Literaturgefluester

2020-08-11

Yemen Cafe

Filed under: Bücher — jancak @ 23:38
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Jetzt kommt, bevor es an das „Buchpreis-Lesen“ geht, noch ein Bücherschrankfund, nämlich Evelyn Schlags 2016 erschienenes „Yemen Cafe“, da war ich bei der Präsentation in der „Alten Schmiede“ und die 1952 geborene, die im Waldviertel Lehrerin war, kenne ich schon lang, von ihren Lesungen, einige ihrer Bücher habe ich auch gelesen und jetzt war ich ein bißchen erstaunt, wie banal die Handlung in diesem, Gesellschaftsroman, würde ich sagen, eigentlich ist.

Yemen Cafe, ein Buch, das in einem von Schweizern geführten Krankenhaus in Sanaa, der Hauptstadt von Jemen, der Alfred war schon vor mehr als dreißig Jahren dort und hat mir ein Ketterl mitgebracht, spielt, eines in dem hochrangige Regierungsvertreter behandelt werden und eine der Hauptfiguren ist Jonathan, ein österreichischer Arzt, der eben nicht bei „Ärzten ohne Grenzen“ arbeitet, sondern in einem Spital in dem korrupte Beamte und Ausländer behandeln werden und der ist, könnte man sagen, ein Frauenheld, vor den Jemen hat er in Äthiopien, wahrscheinlich bei so etwas wie „Ärzte ohne Grenzen“ zusammen mit Delphine, einer Französin, gearbeitet, die ist jetzt nach Frankreich zurückgeflogen, um ihre Mutter zu betreuen und zu Beginn des Buches wird Christian Malte, ein Deutscher, in dem Spital neu anggestellt, der hat eine Frau namens Susanna, in die verguckt Jonathan sich ein bißchen, der eine Designerin, gefällt es im Jemen aber nicht. So fliegt sie zurück nach Berlin zu ihrem Lover und Jonathan lernt Katie kennen, eine junge Amerikanerin, die für eine NGO arbeitet.

Dann gibt es noch Hassan, den Dialysepfleger, der hat zwei Jahre in München Medizin studiert, spricht daher gut Deutsch, bevor er von seinem Vater zurückgerufen wurde, dessen Bruder Khalid ist verschwunden, so wird er von einem Abdul bedrängt, das Spital auszuspionieren und geheime Pläne zu zeichnen.

Es herrscht Terroralalam und Kämpfe zwischen Shiiten und Huthis im Land. Immer wieder werden Verletzte gebracht und eine indische Krankenschwester, die eigentlich heiraten will, gibt es auch. Da muß Jonathan in den Chefetagen vermitteln, daß sie ihr Gehalt bekommt. Ein Arzt wird verdächtigt Medikamente gestohlen zu haben und eine schöne Stelle ist mir noch im Gedächtnis, wo Jonathan Delphine anruft und sie bittet, für ihn ein Glas Rotwein mitzutrinken, da Jemen ist ja ein Land mit Alkoholverbot und sein Fahrer Ali bittet ihn um Geld für Nachhilfestunden für seinen Sohn, dann erzählt er ihm, daß er nun im Militärgymnasium aufgenommen wurde, weil es im Jemen nur etwas bringt, wenn man bei der Armee ist.

Ich frage mich und weiß nicht mehr genau, ob das damals bei der Lesung thematisiert wurde, wieviel Evelyn Schlag für das Buch recherchiert hat und ob sie deshalb im Jemen gewesen ist?

Sprachlich ist es sicher schön geschrieben, dafür wird Evelyn Schlag ja hoch gelobt und hat auch Preise dafür bekommen.

Der Inhalt ist eigentlich banal und, ob man viel über Jemen und die Kämpfe, die sich dort abspielten gerlernt hat, wenn man das Buch gelesen hat, bin ich mir eigentlich auch nicht sicher.

Kann mich aber nicht beklagen, bastle ich mir ja gerade selber eine Handlung, wo nicht so viel passiert, an Hand der Corona-Problematik zusammen und da hat mich das Buch wohl bestärkt, daß ich mir dachte, wenn die Schlag das darf, darf ich es auch und wem es interessiert, mein Handlungsrahmen steht schon ziemlich und am Schluß schmeißt der Uwe Kathis Handy, ja die gibt es auch bei mir, in einen Blumentopf.

2020-08-09

Kino alter Zeiten

Filed under: Bücher — jancak @ 00:00
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Jetzt kommt ein Erzählband, den ich eigentlich ins Doml mitnehmen und Stephan Teichgräber zeigen müßte, wenn es seine Workshops noch gibt, nämlich ein schon ziemlich abgenützt wirkendes DDR-Bändchen aus dem „Volk und Welt-Verlag“ von 1975 mit, wie in der Beschreibung steht, zwei Erzählzyklen des 1918 geborenen Ungar Ivan Mandy.

Ich habs im Schrank gefunden und auf meine heurige Leseliste gesetzt, dann habe ich, als ich Anfang des Jahres die Bücher heraussuchte, nicht gefunden, länger gesucht und jetzt das Lesen noch geschafft.

Den Autor habe ich nicht gekannt und konnte auch im Netz außer seinen Lebensdaten 1918 in Budapest geboren, 1995 dort gestorben und 1993 für den Nobelpreis vorgeschlagen wurde, nicht sehr viel finden.

In dem schmalen Büchlein gibt es die schon erwähnten zwei Erzählzyklen, das Titel gebende „Kino“ und dann noch „Was gibts Alter?“ und das Genre Erzählzyklus, wo sich die Handlung in einzelnen Geschichten fortschwingt war mir auch eher unbekannt, finde ich aber interessant.

Geschichten übers Kino also und da steht in dem eher knapen Beschreibungstext, daß sich Mandy „Den Grautönen“ des Lebens widmet und „Das Dassein jener Unsichereren und Empfindsamen, die an den Rand der Gesellschaft geraten sind und vom Erfolg, vom Anderssein überhaupt nur zu träumen wagen. In der Flimmerwelt des Kinos zum Beispiel“, beschreibt.

Es beginnt mit einem „Motto“, da wird nach Filmen gefragt und führt dann zu der Erzählung „Die graue Mütze“ hin, wo ein Jungen einem die Mütze eines berühmten Regisseurs zeigt, die er von seinem Onkel, einem Filmvorführer bekommen hat.

Dieser Junge, Karoly Bonaja ist sein Name, will dann gleich nach der Schule mit dem Vater ins Kino gehen und sich die „Wikinger“ ansehen. Der kommt aber nicht und hat auch kein Geld. So bleibt ihm nichts anderes über, als sich in die Welt des „Kino-Lebens“, das sind Kinozeitschriften, die im Kasten liegen, zu versenken.

Später geht er mit dem Vater dann doch hin, nicht ins „Roxy“ oder ein anderes großes Kino, sondern in ein altes, in dem es nach Käse riecht. Mitten in der Vorstellung schweben die Beiden dann hinaus und der Vater will dem Sohn einen Wikingerhelm kaufen, den er am Markt natürlich nicht bekommt.

