Literaturgefluester

2017-08-07

Tauben fliegen auf

Jetzt kommt ein Buch, das ich, was ich ja sonst fast nie mache, in zwei Ausgaben habe, sonst trage ich ja, wenn ich mal ein Buch doppelt erwische, es brav zurück.

Als ich aber vor ein paar Wochen „Tauben fliegen auf“ das Buchpreisbuch von 2010 von Melinda Nadj Abonji im Schrank gefunden habe, hat mir das Cover so gut gefallen, daß ich es nicht liegen lassen konnte, obwohl das der älteren „Jung und Jung-Augaben“, die ja noch den selben Graphiker, wie die alten „Residenz-Ausgaben“ hatten, eigentlich auch sehr schön sind.

Diesmal gefällt mir aber die der Lizenausgabe besser und da steht dann auch „Buchpreis 2010“ darauf, so daß man nicht nachschauen muß, wann das gewesen ist und beide Covers und das ist auch sehr interessant, zieren Autos und Bäume und, um das geht es bei dem Buch ja, um das nach Hause fahren ind die Vojvovida Heimat aus der Schweiz im neuen Mercedes oder Chevrolet und ich habe auch in beiden Bücher jeweils ein bißchen gelesen.

Denn eines hatte ich ja in Harland, das andere, das ich mir vorige Weihnachten beim Bücherflohmarkt in der Grünangergasse gekauft habe, in Wien liegen und habe es dort auch zu lesen angefangen und das zweite dann während unseres Ausfluges auf den Edelweißboden im dortigen Pensionszimmer und auf der Rückfahrt im Auto.

Von der 1968 in  Becsej geborenen und in der Schweiz lebenden Melinda Nadj Abonji habe ich das erste Mal, glaube ich, etwas gehört, als sie beim „Bachmannpreis“ gelesen hat und mir dann ihr Debut „Im Schaufenster im Frühling“ das, glaube ich, noch sehr experimentell ist, genommen, als, glaube ich, die Buchhandlung „Kolisch“ zusperrte und man sich da zwei Bücher nehmen konnte.

„Tauben fliegen auf,“ fer mich die „Buchpreis-Überraschung“ ist nicht sehr experimentell, es ist eher ein Memoir und enthält wahrscheinlich viele autobiografische Elemente und ich habe die Autorin auch schon in Wien in der „Alten Schmiede“ daraus lesen gehört.

Da hatte ich aber, glaube ich, noch andere Vorstellungen von den Buch und so ist es sehr gut, daß es jetzt gleich zweimal bei mir liegen habe und so an das Lesen erinnert wurde, bevor die neue Buchpreisliste kommt und das Weglesen meines SUBS wieder etwas warten muß.

Das Buch ist, glaube ich, sehr raffiniert geschrieben. Ein Kapitel, wo die Familie  Kocsis mit ihren zwei Töchtern und ihren teuren schönen Wagen in die Vojvodina-Heimat fährt und dort die Mamika und die anderen Verwandten besucht und dann das Leben in der Schweiz, wo die Familie zuerst eine Wäscherei hatte und dann eine Konditorei aufmacht, wo die Mutter, die Chefin ist, der Vater, ein gelernter Fleischhauer kocht und die beiden Töchter, die nebenbei studieren, servieren.

Im ersten Kapitel sind die Kinder noch pubertierend und die Maminka, das ist die Großmutter, wartet mit den Gulaschtöpfen und dem „Traubi“ das ist das Traubisoda, das es in der Schweiz nicht gibt und das die Kinder lieben. Es geht zu einer Hochzeit, da werden auch die Fleischberge und die Kuchen aufgetischt und die beiden Mädchen beobachten den Cousin Gyula, beim Vögeln mit einer verheirateten Frau und sind etwas verwirrt.

Und um gleuch auf den Titel, die „Tauben“ zurückzukommen, die hält Cousin Belasich und die Mamika kocht daraus die besten Süppchen.

Eine andere Heimfahrt ist dann viel weniger lustig, denn da geht es zum Begräbnis der Mamika und der Krieg kommt dann auch bald und der stürzt die Familie in Verwirrung. Denn jetzt kommen alle Gäste und wollen von ihr wissen, wie das mit den Serben ist?

Aber die Vojvodina gehört ja zur ungarischen Minderheit. Die Mädchen sprechen gar nicht serbisch oder serbokroatisch, wie das damls noch hieß, weil sie schon in der Schweiz in die Schule gingen. Aber die Verwandten in der Heimat werden in Not gestürzt, denn die Burschen werden ja jetzt eingezogen und sollen vielleicht, wenn sie beispielsweise desertieren, aufeinander schißen.

Das Buch wird auch nicht ganz chronologisch erzählt. So handeln spätere Kapitel, wo die Mamika eigentlich schon gestorben ist, davon, wie sie den Mädchen von ihrem Großvater erzählt und in der Schweiz haben die Kocsiss auch ihre Schwierigkeiten, weil sie ja für ihre Einbürgerung lernen müssen und dann muß in der Schweiz offenbar die Gemeinde für oder dgegen stimmen, was auch sehr aufregend ist.

Ein interessantes Buch, das viel von dem Schicksal einer serbische, ungarischen oder was auch immer Emmigrantenfamilie erzählt, so daß ich jetzt vielleicht auch ein bißchen besser verstehe, warum es den „Deutschen Buchprei“s bekommen hat und auch ein bißchen schade finde, daß ich solange mit dem Lesen darauf gewartet habe. Aber jetzt habe ich es gleich in doppelter Ausgabe, werde mir beide behalten und gegenüberstellen und noch etwas ist interessant, habe ich mir doch beim Lesen öfter gedacht, daß der Titel so gar nicht passend ist.

Denn was haben die Tauben, die sich Cousin Bela hält, eigentlich mit Ildiko Kocsis, der Ich-Erzählerin zu tun, die in der Schweiz aufwuchs und Geschichte studierte und am Ende des Buches auch von zu Hause auszieht?

Beim Nachlesen meiner damaligen Eindrücke in der „Alten Schmiede“ bin ich daraufgekommen, daß die Autorin ihn gar nicht haben wollte, aber vom Verlag dazu überredet wurde.

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2017-07-23

Stillbach oder Die Sehnsucht

Von der 1963 in Meran geborenen, in Wien lebenden, Sabine Gruber habe ich noch nie etwas gelesen, wohl war ich aber schon auf verschiedenen Lesungen und habe sie, glaube ich, in den Neunzigerjahren bei einer GAV Vollversammlung in Mondsee  kennengelernt, als sie dort Sekretärin war und das Fahrtspesenformular verteilte.

Ich galbe bei einem von Gösta Maier in Klagenfurt organisierten „Tag der Freiheit des Wortes“ haben wir  einmal zusammen gelesen, dann ist sie literarisch aufgestiegen und recht schnell bekanntgeworden, steht doch beispielsweise am Buchrücken von „Stillbach oder Die Sehnsucht“, ein Buch das ich im Schrank gefunden habe, wie die Stempel beweisen und nicht beim „Morawa“ aus der Abverkaufskiste zog, wie ich irrtümlich glaubte, etwas etwas von „Sabine Gruber gehört zu den wichtigen Talenten der österreichischen Autorengeneration neben Elfriede Jelinek und Marlene Streeruwitz“, was zwar vielleicht nicht ganz richtig ist, da sie ja wahrscheinlich italienische Staatsbürgerin ist, aber auch der Roman, es ist ihr dritter oder vierter, wird  als „groß und wunderschön geschrieben“ bezeichnet.

Vielleicht eine Übertreibung, denn was ist schon wunderschön und was ein Wunder, eine Beschreibung des italienischen Faschismus sicherlich nicht, sie hat aber mit ihrem letzten Roman „Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“, denn ich inzwischen, ziemlich abgefleddert, auch gefunden habe, bei der „Veza Canetti-Preisverleihung“, den sie  2015 bekommen hat, vorglesen, ist damit auf der „Long oder sogar der Shortlist des öst Bp“ gestanden, hat bei den O-Tönen daraus gelesen und die Rezesionen waren gespalten und auch „Stillband“, der große wunderschöne Roman hat bei „Amazon“ auch zwei und drei Stern-Rezensionen.

