Literaturgefluester

2017-06-16

Schundheftparty

Margit Heumann, die ich regelmäßig in der „Alten Schmiede“ treffe, hat mir da ja ihren Kurzkrimi „Wo er recht hat, hat er recht“, zugeschickt und dazu eine Einladung zu der sogenannten „Schundheftparty“ beigelegt, ist ihr Hefterl ja in der „Schundheftreihe“ der“Unartproduktion““ erschienen und da wurden heute drei Hefte vorgestellt.

Nun gehe ich ja nicht so gern zu Veranstaltungen, wo ich schon das Buch gelesen habe, aber außer Margit Heumann traten da ja noch Joe Gmeiner und Ralph Saml auf und die waren wir völlig unbekannt.

Außerdem gab es auch kein Alternativprogramm, also nichts wie hin in das Gasthaus Lechner in die Wilhelm Exner Gasse und die war mir nicht unbekannt, erstens gibt es dort das WUK und zweitens ist das die Galerie Nuu, wo die Ruth manchmal ihre Veranstaltungen macht und eineÜberraschung erlebte ich auch gleich, dachte ich doch die „Schundheftreihe“ heißt so, weil dort im kleinen Format auf circa sechzig Seiten Krimis vorgestellt werden.

Margit Heumanns Hefterl ist jedenfalls ein solcher, ich habe mich allerdings gewundert, daß Christian Futscher Krimis schreibt, denn als ich nach unserer Bodenseereise wieder in die „Alte Schmiede“ kam, lag dort ein kleiner Stoß von Margit Heumanns Hefterl auf und liegt, glaube ich noch immer, wer also daran interessiert ist, den Text zum Nulltarif zu bekommen und dabeben gab es das von Christian Futscher.

Ich habe aber inzwischen herausgekommen, daß Joe Gmeiners Hefterl ein Reisebericht ist und Ralph Samls Heftl Dialektgediche, was noch einmal interessant ist, handelt es sich doch sowohl bei dem Herausgeber Ulrich Gabriel, um einen Vorarlberger, Margit Heumann kommt von da,Christian Futscher und Joe Gmeiner auch, wie er mir erzählte, ebenso Kurt Bracharz, cder schon ein Heftl in der Reihe hat, Ralph Saml aber offenbar nicht.

Es gab beim Eingang des urigen Gasthauses einen Büchertisch und als ich nach dem einzigen Buch das darauf lag, greifen wollte, erklärte mir die freundliche Dame dort, daß ich es geschenkt bekäme, wenn ich die Reihe abonniere und ich dann für fünfzehn Euro die nächsten fünf Ausgaben ins Haus gelieftert bekomme.

Ich muß aber erst Christian Futschers „Suppen“ lesen und der Verleger erklärte auch gleich den Sinn der Aktion und warum er sich für die Präsentation das urige Gasthaus, in dem auch Nestroys „Lumpazivagabundus“ und Jandls „Humanisten“ aufgeführt würden, entschieden habe? Weil er damit einen Gegensatz zur Hochkultur bieten  und auf das Kleine Handliche hinweisen will.

Der Verleger spielte dann in diesem Sinne auf dem verstimmten Piano, wie er betonte, ein paar Stücke, dann setzte sich Joe Gmeiner an den Lesetisch, der einen Strohhut aufhatte und ein „Hofer-Leiberl“ trug, denn sein Text heißt „Reisen mit den Zeugen Hofers“ und das kann man leicht mißvertehen und an den gerade nicht Bundespräsidenten dieses Namens denken, es gibt aber auch den gleichnamigen Supermarkt und Joe Gmeiner bekannte sich, als dessen Fan. Mit dem kann man, glaube ich, auch reisen und der Autor tat das durch China bis nach Tibet bis zum Himalaya mit einer gemischten Österreicher Schweizerischen Gruppe und las daraus ein paar Schmankerln vor.

Dann kam Margit Heumann mit ihrem Kurzkrimi und hörte genau an der Stelle auf, wo es spannend wurde, verriet aber, daß es im Herbst in einem anderen Vorarlberger Verlag mehr von Paul und Emma geben würde.

Dann erklärte Ulrich Gabriel  den Unterschied ziwschen dem Vorarlberger und dem Wiener Dialekt, bevor Ralph Saml mit dem „Dialektmesser“ seine diesbezügliche Kostproben gab.

Eines der nächsten Hefte wird von Gerhard Ruiss sein, erklärte Ulrich Gabriel noch und wies auf den Schnaps hin, den Joe Gmeiner mitgebracht hat und der natürlich auch zu einer Schundheftparty gehört und im Herbst wird es wieder eine Veranstaltung im Gasthaus Lechner mit den weiteren Schundhefterl geben, seien wir also gespannt….

Die Verwechslung

Am nächsten Tag hatte Mathilde Halsschmerzen, sich krank gemeldet und war zum Arzt gegangen, während sich Natalie auf Praxissuche an die ihr angegebenen Adressen machte und auf der Tautenzienstraße zusammenuckte, war sie doch gerade in Begriff in Moritz Lichtenstern, den jungen, an sich bedeutungslosen Lektor hinauzulaufen, in dem sich ihre noch farblosere Schwester anscheinend so verliebt hatte, daß sie ihre gestrigen Anwesenheit so durcheinanderbrachte, daß sie heute  mit Fieber und mit Halsschmerzen aufgewacht war, dachte die Psychoanalytikerin in ihr und lächelte verächtlich.

Dann zuckte sie aber zusammen, hatte er sie doch gesehen und rief  überrascht „Du bist es, Mathilde, ich habe gedacht, du liegst krank im Bett und habe mir schon überlegt dich, wenn ich mit der Arbeit fertig bin, zu besuchen!“ und schmachete sie genauso an, wie er gestern in der Richterschen Weinstube Mathilde angeschmachtet hatte, was der in ihrer Gegenwart unangenehm gewesen war und sie  zum Lachen brachte.

Es machte sie sogar so sehr vergnügt, daß sie versuchte ein kränkliches Gesicht zu machen und eine krächezende Stimme vorzutäuschen und ihn damit genauso schmachtetnd musterte, wie es das Gänschen Mathilde getan hatte.

„Ich habe fürchterliche Halschmerzen und etwas Fieber und bis deshalb beim Arzt gewesen, der mir heiße Wickel, Lutschtabletten und drei Zage Bettruhe verordnet hat! Aber jetzt-„, sagte sie und sah ihm noch ein bißchen tiefer in die Augen,“-jetzt ist es schon viel besser!“ und ließ keinen Zweifel daran, daß es er und seine Anwesenheit war, der diese Gesundwerdung in ihr verursachte. Der Ahnungslose hatte es geglaubt und hörte auch nicht auf, sie weiterhin für ihre Schwester zu halten, was sie, obwohl sie solche Verwechslungen aus ihren Kindertagen gewohnt war, wieder etwas ärgerte.

War sie doch Dr. med Natalie Schmidt, die Psychoanalytikerin und keine verhuschte Hauptschülerin, die sich zur Verlagssekretärin hinaufgearbeitet und ihr ganzes Leben darunter gelitten hatte, im Schatten ihrer Schwester zu stehen. Sie war, das hatte man ihr immer wieder gesagt und sie hatte auch nie die Spur eines Zweifels daran empfunden, die Strahlendere, Gebildetetere, Elegantere, trug auch ein Designerkostüm und hochackige Stöckelschuhe, während die Schwester sicher mit flachen Tretern, Jeans und einem mausgrauen Pullover zum Arzt gegangen war und der angebliche Verliebte merkte es nicht oder merkte er es vielleicht schon und wollte nur die Prächtigere, Schönere, als Freundin haben. Was auch ohne Lehranalyse leicht zu verstehen war, daß niemand ein graues Mäuschen wollte und so war es eigentlich klar, daß er sie verliebt anblinzelte und keinen Unterschied zwischen ihr und ihrer Schwester bemerkte oder diesen gekonnt verdrängte.

„Sind doch die Männer alle blöd oder die Seele ist ein sehr sehr weites Land, mit vielen Tiefen und Unebenheiten!“, we es ihr Lehranalytiker Dr. Gubinger ihr immer gepredigt hatte, dachte sie, versuchte ein heiseres Husten.  In ihren Augen blitzte schon der Schalk.

