Literaturgefluester

2016-03-07

Vielen Dank für das Leben

Filed under: Bücher — jancak @ 00:07
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Die 1962 in Weimar geborene und in Zürich lebende Sibylle Berg hat mit „Vielen Dank für das Leben“, ein alptraumhaftes Szenario über das menschliche Leben geschrieben, das auf der einen Seite dicht und eindringlich, auf der anderen vielleicht etwas übertrieben verworren ist.

Daraufgestoßen bin ich im Zuge meiner „Paul und Paula- Recherche“, denn da habe ich mich ja erkundigt, was ich in Bezug „Transgender“ noch lesen könnte? Habe es empfohlen bekommen, nachgegooglet und bin auf dem ersten Blick gar nicht auf die Problematik gestoßen, denn die  Intersexualität der Hauptperson, wird in dem Alptraumszenario  irgendwie nur mitgeschleift  und wenn man das Buch gelesen hat, ist man wahrscheinlich so depressiv, daß man die Welt, wie hier geschildert, am liebsten  verlassen möchte.

Ich bin ja vor einigen Jahren in die Kartei der „Cornelia von Goethe Akademie“ geraten und habe auf einer der Buchmessen einen diesbezüglichen Schreibratgeber, „Nähkästchen des Schreiben“ heißt er, glaube ich, gefunden und bin da auf Sybille Berg und ihren Erstroman „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ gestoßen, der da sehr gelobt wurde.

Später habe ich den Kolumnen Band „Gold“ gefunden und auf der LL ist sie 2009 mit „Ein Mann schläft“ auch  gestanden.

Voriges Jahr habe ich sie in Leipzig am blauen Sofa über „Der Tag als meine Frau einen Mann fand“  reden gehört und gedacht „Was ist das für ein merkwürdiges Buch oder kapriziöse Autorin?“ und das stimmt wahrscheinlich auch für den 2012 bei „Hanser“ erschienenen Roman, obwohl er mich sehr beeindruckt hat, denn Sibyille Berg zeigt mit klaren Worten und einer sehr starken Sprache die menschlichen Grausamenkeiten und Absuditäten. Übertreibt zum Glück natürlich maßlos dabei, denn sonst müßte man wahrscheinlich noch depressiver werden und das, was sie da über das Aufwachsen des oder der kleinen Toto in der DDR erzählt, könnte genausogut in einem katholischen Heim in Irland oder Wien geschehen sein.

Da wird ein Kind in einer kalten DDR-Klinik von einer kalten Hebamme im kalten Jahr 1966 geboren. Die Mutter ist eine Trinkerin, hat keinen Mann und das Kind hat kein eindeutiges Geschlecht. Es wird der Mutter, ich glaube sie hat keinen Namen, vom Arzt übergeben, der ihr sagt, sie muß sich für ein Geschlecht entscheiden, so wählt sie Junge, nennt ihn Toto, nimmt ihn mit nach Hause und läßt das stille ruhige Kind gleich allein, um sich Alkohol zu besorgen. Dann kauft sie schon Windeln und Milchpulver, denn in der DDR stillte man damals nicht und nimmt ihn auch auf ihren Job als Altenpflegerin in entfernte Dörfer zu abgetakelten Alkoholikern mit (man sieht Sibylle Berg Welt ist mehr als trist) und gibt ihm etwas später in ein Kinderheim ab, wo die Kinder von Republikflüchtlingen und Alkoholiker aufwachsen.

Dort wird Toto von den anderen Kindern und der Erzieherin Genossin Hagen diskriminiert, wegen des zweideutigen Geschlechts, muß er allein duschen, als er gedankenlos eine Blume abbricht, wird er zum Dieb an der Volksgemeinschaft gebrandtmarktund als er alt genug ist, um in den Stock zu ziehen, wo die Knaben und die Mädchen vereint oder getrennt sind, verkauft ihn die Erzieherin an ein ebenfalls trinkendes Bauernpaar.

