Literaturgefluester

2017-05-27

Yseut

Jetzt kommt das dritte Geburtstagsbuch von meiner Leseliste, nämlich Marene Streeruwitz „Yseut“, die, wie man dem Buchrücken entnehmen kann, ihre Autobiografie in Form eines Abenteuerromans in siebenunddreißig Kapiteln erzählt.

Ja, die 1950 Geborene liebt es mit den Genren zu spielen und sich auch einmal in die Trivialliteratur zu begeben und sie verblüffte mich auch, daß sie, als ich das Buch ja für Stephan Teichgräbers „Centrope-Workshop“ analysieren wollte, schon auf Seite elf mit dem „Präfix“ kommt.

Sie ist aber eine, die wenige Metaphern verwendet, ihre oft sehr kurzen Sätze immer wieder abhackt und unvollendet läßt und dann gibt es auch immer wieder die so typischen Strreruwitz -Phasen:“Yseut hat dann…“. zum Beispiel oder „Yseut mußte lachen.“

Ich habe dank der offenen Bücherschränke beziehungsweise den Geburtstagsgeschenken schon sehr viel von Marlene Streeruwitz gelesen, war auch bei einigen ihrer Veranstaltungen und da fällt sie durch ihre starke Gesellschaftskritik auf.

Sie fährt gegen die Gewalt der Männer  und der Gesellschaft ins Feld, macht sich über alles lustig und hat eine sehr starke Sprache mit sicher einigen Übertreibungen dabei.

Ich habe nicht so ganz problemlos zu Marlene Streeruwitz gefunden, habe einiges von ihr, beispielsweise „Die Schmerzmacherin“ glaube ich, auch recht schwierig zu lesen gefunden.

Bei „Yseut“ war das nicht so, da habe ich diesen „Abenteuerroman trozt seiner wahrscheinlich gewollt und konstruierten trivialen Handlung und der eher einfachen Sprache, die auch von den „Amazon-Rezensenten“ prompt bemerkt und bekritelt wird, sehr spannend gefunden und das Buch auch gern gelesen.

„Verschlungen!“, würden die Blogger wahrscheinlich sagen und was mir dabei auffiel, ist die Passivität womit sie ihre Protagonistin beschreibt. Ist doch die Yseut eine, die alles mit sich machen läßt, mit den Männern wahllos ins Bett geht, mit ihnen von einem Abenteuer zum anderen taumelt, was mich bei einer so kritischen Person, wie es Marlene Streruwitz sicher ist, ein wenig wunderte.

Aber wahrscheinlich war das so in den fünziger und sechziger Jahren, in denen sowohl Yseut, als auch Marlene Streeruwitz aufgewachsen ist. Interessant ist auch, daß Yseut in dem Buch als „alte Frau“ beschrieben wird, aber so verhält sich sich gar nicht. Sie verhält sich eher, wie eine junge, die sich durch das Leben und durch die Betten treiben läßt.

Yseut ist also im Nachkriegs-Wien aufgewachsen. Die Mutter war berufstätig, der Vater Frühpensionist und mußte von ihr mitversorgt werden. Es gibt zwei Großmütter. Großmutter Münster und Großmutter oder Oma Köbrunner werden sie genannt, was auch typisch Streeruwitz ist.

Das Buch wird in in zwei Handlungssträngen erzählt. Es gibt Kapitel mit Überschriten, wie „Wie es kam, dass Yseut nach Kalifornien ging und Feministin wurde“, beispielsweise, in dem Yseuts bisheriges Leben erzählt wird.

Yseut ist die alt oder mitteldeutsche Form von Isolde und Yseut wird  abwechselnd Isabella, Yseut falsch oder richtig ausgesprochen, Isi oder Isilein genannt. Ein Buch aus dem Bücherschrank des Vaters kommt vor, daß Yseut, als Kind lesen durfte und ihre Verehrung für Lord Byron.

Yseut besucht zu erst das „Sacre Cour“, dann die öffentliche Volksschule, als sich die Mutter, die Privatschule nicht mehr leisten kann, studiert Linguistik, heiratet früh und geht mit ihrem Mann Ed nach Amerika. Dort wird sie Bigamistin, bekommt von einem anderen Mann ihren Sohn Gogo, kehrt nach Wien zurück, geht dann als Schauspielerin nach Frankfurt, erlebt die wilden und die weniger wilden Zeiten, bis zu dem Überwachungsstaat in dem das Buch, es dürfte sich, um eine nahe Zukunft handeln, denn das Geld ist schon abgeschafft, spielt und da in dem zweiten Handlungsstrang reist Yseut auf den Spuren Byrons nach Italien, mietet sich dort in eine alte Villa ein, wo das Zimmermädchen knickst und Rüschen trägt. Eine Contessa, die Besitzerin im Salon sitzt und als Yseut nach einem Restaurant fragt, ihr gleich die Gesellschaft eines alten Mayors, der offenbar eine Kehlkopfoperation hinter sich hat, vermittelt.

Hinter Yseuts Brokatbett halten sich grüne Wanzen auf, vor denen Yseut sich ekelt. Sie wickelt sie in Handtücher und hält sie, während sie mit dem Mayor in das Restaurant fährt mit ausgespreitzten Fingern aus dem Autofenster.

„Grüne Wanzen gibt es nicht!“, hat Stephan Teichgräber bei der Analyse zu mir gesagt. Richtig wahrscheinlich und es gibt noch vieles anderes nicht, was in dem Buch vorkommt. Denn Yseut gerät gleich in einen ganzen Trubel von Trivialitäten. Die Mafia, die Geheimpolizei und jugendliche Gewalttäter tauchen auf und Yseutt, das habe ich jetzt vergessen, die eine Pistole mit sich trägt, wird gleich am nächsten Tag von der Polizei verhört, weil sie einen falschen Namen angegeben hat, sie nannte sich „Isabella“, aber das ist ja die französische oder was auch immer Form von Isolde und hatte die Waffe trotz Waffenschein nach Italien geschmuggelt, aber die hat ihr der Mayor ohnehin schon  abgenommen.

Ein geheimnisvolles Altersheim kommt vor, wo die Insassen in Sechzigerjahrekleider fröhliche Feste feiern und vor der Villa gibt es ein Barockkonzert, während Yseut von einer Flüchtlingsfrau nach Lebensmittel gefragt wird, die sie dann gemeinsam mit der Contessa in eine Fattoria schmuggelt, wo sich einige Flüchtlingskinder versteckt haben.

Sehr aktuell also Marlene Streeurwitz Autobiografie und sehr amüsant zu lesen, denn man merkt den Spaß, den die Autorin hat, wahrscheinlich alle an der Nase herumzuführen und die Literaturkritiker zu verwirren.

Denn Marlene Streeruwitz darf wahrscheinlich allles schreiben, auch Austrozismen und wird bei „Fischer“ verlegt, die Leser haben aber vermutlich ihre Schwierigkeiten, denn ein wirklicher Trivialroman ist es ja nicht, sondern eine Gesellschaftskritik, eine Art Autobiografie oder was auch immer und so ganz trival scheint auch die Sprache nicht zu sein, kommen ja immer wieder Anspielungen und Verknüpfungen vor, bei denen man scharf mitdenken muß, um zu verstehen und sich auch nicht in die Irre führen zu lassen.

2017-04-29

Franz Werfel-Stipendium und Schmidt-Dengler Lesung

Im Literaturhaus gibt es derzeit ein dichtes Programm, nämlich die Jubiläustagung zu „25 Jahre Franz Werfel-Stipendium“, mit einer Tagung zum Thema „Literatur als Erotik“, die schon am Donnerstag angefangen hat und bis Samstag weitergeht.

Das „Franz-Werfel-Stipendium“ richtet sich an ausländische Hochschullehrer, die zu österreichischer Literatur forschen und wird von Konstanze Fliedl betreut und am Donnerstag, während ich im Rathaus war, hat es mit einer Veranstaltung mit Gustav Ernst, Robert Menasse, Anne Cotten und Lydia Mischkulnig unter der Leitung von Daniela Strigl begonnen. Also sehr hochkarätig. Eine Ausstellung dazu gibt es auch und am Freitag ist es dann mit den Referaten der Stipendiaten weitergegangen. So hat Graziella Predoiu aus Rumänien über Leopold von Sacher Masochs „Venus im Pelz“ gesprochen. Dann folgte ihr Jan Budnak aus Tscheien und der stellte die deutschmährische Moderne am Beispiel einer Geschichte von Franz Schmamann vor, die mich stark eine der Erzählungen von Mela Hartwig erinnert hat.

Ein Mädchen geht über ein Feld um einer Zwangsheirat zu entgehen, wird dabei von einem Gendarmen vergewaltigen, kann sich nur durch Totschlag retten, traut sich aber nicht, um nicht der Schande und dem Spott ausgelieftert zu werden, das zu erzählten. so wird sie zum Tod verurteilt.

Vahidin  Preljevic aus Bonien-Herzegowina, kam dann wieder nach Österreich zurück und beschäftigte sich mit der Josefine Mutzenbacher, die ja Felix Salten zugeschrieben wird. Er meinte, aber daß die Urheberschaft nicht bewiesen wäre, Salten hätte das abgestritten, Schnitzler hat einmal geschrieben „Das kann nur der Salten geschreiben“ haben,  Karl Kraus wurde auch vermutet und ich fragte mich, warum es eigentlich so sicher ist, daß das ein Mann geschrieben hat. Vielleicht ist es wirklich eine „Wiener Dirne“ oder wie man heute sagen würde, eine Sexarbeiterin gewesen.

Dann gab es eine Pause und da entdeckte ich, daß am Büchertisch ein Haufen der Büchlein die bei den Wiener Vorlesungen entstanden sind, zur freien Entnahme auflagen.

So zum Beispiel eines von Edward Timms, den ich ja erst vorige Woche hörte über „Karl Kraus und der Kampf ums Recht“ und eines von Sigurd Pauöl Scheichl „Zur Aktualität von Karl Kraus  „Letzte Tage der Menschheit“, aber auch einige von Ruth Klüger. So habe ich mir meine Tasche vollgestopft.

