Literaturgefluester

2017-03-12

Was man lesen soll?

Angeregt von Judith Olivas Blogartikel „Überwältigt von all den Büchern, die man gerne lesen würde“, möchte ich hier auch wieder mal über mein Leseverhalten und meine Bücherliste nachdenken.

Denn das, was sie da beschreibt ist ein Problem, das ich gut verstehe und mit dem ich mich auch regelmäßig auseinandersetze und darüber schreibe.

Problem? Eigentlich ist es gar kein keines, denn es es ja ein Luxus eine große Auswahl, viele Bücher und eine große Leseliste zu haben und ich denke auch, daß es die Mischung zwischen alt und neu ausmacht und daß man beides lesen soll.

Die Neuerscheinungen, aber auch die Bücher die vor ein zwei drei Jahren auf den Buchpreislisten standen, aber auch die Klassiker, den Schwejk, den Ulysses, den „Mann ohne Eigenschaften“ und und und falls man es noch nicht gelesen haben sollte….

Und da bin ich natürlich schon bei dem Problem und komme ihm nicht aus, denn bei neunzigtausend oder was auch immer jährlichen Neuerscheinungen kann man im Jahr 2017 gar nicht alles lesen, so gerne man es will und das will ich, ich gebe es zu.

Obwohl ich natürlich weiß, ich ich es nicht kann und schaffen werde, weil ich ja gar keine so besonders schnelle Leserin bin, sondern, wie man auf meiner Bücherliste unschwer sehen kann, nur hundertfünfzig bis hundertfünfundsiebzig Bücher jährlich schaffe und die Tendenz ist rückläufig, wie man ebenfalls sieht.

Ich lese derzeit fast jeden Morgen ein bis zwei Stunden in der Badewanne und stehe diesbezüglich auch gern ein wenig früher auf, so daß ich es leicht und locker bis zu meiner ersten Stunde, die meistens um zehn beginnt, schaffe und ich mich darauf auch ein wenig vorbereiten kann.

Am Abend komme ich eher nur am Wochenende dazu ebenfalls eine Badewannenleserunde einzulegen und ich lese inzwischen bevorzugt in der Badewanne. Das erspart mir, glaube ich auch, die Saunabesuche, die Urlaube am Meer und die Wellnessaufenthalte, weil ich ja Montag bis Freitag oder Donnerstag bevorzugt zu Veranstaltungen gehe und dann komme ich nach Hause und blogge darüber.

Am Wochenende, wenn mich der Alfred nicht gerade in ein Kino schleppt. lese ich auch am Abend und zu Weihnachten, Ostern oder wenn ich meine Sommerfrische in Harland mache, denn da gibt es kaum Veranstaltungen und ich lese im Schnitt drei Bücher pro Woche, das macht die hundertfünfzig, weil es gibt ja immer auch ein paar dicke, wofür ich  länger brauche.

In den Vorblogzeiten habe ich gedacht, die richtige Lesezahl, beziehungsweise Leseverhalten ist ein Buch pro Woche und habe das glaube ich auch so getan.

Die Durchrschnittsleser, die Österreicher und die Deutschen habe ich mal gehört lesen acht beziehungsweise neun Bücher im Jahr, da bin und war ich eindeutig immer darüber und inzwischen lesen immer mehr Leute weniger bis gar nicht und einige mehr und bloggen oder vloggen beziehungsweise booktuben auch darüber.

Bei mir hat auch das Bloggen das Leseverhalten eindeutig verstärkt, beziehungsweise das Jahr 2010, wo die offenen Bücherschränke kamen, beziehungsweise ich durch die anderen Blogs zu einer hundert Bücher Liste animiert wurde, woraus dann meine Leseliste entstanden ist und die wurde immer länger und länger, dennn 2013 habe ich mich dazu aufgerafft, allle ungelesenen Bücher, ich hatte ja noch viele von den Büchertürmen bei der „Lyrik und März“ und anderen Gelegenheiten, aufzuschreiben und hinunterzulesen.

Teilweise habe ich das auch getan, denn da hatten sich ja wahre Schmankerln und Klassiker angesammelt und in den Bücherschränken findet manauch wahre Schätze und ich bin auch keine, die sagt, ich lese pro Autor nur ein Buch, ganz im Gegenteil.

Wenn ich einen Autor für mich entdecke, will ich möglichst alles von ihm lesen und greife bevorzugt nach seinen Büchern.

So habe ich vor Jahren einen Artikel über das zwischen Alt und Neu geschrieben und habe damals auch eher bevorzugt das Ältere gelesen, nämlich, das was ich auf meiner Leseliste hatte, beziehungsweise in den Abverkaufskisten fand, denn neue Bücher zum Normalpreis habe ich mir schon lange nicht mehr gekauft.

Das kann man gut oder schlecht finden. Die Buchhändler werden sich nicht darüber freuen, aber ich sage, ich habe schon genug und habe irgendwann auch angefangen Rezensionsexemplare anzufragen. Sehr vorsichtig und wenig erst.

Bei der Veranstaltung im „Palais Niederösterreich“ habe ich Gabriele Ecker nach dem Travnicek Buch gefragt und  Dine Petrik ist daneben gestanden und hat  „Macht man das so?“ gefragt.

Wenn man bloggt vielleicht schon und als ich, die „Mimi“ geschrieben habe, habe ich bei „Haymon“ nach Ludwig Lahers „Einleben“ gefragt, daraufhin habe ich dann eine Zeitlang die Vorschauen und die Vorabbücher bekommen. „Residenz“ hat mir auch eine Zeitlang die Kataloge geschickt, denn da habe ich ja einmal den Verlag besucht und ein paar Autoren und Verlage haben mich auch schon angeschrieben.

Der „Holzbaum-Verlag“, zum Beispiel der mir ja in schöner Regelmäßigkeit schickt und ganz langsam und behutsam habe ich auch einmal in Deutschland angegragt.

Als Buzzaldrin 2013, die Aktion „Fünf lesen vier“ startete, woraus sich dann die „Buchpreisblogger“ bildeten, habe ich gedacht, das möchte ich auch, mich aber irgendwie noch nicht so recht getraut und gedacht, die deutschen Verlage schicken mir sicher nicht und ich habe ja meine Leseliste.

2015 habe ich mich dann auch entschlossen „Buchpreiszubloggen“, habe etwa zehn der zwanzig Bücher bekommen und 2016 schon 19 und ab da haben sich immer mehr Verlage gemeldet und mir ihre Bücher angeboten, ganz selten habe ich sie auch ungefragt zugeschickt bekommen und da kann ich, weil ich ja sehr neugierig bin, schlecht neun sagen und es ist ja auch sehr interessant, was da alles erscheint.

Aber die Leseexemplare wandern oft auch in den Bücherschrank und wenn ich Glück habe, komme ich hinzu und nehme sie heraus, setze sie auf meine Liste und freue mich darüber.

Denn vor 2015 habe ich ja nicht  alle Buchpreisbücher gelesen, wenn ich sie also finde wow, freu ich mich und über das Buch der Theodora Bauer, da habe ich zwar einmal anfragte, aber nicht gekommen ist, die Andrea Stift hat es mir auch einmal versprochen und  vielleicht darauf vergessen und dann habe ich es vor einiger Zeit gefunden und Hanno Millesis „Schmetterlingstrieb“ den ich ja sehr gerne mag vor kurzem auch und Sabine Grubers „Daldossi“. Da bin ich schon sehr neugierig, wie mir das Buch gefällt, da es ja auch schlecht besprochen wurde.

Im vorigen Herbst, als ich gerade Buchpreis las und sah, daß ich meine Leseliste unmöglich schaffen werde, habe ich ja umdisponiert, sie kurzerhand gelöscht und dann im Jänner mit den absoluten Schmankerl und den Büchern die ich unbedingt lesen will ergänzt. Das sind die älteren, zum Beispiel Dimitri Dinevs „Engelszungen“ oder „Engelsgift“ von der Susanne Ayoub, oder die Bücher die ich mir aus den Abverkaufskisten ziehe oder bei den Bücherflohmärkten kaufe.

Rezensionsexemplare ziehe ich immer vor und lese sie zuerst. Das wird von mir erwartet und ist ganz klar und dann kann es, wenn man, was ja fein ist, immer mehr Anfragen bekommt und schlecht nein sagen kann und das eigentlich auch nicht will, passieren, daß die Bücherliste, auch wenn ich die alten Schmankerln jetzt schon auf nur mehr fünfzig und nicht hundertfünzig, wie ich 2013, glaubte, daß es zu schaffen ist, immer länger und länger wird und da gibt es ja 2017, die Geburtstags und Weihnachtsbücher vom Vorjahr, die ganz tollen den Tillmann Rammstedt, die Marlene Streeruwitz, die ich unbedingt schaffen will, aber Buchpreis lesen wiill ich wahrscheinlich auch wieder, denn das ist ja eigentlich sehr toll und außerdem jetzt doppelt.

Also muß ich mich auch, wie Jutdith Oliva zwischen alt und neu entscheiden. Es bleibt mir gar nichts anderes über. als das zu tun. Und da gibt es einige Möglichkeiten das zu tun. Ich kann allen Anfragen, ein „Nein!“, eintgegensetzen und selber auch nicht anfragen, nicht mehr Buchpreisbloggen, einen Bogen, um die Bücherschränke und die Abverkaufskisten machen, etcetera….

Ich sagte gleich, ich habe das versucht und überhaupt nicht zusammengebracht und denke mir auch, warum soll ich es tun?

Denn die Lösung ist wahrscheinlich, die Quadaratur des Kreidses ausprobieren, in dem man beides tut. Denken, dieses und dieses Buch auf meiner Liste will ich heuer unbedingt leen, aber wenn ich das will, muß ich vielleicht strenger auswählen und bei den Schränken öfter überlegen, werde ich das wirklich lesen und da trage ich auch regelmäßig etwas zurück.

Julian Barnes „Flaubert Papagei“ auf Englisch beispielsweise auf kurzem. Denn das würde ich zwar gerne lesen, bin aber so realistisch, daß ich weiß, zu englischen Büchern komme ich wahrscheinlich nicht, wenn so viel anderes wartet, wie ich auch kaum ein Buch ein zweites Mal lese.

Würde ich gerne, aber tut mir leid, geht eben nicht. Ausnahmen gibt es, so habe ich den Doderer das letzte Jahr zweimal gelesen, aber daß ich das tue bin, ich erst während des Lesens darauf gekommen, da in dem Buch schon was unterstrichen war und bei der „Welt von gestern“ habe ich das bewußt getan. Da habe ich gedacht, das muß ich tun, wenn ich Stefan Zweig verstehen will.

Judith Oliva meint, glaube ich, daß sich ihre Leser für das Alte nicht interessieren und das ist eine Beobachtung, die ich eigentlich bei mir nicht teilen kann.

Denn ich habe ja einmal vor vielen Jahren in der städitischen Büchereifiliale Gumpendorferstraße aus der dortigen Gratiskiste zwei Ulrich Becher Bücher genommen und dann lange liegen lassen, dennn Ulrich Becher, wer ist denn das? Keine Ahnung, der Johannes R. nicht, wenn man kein Literaturlexikon hat und es noch kein Wikipedia gibt.

