Literaturgefluester

2016-09-08

Kremayr & Scheriaus neue Romandebuts

Die neue Literaturschiene bei „K& S“ gibt es seit einem Jahr, auch damals wurden die Debutanten Irmi Fuchs, Daniel Zipfel und Marianne Jungmayer in der „Gesellschaft für Literatur„, sowie im „Tahlia“ vorgestellt und nachher gab es noch eine große Party im 7*.

Ich war auch damals mitten drin im Buchpreisbloggen, im deutschen, daß es heuer auch ein österreichisches geben wird, haben damals ja alle dementiert, habe gerade den dicken Setz gelesen, mir die Bücher aber bestellt und als ich im Frühjahr aus Leipzig zurückgekommen bin, habe ich das neue alte Buch der Gertraud Klemm gelesen und diesen Sommer gab es bei den O-Tönen ja die Debutschiene mit Irmi Fuchs, Daniel Zipfel und Petra Piuk von K& S.

Die „Sommernomaden“ das zweite Buch der Marianne Jungmeier habe ich mir dann auch bestellt und gestaunt, daß es einige der Debutanten auf das Lesepult gebracht hat und, als ich vor zwei Wochen das letzte Mal richtig bei den O-Tönen war, vorige Woche bin ich ja nur daran vorbei nach Haus gegangen, machte mich der Lehrer Christian auf die neuerliche Veranstaltung in der „Gesellschaft“ aufmerksam.

Da hatte ich zwar auch schon die Einladung bekommen, aber Iris Blauensteiner, Simone Hirth?

Huch, keine Ahnung, sollte ich sie kennen?

Inzwischen habe ich die beiden Bücher auch schon eingekeilt, neben der „Vegetarierin“ und dem großen deutschen und dem noch eher kleinen  österreichischen Buchpreisstapel liegen.

Aber Daniel Emmingers Buch ist heute zu mir gekommen und ich bin auch ein bißchen früher weg, weil ich mir ja noch das Leseprobenheftchen holen wollte. Das Österreichische, das hundertzwölf Seiten stark ist, mit vielen Insiderinformationen, wie glaube ich auf der Facebuchseite steht, das Deutsche bestelle ich mir ja nicht mehr, seit  da die Hintergrundinformationen verschwunden sind und ich die Leseproben und das Autorenfoto ja auch im Internet finden kann und weil ich jetzt auch die Bücher selber lese, brauche ich sie nicht.

2009 bin ich aber sehr herumgeirrt und habe mich gewundert, daß es das in Wien nicht gibt.

Gibt es nicht okay und brauche ich auch nicht, aber am Nachmittag in die „Buchinsel“ auf der Margaretenstraße und dort nachfragen.

Sie hatten nicht und werden auch nicht bestellen, weil der Buchhändler ja für das Büchlein zahlen muß und die Leute, die danach fragen, ohnehin nichts kaufen, wie mir einmal vor Jahren, der alte, eher grantige Vorgänger dort sagte, als ich nach dem „Tag des Buches-Büchlein“ fragte. Inzwischen gibt es einen anderen Buchhändler und der hatte im April das „Literatier“, die freundliche ältere Dame sagte mir aber, ich wäre die erste, die danach fragte und verwickelte mich dann in ein längeres Gespräch über die Listenbücher. Sie war bei den O-Tönen und hatte die Anna Weidenholzer, die zwar auf der anderen Liste, stehen liegen und hui, die Buchhänder zumindest manche, sind also doch sehr kompetent und interessieren sich für Literatur und ich ging  mit meinem Einkaufskorb weiter zum „Hofer“, bei Anna Jeller vorbei, von der ich schon wußte, daß sie es nicht haben wird, die Olga, die ich von der Facebookseite kenne, saß aber lesend am Türstapel und sagte mir auch sehr freundlich „Das haben wir noch nicht!“

Hui, also doch sehr schwer, aber vor der „Gesellschaft“ zum „Morawa“ schauen und wenn es es auch dort nicht gbit, kann ich ja noch immer dem Haptverband ein Mail schreiben, wenn ich nicht bis zu „Buch-Wien“ warten will.

Ich bekam es aber schon vom „Frick“ und der Lehrer Christian, der mit einem ganzen Sack gekaufter Bücher in die „Gesellschaft“ kam, hatte es vom „Morawa“, aber jetzt die Debuts, die dann vielleicht das nächste Jahr auf der Debutpreisliste stehen werden oder Saisonbeginn, wie mir die alte Dame, die ich immer bei den Veranstaltungen treffe, verkündete, die Sommerlesereihen, wie die OTöne sind vorüber und diesmal habe ich mir ja einen sehr intensiven literarischen Sommer in Wien gegeben und jetzt beginnt die Saison.

Bei mir hat ja schon vor zwei Wochen das große Lesen angefangen und jetzt die Debuts und zwei junge Frauen, deren Namen und Lebensläufe mir nicht sehr viel sagten, die aber trotzdem bei sehr interessante Themen hatten.

Ursula Ebel moderierte und stellte zuerst die 1985 in Deutschland geborene Simone Hirth vor, die in Leipzig am „Literaturinstitut“ studierte und jetzt in Gablitz im Wienerwald Autorin und Lektorin ist.

Ihr Buch ist vielleicht auch ein Kanditat für den interessantesten Buchtitel, nämlich „Lied über eine geeignete Stelle für eine Notunterkunft“ und handelt von einer Aussteigerin, deren Welt in Trümmern liegt, die Arbeit verloren oder hingeschmissen, das elterliche Haus wird abgerissen und die namenlose Ich-Erzählerin steigt aus und baut sich offenbar irgendwo im Wald oder hinter Büschen eine Hüttel aus Ziegel und Fragmenten, Trümmern also und die Sprache besteht auch sehr kurzen aufgeschnappten Sätzen. Ein sehr interessantes Buch, das ich, wenn ich mit der Sibylle Lewitscharoff und vorher kommen noch Melle, Stadler und Steinaecker, fertig bin, lesen werde oder vielleicht beginne ich auch mit „Kopfzecke“ von der 1986 in Wien geborenen Iris Blauensteiner, die auch Filmemacherin ist und in „Wartholz“ gewonnen hat.

In den „Koliken“, hat sie, wie Simone Hirth verlegt, aber das ist wahrscheinlich das gemeisame zwischen allen „K&S“ Debutanten, Gustav Ernst spielt da wahrscheinlich auch eine gewisse Rolle, zumindest habe ich ihn auf dieser Verlagsparty gesehen und da hat er mir Petra Piuk vorgestellt.

„Kopfzecke“ ist die Geschichte einer Demenz oder die der Beziehung zwischen einer fünfzigjährigen Tochter, die ihre Mutter in ihrer ehemaligen Kinderwohnung pflegt,  die Rollen vertauschen sich und ein Geheimnis gibt es auch zu entdecken, wie die Autorin verschämt lächelnd sagte und darauf hinwies, daß man es erfährt, wenn man das Buch am reich gedeckten Büchertisch erwerben wird.

Nun ich werde es erfahren und kenne mich mit Demenz ja nicht nur durch den Psychologieunterricht im Geriatriezentrum Wienerwald, den ich einmal gegeben habe, jetzt gibt es das Geratriezentrum ja, glaube ich, nicht mehr und die Pflege meines Vaters und des Schwiegervaters ein wenig aus, nein ich habe ja auch darüber geschrieben, interessant ist aber sicher, wie das eine dreißigjährige junge Frau sieht, die auch sagte, gar nicht soviel darüber recherchiert zu haben.

Die „K& S Debutanten“ haben also realistische Themen und die interessieren mich ja sehr, ich bin also sehr gespannt, wie die Bücher mit gefallen, ein paar Wochen wird es ja noch dauern, bis ich sie besprechen werden und was und wo ich von den zwei jungen Frauen noch hören oder lesen werde.

2015-06-03

Von Friederike Mayröcker zu Ceija Stojka

Von der lieben Christel Fallenstein kam um Ostern die Nachricht, daß Friederike Mayröcker am 3.6. Ehrenbürgerin der Stadt Wien, bzw. ihr dann die Uhrkunde im feierlichen Rahmen übergeben wird und ob ich dazu kommen will?

Dann sandte sie mir noch eine Aufstellung, wieviel Ehrenbürger der Stadt Wien es schon gibt und wieviele Frauen darunter sind.

Sehr wenige natürlich und natürlich wollte ich zu der Veranstaltung gehen und in meinem Blog darüber berichten, halte ich mich zwar nicht gerade für eine Mayröcker-Spezialistin, ich bin auch kein besonderer Fan von ihr, war aber bei einigen Veranstaltungen und ohne jeden Zweifel ist sie neben Ilse Aichinger derzeit wahrscheinlich die wichtigste österreichische Autorin, gefolgt von Elfriede Jelinek, Marlene Streeruwitz, etcetera, etcetera, die um einiges jünger sind.

In den Stadtsenatssitzungssaal wurde eingeladen, das stand zumindestens auf meiner Einladung und das ist, glaube ich der, mit den Portraits der Bürgermeister, wo dann alle sagen, die Proportionen des Herrn Zilk stimmen aber ich nicht und ich sage, aber das Bild wurde von Maria Lassnig gemalt.

Gestern oder vorgestern stand dann bei „bücher.at“ etwas vom roten Salon, keine Ahnung, wo der ist, noch nie etwas von einem roten Salon gehört, aber als ich heute vor elf das Rathaus betrat, standen nicht nur Robert Menasse und Anna Jeller im Eingangsbereich, um nicht zu schreiben im Weg, sondern es gab auch ein Hinweisschild „zum roten Salon“.

Der freundliche Beamte, der mir den Liftknopf drückte, erklärte mir, daß das die Räume des Herrn Bürgermeisters wären und dort sammelte sich dann schon die Prominenz.

Helmut Peschina, Julia Danielcyk, Andrea Grill, Christine Huber, Judith Nika Pfeiffer, zwei Damen vom Literaturhaus, Christel Fallenstein und und und.

Wenig Platz für soviel Leute, einige mußten schließlich auch stehen, zuerst kam Friederike Mayröcker, dann der Bürgermeister Häupl und drückte zuerst einigen Herren und dann der Ehrenbürgerin die Hand.

So ist das eben, wo es vor dem Stadtsenatssitzungssaal eine Tafel mit den Ehrenbürger seit Achtzehnhundertichweißnichtwas und vier mickrigen nicht extra bezeichneten Damen gibt, was aber jetzt geändert wurde, denn jetzt gibt es eine neue Tafel auf der anderen Seite und da steht dann „Bürger und Bürgerinnen“.

Friederike Mayröcker ist die erste Bürgerin auf dieser Tafel und Klaus Kastberger, der neue Uniprofessor von Graz, neuer Leiter des Grazer Literaturhaus und neuer Bachmannlektor, also ein sehr wichtiger Mann, von dem ich vor kurzem herausbekommen habe, daß er auch twittert, hielt die Laudatio und wies auch auf diesen Umstand hin.

Zuerst eröffnete aber Stadtrat Mailath-Pokorny, den ich zueltzt vor drei Wochen gesehen habe, als er einige Leute am Westbahnhof am Bahnsteig vor dem Zug nach Zürich bzw. Innsbruck verabschiedete und Klaus Kastberger ein wahrer Mayröcker Kenner führte rasch durch das Werk der achtzig Bücher ihres über sechzigjährigen Schreiberinnenlebens.

„Larifari“ das erste 1954 erschienene Bändchen, ein „konfuses Buch“, wie es bezeichnet wird, habe ich im „Seedosen-Schrank“ gewidmet, gefunden.

Biografie gibt es keine, meinte Kastberger, denn man könne über die nicht erzählende Autorin nicht viel sagen: „vor neunzig Jahren geboren, schreibt seit über sechzig Jahren achtzig Bücher, wohnte in drei Wohnungen, räumte sie voll, dazwischen gab es noch Ernst Jandl, punktum aus.“

Man könnte sich noch über die Gattungsbezeichnung unterhalten. Romanschreiberin nicht, das fällt aus, daß traut sich nicht einmal „Suhrkamp“, der doch bei allem „Roma“n drunter schreibt, damit es sich besser verkauft.