Es ging dann noch weiter mit Jean Bertrand Miguoue aus Kamerun, der über die „Erotik des Wortes. Dchtung als Form des Voyeurismus am Beispiel von Altenberg, Kafka und Musil“ referierte und ein Büchlein über Peter Altenberg hat es auch gegeben.

Dann kam Gabor  Kerekes aus Ungarn, der zeigte welche österreichischen Bücher wann in Ungarn aufgelegt wurden und wie wenig erotisch die Literatur in Ungarn zur Zeit des Stalinismus war.

Dann ging es weiter am Nachmittag, ich mußte aber in den BÖP, denn da gab es ein Verlagspsychologentreffen. So habe ich einige Vorträge, aber auch die Präsentation der Publikation zu „25 Jahre Franz Werfel-Stipendium“ versäumt. Die ist aber aufgelegen, als ich am Abend wiederkam, denn da hat es nicht nur ein Buffet, sondern vorher die neunte „Schmidt-Dengler-Lesung“ gegeben, die diesmal Peter Nadas gehalten hat, den ich ja erst vor ein paar Wochen im Literaturmuseum hörte.

Er stellt seine noch nicht auf Deutsch erschienenen Memoiren „Aufleuchtende Details“ vor und ganz besonders spannend war es, daß auf einmal die Anna „Hallo, Mutter!“, sagte, da sie mit ihrer Freundin Anna Linder, die ja Literaturwissenschaftlerin ist, gekommem ist, um sich den Vortrag anzuhören.

Am Samstag wurde es dann morderner und zwar ging es mit Christina Spinei aus Rumänien weiter, die über Ingeborg Bachmann, beziehungsweise Hans Weigels sogenannten Schlüsselroman „Die unvollendete Symphonie“  ihre Beziehung zu Paul Celan referierte.

Die Ungarin Edit Kiraly referierte über die „Kussschule“ in Andreas Okopenkos „Lexikonroman“.

Dann kam die Polin Anna Dabrowska und referierte über das Erotische in Semier InsayifsRoman „Faruq“, den ich nicht gelesen habe, so daß ich über seine Erotik nicht viel sagen kann, ich kenne den 1995 geborenen Sohn eines Irakers und einer Österreicher, eher als Literaturvermittler, hat er ja den „Siemens-Literaturpreis“ organisiert und hat in der „Gesellschaft für Literatur“ auch eine Jugendschreibwerkstatt.

Nach der Mittagspause ging es weiter mit Clemens J. Setz, da referierte die Polin Mart Wimmer über die „Frequenzen“ Indigo“ und „Die Liebe in Zeiten des Mahlstädter Kindes“ und da schieden sich die Geisgter, wurden einige Stellen in Setz Werk ja als kitsch gefunden und das war, soweit ich mich erinnern kann, mein Eindruck bei dem Erzählband, der ja den „Leipziger Buchpreis“ gewonnen hat, auch, während ich von der „Stunde zwischen Frau und Gitatte“ sehr begeistert war und diesem „verrückten“ Buch gern den dBp gegeben hätte und erotisch ist der Monsterroman, glaube ich, auch ganz schön.

Dann ging es noch um Ann Cottens Erzähltband, der „Schaudernde Fächer“ und um Paula Köhlmeiers „Maramba“, das ich ja einmal im „Wortschatz“ gefunden habe und weil wir bei den Bücherfunden bin, kann ich gleich erwähnen,  daß am Samstag, was mich ganz besonders freute, Luigi Reitans „Flucht in der Literatur – Flucht in die Literatur“, die „Wiener Vorlesung“ vom 15. März 2016, das heuer in Leipzig vorgestellt wurde, auflag.

Das wars dann schon für das allgemeine Publikum, dann gab es noch Kaffee und die Reste vom gestrigen Buffet und ein paar gute Erdbeerwürfeln, ich habe mich mit ein paar Besuchern unterhalten, meine Bücher hergezeigt, über mein Schreiben erzählt, während es für die Stipendiaten zum Strategiegespräch über die künftigen Themen ging und dann gab es für sie, glaube ich, noch einen Heurigenbesuch, während ich nur sagen kann, daß es eine sehr sehr interessante Tagung war, obwohl das Thema Erotik wahrscheinlich zu weit und zu hoch gegriffen war.

Es ist nicht alles nur erotisch, aber das ist ein Thema, das wahrscheinlich alle anspricht und wie man sieht, hat die österreichische Literatur sehr viel davon zu bieten.

Von Franz Werfel, ein ziemlich zeitgleich mit Leo Perutz in Prag geborener deutschsprachiger Dichter, der aber, wie Manfred Müller, am Dienstag in der „Gesellschaft für Literatur“ erzählte, nicht so viel, wie Perutz oder Kafka gelesen werden würde, habe ich übrigens „Das Lied der Bernadette“ und den „Veruntreuten Himmel“  gelesen.

Die vierzig Tage des Musa Dagh“ warten noch auf mich.

 

2017-02-25

Musils Mörder

Weiter geht es mit den Neuerscheinungen, das heißt, die Erzählung oder Novelle des 1950 geborenen Regisseurs Jürgen Kaizik, der, wie ich Google entnahm, in den Achtzigerjahren, als ich auch gerade darüber schrieb, ein schönes ORF- Portrait über Paula von Preradovic, der Bundeshymnenschöpferin, machte, ist schon im letzten Dezember bei „Braumüller“ erschienen, war aber vor einigen  Wochen bei den „Beispielen“ im Radio und Robert Musils berühmter Roman von dem alle reden, den aber wahrscheinlich, die wenigsten gelesen haben, habe ich 1974 noch mitten drin in meiner philosophischen Phase im Gartenhäuschen meiner Eltern, das es wahrscheinlich nicht mehr gibt, in vierzehn Tagen gelesen und nichts verstanden.

Natürlich nicht, als ich das vor ein paar Jahren in der „Gesellschaft für Literatur“, Annas Schulfreundin, Anna L. sagte, die Germanistik studiert hat, hat die den Kopf geschüttelt und behauptet, sie hätte das getan.

Ja, die jungen Frauen sind selbstbewußt. Ein zweites Lesen würde ihr aber wahrscheinlich nicht schaden, mir natürlich auch nicht, aber höchstpersönlich komme ich bei meinen Bücherbergen, die ich mir  immer so bereitwillig anhäufe, nicht dazu das zu tun.

Der Regisseur und Autor, der, glaube ich, über Musil dissertiert hat, hat mir das vielleicht abgenommen oder besser mich ermahnt, das bitte doch zu tun, denn er hat das getan, was mir auch schon im Kopf herumschwirrte, vor einem Jahr zum Beispiel, als ich nicht wußte, worüber ich schreiben soll, er hat eine Figur aus dem Roman heraussteigenlassen und sie mit ihrem Autor konfrontiert.

Im „Mann ohne Eigenschaften“, daran erinnere ich mich noch, geht es um einen Ulrich und, um dessen Liebe zu seiner Schwester Agathe. Um den Zerfall der Monarchie und das Trauma, das das in dem Autor auslöste, geht es wahrscheinlich auch, bei dem erstmals 1930 erschienenen und unvollendet gebliebenen Roman und daran gibt es auch eine Figur eines Frauenmörders namens Christian Moosbrugger und die steigt jetzt  in Kaiziks Erzählung und eine, die den Roman mit Anfang zwanzig vor vierzig Jahren gelesen hat, kennt sich nicht recht aus.

Bei den „Beispielen“, ging es um eine Hedwig, die von ihrem Vater eine Buchhandlung erbte, die Monarchie ist schon zerfallen, sie denkt an den alten Kaiser und liest und liest, den Zauberberg, Hesse, eben das, was damals modern war und erschien und dann den „Mann ohne Eigenschaften“.

Da ist sie nicht von dem Ulrich, sondern von dem Mörder, wie man das ja den Frauen so zuschreibt und ich selber welche kannte und kenne, die das taten, fasziniert und der letzte Satz des Kapitel ist „Und Hedwig beschloß zu handeln“.

Ich habe auch gehandelt und das Buch bestellt und in dem schmalen hundertfünzig Seiten Büchlein, das Kaiziks Doktormutter Marie-Louise Roth gewidmet ist, erzählt der Mörder selbst und  ich habe lange nicht gewußt und weiß das vielleicht noch immer nicht so genau, ob der Christian Moosbrugger jetzt eine reale Figur ist oder nicht? Aber von irgendwo wird Musil die Idee dazu schon herhaben und jener Moosbrugger beginnt schon im Prolog zu erzählen.Er sitzt im Gefängnis, in der Strafanstalt Garsten vermutlich, hat eine Frau ermordet und das Gericht konnte sich wieder mal nicht einigen, zurechnungsfähig oder nicht?

Der Mörder bestand, wie erst kürzlich auch, auf das Erstere und so sitzt er und erzählt und der Kaiser stirbt der Krieg ist aus, es kommen die „Roten“ ins Gefängnis und singen selbstbewußt „Brüder zur Sonne zur Freiheit““ und „Völker hört—“

Später werden sie dann kleinlaut und die neue Repubik christlich sozial und dann wird Moodsbrugger entlassen. Hedwig holt ihn ab und gibt sich, was mich noch einmal verwirrte, als die Krankenschwester seiner verstorbenen Mutter aus, dann führt sie ihn ins Cafe Museum und zeigt ihm in der dort anwesenden Dichterunde, Robert Musil und eröffnet ihm, sie hat die Buchhandlung verkauft und  dafür ein Haus in Bayern, das der gelernte Dachdecker reparieren soll. Die beiden ziehen dorthin, Moosbrugger, entdeckt in einen Koffer Bücher, entdeckt den „Mann ohne Eigenschaften“, liest darin seinen Namen, stellt Hedwig zur Reee und bringt sie um.

