Literaturgefluester

2019-06-09

Der trübe Morgen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:29
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Jetzt kommt nach den „Schwestern“, gleich Teil drei von Alexej Tolstois Trilogie „Der Leidenweg“ über die russische Revolution, denn den zweiten Teil habe ich ausgelassen, obwohl ich ihn mir von Stephan Teichgräber ausborgen hätte können, denn der hat ja  im November in dem Antiquariat in der Margaretenstraße alle drei Bände für das „Doml“, beziehungsweise seinem „Revolutionsworkshop“ gekauft.

Aber damals war ich noch so mit meinen Rezensionsexemplaren beschäftigt und hatte wahrscheinlich weder die deutschen noch die österreichischen Buchpreisbücher alle gelesen, so daß ich gar nicht daran dachte, mich an die mehrfach umgeschrieben und dem sozialistischen Realismus angepassten Bücher des 1945 verstorbenen Alexejs Tolstois zu machen.

Aber es kommt ja immer anders als man denkt, die Rezensionsexemplare sind ausgelesen, jetzt könnte ich mich an meine Backlist machen, wo  noch einiges wartet, aber da bin ich vom „Theodor Kramer-Sommerfest“ nach Hause gefahren,  am „Wortschatz“ vorbeigekommen und da lag der „Trübe Morgen“ diesmal nicht in der schönen Ausgabe, die Stephan Teichgräber, um zwanzig Euro erstanden hat, sondern in einer schon recht vergilbten „Globus-Ausgabe“ aus dem Jahr 1984, die vierte durchgesehene Ausgabe, aus dem „Ragusa Verlag in Moskau“, die in der UDSSR gedruckt wurde.

Das sieht man dem Papier auch an. Die Übersetzung stammt wieder von Maximilian Schick, der, wie ich „Wikipedia“ entnehme, 1884 in Moskau geboren und dort 1968 gestorben ist. Von 1882- bis 1907 lebte er in   Berlin, wo er auch studierte und war außer als Übersetzer auch als Balletkritiker tätig.

Daß ich den zweiten Teil, „Das Jahr Achtzehn“ ausgelassen habe, könnte man bereuen, denn ich habe mich, da in dem Buch keine Inhaltsangabe und auch keine Notizen zum Autor, noch ein Vorwort oder ein Nachwort enthalten ist, mit dem Lesen, beziehungsweise den Lücken recht schwer getan.

Teil eins endet mit der Revolution und dem Sturz des Zaren. Teil drei spielt, glaube ich, von 1919 bis 1920 und schildert hauptsächlich Kampfhandlungen, die sich bis in die Ukraine ziehen. Die Rote Armee und die Bolschewiken müßen gegen die „Weißen“ und die „Kosaken“ kämpfen und da bräuchte man wahrscheinlich ein historisches Vorwissen, um die Abläufe zu verstehen und dann habe ich ja, natürlich selbstgewollt, eine Lücke, was mit den Schwestern im Jahr 1918 passiert ist, was man leider auch nicht in „Wikipedia“ nachlesen kann, denn offensichtlich haben sich die Paare getrennt.

Darja ist mit einem ehemaligen Popen in einem Dorf unterwegs. Ihr Mann Iwan Iljitsch Telegen kommandiert ein Matrosenregiment, wo es auch eine Köchin namens Anissja, eine ehemalige Bäuerin gibt, die durch die Kosaken oder die „Weißen“ ihren Mann und ihre zwei Kinder verloren hat.

Katjas zweiter Mann Wadim Petrowitsch ist auf der Suche nach ihr und erfährt in einem Restaurant von einem deutschen  Offizier, daß sie noch am Leben ist.

Sie ist inzwischen als Lehrerin in der  Ukraine tätig, muß von dort aber nach Moskau flüchten, siedelt sich in ihrer ehemaligen Wohnung, die inzwischen von einem  Genossen Maslov bevölkert ist, der sie fragt, ob sie nicht wisse, „daß man in Moskau des Hungers stirbt!“, sie dann aber doch in ihrem ehemaligen Zimmer wohnen läßt, sie aber sexuell bedrängt.