Sollte er bekommen, was er wollte. Sie würde mitspielen, weil es Spaß machte, der verhärmten Schwester, die sie haßte, sich ihr das aber nicht zu sagen traute, eines auszuwischen. Wenn er so blöd war, sie für Mathilde zu halten, obwohl sie zwar so aussah, aber ganz anderes gekleidet war und einen anderen Backround hatte, würde sie mitspielen und die Schwester war selber schuld, daß sie sie gestern nicht hinausgeworfen hatte und auch noch so blöd war, ihr die Adresse, der Weinstube zu nennen, in der sie sich mit ihrem Liebsten traf. Dann hatte sie das zwar bereut und sich so darüber geärgert, daß sie krank geworden war und nicht in ihren Verlag konnte und das Schicksal spülte ihr ausgerechnet in der Tautenzienstraße, wo sie  auf Nuummer 112 eine eventuelle Praxis besichtigen wollte, ihren Liebsten über den Weg.

„Fein!“, sagte der und drückte sie an sich, wieder ohne zu bemerken, daß es ein ganz anderes Parufm war, daß sie verwendet, beziehungsweise war sie sicher, daß Mathilde überhaupt kein solches in ihrem Bad stehen hatte.

„Sehr fein, dann können wir, da ich für heute fertig bin und nicht mehr in den Verlag brauche, das ein wenig feiern! Dich Gesundfeiern, Liebste, was hältst du davon? Daß ist doch sicher besser, wenn du mich nach Haus begleitetest und dich bei mir auskurierst, als wenn du das allein in deinem Stübchen tust!“

„Sehr gut, ausgezeichnet!“, hatte Natalie gedacht und konnte sich auch später nicht daran erinnern, daß sie Schuldgefühle dabei empfunden hatte. Sie hatte stattdessen wieder nur gedacht „Selber schuld, wenn du so blöd bist und jetzt warte ich darauf, daß du erkennst, daß ich nicht Mathilde bin und mache dabei meine diesbezüglichen Studien der menschlichen Seele, die ich dann Dr. Gubinger schicken kann!“

„Gern!“, antwortete sie schmachtend, versuchte dabei ihre Stimme heister klingen zu lassen, griff sich an den Hals und hüstelte etwas. Vielleicht war wirklich eine Schauspielerin an ihr verloren gegangen und sie hatte nach ihrer Matura auch kurz daran gedacht, sich im Reinhardt-Seminar anzumelden, dann aber doch das Medizinstudium vorgezogen und so würde sie eben in ihrer Freizeit spielen und dabei ihre psychoanalytischen Erfahrungen machen und es war auch nichts dabei. Denn wenn sie mit ihm in seine Wohnung ging, konnte nichts passieren. Da das graue Mäuschen sicherlich in seinem Zimmer lag, Salbeitee inhalierte, Lutschtabletten schluckte und wohl gar nicht auf die Idee kam, ihren Moritz anzurufen. Es wäre nur schwierig geworden, wenn er ihr Mathildes Wohnung vorgeschlagen hätte. Das machte er aber nicht. Er dachte nur an sich, wie die Männer eben waren und so hustete sie noch einmal schaute dabei aber spöttisch und unternehmungslustig vor sich hin und dachte „Nun denn, schauen wir uns an, wohin das führt und wie blöd die Männer sind!“

Mathildes Entscheidung

Als Mathilde nach Hause gekommen war, fühlte sie sich schlecht. Sie konnte sich gar nicht erinnern, wie sie von Dr. Heumüllers Praxis in ihre kleine Wohnung gekommen war, die sie in Wien seit einigen Wochen  bewohnte.

Die Zawriks, das konnte sie nicht leugnen, waren ihr behilflich gewesen und hatten ihr die Wohnung, die zufällig in dem Haus, in dem sie ihr Geschäft hatten, gerade leerstand, vermittelt, als sie überstürzt und verheult aus Berlin zurückgekommen war und bei ihnen, weil sie nicht gewußt hätte, an wen sie sich sonst wenden sollte, zu ihren Eltern wollte sie nicht gehen, alles andere als das und wäre auch nicht sicher gewesen, ob die sie nicht hinausgeschmissen  hätten, geläutet, etwas von einer plötzliches Kündigung gestammelt und gefragt hatte, ob sie ein paar Nächte bei ihnen schlafen könne, bis sie eine Wohnung gefunden habe.

„Natürlich!“, hatte Gisela Zawrik, die irgendwie so etwas, wie eine Ersatzmutter für sie war, zu ihr gesagt, ihr den Koffer aus der Hand genommen, die Türe aufgemacht und sie an sich gedrückt.

„Natürlich kannst du das, Mathilde, jederzeit!“, um sich danach vorsichtig zu erkundigen, ob es im Starverlag nicht geklappt hätte?

„Das hat doch so zuversichtlich geklungen und du bist so gerne hingefahren!“, fügte sie noch verwundert hinzu.

Natürlich und das hatte es auch. Die Arbeit im Verlag war schön gewesen und Dr. Bereder, der Verlagsleister war  über ihre plötzliche Kündigung sehr verwundert gewesen.

„Das kommt so plötzlich, Kindchen und dabei hätte ich gedacht, Sie hätten sich mit Dr. Lichtenstern angefreundet!“, hatte er erstaunt gesagt und sie hatte den Kopf geschüttelt und  ihm mit fast irren Augen und verzweifelter Stimme geantwortet daß Dr. Lichtenstern sich mit ihrer Schwester verlobt hatte.

„Dann kann ich es  verstehen! Das tut mir sehr leid, soll ich vielleicht mit Moritz reden?“, hatte der alte Herr darauf verstört geantwortet und verlegen ihre Hand ergriffen, was sie ihm energisch verbeten hatte.

„Das  nicht, nein, das werde ich schon mit ihm selber abmachen!“

Sie wolle nur schnellstens nach Wien zurückfahren, ob er das verstehe?

Er hatte verstanden und ihr keine Schwierigkeiten gemacht. So hatte sie auch die Wohnung gekündigt, ihren Koffer gepackt, die Rose, die ihr Moritz  am Valentinstag so zuversichtlich und mit verliebten Augen überreicht hatte, hineingepackt, obwohl sie sich schon im Zug deswegen Vorwürfe machte und sich schwor sie in Wien sofort in den nächsten Mistkübel zu werfen. Aus den Augen aus dem Sinn, denn es gab keinen Moritz mehr für sie, seit Natalie vor zwei Tagen so selbstbewußt in ihrer Wohnung aufgetaucht war und ihr mitgeteilt hatte, daß Sie sich mit ihm verlobt habe.

„Ich hoffe, das ist dir recht und stört nicht deine Pläne?“, hatte sie noch scheinheilig hinzugefügt.

„Denn damals in der Weinstube, als ich ihn kennenlernte, hatte ich fast den Eindruck, du wärst iń ihn verliebt!“

Was hätte sie da anders tun sollen, als den Kopf schütteln und bestätigen, daß das natürlich nicht so war. Ob sie der Schwester alles Glück gewünscht hatte, daran konnte sie sich nicht erinnern. Oder nein, das hatte sie nicht getan. Denn das wäre gelogen gewesen und unehrlich und verlogen war sie nie. So hatte sie nur den Kopf geschüttelt, Dr.Bereder und die Wohnung gekündigt. Hatte die ersten Tage bei den Zawriks und später in der eigenen Wohnung übernachtet und sich wieder eine Stelle bei einem Verlag gesucht. Dr. Bereder hatte ihr ein vorzügliches Zeugnis ausgestellt und auf die Frage ihres jetzigenn Verlegsleiters Dr. Zuschitzky  hatte sie geantwortet, daß es Familienverhältnisse waren, die sie veranlaßten Berlin zu verlassen und wieder nach Wien zurückgezukehren, obwohl sie die Eltern nicht aufgesucht hatte und sie auch zu Weihnachten nicht mehr besuchen würde. Das war aus und vorbei. Und kaum, daß sie die neue Stelle in dem neuen Verlag angetreten hatte, war ihr ständig schlecht. Sie mußte sich zusammenreißen, um nicht um und in Ohnmacht zu fallen und sich  ständig übergeben und als ihr Dr. Heumüller, in  deren Praxis sie die argwöhnisch schauenden Kollegen geschickt hatten, vor ein paar Stunden mitteilte, daß sie schwanger sei, hatte sie sie erstaunt angesehen.

