Literaturgefluester

2016-10-12

Weit über das Land

Buch achtzehn der deutschen Longlist und das letzte was ich von dieser Liste habe, „Hool“ und „München“ fehlen mir, führt in die Schweiz und zu Peter Stamm und hat mich, ich gestehe es, etwas verwirrt und ratlos zurückgelassen. Denn jetzt habe ich ja einiges von Aufbrüchen älterer Männer, ihren Krisen und schließlich auch die umgekehrte Rückkehr einer Frau in ein Land, wo sie sich nicht willkommen fühlt, gelesen und es beginnt wieder mit einer Midlifekrise.

Ein Paar um die Vierzig mit zwei Schulkindern, sitzt nach der Rückkehr vom Spanienurlaub Ende August vor dem Haus, liest Zeitung, trinkt ein Glas Wein, dann steht die Frau auf, sieht nach den Kindern, beginnt die Koffer auszupacken und der Mann steht auf und geht, geht immer weiter und kommt nicht mehr zurück….

Die alte Geschichte von dem Zigarettenholen und diesen Anfang habe ich ja schon in Leipzig auf dem blauen Sofa gehört, da hat es mich gar nicht so besonders fasziniert, jetzt schon, die ersten zwei Drittel lang.

Denn da wird sehr bedächtig alles ganz genau beschrieben, immer in zwei Strängen, Astrid und Thomas, Thomas geht, durch den Wald, versteckt sich, schläft in einem Campingwagen, gerät durch Zufall in ein Bordell, trinkt dort zwei Bier, orientiert sich an den Bäumen, wäscht seine Wäsche im Fluß, während Astrid den Kindern am Morgen nach dem Aufstehen erzählt, der Papa ist schon weg, dann ruft sie die Sekretärin an, später erzählt sie ihr, ihr Mann ist krank und hat die Gürtelrose, später geht sie, obwohl man es nicht erwartet, zur Polizei, macht eine Vermißtenanzeige, die, ein freundlicher Polizist namens Patrick mit einem kleinen Kind, rät ihr seine Kontobewegungen zu beobachten.

Ja, da sind die zwei Flaschen Bier von dem Bordell und dann noch eine größere Abbuchung in einem Sportgeschäft bei einem Berg, denn Thomas hat sich dorthin bewegt, hat Rucksack, Bergschuhe, etcetera, eingekauft und marschiert los, jetzt fängt Patrick an, ihn mit einem Hund zu suchen, obwohl er Astrid vorher erklärte, daß man das Recht aufs Verschwinden hat.

Astrid fährt ihm auch nach, kommt in das Gasthaus, wo er die Nacht vorher geschlafen hat und dann, bis jetzt hat sich das Ganze innerhalb von ein paar Tagen abgespielt, sehr genau und sorgfältig erzählt, beginnt es über die Zeit zu springen und für mich verwirrend zu werden.

Denn plötzlich, es ist, glaube ich, Ende September,  Patrick kommt und sagt, „Wir haben ihn gefunden!“

Thomas ist auch in eine Felsspalte gefallen und hat sich den Fuß verknöchelt, er kraxelt aber wieder hinauf und geht in eine Almhütte, es hat inzwischen zu schneien begonnen und verbringt dort einige Zeit, Wochen oder Monate. Astrid läß ihn inzwischen für tot erklären, obwohl sie sich nicht, als Witwe fühlt und eine Leiche gibt es ja auch nicht, wieso also ein Begräbnis?

Es kommen dann auch Erinnerungen von beiden, die sich vor Jahren in einer Buchhandlung, wo Astrid gearbeitet hat,  kennenlernten, das ist eigentlich die erste Stelle, wo Thomas an Astrid denkt.

Sie denkt öfter an ihn und er verläßt die Alm wieder, kommt in  einen Ort, wo er in einer Pension wohnt, schwarz zu arbeiten anfängt, er ist Steuerberater, jetzt arbeitet er für einen Schreiner, dann verläßt er den Ort wieder und kommt mit falschen Paß durch ganz Europa und die Monate wechseln in Jahre, während, die Kinder inzwischen das Gymnasium besuchen, eine Lehre beginnen, zu studieren anfangen, die Tochter ein Kind bekommt und so aus den paar Tagen zwanzig Jahre wurden.

Dann hängt Thomas schon sechzig in einem Gerüst und am Schluß kehrt er in sein Haus und zu Astrid zurück, als wäre er nie fortgewesen und das Ganze ist so erzählt, daß man nicht immer ganz klar unterscheiden kann, wo sich jetzt die Realität in Phantasie verwandelt,  ob das jetzt real passiert oder Astrid sich das vielleicht nur ausdenkt und mit den allzu unlogischen Sachen und den Zeit- und den Handlungssrpüngen habe ich ja meine Schwierigkeiten.

Spannend ist es natürlich und man kann viel darüber nachdenken, über den Sinn des Lebens, denn eigentlich hat Peter Stamm ja zwei Romane geschrieben, einen langsamen und einen schnellen und man kann sich fragen, ob das jetzt ein Buch über den Sinn des Lebens ist und natürlich auch, warum steht der Mann plötzlich auf und geht weg, einfach so?

Beiindruckend war für mich, glaube ich, der Angfang bis zu der Stelle wo der Polizist, mit dem Astrid auch eine Beziehung anzufangen scheint, obwohl er ja ein schreiendes Baby hat, kommt und „Wir haben ihn gefunden!“, sagt, denn bis dahin wird alles sehr genau und auch sehr spannend erzählt und ich fragte mich die ganze Zeit, wie geht das weiter, wie ist das, wenn man auf einmal ohne viel Geld und Ausrüstung in den Wald und immer weiter geht?

Der Rest, der sich dann von Weihnachten und Ostern und von der Matura der Tochter bis zur Geburt des Enkelkindes und durch ganz Europa, ein paar Monate hier und ein paar Monate da, spannte, erschien mir unlogischer und auch der Wechsel von der Wirklichkeit in den Traum und umgekehrt,  denn ich mag ja lieber die realistischen Romane.

So bin ich mir nun nicht ganz sicher, ob ich es auf Platz sechs meiner persönlichen Shortlist reihen soll oder nicht?

Denn da hätte ich ja bis jetzt  Thomas MelleReinhard Kaiser-Mühlecker,  Andrej KubiczekSibylle Lewitscharoff und als ganz besonderes Highlight „Drehtür“ von Katja Lange-Müller.

Muß ich auch nicht und „Hool“ und „München“ können ja auch noch kommen, obwohl ich jetzt als nächsten ein Jugendbuch lesen umd mich dann an die österreichische Short- und Longlist mache, wo ich ja erst ein Buch gelesen habe und noch vier auf mich warten.

Von Peter Stamm habe ich jedenfalls den Erzählband „Wir fliegen“, „Agnes“ und „Sieben Jahre“ gelesen und ich kann noch erwähnen, daß er mit „Weit über das Land“ nicht auf Schweizer Shortlist gekommen ist, auf der aber interessanterweise unter anderen Michelle Steinbeck steht und ein bißchen an zwei Stellen hat mich das Buch auch an Anna Weidenholzers „Herren“, bzw ihre „Fische“ erinnert, obwohl es nicht wirklich damit zu vergleichen ist.

2016-10-10

Drehtür

Buch siebzehn der LL ist auch mein fünftes auf der SL, das geht jetzt Schlag für Schlag, auf die echte ist es nicht gekommen, obwohl es ein Episodenroman ist, der glaube ich, die Kriterien erfüllt, die manche Blogger auf der Liste vermißten, den sozialen Anspruch und die gesellschaftliche Relevanz, statt des eweigen Jammers um den Tod und das Sterben der sich in der Mildlifekrie befindenden älteren Herrn.

Das heißt, vielleicht geht es auch darum, obwohl es von keinem Mann geschrieben wurde, die 1951 in Ostberlin geborene Katja Lange-Müller, die 1986 den Bachmannpreis gewonnen hat und die ich einmal im Rahmen einer der Studentenlesungen im Literaturhaus hörte, ist eine von den sechs Frauen auf der langen Liste und ihre Heldin, die Krankenschwester Asta Arnold, ist genauso alt, wie sie, nämlich fünfundsechzig und  zur Krankenschwester wurde  Katja Lange-Müller, glaube ich, auch ausgebildet.

Der Unterschied befindet sich aber in der Idee und die finde ich sehr sehr originell, es ist kein Roman würde ich wieder sagen, sondern, wie bei Eva Schmidt, eine Ansammlung von Episoden, aber die sind eigentlich nicht zusammenhanglos, sondern drücken die pure Tragik des Lebens aus und die kann eine, wenn man so darüber nachdenkt,  eigentlich umhauen, so daß ich, wie einige andere auch nicht verstehen kann, wieso das Buch nicht auf die Shortlist kam, auf meiner wäre es und es ist sogar neben oder vor Sibylle Lewitscharoff mein Favorit.

Das Ganze spielt sich am Flughafen von München ab, wo ja nicht nur  Asylwerber stranden und von der Polizei aufgegriffen werden, sondern sich auch eine umgekehrte Rückkehr abspielen kann.

Die Krankenschwester, Asta Arnold fünfundsechzig, kommt vom jahrelangen Hilfseinsatz aus Nicaragua zurück. Nicht freiwillig, weil sie nicht mehr einsatzfähig war, sondern vermehrt Fehlleistungen brachte wurde sie mit einem Einway-Ticket sozusagen in Pension geschickt und Detail am Rande, weil das Geld nur bis Münschen reichte, dorthin, obwohl sie eigentlich in Berlin oder Leipzig wohnhaft ist.

Nun steht sie vor der Drehtüre, die in die vermeintliche Freiheit führt, muß noch auf ihr Gepäck warten, raucht eine Zigarette nach der anderen, Euro,s um sich etwas zu essen zu kaufen hat sie nicht und sie hat auch Schwierigkeiten mit dem Vaterland und der Muutersprache, was, angesichts der Tatsache, daß sie zweiundzwanzig Jahre im Ausland war, verständlich ist.