Da habe ich auch etwas gelesen, daß das Lesen etwas schwierig ist, weil heuzutage immer zwei Romane in einem geschrieben werden und man sich von Seite zu Seite auf ein anderes Sujet umstellen muß.

Das mache ich bei meinen Büchern, glaube ich, auch manchmal, habe mir bei „Stillbach“ aber ein bißchen schwer getan, in die Handlung hineinzukommen, obwohl die eigentlich eine ganz einfache ist oder doch nicht so ganz, denn es geht ja um ein großes Thema, um den italienischen Faschismus und da finde ich auch, daß ein bißchen viel doziert wird und die Handlungsfäden sehr kompliziert verwoben sind.

Da ist einmal Clara, eine Südtirorerin aus dem Dörfchen Stillbach, in Wien lebend, mit einem Arzt unglücklich verheiratet, von Beruf Übersetzerin oder Schriftstellerin, sie schreibt jedenfalls über Gabriele d`Annunzio und Eleonora Duse und deren Freundin Ines, ebenfalls Übersetzerin oder Nachhilfelehrerin ist in Rom gestorben und Clara soll nun dorthin fahren, um ihren Haushalt auflösen.

Das ist die Rahmenhandlung, denn sie findet in Ines Wohnung das Mansukript eines Romans, der in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts handelt und von Ines erzählt, die damals in den Ferien in dem Hotel von Emma Manente arbeitete und die war auch eine Stillbacherin, die in den Dreißigerjahren in dieses Hotel als Zimmermädchen gegangen ist, mit einem Südtiroler namens Johann verlobt war, der bei einem Parisanenanschlag getötet wurde, aber dann von dem Sohn des Hotelbesitzers ein Kind bekommen hat und in Rom gelieben ist.

In vierunddreißig Kapiteln wird dieser Roman erzählt und dann kommt wieder die Rahmenhandlung, wo Clara mit Paul das ist ein Wiener Historiker, der in Rom Faschismusführungen macht und Franz oder Francesco, das ist Emmas Sohn, die inzwischen in einem Altersheim lebt, die Wohnung besucht und man erfährt in den fast vierhundert Seiten viel vom  italienischen Faschismus, den Neunzehndreißiger und den Neunzehnsiebzigerjahren und Detail am Rande auch die Schriftstellerin Sabine Gruber kommt darin vor, aber auch sehr viel anderes und ich denke es ist das, was wahrscheinlich auch „Daladossi“ vorgeworfen wird, das zuviel Hanldungsgtränge in ihm verknpüft sind, aber andererseits tue ich das selber und natürlich ist es wahrscheinlich viel besser und genauer, als ich es tue, erzählt.

Man erfährt von einer sehr genauen Erzählerin sehr viel über die italienische Geschichte und denkt sich manchmal daß die Handlung einserseits eher banal und dann wieder sehr kompliziert konstruiert ist und wenn der Roman höchstwahrscheinlich doch nicht „wunderschön“ war, das kann er, wie schon beschrieben, wahrscheinlich schon vom  Thema her nicht sein, so war er doch sehr lehrreich und ich bin jetzt auf den „Daldossi“ sehr gespannt und kann noch hinzufügen, daß ich Sabine Gruber auch manchmal bei Lesungen, wo sie im Publikum ist, sehe und, daß sie mit Robert Schindel befreundet ist oder war.

2017-07-22

Schattenfangen

Noch ein älteres Buch und eines das ich einmal in einem Schwung Leseexemplare höchstwahrscheinlich im „Wortschatz“ gefunden habe.

Louise Erdrich „Schattenwerfen“, bei „Suhrkamp“ 2011 erschienen und „Bitte keine Rezensionen vor dem 19. Februar 2011!“

Das ist lang vorbei und inzwischen gibt es, glaube ich, einen neuen Roman von der 1954, als Tochter einer Indianerin und eines Deutschamerikaners geborenen Louise Erdrich, von der ich vor dem Bücherfund noch nie etwas gehört hat.

Ja, die offenen Bücherschränke sorgen für Überraschungen und heben das Bildungsniveau, sage ich immer und diese Autorin ist ja schon von ihrer Herkunf her,t ganz besonders interessant.

Der Inhalt ein Ehe- und Familienroman, ganz besonder makaber und teilweise an die Ingrid Noll erinnernd, die glaube ich, in „Der Hahn ist tot“ etwas ähnlich Bösartiges beschrieben hat, hier wird es, glaube ich, obwohls im  Klappentext so steht, nicht ganz ein Thriller.

Aber da ist eine Ehepaar mit drei Kindern, beide mit indogenen Wurzeln oder Mischungen. Er ein berühmter Maler und er hat seine Frau Irene, die sich jetzt, nachdem die Kinder halbwegs aufgezogen sind, an ihre Dissertation macht, nackt in allen Variationen gemalt.

Sie hat sich damals dadurch das Geld zum Studium verdient. Er ist berühmt geworden und liebt seine Frau abgöttisch, ist aber auch sehr eifersüchtig und liest in ihren Tagebüchern, die sie vor ihm versteckte und so treibt sie ein teuflisches Spiel. Sie legt sich nämlich noch ein solches an, hinterlegt es in einem Banksafe und in das andere schreibt sie Sachen, wie, daß sie ihren Mann nicht lieben würde,  sie ihn betrügt, die Kinder nicht von ihm sind,  sie von ihm loskommen will, etcetera.

Das wird in kleinen Tagebuchpassagen, aber auch abwechselnd aus der Sicht von Gil, Irene und den Kindern beschrieben, die eher gegen den Vater sind. Wenn die Eltern streiten, nicht schlafen können und der Vater hat auch eher einen rauhen Ton, obwohl er auch  seine Kinder sehr liebt und den Sohn Florian sogar für ein Genie hält.

Die Tochter Riel, die später das alles aufschreiben wird, sehnt sich nach ihren indianischen Wurzeln und trainiert für das Überleben, der kleine Stoney verstummt  und weil Florian dem Vater etwas von einer Buchbesprechung, die er für die Schule dann doch nicht machte, vorgelogen hat, bekommt er von ihm eine Ohrfeige, was zur einer Familiekatastrophe führt, denn die Mutter zwingt den Vater nun zur Therapie. Sie gehen gemeinsam zu einer Therapeutin, wo Irene Gil dann auch erzählt, daß die Kinder nicht die seinen sind, was die Therapeutin sprachlos macht.

Irene erzwingt nach einem Vergewaltignsversuch auch die Scheidung, beziehungsweise eine neue Therapie.

Gil darf seine Kinder länger nicht mehr sehen, auch keinen Sex mehr mit Irene haben, was ihn dazu veranlaßt seinen Selbstmord zu inszenieren und ins Wasser zu gehen und da die beiden ja nicht voneinander können, auch Irene nicht, springtt sie ihn nach und Riel wird Jahre später, wenn sie nach ihrem einundzwanzigsten Geburtstag, den Schlüßel zum Safe der Mutter mit den Tagebücher bekommen hat, die Kinder sind inzwischen bei der Halbschwester in einer indianischen Großfamilie aufgewachsen und ihren Weg gegangen, all das aufschreiben, was von den Kritikern sehr gelobt wird, von denen die am Buchrücken stehen, bei „Amazon“ gibt es ein paar Einstern-Rezensionen und ich würde mich dem anschließen und schreiben, daß die Autorin zwar schreiben kann und es auch sehr interessant ist, vom  heutigen indianischen Leben  zu erfahren, daß mir aber das, was und wie es es  beschrieben wurde, nicht gefällt, obwohl ich, in meinen therapeutischen Alltag ja auch mit manchen Krisen konfrotiert werde, zum Horrorroman eignen sich die aber, glaube ich,  nicht, beziehungsweise will ich das in dieser Form nicht lesen.