Also „lyrische Prosa“, so würde ich es jedenfalls bezeichnen, denn ich denke Lyrik es nicht, zumindest nicht die letzten Werke.

Alterswerke kann man nicht sagen, meinte Klaus Kastberger.

Friederike Mayröcker hat kein Alterswerk, sondern fängt mit jedem ihrer Bücher von vorne an. Ist also immer wieder Debutantin und dann kam der Herr Bürgermeister und die Fotografen und man rannte durch einen langen engen Gang, wo schon das Buffet aufgestellt war und man die Schnitzel und die Sushi sehen konnte, zum Stadtsenatssitzungssaal und ich kam gerade zurecht, wie der Herr Bürgermeister die Tafel enthüllte, konnte auf den einzigen Namen auf der sonst leeren Tafel schauen, entdeckte erst später die beiden anderen auf der anderen Seite und lief dann zurück zum Buffet, nach dem ich Frau Mayröcker die Hand geschüttelt habe und ihr alles Gute wünschte!

Muß auch nicht gerade leicht sein, soviele Händedrücke von Menschen zu bekommen, die man vielleicht noch nie gesehen hat, aber Friederike Mayröcker hat ein Stammpublikum und so kennt sie wahrscheinlich die meisten und dann zurück zum Buffet.

Wow, Schnitzel, Sushi, Fleischknödel, Süßspeisen und noch vieles mehr und da hatte ich mir die üblichen Brötchen erwartet und mir im vorherein schon überlegt, ob das für das Mittagessen reichen würde?

Drückt irgendwie die Wertschätzung der Stadt gegenüber ihren Ehrenbürgern aus, bei „Autorinnen feiern Autorinnen“ gibt es nicht einmal ein Glas Wein und im „MUSA“ Wein und Brot, habe ich gedacht, aber andererseits gibt es wahrscheinlich nicht so oft Ehrenbürger zu feiern und da sind die Schnitzerln wahrscheinlich drinnen, noch dazu, wo, wie wir ja hörten, die meisten diesbezüglichen Feiern bisher die von Männern waren.

Sehr viel Feierlichkeit also, sehr viel Prominenz und auch Gespräche mit Leuten mit den ich sonst nicht so leicht ins Gespräch komme, so habe ich Klaus Kastberger beispielsweise  auf Ronja von Rönje angesprochen und mit der Dame von der „Mayröcker Gesellschaft“, die auch Psychologie studierte, diskutiert etc und am Abend ging es zu einer anderen „Ehrenbürgerin“, deren Name nicht auf den Tafeln steht, aber stehen könnte, wenn sie noch leben würde, nämlich zu der 2013 verstorbenen Ceija Stojka nach der jetzt ein Platz im siebenten Bezirk benannt ist und von dort sollte es  einen Spaziergang ins Amerlinghaus, zu einer Lesung aus ihrer Lebensgeschichte mit Nuna Stojka und Julya Rabinowich gehen.

War dann nicht ganz so, denn als ich die Altlerchenfelderkirche erreichte, wo sich der Platz befindet, fand ich zwar Christa Stippinger und einen Teil der Familie Stojka auf den Bänken sitzend vor, es gab aber nur ein großes Fotoshooting, dann wurde ins Amerlinghaus gefahren und dort wartete Hojda Stojka, der Sohn mit Family und Friends, das heißt, zwei Gitarren und einem Sänger und Christa Stippinger erklärte, daß die Veranstaltung im Rahmen „Vierzig Jahre Amerlinghaus“ stattfand, denn vor vierzig Jahren wurde das Amerlinghaus, das mit dem ganzen Spittelberg abgerissen werden sollte, besetzt, es hat sich n das Kunst- und Kulturzentrum gebildet, das  auch schon bedroht war, jetzt aber gefeiert wird und Christa Stippinger, die ich im Rahmen des Arbeitskreises schreibender Frauen kennenlernte, war dort schon bald tätig und hat  dann auch Ceija Stoika, die Überlebende von drei KZs kennengelernt, mit der sie viele Workshops machte und an die zwölftausend Kindern und Jugendlichen ihr Schicksal darbrachte, daß da ist, daß sie 1933 in der Steiermark in eine Romafamilie hineingeboren wurde, 1943 zuerst nach Auschwitz, dann nach Ravensbrück und nach Bergen Belsen kam, später zu malen angefangen hat und drei Bücher über diese Zeit geschrieben hat, die bei „Picus“ herausgekommen sind.

Eines „Auschwitz ist mein Mantel“ ist in der „Edition Exil“ erschienen und daraus hat Nuna Stoija, die Schwiegertochter gemeinsam mit Julya Rabinowich gelesen, während der Sohn mit seiner Familiy spielte und ein Cousin namens Christian immer wieder Roma-Lieder sang und es auch eine Ceija Stoika-Ausstellung ihrer Bilder gab-

Danach las Julya Rabinowich eine Szene aus ihrem „Spaltkopf“ und Christa Stippinger erzählte am Anfang, daß sie einmal einen „Exil-Preis“ gewonnen hat, dann kam sie in ihre Schreibwerkstatt daraus ist der „Spaltkopf“ entstanden, der  in „Rauris“ einen Preis gewonnen hat, womit Julya Rabinowichs literarischer Aufstieg begann.

„Spaltkopf“ wurde bei „Deuticke nochmals aufgelegt, aber auch die „Herznovelle“ und die „Erdfresserin“.

Julya Rabinowich hat beim „Bachmannpreis“ gelesen, hat eine Kolumne im „Standard“. Ich habe sie bei „Literatur und Wein“ gehört, bei der Eröffnung des „Literaturmuseums“ und vielleicht bekommt sie auch den nächsten „Veza Canetti Preis“, jedenfalls hat sie bei der Grundbuch-Veranstaltung den „Oger“ vorgestellt.

2015-05-26

Entladende Familiengeheimnisse

Jetzt gehts nach zwei Wochen  Pause wieder mit den Veranstaltungen los, denn vor zwei Wochen, hatte ich um sechs eine Stunde und wäre dann zu spät in die „Alte Schmiede“ gekommen und am vorigen Donnerstag, wo ich ebenfalls eine  hatte, bin ich zwar hin, weil dort um zwanzig Uhr Helmuth Schönauer lesen hätte sollen. Leider war aber er oder Markus Köhle, der Moderator erkrankt und am Mittwoch, als wir um neun Uhr Abends in Meidling ausgestiegen sind, gab es sowohl im Literaturmuseum das Schreibgespräch zwischen Marie Therese Kerschbaumer und Clemens Berger und dann noch den Tag der „Freiheit des Wortes“, für beides war es aber schon zuspät, so ging es heute zur der Präsentation der Literaturzeitschrift „Entladungen“, die die „AGA – Arbeitsgemeinschaft Autorinnen“, die Elfriede Haslehner vor zig Jahren in der VHS Ottakring gründete und dann an Barbara Neuwirth weitergegeben hat, herausgibt. Das letzte Jahr war ich schon bei den „Entladungen der Sterne“ im Dachgeschoß der Urania, diesmal ging es um die Familiengeheimnisse, ich habe die Hilde Langthaler getroffen und die Frau, die den Tagebuchtag organisiert und Barbara Neuwirth hat wieder eingeleitet und ein bißchen was zu dem Heft erzählt. Das Thema wird offenbar gemeinsam ausgewählt und dann schreiben die Autorinnen, die sich monatlich, glaube ich in der VHS treffen, um ihre Texte zu besprechen, keine Schreibübungen zu machen, wie Barbara Neuwirth betonte und die Veranstaltung Schreibsalon nannte, ihre Prosa oder Lyrik dazu und bei Familiengeheimnisse kann es um Kuckuckskinder, die schiefe Bahn eines Familienmitglied oder auch über die Nazi-Vergangenheit gehen und dann begann sie, den Text der zweiundneunzigjährigen Maria Kohlbeck, die sich krankheitshalber entschuldigen ließ und deren Texte, wie Barbara Neuwirth betonte, so anders, wie die der anderen wären. Ich habe ihn sehr interessant gefunden, die Geschichte von der Frau, die sich bei ihrer Hochzeit kurz nach dem Krieg ärgert, daß ihr die  Schwiegermutter die Hochzeitsfotos verbietet. Ihre anderen Kinder hätten auch keine gehabt. Lange danach kommt sie bei einer anderen Hochzeit darauf, daß der Grund dafür der Stahlhelm war, der neben der damiligen Braut anstelle des Bräutigams auf dem Sessel saß.2 Dann begann die Autorinnenrunde mit der Ärztin, der „Lise-Meitner-Preisträgerin und GAV-Mitglied Monika Vasik. Sie las Gedichte und Radegund Hains Geheimnisse bewegten sich um die „Altlasten“ einer arisierten Villa, während Josefa Mayer-Proidl, die immer weit angereist zu den Arbeitsgemeinschaftstreffen kommt und  sehr gutes Käsegebäck mitbrachte, schloß sich in ihrer stark verkürzten Geschichte dem Thema an, in dem sie von einem Cezanne erzählte, der einmal im Elternhaus der Protagonistin hing, aber eigentlich der Großmutter ihres inzwischen nach Amerika emigrierten oder auch schon dort geborenen Liebsten gehörte. Julia Lajta-Novak las. wenn ich mich nicht irrte, etwas von den Mendelschen Gesetzen und Eva Holzmairs Geschichte war sehr interessant. Da traf sich die Familie nach dem Tod der Großmutter, um sich die Verlassenschaft der Großmutter zu teilen, während Ilse Krüger-Skelenika in ihrer Geschichte ihren Vater sucht, denn den hat die Mutter der Tochter nicht verraten. Sascha Wittmann, die, glaube ich, selbe Schreibtrainerin ist, begann dann damit, daß es in ihrem Leben keine Geheimnisse mehr gäbe, denn die wären alle schon durch einen Prozeß veröffentlicht worden und begann von der trinkenden Mutter, der Supermarktverkäuferin und dem arbeitslosen „Onkel“ zu erzählen, der bei der Mutter wohnt und von ihrer Armut, so daß sie sich das Geld für das „Bravo“, das sie sich in ihrer Clique immer kaufen, klauen muß, der „Onkel“ erwischt sie dabei, vergewaltigt sie dafür, sie wird schwanger, kommt ins Heim, weil sie erst zwölf ist, die Mutter später in ein Altenheim und dann erbt sie noch eine Wohnung von einem Großvater, den sie eigentlich schon lange für tot gehalten hat. Brutal, wie das  Leben heute sein kann oder es auch in der Zeit war, als Egon Erwin Kisch in seinem „Jahrmarkt der Sensationen“ von den Vergewaltigten Dienstmädchen schrieb. Damals waren es die Dienstherren, heute die Liebhaber der Mutter und die Geheimnisse werden oft auch noch öffentlich gemacht. Die pensionierte Ärztin Inga Wißgott, die bei den Ärzten ohne Grenzen gearbeitet hat und die ich schon einmal bei „Rund um die Burg“ und bei den vorigen Entladungen, wie auch die meisten der anderen Autorinnen hörte, erzählte von dem Geheimnis einer Jugendfreundin, die ihren Großmüttern eine Matura vorgaukelte, während sie die Klasse wiederholen mußte. Sie wollte sie zwar nachholen, aber da war sie schon schwanger und nach ihrem Tod, kommen die Kinder zu ihr und sind empört, weil sie nichts davon wußten. Dazwischen kamen noch Gedichte von Monika Vasik  und Christa  Kortners „Kränkung“, die Geschichte einer Gerti, die nie geheiratet hat, weil ihr ihre Schwester erzählte, daß sie mit offenen Augen schlafen würde. Als alte Frau wird sie aufgeklärt, daß das nicht stimmt und fängt zu weinen an und Barbara Neuwirth fügte noch die kleinen Geheimnisse der Maria Kohlbeck an, wo Vater und Tochter, der Mutter, wenn sie verreist sind, nicht erzählen, daß sie nicht täglich Staub gewischt und Geschirr abgewaschen haben. Ja so kann es sein mit den kleinen und den großen Familiengeschichten, die heute bloß gelegt wurden, das Heft gabs nachher zu kaufen, Christa Kern, die heuer nicht gelesen hat, stand am Büchertisch, es gab Saft und, wie schon erwähnt Käse und anderes Knabbergebäck, interessante Gespräche und eine Menge interessanter Texte von interessanten Autorinnen. JuSophie, die ich das letzte Jahr getroffen habe, war heuer auch nicht dabei.