Dann habe ich „Kurz nach 4“ gelesen und bin etwas später wandern gegangen und dann hatte ich verzweifelte Anrufe und Mails eines Verlegers, der das Buch neu auflegen wollte, auf meinen Bändern und der Mailbox, weil er glaube, daß ich Briefe hätte, die ohnehin nur in einem „Aufbau Taschenbuch“ standen.

So kann es gehen und weil ich ja manchmal ganz ganz Altes lese,  kommen die Leute die sich dafür interessieren, nur zu mir und zu niemanden sonst. So ist das zum Beispiel bei Sigrid Undsets „Kristin Lavrantochter“ ein Buch aus der Bibliothek meiner Eltern, das wird bei mir sehr oft aufgerufen. Wahrscheinlich gibt es nicht so viele andere Rezensionen.

„Scherbenpark“ wird auch sehr oft aufgerufen. Da stehe ich wahrscheinlich bei den Suchanfragen vorn und „Der Weg des Künstler“, das selbe beobachte ich auch bei Thomas Sautners „Fremdes Land“ und das finde ich spannend, aber mir ist das ja eigentlich egeal, denn ich bin ja  kein Dienstleisterblog, obwohl ich mich über positive Kommentare sehr freue, sondern blogge eigentlich für mich und betrachte mein Bücherarchiv, als mein literarisches Gedächtnis und ich würde gerne allle Bücher lesen und weil das nicht geht, so viel wie möglich und so werde ich auch in Zukunft weiter mischen und  abwarten, wie das geht und was mir davon gelingt?

Im Augenblick habe ich eine längere Leseliste der Frühjahrsneuerscheinungen und werde dafür wahrscheinlich den ganzen März und wahrscheinlich auch den April brauchen. Wenn ich dann wenigstens die Schmankerln von meiner Leseliste herunterlesen kann, bis im August die neue „Buchpreisliste“ kommt und mich wahrscheinlich für den Rest des Jahres lahmlegt, wäre das fein.

Aber vielleicht habe ich dann auch schon einige Bücher gelesen, bei dem neuen buch der Olga Grjasnowa und dem des Ferddun Zaimoglu könnte das ja sein und vielleicht steht auch Juliana Kalnay auf der langen Liste, nur zu würde ich sagen das wäre fein, gilt übrigens auch für „Tierchen unlimited“, das mir sehr gefallen hat.

Es ist die Mischung, die ist macht und es ist schön, daß es soviele Bücher gibt und schade, daß ich jetzt auch schon selektieren muß und denken, na ja diesen Krimi vielleicht nicht und das mußt du auch nicht lesen!

Etwas, was ich eigentlich nicht will, weil ich das beim mir  ja auch nicht hören will, aber wohl nicht immer möglich ist.

In diesen Sinne wünsche ich mir, Judith Oliva und alles anderen, ein schönes Lesen und finde es fein, daß ich die Freude daran im Laufe der Zeit nicht verloren habe.

Das wünsche ich natürlich auch alle den anderen, wenn mir auch das Schreiben der eigenen Bücher natürlich wichtiger ist, das schreibe ich auch dazu und das ist wohl auch der Grund, warum ich nie über die zweihundert Bücher komme werde und Blogs lese ich auch sehr gerne und habe mir in den letzten Monaten auch die „Booktube Videos“ entdeckt, die ich sehr interessant finde.

Da sind zwar sehr viel junge Mädchen dabei, die etwas ganz ganz anderes, als ich lesen. Aber auch eine junge Frau aus Wiesbaden, die mich auf die Idee gebracht hat, Julian Barnes „Lärm der Zeit“ zu lesen, was mir sonst entgangen wäre und das ist veilleicht auch sehr interessant, bei einigen Büchern denke ich mir, daß ich sie nicht lesen will, „Harry Potter“, zum Beispiel, lasse ich im Schrank sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch stehen, da werden jetzt wahrscheinlich einige auschreien und ich entschuldige mich auch dafür, gehört dazu.

„Shades of Grey“ nicht. Da habe ich einmal einen Teil gefunden und der steht auf der Leseliste. Bei Hanya Yanaghara „Ein wenig Leben“ verspüre ich auch wenig Begeisterung, mir das Buch jetzt unbedingt sofort zu bestellen.

Werde aber danach greifen, wenn ich es in den Schränken finden sollte und mich dann nur fragen, wann ich es lesen soll?

Denn meine Leseliste geht schon wieder weit in die Zukunft hinein und da hätte ich auch einige Neuerscheinungen oder vielleicht schon etwas ältere Bücher, die ich gerne finden würde. Das der Julya Rabinowitsch gehört dazu, das letzte des Peter Henisch, Volker Weidermanns „Ostende“ und und und….

Ich bin gespannt und manchmal hat man ja auch Glück und findet, was man sucht, so ging es mir in Salzburg mit Isabell Bodgans „Der Pfau“ und die Klassiker, Pearl S.Buck zum Beispiel, die von meiner Leseliste verschwunden sind, sollten auch nicht zu kurz kommen.

Aber wie heißt es so schön, man kannn nicht allles lesen, aber die Mischung machts!

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2016-07-24

Habseligkeiten

Filed under: Bücher — jancak @ 01:29
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Jetzt kommt wieder ein Buch, das vor zwei oder drei Jahren nach dem klinischen Mittag in der kleinen schäbigen Buchhandlung in der Lerchenfelderstraße aus einer der Abverkaufskisten zog.

Richard Wagners „Habseligkeiten“2004 bei „Aufbau“ erschienen und von dem 1952 im Banat geborenen, der dort als Deutschlehrer und Journalist tätig war und 1987 nach Berlin übersiedelte, habe ich, glaube ich, schon „Ausreiseantrag“ gelesen.

Er hätte auch 2009 bei der „Literatur im Herbst“ lesen sollen, ist aber nicht gekommen und das Buch schildert etwas höchstwahrscheinlich Autobiografisches, obwohl der Ich-erzähler laut Klappentext Werner Zillich heißt.

Der ist nach dem Tod seines Vaters auf Besuch bei der Mutter im Dorf. Die trägt ihm die guten heimischen Tomaten auf, Kaffee und Tee und fragt ihn alle paar Minuten, ob er nicht noch bleiben will?

Denn lebend wird sie den inzwischen in Deutschland lebenden Sohn wohl nicht mehr sehen. Der muß aber zurück, mit dem Auto über Ungarn und Budapest und überdenkt auf der langen Fahrt, die Geschichte seiner Familie.

Die Großeltern Johann und Katharina sind zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert. Die Tochter Theresia haben sie dabei bei den Großeltern zurückgelassen. Weil John, wie er inzwischen heißt, angeblich einen Mann aus dem Fenster schmiß, kommen sie neun Jahre später wieder zurück und der erste Weltkrieg kommt auch.

Theresia redet nichts mehr mit der Mutter, verheiratet sich mit einem Bastian, bekommt drei Kinder, Lizzy, die Mutter des Erzählers, Paul und Franz, die im nächsten Krieg nach Deutschland gehen und mit Totenköpfen an der Uniform auf Heimaturaub kommen, beziehungsweise ihr weiteres Leben nach dem Krieg in Brasilien verbringen.

Im zweiten Kapitel macht der Erzähler dann in Budapest in einem Hotel Station, nimmt sich zwei Mädchen mit aufs Zimmer, betrinkt sich mit ihren und soll dann eine mit dem Auto nach Wien fahren, wo die Mutter während der Kriegszeit lebte, während er in Budapest einen Onkel hatte, einen Großvater in Wien und  die Mutter ist nach dem Krieg wieder zurück in den Banat gekommen.

Mit  Clara, fährt er nach Wien und steigt dort in einem Hotel in der Nähe des Westbahnhofs an, während sie sich  in einem „Table-Dance-Loka“ verdingt, liegt er im Bett und denkt über seinen Vater Karl nach. Der war Müller, wurde von den Kommunisten enteignet,  vorher war er im Krieg bei der rumänischen Volksarmee und wurde dann fünf Jahre von den Russen zur Zwangsarbeit deponiert, was sehr lang und genau beschrieben wird.

Dann kehrte er zurück und Werner wurde in den Fünfzigerjahren, als schon die Kommunisten herrschten geboren, die Mutter gab, weil ja alles verstaatlicht wurde, ihre Schneiderei auf und arbeitete fortan schwarz, hinter versclossenen Türen für die Frauen im Dorf gegen Liebesromane, die sie gerne las.

Werner Zillich ging als einziger aufs Gymnasium, wurde Bauingenieur in Temeswar und heiratete wegen der „Zuteilung“, das heißt verheiratete Studenten bekamen eine Stelle in der Nähe, während die anderen übers Land verschickt wurden, Monika, eine Germnistikstudentin, die er schon von der Schule kannte.

Ihre Eltern hatten schon einen Ausreiseantrag erstellt, so hat er diesen gleich „miterheiratete“ und wanderte dann mit ihr und der Tochter Melanie in den Achtzigerjahren nach Deutschland aus. Die Ehe scheiterte, wegen eines Seitensprungs, es kam zu einem Rosenkrieg und vielen Psychologen, die die Tochter untersuchten und dem Vater ein Besuchsverbot erteilten. Die Tochter verweigerte lang den Kontakt, jetzt ist sie aber schon erwachsen und studiert in Ulm, wofür der Vater bezahlen mu0ß.

So traut er sich einen Anruf und fährt von Wien über Ulm zurück, wo er die Tochter in einem Lokal trifft und es zu einer Aussprache zwischen den beiden kommt.

Im vierten Teil geht es dann nach Sandhofen anf die Baustelle, wo er Bauleiter ist und es Probleme gibt. Es ist nicht alles so in Ordnung und läuft ein bißchen korrupt. Dennoch muß er unterschreiben und den Architekten, seinen rivalen, den jetzigen Mann seiner Geliebten, mit der er Monika betrogen hat und die in der Firma Sekretärin ist, schmeißt er fast aus dem Fenster. Die Ungarn, die er in Budapest kennenlerne und die Clara zu ihm bringen, retten ihn, sie steigen auch in die Firma ein, machen ihm zum Aufseher. Er heiratet Clara, besucht mit ihr und Melanie die Mutter und am Schluß machen sie Urlaub auf den Seychellen und er liest ihnen einen Brief von seinem Vater, den in der Süterlinhandschrift vor.

Ein märchenhafter Schluß, habe ich irgendwo gelesen. Am Buchrücken steht „Dieser Roman steht in der Erzähltradition, die Christa Wolf, Johannes Bobrowski und Uwe Johnsen begründet haben.“

Richard Wagner, der inzwischen an Parkinson erkrankt ist, hat 20115 das Buch „Herr Parkinson“ herausgegeben, das wahrscheinlich von einer anderen Realität und Wirklichkeit des Autors handeln wird.

2016-07-08

Der Sommer ohne Männer

Mein heurigen Sommerbuch, der 1955 in Minnesota geborenen Siri Husvedt, Ehefrau von Pau Auster, von der ich die „Zitternden Frau“ und, ich glaube, noch etwas gelesen habe, habe ich vor ein paar Jahren um Weihnachten bei einem Abschlußverkaufs in St. Pölten bekommen.