Toto nimmt das allein gleichmütig hin, er dissoziert würden die Psychologen sagen. Im Heim hat er viel gelesen Dostojewski, Zola, etcetera und ich frage mich nur, wie kommt ein Heim, das den Kindern, die Teddybären wegnimmt, damit sie ḱeine Gefühle entwickeln, zu einer solchen Bibliothek?

Am Land, beim Kühemelken fängt er zu singen an und als er die Grundschule abschließt, verläßt er die Pflegefamlie und geht einfach die Landstraße eintlang. Da kommt ein Bus mit westdeutschen Abweichlern, die den Sozialismus studieren wollen und die bringen Toto über die Grenze. Er bleibt eine Weile in deren WG, dann zieht er von Knepe zu Kneipe, putzt dort und schenkt aus, unterhält die Gäste aber auch mit seinem hohen Gesang.

Der dicke Junge, der wie ein Mädchen aussieht, er wird an eine Musikschule empfohlen, fällt bei der Aufnahmsprüfung aber durch, weil die Idioten dort sein Talent nicht erkennen und hantelt sich weiter durch dieses wunderbare Leben, bis in das Jahr 2000 hinein.

Ein Kasimir kommt auch immer wieder vor,  in den hatte sich Toto schon im Heim verliebt. Der ging noch vor ihm oder ihr in den Westen, wird Hedgefondmanager und verfolgt Totos Leben. Das heißt, er vermittelt ihm zu einer Nierentransplantation, denn der dicke Junge ist auch so selbstlos, daß er niemanden etwas abschlagen kann. Da wird dann Toto zum Mädchen gemacht, was aber auch nicht viel nützt. Es nimmt sie zwar ein Krankenpfleger nach Hause und sie reist mit ihm nach Asien.

Später wird Toto Metallarbeiterin und ebenfalls  Altenpflegerin und in dem Teil, der bis in das Jahr 2030 geht, fahren Toto und Kasimir  nach Paris.

Da hat sich die Welt dann wieder verändert, der Kommunismus ist durch den Kapitalismus ersetzt worden und die Welt teilt sich in die Reichen und die Arbeitslosen. Die Mittelschicht gibt es nicht mehr und aus der Stadt Paris wurde die in die Vorstädte verdrängt. In die Stadt kommen die Touristen aus der Unterschicht und die neue Welt ist so schön und heil, wie die von Aldous Huxley.

Man darf nicht rauchen, ißt kein Fleisch und in der Nacht holt die Polizei, die Obdachlosen ab und bringt sie in ein schönes neues Pflegeheim.

Igendwann, nachdem Kasimir sie verlassen hat, kommt auch Toto dorthin und fängt, ruhig gestellt durch Tabletten zu singen an. So schön, daß ein Aufnahmeteam von den Ärtzen geholt wird. Sie stirbt dann irgendwann, ihre Lieder, steht im letzten Kapitel, das wie viele die Überschrift „Und weiter“ trägt, „wurden eine Woche später veröffentlicht. Ihr Verkauf war ein unglaublicher Mißerfolg“.

Man sieht Sibylle Berg kann es nicht lassen mit dem Pessimismus in ihrem, wie am Buchrücken steht „wütenden schrillen Roman über das einzige, was im Leben zählt.“

Sie scheint nicht viel dazuzuzählen und läßt die Leserin, ich habe es schon geschrieben,  ratlos und betroffen zurück, die denkt „Na darauf, kann ich auch verzichten!“ (Das Leben nicht aufs Buch)

2016-02-29

Poem ohne Held

Jetzt kommt wieder was ganz Altes. Kein Fund aus dem offenen Bücherschrank, sondern eines der Bücher, die ich mir für Günter Ms. „Thalia-Gutschein“ kaufe, den er mir einmal zu meinen Geburtstagsfest mitgebracht hat.