So daß es gut ist, daß sie zuletzt doch zu ihrem Wadim Petrowitsch und natürlich auch zu Telegin und ihrer Schwester findet, am Ende, das ist dann schon im kalten Winter 1920, begeben sie sich alle zu einem Vortrag in ein Theater, wo auch der Genosse Lenin anwesend ist und das Buch schließt mit den dramaischen Sätzen:

„Der Würfel ist gefallen!“, sprach der Mann an der Karte, auf den Stock wie auf eine Lanze gestützt. „Wir kämpfen auf den Barrikaden für unser und der Welt Recht, ein für allemal der Ausbeutung des Menschens durch den Menschen ein Ende zu machen.“

Die Leserin weiß im Sommer 2019, daß das nicht gelungen ist und kann noch hinzufügen, daß „22. Juni 1941“, darunter steht.

Unter den „Schwestern“ in der schönen Moskauer Ausgabe ist „1921“ gestanden, so daß man raten kann, ob es sich bei Band drei schon über eine überarbeitete Ausgabe handelt, während der erste noch eine Frühform ist, das Buch ist aber in den Fünfzigzerjahren erschienen.

Anmerken kann ich auch noch, daß es einige sehr beeindruckende Stellen gibt, wie beispielsweise die, wo der Kommandant den ehemaligen Popen in eines der Dörfchen schickt. Denn es naht ein christliches Fest, die sind zwar jetzt abgeschafft, die Bauern aber noch immer gläubig und sie brauchen auch die Feste, um ihre Jungfrauen zu verheiraten und die Kinder zu taufen. Vorher liefern sie kein Getreide ab. So kommt der Pope und traut und die Mädchen haben sich auch alle mit kostbaren Kleidern herausgeputzt, die sie wohl vorher den Bürgerlichen oder dem Adel entwendet haben.

Eine zweite ist dann die, wo die Truppe um Telegen Schillers „Räuber“ mit Anissja als „Amalie“ und dem Popen als „Franz“ aufführt.

Bücher spielen in Tolstois Trilogie, beziehungsweise den zwei Teilen, die ich gelesen habe, auch eine große Rolle und ein spannendes Detail ist da, daß sich der Genosse Maslow mit dem „utopischen Sozialismus“ beschäftigt und Katja seine Bücher zeigt, wo ich mich frage, ob eines davon, vielleicht Samatjatins „Wir“ ist, mit dem wir uns bei Stephan Teichgräbers „Utopieworkshop“ ein wenig beschäftigt haben, aber das war damals vielleicht noch nicht erschienen.

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2016-03-28

Die sieben Tage des Abraham Bogatir

Weil wir nicht mehr nach Ungarn fahren, habe ich jetzt von den Harland-Büchern, den Roman des 1925 geborenen György G. Kardos, eine DDR-Ausgabe, von 1980, die sich der Alfred wohl von seinen DDR-Besuchen mitgebracht hat, gelesen und auf den Autor bin ich schon im vorigen Jahr aufmerksam geworden, als ich die ebenfalls schon ältere „UngarnAtnhologie“ bei unseren beiden Ungarn-Aufenthalten gelesen haben.

Und der Roman des Autors über den man nicht sehr viel im Netz findet, der „Wikipedia-Eintrag“ ist auf Ungarisch, die DDR-Bücher scheint es nicht antiquarisch zu geben, wurden sie ja, glaube ich, 1989  in großen Stil weggeworfen oder vergraben, nur einen alten „Spiegel-Eintrag“ über den Roman, der 1947während palästinesischen-israelischen Krieges in dem kleinen Dörfchen Beer-Tuvia spielt und György G. Kardos, der 1997 in Budapest gestorben ist, wurde 1944 von den Faschisten in ein Arbeitslager verschleppt. Dann wanderte er in das damalige Palästina aus, kam wieder nach Ungarn zurück, hat über seine dortigen Erlebnisse einen Roman geschrieben, der, wie im Klappentext steht, ein großer Erfolg  und in die verschiedensten Sprachen übersetzt wurde.