Siri Husvedt, die sich in ihren Arbeiten, sehr auf Psychologisches zu beziehen scheint, schreibt darin von der Mitfünfzigerin, Mia, einer Schriftstellerin, die von ihrem Ehemann plötzlich eine „Pause“, wegen einer seiner Assistentinnen, wie Siri Husvedt ironisch schreibt „verordnet“ bekommt.

Das stürzt sie in eine Krise, bringt sie in die Psychiatrie, sowie zu einer verständnisvollen Therapeutin, so daß sie daraufhin beschließt, ihren Sommer bei ihrer Mutter und deren gleichaltrigen oder älteren Freuninnen zu verbringen, sowie einen Literaturkurs zu geben, der von sieben Schülerinnen besucht wird.

Sie gibt ihnen die Aufgabe über die „Grauslichkeiten“ und ihre Widersprüche zu schreiben, führt selbst ein Sextagebuch in dem sie ihre Vergangenheit erforscht, freundet sich mit ihrer Nachbarin und ihren zwei kleinen Kindern an und bekommt seltsame Briefe von einem Mister Niemand, der vielleicht, wie sich herausstellen wird, eine Missis ist.

Die Schülerinnen beginnen Alice, weil sie ein bißchen anders, eine Streberin oder so, zu mobben, werfen ihre blutige Binde voll Abscheu auf den Tisch, fingieren ein Date und die Lehrerin, die von ihrer Tochter Daisy inzwischen aufmunternde Briefe bekommt, das Dad schlecht aussieht und von seiner Pause weg ins „Hotel“ gezogen ist, veranstaltet in der Schreibgruppe zuerst ein Rollenspiel, dann wird ein gemeisamer Text verfaßt, mit dem alle leben können.

Eine der mütterlichen Freundinnen wird auf die „Alzheimer-Station“ abgeschoben, die andere erleidet einen Schlaganfall und Boris beginnt schließlich Briefe zu schreiben, in dem er seine Änderung gelobt und sieben Punkte anführt, die er in Zukunft beachten wird, von besser kochen und im Kühlschrank nachzusehen, ob auch genügend Milch da ist, das er Mia immer lieben wird, was ihr das wichtigste ist,  am Schluß kommt er selbst und die Midlife- oder Krise des die des Älterwerdens  ist überstanden und das Leben geht weiter bis in den Tod…

Einen theoretischen Excurs über das Geschlechterverhältnis und, ob Frauen denken können, gibt es auch und das ist es was die „Amazon-Leserinnen“ an dem Buch beanstanden, der fortwährende Excurs in die Psychologie-Psychiatrie und die Verwendung der entsprechenden Fachausdrücke.

Mich, die ich ja in der Psychologie zu Hause bin, stört das weniger, als Roman würde ich den „Sommer ohne Männer“ trotzdem nicht bezeichnen und eigentlich auch nicht als ein Sommerbuch.

Es ist ein Excurs über das Leben und da,s was einer Frau zwischen fünzig und sechzig so passiert, der Mann betrügt sie vielleicht, die Mütter werden alt und sterben, die Töchter flügge,  die jungen Ehefrauen werden vieleicht auch schon von ihren Männern betrogen oder geschlagen und die Kinder weigern sich zu sprechen oder tun das mit Phantasiefiguren, während es bei den Pubertierenden ADHD Verdacht gibt und die halbe Klasse Ritalin schluckt.

Ja, das Buch spielt in Amerika und wurde von einer amerikanischen Schriftstellerin geschrieben, so kommt der Sex natürlich vor und Dr. Freud.

Daß die Mädchen ihre Binden heutzutage noch in der Klasse verlieren, halte ich eher für anachronistisch, mir ist das, glaube ich, mal passiert, da werden wohl eher falsche Nackfotos und Hasspostings ins Facebook gestellt.

Im Writerstudio habe ich gelernt, daß solche Romane wohl mehr Personal Essays oder literarisch aufbereitete Memoirs sind. Noch etwas kommt bei Siri Hustvedt, der Frau eines berühmten Schriftstellers hinzu. Sie kommuniziert auch mit ihren Leserinnen, spricht sie an, gibt Ratschläge, etcetera. Das Ganze ist auch eher zusammenhanglos in kleinen oder größeren Minitaturen, die manchmal nur ein paar Sätze lang sind, geschrieben.

Zeichnungen gibt es auch und so könnte man sagen, daß ich ein interessantes künstlerisch aufgearbeitetes amerikanisches Buch über das Leben und, das was einer Frau zwischen fünzig und sechzig so passiert und in abgewandelter Form, mein Mann hat mich nicht verlassen und kauft die Milche und die Orangen auch regelmäoig sein, auch mir passierte.

2016-06-06

Eigentlich ein Heiratsantrag

Filed under: Bücher — jancak @ 23:59
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Geschichten von Jagoda Marinic, die ich mir einmal mit einem Stoß anderer Taschenbücher gekauft habe, als es bei der „Buchlandung“ einen Abverkauf von Ein Euro Bücher, viele „Suhrkamp-TB-Bändchen“ dabei, gegeben hat und ich kaufe mir ja gerne Bücher von Autoren, deren Namen ich kenne.

Den von der 1977 in Wablingen geborenen Autorin kannte ich, hat sie ja 2007 beim Bachmannpreis gelesen.

Also ist das Büchlein zu mir gekommen, auf mein Regal gewandert, dann habe ich es auch auf meine Leseliste geschrieben und nicht gelesen, denn erstens habe ich ja schon so viele Bücher, zweitens lese ich nicht so gern Geschichten und dann kam der Alfred und brachte mir für den Urlaub die „Gebrauchsanweisung für Kroatien“ von Jagoda Marinic, die  die Tochter von dalmatinischen Einwanderern ist und ich war ja auf der Suche von Bücher von kroatischen Autoren für meinen Urlaub.

Bei Jagoda Marinic trifft das zwar nicht ganz zu, wurde sie ja in Deutschland geboren und hat sicher die Staatsbürgerschaft, weil ich aber nicht ganz sicher war, wieviel ich im Urlaub lese und das Buch ja hatte, packte ich es  ein und  habe es gelesen.

Gleich als erstes noch in Leibnitz angefangen, weil ich da  noch nichts über Kroatien lesen wollte und war sehr beeindruckt über den frischen, beziehungsweise poetischen Ton der Autorin, die sehr seltsame und auch nicht so leicht verständliche Geschichten scheibt.

In der Beschreibung steht etwas von „Irrungen und Wirrungen“ und  „die seltsamen Wege der Liebe und Begegnungen voller Zauber, die oft in Fluchten münden.“

„Fast ein Heiratsantrag“, ist Jagoda Marinics erstes Buch, 2003 bei „Suhkamp“ erschienen und das hundertfünfundzwanzig Seiten Bändchen, fasst an die vierundzwanzig Geschichten, wenn ich mich nicht verzählt habe. Viele sind nur einige Seiten lang. Eine hat über fünfzig und die „Ich wünschte, er hätte  nie geredet davon, daß man  nur eine lieben kann“, fand ich auch sehr schwer verständlich.

Da fährt eine im Zug, spricht von ihrer Mutter, hat dann eine Begegnung mit einem Mann, der sie betrügt und das alles in wechselnden Perseptiven, die „Ich Form“ wechselt ins „sie“ und wenn ich auch nicht alles verrstanden habe,  die Sprache war poetisch schön.

Es gibt eine Geschichte von der Gleichgülkitigkeit des Lebens, die darin endet, daß eine Frau einen Heiratsantrag annimmt und die Titelgeschichte, die man dafür halten könnte, ist eigentlich ein Abschiedsbrief.

Ja, Jagoda Marinic macht es spannend und erzählt sehr poetisch von den Alltäglichkeiten des Lebens.

So gibt es zum Beispiel einen Text über das Einkaufen. Da will sich eine gesund ernähren und geht in den Supermarkt. Aber das Joghurt, das halbwegs gut schmeckt, hat drei komma fünf Prozent Fett und als sie danach greift, sieht sie die Silhouette einer Dicken sich über die Gefriertruhe neigen. So greift sie zu ein Prozent Joghurt, das dann im Kühlschrank vergammelt und bei den Tomaten ist das ähnlich. Sie greift zuerst nach der Dose. Als sie an der Kasse warten muß, liest sie die Indegrenzien, die lassen sie verschreckt nach den frischen Tomaten greifen, aber die kommen aus Holland, so flüchtet sie ohne Einkäufe aus dem Supermarkt.

Am meisten haben mich naturgemäß, die Geschichten interessiert, die vom Dorf, also von Kroatien, obwohl das Wort nie vorkommt, erzählen. Da gibt es eine von „Josip“. Da geht ein Mädchen zu einem alten Mann, fängt an für ihn zu kochen und zu putzen, aber die Nachbarn dulden das nicht, fangen zu reden an, etcetera.

Es gibt auch die Geschichte von der Großmutter, die im Dorf zurückgeblieben ist, als die Familie nach Deutschland ging und sich über das grüne Telefon freut, das man ihr istallierte, so daß sie die Anrufe ihrer Lieben entgegennehmen kann. Sie hat nichtviel zu verschenken, nur die Trauben und die Kartoffeln aus den Garten, trägt schwarze Kleider und hat abgarbeitete Hände und so wird auch die Frau in dem „Selbstportrait“ beschrieben, die für ihre Enkel, die sie nie gesehen hat, strickt, während sie für ihre Kinder keine Zeit hatte, weil sie da in einer Gärtnerei arbeiten mußte, um das Geld für das Haus das sie bauen wollten, zu verdienen. Dann ist der Mann gestorben und die Kinder sind in Deutschland geblieben.

Jagoda Marinic ist eine sehr poetische Erzählerin, die das sehr wohl in ihren Dorf- als auch in ihren sehr verwirrenden Liebes- und Beziehungsgeschichten vom modernen Leben tut.

Da gibt es noch eine, die michverwirrte und die nicht in die obige Beschreibung passt.

„Aura“ heißt sie und erzählt von einem Mädchen, das so schön ist, daß sie alle auf ihren Schoß sitzen haben möchten. So engagierten die Eltern einen jungen Mann für sie, der sie beschützen soll. Der folgt ihr überall hin, sie flieht in der Nacht aber in ein Zimmer und schreibt alles auf,  während sie sonst nie spricht. So geht ihr nach und findet eine Tote, ihre Erzählungen und bleibt mit  Schuldgefühlen über.

So kann man Kindesmißbrauch wahrscheinlich auch beschreiben, owohl mir die realistische Art und Weise lieber ist.

Bei den „Short-Cuts“ habe ich gerade nachgelesen, habe ich auch schon eine ihrer „geheimnisvollen“ Geschichten gehört, jetzt ist „Made in Germany-Was ist deutsch in Deutschland“ von ihr erschienen, aus dem sie Ende Mai auch in Wien gelesen hat.

 

2016-05-12

Das Doderer-Buch

Jetzt kommt wieder Doderer für Eilige oder nicht, schreibt doch der Herausgeber, meiner 1976 erschienenen „Donauland-Ausgabe“ Karl-Heinz Kramberg am Büchrücken „Ein solches Buch ist für Leser gemacht, die keine Bevormundug brauchen. Sie haben ihre Lust am Erlesen, aber sie lesen sich daran nicht satt“

Das klingt für den eiligen Schnelleser zwar tröstlich, ganz sicher, daß er damit recht hat, bin ich mir aber nicht oder ganz ehrlich, glaube ich schon, daß man den ganzen Doderer sehr genau,  sorgfältig und wahrscheinlich auch mehrmals lesen sollte, um sich auszukennen.