Karoly schreibt „Kinoheft“ auf sein Schulheft und schreibt dort alle Partner der berühmten Greta Garbo auf, er träumt von der „schönen Telefonistin“ „Colleen Moore, lebt mit dem Vater, der Redakteur ist, aber kein Geld hat und so manchmal nur ein Pfund Roggenbrot und etwas Butter nach Hause bringt, so daß sie nicht ins Kino können, in einem Hotel beim Bahnhof und in der letzten Episode läßt der Junge oder Ivan Mandy, der dieser vielleicht einmal war, die Schauspielerin Norma Shearer, die wir schon von früheren Episoden kennen, nach dem Jungen fragen und wirft am „Schluß einen Ball in den dunklen Zuschauerraum des Roxy hinein“.

Sehr eindrucksvoll dieser Gang durch die Kinogeschichte der Neunzehnzwanziger- und Dreißigerjahre, wo es noch Stummfilme und Klavierspieler gab und sehr eindrucksvoll auch, daß damit die DDR-Bürger in den Neunzehnsiebzigerjahren ermuntert wurden, sich in diese Kinowelt eines armen Jungen der Sehnsucht nach der großen Starwelt hat, hineinzubegeben.

Sehr eindrucksvoll und interessant und ein Roman über das Kino steht übrigens demnächst auch noch auf meinem Leseprogramm.

Im zweiten Teil „Was gibt`s, Alter?“, geht es wieder um einen Sohn der mit seinem Vater eine Zeitlang in einem Hotel wohnte. Der ist aber Schriftsteller, heißt Janos Zsamboky und der Zyklus beginnt, wie der erste mit einem „Motto“, diesmal mit einem „Traum“.

Dann besucht er den Vater offenbar in einer Psychiatrie, denn der hat Zwangsvorstellungen, beziehungsweise einen Selbstmordversuch hinter sich und bei der nächsten Geschiche, Kapitel „Besuch bei Mutter“ ist die offenbar schon gestorben. Denn er unterschreibt eine Verzichtserklärung, daß die Kleider im <krankenhaus verbleiben. Dann gibt er dem Ankleider das blaue Kleid mit dem weißen Kragen, der ihm rät so schnell, wie möglich die Bestattung zu informieren, um die Mutter wieder loszuwerden. Ein bißchen surreal und geheimnisvoll der Geschichenton, der sich wieder, was ich ja spannend finde und auch schon lang verfolge, zu einem Roman formt.

Dann wühlt Janos in den Notizen seiner Mutter, wo sie Kochrezepte aufgeschrieben hat, aber auch, daß sie von einer O. geschlagen und von einem G. gewürgt wurde, als sie dem Jungen Schokolade brachte und er erinnert sich durch die Wohnung gehend, der Vater hat die Mutter Ilonka bald zu zu einer Tante Vali abgeschoben und sich die Juwelierstochter Olga, die der Junge Tini nennen mußte, als zweite Frau genommen. Der Vater war überhaupt ein recht ambivalenter Typ, Geige spielend und Gedichte schreiben, Journalist, wie der Vater des Jungen aus dem vorigen Text. Er spekulierte auch und zog mit der Familie durch verschiedene Wohnungen, bevor er in dem schäbigen Hotel neben dem Bahnhof landete. Die zweite Frau hat er auch hinausgeschmissen, nachdem er sie um ihr Geld brachte und der Junge hat sich irgendwann geweigert, die Schule zu besuchen. Da hat ihn wohl, wie den Notizen zu entnehmen ist, der Vater oder war es die Tante in eine Besserungsanstalt bringen wollen und der Sohn beugt sich über den Tisch „betrachtet den Haufen“ und murmelt „Du hast das erfunden Vater! Das alles hast du erfunden!“

Dann geht es in vier kürzeren Geschichten ins Espresso Barbara, wo er die Serviermädchen kennt und ein Interview über einen seiner Filme geben soll. Eine Fotografin kommt zu Besuch und die letzte Geschichte widmet sich dem „Lich des Erfolgs“, des Schriftstellers.

Der Vater und die Mutter, die in den späteren Geschichten auch mehr zusammen wohnen, kommen immer wieder vor.

Schöne surreale Geschichten könnte man sagen und wahrscheinlich auch den psychoanalytischen Bezug reflektieren. Damit hat es die Verhaltenstheapeutin nicht so sehr, mich interessiert, sondern, wie schon geschrieben, mehr die Frage, wie aus Geschichten ein Roman entsteht und was die diesbezüglichen Kriterien und Vorgangsweien sind und habe wieder einmal viel gelernt und vor allem und nicht zu vergessen, durch den offenen Bücherschrank, einen Schriftsteller kennengelernt, der sonst an mir vorbeigegangen wäre, weil er heute wahrscheinlich sehr vergessen ist.

2020-08-04

Das Fest des Windrades

Weiter geht es mit den älteren Büchern auf der Leseliste, Isabella Straubs zweiten Roman, ein Fund aus dem Bücherschrank, den es im Vorjahr einmal dort gab, als ich mit dem noch nicht so gut verheilten Knöchel von irgendeiner Veranstaltung nach Hause gefahren bzw. gehumpelt bin und dvon der 1968 in Wien geborenen, in Klagenfurt lebenden Autorin habe ich durch den FM4 Wettbewerb, den sie einmal gewonnen hat, etwas gehört, das Buch hat das einiges Aufsehen erregt, Isabella straub hat auch bei einem Literaturhausfest daraus gelesen und jetzt habe ich mich mit Begeisterung darauf gestürzt, um so mehr da ich ja den dritten Straub-Roman gelesen habe.

„Das Fest des Windrads“ könnte man grob als Kapitalismuskritik bezeichnen, ein sich Lustig machen über die prekären oder sehr elitären Arbeitsverhältnisse von Heute.

Am Buchrücken steht etwas vom Leben am Land und von der Selbstfindung, das habe ich nicht so sehr empfunden und wirklich neu ist das alles wahrscheinlich auch nicht, wenn auch sicher originell.

Da ist Greta, eine Managerin in der Medizintechnikbranche. Sie fährt im Zug von Wien nach St. Marino, zu einer Fachmesse, träumt da von einem Abendessen mit einem ihrer Vorgesetzten und einer möglichen Beförderung. Sie ist die Hype-Frau von heute, die sich nur mit verheirateten Männern einläßt, Markenkostüme trägt, Champagner oder Cocktails trinkt, etcetera. Der Zug bleibt im Oed am tiefen Graben stehen. Das Zugspersonal verschwindet, sie springt aus dem Fenster und in das Taxi von Jurek Bach hinein, der eigentlich einen Botendienst hat. Er liefert in Oed, das der Beschreibung nach mehr eine Stadt, als ein Dorf ist und Ziffern statt Straßennamen hat, an seine Klienten Pakete ab.

Da gibt es beispielsweise einen dicken Diabetiker, den seine thailändische Frau verlassen hat, einen Doktor, der alle untersuchen will, auch wenn man nur Pakete von ihm holt, etcetera.