Sie hat jauch schon vorher ihr Vaterland verloren, gibt es die DDR ja nicht mehr.

So steht sie da, denkt an ihren Namen, sie heißt Asta, wie ein Schäferhund oder Asta Nielsen und sieht jedesmal, wenn sie daran denkt, daß sie etwas essen oder unternehmen sollte, einen Menschen, der sie an einen Bekannten oder eine Episode ihres Lebens erinnert.

Das Themen Helfen wird auch angeschnitten. Wozu macht man das, wenn ohnehin alles links und rechts herum, den Bachh herunter geht? Hat man ein Helfersyndrom? Asta, die noch in der DDR zur Krankenschwester ausgebildet wurde, höchstwahrscheinlich, denn der Erste den sie sieht, erinnert sie an einen Koreaner, den sie als junge Frau, in den Siebzigerjahren, von der Straße aufgegabelt hat, in ihr Zimmer brachte und weil er Zahnweh hatte, mit Tabletten versorgte. Am nächsten Morgen läuten dann die Angehörigen der Nordkoreanischen Botschaft, die dicht neben ihrer Wohnung angesiedelt ist, bei ihr, verneigen sich und überreichen einen Strauß Rosen für die erbrachte Hilfsbereitschaft.

Man sieht Katja Lange- Müller hat Humor oder auch eine gehörige Portion Sarkasmus und dafür ist sie auch berühmt geworden.

Die nächste Episode ist länger und passt eigentlich und genau genommen nicht ganz in die Geschichte hinein, dafür ist sie aber höchst beeindruckend und vielleicht sogar der Autorin selbst passiert.

Es ist nämlich die Geschichte einer Kollegin, einer Tamara, die auch als Erzählerin auftritt, die, bevor sie Krankenschwester wurde, Romane geschrieben hat und eine Kurzgeschichte, die von einer Singer-Nähmaschine handelt, die soll sie im Rahmen der Frankfurter Buchmesser einer Delegation indischer Schriftsteller vorlesen und wird daraufhin von einer indischen Feministin nach Indien eingeladen. Das Flugticket wird auch hier nicht ganz und zu spät bezahlt. Sie soll aber vor zweihundert verstümmelten Frauen lesen, die verätzte Gesichter haben, weil ihre Schwiegermütter sie in Feuer stießen und nur Singer-Nähmaschinen können sie vor dem Verhungern retten. So soll Tamara solche auftreiben.

Wieder eine Geschichte, um das Helfen, die Asta durch den Kopf geht, während sie überlegt, ob sie in den Supermarkt gehen und sich etwas zu Essen kaufen soll.

Sie kann es nicht, der Kulturschock, beziehungsweise, die Sozialphobie oder einLogophobie, die sie sich diagnostiziert, hindern sie daran.

So kreist sie munter weiter in der Flughafenhalle, wird an ihren Ex-Freund und einen Urlaub in einem tunesischen Touristenressort erinnert, wo sie eine schwangere Katze namens „Fettknäuel“ fand, die sie aufpäppelte und mit Essen versorgte, um ihren Freund zu ärgern, schließlich verschwand die Katze und ließ sie mit ihren sieben Jungen zurück, die nun sie versorgte, aber ihr Abreisedatum war auch schon längst festgelegt.

Ein Schauspieler der einen Naziarzt spielte, der nicht töten konnte, weil er immer, wenn er in die Augen seines Opfers sah, in Ohnmacht fiel, kommt vor und noch einiges anderes.

Dazwischen kreist Asta herum,  jüngere Leser fragen sich vielleicht, was das Ganze soll und sehen keinen Zusammenhang in der Geschichte, ich schon, denn ich denke an die Bruatiltälität des Lebens, die Krankenschwestern nach jahrelangen Auslandsaufenthalt einfach zurückschicken, weil sie nicht mehr können.

Natürlich gibt es in Deutschland einen Rentenanspruch, aber den muß man erst beanstragen. Dazu muß Asta den Kulturschock überwinden, die Sprache wiederfinden, sich in den Bus oder Zug nach Leipzig oder Berlin setzen und zuerst in ein Hotel und dann in ein ensprechendes Amt gehen.

Sie ist nicht dazu imstande, obwohl sie das könnte und die Asylwerber, die auf der anderen Seite stehen, werden vom Staat  gehindert, der lustig diskutiert, ob fünf Euro in der Stunde für den Hilfseinsatz nicht vielleicht viel zu viel für einen Asylsuchenden sind?

Am Ende, als sie schon beschloßen hat , doch wieder nach Nicuargua zurückzufliegen und sich dort mit einer eigenen kleinen Hilfsstation selbstständig zu machen, muß sie doch aufs Klo, diagnostiziert sichselbst einen Herzinfarkt oder Schlaganfall und liegt die Tasche mit den vorher im Duty free Shop eingekauften Zigarettenpäckchen am Boden:

„Asta schiebt sich ihre Umhängetasche unter den Kopf und die rechte Hand zwischen die Brüste, mit der linken umklammert sie die Duty-free-Tüte. Da sind noch neun Päckchen Camel drin, denkt sie, acht volle und eine angerissene, hundertneunsiebzig Zigaretten. Schade, daß ich die nicht mehr rauchen kann…“

Vielleicht irrt sie sich,  wird gefunden und in ein Krankenhaus gebracht, bekommt eine Rente und eine Sozialwohnung und das Leben, der verzweifelten Helferin geht noch zwanzig oder fünfundzwangig Jahre weiter. Von Burnout, Demenz oder Alzheimer war in anderen Besprechungen auch die Rede.

Wir wissen es nicht so genau, was ich weiß ist, daß das ein sehr beeindruckendes Buch ist, das genau mit dieser episodenhaften Erzählweise von dem Elend unseres Lebens ezrählt. Ein höchst gesellschaftskritischer Roman, der uns vielleicht dafür entschädigt, daß keines der Debutromane der jungen Flüchtlinge aus Saudiarabien oder  dem Iran, die in diesem Jahr erschienen sind, auf die lange Liste kamen.

2016-10-08

Fremde Seele, dunkler Wald

Jetzt kommt Buch fünfzehn des dBP, das dort auch auf der Shortlist steht und das erste des öst Buchpreises.

„Fremde Seele, dunkler Wald“, des 1982 geborenen Reinhard Kaiser-Mühleckers, des jungen österreichischen Superstars, der mit seiner „neuen Heimatromantik“, etwas, das der Autor, glaube ich, nicht so gerne hören will, wie er auf der Lesung in der „Gesellschaft für Literatur“ vor zwei Wochen sagte, großes Furore machte.

Der titel ist ein Turgenjew-Zitat, das auf der ersten Seite steht:

„Du weißt ja eine fremde Seele ist, wie ein dunkler Wald“ und von Peter Handke steht am Klappentext „Zwischen Stifter und Hamsum  sind Sie ein Dritter!, etwas, was der junge Autor vielleicht auch nicht so gerne hören will und ich habe mir mit dem „Langen Gang über die Stationen“, glaube ich, ein bißchen schwer getan, „Wiedersehen in Fiumicino“, hat mich, glaube  ich, auch nicht so beeindruckt, von der Lesung vor zwei Wochen war ich es aber, denn der junge Mann hat einen wirklich sehr dichten Stil.

Er übertreibt auch nicht so sehr, wie die anderen großen Namen, die auf der deutschen Liste stehen und wirkt dadurch authentischer und das Thema ist auch sehr interessant.

Ich weiß, Kaiser- Mühlecker mag den Vergleich mit Rosegger nicht und der letztere wurde ja von einigen Literaturwissenschaftler inzwischen auch vom Kanon gestrichen, aber „Jakob der letzte“, das ich vor einigen Jahren gelesen habe, hat mich sehr beeindruckt.

Und warum darf man „Heimat“ nicht mehr sagen oder über sie schreiben, nur weil die Freiheitlichen diesesn Begriff verwenden, gibt es ja trotzdem Leute, die am Land leben und wenn die noch verächtlich gemacht oder übersehen werden und sich die große Literatur nur, um die Midlifekrisen oder das Älterwerden der großen Dichter oder die Experimente der Literaturinstitutabgänger handelt, hilft das glaube ich auch nicht sehr.

„Fremde Seele, dunkler Wald“, spielt in der Gegend, um den Magdalenenberg, in ÖO vermutlich, wo auch der Autor herkommt und „Magdalenenberg“ heißt ja auch sein zweiter Roman und es geht, um eine Familie, beziehungsweise um das Leben und die Suche von zwei Brüdern, Alexander und Jakob, etwa dreißig der eine, ein Alter in dem ja auch der Autor ist, der zweite viel jünger, so zwischen sechzehn und achtzehn.

Jakob lebt noch am Hof und führt ihn auch, weil er zu Beginn des Buches zu jung für eine Lehrstelle ist, da gibt es noch den Vater, einen Taugenichts, der die Felder verkauft und immer von seinen großen Plänen spricht, eine schweigende und kochende Mutter, einen Großvater mit Geld, das er dem Sohn nicht gibt und dem Enkel nur verspricht und eine Großmutter, die alles erbt und das Geld schließlich den „Freiheitlichen“ vermacht.

Man sieht, es ist auch ein Buch mit kleinen Anpielungen und das Zeitgeschehen, die Besetzung der Krim durch die Russen oder die Mordfälle in der Gegend kommen auch vor.

Alexander, der ältere, der einmal Priester werden wollte, dann zum Militär und in den Kovovo ging, kommt zu Beginn zu einem Urlaub oder einen Krankenstand heim. Er hat irgendwie den Sinn verloren, verbringt seine Zeit in Gasthäusern und bemerkt ein seltsames Kreuz am Magdalenenberg.

Der Bruder erzählt ihm, das hätten wahrscheinlich die „neuen Christen“ aufgestellt, eine seltsame Vereinigung, um eine Elvira, mit der Alexander einmal eine Beziehung hatte, weshalb er auch das Priesterseminar verlassen hat.