„Die sieben Tage des Abraham Bogatir“, sind wahrscheinlich eine biblische Anspielung, der Abraham wird auch mit dem Hiob verglichen und auf Ungarisch scheint das Buch „Abraham Bogatir Wochen“ zu heißen, so wird es jedenfalls von „Google“ übersetzt.

Der Abraham Bogatir ist ein alter Jude, der nach oder vor dem ersten Weltkrieg von Charkow nach Israel auswanderte und nun in dem kleinen Dörfchen eine Landwirtschaft betreibt. Er hat eine Frau, Malka, die als ziemlich zänkisch beschrieben wird und zu der  sonst so gute Abraham, so wird er im Klappentext beschrieben, manchmal ziemlich unhöflich ist.

Einen Sohn hat er während des Krieges verloren, der andere, Dan, ist darüber verrückt geworden und die Mutter leidet mit ihm, eine tüchtige Tpchter rina gibt es auch und eines Nachts läutet oder pocht es und ein Junge mit einer Pistole steht vor der Tür.

Der er wird auch als Terrorist bezeichnet, versucht sich vor den britischen Soldaten, die alles kontrollieren zu verstecken, erzählt Abraham nicht viel von dem woher und dem warum, aber der nimmt ihn bei sich auf, gibt ihm als die von der Arbeitsorganisation geschickte Aushilfe aus und Rina oder Rinele führt ihn auch in die Landwirtschaft ein.

Weil man aber doch seine Papiere sehen will, macht sich Abraham auf den Weg nach Jerusalem, um sie zu besorgen. Er wird dabei verhaftet, ständig kontrolliert und als er mit einer alten russischen Freundin, Anna, in ein Konzert  will, das noch dazu von einem Dirigtenten namens Bernstein, richtig, Leonhard, dirigiert wird und er sich dazu auch noch eine Hose kauft, kann er nicht gehen, denn es gibt eine Ausgangssperre und er muß im Hotel bleiben.

Drei Tage von den sieben dauert die Reise nach Jerusalem und zurück. Dort dringen dann die Briten in das Dörchen ein, machen eine Hausdurchsuchung, der Junge David wird im Schweinstall versteckt und dann in einen Orangenhain gebracht und von dort flüchtet er und läßt den guten Menschen Abraham, der mit allen konnte, den Beduienen, den Arabern, den Briten (nur nicht mit seiner Frau), resigniert zurück und György G. Kardos hat vermutlich seine Israel Erlebnisse in dem Buch verarbeitet, das inzwischen, so gut wie vergessen ist, in Zeiten wie diesen, wo auch sehr viel in Israel und auch woanders passiert, aber sehr interessant ist.

Voriges Jahr war Israel das Schwerpunktthema der Leipziger Messe, einen Rorman von David Grossmann habe ich auch gelesen und einen anderen gefunden und über die israelisch-palästinensiche Konflikte, habe ich vor kurzem in der „Alten Schmiede“ gehört und ganz anders gelagert, ist wahrscheinlich auch Hans Weigels „Unvollendete Symphonie“ zu dem Thema passend, denn da ist ja 1947 oder so, ein Jude aus dem Schweizer Exil zurückgekommen und freundet sich in dem Nachkriegs-Wien mit jungen Künstlern an, um auch eine wichtige Rolle, in diesem Fall in der Kulturvermittlung, zu spielen.

2016-02-20

Sein Leben ein Traum

Jetzt kommt etwas ganz Altes aus dem Bücherschrank, der in der Bücherbilde Gutenberg“ erschienene „Grillparzer Roman“ von Friedrich Schreyvogl, des Großneffens von Joseph Schreyvogel, der 1899 in Wien geboren wurde, ein katholischer Dichter war, 1933 vom Pen-Club in die illegale NDSAP eintrat, dort in der Reichstumschriftkammer tätig war, sich nach 1945 wieder auf seine Katholizität besann und bis zu seinem Tod 1976 in Wien im literarischen Leben aktiv tätig war. Er hat auch ein Ehrengarab am Zentralfriedhof und gilt wie ich „Wikipedia“ entnehme „als wendiger, schnell und vielschreibender Literat.“

So gibt es auch eine lange Werkliste und einige Grillparzer-Bücher sind dabei.