Als zuerst ein Brief von Musil, der inzwischen schon in die Schweiz emigrierte, wir sind jetzt mitten im World War II, an das „Verehrte Fräulein Hedwig!“, kommt und dann die Polizei, um das Haus zu durchsuchen, flieht er in die Schweizer Berge.

Das heißt, er  flieht nicht, sondern sucht den Dichter auf, der in ärmliche Verhältnissen, mit seiner älteren Frau Martha, in einem Haus in Genf lebt, mit dem Bildhauer Wotroba, der ebenfalls dort das Exil verbrachte und seine Büste schuf, befreundet ist und am 15. April 1942, einen Schlaganfall erlitt.

Vorher konfrontiert Kaizik Musil noch einmal mit seiner Figur, was im Buch dann wahrscheinlich zu dem Schlaganfall führt und Moosbruggers Leiche wird mit dem berühmten Schihzophrenen-Hirn, wahrscheinlich das damaligen Stait of the Art, auch noch in der Nähe des Tatorts gefunden.

Interessant, interessant und ein bißchen verwirrend, wenn eine, wie ich so wenig Ahung von Musils Leben und seinem berühmten Roman hat.

Was lernen wir daraus? Den „Mann ohne Eigenschaften“ lesen. Erstmals oder nochmals, wie auch in einer der beiden schon vorhandenen „Amazon-Rezensionen steht“.

Ja, natürlich, etwas besseres als das, gibt es allemal nicht. Aber wann werde ich mir die Zeit nehmen, dazuzukommen?

2016-12-03

Das Bücherjahr

Das Jahr neigt sich allmählich zu Ende und da ich gestern Nacht noch einmal meine Leseliste aktualisiert und ein paar 2016 Bücher in das nächste Jahr hinübergetragen habe, ist es vielleicht Zeit, noch einmal und ausführlich über das Lesejahr 2016 zu schreiben, das abgesehen davon, daß ich höchstwahrscheinlich viel weniger Bücher, als in den Vorjahren gelesen habe, ein sehr interessantes und erfreuliches war.

Woran das liegt, kann ich gar nicht so genau beschreiben, aber seit dem ich eine Leseliste führe, die sich 2011 so allmählich aus der „Hundert Bücher-Challenge“ ergeben hat, ist die Zahl einige Jahre lang hinaufgegangen.

2010 waren es neunzig Bücher, die Zahlen der beiden vorangegangenen Jahre, vor allem die von 2008, wo ich ja auch erst im Juli mit dem Bloggen angefangen habe, sind nicht komplett, weil ich damals noch nicht alle gelesenen Bücher besprochen habe.

2011, hundertfünfzehn, 2012 hundertvierundfünzig, 2013 hundertsechundsiebzig, von da ab gings bergab, denn 2014 waren es nur noch hunderteinundsiebzig, 2015 hundertzweiundsechzi und heuer werden es vermutlich an die hundertfünfundvierzig, vielleicht mit einem leichten plus oder minus, sein.

Etwa drei Bücher in der Woche und die lese ich regelmäßig täglich in der früh, so an die sechzig bis hundert Seiten in der Badewanne und am Abend nur am Wochenende oder in den Ferien, wenn ich zu Hause bin und zu keinen Veranstaltungen gehe, über die ich dann blogge.

Ich habe ja, glaube ich, schon in meinen Studententagen, als ich mir die Bücher noch zum Normalpreis kaufte, angefangen zu sammeln, dann kamen die Büchertürme bei der „Literatur im März“, Edith Brocza hat mich einmal die Reste aus der Buchhandlung in ihrem Haus mitnehmen lassen und ab 2010 die offenen Bücherschränke, die die Zahl meiner ungelesenen Bücher in die Höhe schnellen ließ.

So daß ich 2013 den Rappel bekam, mir eine Bücherschränkung verordnete, die ich nicht wirklich oder eigentlich gar nicht einhielt, aber möglichst alle meine Bücher in meine Leseliste eintrug, so daß die bald explodierte und ins Jahr 2025 oder noch länger hinführte.

Bis 2013 aber habe ich es geschafft, alle Bücher auf der Jahresliste zu lesen, aber 2013 war auch das Jahr, wo Mara Giese mit der Aktion „fünf lesen vier“ begann und ich mir das erste Mal die Frage stellte, ob ich nicht auch „Buchpreisbloggen“ soll?

Damals habe ich es nicht gemacht, die Leseliste hat mich daran gehindert, ich war auch nicht sicher, ob mir die deutschen Verlage, die Bücher schicken würden, aber 2015 als sich dann die „offiziellen Buchpreisblogger“ gründeten, habe ich mich nicht mehr zurückgehalten und gelesen und gelesen, was, glaube ich, schon 2014 dazu führte, daß ich schon im Dezember umdisponierte, die ungelesenen Bücher aus dem Badezimmer räumte und die neuen hineinpackte, was einige Zeit erforderte und auch zu einem kleinen Unfall führte.

Im Vorjahr hat sich das wiederholt und, als heuer klar wurde, daß ich fast alle Bücher des dBp bekommen werde und, da sich das Buchpreislesen auf österreichisch ja kurze Zeit danach wiederholte, da habe ich zwar nur die halben Bücher gelesen, aber es war schon im September klar, ich schaffe, die durch Rezensionsexemplare auf zweihundert angestiegene Liste nicht  und ich war mir auch nicht sicher, ob ich wirklich alle Listenbücher finden werde und wenn ich sie im nächsten Jahr dann ohnehin wieder zurückräumen, muß, habe ich die Zukunftsleseliste gelöscht und mir bei der 2016 Leseliste angeschaut, was ich unbedingt noch auf jeden Fall lesen will.

Da waren ja einige Geburtstags- und Weihnachtsbücher und auch sonst sehr interessante Fundstücke dabei und zu meinem Vici-Baum Schwerpunkt wollte ich auch noch kommen, tue aber seit August nichts anderes, als Rezensionsexemplare zu lesen und da stehen  noch einige auf der Liste, die glesen werden sollen und wenn ich zwölf Bücher im Monat schaffe und heute schon der dritte Dezember ist, wirds vielleicht doch nicht so ganz mit der Vicki Baum klappen, aber den Franzobel will ich unbedangt lesen, das Buch der Ela Angerer, das erste, das zweite habe ich diese Woche ja auch  bekommen und dann den Richard Schuberth auf den warte ich auch schon so lang.

Also das andere Interessante auch in das nächste Jahr gepackt, da liegen die Bücher ja schon im Badezimmer, die zu einem großen Teil aus der 2016 Liste stammen oder aus einigen sehr interessanten Funden, wie beispielsweise „Löwenwecken“, auf das ich  aufmerksam wurde, als Israel das Gastland in Leipzig war, bestehen.

Da hab ich wieder den Vorsatz, wenn möglich, die abgespeckte 2017 Liste wirklich hinunterzulesen, zweimal fünf Rezensionsexemplare aus der Frühjahrsleseproduktion habe ich mir aber schon bestellt und das „Buchpreislesen“ will ich ja eigentlich auch wiederholen, was bedeutet, das ich vermutlich wieder ab Ende August Rezensionsexemplare lesen werde und mit meiner Liste fertig sein sollte.

Die besten Vorsätze also und bin nicht wirklich sicher, ob es klappt, denn das hat es noch nie, weil ich sehr neugierig auf neue Bücher bin und die zum Teil auch angeboten bekomme.

Nun, das wird sich zeigen und wenn man jetzt auf das Jahr 2016 schaut, habe ich schon sehr viel Interessantes gelesen und da habe ich Jänner auch ganz brav mit der Leseliste angefangen.

Das heißt  „Amerikatz“ war noch jahresübergreifend, Hans Fallada und Donna Leon standen auch auf der Liste und bis Leipzig hatte ich zwar auch Rezensionsexemplare, aber danach habe ich mir dann soviel bestellt, daß ich mit den vorgenommenen Büchern nicht wirklich weitergekommen bin.

Im Mai fuhren wir nach Kroatien, da habe ich mir eine eigene Kroatienliste gemacht und dann habe ich ja auch ein paar Bücher für „Paul und Paula“ gelesen, die mir zum Teil Klaus Khittl oder Gloria G. borgte und der Stefan Zweig Schwerpunkt und das Doderer-Lesen ist dann auch hinzugekommen.

Im Sommer klappte es dann zwar mit ein paar Büchern aus dem Harlander Stapel, aber dann kam schon bald der August und das Buchpreislesen und ein paar Bücher, die mir  „Literaturtest“ oder die ich bei „Aufbau“ bestellte waren auch dabei.

Ab August habe ich dann Buchpreis gelesen und gelesen, achtzehn der deutschen dBp, das hat ja heuer vervorragend geklappt, „Hool“ wartet noch, „München müßte ich noch finden oder den Mut zu Lücke haben, von der öst List waren es fünf und die drei Debuts und dann kam ja schon vollig überraschend aber sehr spannend das „Buchdebut-Bloggerlesen“ und da habe ich mir die Shortlist ja auch durch einige Longlistenbücher erweitert.

„Keiper“ hat mir überraschend zwei Bücher geschickt und mein Kritiker Uli Lucas, dessen „Horrorgeschichtensammlung“ ich gerade ausgelesen habe und der liebe Dietmar Füssel schickt mir Bücher, Gerhard Jaschke hat mir seinen Gedichtband geschickt, sowie Petra Ganglbauer und dann waren ja auch einige Schmankerl auf meiner ursprünglichen Bücherliste, so daß ich heuer „Biss zum Morgengrauen“, aber auch „Hausfrauensex“, den „Braven Soldaten Schwejk“, die „Henkerin“, den „Tod des Vergils“, aber auch Nele Neuhaus und  Anna Achmatova gelesen habe.

Jane Austen „Verstand und Gefühl“ war auch dabei, was dann weil ja ein Henry James Gedenkjahr war. durch „Eine Dame von Welt“ ergänzt wurde.