2017-07-20

Die Ferienfamilie

Jetzt kommt noch ein Sommerbuch, ein älteres aus dem Bücherschrank und eines, das ich schon nach dem Erscheinen gern gelesen hätte, aber damals war ich zu geizig, um mir Barbara Frischmuths „Ferienfamilie“ zu kaufen. Das Buch war aber, wenn ich mich nicht irre, in der „Frau“ als Fortsetzungsgeschichte und ich bin, als ich damals auf einen „Ferientag“ nach Linz gefahren bin, dort in eine alternative Buchhandlung gegangen und dort ein bißchen hineingelesen.

Und in der Beschrreibung des 1981 erschienenen Buches, die gefundene dtv-Ausgabe,stammt aus 1984, aber damals war die Anna schon geboren und ich bin nicht mehr allein nach Linz gefahren, steht etwas von „literarischer Kunstlosigkeit“. Damit ist vielleicht die Beiläufigkeit gemeint, mit der Barbara Frischmuth hier von einer Patschworkfamilie und dem Leben einer alleinerziehenden Mutter erzählt, ein Schicksal von dem sie  damals, glaube ich, auch betroffen war.

Da ist Nora, die Mutter von Pu, eine Übersetzerin und die hat im Sommer ein Haus am Land gemietet, um mit ihren Sohn dort die Ferien zu verbringen, acht Wochen, also eine Art Sommerfrische und das Häuschen ist so groß, daß es einige leere Zimmer hätte, so kommt die Schwester und Vater Nummer eins oder zwei, denn Pu hat noch einen Halbbruder und die geben Nora  ihre Kinder dazu.

Also reist sie noch mit dem zwölfjährigen Fenek und der achtjährigen Laja los und Vater eins oder zwei rät , daß sie allen erzählen sollen, daß sie eine richtige Familie seien, damit keine Fragen kommen.

Etwas was heut zutage vielleicht  nicht mehr so verständlich ist, aber es kommen ohnehin keine Fragen. Nur die Bäurin die das Haus vermietet hat, erklärt Nora, wie sie den Herd zu bedienen hat. Die Bäurin hat auch einige kinder und einen Fernseher, so ist die Freizeitfrage geklärt, denn am Nachmittag will Nora in der Laube arbeiten und ihre Ruhe haben.

Sie kocht am Abend Palatschinken und muß dann die Kinder suchen, die sich beim Fernsehen verplaudert haben und langsam  hört es auch zu regnen auf und die Ferienfamilie kann schwimmen gehen.

Ein wenig auffällig wirkt auch noch die Altklugheit mit der der zwölfjährige Fenek mit Nora Erwachsenengespräche  über Behiehungen führt, aber der lebt ja in einem Internat, weil Vater eins oder zwei mit Mutt drei in Amerika ist und seine Mutter in Australien und Nora trifft im Schwimmbad ihren Schulfreund  Lajos Molnar wieder und fängt mit ihm eine Ferienbeziehung an.

Dafür bekommt Pu ein Kätzchen geschenkt und streitet sich deshalb mit Laja, die traurig ist, weil ihre Mutter ihr im Gegensatz zu Feneks Vater keinen Brief schreibt.

Zu einer fast Katastrophe kommt es in dieser „literarischen Belanglosigkeit“ auch, Fenek stürzt, hat einen Schädelbasisbruch und Nora muß  nun der Schwester, keiner Bürokraft?, im Krankenhaus erklären, wie das  mit Feneks Vater und seiner Mutter ist und, wie  in Zweifelfällen üblich  eine Kaution erlegen. Die teilt sie sich mit dem hilfreichen Lajos und alles geht gut aus. Fenek gesundet, darf im nächsten Jahr auch wieder mit zur Ferienfamilie fahren und seine Eltern kommen aus der fernen USA und  Australien zurück, um nach ihrem Sohn zu sehen.

Eine alltägliche leichte Sommergeschichte und etwas, was wahrscheinlich sowohl Barbara Frischmuth als auch Elfriede Hammerl, die ja auch eine Spezialistin von Patschworkfamilien ist, erlebt haben werden.

Interessant, daß dem Buch Alterserscheinungen anzumerken ist, nicht vielleicht, daß Lajos Pu zwanzig Schilling gibt, damit die Kinder sich ein Eis kaufen können und der nun schnell nachrechnet, wie man das durch drei dividiert, sondern Wendungen wie, „Sich vor Lachen biegen“ oder „Plagegeister“ erscheinen heute fast liebevoll altmodisch oder liebevoll Österreichisch, wo ja schon im Netz diskutiert wird, ob der Verlag nicht aus einem „Kindl“ ein „Kind“ machen soll, um Mißverständnisse zu vermeiden.

„Ein leichtes lockeres Sommerbuch und wieder eine Erinnerung, an die späten Siebziger- bzw. frühen Achtzigerjahren, wo ich Barbara Frischmuth gelesen habe und mit Doderer im Stadtpark gelegen bin.

Heute mache ich dagegen nur mehr Sommerfrischenwochenenden, aber das auch acht, beziehungsweise sieben Wochen lang, habe keine Kinder zu beaufsichtigen und hatte, das auch  nur bei einem und bin froh, diese frühe Frischmuth jetzt gelesen zu haben.

„Die Schrift des Freundes“ ein etwas späteres Werk habe ich mir übrigens vorige Woche antwquarisch um zwei Euro gekauft.

2017-03-03

Klick

Filed under: Bücher — jancak @ 15:22
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Jetzt kommt zur Abwechslung wieder etwas aus dem Schrank, alt und neu ist ja die Losung, wenn man sich so einigermaßen durch die Literatur lesen will und da habe ich einmal ein rotgelbes Büchlein von einem mir unbekannten Sergej Bolmat gefunden und habe durch die Buchbeschreibung erfahren, daß das ein russisches Kultubch ist, das 2000 geschrieben, das hype Leben nach der Wende in Sankt Peterburg beschreibt.

Leben, wie im Traum oder, wie im Hollywoodfilm, könnte man so sagen und der 1960 in St. Petersburg oder wahrscheinlich Leningrad, geborene  Sergej Bolbat, lebt seit 1998 in Köln und führt uns in seinem Debutroman für den er den russischen „Booker-“ und noch andere Literaturpreise bekommen hat, das rassante Leben in dem hypen St. Petersburg vor.

Da gibt es nämlich, die im neunten Monat schwangere Marina, die mit ihrer Freundin Korea Ho und deren Hund in einer Art Wohngemeinschaft lebt.

Ihr Freund Tomja, ein Dichter, der moderne Verse schreibt, hat sie verlassen. Das Geld geht den beiden Frauen aus, die Wohnungsvermieterin drängt. Sie gehen aber trotzdem einkaufen und geraten an das Handy eines Auftragskillers, sie rufen an und bekommen den Auftrag einen Geschäftsmann, der von einigen Leibwächtern, wie das in dem hypen St. Petersburg offenbar so ist, umzulegen.

Das gelingt mit einigen Schwierigkeiten. Denn Erstens sind die Pistolen, die sie verwenden meistens nicht geladen, Zweitens verliebt sich das Opfer in Marina und will sie unbedingt heiraten. Die ist aber noch Tomja verliebt und will ihr Kind in Indien zur Welt bringen.

Deshalb sucht sie mit Korea Ho ein Reisebüro auf, sie quartierten sich auch in ein Luxushotel ein, bestellen Eis mit Mayonnaise. Man sieht vielleicht schon, wohin das supermoderne hype Buch geht. Dann kommt das Kind zur Welt, Tomja betrügt natürlich seine Freundin.

Korea Ho rät den Heiratsantrag anhzunehmen und das Opfer Charin beim Ringwechsel vor dem Traualtar umzulegen.

Das passiert dann auch, allerdings sind, glaube ich Tomja und Marina das Brautpaar und man ist sehr rasant durch das neue hype Leben von St. Petersburg, das ja einmal eine Zarenstadt war, gesprungen.

Ein nicht ganz so einfach zu lesendens Buch, das, glaube ich, aber trotzdem einen guten Eindruck vom russischen Leben nach der Wende gibt.