Aber wer bitte hat dazu schon die Zeit, heute wahrscheinlich noch viel weniger, als im Jahre 1976 oder war das schon 1977, als ich gerade die „Dämonen“ las, die mich sehr beeindruckt haben, die ich sicher auch nochmals lesen sollte.

Diese Zeit nehme ich mir aber, wie bei der „Welt von gestern“ nicht, habe ich Doderer im Vergleich zu Zweig in meiner Studentenzeit doch mehr gelesen und mir auch einige der kleinen DTV-Büchlein gekauft.

So habe ich noch „Die Merowinger“ und „Die Wasserfälle von Slunj“ in meinem Bibbliothekskatalog eingetragen. Jetzt habe ich mir vor ein paar Wochen in Harland das „Doderer-Buch“, das ich mir wahrscheinlich einmal von meinen Eltern zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken habe lassen und nicht gelesen habe, aus den Regalen geholt, weil ich in den „Berührungen“  über Stefan Zweig, Heimito von Doderer und Stefan Zweig schreiben will.

Inzwischen ist es um Doderer  ein wenig still geworden, die „Strudelhofstiege“, die ich einmal lesen sollte, wird zwar häufig zitiert, ich gehe auch manchmal an ihr vorüber und Eva Menasse ruft auf, ihn zu lesen und spricht dabei von einer Pflichtlektüre, aber sonst war ich, glaube ich, nur einmal in der „Gesellschaft für Literatur „bei einer diesbezüglichen Veranstaltung. Dort hängt auch ein Portrait mit der berühmten Pfeife, in den Fünfziger- und sechzigerjahren hat er wahrscheinlich dort auch gelesen, aber damals bin ich noch zu keinen literarischen Veranstaltungen gegangen.

1966 ist der 1896 Geborene gestorben und in dem Buch gibt es „Anstelle eines Vorwortes“ eine Rede die auf Einladung des „Österreichischen Schriftstellerverbandes“ im Jänner 1960 in der Nationalbibiothek gehalten wurde.

„Der Fremdling Schriftsteller“ und hätte ursprüglich „Der Schriftsteller – ein Fremdling in der Wirtschaftswunderwelt“ heißen sollen und darin erzählt Doderer wahrscheinlich ironisch, wie er zu seinen Figuren kommt und, wie er es, der in einem Interview mit Heinz Fischer-Karwin einmal erzählte, daß er nicht ins Kino geht und nicht fernsieht, mit der Wirtschaftswunderwelt hält.

Dann beginnt es mit den „Erzählungen und Kurzgeschichten“ oder den Auszügen daraus. Die erste ist die 1932 entstandene „Zwei Lüge oder antikische Tragödie auf dem Dorf“ und  spielt wahrlich im bäuerlichen Milieu. Da kommt zu  einem Kleinbauern ein jüngerer Mann mit einem Sack voll Geld und will gegen Bezahlung übernachten. Der Bäuerin gibt er seine Sachen, die bemerkt das Geld und beschließt ihn umzubringen, denn sie brauchen Geld. Sie sagt das ihrem Mann Stacho, der denkt sich offenbar, mach was du willst und geht ins Wirtshaus. Dort erfährt er, der Fremdling ist sein älterer Sohn, der im Krieg in Sibirien gefangengehalten wurde. Er kehrt zurück und findet den Toten, der jüngere Sohn hat ihn mit der Mutter erschlagen. Er bahrt ihm auf, bringt die Frau dazu sich zu erhängen, schickt den anderen Sohn ins Bett und geht wieder ins Wirtshaus zurück, um sich als Mörder zu bekennen.

Die zweite Geschichte „Die Posauen von Jericho“ ist noch hintergründiger oder „Doderischer,“ so daß es dazu schon ein Deutungsbändchen gibt, im Internet gibt es keine Interpretationen zu finden, so muß ich es mir selber deuten und denke, sehr psychoanalytisch, aber vielleicht von hinten aufgezäumt.

Es geht um den Herrn Rambausek, einem Pensionisten und offenbaren Mädchenschänder. Der wird von den Eltern des Mädchens erpresst, er braucht also Geld und geht zu dem Erzähler, offenbar ein Schriftsteller. Der gibt es ihm und zwingt ihn dafür auf offener Straße ein paar Kniebeugen ab. Dann trifft er im zweiten Teil das Mädchen, das zu einer Tante an den Stadtrand geschickt wurde. Im dritten Teil gerät der Schriftsteller in schlechte Gesellschaft, treibt sich in seiner großen Wohnung mit Betrunkenen herum, es kommt zu Schägereien und ein Orchester wird engagiert, das die „Posaunen von Jericho“ spielen soll, während die Gesellschaft eine „Spitzmaus“ überfallen will. Es kommt zur polizeilichen Anzeige und zur Beschäung des Erzählers, der zieht aus, trifft dann die Tante und auch den Herrrn Rambausek wieder und am Schluß zieht der das Mädchen aus dem Wasser, in das es beim Spielen gefallen ist  und beide überleben.

Dann gibts eine Geschichte, die in dem Gasthaus Blauensteiner, ich glaube bei der Josefstädterstraße spielt, das Doderer auch freqentiert und dort seine Stelzen gegessen haben würde.

Fünf Kurzgeschichten auf einer Seite gibt es auch, da ist mir von der Hausmeisterin, die die Hemden des Erzählers verschwindet läßt, um sie ihren Freunde zu schenken, in Erinnerung. Es gibt eine Erzählung namens „Oger“, da wird ein Kellner in einem Gasthaus aufgegessen, hui, wie makaber, daber Doderer scheint einen diesbezüglichen Hang zu haben und noch ein paar andere Texte und wir kommen schon zu den Romanauszügen, schön chronologisch aufgegliedert und vom Herausgeber mit dem Rat versehen, sich weiter in die Texte zu vertiefen.

Der erste Auszug ist aus dem 1938 erschienenen, ich glaube, eine Art Kriminalroman „Ein Mord, den jeder begeht“, die ersten vier Kapitel. Da wächst der kleine Kokosch oder Conrad Castilez auf, der zwar ein Durschschnittstyp zu sein scheint, ein Mitläufer, der nicht besonders auffällt, aber gerne in den Auen Molche fängt und sie dann in großen Gläsern auf den Kasten seines Zimmers stellt und mit Regenwürmern füttert.

Die 1962 erschienenen „Merowinger oder die totale Familie“ habe ich wie schon geschrieben auf meiner Leseliste, ob ichs ganz gelesen oder abgebrochen habe, weiß ich nicht, wahrscheinlich letzteres, ich glaube mich aber erinnern zu können, daß ich durch eine von meiner Großmutter abonnierte Zeitschrift, darauf aufmerksam wurde und der Textausschritt weckte tatsächlich die Lust zum Wiederlesen. Geht es darin ja um einen Psychiater, der seine „Wutpatienten“ mit einem Nasenzwicker und Musik, das war schon in den „Posaunen von Jericho“ so zu finden, behandelte und die totale Familie ist Cholderich der II, der durch geschicktes Heiraten sein eigener Großvater, beziehungweise Schwiegerenkel geworden ist.

„Die Strudlhofstiege“ ist 1951 erschienen und dürfte ein Vorläufer der „Dämonen“ sein, zumindest kommen in beiden Romanen die gleichen Personen vor. Frau Mary die ihr Bein durch einen Straßenbahnunfall verlor, mit ihrem Mann und ihren schönen Kindern in einer gutbürgerlichen Wohnung beim Franz Josefs Bahnhof wohnte, die habe ich einmal bei einem literarischen Rundgang an Hande eines literarischen Führers gesucht, von einem rumänischen Arzt behandelt und besucht wird, von ihrer ersten Liebe Leutnant Melzer träumt. Der Gymnasiast Rene Stangeler kommt vor, der über die berühmte Stiege geht, einem jungen Fräulein in einer Konditorei bei Schokolade und Indianerkrapfen die Geschichte der „Einhörndln“ erzählt und bei der abendlichen Tafel zum Gaudium aller perfekt einen lateinischen Trinspruch übersetzt.

Dann gehts zu den 1956 erschienenen „Dämonen“, an denen Doderer schon in den Neunzehndreißigerjahren geschreiben hat, ein Buch das ich mit Begeisterung und wahrscheinlich eher geringen Verständnis im Sommer 1977, als ich gerade in die Otto Bauergasse gezogen bin, wie ich mich erinnern kann im Stadtpark las und abends mit dem Willi in den Volksgarten tanzen ging. An die Ereignisse von Schattendorf kann ich mich dabei erinnern, an den Arbeiter Leonhard Kakabska, der mich sehr beeindruckt hat. Der kommt in den siebzig Seiten Textauszug, in dem es eher um bürgerliche Abendgesellschaften den Dr. Körger, den alten Siebenstein etcetera ging, nicht vor, wohl aber die Musikstudentin Quapp, an die ich mich ebenfalls noch erinnern kann und die streitet sich um einen Tee mit dem Imre Gyukicz.

„Die Wasserfälle von Slunj“, 1963 erschienen und gemeinsam mit dem posthum erschienenen Fragment „Der Grenzwald“, als „Roman No 7“, geplant, werden von Eva Menasse für den Doderer-Einstieg empfohlen und ich werde mir das Buch, gemeinsam mit den „Merowingern“, wenn ich wieder in Harland bin, aus den Regalen holen, denn der Auszug klingt sehr spannend, es geht wieder um Wien, obwohl sich die Wasserfälle in Kroatien befinden scheinen und das Buch daher vielleicht auch für den geplanten Urlaub geeignet wäre, um eine Wohnung beim Donaukanal, wo die Hausmeisterin Wewerka, was auf Tschechisch Eichhörnchen heißt, dem Mieter Chwostik, einem Prokuristen einer englischen Firma, zwei Hurenmädel, als Untermieterinnen aufschwatzte. Jetzt ist er aber aufgestiegen und will umziehen, der Rechtsanwalt Epinger hilft ihm dabei, während Feverl und Fini, die beiden burgendländischen Huren, das damals offenbar noch zu Ungarn gehörte, beide Wasserratten, das kleine Töchterlein von dessen Schwester aus dem Kanal herausziehen und später dem „Globus von Ungarn“, das Schwimmen beibringen.

Im Posthum erschienenen „Grenzwald“ geht es, ähnlich makabraer skuril, das ist offenbar das typisch Doderische und unterscheidet sich wahrscheinlich von leiseren Konvention des Stefan Zweigs in den zweiten Bezirk, Wien spielt in den Romanen ja eine große Rolle. Hier steht ein junger Arzt in seiner Praxis in der Rotensterngasse, es ist kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges, sein Vater, den er nachher besucht ist, vierundachtig, die Mutter, als gäubige Jüdin mit Perücke, ist 1884 mit Dreiundzwanzig, ein Jahr nach seiner Geburt gestorben und deren Spuren geht er nach. Holt sich die Krankengeschichte, die damals noch im Keller neben der Zentralheizung ausgeschieden wurde, geht zu dem Maler, um sich die Portraitskizzen zu holen, dann wird er Militärarzt, wird in Sibirien gefangengenommen und ordiniert dort weiter, während es ein Stückchen zu dem in Groß-Schweyntzkreuth  1865  geborenen Heinrich Zienhammer geht, der darf ein Jahr vor seiner Matura seinen Onkel in der Leopoldstadt besuchen, flaniert durch den Bezirk und folgt einer schönen Dame in ein Hotelzimmer nach…

Dann  kommt. das „Repertorium“, ein „Begreifbuch von höhren und niederern Lebens-Sachen“, das Doderer viele Jahre fühtre, wo es eine Sammlung von A „Alkoholismus“ bis Z „Zugehörigkeit“ gibt.