Ich habe „Mimikry“ elesen oder gespielt und endlich Hans Weigels „Unvollendete Symphonie“ und und…

Ein Blick auf die Liste macht es vollständig und ich denke, es war eine sehr interessante Mischung zwischen alt und neu. Denn ich bin ja eing, die eigentlich wirklich neugierig auf alles ist, auch gerne mal einen Krimi oder ein Chicklit liest und da war ja auch was Selbstgemachtes der Annika Bühnemann dabei.

Ich habe da keine Voruteile, spüre aber natürlich auch die Grenze der Menge und muß jetzt aussuchen, weil ich ja nicht nicht wirklich alles lesen kann, was ich eigentlich will.

In diesem Sinne wird es sicher spannend , wie weit ich meine 2017 Pläne einhalten werde, da sind ja die Schmankerln aus den Bücherschrankfunden. Da hat sich einiges sehr interessantes angesammelt, aber auch die Weihnachts- und die Geburtstagsbücher wirklich der Reihe nach auszulesen und bezüglich Reisen oder Schreibepläne läßt sich  auch einiges ergänzen oder aus den Regaeln suchen.

So fahren wir 2017 mit der Ruth und dem Rad um den Bodensee, da lassen sich ja herrlich, sowohl Arno Geiger, als auch Michael Köhlmeier oder Martin Walser lesen, den Clemens Meyer kann ich nach Leipzig mitnehmen und den Erich Landgrebe beziehungsweise, die Margot Koller nach Salzburg, wenn ich die im Jänner besuche, beziehungsweise wieder mit ihr gemeinsam lesen werde.

Spannend, spannend der Blick auf die 2017 Liste und auf die Vorfreude, was ich dann 2018 oder 2019, wo ja auch schon einiges wartet, die Hilde Schmölzer beispielsweise, das „Fliegengewicht“ der Anna Elsabeth Mayer, Theodora Bauers „Fell der Tante Meri“ Alfred Polgars „Marlene“ beispielsweise und und…

Ja und bezüglich der eigenen Bücherproduktion oder Vermarktung habe ich auch einiges zu berichten, obwohl ich ja im November mit dem Korrigieren nicht wirklich weiter gekommen bin. Das war kein wirklicher Korrigiermonat und da hoffe ich auf die Weihnachtsferien und das nächste Projekt ist ja auch irgendwie schon geplant, beziehungsweise wurde es in der letzten Schreibgruppe angeschrieben und weil ich ja mit meinen selbstgemachten Büchern ohne ISBN Nummer so im Verborgenen bin und sich scheinbar keiner dafür interessiert oder sie bei meinen Gewinnspielen gewinnen, beziehungsweise rezensieren möchte.

Zwei Anfragen habe ich heuer schon bekommen, da hat sich vor einiger Zeit eine Italienerin bei mir gemeldet, die über „Michaerla König“ eine Diplomarbeit oder etwas Ähnliches schreibt und „Mimis Bücher“, was ja JuSophie“ so gar nicht gefallen hat, haben wollte und vor kurzem meldete sich Korea bei mir, die eine von Ernst Schwarz Übersetzungen herausgegeben möchten und von mir wissen wollten, wer die Rechte hat?

Ich habe sie nicht, aber heute wieder eine Anfrage bekommen, weil man bei „Wikipedia“ lesen kann, daß in den „Dreizehn Kapitel“ eines über Ernst Schwarz enthalten ist.

So geht es also auch und vielleicht bin ich gar nicht so verborgen mit meinen selbstgemachten Büchern. Anke Dörsam habe ich die „Berührungen“, als Dank für ihren „Mimikry-Text“ am Montag ja auch nach Berlin geschickt, bin aber gar nicht so sicher, ob das Buch ankommen wird, da sie mir keinen Straßénnamen angegeben hat und die „Deutsche Bibliothek“ in Leipzig möchte  auch meine Bücher haben, so daß ich kürzlich wieder, die neuesten hingeschickt habe und das eigene Bücherjahr, das kann ich vielleicht auch schon schreiben, war heuer besonders produktiv.

Fünf Bücher sind in diesem Jahr entstanden, die „Flüchtlingstrilogie“, dann „Paul und Paula“ und die „Berührungen„.

Erschienen, nicht geschrieben, da ich die Thekla Morgenstern, das Sommerbuch und den Adventkalender ja schon im Vorjahr geschrieben habe.

Heuer habe ich mit „Paul und Paula“ begonnen, was sehr aufregend war, dann habe ich die „Berührungen“ geschrieben und aus Kroatien habe ich mir die Idee auch eines Sommerromans, nämlich „Claire-Klara-Clarisse“ mitgenommen habe, an der ich noch korrigiere, bevor es 2017 erscheinen wird und ich mich an mein „Bibliotheksgespenst“ mit dem Arbeitstitel „Vor dem Frühstück kennt man sich nicht“ machen werde.

2016-09-18

Ottak Ottak

Was vom Namen her an den sechzehnten Gemeindebezirk Ottakring erinnern könnte, fand im WUK, Werktstätten und Kulturhaus im ehemaligen Gewerbemuseum im neunten Bezirk statt und war irgendwie eine Fortsetzung des xxxxx-Small, das es, was ich so gar nicht wußte, seit zwei Jahren nicht mehr gibt. Vor drei war ich noch im Afro Asiatischen Institut und vorher, als die Kleinverlagsmesse jährlich im Dezember im Amerlinghaus stattfand, war ich regelmäßig dort.

Ilse Killic, Gerhard Jaschke, Christian Katt, Nikolaus Scheibner und Konsorten, zum Schluß waren es sieben x, die sogenannte Biennale, bildende Kunst, Literatur und Kunstfilm, die es jetzt schon dreimal gibt, aber vorher in Ottakring war, fand, glaube ich, mit sechzehn Verlagen statt.

Nikolaus Scheibner stellte alle vor, „Atelier“ und „Klever“ waren dabei und das sind ja schon fast Großverlage, wenn auch, was Klever betrifft im experimentellen Bereich.

Um jetzt nicht wieder die Unverständlichkeitskeule übern Kopf geschwungen zubekommen, aber die experimentellen Autoren sind auch nicht sehr verständlich, vor ein paar Tagen, als ich mich schon auf ein im Bett und in der Badewanne mit dem Lesen und dem Schreiben verbringendes Wochenende freute, las ich bei http://www.buecher.at, von „Ottak Ottak-Literatur und Kunst im Dialog“ und dachte, daß ich da  hingehen sollte.

Die Namen am Programm erschienen mir zum Teil bekannt, das Kinderprogramm und die interaktive Demonstration japanischer Kalliographie, die am Nachmittag stattfand, ließ ich aus und am Donnerstag gab es auch eine Kollission mit der guten Literatur in der „Alten Schmiede“ und am Samstag hätte man auch gegen TTIP und CETA demonstrieren sollen, da bin ich aber eher zügig vorbei gegangen und habe mir nur zwei Reden angehört.

Dann im Projektraum des WUKs, wo ich, glaube ich, mal bei einer Ausstellung der Trude Kloiber war, fand ich Bekanntes, das heißt noch keinen Sessel, dafür einen Teppich am Boden, aber einen Büchertisch mit Gerhard Jaschke, der mir das neue „Feribord“ überreichte einen mit Günter Vallaster, der mir das Konzept erklärte und an Heinrich Hendrich, der die Veranstaltung mit Nikolaus Scheibner organiserte, verwies und Ilse Kilic, der ich zum „Veza Canetti Preis“ gratulieren wollte, die aber dafür keine Zeit hatte.

Ich fand also die xxxx-Small Kleinverlagsbücher, die vom Ralph Klever und die von „Atlier“, die ja sogar bei den O-Tönen auftraten, Hans Weigels „Unvollendetete Symphonie“ lag auf und das kleine Textheftchen der Eva Schörkhuber, das ich vor kurzem im Schrank gefunden hatte.

Das Literaturprogramm begann um sechs mit einer Hommage von Christian Katt zum neunundfünfzigsten von Christian Loidl, der ja inzwischen einen Verlag hat, wo er Loidls Werke posthum herausgibt.

Ein solches Buch wird demnächst erscheinen Agnes Heginger machte eine Performance daraus mit seinen Bezirksnotizen beziehungsweise seiner Orakellyrik.

Dann hätte der mir unbekannte Jürgen Olbrich kommen sollen, der ist aber schon nach Deutschland zurückgefahren. Die Veranstaltung war viel gröer als das xxx-Scmall und auch gut besucht, Bilder an den Wänden, ein Buffet das von Michaela Hinterleitner betreut wurde, so daß es dann wieder vertrauter wurde und Christine Huber ihre Gedichte vorlas, die sie zum Teil glaube ich auch schon im MUSA hörte.

Es gab für die Veranstaltung ein eigenes Programm, das man sich um ein paar Euro kaufen hätte können, da hatte jeder Autor ein Gedicht oder Text, Christine Huber las ihres vor. Gerhard Jaschke folgte mit einer Collage aus seinen Werken, den alten und den neuen und Hermann J. Hendrich las einen Prosatext.

Dann gab es eine Pause, wo man sich Bücher kaufen hätte sollen oder ein chili Con Carne bestellen und danach lasen Fritz Widhalm und Ilse Kilic im Duett, Gedichte, sowie aus ihren Verwicklungsromanen von der Jana und dem Natz, da gibt es glaube ich schon inzwischen den Teiul sieben, die in der Edition CH des Günter Vallaster erschienen sind.

Ein mir unbekannter Horst Lothar Renner, ein älterer Herr las Gedichte, die er zu Wolkenbildern geschrieben hat, bei einer ähnlichen Veranstaltung bin ich erst vor kurzem gewesen und dann kam die sogenannte „Kunstfilmnacht“, die war zwar nur sehr kurz und dauerte etwas über eine Stunde und die Filmemacher waren mir zum Teil auch bekannt, so hat Ilse Kilic das Gedicht „da bin ich… und löffle meine Nudelsuppe“, das sie vorher gelesen hatte, auch verfilmt, Fritz Widhalm hatte einen Kurzfilm, die Filme dauerten zwischen vier und fünfzehn Minuten, wo er sich übers Älterwerden, er ist jetzt sechzig, Gedanken machte und zeigt wie er mit der Ilse und dem Jopa in einem Bassin einige Runden schwimmt.