Bei „Amazon“ gibt es nur eine Rezension, die nicht ganz so begeistert, wie die Buchbeschreibung ist, es ist aber sicher spannend über das neue und moderne Russland zu lesen.

Über das von Stalin natürlich auch und da werde ich, glaube ich, auch bald bei einer Neuerscheinung dazu kommen.

2017-02-16

Unter der Sonne

Filed under: Bücher — jancak @ 00:05
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Jetzt kommt wieder etwas ganz Altes, nämlich Daniel Kehlmanns, 1998 bei „Deuticke“ erschienener Erzählband „Unter der Sonne“, da war der 1975 in München geborene und in Wien aufgewachsene Sohn des berühmten Regisseurs Michael Kehlmann, gerade dreiundzwanzig.

„Beerholms Vorstellungen“, das ich mir einmal in einem Antiquariat in der Kirchengasse, um dreißig Cent kaufte, war da schon erschienen und das Buch stammt aus einem der Bücher-Türme der „Literatur im März“, wo ich mir ja damals viel mitnahm und langsam aufzulesen versuchte, als ich mir vor ein paar Jahren alle meine ungelesene Bücher auf meine Leseliste schrieb. Die habe ich im vorigen Herbst mitten meines Buchpreislesens, als sich die Rezensionsexemplare türmten und ich sah, daß ich sie nicht, schaffte, wieder umgeändert.

„Unter der Sonne“ ist daraufgeblieben und das Buch passt jetzt auch ganz gut, wurde gerade ein Theaterstück von Daniel Kehlmann, der ja inzwischen aufgestiegen und berühmt geworden ist, in der Josefstadt aufgeführt, deshalb war er auch in der Sendereihe im Gespräch und eine Frage beim Ö1-Quiz und ich habe von den noch nicht so berühmten Kehlmann „Der fernste Ort“, 2001, bei „Rund um die Burg“ sowie in der „Alten Schmiede“ gehört und die dabei gemachten Erfahrungen in meiner „Viertagebuchfrau“ verarbeitet.

Dann kam 2003 „Ich und Kaminsky“, alles schon bei „Suhrkamp“ erchienen und der kleine österreichische „Deuticke“ und inzwischen „Hanser-Ableger“ leidet ja noch immer, daß der große Khelmann ihn verlassen hat, obwohl schon ein Vertrag, für dann bei einem anderen Verlag erschienenes Buch, geplant oder vorhanden war.

Nun ja, die „Vermessung der Welt“ erschien 2005 bei „Rowohlt“ und machte den Autor schlagartig mit einem historischen Roman berühmt, interessant, bei dem Radiointerwiew sagte er, daß er in seinem Literaturstudium gelernt hat, daß man ja nicht, unter gar keinen Umständen mehr einen historischen Roman schreiben dürfe und dann kam vielleicht auch ein Knick, denn die späteren Werke sind möglicherweise nicht mehr so erfolgreich oder bekannt geworden.

„Ruhm“ habe ich jedenfalls gelesen und den Roman „F“ 2013, als ich noch nicht so buchpreisbloggte auf der LL des dBps und jetzt ein Griff zu den Anfängen und die sind, ich schreibe es gleich, sehr interessant.

Richtig, etwas habe ich noch vergessen. In einer der aus Leseproben zusammengeknipsten Gratisbücher zum Welttag des Buches des Hauptverbands, war einmal eine Kehlmann-Geschichte, die mich sehr beeindruckt hat, sonst würde ich den inzwischen auch nicht mehr so ganzen jungen Mann ja eher für einen sehr eifrigen und ehrgeizigen Schreiber halten, der vielleicht auch gut gefördert wurde und jetzt sind diese Kurzgeschichten, die ich ja gar nicht so gerne lese, auch höchst eindrucksvoll.

„Bankraub“ heißt die erste und da wacht ein höchst mittelmäßiger junger Mann mit einem ganz gewöhnlichen Leben, der eine kleine Wohnung hat, gerne Bücher liest, aber sonst keine Interessen, auf und hat, als er seinen Bankauszug ansieht, plötzlich durch einen Irrtum ein paar Millionen auf dem Konto. Er hebt sie ab, bekommt sie sonderbarer Weise auch gleich in einem Koffer, nimmt ein Taxi, fährt zum Flughafen und dann an einemfernen Ort, um dort ein neues Leben zu beginnen.

Geht wahrscheinlich und passiert auch in Echtzeit nicht, ist aber sicher der Traum des kleinen Mannes und sehr gut und sehr präzis erzählt, das ist wahrscheinlich auch Daniel Kehlmanns Stärke.

„Töten“ heißt die zweite und erzählt von genausoviel Mittelmäßigkeit, vielleicht auch ein Kehlmann Thema.

Sommerferien, irgendwo in einer Gartensiedlung, ein gelangweilter Vierzehnjährigerärgert sich über den Hund des Nachbarn, schnappt im rennenden Fernseher ein paar Sätze über das Böse im Menschen auf, geht auf die Straße findet einen Ziegelstein, schmeißt ihn auf ein Auot, geht zurück, klaut der Mutter Wurst aus dem Kühlschrank, vermischt sie mit Rattengift, füttert den Hund damit und die Mutter fragt beim Essen „Wunderbares Wetter, nicht. Genau richtig für die Ferien. War das nicht ein schöner Vormittag?“

„Doch!“, sagte er dann, „doch ja. Er war ziemlich gut!“.

Für mich noch beeindruckender die Titelgeschichte, in der ich  Vorstudien für „Ich und Kaminski“ vermute, denn da geht ein, wahrscheinlich, wie Kehlmann sagen will, wieder mittelmäßiger Literaturdozent auf die Suche nach seinem Idol, der heißt Bonvard und ist ein schon verstorbener Dichter, der einen Roman oder eine Trologie unter dem Titel „Unter der Sonne“ geschrieben hat und Kramer, so heißt der erfolgllose Dozent hat sein ganzes Leben ihm gewidmet. Seine Bücher gelesen, vielleicht wegen ihm Literaturwissenschaft studiert, Diplomarbeit, Dissertation, jetzt die Habilitation, die in einem mittelmäßigen Verlag erscheinen soll, allles ihm gewidmet. Er hat ihm auch öfter Briefe geschrieben und ihm seine Verehrung ausgedrückt, keine Antwort, der Sekretär des Berühmtes hat die Briefe wohl alle weggeschmissen. Jetzt soll das Buch „Bonvards Grab“ heißen. Ein Foto von desselben ist aber nicht aufzufinden. So reist der Wissenschaftler in der Sommerhitze, an den kleinen französischen Ort, wo der Dichter lebte, hetzt einen Berg hinauf auf den Friedhof, um vom Gärtner dort zu erfahren, das Grab liegt in einem anderen Ort. Er fährt dorthin, aber der Zug ist ein schneller, der nicht stehen bleibt, sondern direkt nach Paris fährt, wo der Wissenschafter auch am Abend einen Vortrag halten muß. Jetzt erkennt er seine Mittelmäßigkeit und fängt im Zug zu weinen an und der Schaffner geht betreten hinaus.

Nun, das ist vielleicht ein wenig übertrieben und was soll eine seit über vierzig Jahren erfolglos Schreibende, der öfter von ihren Kriikern geraten wird, doch endlich damit aufzuhören, zu dem Text eines Zwanzigjährigen sagen, der inzwischen viel höher aufgestiegen ist?

Den Nobelpreis, den Bonvard übermütig ablehnte „Solche Ehrungen der Mittelmäßigkeit benötige ich weder künstlerisch noch finanziell“, hat er aber noch nicht und wird ihn vielleicht auch nicht bekommen, denn wir haben ja schon eine Nobelpreisträgerin und Deutschland, wo Kehlmann jetzt wieder zu leben scheint, hat die auch schon und so füge ich nur hinzu, daß ich auch einmal an einem sehr heißen Sommertag auf den Grinziger Friedhof hinausgegangen bin und während die anderen in wahrscheinlich fröhlicher Runde beim Leichenschmaus saßen, vergeblich das Grab unseres Idols Thomas Bernhard suchte und es auch nicht gefunden habe, aber ich bin ja eigentlich kein Fan der großen Meister und also auch von diesem nicht.