Jurek hat eine Tochter und eine gescheiterte Ehe hinter sich und hat das Elternschlafzimmer in dem Haus, das er bewohnt, versperrt. Dort erscheint nun seine Tochter Lynn mit ihrem Freund Alfred und will sich bei ihm einquartieren. Der Freund ist ein Versicherungsfachmann und hinterläßt, während er Jurek bei seinen Botengängen begleitet, überall seine Flyer, denn er versichert Emotionen, nicht nur Wasserschäden,

Greta will eigentlich aus dem Dorf hinaus, kann aber nicht, denn zuerst ist sie nach dem Schock zu betrunken, dann muß sie Joe, den Diabetiker in die Burnout-Klinik begleitet, schließĺich erleidet sie einen schwächeanfall, so bleibt sie zum Fest des Windrades, das ist das Wahrzeichen, das die Amerikaner nach dem Krieg dem Dorf hinterlassen haben, das soll jetzt verbrannt werden und alles wird wieder gut.

Denn Greta, die erfährt, daß sie nicht befördert, sondern gefeuert werden sollte, wird Versicherungsmaklerin und Jurek gewinnt beim Tombola, ihre Zugsfahrkarte, die sie nicht benützen konnte und kommt daher vielleicht aus dem Dorf hinaus, während sie dort bleiben und ihre Schulung machen wird.

2020-06-22

Blasmusikpopp

Filed under: Bücher — jancak @ 00:51
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Jetzt kommt ein Bestseller, ein moderner Klassiker könnte man vielleicht schon sagen, geschrieben von einer damals Vierundzwanzigjährigen, was die literarischen Gemüter sehr erregte und die 1988 in St. Pölten geborene Vea Kaiser, die Altgriechisch studierte, zu einer Berühmtheit machte, die ja noch dazu eine schöne junge Frau ist und, wie sie bei der Lesung in der „Gesellschaft für Literatur“ auch sehr selbstbewußt sagte, von allzu großer politischer Korrektheit nicht viel hält.

An mir sind ihre Bücher „Makarionissi“ und „Rückwärtswalzer“ bisher vorbei gegangen, wahrscheinlich war ich gegen den literarischen Shootingstar auch ein wenig skeptisch eingestellt, habe sie aber, glaube ich, sowohl auf der „Buch Wien“, in der „Gesellschaft“ und vielleicht auch sonst noch bei anderen Gelegenheiten gesehen.

Vor einem Jahr wurde ich zu einem Bloggertag einer Gemeinnützigen Buchhandlung eingeladen, habe mich in den Buchbeständen umgeschaut, und „Blasmusikpopp“, den literarischen Erstling, um einen Euro, glaube ich, gekauft.

Auf den Büchern waren Punkte mit Preisangaben fixiert, „Blasmusikpoppp“ hätte, glaube ich, drei oder fünf Euro gekostet, war aber in einem nicht mehr so ganz tollen Zustand, also ein Euro und jetzt gelesen und ich muß sagen, ich bin überrascht, denn die junge Frau hat wirklich einen sehr eigenen frischen Ton, auch wenn das, was sie da erzählt, dann wieder nicht so ganz einzigartig ist.

Das Buch ist 2012 erschienen, ich habe die dritte 2015 erschienene Auflage gelesen und Stephan Teichgräber hatte es auf seiner Leseliste seines Gegenwartsliteraturworkshops, also habe ich es als ich am zwanzigsten Mai im Doml war, mitgenommen, Stephan Teichgräber scheint sich aber trotz der Coronalockerungen doch noch nicht so ganz an die Fortsetzung der Workshops drüberzutrauen, so hat er die Junitermine abgesagt. Das Buch stand aber trotzdem auf meiner Leseliste und ist jetzt auch zum Lesen dran gekommen, also voila:

Es beginnt in den Neunzehnfünzigerjahren und spielt in einem kleinen Berdorf St. Peter am Anger. Ich habe wohl aus meiner und Vea Kaisers Sozilisation an Niederösterreich gedacht. Es könnte, weil es aber in den Bergen spielt, auch in Tirol angesiedelt sein und beginnen tut es eigentlich mit einer Chronik, die die Geschichte der „Bergbarbaren“ ausgehend vom Mittelalter oder der Urzeit erzählt.

Im Dorf in den Fünfzigerjahren hat sich aber der Holzschnitzer Johannes Gerlitzen einen Bandwurm zugezogen. Er hat auch ein Kind bekommen, die kleine Ilse, da die aber dem Nachbarn verdächtig ähnlich sieht, verläßt er Frau und Dorf und geht in die Stadt, um zu studieren und Doktor zu werden. Als praktischer Arzt und Bandwurmforscher kommt er zehn Jahre später zurück. Seine Trau stirbt an einem schweren Parkinson. Er zieht die kleine Ilse, die sich in den Alois, der als Kind davon träumte, Raumfahrer zu werden, auf, die dann den kleinen Johannes A. bekommt, der eigentliche Protagonist der Geschichte. Der wird von seinem Doktor Opa, der später bei einem Unglück ums Leben kommt, in die Wissenschaft eingeführt.

Vea Kaiser hat da wirklich einen unnachahmlichen witzigen Ton und man kann sich dieses Dorf und seine Geschichten mit den Frauenverein, der immer in die Konditorei Moni zu ihren Treffen geht, dem Fußballverein, den vier alten Rentnern, die das Dorf bestimmen wollen, etcetera, lebhaft vorstellen.

Der kleine Johannes will also selber Forscher werden, ist aber als Arzt ungeeigent, dafür als Geschichtsschreiber talentiert. Aber da gibt es die Schwierigkeit, daß die Dorfkinder selbverständlich in die Hauptschule kommen, weil es kaum bezahlbare Gymnasien gibt. Der Doktor Opa hat aber für eine schöne hochdeutsche Aussprache gesorgt. So bekommt er ein Stipendium in einem Konvikt und dort geht es nicht so zu, wie man es eigentlich nach Josef Haslinger erwarten könnte, sondern viel gesitteter und der kleine Johannes, der sehr unsportlich ist und beim Fußball spielen versagte, hat da auch seine Förderer. Zuerst traut er sich wegen seiner mangelnden Lateinkenntnisse nicht recht hinein, dann aber lernt und lernt er und wird auch Mitglied des „Digamma-Klub“, wo sich vier Schüler aus guten Haus zusammenfanden um Griechisch zu studieren.