Begonnen hats mit einer Hommage von Hermann J. Hendrich  für Marc Adrian, Moucle Balckout, ich glaube. seine Witwe, hatte einen Film, Christian Katt und Grzegorz Kiewalski und am Schluß gab eis einen Film, von den Wiener Werkstätten, den Simone Schönett, mit der ich mal in der AS gelesen habe, zur Nacht der schlechten Texte in Klagenfurt, mit anderen gedreht hatte, einen Spielfilm, der Hermann J. Hendrich, wie er betonte nicht gefallen hat, vielleicht auch nicht in das Konzept der  anderen Filme passte, aber ganz interessant war.

Die gute und die schlechte Literatur ist also sehr vielfältig und facettenreich, es gibt die Mainstreamveranstaltungen und die Klein- und Kleinstverlagmessen und diese war sehr interessant. Vielleicht gibt es am Anfang Oktober im MUSA Gelegenheit Ilse Kilic zu ihren Preis nochmals zu gratulieren, auch wenn ich dabei die Vorstellung der drei Buchpreisdebut in der Arbeiterkammer versäume.

2016-07-15

Die Abenteuer des braven Sodaten Schwejk

Jetzt kommt etwas ganz Altes, ein Klassiker und eine „Aufbau-Ausgabe“ von 1982, die offenbar vom Alfred stammt, was  auch sehr interessant, daß das Buch, das so offen zur Rebellion und Wiederstand aufruft, in der DDR verlegt wurde. Ich nehme an, der Alfred hat es dort in einer Buchhandlung gekauft oder von seinen Verwandten geschenkt bekommen.

Ein Buch vor dem ich mich wahrscheinlich  lang gedrückt habe, weil ich in den Sechziger- oder Siebzigerjahre, den Film oder die Fernsehserie mit Fritz Muliar gesehen habe und da ist bei mir offenbar nur die Blödelei hängen geblieben, die ich ja nicht so mag, dabei ist es ein Buch, das über den ersten Weltkrieg handelt   und der hat mich  vor zwei Jahren sehr beschäftigt und eines der erste Bücher, wie ich bei „You Tube“ fand, das zum Widerstand aufrief.

Jetzt wurde es neu übersetzt, diese Übersetzung liegt oder lag bei Anna Jeller, die angeblich viel besser sein soll, weil das „Bömakeln“ fehlt, ich habe noch die alte, bin aber bei Neuübersetzungen ohnehin immer skeptisch, denn die Originalausgabe kann man ja auch nicht verändern und den Zeiten anpassen.

„Der brave Soldat Schwejk“ entnehme ich also „Wikipedia“ ist ein unvollendeter antimilitaristischer und satirischer Schelmenroman des, 1883 geborenen und 1923 verstorbenen, tschechischen Schriftstellers Jaroslav Hasek, der damit berühmt wurde. Er ist ursprünglich, 1921, in Zeitschriften erschienen und besteht aus vier Teilen.

Im ersten Teil „Im Hinterland“ wird gerade Franz Ferdinand in Sarajewo erschoßen und der Prager Hundefänger,  der wegen Blödheit aus dem Militärdienst entlassen wurde, geht wie jeden Abend in sein Stammwirtshaus, wo auch ein Spitzel sitzt, was dazu führt, das sowohl Wirt, als Gast wegen Hochverrats oder sonst noch einiges verhaftet werden. Der Wirt deshalb, weil er das Kaiserbild heruntergenommen hat, weil dort immer, die Fliegen darauf schissen. Der Wirt wird deshalb zu einigen Jahren verurteilt, Schwejk, der immer treuherzig schaut und „Melde gehorsam, Herr Oberlajtnant!“, sagt, kommt frei, beziehungsweise wird er bei der Musterung, als Simulant verhaftet, weil  er Rheuma hat.

Köstlich könnte man sagen, die Stelle, wo der Militärarzt, den Tauben, Lahmen, etcetera, Klistiere und Magenauspülungen verordnet, damit sie gesund werden und sich freiwillig melden.

Schwejk meldet sich auch und kommt zu einem besoffenen Feldkuraten, der eigentlich jüdischer Abstammung ist, aber irgendwie, den Katholizismus bevorzugte, der sauft sich arm, verliert beim Kartenspielen seinen Burschen, an den Oberleuntant Lukasch, der hat aber keine Freude an ihm, obwohl er ihm am Anfang beibringt, daß er alles machen, muß, was er ihm befiehlt.

„Wenn ich sage, spring ins Feuer, dann tue es!“

Schwejk denkt nicht daran oder doch, so einfach ist das bei einem, der immer treuherzig schaut und wegen Blödheit aus dem Militärdienst entlassen wurde, nicht festzustellen.

Der Oberleutnant hat ständig Frauengeschichten, bei denen Schwejk vermitteln muß. Dann soll er ihm einen Hund verschaffen, er tut es, in dem er einen von einem Oberst klaut, was den Oberleutnant in arge Schwierigkeiten bringt. Er wird an die Front versetzt und fährt mit Schwejk im Zug dorthin, der redet ihm wieder in seiner Treuherzigkeit, um Kopf und Kragen, zieht dann die Notbremse, wird verhaftet und muß  zu Fuß nach Budweis gehen, weil er das Geld für die Fahrkarte wieder treuherzig vertrinkt.

Und so weiter und so fort und irgendwie merkt man die Fortsetzungsgeschichten, weil jedes Kapitel eine eigene Handlung mit ähnlichen Wiederholungen hat.

Schwejk kommt  wieder zu Lukasch, der ihn zu einer Ungarin schickt, dort kommt es zu einer Schlägerei und der Oberleutnannt, der auch als Trottel geschildert wird, hat, wegen seinem Burschen wieder  Schwierigkeiten, will ihn eigentlich loswerden, die Vorgesetzten lassen es aber nicht zu, so bekommt er zwar einen anderen Burschen, mit dem er aber auch nicht viel Freude hat, denn der frißt ihm alles weg und Schwejk kommt mit ihm als seine Ordonnanz ins Feld.

Das passierte dann schon im zweiten Teil „An der Front“, im dritten Teil „Der glorreiche Zusammenbruch“ muß die Ordonnanz das Telefon bewachen und es kommt zu einem Durcheinander, weil man nicht mehr weiß, wann man ausrücken soll und, wie es mit der Marschverpflegung ist.

Dann geht es los  „Quer durch Ungarn“, die gemeinen Soldaten unterhalten sich übers Essen, während sich die Offiziere mit einem Ganghofer-Buch beschäftigen müssen um das Cheffrieren zu lernen. Nur leider hat der brave Soldat Schwejk, die zwei Teile verwechselt, beziehungsweise gedacht, daß man das Lesen mit dem ersten beginnt, eine heillose Verwechslung entsteht, die den  Kadetten Biegler, der schon von Offizierswürden träumt, als „Träger von Cholerabazillen“ in die Lazarettbaracke bringt, indessen bleibt der Zug in Budapest die ganze Nacht lang stehen, die Soldaten sollten, wie zuerst Salami, jetzt Emmentaler bekommen, allein sie bekommen wieder nur gute Sprüche und Ansichtskarten.

Italien erklärt den Krieg an Österreich-Ungarn, die Abfahrt wird alle drei Stunden verschoben, mildtätige Damen erscheinen und verteilen Pastillen und wollen den Soldaten dafür eine Ansprache halten, Oberleutnant Lukasch hat wieder Schwierigkeiten von seinem hungrigen Burschen, die nötige Verpflegung zu erhalten, bis der Abfahrtbefehl endlich kommt.

Dann gehts an die galizische Grenze mit Hauptmann Sagner, Oberleutnant Lakasch, dem esoterischen Koch Jurajda,  Rechnungsfeldwebel Wanek, Telefonist Chocounsky und dem eifrigen Leutnant Dub, vom Zivilberuf Lehrer, den Schwejk nur „Halbfurzer“ nennt und der diesen am liebsten wegen Hochverrats vor Gericht stellen will.

Es gibt zu wenig Essen und als Lukasch Schwejk befiehlt für ihn Kognac zu fassen, was streng verboten ist, schleicht Dub Schwejk nach und befiehlt ihm den Kongnac auszutrinken, weil Schwejk treuherzig behauptet, das das nur eisenhältiges Wasser ist.

Einen Einjährigenfreiwilligien, der schon die Bataillonsgeschichte im Vorraus schreibt und allen einen mehr oder weniger ruhmreichen Tod zukommen läßt, gibt es auch und noch verschiedene andere Verwirrungen und Verrenkungen, beispielsweise die, daß der hungrige Baloun in den leeren Gulschkessen fällt und ihn so schön, wie nie zuvor ausleckt.

Es gibt  ein Zwischenspiel in einem Bordell, in dem sich Leutnant Dub betrinkt, Schwejk muß die Kompanie im Dorf Liskowiec einquartieren, findet eine russische Uniform, zieht sie an und gerät in Kriegsgefangenschaft. Er soll gehängt werden, kommt dann aber doch wieder in seine Kompanie zurück.

Dann endet das Buch, mitten im Satz, steht bei „Wikipedia“, weil sein Verfasser, der offenbar ebenfalls sehr trinkfreudig war und seinen Schwej im Wirtshaus schrieb und dort auch den Gästen vorlas, „am 3. Jänner 1923 im Alter von vierzig Jahren gestorben ist.“

Es gibt Nachrufe von Egon Erwin Kisch, Kurt Tucholsky und F. C. Weisskopf.

In der Tschechai kennt jeder den braven Soldaten Schwejk, hat ihn in der Schule gelesen, kann ihn als Souvenier von seinen Reisen mitbringen und in sein Auto oder sonstwohin aufhängen und Denkmäler gibt es natürlich auch.