Mit der genauen Beschreibung der Sinnlosigkeit des durchschnittlichen Lebens beziehungsweise dessen Extremsituationen geht es weiter.

In „Auflösung“ verschwindet einer in die Psychiatrie, weil er die Zeit verliert. in „Pyr“ legt ein Pyromane seinem Autor die Liebe zum Feuer in die Feder und in „Schnee“ verschwindet der Direktor einer Firma in den weißen Massen und erlebt ein nie geahntes Glücksgefühl dabei.

Wie schon gewußt, sehr präzise und genau erzählt „Ein Fall von früher Meisterschaft“, schrieb die „Abendzeitung am Buchrücken.

Wir wissen  nun inzwischen, wie es mit Daniel Kehlmanns Begabung weitergegangen ist.

 

2017-02-12

Das Hochhaus

Jetzt kommt wieder etwas ganze Altes von der Leseliste, ein Buch, das ich in einem der offenen Bücherschränke gefunden habe. Und da reagiere ich vorwiegend nach Namen, die schönen Cover tuens mir auch manchmal an.

Aber den Namen Drewitz kannte ich, glaube ich, aus der Zeit als es noch, die sozialistische Zeitschrift „Die Frau“ gegeben hat, die meine Mutter abonniert hatte, vielleicht auch aus der „Emma“ oder der „Stimme der Frau“, die ich eine Zeittlang gelesen habe, beziehungsweise der Alfred sie in den Achtziger- und Neunzigerjahren oder so lange es sie gab, für die Anna abonniert hatte.

Keine Ahnung, der Name hat sich mir eingeprägt und jetzt habe ich natürlich nachgegooglet, daß Ingeborg Drewitz, die 1923 in Berlin geboren wurde und  1986 dort gestorben ist, eine gesellschaftpolitische, sozialkritische Autorin war, die einige Romane und Sachbücher geschrieben hat und bis vor ihrem Tod, auch Jurorin beim „Bachmannpreis“ war.

Es gibt auch einen nach ihr benannten Preis oder Preise.

Heute scheint sie aber ziemlich vergessen und ihre Bücher höchstwahrscheinlich nur mehr antiquarisch erhältlich.

Am Buchrücken steht fettgedruckt „Menschen und Gefühle in Beton….“ und unter der Inhaltsangabe „Ein Roman aus der Unwirtlichkeit unserer Städte.“

Das Buch ist 1975 erschienen und spielt 1974 in einem Hochhaus in Berlin. Die Handlung zieht sich eine Woche von Freitag bis Donnerstag hin und da wird jeden Tag eine Beschreibung voranggestellt.

„Freitag“ beispielsweise „Freitagnacht ist die erste Nacht der Woche. Freitagnacht werden Kinder gemacht. Freitagnacht wird viel Alkohol getrunken. Denn Freitagnacht fühlt sich der Mensch als Mensch.“

Dann gehen wir hinein in das Haus und lernen seine Bewohner kennen, die recht unterschiedlicher sozialer Herkunft sind, was ich beispielsweise nicht so realistisch finde.

Da zieht jedenfallls in den sechzehnten Stock aus Kassel, ein Direktor mit seiner Frau und seiner Tochter Susanne ein und rüstet sich zur Willkommensparty, wo er die anderen Direktoren samt Gattinen seiner Firma einlädt.

Die zwölfjährige Susanne hat mittlerweile die Bekanntschaft des gleichaltrigen oder vielleicht dreizehnjährigen Peters gemacht, sie beobachtet aus dem Fenster, wie er von zwei Jungen, Jockel und Kalli am Bein verletzt wird.

Die wohnen auch in dem Haus, Jockel ist schon fünfzehn und hat seine Mutter verloren, jetzt lebt er mit dem Vater, einem Fernsehautor, beziehungsweise reißt er, nachdem er Peter ein Bein gestellt hat, aus, kommt eine Nacht nicht heim, raucht einen Joint, bevor er vom Hausmeister, der stark berlinert nach Hause gebracht wird.

Kalli ist der Sohn eines Omnibusfahrers, Schofför steht in dem Buch, aber das ist der, der im Mercedes den Herrn Direktor Montag früh abholt und in die Firma bringt, während Jockels Vater einen BMW fährt.

Kalle hat einige Geschwister und wenn, die Eltern ein bißchen Sex haben wollen, schicken sie die Kinder nach draußen zum Spielen. Viele Kinder und eine schon wieder schwangere Frau hat auch der Herr Pastor, der ebenfalls in dem Haus wohnt.

Dann gibt es noch zwei ältere Damen und, um wieder zu Peter zurückzukommen, sein Vater, ein Maler, hat sich politisch betätigt und sitzt jetzt im Gefängnis. Darüber wird getruschelt, die Mutter Mitte Dreißig ist Verlkäuferin in einer Stoffabteilung und besucht den Vater jeden Sonntag in Tegel.

Bis Montag zieht sich die Handlung dahin und wir lernen die einzelnen Charakäre kennen, die Kinder freunden sich untereinander an, Susanne und Peter tun das, Jockels Vater macht ein großes Essen für den wiederheimgekommenen Sohn und verschafft ihm eine kleine Rolle im Fernsehen.

Susannes Mutter nimmt  Reitstunden und kleidet sich und die Tochter auch in standesgemäße Breeches ein und Peters Mutter geht Montagabend plötzlich aus dem Haus und alleine in ein Tanzlokal.

Sie fährt dann im Taxi heim, wird von einem, mit dem sie einige Male tanzte, im Auto verfolgt und am Dienstag steht der dann im Flur und fragt bei den Postkästen, eine der alten Damen nach einer Frau Aussehens.

Die antwortet aus Angst nicht, in einem wirklichen Hochhaus werden sich auch nicht alle Mieter kennen und mir würde nicht auffallen, wenn ein Fremder plötzlich am Montag bei den Postkästen steht.

Der findet jedenfalls die Mutter, als sie von der Arbeit nach Hause kommt und fährt mit ihr weg und nun nimmt die Handlung einen rassanten Schwung und es passiert wohl das, was Ingeborg Drewitz damit thematisieren wollte.

Die Mutter kommt jedenfalls nicht mehr zurück und der Sohn ruft am Dienstag aus der Schule in dem Kaufhaus an, die Kollegin meinte zwar, die Mutter wäre krank, meldet sich, was mir auch ein wenig unrealistisch erscheint, gleich bei der Fürsorge und, die erscheint dann auch und klopft oder läutet.

Es macht ihr aber niemand auf, denn Peter hat sich vor Schreck in der Wohnung verbarrikatiert. Ob das realistisch ist weiß ich nicht so genau. Er hat jedenfalls Angst, daß die Möbel geklaut werden würden, wenn ihn die Fürsorgerinnen in ein Heim bringen.

Die Fürsorgerin fragt beim Hausmeister nach und der geht auch hinauf und klingelt, überlegt, ob er den Kleinen nicht nach untern oder von dort was zum Essen hinaufbringen soll?

Diese Überlegungen haben auch der Pastor, die alte Dame, inzwischen steht das Verschwinden der Mutter schon in der Zeitung, ruft bei der Pfarre an, wo die Sekretärin zur selbständigen Nächstenliebe rät und Kallis Vater.

Sie kommen aber nicht dazu, den Kleinen in ihre Wohnungen mitzunehmen und ihren überlasteten schwangeren Frauen einen Tischgast zuzumuten, denn der macht nicht auf und der Pastor weiß auch schon weiter, daß das die Fürsorge nicht zulassen wird, weil sie mit ihm ja nicht verwandt sind.