Da gab es auf der Mariahilferstraße eine Kiste, wo ein ganzer Stapel von „Reclam-Leipzig-Ausgaben“ lagen. Ein paar davon habe ich schon gelesen, die Jane Austen kommt wahrscheinlich als nächstes dran, wenn ich mit den Frühlingsneuerscheinungen, die ich einschieben sollte, fertig bin und es war interessant, Anna Achmatowa kurz nach Henry James zu lesen.

Stilistisch haben sie sich zwar nichts zu sagen und sind wahrscheinlich wie Hund und Katz miteinander zu vergleichen, aber Henry James Todestag jährte sich am Sontag, glaube ich, zum hundertsten Mal, und da häufen sich die Neuauflagen und Brigitte Schwens-Harrant, die Staatspreisträgerin für Literaturkritik, erklärte diese Woche jeden Morgen, warum man Henry James lesen sollte, obwohl das auf dem ersten Blich ja nicht so eindeutig scheint. Denn ich würde meinen, daß in Zeiten, wie diesen Anna Achmatowa viel aktueller ist, aber die ist eine Lyrikerin, also noch ein Grund, weil sich ja die „Lyrik im März“ bald naht, als solche aber wahtrscheinlich schwer verständlich, dann noch eine Russin und eine Frau, etcetera, da wären wir schon wieder bei den Vorurteilen, dabei hat man den Namen Anna Achmatowoa höchstwahrscheinlich schon womal gehört.

Bei mir war es jedenfalls so, eine berühmte russische Dichterin, deshalb habe ich auch nach dem Bändchen gegriffen, das bei „Thalia“ wahrscheinlich unverkäuflich war, so daß es in der Wühlkiste landete, aber viel mehr als den Namen, habe ich auch nicht gekannt, also zuerst einmal nachgegooglet, obwohl das Buch über einen sehr langen und ausführlichen Anmerkungsteil verfügt.

Es ist aber nicht ganz einfach zu lesen und der Titel ist eigentlich auch ein wenig irreführend, denn es ist ja nicht nur Anna Achmatowas wohl berühmtestes Gedicht darin enthalten, sondern überhaupt späte Gedichte, ab 1965 bis zu ihrem Tod in den Sechzigerjahren und ein paar Prosateste gibt es auch.

Anna Achmatowa wurde 1889 in Odessa geboren, hat einige Male geheiratet, früh zu schreiben begonnen, ist mit ihrem ersten Mann auch nach Paris gereist, wo sie den Maler Modgliani traf, ein paar Texte über ihm gab es auch in diesem Buch.

Sie war mit Michail Bulgakow und Jossip Mandelstam befreundet und mit ihnen in der Künstlergruppe der Akmeisten, zwei Gedichtbände sind im ersten Weltkrieg entstanden.

Nach der Oktoberrevolution war sie Bibliothekarin in einem landwirtschaftlichen Institut und hatte Schwierigkeiten mit der Zensur, weil sie zu erotisch und zu innerlich schrieb, dann auch Schreibverbot. Einer ihrer Ehemänner wurde wegen konterrevulionärer Tätigkeiten erschossen, der zweite und ihr Sohn wurden  in den Dreißigerjahren mehrmals verhaftet und Anna Achmatova verbrachte diese Zeit oft in Wartschlagen vor den Gefängnissen. Einmal hat sie eine sehr zusammengeschlagene Frau dort angesprochen und sie „Können Sie das beschreiben?“, gefragt.

„Und ich sagte: „Ja“ Da glitt so etwas wie ein Lächeln über das, was eimal ihr Gesicht gewesen war.“

So entstand das „Requiem, von 1935- 1940 geschrieben. Auch das gibt es in dem Buch  und noch viele andere Gedichte und Auszüge aus Zyklen, bis man zu dem Opus Magnum, dem „Poem ohne Held“ kommt, dem auch „Wikipedia“ eine ganze Seite gewidmet hat.