„Aber nein, das ist nicht möglich!“

„Haben Sie denn nicht-?“, hatte die Frauenärztin gefragt und sie hatte den Kopf schütteln müßen.

„Doch, das schon und ich bin in Moritz auch verliebt gewesen! Aber jetzt hat er sich mit meiner Schwester verlobt und da kann ich doch nicht-!“

„Aha!“, hatte die Ärztin geantwortet, geseufzt und wohl an ihr volles Wartezimmer gedacht und an die anderen Patientinnen, die jetzt warten mußten, weil sie sich wahrscheinlich mit der jungen Frau jetzt länger unterhalten mußte.

„Dann sollte Sie dem Papa, die freudige Nachricht mitteilen oder werden Sie vielleicht–?“ hatte sie gefragt und nach dem Folder gefriffen, der über die Möglichkeit der  Abtreibung bis zur zwölften Schwangerschaftswoche informierte.

„Nein!“, hatte sie gestammelt und danach, wie sie sich jetzt doch erinnern konnte, die Praxis fluchtartig verlassen, so daß die Ordiantionshilfe erleichtert, die nächste Patientin aufrufen hatte können.

„Das werde ich nicht, da werde ich schon einen Brief an Moritz schreiben!“, dachte sie, als sie Türe geschlossen hatte und Platz vor ihrem kleinen Schreibtisch nahm. Sie hatte sogar in die Lade gegriffen, wo die Kuverts und das Briefpapiert lagen und beides herausgenommen. Dann saß sie vor dem leeren Briefbogen, starrte darauf und schüttelte den Kopf.

Nein, das konnte und würde sie nicht tun! Sie konnte nicht an Moritz schreiben, daß sie ein Kind von ihm erwartete. Konnte ihm nicht mitteilen, daß sie Mutter würde. Konnte ihm höchstens zur Hochzeit gratulieren. Aber auch das würde sie nicht tun, weil sie  nicht so unehrlich und verlogen,wie die Schwester war und nicht wirklich wollte, daß er mit Natalie glücklich war,  sondern das Kind allein zur Welt bringen. Moritz sollte niemals etwas davon erfahren, daß er Vater wurde und den Kontakt zu Natalie und ihren Eltern würde sie jetzt auch abbrechen. Sie hatte lange gebraucht, bis sie begriffen hatte, daß sie das tun sollte. Aber jetzt war das aus und endgültig vorbei.

2017-06-15

Von den Fortsetzungsgeschichten zum Roman?

Ich habe ja meine Schreibcamppläne, beziehungsweise meine Strohwitwenzeit bis jetzt sehr gut, wie geplant verbracht und alles Vorgenommene eigentlich punktgenau erfüllt.

Das WienBesichtungsprojekt, die Pfingst-Bücherkastentour, die „Blogbusterleseproben“, die Spontantexte bei der öffentlichen Raumbeschreibung mit der Ruth und auch mit meinen Fortsetzungsgeschichten beziehungsweise Annika Bühnemanns Schreibchallenge.

Jetzt bleiben mir noch drei Tage bis der Alfred wiederkommt und da werde ich morgen Freitag doch zu der „Schundheft-Party“ der Margit Heumann hingehen und ansonsten fleißig Praxis machen, während ich heute und auch den Samstag für meine Fortsetzungsgeschichten reserviere.

Da den ganzen Tag zu Hause bleibe und Marathon-Geschichten schreibe, beziehungsweise in der Badewann meine eigenen Bücher weiterlesen werde.

Die, die meinen Blog regelmäßig verfolgen, werden sich erinnern, daß ich im April, als ich noch am „Bibliotheksgespenst“ korrigiert habe, schon den Plan hatte, jetzt nicht wieder schnell schnell mit etwas, nämlich mit der Idee von der Frau, die jeden Abend in der Pizzeria sitzt und dort ein Glas Wein trinkt, anzufangen, dann in ein paar Wochen den x-ten Text über eine depressive Frau vollende, der dann als fünfundvierzigstes selbstgemachtes Buch erscheint und niemand schaut es an und höchstens ein Kritiker schreit „Nicht schon wieder soviel sinnlosen Content!“

Aber was ist die Alternative, habe ich überhaupt eine? Die die mich und meine schon über dreitausend Artrikel länger lesen, wissen, daß ich, wenn ich was Neues anfange, immer gern schreibe, jetzt nehme ich mir aber wirklich und ganz ehrlich ein Jahr Zeit dazu und bin dann in den besagten paar Wochen fertig.

Was ja eigentlich toll ist, wenn das so gut geht. Ich will aber auch, ganz ehrlich, mehr Aufmerksamkeit und nicht immer ganz am unteren Rand stehen, die Erfolge der anderen miterleben, während sich bei mir kein Hund rührt, wenn ich beim neuen Buch ein Gewinnspiel mache oder um eine Rezension ersuche.

Wie ich die Aufmerksamkeit bekomme weiß ich nicht, hätte ich doch gedacht, das Bloggen wäre eine gute Möglichkeit dazu und, ob es wirklich nur an den Flüchtigkeitsfehlern und den falschen „s“ liegt, würde ich eigentlich auch bezweifeln, was aber dann?

Das Jammern natürlich, das ist schon klar, daß das meine Leser vielleicht nicht immer hören wollen und der Erfolg liegt auch im Tun, schreiben die anderen Blogger und haben damit Erfolg, also habe ich mir die Monate Mai und Juni zum Recherchieren und Ideensammeln vorgenommen, die oben schon erwähnten Pläne gemacht, die Bodenseeradfahrt mit der Ruth und das öfentliche Schreibprojekt mit ihr sind noch dazu gekommen und auch, was ebenfalls sehr hilfreich war, Annika Bühnemann Schreibchallenge zehn Geschichten in einem Monat, nämlich bei ihr, der Juni, zu veröfentlichen. Da hat sie zwar erst zwei hineingestellt und wer sonst noch an der Aktion mitmacht ist mir auch nicht ganz klar, weil ich ja nicht bei Facebook bin.

Ich habe aber schon im Mai damit angefangen, weil ich mir ja schon im vorigen Jahr dachte, es ist eine gute Idee vielleicht erst einmal mit Geschichten anzufangen.

Da habe ich dann auch, noch angeregt durch meinen Kritiker Uli und das „Werfel-Symposium“, die „Stipendiatin“ geschrieben und dann nach dem ich vom Bodensee wieder zurückwar, den diesmal einzigen Reisetext, denn ich habe ja eigentlich wieder ziemlich bald, nachdem die Fenster geputzt und die „das Bibliotheksgeschpenst“ fertig war, mit dem neuen Projekt angefangen.

Vielleicht kann ich da nicht anders. Also die Figurenbögen für die Mathilde, ihre Zwillingsschwester, des Moritz Lichtenstern, ihrer Tochter Lily und da ist dann auch noch die Slavenka Jagoda dazugekommen, die ich eigentlich als Text für mein „Literaturgeflüster feiern“ mit dem ich meine Strohwitwenzeit begonnen habe, geplant hatte, aber jetzt denke, die macht ihr Stipendium in New York am österreicchischen Kulturinstitut, wo die Lily Kuratorin ist und einen Blogroman über eine unsichtbare Frau will die Lily vielleicht auch schreiben, aber da muß ich noch konzipieren.

Die Ideen mit den Zwillingsschwestern, wo die eine von den Eltern der anderen vorgezogen wurde, dem Kind der Mathilde, von dem Moritz nichtś weiß und, daß der ihr von der Natalie weggeheiratet wird, hatte ich schon bald im Kopf und da kamen auch die Schreibimpulse, der Annika Bühnemann bezüglich ihrer Challenge, die ich sehr produktiv fand, zum Beispiel die von der Geschichte über einen Süchtigen, der seiner Sucht nicht nachgegehn konnte, das war meine Auftakt Projekt Geschichte, die ich bei der Mai-Gruppe geschrieben haben. Dann folgten glaube ich noch zwei, bevor wir nach Bregenz fuhren, die, wo sich der Moritz mit der Mathilde beim Begräbnis ihrer Schwester trifft und ihr sagt, daß er mit ihr abhauen und von vorn anfangen will und die, wo ein Kind erfährt, daß ihre Eltern gar nicht ihre Eltern sind, das ist die Lily und so habe ich schon im Mai ein paar Geschichten eingestellt.