Am Donnerstag oder so hat die Fürsorge, dann die Wohnung aufgebrochen und Peter mit einer Rotenkreuzschwester ab- beziehungsweise in ein Heim geführt und das Leben geht in dem Hochhaus weiter, beziehungsweise macht Susanne ihren Eltern Schwierigkeiten, als sie sich zu Essen weigert, wird aber von ihnen gleich belehrt, daß es eben soziale Unterschiede geben muß und am Schluß des Buches gibt es noch zwei kurze Zeitungsnotizen, die eine daß eine etwas Dreißighährige Frau erwürgt am Ufergebüsch aufgefunden wurde und dann noch eine von einem Autounfall und einen ausgebrannten Wagen, wo man rätseln kann, ob das der des Mörders der Mutter ist: „Bisher fehlt die Bestätigung des Unfalls der DDR-Behörden“ steht noch darunter, was uns daran erinnert, in welcher Zeit das Buch geschrieben wurde. Die Väter, die darin vorkommen, sowie der Hausmeister müssen sich ja auch noch die Frage gefallen lassen, was sie vor 1945 gemacht haben und der Hausmeister ist, wie man liest, auch Blockwart gewesen.

Und mir hat sich beim Lesen die Frage gestellt, was man in einem solchen Fall wohl wirklich richtig macht?

Was macht ein Zwölfjähriger, dessen Mutter am Abend nicht nach Hause kommt? Geht er zur Polizei, zu den Nachbarn, am nächsten Tag zur Lehrerin oder in die Direktion?

Und die Nachbarn, Kallis Eltern, vielleicht auch, die von Susanne, obwohl sie den Jungen noch gar nicht kannte, der Pfarrer, der Hausmeister sollen sich vorläufig, um ihn natürlich kümmern, wenn er anläutet und sagt „Die Mama ist nicht da?“

Aber dann wird sich vermutlich tatsächlich das Jugendamt einschaltetn und nach Verwandten fragen und wenn, die Mutter unauffindbar ist, ihn wahrscheinlich auch in ein Heim bringen.

Ein spannendes Buch, wo sich das meiste, abgesehen von den politischen Geschehen, das inzwischen anders ist, vielleicht auch heute noch so abspielen könnte.

Ich würde nur bezweifeln, daß sich Hartz IV Empfänger oder Alleinerzieherinnen wirklich unter einem Dach mit einem Pastor und einem Betriebsdirektor, der vom Chauffeur abgeholt wird, befindet, auch wenn es natürlich Dachetagen gibt, die viel teurer und viel größer sind und Ingeborg Drewitz dürfte es wohl auch vorwiegend, um die soziologischen Aspekten bei ihrem Roman gegangen sein, wie man an der „benützen Literatur“, die auf den letzten Seiten angegeben ist, sehen kann, besteht die  hauptsächlich aus Büchern über „Die wohnliche Stadt“, „Städtbauliche Utopien“ und andere „Wohnbaubücher. Literatur von Konfrad Lorenz und Alexander Mitscherlich ist aber auch angegeben.

2017-02-08

Im Lande Israel

Filed under: Bücher — jancak @ 00:15
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Jetzt kommt wieder etwas von meiner Leseliste und aus dem Bücherschrank, ein grünes „Suhrkamp-Taschenbüchlein“ aus dem Jahr 1984, das Jahr in dem meine Tochter Anna geboren wurde.

Amos Oz „Im Lande Israel“ und da ist der 1939 in Jerusalem geborene Schriftsteller, der in einem Kibbuzt lebt oder lebte, 2015 hat die Übersetzung seines „Judas“ den „Preis der Leipzigerbuchmesse“ bekommen, 1982, wie er im Vorwort schreibt, im Lande herumgereist und hat Gespräche mit verschiedenen Menschen geführt, die hier in den einzelnen Kapitel widergegeben werden, das von dem Land, seinen Leuten, seinen Schwierigkeiten, Problemen, Freuden erzählt.

Für eine, die nicht sehr viel Ahnung von der israelischen Literatur hat und gerade mal ein paar diesbezügliche Krimis, sowie einen Roman von Judith Katzir, David Grossmann und einen Meir Shalev gelesen hat, wo sie sich wunderte, wie gewalttätig, das Leben in den Jerusalemer und Tel Aviver Straßen ist und, daß da oft nicht einmal Kinder ungestört in ihre Schulen fahren können, nicht sehr einfach zu lesen.

Es kommt auch noch dazu, daß sich seit den frühen Achtzigerjahren des vorigen Jahrhundert sicher viel verändert hat, die Politiker nicht mehr die selben sind und, die Menschen die hier zu Wort kommen, vielleicht gar nicht mehr leben. Trotzdem ist der Streifzug durch das Land in dem ich nie gewesen bin sehr interessant, macht neugierig, verlockt zum Lesen und mit Ajelet Gundar-Goshen „Löwen wecken“, ein Buch über das ich in Leipzig vor zwei Jahren, wo Israel ja Gastland war, werde ich das, weil inzwischen auch gefunden, hoffentlich in diesen Jahr noch tun und jetzt hinein in das Land und zu seinen Leuten, mit Amoz Os durch Israel, der aus seinen Streifzügen sehr poetische Schilderungen machte und mit den Leuten,  mit denenAmos Oz, wie er in seinem Vorwort noch betonte, ohne Aufnahmegerät seine Interviews machte, über Religion und Glauben, die Araber und das leidige Palästineserproblem, über die Goj ims und die Dschidden, was die letzteren sind, kann man in den Fußnoten, wenn man es nicht schon weiß. nachlesen, führte. Es geht auch, um die Frage, was der Unterschied zwischen einem Israeli und einem Juden ist?

Ich würde da sagen, daß ein Jude einer mit dem entsprechenden Glaubensbekenntnis und ein Israeli der ist, der in diesem Land wohnt, aber vielleicht sieht man am Orte des Geschehens diesbezügliche Unterschiede.

Es wird auch die Frage diskutiert, ob die Juden, wenn sie sich nur rechtzeitig gewehrt hätten, den Holocaust verhindern hätten können und oo das ihre Palästinenserpolitik rechtfertigt.

Amos Oz besucht die Ost Jerusalemer Zeitung „Die arabische Morgenröte“ und den Friedhof von  Sichron Ja`akow und läßt einen arabischen Schriftsteller über seine schwierige Annäherung an die Israeli und seine Erfahrungen, daß diese auch Menschen sind erzählen. Dann diskutiert er mit Pater Dubois über „den Kampf zwischen Juden und Arabern, zwischen Irsrale und den Gojim und hört noch einen alten Mann über die Erfahrungen der Gründung Israels erzählen.

Am Schluß gibt es noch die Erfahrungen, die Amos Oz nach den Veröffentlichungen seiner Aufzeichnungen in der wöchentlichen Beilage der Zeitung „Davar“ machte und die „New York Times Book Review hat über „Im Lande Israel geschrieben:  „Dieses Buch führt in eindringlicher Weise jene menschlichen Realitäten vor Augen, die die explosive Situation der israelischen Gesellschaft bewirken.“

Interessant mit Amos Oz durch Israel zu reisen und sich die verschiedenen Stimmen von Land und Leute anzuhören, aber natürlich setzte ich hinzu, daß es wahrscheinlich noch interessanter ist, sich selber in den Flieger zu setzen und das heutige Land und seine heutigen Stimmen und Stimmungen zu beobachten und zu erfahren.

Aber ich bin ja, wie ich immer schreibe nicht sehr reiselustig, so hat es ein literarischer Kurzausflug zur Eindrucksfindung sicher auch getan und neugierig auf die israelische Literatur und seine Schriftsteller, bin ich, wenn ich das nicht schon vorher war, auf jeden Fall geworden.

2017-01-29

Adam geht durch die Stadt

Filed under: Bücher — jancak @ 10:03
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Ich suche mir seit einiger Zeit für meine „Reisen“ ja immer die nötige Reiselektüre aus, für die Salzburg-Lesung also Salzburg Bücher, wie sie beispielsweise, die von Margot Koller sind, da habe ich mir diesmal „Alle Wege führen…zum Wasser“ mitgenommen und ungelesen nach St. Pölten zurückgebracht, denn wenn man eineinhalb Tage in Salzburg ist und sich auch ein bißchen die Stadt und ihre Bücher ansehen will, kommt man nicht sehr zum Lesen.