Der Großvater stirbt, Alexander läßt sich nach Wien ins Verteidigungsministerium versetzen, Jakob fängt eine Beziehung zu einer Nina an, die ein Kind erwartet, das, wie sich später herausstellt, nicht das seine, sondern von seinem Freund Markus ist.

Der bringt sich um, Jakob verläßt Nina und das Kind, weil er ihren Geruch, eine  der  beeindruckensten Schilderungen, der Sprache unserer Seele, die ja nach Arthur Schnitzler ein „weites Land“ ist, die ich in letzter Zeit gelesen habe und verliert seine Stelle als Leiharbeiter, wo er seit einiger Zeit tätig war, weil ihm die Großmutter keinen Hof kaufen will, wegen Gerüchte, es hätte neben Markus einen zweiten Strick gegeben und sein Motorrad wäre am Tatort gesehen worden.

Am Schluß meldet  er sich auch zum Heer, während Alexander in eine Krise wegen seiner Geliebten, die die Frau eines seiner Vorgesetzten ist, gerät.

Beinahe zusammenhanglos in schlichter Sprache wird das, was in mehr oder weniger Intenistät wahrscheinlich in jedem Dorf passiert, von Reinhard Kaiser-Mühlecker erzählt.

„Ein mit biblischer Wucht erzählter Roman um Familientragödien und Befreiungsversuche“, schreibt Paul Jandl in der „Literarischen Welt“ und am Buchrücken.

Ob die Befreiiungsversuche gelingen, ist fraglich, ebenso, ob Reinhard Kaiser Mühlecker damit auch auf die öst List kommt.

Das heißt am nächsten Dienstag werden wir es wissen. Ich hette dafür ja schon sieben bis acht andere Kanditaten, kann mich dem allgemeinen Lob aber nur anschließen, nach soviel Midlifekrises selbstverliebter älterer Männer,   Sprachverspieltheit und soviel literarische Konstruktion, ein erstaunlich schlichtes Buch mit hautnahen Themen, wie sie wahrscheinlich nicht nur am Land passieren.

Also  vielleicht doch ein Buch, das auf meine persönliche deutsche Shortlist kommt, wo ja auch erst zwei Titel stehen und Jochen Kienbaum, der offizielle Bücherblogger heuer von dieser Longlist auch enttäuscht wurde.

Dem will ich mich nicht unbedingt anschließen, aber ein bißchen konstruiert und ausgesucht ist es schon, was uns da, als das angelblich Beste im deutschsprachigen Leseherbst erwartet. Spannend ist diese Bandbreite aber unbedingt und wenn man so viel am Stück und auf Zeitdruck liest, wird man vielleicht auch anspruchsvoll und mäkelt herum, was auch nicht gut ist, denn es ist ja ein sehr hohes Niveau auf dem wir uns befinden.

2016-10-05

Die Erziehung des Mannes

Ein Mann mit fünfundsechzig blickt zurück auf seine Leben, das kann doch nicht alles gewesen sein und das, ich bin noch nicht so weit, ist vorüber, jetzt sind die Kinder erwachsen, die ersten Beziehungen geschieden, die Jugendliebe wieder da, da Leben ist gelungen und das Todesdatum wird immer weiter hinausgeschoben.

Michael Kumpfmüllers „Die Erziehung des Mannes“, Buch vierzehn auf meiner Longleseliste, das ich schon in Leipzig auf dem blauen Sofa hörte, ich glaube beinahe zeitgleich mit Peter Stamms „Weit über das Land“, das als Buch achtzehn und vorläufig letztes der dBp-Bücher an die Reihe kommen wird, ist ein leises Buch, das Buch eines stillen Mannes, eines Zauderers und Sensiblen, der am Schluß doch noch alles auf die Reihe bringt oder solches zumindest von sich behauptet und wenn man von Michael Kumpfmüllers Geburtsdatum 1961 ausgeht, der Sohn eines Achtundsechziger, der in Zeiten studierte und sozialisiert wurde, wo es schon die Frauenbewegung gab und die Frauen sich emanzipierten, obwohl die Mutter den despotischen Vater noch fragen mußte, ob sie arbeiten gehen darf?

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im Ersten ist Georg Musikstudent und lebt seit sieben Jahren mit Kathrin zusammen, zu der er, was ich ungewöhnlich finde, keine sexuellen Beziehungen hat, als er Jule oder Julinka in einem Seminar kennenlernt.

Eine Beziehung zu ihr, die Lehramt studiert, entwickelt sich, die von Anfang an, ein wenig schiwerig ist, so betrügt sie ihn mit einem Arzt, will dann Kinder von ihm, vorher hat sie schon einmal abgetrieben und als Georg sie mit Sonja, einer Cellistin betrügt, wirft sie ihn hinaus. Da gibt es schon Kinder, die altkluge oder ebenso sensible Greta und, die um ein paar Jahre jüngeren Zwillinge.

Im zweiten Teil geht es zurück ins Elternhaus, zum despotischen Vater, der nie zu Hause ist, die Mutter ständig betrügt, als Abteilungsleiter im Unterrichtsministerium Entscheidungen trifft und obwohl er selbst für den Krieg zu jung war, die Kinder zu Anstand und Sitte erzieht, so muß der Sohn mit ein paar Büchern unterm Arm Mittagessen, und wenn die Kinder der Freunde beim Essen schmatzen, bekommen sie die Ohrfeigen, die Mutter steht daneben und kann sich nicht wehren. Die Schwester Ruth rebelliert und hat in der Pubertät grüne und blaue Haare, Georg ist der brave, entscheidet sich dann aber doch gegen des Vaters Willen in Freiburg Musik und nicht Jus zu studieren.

Im Teil drei lebt er mit Sonja, der die musikalische Karriere gelungen ist und die die meiste Zeit des Jahres auf Konzertreisen ist, es gibt den Rosenkrieg mit Jule, die die Kinder gegen den Vater ausspielt.

Die verbringen die Zeit abwechselnd bei beiden Eltern und werden dadurch überfordert, Greta fängt zu lügen und zu stehlen an, die Zwillinge gehen nicht mehr in die Schule, es muß etwas geändert werden. Jule hat Georg schon früher zu einer befreundeten Paartherapeutin geschleppt, mit der sie ihm dann gemeinsam sagt, was für ein Schuft er ist.

Sonja hält die Überforderung durch die Kinder nicht aus, das eigene hat sie verloren, verläßt ihn später und er bleibt zurück.

Die Kinder werden erwachsen, Greta studiert Mathematik und wird Lehrerin werden, Lotte wird Schauspielerin und bekommt ein Kind, Felix hört zu schreiben auf und Georg trifft nach einer Krise Therese wieder, mit der noch vor dem Abitur, die erste Beziehung hatte.

Jetzt zieht er mit ihr zusammen, der Kreis schließt sich und die männliche Sozilisation in Zeiten der Krisen und der Frauenbewegung ist abeschlossen.

In diesem Fall glücklich und erfüllt und Georg, seine Symphonien und Konzerte werden auch aufgeführt, hat sein Ziel erreicht.

In vielen anderen Fällen wird es anders sein und Michael Kumpfmüller, der, glaube ich, mit Eva Menasse zusammen ist oder war, ist ja noch zehn Jahre jünger, als sein Held,  hat ein leises Buch geschrieben, das viel über die Mittelschichtmänner, die Softies, die vielleicht von Nazivätern aufgezogen wurden und im Laufe ihres Leben ihre Träume und Iedalen verloren oder aber wiederfanden, beziehungsweise immer hatten, erzählt.

Unterschiedlich ist die Rezeption natürlich, Tobias Nazemi fühlt sich darin angesprochen, die Frauen haben dagegen  mehr Schwierigkeiten und sehen es anders und mir hat es eigentlich gefallen, obwohl ich am Anfang auch dachte, da passiert ja nichts und der gute Georg ist ein ziemlicher Zauderer.

Also ein interessantes Buch, das den Männern und den Frauen vor und nach der Midlifekrise sehr zu empfehlen ist.

Von Michael Kumpfmüller habe ich übrigens schon „Nachricht an alle“ gelesen, das mir glaube ich, nicht so gefallen hat.

2016-10-02

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Buch dreizehn des heurigen Longlistenlesen ist wieder kein Roman, sondern der dritte Teil einer Autobiografie, es ist auch schon 2015 erschienen und ein Bestseller des 1967 in Homburg geborenen Schauspielers Joachim Meyerhoff, der ab 2005 am Burgtheater tätig ist oder war.

Dort hat er unter dem Titel „Alle Toten fliegen hoch“, ein sechsteiliges Programm gemacht, in dem er sein Leben erzählte,  womit auch seine schriftstellerische Karriere begann.

„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke„, ist Teil drei desselben, der erste „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“, erzählt seine Kindheit. Er ist als Sohne eines Direktors einer psychiatrischen Kinder- und Jungenklinik in Schleswig Hohlstein aufgewachsen und hat dort auch gewohnt, im zweiten Teil geht ein ein Austauschjahr nach Amerika und muß in dieser Zeit den Tod eines seiner zwei Brüder erleben.

Im Dritten zieht er nach München in die Villa seiner Großeltern, lebt dort drei Jahre und absolviert in dieser Zeit seine Schauspielausbildiung.

Wenn man in einer Serie hineinplatzt und das lesen mit dem Band drei beginnt, ist es wahrscheinlich immer etwas schwer, so fragte ich mich lange, ob sich jetzt der Titel auf den Tod des Bruders bezieht, der ja eigentlich schon geschehen ist, bis gegen Ende des Buches ein Kapitel diesen Namen trägt.

Der Übertitel bezieht sich wahrscheinlich auch auf das Darstellen des Sterbens in seinen vielfältigen Varianten.

