Literaturgefluester

2018-04-02

Stromland

Filed under: Bücher — jancak @ 00:21
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Das nächste Buch, erschienen im „Berlin-Verlag“ hätte ich vielleicht auch auf meine Reise durch Deutschland mitnehmen können, obwohl es auf dem ersten Blick nicht passend scheint, denn „Stromland“ spielt in den Weiten des Amazonas.

Geschrieben wurde es von Florian Wacker, der 1980 in Stuttgart geboren wurd, Heilpädagogik  und am Literaturinstitut in Leipzig studierte und uns etwas, wie Kristof Magnusson euphorisch am Buchrücken schreibt „Ungewöhnlich und originell im allerbesten Sinn.  Ich hatte zu gleichen Teilen das Gefühl, etwas total Neues, Gewichtiges zu lesen und etwas wunderbar Leichtes, spannend Pageturner- haftes. Großartig!“, erzählt.

Dem kann ich, ich schreibe es gleich, nicht ganz zustimmen und im Klappentext steht auch etwas  Banaleres.

„Irina ist gemeinsam mit ihrem Freund Hilmar auf der Suche nach ihrem Zwillingsbruder. Thomas war Teil der Filmcrew um Werner Herzog und Klaus Kinski, ist jedoch nach Abschluß der Dreharbeiten zu „Fitzcaraldo“ spurlos verschwunden. Entlang der großen Flüsse reisen die beiden in den Regenwald des Amazonasbecken und tief hinein in die Abgründe menschlicher Hoffnungen und Sehnsüchte.

Auf mehren Ebenene erzählt „Stromland“ von Verschollenenen und der Suche nadch dem richtigen Leben, nach unberührten Orten und neuen Wahrheiten. Dabei führt der Roman durch drei Jahrhunderte, in denen Auswanderer und Abenteuerer ihre Spuren hinterlassen haben, und verknüpft Orte, Personen und Familiengeschichten über die Zeit hinweg zu einem engen Netz, in dem sich alle Figuren verfangen haben.“

Liest man das Buch dann, wird es noch banaler oder auch unverständlicher, denn es stimmt, es ist vielschichtig und die Wirklichkeit wird mit den phantastischen Welten der Schamanen oder auch des Drogenrausches  vermischt und auch die uns so gewohnten Ebenen von Gut und Böse geraten hier  öfter durcheinander.

So beginnt es im Jahr 1751, wo die Eroberer nach Peru kommen und siebzig Jahre später, 1828, sammeln sich die Männer in Frankfurt um auszuwandern und singen fröhlich:

„Wir treten jetzt die Reise zum Land Brasilien an. Sei bei uns Herr und weise, ja mache selbst die Bahn. Sei uns auf dem Meere, <mit grandenreicher Hand. So kommen wir ganz sicher in das Brasilienland.“

Noch nicht gleich, aber irgendwann, kommen wir in das Jahr 1984 und da reisen Irina und Hilmar nach Iquitos am Amazonas, auf der Suche nach Thomas, treffen dort einen Padre, zu dem Thomas Kontakt hatte, reisen den Amazonas hinunter, werden von zwei Männern gefangengenommen, und geraten zu der Familie Wilhelmi, die wohl Nachkommen jener deutscher Auswanderer, eine Kolonie bilden, Kakao und Kaffee anbauen, mnit Kokain handeln, weil man damit mehr verdient, manchmal auch als Krieger bezeichnen werden, Irina und Hilmar gerettet haben, sie aber auch als ihre Gefangenen betrachten, sie den Fluß hinunterführen, einen Sack über die Augen stülpen, ihnen dann wieder zu essen bringen. Man sieht es ist sehr vielschichtig und kompliziert.

Dazwischen gibt es immer wieder Briefe oder Mitteilungen von Thomas an „seine kleine Schwester“, obwohl der Zwilling sogar ein paar Minuten früher auf die Welt gekommen ist und man weiß nicht genau, ist er nun tot oder lebt er noch in irgendwelchen Geisterwelten und sei es auch nur in denen, die im Drogenrausch entstehen.