Mein Buch hat das Copyright 1940 aus dem „Zsonay-Verlag“ und ich habe es schon vor einiger Zeit gefunden und auf die Leseliste gesetzt, nachdem ich Ruth Aspöcks „Reisen mit Grillparzer“ gelesen habe.

Ich bin ja kein so besonderer Fan des österreichischen Nationaldichters, gehe auch nicht mehr viel ins Theater.

„Weh dem der lügt“, hat mich aber sehr beeindruckt und als ich als Hauptschülerin von der städtischen Bücherei mit einer Grillparzer-Gesamtausgabe nach Hause kam, habe ich sie glaube ich, auch ziemlich ungelesen wieder zurückgebracht.

Trotzdem sehr interessant den 1940 geschriebenen Roman mit all dem historischen Wissen, das man inzwischen hat, zu lesen, er  ist noch in der alten Schrift, die aber relativ leicht zu lesen ist und beginnt auf einem Schloß bei einem Grafen, wo der junge Grillparzer nach seinem Jusstudium Hofmeister war.

Der Graf jagt ihm bei Regen auf einen offenen Wagen zu einer Kirche, der Fieberwahn oder ode ersten Dichterphantasien wieder, später treffen wir ihn dann in Wien, wo er als Konzipient gearbeitet hat und ein Freund die ersten Verse entdeckt, die werden Joseph Schreyvogel, der damals Burgtheaterdirektor war zugespielt und der Aufstieg beginnt.

„Die Ahnfrau“ im „Theater an der Wien“, die den jungen Dichter sofort berühmt machen und während er an der „Sappho“ schreibt, erhängt sich die Mutter, der Bruder bringt sich um und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

„Medea“ wird geschrieben und Grillparzer lernt in einem Salon Kathi Fröhlich kennen, die jüngste von vier Schwestern, die ihr von ihrem Unheil erzählt, weil ihre Mutter mit den Kindern jeden Tag auf den Friedhof geht, um dort den toten Bruder zu besuchen, so daß die kleinen Mädchen, den als Spielplatz benützten.

Die großgewordene Kathi geht mit Grillparzer und Franz Schubert in den Weinbergen spazieren und dann auf den Grinzinger Friedhof und Schreyvogel deutet an, daß sie vielleicht deshalb die ewige Braut geblieben ist, weil es in ihrem Zimmer, als er sie besuchen wollte, so unaufgeräumt war und sie dann noch aus Trotz einen Hausschuh einfach unters Bett beförderte, während der zweite schon im Bett versteckt war.

Grillparzer, der schon an seinen „König Ottokar“ denkt, will sich, um sich ganz der Dichtung zu widmen auch aus dem Staatsdienst entfernen, ein hellsichtiger Minister hindert ihn daran, denn man braucht ja die Wurzeln, wenn der Geist in die Höhe fließen wird.

Er soll auch für Beethoven ein Libretti schreiben, entscheidet sich für die „Schöne Melusine“, die aber von dem tauben Titanen nie komponiert werden wird.

So trifft er sich mit Gleichgesinnten im „Ludmannsbund“, gerät dabei mit der Zensur in Schwierigkeiten und geht auf große Deutschlandreise, besucht in Berlin Hegel und in Weimar nimmt sich der doppelt so alte Goethe sogar einen ganzen Tag für ihn Zeit.

Beethoven stirbt und eine mögliche Geliebte, eine andere heiratet, war Grillparzer wirklich so ein Frauenheld, aber der verknöcherte Hofarchivdirektor, wie wir ihn von den Bildern kennen, wird einmal jung gewesen sein und in dem Biedermeier-Wien sehr beliebt.

„Ein treuer Diener seines Herrn“ wird geschrieben, „Des Meeres und der Liebe Wellen“ und, daß es an der Zeit ist, sich an „Ein Traum ein Leben“ heranzuwagen, daran erinnert ihn, ein bei einer Kur in Gastein gekaufter schwarzer Stock.