So steht am Buchrücken auch „Meyerhoffs Geschichten vom Leben und vom Tod sind zum Lachen und zum Heulen und erzählen uns auf höchst unterhaltsame Weise von der Tragikommödie der menschlichen Existenz.“

Nun werden meine Leser wahrscheinlich wissen, daß ich es mit den Tragikkommödien nicht so habe und über den Tod und das Sterben auch nicht so gerne lache, kann mich aber erinnern, daß ich von Meyerhoffs wahrscheinlich erstem Buch in einer „Ex Libris-Sendung“, als wir von Harland nach Wien gefahren sind, etwas hörte.

Dann habe ich ihm einmal bei einer „Rund um die Burg-Veranstaltung“ daraus lesen gehört, wahrscheinlich war es der erste Teil, das Zelt war sehr voll,den Leuten hat es sehr gefallen und der sehr selbstbewußte Autor hat seine Zeit auch gehörig überzogen.

Er ist mit Buch eins auch schon 2013  auf der Longlist gestanden, hat beim Bachmannpreis das Kapitel mit dem Bücherstehlen gelesen, den „Bremer Literaturpreis“ hat er bekommen und wahrscheinlich noch andere Preise und wenn man wissen will, warum seine Bücher auf der Longlist stehen, dann denke ich, wahrscheinlich deshalb, weil es die Bücher für die berühmten Schwiegermütter sind, die den Autor vielleicht vom Theater kennen und, die auch gerne über die Mißgeschicke, die diesem Sohn aus guten Haus passieren lachen wollen und mit den Büchern von Gerhard Falkner, Ulrich Peltzer, Sibylle Lewitscharoff, etcetera, ihre Schwierigkeiten hätten.

Die Buchhändler haben sich über die Nominierung wahrscheinlich auch gefreut, die Literaturwissenschaftler sagen vielleicht, das ist keine Literatur oder auch nicht, denn Meyerhoff ist ja „Bremer Literaturpreisträger“ und ist beim Bachmannlesen, glaube ich, sogar auf die Shortlist gekommen.

Da würde ich wieder denken, daß es der berühmte Name ist, denn sprachlich unterscheidet sich das Buch sehr wohl von den zwölf anderen, die ich im letzten Monat gelesen habe.

Es ist linear geschrieben und erzählt in Episoden, das Leben des Schauspielers, der mit zwanzig oder so, nach dem Tod des Bruders nach München gekommen ist, eigentlich als Schwimmlehrer arbeiten und in einem Schwesternwohnheim wohnen will, da gibt es dann die Phantasie des jungen Mannes, das ihm die knackigen Mädchen, des Nachts umschwärmen, es kommt aber nicht dazu, denn er wird auf die Schauspielschule aufgenommen, wo schon seine Großmutter, Inge Birkmann Lehrerin war.

Warum er sich beworben hat und Schauspieler werden wollte, ist mir nicht so klar, denn der junge Mann hat schon bei der Aufnahmsprüfung durchaus seine Zweifel, ob er dorthin will?

Er ist auch zu faul, ich glaube, das steht so in dem Buch, die verlangten drei Rollen einzustudieren, so muß’er improvisieren und die Kommission berät lange, nimmt ihn dann auf Probe auf und Meyerhoff ist sich nicht sicher, ob das jetzt auf Proteketion der Großmutter geschehen ist.

Er lebt jedenfalls bei den Großmeltern während seiner Ausbildung, die eine Villa beim Nymphenburger Schloß, eine Haushälterin, einen Gärtner, eine Putz- und eine Bügelfrau haben, die Sessel aus dem Nymphenburger Schloß, wenn die Familie Meyerhoff mit ihren Kinder kommt, aber mit Plastikschonern verhüllen und der junge Meyerhoff betrinkt sich auch täglich mit den alten Leuten, denn die beginnen das Frühstück mit Champagner, trinken zu Mittag Weißwein, dann Whiskey, zum Abendessen Roten und den Tag beschließen sie mit Cointreu, wie im ersten Kapitel steht.

Sie haben auch einige Schrullen, die Meyerhoff wohl für die Bühne so tragisch komisch lustig beschreibt und der geht dann in den Zoo, denn in der Schauspielschule besteht die erste Übung, der Eleven sich zwei Zettel zu ziehehn auf einem steht ein Dichtername, auf dem anderen ein Tier.

Meyerhoff zieht Kafka und Eule, tauscht es dann, glaube ich, mit Nilpferd und Fontane und muß die Effi Briest dann so darstellen.

Das wird auch ein Fiasko, nur der Auftritt als Transvestit, als die Studenten für in Not gekommene Künstler auf der Bühne des Schauspielhauses alte Kostüme versteigern, gelingt und Meyerhoff resumiert, daß das deshalb war, weil er da so verkleidet war, daß er sich nicht mehr zu genieren brauchte.

Er hat auch andere Schwierigkeiten, kann nicht auf Befehl weinen und nicht richtig lachen, hat auch ein zerknautschtes Gesicht.

Also wird noch einmal beraten, ob er weitermachen darf. Er darf und spielt dann sogar mit der Großmutter in einem Film. Am Ende besteht er die Schauspielprüfung, bekommt aber zuerst nur in Schleswig-Hohlstein ein Engagement und da will er nicht hin, denn von dort kommt er ja her.

So erleidet er einen Schwächeanfall und die alte Ärztin wird geholt und spitzt ein Medikament und ich fragte mich wieder, wieso er Schauspieler wurde und weshalb er, wenn er so ein Tolpatsch war, dann so berühmt wurde?

Aber ich weiß, das ist die Tragikkommik, die die Zuschauer auf der Bühne zum Lachen und die Leser zum Kauf des Buches bringt.

Die Großeltern werden älter und bekommen ihre Leiden, der Vater stirbt und während Meyerhoff, sich als Werther in Kassel, wo er  ein Engagement bekommt, jeden Abend auf der Bühne erschießen muß, erlebt er  das Sterben der Großeltern. Am Schluß wird das Haus verkauft, vorher noch der Tresor geöffnet und der Familienschmuck gefunden.

Ein Buch, das glaube, ich eine große Auflage hat, Anna Jeller hat es in der Auslange liegen, die Blogger haben nach Veröffnetlichung der Liste meistens geschrieben, daß sie es schon kennen und das sicher auch leicht zu lesen ist.

Ein Blick in das Leben der Prominenten, noch dazu so lustig aufbereitet, verlockt wohl viele. Mir hat  gefallen, ein wenig Einblick in den Schauspielunterricht zu bekommen, so fand ich diese Übung mit den Tieren durchaus spannend.

Die Information, wieso Meyerhoff Schauspieler werden wollte, wenn er doch so viele Schwiergkeiten damit hatte und warum er sich so negativ darstellt, fehlt mir noch immer und das Kapitel, wo er ein Buch, das ihn auch seine Großeltern kaufen hätten können, stehlen muß und damit durch ganz München rennt, hat mir auch nicht sehr gefallen, obwohl ich schon weiß, daß Klauen vielleicht zu den Initionsriten gehört und, daß das vielleicht jeder still und heimlich irgenwann einmal tut, möchte ich das auf diese Art und Weise aufbereitet, trotzdem nicht so gerne lesen und auch nicht darüber lachen.

Auf die Shortlist ist das Buch diesmal und auch damals nicht gekommen und jetzt habe ich auch einen Meyerhoff gelesen und kann vielleicht schon jetzt sagen, daß die Bandbreite der heurigen LL eine sehr große und für jeden Geschmack etwas zu finden ist.

Die großen Namen, die experimentellen jungen Autoren, die schöne Sprache, das Abenteuer und jetzt auch die Tragikkomik für die Schwiegermüutter und jetzt bin ich nur noch gespannt, ob die anderen drei Teile auch noch in Buchform herauskommen werden.

Apollokalypse

Weiter gehts mit Buch zwölf der deutschen Longlist,  des 1951 geborenen  Gerhard Falkner, der mir, obwohl ein bedeutendet Dichter, bisher auch entgangen ist, „Apollokallypse“, ein sperriges vierhundertzwanzig Seiten Buch, das sich einige auf die Shortlist wünschten, die Bücherbloggerin Constanze Matthes abgebrochen hat, „Sounds & Books“ von der Berliner Sphäre begeistert war und mit Sophie Weigand darüber diskutierte, die, ob der der vielen Perspektivenwechsel und der deftigen männlichen Umgangssprache, wohl auch ein wenig ratlos war und mir, der ja „so politisch korrekten, realistisch denkenden und angeblich unverständlich schreibenden Frau, ist es ähnlich gegangen und ich habe mich nun an die fünf Tage durch das Buch gequält, bis Seite zweihundertfünzig hätte ich der Buchpreisbloggerin auch recht gegeben, aber ich breche Bücher ja nicht ab.

„Gott sei Dank!“, könnte man sagen, denn sonst wäre mir höchstwahrscheinlich einiges entgangen, denn bis dahin hätte ich wohl auch gesagt „Was soll denn das?  Vierhundertzwanzig Seiten, um darüber zu schreiben, daß „Büttner tot war, Isabell verlassen und Billy wieder mal verschwunden war“, das steht auf Seite 291 und auf 293 kommt hinzu „Meine Vermieterin sagt, dies hier wäre ein schlechter Roman. Wahrscheinlich hat meine Vermieterin recht. Sie sagt, man wäre als Leser fortwährend auf der Suche nach einem Zusammenhang, und könne ja nicht Sinn eines Romanes sein, sich bis zu seinem Ende damit abzukaspern, einen solchen Zusammenhang zu entdecken“

Sibylle Lewitaroff hat in ihrem „Pfingstwunder“ auch eine ähnliche Stelle eingebaut, die dann die Bücherblogger gegen sie verwendeten.

Es gibt einen Georg Autenrieth aus Augsburg, der  durch die vierhundertseiten Seiten stolpert, mit sich und der Zeit, in der er lebte, indentitätprobleme hat, aber dazu vielleicht erst später, das war dann schon die Erkenntnis, zu der man vielleicht nicht mehr kommt, wenn man das Buch vorher abgebrochen hat.