2014-12-20

Ein Radiotag mit Friederike Mayröcker

Filed under: Uncategorized — jancak @ 18:17

Ö1 macht es möglich, zum neunzigsten Geburtstag der Grand Dame der Literatur, der F. M. Vertraute und Literaturprofessor Klaus Klastberger, will, wie er am Donnerstag in der „Alten Schmiede“ hören ließ, diese „Journalisten-Bezeichnung“ nicht so gerne hören, also lieber „Nobelpreisträgerin des Herzens“, wie sie einmal KP-Berzirksrat Jurjans nannte, nachdem sie für einen Sozialmarkt im fünften Bezirk unterschrieben hatte.

Friederike Mayröcker einen ganzen Tag lang die geehrte im Programm zu bringen oder das Programm mit ihr zu machen, ist sie ja eine Ö1 Hörerin und tritt dort offenbar auch gerne auf und so muß man sich keine Sorgen machen, der österreichische Rundfunk hat seine große Dichterin nicht vergessen, im Fernsehen gab es im Kulturmontag einen schönen Film von Katja Gasser, den ich mir ein paarmal angesehen habe und in dem man sehr viel über die alte Dame, die eine sanfte Stimme, ein sympathisches Lächeln und eine sehr positive Ausstrahlung hat, erfahren kann.

Ich bin ja, obwohl ich gerade so viel über sie schreibe und mir den Mayröcker-Tag auch sehr intensiv gegeben habe,  kein Mayröcker-Fan, das geht auch gar nicht, denn ich halte ja sehr viel von Plots und vom Erzählen und so halte ich  Aussagen, daß man das ablehnen würde, zwar nicht gerade für dumm, aber doch vielleicht für engherzig und begrenzt und muß auch bekennen, daß ich mit Friederike Mayröcker lange nicht viel anfangen konnte, sie für eine experimentelle Schreiberin hielt und das ist ja nicht unbedingt das meine.

Trotzdem kam man, wenn man in Wien lebt, sich für Literatur interessiert und in den Siebzigerjahren zu schreiben angefangen hat, um das Dichter Paar Jandl-Myröcker nicht herum.

Ich habe gerade in meinem Bibliothekskatalog nachgesehen, was ich von ihr habe, da gibt es zwei „Suhrkamp Taschenbüchlein“ „“Die Abschiede“ und „Ein Lesebuch“, eines habe ich, wenn ich mich nicht irre, von Brigitte Guttenbrunner, zu einem meiner Feste bekomme und im Lesebuch ist auch einiges angestrichen, also habe ich hineingeschaut und wahrscheinlich nicht sehr viel verstanden und eine besondere Rarität habe ich auch, nämlich „In langsamen Blitzen“- eine Ausgabe des Berliner literarischen Colloquium, aus dem Jahr 1974, auf der Rückseite steht der stolze Preis von österreichischen Schillingen 62.40 für ein vierzig Seiten Büchlein.

Ob ich das so gekauft habe oder in einer Abverkaufkiste um fünf oder zehn Schilling, weiß ich nicht mehr, glaube mich aber zu erinnern, daß ich an dem Tag an der Kiste vorbeigegangen bin, als mir eine Illustratorin ihre Illustrationen für „Die Einladung zum Tee“ brachte, die im „Sterz“ das war Ende Siebzig, erscheinen sollte, aber nie erschienen ist.

Interessiert habe ich mich also schon damals für die große Dame, aber nicht sehr viel gelesen und das habe ich, ich gebe es zu, bis heute noch nicht.

Nur „Und ich schüttelte einen Liebling“, zu Lesungen bin ich aber öfter und regelmäßig, meistens in die „Alte Schmiede“ gegangen, an eine in dem alten Hofquartier, wo es um die „Magischen Blätter“ ging, kann ich mich erinnern und an die, wo ich im Hof gestanden bin, weil ich zu spät dran war, ich war bei Lesungen von „Scardanelli“, dem „Vogel Greif“, bei anderen der letzten Bücher dann wieder nicht, jetzt bei dem Symposium und als ich da am Montag, Mittwoch und Donnerstag berichtet habe, bin ich auch über den ORF-Schwerpunkt im Radio gestoßen und dann sozusagen befriedigt am Freitag mit dem Alfred nach Harland gefahren.

Ins Akademietheater zum „Requiem für Ernst Jandl“ wäre ich wahrscheinlich ohnehin nicht gegangen, obwohl ich schon am Mittwoch darauf aufmerksam gemacht wurde und Kurt Neumann am Donnerstag auch erwähnte, daß es noch Karten gäbe.

Aber ich bin keine Theaterbesucherin und so habe ich heute, als ich um etwa sieben aufwachte, mir gleich den Programm-Schwerpunkt eingeschaltet und da wurde schon im Morgenjournal auf den Geburtstag hingewiesen und um 7 Uhr 33 ging es mit der Friederike Vorschau  weiter, berichtete die Lieblingsradiostimme von Frau Mayröcker doch, was es den ganzen lieben langen Tag über sie so zu hören geben würde und das war dann gleich um neun, das Radiofeature „Mein Schatten wirft ein Fliederbaum“ von Norbert Hummelt, wo man über ihre Kindheit in Deitzendorf, wo sie die ersten elf Lebenssommer in dem Bauernaus ihrer Eltern verbrachte, bis diese ihn verkaufen mußten und dadurch die Liebe zu der Natur, den Pflanzen und den Tieren, erfahren konnte.

In der Sendung gab es immer wieder Telefongespräche, wo Frau Mayröcker den lieben Norbert anrief und ihm berichtete, wie weit sie schon mit der Vorbereitung auf die Sendung ist. Dazwischen bin ich in die Badewanne gestiegen und habe weiter in Ljudmilla Ulitztkayas „Reise in den siebenten Himmel“ gelesen und danach mit dem Rad an der Traisen in die Stadt gefahren, um den Alfred am Markt zu treffen und mit ihm eine Käsekrainer zu essen. Da gab es heute Gratispunsch und dadurch habe ich  Ö1 bis zwei mit Elke Tschaikner und Christian Scheib versäumt, inzwischen kann man aber alles sieben Tage lang nachhören und so habe ich meinen Mittagsschlaf gleich mit der Hörspielgalerie und dem, ich glaube, Hörspiel eines Jahres „Das zu Sehende, das zu Hörende“ mit Musik von Ernst Kölz, richtig eine Hörspielautorin ist die F.M. auch, darauf habe ich jetzt fast vergessen, weil das Hörspiel auch nicht so ganz das meine ist, verbunden und dann ging es bis fünf mit Irene Suchy und „Apropos Friederike“ weiter, die das Musikalische der Dichterin, bzw. ihre Lieblingskomponisten vorstellte.

Bach, Händel, Liszt, vertont ist sie auch worden, aber nicht so viel, weil sie, wie ihr ein Komponist einmal sagte, ohnehin schon so musikalisch ist.

Am Abend geht es weiter mit einem Abend aus dem Radiokulturhaus „FM90“ mit Philiph Scheiner und der Frage von Johannes Kaup „Was glauben Sie?“, ist sie ja, habe ich am Montag aus dem Film gelernt, religiös, hat allerdings ihren eigenen Gott, an den sie glaubt und der ORF hat in seinem Schwerpunkt auch ein sehr schönes Archiv, das ich wirklich nur empfehlen kann.

Ich habe das inzwischen auch und würde sagen, daß ich spät und vielleicht immer zufällig und nebenbei zu der Dichterin gekommen bin, der ich  auch öfter über den Weg laufe, wenn ich einkaufen gehe, weil sie ja in der Zentagasse wohnt und Christel Fallenstein, ihre Vertraute, habe ich einmal oder sie mich im Literaturhaus oder so bei einer Veranstaltung angesprochen, dann hat sie mir ein Mail vor vier Jahren geschickt, so habe ich mein erstes kleines Archiv angelegt, das sich inzwischen durch die Geburtstagsveranstaltungen sehr erweitert hat und, daß sie schon lange keine experimentelle Dichterin ist, sondern mit ihrer wunderschönen Sprache über den Alltag des Lebens sehr originell und einzigartig erzählt, bin ich auch schon daraufgekommen.

So wiederhole ich also mein „Alles Gute zum Geburtstag!“ und habe außer dem Buch der Erika Kronabitter, das ich demnächst lesen werde und das auch im Radio erwähnt wurde, noch ein besonderes Schmankerl auf meiner Leseliste, nämlich das erste, 1956 bei „Bergland“ erschienene Bändchen „Larifari- ein konfuses Buch“, das sogar am 21. 3. 1958 von ihr signiert wurde und ziemlich neu und ungelesen aussieht.

Man findet in den Schränken, habe ich einmal geschrieben,  relativ wenig von Friederike Mayröcker, obwohl sie ja sehr viel, zwischen achtzig und hundert Bücher, da gehen die Meinungen, die ich in den letzten Tage, hören konnte, auseinander,  hat und vor allem die letzteren, „Der Vogel Greif“, „Ich bin in der Anstalt“, „Scardanelli“, „Etudes“, „Cahier“, etc, scheinen sehr interessant zu sein und die „Abschiede“ und das „Lesebuch“ könnte ich  auf meine Leseliste setzten, da ich mich an die Bücher, selbst wenn ich sie gelesen habe, nicht mehr richtig erinnern kann.

2014-12-18

Strahlung und Reflexion der Friederike Mayröcker

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:23

Am Samstag ist es so weit, da wird die „Fritzi“ neunzig und einige Vorboten der Festivitäten hat es im Literaturhaus schon gegeben und die „Alten Schmiede“ begann am Montag mit einer dreitägigen F.M. Veranstaltung, denn Friederike Mayröcker ist der „Alten Schmiede“, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung betonte, so verbunden, wie kein anderer Autor, keine andere Autorin sonst.

Im September 1975 hat sie dort das erste Mal gelesen und dann fast hundert Mal in vierzig Jahren, bei einigen Veranstaltungen bin ich gewesen, bzw. im Gang dieses Hof Lokals gestanden, wenn es mir nicht gelungen ist, rechtzeitig da zu sein, denn die Lesungen der Fritzi sind ja sehr begehrt und über einige habe ich auch gebloggt.

Bei „Scardanelli“ bin ich, glaube ich, in den hinteren Reihen gestanden und habe mich langsam, ganz langsam nach vorn gedrängt. Dann bin ich 2009 mit dem Alfred am fünften Nanowrimo-Tag hinmarschiert, obwohl ich ja eigentlich zu Hause bleiben und schreiben, wollte, aber das Schreiben ist für die Friederike Mayröcker auch sehr wichtig und in den „Magischen Blättern“ steht glaube ich der Satz „Da hat man sich sein ganzes Leben lang bemüht und es ist nichts ordentliches dabei herausgekommen.“

Bei der Präsentation der „Etüdes“ bin ich gewesen und bei vielen Veranstaltungen wo M.F. mitmachte, bzw. im Publikum war, bei vielen anderen nicht.

Gelesen habe ich „Und ich schüttelte einen Liebling“ und „Larifari“ ich glaube, die erste Veröffentlichung, habe ich einmal in der Telefonzelle bei der „Seedose“ gefunden.

Am Montag auch sehr voll und ich bin in den hinteren Reihen gesessen und habe bei der „Stunde der literarischen Erleuchtung“ wo Friederike Mayröcker und Bodo Hell  Jackes Derrida „Glas“ oder zu Deutsch „Die Totenglocke“ vorstellte, von den beiden nicht sehr viel gesehen.

Der französische Philosoph Jaques Derrida, 1930-2004, ist mir ein Begriff, weil Friederike Mayröcker ihn in ihren Werken sehr oft erwähnt, sonst war er mir aber ziemlich unbekannt und so war ich auch sehr gespannt auf die Coference, nämlich Bodo Hells Lesung aus den Originaltexten, Friederike Mayröcker hat dagegen Stellen aus den „Etudes“ und „Cahier“ gelesen, die sich darauf bezogen.