Obwohl ich Erich Landgrebes „Adama geht durch die Stadt“ schon vorsorglich Donnerstag früh in der Wiener Badewanne zu lesen angefangen habe und jetzt in der in Harland beendete, denn eigentlich habe ich das Landgrebe-Buch ja schon bei unserem vorjährigen Salzburg-Aufenthalt lesen wollen, aber da hatte ich Margit Schreiner „HausFrauenSex“ halbgelesen mitgenommen und dann noch im Zug Margot Kollers „Im Paradies der Bücher“.

Und „Adam geht durch die Stadt“, den Roman, des 1908 in Wien geborenen und 1979 verstorbenen Malers und Schriftstellers Erich Landgrebe dessen Nachlaß im Salzburger Literaturarchiv, das wir uns im Vorjahr mit Margot Koller angesehen haben, verwaltet wird, habe in einem der offenen Bücherschränke gefunden.

Das Cover ist mir dabei wahrscheinlich aufgefallen und vielleicht auch der Name, ich suche mir meine Bücher meistens nach den Covern und den Autorennamen aus.

Ob ich da schon kombinierte, daß ich, als Kind einmal zu Weihnachten sein „Aufruhr in Salzheim – Ein Roman für die Jugend“ geschenkt bekommen habe und von der Geschichte der beiden Gauner, die mit einem falschen Tausendschillingschein eine ganze Kleinstadt lahmlegten, schwer begeistert war, kann ich nicht sagen.

Jetzt habe ich den „Adam“ ein Buch eines in Wien Geborenen, der in Salzburg gestorben ist, also gelesen und kann den spärlichen „Wikipedia-Angaben“, Landgrebe ist ja inzwischen, glaube ich, so gut wie vergessen und seine Bücher höchstwahrscheinlich nur mehr in den Schränken, Antiquariaten oder Archiven zu finden, nicht entnehmen, wann es geschrieben wurde und die früher erschienenen Bücher haben oft keine Zeitangaben. Da gab es ja einmal einen Krieg. Ist das Buch vorher oder später geschrieben worden? Dem Inhalt nach kann man es nicht erkennen, denn dort findet soetwas nicht statt.

Ich habe jedesfalls eine „Donauland-Ausgabe“ mit dem Copyright von 1954 und da steht im Klappentext, den es da wunderbarer Weise schon gibt, daß es sich bei dem Buch, um eine Neubearbeitung handelt und Landgrebe seinen Adam also wieder und neuerlich in die Stadt schickt.

Das hätte ich  damals im Archiv erfragen können, auf welche Ausgabe ich noch schauen soll. Bei „Wikipedia“ steht jedefalls auch etwas von einer sehr frühen NSDAP-Mitgliedschaft, daß sich Landgrebe nach dem Krieg davon distanzierte und, daß er Freunde wie Weigel, Doderer und Matejka hatte, die ihn förderten und stützten.

Nun denn hinein in das Buch, das für den am heutigen Schreibstil gewohnten etwas schwierig zu lesen ist, denn Landgrebe spielt sehr mit dem Raum zwischen Phantasie und Wirklichkeit und es auch nicht ganz einfach herauszufinden, was er damit sagen will?

Ist es ein Lob  auf das Künstlerlleben und eine Paradies auf das bürgerliche Beamtentum, wo die Menschen in stregen Regeln mit Ärmelschonern und Stempeln herumlaufen und das wirkliche Leben dabei versäumen?

Wenn das so ist, geht das Buch vielleicht zu schlecht aus, denn die Seifenblasen zerplatzen ja irgendwie und Adam, hat zwar einen Romanpreis gewonnen, sein Mädchen aber verloren, weil beide nie ehrlich zueinander sein konnten und sich immer etwas vormachen mußten.

Nun denn genug der Vorreden. Da liegt einer auf einer Wiese mit einem Zeitungsartikel in dem steht, daß er von der Polizei gesucht wird, weil er etwas angezündet haben soll. Also fälscht er seine Papiere, radiert den richtigen Namen aus und nennt sich fortan Adam, damit er nicht gefunden wird und zieht als Vagabund mit dem Rucksack herum.

Man erfährt auch noch, daß der falsche Adam aus einem bürgerlichen Leben gekommen ist, Familie und einen Beruf hatte, aber wegen einem untreuen Mädel mit dem Rucksack hinausgezogen ist, dort ist er zwar auch nicht immer ganz treu geblieben, sondern hat so manche Magd am Heustadel genommen und sie dafür gezeichnet, man sieht die autobiografischen Elemente, würde ich mal vermuten, denn auch einen Roman hat er vorher schon geschrieben und an eine Zeitungsredaktion geschickt.

Jetzt zieht er also herum und es kommt der Winter, die Zeit also, wo die Landstreicher irgendetwas stehlen, damit sie erwischt werden und den Winter warm auf Staatskosten überleben können. Adam tut das nicht, er geht in die Stadt. Ob Wien damit gemeint ist, weiß ich nicht, würde ich aber vermuten, Salzburg erscheint mir zu klein dazu. da wird er an der Stadtgrenze gleich von zwei Gaunern erwartet, die ihm sein Erspartes, das er noch hat, abknöpfen wollen. Adam ist aber, obwohl er so naiv wirkt, schlauer und zieht am Ende mit dem im Falschspiel gewonnenen Geld davon.

Er mietet sich in ein Zimmer ein, sucht sich einen Job als Kinorollenübertrager, ja das gab es damals offenbar, Pendler, steht im Buch. Dazu braucht er allerdings ein Motrrad, das er sich billig kauft, so ganz glatt ist es mit seiner Mittellosikgeit also doch nicht und er lernt auch gleich ein Mädchen, seine Sibylle,Tochter aus guten Haus, die einen lieben Papa hat und eine Mama, die den leider mit einem Gecken betrügt, kennen. Vielleicht ist das die Ursache, daß Adam und Sibylle nicht zusammenkommen können.

Sie lädt ihn jedenfalls zu einem Tee ein, ich habe ja schon geschrieben, daß ich mich wundere, wie freizügig man  in den alten Büchern war, dort lernt er Prinz Jeremias, den Luftkönigaufschneider und Rudolf, einen Malen, der eine Eisenhandlung übernehmen muß, kennen.

Prinz Jeremias oder Jeremias Prinz, wie er wirklich heißt, ist ein armer Teufel, einer von denen, die im Amt mit dem Ärmelschoner herumlaufen, lebt aber in seiner Traumwelt und flunkert allen alles vor. Metrostationen in Paris beispielsweise, die nach irgendwelchen Adeligen heißen,  Güter oder Fabriken, die er bald als Direktor übernehmen wird, dabei hat er kein Geld die Ringe zu bezahlen, die er seiner Inge, einer Gutstochter zur Verlobung schenken will. Die ist ihm aber über, nimmt sich alle Männer und luchst am Ende Adam noch das Auto ab, das er sich von dem Geld kaufte, das er mit dem Los gewonnen hat, das Jeremias ihm einmal schenkte und den gewonnenen Betrag partout nicht zurücknehmen will, denn er lebt ja in seiner Traumwelt und will von der Wirklichkeit nicht wissen.

Da merkt man schon, wie das Buch, beziehungsweise Erich Landgrebe gestrickt ist, schade, daß ich nicht weiß, wann er es geschrieben hat und wie er dazu gekommen ist, die Welt so zu sehen und natürlich ist es ein schöner Traum, sich einfach durch den Tag zu leben, einfach seine Papiere zu fälschen und sich damit eine Motorrad und sogar ein Auto zu kaufen und wenn man keinen Job hat, geht man zu einem Geschäft hin und putzt ungefragt die Fenster.

Heute würde das in Zeiten der Hochsicherheitssysteme ind Identitätskarten nicht gehen, damals war es offenbar anders, aber Adam und Sibylle, ich habe es schon geschrieben, kommen nicht zusammen. Sie erleben zwar in einem Hotel ihr Hochzeitsessen, aber immer wenn er sie besuchen will, läßt sie sich verleugnen, obwohl sie ihn liebt, ihn sogar Handschuhe schickt, damit er, wenn er seine Kinorollen ausfährt, keine klammen Finger bekommt.