Bis dahin könnte man sagen „Was soll denn das? Da schreibt einer über das Vögeln, das Scheißen und die Kacke, schreibt von den DDR Zeiten, der RAF und seinem Leben in dieser Zeit mit seinem Freund Büttner, der in der „Klapsmühle“, „Irrenhaus“ nicht „Psychiatrie“ steht im Buch selbst, landete, der ihm dessen Freundin Isabel wegnimmt, dann eine bulgarische Freundin namenns Bilijana, genannt Billiy hat und so komische Anmerkungen von einem Doppelgänger, einem „Glasmann“, der seine Identität aufzulösen scheint und Andeutungen, die auf eine terrorischte Vergangenheit schließen lassen, kommen auch darin vor!“

Was soll denn das, das ist doch vollkommen unverständlich, siehe oben und offenbar, das schwer zu lesende Buch, das die Juroren diesmal auf die Liste setzte, damit die Blogger und die Rezenten sich daran reiben und man darüber spricht!

Dann habe ich weitergelesen, schon ein bißchen ungeduldig, denn es liegen ja noch so viele Bücher in meinem Badezimmer, sechs von der dBp warten noch und bezüglich der öst, habe ich jetzt auch das vierte dazu bekommen.

Aber ich bin geduldig und beharrlich und habe nicht aufgehört zu lesen, obwohl ich es zwischendurch schon ganz unten vor oder nach dem Stadler angesiedelt hätte und mich wunderte, wie langweilig, die großen Dichter Deutschlands schreiben können und mich auch ein bißchen fragte, was Herr Jung wohl dazu sagen würde, der ja wie er am Mittwoch erklärte, von einem Buch am Anfang, in der Mitte und am Schluß jeweils fünf Seiten liest und dann schon alles weiß?

Mir ist, glaube ich, erst nach Seite dreihundert der Vergleich mit dem vorjährigen Gewinnerbuch gekommen, das ist ja genau dasselbe  Thema und dann habe ich mich vielleicht schon gefragt, ob dieses Buch nicht vielleicht besser ist?.

Gerhard Falkner, habe ich auch irgendwo gelesen, hat ebenfalls Jahre an dem Buch gearbeiter und, man kann hier wirklich viel zitieren, um das Buch zu erklären, auf Seite 361 steht „Natürlich kann man die Vergangenheit der Bundesrepublik rekonstruieren aus ihren Erfolgen, Anstrengungen und Absurditäten, die Währungsreform, der Wiederaufbau, das Wirtschaftswunder, Mauerbau, die Gründung der DDR, die Notstandsgesetze, Krefelder Beschluß, Adenauers Forderung nach taktischen Atomwaffen, Aufstieg der deutschen Autoindustrie, Gastarbeiter, die wachsenden Macht der Banken, die Spiegel Affaire, die Ermordung Schleyers oder schließlich die Insellage Westberlin und alle daraus resultierdenen Wunder. – In dieser Geschichte aber würde das kaum helfen“.

Also braucht man die multiple Perslnlichkeit, den Dr. Jekyll und den Mr Hyde und so huscht auch Georg Autenrieth durch Buch und Geschichte, verliert seinen Schatten, erkennt sich selbst in jedem der ihm in der U- Bahn gegenüber sitzt wieder, deutet etwas von einer terroristischen Vergangenheit an und trifft dann den Teufel oder seinen Psychiater, der ihm oder war es umgekehrt, die Idetität raubte und wurde wieder auf eine sehr gelehrige Art un Weise,  im Nachhinein würde ich fast sagen, besser, als es der Witzel konnte.

Wir wissen aber, die Erinnerung täuscht und trübt manchmal und ganz am Schluß gibt es noch ein Bild von einem Mann mit einer seltsamen Bekleidung und einer seltsamen Kopfbedeckung. Ein Berliner Original, den Gerhard Falkner, wie er in einem Nachwort erklärt, traf und fotografierte und der nichts mit dem Buch zu tun hat, also weder Georg Autenrieth noch sein teuflischer Psychiater und Identitätsklauer ist, Gerhard Falkner dürfte ihm aber trotzdem zum Anlaß genommen zu haben, die Geschichte dies Nachkriegsdeutschland wieder einmal wild und ungewöhnlich zu erzählen.

Vergleiche vom falschen oder richtigen Auftauchen zur richtigen Zeit am falschen Ort werden auch öfter zitiert. Nun die Tragik dieses Buches oder „Buchpreises“ könnte man sagen, ist, daß Gerhard Falkner, da ein wenig zu spät gekommen ist. Jedenfalls steht er nicht auf der Shortlist ist also aus dem Rennen und ich könnte jetzt auf Anhieb gar nicht sagen, ob ich ihn darauf täte? Aber zum Glück gehöre ich in diesem Literaturbetrieb ja nur zum Publikum und muß das nicht entscheiden.

2016-09-23

Das Pfingstwunder

Jetzt kommt Buch elf des bisherigen LL-Lesen und mein bisheriger Favorit, leider wird es das in der Realität nicht spielen, denn Sibylle Lewitscharoffs „Pfingstwunder“ wurde ja nicht in die Shortlist aufgenommen, was ich sehr bedauere, denn es ein tolles Buch und vielleicht die perfekte Kombination zwischen U und E, beziehungsweise die Verbindung zwischen Realismus und abgehobenes Wortgeschwafel.

Letzteres vielleicht schon ein bißchen, denn die 1954 in Stuttgart geobrene Büchner-Preisträgerin, ist ja bekannt für ihre „verzwirbelte Sprache“, habe ich, glaube ich, auch irgendwo auf einen Blog gelesen und die hat sie wahrscheinlich auch in die Bredouille und um den Preis gebracht, denn zuerst, bei „Blumenberg“ auf dem Sofa hieß es ja, „Ich hasse alle Selbstmörder!“, da habe ich mich gewundert und wußte noch nichts über die Biografie, dann auf der „Buch-Wien“, daß „Amazon“ in die Hölle fahren oder nein, so hat sie es nicht ausgedrückt, da wäre ich schon ein wenig die „Pfingstwundersprache“ und dann kam das mit den „Retortenkindern“, alle schrien pfui und Elke Heidenreich, sagte, glaube ich, etwas von einer „schwäbischen Hausfrau“ und ich hab begriffen, daß jemand, der sich Tag für Tag mit der schönen Sprache mit den ausgefallenen Wortschöpfungen, um auf die langen Listen und die Preispodien zu kommen, beschäftigt, vielleicht die Unterscheidung, daß man sowas zwar, als Roman schreiben und alle schreien „Bravo!“, aber nicht auf einem Vortragspult sagen darf, verliert und das finde ich interessant, denn ich habe mich in der letzten Zeit, Zufall oder nicht, mit der guten Literatur geschäftigt und dann einige LL-Bücher gelesen, die von älteren Herren stammen, mal „Bücher-Preisträger,“ mal nicht, die mit ihren letzten Lieben nach Italien fuhren oder sogar, weiterer Zufall sich auf einen Kongreß begaben. Da ging es zwar um Jean Paul und in den Himmel ist auch niemand gefahren, obwohl der Titel es ja angekündigt hätte, aber ich habe mich bei der „Rauschzeit“  eher gelangweilt, wo auf fünfhundet Seiten diskutiert wird, daß einer seine Jugendliebe trifft und der andere in die Oper geht.

Ist das gute Literatur, die berührt und was Neues bietet? Bezüglich der Sprache wahrscheinlich schon und konstrueirt waren die Bücher auch sehr und ich war bisher kein Lewitscharoff-Fan, das möchte ich ausdrücklich betonen, kann man auch im Blog nachlesen.

Beim „Bachmannpreis“ bin ich auf sie gestoßen, dann habe ich „Montgomery“ beim Bücherturm bei „Literatur im März“ gefunden und nicht verstanden, weil zu abgehoben, zu kompliziert, eh schon wissen, bei „Apostoloff“ mit dem sie, glaube ich, in Leipzig auf der Liste war oder auch gewonnen hat, war es ähnlich, „Blumenberg“ habe ich, das war schon nach der Aufregung im letzten Jahr gelesen und jetzt waren es zuerst die Verisse und die Blogger, die schrieben „Ich hoffe doch, daß sie nicht auf die Shortlist kommt!“

Sie ist nicht gekommen und ich habe das Buch noch davor am Dienstag Morgen zu lesen begonnen, nicht das Buch selbst, „Suhrkamp“ hat mir ja die „Fahnen“, also ein breites Skriptum, auf das man herrlich Notizen machen kann, geschickt und war eigentlich sofort begeistert, ob es daran lag, daß ich mich in diesem Sommer auch ganz zufällig mit dem „Tod des Vergils“ beschäftigt habe, weiß ich nicht, denn es ist leicht zu lesen und, ich glaube, es ist ihr auch das Kunststück gelungen, endlich einmal aus der „Fadiness“ der schönen Worte und den abgehobenen Sphären, was ich ja bei den „Witwen“ ein bisschen bedauert habe, wo ja auch ein Philosoph mit einem altmodischen Namen mit vier angeblichen Witwen auf Reisen geht und am Cover prangt ein barockes Fotos, herauszukommen.

Gut, Lewitscharoffs Held heißt auch Gottlieb und hat eine Universitätsprofessorenkarriere hinter sich, er ist Dante- Forscher und hat sich, als solcher Anno 2013 zu Pfingsten nach Rom auf den Aventin begeben, um mit dreiunddreißig anderen Dante-Forschern, die „Göttliche Kommödie“ zu diskutieren.

Eh schon wissen und sehr abgehoben, könnte man jetzt sagen und was fange ich damit Anno 2016 angesichts der Flüchtlingskrise und „Brexit-Katastrophen“ an? Das interessiert mich ja nicht und vielleicht verstehe ich es auch nicht besonders, denn mit meiner Hauptschuldbildung habe ich die „Divina Commedia“ ja nicht intus oder ich will umgekehrt beim Longlistlesen nur die hehren Inhalte und die schöne Sprache haben und von der bösen rauhen Welt da draußen nichts wissen, sondern abschalten und entspannen?