Zwischen 1944 bis 1962 hat Anna Achmatowa an dem Triptichon geschrieben, das eine Einleitung und einige Widmungen hat und das, wie man in den Text von Kornej Tschukowski über die Dichterin nachlesen kann und auch mir aufgefallen ist, die Lyrik sehr mit der Prosa, Tschukowski schreibt, glaube ich, Novellen verbindet, so gibt es eine Handlung, die auch genau beschrieben wird und das Ganze würde ich jetzt interpretieren, ist der Zerstörung der Stadt Leningrad oder St. Petersburg gewidmet, die Anna Achmatowa sehr geliebt hat..

So beginnt der erste Teil mit dem „Jahr Neunzehnhundertunddreizehn-Petersburger Erzählung“ und wir tauchen ein, in den Karneval, in die Ballnächte des „weissen Saals“, begegnen Sancho Pansa und Don Quichotte, kommen in das Schlafzimmer der Heldin, etcetera, um dann im zweiten Teil schon im Janur 1941 angekommen zu sein, wo „ihr Redakeur nicht zufrieden mit der Autorin ist und sie vielleicht eines Plagiates“ verdächtigen wird.

Im dritten Teil wir sind in der „weißen Nacht des 24. Juni 1942“ angekommen, gibt es dann einen Epilog, bevor es in das Wesentliche geht :

Und jemand sagte „Quo vadis?“

Doch er konnte die Lippen nicht regen,

Als mit seinen tunneln und Brücken

Zu donnern begann der verrückte Ural.

Und es öffnete sich mir der Weg,

Auf dem man vor mir gegangen

Und der meinen Sohn transportiert.

Lang war der Begräbnisweg, endlos,

ein feierliches, kristallenes Schweigen

Fesselte ring das SIBIRISCHE LAND

Fort von dem, was zu Staub war,

Marschierte, gepackt von tödlicher Furcht,

Wissend um die Frist der Vergeltung,

Die tränenlosen Augen gesenkt –

Vor mir her nach Osten, das

Die Hände ringende Rußland“

Beendet in Taschkent, wohin die Autorin, glaube ich, evakiert wurde, am 18. August 1942, steht darunter.

Anna Achitmatowa, die, wie Kornej Tschukowski schreibt, eine sehr liebenswürdige, bescheidene Frau war, die in den ärgsten Hungerszeiten, die Nestle-Dosen und Zuckerstücke, die man ihr schenkte, an andere weitergab, wurde  in den fünfziger Jahren rehabilitiert und ist am 5. März 1966, Stalins Todestag, in einem Erholungsheim gestorben. Herausgekommen ist die Versnovelle, 1967 erstmals als Ganzes in New York.

In dem  1993 in letzter Auflage, zweisprachig erschienenen Reclam-Buch ,das von Fritz Mierau herausgegeben wurde, gibt es Übersetzungen von Elke Erb, Sarah und Rainer Kirsch, sowie anderen.

Eine neuere Übersetzung des Poems ist auch von Alexander Nizberg erschienen, die man im Netz finden kann und ich würde mir  eine von ihm vorgetragene „Stunde der literarischen Erleuchtung“ mit dem Poem in der „Alten Schmiede“ wünschen, aber vielleicht hat es das schon gegeben.

2016-02-14

Die Henkerin

Filed under: Bücher — jancak @ 15:21
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Nun kommt wieder etwas ganz „Altes“ aus Alfreds Beständen, die er in Harland gesammelt hat, nämlich Pavel Kohouts „Die Henkerin“, die „Hoffmann und Campe-Ausgabe“ aus dem Jahr 1978, geht man zu „Wikipedia“ wird dort als Erscheinungsjahr 1993 angegeben, höre ich ja immer „Wikipedia“ sei sehr fehlerhaft, was ich eigentlich so nicht bestätigen kann und der 1928 in Prag geborene Pavel Kohout, der die Charta 77 unterschrieb, 1978 den österreichischen Staatspreis für europaische Literatur erhielt und seither in Wien lebt, seit der Wende wahrscheinlich auch in Prag, ist fast ein Klassiker.