Die deutschen Dichter Heinrich Laube und Karl Gutzkow kommen nach Wien und besuchen den „Blauen Stern“, wo Nikolaus von Lenau, Grillparzer und andere Dichtergrößen ihren Stammtisch haben, dann geht es auf die von der Ruth beschriebenen Reisen nach England und Frankreich, wo Grillparzer in Paris im Palais Rothschild mit den Meistern Meyerbeer und Rossini zu Abend essen wird. Das der letztere ein Feinspitz ist, weiß ich von einem Kochbuch, das ich einmal geschenkt bekommen habe. Bei Rothschild darf der den Champagner goustieren und erkennt den Jahrgang am Geschmack, dafür komponiert er nicht mehr und Grillparzer soll auch bald in die Krise kommen, taucht doch plötzlich ein bisher unerwähnter Bruder auf, den er im Gefängnis in Linz begeben hat, denn der „wahnsinnige“ Zollbeamte, hat einen Mord gestanden, der nur in seinen Träumen geschah und Bruder Franz, jetzt Vierzigjährig schreibt „Weh dem der lügt“ und wird dafür im Burgtheater ausgepfiffen.

Es geht mit dem Schiff auf der Donau bis nach Konstantinopel. Erwin Riss hat darüber, glaube ich, ein Hörspiel gemacht und Ruth Aspöck ist ihm nachgefahren und zum dreiundfünfzigsten Geburtstag gibts für den ersten österreichischen Dichter ein großes Fest in der „Concordia“. Waldmüller hat dazu ein Portrait gemacht und dann kommt die Revolution.

Für ein Gedicht auf Feldmarschall Radetztky bekommt Grillparzer eine große Ehrrung, aber kein Geld und die Excellenzen bemühen sich in den vierten Stock des Hauses, in der die Wohnung der Schwestern Fröhlich liegt, in der Grillparzer ein Zimmer gemietet hat.

Die letzten Theaterstücke scheint er nur mehr für sich selbst geschrieben zu haben,  die Ehrungen und die Stürze kommen und im einundachtzigsten Lebensjahr, stirbt der grantige Herr Hofrat an Alterschwäche. Vorher hat ihn noch die Schauspielerin Charlotte Wolter besucht, ins Burgtheater, wo Heinrich Laube Direktor wurde, ist er dann nicht mehr gegangen.

Und so sind wir mit dem wendigen Dichter in sehr anschaulichen Bildern und vielen Wetterschilderungen in achtzehn Kapiteln und drei Teilen auf vierhundertfünfzig Seiten, durch Grillparzers Leben gegangen und haben seine Träume kennengelernt.

Friedrich Schreyvogl hat auch an der Herausgabe der Grillparzer Gesamtwerke mitgearbeitet und von seinem Großonkel vielleicht auch einiges an Wissen gehabt.

2016-01-05

Bücher-Schnitzeljagd

Filed under: Büchergeschichten,Glosse — jancak @ 00:56
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Jetzt kommt der zweite Füllartikel, weil die Veranstaltungen erst am Montag anfangen und ich nicht so schnell im Lesen bin und im Zeiten der Frühjahrsvorschauen auf den Bloggerseiten gar nicht anders möglich, geht es um Bücher. Um meine Bücherliste und die darauf stehen, daß ich sie 2016 lesen will, in meinen Bücherbergen aber noch nicht gefunden habe, denn ich bin ja eine, die häufig sucht, umräumt, verstellt und dann bei dem hohen Stapel, den ich schon im Schlafzimmer habe, nichts mehr findet und das macht mich, ich gebe es zu, leicht nervös.

Macht nichts könnte man sagen „Kommt Zeit, kommt Rat, lies zuerst das, was du schon im Beadezimmer liegen hast, denn erinnere dich, an den vorvorigen achten Dezember, da hast du einen Tag lang krampfhaft alles für 2015 gesucht und  sehr viel davon, Ende des Jahres ungelesen zurückgetragen und wenn ich so auf meine Liste schaue, sieht es fast so aus, daß es 2016 nicht anders wird.

Also hast du einen guten Grund, ein Buch, wie etwa die „Blutigen Steine“ von Donna Leon nicht zu lesen und du hast ja genügend anderes zur Auswahl.