Ich will ja eigentlich mein eigenes Projekt machen und gar nicht so bei einer Challenge, wo ich mich auch nicht angemeldet habe, mitmachen und das war inzwischen bis Ende Juni einfach bezüglich meines vorhandenen Konzepts Szenen sammeln und damm im Juli schauen, ob ich daraus einen Roman machen kann und, daß ich das will, war schon sehr bald klar und noch etwas ist mir aufgefallen:

Das Schreiben war bei mir ja manchmal etwas mühsam, wenn ich es zwar wollte, aber eigentlich nicht so recht wußte worüber?

Das ist mir bei  den „Berührungen“ das letzte Jahr so passiert und da haben mir die „Wurfgeschichten“ ein bißchen  geholfen.

Beim „Bibliotheksgespenst“ war das auch so, daß ich lange ohne Konzept geschrieben habe, was ja auch meinem Kritiker aufgefallen ist.

Dem fällt ja alles Schlechte an mir auf und das Gute vielleicht gar nicht, aber es stimmt, wenn man ungefähr weiß worüber man schreiben will und sich dann einen Impuls nimmt und einfach eine Szene darüber schreibt, dann wird das sehr spannend, wahrscheinlich, weil man da immer ein paar Lücken, beziehungsweise was nicht Gesagtes dabei hat.

So schreibe ich beispielsweise derzeit nicht chronologisch, sondern, das, was mir zu dem Impuls, Annika Bühnemann verwendet inzwischen bevorzugt Bilder, einfällt.

Neun Mathilde Geschichten, wenn ich sie so nennen will habe ich inzwischen, wenn man das „Angekommen“ mit der Slavenka Jagoda mitrechnen will, fünf davon wurden im Mai,  vier im Juni veröffentlicht.

Im Mai habe ich, was die zehn Geschichten-Challenge betrifft, sieben Texte im Blog veröffentlich, fünf Mathilde, dann den „Grenzverkehr“ und die „Stipendiatin“, weil ich die fünfnzehn öffentlichen Raum-Geschichten. die in den letzten Wochen entstanden sind, nicht als Ganzes im Blog veröffentlicht habe.

Bis Ende JMuni will ich noch weiter so ungeordnet Szenen nach einem Bild oder einem Impuls dazu schreiben, ganz halte ich mich da auch nicht nur an die Annika Bühnemann.So ist die Angekommen-Geschichte, glaube ich nicht nach einem Motiv und, daß ich die Mathilde mit dem Moritz am Albertinaplatz zusammenkommenlassen will, war ein Einfall, den ich aus dem öfentlichen Raum Projekt übernommen habe.

Die habe ich in der Juni Schreibgruppe geschrieben, da hat der Klaus Khittl wieder die Themenverfehlung beanstandet, aber gut, ich will ja die Schreibgruppe zum Romanszenenschreiben verwenden, was die anderen, was mich ein wenig wundert, gar nichtso wollen, denn ich denke ja, daß es spannend sein könnte zu sehen, wie da ein Roman entsteht?

Ist es offenbar nicht, für mich war es das aber schon und in meiner Strohwitwenzeit war ich mit meinen Wien- Herumrenn- Projekten und meiner Praxis auch so beschäftigt, daß die Fortsetzungsgeschichten bis jetzt eher nebenbei passierten..

Obwohl ich noch im Mai eine nach einem Bild Impuls wo ein einsamer Bahnsteig zu sehen ist geschrieben habe, da steht der Moritz und bekommt den Brief von Natalies Anwalt, daß die Lily seine Tochter ist und auf den Satz „Ich habe nie etwas Unvorhergesehenes getan, bis heut nicht“ ist mir die „Wiedergutmachung“ eingefallen.

Die habe ich am Pfingstmontag geschrieben, bevor ich mich mit der Ruth getroffen haben.

Und heute und Samstag, dann den ganzen Tag Szenen schreiben und dannh bis Ende des Monats sehen, wie weit ich damit komme?

Ein paar Impulse habe ich schon vorbereitet und danach wird wahrscheinlich doch ein Roman aus dem Ganzen entstehen.

Ich weiß noch nicht so genau, ob ich zu der tradionellen Schreibweise zurückkehren werde oder damit weitermache, daß ich mich nach meinem Konzept eher lose von Szene zu Szene hantle. Das hat schon etwas an sich und der Nebeneffekt ist, daß meine Leser. wenn sie wollen, noch  ein bißchen intensiver meine Schreibarbeit verfolgen können, wie aus den Fortsetzungsgeschichten ein Fortsetzungsroman werden könnte.

Das heißt nicht ganz, denn Ende Juni werde ich wahrscheinlich aufhören, die Szenen direkt in den Blog zu stellen. Das wird vielleicht zuviel, habe ich ja jetzt schon Sorge, daß in den nächsten Tagen sehr viele Artikel erscheinen könnten und meine Leser schreien dann „Nicht soviel, hör auf damit, nicht so viel sinnloser Content!“

Aber sinnlos ist der ja nicht, auch wenn jetzt in den Geschichten noch einiges unlogisch ist und die Reihenfolge auch nicht stimmt.

Ich denke, das ist vielleicht etwas ganz Neues und eine Mischung zwischen Blogroman und aktiver Romanentstehung, das Experiment das durch das Bloggen möglich ist und am Ende wird, sofernein Roman aus dem Projekt entsteht, das Ganze wieder selbst herausgegeben und mit einer Vorschau veröffentlicht.

Da habe ich auch eine neue Idee, auf die mich Annika Bühnemann gebracht hat, die schon beim „Bibliotheksgespenst“ wirksam werden wird, sofern meine Leser mitmachen, was wahrscheinlich das Problem sein wird.

Denn da möchte ich eine Leserunde machen, das heißt zuerst wieder eine Vorschau, wie gehabt, mit drei Fragen, wo man das Buch gewinnen kann.

Die löse ich dann, wenn das Buch da ist auf und stelle nochmal fünf Bücher zur Verfügung, für die, die es lesen  und mir einen Kommentar dazu schreiben wollen, so daß wir einen kleinen Austausch machen können.

Das werde ich ab jetzt immer anbieten, obwohl die Rückmeldung bei meinen Gewinnspielen ja eigentlich Null  ist. Aber wer will, kann sich schon jetzt an den bis jetzt neun vorhandenen Bloggeschichten festlesen und mir einen Kommentar dazu schreiben.

Würde mich freuen wenn einmal etwas anderes kommt, als „Sie plappern, sind trottelig und haben einen sinnlosen Content!“, denn das ist, ich schreibe es noch einmal, meine Mathilde-Geschichte wahrscheinlich nicht, sondern ein neues interessantes Blogprojekt, zu dem ich aber auch meine Leser brauche, damit das Ganze ein Austausch werden kann.

Ein verpatzter Valentinstag

Es war Valentinstag, wie unschwer an den roten Nelken, die mit einem kleinen ebenso gefärbigen Valentinsherz umbunden waren,  zu erkennen war, die in den kleinen weißen Vasen auf den Tischen standen und Guiseppe hatte ihr, als er ihr das obligatorisch Gläschen Valpolicella auf den Tisch gestellt hatte, noch  extra ein ein kleines, in rotes Stanniolpapier verpacktes Schokoladeherz dazu gelegt.

„Für Sie Sgnora!“, hatte er gesagt und sie angelächelt, bevor er die Speisekarte vor sie ausgebreitethatte und sich erkundigte, ob sie schon wisse, was sie essen wolle?

„Wir haben ein ausgezeichnetes Bruschetta oder wünschen Sie einen Salata mista!“, fragte er.

Sie überlegte und entschied sich für das in Olivenöl geröstete Weißbrot mit der Tomatengarnitur und Guiseppe, von dem sie nicht sicher war, wie gut er wirklich Italienisch konnte, nickte zufrieden.

„Va bene, Guido, unser Koch wird sich freuen, Sie haben einen ausgerzeichneten Geschmack, Signora, dann komme ich gleich mit der Vorspeise. Bis dahin wünsche ich einen schönen Valentinstag oder besser Abend, denn den Tag haben Sie wahrscheinlich schon gehabt!“, smalltalkte er, klappte die Speisekarte wieder zu und sie nickte, während  sie ihm zusah, wie er die leeren Gläser vom Nebentisch abservierte.