Dann ging es einen Stock hinauf, in die „Alte Schmiede“, denn da wurde ein Film gezeigt, den Carmen Tartarotti mit Bodo Hell 1990 für den ORF über Friederike Mayröcker gedreht haben.

„1Häufchen Blume-1Häufchen Schuh“, für die „Kunststücke“, deshalb wurde auch eine besondere Filmtechnik verwendet, wie die Beiden in der Einleitung erklärten und dann gab es fünfundvierzig Minuten lang eine vierundzwanzig Jahre jüngere Friederike Mayröcker, die in ihrem Haus in der Zentagasse auf und ab geht, man sieht die Wohnung mit den vielen Manuskripten, sieht F.M. mit langen wehenden Mantel spazieren gehen und ich glaube auch kurz bei einer Lesung in dem nicht mehr existierenden Hofsaal der „Alten Schmiede“ und konnte ihre Ansichten über das Bücherkaufen hören, es scheint ihr da wie mir zu gehen, sie kauft, ich sammle, mehr als wir beide jemals lesen können, sie leistet sich aber diesen Luxus, erklärte die Wichtigkeit des Schreibens für sie und daß sie am Nachmittalg am liebsten mit einem Hund spazieren gehen würde.

Man hört sie auch ihre Ansichten zur Mode äußern, in den Sechzigerjahren war sie sehr modebewußt, wie sich ihre Schüler, hat sie ja einmal glaube ich Englisch unterrichten, erinnern. Dann hat sie sich flache Schuhe und schwarze Hosen angewöhnt und über ihre Angewohnheiten, wenn sie auf Reisen geht, ein „Tabu-Brett“ auf den Fußboden zu legen, um die Einbrecher abzuhalten hat sie auch berichtet.

Ein spannender Film, zeitlos fand jemand im Publikum, es gab darin aber eine Lesung, einer sehr jungen Friederike Mayröcker aus 1970, wo ich sie eigentlich nicht erkannt hätte und ein anderer Herr wollte wissen, warum und ob der ORF diesen Film senden oder nicht senden wird?

„Das müssen Sie den ORF fragen?“, antwortete Kurt Neumann und ich bin gespannt, was es am Samstag, wenn es  so weit ist, in Ö1 zu hören gibt  und am Mittwoch ging es dann in der „Alten Schmiede“ mit einer Lesung aus „Cahier“ weiter.

Um fünf vor halb sieben standen schon eine Handvoll Menschen vor der Eingangstür, Marcel Beyer, hat die ersten, wie er später ausführte, schon eine Stunde vorher gesehen.

„Das ist ja wie bei einem Popkonzert!“, wenn die Fritzi neunhzig wird und die halben Sitzplätze schon voraus reserviert und auch alle da, Robert Schindel, Gerhard Jaschke, Bernhard Fetz, Christel Fallenstein, Lukas Cejpek, Thomas Northoff, Hans Jörg Liebscher, Hannah Sideris, etc und Erika Kronabitter, die sich für F.M. eine besondere Überraschung ausdachte, nämlich ein Buch bzw. einen Blumenstrauß mit hundertziebzig, statt der erhofften neunzig Blüten, Texte von Kollegen, Schriftsteller, Künstler, Germanisten etc.

Zu mir ist offenbar auch ein Mail zur Teilnahme gekommen, das ich offenbar nicht bekommen oder übersehen habe, so bekam ich nur das Buch „HAB DEN DER DIE DAS – der Königin der Poesie“, das ich noch in diesem Jahr besprechen werde und ich habe ja auch ein schon hier erwähntes Zitat, auf das ich mich in meinen Text bezogen hätte können, aber auch in der „Absturzgefahr“ ein wenig an die große, alte Dame gedacht, einen Teil ihres Namens der Fritzi Jelinek gegeben und die „Abschiede“ glaube ich, den Bernhard Listringer im Bücherschrank finden lassen.

Danach begann der Schriftsteller und Mayröcker Spezialist Marcel Beyer mit seiner Einleitung zu dem Buch, das wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erklärte, eigentlich gefeiert wurden, weil in der „Alten Schmiede“ nur die Bücher nicht die Autoren Geburtstag hätten und der Text begann mit „Tränen“, nämlich einen Brief der Fritzi an ihm „Wollen Sie mit mir über Tränen sprechen Jacke Derrida?“ und leitete  zu Roland Barthes und Stendhal zu Ernst Jandl über, über den Scardanelli, Brütt und ich schüttelte einen Liebling, bis er wieder zum Ausgangszitat zurückkehrte und die Frau Mayröcker aus dem Buch lesen ließ.

Ein bißchen etwas habe ich ja schon daraus gehört, am Montag in der „Alten Schmiede“, im November beim „Schamrock -Festival“ im Literaturhaus, die Anna Jeller hat das Buch auch in ihrer Auslage liegen und am Schluß gab es noch einen Vorgeschmack auf das neue Buch, an dem Friederike Mayröcker gerade arbeitet, den dritten Teil, nach „Etudes, und „Cahier“ nämlich „Fleur“.

Danach gab es standing ovations und einen Stock höher wurden  die Texte aus dem Kronabitter-Buch projeziert und von den Autoren vorgelesen, so daß ich schon einen kleinen Einblick hatte.

Hilde Langthaler die auch in dem Buch enthalten ist, war da und ein wenig verwirrt, weil sie die Lesung unten verpasst oder versäumt hatte und fragte mich nach einem Film, aber der wurde schon gezeigt und am Donnerstag ging es weiter mit einem Colloquium, um das Ganze auch zu verstehen.

Da gab es ja schon zwei 1978 und 1994, das letztere wurde schon von Klaus Kastberger,  dem neuen Bachmannjuror und Grazer Literaturhausleiter, moderiert.

Jetzt war er auch am Podium und diskutierte mit Bodo Hell, Marcel Beyer, der berühmten Elisabeth von Samsonow, die von F.M. immer in ihren Werken zitiert wird, Samuel Moser und der Mayröcker Lektorin Doris Plöschberger über das Ouvre.

Das heißt zuerst gab jeder ein Eingangsstatement, Samuel Moser begann mit dem Gebierge und den Flüssen, Bodo Hell kam zu Mayröcker Geburtstagen, wo der Fankreis eingeladen ist und Blumen unerwünscht sind, die Lektorin erzählte von ihrer Zusammenarbeit, Elisabeth von Samsonow vom „Zimmer für sich allein und viel Geld“ u.s.w. Dann kam die Frage mit der Namensgebung. Friederike Mayröcker zitiert ja oft Bodo Hell, Marcel Beyer, Jaques Derrida, aber auch jüngere Autoren und Marcel Beyer meinte, daß er das zitierte nie gesagt habe, also reine Mayröcker Empfindungen sind, wie sie ja auch auf Bodo Hells Frage am Montag mit „Aus dem Gefühl!“, antwortete.

Dann kam der Werkbogen, Marcel Beyer scheint hier ja ein Spezialist zu sein. Begonnen hat es in den Fünfzigerjahren mit „Larifari“ und da war die Mayröcker sehr experimentell, später wurde ihr das zu langweilig, es kam zu Prosa und zu Lyrik Texten, die Friederike Mayröcker auch mit dem Gefühl und der Schreibhaltung erklärte. Irgenwann quittierte sie den Schuldienst, sie war eine Zeitlang Englischlehrerin, ging ein Jahr lang nach Berlin, da wurde auch ihr Schreiben freier, dann kamen die langen Werke „Die Abschiede“, „Mein Herz mein Zimmer mein Name“ etc, bis zu „Brütt“, aus dem F. M. dann las.

Vorher zitierte Klaus Kastberger noch einen Satz aus dem Katja Gasser Film, der am Montag im ORF gesendet wurde „Jetzt kann ich alles schreiben“ und Ferdinand Schmatz, der Professor für Sprachkunst überreichte Gedichte seiner Studenten, die sie für Friederike Mayröcker geschrieben und auf Plakate gemalt haben.

Danach die Lesung „..sagte ich zu Blum“, da hörte ich das erste Mal davon imn Mürzzuschlag bem „Fest für Friederike Mayröcker“ oder war es das für „Ernst Jandl“ und Kurt Neumann hatte auch schon den Bogen von „Brütt“ zu den drei letzten Werken „Etudes“ „Cahier“ und dem noch erschienenen „Fleur“ gezogen, den sehr persönlichen Assoziationsbögen, wo die F.M. sehr offen über ihre Krankheiten, ihre Angst vor dem Tod, ihren Lust, ihre Erotik, etc, schreibt.

Dazwischen gibt es  noch das Buch, das nur aus Fußnoten „Ich bin in der Anstalt“ besteht, den „Vogel Greif“ etc. Über hundert Bücher hat die F. M. ja geschrieben, die keine Literatur mit Plot und Handlung wünscht und auch nicht solche Bücher liest, die aber ganz in ihrer persönlichen Sprache aufgeht und ohne Schreiben nicht leben kann.

Das waren die drei Tage in der „Alten Schmiede“ mit sehr viel Freunde und sehr viel Prominenz, am Samstag gibts im Akademietheater noch das „Requiem für  Ernst Jandl“ und in Ö1 einen „Mayröcker-Tag“.

Ich wünsche alles Gute zum Geburtstag und verlinke noch ein bißchen mit Mayröcker-Veranstaltungen, wie beispielsweise das „Fest für Ernst Jandl“, die an anderen Orten stattgefunden haben.

2014-12-10

Kriminalroman und politische Bildung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:23

Ein interessantes Thema und eine interessante Frage, gilt der Krimi doch nicht als wirklich literarisch und als Hoch- oder E-Literatur, obwohl ihn sehr viele gerne lesen und viele Autoren solche schreiben und man auch seit einigen Jahren, seit Sjöwall und Walhöö das Sozialkritische und Politische an ihren schätzt.

Ich bin unter anderen auch eine Krimileserin, obwohl ich die Gewalt und das viele Morden, eigentlich nicht mag und auch nicht, wenn dann alle aufjauchzen und „Messer oder Pistole?“ fragen.

Das Sozialkritische am Krimi ist aber nicht zu verachten, obwohl ich mich frage, ob das nicht anders geht, denn man kann ja auch sicher sozialkritisch schreiben ohne ein paar Leuten das Leben dabei zu nehmen und die Hauptbücherei hat in Zusammenarbeit mit den Grünen und dem „Renner-Institut“ eine neue Reihe, nämlich nach dem Politischen in der Literatur zu fragen.

Das Politische in der Kinderliteratur gab es schon, jetzt war der Krimi dran und Paulus Hochgatterer, der Kinderpsychiater und ebenfalls Krimischreiber sollte Eva Rossmann, die schon den sechzehnten Mira Valensky Krimi hat dazu befragen und ich dachte, gehe ich hin, denn es ist ja interessant, dazu Statements zu erfahren, wo ich ja immer schmunzle, wenn sich die Hochliteraturleser drehen und wenden und sagen „Ach, nein, Krimis lese ich nicht!“

Es kam aber wieder anders, denn Paulus Hochgatterer, inzwischen Hauptjuror beim „Alpha“, beim „Ohrenschmaus“ ist er es nicht geworden und ich hoffe, ich habe ihn dabei nicht vertrieben, dachte nicht daran, diese Fragen zu diskutieren, sondern fing mit dem Kochen an.

Ist Eva Rossmann ja eine begnadetete Köchin, kocht in der „Alten Schule“ von Manfred Buchinger und schreibt in ihren Krimis von denen ich alle bis auf zwei gelesen habe und so wollte er von ihr wissen, ob Kochen politisch ist?

Eva Rossmann schien überrascht und kam dann  auf den Hunger, der ist es bestimmt, denn wenn man den hat, kann es zu Revolutionen kommen und Königinnen, die vielleicht gar nicht gesagt haben „Sollen sie doch Kuchen essen!“, wurden deshalb schon geköpft.

Dann ging es zu der Frage, wie die Politik in Eva Rossmann hineingekommen ist, sie war es oder wurde es bald aus Opposition zu ihrem Vater, der  Johanna Dohnal schrecklich fand und offenbar ein ÖVP-Politiker war.