So weit so gut und voll richtig, trotzdem ertappe ich mich beim Suchen und bei meinen guten Vorsätzen heuer wirklich alles und wahrhaftig zu lesen, was auf der Liste steht, ertappe ich mich auch.

Den anderen Bücherbloggern wird es ähnlich oder vielleicht noch schlimmer gehen, denn die wühlen sich  gerade durch die Vorschauen und listen auf, was man 2016 alles an den neuen Büchern lesen soll.

Da hat Sarah Kuttner eines geschrieben, das offiziell noch nicht erschienen ist, Tobias Nazemi hat es aber bereits gelesen und es ergeben sich schon Diskussionen, ob Sarah Kuttner der Literatur zuzuzählen oder bloß geschwätzig ist?

Da kenne ich jetzt schon die Vorurteile, daß alles was linear geschrieben ist und vielleicht nach Reportage klingt, das angeblich nicht ist, auch wenn die Autorin, am zehnten Dezember nach Stockholm fliegt,  Arno Schmidt und Thomas Bernhard, etcetera, aber nicht dort waren.

Nun gut, das ist nicht mein Problem, denn ich will ja alles lesen, also liebäugle ich schon ganz heimlich mit der neuen Sarah Kuttner, dem neuen Thomas Glavinic, obwohl ich den ja nicht so unbedingt mag und und…

Aber ich habe noch kaum Vorschauen gelesen, obwohl ich das vielleicht doch sollte, weil ich im August so ungefähr wissen will, was auf dieser Liste stehen wird, was ich nicht kann, wenn ich keine Vorschauen lese.

Aber gut, daß ich heuer eher nicht anfrage und mich nur damit begnüge schlecht „Nein!“, sagen zu können, wenn das jemand bei mir tut und dann eigentlich froh sein müßte, wenn die avisierten Bücher nicht kommen, denn so hat die 2016 Liste, eine Chance und die „Klappentexterin“, die ihre Bücher „Schätzchen“ nennt, hat vor einigen Tagen, eine solche Vorschau gemacht und  auch bedauert, daß sie noch nicht alles vom Herbst gelesen hat und von einer Callenge erzählt, die derzeit im Netz kursiert, wo sich die Bücherblogger dafür anmelden 2016 mindestens ein Buch zu lesen, das älter als fünf Jahre ist.

„Was soll das?“, könnte man fragen.

So an die siebzig, achtzig Prozent der Bücher meiner Leseliste sind das und so gesehen habe ich mit Anne Enrights „Geschenk des Himmels“ diese Challenge schon erfüllt, obwohl ich nicht an ihr teilnehme und einen Vicki Baum Schwerpunkt habe ich 2016 ja auch und einige Bücher von B. Traven stehen  auf meiner Liste.

Aber einige, die draufstehen, liegen noch nicht im Bad oder in Harland über dem Bett und da ist einmal gleich Buch zwei auf der Liste, nämlich die schon erwähnten „Blutigen Steine“.

Da war ich vorhin beim „Bücherschrank“ zu einer Zeit, wo es günstig ist und da haben wohl auch einige Leute ihre Bücherschränke für das neue Jahr und die neuen Vorschauen ausgeräumt und es gab sehr viel Donna Leon darin.

Die „Blutigen Steine“, die ich mir dann schnell genommen hätte, aber nicht, dafür habe ich soeben Williams Faukner „Licht im August“ doch, aber an einer anderen Stelle, als erwartet gefunden und dazu noch Amoz Oz „Im Lande Israels“, das ich  gar nicht gesucht habe.

So zehn bis fünfzehn Bücher würde ich mal schätzen fehlen noch. Genau kann ichs gar nicht sagen, denn ich habe zwar die Leseliste ausgedruckt, aber die ist jetzt so angestrichen, daß ich die Übersicht verloren habe. Was auch nichts macht, denn wenn ich einfach mit dem Lesen anfange, komme ich schon darauf, was fehlt und dann brauche ich im Oktober nicht so viel zurücktragen.