Dann kommen aber die neuen Zeiten, die Schule wird privatisiert, bekommt einen weltlichen Direktor, der alles ummodeln will, gegen den die Schüler rebellieren und der läßt dann aus Rache, obwohl er der beste Schüler ist, Johannes bei der Matura durchfallen. So muß er ins Dorf zurück, wo er, weil zwei linke Hände das Zimmermanngewerbe seines Vaters nicht übernehmen kann oder will. Er beschließt aber das Dorfleben zu studieren. Holt einen Hamburger Fußballclub in das Dorf und verliebt sich auch in eine Städtische Schönheit, die in einem Haus wohnt, das wie ein Skilift aussieht, obwohl es auch da einige Mißverstänisse gibt, ist Johannes ja handylos und hat auch von Facebook keine Ahnung, bis er und das ganze Dorf sich dann doch den modernen Zeiten öffnen und alles ist gut und ich habe, glaube ich, ein tolles Buch gelesen, das, ich habe Vea Kaiser ja bei einem Doderer-Symposium in der „Gesellschaft“ gehört, datsächlich ein bißchen an diesen Altmeister im Stil erinnert, wie die zwei anderen Büchern sind, kann ich nicht sagen, aber vielleicht kommen sie noch zu mir

2020-06-10

Drei wertlose Visa und ein toter Reisepaß

Filed under: Bücher — jancak @ 00:57
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Jetzt kommt etwas Chinesische, beziehungsweuse der Bericht über „Meine lange Flucht aus China“, des 1958 in Siuchan geborenen Liau Yiwu, der 2012 den „Friedenspreis des deutschen Buchhandels“ bekommen hat. Ich kenne mich in der chinesischen Literatur wirklich nicht aus, habe aber aus meinen Bücherschrankfunden eine kleine Bibliothek gesammelt und einige der Bücher als kleinen China Schwerpunkt, wild durcheinander gelesen, die DDR Anthologie „Das gesprengte Grab“ herausgegeben von dem Sinologen Ernst Schwarz, dem ich später ein Kapitel in meinen „Dreizehn Kapitel“ gewidmet habe, ist eines davon, das „Eine Stadt- Ein Buch- Aktion- Buch“ von 2010, „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“, von Dai Sijie, ein anderes und, als Liao Yiwu 2012 den „Friedenspreis des deutschen Buchhandels“ bekommen hat, habe ich bezüglich meines Buchmessenssurfing sehr viel darüber gebloggt.

Das Buch ist in einige Teile gegliedert und erzählt in einer Art Rahmenhandlung und wiederum sehr poetisch von der langen Flucht aus China, die damit begann oder endete, daß es Liao Yiwu am zweiten juli 2011 gelang, den Grenzfluß von China nach Vietnam zu überqueren.

Das ist der Beginn des Buches und das Ende der langen Flucht, denn der nächste Teil handelt schon davon, daß er versucht in verschiedenen chinesischen Proinzen zu einem Paß beziehungsweise zu Visen nach Deutschland zu kommen, die ihm auch gewehrt werden.

Die Geheimpolizei nimmt sie ihm aber ab oder holt ihn aus dem Flugzeug, in dem er schon drinnen sitzt. Da gibt es den dicken Li mit dem er was für uns auch ein wenig seltsam ist, Tee trinkt, einige seiner Ehen wurden durch seine Gefängnisaufenthalte zerstört, in Rückblenden erzählt er davon und auch davon, daß er durch seine Bücher „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“ oder „Für ein Lied und hundert Lieder“, das in Deutschland verlegt wurde, zum Buchmessenschwerpunkt China 2009 nach Frankfurt eingeladen wurde, er bekam aber keine Aureiseerlaubnis, er wurde dann auch zur Litcologne eingeladen, da wurde er, glaube ich, aus dem Flugzeug geholt.

Mit Hilfe der deutschen Botschaft und eines deutschen Kulturredeaktuer gelang ihm dann die Ausreise 2010, da war der dann in Deutschland und auch in Paris wo er Dai Sijie kennenlernte, in Deutschland hat er auch Herta Müller und Günter Grass, der seiner Meinung nach, auch ein eher antiquiertes Bild von der chineschischen Literatur hatte, kennengelernt.

Bei der Rückkehr nach China erwartete ihn gleich die Polizei und konfiszierte die deutschen Zeitungen in den Artikeln über ihn enthalten sind.

Er besucht dann seine Famiie, bringt ihr deutsche Schokolade und geht mit ihr Feuertopf essen, was glaube ich auch von der Polizei gestört wurde, schließlich gelingt ihm, wie schon erwähnt, 2011 die Flucht.

Da kommt es noch zu einer grotesken Szene am Flughafen von Hanoi, wo er sich um tausend in Dollar umgewechselte Euro ein Rückflugticket kaufen muß, obwohl er den ja gar nicht vorhatte, bis die Flucht gelang. Er 2012, wo ein eher angepassterer Chinese, den Nobelpreis bekam, den „Friedenspreis des deutschen Buchhandels“ bekam.

Das Buch ist, wie geschrieben, sehr poetisch aber für eine Nichtsinologin nicht so leicht zu lesen, es gibt auch immer wieder Anspielungen auf die deutsche Literatur und interessant ist dabei auch, daß Kafka als ein „österreich-ungarischer Versicherungsangestellter“ bezeichnet wird, ein Fehler, der dem Lektor oder deutschen Übersetzer wohl entgangen ist, vielleicht wurde er aber auch absichtlich eingeschmuggelt, denn Humor und Ironie traue ich dem Autor durchaus zu und bin gespannt, ob ich noch etwas in dem Schrank von ihm finden werde?

Yu Huas “ Brüder“, die 2009, in Frankfurt vorgestellt wurden, habe ich inzwischen auch gefunden aber noch nicht gelenen, von Mo Yan, dem Nobelpreisträger, habe ich auch etwas in meinen Regalen und dann habe ich natürlich einiges von Pearl S. Buck gelesen, aber die gehört wahrscheinlich nicht wirklich zur chinesischen Literatur.

2020-06-03

Die letzte Partie

Filed under: Bücher — jancak @ 00:02
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Das nächste Backlistbuch habe ich einmal im Schrank gefunden und mir genommen, weil es von „müry salzman“ war, dem kleinen feinen Verlag, in dem Laura Freudenthaler, die ja heuer beim Bachmann-Digital liest, ihr ersten Buch herausgebracht hat, Malte Borsdorf „Flutgebiet“ ist dort erschienen und noch ein paar Bücher aufstrebender Jungautoren.

Den Namen Regine Koth Afzelius, habe ich glaube ich nicht gekannt oder habe ich gewußt, daß sie ein GAV-Mitglied ist? Kennengelernt habe ich sie bei dem einzigen GAV-Jour fix bei dem ich war, da bin ich neben ihr gesessen, mit ihr ins Gesoräch gekommen und wurde an das Buch erinnert.

Inzwischen gibt es von der 1962 geborenen Autorin, noch ein zweites von mir im Schrank gefundes Buch , „Der Kunstliebhaber“ das in der Edition Roesner“ erschienen ist, wo Anita C. Schaub ihr Frauenbuch, wo auch ein Portrait von mir enthalten ist herausgab und auch die Bruni einiges verlegte.

Dieses Buch ist neuer als die 2016 erschienene „Letzte Partie“ denn es wäre, glaube ich, eine Woche nach dem Shutdown bei den Textvorstellungen“ glaube ich, vorgestellt worden. Das ist also entfallen, das Buch muß ich noch lesen, die „Letzte Partie“ stand aber schon auf meiner Leseliste und ich war sehr gespannt den Stil der mir literarisch noch unbekannten Kollegin kennenzulernen.