Die Mutter hasste aber das Kochen und brachte Fertiggerichte in den Haushalt, die zwar nicht gesund sind und nicht gut schmecken, den Frauen aber in den Sechzigerjahren vielleicht die Berufstätigkeit ermöglichte und Eva Rossmann hat viel in der Pfarrbibliothek gelesen und auch einige Karl May Romane.

Zum Krimischreiben kam sie über die Politik, hat sie ja zuerst ein paar Bücher über Frauen geschrieben und dann Gertraud Knoll im Präsidentschaftswahlkampf unterstützt, so entstand ihr erster Krimi „Wahlkampf“.

1999 war das und da habe ich mit ihr gemeinsam bei Richard Pils in Schloß Raabs gelesen. Ich aus den „Wiener Verhältnissen“, meinem ersten selbstgemachten, sie aus ihrem ersten Mira Valensky Krimi und im Interview mit Paulus Hochgatterer ging es weiter mit einem Schlagabtausch Beethoven oder Mozart, rot oder schwarz, Beateles oder Rollingstones, etc, da hätte ich bei den meisten Fragen mit „beides“ beantwortet, beim Wein mit rot und bei den Beatles mit weder noch und dann ging es hinaus zum Büchertisch und zum Wein, den Eva Rossmann aus einem bestimmten Weingut mitgebracht hat und ich beantworte mir die Frage selber, daß die Leute halt gerne Krimis lesen, die Autoren denken, ich sie schreiben, weil man damit einen Verlag findet und ich selber eigentlich keine Gewalt, wohl aber das spannende Leseabenteuer will und so stehen immer wieder Krimis auf meiner Leseliste und heute ist auch einer zu mir gekommen, nämlich Petra Scheuermanns „Schokoleiche“ den ich bei Klaudia Zotzmanns Adventkalender, die inzwischen auch eine Krimischreiberin ist, gewonnen habe.

2014-06-30

Ein eigenes Zimmer (mit Ausblick)

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:27

Und schon wieder Sprachkunst, die Veranstaltungen im Künstlerhaus habe ich zwar versäumt, hatte ich doch am Freitag meine eigene Lesung im „Werkl im Goethehof“ und am Samstag bin ich mit dem Alfred auf den Karlsplatz gegangen und habe mir den Dokumentarfilm zur Reihe „Willkommen in der Wirklichkeit“ mit Titel „Abendland“, Europa bei Nacht, wo man sehen konnte, wie Leichen verbrannt wurde, Reden gehalten und die Polizei sowohl trainiert als auch Demonstranten wegträgt, mit dem Alfred angesehen, aber heute gab der Dritte Jahrgang des Instituts seine Abschlußlesung und die Lesungen, beziehungsweise das Studium dort, interessiert mich ja, ich habe es schon geschrieben, obwohl ich sowohl Luis Stabauer als auch Judith Gruber-Rizy versprochen hatte, zu ihren „Textvorstellungen“ in die „Alten Schmiede“ zu gehen.
Ich bin an sich sehr konsequent im Einhalten meiner Versprechen, wenn sich mein Bauch aber meldet und sagt „Das war nicht das Richtige!“, reagiere ich darauf und entschuldige mich und das „Institut für Sprachkunst“ an der „Angewandten“ gibt es 2009.
Damals hat sich Cornelia Travnicek um die Aufnahme beworben, wurde als überqualifiziert abgelehnt, Sandra Gugic. wurde genommen, im Internet konnte man die Namen der Studenten finden, die gab es dann noch im zweiten Jahr, nachher nicht mehr.
Beim „Tag der offenen Tür“ Anfang 2010 bin ich dann hingegangen und habe Rhea Krcmarova lesen gehört, die jetzt, wie ich in einer Buchhandlung entdeckte, ein Buch herausgebracht hat.
Es gab das Symposium für Sprachkunst, die eingeladenen Gäste, die Studentenlesungen, wo ich, ich schreibe es nochmals JuSophie kennenlernte und mich mit ihr überwarf.
Es gab dann vor zwei Jahren auch das „Fest für Robert Schindel“, der sich als Professor verabschiedete, es gibt die „Jenny“ die mir Roland Grenl schickte und die einen Preis gewonnen hat und jetzt eine Menge von Abschlußveranstaltungen und da ich um sechs eine Stunde hatte und die Klientin sich auch verspätete, huschte ich gerade in das Literaturhaus hinein, als Barbara Zwiefelhofer mit ihrer Einleitung zu Ende kam. So habe ich nicht ganz mitbekommen, wie das mit dem Zimmer zu verstehen ist, sie erwähnte aber Virginia Woolf und das bei dieser Lesung die Frauenquote übererfüllt ist und im Text steht etwas von „Möbel umgestellt, aussortiert und den neuen Märkten“.
Ich interpretiere mir das als Abschlußveranstaltung und zum Glück wurden diesmal die Namen auch erwähnt und einige wie Ekatharina Heider kenne ich auch schon, nur hat die nicht gelesen, aber Sophie Zehetmaier und Ina Ricarda Kolck-Thudt habe ich schon gehört und der Special Guest Rick Reuther, der neben mir saß, hat am Donnerstag gelesen.
Es begann dann gleich Ricarda Kolck-Thudt mit Gedichten, Alina Sarkissian folgte mit einem Familientreffen nach einem Begräbnis, wo sich die Protoagonistin wundert, daß es alle beim Leichenschmaus gierig zugreifen, dieses Aha-Erlebnis habe ich auch einmal gehabt und über Begräbnisse schreibe ich auch ganz gern und es hat mich auch gefreut, einen sehr realistischen Text, den man vielleicht ein wenig mit einem Schulaufsatz vergleichen könnte, zu hören. Dann kam Thassilio Hazold mit zwei Stellen aus einem Roman oder vielleicht seiner Abschlußarbeit, „Wenn das gut geht lese ich noch drei Gedichte!“, sagte er etwas flapsig. Es ist gut gegangen und in einer Stelle, kommt eine „Ursulahafte Frau“ vor, keine Ahnung was das ist, die etwas suchte und den Protagnonisten dabei um Hilfe bat.
Sophie Zehetmayer hatte durchnumerierte Gedichte zum Thema „Reibung und Rauheit“ und Afima Al-Dayaa „Dreizehn Phantasmen“ aus wahrscheinlich ebensovielen Nächten, wo sie durch mir durch ihre Sprachschöpfungen auffiel.
„Weil die Straßenbahnen, es ist gepfeffert, von unter Wasser betrachtet sind alle Vögel blau, wenn die Hoffnung baden geht, muß der Handschuh groß sein!“
Und so weiter und so fort, ein wahrscheinlich genauso großes Talent, wie die abwesende Ekatharina Heider, dann gabs eine Pause, wo sich die Studenten über ihre Abschlußarbeiten unterhielten und sich darüber wunderten, daß die Leute nur so kurz gelesen haben.
Es waren wieder fast ausschließend, bis auf eine alte Stammbesucherin, Studenten und Studentinnen da und nach der Pause kam Dominic Ivancic mit den zwei speziellen Gästen, die eine Szene aus seinem Theaterstück lasen, wo es darum ging, daß man sich in Zeiten, wie diesen, keine Kinder leisten könne und sich daher Gedankenübertragungen oder Erinnerungen aus Gehirnen extrahieren lasse. Die von Kindersoldaten und Mißbrauchsopfer sind sehr teuer und daher unbezahlbar, die von den Volksschülern und den Kindergartenkindern viel billiger, dafür aber auch langweiliger.
„Wow!“, kann ich da nur sagen und das galt auch für Anja Braunwieser, die ich auch schon mal hörte, die hatte einen sehr flapsigen Text von einer Socke, die von der Decke baumelt, einem Fotografen, der in Schützengräben liegt und Schamlippen fotografiert und über die verschiedenen Beziehungskrisen und prekären Nöten der Generation ninty, muß man wohl sagen.
Maria Oberrauch hatte einen Reisetext und Laura Wurm, auch die erscheint mir bekannt, ein Stück aus ihrer Abschlußarbeit, wo ein Henry in einen Garten zu einer Maria geht, die mit ihrem Vater dort wohnt, dem das nicht recht ist und der ihn für einen Marcel hält.
Wow, woe, wow, von welchen der Autoren ich was wohl noch hören werde, wer beim Bachmannpreis gewinnt und vielleicht demnächst im Musa liest oder vielleicht sogar einmal „Priessnitz. oder Veza Cannetti Preisträgerin“ wird?
Spannend, da zu fantasieren und vielleicht noch einmal die Feststellung, für die daran zweifeln, daß man das Schreiben natürlich lernen muß, früher vor dreißig, vierzig Jahren, hat man es im stillen Kämmerlein, durch das learning by doing gemacht. Dann kamen die Schreibschulen und hier hat man das Feedback und das Interesse der Gleichgesinnten, hat die Begleitung der Gegenwartsautoren, aber Professoren und Tutoren, wie Gustav Ernst, Vladimir Vertlib, etc waren diesmal keine da.
Dann bin ich noch zum Schrank gegangen, habe Laura Lee Shmiths „Palmherzen“ ein 2013, im Dumont erschienener Roman gefunden, der auf den Bloggerseiten, vor einem halben oder dreiviertel Jahr großes Aufsehen erregte, während die jetzt schon in den Herbstvorschauen wühlen, von denen ich noch ziemlich unbeleckt bin und vieles, was ich von den Frühlingserscheinungen wollte, nicht bekommen habe, aber ich habe ja keinen Lesenotstand, ganz im Gegenteil und diese Woche durch die „Sommerakademie des Instituts für jüdische Geschichte“ und dem Bachmannlesen, das am Donnerstag beginnt, auch besonders viel zu tun.

2013-07-20

Niederösterreichs Literatur im Aufbruch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 15:31