Weit gefehlt, denn der Held taumelt zu Beginn durch seine Frankfurter Wohnung, fragt sich, wie er heißt und, ob er nicht etwa wahnsinnig ist, denn, das was da in Rom im Saal der Malteser geschehehn ist, kann er keinen erklären, daß da dreiunddreißig Forscher und drei Leute vom Personal auf einmal aufgesprungen sind, sich wie toll gebärdeten,  aus dem Fenster sprangen und gegen Himmel fuhren.

Ich würde sagen, Sibylle Lewitscharoff macht sich gehörig über all das lustig, tut es in einer sehr zerzwirbelten Sprache und wir bekommen ein Dante-Seminar dabei geliefert, das hat ja Herbert, einer der offiziellen Bücherblogger an dem Buch bemängelt, daß man nachher zwar alles über die „Göttliche Komödie“ weiß, aber keinen Roman gelesen hat.

Dem würde ich entgegenhalten, obwohl ich ihm den Preis, den er angeblich schon hat, von Herzen wünsche, daß das bei Thomas Melle ganz genauso ist und noch viel mehr, denn das „Pfingstwunder“ ist, glaube ich eindeutig ein Roman, ein solcher, wie „Die Witwen“, „Rauschzeit“ und „Widerfahrnis“, obwohl da ja „Novelle“ draufsteht.

Es ist einer, den die Kritiker vielleicht ein wenig kitschig nennen, denn ein Pfingstwunder gibt es nicht und ich denke, wenn die angehenden Psychiater und Psychologiestudenten „Die Welt im Rücken“ lesen sollen, dann sollen, das die Germanistik- und vergleichenden Literaturwissenschaftsstudtendten, sowie die Gymnasiasten auch mit dem „Pfingstwunder“ tun und das Neue, was mich vielleicht zwar nicht unbedingt berührte, aber doch erstaunen und aufhorchen ließ, ist die Verbindung mit der Realität.

Denn Gottlieb Elsheimer kommt nach alldem, den Verhören durch die Polizei, etcetera, nach Hause, rennt schlaflos in seiner Wohnung herum, geht am Abend zum Italiener essen, betrinkt sich, während er all das aufzuschreiben beginnt,  hat dann nur mehr Zwiback im Haus, weil er auf das Einkaufen vergißt und fragt sich natürlich auch die berühmte Frage, wieso ausgerechnet er zurückgeblieben ist?

Ja, Bezüge zu Primo Levi und dem Holocaust gibt es auch, fragt sich, ob er jemals wieder unterrichten kann und höre und staune, vor allem die, die ja beklagen, daß sich die heurige Longlist sowenig mit der Flüchtlingsfrage beschäftigt, und diese Romane ausgelassen hat, ob er nicht vielleicht einen syrischen Flüchtling, vielleicht auch eine Frau mit Kind, ja auch das, denn Elsheimer ist  ein Mann mit vielleicht „lüsternen Begierden“ in seine große Wohnung aufnehmen soll?

Läßt das aber, denn es würde an der Sprache scheitern und der Flüchtling würde ihn vielleicht stören, Gedanken die wir wohl alle haben, die meisten vielleicht nicht einmal so weit kommen und dann erfahren wir noch viel über Dante, Vergil, die göttliche Kommödie und und und…

Sibylle Lewtscharoff schreibt in ihrer Danksagung noch, daß sie das Buch einem Stipedienaufenthalt in der „Villa Massimo verdankt und dort auch in dem Saal der Malteser auf dem Aventin gelesen hat.

Interessant ist auch, daß ihr der Österreicher Klaus Zeyringer die Übersetzung ins Wienerische und ins Steirische machte, denn das Buch ist ja vielsprachig und vielschichtig und es ist bis jetzt mein Preisfavorit, denn mein zweites Shortlist-Buch ist, was jetzt auch die Kritiker erkennen, kein Roman, obwohl ich Thomas Melle den Preis wünsche und vergönne, wenn ihn schon Sibylle Lewitscharoff nicht bekommen kann und jetzt nach einer kurzen LL-Pause weiterschauen, wie es mit den neun anderen LL-Büchern steht, von denen sieben ja noch in meinem Badezimmer auf das Lesen warten?

2016-09-20

Zwei Erzählbände

In der „Alten Schmiede“ geht es weiter mit den Präsentationen der Herbstneuerscheinungen.

„Lesart“ nennt sich die Reihe, die Angelika Reitzer inzwischen präsentiert und Lydia Mischkulnig und Leopold Federmayr haben zwei solcher Bände.

Die „Alte Schmiede“ hat ja auch zwei Räume, den „Schmiedenraum“, ein Museum ist das ja glaube ich nicht und das „Literatrische „Quartier“ im Keller und da wechseln sich die Veranstaltungen ab, nicht nur bei den Symposien, wo die Diskutanten oben und die Zuhörer unten sitzen.

Buch eins, Lydia Mischkulnigs „Paradiesmaschine“ wurde im Kellner vorgestellt, wo mich zuerst einmal Lidio Mosca Bustamante freundlich grüßte, ja es gibt sogar Leute, die auf mich  zukommen, statt mich zu ignorieren und zu meinen Geburtstagslesungen eingeladen werden wollen und die 1963 in Klagenfurt geborene Lydia Mischkulnig ist eine literarisch alte Bekannte „Halbes Leben“ hat ihr Debutband geheißen, bei „Droschl“ erschienen und noch sehr experimentell, ich habe ihn einmal bei „Rund um die Burg“ gewonnen, dann kam das Lesen beim „Bachmannpreis“ 1996, das Jahr, wo ich dort war und zuhörte.

Da las sie schon sehr schnell und hektisch, hat, glaube ich, was gewonnen und die Jury disktuierte, ob das jetzt Literatur oder Brigitte-Niveau sei?

Darauf erschien „Hollywood im Winter“ das habe ich gelesen und es hat mir nicht gefallen,  „Schwestern der Angst“ erschien mir sehr übertrieben, gehetzt und abgehoben, so habe ich sie, glaube ich, auch einmal im MUSA und auch bei Lesungen gehört.

Jetzt ein Erzählband und Lydia Mischkulnig begann mit der ersten Geschichte, die „Kloster neu Burg“, vielleicht so oder auch anders geschrieben, heißt. Lydia Mischkulnig las sehr deutlich und sehr akzentuiert. Es ging um einen Erzähler, ich glaube, ein Mann, der mit dem Fahrrad Benzin für den Rasenmäher holen fährt, da trifft er ein Paar mit Rucksäcken, das nach einem Wanderweg fährt, die Frau trägt zuerst Kopftuch, dann Schleier, Vergleiche mit den Nonnen tauchen auf, sehr schöne beinharte Beschreibungen, die ich mir leider nicht so lang gemerkt habe, daß ich sie mir aufschreiben konnte. Es geht dann auch, um Kinder und um eine Schatztruhe und Angelika Reitzer hat Lydia Mischkulnig sehr viel dazu gefragt.

Sehr abgehoben würde ich wieder denken, denn eine Frau mit Kopftuch oder Schleier geht wahrscheinlich nicht mit Rucksack in Klosterneuburg wandern, die zweite Geschichte kann man dagegen nacherzählen, da trifft sich ein Paar in einem Hotel, wo auch ein berühmter Fotograf logiert, der fotografiert die beiden und als die sich trennen, zerreißen sie das Foto, weil sie sich nicht einigen können, wer es bekommt, so bekommt jeder die Hälfte und erst nach dem Tod des Fotgrafen bekommen sie heraus, daß es als Ganzes einen riesigen Wert hat, so sind sie gezungen sich wieder zu vereinen. Das fand ich originell, während ich bei der dritten Geschiche, die von einem Heuschreck handelt, aussetzte.

Angelika Reitzer diskutierte zwar vorher das Prekatiat, da habe ja jetzt einige junge Autoren, wie beispielsweise Friederike Gösweiner, merke ich an, davon geschrieben, wie schwer es ist, in diesem Leben Fuß zu fassen, Angelika Reitzer hat es mit „Unter uns“, glaube ich, auch ein bißchen getan. Aber, wie ist das bei den Älteren?, fragte Angelika Reitzer und meinte wohl, daß es das nicht gäbe.

Aber ich habe mich ja jetzt durch einige „Altherrenprosa“ gelesen, da geht es zwar nicht um Armut und um Mindespensionen, aber um das Sterben und die letzten Lieben, mit denen sie nach Sizilien aufbrechen oder die bei Kongreßen wieder treffen und berührende Bücher über Demenz gibt es auch.

Aber Angelika Reizter ist ja ein Siebzigerjahrgang, Lydia Mischkulnig ein bißchen älter und das Prekariat ist in der Geschichte „Tiere wie wir“ spürbar, da gibt es Stellenabbau,  Einsparungen und einen Heuschreck zwischen den Fensterscheiben, der nicht hinauskann, die Ich-Erzählerin läßt ihn sterben und verbindet das mit ihrer persönlichen Geschichte.

Nein, das gefällt mir nicht.

„In der Literatur ist das erlaubt!“, sagte mir in der Pause Erika Parovsky, ja ich weiß, da muß ja alles fürchterlich und übertrieben sein, um interessant zu wirken, aber wenn ich zwar schreiben kann, daß Retortenkinder Halbwesen sind, aber bei einem Vortrag gepunsht werde, dann stimmt etwas nicht und wenn ich, die unverständlich Schreibende, die das angeblich nicht kann, die Geschichte geschrieben hätte, wäre eine Putzfrau aufgetreten und hätte den Heuschreck ins Freie gelassen, aber ich weiß, die Putzfrau wurde vielleicht auch schon eingespart und wir sind wieder bei den prekären Arbeitsverhältnissen.