Es ist nicht so sehr ein Buch über den ersten Weltkrieg, sondern eines über die Dummheit der Menschen, habe ich einem der You-Tube Filme gesehen. Etwas, was ich eigentlich nicht so glaube, sondern das Buch eher für einedamalige Gegenwartsbewältigung eines vielleicht auch hoffnungslos Verzweifelten halte.

Für den zweiten Weltkrieg kann man den Bockerer von Ulrich Becher als Gegenbeispiel halten, wo einer auch durch seine vermeintliche oder wirkliche Dummheit, das Naziregime überlebt und Dummstellen ist wahrscheinlich genauso ein Abwehrmechanismus, wie der Humor einer ist und wenn Jarosav Hasek am dritten Jänner 1923 nicht gestorben wäre, hätte es vielleicht noch weitere Abenteuer des braven Hundefängers gegeben, der aber auch so, wie beispielsweise von Karel Vanek, weitergeschrieben worden ist.

2016-06-25

Zum Bachmann-Geburtstag

Am fünfundzwanzigsten Juni 1926 wurde Ingeborg Bachmann in Klagenfurt geboren, die am siebzehnten Oktober 1973 in Rom ihren Brandtverletzungen erlegen ist. Da war sie siebenundvierzig und ich noch nicht zwanzig und hatte gerade mit meinem Psychologiestudium begonnen.

Ob ich vorher in der Straßergasse oder sonstwo viel von ihr gehört habe, weiß ich aber nicht. Die Todesnachricht habe ich wahrscheinlich durch das Fersehen mitbekommen.

„Eine der bedeutendsten Lyrikerinnen und Prsaschriftstellerinnen des deutschsprachigen Raums!“, wie heute in „Wikipedia“ steht.

Damals habe ich mich, glaube ich, noch nicht so sehr für die zeigenössische Literatur interessiert, obwohl ich schon geschrieben habe und mir im Sommer nach meiner Matura auch viele Bücher kaufte.

Stifter, glaube ich, Doderer, Musil.

„Den Mann ohne Eigenschaften“ habe ich, glaube ich im Jahr danach gelesen. Die Grazer Autorenversammlung hat sich im Sommer 1973 gegründet, das habe ich, glaube ich, im Gartenhäuschen am Almweg mitbekommen, aber ich wollte ja von der Bachmann schreiben und, wie sie mich beeinflußt hat?

Den  1976 entstandenen Film „Drei Wege zum See“, mit Guido Wieland, kann ich mich erinnern, habe ich in der Wattgasse im Fernsehen gesehen und er hat mich, glaube ich, mehr beeindruckt, als die Verfilmung des „Radetzkymarschs“, die es wahrscheinlich zeitgleich gegeben hat.

Und eine Bachmann-Gesamtausgabe, vier Bände, von der „Büchergilde Donauland“, wo zuerst meine Schwester, dann meine Mutter Mitglied war, habe ich einmal zu Weihnachten bekommen.

Ich weiß nicht mehr genau, wann, kann mich aber erinnern, daß ich einmal, ich bin in den Ferien, als ich noch in der Wattgasse gewohnt habe, aber auch später, öfter in den Türkenschanzpark gegangen und da den „Fall Franza“ vielleicht oder „Malina“ gelesen habe und das eher altmodisch und nicht so besonders gefunden habe.

So könnte ich auch nicht sagen, daß ich eine besondere Bachmann-Experitin oder Kennerin bin. Aber wenn man sich  für Literatur interessiert, kommt man natürlich nicht darum herum.

Und dann gibt es den „Bachmannpreis“, der 1976, der Klagenfurter Dichterin zu Ehren, die diese Stadt ja, glaube ich, nicht sehr gemocht hat und aus ihr zuerst nach Wien, später nach Rom geflüchtet ist, von Humbert Fink und Ernst Willner gegründet wurde und an den ich gerne teilgenommen hätte.

Was die Bachmann dazu gesagt hätte, ist fraglich und sehr viel hat das, was und wie die heutigen Autoren schreiben wohl nicht mit ihr zu tun, auch, weil dort ja keine Lyrik gelesen wird.

Aber da geht es um den Namen, den die zwei Herren gemeinsam mit MRR, der ja in den ersten Jahren in der Jury war, gewählt haben und die Stadt schmückt sich damit, während es, wie Josef Winkler einmal aufdeckte in der Stadt noch immer keine öffenliche Bibliothek gibt oder gab.

Das hat aber auch nicht sehr viel mit der Bachmann zu tun außer, daß man ihre Bücher dort hineinstellen könnte und ich habe mich in der Erzählung „Wilder Rosenwuchs“ ja mit einer weißhaarigen älteren Frau beschäftigt, die dort plötzlich im Studio auftaucht und sich mit einem geblümten Kleid in die erste Reihe setzt.

Das habe ich 2007 geschrieben und 2006 wäre die Bachmann achtzig geworden und da gab es ihr zu Ehren ein großes Symposium in der „Akademie der Wissenschaften“ und eine Ausstellung im Palais Palfy. Eine Führung durch Bachmanns-Wien hat es auch gegeben.

Da bin ich, glaube ich, an einem Sonntagvormittag zu Pfingsten mit ein paar Interessierten durch Wien herumgefahren, von der Ungargasse zum Cafe Raimund, wo ja einmal der Hans Weigel thronte und die jungen Dichter und Dichterinnen, um ihn herum in seinem Kreis aufnahm oder vielleicht auch nicht.

Die Bachmann hat er aufgenommen und sie zu seinem „Geschöpf“ gemacht, so habe ich gehört und einen Brief gelesen, den ich kopiert, einmal als Geburtstagsgeschenk erhielt, wo er sie aufforderte, sich doch nicht politisch zu betärigen.

Der junge Mann, der uns herumführte, erzählte von Hans Weigels „Unvollendeter Symphonie“, die ich jetzt endlich Dank dem „Atelier-Verlag“ und seiner Wiederauflage gelesen habe.

Und „Mythos Bachmann“ habe ich gelesen und ein Buch über die „Gruppe 47“ und als ich 2005, glaube ich, war es, in der Bücherei Pannaschgasse endlich einmal einen Preis gewonnen habe, die Edith Brozca hat mit zwei Cousinen, glaube ich, für mich gestimmt,  der Alfred und die alte Dame die uns einige Jahre zu einer Frauenlesung in die Galerie Heinrich eingeladen hat, habe ich einen „Thalia-Gutschein“ bekommen und mir dafür ein Bachmann-Bilderbuch eingetauscht und jetzt ist es wieder soweit, die Bachmann wäre neunzig geworden und der ORF hat einen Bachmann-Schwerpunkt.

Eine Veranstaltung im Literaturmuseum hat es vorige Woche auch gegeben, zu der ich leider nicht gegangen bin, weil wir vom Urlaub zurückgekommen, noch schnell den Martin mit der Linda treffen mußten, die zwei Tage später wieder nach Amerika flog.

Aber 2006 hat es, glaube ich, auch eine Veranstaltung im Radio Kulturhaus gegeben, da waren  ihre Geschwister und die hat man gefragt, warum sie keinen Widerstand geleistet hat?

„Meine Schwester war ein Kind!“, hat die jüngere Schwester, glaube ich, geantwortet. Sie hat aber ein Kriegstagebuch geführt, war mit einem jungen Juden befreundet und hat in Wien, wo sie Philosophie studierte, auch beim Sender „Rot weiß Rot“, im heutigen Literaturhaus gearbeit und da angeblich oder tatsächlich an einigen Folgen der „Familie Floriani“ mitgearbeitet. Das gleichnamige Buch habe ich inzwischen gefunden und den Celan-Bachmann Briefwechsel habe ich inzwischen auch gelesen.

So weit, so what und schon wieder was vergessen, denn ich habe ja noch einen Literaturpreisgewonnen, einen „Hörbuchpreis“ in jener „Thalia-Filiale“, wo ich auch den Gutschein einlöste, da gab es einen für Hörbücher und so habe ich eine Originalaufnahme von ihr, wo sie mit dünner Stimme ihre Gedichte liest, die mich sehr an die der Valerie Fritsch erinnert, die auch sehr lyrisch ist und Valerie Fritsch ist die heurige Stadtschreiberin von Klagenfurt. Nadine Kegele war es vor ein paar Jahren und hat jetzt einen Text über die Bachmann geschrieben, der vor ein paar Tagen im Radio zu hören war.

Die CD kann ich wieder hören, vielleicht sollte ich mir auch die Gesamtausgabe, die ich, glaube ich, nicht zur Gänze gelesen habe, wieder zu Gemüte führen.

Vielleicht verstehe und interpretiere ich die Bachmann heute anders. Ganz sicher sogar, aber ich habe wegen meiner langen Leseliste keine Zeit dazu und heuer schon Stefan Zweig und Heimito von Doderer gelesen und die Vicki Baum soll auch noch ihren Schwerpunkt haben.

Interessant dazu, daß es schon zwei neunzigste Geburtstage von Dichterinnen, die älter geworden sind, gegeben hat, deren Werk für die österreichische Literatur wohl die gleiche Bedeutung hat.

2016-05-15

Pfingststorming

Jetzt kann ich auf das übliche Pfingstprogramm hinweisen, daß in Harland aus der Radfahrt zum Pfingstfest nach Nußdorf an der Traisen besteht, als Studentin und junge Psychologin bin ich mit den logischen Denkern zum Pfingsttreffen nach St. Gallen in der Steiermark gefahren, einmal war ich in Wien und das gabs das Bachmann-Symposium, so daß ich mit einem netten Führer zu den Orten gefahren und gegangen bin, wo sie in Wien wohnte und der hat uns dann das Cafe Raimund gezeigt und gesagt, da hat einmal der Hans Weigel, der ja jetzt eine Tafel dort hat, einen Roman über sie geschrieben. Den habe ich seitdem gesucht und inzwischen (ohne den offenen Bücherschrank) gelesen und einen Lesemarathon habe ich einmal, als der Alfred auf Reisen war, auch gemacht und einmal habe ich einen Bücherstapel aus der Galerie Splitter auf den Judenplatz getragen.