Im Klappentext ist es auch sehr schön beschrieben, vielleicht nicht gerade besonders neu und originell de Geschichte von der Eva, die in einem Restaurant ihren Adam kennenlernt. Da würden bei mir die Kritiker wahrscheinlich wieder wegen der sprechenden Namen den Kopf schütteln, sie sieht den Traummann in ihm. Er will aber nicht bei ihr bleiben, das stürzt sie in eine Krise aus der ihr eine Freundin und ein Therapeut heraushelfen. Am Ende beschließt sie sich selbst zu finden und droht Rache an.

So weit, so gut und auch sehr klar. Die folgenden zweihundert Seiten sind dann viel unübersichtlicher und man könnte meinen die Handlung verschwimmt in viele Nebensächlichkeiten und vieles kommt lange nicht so klar, wie in der Beschreibung heraus.

So passiert die geschilderte Begegnung mit Adam in den Restaurant, glaube ich, auf ein oder zwei Seiten, dann ist es schon vorbei und das Paar hetzt durch das Kapitel. Eine Freundin namens Judith gibt es auch. Dann trennt Eva sich und zieht zu einem skurillen Tierarzt, der wie ein Hund bellt, ins Konzert zu spät kommt oder ist das Eva, die das tut?

Wahrscheinlich, denn er schaut sich dort mit dem Operngugger, die schönen Damen im Orchester an. Er führt Eva auch zu einer Sadomasoparty und als der Fensehkontrolleur nachschauen kommt, versteckt er im fünf Minuten Tempo alle Fernseher und tritt dann naß aus der Dusche dem Kontrollor entgegen. Das klingt originell, ist aber, glaube ich, schon veraltet, weil jetzt kein Kontrolleur mehr kommt.

Das mit der krebskranken Freundin und dem Therapeuten Otto kommt dann wieder nur etwas verschwommen heraus, da dachte ich eher die Freundin Judith wäre die therapeutin. Einen Erwin, der sich von einem Robert trennte und wieder versöhnt, gibt es auch und ein Kuchenrezept auf Italienisch.

Das alles sehr hastig mit einer schönen Sprache und vielen literarischen und auch anderen Anspielungen erzählt.

Ich bin ein wenig ratlos und auch überfordertgewesen und jetzt auf das neue Buch grspannt, da ich es ja gerne strukturierter und realisitischer habe.

2020-05-24

Halbschwimmer

Filed under: Bücher — jancak @ 00:19
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Weiter gehts mit meiner Backlist-Leseliste und einem Buch, das ich mir eigentlich nach Leipzig mitnehmen wollte, weil die Autorin Katja Oskamp 1970 dort geboren wurde, dann bin ich aber wieder nicht dorthin gekommen und das Buch habe ich, wenn ich mich nicht irre an dem Tag gefunden, wo ich beim „Tag der offenen Tür“ von NHP war und,  als ich nach Hause gekommen bin, Erika Parovsky am Band hatte, die mit mitteilte, daß meine Arbeitskreiskollegin Hilde Langthaler gestorben ist.

Jetzt  habe ich es gelesen,  2005 im Berliner TB Verlag erschienen, 2003 ist es schon bei „Amman“ herausgekommen und interessant ist daran, daß in dem Buch, meines hat eine Widmung der Autorin vom 10. April 2010, wo Katja Oskamp offenbar in Rauris aufgetreten ist, „Roman“ daraufsteht. Es scheint sich aber um neun Kurzgeschichten zu handeln, die  von  einer „Jugend in der DDR handeln“ .

Mit der Ersten „Rolf und Mucki“, hat Katja Oskamp 2000 den MDR-Literaturpreis gewonnen, 2004 hat sie dann den Rauriser Literaturpreis für den Roman“ Halbschwimmer“ gewonnen.

Interessant, daß die „Amman- Ausgabe“, als Erzählungen betitelt sind. Katja Oskamp, die auch am Leipziger Literaturinstitut studierte,  hat oder hatte den Schweizer Schriftsteller Thomas Hrlimann zum Partner, lebt  jetzt iwieder in Berlin und arbeitet seit 2015 als Fußpflegerin in Marzahn. Deshalb heißt ihr letztes 2019 erschienenes Buch auch „Marzahn mon amour- Geschichen einer Fußpflegerin“, von dem ich schon viel gehört habe.

Aber jetzt zu dem Debutband, der von einer Tanja, der Tochter eines hohen NVA-Offiziers und einer Schuldirektorin handelt, die sehr liebeshungrig ist, wie im Beschreibungstext steht und in „Rolf und Mucki“, erzählt die Ich-Erzählerin auch sehr schnodderig von ihrem Nachbarn Rolf, den sie schon als Kind sehr gern besuchte und der den gleichen Namen wie ihr Hamster hat, was für mich ein wenig befremdlich war.

In „Halbschwimmer“ verbringt das Kind mit den Eltern einen  Urlaub an der Ostsee und  Katja Ostkamps Hintergründigkeit, weshalb sie wahrscheinlich mit ihrem Debut soviel Aufsehen machte, ist auch in der dritten Geschichte zu spüren, wo sie ebenso hintergründig mit der Naivität eines Kindes von einem Pantscherl zwischen ihrer Mutter und deren Kollegen Herrn O erzählt. Das  Kind kommt nach Hause trifft die Beiden an, es riecht nach Menthol und rrüner Apfel, Rotkäppchensekt wird getrunken und als der Vater ein Major dazu kommt, geht er mit der Tochter joggen. Die fragt nach den Rängen, der Wehrbeauftragte der Schule O. ist nur Leuntnant, also dem Vater unterlegen. Dann sucht die Mutter für ihn eine Frau und am Schluß kommt die erwachsene Tochter nachHause und erfährt vom Tod des Herrn O und die Mutter geht nicht  zum Begräbnis.

Im Brief versetzt die aufmüpfige Kleine, die mit ihrer scheinbaren Naivität, die ganze DDR, wie weiland der Schwejk oder der Herr „Bockerer“ untergräbt, die ganze Schule in Aufregung, denn sie hat einen Brief an das Ministerium geschrieben und das Bildnis des kranken Physiklehrers, der seine Hände immer auf seine <hönde legt, geistert in dem Text auch noch herum.

Dann geht es zu den Großeltern, der Großvater hat ein Holhzbein, seines hat er aber nicht im Krieg sondern erst später verloren, deshalb hat er ein besonderes Gefährt und Tauben, die er züchtet hat er auch.

Daß es doch ein Roman ist, bekommt man wahrscheinlich erst am Schluß heraus, in Episode  sechs  „Was die Mode streng geteilt“, geht die Familie, Vati, Mutti, Tanja und deren mehr doppelt so alter Freund Karl der Schauspieler zum Silvesterkonzert in den Palast der Republik, es ist die Wende zu 1989, der Mayor hat die begehrten Karten ohne Anstellen bekommen. Der Schauspieler, Tanja scheint inzwischen an seinem Theater zu hospitieren, kommt in Jeans, die Mutter hat dem Vater die Ausgehunform ausreden können, dafür schmerzen ihre Füße in den neuen Schuhen und in der nächsten Episode, hat Tanja Karl  verlassen, zieht in die WG ihrer Schulfreundin Nina ein, hat auch einen neuen Freund, bemerkt aber das sie schwanger ist, das Kind stammt offenbar noch von Karl, nach einer wilden Party verliert sie es dann ohne abtreiben zu müßen.