Ich erinnere mich mit dem Willi, einem Freund meiner Studentenzeit, den ich im „Klub der logischen Denker“ kennenlernte, sein Stück „August August August“ gesehen zu haben. Gelesen habe ich noch nicht sehr viel, obwohl ich glaube, vor kurzem eines seiner Bücher im Schrank gefunden zu haben.

Als politischen Schelmenroman, der Klappentext schreibt von sich überbietender Absurdität, könnte man das Buch beschreiben und es ist ein sehr spannendes Stück Literatur, das einen voll sarkastischen Witz, in ein Stück der jüngeren Vergangenheit führt.

„Personen, Schauplätze und Geschehnisse sind leider frei erfunden!“, soll Kohout laut Klappentext dazu gesagt haben, „dafür sind die historischen Informationen und die zitierte Literatur gottlob streng authentisch“

Es geht gleich los in  sechs Kaptiel, die in zweiundsechzig Szenen unterteilt sind, die oft mitten im Satz aufhören und beginnen.

Die bildhübsche Linzinka, ein blonder Engel, fünfzehn Jahre alt, hat die Pflichtschule beendet und da müßen die Eltern in Prag, ich nehme an, die Handlung spielt dort, sich was für den weiteren Werdegang einfallen, beziehungsweise ihre Beziehungen und Reize spielen, lassen und Lizinka ist, sowohl bei der Eignungsprüfung fürs Gymnasium, als auch bei der des Konservatoriums durchgefallen.

Die Mama dreht durch, sperrt sich im Badezimmer ein, beschimpft den Papa, einen nutzlosen Philologen, der schon bei der Telefonseelsorge anruft, dann erscheint sie geschminkt und ruft den einflußreichen ehemaligen Liebhaber an. Der fährt zwar mit der Gattin auf Schiurlaub, verweist Mama Luzie aber an eine Kommission und der fällt zuerst Bäckerin und Melkerin ein, fragt dann aber, ob „Das Fräulein nicht vielleicht Vollstreckerin werden will?“

Lizinka nickt blauäugig, so rückt die Aufnahmekommission in die Wohnung der Tachecis an. Lizinka besteht mit Bravour und köpft, bezeihungsweise tötet im Badezimmer einen Fisch und einen Hahn, der aufrechte Papa bekommt zwar einen Tobsuchtsanfall, als er begreift, um welchen Beruf es sich handelt, aber Linzika-Täubchen nickt wiederum begeistert.

Die Aufnahmekommission bestand aus dem Scharfrichter Professor Wolf, seinen Assistenten Schimssa und den Gehilfen Karli und die ersten beiden begeben oder begaben sich gemeinsam mit einem nicht näher genannten Doktor, ein Jahr lang in ein Cafe, um dort den Lehrplan für ihre Scharfrichterakademie, ein einjähriger Jahrgang mit Abitur auszuklügeln.

Es gibt sieben Schüler, sechs Burschen und der Gleichberechtigung wegen, Linzinka, die die erste Henkerin der Welt werden soll und die Schüler beziehungsweise einer davon, der Fleischersohn Richard und die beiden Lehrer verlieben sich in die schöne Jungfrau.

Das wird mit der beschriebenen sich überbietenden Absurdität geschildert, dazwischen geht es in die Geschichte der Folterungen und Henkermethoden zurück und die sieben Schüler machen am Samstag mit ihren Lehrern auch immer Excursionen in Foltermuseen, etcerta.

Zuerst ist aber Weihnachten und da hängt bei den Tachecis ein so schweren Paket an der Tür, daß die Schnalle abfällt, Richard hat seiner Angebeten nämlich das beste Fleisch aus dem Hause seiner Eltern geschickt und kommt dann auf Besuch um sie zum Eislaufen auszuführen.