Heuer sind wir wieder in Harland und das Wetter ist wieder nicht besonders schön, es ist eigentlich scheußlich, kalt und naß, was mich ja nicht so besonders stört, aber der Alfred jammert ständig und so habe ich in der „Schokolade“ auch einen „Wetternörgler“, der ihn zum Vorbild hat.

Was tut man an so einen Wochenende, außer am Samstag in der Regenjacke, wie gewohnt zum Markt fahren und dort ein Würstel oder wenn vorhanden einen Burger essen, eine Leberkässemmel steht auch zur Alternative, am Sonntag zu der Frau Herziger auf einen Kaffee bezeihungsweise ein Glas Wein und am Montag auf die Rudolfshöhe, aber dort hatte ja der Wirt im vorigen Jahr geschloßen?

An ein Pfingststorming habe ich am Freitag, als ich nicht schlafen konnte gedacht und mir die vorhandenen Alternativen ausgemalt, die hauptsächlich in einem Lese- und Schreibmarathon gipfelten und das habe ich dann auch  wenig spekulär getan.

Denn es gibt ja drei Schreibprojekte, um es mal, wie Annika Bühnemann ausdrücken, deren täglichen Vlogs ich mir ja seit Leipzig gerne ansehe und da ist am Donnerstag gerade rechtzeitig, so daß ich noch zum klinischen Mittag gehen konnte, wo es um das Trinken ging,  der Probedruck von „Paul und Paula“ gekommen und o Wunder, es gibt keine Fehler. Vielleicht habe ich was übersehen, aber ich habe es ja vorher zweimal dem Alfred wieder weggenommen und umgeschrieben, einmal um die Rückmeldungen meiner Testleserin einzuarbeiten, das zweite Mal um keine Personenrechte zu verletzten, jetzt kann es an die Druckerei gehen und wenn wir Glück haben, kommt das Buch schon vor dem Urlaub.

Das Probekapitel und das schöne Cover kann man sich auch schon ansehen und wenn man will noch die Gewinnspielfragen beantworten.

Dagegen hat mich das Fehlerteufelchen bei der „Nika“ noch immer nicht ausgelassen, so daß dieses Buch jetzt höchstwahrscheinlich nach der“Paula“ erscheinen wird, obwohl ichs ja im November beim „Nanowrimo“ geschrieben habe und die Transgendernovelle im Jänner, was aber gar nichts macht, denn es ja ohnehin ein Weihnachtsbuch beziehungsweise Adventkalender.

Und dann gibt es ja die „Berührungen“, die habe ich am Freitag eher lustlos, es gab in Ö1 ein Gespräch mit Renata Schmidtkunz und Klaus Amann über Christine Lavant, das ich mir anhören wollte,zum Korrigieren vorgenommen habe, da habe ich ja vorige Woche den Rohtext fertiggestellt, war eigentlich zufrieden und jetzt bin ich wieder über den Anfang gestolpert und  mir gedacht, das sitzt noch nicht so recht, da muß ich noch was ändern, aber was?

Da müßte ich vielleicht was umschreiben, den Beginn anders anlegen, da bin ich vielleicht zu schnell hineingesprungen, so daß nicht wirklich glaubhaft ist, warum die Hildegard keine Reise machen soll und die Anna Augusta zum Psychiater geht und dann könnte man es mir vielleicht auch wieder als Jammerrei oder larmojant auslegen und wirklich ausgefeilt ist das mit dem „berühren“ auch nicht….

Andererseits denke ich mir dann wieder, ist ja egal, wenn ich ohnehin keine Leser habe, schreibe ich es so, wie es mir gefällt und da stelle ich halt  meine Bücher und mein Schreiben vor.  Einige werden darin erwähnt und auch, daß die ausgeschriebene Anna Augusta schon so viel geschrieben hat, denn eine Reise kommt ja in den „Dreizehn Kapiteln“ vor, die depressive Thekla Morgenstern trifft die Jasmin im Park die ihr von der IS gefährdeten Selma erzählt, eine Agathe holt in der „Begrenzten Frau“ ihr ersparten von der Bank ab, um in den Waltd hinauszugehen und nicht mehr wiederzukommen, eine „Flüchtlingstrilogie“ kommt vor, etcetera

Interessant dazu vielleicht das Gespräch mit Klaus Amann, dem emeritierten Klagenfurter Literaturprofessor und Literaturarchivgründer, in dem auch erwähnt wurde, daß Christine Lavant irgendwann zum Schreiben aufgehört hat und, daß das viele Autoren tun, weil sie mit dem Druck endes zweite Jahr ein Buch schreiben zu müssen nicht mehr mitkommen und irgendwann, wenn man vierzig Bücher geschrieben hat ist man vielleicht auch ausgeschrieben und beginnt sich zu wiederholen. Martin Walser hat Klaus Amann angemerkt, schreibt zwar auch in den Neunzigern fleißig weiter, aber das wurde ja auch schon kritisiert und wiederholt sich, glaube ich, auch.

Nun ja , das Schreiben ist mir wichtig, obwohl ich keinen Erfolg habe es niemand außer mir bemerkt wahrnimmt und als interessant befindet, aber ich schreibe wahrscheinlich auch, entgegen der Ratschläge, die man in den Schreibratgebern und Marketingkursen für Autoren, hören kann, eher für mich, als für die anderen, sollte den Text aber trotzdem  noch  gründlich korrigeren und bearbeiten, den Anfang wenn ich es zusammenbringe, vielleicht doch noch umschreiben, etcetera.

In Harland, wo ich keine Drucker habe, muß ich das Ganze durchgehen, in Wien kann ich es wieder Szene für Szene machen und vielleicht bringe ich es hin, daß es mir gefällt.

Aber es ist mein über vierzigstes Buch und die Themen wiederholen sich, denn man schreibt ja immer dasselbe Buch, sein Leben lang, daß das nicht von mir, sondern von Doderer ist, weiß ich inzwischen und da bin ich schon beim nächsten, nicht nur Pfingstschwerpunkt und da habe ich mir jetzt auch  Doderer als Ziel gesetzt, beziehungsweise die Dtv- Taschenbüchlein aus den Achtzigerjahren, die Wasserfälle von Slunj“ und die „Merowinger“, die ich in Harland habe und ich habe außer dem „Doderer-Buch“ und den „Dämonen“ keine anderen „Doderer“ in meinen Regalen, obwohl ich im Gedächtnis hatte, daß ich mir den in der Studentenzeit sehr viel kaufte und gelesen habe.

Mit den „Merowingern“, die ich ja  angelesen habe, habe ich auch schon begonnen, die „Wasserfälle“ passen irgendwie in den Urlaub, weil sie in Kroatien sein dürften und Stefan Zweig habe ich auch noch ausgelesen. Da gibt es im Juni auch einen Film, wo  Josef Hader seine Rolle spielet und den ich mir vielleicht ansehen kann.

Das alte Bücher lesen ist sehr interessant, bezüglich Zweig habe ich ja noch den „Fouche“ in Wien liegen, „Brasilien“ soll auch noch kommen und ich könnte auch wieder habe ich gedacht zur Bücherzelle beim Viehofener See und nachschauen, ob mir da einer die „Strudelhofstiege“ oder „Die Sternstunden der Menschheit“ hineingelegt hat.

Das wäre ja auch so eine Idee für einen Pfingstmarathon, ein anderer wäre nach Wilhelmsburg oder nach Traisen fahren und dort ein wenig shoppen und das Baden mit den vielen Durftölen, die mir die Anna immer zu Weihnachten schenkt, gibt es natürlich auch, denn ich bin ja eine Badewanneleserin und in meine Bücherregalen kann ich mich auch umsehen, staunen, lesen, umsortieren, etcetera.

Es scheint also ein etwas leises Stürmen zu werden mit der Hoffnungen meine Begrenzungen ein wenig aufzulösen, mit dem Berühren vielleicht besser zu werden, meine Bücher und die Themen über die ich noch schreiben könnte, zu ordnen und am Montag fahren wir auch schon früher zurück, weil der Alfred am Dienstag immer seinen Betriebsausflug hat.

2016-04-12

Grillparzer-Bachmann-Jelinek

„Vom  Vielvölkerstaat zur europäischen Union“, hieß ein Vortrag von Prof Pichl, den die „Grillparzer-Gesellschaft“ anläßlich ihrer GV in der“Gesellschaft für Literatur“ veranstaltet hat.

„Dargestellt bei Franz Grillparzer-Ingeborg Bachmann und Elfriede Jeliniek“, hieß es noch weiter, was der Grund auch war, warum ich hingegangen bin, denn diese Autorenauswahl  ist ja sehr interessiert, wenn auch durchaus unterschiedlich.

Ruth Aspöck, die ja seit ihrem „Grillparzer-Buch“ Mitglied der „Grillparzer-Gesellschaft“ ist, habe ich gleich gesehen, die sich mit einer Dame unterhielt, die sich als Agnes Pistorius entpuppte und deren Buch über ihre Mutter, Hedwig, die im Burgtheater öfter die Libussa spielte, habe ich ja gelesen.

Die „Libussa“ nicht und auch nicht im Burgtheater gesehen, aber kürzlich Friedrich Schreyvogels „Grillparzer-Biografie“ und über die europaische Union, beziehungsweise ihren Schwierigkeiten bei der Flüchtlingsfrage kann man  jetzt öfter in den Medien hören.

So wurde heute  bei von „Tag zu Tag“ ein Roman des Satirikers Klaus Oppitz „Landuntergang“ vorgestellt, wo Österreich ein Polizeistaat ist, der aus der EU ausgetreten ist und Arbeitslose und Regimekritiker in Textilfabriken sperrt. Aber darum ist es bei dem Vortragt nicht gegangen, sondern um Grillparzers Weltbild, der ein großer Monarchist gewesen ist und am einem Untergang des Vielvölkerstaats wahrscheinlich sehr gelitten hätte.