Aber dann werde ich nervös und denke ich sollte Ralph Rothmanns „Messers Schneide“ unbedingt finden und Bernhard Hütteneggers „Die Tarnfarbe“, sowie Simons Becketts „Flammenbrut“ und und und…

Am Mittwoch ist noch ein Feiertag, da könnte ich ordentlich umräumen und durchmischen. Aber vielleicht auch mit dem Lesen anfangen und bei mir wieder eine höchstpersönliche Callenge einführen oder das 2016 Lesejahr unter dem Schlagwort „Ältere Bücher“ führen und damit meine ich die, die ich auf der Leseliste habe und das ist ja das Tolle an den offenen Bücherschränken, daß man dort Bücher findet, die sonst an mir vorübergegangen wären.

Die der Francoise Sagan zum Beispiel oder des Alberto Moravia wieder und und, aber das sind Autoren, die jetzt ein Verlag neu aufgelegt hat und so haben die Blogger vor einiger Zeit, eine Verlosung gestartet, wo man genau diese neu aufgelegten alten Bücher, gewinnen konnte.

Es ist ein Kreislauf, natürlich selbstverständlich und es gibt zuviele Bücher, das weiß ich jetzt schon, stört mich aber nicht sehr, wie es mich auch nicht stört, wenn ich demnächst alle 2016 Bücher gefunden habe, das würde ich schon gern und dann schließlich doch nicht alle lese, weil ich  auch ein bißchen Buchpreisbloggen will, vor allem, weil es heuer einen österreichischen Buchpreis geben wird und auch schlecht nein sagen kann.

Vor ein paar Jahren, als meine Leseliste noch nicht so vollgepropft war, habe ich mich auf das neue Jahr gefreut, weil ich dann die Bücher, die ich in den Schränken fand, gleich lesen konnte. Jetzt ist das schwieriger, wenn ich beispielsweise was Tolles der letzten oder vorletzten Jahresproduktion der dBp von 2012, 2013 bzw. 2014 beispielsweise finde, denn wann lese ich das dann, angesichts der übervollen Liste, die sich schon so  nicht ausgeht?

Luxusprobleme, ich weiß, schreib ich wieder und freue mich natürlich auf die Neuerscheinungen und darauf, daß ich die vielleicht finden oder bekommen werde und ansonsten in Volldampf auf die neue Liste schauen und da stehen tolle Sachen darauf, die ich schon gefunden habe und alsbald lesen kann.

Mit Hans Fallada, der ja bei „Aufbau“ wieder neuaufgelegt wird, fange ich an, dann kommt Stephenie Meyers „Biss zum Morgengrauen“ und das ist so ein Buch für diese Bücherchallenge, nämlich ein Jugendbestseller von vorvorgestern, nach dem Harry Potter, der mich nicht interessiert und den ich wahrscheinlich nicht lesen will und vor „Shades of Grey“, da liegt auch schon ein Band im Regal und dazwischen gibt es  jede Menge Vicki Baum und Pearls S. Buck, denn die interessieren mich auch, wie auch Luise Rinser, die in späteren Jahren ihren Schwerpunkt haben wird.

Es gibt also viel zu tun, wenn man sich ein bißchen, was ich ja will, durch den Literaturkanon lesen möchte die Bücherschränke bieten mir die Möglichkeit, die Übersicht zu bewahren und die Bücherbloggern machen mich neugierig auf ihre Vorschauen und gelegentlich finde ich auch ein neueres Buch in den Schränken, beispielsweise eines, das vor ein oder zwei Jahren auf der dBp-Liste stand oder ich gehe zum Bücherquizz auf die „Buch-Wien“ oder auf diverse Flohmärkte, wo man dann, um ein oder zwei Euro das finden kann, was im Vorjahr in aller Munde war und jetzt schon passe ist, weil sich alle durch die Frühjahrs- Herbst- oder was immer Vorschauen wühlen.

Ich denke die Mischung machts und bin in diesem Sinne  sehr gespannt, wie es heuer mit meiner Bücherliste werden wird, ob ich die fehlenden 2016  Bücher noch finde und welche Neuerscheinungen sonst irgenwie  zu mir kommen werden?

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