Einen schönen Valentinstag oder Abend, wie lange hatte sie das schon nicht gehabt? Die letzten Jahre waren die ihren eher Routine gewesen und nur am Abend hatte Guiseppe sie in der Pozzeria mit einem solchen Herzchen erfreut, daß sie sich als Nachspeise aufheben und statt eines Dessert nach der Bruschetta verspeisen würde, während sie, wenn sie so nachdachte, nur ein einziges Mal in ihrem Leben einen richtigen Valentinstag erlebt hatte. Damals in Berlin vor mehr als dreißoig Jahren, als sie dort im Starverlag gearbeitet hatte, um von ihrer unerfreulichen Vergangenheit und Familiensituation wegzukommen und dort sehr bald den jungen Lektor Moritz Lichtenstern kennenlernte, in dem sie sich verliebte.

Es war wohl das erste und wahrscheinlich auch das einzige Mal gewesen, daß sie sich verliebte, obwohl sie damals gar nicht mehr jung gewesen war, aber das Leben vorher war, auch wenn sie durchaus Männerbekanntschaften gehabt und mit ihnen auch das eine oder das andere Mal ausgegangen war, eher unerfreulich gewesen, in Wien, wo ihr die ungerechte Bevorzugung Natalies, gegen die sie sich nur  schlecht wehren hatte können, im Nacken gesessen hatte. Hatte sich deshalb wahrscheinlich nicht so recht enthalten und frei fühlen können, wie sie sich erinnerte, als sie ihr Glas hochhob, um einen Schluck Wein zu trinken.

Sie konnte selber nicht so genau sagen, was sie damals daran gehindert hatte, sich frei zu fühlen und sich zu verlieben, wie das normal gewesen wäre und die meisten anderen so taten.

Aber die ersten zwanzig oder dreißig Jahre ihres Lebens waren für sie sehr hart gewesen. Die ersten fünfzehn war sie, wie sie es empfunden hatte, immer im Schatten Natalies gestanden. Dann hatten sie die Eltern nach der Beendigung der Pflichtschule in einem Geschäftshaushalt, als Mädchen für alle gegeben, mit der Begründung, daß sie sich eine weitere Ausbildung nicht eisten konnten und sie jetzt alt genug wäre, auf eigene Beinen zu stehen.

So hatte sie mit Fünzehn, wo sie das doch noch gar nicht war, erwachsen sein müßen und auf die drei kleinen Kinder der berufstätrigen Frau Zawric, die mit ihrem Mann die kleine Elektrofirma führte, aufpassen und den Haushalt schupfen und sich daneben, weil sie Natalie ja nicht den Vorzug lassen hatte wollen, auch noch in einer Handelsakademie angemeldet und es in Fernkursen dort bis zur Matura gebracht.

Das hatte naturgeemäß länger gedauert und so war die bevorzugte Schwester, die das scheinbar nicht verstanden hatte, schon mit ihrem Medizinstudium fertig, als sie endlich die Matura schaffte.

Dann hatte sie den Zawrics gekündigt, was die Eltern eher gleichgültig zur Kenntnis genommen hatten, von denen sie eigentlich sicher war, daß sie sie gar nicht bei der Weihnachtsfeier haben wollten und nur zu höflich waren, um sie direkt hinaufzuschmeißen und „Was willst du hier, wir haben doch nur eine Tochter!“, zu sagen. Sie war wahrscheinlich, wie das die Psychoanalytiker nennen würden, aus verletzten Stolz oder, um es ihnen doch zu beweisen hingegangen und hatte wahrscheinlich auch aus diesem Grund  stolz erzählt, daß sie sich in Berlin für die Stelle einer Verlagssekretärin beworben hatte.

„Wie du meinst!“, hatte der Vater, wie sie sich erinnern konnte, uninteressiert gesagt, was sie wahrscheinlich bewogen hatte, besonders begeistert „Auf jeden Fall!“, zu antworten, so daß sogar Natalie, die gerade von der Lehranalyse erzählte, die sie demnächst beendet würde, intereressiert aufgeblickt und „Berlin soll eine interessante Stadt sein, vielleicht sollte ich da meine Praxis aufmachen!“ hinzufügte und sie hatte, wie sie sich eingestehen mußte, das nicht ernst genommen. Hatte sich im Gegenteil sogar gefreut, damit die bevorzugte Schwester, die breitspurig von ihrer Lehranalyse berichtet und damit alle Bewunderer auf ihrer Seite gehabt hatte, endlich mit etwas beeindrucken zu können. Sie hatte also Natalies Ausruf nicht ernst genommen und bald darauf vergessen. War doch anderes viel wichtiger gewesen. Sie hatte ihre Koffer gepackt, war nach Berrlin gezogen, hatte dorr vom Verlag eine kleine Garconniere vermittelt bekommen,  hatte Moritz kennenglertn und sich in ihm verliebt. Ob sie das den Eltern und Natalie geschrieben hatte, wußte sie gar nicht mehr. An Natalie hatte sie eigentlich nicht geschrieben, den Eltern wahrscheinlich eineKarte in dem Bestreben, daß man das als Tochter so tut. Eine Karte miit ihrer Adresse und ihnen wahrscheinlich auch mitgeteilt, daß sie gut in Berlin angekommen sei und ihr die Arbeit im Verlag gefalle. Von Moritz hatte sie mit Sicherheit nichts geschrieben. Htte sie da doch wahrscheinlich intuitiv  ein Gefühl abgehalten Natalie nicht zu tief in ihre Karten blicken zu lassen, denn bei den wenigen Malen, wo sie mit Natalie auf einem Fest oder einer Veranstaltung, der Hochzeit eines Verwandten, der auch sie eingeladen hatte, , gewesen war, war es schon vorgekommen, daß Natalie sich auf die jungen Männer, die vielleicht auf sie ein Auge geworfen hatten, gestürzt und sie ihr ausgepannthatte und Natalie, die Zwillingsschwester, hatte ihr nicht nur  bloß gesehen, wie ein Ei dem anderen. Sie war im Gegenteil immer viel Akttraktiver, Eleganter, Teuerer, Gepflegter, etcetera gewesen. Sie war die Gymnasiastin und spätere Medizinstudentin, während die mitlaufende zweite Tochter zuerst in der Haptschule und später Mädchen für alles war und das interessierte die jungen Männer natürlich nicht zu sehr, wie mit Natalie über Sigmund Freund zu diskutieren oder ihr vorzuschalgen, daß sie sie analysieren solle.

Kein Wort von Moritz also zu Natalie, da war sie sich sicher. Die Schwester war aber, wie ein Wunder trotzdem gerade am Valentinstag vor dreißig oder wahrscheinlich schon einunddreißig Jahren aufgetaucht. Hatte an ihrer Tür geläutet, sogar bei ihr übernachten wollen, weil sie, wie sie sagte nach Berlin gekommen war, um sich hier nach einer Praxis umzusehen und auf diese Art und Weise hatte sie auch Moritz kennengelernt.

„Voila, Signora, Sie schauen so grimmig drein, ist etwas mit dem Valpolicella nicht in Ordnung?“, wollte jetzt Guiseppe erschrocken von ihr wissen, als er ihr die gerösteten Brotscheibben auf den Tisch stellte.

„Doch, doch!“, antwortete sie rasch.

„Ich habe nur an etwas nicht so Angenehmens gedacht!“

Er nickte und schlug ihr vor, dann doch rasch an etwas Erfreulicheres zu denken.

„Denn an einem Valentinstag soll man doch fröhlich sein und sich freuen oder irren ich mich da und Sie sind anderer Meinung?,“ fragte er in seiner freundlichen Art und sie  antwortete genauso rasch „Doch, natürlich!“ und dachte bei sich, wenn das nur so einfach wäre.

