nicht so besonders fetzig finde, habe ich auch und vor mit den Schreibimpulsen bis Ende Juni weiterzumachen. Fortetzungsgeschichte für Fortsetzungsgeschichte schreiben und dann schauen, wie weit ich damit gekommen bin.

Daß ich für ein neues Konzept durch Wien spaziere, zum  Friseur gehe und wenn nötig, mir auch was zum Anziehen kaufe, ist  nichts Neues. Da bin ich ja schon einmal im Oktober mit der U2 in die Seestadt Aspern hinausgefahren, habe dort aber eigentlich nur eine Baustelle gefunden, obwohl ich im MUSA ja von einem diesbezüglichen Schreibprojekt gehört habe, es auch eine eigene Buchhandlung gibt und mir ein E.A. Richter auch einmal sagte, er würde dort wohnen.

Was lag also näher als den Versuch zu wiederholen, obwohl ich ja ein bißchen skeptisch war, was ein Touristentag mir für mein Pronjekt bringt und da am Donnerstag ja Feiertag war, fiel das Einkaufen auch aus oder wird am Samstag nachgeholt.

Ein bißchen hatte ich Angst, daß mir nach zwei drei Stunden die Lust ausgeht, da in Wien herumzuspazieren, so habe ich mir in der vorigen schlaflosen Nacht, Gedanken gemacht, was das bringen könnte?

Daß ich wieder die Seestadt suchen werde, das war schon fix und ich hatte auch vor dort zu essen, neben dem Mc Donald`s nehme ich ja auch ganz gern einen Asia Snack, wie Beispielsweise ein Nudelbox mit Huhn. Aber das bringt nicht viel für mein Projekt und ist nichtr unbedingt literarisch. Denn große literarische Einblicke werde ich in Aspern oder in der U-Bahn nicht machen, obwohl ich am Mittwoch Michael Hammerschmid auf einem Scooter getroffen habe, als ich in die Spengergasse ging und als ich das letzte Mal von Aspern kam oder war das nach der Buch-Wien Pressekonferenz zu der Frau Führer mich einmal eingeladen hat, Stephan Eibel Erzberg, der mir sagte, daß er zum Arzt gehen müße.

Die literarischen Begegnungen passiren ja eher, wenn ich in die „Alte Schmiede“ oder ins Literaturhaus gehe und auch da nicht wirklich, denn da stehe ich meistens daneben und schaue zu, wenn sich die anderen begrüßen und Küsschen auf die Wangen drücken, aber in der Phantasie läßt sich ja einiges herstellen und da passiert derzeit auch einiges in Wien und anderswo. So wurden ja am Mittwoch, die heurigen „Bachmannpreiskanditaten“ bekanntgegeben. Also könnte ich Karin Peschka in der Seestadt treffen, wie sie sich auf ihren Text vorbereiten und vielleicht sogar schon das obligarorische Filmchen dreht oder Katja Gasser könnte ich an der alten Donau sitzen sehen, wo sie in ihr Handy oder Laptop schaut, um sich die neuen dBp-Kanditaten auszusuchen und Klaus Nüchtern und Petra Hartlieb sitzen daneben und tue das für den östBp.

Das ist ja interessant und da bin ich schon neugierig, obwohl man diese Vorschauen, wenn man viel Zeit und Geduld hat, auch selber machen kann und ich auch immer im August meine diesbezüglichen Tips abgebe.

Also gut, sehr literarisch ist ein Touristen-Spaziergang durch Wien höchstwahrscheinlich nicht, ich kann aber etwas darüber schreiben und vielleicht auch schon Beobachtungen bezüglich mein neues Konzept machen, das ja sowohl in Berlin, als auch in Wien und New York spielt und wahrscheinlich drei Handlungstränge hat.

Da ist der Ex Verleger Mortitz Lichternstern, der nach dreißig Jahren, seine Jugendliebe Mathilde Schmidt wiedertrifft und erfährt, daß er ein Kind mit ihr hat. Er hat auch Angst an Parkinson oder Alzheimer zu erkranken, weil das auch seinem Vater und Großvater so passierte oder weil ihm in letzter Zeit, statt der schönen Gedichte, wie vorher, lauter kindische Versreime einfallen.

So fährt er nach Wien zum Begräbnis seiner Ex Frau, von der er seit siebenundzwanzig Jahren geschieden ist und lädt Mathilde ein mit ihr in seinem Bus einfach wegzufahren.

Die weiß nicht recht, ob sie das angebot annehmen soll, reflektiert aber ihre eigene Familiengeschichte. Se war ein unerwünschter Zilling und wurde immer hinter ihre Schwster Natalie die ihr auch Moritz weggenommen hat, gereiht und dann gibt es  noch Lily und die könnte, außer daß sie in New York das österreichische kulturinstitut kuratiert, auch einen Blog betreiben oder eine Dissertation schreiben in der sie solche erforscht und da ist mir gestern eingefallen, daß ich ja auch eine Stipendiatin nehmen könnte, die ihre Recherchen auf den Spuren einer Bloggerin oder eines Blogpreises macht.

So weit so gut und so habe ich am Donnerstag zuerst nach einem guten Frühstück in der Badewanne „Yseut“ fertiggelesen und bin dann ohne Wasserflasche, das Wetter war ja nicht so schön und ich wollte auch nicht so viel schleppen, aufgebrochen. Das heißt, mit der U2 in Richtung „Seestadt“ gefahren, nur leider ist mein Zug nur bis zur „Aspernstraße“ gefahren. So hbin ich da ausgestiegen, habe mir eine kleine, „All you can eat Nudelbox“ vom Buffet zusammengesucht, die auf einer Bank gegessen und bin dann zwei Stunden auf der Suche nach der Seestadt herummarschiert, bin durch Kleingärten und Neubauten gegangen, bis ich wieder am Ausgangsort angelangt war.

Die Seestadt will sich von mir nicht entdecken lassen, könnte man so sagen, so bin ich am Rückweg beim Museumsquartier ausgestiegen und erlebte dort eine Überraschung, nämlich einen veganen Biomarkt, mit Gratiskostproben, grüner Tee und veganer Austrich wurde verteilt. Man konnte koste und so habe ich schon einen kleinen Vorgeschmack, auf das Buffet, das ich mir ja heute machen will, wenn ich meine Recherchen zu Hause weitermachen möchte und so läßt sich ein Feiertag auch angenehm verbringen und die Touristenströme dabei vermeiden, denn nach Schönbrunn, in den Prater, zur Stephanskirche oder in die Hofburg, wollte ich nicht wirklich marschieren.

Das habe ich schon vor ein paar Jahren gemacht, als ich, als „Strohwitwe“ einen „Pfingstmarathon“ durchführte und dabei Marlene Streeruwitz „Verführungen“ las. Einen Pfingst- oder Lesemarathon werde ich aber nächste Woche wieder machen, dabei vielleicht meine eigenen Bücher lesen und die Termine für den öffentlichen Raum, den ich ja mit der Ruth erforschen will, habe ich mit ihr auch schon abgemacht.

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