Zwei Beispiel daraus: „Objekitivität: Es hat alles zwei Seiten. Aber erst wann man erkennt, daß es drei Seiten hat, erfaßt man die Sache.“ oder „Prostitution: Die Prostitution ist nur eine Fatamorgana des Sexuellen für Wanderer in der Wüste der Erfahrung“, bei der  Feverl und der Finerl habe ich das zwar anders gelesen und Doderer scheint sich auch seinen Schriften, viel mit diesem Phänomen befaßt zu haben.

„Reden und Aufsätze“ gibt es in diesen Doderer-Schnellkurs auch und zwar „Die Wiederkehr der Drachen“, wo es in die Botanik geht, während „Die enteren Gründe“ eine lateinische Übersetzung des Hausmeisterstandes  „foetor concciergicus“ geben und Doderer uns belehrt, daß es die, zu der Zeit, als das geschrieben wurden meistens „Powondra und Soukop“ hießen, auch das wird jetzt anderers sein und die Enkelkinder der Hausmeisterin Soukop haben es möglicherweise zu Großpraxen und einem Primariat gebracht und nach der „Weltstadt der Geschichte-„, wo es wieder um die Wienerstadt, die mir auch sehr am Herzen liegt und wie, Eva Menassemuß auch ich bekennen, „unbewußt viel von Doderer gestohlen“ zu haben, so findet man den Namen Wewerka auch in meinen Werken,- sind wir durch mit den Doderer-Schnellverfahren, denn das „Nachwort des Herausgebers“ habe ich schon vorher gelesen und muß bekennen, dieser Chrashkurs ist, anders, als vielleicht bei Handke wirklich empfehlswert, gibt einen guten Einblick, man kann bei Gesellschaften mitreden, obwohl heutzutage vielleicht gar nicht mehr soviel über Doderer gesprochen wird und natürlich sollte man sich dann an sein Bücherregal oder in die nächste Bibliothek begeben und Doderer lesen…

2016-05-06

Die Welt von Gestern

Filed under: Bücher — jancak @ 00:32
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Jetzt kommt etwas, was ich eigentlich ganz selten mache, nämlich ein Buch zum zweiten Mal lesen. Stefan Zweigs „Die Welt von gestern,“ im Exil geschrieben, 1942 nach seinem Tod erschienen und eine „Büchergilde Gutenberg Ausgabe“ aus dem Bücherschrank meiner Eltern aus dem Jahr 1952, habe ich schon nach meiner Matura gelesen und es hat mich, kann ich mich erinnern, sehr beeindruckt.

In Ö1 wurde es auch ein paar Mal gesendet, so daß es mir eigentlich gut präsent geblieben ist und ansonsten habe ich in den letzten Jahre  eigentlich öfter gehört, daß der1881 geborene Stefan Zweig nicht so ein guter Schriftsteller ist, so daß ich wahrscheinlich, was mir jetzt leid tut, einige sehr Ausgaben in den Bücherschränken liegen gelassen habe.

Die „Schachnovelle“ habe ich aber schon vor Jahren gefunden und gelesen, Volker Weidermann hat vor ein paar Jahren ein Buch mit dem Namen „Ostende“ über das Exil einiger Schriftsteller, wie Joseph Roth, Stefan Zweig, Irmgard Keun, Hermann Kesten, 1936 in dieser Küstenstadt geschrieben und bei „Arte“ gab es vor einige Monaten eine Dokumentation, die ich gesehen habe.

Als ich dann nach „Paul und Paula“ etwas Neues schreiben wollte, ist mir  die Idee gekommen, ein paar Schriftsteller oder Romanfiguren wiederauferstehen zu lassen. Kafka steht da irgendwo in meinem Notizbuch, aber auch Heimitio von Doderer, den ich als Studentin viel gelesen habe und Stefan Zweig und dann war ich erst einmal eine Weile entmutigt, denn man kann ja eigentlich keinen Roman über Sachen oder Leute schreiben, über die man nicht viel weiß oder nicht viel versteht.

Zu Ostern bin ich dann in demn Harlander Bücherregal fast zufällig auf die „Welt von Gestern“ gestoßen, habe mir auch noch das „Doder-Buch“ herausgesucht und Anne Franks „Tagebuch“, das ich vor zwei Jahren gelesen habe und habe das nach Wien mitgenommen.

Mir noch einmal die „Arte-Dokumentation“ angeschaut und mir dann von Zweig herausgesucht, was ich in den Regalen hatte, zwei Novellenbänden, die Biografie „Fouque“ und als ich vor zwei Wochen wieder in Harland war, habe ich noch den Roman „Die Ungeduld des Herzens“ mitgenommen und gelesen.

Dann bin ich darüber informiert worden, daß im Juni ein Film „Vor der Morgenröte“ über Stefans Zweigs Jahre in Amerika und Brasilien, wo er sich ja umgebracht hat mit Josef Hader in der Titelrolle erscheinen wird.

Den könnte ich mir in Hamburg, München, Leipzig oder Berlin etcetera in einer Presseaufführung ansehen,  man kann aber auch Zweigs späte, im Exil geschriebene Bücher, wie die „Schachnovelle“, die „Welt von Gestern“ oder „Brasilien“ anfordern, letzteres habe ich getan und obwohl ich jetzt, ich weiß nicht genau warum, schneckenlangsam lese, habe ich  mit dem „Wiederlesen“ des wirklich sehr beeidruckenden Buches begonnen und beeindruckend ist für mich vor allem, das 1941 oder 1942 im Exil, Zweig schreibt von Hotelzimmers, ohne seine Bibliothek und seine Autographen nur aus dem Gedächtnis geschrieben wurde und aus der Erschütterung heraus, die „Welt von Gestern“ gibt es nicht mehr, in Europa herrscht Krieg und wohin der führt und wie lange er dauert, hatte der über Sechzigjährige keine Ahnung und weil er sich mit seiner zweiten Frau Lotte im Februar 1942 in dem Haus, in Petropolis, das jetzt ein Museum ist, umbrachte, sollte er die auch nie bekommen.

So geht er zurück in sein Leben, in die verlorene Zeit, in das Wien, wo er als Sohn einer großbürgerlichen jüdischen Fabrikantenfamilie, die Mutter war Italienerin, 1881 geboren wurde und beschreibt diese Zeit, als eine der Sicherheit und der Solidität, wo nur das Alte Wert hatte. Die Männer Bärte trugen die Frauen Korsette und da kam er ins Gymnasium, wie alle Söhne gutbürgerlichr Familien und wurde von alten Herren über Sachen unterrichtet, die ihn nicht interessierten, denn ihn und seine Klassenkameraden interessierte die Kunst.

Hoffmannsthal war damals sechzehn undgalt als Wunderkind und war das Idol der dichtenden Gymnasiasten, die seine und Rilkes Bücher unter dem Schulpult lasen.

Alle haben gedichtet oder wollten Schauspieler werden, zu Ruhm hat es in der Klasse nur Stefan Zweig gebracht und nach der Matura erwartete die Familie von ihm, daß er studierte.

Der ältere Bruder hat die Firma übernommen. Er wählte die Philosophie, weil es das leichteste Fach war und kümmerte sich drei Jahre lang nicht um sein Studium, sondern gab den ersten Gedichtband heraus, lernte in der  „Neuen freien Presse“, der bedeutensten Zeitung Theodor Herzl kennen, reiste nach Berlin, um auch dort die jungen Dichter kennenzulernen, begann Verlaine und andere Dichter zu übersetzen.

Dann schrieb er eine Dissertation, wurde Her Doktor und reiste nach Paris, die Stadt der ewigen Jugend, wie er schreibt und die es 1942 so nicht mehr gab und nach London.

Dazwischen gibt es  ein Kapitel, wo die Sexualität der damaligen Zeit und  der bürgerlichen Stände beschrieben wurde. Die Mädchen wußten von nichts, wurden mit Klavierspielen, etcerta, abgelenkt, dann verheiratet und da konnte es dann passieren, daß sie in der Hochzeitsnacht verstört zu Hause wieder auftauchten und „Er hat versucht mich auszukleiden!“, kreischten.

Die Burschen hatten es nur scheinbar besser, denen wurde das Ausleben der Triebe zwar zugestanden. Die besseren Kreise hielten für die Söhne ein hübsches Dienstmädchen, die anderen luden die armen Ladenmädel in die Separees ein oder gingen in die Bordelle und mußten aufpassen, daß sie sich nicht die Syphilis holten, sie keine Alimente zahlen mußten, etcetera.

Danach gab es, wie Zweig schreibt, einen Sprung, denn 1942 hatte sich das geändert. Die Frauen hatten sich die Zöpfe abgeschnitten und die Korsette abgelegt. Sie durften dann ja auch schon studieren. Das war also besser, während sonst ja die Barbarei herrschte, die Zweig, die Autographen und die Heimat stahl.

Aber vorläufig ist er als junger Mann herumgereist und hat Gedichte und Novellen, noch nicht Romane geschrieben, aber dramatische Werke und da gibt es ein Kapitel, wo die größten Schauspieler der damligen Zeit Joseph Kainz und Alexander Moissi, beispielsweise, ihn um Stücke baten, aber dann vor der Aufführung alle gestorben sind, was ihn abergläubisch machte.

Es kommen Reise nach Indien und Amerika und dann beginnt der erste Weltkrieg.

Zweig schildert die Affaire Redl und schreibt von einer Begegnung mit Berta von Suttner, der Friedensmahnerin, die keiner ernst nimmt und vergleicht die Euphorie der Massen, die damals herrschte mit der gedämpften Erwartung des Kriegsausbruchs von 1939.

Der Juli 1914 war ein sehr schöner mit dem besten Wein, der, wie ein alter Weinbauer nichtsahnend erklärte, in Erinnerung bleiben wird.

Zweig hat ihn in Baden verbracht und in „Die Ungeduld des Herzens“ dann noch einmal beschrieben.

Er war kriegsuntauglich, aber irgendwie ambivalent, so meldete er sich für das Kriegsarchiv, vermittelte dorthin auch Rilke, der aber wegen seiner Sensibilität und Feinfühlickeit bald entlassen wurde.

Mit Romain Rolland wird er zum Kriegsgegner, schreibt ein Theaterstück dagegen „Jeremias“, das 1917 in Buchform erscheint und dann im kriegsfreien Zürich aufgeführt wird.