Das war es aber nicht. Denn sie hatte den Valentinstag vor dreißig oder schon einunddreißig Jahren mit Moritz allein, in der kleinen Weinstube, die es zwei Straßen vom Verlagshaus gab, verbringen wollen und war mit ihm auch in einer der kleinen Nische gesessen. Er hatte ihr, daran konnte sie noch genau erinnern, eine langstielige und sicher sehr teue Rose, an die ein ebensorotes goldenes Valentinsherz geheftet war, wie es hier an den Nelken steckte, zum Rendezvous mitgebracht, hatte sie sie ihr überreicht, dabei tief in die Augen geblickt „Für die schönste aller Frauen!“ oder ein ähnliches Kompliment gemurmelt, das sie gerne hörte und auch glaubte und dann war auf einmal Natalie aufgetaucht, die sie in ihrer Wohnung glaubte, hatte sich neben sie gesetzt, sich, als Schwester vorgestellt und alles war aus und anders gewesen.

Denn ab da hatte Natalie das Wort an sich gerissen, hatte von sich und ihrer gerade abgeschlossen Lerhanalyse  und davon erzählt, daß sie sich nun in Berlin bei ihrer Schwester, das hatte sie wirklich so dahingelogen, niederlassen wolle, Moritz tief in die Augen geblickt und sich bei ihm erkundigt, welchen Bezirk er ihr  empfehlen würde und Moritz, das konnte sie nicht leugnen, war über die Unterbrechung gar nicht so sehr erfreut, sondern eher irritiert und gestört gewesen. Er hatte Natalie zwar höflich, wie es seiner Art entsprach geantwortet. Sie war aber gänzlich sicher gewsen, daß Natalie keine Bedrohung für sei und er sich nichts aus ihr mache und ein paar Wochen später war alles aus und anderes gewesen, obwohl es die langstielgige und ínzwischen vertrockente Rose noch gegeben hatte. Sie hatte in einer Vase in ihrerm Zimmer gestanden und sie hatte sie auch mitgenommen, als sie noch einmal ein paar Wochen später, Berlin fluchtartig verlassen hatte.

„Wie schmeckt die Bruschetta, Signora?“, wollte Guiseppe jetzt von ihr wissen, als er gekommen war, um den leeren Teller  abzuservieren. Da hatte sie schon nach dem Schokoladeherzchen gegriffen, es ausgepackt, im Mund zergehn lassen und das rote Staniolpapier auf den Teller gelegt.

„Die Schokolade schmeckt sehr gut!“, sagte sie entschlossen, um sich von dem schweren Thema endgültig abzulenken und Guiseppe nickte, griff in seine Kellnerschürze, um noch ein rotes Herzchen auf den Tisch zu legen und „Für Sie, Signora, damit Sie nicht mehr traurig sind, denn schöne Frauen sollen am Valentinstag Freude haben und nicht weinen!“, hinzufügte, bevor er sich erkundigte, ob sie noch ein Glas Wein wünsche?

Sie nickte, fühgte aber entschlossen hinzu, daß er ihr danach die Rechnung bringen solle. War sie doch nicht  in der richtigen Stimmung länger die rote Nelken und die roten Herzchen anzusehen und Guiseppe, der ja eigentlich Mehmet hieß, von einem schönen Valentinstag schwärmen zu hören.

Tschik

Filed under: Bücher — jancak @ 00:56
Tags: , ,

Jetzt kommt ein Kultbuch oder ein moderner Klassiker, wie man vielleicht rschon sagen könnte, jedenfalls das 2010 erschienene „Tschik“ Jugendbuch und Roadmovie, das auf mehren Preislisten stand und jetzt auch verfilmt wurde, des 1965 geborenen Wolfgang Herrndorf, der sich 2013 wegen seiner fortgeschrittenen Krebserkrankung in Berlin erschossen hat.

Von Wolfgang Herrndorf dessen Austieg beziehungsweise, die Erfolge seiner Bücher „Tschik“ und „Sand“ ich  hautnah miterleben konnte, habe ich „Plüschgewitter“ sein Debut, im Schrank gefunden und seltsamerweise, obwohl ich mich ja sehr für das Thema interessiere, habe ich „Arbeit und Struktur“, wo er sich mit seiner Krankheit auseinandersetzt, weder im Blog sehr viel gelesen noch ist das Buch bis jetzt zu mir gekommen.

Vielleicht passiert das noch, habe ich ja auch vor kurzem erst Stefanie Sargnagels „Fitneß“ in einem der Schränke gefunden.

„Tschik“ lag jedenfalls im Vorjahr in Margot Kollers Keller und da ich mich von dort bedienen durfte, habe ich das Buch, das inzwischen auch verfilmt wurde, was im Vorjahr in Leipzig sehr beworben wurde, auch gelesen.

In zwei Tagen habe ich es ausgelesen und ich muß sagen, es war eine Überraschung, obwohl ich es für ein Jugendbuch halte und die Roadmovieelemente manchesmal für mich auch zu slapstickartig waren, hat mich vor allem die Beschreibung der Lebensumstände des vierzehnjährigen Maiks gefesselt, denn ich habe es ja sehr mit der realstischen Literatur.

Das Buch ist nicht chrologisch geschrieben, zumindest steht das Ende am  Anfang und dann beginnt die rassante Erzählung des vierzehnjährigen Maik Klingenbergs, den es eigentlich beschissen ging, bevor Tschik in sein Leben kam und den Sommer in dem das Buch spielt, zu dem schönsten seines Lebens machte.

Das erinnert ein bißchen an Andre Kubicek, obwohl West-Berlin, beziehungsweise das wiedervereinigte Berlin, spielt das Buch ja 2010, gemeint ist.

Aber da ist ein Vater, der im Sommer vierzehn Tage mit seiner Sekretärin auf Reisen geht, die Mutter ist in der Entzugsklinik. Er drückt dem Filius zweihundert Euro in die Hand und sagt „Mach es gut und ruf mich an, wenn du was brauchst““

Und Maik geht es beschießen, hat er doch erkannt, daß sie ihn in der Schule für einen Langeweiler halten und das Mädchen in das ersich verliebt hat, Tatjana Cosic lädt ihn und noch ein paar andere Langweiler, als einzige nicht zu ihrer Geburtstagsparty ein.

Ja, das Leben kann hart sein, wenn man vierzehn ist und das ist es egal, daß man der beste in Mathematik und Hochsprung ist.

Aber da ist schon Tschik oder eigentlich Andrej Tschichatschow, der aus der Russland oder der Mongolei kommtoder eigentlich in Deutschland zuerst in der Förderklasse, dann in der Hauptschule war und es jetzt aufs Gym, geschafft hat, in die Klasse gekommen.

Er gehört aber genauso zu den Langweilern oder nicht Eingeladenen wie Maik und während, der am ersten Ferientag im Bett liegt und ihm die Decke auf den Kopf fällt, kreuzt Tschik mit einem gestohlenen Lada auf und die beiden beschließen zuerst kurz bei Tatjana Party aufzutauchen und dann in die Ferien in die Walachei zu fahren.

Das ist, wenn man erst vierzehn ist, nicht ganz so einfach und so fahren die beiden eigentlich in der nächeren Umgebung im Kreis herum, machen mehr oder weniger nette Bekanntschaften, erleben Abenteuer, fühlen sich von der Polizei verfolgt, bevor, um wieder an den Anfang zurückzukommen, Maik auf der Autobahn in einen Schweinetransporter hineinfährt, ein paar Tage ins Krankenhaus muß und es auch zu einer Gerichtsverhandlung kommt, denn er ist schon vierzehn und nicht, wie er irrtümlicherweise glaubte, erst mit Fünfzehn strafmündig.

Muß daher Wiedergutmachung leisten, Tschik kommt dagegen in ein Heim und, als die Schule wieder anfängt, ist alles anders.

Der Langweiler hat sich zum Abenteurer gewandelt und Tatjana fragt sogar brieflich, was ihm passiert ist. Er hat sich aber inzwischen in eine andere verliebt und freut sich auf das Wiedersehen mit Tschik.

So einfach, so what und jetzt habe auch ich dieses Buch gelesen, das ja inzwischen schon fast zu der älteren Bpcherchallenge zählt, die die Blogger im Vorjahr machten, das heißt, wegen der Verfilmung auch nicht so ganz, hat es  ja erst Wolfgang Tischer vom „Literaturcafe“ kürzlich erwähnt, so daß es sogar mein Kritiker Uli, der sonst ja nicht soviel liest, gelesen hat.