Hilmar wird von der Guarda irgendwann gefangengenommen und zum Bruch zwischen ihm und Irina ist es auch gekommen. Hat sie sich doch mit Richard, dem Ältesten der Wilhelmis eingelassen.

Irina entkommt, und Jahre später kommt Richard nach Frankfurt, um sich mit Katja, seiner Tochter,  die auch das Kind von Irina ist, zu treffen und die überlegt am Schluß dann auch mit ihrem Freund, ob sie in den Amazonas gehen soll oder das alles nur ein Trugschluß ist?

Wie gesagt, das Neue und Wunderbare an dem Roman, habe ich nicht ganz verstanden und eigentlich auch nicht den Sinn des Ganzens und auch das nicht, was da wirklich mit Thomas passierte und welche Rolle Werner Herzog und Klaus Kinski in dem Buch spielen.

Südamerika ist eine andere Welt, sehr gewalttätig, man reist dort auch gern hin als Ttourist und wird, wenn man nicht aufpasst, überfallen und ausgeraubt und in Drogenräusche kann man sich dort wahrscheinlich auch sehr gut begegeben. Das alles ja das ist mir aus Erzählungen bekannt. Schamanen gibt es dort sicher auch und die haben eine andere Sichtweise auf die Wirklichjkeit und leben vielleicht auch mit Geistern. Aber was da vor über dreißig Jahren wirklich am amazonas passierte habe ich nicht so ganz verstanden und bin wahrscheinlich auch nicht der Abenteuerromantyp, so daß ich mit dem Buch nicht so viel wie Kristof Magnusson anfangen kann. Was ja auch nicht macht.

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2017-10-07

Das Floß der Medusa

Jetzt kommt Buch siebzehn des deutschen Bp 2017 und das letzte das ich wahrscheinlich lesen werde, Franzobels „Floß der Medusa“, eines das sehr gelobt wird und von dem ich schon im Sommer 2016 eine Lesung in der „Alten Schmiede“ hörte.

Damals war das Buch noch nicht fertig. Franzobel hat viel von der Entstehungsgeschichte und auch von der Geschichte der 1816 gestrandeten Medusa erzählt, wo die unteren Chargen auf einem selbstgebastetelten Floß sich selbst überlassen wurden und vierzehn Tage später nur mehr fünfzehn ausgemergelten Gestalten, die ihren Urin tranken und sich von Mernschenfleisch ernährten, gefunden wurde.

Darunter war der Schiffsarzt Savigny und der Wissenschafter Correard, die dann einen Bericht darüber geschrieben haben. Der französische Maler Gerricault hat ein Bild gemalt, das im Louvre hängt. Andere Schriftsteller, wie Julian Barnes haben auch schon über das Schiffsunglück geschrieben, bis Franzobel auf die Spur kam und, glaube ich, drei Jahre daran gearbeitet hat.

Zum Zeitpunkt der Lesung hatte er, glaube, ich dreihundert Seiten, zumindesten habe ich mir das so aufgeschrieben. Jetzt ist es mit fast sechshundert Seiten das zweidickste Buch der Liste geworden. Die Danksagung ist mit November 2016 datiert. Das Buch ist im Frühling erschienen und wurde auch bei den O- Tönen vorgestellt.

Also hatte ich schon ein bißchen was darüber gehört, kenne Franzobel mit dem ich ja auch in der „Ohrenschmaus-Jury“  bin, seit seinem Gewinnen des Bachmannpreises 1995 sehr gut.

Vorher hat er in Kleinverlagen wie das „Fröhliche Wohnzimmer“ publiziert und seine GAV-Aufnahme wurde auch heftig diskutiert. Dann kam der Erfolg und viele Lesungen des Autors, der immer mit einer Flasche Bier auftritt, die er aus seinen Rucksack nimmt.