So ist das Leben bei Erich Landgrebe und die Wünsche, die vielleicht ein Krieg und ein falsches Heilversprechen verstört haben?

Adam verläßt jedenfalls, als der Frühling wieder kommt, die Stadt und da trifft er dann den Landstreicher wieder, der ihm damals vernadert hat, er hat auch wieder einen Zeitungsartikel für ihn. Nur diesmal steht nichts von der Bradtstiftung sondern „Gesucht … steltsamer Steckbrief… der Preisträger des großen Wettbewerbes — unter falschen Namen als Gelegenheitsarbeiter … groß, dunkelblond, graue Augen… zweckdienliche Angaben…“ darin.

Und Adam geht weiter: „Wind weht über die Wege. Großes und Kleines wirft er drucheinander. Mist, Spreu, Samen – und manchmal ist eine Blume darunter. Und die Menschen gehen dazwischen und berechnen das Ihre und schwanken zwischen drohendem Gefängnis und Ehrungen, ahnungslos – wie wir alle.“

So schließt das Buch und Erich Landgrebe entnehme ich weiter „Wikipedia“ hat sich später hauptsächlich, als Maler betätigt. Ein buch über Vang Gogh hat er auch geschrieben, das noch auf meinen Bücherstapel liegt.

Vielleicht komme ich bei meinem nächsten Salburg-Aufenthalt dazu es zu lesen.

2017-01-27

Höhenrausch

Filed under: Bücher — jancak @ 00:07
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Jetzt kommt ein ChickLit einer Bestsellerautorin „Ildiko von Kürthy ist Spezialistin für den schauen Frauenroman“, schreibt die Welt am Sonntag und am Buchrücken steht „Liebe! Romantik“ ein supertolles Buch- Harald Schmidt“

Da teilen sich die Geister offenbar wieder, denn wenn man zu „Amazon“, den bösen geht, was ich ja gerne tue, findet man ein bis fünf Sternrezensionen in großer Zahl. Ich wäre hier, obwohl ich das ja nicht tue, vermutlich für die Einsternvariante und Ildiko von Kürthy gehört wohl zu den Autoren, die mir nicht so liegen.

Wladimir Kaminer, David Sedaris und wahrscheinlich noch ein paar andere, gehören auch dazu, obwohl das andere Kaliber sind, da liegt es wohl am Humor, der mir nicht so liegt, hier wahrscheinlich an der Frauenschemaliteratur, obwohl ich ja ChickLits eigentlich ganz gerne lese und ich da auch meine Lieblinge habe.

„Mondscheintarif“ habe ich vor Jahren gelesen und ein paar andere liegen noch in meinen Regalen, alles Funde aus den Bücherschränken und bei „Mondscheintarif“ haben mich die bunten Bildchen gesötrt, hier ist es, obwohl nicht alles rosa ist, ähnlich. Ein blaues Cover mit gelben Luftballons und dann immer wieder Bildchen, die die Handlung demonstrieren sollem.

Bei „Amazon“ habe ich einige Leserstimmen gefunden, denen das Buch auch nicht gefällt, obwohl sie schreiben, daß sie die 1968 geborene, freie Journalistin sonst ganz gerne lesen würden und meinen, daß es hier immer das gleiche Schema gibt: ein wenig selbstbewußtes Dummchen wird von ihrem Freund verlassen, sucht sich einen verheirateten Liebhaber, eine Freundin und einen schwulen Berater gibt es auch.

So ist es, könnte man da sagen, zumindestens bei diesem Buch, da ich sonst ja nur  eines gelesen habe und mich daran kaum noch erinnern kann, aber bei meinem Vicki Baum Schwerpunkt ist mir vor kurzem auch aufgefallen, daß die Vielschreiber, no na, ich tue es ja auch, sich an ihren Plots orientieren  oder sie wiederholen.

Und aufgefallen ist mir hier besonders, was vielleicht ein Merkmal der Chick Lits oder vielleicht nur das der Ildiko von Kürthy ist, es geht um nichts, als um Männer, abnehmen, schöne Kleider, etcetera, keine Politik, keine Probleme und das ist es wahrscheinlich auch, was mich stört und dann bin ich wahrscheinlich auch noch so konservativ, daß mich das Verherrlichen des Fremdgehens stört, obwohl das Ildiko von Kürthy vielleicht sogar ein bißchen sarkastisch behandelt.

Außer den Bildchen gibt es noch ein paar Schreibstile, ein unbekannter Freund, der Mails schreibt, die Freundin, die sich durch ein Bilchen „Silke (Jülich) ruft an“ zu kennen geibt und besonders originell, die Kapitelüberschriften, findet man dann ein paar Zeilen später mitten auf der Seite wieder.

Das Buch war gar nicht so leicht zu lesen, weil es plötzlich mitten drin von der Handlung abwich und anfing von der Vergangenheit zu erzählen oder Einschübe kamen, daß die Mutter, der Protagonistin, die schlechteste Weihnachtsgeschenkverteilerin aller Zeiten ist, etcetera,  Pausenfüller würde ich sagen, wenn ich die Schreibwerkstatt schauen würde.

Das ist also Linda Schumann, fünfunddreißig und vielleicht ein bißchen pummelig, jedenfalls ißt sie sehr gern, sie ist freie Übersetzerin und übersetzt, wie sie sagt, schlechte Liebesromane (vielleicht auch einen der Ildiko von Kürthy?)

Sie wird von ihrem Freund, den sie nur Draco nennt, der aber anders heißt, seinen Namen darf man aber nicht aussprechen, verlassen, das heißt sie kam auf einen Seitensprung drauf, verlangte eine Entscheidung, er wollte Zeit, so war es aus und Linda so totunglücklich, daß sie mit einem ihr unbekannten Andreas für drei Monate die Wohnung tauscht und nun in Berlin am Prenzlauer Berg wohnt und verzweifelt ist, so begibt sie sich in eine seltsame Partnervermittlungsagentur und lernt durch eine Verwechslung den schwulen Halbtürken Erdal kennen, der dann ihr bester Berater wird.

Andreas schreibt ihr SMS, in denen er ihr auch Ratschläge gibt und plötzlich taucht auch noch ein älterere Hans Berger auf, Spitzenmnager, verheiratet, Vater eines Sohnes, der am Wochenende heim nach Kiel zur Family fährt, aber in Berlin etwas für das Herz oder den Penist sucht, Pech nur, daß Linda sich total in ihn verknallt, so daß sie seinetwegen auch sündteure Schuhe kauft.

Es kommt dann in Hamburg zu einer Begegnung mit seiner Ehefrau, Linda hilft bei einer Party, wo beide anwesend sind bei Erdals Partyservice aus und die Ehefrau entpuppt sich eigentlich als nett, die ihr sogar, weil sie in Berlin lebt, den Ratschlag gibt, sich um ihren armen Mann zu kümmern, der ja unter der Woche so einsam in Berlin ist und die beiden offenbar auch sehr verliebt sind.

Am Schluß des Buches taucht Draco auf, der sich nun doch für Linda entschieden hat und sie wieder zurückhaben will, aber jetzt ist es sie, die zögert und nicht weiß, für welchen der Männer sie sich entscheiden soll?

Es kommt zu einer Szene, wo Johann Berger mit Sekt und Blumen vor der Türe steht und drinnen in der Wohnung ist der nackte Draco und „Schätzchen du hast mich wohl doch mehr vermißt, als du zugeben willst!“, schreit, denn Linda hat von ihrer Mutter zu Weihnachten ein Kißen mit einer Männerhand geschenkt bekommen, daß er in ihrem Backofen gefunden hat und Linda kann sich nun entscheiden, schmeißt beide hinaus und fängt wahrscheinlich eine vielleicht bessere Beziehung mit den bisher unbekannten Andreas an.

„Sternschanze“, steht noch auf meiner heurigen Leseliste, vermutlich werde ich nicht mehr dazu kommen.

 

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