2017-06-14

Von der öffentlichen Kunst in und um die U-Bahn

Das letzte Mal öffentliches Kunst erschreiben mit der Ruth, fünfmal habe wirdas in den letzten Wochen nun schon gemacht und haben das Texterfassen vorläufig abgeschlossen.

Das Projekt ist bei der GAV eingereicht, wird bei der GV besprochen. Dann werden wir weitersehen und für mich war es sehr interessant, passte es doch vollkommen zu meiner WienErforschung und ich habeviel gesehen über die alte und die neue, die politische und die abstrakte Kunst im öffentlichen Raum.

Über fünfzehn Projekte haben wir geschrieben, auf dem Folder der im Museumsquartier und im Rathaus aufliegt, gibt es, glaube ich, fünfzig Objekte und dann natürlich noch viele andere und ein außertourliches haben wir auch heute, wo wir sehr fleißig waren, auch noch erforscht.

Begonnen haben wir am Karlsplatz, vor dem Teil, neben dem in den letzten Jahren ja immer das Filmfestival „Kino unter Sternen“ stattfand, daß es heuer, wie ich hörte, nicht mehr gibt. Aber da gibt es die „Hill Arches“ von Henry Moore, die der britische Künstler der Stadt Wien schenkte, als der Karlsplatz in den Neunzehnsiebziger Jahren neu gestaltet wurde.

Zwei ineinander verschlugene Figuren vor oder in dem Teich und davor ließen sich die Touristen, die es um zehn Uhr morgend schon gab, fotografieren und spielte einer, der sich aus welchen Gründen auch immer ein en Pferdekopf aufgesetzt hat, auf der Ziehharmonika.

Dann ging es zur U-Bahn hinunter und da hat Peter Kogler in der Station Karlsplatz seine Röhren angebracht, die er von der Station kommend, über die ganze obere Halle zog. Dicke und dünnere schwarze Röhren auf weißen Hintergrund, um damit die Grenzen der Architektur aufzuzeigen und die Touristengruppen, sowie die Politzisten ziehen daran vorüber und bekommen von dem 2011 gestalteten Kunstwerk vielleicht gar nicht soviel mit.

Dann ging es hoch hinaus mit dem Blick auf das Haus am Getreidemarekt 17, Ecke Mariahilferstraße, denn da steht auf dem Sims zwischen vierten Stock und neuerbauten Dachgeschoß ein Mann im schwarzen Anzug, Chaplin-Hut und Aktentasche und macht was?

Will er hinunterspringen und wenn ja werden es die Passanten überhaupt mitbekommen oder nur in dieU-Bahn Station hinuntergehen die es zwischen Mariahilferstraße und Museumsquartier gibt und da gibt es auch ein Kunstwerk zu bewundern, nämlich das, das nicht am Plan zu sehen ist, das aber die Wiener Linien offenbar gestalten ließen, um ihre Kunden auf das naheliegende Museumsquartier hinzuweisen und so haben sie einen Künstler beauftragt, der auf den beiden Bahnsteigen insgesamt achtzehn große Bleistiftzeichnungen anbrachte, die auf die Verletzlichkeit des Lebens hinweisen.

Beim Aufgang gibt es noch ein besonderes Relief und oben  drei  Figuren.

Interessant, interessant, auf einer sind wir gesessen und haben geschrieben undsind danach ins Museumsquartier gegangen, wo mich die Ruth, um den Abschluß des Projektes zu feiern zum Essen eingeladen hat.

Hühnespieße mit Cous Cous, beziehungsweise Blunzengröstl und dann gab es noch einen Scheiterhaufen mit Rhabarba und Erdbeeeis. Sehr fein.

Dann konnte ich noch ein wenig für die nächsten drei Tage einkaufen, wo ich mich vermehrt meinem anderen Schreibprojekt widmen will und bin danach ins den Centrope Workshop gegangen, den es  noch bis Ende Juni geben wird.

Da konnte ich Stephan Teichgräber schon das Klemperer-Buch zeigen, das ich heute bekommen habe und da haben wir uns vermehrt den Motiven bei Ilija Trojanow, Michal Horetzky und Irena Douskova gewidmet.

Ein sehr interessanter Tag also, der mit der öffentlichen Kunst begonnen hat und mit der literarischen Analyse weiterging, während ich den Abend in meinem Garten verbringe, den Rasen gieße und meine vier Spontantexte aufschreiben werde.

2017-06-13

Literarische Spurensuche

Drei unterschiedliche Texte in den „Textvorstellungen“.

Literarische Spurensuche in Malta, Brasilien, Salzburgund Hermagor, denn Renata Zuniga hatte Dorothea Nürnberg, Dorothea Macheiner und Engelbert Obernosterer eingeladen und der hatte sein ganzes Fanpublikum mitgebracht, so daß der Schmiedensaal ganz gut gefüllt hat und Dorothea Nürnberg entführte mit ihrem Roman „Unter Wasser“ nach Brasilien. Dort wird der Regenwald abgeholzt, ganze vormals indigene Regionen unter Wasser gesetzt und eine Liebesgeschichte zwischen einer Umweltschützerin und einen Firmeninhaber gibt es auch.

Dann blieb es gleich in den fernen Regionen, zumindestens zum Teil, den Dorothea Macheiner ist ja eine Malta-Spezialistin, war schon vierzehnmal dort und hat über die Göttinnen dort in einem Essay geschrieben, der bei  der“Edition Roesner“ erschienen ist. Der Band umfaßt zwei Essays und der zweite dreht sich um die inzestiöse Geschwisterliebe der Geschwister Trakl.

Hilde Schmölzer hat ja auch darüber geschrieben. Hier sitzt die Erzählerin im Cafe Tomaselli, es fängt zu regnen an, eine Frau kommt in das Kaffeehaus, die erinnert sie an Margarete Trakl und der Essay oder die biografische erzählung beginnt.

Dann geht es nach Kärtnen und zu Engelbert Obernosterer, der  schon wieder einen Band mit Miniaturen  „Schutzbehauptungen“ bei „Kitab“ veröffentlicht hat.

Kleine Betrachtungen des Alltaglebens, manchmal fast aphoristisch, manchmal gibt es einen Ich-Erzähler und der Stein des Sisyphos wird auch auf einen Berg hinaufgerollt und fällt o Wunder  nicht hinunter.

Spannend, spannend diese literarische Spurensuche und diesmal sehr verschieden und etwas Erfreuliches kann ich auch  vermelden, ist Renata Zuniga doch vor der Veranstaltung auf mich zugekommen und hat mir verraten, daß sie mich demnächst wieder zu den Textvorstellungen einladen wird.

2017-06-12

Vom Rausch des Schreibens zum Musil-Archivgespräch

Ich bin auch heuer wieder nicht zu der Eröffnung der Sonderausstellung „Im Rausch des Schreibens – von Musil bis Bachmann“, im „Literaturmuseum“ gekommen, denn da war, glaube ich, die „Autorinnen feiern Autorinnen-Veranstaltung“ im Rathaus, was  insofern nicht so viel macht, da man  an den Veranstaltungstagen ab sechs umsonst in das Museum gehen kann und die Gratistickets, die wir damals bei der „Literaturarchiv-Führung“ bekommen haben, müssen auch noch irgendwo beim Alfred liegen.

Also heute nach meiner fünf Uhr Stunde, noch schnell zum „Hofer“, Milch, Faschiertes, Bananen und Emmentaler einkaufen, hoffentlich wurde mir das bei der Hitze nicht schlecht und dann hinauf in den dritten Stock in die Sonderausstellung.

Ich habe ja am Etröffnungsabend das Kulturjournal gehört, wo darüber berichtet wurde und ich dachte, es geht wieder, um die Dichter und ihre Shreibtische, das war auch teilweise so.

Ansonsten war der Titel wieder eine ziemliche Irreführung, gab es zwar gleich am Anfang drei Korrekturfassungen eines Gerstl-Gedichts zu sehen, das glaube ich sogar „Drogenrausch“ oder so hieß und dann gabs was von der Bachmamm und die FM war natürlich auch zu sehen, wie sie in ihren Zettelbergen untergeht, beziehungweise mittendrin an ihrer „Hermes“ sitzt.