Ich war bei vielen Lesungen, er schreibt ja auch Theaterstücke und überhaupt sehr  vielen Stilen. Bei seinem Krimi „Wiener Wunder“, den ich bei der „Buch Wien“ gewonnen habe, habe ich erkannt, daß er ein sehr sehr guter Schreiber ist. Ein Fabulierer und Wortspieler in allen Stilen zuhause mit einer überbordeten Phantasie und das ist ihm wohl auch hier zu Gute gekommen, wo er sich immer wieder als Erzähler einmischt und von Sachen erzöhlt, die erst später erfunden wurde. Es gibt auch immer wieder lockere Wendungen, wie „Dreimal neun ist Donnerstag“.

So machts das Lesen wahrscheinlich  spannend. Denn eigentlich ist es ja ein Thema, das mir nicht so besonders liegt.  Abenteuerromane, wie das Schiffsunglück, das vor zweihundert Jahren passierte, interessierem mich, die auch nicht, die ich  Karl May nie gelesen habe, so sehr.

Trotzdem ist das Buch lehrreich, obwohl, ich schreibe es gleich, ich es mir nicht auf die Shortlist wünschte und mir bei dem Sieger, der am Montag bekanntgegeben wird, eigentlich Marion Poschmann wünsche und für den Öst  Robert Menasse. Franzobel hat aber höre und lese ich immer gute Chancen und die meisten Buchblogger und Vlogger sind auf das Buch sehr neugierig.

Es beginnt mit der Entdeckung des Floßes am 18 Juli, 2016 .

„Nach einer wahren Begebenheit“, steht unter dem Roman und das ist, wie geschildert, eine bescheidene Untertreibung ist diese Begebenheit ja sehr gut dokumentiert.

Franzobel hat aber drastische Schilderungen mit denen er beschreibt, wie die Männer sich bei der Rettung wahnsinnig gebährdeten und von dem vielen Essen schwärmten, das sie nun zu sich nehmen würden.

Savigny kommt nach Frankreich zurück. Dort soll die Angelegenheit natürlich vertuscht werden. Es gibt dann noch ein Kapitel von einem in Frankreich herumirrenden Vollmatrosen, der in einem Armenspital landet, bevor die Geschichte von vorne erzählt wird.

Von der Abfahrt des Schiffes  und seinen Passagieren, ein Apotheker ist mit seiner Familie an Bord, ein Gouveneur, der mit seiner Truppe nach Senegal will, einige Wissenschaftler, ein Jude,  der ständig Witze erzählt, ein Missionar und der Kapitän ist eigentlich unfähig ein Schiff zu leiten, weil er früher Zöllner war. Er wird auch von einem angeblichen Freund, der sich als Hochstapler entpuppt, immer wieder Fehlgeleitet.

Zuerst wird aber die Auspeitschung eines Matrosen oder Soldaten, nur weil er fluchte, geschildert, der dabei stirbt. Ein anderer Matrose wird über Bord geschmissen.

Zwei Todesfälle, die das Unglück ankündigen und die Ratten, hat Franzobel geschrieben, haben das Schiff sowieso nicht erst betreten. Dafür gibt es einen Küchenjungen, namens Vikto. Einen Sohn einer begüteten Familie, der von zu Hause ausgerissen ist,er zuerst vom Schiffskoch schikaniert wird und später zu Savigniys Assistenten wird, der auf den Schiff Studien betreibt.

Als die Gefahr der Sandbank sichtbar wird, versuchen die Offiziere, den Kapitän zum richtigen Verhalten zu bringen, der wird aber von seinem Freund überredet, das falsche zu tun. Dann weigert man sich auch noc,h die unnötigen Sachen von Bord zu schmeißen. Zuwenig Rettungsboote sind da. Die Idee mit dem Floß kommt auf, auf die die niedigen Chargen geschickt werden.

Savigny ist aber auch darunter. Die versprochenen Leinen werden auch noch gelöst und so schaukelt das Floß vierzehn Tage am Meer und die Anwesenden reduzieren sich. Leichen werden gegessen, getötet und am Schluß sind nur noch die Fünfzehn übrig.

Es kommt dann doch zu einer Verurteilung des Kapitän. Aber die Strafe fällt sehr mild aus und wir können und auch bei Franzobel nachlesen, was da vor zweihundert Jahren geschehen ist.