Buch vier meines St. Pöltners Stadtschreiber- Lesemarathons passt hervorragend zum Thema, ist ein Ausflug in meine Vergangenheit und das erste Buch, das ich in der ersten Sommerfrischenwoche, am Mittwoch, als ich auf das große Bachmannlesen gewartet habe, im offenen Bücherschrank St. Pöltens oder eigentlich Viehofens, vis a vis der „Seedose“ gefunden habe und ich dachte zuerst er birgt nur Ramsch Frauenzeitschriften, Kinderbücher und ein paar durchnäßte Lesezeichen der Buchhandlung „Schubert“ und habe das kleine blaue Büchlein „Niederösterreichs Literatur im Aufbruch – 30 Jahre Arbeitsgemeinschaft Literatur“, herausgegeben von Johannes Twaroch, 1988 im Niederösterreichischen Pressehaus, fast übersehen.
Ausflug in meine Vergangenheit, natürlich, 1987 habe ich ja meine Halbtagsstelle als Assistentin an der Sprachambulanz der II HNO Klinik nicht mehr verlängert und bin in die freie Praxis in die Otto Bauer Gasse gegangen, was auch bedeutete, daß ich für eine freiberufliche Autorentätigkeit offen war.
Zumindest Brotberuflich hat das nicht geklappt, das ist der Psychologin und Psychotherapeutin vorbehalten geblieben. Meine Praxen habe ich auch mehrmals geändert, weil ich die Wohnung in der Otto Bauer Gasse aufgegeben habe, die Praxis in die Gumpendorferstraße verlegte und dann einige Jahre lang von St. Pölten mit Kind und Mann und ohne Kegel pendelte. Das war 1988 und den Namen Johannes Twaroch habe ich gekannt, weil der 1942 geborene damals für das Radio NÖ verantwortlich war und die Zeitschrift „Literatur in Österreich“ herausgab und da habe ich ja hingeschickt und hingeschrieben und Johannes Twaroch hat mich auch vertröstet, daß er schon etwas von mir im Radio bringen wird.
„Ich verstehe Ihre Ungeduld aber..“, hat er mir geschrieben. Ich warte immer noch oder jetzt nicht mehr, denn er wird schon in Pension sein, es ist aber nichts von mir im Radio NÖ erschienen. Im Radio Wien habe ich mich ja mit den „U-Bahngeschichten“ und mit einem Endlosmonolog damals in der GAV und einem langen Briefwechsel mit vielen Vertröstungen von Konrad Holzer durchgesetzt. In der „Literatur aus Österreich“ ist, glaube ich, etwas von mir erschienen und einmal gab es auch irgendwo eine Lesung meiner Texte, von der ich erst später erfahren habe.
Ich habe mich damals auch um Stipendien beim Land NÖ beworben und einmal, das war später, als schon die ablehnende Kritik der „Hierachien“ von Peter Zumpf in der „Literatur aus Österreich“ erschienen ist, die mit dem Absagebrief zurückbekommen.
„Sie werden schon verstehen..!“
Habe ich, glaube nicht, sondern es als ungerecht empfunden, aber das ist lange her und damals gab es am Hammerweg in einem schönen Haus Lesungen, wo ich ein paar im Rahmen der GAV-NÖ veranstaltet habe. Die erste Frauenlesung mit Marie Therese Kerschbaumer, Ruth Aspöck, Hilde Langthaler, Elfriede Haslehner, am 18. 5. 90, damals hat, glaube ich, Barbara Neuwirth Gabriele Ecker vertreten und moderiert und die „Selbstmordanthologie“ „Kälte frißt mich auf“, habe ich dort, ein Jahr später, auch vorgestellt.
Aber ich wollte ja von dem Buch und der NÖ Literatur im Aufbruch schreiben. Also der erste der insgesamt neun Artikel „Aufbruch aus der Provinz“ von Johannes Twaroch, behandelt die dreißig Jahre Arbeitsgemeinschaft Literatur, die ich wahrscheinlich vorgefunden habe, als ich von Wien in die Provinz und wieder zurückpendelte.
Die Arbeitsgemeinschaft wurde aber 1958 vom Niederösterrechischen Bildungs- und Heimatwerk in Krems von Friedrich Sacher, 1899-1982 gegründet. Es gab Lesungen im Marmorsaal des Regierungsgebäudes in der Wiener Herrengasse, Namen wie Wilhelm Szabo, Josef Pazelt. Lois Schifferl tauchen auf. Mehrmals wird die Tradition, die Mundartdichtung und, daß das damalige literarische Schaffen NÖs sehr konservativ gewesen sein muß, erwähnt, obwohl es auch einmal einen Vortrag der Wiener Grupope gab. Rudolf Henz hat aber referiert und die ARGE wurde dann auch von Josef Pfandler geleitet unter dem es zu einem „Dichterstreit in NÖ“ kam, das heißt Wilhelm Szabo, den ich ja durch den Arbeitskreis schreibender Frauen, bzw. seine Frau Valerie kannte und öfter in seiner Grinzinger Gemeindewohnung war, der offenbar selber Leiter werden wollte, trat aus der ARGE aus und gründete den Literaturkreis Podium.
Johannes Twaroch führt dann noch an, daß ein Großteil der Mitglieder „Hobby und Freizeitautoren“ waren und, daß er sich, was ich sehr fortschrittlich finde schon damals mit der Maturaschule Roland für eine Schule des Schreibens engagierte, die unter der „Leitung von Mag. Alois Eder, die Teilnehmer, soweit dies möglich ist, schrittweise an professionelles Schreiben heranführte.“
Da sind wir dann schon beim zweiten Artikel, bzw. dem Meister Eder, den ich in der Zeit, als ich in St. Pölten lebte, durch die literarische Gesellschaft kennenlernte und der sich jetzt offenbar krankheitshalber zurückgezogen hat, so daß ich ihn schon lange nicht mehr bei den Osterspaziergängen der LitGES und auch nicht in der Kremsergasse oder beim „Thalia“ gesehen habe.
„Fruchtbbarer Widerspruch: „das pult“ lautet sein Artikel und das „pult“ ist sozusagen der Vorvorläufer der Zeitschrift der LitGEs, die heute „etcetera“ heißt.
Sie wurde 1968 zuerst in Heftform von Klaus Sandler 1945- 1984 gegründet und nach seinen Tod auch eingestellt, bzw. ist sie in die Zeitschrift „Limes“ übergegangen, die, wenn ich mich nicht ihre von Alois Eder und oder Günther Stingl herausgegeben wurde. Da gab es auch einen Literaturpreis und den hat einmal Manfred Wieninger oder auch nicht gewonnen. Aber zurück zum Pult, ich glaube, ich habe in meinen Frühzeiten auch Texte hingeschickt und als ich einmal bei der Wiener Buchwoche war, habe ich mir so ein Heft angeschaut und eine freundliche Dame meinte, ich könne es mir mitnehmen.
Wenn Johannes Twaroch im Vorartikel angedeutet hat, daß das NÖ Literaturleben einmal sehr konservativ gewesen ist, so wurde daß durch Klaus Sandler, von dem ich , glaube ich, auch ein Buch gelesen habe, sehr verändert, Alois Eder meint, daß die Zeitschrift in etwa gleichrangig den „Manuskripten“ und dem „Wespennest“ gewesen wäre.
Und interessant ist auch ein Bild aus einer Redaktionssitzung, da ist nämlich der Lyriker und Übersetzer Hans Raimund zu sehen, von dem ich ein Buch aus der Edition Umbruch gelesen habe, ihn und seine Texte immer wieder in Anthologien und Zeitschriften fand, so daß mir sein Name ein Begriff ist, persönlich habe ich ihn dann vor ca einem Monat im Literaturhaus kennengelernt. Leider hat ihm mein Bericht über die Literatur aus Kärnten, Triest und Slowenien so gar nicht gefallen.
Dann kommt wieder Johannes Twaroch mit dem „Literaturkreis „Podium“, den Alois Vogel, Wilhem Szabo etc gegründet haben und da habe ich auch meine Geschichte, denn ich habe in den Achtziger- und Neunzigerjahren sehr eifrig hingeschckt. Möglicherweise bin ich durch die Valerie und den Arbeitskreis auf die Idee gekommen. Einmal, war es 1986, als ich meinen Urlaub in Harland verbrachte, hat mich Alois Vogel angeschrieben und mir mitgeteilt, daß er ein Stück aus meiner „Slavica“, mit der ich dann auch in Kärnten beim „Preis der Arbeit“ war, im „Podium“ bringen wollte. Ich hatte dann noch einige Texte dort. Marianne Gruber hat, glaube ich, eines meiner „Works in Progress“ vorgestellt. Mein „Selbstmordtext“ war drin und vielleicht auch einiges mehr. Später nicht mehr, Johannes Vyoral und Barbara Neuwirth, die jetzt dort tätig sind, haben aber einige Rezensionen meiner Bücher gebracht und als ich bei Sommerlesereihe im Cafe Prückl lesen wollte, bin ich bei Christa Nebenführ, die ja Schwierigkeiten mit meinen Texten hatte, abgeblitzt. Ich gehe auch immer wieder zu Podium-Veranstaltungen und BuchPräsentationen.
Dann gibt es noch das „Niederösterreichische Graz“, nämlich den „Wiener Neustädter Literaturkreis“, von dem ich, wie ich zuerst dachte, weniger Ahnung habe, da tauchte aber die Nanmen Peter Zumpf, Peter Schuster, E.A.Richter und die Edition Weilburg auf und an die habe ich ja, 1989 muß das geschehen sein, die „Hierarchien“ wie auch an andere zweiundvierzig Verlage geantwortet. Peter Zumpf war einer der wenigen, die mir höflich geantwortet haben, so daß ich glaubte, daß er vielleicht Interesse hätte, wenn das Geld vorhanden wäre.. etc. Jack Unterweger hat es dann in der „Edition Wortbrücke“, auch ein Stück NÖ Literatur, die in dem Buch aber nicht vorkommt, gemacht, ich oder er haben das Buch dann an die „Literatur in Österreich“ geschickt und Peter Zumpf hat es und auch zwei andere im höchsten Maß verrissen, von einem ereignislosen Leben geschrieben und davon, daß man nichts versäumt, wenn man das Buch nicht gelesen hat, nun, ja eh, schon wissen. Ich habe es inzwischen wiedergelesen und gedacht, daß ich es gar nicht so schlecht finde, es ist aber natürlich mein veröffentlichtes Roman-Debut.
Dann kommt ein Artikel von Paul Wimmer über Friedrich Sacher dem „Meister der Idylle“ und Paul Wimmer bzw. seinen Namen habe ich auch bei der Valerie kennengelernt, ich glaube sie und ihr Mann waren mit ihm befreundet. Später, da waren beide Szabos schon tot, bin ich in die Krongasse gezogen und habe irgendwann herausgefunden, Paul Wimmer wohnt ein paar Häuser weiter, beziehungsweise hat er, glaube ich, einmal die Anna angesprochen, das muß 2001 gewesen sein, als ich das erste Mal den „Tag der Freiheit des Wortes“ organisierte und sie gebeten habe, Werbung dafür zu machen. Jedenfalls hat sie ihm so ein Flugblatt gegeben. Dann habe ich ihn in der Gesellschaft für Literatur, in der Szene Margareten und auch bei der Eröffnung des Erika Mitterer Hauses bzw. der Tafel-Enthüllung getroffen. Vor einigen Jahren ist der, 1929 geborene Dichter, der PEN-Mitglied, mit Franz Theodor Csokor und wahrscheinlich noch mit vielen anderen befreundet war und der Jeannie Ebner bis zu ihren Tod betreute, gestorben und von Friedich Sacher, der 1960 gemeinsam mit Lois Schiffer den neugestalteten Kulturpreis des Landes NÖ erhielt, weiß ich nicht viel.
Das heißt, sein Namen habe ich wahrscheinlich auch immer wieder in Anthologien und Literaturzeitschriften gelesen und die „Brunnenstube“, glaube ich, einmal im Schrank gefunden. Er dürfte auch, was Paul Wimmer diskret verschweigt oder nur andeutet, ein eher konservativer Dichter gewesen sein, hat aber viel Athologien und Gemeinschaftsbänden herausgegeben. Paul Wimmer bezeichnet ihn als „Anthologist“, Namen wie Ernst Scheibelreiter, Josef Weinheber, aber auch Thodor Kramer und Wilhelm Szabo tauchen da unter anderen auf. Friedrich Sacher ist jedenfalls 1899 in Wieselburg geboren, war Lehrer, Leiter der ARGE und schon früh schriftstellerisch tätig. Am 2.November 1982 ist der Meister der Idylle, wie Paul Wimmer es nennt, in Wien gestorben.
Dann beschäftigt sich der 1935 geborene und wahrscheinlich ehemalige Hauptabteilungsleiter beim ORF, Roman Rocek mit Wilhelm Szabos Widerstand gegen die völkische Dichtung.
„Mit eigenen Waffen“, heißt der Bericht, in dem sehr lang die „Ballade von Döllersheim“ zitiert wird:
„Und das war anno achtunddreißig, im Ausmärz als fiel unser Land und das Reisiggrün war noch nicht schleißig gepflückt, zu bekränzen die Schand…“
Ich habe von Wilhelm Szabo, ja, glaube ich, nicht sehr viel gelesen, in der Schule kein Wort von den bedeutenden Lyriker gehört, ihn aber dann durch die Valerie kennengelernt und ein kleines bei J.u.V. erschienenes Bändchen, hat sie mir, glaube ich, einmal gegeben.
Alois Eder nimmt sich dann noch einmal genauer dem „niederösterreichischen Dichterstreit im Spiegel einer Dichterfreundschaft“ an, gemeint sind da Wilhelm Szabo und Walter Sachs, die beide 1988 schon gestorben waren und die beide auch in den schon erwähnten Anthologien von Friedrich Sacher, Texte hatten, die im Krystall Verlag erschienen sind, wo es auch das sogenannte Bekenntnisbuch gegeben hat, in dem sich österreichischen Schriftsteller nach dem Anschluß zum Nationalsozialismus bekannten.
Im letzten Artikel beschäftigt sich wieder Roman Rocek mit der 1982 im siebenundachtzigsten Lebensjahr verschiedenen Imma von Bodmershof und deren Romane.
Interessant, daß ein 1988 erschienenes Buch, das „Niederösterreichs Literatur im Aufbruch“ vorstellt, so weit in die Vergangenheit zurückgeht, aber die Namen Peter Henisch, Jutta, nicht Julian Schutting, Nils Jensen und noch einige andere, werden natürlich auch erwähnt.
Am Schluß gibt es noch die Liste NÖ-Literaturpreisträger von 1960 bis 1988. 1960 haben ihn Louis Schifferl und schon erwähnt Friedrich Sacher bekommen, 1988 noch die Jutta Schutting und dazwischen das who ist who, der niederösterrichen Literatur zum größten Teil Männer, wie Wilhelm Szabo, Rudolf Henz, Adalbert Muhr, Peter Marginter, Albert Drach, Hans Weigel, Alois Vogel, Alfred Gesswein, Hans Heinz Hahnl, Hans Krendeslsberger, Josef Mayer-Limberg, bei den Frauen sind Graziella Hlawaty, Lotte Ingrisch, Ilse Tielsch und Maria Grengg dabei.
Inzwischen gehören wahrscheinlich Cornelia Travnicek, Milena Michiko Flasar, Magda Woitzuck, etc, wahrscheinlich dazu und vom heutigen literarischen Leben St. Pölten ist mir die LitGes bekannt, wo ich mich regelmäßig am Osterspaziergang beteilige und Robert Eglhofer einmal Vizeobmann war.Von den Autoren die es geschafft haben, sind neben Cornelia Travnicek, Doris Kloimstein, die ehemailge LitGEs Obfrau und Zdenka Becker zu nennen, die ich regelmäßig in St. Pölten oder auch woanders treffe.
Ein interessantes Buch, das mein Wissen auffrischte und falls Hans Raimund diesen Bericht lesen sollte, er ist vielleicht ein wenig oberflächig ausgefallen, da es mir wieder darum ging, eher schnell einen Schnappschuß meines literarischen NÖ-Lebens zu geben. Desinteressiert ist es aber nicht, wenn auch natürlich unvollständig, für mehr oder weniger wohlwollende Ergänzungen bin ich jederzeit dankbar und mit Wikipedia verlinkt habe ich jetzt auch.