Was er zu einer möglichen EU gesagt hätte, darüber kann man wahrscheinlich nur spekulieren und Ingeborg Bachmann hat in ihren „Drei Wegen zum See“ auch schon durch den Namen Franz Joseph Trotta  monarchistische Anklänge beziehungsweise solche an Joseph Roth anklingen lassen und die Jelinek hat sich, wie Professor Pichl erwähnte in ihren Werken nicht auf die EU aber sehr wohl in ihren Interviews darauf bezogen. War sie doch zuerst gegen einen Beitritt, dann aber in Zeiten der FPÖ-Siege froh, „in der Löwengruppe nicht ganz allein zu sein“, wie ich es im Jahr 2000 einmal in einem Essay bezüglich der „Santktion bezüglich schwarz-blau“ formulierte.

Nachher gab es eine lange Diskussion mit der Frage, wie Grillparzer zur EU gestanden wäre und Fragen zu Deutschland und dem eisernen Vorhang.

Zur Literatur wurde weniger diskutiert, wurde, die in dem eher kurzen Vorttrag  auch nur angerißen, obwohl Prof. Pichl in seinem Schlußwort alle zum Lesen von Grillparzer-Bachmann-Jelinek aufrief und das habe ich mit Ausnahme der Jelinek, bei der die ich eigentlich mehr zu Veranstaltungen gehe als lese, in letzter Zeit auch getan und die ist ja, weil sehr links, bei manchen, wie Professor Pichl bezüglich seiner Vortragserfahrungen erlebte, nicht so beliebt, hat aber sicher sehr viel Kritisches zur momentanen Weltlage zu sage.

2016-04-08

Unzeit

Aus „Leipzig“ habe ich mir eine Reihe Bücher mitgebracht, die man sich so von den Ständen klauben konnte.

So hatten die“ oberösterreichischen Autoren“ ja ein Tischchen, wo sie Bücher zur freien Entnahme hatten und interessant, der Vortrag von Professor Wagner über Bernhard und Hanke, den ich vor ein paar Jahren bei den „Wiener Vorlesungen“ hörte, als ich kurz danach nach Leipzig fuhr.

Das „Marbacher Literaturinstitut“ hat, glaube ich, bevor es nach Leipzig fuhr, seine Bestände ausgeräumt und die Exemplare, die es nicht haben wollte, so ein „Jahresband zur Dostojewski-Forschung“, einen „Brobowsky-Band“ und dann noch etwas zum „Joachim Ringelnatz-Preis“, „Amazon Kindle Publishing Books“ gab es zur freien Entnahme und ich habe auch ein paar Bücher angefragt, als ich zurückgekommen bin.

Hans Weigels „Unvollende Symphonie“ habe ich schon besprochen und Marlen Schachingers „Unzeit“ zu lesen angefangen, denn der Alfred war auf ihrer Lesung im „Österreich Cafe“, ich nicht, wir trennen uns ja nach dem Eingang immer, erst durch ihr Foto bin ich auf ihr neues Buch aufmerksam geworden, das heißt, während ich in Leipzig war, hat jemand meine „Denn ihre Werke folgen ihnen nach-Besprechung“ verlinkt.

Die 1970 in OÖ Geborene ist eine, deren literarischen Aufstieg ich , ähnlich wie dem, der Gertraud Klemm, hautnahm verfolgen konnte, den ihren vielleicht noch genauer, denn „Morgen vielleicht“, ihr erstes Buch, hat die Ruth in ihrer „Donau Edition“ herausgebracht.

Ich habe es mit ihr getauscht und sie war  auch eine Zeitlang bei der „Frauen lesen Frauen-Gruppe“ des ersten Wiener Lesetheaters. Bei den „Mittleren I“, zu dem es  noch keinen Blogbeitrag gibt, habe ich sie eingeladen und in „Radio Orange“ haben wir auch einmal zusammen gelesen. Ich aus „Tauben füttern“, einem meiner Lieblingsbücher.

Sie hatte dann auch einen Krimi, ihre Dissertation geschrieben und im Literaturhaus bei dem „Schreiber–Workshop“ vorgestellt, jetzt hat sie ihr eigenes narratives Institut, drei Romane bei „Otto Müller“, die mir diese immer so freundlich zusenden.

Der Letzte hat mir ja nicht so besonders gefallen, weil sich die Realistin in mir gegen das allzu mir etwas antiquert erscheinende Phantasiche wehrte.

Jetzt also Erzählungen, etwas was ichauch nicht so gerne mag, weil mir das Herumspringen von einem Sujet zum nächsten, während ich ja noch beim letzten bin, manchmal als zu anstrengend erscheint. Aber jetzt passte es, habe ich Harland, wo ich Ostern verbrachte, ja mit zwei gelesenen Geschichten verlassen und in Wien wartete  noch die angefangene Jane Austen auf mich.

Marlen Schachinger ist auch eine frauenbewegte Feministin wahrscheinlich, hat die letzte „Autoren feiern Autorinnen-Vorlesung“ über Betty Paoli gehalten und sich in ihren elf Erzählungen, wie im Klappentext steht, anhand von Einzelfiguren mit der Geschichte des letzten Jahrhunderts, etwas also, das mir sehr gefällt, beschäftigt und auch das Thema, der ersten Geschichte „Hinter Mauern“ erscheint mir sehr vertraut.

Geht es da ja um eine Urgroßmutter, die sich das Sterben wünscht, „denn es ging doch nicht an, daß der Tod sie vergaß, nahm er die anderen allesamt mit sich Michael, Michl-Mischa und Michel“ und so beschließt sie in dem Örtchen, das wohl Rechnitz sein wird, wo ja 1945 die Ereignisse geschahen, denen jetzt wieder gedacht wird, mit dem Atmen aufzuhören.

„Die Uroma spinnt!“, sagt  Marie-Therese, die Dorfschreiberin, als sie die Zettelchen entdeckt, die dann auch in der Mauer gefunden werden, die Jan, der Schwiegerenkel, wenn ich recht verstanden habe, endlich abtragen ließ und die Thomas, der Nazi, Bürgermeister, mit den drei Zwangsarbeitern und Ex-Schwager zwischen den Grundstücken aufbauen ließ.

Michal, der Zwangsarbeiter hat sie gebaut und Michael, der Mann ist 1942 gefallen und der Sohn Michl, den die Hochschwangerer damals gebar hat Ahnlichkeinten mit beiden. Sehr interessant, der Geschichtenaufbau und an die Ereignisse von damals wurde auch erinnert.

Dann geht es weiter mit Marietta Blau, 1894-1970, eine Wiener Physikerin, die wie Lise Meitner nie den Nobelpreis bekam, denn „Frau und jüdisch, das ist zuviel!“ und die Lorbeeren ernteten auch in diesem Fall die Männer.

In „Grenzgänge“ marschiert Hannah mit  siebzehn  Djinns und einem Kätzchen im Nacken oder Rucksack sprachgewaltig, wortschöpferisch und auch ein wenig verwirrend über die Grenzsteine an der Thaya, die es heute ja nicht mehr gibt und man angeblich „nur noch ein paar Sprachkurse braucht, um sie zu überwinden“, wenn da nicht die Festung Europa wäre, die die Syrier am Überschreiten hindern, aber es gibt auch eine Vergangenheit und eine zweite Hälfte, die die Menschheit ja verloren habt, so ist Hannah auf der Suche nach ihrem Oskar und auch auf die nach der  Geschichte einer deutsch-tschehischen Zuckerfabrik und nach dem was von ihr übergeblieben ist.

Noch geheimnisvoller und grenzträchtiger, Marlen Schichinger nennt das glaube ich „Übergrenzen“ und hat auch dazu eine gleichnamige „Anthologie“ herausgegeben, geht es in „Dich rufen“ zu, wo an den Seitenrändern, manchmal Musiker und Musikstücknamen beziehungsweise Noten angegeben sind und es geht, wenn ich richtig verstanden habe, um die Fernliebe zwischen einem Geiger und einer Schriftstellerin zwischen Havanna, Argentinien, etc und um das Anpflanzen von gesundheitsschädlichen Saatengut, das wir alle wahrscheinlich nicht verhindern können, geht es auch.

Bei  „Tote Seelen“ geht es nach Havanna und zu dem Versuch eines Journalisten über den „Commandante“ kritisch zu berichten, während es bei „Was heißt schon Freiheit“ nach Cesky Krumlov geht und  über die Transformationen  einer berichtet, die die Gewalt um sich herum nicht aushält und sie auch nicht abwehren kann, während wenn ich es richtig verstanden habe „Suche und sei es in China“ die seltsame Beziehung eines Sohnes zu seiner Mutter erzählt.

Die nächste Geschichte geht auch nach Kuba und handelt „Heute reisen Sie nicht“, von den Ausreiseschwierigkeiten einer Schriftstellerin aus einem land, wo „kubanische Dichter träumen nicht mehr und das Auge verpflichtet zu sehen“ schreiben, um dann später doch all das zu schreiben, was ihren kubanischen Freunden verboten ist und für das sie keine Publiziererlaubnis bekommen.

Eine „Familienidylle“ mit Demonstration gibt es noch, zwei Linzer Kellnerinnen, die ihren Alltag unterschiedlich strukturieren und das Wochenende eine „HR-Managerin“, die wieder mit Marlen Schachingers poetisch schöner Sprache, den „Neoliberalismus“ genießt.

„Marlen Schachingers Erzählungen bilden die Zeit ab, stellen die Verhältnisse der Welt dar, welche Realitäten einzelnner widerspigeln. Manchmal zynisch, oft ironisch, sind sie  real, ein Abbild der Gegenwart, schlicht am Puls der Zeit. Die eine Unzeit ist“, heißt es im Klappentext und ich füge noch hinzu, daß mir dieser poetische Realismus viel mehr, als Geschichten mit geheimnissvollen rothaarigen Frauen, die in Kirchen wohnen und vom Wasser herkommen, gefällt.

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