In „Schnitt“ geht es dann in ein Provinztheater, Konrad ist der neue Freund und offenbar der Dirigent der Opernaufführung, alle sind nervös, Tanja huscht ständig zum Buffet um sich ein Glas Sekt zu kaufen und wohl Konrads ganze Gage damit auszugeben, merke ich an und am Schluß geht es nach Pankow zum Friedhof und zu Karls Begräbnis, eine jahreszahl wird nicht genannt. Es muß wohl weit nach der Wende sein. Karl hat sich offenbar zu Tode gesoffen oder einen Lungenkrebs angeraucht, deshalb hat ihn sein Freund Franz, mit dem er einmal nach Berlin gegangen ist, um ein Theater zu übernehmen, zwar nicht hinausgeschmissen, gibt ihn aber keine Rollen mehr. Sie findet den richtigen Friedhof auch nicht gleich, sieht ihren Vater mit dem sie auch ein Stück ohne mit ihm zu sprechen zum Grab geht, um sich nach der Beerdigung mit Karls tochter Fine, die gleich alt ist, wie sie zu treffen und sich mit ihr wöglicherweise anzufreunden.

„Ein Debut wie man es sich wünscht:herzersfrischend, klug und brüllend komisch“, steht am Cover. Ich denke eher, daß es der distanzierte Tonfall macht, wie hier ein Leben in der DDR und der Weg hinaus, das Scheitern, das Saufen, die Sehnsucht nach Liebe und die nicht finden etcetera, mit einem sehr distanzierten Tonfall erzählt wird. Ich könnte, weil ich mich ja auch öfter im Schreiben eines Episodenromans versuchen, auch anmerken, daß dieser sehr geglückt ist, schon die Tatsachen, daß in den zwei Ausgaben einmal Roman und ein anderes Mal Geschichten steht, sagt ja schon sehr viel aus und Geschichten beziehungsweise Romane über die DDR und ihren Untergang habe ich in der letzten Zeit auch einige gelesen.

 

2019-07-21

Consummatus

Zwischen dem Neuerscheinungslesen jetzt schnell noch ein altes Buchpreisbuch eingeschoben, denn das stand ja auf meiner 2019 Backliste und, daß ich vielleicht die alten Buchpreisbücher, die sich inzwischen angesammelt haben, lesen will, das habe ich mir ja auch vorgenommen. Sibylle Lewitscharoff „Consummatus“, ein Longlistbuch von 2006 und ich weiß jetzt gar nicht so genau, ob es aus den Schränken oder einer Abverkaufskiste stammt, war doch eine „Morawa-Rechnung“ zwischen den Seiten eingeklemmt, ich dachte aber, ich hätte es aus dem Schrank.

Von der 1954 in Stuttgart geborenen Sibylle Lewitscharoff, die 2013 den „Büchner-Preis“ bekommen hat, habe ich schon einiges gelesen und kennen tue ich sie, glaube ich, seit ihrem „Bachmannpreislesen“,1998.

„Montgomery“ habe ich von den Büchertürmen der „Literatur im März“, das habe ich gelesen und, glaube ich, nicht sehr verstanden, denn Sibylle Lewitscharoff ist ja eine sehr komplizierte Schriftstellerin, die kunstvoll mit der Sprache spielt und dabei auch manchmal übertreibt oder sie da mit den „halben Kindern“ oder den „Selbstmördern“ auch manchmal übers Ziel hinausschießt.

In dem vorliegenden Buch gibt es auch so eine Stelle:

„Man sollte die Sträflinge wieder in Ketten schließen, um ihnen wieder die Würde zurückzugeben“, heißt es da doch auf Seite vierundfünzig und da könnte ich genauso  ein Fragezeichen machen, wie ich auch eines ans Ende des Buches gesetzt habe.

Aber wieder schön der Reihe nach, damit ich nicht zu unverständlich bin.

Sibyille Lewitscharoff die“ Büchner-Preisträgerin“ und „Preisträgerin des Leipziger Buchpreises“, stand auch noch 2015 und 2011 auf der deutschen Buchpreisliste, beide Bücher habe ich gelesen

Aus „Blumenberg“ stammt der Satz mit den Selbstmördern, auf der „Buch-Wien“ hat sie glaube ich laut verkundet, daß sie „Amazon“ nicht mag.

Gut, da ist sie nicht allein und das „Pfingstwunder“ hat mir sehr gut gefallen. Bei diesem Buch bin ich mir nicht so sicher, da würde ich zu dem Fragezeichen auch hinzusetzen „Was soll denn das, da ist die Phantasie doch zu weit durchgegangen und was wäre, wenn ich das geschrieben hätte?“

Dabei habe ich doch Bücher die im Himmel spielen und die Toten mit ihren Anverwandten reden, aber Sibillye Lewitscharoffs „Consummatus“, das nicht, wie ich annahm, vomKonsumieren kommt, sondern „Vollendet“ heißt spielt an einem Vormittag in einem Stuttgarter Cafe, wo ein Gymnasiallehrer sitzt, weiche Eier und Croissants verzeht, unzählige Tassen Kaffee konsumiert und sich außerdem noch mit Wodka betrinkt.

Dabei hält er einen Monolog auf seine Toten, das heißt eigentlich ist das ein Dialog, denn die Toten, seine Eltern, seine Geliebte, Andy Warhol und Jim Morrison sind auch in dem Cafe und reden munter zurück und damit man das in dem Buch auch gleich bemerkt, sind diese Stellen unterschiedlich stark ausgedruckt.

„Falls es Sie interessiert, was uns nach dem Tod erwartet und was Jim Morrison und Andy Warhol heute so treiben, kommen Sie um diesen Roman nicht herum. Und falls es Sie nicht interessiert, dann sind Sie wahrscheinlich schon tot und haben es nur noch nicht gemerkt“, hat der Literaturkritiker Denis Scheck auf das Buch schreiben lassen.

Und das klingt genauso gut, wie manche schöne Sätze in dem Buch, stimmt aber nicht, daß das darin vorkommt oder wir haben schon wieder zwei verschiedene Bücher gelesen.