2013-06-15

Rund um die Burg und Wiener Krimitage

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:03

Nachdem es vorigen Herbst „Rund um die Burg“ neu, ohne Lesezelt und mit einigen Veranstaltungsorten, wo man ständig relativ sinnlos von einem zum anderen laufen mußte, gegeben hat, habe ich einige Stimmen, wie Gerhard Ruiss und auch den Alfred gehört, die der Veranstaltung das „aus“ prophezeiten.
Nichts davon, gab es das Lesefestival diesmal schon im Juni und ein Lesezelt war auch wieder da. Zwar ist die Veranstaltung wieder kürzer geworden, trauen die Veranstalter ihrem Publikum offenbar keine größere Ausdauer zu, so daß statt um eins, wo Andrea Grill im Vorjahr nur mehr wenige Zuhörer hatte und das Theater überhaupt schon geschlossen war, als ich hinunterkam, das Programm am Freitag schon um zwölf endete. Das Herumhoppeln war auch nicht mehr unbedingt notwendig, denn es gab immer zwei Veranstaltungen gleichzeitig, so daß man sowieso die Wahl hatte und nicht mehr alles machen konnte.
Das Lesezelt ist auch ein bißchen kleiner geworden und war ein bißchen anders aufgebaut, außerdem war die Kaffeelounge und die Buchhandlung integriert und Moderatorin im Lesezelt, die anderen Bühnen, das Theater und die Bel Etage, den Salon der Bertha Zuckerkandl, habe ich nicht besucht, war Mirjam Jessa, wurde das Zelt ja Ö1Bühne genannt, während das Theater „Radio Wien Bühne“ und die Bel Etage „Wiener Städtische Sachbuchbühne“ hieß. Eine Kinderbim gab es am Samstag auch und eröffnet hat Freitag um vier im Zelt Elfriede Ott mit einer Lesung aus ihrem Buch „Worüber ich lache“.
Vorher hat es eine kleine Eröffnungsrunde gegeben. Der Organisator, der auf den schönen Namen Franz Schubert hört, hat einen Brief vom Stadtrat Mailath-Pokorny gelesen, der Kaffeehausobmann und Landtmann-Direktor, sowie eine Frau von den Wiener Linien haben auch auch etwas gesagt.
Dann kam der Burgschauspieler, Bremer Literaturhauspreisträger und künftige Bachmannleser Joachim Mayerhof in Jeans und blauem Leiberl und las sehr lange aus seinem Buch „Wann wird es endlich wieder so, wie es ist“, offenbar die Geschichte seiner Jugend, ist er ja in einer psychiatrischen Klinik aufgewachsen, weil sein Vater dort Direktor war und er schilderte ein Kapitel, wo der Ministerpräsident zur Eröffnung erwartet wird. Der kommt zu spät, alle warten, der Weg ist gatschig, der Patientenchor durchnäßt, der Minister hat für das bayrische Buffet, das die Mutter herrichtete, keine Zeit und am Schluß schreit ein Patient „Hände hoch!“, worauf die Security den Präsidenten in den Gatsch werfen und alle haben wieder Zeit.
Das war sehr lustig, was mich wieder etwas störte, weil ich es nicht immer so empfand und als am Ende Lisa Spalt schon länger wartete, lief Franz Schubert, was er er später noch öfter machte, mahnend durch den Saal und Joachim Mayerhof hörte sofort zu lesen auf.
Das war natürlich ein Kontrast zu Lisa Spalts experimentellen Text „Dings“, es ging dann zunächst auch ein bißchen realistischer weiter, nämlich mit der Lesung der künftigen Priessnitz-Preisträgerin, aus „Der Winter tut den Fischen gut“, wo Mirjam Jessa, den „Platz des Hundes“, wieder als Roman ankündigte. Allerdings nennt Herbert J. Wimmer sein „Membran“, auch experimenteller Roman. Er hat ein bißchen was dazu erklärt, die Zahlenmystik weggelassen, dafür zwei Kapitel von der Kleeblattgasse gelesen und dann das, wo er und Elfriede Gerstl die Wiener Konditoreien und Kaffeehäuser erkundeten, was ja passend war.
Doris Knecht folgte mit ihrem Roman „Besser“, der noch ungelesen im Badezimmer liegt. Jetzt kann ich mir vorstellen, worum es darin geht, um eine Frau mit zwei kleinen Kindern, die mit ihrem Leben unzufrieden ist und offenbar ein bißchen kolummnenmäßig, die Leiden einer berufstätigen Mutter schildert.
Rainer Nikowitz auch ein Kolumnist, der wie er sagte, damit nicht ausgelastet ist, hat einen Krimi namens „Volksfest“ geschrieben, der im Marchfeld spielt und dabei auch ein bißchen den Landeshauptmann Pröll verarscht, was ich auch nicht so lustig finde, den Leuten hat es aber gefallen.
Dann kam Gustav Ernst mit einer Lesung aus „Grundlsee“, der am Freitag auch im „Von Tag zu Tag“ war. Peter Rosei folgte mit „Madame Stern“ und die Moderatorin moderierte etwas von zwei „älteren Meistern“ und, daß man den Unterschied in ihrer Sprache beobachtet soll.
Das ist, denke ich, ganz einfach, Gustav Ernst ist realistisch und direkt, verwendet viel Dialog, während mich Peter Rosei ein bißchen an die Fünfzigerjahre erinnert.
Beide Bücher habe ich schon gelesen, ich bin aber sitzengeblieben, weil ich Angst um meinen Platz habe, die Sachbücher haben mich auch nicht so sehr interessiert. Von Alexander Peer, ein jüngerer Autor, wie Mirjam Jessa sagte, habe ich zwar schon was gelesen, aber nicht „Bis daß der Tod uns meidet“ und das ist eine Dreieckgeschichte mit Philosoph und wahrscheinlich ganz interessant, Alexander Peer sagte jedenfalls etwas von mehreren Schichten, wie bei einer russischen Puppe, die man in seinem Buch findet, daß man es aber auch lesen kann, wenn man kein Nietzsche Experte ist.
Dann wurde es spannend, denn während ich das Bisherige, bis auf Rainer Nikowitz schon mehr oder weniger kannte, kannte ich zwar Hubsi Kramer, das Eichborn Buch „Er ist wieder da“ von Timur Vermes, habe ich auch schon in den Blogs und in Auslagen gesehen, daß es sich aber, um eine Wiedergeburt Adolf Hitlers handelt, der im Jahr 2011 irgendwo erwacht, ist an mir vorbeigegangen und Hubsi Kramer ist ja beim Opernball im Jahre 2000 in der Hiltler-Maske im Auto vorgefahren, so hat er aus dem Buch im Hitler Ton gelesen, das ganz interessant sein dürfte, obwohl ich mir die gleiche Frage, wie kurz darauf Georg Biron stellte, der einen Text aus seinem „Herrn Karl“ las, ob man Hitlers Stimme imitieren soll?
Ich denke man soll eher nicht in seinem Tonfall sprechen. Die Ruth hat es am Dienstag bei der Lesetheater Aufführung im Literaturhaus aber eigentlich auch sehr gut getan.
Danach kam Wolfgang Popp mit seinem Krimi „Ich mußte lügen“, der schon in den „Tonspuren“ vorgestellt wurde. Da verschwindet ein Mann, eine Kommissarin namens Maria Rauch muß sein verschwinden aufklären, er ist auch der Wohnung eines Bestsellerautors namens Schall verschwunden und die Kommissarin scheint in der Fiktion der Werke des Autors zu verschwinden. Auch sehr interessant. Dann war es elf und es kam, eine Tradition von „Rund um die Burg“- alt, wo um Mitternacht das Burgtheater eine Performance machte, Peter Simonischek mit Brigitte Karner und lasen eine Stunde Gedichte, da bin ich aber, weil ich offenbar nicht mehr die Aufmerksamkeit hatte, konzentriert zuzuhören, aufgestanden, kurz bei den Buchhandlungen herummarschiert und dann nach Hause gegangen.
Am Samstag ging es dann um zehn Uhr weiter mit einer neuen frischen Stimme aus Frankfurt, die bei Jung und Jung ihr Debut „Alles, was draußen ist“, verlegte. Saska Henning von Lange, die ich, wenn ich nicht aufpasse, leicht mit Alexa Henning von Lange verwechsle, ob das wohl eine Verwande ist? Eine schöne junge Frau im hellroten Kleid, dunkelroten Strümpfen und schwarzen Schuhe, deren Hände den Text mitlasen und der war interessant. Da hat ein Mann, Museumsdirektor und Totenmaskenexperte, nur mehr kurz zu leben, spricht von der „Unter ihm wohne-Frau“ und refelektiert über Robespierres Schädel oder einen Emeritierus, der beim Anblick der von ihm tätowierten siamesischen Zwillinge, einen Herzanfall bekommt. Alles ein bißchen bekannt, aber eine schöne Spraqche.
Andrea Winkler folgte mit ihrem „König, Honnarr und Volk“ und war eher in schwarz und einem roten Rock bekleidet. Sie hatte auch ein bißchen Pech, weil sehr viele Leute aufstanden, als Mirjam Jessa ankündigte, daß in der Bel Etage Heilwig Pfanzelter ihr Buch über Berta Zuckerkandl vorstellen würde. Dabei ist Andrea Winkler ja wahrscheinlich die „junge Mayröcker“, aber so ist das mit dem Literaturbetrieb und mir ist sie ja fast auch ein wenig zu „worträuschig“, obwohl ich mich mit diesen schönen Sätzen schon anfreunden kann und auch genügend Sinn und Handlung darin finde.
Der „Falter-Kolumnist“, ehemaliger Bachmann-Juror und Staatspreisträger Klaus Nüchtern folgte mit einem neuen Kolumnenband „Früher waren die Friseure frecher“, wo er seine Betrachtungen in kleinen Häppchen an die Leser verteilte.
dann kam wieder die Qual der Wahl, nämlich Barbara Coudehove-Kalergi, die ich kürzlich sowohl in Melk, als auch in Krems hörte, oder Eva Rossmann mit ihrem neuen Genre „Krummvögel“, mit ihren alten, war sie gestern in der Hauptbücherei bei einem Krimifestival und bei „Krummvögel“ ziehen zwei Leute aufs Land, suchen weil sie viel Zeit haben, die sogenannten „Krummvögel“, von denen man nicht recht weiß, ob sie nicht schon ausgestorben sind und finden einen „großen Brauen“, der einen Bauunternehmer aus Zagreb oder Lybien sucht und die Staatspolizei interessiert sich auch für sie.
Und auf Jan Kossdorfs dritten Roman „Kauft Leute“, wo es statt der Shoppingcity ein Geschäft gibt, wo man sich Menschen aller Art für jede Art von Dingen und Tätigkeiten kaufen kann. eine Satire auf die Konsumgesellschaft und die AMS-Mentalität, von der ich auch schon in „Ex Libris“ hörte und die mich natürlich sehr interessiert, obwohl ich noch immer nicht dazu gekommen bin, sein zweites Buch „Spam“ zu lesen, das ich bei „Tahlia“ in St. Pölten auf dem 3.99 Stoß fand.
Um zwölf Uhr dreißig kam Marlen Schachinger in einer weißen Bluse mit weiten weiten Schleierärmeln und einer lila Hose, der es offenbar auch gelungen ist, im Literaturbetrieb aufzusteigen mit ihrer „Plagiatssatire“, wie es Miriam Jessner nannte, die ich ja schon gelesen habe und dann Egyd Gstättner, den sehr bemühten Kärtner Autor, den ich einmal in Klagenfurt bei einer Lesung hörte und 1992 eine ganze Kiste seiner Werke für das „Nachwuchsstipendium“ durchgesehen habe, der auch immer über den Bachmannpreis bloggt, jetzt hatte er Fernsehkolumnen „Hansi Hinterseer rettet die Welt oder die Besteigung des Küniglbergs“, auch für eine Nichtferseherin sehr interessant und lustig und den Abschluß bildete Dirk Stermann mit seinem „Stoß im Himmel – Der Schnitzelkrieg der Kulturen“, da habe ich ja die „sechs österreicher unter den ersten fün“, mit einem Weihnachtssternchen versehen, einmal im Schrank gefunden. Das Buch dürfte sich als Fortsetzung verstehen. Dirk Stermann fährt in einem heißen Sommer mit der U-Bahn durch Wien und erlebt dabei sehr interessante und auch tragische Geschichten.
Er schloß etwas früher, damit alle rechtzeitig zum Mittagessen kämen und vorher lobte Mirjam Jessa noch Franz Schubert für die gekonnte Zusammenstellung, was ich auch bestätigen kann, denn davon abgesehen, daß es immer kürzer wird und Franz Schubert seinem Publikum keine besondere Leseausdauer zutrauen dürfte, war es exzellent gemacht.
Dann ging es kurz nach Hause zum Bloggen und die übergebliebene Pizza essen, die Alfred gestern nach Hause brachte, bevor es weiter in die Hauptbücherei ging, denn da gabs ja Freitag und Samstag ein „Krimifestival.“
Die Krimitage Wien“ fanden im Rahmen des von Beate Maxian organisierten Krimi Literatur Festival schon zum dritten Mal in der Hauptbücherei, diesmal unter dem Thema „Die Frau im Krimi“ gestern und heute statt und da versäumte ich am Freitag den „Englischen Krimi rund um Agatha Christie“ Petra Hartlieb, Christian David und Eva Rossmann, während es heute mit einem Vortrag von Beate Maxian über den „Weiblichen Aberglauben“ ging und die 1967 in München geborene Beate Maxian, die mit „Tod hinterm Stefansdom“, wie Christian David auf der Shortlist für den heurigen Leo-Perutzpreis steht, hat drei Krimis mit einer abergläubischen Protagonistin namens Sarah Pauli geschrieben, las ein paart Stellen aus diesen Büchern vor und erzählte dann über den Aberglauben im Theater, über Katzen, Fledermäuse, wie man den Teufel bannen kann, daß man auf „Toi,toi, toi!“, „Wird schon schief gehen!“ und nicht „Danke!“, sagen darf und, daß sie in der Silvesternacht rote Unterwäsche trägt, weil man auf diese Art und Weise offenbar das Böse bannen kann.
Dann gabs eine lange Pause, die ich mit mit Mineralwasser und einem Gang auf das Dach vertrieb und danach lasen Clementine Skorpil und Veronika A. Grager aus ihren Büchern, bevor ein pensionierter Kommissar aus München einen Vortrag über „Wie morden Frauen?“, hielt und das war genauso interessant, wie das Buch über die „Forensische Psychiatrie“, dessen Bresprechung demnächst folgt.