Dann gings in die „Schmiede“ und zu Leopold Federmayr, den 1957 in Wels geboren, der schon länger in Japan lebt und dort, glaube ich, unterrichtet, in Mexiko war er, glaube ich, auch, dort erscheinen auch seine Bücher und bei „Otto Müller“ ist „rosen brechen“ erschienen, österreichische Erzählungen oder Erzählungen vom Land beziehungsweise aus der Kindheit und Leopold Federmayr meinte, daß er oder auch andere Autoren, daraus die Stoffe beziehen würden und Urfassungen zu den Texten wären schon in Achtziger oder Neunzigerjahren erschienen, die er  umgearbeitet hat.

Er las einen Teil einer längeren Erzählung „Das Feld“, darum geht er spazieren, es war einmal ein Fußballplatz, dann wurde wieder Kukurruz angeplantz, zum Friedhof geht er auch und als Kind ist er an der Hand der Großmutter gegangen, der Vater spielte Fußball und konnte es nicht gut und er hat im elterlichen Gasthaus Toast serbviert und dafür zehn Schilling Trinkgeld erhalten.

Es gibt noch eine andere Erzählung, mit Kurztexten, deren Titel er von Erwin Einzinger „gestohlen“ hat, der das gar nicht bemerkte, als er ihn einmal einleitete und Leopold Federmayr, den ich schon ein paar Mal lesen hörte, beim „Bachmannpreis“ hat er auch einmal gelesen, erzählte ein bißchen was aus seinem Nähkästchen des Schreibens und seinem japanischen Leben.

Zwei interessante Bücher, die nicht auf den LL stehen, auf die deutsche können sie ja nicht, weil keine Romane, die österreichische ist auch schon besetzt, aber das Lesen ist sicher zu empfehlen.

Die sechs deutschen Shortlistbücher

Filed under: Buchpreisbloggen — jancak @ 11:39
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Sie ist da, die Shortlist des dBp

  1. Rainhard Kaiser-Mühlecker „Fremde Seele-dunkler Wald“
  2. Bodo Kirchhoff „Widerfahrnis“
  3. Andre Kubiczek „Skizze eines Sommers“
  4. Thomas Melle „Die Welt im Rücken“
  5. Eva Schmidt „Ein langes Jahr“ und
  6. Philip Winkler  „Hool“

Drei habe ich schon gelesen, zwei weitere, darunter die Doppelnominierung liegen bereits auf dem Bücherstapel am Klo, „Hool“ müßte ich noch bekommen, würde mich aber interessieren.

In den letzten Tagen haben auch die Buchpreisblogger und Malte Bremer vom Literaturcafe ihre Empfehlungen abgegeben, letzterer an Hand der Buchpreisproben, was ich nach der eigenen Leseerfahrung eines solchen Heftchens vor drei Jahren für unmöglich halte, hatte aber zwei Treffer, die sogenannten offizellen, die diesmal, wie sie schrieben jedes Buch mindestens einmal gelesen haben, haben das ebenfalls und ich selbst, hätte von den zehn bis jetzt gelesenen Büchern auf jeden Fall auf den Melle getippt und ihn auch hinaufgegeben, Kirchhoff habe ich erwartet, war mir aber zu konstruiert, Eva Schmid überall sehr gelobt, mir wahrscheinlich zu leise, daß ich an sie gedacht hätte und heute morgen habe ich in der Badewann mit Sibylle Lewitscharoffs „Pfingstwunder“, das der Buchpreisblog, um Mara Giese verissen hat, angefangen und ich hätte es daraufgeschrieben und bin jetzt ein wenig enttäuscht, denn ich glaube, abgesehen vom Melle, dessen brillanten Bericht einer, seiner bipolaren  Störung ich ja nicht für einen Roman halte, ist es das bis jetzt beste Buch, das ich von der Liste gelesen habe.

Ich weiß schon Sibylle Lewitscharoff ist ein wenig schwierig, wegen ihrer Äußerungen, die zwar in Romanen höchst willkommen sind, am Vortragspult aber stören und irritierend wirken und ich habe das, was ich bisher von ihr gelesen habe, auch eher nicht verstanden, weil eine sehr abgehobene, schwirbelige Sprache, habe ich, glaube ich, irgendwo gelesen, aber das fand ich sehr brilliant,

Da fahren vierunddreißig Wissenschaftler auf einen Dante-Kontreß nach Rom und steigen dann zu Pfingsten in den Himmel auf, nicht alle, einer muß ja zurückbleiben und das erzählen und traut sich das auch nicht recht, denn kommt man nicht in die Psychiatrie, wenn man solches behauptet?

Spannend, spannend und ich werde das Buch auch weiterlesen, mir aber überlegen, ob ich die Shortlistbücher nicht vielleicht doch vorziehn soll.

Inzwischen ist auch noch Peter Stamms „Weit über das Land“, ein Buch, das dünner ist, als ich erwartet habe, zu mir gekommen und ich wäre was die deutsche LL-List betrifft, komplett, bis auf „Hool“ und das Buch vom Händler, auf die österreichischen muß ich ja noch warten oder mir die Bücher zum Geburtstag wünschen.

Sophie Weigard von „Literaturen“, die auch schon zehn Bücher gelesen hat, schreibt auf ihren Blog oder Facebook- Seite, daß sie vielleicht, die zehn falschen gelesen hätte, das glaube ich jetzt nicht, ohne nachzusehen, ich glaube aber Melle und Schmid und vielleicht auch ein paar andere waren dabei, aber ich habe mir auch gedacht, daß ich noch nicht sehr viel „Preiswürdiges“ ein blödes Wort, das ich nicht mag und auch nicht verwende, gelesen habe, obwohl ich die LL in ihrer Weite für sehr gut und interessant halte.

Aber zuletzt waren zwei Bücher dabei, interessant, sie sind auch von S.Fischer, die mir nicht so gefallen haben, Thomas Steinaeckers Abenteuerroman, den ich persönlich eigentlich für nicht sehr literarisch halte und dann Arnold Stadlers „Litanei“ über zwei, die in Köln eine Jugendliebe treffen, beziehungsweise in Berlin in die Oper gehen und das über fünfhundert Seiten, das erinnert zwar ein bißchen an die „Alten Meister“ und da habe ich sehr gelacht, als nach den dortigen fünfhundert oder so Seiten, über die Frage, ob man am Abend ins Burgtheater gehen soll, das Buch damit endete „Und dann war ich im Burgtheater und die Vorstellung war füchterlich“, ich zitiere aus dem Kopf und daher sicher nicht richtig.

Die anderen Bücher, die Sprachexeperimente, der jungen Autoren Anna Weidenholzer und Michelle Steinbeck, interessant, die Steinbeck war mir, glaube ich, zu sprachlich abgehoben, der Hans Platzgumer zu konstruiert, Dagmar Leupolds „Witwen“, sprachlich schön, aber vielleicht auch nicht lebensrelevant, das Cover meiner Meinung nach kitschig, nun ja,  man sieht, auch ich kann über Bücher mäkeln und es selbst nicht besser machen, wie meine Kritiker meinen, ganz im Gegenteil.

Also lesen, lesen, lesen, die Longlist, die Shortlist, die Schweizer, die österreichischen Bücher oder auch etwas ganz anderes, in der „Alten Schmiede“ und im Literaturhaus fängt jetzt ja auch die Saison mit Präsentationen von Büchern an, die nicht auf den Listen stehen, es gibt also sehr viel und man kann es sich aussuchen.

Außer dem Stamm habe ich vorhin auch die „Lebenszeichen“, die Anthologie vom letzten Volksstimmefest bekommen, das habe ich ja meinem Kriiker Uli zu schicken versprochen.

Mal sehen, wie es ihm gefällt, fehlerfrei und lektoriert ist es wahrscheinlich, denn es ist ja so spät gekommen, weil es eingestampft werden mußte, weil der Richard Schuberth falsch geschrieben war, dessen Debut- oder nicht Debutroman, ich auch noch lesen möchte.

Spannend, spannend also diese Shortlist, mal sehen, was die Blogger, Kritiker und andere interessierte Buchmenschen dazu sagen.

Die Longlist war ja sehr überraschend, ich fand sie, wie beschrieben interessant, habe aber an den gelesenen Büchern  viel ausgesetzt, mal sehen, wie es mit den acht anderen wird, die noch zu lesen sind.

Laut den Buchhändler fangen die Menschen  jetzt erst an, in die Buchhandlungen zu laufen und sich für die Listentitel zu interessiert und natürlich kann man auch schon spekulieren, wer dann am Vorabend zur Buchmesse in Frankfurt den Preis bekommt?

Der Melle wäre da ein Kanditat, hat aber meiner Meinung nach, ich wiederhole es, keinen Roman geschrieben, Bodo Kirchhoff würde ich mir nicht wünschen, bei Eva Schmidt kann ich es mir eigentlich noch immer nicht vorstellen und die anderen Bücher habe ich noch nicht gelesen, bin aber auf dem Weg es zu tun.

2016-09-17

Longlistenlesestatus

Am Dienstag wird die Shortlist des dBps bekanntgegeben und man kann auf der Facebookseite seine Empfehlungen bekanntgeben und wenn man richtig liegt, glaube ich, Einladungen für die Preisverleihung in Frankfurt am 17. Oktober gewinnen und die Bücherblogger geben ihre vielleicht am Montag oder so auch bekannt.

Im Vorjahr haben sie es getan und Null Treffer gehabt. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt auch nicht alles gelesen und heuer, glaube ich, ebenfalls nicht, obwohl es keine Liste gibt, wo man die Rezensionen direkt einsehen kann.

Das betrifft die sogenannten „offiziellen Bücherblogger“, der „Buchpreisblog“ hat, glaube ich, erst drei Rezensionen veröffentlicht, obwohl „Zeilensprünge“, die dabei sind, im Vorjahr außer mir, glaube ich, alle Bücher gelesen haben und mir, sie sind zu zweit, auch immer etwas voraus waren und ich habe natürlich auch noch nicht alles gelesen und werde, wie es aussieht das auch nicht.