Es geht um Gott und die Welt und vieles andere in dem Buch, dazwischen wird mit der Kellnerin geschäkert und dann geht es, ich muß noch erwähnen, daß der Handlungszeitraum mit dritter April datiert ist, in den Schnee hinaus.

der Betrunkene tappt sich durch die verschneite Landschaft und damit man das optisch gut erkennt, sind Schneeflocken in dem Buch eingezeichnet. Das war für mich ein bißchen schwer zu lesen und ich habe nicht sehr viel verstanden, als ich aber schon dachte „Aha, das ist die Vollendeung, er bleibt im Schnee liegen und geht heim zu seinen Vätern!“, kommt das Kapitel null zwei, da muß ich noch eine besondereheit erwähnen, die Kapitelüberschriften bestehen aus einem Quadarat, wo die Zahlen ein bis sechzehn durcheinander gewürfelt sind und das jeweilige Kapitel  schwach ausgedruckt ist, zwei Nullkapitel gibt es auch, am Anfang und am Ende und bei diesem Kapitel hat Sibylle Lewitscharoff geschrieben: „Die Geschichte des Mannes, der seine Toten immer um sich hat, endet fröhlich. Wer will, kann ihm jetzt dabei zusehen, wie er die Stufen zu seinem geliebten Weinhaus hinaufsteigt, wie er nach Altherrenart ablegt und mit steifen Fingern nach dem Aufhänger sucht, um den Mantel am Garderobehaken zu versorgen, wie er sich noch einmal mit der Hand über den beperlten  Stoff streicht, aus der Tasche ein Tuch zieht und sich das Gesicht damit abtupft, wie er sich nach dem Jenseitsberater im Eck umsieht, der ihm ein Bier zum Wohl entgegenhebt, wie plötzlich Leben in ihm kommt, er sich die Hände reibt und vergnügt nach der Kellnerin umdreht, die ein Schatz ist.“

Nun ja, könnte ich da sagen, das ist halt die große Literatur und Sibylle hat es sicher Spaß gemacht mit der Sprache zu spielen und vielleicht auch die Leser ein bißchen zum Narren zu halten. Das Meine ist es nicht gerade, ich mag es ja nicht so abgehoben und bleibe realistischer, auch wenn meine Geschichten im Himmel spielen.

Trotzdem bin ich nicht empört, schreie nicht „Pfui!“, habe nur ein paar Mal den Kopf geschüttelt, ein Fragezeichen gesetzt und eigentlich bin ich stolz, daß ich mich in Sibylle Lewitscharoff schon so gut eingelesen habe, denn von „Mongomery“ habe ich ja nicht soviel mitbekommen.

2019-07-14

Die Wahrheit ist ein Heer

Die 1979 in Wiener Neustadt geborene Tiwald habe ich, glaube ich, bei einer IG-Autoren Veranstaltung im Augarten Spitz kennengelernt, wo sie erzählte, wie so der Alltag einer schreibenden Jungautorin aussieht: Reden bei Begräbnissen, das hat mich so beeindruckt, daß ich in der „Sophie Hungers“ eine solche Figur einbaute, Deutsch und Analphabetisierkurse und dazwischen schreiben und verschicken der Texte an Zeitschriften und Verlagen, das füge ich jetzt frei hinzu, weil ich das so am Anfang meiner literarischen Laufbahn so gemacht habe.

Dann kann ich mich erinnern, daß ich sie gesehen habe, als ich 2009 Gästin bei der damals von Franz Blaha geleiteten „Augustin Schreibwerkstatt“ war. Da ist sie im Hof gesessen und hat mit Franz Blaha etwas gesprochen, denn es gibt auch Connections zum Burgenland, inzwischen ist Katharina Tiwald, glaube ich, Präsidentin des burgenländischen PEN und das von den Deutschkursen hat mich auch sehr fasziniert. In meinen Texten kommen auch immer wieder solche Sprachlehrerinnen vor und Katharina Tiwald hat Sprachwissenschaften und Russisch studiert, die Hauptschullehrerzusatzprüfung gemacht und, glaube ich, auch dort unterrichtet und immer wieder Berichte über die Zustände in den Schulen gegeben, daß sie an einem Buch darüber schreibt, habe ich auch gehört, beziehungsweise hat sie dieses, glaube ich, vorgestellt, als sie Gästin bei den „Wilden Worten“ war, das ist dann 2012 bei „Styria“ erschienen und da hat mich der Titel verwirrt, weil ich mir den nicht zum Schulalltag in Beziehung setzen konnte.

2015 habe ich das Buch dann in der „Morawa-Abverkaufskiste“ um zwei Euro gefunden und jetzt erst gelesen, obwohl es ja auch nicht ganz in den Sommer, wo ja Ferien sind passt, aber erfahren, was es mit dem Titel auf sich hat, das ist eine Metapher die Nietzsche einmal gebrauchte und jetzt wissen wir schon viel über das Buch und was es von dem unterscheiden würde, das ich über den Schulalltag schreiben würde und da kommt ja einiges in der „Pensionsschockdepression“ vor.

Katharina Tiwald macht es natürlich sprachlich viel genauer und abgehobener und so steht auch in der einzigen „Amazon-Rezension“, die es zu finden gibt, etwas, daß es schwer zu lesen ist.

Darüber bin ich dann auch gestopert und fast gescheitert, habe ich doch fast ein verlängertes Wochenende für die zweihundert Seiten gebraucht, denn man kommt nur schwer hinein und Katharina Tiwald macht es wirklich sehr kompliziert und der Leserin und ich bin ja eigentlich eine geübte, nicht sehr leicht.

Die Vergleiche zum „Schüler Gerber“, stehen natürlich auch im Klappentext und da könnte man denken, was hat das Schulsystem des vorigen Jahrhunderts mit dem heutigen zu tun? Da hat sie sich ja  viel verändert und das wird dann auch, wenn auch, wie erwähnt sehr abgehoben, von Katharina Tiwald auch  thematisiert.

Es geht um das Mädchen G. Interessant, beziehungsweise wieder sehr viel von Katahrina Tiwald, die sich immer wieder als die von außen kommende Erzählerin im Wir-Stil in die Handlung einmischt, daß das Mädchen keinen Namen hat.

G. ist die Abkürzrung des Nachnamens. Ernst G. heißt der Vater und ist Arzt in einer Provinzstadt. Die Mutter hieß Martha Vogelbauer bevor sie ihren Ernstl heirate, beschloß dann, nicht mehr als ein Kind zu bekommen und ist diesem eigentlich eine recht liebevolle Mutter.

Kurz wird noch etwas vom Kindergarten und der Volksschule philosophiert, bevor es in das Provinzgymnasium und in Gs Pubertät hineingeht und dieses Mädchen wird von der Autorin auch sehr widersprüchig und keineswegs, wie man es eigentlich erwarten könnte, nur als Opfer geschildert.

So fordert sie die Mutter eimal auf, eine Freundin zum Essen mitzubringen, sie lädt dann ein Mädchen ein und sagt dem zweiten, das auch dazu möchte, schroff ab.

Die Lehrer werden geschildert. Die „Cinderella“ genannte Englischlehrein, die ein Herz für ihre Schüler hat und dann an einem Burn-out endet. Die strenge Mathemathiklehrerin und G. ist natürlich eine schlechte Schülerin in diesem Fach, was den Vater in Verzweiflung bringt und er mit seiner Autorität droht. Die Mutter ist da viel verständiger und sagt „Schreib halt nicht so schön, dann hast du mehr Zeit!“

Die Deutschlehrerin, die daran verzweifelt, daß die Schüler keine Phantasie haben und nicht erzählen können, ruft „Eure Eltern sollen euch doch ein Buch kaufen!“,  verzweifelt ruft. Da zeigt G. auf und sagt: „Wie sollen wir das können, wenn keiner mit uns spricht?“

Es werden dann auch die Schüler geschildert. Da gibt es den „Paten“, den Gottfried Blech, der alle schikaniert, aber dann mit Vierzehn seltsamerweise abstürzt und seine Macht verliert, den Bosnier Nebojsa Cvijetinovic, als einzigen Migranten und mit dem und zwei anderen Burschen, „Die Ritter von der Tafelrunde“ genannt, freundet G. sich auch an.