2013-05-12

Sonnenblumen im September

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:03

Ein Erzählband aus dem „Loma“- Verlag, der bewährten Edition von Rudolf Lasselsberger, für die er sich im Vorjahr zehn ISBN-Nummern kaufte, nach dem sein „Tanz in den Mai“, zuerst ohne richtige erschienen ist. Von Rudolf Lasselsberger, der ja öfter hier kommentiert, ist schon viel auf meinen Blog erschienen, zuletzt habe ich aber vorige Woche etwas von ihm gehört, als er als Mitaufrufer für die Kundgebung am ersten Mai vor dem Parlament auftrat.
Die Zeichnungen in dem kleinen weißen Büchlein mit dem „Loma“ – Stern, der eine eigene Seite hat, sind wie auch bei anderen Bänden von Erich Sündermann, der 1952, wie Rudi Lasselsberger in Ruperechtshofen, NÖ geboren wurde und die „Sonnenblumen im September“ enthalten acht Kurzgeschichten, die schon in Anthologien und in Literaturzeitschriften, wie „Kolik“ oder „Wespennest“ von den Achtzigerjahren bis 2000 erschienen sind.
Zwei der Erzählungen stammen aus den „Geschichten aus der Arbeitswelt“, eine im Europa-Verlag erschienene Anthologie, die ich vielleicht sogar in Harland stehen habe und ich habe den Rudi, wenn ich mich richtig erinnere, auch 1987 in Linz kennengelernt, als der den „Max von der Grün“-Preis gewonnen hat und ich im Jägermayerhof zu einer Schreibwerkstatt eingeladen war.
Es sind auch Geschichten aus der Arbeitswelt, die dieser Sammelband versammelt und die eifrige Lasselsberger-Leserin kennt auch schon das Szenario, des den beiden Schwestern gewidmeten Buchs, denn höchstwahrscheinlich treffen wir die Familie Lasselsberger in der Elfriede, der Anna und dem Franz und „Franz in Linz“ ist noch ein Buch aus der „Loma“- Sammlung, das mir fehlt, während ich die „Willis“ schon gelesen oder noch auf meiner Liste stehen habe.
„Bekanntlich meldet … der Kitzbühler Sportmoden-Erzeuger Zavratsky am 17. Juli den Ausgleich an, im St. Leonharder Zweigwerk wurden daraufhin fast 100 Frauen beschäftigungslos (Niederösterreichsche Nachrichten, Woche Nr 37, 1981“, ist der Titel, bzw. die Einleitung zum ersten Text, der von der Elfi, der Putzfrau dieser Firma handelt, die aufsteht, Husten und Kopfweh hat, an die Tochter, die für die Hauptschulprüfung lernen muß und an das Enkerl denkt, auf das sie aufpassen soll, der Sohn Franz ist in Wien und hat sein Lehrerstudium unterbrochen, dann geht es in die Firma, die Elfi putzt und darf nicht mehr mit der Erika Kaffee verkaufen, dann geht es nach Hause, die Osternesterl herräumen und dann noch einmal in die Firma, bevor die Elfi am Abend im Fernsehen den Kurt Tozzer hört, der ihr von der drohenden Arbeitslosikeit in der Steiermark erzählt.
In „Über die Äcker“, besucht der Enkel Franz die Großmutter Anna, die immer noch in einer Baracke wohnt, Fäustlinge stopft, damit sie etwas zu tun hat, von Sohn und Schwiegertochter versorgt wird, Diabetes hat und sich in der Früh spritzen muß. Sie sinniert über ihr hartes arbeitsreiches Leben nach, als sie dem Enkel „Hätscherltee“ kocht und darüber, ob sie mit ihren viertausend Schilling Rente auskommen kann, die zweitausend Schilling Pflegegeld gehen an die Gerda, die ihr dafür den Haushalt macht und die Haare wäscht.
In Verkäuferin im Traumgeschäft“, das sowohl in den Geschichten aus der Arbeitswelt als auch im Wespennest erschienen ist, geht es um die Erni, die eigentlich Goldschmiedin werden wollte, aber das ließ sie die Mutter nicht, weil sie das auswärts lernen hätte müßen, was zu gefährlich wäre, so weckt sie sie immer frühmorgens auf und bringt sie zu dem Supermarkt, wo sie die Küche macht. Erni sitzt dann am Hocker des Fotogeschäfts, das hier seine Filiale hat, putzt die Spinnennester weg, sortiert Platten, läßt sich vom Chef und von den Kunden sexistisch belästigen und bekommt das Kotzen wenn sie an ihre Erlebnisse vom letzten Tanzabend denkt.
In „Ein schönes Stück Österreich“, treffen wir den Franz wieder, Rudis Alter-Ego, wie ich behaupten würde, der fährt von Wien, wo er in der Neustiftgasse wohnt, nach Haus, trifft schon nach St. Pölten auf die Gartenzwerge, geht ins Wirtshaus Kartenspielen, wo die Ewiggestrigen dröhnen, die Kelnerin alle Mühe hat, die Gäste zum Nachhause gehen zu bewegen und die Idee, in dem Ort einen Jugendclub mit Lesungen, etc zu gründen, eingegangen ist, weil die Chefs der Mitglieder ihnen das Kommen untersagte.
In „Zeit“ begegnen wir Georg und Andrea, der Lehrerin und ihrem Mann, die ich, glaube ich, schon aus „Tanz in den Mai“ kenne, es kommt ein Anruf bei dem sich keiner meldet, Georg arbeitet am Haus, Andrea fährt mit dem Rad, geht durch den Wald spazieren und denkt dabei an Martin, der Deutsch und Turnen an der Parallelklasse unterrichtet und sie im Auto heftig küsste, so „daß sie wie die Haftelmacher aufpassen müssen, daß nichts herauskommt, weil beide verheiratet und im Lehrerberuf, das gäbe einen Wirbel, den sie sich lieber ersparen wollen.“
In „Sonnenblumen im September“ geht es nach Linz, wo Ulrike, die Kunst studierte, mit ihren zwei Kindern lebt, da gibt es wieder Gustostückerl von der Lasselsbergerschen Sprache, die so deftig erdig ist und manchmal auch ein bisserl infantil „Na, du Deppi, bist mein patriotisches Kind, gö“, beispielsweise und bei „Come together“ begleiten wir Ulrikes fünfzehnjährige Tochter Gabi und deren sechzehnjährigen Freund Karl durch die Stadt. Das ist nichts für schwache Nerven, denn Fritz zündet im Jugendclub Mäuse an und wirft sie der eintretenden Gabi entgegen, dann trinken sie Punsch und essen Bratwürstl am Weihnachtsmarkt und rennen ohne zahlen davon und die Ausländer und die Tschuschen werden auch ordentlich angemacht oder niedergeschlagen.
Zuletzt treffen wir in „Alles in Ordnung“, Franz wieder, der, wie der Rudi Stadtschreiber in Linz geworden ist, seine Schreibmaschine samt leeren Blatt stehen läßt, von der Polizei perlustriert wird, die sich seinen Beruf erklären läßt und ganz genau wissen will, was er so schreibt.
Eine interessante Textsammlung mit sehr eindrucksvollen Geschichten aus einer Welt von der man sonst vielleicht nicht so viel lesen kann. Wenn man wissen will, was der Rudi so in „Kolik“, „Rampe“, „Wespennest“ etc in Laufe der Jahre veröffentlicht hat, ist das weiße Lomabändchen sehr zu empfehlen und live war er am Freitag mit Christian Katt, Armin Baumgartner und Peter A. Krobath, den ich, glaube ich, auch aus Linz kenne, im „Heureka“ zu hören und aus den „Sonnenblumen“ hat er, glaube ich, auch schon am Volksstimmefest gelesen.

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