Wie beschrieben, die vielen launigen Anmerkungen störten mich etwas und Abenteuergeschichten sind sowieso nicht das meine. Ich kann aber nicht verhelhlen, daß das Lesen durchaus interessant und spannend war und nun bin ich auf den Montag neugierig.

2017-05-27

Yseut

Jetzt kommt das dritte Geburtstagsbuch von meiner Leseliste, nämlich Marene Streeruwitz „Yseut“, die, wie man dem Buchrücken entnehmen kann, ihre Autobiografie in Form eines Abenteuerromans in siebenunddreißig Kapiteln erzählt.

Ja, die 1950 Geborene liebt es mit den Genren zu spielen und sich auch einmal in die Trivialliteratur zu begeben und sie verblüffte mich auch, daß sie, als ich das Buch ja für Stephan Teichgräbers „Centrope-Workshop“ analysieren wollte, schon auf Seite elf mit dem „Präfix“ kommt.

Sie ist aber eine, die wenige Metaphern verwendet, ihre oft sehr kurzen Sätze immer wieder abhackt und unvollendet läßt und dann gibt es auch immer wieder die so typischen Strreruwitz -Phasen:“Yseut hat dann…“. zum Beispiel oder „Yseut mußte lachen.“

Ich habe dank der offenen Bücherschränke beziehungsweise den Geburtstagsgeschenken schon sehr viel von Marlene Streeruwitz gelesen, war auch bei einigen ihrer Veranstaltungen und da fällt sie durch ihre starke Gesellschaftskritik auf.

Sie fährt gegen die Gewalt der Männer  und der Gesellschaft ins Feld, macht sich über alles lustig und hat eine sehr starke Sprache mit sicher einigen Übertreibungen dabei.

Ich habe nicht so ganz problemlos zu Marlene Streeruwitz gefunden, habe einiges von ihr, beispielsweise „Die Schmerzmacherin“ glaube ich, auch recht schwierig zu lesen gefunden.

Bei „Yseut“ war das nicht so, da habe ich diesen „Abenteuerroman trozt seiner wahrscheinlich gewollt und konstruierten trivialen Handlung und der eher einfachen Sprache, die auch von den „Amazon-Rezensenten“ prompt bemerkt und bekritelt wird, sehr spannend gefunden und das Buch auch gern gelesen.

„Verschlungen!“, würden die Blogger wahrscheinlich sagen und was mir dabei auffiel, ist die Passivität womit sie ihre Protagonistin beschreibt. Ist doch die Yseut eine, die alles mit sich machen läßt, mit den Männern wahllos ins Bett geht, mit ihnen von einem Abenteuer zum anderen taumelt, was mich bei einer so kritischen Person, wie es Marlene Streruwitz sicher ist, ein wenig wunderte.

Aber wahrscheinlich war das so in den fünziger und sechziger Jahren, in denen sowohl Yseut, als auch Marlene Streeruwitz aufgewachsen ist. Interessant ist auch, daß Yseut in dem Buch als „alte Frau“ beschrieben wird, aber so verhält sich sich gar nicht. Sie verhält sich eher, wie eine junge, die sich durch das Leben und durch die Betten treiben läßt.

Yseut ist also im Nachkriegs-Wien aufgewachsen. Die Mutter war berufstätig, der Vater Frühpensionist und mußte von ihr mitversorgt werden. Es gibt zwei Großmütter. Großmutter Münster und Großmutter oder Oma Köbrunner werden sie genannt, was auch typisch Streeruwitz ist.

Das Buch wird in in zwei Handlungssträngen erzählt. Es gibt Kapitel mit Überschriten, wie „Wie es kam, dass Yseut nach Kalifornien ging und Feministin wurde“, beispielsweise, in dem Yseuts bisheriges Leben erzählt wird.

Yseut ist die alt oder mitteldeutsche Form von Isolde und Yseut wird  abwechselnd Isabella, Yseut falsch oder richtig ausgesprochen, Isi oder Isilein genannt. Ein Buch aus dem Bücherschrank des Vaters kommt vor, daß Yseut, als Kind lesen durfte und ihre Verehrung für Lord Byron.