Nach dem Krieg kommt er in das arme Österreich, nach Salzburg, wo er sich ein Haus gekauft hat, das wir bei unserem letzten Salzburg-Aufenthalt gesehen habe und beschreibt in einem fast ironischen Ton, die Veränderungen die der erste Weltkrieg gegenüber der Zeit in der er aufgewachsen ist, brachte. Die Zöpfe wurden abgeschnitten, nur die Jugend regiert. „Homoseuxalität wird Mode. Die Musik suchte starrsinnig eine neue  Tonalität und spaltete die Takte, im Tanz verscxhwand der Walzer  vor cubanischen und negroiden Figuren, im Theater spielte man Hamlet im Frack und versuchte explosive Dramatik.“

Dazu kam noch die Inflation, die das Land in Aufruhr brachte.

Zweig, der einige Jahre mit dem Schreiben seiner Novellen „Amok“ und „Brief einer Unbekannten“, beispielsweise in Salzburg verbrachte, fuhr nach 1921 wieder ins Ausland und wurde berühmt. Seine Bücher wurden in großen Auflagen gedruckt und übersetzt. Ein Erfolg, der ihm Hitler dann genommen hat, der ihn ja bei Bücherverbrennung auch auf seine Liste setzte.

1928 war er auf Einladung eines Schriftstellerkongreßes in der SU und wurde bei seiner Rückkehr gerügt, daß er nicht Partei ergriffen hat, Lion Feuchwanger hat in einem Buch die SU glaube ich, sehr gelobt, Zweig schreibt von all den freundlichen begeisterten Menschen, die ihm, obwohl sie kaum lesen konnten, die Bücher von Marx und Hegel hinhielten, von den vielen Studenten von denen er umringt war und einen Brief, den er dann in seiner Tasche fand, „Lassen Sie sich nicht täuschen und verbrennen Sie ihn, denn wenn Sie ihn nur zerreißen, wird er widerzusammengesetzt!“

Dann kommt Hitler in Deutschland an die Macht und Zweig kann das in Salzburg, wo es inzwischen auch die Festspiele gibt, hautnah miterleben.

1934 war er in Wien und hat den Bürgerkrieg miterlebt oder, wie er schreibt auch nicht, denn persönlich hat er nicht viel davon gesehen.

Ein paar Tage später wurde sein Haus in Salzburg durchsucht, was er zum Anlaß nahm nach London zu emigrieren und dann nach Brasilien, wo der das Buch, das mit dem Beginn des zweiten Weltkries endet, glaube ich, fertig schrieb.

Ein sehr beeindruckendes Buch, wie ich nur wiederholen kann und so frisch geschrieben, daß man gar nicht glauben kann, daß es vor fünfundsiebzig Jahren geschrieben wurde.

Erstaunlich offen auf der einen Seite, Zweig schreibt sogar von der Art seine Sachen zu überarbeiten, so als hätte man damals schon Schreibratgeber gekannt, anderes, wie zum Beispiel seine zwei Frauen, Friederike, die in Salzburg geblieben ist und Lotte, die mit ihm in den Tod gegangen ist, werden dagegen wieder fast ausgespart.

Ein sehr beeindruckendes Buch also, das ich nur empfehlen kann und die Frage, ob Zweig jetzt ein großér Schriftsteller oder nicht ist, noch weniger verstehe, denn eine so offene Analyse eines unpolitischen Menschen, der wie er schrieb, schon Jahre nicht zur Wahl gegangen ist, habe ich schon lange nicht gelesen.

Er war natürlich auch sehr priveligiert, so daß man neidisch werden könnte, er ist aber auch sehr tief gefallen, wurde entwurzelt, seiner Autographensammlung und seines literarischen Rums beraubt und hat sich, glaube ich, wegen Depressionen umgebracht.

2016-04-20

Ungeduld des Herzens

Passend zur gestrigen „Soma Morgenstern-Gedenkveranstaltung“ Stefan Zweigs 1939 erschienener, ich glaube, einziger fertig gestellter Roman „Die Ungeduld des Herzens“, wie Joseph Roths „Radetzkymarsch“ warscheinlich auch ein Abgesang an die Monarchie, spielt das Buch ja 1914 in einer kleinen Garnisonstadt, kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges und wird vor Ausbruch des zweiten, dem Erzähler von einem Offizier berichtet. Es ist aber, denke ich etwas verhaltener, hat mich, was eigentlich selten geschieht, sehr beeindruckt, obwohl manche Stellen nach heutigen Geschmack eindeutig kitschig sind, andere dagegen so offen, daß man sich wundert, daß das 1939 schon geschrieben wurde.

Ich habs ja, glaube ich, schon einmal geschrieben, daß ich in „Von Tag zu Tag“ einmal die Besprechung eines Buches über die neuere österreichische Literatur und da sagen hörte, daß die Autoren Peter Rosegger und Stefan Zweig aus dem Kanon der bedeutenden Schriftsteller gestrichen und dafür Michael Felder aufgenommen hätten. Von Felder habe ich seine Augobiografie gelesen, von Rosegger vor Jahren „Jakob der letzte“ und war tief beeindruckt von dem meiner Meinung nach ersten Roman über den Umweltschutz.

Von Zweig habe ich bis jetzt die „Schachnovelle“ und vor Jahren, noch als Hauptschülerin, die Biografie „Maria Antoinette“ und etwas später „Die Welt von Gestern“ aus dem Büchertschrank meiner Eltern gelesen und eine „Arte-Doko“ gehört, die mich veranlaßte, aus meinen Beständen, die Zweig-Bücher herauszuholen und den geplanten Vicki Baum-Schwerpunkt noch eine Weile aufzuschieben.

Die „Ungeduld des Herzens“ habe ich mir aus Harland mitgenommen, eine „Donauland-Ausgabe“, ob ich sie mir einmal zu Weihnachten wünschte oder im elterlichen Bücherkasten war, weiß ich nicht so genau, aber wieder ein ungelesenes Buch, das nach Jahren zur Ehre kommt und für mich ein weiteres Pläydoyer für das Büchersammeln ist.

Es ist, glaube ich, auch ein Meisterstück des Erzählens, denn sehr verwinkelt und sehr geplant, mehrere Novellen hineingepackt, mehere Ebenen und es beginnt, 1938 oder 39, wo der Erzähler in einem Cafe einen Offizier trifft, der ihm  Angesichts des kommenden Krieges seine Geschichte von der längstvergangenene gestrigen Welt erzählt.

Die „Ungeduld des Herzens“, ist eine Metapher für das Mitleid. Zweig schreibt vom Falschen und vom Echten. Der fünfundzwanzigjährige Leutnant, Anton Hofmiller, hat wohl das Falsche, als er, Sohn armer Leute, der in seiner Garnison immer neben den reichen Kameraden steht und sich sein Geld einteilen muß, zum reichen Herrn von Kekesfalva zum Abendessen in sein Schloß gebeten wird.

Er kommt wegen einer dienstlichen Angelegenheit zu spät, kann sich so über die Verhältnisse wahrscheinlich nicht orientieren und fordert, als es zum Tanzen geht, die Tochter des Gastgebers auf. Die erstarrt, denn sie ist gelähmt, was er nicht wußte, er stürzt entsetzt davon, wird aber wieder in das Schloß gebeten und ist von der Freundlichkeit, die ihm entgegenströmt, sehr gerührt.

Täglich besucht er fortan die Gelähmte, ein siebzehnjähriges Mädchen und es passiert, was passieren muß, sie verliebt sich in ihm.

Der Vater bittet Hoffmiller mit dem Arzt Dr. Condor zu sprechen, wie hoffnungsvoll oder hoffnungslos die Krankengeschichte wirklich ist? Einem Fremden wird der Arzt die Wahrheit eher sagen und Hoffmiller verspricht es , ohne was man hier wohl tun sollte, die Frage zu stellen und was passiert, wenn die Sache aussichtslos ist?

Der Arzt führt Hofmiller in eine Weinstube und erzählt ihm erst lang und breit die Geschichte, daß Kekesfalva kein wirklicher Adeliger, sondern ein ehemals armer Jude ist, der die Gesellschafterin einer Fürstin, der das Schloß früher gehörte und die aus Zorn auf ihre erbschlechenden Verwandten, das Schloß ihr vererbte, um  ihren Besitz prellen wollte. Dann heiratet er sie doch, es wird eine gute Ehe und als sie stirbt, vertraut er dem Arzt die Geschichte an.

Für die Gesundheit der geliebten Tochter würde der alte herzkranke Mann alles tun und der Arzt weicht auf die Frage „Hoffnungslos? aus, denn was ist das?

Als er Medizin studierte galt der Diabetes als hoffnungslos, inzwischen kkann man ihn mit Insulin behandeln. Es gibt also nur noch nicht zu behandelnde Krankheiten und dann erzählt er von einem Fall von der Heilung einer Lähmung von der er gehört hat.

Hofmiller fährt zum Vater und tut nun etwas, was ich unlogisch finde und aus heutiger Sicht nicht verstehen kann. Er redet ihm die Heilung ein.

„Es gibt Hoffnung, sie wird mit der neuen Kur bestimmt gesund!“,  etcetera. Das hat fatale Folgen, denn der Vater und die Tochter haben nun falsche Hoffnungen und Edith schreibt ihm einen langen Brief über ihre Gefühle.

Hofmiller will den Dienst quittieren, um aus der Bedrängung herauszukommen, besucht aber vorher den Arzt in Wien und dessen blinde Frau, die der geheiratet hat, weil er sie nicht heilen konnte.

Der Arzt sagt, man muß alles aufklären.

„Halt, halt!“, antwortet Hofmiller wieder.

„Nur nicht zu früh die Hoffnung zerstören!“, denn es gibt ja auch psychische Kräfte, sowie Sigmund Freud, füge ich hinzu und Stefan Zweig war, glaube ich, von seinen Schriften sehr begeistert.

So geht das Spiel weiter. Edith soll in die Schweiz zur Kur und Hofmiller sie bis dahin jeden Tag besuchen. Die Kranke droht mit Selbstmord, wenn man ihr nicht zu Willen ist. Der Vater kommt zu Hofmiller und bittet ihn auf Knien, doch sein Kind zu retten und so kommt es zu einer heimlichen Verlobung, beziehungsweise zu einem öffentlichen Kuß von Hofmiller, der wieder von seinem Mitleid hin-und hergerißen wird.

Dann geht er allerdings in eine Kneipe und in ein Kaffeehaus, um sich zu betrinken, trifft dort seine Kameraden, die ihm mit der Verlobung aufziehen. Er dementiert verzweifelt. Das ist eine Lüge, also ein unehrenhaftes Verhalten und das ist für einen Offizier unwürdig. Frauengeschichten und Saufen sind erlaubt, beziehungsweise wird es von den Vorgesetzten gedeckt. Das nicht, also ebenfalls Selbstmord, als einzig ehrenhafter Ausweg aus diesem Fall.

Als er mit diesen Gedanken in die Kaserne wankt, wird er von seinem Vorgesetzten gemaßregelt. Er erzählt ihm alles und der sagt „Unsinn!“ und versetzt ihn an eine andere Stelle.

Mit den Kameraden wird er sprechen, so daß alles vertuscht werden kann. In Wien, steigt Hofmiller  aus dem Zug, um mit Dr. Condor zu sprechen und als er ihn nicht antrifft, Handies hat es ja noch nicht gegeben, schreibt er ihm einen Brief, wo er ihn bittet zu Edith zu fahren und wenn sie will, wird er quittieren, sie heiraten, etc.