Die erste Regel kommt, glaube ich, mit Dreizehn und als sie vierzehn wird, will die Mutter unbedingt eine Party starten. So lädt G. die drei Freunde ein, nur einer sagt zu. Nebojsa kommt zu spät, der Dritte mußte mit seinen Eltern auf einen Berg und widerwillig ein paar Mädchen der Klasse.

Es kommt zu den ersten Liebesbeziehungen mit Nebojsa und dann zu einer mit Gottfried Blech und das ist der Untergang und das, woran G. scheitert. Sie wird krank, geht nach Hause, ruft die Großmutter an, die aber auch nicht versteht und nur „Alles Gute!“, wünscht. Dann geht sie ins Schlafzimmer der Eltern, holt sich dort die Schlafpulver, der Mutter und ein Fensterputzmittel, ruft dann noch einmal ihre Freunde an, die sich nicht melden.

Nebojsa will nicht mit ihr sprechen. Gottfried Blech ist schon in den Ferien so daß nichts überbleibt, als daß sich die allwissende Erzählerin wieder einmischt und den letzten Satz hinschreibt:

„Ich sage noch“, jetzt verwendet sie die Einzahl „dass sie noch einmal den Korridor entlanggegangen ist, ins Schlafzimmer der Eltern. Sie hat das Fenster dort aufgerissen.“

Der Schüler Gerber hat sich, glaube ich,  ja auch aus dem Fenster gestützt, aber der hat und das ist der Clou der Torberg-Geschichte, seine Matura bestanden. Das Mädchen G.  dagegen die Unterstufe gerade erst abgeschlossen und ich schließe mit der Betrachtung, daß Katharina Tiwald zwar ein sehr sperriges Buch mit all seinen Ecken und Kanten, die ja auch von mir immer gefordert werden, geschrieben hat, daß aber trotzdem, gerade in Zeiten wie diesen, also wahrscheinlich zehn Jahre nach dem Schreiben, noch sehr aktuell und für die etwas im Lesen geüberten, sehr zu empfehlen ist. Ich hoffe es gibt es noch und ist noch nicht vergriffen oder ausverkauft und ansonsten bin ich sehr gespannt was ich noch von Katharina Tiwald lesen und hören werde.

„Die Messe für eine“ habe ich zu Hause, sie ist aber glaube ich in meinen Bücherbergen sehr vergraben und ich müßte erst danach suchen und sie wieder auf meine Leseliste setzen.

2019-07-12

Die Stille in Prag

Weiter geht es mit dem Backlistlesen, nämlich mit Jaroslav Rudis „Die Stille in Prag“, 2007, geschrieben, gekauft vor einigen Jahren bei einem dieser Literaturhausflohmärkte.

Es ist ein Sommerbuch könnte man anmerken, denn es spielt in diesem oder am Ende, lautet doch der letzte Satz „Der Sommer ist vorbei“ und es ist auch eines in dem man Prag kennenlernen könnte, leben die handeldnden Protagonisten doch dort und ziehen mehr oder weniger erfolgreich in der Stadt herum.

Da ist einmal Petr, er hat sein Studium abgebrochen und arbeitet jetzt als Straßenbahnfahrer. Dazu nimmt er, was eigentlich streng verboten ist, seine Hündin Malmö mit, er ist auch sonst ziemlich unangepasst.

So beginnt das Buch, daß er mit Vanda die Nacht verbrachte, die ist knapp achtzehn, einePunkerin oder Sängerin der Band „Kill the Barbie“, da soll sie am Abend als Vorprogramm auftreten. Einer der Bandmitglieder hat sie betrogen, so ist sie auf einer Bank vor einer Straßenbahnhaltestelle gesessen und Petr hat sie mitgenommen.

Sie hat auch Schwierigkeiten mit ihren Eltern, der Vater hat die Mutter betrogen und ist eigentlich ein Arschloch, seither lebt sie von Wein und Alkohol und der Vater gibt Vanda nicht das von ihr gewünschte Geld für einen Computer. Da soll sie erst ihr Abi machen, aber sie ist ja schon lange ausgestiegen.

Wayne heißt Wayne nach dem berühmten Schauspieler, weil sein Vater einen Cowboyhelden als Sohn haben wollte, er ist Amerikaner aus dem berühmten Delaware, lebt aber jetzt als erfolgreicher Anwalt in Prag und hat die „Kleine“ als Freundin.

Die heißt eigentlich Hana, hat Kulturwissenschaften studiert, in Berlin, Genf und sonstwo gelebt und befindet sich gerade auf einen Rückflug von Lissabon, wo sie auf einem Kongreß war. Dort hat sie mit einem Thomas gevögelt, den sie zwar nicht mehr wiedersehen wird, trotzdem aber Wayne  verlassen möchte und der hat auch Probleme, beziehungsweise Panikanfälle, hat er doch im Fernsehen einen Soldaten auf einer Bahre gesehen und denkt, daß es sein Bruder Mike sein könnte, der ja gerade im Irak stationiert ist.

Dann gibt es noch Vladimir, einen ehemaligen Musiker, der seine Frau verloren hat und deshalb am Durchdrehen ist, er haßt den Lärm, die vier anderen sind ja eher laut, so hat er eine Lärmzerstörungsmaschine gebaut, weshalb ihn seine Kinder in die Klapse bringen wollen. Er läuft auch mit Scheren in den Straßenbahnen herum und zerschneidet Passanten, wie beispielsweise Hana, das Kabel ihres Walkmans.

Dann will er sich nur heimdrehen, kauft eine Flasche Wodka, zermörsert sämtliche Tabletten, die er zu Hause hat und trinkt das Gemisch dann trotzdem nicht, stattdessen besucht er das Konzert auf dem sich sämtliche Protagonisten und auch der Hund Malmö, obwohl er das eigentlich nicht darf, befinden, dreht den Strom ab, um die gewünschte Stille zu erzeugen, eine Schlägerei beginnt. Vanda kommt in ein Krankenhaus, Wayne wird auf die  Polizei gebracht. Vladimir ist umgefallen und Petr geht mit Hana nach Hause, beschließt aber Vanda am nächsten Tag im Kankenhaus zu besuchen.

Ein spannender Roman über den man sicher geteilter Meinung sein kann, manchen wird er nicht genug literarisch sein, es ist aber wieder das, was mir auch zu schreiben vorschwebt und was ich auch schon seit einigen Jahrzehnten tue.

Jaroslav Rudis wurde 1972 geboren, ich habe ihn, glaube ich, beim ersten „Literatur und Wein“ in Krems kennengelernt, heuer hat er wieder dort gelesen, war auch mit seinem „Winterbergs letzte Reise“, das ich erst lesen muß, in Leipzig prominent und „Grand Hotel“ habe ich im letzten Jahr gelesen, weil „Wagenbach“ da eine Hotel-Serie herausgebracht hat.

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