Bin nach wie vor im selbstgemachten Lesestreß und gut im Trend und, ich glaube so schnell, wie im vorigen Jahr. Jedenfalls lese ich jetzt Buch zehn Arnold Stadlers „Rauschzeit“, habe den „Hinreißenden Schrotthändler“  auf meiner Leseliste  und frage mich allmählich, wieso es auf die Longlist kam, ob es berührt, etwas Neues bringt und für  zu lang, es hat fünfhunderfünfzig Seiten halte ich es auch.

Die heurigen Bücher sind aber, glaube ich, eher kürzer, als die vorigen. Drei Dickere sind von denen, die ich bis jetzt habe, dabei und der Gerhard Falkner, den ich als übernächstes LL-Buch lesen werde, dürfte, soweit ich höre, eher schwer zu lesen sein.

Ich bin ja davon ausgegangen so an die zehn Bücher zu bekommen. Bei der deutschen Liste sind es aber inzwischen nur  drei, die noch fehlen, denn da hat mir „Fischer“ von den fünf Büchern, die er im Rennen hat, zuerst zwei und dann, als ich bezüglich der Öst nachfragte, auch noch den Reinhard Kaiser-Mühlecker, der übrigens nächsten Donnerstag in der „Gesellschaft für Literatur“ auftritt geschickt und „Aufbau“ hat sich bezüglich Philip Winklers „Hool“ noch nicht gemeldet, obwohl, die mir heuer schon sehr viel schickten.

Sonst habe ich die Bücher, glaube ich, vollständig, die Printausgaben liegen im Badezimmer, von Sibylle Lewitscharoffs „Pfingstwunder“ habe ich die Fahnen bekommen und drei PDFs, beziehungsweise ein E-Book war auch dabei.

Bei der österreichischen Liste sieht es etwas anders aus, da habe ich von der Longlist inzwischen drei Bücher, die Dorothea Emminger, die Anna Mitgutsch und den besagten Kaiser-Mühlecker.

Das Buch von Peter Waterhouse, das glaube ich, noch nicht erschienen ist, soll noch kommen und von den Debutanten, habe ich noch das Buch von Sacha Batthyany bekommen, das der Friederike Gösweiner liegt, wie schon beschrieben, in Harland über dem Bett und ich kann es lesen, wenn ich nächste Woche dorthin komme, oder aufsparen und als letztes lesen und die Rezensionsexemplare vorziehen. Mal sehen, wie es sich ergibt.

Die Buchdebuts werden am fünften Okter in der Arbeiterkammer vorgestellt, aber leider leider ist das der erste Mittwoch im Monat und da ist ja MUSA-Tag und da bekommt auch die Ilse Kilic, was mich sehr überrascht und ich nicht damit gerechnet habe, ich habe da ja auch Prognosen erstellt, den „Veza-Canetti-Preis“ also werde ich da hingehen.

Falls mich einer meiner Leser unterstützen und die fehlenden Bücher mit eines von meinen tauschen will, würde mich das freuen, die zwei „Fischer-Bücher“ wären der Ernst Wilhelm Händler und der Peter Stamm, über die österreichischen würde ich mich auch freuen, obwohl ich da ja regelmäßig bei den O-Tönen war, also dort die Sabine Gruber, den Michael Köhlmeier, Friederike Mayröcker und die Katharina Winkler hörte und die nehme ich ja wieder an, gewinnt den „Alpha“ und dann bekäme ich wahrscheinlich das Buch.

Den Peter Henisch, der glaube ich, noch nicht erschienen ist, würde ich gerne lesen und Anne Cottens Versepos, das ich schon im MUSA hörte, interessiert mich sehr und natürlich Friederike Mayröcker, deren Bücher man seltsamerweise eher selten in den offenen Bücherschränken findet.

Nun vielleicht auch meine Prognosen, von den auf der Öst nominierten, habe ich noch nichts gelesen, habe da aber eine Wunschliste, nämlich die FM als Preisträgerin und dann würde ich mir Anne Cotten, Peter Henisch, Sabine Gruber und Michael Köhlmeier wünschen oder könnte mir das vorstellen und bei den Debutanten denke ich, daß Katharina Winkler gewinnt, obwohl  Friederike Gösweiner, die ich auch schon bei den O-Tönen hörte, auch oft gelobt wird.

Bei der deutschen Liste ist das anders, da kann ich, da mir die meisten Bücher ja eher unbekannt waren, keine so dichte Prognose geben, vor allem wüßte ich da den Preisträger noch nicht, von den bis jetzt gelesenen könnte ich mir vorstellen, daß Thomas Melle und Bodo Kirchhoff draufsteht und dann denke ich, nach dem was ich so gehört und gelesen habe, beziehungsweise mir vorstellen könnte, auch noch Peter Stamm, Gerhard Falkner, Katja Lange-Müller und Sibylle Lewitscharoff. Aber das ist mein persönlicher Tip, der „Buchpreisblog“ hat das Buch ja sehr zerissen. Mal sehen, wie falsch oder richtig ich liege?

Am Dienstag werden wir es wissen, ich lese inzwischen den Stadler weiter und beginne dann mit der Lewitscharoff, mache dann eine Buchpreislesepause und lese die beiden „K&S-Literaturdebuts“ beziehungsweise die „Vegetarierin“ auch ein Kultbuch des Herbstes, das durch die LL ein wenig unterging, dann vielleicht den dBp weiter, bis ich zur öst- Liste komme und ziehe da vielleicht die Shortlistnominierten vor.

Nach meiner Schätzung hätte ich da ja erst zwei ganz gelesen. Die Juryentscheidung gibt es schon, also spannend spannend und noch nachsehen, was die Blogs dazu meinen.

Ansonsten werde ich das Wochenende, wie ich eigentlich plante, doch nicht nur lesend und schreibend verbringen, denn im WUK gibts ja eine Biennale mit experimenteller Literatur und einer Kunstfilmnacht, wo es Filme von Hermann J.Hendrich, Ilse Kilic, Thomas Havlik etcetera zu sehen gibt.

Gestern bin ich nach der „Alten Schmiede“ nicht mehr hingegangen. Heute habe ich das vor, das Kinderprogram mit der Erika Kronabitter lasse ich aus und am Sonntag gibts vielleicht schon das Sturmfest, aber vielleicht ist das erst nächste Woche, dann hätte ich mehr Zeit zum Lesen und mit dem Schreiben meiner Klara tue ich mir ein wenig schwer.

Denn das Longlistenlesen ist ja sehr intensiv, relativ viel Diagnostik hatte ich in den letzten Tagen auch, da kommt man dann leicht hinaus und schwer wieder hinein und die Frage, was ist gute Literatur?, „Deine nicht, denn du schreibst ja so unverständlich!“,, halt ja auch noch immer in meinen Ohren, obwohl ich, da ich jetzt wieder durchkorrigiere, mir gestern einige Änderungen notiert habe.

So wird sich das Ganze jetzt vielleicht in einen kürzeren Rahmen, also vielleicht bis zu Zusannas Hochzeit abspielen, den dBp lasse ich weg und mache allgemein einen „Buchpreis“ daraus und lasse die Klara daher aus Wien statt aus Frankfurt kommen, da ist das Terrain  bekannter und sie arbeitet vielleicht mit dem Edy beim „Standard“, aber auch da könnte ich die Bezeichnung weglassen.

Sie könnte  beispielsweise auch „Ohrenschmaus-Jurorin“, Achtung Ironie oder persönlicher Bezug, sein.

Nun ja, solange ich so intensiv lese und jetzt auch wieder intensiv zu Veranstaltungen gehe, stagniert das ein bißchen, Ich habe aber schon 23.00 Worte, 44 Seiten und 15 Szenen, müßte mir auch das, wie das mit der Clarisse und der Claire, vor allem die Geschichte mit der Großmutter ist, noch genauer  konzipieren. Da habe ich inzwischen, fürchte ich, den Faden verloren.

Das geht in den sogenannten  Nachlesezeiten“, aber ich lese ja immer, wahrscheinlich leichter, für den „Nanowrimo“ kommt es wahrscheinlich trotzdem nicht in Frage, da ich schon 23.000 Worte habe.

Also werde ich wahrscheinlich heuer nicht mitmachen und nur so weiterschreiben, aber im November ist ja auch die „Buch-Wien“ und der „Ohrenschmaus“ und zumindestens den Anfang werde ich auch noch für die österreichische Liste brauche.

Das Buchpreislesen, das kann ich nur wiederholen, macht großen Spaß und ich finde es auch sehr lehrreich, kann auch ein bißchen die Frage, was ist gute Literatur und was interessiert die Leser beantworten?

Aber da würde ich mir sowieso mehr Information wünschen, was die Leser wollen oder gerne lesen von den Buchhändlern höre ich immer, die Leute interessieren sich, wenn überhaupt für die Shortlist, die Longlist ist ihnen egal, zu  zu umfangreic, oder was auch immer.

Ich finde gerade die sehr interessant, obwohl es natürlich, wie beispielsweise, die experimentelle Literatur oder die Kleinverlage gibt, die zum größten Teil nicht daraufstehen.

Denn die „Longlist“ ist ja wahrscheinlich schon sehr mainstreamorientiert, obwohl das von der deutschen heuer eher widersprochen wird.

Ich bin gestern zwischen der Session vier und der Abendveranstaltung der „Alten Schmiede“ in den „Morawa“ gegangen und habe mich  umgeschaut, was da auf den Stapeln liegt?

Es liegt ziemlich viel, auch Krimis und das sogenannte Leichte, das Experimentelle wahrscheinlich eher nicht, aber einiges davon gibt es schon auf den Listen, zumindestens würde ich Daniela Emminger, Anna Weidenholzer und Michelle Steinbeck jetzt einmal dazureihen.

Aber das lesen die Leute wahrscheinlich eher nicht und  auf die Shortlist würde ich  mal schätzen, kommen sie eher nicht und bezüglich Krimis haben wir ja eine Kriminacht und einen eigenen Krimipreis, der auch bald vergeben wird, Leider gibt es da aber wieder eine Überschneidung mit dem H. C Artmann Preis, den heuer Anselm Glück, also ein eher experimenteller Autor, bekommt.

 

 

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