In Brünn will er nach Kekesfalva telegraphieren, aber so viele Leute stehen am Postamt und lesen wahrscheinlich schon die Nachricht von der Ermordung des Thronfolgers. In der Nacht wird er aufgeweckt, ein Telephongespräch, die Verbindung klappt aber nicht, das Telefonfräulein entschuldigt sich. Es ist jetzt soviel los und am Morgen erfährt er, alles war umsonst und ist zu spät gekommen. Edith hat seine Untreue erfahren und sich vom Balkon gestürzt. Betroffen sütrzt er sich in den Krieg, wo alles nichtig wird, denn die Zahl der Menschen, die er dort tötet, wofür er noch einen Orden bekommt, sind unzählig. Nur einmal wird er noch in der Oper, wo er den Doktor und seine Frau trifft, an seine Schuld erinnert und jetzt soviel Jahre später, ist wieder alles anders, denn die Emigranten beginnen schon  das Land zu verlassen.

Im „Marbacher Literaturarchiv“ habe ich gelesen, gibt oder gab es eine Sonderausstellung zu diesem Buch und da wurde auch die Frage diskutiert, wie weit der Roman autobiografisch ist? Etwas was mich eigentlich nicht so interessiert. Für mich wurde die Frage beantwortet, daß Stefan Zweig ein Schriftsteller ist, der in den Kanon gehört und dem man lesen sollte, um die Vergangenheit und die Geschichte Österreichs der letzten hundert Jahre zu verstehen und das habe ich mit zwei Novellenbänden, dem Portrait von „Joseph Fouche“ und dem Wiederlesen der „Welt von Gestern“, auch vor.

2016-03-22

Schneewittchen muss sterben

Filed under: Bücher — jancak @ 00:35
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Nach Leipzig habe ich mir ein Buch von meiner Leseliste mitgenommen. Nämlich Nele Neuhaus, 2010 erschienenes „Schneewittchen muß sterben“, ein Fund aus dem Bücherschrank und der, ich glaube, vierte Roman, der in Münster/Westfalen, geborenen Autorin ist sehr interessant, sind ihre Bücher doch zuerst in einem Eigenverlag erschienen, bevor zu Zeiten, wo man noch immer hörte, daß man das um keinen Umstände darf, „Ullstein“ entdeckte. Das Buch wurde verfilmt, ist in, ich weiß nicht, wieviele Sprachen, ich Leipzig konnte ich das auf einer Fachkonferzenz von einer „Lizenzmanagerin“ hören, übersetzt und es sind auch noch andere Erfolgsbücher gefolgt. Auf der Buch-Wien habe ich die Autorin, glaube ich, auch einmal gesehen.

„Schneewittchen muß sterben“ ist ein „Taunus-Krimi“ mit dem Ermittlerteam Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein und der Taunus liegt, glaube ich, eher in der Nähe von Frankfurt, als in Sachsen, wo ich es gelesen habe, das Buch war aber trotzdem sehr interessant und die über fünfhundert Seiten haben auch sehr langsam und bedächtig begonnen.

Einen Trailer habe ich, vor Jahren, als das Buch auf allen Blogs besprochen wurde,  auch schon gehört und hatte so  eine ungefähre Vorstellung.

Es beginnt  mit einem Prolog, da besucht einer, das Schneewittchen, das irgendwo aufgebart liegt und dann erfährt man, in einem Dörfchen im Taunus wurden vor elf Jahren zwei junge Mädchen ermordet.

Der Täter, ein zwanzigjähriger namens Tobias Sartorius wurde zu zehn Jahren verurteilt und jetzt entlassen. Er wird von  einer inzwischen berühmten Schauspielerin, damals seine Schulkollegein Nadja oder Nathalie, vom Gefängnis abgeholt, die sich rührend um ihn kümmert.

Er will aber heim zu seinem Vater, dessen damals gutgehendes Gasthaus nicht mehr besteht, die Ehe wurde auch geschieden und die Mutter erfährt man, wird von jemanden über eine Brücke gestoßen.

Die Ereignisse übersützen sich also doch, denn Tobias ist in dem Dörfchen nicht willkommen, ein paar Schlägertypen lauern ihm auf, nur Amelie, das ist ein junges Mädchen, das dem Schneewittchen Stefanie Schneeberger, eines der damaligen Mordopfer, sehr ähnlich sieht, das aus Berlin zu ihrem Vater geschickt wurde, und abends kellnert, interessiert sich für ihn, bezeihungsweise interessiert sich für sieder Autist Thies, das ist der Sohn von Claudius Terlinden, dem in dem Dorf alles gehört, auch das ehemalige Gasthaus von Tobias Vater, der kümmert sich auch um Tobias und bietet ihm eine Stelle an.

Nach und nach kommen noch ein paar andere Personen vor, eine Ärtzin namens Daniela Lauterbach, die ist mit dem jetzigen Kultusmiinster, der damals der Lehrer von Tobias, Stefanie und Laura, das ist da sandere Mordopfer, war,  vor, beziehungsweise Lars Terlinden, das ist der andere Sohn von Claudius Terlinden, ein Banker, der wegen der Bankkrise in Schwierigkeiten gerät und sich umbringt und langsam beginnt man sich auszzukennen.

Die Mutter von Tobias wird, wie schon beschrieben von der Brücke gestoßen und liegt verletzt im Krankenhaus, so daß Pia Kirchhof und Olifer von Bedenstein zu ermitteln beginnen. Die haben aber selber eine Menge Probleme, wird der Kommissar doch von seiner Frau Cosima betrogen und flippt zeitweilig aus und einer der anderen Polizisten, hat einen Nebenjob und erhält ein Disziplinarverfahren.

Tobias wird zusammengeschlagen und Lauras Leiche taucht auf, so daß Pia Kirchoff an seiner Schuld zu zweifeln beginnt, sie geht die alten Akten durch, aber die, mit der Aussage des ehemaligen Lehrers und jetzigen Ministers, der inzwischen erpresst wird, sind verschwunden und der Autist Thies, zeigt Amelie eine Menge Bilder und sagt, sie soll sie verstecken, sie verrät das Tobias, dann verschwindet sie und Tobias gerät wieder unter Mordverdacht.

Thies beginnt zu randalieren und kommt auf die Psychiatrie, dann verschwindet auch er, dafür wird die Mumie von Schneewittchen entdeckt und es stellt sich langsam heraus, daß das ganze dorf Dreck am Stecken hat und von Tobias Unschuld wußte. Claudius Terlinden hat Laura vergewaltigt, die von drei Burschen noch lebend in eine Grube geworfen wurde und die Ärztin, die sich so scheinbar um alles kümmert, hat Thies jahrelang falsch behandelt, damit er, der alles gesehen hat, nichts verrät.

Am Ende klärt sich alles auf und Amelie und Thies werden noch aus einem Keller gerettet, als ihnen das Wasser schon bis zum Halse steht. Es kommt noch ein Testament zum Vorschein, so daß Tobias dessen Unschuld nun bewiesen ist, noch einmal von vorn beginnen kann und das können auch Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein, die inzwischen wahrscheinlich schon weiter ermittelt und andere Fälle aufgeklärt haben.

Ein vielleicht ein wenig langatmiger Krimis, der auch einige Klischees bedient, denn soviele Reiche und Schöne wird es in dem kleinen Dörfchen im Taunus normalerweise nicht geben. Es ist aber durchaus spannend geschrieben, aktuelle Themen, wie beispielsweise, das mit dem falsch behandelten und mit Medikamenten zugeschütteten Autisten, werden angeschnitten und wurden offenbar auch sehr genau recherchiert.

Spannend auch von Nele Neuhaus Erfolg zu hören, denn inzwischen gibt es in Leipzig und in Frankfurt ja ganze Selfpublisher Halle, auch wenn alle, die ihr Buch zuerst selbst verlegen, höchstwahrscheinlich nicht so erfolgreich werden, ist sie doch ein gutes Beispiel, daß man seine Bücher auch selber machen kann und ich bin nun gespannt, ob ich noch etwas von ihr lesen oder über sie hören werde.

2016-03-07

Vielen Dank für das Leben

Filed under: Bücher — jancak @ 00:07
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Die 1962 in Weimar geborene und in Zürich lebende Sibylle Berg hat mit „Vielen Dank für das Leben“, ein alptraumhaftes Szenario über das menschliche Leben geschrieben, das auf der einen Seite dicht und eindringlich, auf der anderen vielleicht etwas übertrieben verworren ist.

Daraufgestoßen bin ich im Zuge meiner „Paul und Paula- Recherche“, denn da habe ich mich ja erkundigt, was ich in Bezug „Transgender“ noch lesen könnte? Habe es empfohlen bekommen, nachgegooglet und bin auf dem ersten Blick gar nicht auf die Problematik gestoßen, denn die  Intersexualität der Hauptperson, wird in dem Alptraumszenario  irgendwie nur mitgeschleift  und wenn man das Buch gelesen hat, ist man wahrscheinlich so depressiv, daß man die Welt, wie hier geschildert, am liebsten  verlassen möchte.

Ich bin ja vor einigen Jahren in die Kartei der „Cornelia von Goethe Akademie“ geraten und habe auf einer der Buchmessen einen diesbezüglichen Schreibratgeber, „Nähkästchen des Schreiben“ heißt er, glaube ich, gefunden und bin da auf Sybille Berg und ihren Erstroman „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ gestoßen, der da sehr gelobt wurde.

Später habe ich den Kolumnen Band „Gold“ gefunden und auf der LL ist sie 2009 mit „Ein Mann schläft“ auch  gestanden.

Voriges Jahr habe ich sie in Leipzig am blauen Sofa über „Der Tag als meine Frau einen Mann fand“  reden gehört und gedacht „Was ist das für ein merkwürdiges Buch oder kapriziöse Autorin?“ und das stimmt wahrscheinlich auch für den 2012 bei „Hanser“ erschienenen Roman, obwohl er mich sehr beeindruckt hat, denn Sibyille Berg zeigt mit klaren Worten und einer sehr starken Sprache die menschlichen Grausamenkeiten und Absuditäten. Übertreibt zum Glück natürlich maßlos dabei, denn sonst müßte man wahrscheinlich noch depressiver werden und das, was sie da über das Aufwachsen des oder der kleinen Toto in der DDR erzählt, könnte genausogut in einem katholischen Heim in Irland oder Wien geschehen sein.

Da wird ein Kind in einer kalten DDR-Klinik von einer kalten Hebamme im kalten Jahr 1966 geboren. Die Mutter ist eine Trinkerin, hat keinen Mann und das Kind hat kein eindeutiges Geschlecht. Es wird der Mutter, ich glaube sie hat keinen Namen, vom Arzt übergeben, der ihr sagt, sie muß sich für ein Geschlecht entscheiden, so wählt sie Junge, nennt ihn Toto, nimmt ihn mit nach Hause und läßt das stille ruhige Kind gleich allein, um sich Alkohol zu besorgen. Dann kauft sie schon Windeln und Milchpulver, denn in der DDR stillte man damals nicht und nimmt ihn auch auf ihren Job als Altenpflegerin in entfernte Dörfer zu abgetakelten Alkoholikern mit (man sieht Sibylle Berg Welt ist mehr als trist) und gibt ihm etwas später in ein Kinderheim ab, wo die Kinder von Republikflüchtlingen und Alkoholiker aufwachsen.