Das führt zu Streit zwischen den Eltern, ein Nebenbuhler taucht auch auf und als die Klasse zum Silvesterschiausflug aufbricht, hat die Klasse einen Schüler, nämlich Richard, weniger.

Das Leben geht aber weiter, denn im Juli muß die Meisterprüfung, sowie das Abitur bestanden werden.

Dann erfährt man viel vom Werdegang des Dozenten Schimssa, der vom Staat, das heißt von Waisenhäusern und Kasernen aufgezogen wurde, bevor er in Prof. Wolf seinen Mentor fand und bevor er Henker wurde, hatte er noch eine erstaunliche Karriere als Foltermeister hiner sich gebracht und der, obwohl er eigentlich auf schwarzhaarige Frauen steht, verliebt sich in das blonde Prinzesschen, so führt er, als Wolf der Hexenschuß plagt und die Samstagexcursion absagt, seinen Auftrag das auszurichten, nicht ganz aus, sondern fährt mit Linzinka in das Seminarhotel und will sie dann, damit sie Extrapunkte sammeln kann, als Gehilfin zu einer Vollstreckung mitnehmen. So führt er sie in sein Wochenendhaus, schickt sie in die Badewanne, füllt sie mit Whisky ab und dann kann er nicht. So schleppt er die noch Angetrunkene ins Gefängnis, holt den Deliquenten hinzu und die Schule hat dann einen Lehrer weniger und Wolf muß seine restlichen Schüler und die Schülerin alleine zum Abitur führen.

Aber erst beginnt er sie auf eine Excursion mitzunehmen, obwohl er zu Hause eine liebende Gattin hat, aber die kann ihm keine Kinder schenken, so nehmen die beiden einen Kranz und fahren damit nach Deutschland in ein ehemaliges KZ um ihn dort niederzulegen.

Das führt, wir ahnen es schon, zu Komplikationen, obwohl Engelchen Lizinka keinen Widerstand leistet und mit einem schwarzen Abendkleid und blonden Zöpfen ihren Lehrer und dem Leiter des KZ-Museums in ein Restaurant und dann zu einem makabren Spiel folgt, bei dem früher die Häftlinge, jetzt Hunde dran mußen.

Ein Kuß von Lizinka ist das Pfand, sie küßt am Ende beide und den sterbenden Hund und bevor sie zurückkommen gibt es im Zug noch eine unheivolle  Ent- oder Verwicklung, dann kommt Wolf aber reumütig zu seiner Marketa zurück und das Abitur beginnt.

Das besteht Linzinka mit Bravour, denn die Aufnahmekommission ist gnädig und die Mama hat ihr die wichtigen Fakten ohnedies auf die Handballen geschrieben, die praktische Meisterprüfung besteht aus einer Art Kabarett, das heißt ein Schwein wird gehängt, das bei der anschließenden Feier gleich gegessen wird, Dozent Schmimscha ist der zweite Aufknüpfungskanditat und mit dem Doktor gibt es, wie sich herausstellen soll, auch Probleme.

Prof. Wolf schwebt aber im siebenten Himmel, läßt sich von seiner Frau scheiden, hält bei der Feier um Linhzinkas Hand an, beschließt aber gleich, die Menage dann a la trois zu betreiben, mit Marketa, der schönen Ex, mit Mama Lucie die ihm auch Avancen macht und mit Engelchen Linzika, der weltweiten ersten Henkerin.

Ein wahres Schelmenstück der tschechischen Widerstandsliteratur, aber inzwischen hat sich die Weltlage ja geändert, geköpft und gehängt wird wahrscheinlich nicht mehr in der tschechischen Republik und was mir nicht so gefällt ist das Cover, da gibt es nämlich das Bild eines hübschen Blondchens mit  der Henkerkappe und einer Schlinge auf ihrem nackten Busen zu sehen.

Pavel Kohout spielt aber schon ein bißchen mit dem Weiblichkeitsklischee und stellt seine Heldin ein bißchen als nicht besonders eigenwillige femme fatal dar.

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