Aber dann ging es um den Alkohol und das Rauchen, gut, ist im Titel zu erklären und es ist auch interessant, daß es vonden Zwanziger- bis Dreißigerjahren eine Zeitschrift der Tabakindustrie mit dem Titel „Die Raucherin“ gab, die den Damen das Zigarrettenrauchen schmackhaft machen sollte.

Das wäre heute undenkbar und dann lagen auch auf einmal die Romane der großen Amerikaner und die von Upton Sinclair, etcetera auf, die sich mit Opium, Nikotin und dem Rauschgift beschäftigten.

Brunngrabers „Heroin“ lag nicht auf, aber vielleicht habe ich das übersehen und Joseph Roth  ist ja an seiner Alkoholsucht zugrunde gegangen.

Von ihm gabs ein Zitat, daß das Leben, beziehungsweise die Literatur nichts ohne Alkohol sei und von Robert Musil, der ja auch im Titel steht, gab es sein Rauchertagebuch zu sehen und das ist insofern interessant, wurde doch um sieben die bei „Jung und Jung“ erschienene neue Werkaufsabae vorgestellt und Robert Musil scheint jetzt modern, beziehungsweise ein Jubiläumsjahr zu haben, beschäftigen sich jetzt ja einige mit dem Ulrich und bei dem Archivgespräch, Bernhard Fetz wies natürlich propmt auf das Tabaktagebuch in der Sonderausstellung hin,  wurde zuerst von Dagmar Leupold, eine „Jung und Jung-Autorin“ , die mit ihren „Witwen“ auf der letzten dBp Liste stand und ich eines ihrer Bücher auf meiner heurigen habe, aber vielleicht nicht zum Lesen komme und Clemens  Setz, dessen „Stunde zwischen Frau und Gitarre“  auf der 2015 dBp stand,  je ein Stückchen aus dem „Mann ohne Eigenschaften“ gelesen und hier ist interessant, daß Dagmar Leupold genau diese Ausgabe mitbrachte, die ich auch 1974 vierzehn Tage Lang im Häuschen am Almweg gelesen habe und, wie ich immer hinzufüge, nicht verstanden habe.

Walter Fanta vom Musil Institut, der offenbar der Herausgeber war, saß auch am Podium, moderiert wurd von Ronald Pohl und dann gab es ein Gespräch, das die Frage beantworten sollte, was Musil der heutigen Leserschaft noch zu sagen hat und warum man ihn lesen sollte?

Das weiß ich nicht so genau und ich habe mit Zwanzig, muß ich gestehen, das Buch auch nicht so spannend gefunden, daß ich nicht zu lesen aufhören konnte.

Daß es aber um Inzest zwischen dem Ulrich und seiner Schwester Agathe geht, habe ich mir gemerkt und auch das von der Parallelaktion.

Daß das Buch unvollendet blieb, habe ich dagegen nicht gewußt und die neue Ausgabe ist auch ein kommentierte, die man offenbar auch online finden kann und dann wurde noch diskutiert, wie das Internet die Archive ändern wird und das  ist etwas, das mich sehr interessiert, weil es ja bald keine Handschiften und dann wahrscheinlich auch keine Vorläße mehr geben wird, wenn man alles im Netzt finden kann.

Walter Fanta erwähnte noch, daß Musil alles in seinem Werk verknpüfte und auf ähnliche Stellen in seinem Werk verwies.

Das mache ich in meinen „Literaturgeflüster“ auch und habe da schon über dreitausend  Artikel und werde wahrscheinlich so bald oder vielleichauch nie zum Wiederlesen des „Manns“ kommen, habe aber da kürztlich „Musils Möder“ gelesen und jetzt das Archivgespräch, das sehr interessant und sehr gut besucht war.

Nachher bin ich mit dem Herrn Pauer, der mir erählte, daß er den „Mann“ 1969  im August 1974 in vierzehn Tagen gelesen hat, während in Prag die Russen einmarschierten, zurückgegangen.

Das ist natürlich ein Ereignis, das prägt und die Erinnerung wachhält. Also kann ich sagen, daß ich damals warhscheinlich Heftchen-Romane gelesen habe, aber in dem Supermarkt, den es am Brunnenmarkt gegeben hat, einkaufen war und dort ein Glas Roten Rüben- Salat zerbrochen habe, was ich wahrscheinlich bezahlte und anschließend bin ich, glaube ich, auch zu Fuß auf den Almweg gegangen, wo ich ja damals meine Sommer verbrachte.

2017-06-11

Noch einmal drei öffentliche Kunstprojekte

Filed under: Schreibbericht,Uncategorized — jancak @ 19:38
Tags:

Diesmal hätte ich die Ruth als ich sie um zwei an der Ecke Oper beim Hotel Bristol treffen wollte, fast verfehlt, ist sie doch auf einer Bank bei der Straßenbahnhaltestelle gessen. sie hat mir aber schon einen Brief an Frau Danielcyck geschickt, will sie unser Projekt ja auch im MUSA vorstellen und so sind wir wieder, der Kunst im dritten Reich auf der Spur, das inzwischen von einer modernen Künstlerin transkribiert wurde, in den neunten Bezirk hinausgefahren, denn dort wurde am Thury Hof, einem Gemeindebau des roten Wiens, nach 1938 ein Recke angebracht und darunter war ein Spruch von Adolf Hitler zu lesen:

„Wir bitten dich Herr Gott, laß uns niemals wankend werden und feige sein, laß uns niemals die Pflicht vergessen, die wir über nonmmen haben“

Das steht noch immer dort, das Adolf Hitler wurde nach dem Krieg entfernt und Maria Theresia Litschauer hat 2013, eine Klammer, um die Figur angebracht und sie mit einem Band zu einer Inschrifttafel verbunden, worauf man lesen kann, daß 1938 den jüdischen Mietern die Wohnung gekündet wurde.

Das war sehr interessant zu sehen, was es alles noch an Rest- NS-Kunst zu bemerken gibt. Dann wurde es noch historischer oder vielmehr moderner, denn wir sind wieder nach Aspern hinausgefahren.

Da war ich in den letzten Wochen schon zweimal, habe die Seestadt bewundert und auch auf einer Informationstafel erfahren, daß es dort bis 1927 den damals größten Flughafen gab.

Daß es schon viel früher die Schlacht von Aspern, die Napoeon verloren hat, habe ich schon in der Schule gelernt und nun gibt es in der U-Bahn Station Aspern Nord, die „Aspern Affairs“ des deutschen Künstlers Stephan Huber, an den beiden Seitenwänden und auch sonst überall angebracht, die meiner Meinung nach eine Themenverfehlung sind, denn Aspern hat 1809, glaube ich, noch nicht zu Wien gehört.

Er hat aber auf der einen Tafel all die Ereignisse, die zwischen 1800 und 1830 in Wien geschehen sind, also beispielsweise die Eröffnung des Theaters in der Josefstadt und auf der anderen Seite das Ganze ein Jahrhundert später und hat hier so vermerkt, daß Sigmund Freud beklagte, daß die Psychoanalyse nirgendswo mehr mißachtet, wie in Wien werden würden.

Dann ging es, weil es so weit in der  Pampa wahrscheinlich kein Kaffeehaus gab in dem wir uns stärken konnten, nach Wien zurück, zum Rathaus und in die Konditorei Sluka, wo sich auch ein paar Jungbürger niederlassen haben, die wahrscheinlich gerade im Rathaus gefeiert wurden und ein Gläschen Wein tranken.

Wir wollten uns aber noch mit Fritz Wotrubas „Großer stehendder Figur beschäftigen, die dieser 1962, als er aus der Schweizer Emigration zurückgekommen war, dorthin stellte, um zu zeigen, daß man das Gegenständliche zugunsten der geometrischen Abstraktkion auflösen kann.

Interessant, elf Kunstwerke haben wir auf diese Art schon beschrieben. Am Mittwoch wollen wir uns am Karlsplatz noch einmal treffen. Das Projekt ist bei der GAV eingereicht und wird bei der GV besprochen werden.Ich schreibe die letzten Texte noch rein, bin dann gespannt und werde mich wieder mehr meinen Fortsetzungsgeschichten widmen, die ja mein persönliches Schreibprojekt sind, mit dem ich mich in den Monaten Mai und Juni beschäftige.

« Vorherige SeiteNächste Seite »

Bloggen auf WordPress.com.