Yseut besucht zu erst das „Sacre Cour“, dann die öffentliche Volksschule, als sich die Mutter, die Privatschule nicht mehr leisten kann, studiert Linguistik, heiratet früh und geht mit ihrem Mann Ed nach Amerika. Dort wird sie Bigamistin, bekommt von einem anderen Mann ihren Sohn Gogo, kehrt nach Wien zurück, geht dann als Schauspielerin nach Frankfurt, erlebt die wilden und die weniger wilden Zeiten, bis zu dem Überwachungsstaat in dem das Buch, es dürfte sich, um eine nahe Zukunft handeln, denn das Geld ist schon abgeschafft, spielt und da in dem zweiten Handlungsstrang reist Yseut auf den Spuren Byrons nach Italien, mietet sich dort in eine alte Villa ein, wo das Zimmermädchen knickst und Rüschen trägt. Eine Contessa, die Besitzerin im Salon sitzt und als Yseut nach einem Restaurant fragt, ihr gleich die Gesellschaft eines alten Mayors, der offenbar eine Kehlkopfoperation hinter sich hat, vermittelt.

Hinter Yseuts Brokatbett halten sich grüne Wanzen auf, vor denen Yseut sich ekelt. Sie wickelt sie in Handtücher und hält sie, während sie mit dem Mayor in das Restaurant fährt mit ausgespreitzten Fingern aus dem Autofenster.

„Grüne Wanzen gibt es nicht!“, hat Stephan Teichgräber bei der Analyse zu mir gesagt. Richtig wahrscheinlich und es gibt noch vieles anderes nicht, was in dem Buch vorkommt. Denn Yseut gerät gleich in einen ganzen Trubel von Trivialitäten. Die Mafia, die Geheimpolizei und jugendliche Gewalttäter tauchen auf und Yseutt, das habe ich jetzt vergessen, die eine Pistole mit sich trägt, wird gleich am nächsten Tag von der Polizei verhört, weil sie einen falschen Namen angegeben hat, sie nannte sich „Isabella“, aber das ist ja die französische oder was auch immer Form von Isolde und hatte die Waffe trotz Waffenschein nach Italien geschmuggelt, aber die hat ihr der Mayor ohnehin schon  abgenommen.

Ein geheimnisvolles Altersheim kommt vor, wo die Insassen in Sechzigerjahrekleider fröhliche Feste feiern und vor der Villa gibt es ein Barockkonzert, während Yseut von einer Flüchtlingsfrau nach Lebensmittel gefragt wird, die sie dann gemeinsam mit der Contessa in eine Fattoria schmuggelt, wo sich einige Flüchtlingskinder versteckt haben.

Sehr aktuell also Marlene Streeurwitz Autobiografie und sehr amüsant zu lesen, denn man merkt den Spaß, den die Autorin hat, wahrscheinlich alle an der Nase herumzuführen und die Literaturkritiker zu verwirren.

Denn Marlene Streeruwitz darf wahrscheinlich allles schreiben, auch Austrozismen und wird bei „Fischer“ verlegt, die Leser haben aber vermutlich ihre Schwierigkeiten, denn ein wirklicher Trivialroman ist es ja nicht, sondern eine Gesellschaftskritik, eine Art Autobiografie oder was auch immer und so ganz trival scheint auch die Sprache nicht zu sein, kommen ja immer wieder Anspielungen und Verknüpfungen vor, bei denen man scharf mitdenken muß, um zu verstehen und sich auch nicht in die Irre führen zu lassen.

2016-05-01

Piratinnen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:49
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„Piratinnen-das ruchlose Leben der Anna Zollinger“, eine Geschichte aus dem sechszehnten Jahrhundert, wo eine Frauenbande Schiffe am Zürich-See überfiel, ist das zweite Buch, das mir „Literaturtest“ schickte und es ist, welch Überraschung, aus dem „Novum-Verlag“, wo ich mir ja eine Zeitlang meine Bücher drucken ließ.