Dort wird Toto von den anderen Kindern und der Erzieherin Genossin Hagen diskriminiert, wegen des zweideutigen Geschlechts, muß er allein duschen, als er gedankenlos eine Blume abbricht, wird er zum Dieb an der Volksgemeinschaft gebrandtmarktund als er alt genug ist, um in den Stock zu ziehen, wo die Knaben und die Mädchen vereint oder getrennt sind, verkauft ihn die Erzieherin an ein ebenfalls trinkendes Bauernpaar.

Toto nimmt das allein gleichmütig hin, er dissoziert würden die Psychologen sagen. Im Heim hat er viel gelesen Dostojewski, Zola, etcetera und ich frage mich nur, wie kommt ein Heim, das den Kindern, die Teddybären wegnimmt, damit sie ḱeine Gefühle entwickeln, zu einer solchen Bibliothek?

Am Land, beim Kühemelken fängt er zu singen an und als er die Grundschule abschließt, verläßt er die Pflegefamlie und geht einfach die Landstraße eintlang. Da kommt ein Bus mit westdeutschen Abweichlern, die den Sozialismus studieren wollen und die bringen Toto über die Grenze. Er bleibt eine Weile in deren WG, dann zieht er von Knepe zu Kneipe, putzt dort und schenkt aus, unterhält die Gäste aber auch mit seinem hohen Gesang.

Der dicke Junge, der wie ein Mädchen aussieht, er wird an eine Musikschule empfohlen, fällt bei der Aufnahmsprüfung aber durch, weil die Idioten dort sein Talent nicht erkennen und hantelt sich weiter durch dieses wunderbare Leben, bis in das Jahr 2000 hinein.

Ein Kasimir kommt auch immer wieder vor,  in den hatte sich Toto schon im Heim verliebt. Der ging noch vor ihm oder ihr in den Westen, wird Hedgefondmanager und verfolgt Totos Leben. Das heißt, er vermittelt ihm zu einer Nierentransplantation, denn der dicke Junge ist auch so selbstlos, daß er niemanden etwas abschlagen kann. Da wird dann Toto zum Mädchen gemacht, was aber auch nicht viel nützt. Es nimmt sie zwar ein Krankenpfleger nach Hause und sie reist mit ihm nach Asien.

Später wird Toto Metallarbeiterin und ebenfalls  Altenpflegerin und in dem Teil, der bis in das Jahr 2030 geht, fahren Toto und Kasimir  nach Paris.

Da hat sich die Welt dann wieder verändert, der Kommunismus ist durch den Kapitalismus ersetzt worden und die Welt teilt sich in die Reichen und die Arbeitslosen. Die Mittelschicht gibt es nicht mehr und aus der Stadt Paris wurde die in die Vorstädte verdrängt. In die Stadt kommen die Touristen aus der Unterschicht und die neue Welt ist so schön und heil, wie die von Aldous Huxley.

Man darf nicht rauchen, ißt kein Fleisch und in der Nacht holt die Polizei, die Obdachlosen ab und bringt sie in ein schönes neues Pflegeheim.

Igendwann, nachdem Kasimir sie verlassen hat, kommt auch Toto dorthin und fängt, ruhig gestellt durch Tabletten zu singen an. So schön, daß ein Aufnahmeteam von den Ärtzen geholt wird. Sie stirbt dann irgendwann, ihre Lieder, steht im letzten Kapitel, das wie viele die Überschrift „Und weiter“ trägt, „wurden eine Woche später veröffentlicht. Ihr Verkauf war ein unglaublicher Mißerfolg“.

Man sieht Sibylle Berg kann es nicht lassen mit dem Pessimismus in ihrem, wie am Buchrücken steht „wütenden schrillen Roman über das einzige, was im Leben zählt.“

Sie scheint nicht viel dazuzuzählen und läßt die Leserin, ich habe es schon geschrieben,  ratlos und betroffen zurück, die denkt „Na darauf, kann ich auch verzichten!“ (Das Leben nicht aufs Buch)

2016-02-29

Poem ohne Held

Jetzt kommt wieder was ganz Altes. Kein Fund aus dem offenen Bücherschrank, sondern eines der Bücher, die ich mir für Günter Ms. „Thalia-Gutschein“ kaufe, den er mir einmal zu meinen Geburtstagsfest mitgebracht hat.

Da gab es auf der Mariahilferstraße eine Kiste, wo ein ganzer Stapel von „Reclam-Leipzig-Ausgaben“ lagen. Ein paar davon habe ich schon gelesen, die Jane Austen kommt wahrscheinlich als nächstes dran, wenn ich mit den Frühlingsneuerscheinungen, die ich einschieben sollte, fertig bin und es war interessant, Anna Achmatowa kurz nach Henry James zu lesen.

Stilistisch haben sie sich zwar nichts zu sagen und sind wahrscheinlich wie Hund und Katz miteinander zu vergleichen, aber Henry James Todestag jährte sich am Sontag, glaube ich, zum hundertsten Mal, und da häufen sich die Neuauflagen und Brigitte Schwens-Harrant, die Staatspreisträgerin für Literaturkritik, erklärte diese Woche jeden Morgen, warum man Henry James lesen sollte, obwohl das auf dem ersten Blich ja nicht so eindeutig scheint. Denn ich würde meinen, daß in Zeiten, wie diesen Anna Achmatowa viel aktueller ist, aber die ist eine Lyrikerin, also noch ein Grund, weil sich ja die „Lyrik im März“ bald naht, als solche aber wahtrscheinlich schwer verständlich, dann noch eine Russin und eine Frau, etcetera, da wären wir schon wieder bei den Vorurteilen, dabei hat man den Namen Anna Achmatowoa höchstwahrscheinlich schon womal gehört.

Bei mir war es jedenfalls so, eine berühmte russische Dichterin, deshalb habe ich auch nach dem Bändchen gegriffen, das bei „Thalia“ wahrscheinlich unverkäuflich war, so daß es in der Wühlkiste landete, aber viel mehr als den Namen, habe ich auch nicht gekannt, also zuerst einmal nachgegooglet, obwohl das Buch über einen sehr langen und ausführlichen Anmerkungsteil verfügt.

Es ist aber nicht ganz einfach zu lesen und der Titel ist eigentlich auch ein wenig irreführend, denn es ist ja nicht nur Anna Achmatowas wohl berühmtestes Gedicht darin enthalten, sondern überhaupt späte Gedichte, ab 1965 bis zu ihrem Tod in den Sechzigerjahren und ein paar Prosateste gibt es auch.

Anna Achmatowa wurde 1889 in Odessa geboren, hat einige Male geheiratet, früh zu schreiben begonnen, ist mit ihrem ersten Mann auch nach Paris gereist, wo sie den Maler Modgliani traf, ein paar Texte über ihm gab es auch in diesem Buch.

Sie war mit Michail Bulgakow und Jossip Mandelstam befreundet und mit ihnen in der Künstlergruppe der Akmeisten, zwei Gedichtbände sind im ersten Weltkrieg entstanden.

Nach der Oktoberrevolution war sie Bibliothekarin in einem landwirtschaftlichen Institut und hatte Schwierigkeiten mit der Zensur, weil sie zu erotisch und zu innerlich schrieb, dann auch Schreibverbot. Einer ihrer Ehemänner wurde wegen konterrevulionärer Tätigkeiten erschossen, der zweite und ihr Sohn wurden  in den Dreißigerjahren mehrmals verhaftet und Anna Achmatova verbrachte diese Zeit oft in Wartschlagen vor den Gefängnissen. Einmal hat sie eine sehr zusammengeschlagene Frau dort angesprochen und sie „Können Sie das beschreiben?“, gefragt.

„Und ich sagte: „Ja“ Da glitt so etwas wie ein Lächeln über das, was eimal ihr Gesicht gewesen war.“

So entstand das „Requiem, von 1935- 1940 geschrieben. Auch das gibt es in dem Buch  und noch viele andere Gedichte und Auszüge aus Zyklen, bis man zu dem Opus Magnum, dem „Poem ohne Held“ kommt, dem auch „Wikipedia“ eine ganze Seite gewidmet hat.

Zwischen 1944 bis 1962 hat Anna Achmatowa an dem Triptichon geschrieben, das eine Einleitung und einige Widmungen hat und das, wie man in den Text von Kornej Tschukowski über die Dichterin nachlesen kann und auch mir aufgefallen ist, die Lyrik sehr mit der Prosa, Tschukowski schreibt, glaube ich, Novellen verbindet, so gibt es eine Handlung, die auch genau beschrieben wird und das Ganze würde ich jetzt interpretieren, ist der Zerstörung der Stadt Leningrad oder St. Petersburg gewidmet, die Anna Achmatowa sehr geliebt hat..

So beginnt der erste Teil mit dem „Jahr Neunzehnhundertunddreizehn-Petersburger Erzählung“ und wir tauchen ein, in den Karneval, in die Ballnächte des „weissen Saals“, begegnen Sancho Pansa und Don Quichotte, kommen in das Schlafzimmer der Heldin, etcetera, um dann im zweiten Teil schon im Janur 1941 angekommen zu sein, wo „ihr Redakeur nicht zufrieden mit der Autorin ist und sie vielleicht eines Plagiates“ verdächtigen wird.

Im dritten Teil wir sind in der „weißen Nacht des 24. Juni 1942“ angekommen, gibt es dann einen Epilog, bevor es in das Wesentliche geht :

Und jemand sagte „Quo vadis?“

Doch er konnte die Lippen nicht regen,

Als mit seinen tunneln und Brücken

Zu donnern begann der verrückte Ural.

Und es öffnete sich mir der Weg,

Auf dem man vor mir gegangen

Und der meinen Sohn transportiert.

Lang war der Begräbnisweg, endlos,

ein feierliches, kristallenes Schweigen

Fesselte ring das SIBIRISCHE LAND

Fort von dem, was zu Staub war,

Marschierte, gepackt von tödlicher Furcht,

Wissend um die Frist der Vergeltung,

Die tränenlosen Augen gesenkt –

Vor mir her nach Osten, das

Die Hände ringende Rußland“

Beendet in Taschkent, wohin die Autorin, glaube ich, evakiert wurde, am 18. August 1942, steht darunter.

Anna Achitmatowa, die, wie Kornej Tschukowski schreibt, eine sehr liebenswürdige, bescheidene Frau war, die in den ärgsten Hungerszeiten, die Nestle-Dosen und Zuckerstücke, die man ihr schenkte, an andere weitergab, wurde  in den fünfziger Jahren rehabilitiert und ist am 5. März 1966, Stalins Todestag, in einem Erholungsheim gestorben. Herausgekommen ist die Versnovelle, 1967 erstmals als Ganzes in New York.

In dem  1993 in letzter Auflage, zweisprachig erschienenen Reclam-Buch ,das von Fritz Mierau herausgegeben wurde, gibt es Übersetzungen von Elke Erb, Sarah und Rainer Kirsch, sowie anderen.

Eine neuere Übersetzung des Poems ist auch von Alexander Nizberg erschienen, die man im Netz finden kann und ich würde mir  eine von ihm vorgetragene „Stunde der literarischen Erleuchtung“ mit dem Poem in der „Alten Schmiede“ wünschen, aber vielleicht hat es das schon gegeben.

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