Geschrieben hat es der 1944  geborene Schweizer Journalist Piero Schäfer, der ein Büro für Kommunikationsberatung betreibt und seit 2012 Bücher schreibt und man könnte es als Abenteuerroman, vielleicht auch für Jugendliche, also nicht unbedingt mein übliches Leseschema, bezeichnen, ist aber, weil es in sechszehnte Jahrhundert führt und auf der eine Seite sehr malerisch schildert, sehr interessant, auf der anderen Seite haben mich manchmal Ausdrücke, wie „Pubertät“ oder „Wohngemeinschaft“ gestört, die man damals wahrscheinlich  nicht verwendet hat.

Es arbeitet aber durchaus mit den historischen Begebenheiten, so kommen Zwingli und der damalige Bürgermeister von Zürich vor, die auch in einem Anhang erklärt werden und das Buch hat eine Rahmenhandlung.

So beginnt es mit der Verurteilung der schönen wilden Anna und endet mit ihrem Tod durch Enthauptung. Dazwischen wird die Geschichte der Schweizer Bürgerstochter, ihr Vater war ein angesehender Seidenhändler, der stets auf Reisen war, um die schönschten Stoffe von China, Indien oder sonstwo, in die Schweiz zu bringen.

Die Mutter ist bald nach der Geburt der Zwillinge, die  rebellische Anna, die sich nichts gefallen läßt und gleich zuschlug oder aufbrauste, hatte noch eine sanftere Schwester, gestorben und dem Vater blieb nichts anderes über, als sich von der schönen Kunigunde betören zu lassen, weil er  eine Mutter für seine Töchter braucht.

Die ist der Ausbund der bösen Stiefmutter, wie sie im Buche steht und noch weit darüber, so schickt sie erstmals, die den Kindern vertraute Magd weg und dann die wilde Anna, die sich nicht ihrer Herrschaft beugt, ins Kloster.

Dort geht es übel zu und ich denke Piero Schäfer wird sich auch an den heutigen Mißbrauchsgeschichten orientiert haben und ich könnte mir  vorstellen, daß manches, was Anna dort erlebte stimmt.

So waren die Mönche von den Nonnen streng getrennt. In der Nacht trafen sie sich aber heimlich und warfen, die auf diese Art auf die Welt gekommenen Kinder in den Brunnen.

Die Schüler wurden von den Mönchen vergewaltigt und sexuell belästigt und wenn das herauskam wurde ihnen der Teufel ausgetrieben.

Die wilde Anna lernt mit sechzehn auf diese Art und Weise den Pilger Anton Kreuzer kennen, läßt sich ahnungslos oder auch begierig von ihm verführen, wird als sie schwanger ist, von der Oberin in den Kerker  geschmissen. Die Beiden können aber fliehen, kehren heim in den Seidenhof, dort schmeißt sie Kunigunde hinaus. So gehen sie nach Rapperswil in eine Spelunke und leben eine Weile fröhlich, die schöne Anna macht aber auch anderen Männers schöne Augen, so gerät Anton in einen Raufhandel, muß fliehen und Anna tut sich mit der Hure Brida zusammen.

Die Zeiten waren damals, wie das Buch deutlich zeigt, für die Angehörigen der unteren Stände sehr schlimm, überall Gewalt und Wegelagerer und kamen die Angehörigen bürgerlicher Stände in Not, mußten sie sich durch Prostituion oder Raub durchs Leben bringen und das taten Brida und Anna, die sich noch mit einer Fischertochter zusammentaten, eine afrikanische Prinzessin, die geraubt worden war, stieß auch dazu. Sie überfielen mit ihrem Schiff den Zürichsee und raubten auch auf den Straßen.

Das wird alles eigentlich sehr eindrücklich und interessant geschildert. Die Reformationszeit ist auch dabei, so daß man sehr froh sein kann, daß es heute Sozialgesetze und Sozialversicherungen gibt, so daß man sich nicht, nur um zu überleben, gegenseitig auf den Schädel schlagen muß und das will ich auch nicht gerechtfertigt wissen.

Das Buch habe ich gesehen, hat einige Rezensionen und wird offenbar auch gut beworben, ist spannend zu lesen und war, auch wenn ich Gewalt ja ablehne, durchaus interessant von den früheren Zeiten zu erfahren.

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